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Zweites Kaiserreich

Der Ausdruck Zweites Kaiserreich (französischSecond Empire) steht für die Periode von 1852 bis 1870 in der Geschichte Frankreichs. Der offizielle Staatsname war Französisches Kaiserreich (französischEmpire français). In dieser Zeit war Napoleon III. der Kaiser der Franzosen. In den ersten Jahren bis etwa 1860 regierte Napoleon autoritär. Auch als Folge der wachsenden Opposition sah er sich zu schrittweisen Reformen veranlasst, die 1870 in ein parlamentarisches Regierungssystem mündeten. Außenpolitisch gelang es zunächst, das internationale Ansehen Frankreichs zu stärken, ehe in den 1860er Jahren die Erfolge weitgehend ausblieben. In wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht spielte die industrielle Entwicklung und damit neue Bevölkerungsgruppen wie die Industriellen oder die Arbeiter eine wichtige Rolle. Frankreich stieg zu einer der stärksten Wirtschaftsmächte auf. Der Glanz des Empire spiegelte sich unter anderem im Umbau von Paris zu einer modernen Metropole wider. Das Ende kam mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Nach der Gefangennahme des Kaisers nach der Schlacht bei Sedan wurde in Paris die Dritte Republik ausgerufen.

Das Königtum der Julimonarchie wurde 1848 durch die Februarrevolution von 1848 gestürzt und durch die zweite Republik ersetzt. Louis Napoleon Bonaparte nutzte bei den Präsidentenwahlen von 1848 den Nachruhm seines Onkels Napoleons I. aus und gewann die Wahl. Die revolutionären Kräfte wurden zurückgedrängt und bei den Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung setzten sich die eher konservativen Kräfte durch. Louis Napoleon baute seine Position in der Folge aus. Im Oktober 1849 wurde das bisherige Kabinett unter Odilon Barrot entlassen. Das neugebildete Kabinett stand unter seiner eigenen Leitung. Ein Aspekt für den Regierungswechsel war, dass das alte Kabinett mit Hilfe des französischen Militärs die Macht des Papstes im Kirchenstaat gestützt hatte, was Louis Napoleon wegen der extrem antiliberalen Politik Pius’ IX. missbilligte.

Das Parlament verfolgte einen noch rechteren Kurs als der Präsident. Die Universitäten wurden der Aufsicht eines Gremiums unterstellt, das aus Vertretern des Staates und der Kirche bestand. Die Volksschullehrer wurden stärker kontrolliert und das Wahlrecht wurde 1850 eingeschränkt. Das allgemeine Wahlrecht wurde abgeschafft, nur noch Steuerzahler, die drei Jahre an einem Ort gewohnt hatten, durften wählen. Die Zahl der Wähler sank so um etwa ein Drittel. Diese Einschränkung des Wahlrechts war eine Initiative des Parlaments. Der Präsident unterschrieb das Gesetz, konnte aber zu einem späteren Zeitpunkt fordern, das allgemeine Wahlrecht wieder einzuführen. Damit konnte er das Parlament in die Defensive drängen und sich der Linken als Partner empfehlen.

Problematisch für Louis Napoleon war, dass er nach Ablauf seiner Amtszeit laut Verfassung nicht wieder gewählt werden konnte. Er war also um eine Verfassungsänderung bemüht. Er reiste durch die Provinz und vergrößerte dabei seine Anhängerschaft. Die Bonapartisten richteten eine entsprechende Petition an die Nationalversammlung. Diese stimmte zwar am 19. Juli 1851 mit großer Mehrheit zu. Der Antrag verfehlte aber durch die Ablehnung der Legitimisten und der linken Republikaner die nötige Zweidrittelmehrheit. Louis Napoleon blieb daher nur der Weg über einen Staatsstreich mit Unterstützung durch die Armee. Zuvor beantragte er im Parlament die Rückkehr zum allgemeinen Wahlrecht. Der Antrag wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt. Die populäre Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht konnte Napoleon für sich ausnutzen.

Bei der Organisation des Staatsstreichs spielte sein Halbbruder Charles de Morny eine wichtige Rolle. Dieser wurde von Louis Napoleon zum neuen Innenminister ernannt. Am Jahrestag des Sieges von Austerlitz und der Krönung Napoleons I. führte er den Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 aus. Große Truppenverbände wurden rund um Paris zusammengezogen und strategisch wichtige Punkte in der Stadt von zuverlässigen Polizeikräften besetzt. Die Nationalversammlung wurde aufgelöst, das alte Wahlrecht eingeführt und eine neue Verfassung angekündigt. Bekannte politische Gegner ließ Louis Napoleon verhaften. Unerwartet kam es zu teilweise gewalttätigen Widerständen in Paris und der Provinz gegen das Vorgehen. Dagegen ging das Militär gewaltsam vor. Zehntausende dabei Verhaftete warteten teils monatelang auf einen Prozess. Insgesamt wurden 30.000 Personen verhaftet. Davon wurden 3000 zu Gefängnisstrafen verurteilt und weitere 10.000 deportiert.

Den Staatsstreich ließ Louis Napoleon durch ein am 21. und 22. Dezember 1851 durchgeführtes Plebiszit legitimieren. Dabei stimmten fast 7,5 Millionen Wähler zu und nur 650.000 verweigerten Louis Napoleon ihre Stimme. Weitere 1,5 Millionen enthielten sich. Danach wurde die Amtszeit des Präsidenten auf zehn Jahre verlängert und seine Kompetenzen derart erweitert, dass die Republik nur noch auf dem Papier stand. Louis Napoleon nannte sich fortan „Prince-Président“. Damit kündigte sich bereits der Anspruch auf den Kaisertitel an.

Am 7. November 1852 ließ er sich durch einen Beschluss des Senates den Kaisertitel zusprechen. Seither nannte er sich Napoleon III. Dieser Schritt wurde von einer weiteren Volksabstimmung legitimiert. Dabei stimmten 7,8 Millionen dafür und nur 200.000 dagegen. Ungültig waren 65000 Stimmen. Die Kaiserwürde war erblich, der Kaiser hatte bei eigener Kinderlosigkeit das Recht, aus der Familie einen Nachfolger zu adoptieren. Im Hinblick auf die Staatssymbole griff das Zweite Kaiserreich auf das Erste Kaiserreich zurück. Die Funktion einer Nationalhymne erfüllte ein Lied, das die Ägyptische Expedition von 1798 besang: Partant pour la Syrie.

Allegorie auf das Zweite Kaiserreich

Nach dem Plebiszit vom 21./22. Dezember 1851 ließ Louis Napoleon in den letzten Tagen des Dezembers 1851 und den ersten Tagen des Januars 1852 in aller Eile durch seine Ratgeber Eugène Rouher und Raymond-Théodore Troplong eine neue Verfassung ausarbeiten. Sie trat am 14. Januar 1852 in Kraft.

Die Macht war nach der neuen Verfassung beim Präsidenten (beziehungsweise später beim Kaiser) konzentriert. Das Parlament wurde stark geschwächt und in seinen Befugnissen beschränkt. Dessen Unterhaus, die Abgeordnetenkammer, wurde bewusst als „Corps législatif“ (Gesetzgebende Körperschaft) genannt. Die seit der Französischen Revolution übliche Bezeichnung „Nationalversammlung“ entfiel. Denn nicht mehr ein Parlament, sondern der Präsident sollte die Nation verkörpern. Der Präsident war allein dem Volk und nicht dem Parlament gegenüber verantwortlich. Die Minister unterstanden ausschließlich dem Staatschef, vom Vertrauen des Parlaments waren sie nicht mehr abhängig. Es gab keinen Premierminister und kein Kabinett, sondern alle Fachminister verkehrten direkt mit dem Staatsoberhaupt. Auch der Staatsrat war nur dem Präsidenten unterstellt.

Das Corps législatif verlor das Initiativrecht für Gesetze. Es konnte den Vorlagen der Regierung nur noch entweder zustimmen oder diese ablehnen. Es durfte nicht mehr auf eigenen Beschluss hin zusammentreten, sondern wurde vom Staatschef einberufen. Zudem war es dem Staatsrat unterstellt. Gewählt wurde das Corps législatif auf sechs Jahre durch allgemeines Männerwahlrecht. Der Einfluss der Parteien sollte dadurch gebrochen werden, dass statt der Listenwahl das Mehrheitswahlrecht eingeführt wurde. Auch wurden durch die Wahlkreiseinteilung die ländlichen Regionen bevorzugt und die Großstädte benachteiligt.

Neben dem Corps législatif bestand mit dem Senat eine weitere Parlamentskammer, als ein Oberhaus. Seine 150 Senatoren waren hohe Militärs, Geistliche und vor allem vom Staatsoberhaupt ernannte Personen. Da das Staatsoberhaupt „seinen“ Senat zusammenstellte, war dieser sein Werkzeug. Zudem war das Staatsoberhaupt durch die Verfassung ermächtigt, die Senatoren großzügig zu bezahlen, mit bis zu 30.000 Francs jährlich. Diese Kammer hatte die Aufgabe, eventuelle nicht genehme Initiativen des Corps législatif zu stoppen. Durch einen sogenannten „sénatus-consulte“ (Senatskonsult) konnte es die Verfassung abändern.

Insgesamt handelte es sich um ein System mit starken autoritären Anteilen. Die Volkssouveränität wurde aber nicht in Frage gestellt. Vielmehr wurde das Volk verschiedentlich in Volksentscheiden befragt und damit die Handlung des Staatsoberhaupts oder der Regierung legitimiert. Von Bedeutung war auch die direkte Anknüpfung an das Erste Kaiserreich und den napoleonischen Mythos.

Victor Hugo kritisierte das Regime von seinem Exil auf den Kanalinseln aus.

In einer ersten Phase bis gegen Ende der 1850er Jahre konnte Napoleon weitgehend autoritär regieren („Empire autoritaire“). Eine nennenswerte Opposition gab es nicht mehr. Die meisten führenden Republikaner und Sozialisten befanden sich im Exil. Darunter waren Louis Blanc, Victor Hugo, Edgar Quinet und andere. Andere gingen in die „innere Emigration“ und zogen sich vom politischen Leben zurück. Die orleanistischen Eliten waren noch desorientiert.

Die Regierung förderte außerdem die Wahl ihr genehmer Abgeordneter massiv. Es gab geradezu offizielle Kandidaten der Regierung, die von den lokalen Behörden massiv unterstützt wurden. Bei den ersten Wahlen im Februar 1852 kamen so nur acht Oppositionelle ins Parlament, die auf die Ausübung ihres Mandats verzichteten.

Napoleon konnte sich auf einen Großteil der ländlichen Bevölkerung, auf einen Teil des Großbürgertums, auf den Klerus und auf ultramontan gesinnte katholische Kreise stützen. Auch die Armee und der Staatsapparat standen hinter dem Regime. Eine wichtige Rolle spielte auch die Kirche und anderen Religionsgemeinschaften. Da die Geistlichen wie Beamte vom Staat besoldet wurden, konnten sie auch im Sinne des Regimes instrumentalisiert werden.

Obwohl die Freiheitsrechte von 1789 in der Verfassung garantiert waren, wurde die öffentliche Meinungsäußerung durch eine Verschärfung des Pressegesetzes im Jahr 1852 und andere Maßnahmen merklich eingeschränkt. Die politische Polizei wurde zudem ausgebaut.

Auf Dauer geriet das System immer stärker unter Druck. Nicht nur wuchs die Opposition der Arbeiter, auch andere eher konservative oder ultramontane Teile der Gesellschaft wandten sich zunehmend ab. Von den überzeugten Katholiken wurde die Politik des Kaisers in der italienischen Einigung mit Blick auf den Kirchenstaat abgelehnt. Beachtliche Teile der Unternehmer lehnten die Freihandelspolitik vehement ab. Zumal trat die Erinnerung an die zeitweise chaotischen Verhältnisse während der zweiten Republik allmählich in Vergessenheit.

Bei den Wahlen von 1857 gelang es der Opposition trotz Repression und der Unterstützung der offiziellen Kandidaten, insbesondere in einigen größeren Städten Wahlerfolge zu erzielen. Aufs Ganze gesehen konnte sich das Regime freilich weiter auf 90 % der Abgeordneten stützen. Anfangs reagierte der Kaiser auf die wachsenden Opposition mit Repression. Ein gescheitertes Attentat, begangen durch Felice Orsini, nahm Napoleon III. 1858 zum Anlass gegen Republikaner vorzugehen.

Das Regime profitierte in einem hohen Maß vom wirtschaftlichen Aufschwung. In der Zeit Napoleons III. setzte sich die moderne industrielle Wirtschaft durch. Diese Entwicklung hat die Regierung stark gefördert. Dabei war Napoleons Wirtschaftspolitik weitgehend liberal orientiert. Staatsinterventionistische Maßnahmen etwa zu Gunsten der Arbeiter spielten nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings trat das Regime durchaus mit einem sozialpolitischen Anspruch auf. Aber man setzte darauf, dass der wirtschaftliche Aufschwung auch zur Verbesserung der sozialen Lage führen würde.

Von nachhaltiger Bedeutung war der starke Ausbau der Eisenbahn. Mit Paris als Zentrum entstand ein Gesamtnetz von 18.000 km. Die Ausrichtung des Eisenbahnsystems auf Paris hatte auch Nachteile. Es gab so gut wie keine Verbindungen zwischen den anderen Städten Frankreichs wie etwa Caen, Marseille, Bordeaux oder Lyon. Um von einer Stadt zur nächsten zu gelangen, musste man über Paris fahren. Dies sollte sich als besonders nachteilig im Krieg von 1870/71 erweisen, als Truppen nicht rasch genug bewegt werden konnten.

Édouard Manet, Vue de l’exposition de 1867

Der Eisenbahnbau förderte die Entwicklung auch der Industrie, insbesondere natürlich von Bergbau und Schwerindustrie. Zahlreiche neue Banken entstanden, die zur Kapitalbildung beitrugen. Die Zahl der Rentiers nahm stark zu. Zur Förderung des Handels wurden die Häfen von Bordeaux und Marseille ausgebaut.

Frankreich stieg nach Großbritannien zur zeitweise zweitstärksten Wirtschaftsnation auf. Allerdings hatte der wirtschaftliche Wandel auch Grenzen. Die Großindustrie machte nur einen kleinen Teil des produzierenden Gewerbes aus. Nach wie vor dominierte der Kleinbetrieb. Die Landwirtschaft blieb der größte Sektor und die Masse der Bevölkerung lebte auf dem Land oder in kleinen Gemeinden. Allerdings eröffnete die Industrialisierung für die ländliche Bevölkerung wirtschaftliche Vorteile. Die Landwirtschaft insgesamt, aber vor allem die Besitzer größerer Höfe und die Notablen profitierten von der guten Konjunktur. Die Arbeiterbauern, deren Erwerb sich aus landwirtschaftlicher und gewerblicher Arbeit zusammensetzte, wurde zu einer verbreiteten Erscheinung.

In diese Zeit fällt auch die Modernisierung der Städte. Insbesondere Paris wurde unter Leitung von Georges-Eugène Haussmann durch den Abriss der alten Elendsviertel, die Anlage von Boulevards und Ringstraßen in eine moderne Metropole verwandelt. In der Stadt entstanden Prachtbauten wie die Pariser Oper.

Dadurch wurden freilich die sozialen Probleme in der Hauptstadt nicht gelöst, vielmehr belasteten die steigenden Mieten das Einkommen der ärmeren Schichten stark. Während auf dem Land sich die soziale Lage verbesserte, blieb die Situation in den Städten problematisch. Immerhin stiegen die Löhne an und die strukturelle Beschäftigungslosigkeit gehörte der Vergangenheit an. In zwei Weltausstellungen 1855 und 1867 präsentierte sich Frankreich selbstbewusst als führende Industrienation. Gleichzeitig sollten die Ausstellungen das Prestige des Kaisers stärken.

Das Wachsen der politischen Opposition in den 1860er Jahren hatte auch mit sozialer Unzufriedenheit zu tun. Preise und Mieten stiegen und hinzu kam zeitweise eine konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Unter den oppositionellen Arbeitern dominierte noch der ältere Republikanismus, aber es kam auch die Forderung nach einer sozialen Republik auf und auch Ansätze sozialistischer Gedanken gab es. Die traditionellen ländlichen Notabeln konnten ihren Einfluss weitgehend bewahren. Aber das Städtewachstum bedrohte ihre Position. Das Regime versuchte diese Gruppe zu schützen, damit sie nicht in das Lager der Opposition überging. Unter anderem wurde versucht, sie in den öffentlichen Dienst zu integrieren. Ähnliches versuchte man mit anderen Teilen der traditionellen Eliten. Dies ging zu Lasten der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Sektors.

Von großer Bedeutung auch für den Bestand des Systems waren außenpolitische Erfolge. Wie sein Onkel Napoleon I. versuchte Napoleon III. Frankreich zur dominierenden Macht in Europa zu machen. In den 1850er Jahren war er außenpolitisch durchaus erfolgreich. Die Ausgangslage Frankreichs war um 1852 immer noch die eines seit dem Wiener Kongress 1815 nicht vollständig gleichberechtigten Landes, das für alle europäischen Mächte als revolutionärer Unruheherd galt. Das erste Ziel der napoleonischen Politik musste demnach sein, diese außenpolitische Isolation zu überwinden.

Gesandte auf dem Pariser Kongress von 1856

Ein erster Schritt war die Teilnahme am Krimkrieg: Russland hatte vom Osmanischen Reich Gebiete gefordert, welche im heutigen Rumänien und Bulgarien (Dobrudscha) liegen, und den Osmanen den Krieg erklärt. Frankreich trat auf Seite der anti-russischen Koalition in den Krieg ein und konnte ihn auf Napoleons Initiative durch den Frieden von Paris (1856) beenden. Diese Konferenz verhalf Frankreich zur Wiederanerkennung des Großmachtstatus durch die europäischen Mächte. Napoleon III. konnte durch die Leitung der Friedensverhandlungen sein Ansehen stark vermehren. Für Frankreich vorteilhaft war, dass Russland und Österreich geschwächt aus dem Konflikt hervorgingen.

Darüber hinaus wurden die Freiheitsbewegungen in Polen und auf dem Balkan unterstützt. Auch unterstützte er die Christen im Libanon. Eine durchaus wichtige Rolle spielte das Kaiserreich bei der Unterstützung der nationalen Einigung in Italien. Dabei wollte Napoleon III. mit Rücksicht auf seine ultramontanen Anhänger aber den Kirchenstaat erhalten. Als Schutzherr der nationalen Idee trat Frankreich auf Seiten des Königreich Sardiniens gegen das Kaisertum Österreich in den Sardinischen Krieg von 1859 ein. Als Folge der Niederlage Österreichs in den Schlachten von Magenta und Solferino konnte ein einheitlicher italienischer Nationalstaat geschaffen werden. Der Preis, den Sardinien-Piemont für die Unterstützung Frankreichs zahlen musste, bestand in der Abtretung der Grafschaft Nizza an der Côte d’Azur sowie Savoyens (des Gebiets südlich des Genfersees). Um den Anschluss zu legitimieren, ließ Napoleon (Schein-)Abstimmungen in den teils italienischsprachigen Gebieten durchführen, die erwartungsgemäß zustimmend ausfielen. Nachdem das neue Italien einen Großteil des Kirchenstaates besetzt hatte, ließ Napoleon III. zum Schutz des Rests des Kirchenstaates Rom und seine Umgebung besetzen. Dies dauerte bis zum Ende des Kaiserreichs an.

Napoleon in der Schlacht von Solférino

Der Bau des Suezkanals ab 1859 durch eine stark französisch orientierte Gesellschaft war gegen englische Interessen gerichtet. Nur mühsam konnte der Bruch mit Großbritannien vermieden werden. Dabei spielte auch der Freihandelsvertrag (Cobden-Vertrag) eine wichtige Rolle.

In den 1860er Jahren blieben die äußeren Erfolge weitgehend aus. Im Deutschen Krieg von 1866 zwischen Österreich und Preußen sowie ihren jeweiligen Verbündeten blieb Frankreich neutral und bot seine Vermittlung an. Vergeblich forderte Napoleon III. nach dem preußischen Sieg Luxemburg und Belgien, um so einen gewissen Ausgleich für den preußischen Machtzuwachs in Norddeutschland zu erhalten. Sein Versuch 1867 Luxemburg zu kaufen, lösten die Luxemburgkrise aus, die zu scharfen Protesten von deutscher Seite führten. Im Londoner Vertrag vom Mai 1867 wurde die Neutralität Luxemburgs festgeschrieben.

Im Konflikt um die Nichtbegleichung von Staatsschulden besetzten französische Truppen 1862 die mexikanische Hauptstadt (→ Französische Intervention in Mexiko). Dabei konnte Frankreich davon ausgehen, dass die USA im Amerikanischen Bürgerkrieg gebunden waren und somit nicht die Monroe-Doktrin durchsetzen würden. Die mexikanische Republik wurde aufgelöst und der österreichische Erzherzog Maximilian zum Kaiser gemacht. Die Niederlage Maximilians im Mexikanischen Bürgerkrieg und der Abzug der französischen Truppen 1866 wurde in Frankreich als Niederlage aufgefasst.

Hauptartikel: Französische Kolonien
Empfang des siamesischen Botschafters 1861

Frankreich benötigte Absatzmärkte und Rohstofflieferanten für seine Wirtschaft. Außerdem trug man spätestens seit der Französischen Revolution von 1789 auch den Anspruch vor, die Welt zivilisatorisch zu missionieren. Das Kolonialreich bestand um 1850 fast nur noch aus Inseln wie Guadeloupe, Martinique, Saint-Pierre und Miquelon, Réunion und pazifischen Gebieten wie Neukaledonien. Die Eroberung Algeriens hatte schon 1830 begonnen und war durch die Fremdenlegion durchgeführt worden.

Die Phase der neuen Kolonialpolitik begann 1855 unter Außenminister Alexandre Colonna-Walewski, einem unehelichen Sohn Napoleons I. Bereits 1854 hatte die Eroberung des Senegal eingesetzt, die 1865 erfolgreich beendet wurde. Die Stadt Dakar, der Verwaltungssitz des Kolonialministeriums, wurde 1857 gegründet. Aus diesem Gebiet Westafrikas sollte später Französisch-Westafrika entstehen.

Schon die Compagnie des Indes hatte Interessen in Südostasien (vgl. Indochina) bekundet. 1858 wurde ein gemeinsames französisch-spanisches Kontingent dorthin entsandt, um die Verfolgung westlicher Missionare zu beenden und den Expansionsdrang durch Thailand (Siam) zu beschränken, wie es offiziell hieß. Die nächsten 15 Jahre waren von schweren Kämpfen erfüllt, die erst die Dritte Republik beendete. 1860 wurden das Mekong-Delta und Saigon (Cochinchina) erobert, nur zwei Jahre später wurde Kambodscha französisches Protektorat. Dies war der Beginn von Französisch-Indochina.

1864–1871 gab es schwere Aufstände gegen die Kolonialmacht in Französisch-Nordafrika, die erst im Zuge des Deutsch-Französischen Krieges beendet wurden. 1871 lebten bereits 300.000 europäische Siedler in dem Küstenstreifen Algeriens.

In Madagaskar verfolgte Napoleon III. eine subtilere Politik und setzte auf eine langsame Infiltration. Diese endete jedoch 1863 mit der Ermordung des frankophilen Königs Radama II. Erst in den 1890er Jahren konnte die Insel unter französische Oberhoheit gestellt werden.

Adolphe Thiers war einer der Führer der Opposition.
Emile Ollivier war 1870 der erste parlamentarisch verantwortliche Regierungschef während des Kaiserreichs.

Napoleon III. sah sich innenpolitisch von verschiedener Seite immer stärker unter Druck gesetzt und versuchte durch eine allmähliche Liberalisierung, neuen Rückhalt zu finden. Seit 1860 wurde das bislang stark autoritäre System allmählich in Richtung einer parlamentarischen Regierung umgebaut. Die Rechte des Parlaments wurden gestärkt, die Zensur und das Verbot der Koalitionsbildung wurden gelockert. Auch wurden seit 1860 die Parlamentsdebatten veröffentlicht. Dennoch befand sich das Regime in der Defensive.

Bereits bei den Wahlen von 1863 hatten sich die Stimmen zu Gunsten der Opposition vervielfacht. Die regierungsnahen Kandidaten erhielten 5,3 Millionen Stimmen, die der Opposition fast 2 Millionen. Hinzu kamen 2,7 Millionen Enthaltungen. Vertreten waren alle politischen Schattierungen von den Legitimisten über die Orleanisten bis hin zu den Republikanern. Der inoffizielle Führer der Opposition wurde Adolphe Thiers. Neben der älteren Generation spielten auch Jüngere wie Léon Gambetta eine zunehmend wichtige Rolle. Daneben gab es die sogenannten Unabhängigen, die zwar grundsätzlich auf dem Boden des Kaiserreichs standen, aber weitgehende Reformen forderten. Auch unter den offiziellen Kandidaten gab es solche, die nicht mehr in allen Punkten hinter dem Regime standen.

Der Kurs des Kaisers blieb unklar und zögerlich. Zwar wurde die Position eines Staatsministers geschaffen, der die Regierungspolitik im Parlament zu vertreten hatte, aber weitergehende politische Reformen blieben zunächst aus. Demgegenüber wurde die Opposition immer selbstbewusster und Thiers forderte im Parlament die Wiedereinführung des parlamentarischen Regierungssystems. Noch deutlicher wurde Léon Gambetta. Immer stärker begannen sich auch die Arbeiter zu organisieren. Ausdruck fand dies im Manifest der Neunundsechzig.

Es kam 1864, 1865, 1867, 1868 und 1870 zu zahlreichen gut organisierten Streiks. Dabei wurden Forderungen etwa nach dem Zehn-Stunden-Tag gestellt. Nachdem eine Delegation französischer Arbeiter von einer Reise nach England zurückgekommen war, forderten sie die Koalitionsfreiheit. Außerdem begannen sie sich als eine besondere soziale Gruppe zu begreifen und stellten bei den Wahlen eigene Kandidaten auf. Die Regierung kam den Forderungen entgegen, als sie 1864 das Koalitionsrecht zugestand. Dieses Recht war indes mit Einschränkungen verbunden. Allerdings verhinderte die ab 1867 verschlechterte Wirtschaftslage, die Arbeiter in das bonapartistische System zu integrieren. Vor allem nach der Auflösung der französischen Sektion der ersten Internationalen gingen viele Arbeiter ins Lager der Opposition über und bildeten zusammen mit den radikalen Kleinbügern um Gambetta deren Kern.

Infolge des außenpolitischen Rückschlags nach dem Sieg Preußens 1866 begann die Opposition die nationalistischen Ressentiments gegenüber den Deutschen für ihre Zwecke zu nutzen. Das Regime versuchte die Lage durch erneute liberale Reformen zu entschärfen. Im Jahr 1867 erhielt das Parlament das Interpellationsrecht. Eine Lockerung der Zensur hatte allerdings das Entstehen von oppositionellen Presseorganen zur Folge. Reformen im Bildungswesen und beim Militär scheiterten.

Bei den Wahlen von 1869 kamen die regierungsnahen Kandidaten auf 4,4 Millionen Stimmen. Für die Opposition stimmten über 3,3 Millionen Wähler. Zentren der Opposition waren die Industriegebiete und größeren Städte. Im Jahr 1869 erhielt das Parlament das Recht auf Gesetzesinitiativen. Der Höhepunkt der Liberalisierungspolitik (empire liberal) wurde 1870 erreicht, als Napoleon III. Émile Ollivier, den Führer der „Dritten Partei“, mit der Bildung einer parlamentarisch unterstützten Regierung beauftragte. Eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung erbrachte eine große Mehrheit.

Napoleon III. bei Sedan von Wilhelm Camphausen

In Spanien wurde seit 1868 ein Thronfolger gesucht und nach längeren Recherchen fiel die Wahl schließlich auf einen Hohenzollern aus dem katholischen Zweig der Familie, dessen Kandidatur durch den protestantischen preußischen Zweig unterstützt wurde. Frankreich sah nun abermals die Gefahr, welche schon einmal unter Kaiser Karl V. bestanden hatte, nämlich die Einkreisung Frankreichs durch eine gegnerische Macht. Ferner bestand die Möglichkeit, dass Napoleons Sohn, dessen Mutter ja eine geborene spanische Prinzessin war, gleichfalls diesen Thron übernehmen konnte.

Auf diplomatischen Druck Frankreichs hin lehnte der katholische Hohenzollernfürst ab. Napoleon wollte diesen diplomatischen Sieg auskosten und zu einem außenpolitischen Triumph bzw. einer Demütigung Preußens werden lassen: Durch einen Gesandten wurde dem preußischen König Wilhelm I., der im Juli 1870 zur Kur in Bad Ems weilte, eine Nachricht zugestellt, die den ewigen Verzicht auf den spanischen Thron verlangte. Wilhelm benachrichtigte seinen Ministerpräsidenten Bismarck per Depesche.

Bismarck kürzte diesen Text und veränderte ihn minimal, sandte aber Kopien davon an die Regierungen der übrigen europäischen Mächte. Bismarcks Text, die sogenannte Emser Depesche, war so gehalten, dass niemand diese Forderung annehmen konnte. Napoleon war in den Augen der damaligen Öffentlichkeit entehrt und sah sich genötigt, Preußen den Krieg (19. Juli 1870) zu erklären. Somit war Napoleon der Angreifer, um Frankreichs Ehre zu retten. Die Schutz- und Trutzbündnisse Preußens mit den süddeutschen Staaten führten dazu, dass dieser Krieg gegen Frankreich zum nationalen Einheitskrieg wurde.

Für Napoleon verlief der Deutsch-Französische Krieg ungünstig: Die französischen Armeen verloren bei Sedan am 2. September 1870 und der Kaiser persönlich geriet in Kriegsgefangenschaft. In Paris wurde bei Eintreffen dieser Nachricht schon am 4. September 1870 die Dritte Republik ausgerufen. Das napoleonische Kaiserreich war beendet.

Bedeutende Personen waren:

  • Antoine Olivesi, André Nouschi: La France de 1848 à 1914. L’évolution politique et sociale de la Deuxième République à la Première Guerre Mondiale. Neuausg. Nathan, Paris 2005, ISBN 2-200-34259-4 (EA 1997).
  • Choisel, Francis: La Deuxième République et le Second Empire au jour le jour. chronologie érudite détaillée. CNRS Editions, Paris 2015.
  • Tulard, Jean (Hrsg.): Dictionnaire du Second Empire. Fayard, Paris 1995.
  • William H. Smith: Napoléon III. Hachette, Paris 1984, ISBN 2-501-00526-0.
  • Louis Girard: Napoléon III. Fayard, Paris 1986.
  • Eric Anceau: Napoléon III, un Saint-Simon à cheval. Tallandier, Paris 2008.
  • Manfred Wüstemeyer: Demokratische Diktatur. Zum politischen System des Bonapartismus im Zweiten Empire. Böhlau, Köln 1986, ISBN 3-412-08385-2 (zugl. Dissertation, Universität Köln 1983).
  • Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteurer und Imperator. Casimir Katz, Gernsbach 2006, ISBN 3-938047-16-X.
  • Federico Trocini: Tra Realpolitik e deutsche Freiheit. Il bonapartismo francese nelle riflessioni di August Ludwig von Rochau e di Heinrich von Treitschke. In: Rivista Storica Italiana, Jg. 121 (2009), Heft 1, S. 338–387,ISSN .
  • Gilbert Ziebura: Frankreich von der Großen Revolution bis zum Sturz Napoleons III. 1789–1870. In: Walter Bussmann (Hrsg.): Handbuch der europäischen Geschichte. Bd. 5, 2. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 1998, S. 296–316.
  • Peter C. Hartmann: Geschichte Frankreichs. 4. Auflage, C. H. Beck, München 2007, S. 67–70.
  • Regina-Bianca Kubitscheck: NAPOLÉON III., Charles-Louis-Napoleón Bonaparte. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 22, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2, Sp. 869–886. ()
  • Guy Cogeval, Yves Badetz, Paul Perrin, Marie-Paule Vial: Spectaculaire Second Empire. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Musée d’Orsay und Skira, Paris 2016, ISBN 978-237-074-04-27.
Commons: Zweites Kaiserreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Oskar Höcker: Der Nationalkrieg gegen Frankreich in den Jahren 1870 und 1871: Ehrentage, S. 16
  2. Charlotte Tacke: Von der Zweiten Republik his zum Ersten Weltkrieg (1848–1914). In: Ernst Hinrichs (Hrsg.): Kleine Geschichte Frankreichs. Reclam, Stuttgart, aktualisierte und ergänzte Ausg. 2006, ISBN 3-15-010596-X, S. 311–360, hier S. 321.
  3. auf der Webseite des französischen Senates, abgerufen am 21. Juli 2017.
  4. Charlotte Tacke: Von der Zweiten Republik his zum Ersten Weltkrieg (1848–1914). In: Ernst Hinrichs (Hrsg.): Kleine Geschichte Frankreichs. Reclam, Stuttgart, aktualisierte und ergänzte Ausg. 2006, ISBN 3-15-010596-X, S. 311–360, hier S. 322.
  5. Robert W. Reichert: Anti-Bonapartist Elections to the Academie Francaise during the Second Empire. In: The Journal of Modern History.Band35,Nr.1. University of Chicago Press, Chicago März 1963,S.33–45 (englisch).
Regierungssysteme und Vorgängerstaaten Frankreichs

Fränkisches Reich (481–814) | Westfränkisches Reich/Königreich Frankreich (987–1791)/Zeit der konstitutionellen Monarchie (1791–1792) | Erste Republik (1792–1804) | Erstes Kaiserreich (1804–1814/15) | Königreich der Franzosen (1814/15–1830 Restauration & 1830–1848 Julimonarchie) | Zweite Republik (1848–1852) | Zweites Kaiserreich (1852–1870) | Dritte Republik (1871–1940) | Vichy-Regime (1940–1944) | Provisorische Regierung (1944–1946) | Vierte Republik (1946–1958) | Fünfte Republik (seit 1958)

Zweites Kaiserreich
zweites, kaiserreich, frankreich, zwischen, 1852, 1870, sprache, beobachten, bearbeiten, empire, français, französisches, kaiserreich, 1852, 1870flagge, wappenverfassung, verfassung, zweiten, kaiserreichsamtssprache, französischhauptstadt, parisstaatsform, dik. Zweites Kaiserreich Frankreich zwischen 1852 und 1870 Sprache Beobachten Bearbeiten Empire francais Franzosisches Kaiserreich 1852 1870Flagge WappenVerfassung Verfassung des Zweiten KaiserreichsAmtssprache FranzosischHauptstadt ParisStaatsform Diktatorisches KaiserreichRegierungsform Absolute Monarchie 1 mit einem Erbmonarchen an der Staatsspitze auf autokratischer GrundlageStaatsoberhaupt 1852 bis 1870 Kaiser der Franzosen Napoleon III Regierungschef 1852 bis 1869 1869 bis 1870 1870 Kaiser der Franzosen Napoleon III Ministerprasident Emile Ollivier Charles Cousin MontaubanWahrung Franzosischer FrancBeginn 1852Ende 1870Nationalhymne Partant pour la Syrie franzosisch fur Nach Syrien abreisend Karte Der Ausdruck Zweites Kaiserreich franzosisch Second Empire steht fur die Periode von 1852 bis 1870 in der Geschichte Frankreichs Der offizielle Staatsname war Franzosisches Kaiserreich franzosisch Empire francais In dieser Zeit war Napoleon III der Kaiser der Franzosen In den ersten Jahren bis etwa 1860 regierte Napoleon autoritar Auch als Folge der wachsenden Opposition sah er sich zu schrittweisen Reformen veranlasst die 1870 in ein parlamentarisches Regierungssystem mundeten Aussenpolitisch gelang es zunachst das internationale Ansehen Frankreichs zu starken ehe in den 1860er Jahren die Erfolge weitgehend ausblieben In wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht spielte die industrielle Entwicklung und damit neue Bevolkerungsgruppen wie die Industriellen oder die Arbeiter eine wichtige Rolle Frankreich stieg zu einer der starksten Wirtschaftsmachte auf Der Glanz des Empire spiegelte sich unter anderem im Umbau von Paris zu einer modernen Metropole wider Das Ende kam mit dem Deutsch Franzosischen Krieg von 1870 71 Nach der Gefangennahme des Kaisers nach der Schlacht bei Sedan wurde in Paris die Dritte Republik ausgerufen Napoleon III Inhaltsverzeichnis 1 Der Weg zum Kaisertum 2 Die Verfassung von 1852 3 Empire autoritaire 4 Wirtschaft und Gesellschaft 5 Aussenpolitik 6 Kolonialpolitik 7 Allmahliche Liberalisierung 8 Deutsch Franzosischer Krieg 1870 71 9 Kultur und Geistesleben 10 Ausstellungen 11 Literatur 12 Weblinks 13 FussnotenDer Weg zum Kaisertum BearbeitenDas Konigtum der Julimonarchie wurde 1848 durch die Februarrevolution von 1848 gesturzt und durch die zweite Republik ersetzt Louis Napoleon Bonaparte nutzte bei den Prasidentenwahlen von 1848 den Nachruhm seines Onkels Napoleons I aus und gewann die Wahl Die revolutionaren Krafte wurden zuruckgedrangt und bei den Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung setzten sich die eher konservativen Krafte durch Louis Napoleon baute seine Position in der Folge aus Im Oktober 1849 wurde das bisherige Kabinett unter Odilon Barrot entlassen Das neugebildete Kabinett stand unter seiner eigenen Leitung Ein Aspekt fur den Regierungswechsel war dass das alte Kabinett mit Hilfe des franzosischen Militars die Macht des Papstes im Kirchenstaat gestutzt hatte was Louis Napoleon wegen der extrem antiliberalen Politik Pius IX missbilligte Das Parlament verfolgte einen noch rechteren Kurs als der Prasident Die Universitaten wurden der Aufsicht eines Gremiums unterstellt das aus Vertretern des Staates und der Kirche bestand Die Volksschullehrer wurden starker kontrolliert und das Wahlrecht wurde 1850 eingeschrankt Das allgemeine Wahlrecht wurde abgeschafft nur noch Steuerzahler die drei Jahre an einem Ort gewohnt hatten durften wahlen Die Zahl der Wahler sank so um etwa ein Drittel Diese Einschrankung des Wahlrechts war eine Initiative des Parlaments Der Prasident unterschrieb das Gesetz konnte aber zu einem spateren Zeitpunkt fordern das allgemeine Wahlrecht wieder einzufuhren Damit konnte er das Parlament in die Defensive drangen und sich der Linken als Partner empfehlen Problematisch fur Louis Napoleon war dass er nach Ablauf seiner Amtszeit laut Verfassung nicht wieder gewahlt werden konnte Er war also um eine Verfassungsanderung bemuht Er reiste durch die Provinz und vergrosserte dabei seine Anhangerschaft Die Bonapartisten richteten eine entsprechende Petition an die Nationalversammlung Diese stimmte zwar am 19 Juli 1851 mit grosser Mehrheit zu Der Antrag verfehlte aber durch die Ablehnung der Legitimisten und der linken Republikaner die notige Zweidrittelmehrheit Louis Napoleon blieb daher nur der Weg uber einen Staatsstreich mit Unterstutzung durch die Armee Zuvor beantragte er im Parlament die Ruckkehr zum allgemeinen Wahlrecht Der Antrag wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt Die populare Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht konnte Napoleon fur sich ausnutzen Bei der Organisation des Staatsstreichs spielte sein Halbbruder Charles de Morny eine wichtige Rolle Dieser wurde von Louis Napoleon zum neuen Innenminister ernannt Am Jahrestag des Sieges von Austerlitz und der Kronung Napoleons I fuhrte er den Staatsstreich vom 2 Dezember 1851 aus Grosse Truppenverbande wurden rund um Paris zusammengezogen und strategisch wichtige Punkte in der Stadt von zuverlassigen Polizeikraften besetzt Die Nationalversammlung wurde aufgelost das alte Wahlrecht eingefuhrt und eine neue Verfassung angekundigt Bekannte politische Gegner liess Louis Napoleon verhaften Unerwartet kam es zu teilweise gewalttatigen Widerstanden in Paris und der Provinz gegen das Vorgehen Dagegen ging das Militar gewaltsam vor Zehntausende dabei Verhaftete warteten teils monatelang auf einen Prozess Insgesamt wurden 30 000 Personen verhaftet Davon wurden 3000 zu Gefangnisstrafen verurteilt und weitere 10 000 deportiert Den Staatsstreich liess Louis Napoleon durch ein am 21 und 22 Dezember 1851 durchgefuhrtes Plebiszit legitimieren 2 Dabei stimmten fast 7 5 Millionen Wahler zu und nur 650 000 verweigerten Louis Napoleon ihre Stimme Weitere 1 5 Millionen enthielten sich Danach wurde die Amtszeit des Prasidenten auf zehn Jahre verlangert und seine Kompetenzen derart erweitert dass die Republik nur noch auf dem Papier stand Louis Napoleon nannte sich fortan Prince President Damit kundigte sich bereits der Anspruch auf den Kaisertitel an Am 7 November 1852 liess er sich durch einen Beschluss des Senates den Kaisertitel zusprechen Seither nannte er sich Napoleon III Dieser Schritt wurde von einer weiteren Volksabstimmung legitimiert Dabei stimmten 7 8 Millionen dafur und nur 200 000 dagegen Ungultig waren 65000 Stimmen Die Kaiserwurde war erblich der Kaiser hatte bei eigener Kinderlosigkeit das Recht aus der Familie einen Nachfolger zu adoptieren Im Hinblick auf die Staatssymbole griff das Zweite Kaiserreich auf das Erste Kaiserreich zuruck Die Funktion einer Nationalhymne erfullte ein Lied das die Agyptische Expedition von 1798 besang Partant pour la Syrie Die Verfassung von 1852 Bearbeiten Allegorie auf das Zweite Kaiserreich Nach dem Plebiszit vom 21 22 Dezember 1851 liess Louis Napoleon in den letzten Tagen des Dezembers 1851 und den ersten Tagen des Januars 1852 in aller Eile durch seine Ratgeber Eugene Rouher und Raymond Theodore Troplong eine neue Verfassung ausarbeiten 3 Sie trat am 14 Januar 1852 in Kraft Die Macht war nach der neuen Verfassung beim Prasidenten beziehungsweise spater beim Kaiser konzentriert Das Parlament wurde stark geschwacht und in seinen Befugnissen beschrankt Dessen Unterhaus die Abgeordnetenkammer wurde bewusst als Corps legislatif Gesetzgebende Korperschaft genannt Die seit der Franzosischen Revolution ubliche Bezeichnung Nationalversammlung entfiel Denn nicht mehr ein Parlament sondern der Prasident sollte die Nation verkorpern Der Prasident war allein dem Volk und nicht dem Parlament gegenuber verantwortlich Die Minister unterstanden ausschliesslich dem Staatschef vom Vertrauen des Parlaments waren sie nicht mehr abhangig Es gab keinen Premierminister und kein Kabinett sondern alle Fachminister verkehrten direkt mit dem Staatsoberhaupt Auch der Staatsrat war nur dem Prasidenten unterstellt Das Corps legislatif verlor das Initiativrecht fur Gesetze Es konnte den Vorlagen der Regierung nur noch entweder zustimmen oder diese ablehnen Es durfte nicht mehr auf eigenen Beschluss hin zusammentreten sondern wurde vom Staatschef einberufen Zudem war es dem Staatsrat unterstellt Gewahlt wurde das Corps legislatif auf sechs Jahre durch allgemeines Mannerwahlrecht Der Einfluss der Parteien sollte dadurch gebrochen werden dass statt der Listenwahl das Mehrheitswahlrecht eingefuhrt wurde Auch wurden durch die Wahlkreiseinteilung die landlichen Regionen bevorzugt und die Grossstadte benachteiligt Neben dem Corps legislatif bestand mit dem Senat eine weitere Parlamentskammer als ein Oberhaus Seine 150 Senatoren waren hohe Militars Geistliche und vor allem vom Staatsoberhaupt ernannte Personen Da das Staatsoberhaupt seinen Senat zusammenstellte war dieser sein Werkzeug Zudem war das Staatsoberhaupt durch die Verfassung ermachtigt die Senatoren grosszugig zu bezahlen mit bis zu 30 000 Francs jahrlich 4 Diese Kammer hatte die Aufgabe eventuelle nicht genehme Initiativen des Corps legislatif zu stoppen Durch einen sogenannten senatus consulte Senatskonsult konnte es die Verfassung abandern Insgesamt handelte es sich um ein System mit starken autoritaren Anteilen Die Volkssouveranitat wurde aber nicht in Frage gestellt Vielmehr wurde das Volk verschiedentlich in Volksentscheiden befragt und damit die Handlung des Staatsoberhaupts oder der Regierung legitimiert Von Bedeutung war auch die direkte Anknupfung an das Erste Kaiserreich und den napoleonischen Mythos Empire autoritaire Bearbeiten Victor Hugo kritisierte das Regime von seinem Exil auf den Kanalinseln aus In einer ersten Phase bis gegen Ende der 1850er Jahre konnte Napoleon weitgehend autoritar regieren Empire autoritaire Eine nennenswerte Opposition gab es nicht mehr Die meisten fuhrenden Republikaner und Sozialisten befanden sich im Exil Darunter waren Louis Blanc Victor Hugo Edgar Quinet und andere Andere gingen in die innere Emigration und zogen sich vom politischen Leben zuruck Die orleanistischen Eliten waren noch desorientiert Die Regierung forderte ausserdem die Wahl ihr genehmer Abgeordneter massiv Es gab geradezu offizielle Kandidaten der Regierung die von den lokalen Behorden massiv unterstutzt wurden Bei den ersten Wahlen im Februar 1852 kamen so nur acht Oppositionelle ins Parlament die auf die Ausubung ihres Mandats verzichteten Napoleon konnte sich auf einen Grossteil der landlichen Bevolkerung auf einen Teil des Grossburgertums auf den Klerus und auf ultramontan gesinnte katholische Kreise stutzen Auch die Armee und der Staatsapparat standen hinter dem Regime Eine wichtige Rolle spielte auch die Kirche und anderen Religionsgemeinschaften Da die Geistlichen wie Beamte vom Staat besoldet wurden konnten sie auch im Sinne des Regimes instrumentalisiert werden Obwohl die Freiheitsrechte von 1789 in der Verfassung garantiert waren wurde die offentliche Meinungsausserung durch eine Verscharfung des Pressegesetzes im Jahr 1852 und andere Massnahmen merklich eingeschrankt Die politische Polizei wurde zudem ausgebaut Auf Dauer geriet das System immer starker unter Druck Nicht nur wuchs die Opposition der Arbeiter auch andere eher konservative oder ultramontane Teile der Gesellschaft wandten sich zunehmend ab Von den uberzeugten Katholiken wurde die Politik des Kaisers in der italienischen Einigung mit Blick auf den Kirchenstaat abgelehnt Beachtliche Teile der Unternehmer lehnten die Freihandelspolitik vehement ab Zumal trat die Erinnerung an die zeitweise chaotischen Verhaltnisse wahrend der zweiten Republik allmahlich in Vergessenheit Bei den Wahlen von 1857 gelang es der Opposition trotz Repression und der Unterstutzung der offiziellen Kandidaten insbesondere in einigen grosseren Stadten Wahlerfolge zu erzielen Aufs Ganze gesehen konnte sich das Regime freilich weiter auf 90 der Abgeordneten stutzen Anfangs reagierte der Kaiser auf die wachsenden Opposition mit Repression Ein gescheitertes Attentat begangen durch Felice Orsini nahm Napoleon III 1858 zum Anlass gegen Republikaner vorzugehen Wirtschaft und Gesellschaft Bearbeiten Hauptartikel Industrialisierung Frankreichs Das Regime profitierte in einem hohen Mass vom wirtschaftlichen Aufschwung In der Zeit Napoleons III setzte sich die moderne industrielle Wirtschaft durch Diese Entwicklung hat die Regierung stark gefordert Dabei war Napoleons Wirtschaftspolitik weitgehend liberal orientiert Staatsinterventionistische Massnahmen etwa zu Gunsten der Arbeiter spielten nur eine untergeordnete Rolle Allerdings trat das Regime durchaus mit einem sozialpolitischen Anspruch auf Aber man setzte darauf dass der wirtschaftliche Aufschwung auch zur Verbesserung der sozialen Lage fuhren wurde Von nachhaltiger Bedeutung war der starke Ausbau der Eisenbahn Mit Paris als Zentrum entstand ein Gesamtnetz von 18 000 km Die Ausrichtung des Eisenbahnsystems auf Paris hatte auch Nachteile Es gab so gut wie keine Verbindungen zwischen den anderen Stadten Frankreichs wie etwa Caen Marseille Bordeaux oder Lyon Um von einer Stadt zur nachsten zu gelangen musste man uber Paris fahren Dies sollte sich als besonders nachteilig im Krieg von 1870 71 erweisen als Truppen nicht rasch genug bewegt werden konnten Edouard Manet Vue de l exposition de 1867 Der Eisenbahnbau forderte die Entwicklung auch der Industrie insbesondere naturlich von Bergbau und Schwerindustrie Zahlreiche neue Banken entstanden die zur Kapitalbildung beitrugen Die Zahl der Rentiers nahm stark zu Zur Forderung des Handels wurden die Hafen von Bordeaux und Marseille ausgebaut Frankreich stieg nach Grossbritannien zur zeitweise zweitstarksten Wirtschaftsnation auf Allerdings hatte der wirtschaftliche Wandel auch Grenzen Die Grossindustrie machte nur einen kleinen Teil des produzierenden Gewerbes aus Nach wie vor dominierte der Kleinbetrieb Die Landwirtschaft blieb der grosste Sektor und die Masse der Bevolkerung lebte auf dem Land oder in kleinen Gemeinden Allerdings eroffnete die Industrialisierung fur die landliche Bevolkerung wirtschaftliche Vorteile Die Landwirtschaft insgesamt aber vor allem die Besitzer grosserer Hofe und die Notablen profitierten von der guten Konjunktur Die Arbeiterbauern deren Erwerb sich aus landwirtschaftlicher und gewerblicher Arbeit zusammensetzte wurde zu einer verbreiteten Erscheinung In diese Zeit fallt auch die Modernisierung der Stadte Insbesondere Paris wurde unter Leitung von Georges Eugene Haussmann durch den Abriss der alten Elendsviertel die Anlage von Boulevards und Ringstrassen in eine moderne Metropole verwandelt In der Stadt entstanden Prachtbauten wie die Pariser Oper Dadurch wurden freilich die sozialen Probleme in der Hauptstadt nicht gelost vielmehr belasteten die steigenden Mieten das Einkommen der armeren Schichten stark Wahrend auf dem Land sich die soziale Lage verbesserte blieb die Situation in den Stadten problematisch Immerhin stiegen die Lohne an und die strukturelle Beschaftigungslosigkeit gehorte der Vergangenheit an In zwei Weltausstellungen 1855 und 1867 prasentierte sich Frankreich selbstbewusst als fuhrende Industrienation Gleichzeitig sollten die Ausstellungen das Prestige des Kaisers starken Das Wachsen der politischen Opposition in den 1860er Jahren hatte auch mit sozialer Unzufriedenheit zu tun Preise und Mieten stiegen und hinzu kam zeitweise eine konjunkturelle Arbeitslosigkeit Unter den oppositionellen Arbeitern dominierte noch der altere Republikanismus aber es kam auch die Forderung nach einer sozialen Republik auf und auch Ansatze sozialistischer Gedanken gab es Die traditionellen landlichen Notabeln konnten ihren Einfluss weitgehend bewahren Aber das Stadtewachstum bedrohte ihre Position Das Regime versuchte diese Gruppe zu schutzen damit sie nicht in das Lager der Opposition uberging Unter anderem wurde versucht sie in den offentlichen Dienst zu integrieren Ahnliches versuchte man mit anderen Teilen der traditionellen Eliten Dies ging zu Lasten der Leistungsfahigkeit des offentlichen Sektors Aussenpolitik BearbeitenVon grosser Bedeutung auch fur den Bestand des Systems waren aussenpolitische Erfolge Wie sein Onkel Napoleon I versuchte Napoleon III Frankreich zur dominierenden Macht in Europa zu machen In den 1850er Jahren war er aussenpolitisch durchaus erfolgreich Die Ausgangslage Frankreichs war um 1852 immer noch die eines seit dem Wiener Kongress 1815 nicht vollstandig gleichberechtigten Landes das fur alle europaischen Machte als revolutionarer Unruheherd galt Das erste Ziel der napoleonischen Politik musste demnach sein diese aussenpolitische Isolation zu uberwinden Gesandte auf dem Pariser Kongress von 1856 Ein erster Schritt war die Teilnahme am Krimkrieg Russland hatte vom Osmanischen Reich Gebiete gefordert welche im heutigen Rumanien und Bulgarien Dobrudscha liegen und den Osmanen den Krieg erklart Frankreich trat auf Seite der anti russischen Koalition in den Krieg ein und konnte ihn auf Napoleons Initiative durch den Frieden von Paris 1856 beenden Diese Konferenz verhalf Frankreich zur Wiederanerkennung des Grossmachtstatus durch die europaischen Machte Napoleon III konnte durch die Leitung der Friedensverhandlungen sein Ansehen stark vermehren Fur Frankreich vorteilhaft war dass Russland und Osterreich geschwacht aus dem Konflikt hervorgingen Daruber hinaus wurden die Freiheitsbewegungen in Polen und auf dem Balkan unterstutzt Auch unterstutzte er die Christen im Libanon Eine durchaus wichtige Rolle spielte das Kaiserreich bei der Unterstutzung der nationalen Einigung in Italien Dabei wollte Napoleon III mit Rucksicht auf seine ultramontanen Anhanger aber den Kirchenstaat erhalten Als Schutzherr der nationalen Idee trat Frankreich auf Seiten des Konigreich Sardiniens gegen das Kaisertum Osterreich in den Sardinischen Krieg von 1859 ein Als Folge der Niederlage Osterreichs in den Schlachten von Magenta und Solferino konnte ein einheitlicher italienischer Nationalstaat geschaffen werden Der Preis den Sardinien Piemont fur die Unterstutzung Frankreichs zahlen musste bestand in der Abtretung der Grafschaft Nizza an der Cote d Azur sowie Savoyens des Gebiets sudlich des Genfersees Um den Anschluss zu legitimieren liess Napoleon Schein Abstimmungen in den teils italienischsprachigen Gebieten durchfuhren die erwartungsgemass zustimmend ausfielen Nachdem das neue Italien einen Grossteil des Kirchenstaates besetzt hatte liess Napoleon III zum Schutz des Rests des Kirchenstaates Rom und seine Umgebung besetzen Dies dauerte bis zum Ende des Kaiserreichs an Napoleon in der Schlacht von Solferino Der Bau des Suezkanals ab 1859 durch eine stark franzosisch orientierte Gesellschaft war gegen englische Interessen gerichtet Nur muhsam konnte der Bruch mit Grossbritannien vermieden werden Dabei spielte auch der Freihandelsvertrag Cobden Vertrag eine wichtige Rolle In den 1860er Jahren blieben die ausseren Erfolge weitgehend aus Im Deutschen Krieg von 1866 zwischen Osterreich und Preussen sowie ihren jeweiligen Verbundeten blieb Frankreich neutral und bot seine Vermittlung an Vergeblich forderte Napoleon III nach dem preussischen Sieg Luxemburg und Belgien um so einen gewissen Ausgleich fur den preussischen Machtzuwachs in Norddeutschland zu erhalten Sein Versuch 1867 Luxemburg zu kaufen losten die Luxemburgkrise aus die zu scharfen Protesten von deutscher Seite fuhrten Im Londoner Vertrag vom Mai 1867 wurde die Neutralitat Luxemburgs festgeschrieben Im Konflikt um die Nichtbegleichung von Staatsschulden besetzten franzosische Truppen 1862 die mexikanische Hauptstadt Franzosische Intervention in Mexiko Dabei konnte Frankreich davon ausgehen dass die USA im Amerikanischen Burgerkrieg gebunden waren und somit nicht die Monroe Doktrin durchsetzen wurden Die mexikanische Republik wurde aufgelost und der osterreichische Erzherzog Maximilian zum Kaiser gemacht Die Niederlage Maximilians im Mexikanischen Burgerkrieg und der Abzug der franzosischen Truppen 1866 wurde in Frankreich als Niederlage aufgefasst Kolonialpolitik Bearbeiten Hauptartikel Franzosische Kolonien Empfang des siamesischen Botschafters 1861 Frankreich benotigte Absatzmarkte und Rohstofflieferanten fur seine Wirtschaft Ausserdem trug man spatestens seit der Franzosischen Revolution von 1789 auch den Anspruch vor die Welt zivilisatorisch zu missionieren Das Kolonialreich bestand um 1850 fast nur noch aus Inseln wie Guadeloupe Martinique Saint Pierre und Miquelon Reunion und pazifischen Gebieten wie Neukaledonien Die Eroberung Algeriens hatte schon 1830 begonnen und war durch die Fremdenlegion durchgefuhrt worden Die Phase der neuen Kolonialpolitik begann 1855 unter Aussenminister Alexandre Colonna Walewski einem unehelichen Sohn Napoleons I Bereits 1854 hatte die Eroberung des Senegal eingesetzt die 1865 erfolgreich beendet wurde Die Stadt Dakar der Verwaltungssitz des Kolonialministeriums wurde 1857 gegrundet Aus diesem Gebiet Westafrikas sollte spater Franzosisch Westafrika entstehen Schon die Compagnie des Indes hatte Interessen in Sudostasien vgl Indochina bekundet 1858 wurde ein gemeinsames franzosisch spanisches Kontingent dorthin entsandt um die Verfolgung westlicher Missionare zu beenden und den Expansionsdrang durch Thailand Siam zu beschranken wie es offiziell hiess Die nachsten 15 Jahre waren von schweren Kampfen erfullt die erst die Dritte Republik beendete 1860 wurden das Mekong Delta und Saigon Cochinchina erobert nur zwei Jahre spater wurde Kambodscha franzosisches Protektorat Dies war der Beginn von Franzosisch Indochina 1864 1871 gab es schwere Aufstande gegen die Kolonialmacht in Franzosisch Nordafrika die erst im Zuge des Deutsch Franzosischen Krieges beendet wurden 1871 lebten bereits 300 000 europaische Siedler in dem Kustenstreifen Algeriens In Madagaskar verfolgte Napoleon III eine subtilere Politik und setzte auf eine langsame Infiltration Diese endete jedoch 1863 mit der Ermordung des frankophilen Konigs Radama II Erst in den 1890er Jahren konnte die Insel unter franzosische Oberhoheit gestellt werden Allmahliche Liberalisierung Bearbeiten Adolphe Thiers war einer der Fuhrer der Opposition Emile Ollivier war 1870 der erste parlamentarisch verantwortliche Regierungschef wahrend des Kaiserreichs Napoleon III sah sich innenpolitisch von verschiedener Seite immer starker unter Druck gesetzt und versuchte durch eine allmahliche Liberalisierung neuen Ruckhalt zu finden Seit 1860 wurde das bislang stark autoritare System allmahlich in Richtung einer parlamentarischen Regierung umgebaut Die Rechte des Parlaments wurden gestarkt die Zensur und das Verbot der Koalitionsbildung wurden gelockert Auch wurden seit 1860 die Parlamentsdebatten veroffentlicht Dennoch befand sich das Regime in der Defensive Bereits bei den Wahlen von 1863 hatten sich die Stimmen zu Gunsten der Opposition vervielfacht Die regierungsnahen Kandidaten erhielten 5 3 Millionen Stimmen die der Opposition fast 2 Millionen Hinzu kamen 2 7 Millionen Enthaltungen Vertreten waren alle politischen Schattierungen von den Legitimisten uber die Orleanisten bis hin zu den Republikanern 5 Der inoffizielle Fuhrer der Opposition wurde Adolphe Thiers Neben der alteren Generation spielten auch Jungere wie Leon Gambetta eine zunehmend wichtige Rolle Daneben gab es die sogenannten Unabhangigen die zwar grundsatzlich auf dem Boden des Kaiserreichs standen aber weitgehende Reformen forderten Auch unter den offiziellen Kandidaten gab es solche die nicht mehr in allen Punkten hinter dem Regime standen Der Kurs des Kaisers blieb unklar und zogerlich Zwar wurde die Position eines Staatsministers geschaffen der die Regierungspolitik im Parlament zu vertreten hatte aber weitergehende politische Reformen blieben zunachst aus Demgegenuber wurde die Opposition immer selbstbewusster und Thiers forderte im Parlament die Wiedereinfuhrung des parlamentarischen Regierungssystems Noch deutlicher wurde Leon Gambetta Immer starker begannen sich auch die Arbeiter zu organisieren Ausdruck fand dies im Manifest der Neunundsechzig Es kam 1864 1865 1867 1868 und 1870 zu zahlreichen gut organisierten Streiks Dabei wurden Forderungen etwa nach dem Zehn Stunden Tag gestellt Nachdem eine Delegation franzosischer Arbeiter von einer Reise nach England zuruckgekommen war forderten sie die Koalitionsfreiheit Ausserdem begannen sie sich als eine besondere soziale Gruppe zu begreifen und stellten bei den Wahlen eigene Kandidaten auf Die Regierung kam den Forderungen entgegen als sie 1864 das Koalitionsrecht zugestand Dieses Recht war indes mit Einschrankungen verbunden Allerdings verhinderte die ab 1867 verschlechterte Wirtschaftslage die Arbeiter in das bonapartistische System zu integrieren Vor allem nach der Auflosung der franzosischen Sektion der ersten Internationalen gingen viele Arbeiter ins Lager der Opposition uber und bildeten zusammen mit den radikalen Kleinbugern um Gambetta deren Kern Infolge des aussenpolitischen Ruckschlags nach dem Sieg Preussens 1866 begann die Opposition die nationalistischen Ressentiments gegenuber den Deutschen fur ihre Zwecke zu nutzen Das Regime versuchte die Lage durch erneute liberale Reformen zu entscharfen Im Jahr 1867 erhielt das Parlament das Interpellationsrecht Eine Lockerung der Zensur hatte allerdings das Entstehen von oppositionellen Presseorganen zur Folge Reformen im Bildungswesen und beim Militar scheiterten Bei den Wahlen von 1869 kamen die regierungsnahen Kandidaten auf 4 4 Millionen Stimmen Fur die Opposition stimmten uber 3 3 Millionen Wahler Zentren der Opposition waren die Industriegebiete und grosseren Stadte Im Jahr 1869 erhielt das Parlament das Recht auf Gesetzesinitiativen Der Hohepunkt der Liberalisierungspolitik empire liberal wurde 1870 erreicht als Napoleon III Emile Ollivier den Fuhrer der Dritten Partei mit der Bildung einer parlamentarisch unterstutzten Regierung beauftragte Eine Volksabstimmung uber eine neue Verfassung erbrachte eine grosse Mehrheit Deutsch Franzosischer Krieg 1870 71 Bearbeiten Hauptartikel Deutsch Franzosischer Krieg Napoleon III bei Sedan von Wilhelm Camphausen In Spanien wurde seit 1868 ein Thronfolger gesucht und nach langeren Recherchen fiel die Wahl schliesslich auf einen Hohenzollern aus dem katholischen Zweig der Familie dessen Kandidatur durch den protestantischen preussischen Zweig unterstutzt wurde Frankreich sah nun abermals die Gefahr welche schon einmal unter Kaiser Karl V bestanden hatte namlich die Einkreisung Frankreichs durch eine gegnerische Macht Ferner bestand die Moglichkeit dass Napoleons Sohn dessen Mutter ja eine geborene spanische Prinzessin war gleichfalls diesen Thron ubernehmen konnte Auf diplomatischen Druck Frankreichs hin lehnte der katholische Hohenzollernfurst ab Napoleon wollte diesen diplomatischen Sieg auskosten und zu einem aussenpolitischen Triumph bzw einer Demutigung Preussens werden lassen Durch einen Gesandten wurde dem preussischen Konig Wilhelm I der im Juli 1870 zur Kur in Bad Ems weilte eine Nachricht zugestellt die den ewigen Verzicht auf den spanischen Thron verlangte Wilhelm benachrichtigte seinen Ministerprasidenten Bismarck per Depesche Bismarck kurzte diesen Text und veranderte ihn minimal sandte aber Kopien davon an die Regierungen der ubrigen europaischen Machte Bismarcks Text die sogenannte Emser Depesche war so gehalten dass niemand diese Forderung annehmen konnte Napoleon war in den Augen der damaligen Offentlichkeit entehrt und sah sich genotigt Preussen den Krieg 19 Juli 1870 zu erklaren Somit war Napoleon der Angreifer um Frankreichs Ehre zu retten Die Schutz und Trutzbundnisse Preussens mit den suddeutschen Staaten fuhrten dazu dass dieser Krieg gegen Frankreich zum nationalen Einheitskrieg wurde Fur Napoleon verlief der Deutsch Franzosische Krieg ungunstig Die franzosischen Armeen verloren bei Sedan am 2 September 1870 und der Kaiser personlich geriet in Kriegsgefangenschaft In Paris wurde bei Eintreffen dieser Nachricht schon am 4 September 1870 die Dritte Republik ausgerufen Das napoleonische Kaiserreich war beendet Kultur und Geistesleben BearbeitenBedeutende Personen waren Paul Cezanne 1839 1906 Maler Gustave Flaubert 1821 1880 Romancier Autor u a von Madame Bovary Die Erziehung des Herzens und Salammbo Victor Hugo 1802 1885 Schriftsteller schrieb u a Die Elenden und Der Glockner von Notre Dame Hugo wurde wegen seiner Auflehnung gegen den Staatsstreich vom 2 Dezember 1851 aus Frankreich verbannt und kehrte erst 1871 aus dem Exil zuruck obwohl schon zu Zeiten des liberalen Empires die Ruckkehr vieler Regimekritiker durch eine Amnestie gewahrt wurde Er war einer der scharfsten Gegner Louis Napoleons Pierre Auguste Renoir 1841 1919 Maler gehorte dem Impressionismus an Jules Verne 1828 1905 Schriftsteller Begrunder der Science Fiction Werke u a 20 000 Meilen unter dem Meer Die Reise zum Mittelpunkt der Erde Reise um die Erde in 80 Tagen sowie Die 500 Millionen der Begum worin er beklemmend prazise eine mogliche nationalistische Diktatur beschreibt Emile Zola 1840 1902 Schriftsteller Republikaner wurde in der Dritten Republik zum Verteidiger von Alfred Dreyfus Sein 20 bandiger Romanzyklus Les Rougon Macquart ist ein Sittenbild des Zweiten Kaiserreichs Er schildert darin vor dem Hintergrund der realen politischen Ereignisse den Zustand der damaligen franzosischen Gesellschaft vom Elend der Bergarbeiter bis zum Opportunismus und der hemmungslosen Geld und Lebensgier von Politik und Burgertum Ausstellungen Bearbeiten2016 Spectaculaire Second Empire Musee d Orsay Paris Katalog Literatur BearbeitenAntoine Olivesi Andre Nouschi La France de 1848 a 1914 L evolution politique et sociale de la Deuxieme Republique a la Premiere Guerre Mondiale Neuausg Nathan Paris 2005 ISBN 2 200 34259 4 EA 1997 Choisel Francis La Deuxieme Republique et le Second Empire au jour le jour chronologie erudite detaillee CNRS Editions Paris 2015 Tulard Jean Hrsg Dictionnaire du Second Empire Fayard Paris 1995 William H Smith Napoleon III Hachette Paris 1984 ISBN 2 501 00526 0 Louis Girard Napoleon III Fayard Paris 1986 Eric Anceau Napoleon III un Saint Simon a cheval Tallandier Paris 2008 Manfred Wustemeyer Demokratische Diktatur Zum politischen System des Bonapartismus im Zweiten Empire Bohlau Koln 1986 ISBN 3 412 08385 2 zugl Dissertation Universitat Koln 1983 Heinz Rieder Napoleon III Abenteurer und Imperator Casimir Katz Gernsbach 2006 ISBN 3 938047 16 X Federico Trocini Tra Realpolitik e deutsche Freiheit Il bonapartismo francese nelle riflessioni di August Ludwig von Rochau e di Heinrich von Treitschke In Rivista Storica Italiana Jg 121 2009 Heft 1 S 338 387 ISSN 0035 7073 Gilbert Ziebura Frankreich von der Grossen Revolution bis zum Sturz Napoleons III 1789 1870 In Walter Bussmann Hrsg Handbuch der europaischen Geschichte Bd 5 2 Auflage Klett Cotta Stuttgart 1998 S 296 316 Peter C Hartmann Geschichte Frankreichs 4 Auflage C H Beck Munchen 2007 S 67 70 Regina Bianca Kubitscheck NAPOLEON III Charles Louis Napoleon Bonaparte In Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon BBKL Band 22 Bautz Nordhausen 2003 ISBN 3 88309 133 2 Sp 869 886 Artikel Artikelanfang im Internet Archive Guy Cogeval Yves Badetz Paul Perrin Marie Paule Vial Spectaculaire Second Empire Katalog zur gleichnamigen Ausstellung Musee d Orsay und Skira Paris 2016 ISBN 978 237 074 04 27 Weblinks Bearbeiten Commons Zweites Kaiserreich Sammlung von Bildern Videos und AudiodateienFussnoten Bearbeiten Oskar Hocker Der Nationalkrieg gegen Frankreich in den Jahren 1870 und 1871 Ehrentage S 16 Charlotte Tacke Von der Zweiten Republik his zum Ersten Weltkrieg 1848 1914 In Ernst Hinrichs Hrsg Kleine Geschichte Frankreichs Reclam Stuttgart aktualisierte und erganzte Ausg 2006 ISBN 3 15 010596 X S 311 360 hier S 321 Le Senat sous le Second Empire et Napoleon III auf der Webseite des franzosischen Senates abgerufen am 21 Juli 2017 Charlotte Tacke Von der Zweiten Republik his zum Ersten Weltkrieg 1848 1914 In Ernst Hinrichs Hrsg Kleine Geschichte Frankreichs Reclam Stuttgart aktualisierte und erganzte Ausg 2006 ISBN 3 15 010596 X S 311 360 hier S 322 Robert W Reichert Anti Bonapartist Elections to the Academie Francaise during the Second Empire In The Journal of Modern History Band 35 Nr 1 University of Chicago Press Chicago Marz 1963 S 33 45 englisch Regierungssysteme und Vorgangerstaaten Frankreichs Frankisches Reich 481 814 Westfrankisches Reich Konigreich Frankreich 987 1791 Zeit der konstitutionellen Monarchie 1791 1792 Erste Republik 1792 1804 Erstes Kaiserreich 1804 1814 15 Konigreich der Franzosen 1814 15 1830 Restauration amp 1830 1848 Julimonarchie Zweite Republik 1848 1852 Zweites Kaiserreich 1852 1870 Dritte Republik 1871 1940 Vichy Regime 1940 1944 Provisorische Regierung 1944 1946 Vierte Republik 1946 1958 Funfte Republik seit 1958 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Zweites Kaiserreich amp oldid 211543525, wikipedia, wiki, deutsches

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