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Zuckerrohr

Zuckerrohr (Saccharum officinarum) ist eine Pflanze aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) und wird dort der Unterfamilie Panicoideae mit etwa 3270 weiteren Arten zugeordnet. Ihr Ursprung liegt in Ostasien, heute wird sie aber in allen klimatisch geeigneten Regionen angebaut. Die Pflanze ist der wichtigste Rohstofflieferant für die Herstellung von Haushaltszucker (Saccharose) und in wachsendem Maße auch für die Herstellung von Bioethanol.

Zuckerrohr

Zuckerrohr-Pflanze (Saccharum officinarum), Illustration aus Koehler 1887

Systematik
Wissenschaftlicher Name
Saccharum officinarum
L.

Inhaltsverzeichnis

Zuckerrohr ist eine einkeimblättrige Pflanze (Monokotyledone) mit dem für Poaceae typischen, grasartigen Erscheinungsbild. Die Halme haben einen Durchmesser von 20 bis 45 mm und erreichen eine Höhe von 3 bis 6 Metern. Das Zuckerrohr besitzt Rhizome. Die rispenförmigen Blütenstände werden 40 bis 60 cm lang. Die Früchte sind klein und nur etwa 1,5 mm lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 80, aber auch 30, 40, 48, 50, 54, 60, 64, 68, 72, 88, 96, 108 oder 120.

Zuckerrohr (Saccharum officinarum)

Anfänge

Die Geschichte der Nutzung des Zuckerrohrs als Zuckerlieferant begann um das 5. Jahrhundert v. Chr. im ostasiatischen Raum, der auch als Ursprung der Pflanze gilt. Als ursprüngliche Herkunftsgebiete werden der Malaiische Archipel, aber auch Neuguinea und China angegeben, die genaue genetische Herkunft ist jedoch unklar.

Durch Handel gelangte diese Pflanze um das 1. Jahrhundert n. Chr. allmählich in den Nahen Osten. Zur selben Zeit erwähnt der römische Autor Plinius der Ältere, dass arabischer und indischer Zucker in der Medizin Verwendung fand. Man erkannte auch, dass der aus dem ursprünglichen Saft kristallisierte Zucker viel länger haltbar und leichter zu transportieren ist. Araber verbreiteten auf ihren Expansionszügen die Kultur des Zuckerrohranbaus entlang der Ränder des Mittelmeeres u. a. bis nach Marokko und Sizilien. Ihnen gelang, dank ausgefeilter Technologien, sogar der Anbau im für eine tropische bzw. subtropische Pflanze sehr weit nördlich gelegenen Zentralspanien.

Westeuropa lernte den Zucker als Genussmittel im Gefolge der Kreuzzüge kennen. Die Kreuzritter übernahmen in den von ihnen eroberten und besetzten Gebieten die Kontrolle über den Anbau des Zuckerrohrs. Venezianische Kaufleute begannen bald darauf, Zuckerunternehmungen in der Nähe von Tyrus, auf Kreta und Zypern zu installieren. Zu einem massiven Einbruch in der Zuckerproduktion im Mittelmeerraum kam es infolge der Pestepidemie im späten Mittelalter. Wahrscheinlich war diese Krise ausschlaggebend für den späteren Einsatz von Sklaven bei der Intensivierung des aufwändigen Zuckerrohranbaus. Nordafrika, Europa und der Mittlere Osten wurden jahrhundertelang mit Zucker aus dem Mittelmeerraum beliefert; die dortigen Produktionsstätten verloren erst an Bedeutung, als die in der Neuen Welt entdeckten, für den Anbau klimatisch besser geeigneten Gebiete die Vorherrschaft übernahmen.

Bereits auf seiner zweiten Reise im Jahr 1493 brachte Christoph Kolumbus Zuckerrohrstecklinge auf die Karibikinsel Hispaniola. Die Portugiesen brachten es auch nach Westafrika in die Bucht von Benin. Wegen der schwierigen Verarbeitung war Zucker um diese Zeit aber noch immer sehr rar und für den normalen Bürger nicht erschwinglich. Bis zur Züchtung der Zuckerrübe aus der Runkelrübe Mitte des 18. Jahrhunderts blieb das Zuckerrohr die einzige Rohstoffquelle zur Zuckergewinnung.

Plantagenwirtschaft in der Karibik und in den USA

Nach der Einfuhr der ersten Zuckerrohrschösslinge durch Kolumbus entwickelte sich die Karibik seit dem 16. Jahrhundert zur Hauptanbauregion für Zuckerrohr und der Rohrzucker zum wichtigsten Exportartikel der europäischen Karibik-Kolonien. Der Anbau von Zuckerrohr setzte eine enorme Nachfrage nach Arbeitssklaven in Gang. Europäische Sklavenhändler tauschten an der westafrikanischen Küste Manufakturwaren (Gewehre, Alkohol, Stoffe usw.) gegen Sklaven und verkauften diese in der Karibik. Man geht davon aus, dass zwischen 10 und 15 Millionen Afrikaner im Zuge des Atlantischen Sklavenhandels nach Amerika verschleppt wurden. Das Interesse Frankreichs am karibischen Zuckerrohrgeschäft war so groß, dass es 1763 seine territorialen Ansprüche in Kanada aufgab, um von den Briten im Gegenzug als Mutterland der Inseln Guadeloupe, Martinique und St. Lucia anerkannt zu werden. „Wie mächtig die Zuckerpartei war, zeigt sich darin, dass die Nationalversammlung in Paris am 20. März 1790 die Geltung der während der Französischen Revolution ausgerufenen allgemeinen Menschenrechte aufs Mutterland beschränkte.“ Aus den gleichen Gründen verzichteten die Niederlande, um ihre Herrschaft in Suriname zu sichern, auf die Rückgabe ihrer nordamerikanischen Kolonie Nieuw Nederland durch England.

Verantwortlich für die Einführung des Zuckerrohranbaus auf dem nordamerikanischen Festland waren die Franzosen, die die Pflanze zu Beginn des 18. Jahrhunderts in ihre Kolonie Louisiana brachten. Die Pflanzer begannen allerdings erst ab den 1750er Jahren, sich dafür zu interessieren. Viele von ihnen waren 1804 aus Saint-Domingue geflohen. Im Zeitraum von 1796 bis 1800 stellten sich in Louisiana, wo bis dahin vor allem Tabak und Indigo angebaut wurde, mindestens 60 Plantagen auf Zuckerrohr um. In dieser Zeit bescherte die Pflanze ihren Anbauern erstmals Reichtum, und in den 1810er und 1820er Jahren wurde sie zu einem Hauptanbauprodukt von Louisiana. Dieses war inzwischen Teil der Vereinigten Staaten und bis zum Sezessionskrieg (1861–1865) bedeutendster nationaler Zuckerrohranbauer. Louisiana war für den Zuckerrohranbau eigentlich wenig geeignet, und die Pflanze gedeiht tatsächlich nur in einigen Teilen im Süden des Bundesstaates. Nach dem Ende des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775–1783) und der Anerkennung der USA durch Großbritannien waren der Unternehmungsgeist der Pflanzer und die Zahl der verfügbaren Sklaven hier jedoch so groß, dass dieser Nachteil leicht ausgeglichen werden konnte. Anders als auf den Baumwollplantagen, wo Frauen im selben Umfang eingesetzt wurden wie Männer, legten die Zuckerpflanzer Wert auf junge männliche Arbeitskräfte. Die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen war außerordentlich hart und die Lebenserwartung der hier beschäftigten Sklaven war gering. Auf eine relativ kurze Wachstumsperiode, die allerdings ständige Fürsorge verlangte, folgte die Mahl-, Koch- und Reinigungssaison, in der die Sklaven fast rund um die Uhr arbeiten mussten. Mechanisiert wurden diese Prozesse erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. In Florida, das neben Louisiana heute das zweite wichtige Zuckerrohranbaugebiet der USA ist, begann der Zuckerrohranbau großen Stils erst nach dem Sezessionskrieg.

Zuckerrohr wird in den Tropen und Subtropen angebaut und stellt etwa 70 % der gesamten Zuckerproduktion. Im Erntejahr 2019 wurden weltweit 1.949.310.108 Tonnen Zuckerrohr produziert. Damit ist Zuckerrohr die Nahrungspflanze mit der größten Erntemenge.

Hauptproduzenten

Laut FAO wurden 2019 weltweit 1.949.310.108 Tonnen Zuckerrohr geerntet. Damit sind Zuckerrohr und Mais die beiden einzigen Nahrungspflanzen, deren jährliche Erntemengen über einer Milliarde Tonnen liegen.

Die 20 Hauptanbauländer nach dem Umfang ihrer Produktion haben zusammen 92,8 % der Ernte eingebracht. Dies sind:

Größte Zuckerrohrproduzenten (2019)
Rang Land Menge
(in t)
Rang Land Menge
(in t)
1 Brasilien Brasilien 752.895.389 11 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 28.972.760
2 Indien Indien 405.416.180 12 Philippinen Philippinen 20.719.291
3 Thailand Thailand 131.002.173 13 Sudafrika Südafrika 19.482.246
4 China Volksrepublik Volksrepublik China 109.388.100 14 Argentinien Argentinien 17.652.814
5 Pakistan Pakistan 66.880.011 15 Agypten Ägypten 16.316.134
6 Mexiko Mexiko 59.334.059 16 Vietnam Vietnam 15.269.716
7 Kolumbien Kolumbien 32.662.952 17 Myanmar Myanmar 11.846.176
8 Australien Australien 32.415.352 18 Peru Peru 10.929.341
9 Indonesien Indonesien 29.100.000 19 Bolivien Bolivien 9.558.472
10 Guatemala Guatemala 29.087.086 20 Iran Iran 9.284.942
Top Twenty 1.808.213.194
restliche Länder 141.096.914

Handel

Rohrzucker kann auf dem Weltmarkt billiger als Rübenzucker angeboten werden. In der EU war er lange Zeit wegen der Europäischen Zuckermarktordnung, welche den heimischen Markt durch Zölle, Quoten und Subventionen schützen sollte, nicht gegen den in der EU produzierten Rübenzucker konkurrenzfähig. Die Welthandelsorganisation (WTO) verordnete 2004 eine allmähliche Öffnung des europäischen Marktes, was zu einer weiteren Zunahme der Bedeutung von Rohrzucker führte. Von 2000 bis 2010 nahm die jährliche Weltzuckerernte (also aus Zuckerrohr und Rübe) von nahezu 1,4 Milliarden Tonnen um etwa 30 % auf 1,77 Milliarden Tonnen Rohwert (Zucker) zu. Dabei stieg vor allem die Erzeugung von Zuckerrohr von 1,25 Milliarden Tonnen (2000) auf 1,95 Milliarden Tonnen (2019); die Erzeugung von Zuckerrüben (Zuckergehalt etwa 20 %) sank zunächst seit dem Höchststand im Jahr 1989 mit einer Produktion von 314 Millionen Tonnen auf 250 Millionen Tonnen 2000 und stieg danach auf 279 Millionen Tonnen im Jahr 2019 an.

Zuckerrohr-Ernte ohne Maschinen

Zuckerrohr wächst in subtropischen und tropischen Klimaten. Um ordentlich gedeihen zu können, braucht das anspruchslose Zuckerrohr Temperaturen zwischen 25 und 30 °C – ist es kälter, verlangsamt sich das Wachstum, unter 15 °C wächst die Pflanze nicht mehr. Der Wasserbedarf der Pflanze ist sehr hoch – es darf aber nicht stehen, da sonst die Pflanze fault. Es sind also hügelige Anbaugebiete vorteilhaft.

Die Anpflanzung des Zuckerrohrs geschieht über Stecklinge. Halmstücke aus dem unteren Bereich der „Zuckerrohrhalme“, die zwei bis vier Knoten aufweisen, werden verwendet. Je nach Technisierungsgrad werden sie entweder manuell oder maschinell reihenweise dicht hintereinander in den Boden gelegt und angehäufelt, sodass die Halmstücke leicht mit Erde bedeckt sind. Der Reihenabstand beträgt 1,2 bis 1,5 m. Innerhalb der Reihe wird der Abstand so gewählt, dass letztlich 15.000–20.000 Stecklinge pro Hektar gesetzt werden. Nach ein bis zwei Wochen treiben die Stecklinge aus, das heißt, sie bilden Wurzeln und treiben an den Augen (Knospe) neue Halme (Rohre) aus. Rund 3 bis 6 Monate Wachstumszeit benötigt der Bestand bis zum Reihenschluss.

Zuckerrohrernte mit Maschinen

Die erste Ernte, das Schneiden des Rohrs, kann 9 bis 24 Monate nach dem Auspflanzen erfolgen. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach Zuckergehalt und Reifegrad. Die Halme werden direkt über dem Boden abgeschnitten und am oberen Ende der zuckerlose Blattapparat entfernt. Dies geschieht häufig noch per Hand oder aber mit Zuckerrohrerntemaschinen. Die „Halmstümpfe“ schlagen wieder aus und nach weiteren 12 Monaten kann die nächste Ernte geschnitten werden. Ein Zuckerrohrbestand kann bis zu acht Mal beerntet werden. In Indien beträgt die Nutzungsdauer z. B. zwei Schnitte, in Thailand drei, in Brasilien dagegen fünf Schnitte. Eine Zuckerrohrpflanze kann bis zu 20 Jahre alt werden.

Die Ernte des Zuckerrohrs erfolgt weltweit zu verschiedenen Zeiten, die in einer Übersicht auf der Homepage der World Association of Beet and Cane Growers (WABCG) dargestellt sind.

Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern sind teilweise problematisch. Häufig werden Kinder als Arbeitskräfte eingesetzt; geringe Bezahlung ist in den Regionen des Zuckerrohranbaus generell üblich. Brasilianische Plantagenarbeiter bekommen etwa 1,4 Reais (ca. 0,60 € – Stand Juni 2007) pro gehackter Tonne Zuckerrohr. Die Tagesleistung liegt bei guten Arbeitern bei circa 15–20 Tonnen.

Erntemethode im Wandel

Brennendes Zuckerrohrfeld in Thailand

Noch heute (2019) werden weltweit vor der Ernte des Zuckerrohres viele Felder abgebrannt. Vor allem Bauern, die nicht mit Maschinen, sondern mit Erntehelfern arbeiten, lassen ihre Zuckerrohrfelder am Vorabend der Ernte abbrennen. Dadurch wird das bei der Ernte störende Unkraut, das verwelkte Blattwerk und Mücken verbrannt. Zurück bleiben die Zuckerstangen, was die Arbeit der Erntehelfer erleichtert. Die Brandasche wird durch die Thermik weit in den Nachthimmel hochgewirbelt. Entsprechend der Windrichtung werden dann ganze Landstriche mit herabrieselnder Asche ("schwarzer Schnee") eingedeckt. Die Biomasse, die sonst als Brennmaterial oder zur Energiegewinnung in der Industrie oder in Kraftwerken genutzt werden könnte, wird somit verschwendet. Zusätzlich sorgt diese Methode für erhebliche Feinstaubbelastungen vor Ort. Beispielsweise liegen in Thailand die Grenzwerte für Feinstaub für die gesundheitsgefährdenden Schadstoffe PM2,5 bei einem Tagesmittelwert von 50 μg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter) und für PM10 bei 120 μg/m³. Obwohl beide Werte 2,5-mal höher sind als die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), werden diese jedes Jahr zur Zuckerernte um bis das Dreifache überschritten. In der Erntezeit 2018 erreichte Chiang Mai einen Spitzenwert der PM10 von 385 μg/m³.

Die Gesetzgeber und Umweltverbände gehen überall gegen die Methode des Abbrennens vor. So ist es zum Beispiel in Thailand bereits seit Jahren gesetzlich verboten. Trotzdem wurden vor der Ernte 2016 wieder ganze Landstriche abgebrannt.

Zuckerrohr-Pflanze (Saccharum officinarum)

Zuckerrohr wird hauptsächlich für die Gewinnung von Zucker genutzt. Aus dem Rohr wird der Zuckersaft gepresst. Als Nebenprodukt bleibt der faserige Anteil zurück, die Bagasse, die ebenfalls Verwendung findet. Daneben wird auch die komplette Pflanze bzw. Pflanzenteile und -anteile für verschiedene Zwecke eingesetzt.

Zuckersaft

Gewinnung von Zuckersaft in Thoothukudi, Indien

Im Zuckerrohr finden sich Zucker – überwiegend Saccharose – mit einem Anteil im Mark von 10 bis 20 %, bei guter Witterung ggf. auch noch mehr. Der durch Pressen gewonnene Zuckersaft wird durch Kristallisation und Raffination zu Rohrzucker verarbeitet. Neben der Erzeugung des industriellen Zuckers ist Zuckerrohrsaft, frisch gepresst und gekühlt, auch zur Herstellung von Getränken beliebt. In Kuba oder Spanien wird Zuckerrohrsaft als guarapo, in Brasilien als caldo de cana oder garapa bezeichnet. In den arabischen Ländern heißt dieses Getränk قصب qaṣab, dialektal (z. B. in Ägypten und der Levante) ʾaṣab. Auch verschiedene Spirituosen werden aus dem Saft erzeugt. In Paraguay wird aus dem vergorenen Zuckerrohrsaft ein Schnaps gebrannt, der nach Zusatz von Zuckerkulör bzw. Karamell als caña bezeichnet wird. In Kolumbien wird aus Anis und Zuckerrohr Aguardiente gebrannt. In Brasilien basiert der Cocktail Caipirinha auf dem Zuckerrohrschnaps Cachaça. Rum dagegen wird meist aus der Zuckerrohr-Melasse, dem immer noch zuckerhaltigen Restsirup, der bei der Zuckerproduktion übrigbleibt, hergestellt.

Eine stark wachsende Bedeutung hat Bioethanol aus Zuckerrohr als Kraftstoff bzw. Biokraftstoff. Dieser wird, wie die Zuckerrohrspirituosen, durch Fermentation von Zucker im Zuckerrohrsaft oder der Melasse zu Alkohol umgesetzt. Bei der anschließenden Destillation wird daraus fast reiner Alkohol gewonnen, der in bestimmten Verbrennungsmotoren (Flexible Fuel Vehicle) nutzbar ist. Beispielsweise werden in Brasilien jährlich ungefähr 16 Milliarden Liter Ethanol produziert und zum großen Teil als PKW-Kraftstoff, aber auch für Flugzeuge, wie dem propellerbetriebenen Agrarflugzeug Embraer EMB 202A, genutzt.

Bagasse

Siehe auch: Bagasse
Bagasse Lagerplatz einer Zuckerfabrik in Hainan, China

Die bei der Zuckersaftgewinnung zurückbleibende Bagasse wird zu etwa 30 % als Brennstoff innerhalb der Zuckerproduktion zur Bereitstellung von Wärme und Strom genutzt. Die restlichen 70 % werden in verschiedenen Bereichen als Rohstoff verwendet:

  • Brennstoff zur Energiegewinnung (Elektrizität); die Insel Mauritius erzeugt 30 % ihrer elektrischen Energie durch die Verbrennung von Bagasse
  • als Brennstoff im Haushalt, z. B. als Brikett
  • wegen des hohen Zellulosegehalts als Grundstoff zur Herstellung von Papier, Kartonagen und Verpackungsmaterialien, aber auch in der Automobilindustrie, beispielsweise für Türverkleidungen
  • Teller, Schalen und sogar Becher für Heißgetränke können hergestellt werden, sind wasserdicht und biologisch abbaubar
  • in der chemischen Industrie als Basis zur Herstellung von Furfural und anderen Chemikalien.
  • Während des Fabrikationsprozesses wird dem erhitzten Zuckersaft Kalk zugesetzt. Dadurch werden Verunreinigungen ausgefällt. Der anfallende Schlamm wird nach ein bis zwei Jahren Lagerung an die Farmer verkauft. Auf den Feldern verteilt dient dieser der natürlichen Bodenverbesserung.

Pflanze

Zuckerrohrhäcksel als Ziegenfutter, Ort: Tijucas, Brasilien

In gehäckselter Form ist Zuckerrohr ein wichtiges Viehfutter für Wiederkäuer wie Schafe, Ziegen und Rinder.

Zuckerrohr war berühmt für seine zahnpflegenden Eigenschaften. In alten Reiseberichten aus dem 19. Jahrhundert wurde immer wieder beschrieben, was für ausgezeichnete Zähne die Plantagenarbeiter oder indigene Bevölkerung hätten, was auf das Kauen des Zuckerrohrs zurückgeführt wurde. Es erscheint paradox, dass eine zuckerhaltige Pflanze zahnpflegende Effekte hat – dies ist wohl auf die „Bürstenfunktion“ der rauen Pflanzenteile zurückzuführen. Da das frische Rohr nicht sehr lange haltbar ist, geriet dieser Aspekt der Pflanze wieder in Vergessenheit. In ländlichen Gegenden wird allerdings weiterhin während der Zuckerrohrernte Zuckerrohr gekaut.

Aus Zuckerrohr kann ein Wachs hergestellt werden, aus dem Policosanol in reiner Form gewonnen werden kann. Sowohl Zuckerrohrwachs als auch Policosanol werden industriell hergestellt.

Die Zuckerrohrfasern (Blätter) werden, als Alternative zu Holzfasern, zur Herstellung von Papier oder Faserformteilen (ähnlich wie Eierkartons) eingesetzt. Abnehmer sind auch Spanplattenwerke die Faserplatten herstellen, die zum Beispiel in der Möbelbranche verbaut werden.

  • Henry Hobhouse: Sechs Pflanzen verändern die Welt. Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle, Kartoffel, Kokastrauch. Klett-Cotta, Stuttgart 2001 (4. Auflage). ISBN 3-608-91024-7.
  • Christoph Maria Merki: Zucker gegen Saccharin. Zur Geschichte der künstlichen Süßstoffe. Campus, Frankfurt a. M., New York 1993. (Diss. Bern 1990) ISBN 3-593-34885-3.
  • Sidney W. Mintz: Die süße Macht. Kulturgeschichte des Zuckers. Campus, Frankfurt a. M., New York 2007 ISBN 978-3-593-38325-5.
Commons: Zuckerrohr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Saccharum officinarum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Zuckerrohr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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  11. Ira Berlin: Generations of Captivity: A History of African-American Slaves, Cambridge, London: The Belknap Press of Harvard University Press, 2003, ISBN 0-674-01061-2, S. 146 f., 179 f.
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  22. Greenbox: Zuckerrohr & Bagasse, Produktionsschritte für Bagasse-Produkte. Abgerufen am 3. Juli 2021
  23. Biothemen, Die Geschichte des Zuckerrohrs, Die Zuckermühle. Abgerufen am 8. August 2018
Normdaten (Sachbegriff): GND:4136723-6(OGND, AKS)

Zuckerrohr
zuckerrohr, anbaupflanze, sprache, beobachten, bearbeiten, saccharum, officinarum, eine, pflanze, familie, süßgräser, poaceae, wird, dort, unterfamilie, panicoideae, etwa, 3270, weiteren, arten, zugeordnet, ursprung, liegt, ostasien, heute, wird, aber, allen, . Zuckerrohr Anbaupflanze Sprache Beobachten Bearbeiten Zuckerrohr Saccharum officinarum ist eine Pflanze aus der Familie der Sussgraser Poaceae und wird dort der Unterfamilie Panicoideae mit etwa 3270 weiteren Arten zugeordnet Ihr Ursprung liegt in Ostasien heute wird sie aber in allen klimatisch geeigneten Regionen angebaut Die Pflanze ist der wichtigste Rohstofflieferant fur die Herstellung von Haushaltszucker Saccharose und in wachsendem Masse auch fur die Herstellung von Bioethanol ZuckerrohrZuckerrohr Pflanze Saccharum officinarum Illustration aus Koehler 1887SystematikCommelinidenOrdnung Sussgrasartige Poales Familie Sussgraser Poaceae Unterfamilie PanicoideaeGattung SaccharumArt ZuckerrohrWissenschaftlicher NameSaccharum officinarumL Inhaltsverzeichnis 1 Beschreibung 2 Geschichte 2 1 Anfange 2 2 Plantagenwirtschaft in der Karibik und in den USA 3 Wirtschaftliche Bedeutung 3 1 Hauptproduzenten 3 2 Handel 4 Anbau und Ernte 4 1 Erntemethode im Wandel 5 Nutzung 5 1 Zuckersaft 5 2 Bagasse 5 3 Pflanze 6 Literatur 7 Weblinks 8 EinzelnachweiseBeschreibung BearbeitenZuckerrohr ist eine einkeimblattrige Pflanze Monokotyledone mit dem fur Poaceae typischen grasartigen Erscheinungsbild Die Halme haben einen Durchmesser von 20 bis 45 mm und erreichen eine Hohe von 3 bis 6 Metern Das Zuckerrohr besitzt Rhizome Die rispenformigen Blutenstande werden 40 bis 60 cm lang Die Fruchte sind klein und nur etwa 1 5 mm lang 1 Die Chromosomenzahl betragt 2n 80 aber auch 30 40 48 50 54 60 64 68 72 88 96 108 oder 120 2 Zuckerrohr Saccharum officinarum Geschichte BearbeitenAnfange Bearbeiten Die Geschichte der Nutzung des Zuckerrohrs als Zuckerlieferant begann um das 5 Jahrhundert v Chr im ostasiatischen Raum der auch als Ursprung der Pflanze gilt Als ursprungliche Herkunftsgebiete werden der Malaiische Archipel aber auch Neuguinea und China angegeben die genaue genetische Herkunft ist jedoch unklar Durch Handel gelangte diese Pflanze um das 1 Jahrhundert n Chr allmahlich in den Nahen Osten Zur selben Zeit erwahnt der romische Autor Plinius der Altere dass arabischer und indischer Zucker in der Medizin Verwendung fand 3 Man erkannte auch dass der aus dem ursprunglichen Saft kristallisierte Zucker viel langer haltbar und leichter zu transportieren ist Araber verbreiteten auf ihren Expansionszugen die Kultur des Zuckerrohranbaus entlang der Rander des Mittelmeeres u a bis nach Marokko und Sizilien Ihnen gelang dank ausgefeilter Technologien sogar der Anbau im fur eine tropische bzw subtropische Pflanze sehr weit nordlich gelegenen Zentralspanien Westeuropa lernte den Zucker als Genussmittel im Gefolge der Kreuzzuge kennen Die Kreuzritter ubernahmen in den von ihnen eroberten und besetzten Gebieten die Kontrolle uber den Anbau des Zuckerrohrs Venezianische Kaufleute begannen bald darauf Zuckerunternehmungen in der Nahe von Tyrus auf Kreta und Zypern zu installieren Zu einem massiven Einbruch in der Zuckerproduktion im Mittelmeerraum kam es infolge der Pestepidemie im spaten Mittelalter Wahrscheinlich war diese Krise ausschlaggebend fur den spateren Einsatz von Sklaven bei der Intensivierung des aufwandigen Zuckerrohranbaus Nordafrika Europa und der Mittlere Osten wurden jahrhundertelang mit Zucker aus dem Mittelmeerraum beliefert die dortigen Produktionsstatten verloren erst an Bedeutung als die in der Neuen Welt entdeckten fur den Anbau klimatisch besser geeigneten Gebiete die Vorherrschaft ubernahmen Bereits auf seiner zweiten Reise im Jahr 1493 brachte Christoph Kolumbus Zuckerrohrstecklinge auf die Karibikinsel Hispaniola 4 Die Portugiesen brachten es auch nach Westafrika in die Bucht von Benin Wegen der schwierigen Verarbeitung war Zucker um diese Zeit aber noch immer sehr rar und fur den normalen Burger nicht erschwinglich Bis zur Zuchtung der Zuckerrube aus der Runkelrube Mitte des 18 Jahrhunderts blieb das Zuckerrohr die einzige Rohstoffquelle zur Zuckergewinnung Plantagenwirtschaft in der Karibik und in den USA Bearbeiten Nach der Einfuhr der ersten Zuckerrohrschosslinge durch Kolumbus entwickelte sich die Karibik seit dem 16 Jahrhundert zur Hauptanbauregion fur Zuckerrohr und der Rohrzucker zum wichtigsten Exportartikel der europaischen Karibik Kolonien Der Anbau von Zuckerrohr setzte eine enorme Nachfrage nach Arbeitssklaven in Gang Europaische Sklavenhandler tauschten an der westafrikanischen Kuste Manufakturwaren Gewehre Alkohol Stoffe usw gegen Sklaven und verkauften diese in der Karibik Man geht davon aus dass zwischen 10 und 15 Millionen Afrikaner im Zuge des Atlantischen Sklavenhandels nach Amerika verschleppt wurden Das Interesse Frankreichs am karibischen Zuckerrohrgeschaft war so gross dass es 1763 seine territorialen Anspruche in Kanada aufgab um von den Briten im Gegenzug als Mutterland der Inseln Guadeloupe Martinique und St Lucia anerkannt zu werden Wie machtig die Zuckerpartei war zeigt sich darin dass die Nationalversammlung in Paris am 20 Marz 1790 die Geltung der wahrend der Franzosischen Revolution ausgerufenen allgemeinen Menschenrechte aufs Mutterland beschrankte 5 Aus den gleichen Grunden verzichteten die Niederlande um ihre Herrschaft in Suriname zu sichern auf die Ruckgabe ihrer nordamerikanischen Kolonie Nieuw Nederland durch England 6 7 8 Verantwortlich fur die Einfuhrung des Zuckerrohranbaus auf dem nordamerikanischen Festland waren die Franzosen die die Pflanze zu Beginn des 18 Jahrhunderts in ihre Kolonie Louisiana brachten Die Pflanzer begannen allerdings erst ab den 1750er Jahren sich dafur zu interessieren Viele von ihnen waren 1804 aus Saint Domingue geflohen Im Zeitraum von 1796 bis 1800 stellten sich in Louisiana wo bis dahin vor allem Tabak und Indigo angebaut wurde mindestens 60 Plantagen auf Zuckerrohr um In dieser Zeit bescherte die Pflanze ihren Anbauern erstmals Reichtum und in den 1810er und 1820er Jahren wurde sie zu einem Hauptanbauprodukt von Louisiana Dieses war inzwischen Teil der Vereinigten Staaten und bis zum Sezessionskrieg 1861 1865 bedeutendster nationaler Zuckerrohranbauer Louisiana war fur den Zuckerrohranbau eigentlich wenig geeignet und die Pflanze gedeiht tatsachlich nur in einigen Teilen im Suden des Bundesstaates Nach dem Ende des Amerikanischen Unabhangigkeitskrieges 1775 1783 und der Anerkennung der USA durch Grossbritannien waren der Unternehmungsgeist der Pflanzer und die Zahl der verfugbaren Sklaven hier jedoch so gross dass dieser Nachteil leicht ausgeglichen werden konnte Anders als auf den Baumwollplantagen wo Frauen im selben Umfang eingesetzt wurden wie Manner legten die Zuckerpflanzer Wert auf junge mannliche Arbeitskrafte Die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen war ausserordentlich hart und die Lebenserwartung der hier beschaftigten Sklaven war gering Auf eine relativ kurze Wachstumsperiode die allerdings standige Fursorge verlangte folgte die Mahl Koch und Reinigungssaison in der die Sklaven fast rund um die Uhr arbeiten mussten Mechanisiert wurden diese Prozesse erst seit der Mitte des 19 Jahrhunderts In Florida das neben Louisiana heute das zweite wichtige Zuckerrohranbaugebiet der USA ist begann der Zuckerrohranbau grossen Stils erst nach dem Sezessionskrieg 6 9 10 11 Wirtschaftliche Bedeutung BearbeitenZuckerrohr wird in den Tropen und Subtropen angebaut und stellt etwa 70 der gesamten Zuckerproduktion 12 Im Erntejahr 2019 wurden weltweit 1 949 310 108 Tonnen Zuckerrohr produziert Damit ist Zuckerrohr die Nahrungspflanze mit der grossten Erntemenge Hauptproduzenten Bearbeiten Laut FAO wurden 2019 weltweit 1 949 310 108 Tonnen Zuckerrohr geerntet Damit sind Zuckerrohr und Mais die beiden einzigen Nahrungspflanzen deren jahrliche Erntemengen uber einer Milliarde Tonnen liegen 13 Die 20 Hauptanbaulander nach dem Umfang ihrer Produktion haben zusammen 92 8 der Ernte eingebracht Dies sind Grosste Zuckerrohrproduzenten 2019 13 Rang Land Menge in t Rang Land Menge in t 1 Brasilien Brasilien 752 895 389 11 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 28 972 7602 Indien Indien 405 416 180 12 Philippinen Philippinen 20 719 2913 Thailand Thailand 131 002 173 13 Sudafrika Sudafrika 19 482 2464 China Volksrepublik Volksrepublik China 109 388 100 14 Argentinien Argentinien 17 652 8145 Pakistan Pakistan 66 880 011 15 Agypten Agypten 16 316 1346 Mexiko Mexiko 59 334 059 16 Vietnam Vietnam 15 269 7167 Kolumbien Kolumbien 32 662 952 17 Myanmar Myanmar 11 846 1768 Australien Australien 32 415 352 18 Peru Peru 10 929 3419 Indonesien Indonesien 29 100 000 19 Bolivien Bolivien 9 558 47210 Guatemala Guatemala 29 087 086 20 Iran Iran 9 284 942Top Twenty 1 808 213 194restliche Lander 141 096 914Handel Bearbeiten Rohrzucker kann auf dem Weltmarkt billiger als Rubenzucker angeboten werden In der EU war er lange Zeit wegen der Europaischen Zuckermarktordnung welche den heimischen Markt durch Zolle Quoten und Subventionen schutzen sollte nicht gegen den in der EU produzierten Rubenzucker konkurrenzfahig Die Welthandelsorganisation WTO verordnete 2004 eine allmahliche Offnung des europaischen Marktes was zu einer weiteren Zunahme der Bedeutung von Rohrzucker fuhrte 14 Von 2000 bis 2010 nahm die jahrliche Weltzuckerernte also aus Zuckerrohr und Rube von nahezu 1 4 Milliarden Tonnen um etwa 30 auf 1 77 Milliarden Tonnen Rohwert Zucker zu 15 Dabei stieg vor allem die Erzeugung von Zuckerrohr von 1 25 Milliarden Tonnen 2000 auf 1 95 Milliarden Tonnen 2019 die Erzeugung von Zuckerruben Zuckergehalt etwa 20 sank zunachst seit dem Hochststand im Jahr 1989 mit einer Produktion von 314 Millionen Tonnen auf 250 Millionen Tonnen 2000 und stieg danach auf 279 Millionen Tonnen im Jahr 2019 an 13 Anbau und Ernte Bearbeiten Zuckerrohr Ernte ohne Maschinen Zuckerrohr wachst in subtropischen und tropischen Klimaten Um ordentlich gedeihen zu konnen braucht das anspruchslose Zuckerrohr Temperaturen zwischen 25 und 30 C ist es kalter verlangsamt sich das Wachstum unter 15 C wachst die Pflanze nicht mehr Der Wasserbedarf der Pflanze ist sehr hoch es darf aber nicht stehen da sonst die Pflanze fault Es sind also hugelige Anbaugebiete vorteilhaft 16 Die Anpflanzung des Zuckerrohrs geschieht uber Stecklinge Halmstucke aus dem unteren Bereich der Zuckerrohrhalme die zwei bis vier Knoten aufweisen werden verwendet Je nach Technisierungsgrad werden sie entweder manuell oder maschinell reihenweise dicht hintereinander in den Boden gelegt und angehaufelt sodass die Halmstucke leicht mit Erde bedeckt sind Der Reihenabstand betragt 1 2 bis 1 5 m Innerhalb der Reihe wird der Abstand so gewahlt dass letztlich 15 000 20 000 Stecklinge pro Hektar gesetzt werden Nach ein bis zwei Wochen treiben die Stecklinge aus das heisst sie bilden Wurzeln und treiben an den Augen Knospe neue Halme Rohre aus Rund 3 bis 6 Monate Wachstumszeit benotigt der Bestand bis zum Reihenschluss Zuckerrohrernte mit Maschinen Die erste Ernte das Schneiden des Rohrs kann 9 bis 24 Monate nach dem Auspflanzen erfolgen Der Erntezeitpunkt richtet sich nach Zuckergehalt und Reifegrad Die Halme werden direkt uber dem Boden abgeschnitten und am oberen Ende der zuckerlose Blattapparat entfernt Dies geschieht haufig noch per Hand oder aber mit Zuckerrohrerntemaschinen Die Halmstumpfe schlagen wieder aus und nach weiteren 12 Monaten kann die nachste Ernte geschnitten werden Ein Zuckerrohrbestand kann bis zu acht Mal beerntet werden In Indien betragt die Nutzungsdauer z B zwei Schnitte in Thailand drei in Brasilien dagegen funf Schnitte Eine Zuckerrohrpflanze kann bis zu 20 Jahre alt werden Die Ernte des Zuckerrohrs erfolgt weltweit zu verschiedenen Zeiten die in einer Ubersicht auf der Homepage der World Association of Beet and Cane Growers WABCG 17 dargestellt sind Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern sind teilweise problematisch Haufig werden Kinder als Arbeitskrafte eingesetzt geringe Bezahlung ist in den Regionen des Zuckerrohranbaus generell ublich Brasilianische Plantagenarbeiter bekommen etwa 1 4 Reais ca 0 60 Stand Juni 2007 pro gehackter Tonne Zuckerrohr Die Tagesleistung liegt bei guten Arbeitern bei circa 15 20 Tonnen Erntemethode im Wandel Bearbeiten Brennendes Zuckerrohrfeld in Thailand Noch heute 2019 werden weltweit vor der Ernte des Zuckerrohres viele Felder abgebrannt Vor allem Bauern die nicht mit Maschinen sondern mit Erntehelfern arbeiten lassen ihre Zuckerrohrfelder am Vorabend der Ernte abbrennen Dadurch wird das bei der Ernte storende Unkraut das verwelkte Blattwerk und Mucken verbrannt Zuruck bleiben die Zuckerstangen was die Arbeit der Erntehelfer erleichtert Die Brandasche wird durch die Thermik weit in den Nachthimmel hochgewirbelt Entsprechend der Windrichtung werden dann ganze Landstriche mit herabrieselnder Asche schwarzer Schnee eingedeckt Die Biomasse die sonst als Brennmaterial oder zur Energiegewinnung in der Industrie oder in Kraftwerken genutzt werden konnte wird somit verschwendet Zusatzlich sorgt diese Methode fur erhebliche Feinstaubbelastungen vor Ort Beispielsweise liegen in Thailand die Grenzwerte fur Feinstaub fur die gesundheitsgefahrdenden Schadstoffe PM2 5 bei einem Tagesmittelwert von 50 mg m Mikrogramm pro Kubikmeter und fur PM10 bei 120 mg m Obwohl beide Werte 2 5 mal hoher sind als die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO werden diese jedes Jahr zur Zuckerernte um bis das Dreifache uberschritten 18 In der Erntezeit 2018 erreichte Chiang Mai einen Spitzenwert der PM10 von 385 mg m 19 Die Gesetzgeber und Umweltverbande gehen uberall gegen die Methode des Abbrennens vor So ist es zum Beispiel in Thailand bereits seit Jahren gesetzlich verboten Trotzdem wurden vor der Ernte 2016 wieder ganze Landstriche abgebrannt 20 Nutzung Bearbeiten Zuckerrohr Pflanze Saccharum officinarum Zuckerrohr wird hauptsachlich fur die Gewinnung von Zucker genutzt Aus dem Rohr wird der Zuckersaft gepresst Als Nebenprodukt bleibt der faserige Anteil zuruck die Bagasse die ebenfalls Verwendung findet Daneben wird auch die komplette Pflanze bzw Pflanzenteile und anteile fur verschiedene Zwecke eingesetzt Zuckersaft Bearbeiten Siehe auch Zuckerfabrikation und Bioethanol Mediendatei abspielen Gewinnung von Zuckersaft in Thoothukudi Indien Im Zuckerrohr finden sich Zucker uberwiegend Saccharose mit einem Anteil im Mark von 10 bis 20 bei guter Witterung ggf auch noch mehr Der durch Pressen gewonnene Zuckersaft wird durch Kristallisation und Raffination zu Rohrzucker verarbeitet Neben der Erzeugung des industriellen Zuckers ist Zuckerrohrsaft frisch gepresst und gekuhlt auch zur Herstellung von Getranken beliebt In Kuba oder Spanien wird Zuckerrohrsaft als guarapo in Brasilien als caldo de cana oder garapa bezeichnet In den arabischen Landern heisst dieses Getrank قصب qaṣab dialektal z B in Agypten und der Levante ʾaṣab Auch verschiedene Spirituosen werden aus dem Saft erzeugt In Paraguay wird aus dem vergorenen Zuckerrohrsaft ein Schnaps gebrannt der nach Zusatz von Zuckerkulor bzw Karamell als cana bezeichnet wird In Kolumbien wird aus Anis und Zuckerrohr Aguardiente gebrannt In Brasilien basiert der Cocktail Caipirinha auf dem Zuckerrohrschnaps Cachaca Rum dagegen wird meist aus der Zuckerrohr Melasse dem immer noch zuckerhaltigen Restsirup der bei der Zuckerproduktion ubrigbleibt hergestellt Eine stark wachsende Bedeutung hat Bioethanol aus Zuckerrohr als Kraftstoff bzw Biokraftstoff Dieser wird wie die Zuckerrohrspirituosen durch Fermentation von Zucker im Zuckerrohrsaft oder der Melasse zu Alkohol umgesetzt Bei der anschliessenden Destillation wird daraus fast reiner Alkohol gewonnen der in bestimmten Verbrennungsmotoren Flexible Fuel Vehicle nutzbar ist Beispielsweise werden in Brasilien jahrlich ungefahr 16 Milliarden Liter Ethanol produziert und zum grossen Teil als PKW Kraftstoff aber auch fur Flugzeuge wie dem propellerbetriebenen Agrarflugzeug Embraer EMB 202A genutzt Bagasse Bearbeiten Siehe auch Bagasse Bagasse Lagerplatz einer Zuckerfabrik in Hainan China Die bei der Zuckersaftgewinnung zuruckbleibende Bagasse wird zu etwa 30 als Brennstoff innerhalb der Zuckerproduktion zur Bereitstellung von Warme und Strom genutzt Die restlichen 70 werden in verschiedenen Bereichen als Rohstoff verwendet Brennstoff zur Energiegewinnung Elektrizitat 21 die Insel Mauritius erzeugt 30 ihrer elektrischen Energie durch die Verbrennung von Bagasse als Brennstoff im Haushalt z B als Brikett wegen des hohen Zellulosegehalts als Grundstoff zur Herstellung von Papier Kartonagen und Verpackungsmaterialien aber auch in der Automobilindustrie beispielsweise fur Turverkleidungen Teller Schalen und sogar Becher fur Heissgetranke konnen hergestellt werden sind wasserdicht und biologisch abbaubar 22 in der chemischen Industrie als Basis zur Herstellung von Furfural und anderen Chemikalien Wahrend des Fabrikationsprozesses wird dem erhitzten Zuckersaft Kalk zugesetzt Dadurch werden Verunreinigungen ausgefallt Der anfallende Schlamm wird nach ein bis zwei Jahren Lagerung an die Farmer verkauft Auf den Feldern verteilt dient dieser der naturlichen Bodenverbesserung 23 Pflanze Bearbeiten Zuckerrohrhacksel als Ziegenfutter Ort Tijucas Brasilien In gehackselter Form ist Zuckerrohr ein wichtiges Viehfutter fur Wiederkauer wie Schafe Ziegen und Rinder Zuckerrohr war beruhmt fur seine zahnpflegenden Eigenschaften In alten Reiseberichten aus dem 19 Jahrhundert wurde immer wieder beschrieben was fur ausgezeichnete Zahne die Plantagenarbeiter oder indigene Bevolkerung hatten was auf das Kauen des Zuckerrohrs zuruckgefuhrt wurde Es erscheint paradox dass eine zuckerhaltige Pflanze zahnpflegende Effekte hat dies ist wohl auf die Burstenfunktion der rauen Pflanzenteile zuruckzufuhren Da das frische Rohr nicht sehr lange haltbar ist geriet dieser Aspekt der Pflanze wieder in Vergessenheit In landlichen Gegenden wird allerdings weiterhin wahrend der Zuckerrohrernte Zuckerrohr gekaut Aus Zuckerrohr kann ein Wachs hergestellt werden aus dem Policosanol in reiner Form gewonnen werden kann Sowohl Zuckerrohrwachs als auch Policosanol werden industriell hergestellt Die Zuckerrohrfasern Blatter werden als Alternative zu Holzfasern zur Herstellung von Papier oder Faserformteilen ahnlich wie Eierkartons eingesetzt Abnehmer sind auch Spanplattenwerke die Faserplatten herstellen die zum Beispiel in der Mobelbranche verbaut werden Literatur BearbeitenHenry Hobhouse Sechs Pflanzen verandern die Welt Chinarinde Zuckerrohr Tee Baumwolle Kartoffel Kokastrauch Klett Cotta Stuttgart 2001 4 Auflage ISBN 3 608 91024 7 Christoph Maria Merki Zucker gegen Saccharin Zur Geschichte der kunstlichen Sussstoffe Campus Frankfurt a M New York 1993 Diss Bern 1990 ISBN 3 593 34885 3 Sidney W Mintz Die susse Macht Kulturgeschichte des Zuckers Campus Frankfurt a M New York 2007 ISBN 978 3 593 38325 5 Weblinks Bearbeiten Commons Zuckerrohr Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Commons Saccharum officinarum Album mit Bildern Videos und Audiodateien Wiktionary Zuckerrohr Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Rohrzucker unter www biothemen de mit vielen Informationen von Stefanie Goldscheider abgerufen am 2 Januar 2013 Lauft wie gezuckert Artikel in Die Tageszeitung TAZ uber den Boom des Zuckerrohr Anbaus in Brasilien und die Auswirkungen auf die Armut vom 31 August 2006 abgerufen am 15 Marz 2010 Bitteres Zuckerrohr bitterer Rum Artikel in Die Tageszeitung TAZ uber Zuckerrohranbau in Nicaragua vom 4 November 2010 Schweizer Fernsehen Zuckerrohr als Treibstoff vom 28 Dezember 2007 abgerufen am 28 Mai 2010Einzelnachweise Bearbeiten GrassBase The Online World Grass Flora Saccharum officinarum Clayton W D Harman K T and Williamson H abgerufen am 15 Marz 2010 Tropicos Saccharum officinarum L Plinius der Altere Naturalis historia 12 32 Kathleen Deagan and Jose Maria Cruxent Columbus s Outpost among the Tainos Yale University 2002 ISBN 0 300 09040 4 Deutsches Museum Zuckerrohr und Sklaverei a b Sugar and Slavery Molasses to Rum to Slaves Memento vom 8 Februar 2005 im Internet Archive The Sugar Trade in the West Indies and Brazil Between 1492 and 1700 The Sugar amp Slave Trades Memento vom 29 Juni 2008 im Internet Archive Antebellum Louisiana Agrarian Life Zuckerrohranbau in Florida Ira Berlin Generations of Captivity A History of African American Slaves Cambridge London The Belknap Press of Harvard University Press 2003 ISBN 0 674 01061 2 S 146 f 179 f Verschiedene u a www rohstoff welt de a b c Crops gt Sugar Cane Abgerufen am 17 Januar 2021 englisch Food and Agriculture Organization of the United Nations FAO Suddeutsche Zeitung Rohr schlagt Rube Artikel vom 10 Marz 2010 Wirtschaftliche Vereinigung Zucker WVZ Zuckererzeugung unter Zuckermarkt Zahlen und Fakten Weltzuckermarkt Erzeugung und Verbrauch abgerufen am 2 Januar 2013 cachaca online de unter Herstellung abgerufen am 2 Januar 2013 World sugar harvests Memento vom 30 August 2014 im Internet Archive Greenpeace Greenpeace s City Rankings for PM2 5 in Thailand Bericht aus 2016 Abgerufen am 29 Juli 2018 Frankfurter Rundschau Chiang Mais vierte Jahreszeit Bericht vom 7 April 2017 Abgerufen am 29 Juli 2018 Bangkok Post New sugar policy has a bitter taste vom 12 September 2016 Abgerufen am 29 Juli 2018 Webarchiv org Lanxess Energizing Chemistry Unternehmenseigene Darstellung eines Projektes zur energetischen Bagassenutzung Inbetriebnahme in 2010 Bericht in Englisch Abgerufen am 3 Juli 2021 Greenbox Zuckerrohr amp Bagasse Produktionsschritte fur Bagasse Produkte Abgerufen am 3 Juli 2021 Biothemen Die Geschichte des Zuckerrohrs Die Zuckermuhle Abgerufen am 8 August 2018 Normdaten Sachbegriff GND 4136723 6 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Zuckerrohr amp oldid 216406100, wikipedia, wiki, deutsches

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