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Russland

Russland ist mit 17.075 Millionen Quadratkilometern das mit Abstand flächengrößte Land der Erde. Es umfasst elf Prozent der Weltlandfläche, das entspricht in etwa der Fläche Australiens und Europas zusammen. Bis auf die Tropen sind alle Klimazonen vertreten.

Von Westen nach Osten erstreckt sich Russland auf einer Gesamtlänge von 9000 Kilometern, von 19° östlicher bis 169° westlicher Länge über zwei Kontinente. Auf Europa entfallen 23 Prozent der Landfläche, auf Asien 77 Prozent. Von Süden nach Norden beträgt die Ausdehnung bis zu 4000 Kilometer, vom 41. bis zum 81. Grad nördlicher Breite.

Auf dem Gebiet Russlands befinden sich einige der längsten Flüsse sowie der älteste und tiefste Binnensee der Welt (Baikalsee). Wenn man die Reliefstruktur und die Flusssysteme Russlands miteinander vergleicht, so entsteht ein Gitternetz aus breitenparallel verlaufenden Wasserscheiden bzw. dem Steppengürtel im Süden und den meridional ausgerichteten Stromwegen.

Lage und Grenzen

Rechts im Bild die Festung Iwangorod (Russland), links auf der anderen Seite der Narva die Hermannsfeste (Estland). Hier verläuft zugleich auch die Ostgrenze der Europäischen Union.

Russland hat neben der Volksrepublik China mit 14 die größte Anzahl Nachbarstaaten mit einer gemeinsamen Landgrenze. Die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 20.027 Kilometer. Russland grenzt des Weiteren an fünf Meere, wobei die Küstenlinie 37.653 km umfasst.

Das russische Kernland grenzt an die Staaten Norwegen (196 km) und Finnland (1340 km), gefolgt von einem kurzen Küstenstreifen zur Ostsee. Zudem teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen Ländern Estland (334 km) und Lettland (217 km), weiter südlich gefolgt von Weißrussland (959 km) und der Ukraine (1586 km, mit Landgrenze der Krim). Das Schwarze Meer trennt die europäischen Grenzen Russlands von den asiatischen. Im Kaukasus grenzen Georgien (723 km) und Aserbaidschan (284 km) an. Es folgt ein Küstenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit Kasachstan (6846 km). In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China (etwa 40 km) und dann an die Mongolei (3485 km). Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit chinesischem zusammen (3605 km). Mit Nordkorea (19 km) besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat.

Danach folgen die Küstenlinien zum Japanischen Meer, dem Ochotskischen Meer, zum Pazifischen Ozean und schließlich zur Beringsee. Über die nur etwa 85 km schmale und 30 bis 50 Meter tiefe Beringstraße ist Russland im äußersten Osten von Alaska getrennt. Die inmitten der Beringstraße befindliche russische Große Diomedes-Insel liegt nur vier Kilometer von der US-amerikanischen Kleinen Diomedes-Insel entfernt. Der gesamte nördliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean. Dort liegen verschiedene zu Russland gehörende Inseln, als nördlichste Franz-Josef-Land. Russland betrachtet zudem noch weitere Gebiete des Arktischen Ozeans und der Eisfläche als Teil seines Hoheitsgebietes.

Neben dem Kernland besitzt Russland noch eine Exklave, den nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens, die heutige Oblast Kaliningrad. Das Gebiet, über welches 1945 die Sowjetunion die territoriale Souveränität beanspruchte, grenzt an Litauen (227 km) und Polen (206 km) und ist damit vollständig von EU-Ländern umgeben.

Russland ist in elf Zeitzonen eingeteilt (von UTC+2 bis UTC+12), wobei mit der Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2011 bis 2014 überall ganzjährig die Sommerzeit galt. Nach anhaltender Kritik aus der Bevölkerung kehrte Russland am 26. Oktober 2014 zur Normalzeit zurück.

Großlandschaften und Relief

Großlandschaften und wichtigste Flüsse Sibiriens
Mittelrussischer Landrücken in der Osteuropäischen Ebene, nahe Saraisk
Landschaftsbild in der Oblast Belgorod

Russland umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Naturräume, die vielfältige Potenziale, aber auch sehr verschiedenartige Nutzungen aufweisen. Russland gliedert sich geographisch betrachtet hauptsächlich in die acht Großlandschaften (etwa in West-Ost-Richtung):

Flüsse und Seen

Kreuzfahrtschiffe auf der Wolga
Der Katun im Altaigebirge

Mit 120.000 Flüssen und Strömen und fast zwei Millionen Seen ist Russland sehr wasserreich. Der Waldgürtel, der zwei Drittel der Fläche einnimmt, wirkt zusammen mit dem Niederschlagsüberschuss als riesiger Wasserspeicher, der ein ganzes Netz an Wasserläufen speist.

Im europäischen Teil Russlands ist der wichtigste Fluss die Wolga. Sie ist der längste Fluss Europas und verläuft ausschließlich in Russland. Zusammen mit ihren beiden Nebenflüssen Kama und Oka entwässert sie einen großen Teil der Osteuropäischen Ebene nach 3534 Kilometern zum Kaspischen Meer im Südosten. Als Wasserweg hat die Wolga besondere Bedeutung, da sie Osteuropa mit Zentralasien verbindet. Der Nordrussische Landrücken bildet die Wasserscheide zwischen Wolgabecken und Weißem Meer bzw. Barentssee im Norden. Eine große Bedeutung für die slawischen Staaten besitzt der Dnepr (auch Dnjepr genannt). Der Strom entsteht westlich von Moskau und fließt anschließend durch Weißrussland und die Ukraine, wo er ins Schwarze Meer mündet. Über den Dnepr-Bug-Kanal ist er mit den polnischen Flüssen Bug und Weichsel sowie mittelbar über das Oginskische Kanalsystem mit der Memel verbunden, was den Dnepr zu einer wichtigen Wasserstraße macht.

Die längsten Flüsse Russlands liegen in Sibirien und dem fernöstlichen Russland. Der Ob entspringt im südsibirischen Altai und mündet in das Nordpolarmeer. Der mit seinem Quellfluss Katun über 4300 Kilometer lange Fluss bildet – zusammen mit dem Irtysch – eines der längsten Flusssysteme Asiens mit einer Gesamtlänge von über 5400 Kilometern. Eine noch etwas längere Fließstrecke hat das Flusssystem des Jenissei, dessen Wasser (teilweise) aus der Mongolei nach Norden durch Westsibirien zum Nordpolarmeer fließt. Sein Hauptzufluss, die Angara, stellt den einzigen Abfluss des Baikalsees dar. Der Jenissei führt dem Nordpolarmeer jährlich etwa 600 Kubikkilometer Wasser zu. Damit verzeichnet er die höchste Durchflussmenge aller russischen Flüsse. Die rund 4300 Kilometer lange Lena, der längste Strom, der ausschließlich in Russland verläuft und dessen Einzugsgebiet sich ausschließlich in Russland befindet, entspringt nur 5 Kilometer vom Baikalsee entfernt. Sie fließt zunächst in nordöstliche Richtung, biegt nach dem Einmünden des Aldan nach Norden und mündet in einem ausgedehnten Delta in die Laptewsee, ein Nebenmeer des Nordpolarmeers. Weitere wichtige Flüsse, die ins Nordpolarmeer münden, sind die Petschora, die Nördliche Dwina, die Chatanga sowie die Kolyma und die Indigirka.

Ein weiteres wichtiges Flusssystem bildet der Amur mit seinem Zufluss Schilka. Mit dessen Quellfluss Onon hat es eine Gesamtlänge von etwa 4400 Kilometern und führt vom Nordosten der Mongolei in östlicher Richtung entlang der chinesischen Grenze zur Pazifikküste. Amur und Anadyr sind die größten russischen Flüsse, die in den Pazifischen Ozean fließen.

Viele andere Ströme sind als Verkehrswege und als Energiequellen bedeutend, oder sie dienen in trockenen Regionen der Bewässerung. Der Don nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Er liegt im bevölkerungsreichen Osteuropäischen Tiefland und entwässert nach Süden in das Asowsche Meer. Andere wichtige Flüsse sind Moskwa, Selenga, Tobol, Steinige Tunguska, Untere Tunguska, Ural und Ussuri.

In Russland gibt es, besonders im ehemals vergletscherten nordwestlichen Teil des Landes, viele natürliche Seen. Das Kaspische Meer ist mit 386.400 km² der weltgrößte Binnensee. Der Seespiegel des Salzwassersees befindet sich etwa 28 Meter unterhalb des Meeresniveaus. Da das Kaspische Meer keinen Abfluss hat, entweicht Wasser nur durch Verdunstung, wodurch es bei dem hier herrschenden trockenen Klima zur Auskristallisation von Salzen kommt. Der Baikalsee hat als ältester Süßwassersee eine Tiefe von 1642 Metern, womit er nicht nur der tiefste See, sondern zugleich auch das größte Reservoir flüssigen Süßwassers weltweit (ca. ein Fünftel aller flüssigen Süßwasserreserven) ist. Weitere wichtige und große Seen sind Ladogasee (größter Binnensee Europas), Onegasee und Taimyrsee.

Gebirge und Naturschutzgebiete

Blick auf den Elbrus, den höchsten Berg Russlands

Rund 40 Prozent der Fläche Russlands ist von Gebirgen überzogen. Dabei bildet der Ural die Trennlinie zwischen dem europäischen und asiatischen Teil des Landes; er stellt allerdings wegen seiner geringen Höhe von knapp 2000 Metern (Narodnaja, 1895 m) keine wirkliche Barriere dar. Östlich des Ural erstreckt sich das sehr flache Westsibirische Tiefland, das bis zum Fluss Jenissej reicht und von weiträumigen Sumpflandschaften durchzogen ist. Südöstlich wird das Westsibirische Tiefland durch das Mittelsibirische Bergland abgeschlossen, das sich bis zum Fluss Lena erstreckt und im Norden zum schmalen Nordsibirischen Tiefland abfällt. Zum Mittelsibirischen Bergland gehören die Gebirge Sajan (Munku Sardyk, 3491 m) und das höchste Gebirge Sibiriens, der Altai (Belucha, 4506 m), im russisch-kasachisch-chinesisch-mongolischen Grenzgebiet. Östlich der Lena erhebt sich das Ostsibirische Bergland, das sich in verschiedene Gebirgsketten, wie das Werchojansker Gebirge (2389 m in Orlugan) und Tscherskigebirge (Pobeda, 3003 m), verzweigt und Höhen bis gut 3000 m erreicht. Die Halbinsel Kamtschatka ist durch ihre 160 Vulkane mit Höhen bis zu 4688 m geprägt, von denen 29 noch aktiv sind.

Weitere Gebirge in Russland sind: Baikalgebirge, Chibinen, Kaukasus, Kolymagebirge, Putorana-Gebirge, Stanowoigebirge, Stanowoihochland, Tannu-ola-Gebirge. Der höchste Berg in Russland ist der Elbrus (5642 Meter) im Kaukasus. Es folgen der Kasbek mit 5047 Meter und die Kljutschewskaja Sopka mit 4750 Meter.

Russland besitzt ein ausgeprägtes Naturschutzsystem mit einer langen Tradition. Zu den klassischen russischen Schutzgebietskategorien wie den streng geschützten Sapowedniki oder den Sakasniki kamen seit den 1980er Jahren die nach internationalen Kriterien errichteten Nationalparks und andere internationale Schutzgebietsklassen hinzu. Russland besitzt flächenmäßig eines der größten Schutzgebietssysteme der Welt:

Korjakskaja Sopka auf der Halbinsel Kamtschatka
  • Sapowedniki (streng geschützte Gebiete): Ist die wichtigste nationale Schutzgebietskategorie in Russland, die international zur höchstmöglichen Schutzgebietskategorie gehört. In ihnen darf keinerlei Nutzung und keine menschliche Beeinflussung der natürlichen Prozesse erfolgen. Daher ist das Betreten der Kernzone eines Sapowedniks durch Besucher verboten, wobei es für Wissenschaftler in beschränktem Umfang Ausnahmegenehmigungen gibt. Derzeit gibt es 100 von diesen Totalreservaten in Russland, die in ihrer Fläche von 2,31 bis 4169 km² reichen und insgesamt 27.000 km² umfassen.
  • Sakasniki (Wildschutzgebiete): Hierbei handelt es sich um Gebiete die bis zu 6000 km² Fläche umfassen, in denen Beschränkungen für die wirtschaftliche Nutzung gelten. Sie dienen als Landschaftsreservate dem Schutz und der Regeneration natürlicher Ökosysteme, dem Schutz von seltenen Tier- und Pflanzenarten, von Fossilienfundstellen oder auch dem Schutz hydrologisch, bzw. geologisch bedeutender Stätten. Insgesamt gibt es etwa 3000 Sakasniki in Russland mit einer Gesamtfläche von etwa 78.000 km².
  • Nationalparks in Russland: Erst seit Anfang der 1980er Jahre gibt es in Russland auch die in anderen Ländern schon länger bekannte Schutzgebietskategorie der Nationalparks. Diese besitzen einen geringeren Schutzstatus als die Sapowedniki und dienen neben dem Schutz von Natur- und Kulturschätzen auch der Forschung und Bildung sowie dem kontrollierten Tourismus. Derzeit gibt es 35 Nationalparks in Russland, die in ihrer Fläche von 7 km² bis 18.900 km² reichen und zusammen 90.000 km² des Staatsgebietes umfassen.
Urwälder von Komi

Klima- und Vegetationszonen

Alle Vegetationszonen auf einen Blick:
Eisschilde und Gletscher
Kältewüste
Flechten- und Moostundra
Zwergstrauch- und Wiesentundra
Bergtundra, alpine Matten und Heiden
Laubholz-Waldtundra und boreale Auen
Nadelholz-Waldtundra
Immergrüner borealer Nadelwald
Sommergrüner borealer Nadelwald
Gemischte Waldsteppen
Laub- und Nadelmischwälder
Gemäßigte Laub- und Auenwälder
Grassteppen und Salzwiesen
Strauch- und Trockensteppen
Winterkalte Halbwüsten
Winterkalte Wüsten
Riedsümpfe u. flutende Wasserpflanzen

Große Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprägt. Je weiter man in Richtung Osten des Landes reist, desto deutlicher spürt man die prägenden Temperaturen zu den verschiedenen Jahreszeiten, das heißt, der Sommer ist extrem heiß und die Temperaturen in den Wintermonaten mitunter eisig kalt. Kaum ein anderes Land bietet solche Temperaturunterschiede wie Russland. Die südliche Hälfte des Fernen Ostens hat Monsunklima. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen mit Ausnahme der Schwarzmeerküste überall unter dem Gefrierpunkt. In Ostsibirien sinken sie bis auf −35 bis −60 °C ab, sind aufgrund der meist sehr niedrigen Luftfeuchtigkeit jedoch leichter auszuhalten. Die Sommertemperaturen sind sehr unterschiedlich. Die Durchschnittstemperaturen im hohen Norden liegen bei +1 bis +2 °C, in den Halbsteppen und Steppengebieten des Südens hingegen bei +24 bis +25 °C.

Die Klima-, Vegetations- und Ökozonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass eine Nord-Süd-Abfolge entsteht:

Im Nördlichen Eismeer herrscht die lebensfeindliche Kältewüste. Dies betrifft unter anderen den nördlichen Teil der Taimyrhalbinsel und weitere dort befindliche Inseln. Es herrscht ein ausgeprägtes Eisklima, in dem es kaum Pflanzen gibt. In dieser Zone gibt es nur wenige ständige Siedlungen. Die Durchschnittstemperaturen steigen nur für drei Monate knapp über den Gefrierpunkt und in den kältesten Monaten Januar und Februar erreichen sie bis −30 °C. Die jährlichen Niederschlagsmengen in Form von Schnee steigen selten über 250 Millimeter.

Beginnend vom nördlichsten Eurasischen Festland schließt sich ein baumloser und durch Permafrost gekennzeichneter Landschaftsgürtel an, der eine Nord-Süd-Ausdehnung zwischen 200 und 800 Kilometer aufweist und sich etwa bis zum Polarkreis, im Mittelsibirischen Bergland bis 70° nördlicher Breite erstreckt. Die Küstenlandschaft im Norden ist mit Ausnahme der Bucht um das Weiße Meer von der Tundra geprägt. Die Sommer sind dort zu kurz und zu kühl, als dass sich Wald ausbilden könnte. Die Durchschnittstemperaturen liegen nur vier bis fünf Monate im Jahr über dem Gefrierpunkt, wobei die wärmsten Monate in den Randgebieten ein Mittel über 10 °C aufweisen. Daher taut auch der Boden nur an der Oberfläche auf, sodass sich die reichlichen Niederschläge auf dem gefrorenen Unterboden stauen und die Tundra im Sommer in ein Meer von Sümpfen und Mooren mit einer Vegetation aus Flechten, Gräsern und Zwergsträuchern verwandeln. Landwirtschaft ist nicht möglich, nur die indigenen Rentiernomaden finden dort ihr Auskommen. Daher gibt es nur wenige menschliche Siedlungen. Weiter südwärts der Kältesteppe beginnen Fichten zunächst einzeln zu wachsen, um dann zusammen mit Moor-Birken und Espen von Sümpfen durchsetzte Waldtundra zu bilden. An ihrer Südgrenze geht die Waldtundra dann fließend in die Waldzone über.

Taiga bei Krasnojarsk

Diese 1000 bis 2000 Kilometer breite Zone verläuft nördlich entlang der Linie St. Petersburg–Ufa–IrkutskSachalin und bildet die boreale Zone bzw. die Taiga. Die Waldzone durchzieht ganz Nordeurasien. Wegen dieser gewaltigen Ausdehnung gliedert sie sich in mehrere breitenparallele Unterzonen: In den der Fläche nach bei weitem dominierenden Nadelwaldgürtel (eigentliche Taiga) im Norden, in Mittelsibirien weiter in die Sub-Taiga als Übergangszone zur Steppe sowie in einen Mischwaldgürtel, der sich jedoch lediglich im europäischen Russland südlich anschließt. Die Taiga ihrerseits bildet drei breitenparallel hintereinander geschaltete Unterzonen:

  • Westlich des Urals besteht die nördliche Taiga aus niedrigen Fichtenwäldern mit vereinzelten Birken. Nur in Karelien herrscht die Kiefer vor.
  • Die mittlere Taiga bildet dunkle Fichtenwälder mit Einschlüssen von Birken, nach Süden hin zunehmend auch Kiefern sowie ersten Vorboten von Laubhölzern wie der Winterlinde. Geringe Fruchtbarkeit des Bodens und Artenarmut der Vegetation macht diese Landschaft für eine Landwirtschaft ungeeignet.
  • Die südliche Taiga zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Laubhölzern am Unterwuchs aus, bedingt durch ergiebigere Böden. Die Taiga Sibiriens ist durch lichte Wälder, bestehend aus Sibirischen Lärchen, Fichten und Zirbelkiefern gekennzeichnet.

Die Waldzone ist durch kontinentales Klima mit einem starken Temperaturgefälle zwischen heißen Sommern und kalten Wintern geprägt. Die mittlere Jahrestemperatur nimmt von Westen nach Osten deutlich ab. In Pskow beträgt sie noch 5,1 °C, sinkt aber bis zum Ural auf 2,3 °C ab und erreicht im westsibirischen Tomsk nur noch 0,1 °C. Im ostsibirischen Jakutsk liegt sie dann bei −10 °C. Die niedrigen Jahresmittel sind auf den langen und sehr kalten Winter in Sibirien zurückzuführen. Dagegen entsprechen die durchschnittlichen Sommertemperaturen dem mitteleuropäischen Mittel.

Iwan Schischkins Gemälde Der Roggen zeigt die Waldsteppe in der zentralen Schwarzerde-Region
Blick auf Sotschi am Schwarzen Meer in der subtropischen Hartlaubwaldzone

In den von kühlgemäßigten Klimaten beherrschten Gebieten, die sich der Taiga südlich anschließen, wächst sommergrüner Laub- und Mischwald. Diese Zone verläuft innerhalb Europas im Dreieck St. Petersburg–Odessa–Ufa, in Westsibirien in einem Streifen von Tscheljabinsk bis Krasnojarsk sowie im Amur-Gebiet. Die Mischwaldzone verläuft damit in einem nach Osten hin sich verjüngenden Dreieck von den mittleren Karpaten und von der baltischen Küste bis an den Südural. Die Vegetation besteht primär aus Fichten, Kiefern und Eichen, ehe sie weiter südwärts in reinen Laubwald übergeht. Leithölzer bilden dort die Eiche sowie in der Westukraine Buche und Hainbuche. Kiefern wachsen, wie auch im Mischwaldbereich, vor allem in sandigen Senken wie im Pripjetbecken. Östlich des Urals gibt es aus klimatischen Gründen keinen Mischwald. Stattdessen leiten in Westsibirien Birkenhaine unmittelbar von der Taiga in die Waldsteppe über. Der Mischwald tritt dann wieder im Fernen Osten auf. Die Mischwaldzone bietet für die Landwirtschaft im Allgemeinen akzeptable, die Laubwaldzone gute Existenzbedingungen.

Weiter südlich folgt ein Steppengürtel, der am Unterlauf von Don und Wolga, Nordkaukasus, Kaspische Senke und Tuwa verläuft. Der Steppengürtel untergliedert sich im Norden in die Waldsteppe und im Süden in die eigentliche Steppe. Der Wald löst sich von Norden nach Süden in Inseln auf und verschwindet schließlich fast ganz. Das hängt mit dem nach Südosten abnehmenden Niederschlag bei gleichzeitig wachsender Verdunstungsintensität zusammen. Außer in Flusstälern (als Auwald) oder in Senken mit günstigen Grundwasserverhältnissen reicht das im Lössboden gespeicherte Wasser nicht aus, um den Flüssigkeitsbedarf von Laubhölzern zu decken. Daher bilden in der Waldsteppe Wiesen-, in der eigentlichen Steppe Federgrasformationen die Pflanzendecke. Der Steppengürtel ist aufgrund der fruchtbaren Schwarzerdeschicht ideal für den Getreideanbau.

An der Schwarzmeerküste zwischen Noworossijsk und Sotschi folgt eine Hartlaubwaldzone. An der Schwarzmeerküste herrschen im Durchschnitt um die 20 Grad Celsius. Dieser subtropische Teil Russlands ist geprägt von dichten Wäldern.

Russland beherbergt nach Kanada die größten noch verbliebenen nordischen Wildnisregionen. Nach Global Forest Watch sind rund 26 Prozent der Wälder noch intakte Urwälder. Sie liegen zum allergrößten Teil in Sibirien. Im europäischen Teil haben noch 9 Prozent der Wälder diesen Status.

Fauna

Ein junger Amurtiger im Schnee. Der Wildbestand beläuft sich heute auf weniger als 500 Tiere.

Das polare Klima an der Nordküste Russlands ist Lebensraum für Polarbären, Robben, Walrosse und Seevögel. In der sich südwärts anschließenden Tundra leben Polarfüchse, Eulen, Schneehasen und Lemminge. Im Sommer wandern große Herden von Rentieren und Wölfen in die Tundra ein. Diese Tiere sind an die lebensunfreundlichen Umstände dieser Zone perfekt angepasst. In den Wäldern von Russland nimmt die Artenvielfalt in der Tierwelt zu. So leben in der Taiga und den borealen Nadelwäldern Russlands Elche, Rentiere, Wölfe, Bären, Zobel, Eichhörnchen, Füchse und der Vielfraß. Weiter südlich haben sich Wildschweine, Nerze und Hirsche ausgebreitet. Vereinzelt gibt es auch Sibirische Tiger. Die Steppenzone Russlands ist der Lebensraum für Hamster, Ziesel sowie für den Iltis und den Steppenfuchs.

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Bevölkerungsdichte

Die Bevölkerungsdichte Russlands nach Regionen

Die Bevölkerung Russlands ist sehr ungleichmäßig verteilt. 85 Prozent der Einwohner (etwa 123 Millionen Menschen) leben im europäischen Teil, der dabei lediglich 23 Prozent des russischen Territoriums umfasst. Dementsprechend leben nur 15 Prozent (etwa 22 Millionen Menschen) im flächenmäßig weit größeren asiatischen Teil, der 77 Prozent der Gesamtfläche ausmacht. Die Bevölkerungsdichte variiert von 362 Einwohner/km² in der Hauptstadt und ihrer Umgebung (Gebiet Moskau) und unter 1 Einwohner/km² im Nordosten und im russischen Fernen Osten. Im Schnitt beträgt sie 8,3 Einwohner/km². Da in vielen Fällen ein beträchtlicher Bevölkerungsanteil im jeweiligen Gebietshauptort lebt, liegt die Bevölkerungsdichte im ländlichen Raum auch in den relativ dicht besiedelten zentralrussischen Verwaltungsgebieten selten höher als 40 bis 50 Einwohner/km².

Demografische Entwicklung

Geburten- und Sterbezahlen in Russland
Jahr Lebend­geburten Todes­fälle Differenz
1999 1.214.689 2.144.316 − 929.627
2000 1.266.800 2.225.332 − 958.532
2001 1.311.604 2.254.856 − 943.252
2002 1.396.967 2.332.272 − 935.305
2003 1.477.301 2.365.826 − 888.525
2004 1.502.477 2.295.402 − 792.925
2005 1.457.376 2.303.935 − 846.579
2006 1.479.637 2.166.703 − 687.066
2007 1.610.122 2.080.445 − 470.323
2008 1.713.947 2.075.954 − 362.007
2009 1.761.687 2.010.543 − 248.856
2010 1.788.948 2.028.516 − 239.568
2011 1.796.629 1.925.720 − 129.091
2012 1.902.084 1.906.335 − 4.251
2013 1.895.800 1.871.809 + 24.000
2014 1.942.683 1.912.347 + 30.336
2015 1.940.579 1.908.541 + 32.038
2016 1.888.729 1.891.015 − 2.286
2017 1.690.307 1.826.125 -135.800
2018 1.604.344 1.828.910 -224.566
Quelle: Rosstat
Bevölkerungsentwicklung
Entwicklung der Geburten- und Sterberate in Russland
Bevölkerungsstruktur 2016: Der Geburtensturz ab 1990 und der hohe Frauenüberschuss sind deutlich zu erkennen.

Russlands Bevölkerungszahl sank von 147,0 Millionen bei der Volkszählung im Januar 1989 bis 2007 auf 142,2 Mio. Danach verlangsamte sich der Bevölkerungsrückgang, so dass die Einwohnerzahl 2010 bei 141,9 Mio. lag. Durch die Ergebnisse der Volkszählung 2010 wurde die Bevölkerungszahl korrigiert. Diese lag für 2011 bei 142,9 Mio. Die Fertilitätsrate sank zwischen 1988 und 1999 von zwei auf 1,16 Geburten pro Frau. Gleichzeitig verdoppelte sich bei den Männern die Sterblichkeitsrate von 9,4 (1970) auf 18,7 pro 1000 Einwohner (2005). Die Durchschnittslebenserwartung der Männer sank von 63,9 Jahren 1986 auf 57,5 Jahre (1994). Bis 2004 stieg sie auf 58,9 Jahre an; 2011 lag sie bei 64,3 Jahren, 2014 bei 70,36 Jahren. Die höhere männliche Sterberate führt zu einem Frauenüberschuss. 2010 gab es in Russland 10,7 Millionen mehr Frauen als Männer. Hauptursache: Ungesunde Lebensweise durch Alkohol, Rauchen sowie Verkehrsunfälle, Suizid und Mord. Als häufigste Todesursache gelten mit 56,7 Prozent diverse Herzkrankheiten, sehr häufig sind auch Krebserkrankungen. Die Zahlen von Todesfällen infolge Drogenkonsums, Tuberkulose und HIV sind seit dem Ende der Sowjetunion merklich gestiegen. 2015 war von einer jährlichen Zunahme von 10 Prozent bei den HIV-Ansteckungen die Rede, vor allem durch Drogenkonsum. Der Leiter der Föderalen Zentrale für die Prävention und Kontrolle von AIDS Wadim Pokrowski sprach Mitte 2015 von fünfzehn Regionen Russlands mit einer generalisierten Epidemie mit mehr als einem Prozent angesteckter Bevölkerung, ähnlich wie in Südafrika. Laut Angaben zu Beginn der Welt-Aids-Konferenz 2018 nahmen die Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien als einziger Weltregion zwischen 2010 und 2016 zu, zu 80 Prozent betreffe dies Russland, wo die Anzahl der Neuinfektionen 2017 laut UNAIDS doppelt so hoch lag wie 2005. Im Jahr 2019 zählte die Verbraucherschutzbehörde knapp über eine Million Infizierte und zirka 80 tägliche Neuansteckungen, so Wadim Pokrowski.

Die russische Regierung hat mehrere nationale Programme eingeleitet, die helfen sollen, die Geburtenrate zu steigern. Seit 2007 erhielten Eltern ab ihrem zweiten neugeborenen Kind eine einmalige staatliche Beihilfe (Mutterschaftskapital) in Höhe von fast 10.000 Euro (2012). So hatten sich die Geburtenzahlen in Russland von 1,48 Mio. (2006) auf 1,9 Mio. (2012) erhöht. 2018 erhielten Familien vergünstigte Hypotheken und Zuschüsse teils schon ab dem ersten Kind; für 3 Jahre wurden 9 Milliarden Dollar budgetiert. Im Februar 2019 erklärte Präsident Putin, sich nicht mit der sinkenden Geburtenrate abzufinden, und kündigte weitere Erleichterungen für Familien mit Kindern an.

Der Anteil der Stadtbevölkerung blieb konstant bei 73 Prozent.

Zur Auswanderung neigten besonders höher Gebildete, teilweise wegen der herrschenden Rechtsunsicherheit. Auch infolge der demografiepolitischen Anstrengungen der Regierung verlangsamte sich dieser Trend zeitweise. Nach der Annexion der Krim 2014 verließen während des folgenden Wirtschaftseinbruchs wieder deutlich mehr Hochqualifizierte das Land. Im Frühjahr 2018 beklagte der Chef der Russischen Akademie der Wissenschaften eine Zahl von 44.000 Auswanderern, welche der russischen Forschung fehlten.

Russland ist das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. 2017 waren 8,1 % der Bevölkerung Migranten. Herkunftsregionen sind hierbei vor allem die ärmeren, südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und Südostasien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Nachkommen von Russen, die im Kaiserreich und der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und meist mit ihren Familien gemeinsam nach Russland zurückkehrten. Der Zustrom dämpfte sich nach der Annexion der Krim durch die Wirtschaftsflaute, aber auch durch Protektionismus und Nationalismus – im ersten Halbjahr 2017 glich die Immigration die Sterblichkeit nicht mehr aus.

Die Bevölkerung Russlands wird ähnlich wie in anderen Ländern Europas in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich weiter abnehmen, die ILO erwartet bis 2050 einen Rückgang auf 130 Millionen Einwohner. Unter Annahme einer Nettozuwanderung von jährlich 300.000 Personen wäre der Rückgang nur schwach ausgeprägt. Bis 2012 stabilisierte sich die Lage etwas, die Einwohnerzahl stieg sogar leicht an und lag bei etwa 143,5 Millionen. Für die Zeit ab 2015 war aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge der 1990er-Jahre eine Verschlechterung der demografischen Situation erwartet worden. Dieses leichte Bevölkerungswachstum schwenkte im weiteren Verlauf der 2010er Jahre wieder zu einer negativen demografischen Entwicklung um. 2020 umfasste der Rückgang der russischen Bevölkerung laut Rosstat erstmals seit 2005 wieder mehr als 500.000 Menschen in einem Jahr. 2021 rechneten die russischen Behörden mit einem Bevölkerungsrückgang von 1,2 Millionen Menschen bis 2024.

Städte

„Sankt Petersburg ist der Kopf, Moskau das Herz, Nowgorod ist der Vater, Kiew die Mutter Russlands.“

Russische Charakterisierung von Russlands Zentren
Moskau, die Hauptstadt Russlands und größte Stadt Europas
Das Zentrum von Sankt Petersburg

Schon ab 800 war die Kiewer Rus von vielen städteähnlichen Siedlungen gekennzeichnet, weshalb die skandinavischen Waräger das Gebiet Gardarike („Reich der Städte“) nannten. Zu den ältesten erhaltenen Städten in diesem Bereich zählen Nowgorod, Smolensk, Pskow, Rostow, Murom und Beloosero, die alle noch im ersten Jahrtausend nach Christus gegründet wurden. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden weitere Städte im Zentrum Russlands von slawischen Siedlern gegründet. In dieser Zeit entstanden Moskau, Jaroslawl, Twer, Wladimir, Wologda, Kirow, Tula, Kursk, Kostroma, Rjasan und etwas später Nischni Nowgorod. Aufgrund der Landesgröße war eine Vielzahl großer Städte als Stützpunkte notwendig. Mit der Eroberung Kasans und Astrachans zur Mitte des 16. Jahrhunderts gründeten russische Kolonisten weitere Städte im Osten, Südosten und Süden. Zahlreiche Städte wurden zunächst als Grenzfestungen gegründet. Im Süden waren dies Stützpunkte der Verhaulinie gegen die Krimtataren, wie Orjol (1566) und das heutige Woronesch (1586). Weiter östlich, an der Wolga entstanden in dieser Zeit weitere Städte wie Samara (1586), Zarizyn (1589) und Saratow (1590). In Sibirien entstanden nach dessen Eroberung zahlreiche Kosakenforts, sogenannte Ostrogs. Aus ihnen wuchsen später Städte wie Tobolsk, Irkutsk, Bratsk, Tomsk und Jakutsk heran. Städte im Ural- und Altai-Gebirge wie Perm (1723), Jekaterinburg (1723) oder Barnaul (1730) entstanden in der Epoche Peters des Großen im Zusammenhang mit den dort vorhandenen Erzen und kostbaren Mineralen. Mit dem Niedergang der Krimtataren und dem weiteren Vorstoßen Russlands in den Kaukasus entstanden im 18. Jahrhundert neue Festungen und Städte. 1784 wurden Stawropol und Wladikawkas gegründet, 1793 Krasnodar, 1805 Nowotscherkassk, 1818 Grosny, 1844 Port Petrowsk.

Die Innenstadt von Jekaterinburg
Stadtzentrum und das „Goldene Horn“ (Solotoi Rog), die Hafenbucht von Wladiwostok an der Pazifikküste

Trotz der Gründungen behielten große Teilräume ihren ländlichen Charakter. Der Bauer gehörte einem Mir (Bauerngemeinde) an. Städte stellten außerhalb der Agglomerationen isolierte Erscheinungen dar und bildeten ein nur weitmaschiges Netz. Bis 1712 fungierte Moskau als Hauptstadt und wurde dann nach dem Willen Peters I. vom 1703 neugegründeten Sankt Petersburg abgelöst, um 1918 wieder offiziell den Status der Hauptstadt anzunehmen. Im 19. Jahrhundert war sogar häufig von den beiden Hauptstädten die Rede. Die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts brachte in allen Landesteilen einen bedeutenden Impuls für die nachfolgende Urbanisierung. Sie führte zur Entstehung zahlreicher neuer Städte und zum raschen Wachstum alter Städte. Viele russische Städte entstanden als Folge einer administrativen Umstrukturierung mehrerer benachbarter Dorfsiedlungen zu einer Stadtsiedlung. Neugründungen von Städten und Stadterhebungen sind bis heute ein Charakteristikum der russischen Urbanisierung.

Mehr als die Hälfte aller russischen Städte sind erst in den letzten 90 Jahren, besonders in den 1960er-Jahren gegründet worden. Deshalb gibt es unter den 160 russischen Großstädten, in denen die Hälfte der russischen Bevölkerung lebt, viele neue Städte (etwa ein Viertel). Die russischen Großstädte sind in erster Linie Industrie- und Verwaltungszentren, besitzen aber auch andere hochrangige Funktionen. Beispiele neuer Großstädte sind Magnitogorsk, Nowokusnezk oder Bratsk, zu den gewachsenen zählen unter anderem Samara und Tambow.

Zu Zeiten der Sowjetunion wurde die städtische Entwicklung zentral geplant und gesteuert. Es herrschte der Typus der Sozialistischen Stadt vor. Dazu zählt beispielsweise die Herausbildung neuer Stadttypen, etwa der Hauptstädte kleiner nationaler Republiken (u. a. Tscheboksary, Naltschik) oder der Wissenschaftsstädte (z. B. Dubna). Die in der Sowjetzeit betriebene massive Verstädterungspolitik führte dazu, dass heute 73 Prozent der Bevölkerung in städtischen Siedlungen leben. Aus den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen im Russland der 1990er-Jahre gingen die Städte als eigenständige und selbstverantwortliche kommunale Einheiten hervor. Dazu erhielten sie lokale und regionale Steuerungsinstanzen. Mit den neuen Staatsgrenzen brachen aber auch stark arbeitsteilig organisierte, spezialisierte Produktions- und Distributionsabläufe zusammen. Viele Städte waren plötzlich von den bisherigen Netzwerken abgeschnitten. Ehemals zentral gelegene Städte stellten plötzlich Grenzstädte dar und waren geopolitisch peripher gelegen. Dadurch veränderten sich grundlegend die funktionale Struktur und die wirtschaftliche Entwicklungsbasis der russischen Städte und führte zu Verschiebungen im Städtesystem Russlands, mit Auf- und Absteigern. Zu den Gewinnern der Transformation gehören bisher vor allem die Metropolen, allen voran Moskau. Weil Kapital zur Gewinnung und zum Transport von Rohstoffen unter extremen Bedingungen fehlte, gerieten viele Bergbaustädte des Nordens in eine Überlebenskrise.

Die zehn größten Städte Russlands (ehemalige Namen aus sowjetischer Zeit in Klammern):

  1. MoskauZentralrussland (12,23 Mio. Einwohner)
  2. Sankt Petersburg (Leningrad)Nordwestrussland (5,28 Mio. Einwohner)
  3. NowosibirskSibirien (1,60 Mio. Einwohner)
  4. Jekaterinburg (Swerdlowsk)Ural (1,46 Mio. Einwohner)
  5. Nischni Nowgorod (Gorki)Wolga (1,26 Mio. Einwohner)
  6. Kasan – Wolga (1,23 Mio. Einwohner)
  7. Tscheljabinsk – Ural (1,20 Mio. Einwohner)
  8. Omsk – Sibirien (1,18 Mio. Einwohner)
  9. Samara (Kuibyschew) – Wolga (1,17 Mio. Einwohner)
  10. Rostow am DonSüdrussland (1,13 Mio. Einwohner)

Für weitere Städte siehe Liste der Städte in Russland.

Völker

Russische Kinder in Nordrussland, 1909

Streng genommen würde Rossijskaja Federazija wörtlich übersetzt „Russländische Föderation“ (von Rossija „Russland“) und nicht „Russische Föderation“ heißen. Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija („Russische Föderation“) als Staatsbezeichnung gewählt, um auch die nichtrussischen Nationalitäten mit einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von russkij (russisch), für den russischen Staat hingegen verwendet man das Adjektiv rossijskij (russländisch). Trotzdem wird im Deutschen in beiden Fällen zumeist das Adjektiv „russisch“ verwendet. Der Gebrauch des Wortes „russländisch“ beschränkt sich weitgehend auf Fachpublikationen. Auch die amtliche Übersetzung der Verfassung Russlands verwendet diese Variante.

Die Russische Föderation begreift sich auch heute noch als Vielvölkerstaat. Die größte Gruppe sind die Russen, die mit 79,8 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung stellen, doch leben nahezu 100 weitere Völker auf dem Gebiet des Landes. Trotz der Heterogenität ist die russische Bevölkerung in allen städtischen und industriell geprägten Räumen landesweit dominant und die Titularnationen bilden auch in ihren „eigenen“ Territorien häufig die Minderheit. So zählen nur 23 Völker bzw. Titularnationen mehr als 400.000 Personen. Der Grad der ethnischen Identifikation variiert.

Russen in Sankt Petersburg

Größere Minderheiten sind die Tataren (4,0 Prozent), die Ukrainer (2,2 Prozent), die Armenier (1,9 Prozent), die Tschuwaschen (1,5 Prozent), die Baschkiren (1,4 Prozent), die Deutschen (0,8 Prozent) und andere. Zu den kleineren Minderheiten zählen beispielsweise die Mescheten und verschiedene Minderheiten jüdischen Glaubens. Die nichtrussischen Minderheiten sprechen überwiegend Sprachen aus dem Kreis der Turksprachen, kaukasische Sprachen, uralische Sprachen (samojedische Sprachen), altaische oder paläosibirische Sprachen. Für viele nichtrussische Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet. Während manche Minderheiten, wie etwa Armenier, Koreaner und Deutsche, auf die verschiedensten Regionen Russlands verteilt sind, gibt es auch im europäischem Russland mehrere indigene Völker. Groß ist die Zahl der Nationalitäten im Kaukasusgebiet, das erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu Russland kam.

Die zahlenmäßig bedeutendsten indigenen Minderheiten Russlands
Name Nationalität in: Russ. Föderation / Föderationskreis / eigener Republik1 Sprache Sprachfamilie Religion Bevölkerungsanteil in der eigenen Republik Historischer Bezug
Wolga-Tataren 5,6 Mio. 4 Mio. (Wolga) 2 Mio. Tatarisch Turksprache Islam Tatarstan (52,9 %) Nachfahren der Kiptschaken, Wolgabulgaren, Tataren und Mongolen
Baschkiren 1,7 Mio. 1,4 Mio. (Wolga) 1,2 Mio. Baschkirisch Turksprache Islam Baschkortostan (30 %, zusammen mit Tataren 54 %) eng verwandt mit Wolgabulgaren
Tschuwaschen 1,6 Mio. 1,4 Mio. (Wolga) 890.000 Tschuwaschisch Turksprache Russisch-Orthodox Tschuwaschien (67,7 %) Nachkommen der Wolgabulgaren und anderer Gruppen
Tschetschenen 1,4 Mio. 1,3 Mio. (Süd) 1,0 Mio. Tschetschenisch nordostkaukasisch Islam Tschetschenien (93 %)
Mordwinen 977.000 788.000 (Wolga) 410.000 Mordwinisch finnougrisch Russisch-Orthodox Mordwinien (36,2 %)
Awaren 814.000 785.000 (Süd) 758.000 Awarisch nordostkaukasisch Islam Dagestan (29,44 %)
Osseten 515.000 477.000 (Süd) 446.000 Ossetisch iranisch Russisch-Orthodox, Islam Nordossetien-Alanien (62,70 %) Alanen; dazu etwa 70.000 in Südossetien außerhalb Russlands
Tscherkessen, 700.000 einschl.
Kabardinern
und
Adyge
(61.000) 58.000 (Süd) 50.000 Kabardinisch nordwestkaukasisch Islam Karatschai-Tscherkessien (11 %, zusammen mit Karatschaiern 50 %) 1864 zur Mehrheit ins Osmanische Reich vertrieben, heute 1,5 Mio. in der Türkei
(512.000) 512.000 (Süd) 499.000 Kabardinisch Islam Kabardino-Balkarien (48 bis 55 %, zusammen mit Balkaren 67 %)
(128.000) 126.000 (Süd) 108.000 Adygeisch Islam Adygeja (24 %)
Mari 604.000 512.000 (Wolga) 312.000 Mari finnougrisch Russisch-Orthodox Mari El (43 %)
Udmurten 637.000 273.000 (Wolga) 461.000 Udmurtisch finnougrisch Russisch-Orthodox Udmurtien (37 %)
Burjaten 445.000 423.000 (Sibirien) 273.000 Burjatisch mongolisch Buddhismus Burjatien (28 %)
Jakuten 443.000 441.000 (Sibirien) 432.000 Jakutisch Turksprache Russisch-Orthodox Jakutien (46 %)
Komi (Syrjänen) 309.000 281.000 (Nordwest) 269.000 Komi finnougrisch Russisch-Orthodox Republik Komi (35 %)
Komi-Permjaken 125.000 107.000 (Wolga) 80.000 Russisch-Orthodox Kreis der Komi-Permjaken
Darginer 510.000 489.000 (Süd) 425.526 Darginisch nordostkaukasisch Islam Dagestan (16,52 %)
Krimtataren ca. 500.000 Kiptschakische Sprachen Turksprachen Islam Autonome Republik Krim und Sewastopol (ca. 11–12 %)
Inguschen 413.000 392.000 (Süd) 360.000 Inguschisch nordostkaukasisch Islam Inguschetien (79 %)
Lesgier 412.698 360.000 (Süd) 337.000 Lesgisch nordostkaukasisch Islam Dagestan (13,07 %) dazu etwa 300.000 außerhalb Russlands in Aserbaidschan
Kumyken 422.000 399.000 (Süd) 366.000 Kumykisch Turksprache Islam Dagestan (14,20 %)
Kalmücken 176.000 167.000 (Süd) 156.000 Kalmückisch Mongolisch Buddhismus Kalmückien (53 %) nahe den Oiraten (Mongolei und China) verwandt

Anmerkung:

1 Die unter „Nationalität“ genannten Zahlen stehen für die Identifikation, also wie viele Bürger Russlands und seiner autonomen Gliederungen sich bei der Volkszählung von 2002 zu der jeweiligen Nationalität bekannt haben. In der amtlichen Statistik sind bei den Mordwinen und Osseten jeweils zwei, bei den Komi eine Splittergruppe getrennt aufgeführt, die aber mehrheitlich in derselben Teilrepublik wohnen.


Sprachen

Russisch ist die einzige überall geltende Amtssprache, parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken jedoch häufig die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet. Die Verwendung dieser Sprachen wird im Unterricht, in den Massenmedien und in der Kulturpolitik gefördert. Die Regierungen und Parlamente der Republiken betrachten dies als unabdingbare Voraussetzung, um ein Aussterben von Volksgruppen zu verhindern. Allerdings nimmt die Beherrschung der indigenen Muttersprache unter den betroffenen Volksgruppen ab.

Das kyrillische Alphabet ist die mit der Ausnahme Tatarstans einzige offizielle Schrift, und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen kyrillisch zu schreiben sind. Tatarisch wurde als einzige Ausnahme ab 2001 gegen den Widerstand der in Tatarstan ansässigen russischsprachigen Bevölkerung ausschließlich in lateinischer Schrift geschrieben. Diese Praxis verbot das russische Verfassungsgericht jedoch im November 2004 mit der Begründung, dass für die Einigkeit Russlands eine einheitliche Schrift notwendig sei.

Religionen

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem damit verbundenen Verschwinden der atheistischen Staatsideologie des Marxismus-Leninismus fand eine Rückbesinnung auf religiöse Werte statt. Die in Russland am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum – vor allem der russisch-orthodoxe Glaube – sowie der Islam (→ Islam in Russland). Vertreten sind darüber hinaus zahlreiche andere Konfessionen wie der römisch-katholische Glauben, der Protestantismus, das Judentum, der Buddhismus sowie traditionelle Glaubensrichtungen einiger Volksgruppen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung bezeichnet sich als Atheisten oder Konfessionslose.

Orthodoxe
40–75 %
Religionslose und Atheisten
25–35 %
Agnostiker
20–25 %
Muslime
7–15 %
Andere Christen
2 %
Buddhisten
0,7 %
Juden
0,35 %

Was die Zugehörigkeit zu einzelnen Religionsgruppen angeht, gibt es keine zuverlässigen Zahlen, da die Mitglieder von Kirchen und Gemeinden in Russland nicht registriert werden und keine Kirchensteuer erhoben wird. Umfragen weichen oft erheblich voneinander ab. So hat die Stiftung für öffentliche Meinung (FOM) 2012 nur noch 41 Prozent Orthodoxe festgestellt, gegenüber 13 Prozent Atheisten und nur 6,5 Prozent Muslimen. Weitere 25 Prozent aber bezeichneten sich als Agnostiker bzw. gaben an, an eine höhere gottähnliche Macht zu glauben. Das Gesamtrussische Zentrum für Meinungsforschung (VCIOM) ging hingegen 2010 von 75 Prozent Orthodoxen und nur 8 Prozent Atheisten aus, seine Zahlen werden auch von der Russischen Botschaft in Deutschland zitiert.

Abweichend von den genannten Umfragen wird der Anteil der Orthodoxen meist zwischen 51 und 72 Prozent angegeben, die der anderen Christen mit zusammen kaum 2 Prozent, die der Buddhisten mit knapp 1 Prozent und die der Juden mit etwa 0,35 Prozent. Der Fischer Weltalmanach und der Religious Freedom Report des US-Außenministeriums geben 14 Prozent Muslime an.

Das CIA World Factbook ging 2006 von folgenden groben Schätzungen für praktizierende Gläubige aus, also von solchen, die ihren Glauben aktiv ausüben: 15 bis 20 Prozent Russisch-Orthodoxe, 10 bis 15 Prozent Muslime, 2 Prozent andere christliche Konfessionen.

Russisch-Orthodoxe Kirche

Hauptartikel: Russisch-Orthodoxe Kirche
In den oft prächtig ausgestatteten orthodoxen Kirchen (hier die Verklärungskathedrale in Toljatti) finden meist täglich Gottesdienste statt. Die orthodoxe Liturgie ist das Gegenstück zur römisch-katholischen Heiligen Messe.

Der russisch-orthodoxe Glaube reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Die engen Kontakte zu dieser Glaubensrichtung resultierten aus dem hauptsächlich auf Konstantinopel ausgerichteten Handel und den damit engen Kontakten mit Byzanz. Die Fürstin Olga von Kiew (893–924) ließ sich als erste Herrscherin aus der rurikidischen Dynastie taufen, konnte den christlichen Glauben im Reich aber nicht durchsetzen. Nach der Belagerung von Konstantinopel (860) kamen ab 911 verstärkt orthodoxe Missionare ins Land, angeblich sollen bereits Waräger und Russen, die am Angriff von 860 teilgenommen hatten, getauft zurückgekehrt sein. Unter Olgas Enkel, Wladimir dem Heiligen, begann 988/989 die Christianisierung der Rus, wobei die Kiewer Bevölkerung in Massentaufen bekehrt wurde. Nach Wladimirs Tod 1015 wurden die bisher heidnischen Völker noch jahrzehntelang weiter christianisiert. Byzanz betrieb zu dieser Zeit seine Kirchenpolitik im bewussten Gegensatz zu Rom und vermittelte den Ostslawen bei ihrer Bekehrung antirömische Tendenzen. Die Kirche Kiews wurde als Teilkirche des Patriarchates von Konstantinopel zunächst von Exarchen verwaltet, was keine Auswirkungen auf die politische Selbständigkeit der Kiewer Großfürsten hatte. Die Orthodoxe Kirche und ihre Werte bilden bis heute eine tragende gesellschaftliche Säule des russischen Reiches.

Nach der Vernichtung der Kiewer Rus im Mongolensturm und unter der nachfolgenden Goldenen Horde übersiedelte der Kiewer Metropolit im 14. Jahrhundert zunächst nach Wladimir, dann 1328 nach Moskau. Im 15. Jahrhundert löste sich die Russisch-Orthodoxe Kirche endgültig vom griechisch-orthodoxen Patriarchat in Konstantinopel, nachdem sich dieses infolge des politischen Niedergangs von Byzanz zu Zugeständnissen an den Papst bereit erklärt hatte. Die Konzeption von Moskau als Drittem Rom, das als einziges den „wahren christlichen Glauben“ aufrecht erhalte, war geboren. 1589 wurde ein eigenes Patriarchat gegründet. Peter I. hob dieses auf und setzte 1721 stattdessen an die Spitze der Kirche den Heiligsten regierenden Synod, der 1918 in Sowjetrussland abgeschafft wurde. Die Sowjets stellten zunächst das Patriarchat wieder her, ehe 1988 ein Heiliger Synod der Russisch-Orthodoxen Kirche wiedererrichtet wurde.

Im Russland vor 1917 durften Anhänger der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht zu einer anderen Konfession, auch wenn sie christlich war, übertreten und durften keine „Nichtchristen“ heiraten. Dieser Kirche war es als einziger Religion erlaubt, zu missionieren; Kinder aus „gemischten“ Ehen mit Nicht-Orthodoxen galten als orthodox. Erst mit der Revolution von 1905 wurden die Gesetze gelockert. Nach der Herrschaftsübernahme der Kommunisten wurden hauptsächlich Mitglieder dieser Kirche unterdrückt, da sie als Symbol der Autokratie galt. Zwischen 1918 und 1939 wurden ca. 40.000 orthodoxe Geistliche hingerichtet. Die 77.800 Gemeinden von 1917 wurden bis 1941 auf etwa 3100 reduziert.

Heute erlebt die Russisch-Orthodoxe Kirche eine Wiederbelebung, insbesondere in ländlichen Gebieten. Viele Klöster wurden gegründet oder wiedererrichtet. Die Kirche zählt gegenwärtig etwa 100 Millionen Mitglieder, von denen jedoch nur fünf bis zehn Prozent regelmäßige Gottesdienstbesucher sind. Religionsunterricht an Schulen wurde 2006 wieder eingeführt. Die Russisch-Orthodoxe Kirche sieht sich als Vertreter der Interessen des Volkes, ohne im Gegensatz zur Regierung zu stehen. Der Staat selbst hingegen sieht die Kirche als Garant für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Mehrheit der Bevölkerung vertraut der Kirche und sieht in ihr eine Institution, die Werte vermittelt und den inneren Zusammenhalt in der Gesellschaft stärkt.

Eine Kreuzprozession der Altgläubigen-Gemeinde in der Oblast Moskau

Daneben haben sich im Verlauf der Geschichte Abspaltungen vom orthodoxen Glauben vollzogen. Die älteste Abspaltung sind die Altorthodoxen oder Altgläubigen. Weitere aus der Orthodoxie hervorgegangene Glaubensrichtungen sind die Molokanen. Aus ihnen gingen wiederum die Duchoborzen hervor. Beide Religionsgemeinschaften lehnen Reichtum ab, versuchen ein Leben in Bescheidenheit zu führen und suchen nach einer wahrhaft biblischen Gemeinschaft. Von einigen Leibeigenen wurde die Gemeinschaft der Subbotniki gegründet. Diese berufen sich in erster Linie auf das Alte Testament. Viele dieser Sekten oder Gruppierungen waren im Zarenreich willkürlichen Verfolgungen ausgesetzt.

Andere christliche Konfessionen

In Russland gibt es neben der russisch-orthodoxen Ausrichtung weitere christliche Konfessionen:

  • Die Römisch-katholische Kirche in Russland war durch die byzantinischen Einflüsse unbeliebt. So dauerte es bis 1705, bis Peter I. erstmals den Bau einer römisch-katholischen Kirche erlaubte. Die Katholiken waren sehr strengen staatlichen Kontrollen unterstellt. Kümmerten sich die Bolschewiki in erster Linie nach der Oktoberrevolution um die Kontrolle der orthodoxen Kirche, wurden die Katholiken später wieder stärker beobachtet. Bis 1930 waren alle Strukturen der Kirche aufgelöst. Nach 1945 gab es im russischen Teil der Sowjetunion nur 20 Gemeinden, denen es untersagt war, Verbindungen untereinander aufzubauen. Heute existieren ungefähr 200 katholische Gemeinden mit etwa 400.000–800.000 Mitgliedern in Russland. Die Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis (Moskau) wurde restauriert und wieder ihrer Bestimmung zugeführt. Seit 2010 gibt es wieder einen Apostolischen Nuntius in Moskau.
  • Die evangelische Kirche in Russland war früher fast nur unter den Russlanddeutschen und in ihren Kolonien verbreitet. Erst nach der Revolution von 1905 wurden auch für Russen und Ukrainer andere Konfessionen legalisiert. Jedoch gab es auch durch die russlanddeutschen Adventisten und Baptisten erfolgreiche Missionierungsversuche unter der einheimischen Bevölkerung vor der Lockerung der Religionsgesetze. Der Protestantismus erlebte in den 1920er-Jahren trotz des Atheismus der Regierung der Sowjetunion eine Blütezeit (insbesondere die Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten und die Pfingstler). Jedoch wurden die Baptisten, Evangeliums-Christen und die Pfingstler zu zentralistischen Ordnungen gezwungen, um sie besser kontrollieren zu können. Mit den Siebenten-Tags-Adventisten und den Mennoniten geschah dasselbe im Jahr 1963. In der Zeit des Stalinismus wurden viele evangelische Christen aller Strömungen hingerichtet und verfolgt.
  • Wie den meisten Konfessionen war es auch der Neuapostolischen Kirche (NAK) unmöglich vor dem Fall der Berliner Mauer (1989) und des eisernen Vorhangs in Russland zu missionieren. Seitdem wächst die Zahl der neuapostolischen Christen in Russland stetig. Während es um die Jahrtausendwende 23.500 waren, zählt die Neuapostolische Kirche heute beinahe 40.000 Gläubige. Auch ist sie seit Beginn der 1990er-Jahre staatlich anerkannt.
  • Mit Stand vom April 2017 gibt es etwa 170.000 aktive Zeugen Jehovas in Russland. In der Sowjetunion wurden insbesondere vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bis 1965 viele Zeugen Jehovas inhaftiert und nach Sibirien deportiert (siehe Operation Nord). Seit einigen Jahren führte der russische Staat insgesamt sieben Verbotsklagen gegen die Zeugen Jehovas. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte Russland mehrfach zu Schadenersatzzahlungen wegen seines Vorgehens gegen die Religionsgruppe. Am 20. April 2017 wurde die Gemeinschaft von Russlands oberstem Gericht als extremistische Organisation eingestuft und verboten. Der Besitz aller Regionalverbände wurde beschlagnahmt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Gerichtsentscheidung.

Islam

Verbreitung des Islam in Russland

Der Islam in Russland ist im Nordkaukasus schon seit dem 7. Jahrhundert verbreitet und damit auf dem heutigen russischen Staatsgebiet älter als die erste russische Staatsgründung und die Christianisierung des Landes. Im Jahr 922 traten auch die Wolgabulgaren zum Islam über und gaben ihn im 13. Jahrhundert an die Tataren weiter. Die einheimischen Völker des Kaukasus und die Turkvölker sind zumeist sunnitische Gläubige. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren im Russischen Reich 11,1 Prozent der Gesamtbevölkerung muslimischer Herkunft. Im heutigen Russland ist der Anteil der Muslime mit rund 14 Prozent etwa ebenso groß wie einst in der Sowjetunion. Von 1990 bis 1994 bestand in Russland die „Islamische Partei der Wiedergeburt“. Daneben gibt es auch eine „Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans“ sowie zahlreiche weitere Organisationen und Abspaltungen. Zentren des Islam in Russland sind heute neben Kasan und Moskau auch Ufa und Dagestan. Die zunehmende Bedeutung des Islam im Kaukasus gehe gemäß Recherchen der Nowaja Gaseta im 2018 einher mit dem Vertrauensverlust in den Staat.

Judentum

Die Geschichte der Juden in Russland lässt sich seit dem 4. Jahrhundert nachweisen, als Juden aus Armenien und von der Krim sich auch in Tmutarakan niederließen. Im späten 8. oder frühen 9. Jahrhundert konvertierte ein Großteil der Chasaren zum Judentum. Nach der Vernichtung des Chasaren-Reiches durch Swjatoslaw I. (969) beschränkte sich das Judentum im Wesentlichen auf Kiew, die Krim und den Kaukasus. Im Großfürstentum Moskau wurden Juden 1471 das erste Mal erwähnt. Bis zur Zeit Iwans des Schrecklichen (1533–1584) wurden Juden bis auf einige gegen sie gerichtete Gesetze toleriert. Ab 1721 wurden sie aus dem Russischen Kaiserreich ausgewiesen, bis dies durch die Eingliederung der östlichen Teile Polens (1793 und 1795) unmöglich wurde. Die Juden mussten ab 1791 innerhalb des Ansiedlungsrayons leben, die sich auf dem heutigen Gebiet der Ukraine, Weißrusslands und des Baltikums befand.

Im 19. Jahrhundert unterstützten führende Beamte wie Konstantin Pobedonoszew antisemitische Strömungen in der Bevölkerung. So kam es im südlichen Russland 1881 zu vielen Pogromen, nachdem den Juden fälschlich der Anschlag auf Alexander II. unterstellt wurde. Die Maigesetze von 1882 vertrieben die Juden selbst im Ansiedlungsrayon aus den ländlichen Gebieten; mit Quoten begrenzte man die Anzahl der Juden, die zu höherer Bildung zugelassen wurden, auf drei bis zehn Prozent. Zwischen 1880 und 1920 flohen mehr als zwei Millionen Juden aus Russland, besonders nach Amerika. 1903 brachen neue Pogrome aus, die sich in der Russischen Revolution nochmals verstärkten und zu zwischen 70.000 und 250.000 Opfern in der jüdischen Zivilbevölkerung führten. Während des Stalinismus wurde in Russisch-Fernost die Jüdische Autonome Oblast mit dem Hauptort Birobidschan gegründet, wo sich nur wenige Juden ansiedelten. Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor, gibt es heute nur noch wenige Juden, da viele von ihnen nach Deutschland oder nach Amerika, die meisten aber nach Israel ausgewandert sind. Heute gibt es in Russland 87 Synagogen, die meisten davon in Sankt Petersburg und in Moskau, darunter die Moskauer Gedenksynagoge. Die Juden im europäischen Russland sind meist Aschkenasim, östlich davon leben daneben auch einige Bergjuden und Bucharische Juden, die zu den Mizrachim gezählt werden.

Buddhismus

Buddhismus in Russland

In Russland ist auch die tibetische Form des Buddhismus verbreitet, wobei er sich ursprünglich auf die asiatischen Völker (Kalmücken, Tuwiner) beschränkte. Ebenso wie Geistliche und Anhänger praktisch aller anderen Religionen wurden in der Sowjetunion während der kommunistischen Herrschaft auch buddhistische Mönche verfolgt und unterdrückt. Seit der politischen Wende in Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verzeichnen die buddhistischen Gemeinschaften hingegen wieder Mitgliederzuwachs unter den Angehörigen der traditionell buddhistischen Völker, aber auch seitens der Russen und anderen Nationalitäten.

Schamanismus

Der Schamanismus ist unter der indigenen Bevölkerung in Sibirien wieder weit verbreitet; insbesondere bei den kleinen Völkern des russischen Nordens. Zwar sind heute die meisten Bewohner Sibiriens Christen, dennoch sehen sie es nicht als Widerspruch, die Rituale ihrer Vorfahren zu praktizieren.

Gesellschaft und Mentalität

„Verstehen kann man Russland nicht, und auch nicht messen mit Verstand. Es hat sein eigenes Gesicht. Nur glauben kann man an das Land.“
Bekannt gewordenes Bonmot von 1866 von Fjodor Iwanowitsch Tjuttschew, das den Nationalcharakter des russischen Volkes beschreibt.

Die Sowjetunion war ein ausgesprochener Vielvölkerstaat, und auch im heutigen Russland treffen sich viele unterschiedliche Mentalitäten. Die Verschmelzung dieser Völker und Konfessionen sowie Einflüsse westlicher wie östlicher Prägungen schufen aber auch markante Eigenarten, die sich im Stereotyp der russischen Seele manifestieren. Dieser Begriff prägt bis heute das Russlandbild; im westlichen Ausland diente der Begriff Russophilen und Kritikern der westlichen Lebensweise als Projektion zu der als gefühlskalt empfundenen eigenen Zivilisation. Die „russische Seele“ wird als ein Hang zu extremen Gegensätzen beschrieben, der sich aus der geschichtlichen Entwicklung der russischen Volkskultur ergeben hat. Diese Extreme äußern sich z. B. in dem Streben nach dem absolut Äußersten, verbunden mit der Bereitschaft zu einer plötzlichen Richtungsänderung; dazu kommen eine ausgeprägte Schicksalsergebenheit, ein Hang zur Geduld, Neigung zum Aberglauben, Leidensfähigkeit oder auch eine sehr starke Heimatverbundenheit. Die bereits erwähnte Alles-oder-nichts-Mentalität kennt keinen Kompromiss oder goldene Mitte. Bekannt ist auch die Offenheit von Gefühlsäußerungen, positiven wie negativen, denen im Vergleich mit rationalen Erwägungen häufig mehr Gewicht zugemessen wird, was westliche Ausländer oft irritiert. Wichtig ist zudem weiterhin ein starkes Solidaritäts- und Gemeinschaftsgefühl.

Die russische Gesellschaft ist traditionell kollektivistisch geprägt, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sehr wichtig. Dieses Wertesystem beruht ursprünglich auf der Lebensweise der bäuerlichen Dorfgemeinschaft, dem Mir. Da auch Grund und Boden lange Zeit Gemeingut waren, definiert man sich in Russland seit jeher über die Gemeinschaft und achtet auf die Stimmigkeit von eigenem Verhalten und eigener Meinungsäußerung mit denen des Kollektivs.

Die Familie ist für viele Russen eine wichtige Bezugsgruppe, besonders auf dem Land lebt man in jeder Beziehung eng zusammen. Dort wohnen oft mehrere Generationen in einer Wohnung oder in einem Haus. Die traditionelle Familie unterstützt sich finanziell und hilft einander bei der Kinderbetreuung und Seniorenpflege. Die Kollektivorientierung zeigt sich bisweilen auch heute noch im Berufsalltag. Das Kollegium wird als Gemeinschaft erlebt und es ist sehr wichtig, diese Gruppenorientierung zu stärken. Vetternwirtschaft (Nepotismus) bei der Stellen- oder Auftragsvergabe ist dabei eine Nebenwirkung.

Seit der Auflösung der Sowjetunion orientieren sich nun aber insbesondere gebildete Bevölkerungsschichten in den Großstädten, die von der neu gewonnenen Reisefreiheit profitieren können, an Prinzipien des Individualismus, was inzwischen ein massives innergesellschaftliches Spannungsverhältnis zur Folge hat und zu einem zentralen Thema in zeitgenössischer Literatur und Filmschaffen geworden ist. Bildungsnahe, ehrgeizige und kritische Menschen suchten nach dem markanten Bruch mit der westlichen Welt 2014 vermehrt Lebensmöglichkeiten im Ausland; die Duma diskutierte 2015 gar ein Verbot von Fremdsprachenunterricht, weil dieser die Abwanderung fördere.

Gesundheitswesen

Entwicklung der Lebenserwartung

Artikel 41 der Verfassung Russlands garantiert allen Bürgern das Recht auf kostenlose medizinische Grundversorgung. Dieser seit Sowjetzeiten bestehende Grundsatz ist zum Teil die Ursache dafür, dass Russland im internationalen Vergleich eine vergleichsweise hohe Anzahl Ärzte und Krankenhäuser pro Kopf der Bevölkerung aufweist. Dennoch ist der gesundheitliche Zustand der russischen Bevölkerung schlecht. Gerade beim wirtschaftlichen Niedergang der 1990er Jahre in Russland wurde das Gesundheitswesen stark getroffen. Infolge äußerst niedriger Entlohnungen der Ärzte und Krankenschwestern wurde die medizinische Versorgung der breiten Öffentlichkeit massiv verschlechtert. So ist inzwischen jede dritte Klinik der 7000 Krankenhäuser im Land dringend renovierungsbedürftig. Schrittweise werden in letzter Zeit die Gehälter für das medizinische Personal angehoben sowie staatliche Mittel in die Einrichtung neuer und Modernisierung bestehender Kliniken investiert. Zwischen 1999 und 2003 betrugen die Gesamtausgaben für den Gesundheitssektor in Russland im Verhältnis zum BIP durchschnittlich 5,70 Prozent.

In Russland ist der Gesundheitssektor dezentral organisiert. Das Gesundheitsministerium ist auf föderaler Ebene für den gesamten Sektor zuständig. Konkrete medizinische Leistungen (inklusive die Bereitstellung von Krankenhäusern) obliegen aber den Föderationssubjekten und Gemeinden, die rund zwei Drittel der gesamten Budgetausgaben bestreiten. Das russische Gesundheitssystem wird durch einen Mix aus Budgetmitteln und Mitteln aus der Sozialversicherung finanziert. Auf die Verschlechterung der Beziehungen zum Westen folgten ab 2015 Zulassungsbeschränkungen für medizinische Geräte aus dem Ausland.

Kennzahl 2000 (nach Rosstat) 2010 (nach Rosstat) Veränderung
Geburten in Tsd. 1267 1790 +41,3 %
Sterbefälle in Tsd. 2225 2031 −8,7 %
Natürl. Bevölkerungsabnahme in Tsd. 959 241 −74,9 %
Säuglingssterblichkeit in Tsd. 19,3 13,4 −30,6 %
Lebenserwartung in Jahren 65,3 69 +5,7 %
Selbsttötungen in Tsd. 56,9 33,3 −41,5 %
Alkoholvergiftungen in Tsd. 37,2 14,4 −61,3 %
Abtreibungen pro 100 Geburten 168,8 66,3 −60,8 %
Statistische Kennzahlen im Bereich Gesundheit und Soziales
Lebenserwartung (2010)* 69,0 Jahre
Lebenserwartung (Männer) (2010)* 63,0 Jahre
Lebenserwartung (Frauen) (2010)* 74,9 Jahre
Säuglingssterblichkeit (2010)* 7,5 von 1000
Kindersterblichkeit (2004) 2,1 %
Müttersterblichkeit (2005)** 28 / 100.000 Geb.
Ärzte* 4,9 / 1000 Einw.
Krankenhausbetten* 10,7 / 1000 Einw.
Zugang zu sauberem Trinkwasser (gemäß WHO Kriterien)** 88 % (Land); 100 % (Stadt)
Geburtenrate (2010)* 12,6 / 1000 Einw.
Sterblichkeit (2010)* 14,3 / 1000 Einw.
Suizide (pro 100.000 Einwohner)* 23,5
Bevölkerungswachstum (2009) +0,008 %
Fruchtbarkeit (2009) 1,54 Kinder / Frau
HIV-Infektionsrate (2005)** 0,78 %
HIV/AIDS-Infizierte (2015) 986.657
Öffentliche Ausgaben für Gesundheit (1997) 4,6 % des BIP
Öffentliche Ausgaben für Altersversorgung (1996) 5,7 % des BIP
Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung k. A.
Schulpflicht 7–18 Jahre
Analphabetenquote (2002) ** 0,6 %
Armutsquote 13,0 %
Kinderunterernährung 3 %
Quelle: Rosstat (*); WHO (**)

Armut

Nach dem Zerfall der UdSSR stieg die Armut bis 1999 auf über 40 % Bevölkerungsanteil und sank danach spürbar. 2002 betrug der Anteil 19,6 % und reduzierte sich bis 2011 auf 12,8 % der Bevölkerung oder 18 Millionen Russen. Offiziell lag dabei das Existenzminimum bei 170 Euro für einen Menschen im arbeitsfähigen Alter; bei Kindern liegt der Wert unwesentlich niedriger, bei Rentnern beträgt er 125 Euro. Der Lebensstandard verbesserte sich regional sehr unterschiedlich. Während besonders in Moskau und St. Petersburg einige Viertel in neuem Glanz zu erstrahlen begannen, war in Regionen die Armut nach wie vor groß. In Tschetschenien und Dagestan lebten mehr als die Hälfte der Menschen in Armut; weitere arme Regionen sind Inguschetien, Tuwa und Kabardino-Balkarien, Mari El, Kalmückien, Burjatien und Altai und Mordwinien. 2011 betrug der Durchschnittslohn 576 € pro Monat. Die großen Einkommensdifferenzen konnten ab 2005 verringert werden, insbesondere die mittlere Einkommensschicht nahm prozentual erheblich zu. Die Renten lagen 2010 das erste Mal seit vielen Jahren über dem Existenzminimum und sollten gemäß Prognosen bis 2014 auf 268 Euro steigen. 2012 zählte etwa die Hälfte der Bevölkerung zu der einkommensschwachen Schicht, die zentrale soziale Bedürfnisse wie Wohnraum oder zusätzliche Ausbildung nicht finanzieren kann. Tatsächlich betrug im Jahr 2014 die durchschnittliche Rente 10.000 Rubel, was 160 Euro entsprach. Renten und Gehälter mussten eingefroren werden. Seit 2014 wurden Gelder der zweiten, kapitalgedeckten Säule der Altersvorsorge zur Deckung des Finanzbedarfs herangezogen.

Die Verringerung der Armut zählte im Frühjahr 2019 zu einem der Fünfjahresziele des Präsidenten Putin: Fast 19 Millionen Russen galten als arm, das entsprach 12,9 % der Bevölkerung.

Die ärmeren Bevölkerungsschichten litten bis 2009 unter zweistellig steigenden Verbraucherpreisen, die sich bis 2012 wieder verringerten. Von 2014 bis 2019 verringerte sich das Realeinkommen.

Die Arbeitslosenquote hatte mit der Überwindung der Finanzkrise 2008 zu sinken begonnen. In Wachstumsregionen wie Moskau, Kaluga und St. Petersburg tendierte die Erwerbslosigkeit gegen Null. Die Arbeitslosigkeit betrug nach Berechnung nach Standards der Internationalen Arbeitsorganisation 2005 7,1 %, 2010 7,6 % und 2011 6,6 %. Bis 2014 sank sie auf 5,2 % und begann wieder zu steigen. Das Arbeitslosengeld betrug zwischen 60 und 70 Euro im Monat. Die Arbeitslosigkeit ist aber aufgrund einer Besonderheit des russischen Arbeitsrechts ein problematischer Indikator für die Konjunkturlage: Betriebsbedingte Kündigungen sind in Russland zumeist unzulässig, stattdessen dürfen Arbeitgeber einseitig Arbeitsentgelte reduzieren. Daher verbleiben russische Arbeitnehmer auch bei Auftragsmangel lieber in ihrem Betrieb und nehmen hohe Lohneinbussen in Kauf, anstatt die mit 20 bis 110 Euro im Jahr 2019 eher symbolische Arbeitslosenunterstützung in Anspruch zu nehmen.

Im Human Development Index der Vereinten Nationen stand Russland 2016 mit 0,8 (von 1) auf Platz 49, der Gini-Koeffizient lag bei 37,7.

Umweltschutz

Zur Zeit der Sowjetunion wurde die russische Natur schwer belastet: von Fabrikabfällen vermüllt, chemisch und radioaktiv verunreinigt. Auch heute gibt es ernsthafte Umweltprobleme in Russland – aber auch ein wachsendes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung. Das Recht des Bürgers auf gesunde Umwelt und auf verlässliche Informationen über ihren Zustand ist im Artikel 42 der russischen Verfassung verankert. Allerdings hat der Umweltschutz in der russischen Politik eine vergleichsweise niedrige Priorität, was von internationalen Umweltorganisationen wie WWF oder Greenpeace immer wieder kritisiert wird. So wurden in der Vergangenheit oft gängige Umweltstandards bei der Erschließung neuer Erdöl- oder Erdgasvorkommen nur unzureichend eingehalten. Ein bekanntes Beispiel der jüngsten Zeit ist die Erschließung der Fördergebiete Sachalin II, bei der in höherem Maße gegen Umweltauflagen verstoßen worden sein soll. Hinzu kommt eine verbreitete Korruption innerhalb staatlicher Umweltbehörden, die mehrfache Verstöße gegen Umweltauflagen beim Bau von Häusern oder massenhaften illegalen Holzeinschlag ermöglicht. Auch eine Vielzahl von Altlasten aus den Sowjetzeiten, darunter marode Fabriken, die die heutigen Umweltstandards nicht einhalten können, belasten die Umwelt in Teilen des Landes erheblich. Einige Städte mit solchen Fabriken, wie Norilsk oder Dserschinsk, gelten als ökologisches Notstandsgebiet.

Umso stärker die Lebensqualität steigen wird, desto wichtiger und dringlicher werden in Zukunft Umweltfragen in Russlands Öffentlichkeit und Politik diskutiert. Seit 2004 werden vereinzelte Bemühungen der russischen Staatsmacht zum Vorantreiben des Umwelt- und Klimaschutzes sichtbar. So wurde in Russland die Ratifizierung des Kyoto-Abkommens am 5. November 2004 mit der Zustimmung des Präsidenten zum Beschluss der Staatsduma abgeschlossen. Am 30. Januar 2008 äußerte sich der designierte Präsident Dmitri Medwedew für eine schnelle Entwicklung des einheimischen Marktes für Innovationstechnik im Umweltschutz. Inzwischen gibt es Pläne der Regierung, die Energieeffizienz in Russland zu steigern, um den erheblichen Verlust an Wärmeenergie für den Wohnungssektor zu begrenzen.

Kiewer Rus um die Jahrtausendwende
Russland erreichte im 19. Jahrhundert seine größte territoriale Ausdehnung.

Russlands Geschichte erlebte seit ihrem Beginn im 9. Jahrhundert vielfältige Brüche. So ist die russische Geschichte eine Eigenentwicklung, die sich von der Entwicklung seiner Nachbarn in Europa deutlich unterscheidet. Ursächlich dafür ist ein ständiges In- und Gegeneinanderspiel typisch russischer Merkmale aus sozialen Begebenheiten und geographischen Einflüssen, die seine Geschichte auf weiten Strecken begleiteten. So gab die erdräumliche Lage Russland eine Brückenstellung zwischen Europa und Asien, die je nach Kräftelage die Aggression fremder Mächte (größere Einfälle u. a. 1240, 1242, 1609, 1709, 1812, 1917, 1941) oder die eigene Expansion begünstigte. Dazu trug das Fehlen von natürlichen Grenzen bei, was Russland im Wechselspiel mit der Erfahrung fremder Einfälle dazu veranlasste, die Grenzen so weit auszudehnen, bis natürliche Grenzen einen wirksamen Schutz bilden konnten (vgl. Russische Kolonisation). Dieses starke, aus historischen Einfällen resultierende Sicherheitsbedürfnis Russlands setzt sich bis heute fort.

Die Spannung zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der Bewältigung bzw. Nichtbewältigung durch die jeweils herrschenden Gruppen gehört ebenso zu den Konstanten der russischen Geschichte. Beispielhaft zu nennen sind die Nichtbewältigung der sozialen Unruhen im Zuge des Industriezeitalters mit ihren Höhepunkten in der Revolution 1905, der Februar- und der Oktoberrevolution 1917 oder die postkommunistische Systemtransformation der 1990er-Jahre.

Die aus der byzantinischen Orthodoxie übernommenen Denkweisen führten zu Spannungen mit modernistischen Tendenzen und begründeten das markante Spannungsverhältnis zwischen Beharrung und Fortschritt, das sich z. B. bei der Kirchenspaltung 1666/1667 oder den Petrinischen Reformen 1700–1720 deutlich zeigte. Aufgrund der fehlenden römischen Rechtstradition fehlte lange Zeit ein Widerstandsrecht gegen herrscherliche Übergriffe, so dass die Beziehung zwischen Staatsgewalt und der wirtschaftlichen und politischen Freiheit des Einzelnen belastet blieb. Dies zeigte sich besonders im 19. Jahrhundert, als liberale Ideen in Russland vermehrt Anhänger fanden und sich in mehreren Attentaten gegen den russischen Selbstherrscher äußerten (z. B. Dekabristenaufstand).

Die bis zum Ende der Sowjetunion ausgeprägte Verbindung von genossenschaftlichen mit herrschaftlichen Elementen liegt ursprünglich in der orthodoxen Kirche begründet, wo die Gemeinschaft der Gläubigen eine viel größere Rolle spielte als das Gott gegenüber verantwortliche Individuum. An diese Vorstellungen des Kollektivs knüpften im 19. und 20. Jahrhundert Marxisten und Sozialisten an und setzte diese in der Sowjetunion fort. Der Ausgleich zwischen zentralistischer und dezentraler Herrschaft war in der Geschichte Russlands ein konstantes Problem. Insbesondere in Übergangszeiten (z. B. zwischen 1240 und 1480, nach 1917 und nach 1994) nahmen zentrifugale Strömungen an den Rändern des Landes zu.

Altrussland, Mongolensturm und Aufstieg Moskaus

Dmitri Donskoi und der in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld besiegte Emir der Goldenen Horde Mamai – Szene des Nationaldenkmals Tausend Jahre Russland (1862)

Der alte ostslawische Name für das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europäischen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine war Rus (siehe Kiewer Rus), auf Griechisch Rossia. Auf diese Form geht der heutige russische Landesname Rossija zurück. Die früheste Geschichte des europäischen Russlands (zur Geschichte des asiatischen Teils siehe Geschichte Sibiriens) ist im Norden geprägt von finno-ugrischen Völkern und Balten, im Süden von den indogermanischen Steppenvölkern des Kurganvolks, der Kimmerer, Skythen, Sarmaten und Alanen; später kamen hier noch Griechen, Goten, Hunnen und Awaren hinzu. In die Mitte, zwischen Dnepr und Bug, kamen die slawischen Völker, die sich ab dem 6. Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen.

Ab dem 8. Jahrhundert befuhren skandinavische Wikinger die osteuropäischen Flüsse und vermischten sich später mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im südlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch Kriege führten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich führten schließlich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus.

Das mangelhafte Senioratsprinzip zur Regelung der Erbfolge förderte die Zersplitterung der Kiewer Rus im 12. Jahrhundert und erleichterte die Unterwerfung der zerstrittenen russischen Fürstentümer im Mongolensturm. Die mongolische Invasion der Rus begann 1223 mit der Schlacht an der Kalka; die Übergangsphase bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts wird als „dunkles“ Zeitalter bezeichnet. Die russische Nationalhistoriographie spricht vom „Tatarenjoch“ dieser Zeit. Die mongolische Fremdherrschaft führte demnach für zwei Jahrhunderte zu einem Abbruch der Beziehungen zum Westen und förderte die Abkapselung des orthodoxen Russlands. Die russischen Fürstentümer lagen im Machtbereich der Goldenen Horde, konnten jedoch eine gewisse innere Autonomie bewahren. Derweil mussten die russischen Fürstentümer im Norden und Westen Angriffe von Schweden, Ordensrittern und Litauern abwehren. Unter den zersplitterten und verfeindeten russischen Fürstentümern erwies sich das kleine und unbedeutende Fürstentum Moskau als das durchsetzungsstärkste. Dmitri Donskoi, der verschiedene russische Fürstentümer einen konnte, besiegte im Jahre 1380 die Goldene Horde in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld.

Der Moskauer Großfürst Iwan der Große beendete die Mongolenherrschaft und wurde de facto zum Begründer eines zentralisierten russischen Staates, indem er Schritt für Schritt die umliegenden russischen Länder „einsammelte“ (russischсобирание земель, sobiranije semel), darunter die Republik Nowgorod. Sein Titel „Herrscher der ganzen Rus“ drückte auch den Anspruch auf den vom Großfürstentum Litauen im 14. Jahrhundert beherrschten westlichen Teil der Rus aus. Dies führte zu langanhaltenden Kriegen im 16. und 17. Jahrhundert mit Polen und Litauen (vgl. Russisch-Litauische Kriege). Unter Iwan dem Großen wurde die russische Gesetzgebung reformiert und der Großteil des heutigen Moskauer Kremls erbaut. Sein Enkel Iwan IV. begründete 1547 das Zarentum Russland. Unter seiner Herrschaft begann nach der Einnahme der Tatarenhauptstadt Kasan auch die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte.

Öffnung Russlands unter Peter dem Großen und Aufstieg zur europäischen Großmacht

Hauptartikel: Russisches Kaiserreich
Zar Peter I., der Große, Begründer des erneuerten Russischen Kaiserreichs

An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das in den alten Strukturen erstarrte Zarentum Russland westeuropäischen Einflüssen und förderte Wissenschaft und Kultur. 1703 gründet er die Stadt Sankt Petersburg, die – seit 1712 als neue Hauptstadt – das Symbol für den russischen Fortschritt werden sollte. Mit dem Sieg gegen Schweden im über 20 Jahre währenden Großen Nordischen Krieg erlangte Russland nach mehr als 150 Jahren der Auseinandersetzung mit Schweden die Vormachtstellung im Ostseeraum (vgl. Nordische Kriege). Russland übernahm die Position Schwedens als nordische Großmacht in Europa. Zur Unterstreichung des neuen Status im diplomatischen Ranggefüge Europas ließ Zar Peter das Russische Zarentum in „Russisches Kaiserreich“ umbenennen und änderte den Monarchentitel offiziell von „Zar“ in „Kaiser“ (russischИмператор, Imperator).

Katharina die Große führte Peters Expansionspolitik weiter. Unter ihrer Regierung wurde das Krimkhanat („Neurussland“) erobert. Durch die Beteiligung an den drei Teilungen Polens wurde die Westgrenze Russlands weit in Richtung Mitteleuropa vorgeschoben. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Dies gab den Auftakt zu den Befreiungskriegen, bei denen russische Truppen mit ihren Verbündeten (Preußen, Österreich, Vereinigtes Königreich u. a.) Napoleon endgültig besiegen und zur Abdankung zwingen konnten. Alexander I. zog als „Befreier Europas“ in Paris ein. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 erlangte Russland eine dominierende Rolle auf dem europäischen Festland, die bis zum Krimkrieg 1853–1856 andauerte. Aufgrund der festgefahrenen gesellschaftlichen Strukturen wie der Autokratie und der Leibeigenschaft konnte das agrarisch geprägte Reich jedoch mit den sich rasant entwickelnden Industriestaaten immer weniger Schritt halten. Der verlorene Krimkrieg gegen die Westmächte legte die inneren Schwächen des Reiches offen und gab Anstoß zu einer Phase der inneren Reformen. Diese beschleunigten Russlands wirtschaftliche Entwicklung, doch das Land wurde immer wieder von inneren Unruhen destabilisiert, da die politischen Veränderungen nicht weitreichend genug waren und große Teile der Bevölkerung ausgeklammert wurden. Den „Westlern“, die eine Übernahme westeuropäischer Lebensformen und politischer Institutionen propagierten, standen aber immer auch die nationalromantisch geprägten „Russophilen“ oder „Slawophilen“ gegenüber, die einen eigenen, spezifisch russischen Weg in die Moderne forderten und die pauschale Übernahme westlicher Werte ganz oder zum großen Teil ablehnten.

In den großen Städten entstand um die Jahrhundertwende ein Industrieproletariat, aber sehr rasch auch eine bürgerliche Mittelschicht. Diese forderte ihren Anteil an der Verfügung über die Staatseinnahmen und die Mitverantwortung für die öffentlichen Angelegenheiten. Die Angehörigen der Mittelschicht besaßen aber kein gemeinsames politisches Bewusstsein. Sie verstanden unter politischer Freiheit kein moralisches Ziel, sondern meinten damit die Freiheit der materiellen Entfaltung und gerechte Besteuerung. So ließ sich die Mittelschicht auch nicht auf Dauer von den utopischen Entwürfen der Intelligenzija leiten. Eine Anpassung der Verfassungswirklichkeit des Staates, der die Mittelschicht näher eingebunden hätte, fand aber nicht statt. Stattdessen flammte der Terror wieder auf. Die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg führte letztlich zur Russischen Revolution von 1905. Der russische Kaiser Nikolaus II. war jedoch nicht bereit, grundlegende Reformen einzuleiten und ließ ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, nur kurze Zeit später wieder auflösen.

Russische Revolution und Sowjetunion

Boris Kustodijew: Der Bolschewik (1920)

Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste Russland als Mitglied der Entente eine patriotische Welle – eine Stimmung, die anfänglich alle Kriegsparteien bestimmte, einschließlich des Deutschen Kaiserreichs und dessen Verbündeten (Mittelmächte). Die anfänglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden bald abgelöst von einem Stellungskrieg, bis 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die trostlose Versorgungslage führten in der Hauptstadt Petrograd zu Demonstrationen der Arbeiter und Bauern. Nach blutiger Niederschlagung der Demonstranten stürmten diese den Winterpalast und Kaiser Nikolaus II. wurde zum Abdanken gezwungen.

In Folge kam im Februar 1917 eine provisorische Regierung (unter Beteiligung der Menschewiki und von Sozialrevolutionären) an die Macht, die als Doppelregierung mit Arbeiter- und Soldatensowjets amtierte.

Nach der Februarrevolution 1917 erlangten die Frauen in Russland das aktive und passive Wahlrecht. Sie waren sowohl an den Wahlen zu den Sowjets als auch zu den Stadtdumas zugelassen. Im Mai 1917 wurde ein Gesetz beschlossen, das russischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern über 20 das Recht verschaffte, die Konstituierende Versammlung zu wählen. Nach der Oktoberrevolution wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht in der Verfassung der RSFSR vom 10. Juli 1918 festgeschrieben.

Aus dem der Oktoberrevolution folgenden Bürgerkrieg zwischen „Roten“ und „Weißen“ gingen die Bolschewiki als Sieger hervor. Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, wie auch Finnland, errangen dagegen durch Abwehr der Roten Armee bzw. durch längere Bürgerkriege ihre Unabhängigkeit von Russland. Im Laufe des Bürgerkriegs sowie des darauf folgenden Polnisch-Russischen Kriegs verlor Russland 1920 Teile Weißrusslands und der Ukraine („Ostpolen“) an Polen. 1921 wurde die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen, die den wichtigsten Teil der späteren Sowjetunion darstellte.

Am 30. Dezember 1922 wurde aus dem bisher bestehenden Sowjetrussland die Sowjetunion gegründet und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produktionsmitteln erklärt. Lenins Tod am 21. Januar 1924 führte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Der Stalinismus zeichnete sich durch gezielten Terror aus. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft Fünfjahresplänen unterworfen und die Industrialisierung der Sowjetunion vorangetrieben. Die Zwangskollektivierung in der Sowjetunion wurde von der Kampagne der „Entkulakisierung“ begleitet.

Im August 1939 schloss die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit dem NS-Staat, wobei in einem geheimen Zusatz auch eine einvernehmliche Aufteilung Osteuropas aufgenommen wurde. Dies ermöglichte Hitler Anfang September 1939 den geplanten Angriffskrieg gegen Polen, der mit einem sowjetischen Angriff gegen Ostpolen Mitte September abgestimmt war. Im Winterkrieg überfiel die Sowjetunion Finnland und gewann kleinere Teile des Landes. 1940 wurden Litauen, Lettland und Estland besetzt.

Ausgebombte Leningrader Frauen verlassen ihre Häuser, Dezember 1942

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, der zum Deutsch-Sowjetischen Krieg führte (in der Sowjetunion Großer Vaterländischer Krieg genannt), trat das Land der Anti-Hitler-Koalition bei. Allein während der Leningrader Blockade verhungerten über eine Million Menschen in Leningrad. Insgesamt starben in diesem Krieg geschätzt 27 Millionen Sowjetbürger, davon 14 Millionen Zivilisten. Sie konnte aber im Kriegsverlauf den deutschen Truppen schwere Niederlagen zufügen und siegte im Mai 1945 in der abschließenden Schlacht um Berlin. Nach dem Krieg sicherte sich die Sowjetunion großen Einfluss in den angrenzenden Ländern Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Albanien und in der DDR. In diesen Ländern blieben Hunderttausende sowjetischer Soldaten stationiert. Der Kalte Krieg dominierte bis 1989 die Weltpolitik.

Der letzte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow leitete ab 1987 mit der „Perestroika“ einen Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems in der Sowjetunion ein und förderte mit der Politik der „Glasnost“ die Transparenz und Offenheit der Staatsführung gegenüber der Bevölkerung, worauf einzelne Unionsrepubliken die Unabhängigkeit von der Sowjetunion anstrebten. Nach dem misslungenen Augustputsch in Moskau 1991 konservativer Kommunisten beschlossen der Präsident Russlands Boris Jelzin und Vertreter der Sowjetrepubliken die Auflösung der UdSSR zum 31. Dezember 1991.

Russische Föderation seit 1992

Die Russische Föderation übt seit 1992 als größte ehemalige Sowjetrepublik (Russische SFSR) die völkerrechtlichen Rechte und Pflichten der UdSSR aus. In den ersten Jahren ergaben sich innenpolitische Konflikte über den einzuschlagenden Kurs: In der russischen Verfassungskrise 1993 löste Jelzin per Ukas den Volksdeputiertenkongress sowie den Obersten Sowjet Russlands auf, die sich seinen Bemühungen und den Resultaten einer Volksbefragung am 25. April 1993 widersetzt hatten, Wirtschaftsreformen durchzusetzen. Jelzin ordnete eine gewaltsame Stürmung des Parlamentsgebäudes (Weißes Haus) an, in dem sich etwa 100 Parlamentarier und weitere Anhänger verbarrikadiert hatten. Bei der gewaltsamen Niederschlagung eines weiteren Aufstandes gegen ihn am 3. und 4. Oktober gab es in Moskau 190 Tote. Im Dezember billigte die russische Bevölkerung per Volksabstimmung die neue Verfassung der Russischen Föderation (Zweikammersystem, Präsidialverwaltung).

Unter Jelzin wurden in Russland Teile der Wirtschaft privatisiert und Reformen versucht. Dabei gelangten wertvolle Unternehmen in die Hände von Leuten, die gute Beziehungen zu Herrschenden hatten bzw. diesen Schmiergelder und Schutzgelder zahlten („Oligarchen“).

1991/92 gab es eine Rubelkrise. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) lag 1993 um 12 % unter dem von 1992 und um 29 % unter dem von 1991. Die Industrieproduktion war 1993 um 31,3 %, die Konsumgüterproduktion um 24,8 % und die Nahrungsmittelproduktion um 27,3 % niedriger als 1991. Im Oktober 1993 waren 2400 Produktionsbetriebe vorübergehend stillgelegt, im Februar 1994 4280. Wegen Nichtzahlung von Löhnen und Gehältern kam es zu gesamtwirtschaftlich folgenschweren Streiks, z. B. in den Kohlerevieren.

Die Inflation war jahrelang hoch und große Teile der Bevölkerung verarmten. 1998 rutschte das Land in die Zahlungsunfähigkeit (→ Russlandkrise). Insbesondere in der Übergangszeit nahmen aufgrund des Erstarkens regionaler Autonomien nach dem Ende der stark zentralistischen Sowjetzeit zentrifugale Strömungen an den Rändern des Landes zu. So sah sich seit Mitte der 1990er Jahre die russische Regierung mit Unabhängigkeitsbewegungen und Machtkämpfen in zahlreichen Teilrepubliken konfrontiert, insbesondere im Ersten Tschetschenienkrieg 1994/96, bei dem zehntausende Menschen starben. Von Frühherbst 1999 bis Anfang 2000 brachten russische Truppen den Großteil Tschetscheniens wieder unter ihre Kontrolle (vgl. Zweiter Tschetschenienkrieg).

Entwicklung der Kriminalitätsrate seit 1960

Die chaotischen Jahre unter Jelzin verunsicherten viele Menschen. Die Geburtenrate war niedrig; Kriminalität, Alkoholismus etc. waren verbreitet. In der Endphase von Jelzins Herrschaft bestand die russische Außenpolitik fast nur noch aus leeren Drohungen und Reaktionen. Dies betraf z. B. die NATO-Osterweiterung und den Kosovokrieg. Auch einige markante Ereignisse wie der Untergang der Kursk im August 2000, der tagelange Brand des Moskauer Fernsehturms Ostankino und das Ende der Mir im März 2001 förderten bei vielen Russen das Gefühl, Russland sei von der Rolle einer Supermacht auf die eines Schwellenlands zurückgefallen.

Wladimir Putin während seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, in der er Kritik am amerikanischen Streben nach einer monopolaren Welt übte

Hohe Rohstoffpreise (Öl, Gas, Stahl), eine Steuerreform und Kapitalrückfluss förderten die wirtschaftliche Erholung nach dem Amtsantritt Wladimir Putins. Nach der Geiselnahme von Beslan im September 2004 leitete Putin einen grundlegenden Umbau des Staatswesens ein, der Macht und Kontrolle in noch stärkerem Maß als bisher in den Händen des Präsidenten konzentrierte. „Für Putin ging es später darum, mit Hilfe einer ‚Machtvertikale‘ der Exekutive auf allen staatlichen Ebenen die Alleinherrschaft des Kreml zu sichern.“ Die Machtvertikale wird von westlichen Beobachtern wie z. B. Margareta Mommsen (2012) als in jeder Hinsicht unvereinbar mit Vorstellungen einer eigenständigen Rolle des Parlaments, von wechselnden parlamentarischen Mehrheiten sowie vom freien Wettbewerb politischer Parteien gesehen. Selbst die höchsten politischen Amtsträger verfügten über kein klares Verfassungsverständnis; mit diesem Ansatz könne weder eine Verfassungslegitimität noch eine Verfassungskultur entstehen. „Unterdessen wird der praktizierte Autoritarismus als ein notwendiges Provisorium gerechtfertigt. So beruft sich Putin gerne auf eine ‚Herrschaft per Handsteuerung‘. […] Damit gab er sich überzeugt, dass der politische Prozess weiterhin der persönlichen Lenkung und der ad hoc-Arrangements anstatt der Verfassung folgen müsse.“

Am 21. März 2014 wurde der Föderationskreis Krim gegründet, nachdem pro-russische Kräfte in der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol im Zuge der Krimkrise ihre Unabhängigkeit von der Ukraine erklärt und am 18. März 2014 einen Beitrittsantrag an Russland gestellt hatten. Die völkerrechtliche Legitimität dieser Schritte ist außerhalb Russlands, aber auch in Russland selbst umstritten. Ebenfalls am 18. März 2014 stellte auch Transnistrien einen Beitrittsantrag.

Föderale Gliederung

Föderationskreis Fläche in km² Einwohner insgesamt Einwohner je km²
Fernost (6.215.900) 0(6.692.865) 0(1)
Nordwestrussland 1.677.900 13.974.466 08
Sibirien (5.114.800) (20.062.938) 0(4)
Südrussland (mit Krim) 0.442.920 15.689.400 35
Nordkaukasus 0.170.439 09.108.737 53
Ural 1.788.900 12.373.926 07
Wolga 1.038.000 31.154.744 30
Zentralrussland 0.650.700 38.000.651 58
Russland gesamt (mit Krim) 17.101.4800 147.056.1310 08
Im November 2018 wechselten die Republik Burjatien und die Region Transbaikalien
vom Föderationskreis Sibirien zum Föderationskreis Ferner Osten.
Dies ist in den obenstehenden Zahlen noch nicht berücksichtigt.

Der russische Föderalismus ist sehr asymmetrisch geprägt, da das föderale System eine Kombination aus ethnoföderalen Republiken und territorial-föderalen Gebieten darstellt. Die Einteilung des Landes wurde im Wesentlichen aus der Sowjetzeit übernommen, sieht man von der Statusanhebung der meisten Autonomen Gebiete zu Republiken und der Aufteilung der vormaligen Tschetscheno-Inguschetischen ASSR in zwei Republiken ab. Russland gliedert sich laut Artikel 65 der russischen Verfassung in 85 Föderationssubjekte. Dazu zählen 22 Republiken, 9 Regionen (Krai), 46 Gebiete (Oblast), 3 Städte föderalen Ranges (Moskau, Sankt Petersburg und Sewastopol), 1 Autonomes Gebiet und 4 Autonome Kreise. Dass die Völkerrechtssubjekte Krim und Sewastopol zu Russland gehören, ist international nicht anerkannt. Die Republiken wurden nach den jeweils dominierenden nichtrussischen Volksgruppen definiert, wenngleich ihre Grenzen nicht immer mit den ethnischen übereinstimmen, während die Gebiete in den übrigen, mehrheitlich von Russen bewohnten Teilen des Landes nach rein administrativen Gesichtspunkten gebildet wurden. Territorien, in denen kleinere nichtrussische Minderheiten leben, erhalten den niedrigeren Rang eines Autonomen Gebietes, beziehungsweise Autonomen Kreises. Bezogen auf Bevölkerung, Fläche und relativen Wohlstand unterscheiden sich die Föderationssubjekte mitunter erheblich.

Obwohl alle Föderationssubjekte formal gleichgestellt sind, sind nur die Republiken berechtigt, eine eigene Verfassung zu erlassen. Sie können zudem internationale Verträge unterzeichnen, solange sich diese an die russische Verfassung halten. Besonderheiten der Republiken bestehen zudem in der traditionellen Namensgebung, der Anzahl der Abgeordneten in Regionalparlamenten und spezifischen Gesetzgebungskompetenzen.

Republik Stadt Region
Gebiet Autonomer Kreis Autonome Oblast

Die Oblaste und Kraje sind im Unterschied zu den Republiken keine Staaten. Sie verfügen nur über Statuten anstelle von Verfassungen. An der Spitze der Republiken steht meist ein Präsident. Die übrigen Föderationssubjekte werden von dem Leiter der Administration geführt, dem Gouverneur. Die gesetzgebenden Körperschaften in den Republiken sind sowohl Einkammer- als auch Zweikammersysteme. In den Gebieten besteht die parlamentarische Vertretung nur aus einer Kammer.

Seit 2005 werden die Republikpräsidenten und Gouverneure nicht mehr von der Bevölkerung, sondern vom regionalen Parlament gewählt. Die Kandidaten schlägt der Präsident vor.

Im Jahr 2000 schuf Präsident Putin per Dekret sieben Föderationskreise, welche jeweils mehrere Föderationssubjekte zu einer größeren Einheit zusammenfassen. Ziel dieser Reform war die Stärkung der vertikalen Machtverteilung und eine Verschärfung der Kontrolle über die regionalen Machthaber. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die Volkszählung vom 9. Oktober 2002. Im Jahr 2010 wurde zudem der Föderationskreis Nordkaukasus, durch Ausgliederung aus dem Föderationskreis Südrussland, als achter Föderationskreis geschaffen.

Die Krim bildete nach ihrem (umstrittenen) Beitritt zur Föderation ab dem 21. März 2014 einen eigenen (neunten) Föderationskreis, der per 28. Juli 2016 aufgelöst und dem Föderationskreis Südrussland angeschlossen wurde.

Neben den genannten zwei hierarchischen föderalen Ebenen (1. Föderationskreis, 2. Föderationssubjekt) gibt es noch eine dritte eigenständige Verwaltungsebene, die der kommunalen Selbstverwaltung (Rajon). Deren administrative Leiter werden von der Bevölkerung direkt gewählt. Die Regionen sind gegenüber den kommunalen Selbstverwaltungsorganen administrativ höherstehend und weisungsberechtigt.

Politische Geschichte

Bei seiner Amtseinführung legt Dmitri Medwedew die Hand auf die Verfassung.

Mit dem Untergang der Sowjetunion Ende 1991 kam die Chance für demokratische und liberale Reformen. Diese wurden durch den kommunistisch dominierten Volksdeputiertenkongress blockiert. Präsident Boris Jelzin griff deswegen zu harten und verfassungswidrigen Mitteln und löste den Volksdeputiertenkongress im Herbst 1993 durch den Einsatz des Militärs auf. Es wurde eine Verfassung geschaffen, die den Präsidenten weitgehend der Kontrolle von Volk und Parlament entzog. Die gültige Verfassung der Russischen Föderation wurde am 12. Dezember 1993 durch eine Volksabstimmung angenommen und trat am 25. Dezember 1993 in Kraft. Sie stellt einen Bruch mit der sowjetischen Vergangenheit dar. Im Mittelpunkt steht gemäß der Verfassung der Mensch: Menschenrechte und Freiheitsrechte wie Rede-, die Presse- und die Reisefreiheit sind die höchsten Werte. In der seither umgesetzten Praxis wird wegen der Einschränkung von Grundrechten Russland als Gelenkte Demokratie bezeichnet oder aber mit dem Fachbegriff Autoritarismus umschrieben. Die Kluft zwischen Rhetorik und Handlungen in diesen Sphären ist eklatant.

Die Bilanz der Ära Jelzin war gespalten: Zwar konnten in Russland demokratische und liberale Reformen eingeführt werden. Doch wurden Liberalisierung und Privatisierung in einem derartigen Ausmaß betrieben, dass die Verbraucherpreise in die Höhe schnellten und eine neue Oberschicht von Oligarchen entstand, die aktiv politische Macht ausübten. In der Bevölkerung wurde diese Demokratisierungs- und Liberalisierungsphase jedoch eher als Auflösung einer gesicherten und berechenbaren staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung empfunden. Hinzu kam, dass der mit der Privatisierung verbundene Gang an die Börse von der internationalen Finanzkrise ab 2007 überschattet wurde. Während 2007 neun Aktiengesellschaften an der internationalen Londoner Börse neues Kapital einwerben konnten, gelang 2009 auf dem Höhepunkt der Krise mit RusHydro nur noch einem russischen Unternehmen der Gang an die Börse. Erst ab der Jahrzehntwende stabilisierten sich die politischen Verhältnisse nach und nach, nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Konzentration der Staatsmacht auf einen starken Präsidenten, die allerdings auch zu Lasten von Pluralismus und demokratischen Freiheiten ging.

Politisches System

Ministerpräsident Wladimir Putin spricht vor der Staatsduma (8. Mai 2008)

Russland ist nach der Verfassung vom 12. Dezember 1993 ein „demokratischer föderativer Rechtsstaat mit republikanischer Regierungsform und einem semipräsidentiellen Regierungssystem. So ist das Staatsoberhaupt der Präsident Russlands, der vom Volk für jeweils sechs Jahre direkt gewählt wird. Der Präsident gehört unmittelbar keiner der drei Staatsgewalten an, sichert aber ihr Funktionieren und Zusammenwirken. Die Haupteinwirkungsform des Präsidenten ist das Dekret, mit dem er jeden Sachverhalt mit unmittelbarer Rechtswirkung regeln kann. Der Präsident bestimmt die Hauptrichtungen der Außenpolitik und kann internationale Verträge unterzeichnen. Er ist der Oberste Befehlshaber der Streitkräfte Russlands, ernennt und entlässt das Oberkommando der Streitkräfte.

  • Die Legislative wird durch die Föderationsversammlung ausgeübt, die aus zwei Kammern besteht. Der Föderationsrat ist das Oberhaus und der Vertreter der Föderationssubjekte. Alle von der Staatsduma verabschiedeten Gesetze müssen dem Föderationsrat vorgelegt werden, dem es frei steht, sie innerhalb von zwei Wochen zu behandeln oder nicht, was als Zustimmung gilt. Die Staatsduma ist das Unterhaus und besteht aus 450 Abgeordneten, die für fünf Jahre nach Parteilisten gewählt werden. Um im Parlament Einzug zu halten, muss eine Partei bei der Wahl mindestens 7 Prozent der Stimmen erhalten. Die Hauptaufgabe der Staatsduma ist die Verabschiedung von Gesetzen.
  • Die exekutive Gewalt liegt bei der Regierung der Russischen Föderation, deren Ministerien aber teilweise direkt dem Präsidenten und nicht dem Parlament unterstellt sind. Das bedeutet, dass die Regierungszusammensetzung nicht die politischen Kräfteverhältnisse der Staatsduma widerspiegeln muss. Deshalb ist sie im Allgemeinen keine politische Regierung, sondern ein Technokratenkabinett, das hauptsächlich für Wirtschafts- und Finanzfragen und für Verwaltungsaufgaben zuständig ist. Das Kabinett tagt wöchentlich öffentlich. Der Präsident hat das Recht des Kabinettsvorsitzes, das er aber nicht immer wahrnimmt. Der Ministerpräsident von Russland, auch als Premierminister bezeichnet, wird vom Präsidenten vorgeschlagen und muss von der Duma bestätigt werden. Die Regierung ist nicht an die Legislaturperiode des Parlaments, sondern an die Amtszeit des Präsidenten gebunden, denn bei einem neu gewählten Präsidenten legt die Regierung ihre Vollmachten nieder. Die Staatsduma kann der Regierung mit der Mehrheit aller Abgeordneten das Misstrauen aussprechen oder die Vertrauensfrage der Regierung abschlägig bescheiden. Die Regierung hat die Budgethoheit und gewährleistet eine einheitliche Finanz-, Kredit- und Geldpolitik. Die weiteren Politikfelder sind Kultur-, Wissenschafts-, Bildungs-, Gesundheits-, soziale Sicherheits- und Ökologiepolitik.
  • Die judikative Gewalt bildet das oberste Verfassungsschutzorgan, das Verfassungsgericht der Russischen Föderation, an dem sich staatliche Organe und auch Bürger wenden können (vgl. Rechtsgeschichte Russlands). Häufig wird vom Verfassungsgericht zugunsten des Bürgers entschieden.

De facto stellt das politische System Russlands eine Mischung aus instabilen demokratischen Institutionen und autoritären Praktiken dar. Seit der Jahrtausendwende lässt sich dabei eine deutliche „Ent-Demokratisierung“ dieses Systems und eine Zentralisierung der politischen Macht beim Präsidenten und seiner Verwaltung beobachten. Unter Präsident Putin (2000 bis 2008 und erneut seit 2012) wurde die Macht des Staatsoberhaupts durch die Schaffung einer „Machtvertikale“ ausgebaut: Der Präsident Russlands schlug ab 2005 bis Mai 2012 die Gouverneure vor – die Regionalparlamente konnten diese nur noch bestätigen. Diese von Russland „souveräne Demokratie“ genannte Variante beschnitt politische Rechte der Regionen, die unter Präsident Jelzin ein politisches Gegengewicht aufgebaut hatten. Die Gouverneure wiederum ernannten (seit 2002 anstelle der regionalen Parlamente) die Vertreter für den Föderationsrat und auch lokale Vertreter wie Bürgermeister. Kritische Beobachter sprachen nach der Entmachtung der Regionen auch von einer „Surrogatsföderation“ anstelle einer richtigen Föderation. Durch eine Gesetzesänderung infolge der Proteste im Zuge der Parlamentswahlen im Dezember 2011 folgte die Wiedereinführung von Wahlen der Gouverneure in Russland ab Oktober 2012. „Im Ergebnis entstand“, so Margareta Mommsen, „ein autoritäres System mit der Besonderheit förmlich fortbestehender demokratischer Einrichtungen. Diese gaukeln demokratische Verhältnisse lediglich vor. Nicht zufällig sprechen kritische Beobachter von einer ‚simulierten Demokratie‘.“ So enden polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen dort bzw. werden erst gar nicht begonnen, wo sie einflussreiche Politiker berühren. Im Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist belegt Russland unter den 167 untersuchten Staaten den 124. Rang und wird als „autoritäres Regime“ eingestuft (Stand 2020). 2007 wurde er noch als hybrides System eingestuft. Etwas weniger negativ ist die Einstufung im Transformationsindex der Bertelsmann-Stiftung, wo Russland 2017 (bezogen auf Demokratie) auf Platz 70 von 129 Ländern zwischen der Elfenbeinküste und Guinea liegt.

Politische Willensbildung

Politische Parteien

Seit dem Verzicht der KPdSU auf ihre verfassungsmäßige Führungsrolle 1990 vollzog sich ein Wandel von einem totalitären Einparteienstaat zu einer Mehrparteiendemokratie. Es bildeten sich Hunderte von politischen Gruppierungen, Splittergruppen, Bewegungen und Parteien, die ein breites politisches Spektrum von Monarchisten bis hin zu Kommunisten abdecken. Die russischen Parteien sind eher schwach und verfügten selten über eine stabile Identität.

Seit der Parlamentswahl in Russland 1995 unterstützt die Regierung jeweils eine neue, eigene Hausmacht. Diese administrativen, von oben gegründeten „Parteien der Macht“ (партии власти, Regierungspartei, „Präsidentenwahlverein“) sind lose Ad-hoc-Bündnisse, die sich auf Bürokraten stützen, die dem Präsidenten loyal ergeben sind.

Seit der Jahrtausendwende funktionieren einige wenige Parteien als gesellschaftliche Netzwerke, die spezifische Wählergruppen mobilisieren können. Von 2008 bis 2011 bestanden in Russland nur sieben Parteien. Im Zuge der Demonstrationen zur Parlamentswahl im Dezember 2011 wurde ein neues Parteiengesetz verabschiedet, das die Zulassung neuer Parteien ab einer Mitgliederzahl von 500 Personen vorsieht (bisher 40.000). Nach einer Entscheidung des EGMR zugunsten der regierungskritischen Partei der Volksfreiheit stieg die Zahl der russischen Parteien bis Jahresende 2012 auf 48 an. Gegenwärtig wird die Politik Russlands von einer einzigen Partei, Einiges Russland, dominiert. Einiges Russland entstand 2001 aus den Parteien Einheit (Jedinstwo) und Vaterland – ganz Russland (Otetschestwo – wsja Rossija), die sich wiederum zum Teil aus der untergegangenen Partei Unser Haus Russland rekrutierten (der Partei von Putins Vorgänger Boris Jelzin). Neben dieser großen Partei existieren weitere und Splitterparteien. Zu ihnen zählen die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, die Liberal-Demokratische Partei Russlands und die sozialdemokratische Partei Gerechtes Russland. Daneben gibt es noch außerhalb der Duma die Partei Jabloko, die Patrioten Russlands und Rechte Sache.

Nichtregierungsorganisationen

Bis zum Amtsantritt des neuen Präsidenten Wladimir Putin hatten sich die russischen NGOs weitgehend frei von staatlichen Einflüssen entwickeln können. Wahrscheinlich war ihr Einfluss auf den Staat größer als umgekehrt. Das sollte sich schnell ändern. Putin ging sofort daran, die bis dahin zwar nicht autonom agierenden, aber von unterschiedlichen Machtzentren kontrollierten Bereiche der russischen politischen Öffentlichkeit systematisch der Regierung zu unterwerfen. Er nannte das, die „Machtvertikale stärken“ und eine „Diktatur des Rechts“ aufbauen. Hinter diesem Vorgehen steckt die Überzeugung, dass der russische Staat in den 1990er-Jahren kurz vor dem Zerfall gestanden habe und dass das ursächlich mit der Schwäche der Zentralmacht zusammengehangen habe.

Der erste Versuch, die NGOs einzubinden, war die Initiative zu einer großen Bürgerversammlung 2001 im Kreml. Bei dieser Versammlung wurden ausgewählte Themen diskutiert. Allerdings wurden aus Regierungssicht nicht konstruktive NGOs, die sich nicht einfach unterordnen wollten, ausgeschlossen. Dies sollte eine Art „Burgfrieden“ zwischen NGOs und der russischen Regierung darstellen. Jedoch wurde Anfang 2002, trotz Protesten und Verhandlungen, die steuerliche Gleichsetzung von „kommerziellen“ und „nichtkommerziellen“ Unternehmen verabschiedet. Endgültig brach der „Frieden“, als Michail Chodorkowskij verhaftet wurde. Dieser hatte mit seiner Stiftung „Offenes Russland“ begonnen, in großem Maße Projekte von NGOs zu finanzieren, und war somit die letzte Hoffnung auf langfristige und nachhaltige Finanzierung von NGOs im Inland gewesen. Der zweite Bruch war die „Rosenrevolution“ in Georgien, die als Misserfolg der russischen Politik gewertet wurde und in der Wahrnehmung der russischen Regierung ein Werk der vom Westen finanzierten NGOs war. Dies wurde auch beim Machtwechsel in der Ukraine vermutet. Putin drückte das am 26. Mai 2004 in seiner alljährlichen Ansprache vor beiden Parlamentskammern so aus:

„Es gibt Tausende konstruktiv arbeitende zivilgesellschaftliche Vereinigungen in unserem Land. Aber längst nicht alle orientieren sich daran, die wirklichen Interessen der Menschen zu verteidigen. Für einen Teil dieser Organisationen ist es zu vorrangigen Aufgabe geworden, Finanzierung von einflussreichen ausländischen Stiftungen zu bekommen, für andere, zweifelhafte Gruppen und kommerzielle Interessen zu bedienen. Gleichzeitig interessieren sie die dringendsten Probleme des Landes und seiner Bürger nicht.“

Letztlich blieb das Verhältnis zwischen Regierung und NGOs ambivalent in Putins erster Amtszeit, was aus der Tatsache resultiert, dass marktwirtschaftliche Systeme ein gewisses Maß an Freiheit erfordern. Das Taktieren der Regierung mit den NGOs ist Ausdruck dessen, das man verhindern möchte, dass diese Freiheit ins Politisch-Gesellschaftliche übergreift.

Die zweite Amtszeit war in Bezug auf die NGOs in erster Linie geprägt durch das NGO-Gesetz mit dem der russischen Regierung weitreichende Kontroll- und Sanktionsinstrumente in die Hand gegeben wurde. Die Rosregistracija überwacht nun die Tätigkeiten der NGOs. Sich dagegen zu beschweren, ist in einer hoch korrupten Gesellschaft, wie der russischen, in der Beschwerde- und Berufungsinstanzen insbesondere gegen staatliches Handeln, etwa Gerichte, nur sehr eingeschränkt funktionieren mit hohem administrativen Aufwand verbunden. Die Registrierungsbehörden setzen verstärkt auf Bestimmungen des Arbeitsrechts, Steuerrechts, Arbeitsschutzes oder Brandschutzes um staatliches Vorgehen gegen die NGOs zumindest teilweise zu kaschieren.

Am 23. Mai 2015 unterschrieb Präsident Putin ein Gesetz, dank dem es russischen Behörden ohne Vorwarnung möglich ist, internationale NGOs auf eine schwarze Liste zu setzen. Hohe Strafen drohen jedermann, der mit solchen „unerwünschten Organisationen“ in Kontakt tritt. Das Gesetz schränkt die Arbeit der Medien und der Zivilgesellschaft ein. Als ein Fall der Anwendung dieses Gesetzes wurde der Entzug des Abgeordnetenmandates des Jabloko-Politikers Lew Schlosberg bekannt, der 2014 von den Beisetzungen wohl in der Ukraine gefallener russischer Soldaten berichtet hatte.

Politische Kultur

Menschenrechte

Demonstration in Moskau am 13. Januar 2013

Von internationalen Bürgerrechtsorganisationen und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland werden die Einschränkungen der Pressefreiheit seit dem Jahr 2001 kritisiert. Die staatliche Einflussnahme im Bereich des Fernsehens ist komplett, alle landesweit sendenden TV-Stationen sind entweder direkt in staatlichem Besitz oder unter staatlicher Kontrolle. Im Radiobereich ist die Situation ähnlich. Offiziell gibt es keine Zensur durch die Regierung – durch die Eigentumsverhältnisse ist die Zensur in den Köpfen der Leute. Drei von insgesamt sechs Voten beim Treffen des Menschenrechtsrates des Präsidenten im Oktober 2017 hatten den durch die staatlichen Medien und deren Propaganda geschürten Hass in der Gesellschaft beklagt. Die Tötungsrate in Russland unterlag zwischen 1990 und 2017 ausgeprägten Schwankungen zwischen 30.5 Tötungen (im Jahr 1995) und 9.2 Tötungen (im Jahr 2017), je 100.000 Einwohner. Der Staat schütze die Bürger nicht, klagte 2017 die Nowaja Gaseta sowie die geflüchtete Julija Latynina. Auch ist häusliche Gewalt in Russland ein gesellschaftliches Problem. 40 Prozent aller Gewaltverbrechen in Russland werden in den eigenen vier Wänden, innerhalb der Familie, begangen. Diese Gewalt richtet sich insbesondere gegen Frauen. So sterben dadurch in Russland laut Angaben des Innenministeriums 12.000 bis 14.000 Frauen jährlich.

Wiederholt kommt es zu Anschlägen auf Oppositionelle oder Brandanschläge auf deren Eigentum. Wiederholt kursierten Listen mit Adressangaben von Oppositionellen im Internet. Polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen enden dort bzw. werden erst gar nicht begonnen, wo sie einflussreiche Politiker berühren. Seit 2015 drohen auch jeder Einzelperson, die sich mit einem improvisierten Protestplakat auf die Straße stellt, bis zu fünf Jahre Haft. In Russland saßen im Jahr 2013 geschätzte 600.000 Menschen in „strenger Lagerhaft“, darunter nicht nur nach Meinung der Menschenrechtsorganisation Memorial auch politische Gefangene. Etwa 140.000 Gefangene waren im Frühjahr 2019 in Haft aufgrund des Paragraphen 228.2 zu Drogen, dessen Missbrauchsmöglichkeiten schon länger bekannt waren und der durch den Skandal um den Journalisten Iwan Golunow international bekannt wurde. Im August 2020 ist die Zahl der inhaftierten Sträflinge, Verdächtigen und Angeklagten in russischen Straf- und Untersuchungshaftanstalten laut dem Bundesgefängnisdienst (FSIN) erstmals auf weniger als 500.000 gesunken. Dies ist den Angaben der FSIN zufolge auf den Einsatz alternativer, nicht-inhaftierender Strafen sowie die allgemeine Liberalisierung des Strafvollzugssystems zurückzuführen.

Im Dezember 2015 unterschrieb Putin ein Gesetz, wonach das russische Verfassungsgericht auf Antrag der Regierung Urteile internationaler Gerichte außer Kraft setzen kann, was in erster Linie Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) betreffen könnte. Auch für den Kulturbereich wurde eine „nicht greifbare Zensur“ beschrieben.

Homosexualität in Russland ist weitgehend tabuisiert. Die gesetzlichen Regelungen beinhalten unter anderem ein Verbot „homosexueller Propaganda“, was von Kritikern als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, die Versammlungsfreiheit und Meinungsäußerungsfreiheit gewertet wird.

Unter dem Vorwand der Extremismusbekämpfung werden die Freiheiten religiöser Minderheiten stark eingeschränkt. 2016 wurde es Angehörigen nicht registrierter Religionsgemeinschaften verboten, mit anderen über ihre religiöse Überzeugung zu sprechen. Im März 2017 beantragte das russische Justizministerium ein Verbot der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas und all ihrer Aktivitäten, das im April 2017 umgesetzt wurde.

Auf der Krim hat sich die Menschenrechtslage seit der Besetzung durch Russland erheblich verschlechtert. Laut einem Bericht des UNHCHR kommt es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen und Folter, auch eine außergerichtliche Hinrichtung ist dokumentiert. Am brisantesten ist die Menschenrechtslage seit Jahren im Kaukasus, namentlich in Tschetschenien. Die Überprüfung von Bürgerrechten, z. B. bei Verstößen gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, findet vor dem Obersten Gerichtshof Russlands statt.

Korruption

Hauptartikel: Korruption in Russland
Protest gegen Korruption in Nischni Nowgorod, 2017

Im Corruption Perception Index von Transparency International lag Russland mit 29 von möglichen 100 Punkten im 2017er-Ranking weltweit auf Platz 135 unter 180 Staaten und an letzter Stelle aller europäischen Staaten. Im Jahr 2016 ordnete Präsident Putin persönlich für Kontrollbehörden eine „Kontrollpause“ an. Die angeblichen Sicherheitskontrollen hatten kaum je der Sicherheit gedient, sondern zum größeren Umfang der Bereicherung. Ein Durchbrechen der Korruptionsketten sei auch deshalb kaum möglich, weil saubere Beamten kein Geld nach oben abgeben können und deshalb aus dem Amt gedrängt werden oder Posten für ehrliche Beamte wegen Ablösesummen erst gar nicht zugänglich seien, schreibt Jens Siegert. Die Nähe zur Staatsmacht ermöglicht Geld und Privilegien: Jelena Tschischowa beschreibt denn auch nicht nur die alltägliche Korruption, sondern auch, wie der Umfang mit der Nähe zur Macht im Kreml zunimmt, und nennt die Gemeinsamkeit: „In einem autoritären Land ist «Freund» ein Schlüsselbegriff.“

Finanzpolitik

Währung

Rubel- und Kopekenmünzen

Die russische Währung ist der russische Rubel (Рубль; Kürzel RUB) zu 100 Kopeken (Копейка). Ein Euro entspricht gegenwärtig 86,42 Rubel. Nach starker Inflation in den 1990er-Jahren wurde im Jahr 1998 eine Währungsreform durchgeführt, bei der 1000 alte Rubel (RUR) durch je einen neuen Rubel (RUB) ersetzt wurden. Seitdem war der Rubel bis 2008 gegenüber US-Dollar und Euro im Wesentlichen stabil, die Inflation betrug 2006 8,2 Prozent. Dazu hat bisher vor allem die Wechselkurspolitik der russischen Zentralbank beigetragen. Um eine rasche Aufwertung des Rubels mit einer Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit russischer Produzenten zu verhindern, intervenierte sie am Devisenmarkt. Sie kaufte die Russland mit den hohen Leistungsbilanzüberschüssen zufließenden Devisen gegen Rubel auf. Die umlaufende Rubelgeldmenge stieg stark an. Das Inflationspotential wuchs. Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise verlor der Rubel im zweiten Halbjahr 2008 rund 20 Prozent seines Wertes gegenüber dem Euro. Seit der Annexion der Krim 2014 verlor der Rubel mehr als die Hälfte seines Wertes gegenüber Euro, US-Dollar oder Renminbi.

Neben dem Rubel finden im Alltag auch US-Dollar und Euro Verwendung. Bis zum Januar 2007 wurden Preise auch oft in Verrechnungseinheiten angegeben, die je einem US-Dollar entsprachen. Da die Verwendung von Drittwährung in Russland nicht erlaubt ist, wurde dennoch in Rubel gezahlt. Diese Praxis ist aber seit Januar 2007 verboten. Wegen häufiger Bankeninsolvenzen und Finanzkrisen sind viele Russen dazu übergegangen, ihre Ersparnisse als Bargeld in Euro- und Dollar-Scheinen oder in Immobilien anzulegen.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 236,6 Mrd. Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 186,5 Mrd. Dollar gegenüber. Damit hatte das Land ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,9 Prozent des BIP. Der Abschluss der Duma- und Präsidentenwahl gibt ab Mitte 2012 Anlass zu neuen umfangreichen Modernisierungsausgaben zugunsten der Infrastruktur, Wirtschaft und der Landesverteidigung. Angekündigt ist auch eine weitere Steigerung der Sozialausgaben. Somit werden die Ausgaben tendenziell weiter steigen, was aufgrund einer geringen Verschuldungsquote kein Problem darstellt. Die Staatsverschuldung betrug 2016 17,0 Prozent des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben vom BIP folgender Bereiche:

Außenpolitik

Hauptartikel: Außenpolitik Russlands
Diplomatische Verbindungen zwischen den Staaten der Welt und Russland
  • Russland
  • Staaten mit diplomatischer Vertretung Russlands
  • Staaten ohne diplomatische Vertretung Russlands
  • Außenpolitische Situation

    Dmitri Medwedew und Barack Obama in Honolulu, Hawaii, November 2011
    Wladimir Putin, Hassan Rohani und Recep Tayyip Erdoğan in Sotschi, November 2017

    Nach dem Ende der Sowjetunion ist Russland darum bemüht, seinen Einfluss in der Welt, aber insbesondere in seiner direkten Nachbarschaft zu konsolidieren. Hierbei verfolgt Russland die Idee einer multipolaren Weltordnung, in der Großmächte eigenverantwortlich ihre nationalen Interessen vertreten. Russland ist in eine Anzahl regionaler Konflikte verstrickt, von denen viele kriegerischen Charakter haben und nur teilweise oder noch gar nicht gelöst wurden – darunter die Tschetschenienkriege (1994 bis 2009), die Kriege um Abchasien und Südossetien (Georgienkrieg), der Konflikt in Transnistrien und zuletzt der Krieg in der Ukraine und die Besetzung der Krim.

    Im außenpolitischen Konzept sieht sich Russland als Großmacht, die selbstständig nationale Interessen verfolgt. Der Großmachtanspruch leitet sich in erster Linie aus Russlands imperialem Erbe und zweitens aus seinem bedeutenden Arsenal an Atomwaffen ab. Seinen Einfluss generiert Russland daneben über die militärischen Streitkräfte (derzeit ca. 1.000.000 Soldaten, Militärbasen in verschiedenen ehemaligen Sowjetrepubliken und in Syrien (Marinebasis Tartus)), Rüstungsexporte, die Vollmitgliedschaft mit Vetorecht im UN-Sicherheitsrat und die Stellung als bedeutender Energielieferant. Darüber hinaus bestehen jedoch enorme Schwierigkeiten, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Dies rührt insbesondere aus der ökonomischen Schwäche her. Daneben verfügt es im Gegensatz zur Sowjetunion nicht mehr über ein attraktives Herrschafts- und Kultursystem. Die Möglichkeit, militärische Macht in politischen Einfluss umzuwandeln, ist auf Russlands unmittelbare Umgebung beschränkt. Es fehlt Russland an verlässlichen Verbündeten, wie die Nichtanerkennung Abchasiens und Südossetiens durch die restlichen GUS-Staaten zeigt.

    Die politische Führung in Moskau drängt auf die Prärogative des UN-Sicherheitsrats. Ein Beispiel hierfür ist die Forderung, dass die NATO nur mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrats tätig werden soll. Selbst besteht die Führung Russlands aber auf dem Recht, unilateral handeln zu dürfen, was das Verhalten im Georgienkrieg belegt. Um seinem Ziel näher zu kommen, sieht sich Russland nach Gegenpolen zu den USA um. Besonders Asien gewinnt dabei eine stetig wachsende Bedeutung. Die BRICS werden im außenpolitischen Konzept als strategische Partner betrachtet. Während Russland und Indien traditionell gute Beziehungen pflegen und diese weiter ausgebaut haben, hat sich das russisch-chinesische Verhältnis durch die Lösung alter Spannungen stetig verbessert. Abgesehen vom gemeinsamen Ziel, der weltpolitischen Dominanz des Westens etwas entgegenzusetzen, stehen vor allem Wirtschafts- und Rüstungsprojekte sowie russische Rohstofflieferungen im Vordergrund der Kooperation.

    Russland gewährte 2013 dem US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden eine Aufenthaltserlaubnis.

    Beziehungen

    Mitgliedschaften
    Gruppenfoto vom Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, 2018

    Russland ist ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates, aller UN-Unterorganisationen, der OSZE und des Europarates und zudem Mitglied der EBRD sowie des IWF und der Weltbank. Beim G8-Gipfel im Mai 1998 wurde Russland formal in die damalige Gruppe der Sieben (G7) aufgenommen; diese wurde dadurch zur G8. Im März 2014 schlossen diese sieben Russland wegen des Kriegs in der Ukraine aus der G8 aus.

    Unter Putin gewannen zwei Sicherheitsorganisationen besonderes Gewicht – die Organisation des Vertrages über Kollektive Sicherheit (OVKS) und die Shanghai-Organisation für Zusammenarbeit (SOZ):

    • Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit zielt auf eine engere Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen, wie auch auf eine gemeinsame Verteidigung im Falle eines Angriffes (Artikel 4 des Vertrags) ab. Ursprünglich eine sicherheitspolitische Institution der GUS, wurde die OVKS 2002 zu einer eigenständigen sicherheitspolitischen Organisation mit dem Fokus auf Zentralasien aufgewertet. Mitgliedsländer neben Russland sind: Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan. Auf russische Initiative wurde 2009 im Rahmen der OVKS eine schnelle Eingreiftruppe geschaffen, die in Krisensituationen eingesetzt werden kann.
    • Hauptziel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, zu der auch China gehört, ist die Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und guter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten. Neben dem Ausbalancieren der sicherheitspolitischen Interessen Russlands und Chinas in Zentralasien soll sie auch der Durchsetzung gemeinsamer Sicherheitsinteressen in der Region dienen. Ursprüngliches Ziel Russlands und Chinas war es, durch sicherheitspolitische Kooperation die USA aus der Region herauszuhalten.
    Beziehung zum "Nahen Ausland"
    Treffen der GUS-Staatsoberhäupter 2008 in Bischkek

    Die Auflösung der Sowjetunion stellte Russland zunächst vor die Aufgabe, das Verhältnis zu den aus Russlands Sicht oft als „Nahes Ausland“ (ближнее зарубежье) bezeichneten Nachfolgerepubliken neu zu gestalten. Die aus der Sowjetzeit geerbten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Republiken erforderten eine neue rechtliche Form der Kooperation und der Integration. Zugleich waren für Russland zahlreiche Objekte von strategischem Interesse, die nun außerhalb der Russischen Föderation lagen. Hierzu zählten u. a. der Weltraumbahnhof Baikonur, militärstrategische Einrichtungen in Aserbaidschan und Weißrussland sowie der Flottenstützpunkt der Schwarzmeerflotte in Sewastopol.

    Zur Nachfolgeorganisation der Sowjetunion wurde die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der zunächst 12 der 15 ehemaligen Sowjetrepubliken beitraten. Dieser eher lockere Staatenbund hat jedoch bis zur heutigen Zeit seine Bedeutung weitgehend eingebüßt. Mit Weißrussland hat sich Russland in der Russisch-Weißrussischen Union zusammengeschlossen, auf die sich Boris Jelzin mit Aljaksandr Lukaschenka (weißrussischer Staatspräsident seit 1994) verständigte. Nach Einschätzung von Politologen hing ihre Entwicklung jedoch stark mit persönlichen Ambitionen Lukaschenkas zusammen, der Nachfolger Jelzins in einem künftigen Unionsstaat zu werden. Als nach Jelzin 1999 Wladimir Putin russischer Präsident wurde, kühlte sich das Verhältnis zu Weißrussland ab, dem Putin einen Beitritt zur Russischen Föderation vorschlug. Bis 2011 verlief die weitere Integration sehr schleppend, viele Projekte wie die gemeinsame Währung wurden nicht umgesetzt. Die Beziehungen waren vielmehr von Energiekonflikten überschattet. 2011 trat Weißrussland jedoch der gemeinsamen Zollunion mit Russland und Kasachstan bei, die bereits seit 2000 im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft in Planung war. Zu den weiteren Zielen dieser Gemeinschaft zählt ein gemeinsamer Wirtschaftsraum und die Schaffung einer politischen Union, die für weitere Staaten des postsowjetischen Raumes offensteht.

    Beziehungen zur Ukraine
    Putin und der ukrainische Ministerpräsident Mykola Asarow, 11. April 2011

    Ein ambivalentes Verhältnis hat Russland mit der Ukraine. Trotz enger historischer und kultureller Verbindungen und einer fortbestehenden wechselseitigen Abhängigkeit, vor allem in den Energiefragen, haben geschichtsbezogene Meinungsverschiedenheiten (vgl. Holodomor) sowie der erklärte Westkurs der Ukraine das Verhältnis schwer belastet. Vor allem westlich orientierte Regierungen der Ukraine wurden von Russland wiederholt unter Druck gesetzt, so zum Beispiel nach der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2004, als es zum Russisch-ukrainischen Gasstreit kam. Nach der Abwahl des russlandfreundlichen Politikers Wiktor Janukowytsch und dem Euromaidan, bei dem sich die Demonstranten für eine Westorientierung der Ukraine aussprachen, kam es zur Annexion der Krim durch Russland und zum Krieg in der Ukraine seit 2014, wobei sogenannte Separatisten für eine Autonomie des Donbass kämpften. Diese wurden durch Russland personell und militärisch unterstützt. Bereits im Jahr 2009 war in ukrainischen Medien offen über die Möglichkeit eines militärischen Angriffs durch Russland diskutiert worden.

    In diesem Konflikt kam es auch zum Abschuss des Fluges MH17.

    Beziehung zur Europäischen Union

    Als Antwort auf die Annexion der Krim 2014 wurden von der Europäischen Union Sanktionen gegen Russland ergriffen. Dabei geht es vorwiegend um bestimmte Ausrüstungen für die russische Öl- und Gasindustrie, zudem wird verschiedenen russischen Finanzinstituten der Zugang zum Finanzmarkt erschwert. Der Beschluss dieser Sanktionen erfolgt jeweils befristet für ein halbes Jahr (letztmals bis Januar 2019) und bedarf der Einstimmigkeit des Rates der Europäischen Union.

    Deutsch-russische Beziehungen
    Zeugnis deutsch-russischer Beziehungen: das rekonstruierte Bernsteinzimmer. Im Jahr 1716 wurde das Original vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen verschenkt und verschwand 1945.
    „Die Entstehungsgeschichte deutscher und russischer Humanität, ist nicht auch sie dieselbe, eine Leidensgeschichte nämlich?
    Welche Verwandtschaft in dem Verhältnis der beiden nationalen Seelen zu Europa, zum Westen, zur Zivilisation, zur Politik, zur Demokratie!“

    von Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen (1917).
    Medwedew und Merkel beim Petersburger Dialog 2008

    Deutsche waren die ersten „westlichen“ Europäer, mit denen Russland intensiver in Kontakt kam. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts bestand der Peterhof in Nowgorod als Handelsniederlassung der Hanse. Zu militärischen Auseinandersetzungen kam es seit dem 12. Jahrhundert mit dem Schwertbrüderorden in Livland. Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen waren besonders eng unter Peter dem Großen. Russische Deutsche haben einen großen Beitrag zur Entwicklung der russischen Kultur geleistet, beispielsweise Kaiserin Katharina II., Admiral Adam Johann von Krusenstern, der Militäringenieur Graf Eduard Iwanowitsch Totleben, der Musiker Swjatoslaw Teofilowitsch Richter und viele andere. Der historische Beitrag Deutschlands wird daher bis heute in Russland anerkannt und geschätzt. Auch politisch blickten Deutschland und Russland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf lange Bündnistraditionen zurück. Insbesondere das Königreich Preußen lehnte sich seit dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 bis zur Deutschen Reichsgründung von 1871 eng an das russische Zarenreich an, da es zweimal in seiner Geschichte letztlich durch Russland vor der fast völligen Vernichtung bewahrt worden war – 1762 durch den Seitenwechsel Zar Peters III. im Siebenjährigen Krieg und 1807 durch die Fürsprache Zar Alexanders I. bei Napoleon im Frieden von Tilsit. Während der Befreiungskriege kämpften Russen und Deutsche gemeinsam gegen die französische Fremdherrschaft. So waren russische Soldaten maßgeblich an der Befreiung Deutschlands beteiligt. Die „Allianz der drei Schwarzen Adler“ – Russland, Österreich und Preußen –, die bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestanden hatte, setzte sich in der Folge nach dem Wiener Kongress als Heilige Allianz fort. Die schweren kriegerischen Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert haben bis heute Nachwirkungen. Die rechtliche Grundlage der Beziehungen des wiedervereinigten Deutschlands und der Russischen Föderation bilden der Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland vom 12. September 1990, der Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit vom 9. November 1990 sowie die Gemeinsame Erklärung des Präsidenten der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland vom 21. November 1991. Im Zeichen der friedlichen deutschen Wiedervereinigung war die deutsche Seite einerseits dankbar für die problemlose Abwicklung der Folgeauswirkungen, andererseits fühlte sich Deutschland als Impulsgeber und Motor für eine stärkere Integration Russlands in europäische Strukturen und warb für Kredite und Investitionen in Russland. Ab der Kanzlerschaft Gerhard Schröders und dem Wirtschaftsaufschwung in Russland unter Wladimir Putin intensivierten sich die deutsch-russischen Beziehungen insbesondere im Bereich der Wirtschaft, aber auch beim politischen Dialog. Ab 1998 fanden jährlich bilaterale Regierungskonsultationen auf höchster Ebene unter Beteiligung beider Regierungen statt.

    Es gab in Russland zwischenzeitlich mehr als 6000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung, einschließlich mehr als 1350 russisch-deutscher Joint Ventures.

    Zwischen Deutschland und Russland entwickelte sich ein enger kultureller und bildungspolitischer Austausch. 2003 wurde ein Regierungsabkommen zur Förderung des gegenseitigen Erlernens der Partnersprache abgeschlossen. Rund 12.000 junge russische Staatsbürger studierten an deutschen Hochschulen. Im April 2005 wurde eine gemeinsame Erklärung für eine strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Bildung, Forschung und Innovation unterzeichnet. Ab 2006 gab es Koordinierungsbüros in Hamburg und Moskau für den bilateralen Schüler- und Jugendaustausch. Das Goethe-Institut ist an vielen Orten in Russland präsent, in Moskau, St. Petersburg und seit Frühjahr 2009 in Nowosibirsk. Daneben sind zahlreiche weitere deutsche Kulturmittler in Russland vertreten.

    Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier stellte 2014 klar, dass eine im Jahre 2008 vorgeschlagene Modernisierungspartnerschaft aufgrund der formulierten Voraussetzungen von der russischen Seite ausgeschlagen worden war.

    Obwohl die Tendenz stieg, hatten 2011 trotz starker Wirtschaftsbeziehungen und eines bedeutenden Austausches zwischen den Zivilgesellschaften nur ein Drittel der Deutschen Russland als Partnerland vertraut. Dies lässt sich auf die Rolle der Medien zurückführen, die einen entscheidenden Einfluss bei der Wahrnehmung Russlands haben (vgl. Russlandberichterstattung in Deutschland). Bis zum Amtsantritt Wladimir Putins herrschte in den deutschen Medien das Bild eines „armen“ und „unberechenbaren“ Russlands vor. Durch die wirtschaftliche Stabilisierung nach der Jahrtausendwende und hohe Einkommen aus den Ölvorkommen verschwand dieses Bild allmählich. An seine Stelle rückte die Angst vor Putins Energie-Imperium und der Abhängigkeit von ihm. Die Berichterstattung der politischen Situation in Russland wurde durch die Stagnation der Medien und deren Personalabbau zuweilen als zu wenig differenziert wahrgenommen; Präsident Medwedew galt den Einen als „liberal“, den anderen als Präsident eines Landes, welchem ein Umsturz bevorstand.

    Die Abkühlung der russisch-deutschen Beziehungen begann schon im Herbst 2012, als der Bundestag eine Resolution mit Kritik an Russlands Innenpolitik verabschiedete. Die Putin-Regierung betreibt seit Mai 2012 eine „nationalpatriotische und gegen westliche Einflüsse gerichtete Politik“.

    Im Februar 2014 kritisierte Russland die deutsche Rolle beim Euromaidan in der Ukraine. Im Verlauf der Ukraine- und Krimkrise zeigte sich, dass russische Geheimdienste zunehmend versuchen, mittels gezielter Infiltration sozialer Netzwerke wie Facebook sowie der Kommentarbereiche westlicher, auch deutscher Onlinemedien (betroffen sind etwa die Deutsche Welle und die Süddeutsche Zeitung), die öffentliche Meinung im Ausland zu Gunsten Russlands zu manipulieren. Wie die Süddeutsche berichtet, sind zu diesem Zweck hunderte bezahlte Manipulatoren im Einsatz.

    Unmittelbar nach der Annexion der Krim 2014 wurden in der Europäischen Union Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Als Folge brach der deutsch-russische Handel binnen Monaten um rund ein Drittel ein. Im Sommer 2017 wurden die Sanktionen wiederum verschärft.

    Im Februar 2020 warf der deutsche Außenminister Heiko Maas der russischen Regierung angesichts des russischen Militäreinsatzes im Rahmen des syrischen Bürgerkriegs vor, das humanitäre Völkerrecht gebrochen und Kriegsverbrechen im Gouvernement Idlib begangen zu haben.

    Rolle im Syrischen Bürgerkrieg

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    Baschar al-Assad mit Gattin Asma in Moskau

    Der Syrienkonflikt ist einer der wenigen internationalen Konflikte, in denen die russische Regierung eine zentrale Rolle spielt. Dabei brachte ihre Verweigerungshaltung gegenüber jeglichen Versuchen, im Rahmen des UN-Sicherheitsrats internationalen Druck auf die Regierung Assad auszuüben, der russischen Regierung scharfe Kritik westlicher und regionaler Akteure ein und beschädigte das Ansehen Russlands in der arabischen Welt. Russland nahm von Anfang an die klare Haltung ein, dass die Kämpfe zwischen Regierung und Opposition nur innersyrisch zu lösen sei. Dies sei erstens durch ergebnisoffene Verhandlungen zwischen beiden Seiten zu erreichen und sollte zweitens ohne externe Einmischung geschehen, sei es durch Waffenlieferung an die Rebellen oder durch militärische Intervention. Dementsprechend blockierte Russland nicht nur Resolutionsentwürfe im UN-Sicherheitsrat, die Sanktionen vorgesehen hätten (Oktober 2011, Juli 2012), sondern auch solche, die lediglich die Gewaltanwendung durch die syrische Regierung verurteilt hätten, ohne dass zugleich die Regimegegner ebenfalls verurteilt und zum Gewaltverzicht aufgerufen würden (Februar 2012).

    Die Führung Russlands gibt vor, damit eine neutrale Haltung einzunehmen. Mehrmals betonten Präsident Putin, Außenminister Lawrow und Ministerpräsident Medwedew, dass ihr Land – im Gegensatz zu den westlichen Staaten oder den Golfmonarchien – nicht einseitig Partei ergreife.

    Jedoch unterstützt die russische Regierung die Regierung Assads auf vielfältige Weise. Erstens stützt man auf internationaler Bühne die Legitimationsstrategie der syrischen Führung. Durch eine Darstellung der Opposition primär als einer Gruppe von „Fanatikern“, Islamisten oder Terroristen wird die Schuld am Gewaltausbruch implizit ihr zugewiesen. Zweitens liefert Russland weiterhin Waffen an die syrische Regierung, darunter Luftabwehrsysteme (Buk-M2 [Nato-Code: SA-17 Grizzly] und Panzir-S1 [Nato-Code: SA-22 Greyhound]) und Helikopter. Russland verweist darauf, dass die Exporte nach internationalem Recht zulässig seien. Schließlich hat der UN-Sicherheitsrat – aufgrund russischer und chinesischer Weigerung – bislang kein Waffenembargo verhängen können. Als verlässlicher Exporteur – so die russische Rechtfertigung – sei die russische Regierung daher verpflichtet, bestehende Verträge zu erfüllen. „Neue Lieferungen“ seien aber suspendiert worden, erklärte Wjatscheslaw Dsirkaln vom Föderalen Dienst für Militärtechnische Zusammenarbeit im Juli 2012. Drittens hilft die russische Regierung der Regierung Assad auch, indem sie Banknoten für die syrische Regierung druckt.

    Die Motive der russischen Syrienpolitik gehen über materielle Interessen hinaus. Sie betreffen grundlegende Fragen der internationalen Ordnung und regionalen Machtbalance, aber auch konkrete sicherheitspolitische Risiken für Russland selbst. Der „arabische Frühling“ warf für die internationale Gemeinschaft erneut die Frage auf, wie mit dem Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Souveränität und Schutzverantwortung („responsibility to protect“ – „R2P“) umzugehen ist. Es geht um konträre Ansichten zur Ausgestaltung der internationalen Ordnung und den Anspruch Russlands, diese mitzubestimmen. Die russische Regierung lehnt die „R2P“ nicht prinzipiell ab, will es aber an enge Grenzen gebunden wissen, ohne das Ziel eines „Regime Change“ von außen. Dahinter steht eine traditionelle Interpretation staatlicher Souveränität. Diese hat auch eine innenpolitische Begründung. Schließlich stellt eine Aufweichung des Nichteinmischungsgebots für die autoritäre Führung in Moskau auch aus Gründen des eigenen Machterhalts ein Gefahrenszenario dar.

    Nach den Giftgas-Angriffen von Ghuta und der Drohung der US-amerikanischen Regierung mit einem Militärschlag gelang es Russland, zwischen der US-amerikanischen und der syrischen Regierung zu vermitteln. Am 14. September 2013 wurde vereinbart, dass die syrische Regierung zunächst binnen einer Woche das gesamte Giftgasarsenal offenlegen und den UN-Inspektoren uneingeschränkten Zugang zu den Lagerstätten gewähren muss. Mitte November sollen die UN-Inspekteure die Arbeit aufnehmen. Die Chemiewaffen sollen außerhalb von Syrien vernichtet werden. Am 16. September sprach sich Russland erneut gegen eine UN-Resolution aus, die eine Drohung im Falle einer Nicht-Erfüllung der Vereinbarung gegen die syrische Regierung vorsah.

    Humanitäre Hilfe leistet Russland in dem Konflikt hingegen kaum, so stellte die Regierung im Jahr 2015 für das UN-Hilfsprogramm zur Versorgung der rund 4 Millionen Syrer, die vor dem Krieg in die Nachbarländer geflohen sind, bislang einen Betrag von 300.000 US-Dollar zur Verfügung, was 0,02 % der für die Hilfsmaßnahmen veranschlagten Gesamtkosten deckt. In Russland selbst halten sich Schätzungen zufolge zwischen 8000 und 12.000 syrische Flüchtlinge auf, viele davon illegal. Im Jahr 2015 wurde kein einziger Syrer in Russland offiziell als Flüchtling anerkannt, 482 Asylsuchende wurden geduldet.

    Durch den russischen Militäreinsatz sind bis Ende September 2019 laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte etwa 19.000 Menschen (davon ca. 8300 Zivilisten) ums Leben gekommen. Insbesondere im Gouvernement Idlib sind durch die Offensiven der russischen und syrischen Streitkräfte hunderttausende Menschen zur Flucht genötigt worden. Auch hinterließ die Offensive einen immensen Schaden der lokalen Infrastruktur. So sind laut einem Bericht von Amnesty International zwischen Mai 2019 und Februar 2020 mindestens 18 Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen in Syrien durch die russischen und syrischen Streitkräfte verübt worden. In der Folge haben fünf Kliniken darum schließen müssen. Im Juli 2020 blockierte die russische Regierung mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat den Fortbestand eines Großteils der UN-Hilfslieferungen von medizinischen Gütern und Nahrungsmitteln nach Syrien, sodass das UN-Hilfsprogramm für Syrien nur noch eingeschränkt fortgesetzt wurde.

    Verteidigungspolitik

    Militärdoktrin

    Mit der Unterschrift Präsident Putins trat am 31. Dezember 2015 Ukas 683 und damit eine neue Militärdoktrin in Kraft, welche erstmals die USA sowie deren Alliierte, die NATO und die EU als Bedrohung für Russland und seine Nachbarn benannte. Im März 2018 widmete Präsident Putin ein Drittel seiner Rede an die Nation der Präsentation angeblich unbesiegbarer Nuklearwaffen.

    Militär

    Hauptartikel: Russische Streitkräfte
    Das Typschiff der Stereguschtschi-Klasse, 2009
    Ka-52 „Alligator“ der russischen Luftstreitkräfte WWS

    Der russische Staat besitzt den 1949 noch als Sowjetunion erlangten Status einer Atommacht und verfügt mit 6500 Stück über das weltweit größte Arsenal an nuklearen Sprengköpfen, vor den Vereinigten Staaten mit 6185 (Stand: 2019).

    In Russland gilt eine allgemeine Wehrpflicht für wehrfähige Männer ab 18 bis maximal 27 Jahren. 2007 wurde sie von 24 auf 18, 2008 dann auf 12 Monate verkürzt. Da die wehrpflichtigen Soldaten früher auch in Krisengebieten wie Tschetschenien eingesetzt wurden und es im Rahmen der Dedowschtschina nicht selten zu Misshandlungen von jungen Rekruten durch Vorgesetzte kommt, gibt es in der Bevölkerung, besonders durch die Mütter Wehrpflichtiger, immer wieder Kritik an der Wehrpflicht.

    Die Stärke der Streitkräfte betrug 2001 1.183.000 Mann, davon 321.000 Landstreitkräfte, 171.500 Marine, 184.600 Luftstreitkräfte und 149.600 Atomstreitkräfte. 40.000 dienen in Staaten der GUS als Friedenstruppen und 316.900 werden als „sonstige Militärs“ geführt.

    Im Jahr 2018 gab Russland 61,4 Mrd. Dollar für sein Militär aus. Es liegt damit im internationalen Vergleich hinter den Vereinigten Staaten mit 649 Mrd. Dollar, der Volksrepublik China mit 250 Mrd. Dollar, Saudi-Arabien mit 67,6 Mrd. Dollar, Indien mit 66,5 Mrd. Dollar und Frankreich mit 63,8 Mrd. Dollar auf Platz 6, gefolgt vom Vereinigten Königreich und Deutschland. Die schon ab 2000 massiv gestiegenen Rüstungsausgaben Russlands hatten sich noch von 2004 bis 2014 verdoppelt und sollen ab 2014 rund ein Fünftel der gesamten Staatsausgaben betragen. Für 2016 wurde gar mit einem Anteil von beinahe 25 Prozent an den Staatsausgaben gerechnet unter Annahme eines späteren Sinkens. Mittels einer grundlegenden Reform wird versucht, die russische Armee den Erfordernissen einer modernen Kriegführung und den finanziellen Möglichkeiten des Landes anzupassen. Elemente dieser Militärreform waren: Vorrang der konventionellen vor der nuklearstrategischen Rüstung, personelle Verkleinerung der Armee auf 835.000 Soldaten, schrittweiser Übergang zur Berufsarmee, Vereinfachung der Kommandostrukturen sowie Erhöhung des Verteidigungsbudgets, das je zur Hälfte für den Unterhalt der Streitkräfte und für Forschung, Entwicklung, Unterstützung der Rüstungsindustrie sowie Beschaffung neuer Waffen ausgegeben werden soll. Vorgesehen war, für die Modernisierung der Armee und die Instandsetzung von Waffen und Militärtechnik bis 2020[veraltet] insgesamt ungefähr 400 Mrd. Euro bereitzustellen. Im Jahr 2015 wurden neue Raketen für die Nuklearstreitkräfte angekündigt. Die „stationierten“ Atomsprengköpfe stiegen von 1400 im Jahr 2013 auf 1796 im Jahr 2016. Paradoxerweise ist die Zahl der stationierten Sprengköpfe damit aufgrund neu eingeflotteter U-Boote größer als beim Inkrafttreten des New-START-Abkommens im Jahr 2011 (jedoch absehbar wieder sinkend).

    Spezialeinheiten

    Folgende Teile scheinen seit 2016 nicht mehr aktuell zu sein: Struktur Inlandstruppen; OMON nicht mehr Teil des MWD u. a.; Nationalgarde, …
    Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

    Es gibt in Russland eine Reihe von Spezialeinheiten (SpezNas), welche dem Innenministerium (MWD) unterstellt sind. Die Streitkräfte des MWD umfassten im Jahre 2007 insgesamt 170.000 Mann. Ihr Oberbefehlshaber, ein Armeegeneral, ist gleichzeitig Stellvertreter des Innenministers. Die Inneren Truppen gliederten sich 2007 in fünf Divisionen (ODON), zehn Brigaden (OBRON) und eine Anzahl selbständiger Einheiten. Sie sind mit Schützenpanzern und eigener Artillerie ausgerüstet. Dem MWD unterstehen mit der Polizija (полиция) außerdem die regulären Polizeikräfte, welche bis März 2011 als Miliz bezeichnet wurden. Diese sind z. B. für die Aufsicht über die Staatsstraßen zuständig. Daneben gibt es die rund 20.000 Mann der Polizei-Spezialeinheit OMON (ОМОН), die für Notfälle, Großlagen und den Schutz des Nukleararsenals zuständig sind. Dem MWD untersteht schließlich auch der russische Inlandsgeheimdienst, FSB. Dem Föderalen Sicherheitsdienst FSB wurden unter Präsident Putin die von Jelzin geschaffenen selbstständigen Sicherheitsdienste – die Grenztruppen Russlands – untergeordnet, die etwa 160.000 Mann ausmachen.

    Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftsgeschichte

    Allgemeines

    Ausgewählte Kennzahlen der russischen Volkswirtschaft
    Jahr BIP
    (in Mrd. USD KKB)
    BIP pro Kopf
    (in US-Dollar KKB)
    BIP Wachstum
    (real)
    Inflationsrate
    (in Prozent)
    Arbeitslosenquote
    (in Prozent)
    Staatsverschuldung
    (in % des BIP)
    Haushaltsbilanz
    (in % des BIP)
    Handelsbilanz
    (in % des BIP)
    1992 1.703,0 11.482 k. A. k. A. 5,2 % k. A. k. A. −1,3 %
    1993 1.591,9 10.724 −8,7 % 874,6 % 5,9 % k. A. k. A. 1,3 %
    1994 1.419,3 9.563 −12,7 % 307,6 % 8,1 % k. A. k. A. 2,6 %
    1995 1.389,5 9.370 −4,1 % 197,5 % 9,4 % k. A. k. A. 2,1 %
    1996 1.363,8 9.210 −3,6 % 47,7 % 9,7 % k. A. k. A. 2,6 %
    1997 1.406,3 9.517 1,4 % 14,8 % 11,8 % k. A. k. A. 0,0 %
    1998 1.345,6 9.130 −5,3 % 27,7 % 13,3 % k. A. −7,4 % 0,1 %
    1999 1.452,9 9.889 6,4 % 85,7 % 13,0 % 92,1 % −3,6 % 12,6 %
    2000 1.635,3 11.170 10,0 % 20,8 % 10,6 % 55,7 % 3,1 % 16,3 %
    2001 1,757.7 12,054 5,1 % 21,5 % 9,0 % 44,3 % 3,0 % 9,7 %
    2002 1.869,3 12.875 4,7 % 15,8 % 8,0 % 37,5 % 0,7 % 7,4 %
    2003 2,046.7 14,156 7,3 % 13,7 % 8,2 % 28,3 % 1,3 % 7,2 %
    2004 2,253.9 15,647 7,2 % 10,9 % 7,7 % 20,8 % 4,6 % 9,2 %
    2005 2.474,8 17.232 6,4 % 12,7 % 7,2 % 14,8 % 7,6 % 10,3 %
    2006 2.758,8 19.249 8,2 % 9,7 % 7,1 % 14,8 % 7,8 % 8,7 %
    2007 3.073,9 21.473 8,5 % 9,0 % 6,0 % 8,0 % 5,6 % 5,2 %
    2008 3,298.7 23,054 5,2 % 14,1 % 6,2 % 7,4 % 4,5 % 5,8 %
    2009 3.063,8 21.411 −7,8 % 11,7 % 8,2 % 9,9 % −5,9 % 3,8 %
    2010 3.240,9 22.639 4,5 % 6,9 % 7,4 % 10,6 % −3,2 % 4,1 %
    2011 3.475,4 24.259 5,0 % 8,4 % 6,5 % 10,8 % 1,4 % 4,7 %
    2012 3.670,4 25.592 3,7 % 5,1 % 5,5 % 11,5 % 0,4 % 3,2 %
    2013 3.796,8 26.440 1,8 % 6,8 % 5,5 % 12,7 % −1,2 % 1,5 %
    2014 3.892,0 27.072 0,7 % 7,8 % 5,2 % 15,6 % −1,1 % 2,8 %
    2015 3.835,8 26.658 −2,5 % 15,5 % 5,6 % 15,9 % −3,4 % 4,9 %
    2016 3.877,0 26.930 −0,2 % 7,1 % 5,5 % 15,7 % −3,6 % 1,9 %
    2017 4.007,8 27.834 1,5 % 3,7 % 5,2 % 17,4 % −1,5 % 2,2 %
    Russisches BIP/Kopf nach Regionen (2006):
  • > 400.000 Rubel
  • 150.000 bis 400.000 Rubel
  • 100.000 bis 150.000 Rubel
  • 50.000 bis 100.000 Rubel
  • < 50.000 Rubel
  • Russland ist ein entwickeltes Industrie- und Agrarland. Das Land ist zudem Gründungsmitglied der seit dem 1. Januar 2015 existierenden Eurasischen Wirtschaftsunion. Die führenden Industriebranchen sind Maschinenbau sowie die Eisen- und Nichteisenmetallverarbeitung. Gut entwickelt sind auch die chemische und petrolchemische Industrie sowie die Holz-, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie.

    Das russische Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2015 ca. 1.192 Mrd. EUR. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 8.137 Euro. Der Dienstleistungssektor steuert 62,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf den industriellen Sekundärsektor entfallen rund 32,7 Prozent, auf den Agrarsektor (Bauwirtschaft und Landwirtschaft) 4,7 Prozent. Die Weltbank schätzte, dass rund ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Produktion von der Rohstoffproduktion gestellt wird.

    Laut einer Studie der Bank Credit Suisse beträgt der durchschnittliche Vermögensbesitz je erwachsene Person in Russland 16.773 US-Dollar. Im Median liegt er jedoch bei nur 3.919 US-Dollar (Weltdurchschnitt: 3.582 US-Dollar), was auf eine hohe Vermögensungleichheit hindeutet. Mehr als 70 % der russischen Bevölkerung besitzen weniger als 10.000 US-Dollar an Vermögen. Russland belegte Platz 19 in der Rangliste der Länder nach totalem Privatvermögen, einen Platz vor Indonesien und einen hinter Schweden. Russland war 2017 das Land mit der fünfthöchsten Anzahl an Milliardären (insgesamt 96). Die sogenannten Oligarchen im Land sind teilweise zum Symbol für korrupte Strukturen und Ungleichheit geworden.

    Die Gesamtzahl der Beschäftigten beträgt 73,5 Millionen (2006). 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten 2005 in der Industrie. In der Landwirtschaft waren 10 Prozent, im Dienstleistungsbereich 22 Prozent und im öffentlichen Sektor nochmals 22 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Im Jahr 2013 sagte die russische Vize-Ministerpräsidentin Olga Golodez, nur 48 Millionen (statt 86 Millionen) Arbeitsfähige seien für die Regierung sichtbar, je nach Schätzung macht die Schattenwirtschaft die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Kleine und mittlere Betriebe leisteten ein Fünftel, wohingegen die staatlichen Konzerne 70 Prozent beitrugen. Auch aufgrund der minimalen Renten weiterhin arbeitstätige Rentner gehörten zum Heer der selbständig erwerbenden Kleinverdiener, welche ihr Einkommen kaum je deklarierten: Die Steuermoral lag angesichts der bekannten korrupten Ausschweifungen der Politiker darnieder.

    Nach Jahren des Aufschwungs steckte die russische Wirtschaft um die Jahre 2015/16 in der Rezession. Nachdem das russische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2014 noch um 0,6 % gewachsen war, schrumpfte die russische Wirtschaft 2015 um 3,7 %. Für das Jahr 2016 wurde offiziell ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 % vermeldet. Als Hauptgründe für die Rezession wurden zumeist der sehr niedrige Ölpreis, der Verfall des Rubels sowie die westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise genannt. Allerdings werden der russischen Wirtschaft auch grundsätzliche strukturelle Probleme bescheinigt. Des Weiteren hatte Russland mit erhöhten Inflationsraten im Falle des Jahres 2015 von bis zu 15 Prozent zu kämpfen. Die Inflation fiel 2018 wieder auf um drei Prozent. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Russland Platz 38 von 137 Ländern (Stand 2017/18). Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 114 von 180 Ländern.

    Nach der Transformationskrise

    Die jüngste Entwicklung des BIP pro Kopf Russlands (Kaufkraftparität)

    Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Russlands nach der Auflösung der Sowjetunion war zunächst von einem drastischen Einbruch der Produktion geprägt. Dazu trug der Wegfall eingespielter Handelsbeziehungen im Verbund der Sowjetunion bei. Der Übergang von der Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung war schwierig und gelang nur in Teilbereichen. Insgesamt verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt um gut 40 Prozent. Kurz nach Beginn der Asienkrise begann im Herbst 1997 die Russlandkrise. Am 17. August 1998 erklärte Russland den Staatsbankrott und musste die Dollarbindung des Rubel aufgeben. Die „Politik des Minimalstaates“ unter Jelzin führte dazu, dass die föderale Regierung nicht imstande war, Steuern einzutreiben und für Rechtssicherheit zu sorgen. Dies änderte sich unter der Präsidentschaft von Wladimir Putin ab dem Jahr 2000. Um die politische Kontrolle im Staat wieder zu erlangen, stärkte er den Staatsapparat auf Kosten des Einflusses der Oligarchen.

    Putin führte in Russland bis 2008 eine staatlich geführte korporatistische Wirtschaft. Im Jahr 2007 führte er per Gesetz sechs Institutionen zur Bündelung von Staatsaktivitäten in strategisch wichtigen Bereichen ein, unter alleiniger Führung des Präsidenten. Darunter fallen die Nukleartechnik bei Rosatom, die Bank für Außenwirtschaft VEB, der Reformfonds für Immobilien, Rusnano oder das Rüstungsgüter-Konglomerat Rostec, dazu Olimpstroi, die 2014 aufgelöste Staatsgesellschaft für Bauten der Olympischen Spiele in Sotschi 2014. Die VEB war aus der Außenhandelsbank der UdSSR hervorgegangen. An diesen durch Gesetz geschaffenen Staatskonglomeraten kritisierte unter anderem Ministerpräsident Medwedew die Verwendung von Staatseigentum oder Staatsmitteln zur Gründung, was zu einer versteckten Privatisierung führe. Bei einer Prüfung der Korporationen im Jahr 2009 durch Medwedew wurden Missbrauch und Ineffizienz festgestellt. Präsident Medwedew nannte in seiner Rede an die Nation im November 2009 die Organisationsform der Korporationen „ohne Perspektive“. Wenige Tage später erwiderte Ministerpräsident Putin, Staatskorporationen seien schlicht eine Notwendigkeit, und betonte, dass darüber in der Staatsführung Einigkeit herrsche.

    In den ersten vier Jahren von Putins Präsidentschaft folgte die Einführung einer Flatrate bei der Einkommensteuer (vgl. Steuerrecht (Russland)), der vollen Konvertibilität des Rubels und eines Drei-Jahres-Budgets (dies bis zu den Finanzproblemen im Jahr 2015). Um von den Einnahmen des Energiesektors zu profitieren, wurden private Unternehmen aus diesem Bereich zurückgedrängt. Auch außerhalb des Energiesektors baute der Staat seinen Einfluss aus. Die Regierung förderte die Bildung staatlicher Großkonzerne, die strategische Branchen dominieren sollen. So wurden beispielsweise private Unternehmen für Maschinen- und Automobilbau von Staatsbetrieben übernommen und durch Subventionen gestützt, um modernisiert werden zu können.

    Industrie in der Oblast Wolgograd

    Große Produktionskapazitäten aus der Zeit der UdSSR waren nicht ausgelastet, so dass sich die russische Regierung daran orientierte, durch eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik mittels expansiver, wachstumsorientierter Geldpolitik diese Kapazitäten wieder voll auszulasten. Dies brachte eine zweistellige Inflationsrate mit sich. Das von Präsident Putin gesetzte Ziel, das Bruttoinlandsprodukt innert zehn Jahren zu verdoppeln, sollte mittels staatlichem Ausgabenprogramm erreicht werden. Dafür wurden Gehälter im öffentlichen Dienst sowie Renten, sonstige Sozialleistungen und Ausgaben für den Wohnungsbau erhöht. Möglich wurde das Sozialprogramm durch den Ölboom, der neben hohen Mehreinnahmen für den Staat eine Reduzierung der Auslandsverschuldung ermöglichte, die 2000 noch 166 Mrd. Dollar betrug. Ein Teil der Öleinnahmen floss in den 2004 errichteten Stabilisierungsfonds, der sinkende Staatseinnahmen abfedern und eine mögliche Inflation abschwächen sollte. Dieser Stabilisierungsfonds wurde 2008 in einen Reservefonds und einen Wohlstandsfonds (zur Rentensicherung) aufgegliedert. Der Wohlstandsfonds betrug 2011 68,4 Mrd. Euro, der Reservefonds 19,9 Mrd. Euro.

    Die russische Wirtschaft hatte sich vom Produktionseinbruch im Zuge der Finanzkrise des Jahres 1998 rasch erholt, da die 1998 eingetretene deutliche Abwertung des Rubels der russischen Wirtschaft Auftrieb verschaffte und ausländische Güter verteuerte, so dass Produkte aus Russland dort wettbewerbsfähiger wurden. Außenwirtschaftlich verstärkte sich die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft vom Energiesektor allerdings weiter. Trotz kräftig gestiegener Investitionen wurde in Russland im internationalen Vergleich zu wenig investiert. Investoren kritisierten fehlende Rechtssicherheit, weit verbreitete Korruption, eine überbordende Bürokratie und die geringe Leistungsfähigkeit des russischen Bankensystems.

    In der internationalen Wirtschaftskrise

    Das neue Russland: Moskau City, Bauphase Mai 2010

    Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise wies die russische Wirtschaft seit Mitte 2008 deutlich negative Entwicklungen auf, was in hohem Maße auf ihre große Abhängigkeit vom Rohstoffsektor zurückzuführen war. Aufgrund des drastischen Preisverfalls beim Erdöl und Erdgas sanken die Staatseinnahmen. Die weltweite Finanzkrise hatte Russland 2009 hart getroffen. Russland konnte durch seine Antikrisenpolitik größere Bankenzusammenbrüche verhindern, so dass das russische Finanzsystem wieder als stabil gilt. Die Pflichteinlagen bei der Zentralbank wurden hochgeschraubt, Banken bekamen staatliche Hilfen. Die Russische Zentralbank verwendete fast 300 Milliarden Dollar an Reserven, um den als Folge des ausländischen Kapitalabzugs unter Abwertungsdruck gekommenen Rubel zu stützen. 2010 und 2011 setzte eine wirtschaftliche Erholung in Russland ein.

    Durch diese Krise wurde sichtbar, dass die Fixierung auf den Rohstoffreichtum das Land in eine Sackgasse führt und die Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen für Erdöl, Erdgas oder Metalle zu hoch ist. Bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte in Russland eine intensive Diskussion über Sonderwirtschaftszonen eingesetzt. Unter Wladimir Putin wurde 2005 ein entsprechendes Gesetz über Sonderwirtschaftszonen in der Russischen Föderation verabschiedet. Bis Ende 2009 wurden 15 dieser Zonen konzipiert und bestätigt, darunter unter anderem zwei Industrie-Sonderwirtschaftszonen (Jelabuga, Lipezk), vier technikorientierte Sonderwirtschaftszonen (Moskau, St. Petersburg, Dubna, Tomsk) sowie sieben Zonen für Tourismus und Erholung. Zinsen wurden gesenkt, um Investitionen in die Produktion zu ermöglichen. Die Inflationsrate erreichte 2011 ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die Regierung war bemüht, preistreibende Faktoren wie die Verteuerung von Treibstoffen und Strom über Quartalsvereinbarungen mit den Anbietern unter Kontrolle zu halten.

    Während das Land 1999 noch auf Platz 22 der größten Wirtschaftsnationen lag, hatte es 2012 den neunten Platz in der Welt nach nominalen BIP inne. Lag der Wert des russischen BIP in Relation zum deutschen im Jahr 2004 bei 21,7 Prozent, waren es 2011 bereits 51,7 Prozent. Der Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) erfolgte 2012 nach 18 Verhandlungsjahren, wodurch die Importzölle sanken und der Modernisierungsdruck der heimischen Wirtschaft stieg. Im Jahr 2015 lag Russlands Wirtschaftsleistung wieder hinter der Italiens auf Rang 10 oder 11. Die Regierung hatte es bis 2018 nie gewagt, das Renteneintrittsalter, welches Stalin im Jahr 1932 festgelegt hatte, zu erhöhen – die Renten, welche Frauen ab 55 Jahren, Männer ab 60 Jahren erhalten, sind jedoch so niedrig, dass sich viele in der Schattenwirtschaft Geld dazuverdienen. Gleichzeitig fehlten dem Arbeitsmarkt Arbeitskräfte.

    Nach der Annexion der Krim 2014

    Durch die Sanktionen des Westens aufgrund der russischen Annexion der Krim sowie des von Russland gefütterten Krieges in der Ukraine seit 2014 stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung in Verbindung mit einem Einbruch des Erdölpreises. Es akzentuierten sich die strukturellen Probleme der russischen Wirtschaft, welche über Jahre auf den Rohstoffexport ausgerichtet war. Die NZZ schrieb im August 2015 in einem Vergleich mit der Rubelkrise von 1997: „Heute ist die Lage weniger bedrohlich, aber die Besserungschancen sind geringer“; so konnte die Rubelschwäche wegen der Finanzrestriktionen nicht dazu genutzt werden, die Wirtschaft zu modernisieren und zu diversifizieren. Das russische Haushaltseinkommen 2015 sank durchschnittlich um 8,5 Prozent, während die Lebensmittelpreise bis 25 Prozent anstiegen. Die Jahresinflation 2015 betrug 12,9 Prozent. Eine Kapital-Amnestie sollte ab Dezember 2014 Geld nach Russland zurückbringen. Während bei Präsidentensprecher Peskow bei der Einführung von einem absolut einmaligen, für ein Jahr gültigen Angebot die Rede war, wurde die Amnestie im Dezember 2015 bis Juni 2016 verlängert und Anfang 2018 nach neuen amerikanischen Sanktionen erneuert.

    Alle staatlichen Ausgaben mussten gekürzt werden, nur die Rüstung war nicht davon betroffen. Der russische Ministerpräsident Medwedew hatte wiederholt erklärt, das Land werde „unbefristet“ mit den westlichen Sanktionen leben müssen. Die Wirtschaftsentwicklung blieb gelähmt, weil die Techniken des Machterhalts des Putin-Regimes nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Reformen verhinderten. Der Anteil der Staatswirtschaft stieg an, die Schattenwirtschaft blühte, die Realeinkommen waren zwischen 2014 und 2018 mehrmals gesunken. Ein Steuersatz von 0 Prozent für die Jahre 2017/2018 hätte Selbständigerwerbende zur Registrierung ihrer Tätigkeit animieren sollen; von den vermutlich rund neun Millionen derart Werktätigen hatten sich gerade mal 936 registrieren lassen. Nach einem erneuten Gesetzesvorschlag von 2018 sollte diesen Kleinverdienern beim Auffliegen der Tätigkeit der gesamte Ertrag abgenommen werden, also eine härtere Strafe, als sie Gutverdienende zu befürchten hätten. Eine Geschäftseröffnung war für die Mehrzahl befragter Russen im Februar 2019 nicht erstrebenswert, da es nicht möglich sei, ohne Mogeleien zu wirtschaften. Die ausländischen Direktinvestitionen, welche 2013 noch 69 Milliarden Dollar umfasst hatten, waren laut Le Monde bis 2018 auf weit unter 5 Milliarden gefallen.

    Im Juli 2018 wurde entschieden, die Mehrwertsteuer um zwei Prozent zu erhöhen, womit sie ab 1. Januar 2019 20 Prozent betrug.

    Landwirtschaft

    Weizenernte in der Oblast Rostow
    Dose mit 113 g russischem Kaviar

    Die Holzindustrie ist hauptsächlich im Nordwesten des europäischen Teiles, im zentralen Uralgebirge, in Südsibirien und im Süden des fernöstlichen Russlands vertreten. Russland verfügt über etwa ein Fünftel des Waldbestandes der Erde und über rund ein Drittel des Weltbestandes an Nadelwald; der größte Teil der russischen Nutzholzproduktion besteht aus Weichholz, hauptsächlich von Kiefern, Tannen und Lärchen. Wichtigstes Laubholz für den Handel ist Birke.

    Die Landwirtschaft ist nach wie vor eine wichtige Branche der russischen Wirtschaft. Einst die Kornkammer Europas, erlitt die russische Landwirtschaft in den 1990er-Jahren einen drastischen Einbruch der Agrarproduktion – jedoch schon in den 1980er-Jahren war Russland der weltweit bedeutendste Weizenimporteur. Der Produktionswert der russischen Landwirtschaft lag 2009 wieder bei umgerechnet 38 Milliarden Euro. Im Jahr 2016 unterstrich Präsident Putin den Willen, eine Agrar-Exportnation zu sein. Von der Rekordernte von 75 Millionen Tonnen Weizen im Jahr 2016 könnten knapp 7 Millionen Tonnen (ähnlich wie 2015) exportiert werden. Für den Transport ist die staatliche Agrar-Transportbehörde Rusagrotrans zuständig. Der Wert der exportierten Landwirtschaftsgüter lag 2016 bei 17 Milliarden Dollar. Die Bedingungen für die Landwirtschaft sind vor allem im europäischen Teil Russlands sowie in Südrussland gut, das russische Schwarzerdegebiet ist das größte der Welt. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 219 Millionen Hektar, das sind 13 Prozent der Landfläche Russlands. Davon sind 122 Millionen Hektar Ackerfläche, was neun Prozent des weltweiten Ackerlandes entspricht. Mehr als 80 Prozent der Saatflächen liegen an der Wolga, im Nordkaukasus, am Ural und in Westsibirien innerhalb des sogenannten Agrardreiecks. Der Ackerbau macht 36 Prozent der landwirtschaftlichen Bruttoerzeugung Russlands aus, die Tierzucht über 60 Prozent. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Russland sind Getreide, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Kartoffeln und Flachs. Die Binnenfischerei liefert mit dem Stör den begehrten russischen Kaviar. In der Transformationsphase zwischen 1990 und 1997 gingen die Schweine- und Geflügelbestände fast um die Hälfte zurück. Russland importierte seitdem einen Teil seiner Nahrungsmittel. Es war schon zuvor, aber insbesondere seit seinen Gegen-Sanktionen gegen den Westen nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 das Ziel der russischen Regierung, die Fähigkeit zur Eigenversorgung zu steigern und die Importabhängigkeit zu reduzieren. Der Bestand an Rindern beträgt 12,1 Millionen Tiere, an Schweinen 7 Mio. sowie an Schafen und Ziegen 4,6 Mio. Rinderzucht wird vorwiegend im Wolgagebiet, in Westsibirien und dem europäischen Zentrum betrieben, Schweinezucht findet sich ebenfalls im Wolgagebiet, aber auch in Nordkaukasien und im zentralen Schwarzerdegebiet. Schafzucht weist Schwerpunkte in den Regionen Ostsibirien, Nordkaukasiens und dem Wolgagebiet auf.

    Rohstoffwirtschaft

    Karte mit den großen russischen Erdöl- und Erdgaslagerstätten

    Die Naturreichtümer Russlands sind eine wichtige Basis für die Wirtschaft des Landes. In Russland befinden sich 16 Prozent aller mineralischen Naturressourcen der Welt, davon 32 Prozent aller Erdgasvorräte (erster Platz in der Welt), 12 Prozent aller Vorräte an Erdöl, die sich insbesondere in Westsibirien, auf der Insel Sachalin, in Nordkaukasien, der Republik Komi und den Erdölgebieten im Wolga-Ural-Bereich (Kaspische Senke) finden. Mit der kräftigen Zunahme der Ölexporte bei steigenden Ölpreisen von 2002 bis 2011 war die Bedeutung der Förderung besonders von Öl und Gas in Russland angewachsen und spielte eine wichtige Rolle für die Wirtschaft auch außerhalb Russlands. Russische Unternehmen wie Gazprom, Rosneft oder Lukoil sind an der Erdöl- und Erdgasförderung beteiligt, welche hauptsächlich in den nördlichen und östlichen Landesteilen stattfindet.

    Die Diamantenmine Udatschnaja (Luftbild)

    Mit seinen Goldvorräten belegt Russland den dritten Platz in der Welt. Weltbekannt sind die Diamantenvorkommen im nordostsibirischen Jakutien. Seit 1996 werden hier Diamanten in einer der weltweit größten Kimberlit-Lagerstätten, in Mirny, gewonnen.

    Russlands Anteil an den Weltvorräten an Eisen und Zinn beträgt über 27 Prozent, an Nickel 36 Prozent, an Kupfer 11 Prozent, an Kobalt 20 Prozent, an Blei 12 Prozent, an Zink 16 Prozent und an Metallen der Platingruppe 40 Prozent. 50 Prozent der weltweit bekannten Kohlevorkommen finden sich in Russland. Entsprechend den mineralischen Vorkommen spielt die Steinkohle- und Eisenerzförderung eine sehr wichtige Rolle in der Wirtschaft Russlands. Größere Erzvorkommen finden sich vor allem in den altgefalteten Gebirgen (Chibinen auf der Kola-Halbinsel, Ural, Altai, Sajangebirge sowie andere sibirische Gebirgszüge). Lagerstätten von Steinkohle finden sich in einigen Vorsenken dieser Gebirge, vor allem am Ural (u. a. Kohlelagerstätten von Workuta) sowie im Donezbecken an der Grenze zur Ukraine. Die Kohlenförderung litt an fehlenden Investitionen und hat im Vergleich zur Sowjetzeit an Bedeutung verloren.

    Energiewirtschaft

    Viele der Mitgliedsstaaten der EU haben eine nicht geringe Abhängigkeit von russischen Erdgas- und Erdöllieferungen

    Mit Öl, Erdgas oder Kohle betriebene Wärmekraftwerke erzeugten 2003 rund 63 Prozent der gesamten Stromproduktion von rund 851 Mrd. Kilowattstunden. Auf Wasserkraftwerke entfielen 21 Prozent, auf Kernkraftwerke 16 Prozent. Die russische Regierung plant, den Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2020 auf etwa ein Drittel zu verdoppeln, um noch mehr Erdöl und Erdgas exportieren zu können. Das Stromnetz und die meisten Großkraftwerke sind nach wie vor unter staatlicher Kontrolle. Um von den Einnahmen des Energiesektors zu profitieren, war die russische Politik darauf ausgerichtet, die staatliche Kontrolle über die Energiewirtschaft wieder zu verstärken und private Unternehmen aus diesem Bereich zurückzudrängen. Das wurde durch die Zerschlagung des Erdölkonzerns Yukos und die Übernahme des Ölkonzerns Sibneft durch die halbstaatliche Erdgasgesellschaft Gazprom erreicht. Zu den größten Gas- und Ölförderungskonzernen gehört heute Surgutneftegas, wo Präsident Wladimir Putin 37 Prozent der Aktien kontrolliert. Alle russischen Kernkraftwerke sind Eigentum des staatlichen Unternehmens Rosatom und werden vom ebenfalls staatlichen Unternehmen Rosenergoatom betrieben. Den größten Anteil an der Stromproduktion hatte bis 2008 Unified Energy System, das zu über 50 % dem russischen Staat gehörte und inzwischen in kleinere Unternehmen aufgeteilt wurde.

    Industrie

    russland, staat, osteuropa, asien, sprache, beobachten, bearbeiten, dieser, artikel, behandelt, russischen, staat, engeren, sinn, russische, föderation, weiteren, bedeutungen, siehe, begriffsklärung, russisch, Россия, rɐˈsʲijə, aussprache, transkription, rossi. Russland Staat in Osteuropa und Asien Sprache Beobachten Bearbeiten Dieser Artikel behandelt den russischen Staat im engeren Sinn die Russische Foderation zu weiteren Bedeutungen siehe Russland Begriffsklarung Russland russisch Rossiya rɐˈsʲije Aussprache i Transkription Rossija amtlich die Russische Foderation oder der russischen Bezeichnung entsprechend Russlandische Foderation russ Rossijskaya Federaciya Aussprache i Transkription Rossijskaja Federazija A 3 ist ein Bundesstaat in Osteuropa sowie in Nordasien Mit etwa 17 Millionen Quadratkilometern ist Russland flachenmassig der grosste Staat und umfasst etwa ein Neuntel der Landmasse der Erde Mit 144 5 Millionen Einwohnern 2019 steht es an 9 Stelle der bevolkerungsreichsten Lander und ist zugleich eines der am dunnsten besiedelten Rossijskaya FederaciyaRossijskaja FederazijaRussische FoderationFlagge WappenAmtssprache Russisch1Hauptstadt MoskauStaats und Regierungsform semiprasidentielle Republik Foderale Republik Staatsoberhaupt Prasident Wladimir PutinRegierungschef Ministerprasident Michail MischustinFlache 17 075 400 km 1 davon in Europa 3 952 550 km in Asien 13 122 850 km mit Krim 17 102 344 A 1 km Einwohnerzahl 144 526 636 9 1 ohne Krim 146 877 088 mit Krim 2018Bevolkerungsdichte 8 179 Einwohner pro km Bevolkerungs entwicklung 0 2 2012 2 pro JahrBruttoinlandsprodukt Total nominal Total KKP BIP Einw nom BIP Einw KKP 2019 3 1 702 Mrd USD 11 4 136 Mrd USD 6 11 601 USD 65 28 184 USD 58 Index der menschlichen Entwicklung 0 824 52 2019 4 Wahrung Rubel RUB Grundung 862 Kiewer Rus 1263 Grossfurstentum Moskau 1547 Zarentum Russland 1721 Russisches Kaiserreich 5 1917 Russische Republik 1917 Sowjetrussland A 2 1917 RSFSR 1922 Sowjetunion 1990 Russische Foderation Souveranitatserklarung 6 National hymne Hymne der Russischen Foderation source source track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track Nationalfeiertag 12 Juni Tag Russlands Zeitzone UTC 2 bis UTC 12Kfz Kennzeichen RUSISO 3166 RU RUS 643Internet TLD ru rf und suTelefonvorwahl 71 Sprache der Nationalitaten in den Teilrepubliken und Autonomen Kreisen Weitere Sprachen sind regionale Amtssprachen Vorlage Infobox Staat Wartung TRANSKRIPTIONVorlage Infobox Staat Wartung NAME DEUTSCH Der europaische Teil des Staatsgebiets ist viel dichter besiedelt und verstadtert als der uber dreimal so grosse asiatische Teil Etwa 77 der Bevolkerung 110 Millionen Einwohner leben westlich des Urals Die Hauptstadt Moskau ist eine der grossten Stadte und Metropolregionen der Welt als weiteres wichtiges Zentrum gilt Sankt Petersburg das zwischen 1712 und 1918 Hauptstadt war und eine Brucke fur Kunst und Kultur aus Westeuropa bildete Die nachstgrossten Millionenstadte Russlands sind Nowosibirsk in Sibirien Jekaterinburg am Ural und Nischni Nowgorod an der Wolga Weitere Grossstadtregionen sind Tscheljabinsk Ufa Kasan und Samara Insgesamt gibt es in Russland 15 Millionenstadte und fast 70 Agglomerationen mit mehr als 500 000 Einwohnern Die foderale Gliederung Russlands besteht aus acht Foderationskreisen und 85 Foderationssubjekten Die heutige Russische Foderation entwickelte sich aus dem Grossfurstentum Moskau einem Teilfurstentum des fruheren ostslawischen Reiches Kiewer Rus zu einem uber 100 Ethnien zahlenden Vielvolkerstaat wobei ethnische Russen heute fast 80 Prozent der Bevolkerung ausmachen Sie ist Fortsetzerstaat A 4 der Sowjetunion in internationalen Organisationen und standiges Mitglied des Weltsicherheitsrates Sie gehort zu den anerkannten Nuklearmachten und besitzt das weltgrosste Arsenal an Massenvernichtungswaffen Russland ist Grossmacht und Regionalmacht und wird teilweise als potentielle Supermacht betrachtet 7 Es ist zudem Mitglied des Europarates der APEC der Shanghaier Organisation fur Zusammenarbeit SCO der OSCE der WTO es ist fuhrendes Mitglied in der Gemeinschaft Unabhangiger Staaten GUS der Organisation des Vertrags uber kollektive Sicherheit OVKS und der Eurasischen Wirtschaftsunion mit Armenien Kasachstan Kirgisistan und Weissrussland Russland ist ein Schwellenland im Bereich des oberen mittleren Einkommens 8 Nach der Erholung von der postkommunistischen Transformationskrise der 1990er Jahre wurde Russland die nach Kaufkraftparitat sechstgrosste Volkswirtschaft der Welt zwischen Deutschland und Brasilien Schatzung fur 2016 9 Russlands Rohstoffreserven sind mit etwa 20 bis 30 die wahrscheinlich grossten der Welt 10 11 12 mit erheblichen Vorkommen von Primarenergietragern vor allem Erdgas Das Regierungssystem Russlands wird von Politikwissenschaftlern entsprechend dem Wortlaut der Verfassung meist formal als Verbindung prasidentieller und parlamentarischer Formen eingeordnet Die Verfassungswirklichkeit des politischen Systems entspricht jedoch eher den Modellen defekter Demokratien oder der Postdemokratie zumal der Prasident fast autokratische Macht ausubt 13 14 15 Fur die politische Ordnung wird in Russland gelegentlich von offizieller Seite der Begriff Gelenkte Demokratie im affirmativen Sinne gebraucht 16 Die Annexion der Krim im Marz 2014 belastet die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen Der russischen Regierung wird vorgeworfen die europaische Friedensordnung zu verletzen A 5 Inhaltsverzeichnis 1 Geographie 1 1 Lage und Grenzen 1 2 Grosslandschaften und Relief 1 3 Flusse und Seen 1 4 Gebirge und Naturschutzgebiete 1 5 Klima und Vegetationszonen 1 6 Fauna 2 Bevolkerung 2 1 Bevolkerungsdichte 2 2 Demografische Entwicklung 2 3 Stadte 2 4 Volker 2 5 Sprachen 2 6 Religionen 2 6 1 Russisch Orthodoxe Kirche 2 6 2 Andere christliche Konfessionen 2 6 3 Islam 2 6 4 Judentum 2 6 5 Buddhismus 2 6 6 Schamanismus 2 7 Gesellschaft und Mentalitat 2 8 Gesundheitswesen 2 9 Armut 2 10 Umweltschutz 3 Geschichte 3 1 Altrussland Mongolensturm und Aufstieg Moskaus 3 2 Offnung Russlands unter Peter dem Grossen und Aufstieg zur europaischen Grossmacht 3 3 Russische Revolution und Sowjetunion 3 4 Russische Foderation seit 1992 4 Politik 4 1 Foderale Gliederung 4 2 Politische Geschichte 4 3 Politisches System 4 4 Politische Willensbildung 4 4 1 Politische Parteien 4 4 2 Nichtregierungsorganisationen 4 5 Politische Kultur 4 5 1 Menschenrechte 4 5 2 Korruption 4 6 Finanzpolitik 4 6 1 Wahrung 4 6 2 Staatshaushalt 4 7 Aussenpolitik 4 7 1 Aussenpolitische Situation 4 7 2 Beziehungen 4 7 2 1 Mitgliedschaften 4 7 2 2 Beziehung zum Nahen Ausland 4 7 2 3 Beziehungen zur Ukraine 4 7 2 4 Beziehung zur Europaischen Union 4 7 2 5 Deutsch russische Beziehungen 4 7 3 Rolle im Syrischen Burgerkrieg 4 8 Verteidigungspolitik 4 8 1 Militardoktrin 4 8 2 Militar 4 8 3 Spezialeinheiten 5 Wirtschaft und Infrastruktur 5 1 Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftsgeschichte 5 1 1 Allgemeines 5 1 2 Nach der Transformationskrise 5 1 3 In der internationalen Wirtschaftskrise 5 1 4 Nach der Annexion der Krim 2014 5 2 Landwirtschaft 5 3 Rohstoffwirtschaft 5 4 Energiewirtschaft 5 5 Industrie 5 6 Dienstleistungen 5 6 1 Handel 5 6 1 1 Einzelhandel 5 6 1 2 Aussenhandel 5 6 2 Tourismus 5 7 Verkehr 5 7 1 Verkehrsinfrastruktur 5 7 2 Strassenverkehr 5 7 3 Offentlicher Nahverkehr 5 7 4 Schienenverkehr 5 7 5 Wasserverkehr 5 7 6 Luftverkehr 5 7 7 Raumfahrt 5 8 Kommunikation und Information 5 8 1 Post 5 8 2 Telekommunikation 5 8 3 Internet 5 8 4 Medien 5 8 4 1 Medienstruktur 5 8 4 2 Druckmedien 5 8 4 3 Radio 5 8 4 4 Fernsehen 5 9 Bildung 5 9 1 Bildungssystem 5 9 2 Allgemeine Schulausbildung 5 9 3 Hochschulen 5 9 4 Forschung 6 Kultur 6 1 Kulturelle Entwicklung 6 2 Volkskultur 6 2 1 Holzbaukunst 6 2 2 Handwerkskunst 6 2 3 Kleidung 6 2 4 Kuche 6 2 5 Volksmusik 6 2 6 Badekultur 6 2 7 Datschenkultur 6 2 8 Erzahlkultur 6 2 9 Gastfreundschaft 6 2 10 Troika 6 3 Feiertage 6 4 Kulturelle Zentren 6 5 Literatur 6 6 Bildende Kunst 6 6 1 Malerei 6 6 2 Architektur 6 7 Darstellende Kunst 6 7 1 Musik 6 7 2 Ballett Theater und Oper 6 7 3 Film 6 7 4 Video 6 8 Sport 7 Literatur 8 Weblinks 9 Anmerkungen 10 EinzelnachweiseGeographie Bearbeiten Moskau St Petersburg Nowgorod Nowosibirsk Woronesch Twer Jekaterinburg Petropawlowsk Kamtschatski Syktywkar Surgut Magadan Juschno Sachalinsk Nischni Nowgorod Ufa Sotschi Kaliningrad Samara Tscheljabinsk Krasnojarsk Kasan Perm Omsk Wladiwostok Norilsk Tomsk Irkutsk Murmansk Pjatigorsk Rostow Wolgograd Tschita Chabarowsk Archangelsk Jakutsk Barnaul Elbrus FINNLAND UKRAINE VR CHINA VR CHINA MONGOLEI KASACHSTAN NORDKOREA JAPAN ARKTISCHER OZEAN PAZIFIK Kaspisches Meer Baikalsee Nowaja Semlja Kamtschatka Franz Josef Land Sewernaja Semlja Neusibirische Inseln Wrangelinsel Russland ist mit 17 075 Millionen Quadratkilometern das mit Abstand flachengrosste Land der Erde Es umfasst elf Prozent der Weltlandflache das entspricht in etwa der Flache Australiens und Europas zusammen Bis auf die Tropen sind alle Klimazonen vertreten Von Westen nach Osten erstreckt sich Russland auf einer Gesamtlange von 9000 Kilometern von 19 ostlicher bis 169 westlicher Lange uber zwei Kontinente Auf Europa entfallen 23 Prozent der Landflache auf Asien 77 Prozent Von Suden nach Norden betragt die Ausdehnung bis zu 4000 Kilometer vom 41 bis zum 81 Grad nordlicher Breite Auf dem Gebiet Russlands befinden sich einige der langsten Flusse sowie der alteste und tiefste Binnensee der Welt Baikalsee Wenn man die Reliefstruktur und die Flusssysteme Russlands miteinander vergleicht so entsteht ein Gitternetz aus breitenparallel verlaufenden Wasserscheiden bzw dem Steppengurtel im Suden und den meridional ausgerichteten Stromwegen Lage und Grenzen Bearbeiten Rechts im Bild die Festung Iwangorod Russland links auf der anderen Seite der Narva die Hermannsfeste Estland Hier verlauft zugleich auch die Ostgrenze der Europaischen Union Russland hat neben der Volksrepublik China mit 14 die grosste Anzahl Nachbarstaaten mit einer gemeinsamen Landgrenze Die Gesamtlange der Landesgrenzen betragt 20 027 Kilometer Russland grenzt des Weiteren an funf Meere wobei die Kustenlinie 37 653 km umfasst Das russische Kernland grenzt an die Staaten Norwegen 196 km und Finnland 1340 km gefolgt von einem kurzen Kustenstreifen zur Ostsee Zudem teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen Landern Estland 334 km und Lettland 217 km weiter sudlich gefolgt von Weissrussland 959 km und der Ukraine 1586 km mit Landgrenze der Krim Das Schwarze Meer trennt die europaischen Grenzen Russlands von den asiatischen Im Kaukasus grenzen Georgien 723 km und Aserbaidschan 284 km an Es folgt ein Kustenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit Kasachstan 6846 km In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China etwa 40 km und dann an die Mongolei 3485 km Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit chinesischem zusammen 3605 km Mit Nordkorea 19 km besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat Danach folgen die Kustenlinien zum Japanischen Meer dem Ochotskischen Meer zum Pazifischen Ozean und schliesslich zur Beringsee Uber die nur etwa 85 km schmale und 30 bis 50 Meter tiefe Beringstrasse ist Russland im aussersten Osten von Alaska getrennt Die inmitten der Beringstrasse befindliche russische Grosse Diomedes Insel liegt nur vier Kilometer von der US amerikanischen Kleinen Diomedes Insel entfernt Der gesamte nordliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean Dort liegen verschiedene zu Russland gehorende Inseln als nordlichste Franz Josef Land Russland betrachtet zudem noch weitere Gebiete des Arktischen Ozeans und der Eisflache als Teil seines Hoheitsgebietes Neben dem Kernland besitzt Russland noch eine Exklave den nordlichen Teil des ehemaligen Ostpreussens die heutige Oblast Kaliningrad Das Gebiet uber welches 1945 die Sowjetunion die territoriale Souveranitat beanspruchte grenzt an Litauen 227 km und Polen 206 km und ist damit vollstandig von EU Landern umgeben Russland ist in elf Zeitzonen eingeteilt von UTC 2 bis UTC 12 wobei mit der Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2011 bis 2014 uberall ganzjahrig die Sommerzeit galt Nach anhaltender Kritik aus der Bevolkerung kehrte Russland am 26 Oktober 2014 zur Normalzeit zuruck Siehe auch Zeitzonen in Russland Grosslandschaften und Relief Bearbeiten Hauptartikel Russische Grosslandschaften Grosslandschaften und wichtigste Flusse Sibiriens Mittelrussischer Landrucken in der Osteuropaischen Ebene nahe Saraisk Landschaftsbild in der Oblast Belgorod Russland umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Naturraume die vielfaltige Potenziale aber auch sehr verschiedenartige Nutzungen aufweisen Russland gliedert sich geographisch betrachtet hauptsachlich in die acht Grosslandschaften etwa in West Ost Richtung Die Osteuropaische Ebene nimmt den grossten Teil des europaischen Russlands ein Es besteht aus weiten Niederungen die von schwach gegliederten Hohenrucken unterbrochen werden Nur wenige Erhebungen erreichen Hohen von mehr als 300 Metern In Karelien und auf der Halbinsel Kola die geologisch zum Baltischen Schild gehoren ist das Relief im Norden differenzierter Dort wird in den Chibinen der zentralen Kola Halbinsel eine maximale Hohe von 1191 Metern erreicht Im Suden geht das Osteuropaische Tiefland in die unterhalb des Meeresspiegels gelegene Kaspische Senke uber Wahrend der letzten Eiszeit entstand eine Kette von Endmoranen die vom Grenzgebiet zu Weissrussland aus nach Osten und nordlich von Moskau zur arktischen Kuste westlich des Flusses Petschora verlauft Die Region nordlich davon besteht aus vielen Seen und Sumpfen Ostlich des Uralgebirges setzt sich bis zum Jenissei die weit gespannte Ebene im Westsibirischen Tiefland fort Dieses uberaus flache Gebiet wird von weitraumigen Sumpflandschaften eingenommen Das Nordsibirische Tiefland schliesst sich nordlich des Mittelsibirischen Berglands an das nach Norden zur Taimyrhalbinsel bis sudlich des Arktischen Ozeans ansteigt Ostlich des Jenissei erstreckt sich bis zur Lena das wellige Mittelsibirische Bergland mit durchschnittlichen Hohen zwischen 500 und 700 Metern Im Nordwesten dieser Region erhebt sich das Putorana Gebirge das eine maximale Hohe von 1701 Metern erreicht Flusse pragten die Gestalt der Landschaft an einigen Stellen haben sich tiefe Canyons eingeschnitten Im Suden von Mittel und Ostsibirien setzen sich weitere Gebirgszuge ostwarts bis zum Pazifischen Ozean fort Sudsibirische Gebirge Dazu gehoren Altai Sajangebirge Jablonowygebirge Stanowoigebirge und Dschugdschur Die Mitteljakutische Niederung umfasst vor allem die Unterlaufstaler von Lena und Wiljui aber auch das untere Aldantal Die etwa 1 Million km umfassende Niederung wird im Westen vom Mittelsibirischen Bergland begrenzt und im Osten vom Ostsibirischen Bergland Ostlich von Lena und Aldan schliesst sich das Ostsibirische Bergland an das aus verzweigten Gebirgsketten besteht Die hoheren Gebirge in dieser Region wie das Werchojansker Gebirge das Tscherskigebirge und das Kolymagebirge erreichen Hohen zwischen etwa 2300 und 3200 Metern Auf der Halbinsel Kamtschatka gibt es etwa 160 Vulkane Die vulkanische Gebirgskette von Kamtschatka setzt sich im Suden auf den Kurilen fort Dort gibt es rund 100 Vulkane Sudlich der Ostsibirischen See erschliesst sich das weitlaufige Ostsibirische Tiefland welches sich ausschliesslich nordlich des Polarkreises befindet Die Landschaft umfasst die Unterlaufe der Flusse Jana Indigirka und Kolyma Der westliche Teil ist das Jana Indigirka Tiefland der ostliche das Kolyma Tiefland Im Westen Suden und Osten grenzt das Ostsibirische Tiefland an das Ostsibirische Bergland Flusse und Seen Bearbeiten Kreuzfahrtschiffe auf der Wolga Der Katun im Altaigebirge Mit 120 000 Flussen und Stromen und fast zwei Millionen Seen ist Russland sehr wasserreich Der Waldgurtel der zwei Drittel der Flache einnimmt wirkt zusammen mit dem Niederschlagsuberschuss als riesiger Wasserspeicher der ein ganzes Netz an Wasserlaufen speist Im europaischen Teil Russlands ist der wichtigste Fluss die Wolga Sie ist der langste Fluss Europas und verlauft ausschliesslich in Russland Zusammen mit ihren beiden Nebenflussen Kama und Oka entwassert sie einen grossen Teil der Osteuropaischen Ebene nach 3534 Kilometern zum Kaspischen Meer im Sudosten Als Wasserweg hat die Wolga besondere Bedeutung da sie Osteuropa mit Zentralasien verbindet Der Nordrussische Landrucken bildet die Wasserscheide zwischen Wolgabecken und Weissem Meer bzw Barentssee im Norden Eine grosse Bedeutung fur die slawischen Staaten besitzt der Dnepr auch Dnjepr genannt Der Strom entsteht westlich von Moskau und fliesst anschliessend durch Weissrussland und die Ukraine wo er ins Schwarze Meer mundet Uber den Dnepr Bug Kanal ist er mit den polnischen Flussen Bug und Weichsel sowie mittelbar uber das Oginskische Kanalsystem mit der Memel verbunden was den Dnepr zu einer wichtigen Wasserstrasse macht Die langsten Flusse Russlands liegen in Sibirien und dem fernostlichen Russland Der Ob entspringt im sudsibirischen Altai und mundet in das Nordpolarmeer Der mit seinem Quellfluss Katun uber 4300 Kilometer lange Fluss bildet zusammen mit dem Irtysch eines der langsten Flusssysteme Asiens mit einer Gesamtlange von uber 5400 Kilometern Eine noch etwas langere Fliessstrecke hat das Flusssystem des Jenissei dessen Wasser teilweise aus der Mongolei nach Norden durch Westsibirien zum Nordpolarmeer fliesst Sein Hauptzufluss die Angara stellt den einzigen Abfluss des Baikalsees dar Der Jenissei fuhrt dem Nordpolarmeer jahrlich etwa 600 Kubikkilometer Wasser zu Damit verzeichnet er die hochste Durchflussmenge aller russischen Flusse Die rund 4300 Kilometer lange Lena der langste Strom der ausschliesslich in Russland verlauft und dessen Einzugsgebiet sich ausschliesslich in Russland befindet entspringt nur 5 Kilometer vom Baikalsee entfernt Sie fliesst zunachst in nordostliche Richtung biegt nach dem Einmunden des Aldan nach Norden und mundet in einem ausgedehnten Delta in die Laptewsee ein Nebenmeer des Nordpolarmeers Weitere wichtige Flusse die ins Nordpolarmeer munden sind die Petschora die Nordliche Dwina die Chatanga sowie die Kolyma und die Indigirka Ein weiteres wichtiges Flusssystem bildet der Amur mit seinem Zufluss Schilka Mit dessen Quellfluss Onon hat es eine Gesamtlange von etwa 4400 Kilometern und fuhrt vom Nordosten der Mongolei in ostlicher Richtung entlang der chinesischen Grenze zur Pazifikkuste Amur und Anadyr sind die grossten russischen Flusse die in den Pazifischen Ozean fliessen Viele andere Strome sind als Verkehrswege und als Energiequellen bedeutend oder sie dienen in trockenen Regionen der Bewasserung Der Don nimmt dabei eine herausragende Stellung ein Er liegt im bevolkerungsreichen Osteuropaischen Tiefland und entwassert nach Suden in das Asowsche Meer Andere wichtige Flusse sind Moskwa Selenga Tobol Steinige Tunguska Untere Tunguska Ural und Ussuri In Russland gibt es besonders im ehemals vergletscherten nordwestlichen Teil des Landes viele naturliche Seen Das Kaspische Meer ist mit 386 400 km der weltgrosste Binnensee Der Seespiegel des Salzwassersees befindet sich etwa 28 Meter unterhalb des Meeresniveaus Da das Kaspische Meer keinen Abfluss hat entweicht Wasser nur durch Verdunstung wodurch es bei dem hier herrschenden trockenen Klima zur Auskristallisation von Salzen kommt Der Baikalsee hat als altester Susswassersee eine Tiefe von 1642 Metern womit er nicht nur der tiefste See sondern zugleich auch das grosste Reservoir flussigen Susswassers weltweit ca ein Funftel aller flussigen Susswasserreserven ist Weitere wichtige und grosse Seen sind Ladogasee grosster Binnensee Europas Onegasee und Taimyrsee Siehe auch Liste der Wasserfalle in Russland Gebirge und Naturschutzgebiete Bearbeiten Blick auf den Elbrus den hochsten Berg Russlands Rund 40 Prozent der Flache Russlands ist von Gebirgen uberzogen Dabei bildet der Ural die Trennlinie zwischen dem europaischen und asiatischen Teil des Landes er stellt allerdings wegen seiner geringen Hohe von knapp 2000 Metern Narodnaja 1895 m keine wirkliche Barriere dar 17 Ostlich des Ural erstreckt sich das sehr flache Westsibirische Tiefland das bis zum Fluss Jenissej reicht und von weitraumigen Sumpflandschaften durchzogen ist Sudostlich wird das Westsibirische Tiefland durch das Mittelsibirische Bergland abgeschlossen das sich bis zum Fluss Lena erstreckt und im Norden zum schmalen Nordsibirischen Tiefland abfallt Zum Mittelsibirischen Bergland gehoren die Gebirge Sajan Munku Sardyk 3491 m und das hochste Gebirge Sibiriens der Altai Belucha 4506 m im russisch kasachisch chinesisch mongolischen Grenzgebiet Ostlich der Lena erhebt sich das Ostsibirische Bergland das sich in verschiedene Gebirgsketten wie das Werchojansker Gebirge 2389 m in Orlugan und Tscherskigebirge Pobeda 3003 m verzweigt und Hohen bis gut 3000 m erreicht Die Halbinsel Kamtschatka ist durch ihre 160 Vulkane mit Hohen bis zu 4688 m gepragt von denen 29 noch aktiv sind Weitere Gebirge in Russland sind Baikalgebirge Chibinen Kaukasus Kolymagebirge Putorana Gebirge Stanowoigebirge Stanowoihochland Tannu ola Gebirge Der hochste Berg in Russland ist der Elbrus 5642 Meter im Kaukasus Es folgen der Kasbek mit 5047 Meter und die Kljutschewskaja Sopka mit 4750 Meter Russland besitzt ein ausgepragtes Naturschutzsystem mit einer langen Tradition Zu den klassischen russischen Schutzgebietskategorien wie den streng geschutzten Sapowedniki oder den Sakasniki kamen seit den 1980er Jahren die nach internationalen Kriterien errichteten Nationalparks und andere internationale Schutzgebietsklassen hinzu Russland besitzt flachenmassig eines der grossten Schutzgebietssysteme der Welt Korjakskaja Sopka auf der Halbinsel Kamtschatka Westsibirisches Tiefland Sapowedniki streng geschutzte Gebiete Ist die wichtigste nationale Schutzgebietskategorie in Russland die international zur hochstmoglichen Schutzgebietskategorie gehort In ihnen darf keinerlei Nutzung und keine menschliche Beeinflussung der naturlichen Prozesse erfolgen Daher ist das Betreten der Kernzone eines Sapowedniks durch Besucher verboten wobei es fur Wissenschaftler in beschranktem Umfang Ausnahmegenehmigungen gibt Derzeit gibt es 100 von diesen Totalreservaten in Russland die in ihrer Flache von 2 31 bis 4169 km reichen und insgesamt 27 000 km umfassen Sakasniki Wildschutzgebiete Hierbei handelt es sich um Gebiete die bis zu 6000 km Flache umfassen in denen Beschrankungen fur die wirtschaftliche Nutzung gelten Sie dienen als Landschaftsreservate dem Schutz und der Regeneration naturlicher Okosysteme dem Schutz von seltenen Tier und Pflanzenarten von Fossilienfundstellen oder auch dem Schutz hydrologisch bzw geologisch bedeutender Statten Insgesamt gibt es etwa 3000 Sakasniki in Russland mit einer Gesamtflache von etwa 78 000 km Nationalparks in Russland Erst seit Anfang der 1980er Jahre gibt es in Russland auch die in anderen Landern schon langer bekannte Schutzgebietskategorie der Nationalparks Diese besitzen einen geringeren Schutzstatus als die Sapowedniki und dienen neben dem Schutz von Natur und Kulturschatzen auch der Forschung und Bildung sowie dem kontrollierten Tourismus Derzeit gibt es 35 Nationalparks in Russland die in ihrer Flache von 7 km bis 18 900 km reichen und zusammen 90 000 km des Staatsgebietes umfassen Urwalder von Komi Naturparks Sie sind eine relativ neue Schutzkategorie und dienen neben dem Naturschutz auch der Erholung Naturerbe 1972 wurde die Konvention zum Schutz des Kultur und Naturerbes der Welt verabschiedet der Russland 1988 beigetreten ist Als Naturerbe gelten einzigartige physikalische biologische und geologische Formationen oder Gebiete deren Erhaltung fur die Wissenschaft oder wegen ihrer naturlichen Schonheit von aussergewohnlichem Wert sind sowie Lebensraume bedrohter Tier und Pflanzenarten Bisher wurden folgende Gebiete von der UNESCO als Naturerbe aufgenommen 1995 Urwalder von Komi 1996 Baikalsee 1996 Vulkanregion von Kamtschatka mit Naturpark 1998 Altai Gebirge 1999 Westlicher Kaukasus 2001 Naturschutzgebiet Zentral Sichote Alin 2003 Uws Nuur Becken 2004 Naturreservat Wrangelinsel 2010 Putorana GebirgeKlima und Vegetationszonen Bearbeiten Alle Vegetationszonen auf einen Blick Eisschilde und Gletscher Kaltewuste Flechten und Moostundra Zwergstrauch und Wiesentundra Bergtundra alpine Matten und Heiden Laubholz Waldtundra und boreale Auen Nadelholz Waldtundra Immergruner borealer Nadelwald Sommergruner borealer Nadelwald Gemischte Waldsteppen Laub und Nadelmischwalder Gemassigte Laub und Auenwalder Grassteppen und Salzwiesen Strauch und Trockensteppen Winterkalte Halbwusten Winterkalte Wusten Riedsumpfe u flutende Wasserpflanzen Grosse Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heissen Sommern und sehr kalten Wintern gepragt Je weiter man in Richtung Osten des Landes reist desto deutlicher spurt man die pragenden Temperaturen zu den verschiedenen Jahreszeiten das heisst der Sommer ist extrem heiss und die Temperaturen in den Wintermonaten mitunter eisig kalt Kaum ein anderes Land bietet solche Temperaturunterschiede wie Russland Die sudliche Halfte des Fernen Ostens hat Monsunklima Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen mit Ausnahme der Schwarzmeerkuste uberall unter dem Gefrierpunkt In Ostsibirien sinken sie bis auf 35 bis 60 C ab sind aufgrund der meist sehr niedrigen Luftfeuchtigkeit jedoch leichter auszuhalten Die Sommertemperaturen sind sehr unterschiedlich Die Durchschnittstemperaturen im hohen Norden liegen bei 1 bis 2 C in den Halbsteppen und Steppengebieten des Sudens hingegen bei 24 bis 25 C Die Klima Vegetations und Okozonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel so dass eine Nord Sud Abfolge entsteht Im Nordlichen Eismeer herrscht die lebensfeindliche Kaltewuste Dies betrifft unter anderen den nordlichen Teil der Taimyrhalbinsel und weitere dort befindliche Inseln Es herrscht ein ausgepragtes Eisklima in dem es kaum Pflanzen gibt In dieser Zone gibt es nur wenige standige Siedlungen Die Durchschnittstemperaturen steigen nur fur drei Monate knapp uber den Gefrierpunkt und in den kaltesten Monaten Januar und Februar erreichen sie bis 30 C Die jahrlichen Niederschlagsmengen in Form von Schnee steigen selten uber 250 Millimeter Beginnend vom nordlichsten Eurasischen Festland schliesst sich ein baumloser und durch Permafrost gekennzeichneter Landschaftsgurtel an der eine Nord Sud Ausdehnung zwischen 200 und 800 Kilometer aufweist und sich etwa bis zum Polarkreis im Mittelsibirischen Bergland bis 70 nordlicher Breite erstreckt Die Kustenlandschaft im Norden ist mit Ausnahme der Bucht um das Weisse Meer von der Tundra gepragt Die Sommer sind dort zu kurz und zu kuhl als dass sich Wald ausbilden konnte Die Durchschnittstemperaturen liegen nur vier bis funf Monate im Jahr uber dem Gefrierpunkt wobei die warmsten Monate in den Randgebieten ein Mittel uber 10 C aufweisen Daher taut auch der Boden nur an der Oberflache auf sodass sich die reichlichen Niederschlage auf dem gefrorenen Unterboden stauen und die Tundra im Sommer in ein Meer von Sumpfen und Mooren mit einer Vegetation aus Flechten Grasern und Zwergstrauchern verwandeln Landwirtschaft ist nicht moglich nur die indigenen Rentiernomaden finden dort ihr Auskommen Daher gibt es nur wenige menschliche Siedlungen Weiter sudwarts der Kaltesteppe beginnen Fichten zunachst einzeln zu wachsen um dann zusammen mit Moor Birken und Espen von Sumpfen durchsetzte Waldtundra zu bilden An ihrer Sudgrenze geht die Waldtundra dann fliessend in die Waldzone uber Taiga bei Krasnojarsk Diese 1000 bis 2000 Kilometer breite Zone verlauft nordlich entlang der Linie St Petersburg Ufa Irkutsk Sachalin und bildet die boreale Zone bzw die Taiga Die Waldzone durchzieht ganz Nordeurasien Wegen dieser gewaltigen Ausdehnung gliedert sie sich in mehrere breitenparallele Unterzonen In den der Flache nach bei weitem dominierenden Nadelwaldgurtel eigentliche Taiga im Norden in Mittelsibirien weiter in die Sub Taiga als Ubergangszone zur Steppe sowie in einen Mischwaldgurtel der sich jedoch lediglich im europaischen Russland sudlich anschliesst Die Taiga ihrerseits bildet drei breitenparallel hintereinander geschaltete Unterzonen Westlich des Urals besteht die nordliche Taiga aus niedrigen Fichtenwaldern mit vereinzelten Birken Nur in Karelien herrscht die Kiefer vor Die mittlere Taiga bildet dunkle Fichtenwalder mit Einschlussen von Birken nach Suden hin zunehmend auch Kiefern sowie ersten Vorboten von Laubholzern wie der Winterlinde Geringe Fruchtbarkeit des Bodens und Artenarmut der Vegetation macht diese Landschaft fur eine Landwirtschaft ungeeignet Die sudliche Taiga zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Laubholzern am Unterwuchs aus bedingt durch ergiebigere Boden Die Taiga Sibiriens ist durch lichte Walder bestehend aus Sibirischen Larchen Fichten und Zirbelkiefern gekennzeichnet Die Waldzone ist durch kontinentales Klima mit einem starken Temperaturgefalle zwischen heissen Sommern und kalten Wintern gepragt Die mittlere Jahrestemperatur nimmt von Westen nach Osten deutlich ab In Pskow betragt sie noch 5 1 C sinkt aber bis zum Ural auf 2 3 C ab und erreicht im westsibirischen Tomsk nur noch 0 1 C Im ostsibirischen Jakutsk liegt sie dann bei 10 C Die niedrigen Jahresmittel sind auf den langen und sehr kalten Winter in Sibirien zuruckzufuhren Dagegen entsprechen die durchschnittlichen Sommertemperaturen dem mitteleuropaischen Mittel Iwan Schischkins Gemalde Der Roggen zeigt die Waldsteppe in der zentralen Schwarzerde Region Blick auf Sotschi am Schwarzen Meer in der subtropischen Hartlaubwaldzone In den von kuhlgemassigten Klimaten beherrschten Gebieten die sich der Taiga sudlich anschliessen wachst sommergruner Laub und Mischwald Diese Zone verlauft innerhalb Europas im Dreieck St Petersburg Odessa Ufa in Westsibirien in einem Streifen von Tscheljabinsk bis Krasnojarsk sowie im Amur Gebiet Die Mischwaldzone verlauft damit in einem nach Osten hin sich verjungenden Dreieck von den mittleren Karpaten und von der baltischen Kuste bis an den Sudural Die Vegetation besteht primar aus Fichten Kiefern und Eichen ehe sie weiter sudwarts in reinen Laubwald ubergeht Leitholzer bilden dort die Eiche sowie in der Westukraine Buche und Hainbuche Kiefern wachsen wie auch im Mischwaldbereich vor allem in sandigen Senken wie im Pripjetbecken Ostlich des Urals gibt es aus klimatischen Grunden keinen Mischwald Stattdessen leiten in Westsibirien Birkenhaine unmittelbar von der Taiga in die Waldsteppe uber Der Mischwald tritt dann wieder im Fernen Osten auf Die Mischwaldzone bietet fur die Landwirtschaft im Allgemeinen akzeptable die Laubwaldzone gute Existenzbedingungen Weiter sudlich folgt ein Steppengurtel der am Unterlauf von Don und Wolga Nordkaukasus Kaspische Senke und Tuwa verlauft Der Steppengurtel untergliedert sich im Norden in die Waldsteppe und im Suden in die eigentliche Steppe Der Wald lost sich von Norden nach Suden in Inseln auf und verschwindet schliesslich fast ganz Das hangt mit dem nach Sudosten abnehmenden Niederschlag bei gleichzeitig wachsender Verdunstungsintensitat zusammen Ausser in Flusstalern als Auwald oder in Senken mit gunstigen Grundwasserverhaltnissen reicht das im Lossboden gespeicherte Wasser nicht aus um den Flussigkeitsbedarf von Laubholzern zu decken Daher bilden in der Waldsteppe Wiesen in der eigentlichen Steppe Federgrasformationen die Pflanzendecke Der Steppengurtel ist aufgrund der fruchtbaren Schwarzerdeschicht ideal fur den Getreideanbau An der Schwarzmeerkuste zwischen Noworossijsk und Sotschi folgt eine Hartlaubwaldzone An der Schwarzmeerkuste herrschen im Durchschnitt um die 20 Grad Celsius Dieser subtropische Teil Russlands ist gepragt von dichten Waldern Russland beherbergt nach Kanada die grossten noch verbliebenen nordischen Wildnisregionen Nach Global Forest Watch sind rund 26 Prozent der Walder noch intakte Urwalder Sie liegen zum allergrossten Teil in Sibirien Im europaischen Teil haben noch 9 Prozent der Walder diesen Status 18 Fauna Bearbeiten Ein junger Amurtiger im Schnee Der Wildbestand belauft sich heute auf weniger als 500 Tiere Das polare Klima an der Nordkuste Russlands ist Lebensraum fur Polarbaren Robben Walrosse und Seevogel In der sich sudwarts anschliessenden Tundra leben Polarfuchse Eulen Schneehasen und Lemminge Im Sommer wandern grosse Herden von Rentieren und Wolfen in die Tundra ein Diese Tiere sind an die lebensunfreundlichen Umstande dieser Zone perfekt angepasst In den Waldern von Russland nimmt die Artenvielfalt in der Tierwelt zu So leben in der Taiga und den borealen Nadelwaldern Russlands Elche Rentiere Wolfe Baren Zobel Eichhornchen Fuchse und der Vielfrass Weiter sudlich haben sich Wildschweine Nerze und Hirsche ausgebreitet Vereinzelt gibt es auch Sibirische Tiger Die Steppenzone Russlands ist der Lebensraum fur Hamster Ziesel sowie fur den Iltis und den Steppenfuchs Bevolkerung Bearbeiten Teile dieses Artikels scheinen seit 2016 nicht mehr aktuell zu sein Bitte hilf mit die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufugen Wikipedia WikiProjekt Ereignisse Vergangenheit fehlend Bevolkerungsdichte Bearbeiten Die Bevolkerungsdichte Russlands nach Regionen Die Bevolkerung Russlands ist sehr ungleichmassig verteilt 85 Prozent der Einwohner etwa 123 Millionen Menschen leben im europaischen Teil der dabei lediglich 23 Prozent des russischen Territoriums umfasst Dementsprechend leben nur 15 Prozent etwa 22 Millionen Menschen im flachenmassig weit grosseren asiatischen Teil der 77 Prozent der Gesamtflache ausmacht Die Bevolkerungsdichte variiert von 362 Einwohner km in der Hauptstadt und ihrer Umgebung Gebiet Moskau und unter 1 Einwohner km im Nordosten und im russischen Fernen Osten Im Schnitt betragt sie 8 3 Einwohner km Da in vielen Fallen ein betrachtlicher Bevolkerungsanteil im jeweiligen Gebietshauptort lebt liegt die Bevolkerungsdichte im landlichen Raum auch in den relativ dicht besiedelten zentralrussischen Verwaltungsgebieten selten hoher als 40 bis 50 Einwohner km Demografische Entwicklung Bearbeiten Geburten und Sterbezahlen in Russland Jahr Lebend geburten Todes falle Differenz1999 1 214 689 2 144 316 929 6272000 1 266 800 2 225 332 958 5322001 1 311 604 2 254 856 943 2522002 1 396 967 2 332 272 935 3052003 1 477 301 2 365 826 888 5252004 1 502 477 2 295 402 792 9252005 1 457 376 2 303 935 846 5792006 1 479 637 2 166 703 687 0662007 1 610 122 2 080 445 470 3232008 1 713 947 2 075 954 362 0072009 1 761 687 2 010 543 248 8562010 1 788 948 2 028 516 239 5682011 1 796 629 1 925 720 129 0912012 1 902 084 1 906 335 4 2512013 1 895 800 1 871 809 24 0002014 1 942 683 1 912 347 30 3362015 1 940 579 1 908 541 32 0382016 1 888 729 1 891 015 2 2862017 1 690 307 1 826 125 135 8002018 1 604 344 1 828 910 224 566Quelle Rosstat 19 Bevolkerungsentwicklung Entwicklung der Geburten und Sterberate in Russland Bevolkerungsstruktur 2016 Der Geburtensturz ab 1990 und der hohe Frauenuberschuss sind deutlich zu erkennen Russlands Bevolkerungszahl sank von 147 0 Millionen bei der Volkszahlung im Januar 1989 bis 2007 auf 142 2 Mio Danach verlangsamte sich der Bevolkerungsruckgang so dass die Einwohnerzahl 2010 bei 141 9 Mio lag 20 Durch die Ergebnisse der Volkszahlung 2010 wurde die Bevolkerungszahl korrigiert Diese lag fur 2011 bei 142 9 Mio Die Fertilitatsrate sank zwischen 1988 und 1999 von zwei auf 1 16 Geburten pro Frau Gleichzeitig verdoppelte sich bei den Mannern die Sterblichkeitsrate von 9 4 1970 auf 18 7 pro 1000 Einwohner 2005 Die Durchschnittslebenserwartung der Manner sank von 63 9 Jahren 1986 auf 57 5 Jahre 1994 Bis 2004 stieg sie auf 58 9 Jahre an 2011 lag sie bei 64 3 Jahren 2014 bei 70 36 Jahren 21 Die hohere mannliche Sterberate fuhrt zu einem Frauenuberschuss 2010 gab es in Russland 10 7 Millionen mehr Frauen als Manner Hauptursache Ungesunde Lebensweise durch Alkohol Rauchen sowie Verkehrsunfalle Suizid und Mord 22 23 Als haufigste Todesursache gelten mit 56 7 Prozent diverse Herzkrankheiten 24 sehr haufig sind auch Krebserkrankungen Die Zahlen von Todesfallen infolge Drogenkonsums Tuberkulose und HIV sind seit dem Ende der Sowjetunion merklich gestiegen 2015 war von einer jahrlichen Zunahme von 10 Prozent bei den HIV Ansteckungen die Rede vor allem durch Drogenkonsum Der Leiter der Foderalen Zentrale fur die Pravention und Kontrolle von AIDS Wadim Pokrowski sprach Mitte 2015 von funfzehn Regionen Russlands mit einer generalisierten Epidemie mit mehr als einem Prozent angesteckter Bevolkerung ahnlich wie in Sudafrika 25 Laut Angaben zu Beginn der Welt Aids Konferenz 2018 nahmen die Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien als einziger Weltregion zwischen 2010 und 2016 zu zu 80 Prozent betreffe dies Russland 26 wo die Anzahl der Neuinfektionen 2017 laut UNAIDS doppelt so hoch lag wie 2005 27 Im Jahr 2019 zahlte die Verbraucherschutzbehorde knapp uber eine Million Infizierte und zirka 80 tagliche Neuansteckungen so Wadim Pokrowski 28 Die russische Regierung hat mehrere nationale Programme eingeleitet die helfen sollen die Geburtenrate zu steigern Seit 2007 erhielten Eltern ab ihrem zweiten neugeborenen Kind eine einmalige staatliche Beihilfe Mutterschaftskapital in Hohe von fast 10 000 Euro 2012 29 So hatten sich die Geburtenzahlen in Russland von 1 48 Mio 2006 auf 1 9 Mio 2012 erhoht 30 2018 erhielten Familien vergunstigte Hypotheken und Zuschusse teils schon ab dem ersten Kind fur 3 Jahre wurden 9 Milliarden Dollar budgetiert 31 Im Februar 2019 erklarte Prasident Putin sich nicht mit der sinkenden Geburtenrate abzufinden und kundigte weitere Erleichterungen fur Familien mit Kindern an 32 Der Anteil der Stadtbevolkerung blieb konstant bei 73 Prozent 33 Zur Auswanderung neigten besonders hoher Gebildete teilweise wegen der herrschenden Rechtsunsicherheit 34 Auch infolge der demografiepolitischen Anstrengungen der Regierung verlangsamte sich dieser Trend zeitweise 35 Nach der Annexion der Krim 2014 verliessen wahrend des folgenden Wirtschaftseinbruchs wieder deutlich mehr Hochqualifizierte das Land Im Fruhjahr 2018 beklagte der Chef der Russischen Akademie der Wissenschaften eine Zahl von 44 000 Auswanderern welche der russischen Forschung fehlten 36 Russland ist das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt 2017 waren 8 1 der Bevolkerung Migranten 37 Herkunftsregionen sind hierbei vor allem die armeren sudlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus aber in zunehmender Zahl auch Afrika und Sudostasien Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Nachkommen von Russen die im Kaiserreich und der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und meist mit ihren Familien gemeinsam nach Russland zuruckkehrten Der Zustrom dampfte sich nach der Annexion der Krim durch die Wirtschaftsflaute aber auch durch Protektionismus und Nationalismus im ersten Halbjahr 2017 glich die Immigration die Sterblichkeit nicht mehr aus 31 Die Bevolkerung Russlands wird ahnlich wie in anderen Landern Europas in den nachsten Jahrzehnten voraussichtlich weiter abnehmen die ILO erwartet bis 2050 einen Ruckgang auf 130 Millionen Einwohner 31 Unter Annahme einer Nettozuwanderung von jahrlich 300 000 Personen ware der Ruckgang nur schwach ausgepragt Bis 2012 stabilisierte sich die Lage etwas die Einwohnerzahl stieg sogar leicht an und lag bei etwa 143 5 Millionen 38 Fur die Zeit ab 2015 war aufgrund der geburtenschwachen Jahrgange der 1990er Jahre eine Verschlechterung der demografischen Situation erwartet worden Dieses leichte Bevolkerungswachstum schwenkte im weiteren Verlauf der 2010er Jahre wieder zu einer negativen demografischen Entwicklung um 39 2020 umfasste der Ruckgang der russischen Bevolkerung laut Rosstat erstmals seit 2005 wieder mehr als 500 000 Menschen in einem Jahr 2021 rechneten die russischen Behorden mit einem Bevolkerungsruckgang von 1 2 Millionen Menschen bis 2024 40 Stadte Bearbeiten Sankt Petersburg ist der Kopf Moskau das Herz Nowgorod ist der Vater Kiew die Mutter Russlands Russische Charakterisierung von Russlands Zentren Moskau die Hauptstadt Russlands und grosste Stadt Europas Das Zentrum von Sankt Petersburg Schon ab 800 war die Kiewer Rus von vielen stadteahnlichen Siedlungen gekennzeichnet weshalb die skandinavischen Warager das Gebiet Gardarike Reich der Stadte nannten Zu den altesten erhaltenen Stadten in diesem Bereich zahlen Nowgorod Smolensk Pskow Rostow Murom und Beloosero die alle noch im ersten Jahrtausend nach Christus gegrundet wurden Im 11 und 12 Jahrhundert wurden weitere Stadte im Zentrum Russlands von slawischen Siedlern gegrundet In dieser Zeit entstanden Moskau Jaroslawl Twer Wladimir Wologda Kirow Tula Kursk Kostroma Rjasan und etwas spater Nischni Nowgorod Aufgrund der Landesgrosse war eine Vielzahl grosser Stadte als Stutzpunkte notwendig Mit der Eroberung Kasans und Astrachans zur Mitte des 16 Jahrhunderts grundeten russische Kolonisten weitere Stadte im Osten Sudosten und Suden Zahlreiche Stadte wurden zunachst als Grenzfestungen gegrundet Im Suden waren dies Stutzpunkte der Verhaulinie gegen die Krimtataren wie Orjol 1566 und das heutige Woronesch 1586 Weiter ostlich an der Wolga entstanden in dieser Zeit weitere Stadte wie Samara 1586 Zarizyn 1589 und Saratow 1590 In Sibirien entstanden nach dessen Eroberung zahlreiche Kosakenforts sogenannte Ostrogs Aus ihnen wuchsen spater Stadte wie Tobolsk Irkutsk Bratsk Tomsk und Jakutsk heran Stadte im Ural und Altai Gebirge wie Perm 1723 Jekaterinburg 1723 oder Barnaul 1730 entstanden in der Epoche Peters des Grossen im Zusammenhang mit den dort vorhandenen Erzen und kostbaren Mineralen Mit dem Niedergang der Krimtataren und dem weiteren Vorstossen Russlands in den Kaukasus entstanden im 18 Jahrhundert neue Festungen und Stadte 1784 wurden Stawropol und Wladikawkas gegrundet 1793 Krasnodar 1805 Nowotscherkassk 1818 Grosny 1844 Port Petrowsk Die Innenstadt von Jekaterinburg Stadtzentrum und das Goldene Horn Solotoi Rog die Hafenbucht von Wladiwostok an der Pazifikkuste Trotz der Grundungen behielten grosse Teilraume ihren landlichen Charakter Der Bauer gehorte einem Mir Bauerngemeinde an Stadte stellten ausserhalb der Agglomerationen isolierte Erscheinungen dar und bildeten ein nur weitmaschiges Netz Bis 1712 fungierte Moskau als Hauptstadt und wurde dann nach dem Willen Peters I vom 1703 neugegrundeten Sankt Petersburg abgelost um 1918 wieder offiziell den Status der Hauptstadt anzunehmen Im 19 Jahrhundert war sogar haufig von den beiden Hauptstadten die Rede Die Industrialisierung Ende des 19 Jahrhunderts brachte in allen Landesteilen einen bedeutenden Impuls fur die nachfolgende Urbanisierung Sie fuhrte zur Entstehung zahlreicher neuer Stadte und zum raschen Wachstum alter Stadte Viele russische Stadte entstanden als Folge einer administrativen Umstrukturierung mehrerer benachbarter Dorfsiedlungen zu einer Stadtsiedlung Neugrundungen von Stadten und Stadterhebungen sind bis heute ein Charakteristikum der russischen Urbanisierung Mehr als die Halfte aller russischen Stadte sind erst in den letzten 90 Jahren besonders in den 1960er Jahren gegrundet worden Deshalb gibt es unter den 160 russischen Grossstadten in denen die Halfte der russischen Bevolkerung lebt viele neue Stadte etwa ein Viertel Die russischen Grossstadte sind in erster Linie Industrie und Verwaltungszentren besitzen aber auch andere hochrangige Funktionen Beispiele neuer Grossstadte sind Magnitogorsk Nowokusnezk oder Bratsk zu den gewachsenen zahlen unter anderem Samara und Tambow Zu Zeiten der Sowjetunion wurde die stadtische Entwicklung zentral geplant und gesteuert Es herrschte der Typus der Sozialistischen Stadt vor Dazu zahlt beispielsweise die Herausbildung neuer Stadttypen etwa der Hauptstadte kleiner nationaler Republiken u a Tscheboksary Naltschik oder der Wissenschaftsstadte z B Dubna Die in der Sowjetzeit betriebene massive Verstadterungspolitik fuhrte dazu dass heute 73 Prozent der Bevolkerung in stadtischen Siedlungen leben Aus den politischen und wirtschaftlichen Umbruchen im Russland der 1990er Jahre gingen die Stadte als eigenstandige und selbstverantwortliche kommunale Einheiten hervor Dazu erhielten sie lokale und regionale Steuerungsinstanzen Mit den neuen Staatsgrenzen brachen aber auch stark arbeitsteilig organisierte spezialisierte Produktions und Distributionsablaufe zusammen Viele Stadte waren plotzlich von den bisherigen Netzwerken abgeschnitten Ehemals zentral gelegene Stadte stellten plotzlich Grenzstadte dar und waren geopolitisch peripher gelegen Dadurch veranderten sich grundlegend die funktionale Struktur und die wirtschaftliche Entwicklungsbasis der russischen Stadte und fuhrte zu Verschiebungen im Stadtesystem Russlands mit Auf und Absteigern Zu den Gewinnern der Transformation gehoren bisher vor allem die Metropolen allen voran Moskau Weil Kapital zur Gewinnung und zum Transport von Rohstoffen unter extremen Bedingungen fehlte gerieten viele Bergbaustadte des Nordens in eine Uberlebenskrise Die zehn grossten Stadte Russlands ehemalige Namen aus sowjetischer Zeit in Klammern Moskau Zentralrussland 12 23 Mio Einwohner Sankt Petersburg Leningrad Nordwestrussland 5 28 Mio Einwohner Nowosibirsk Sibirien 1 60 Mio Einwohner Jekaterinburg Swerdlowsk Ural 1 46 Mio Einwohner Nischni Nowgorod Gorki Wolga 1 26 Mio Einwohner Kasan Wolga 1 23 Mio Einwohner Tscheljabinsk Ural 1 20 Mio Einwohner Omsk Sibirien 1 18 Mio Einwohner Samara Kuibyschew Wolga 1 17 Mio Einwohner Rostow am Don Sudrussland 1 13 Mio Einwohner Fur weitere Stadte siehe Liste der Stadte in Russland Volker Bearbeiten Hauptartikel Liste der Volker in Russland und Sprachen Russlands Russische Kinder in Nordrussland 1909 Streng genommen wurde Rossijskaja Federazija wortlich ubersetzt Russlandische Foderation von Rossija Russland und nicht Russische Foderation heissen Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija Russische Foderation als Staatsbezeichnung gewahlt um auch die nichtrussischen Nationalitaten mit einzubeziehen Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede spricht man daher im Russischen von russkij russisch fur den russischen Staat hingegen verwendet man das Adjektiv rossijskij russlandisch Trotzdem wird im Deutschen in beiden Fallen zumeist das Adjektiv russisch verwendet Der Gebrauch des Wortes russlandisch beschrankt sich weitgehend auf Fachpublikationen Auch die amtliche Ubersetzung der Verfassung Russlands verwendet diese Variante Die Russische Foderation begreift sich auch heute noch als Vielvolkerstaat Die grosste Gruppe sind die Russen die mit 79 8 Prozent die Mehrheit der Bevolkerung stellen doch leben nahezu 100 weitere Volker auf dem Gebiet des Landes Trotz der Heterogenitat ist die russische Bevolkerung in allen stadtischen und industriell gepragten Raumen landesweit dominant und die Titularnationen bilden auch in ihren eigenen Territorien haufig die Minderheit 41 So zahlen nur 23 Volker bzw Titularnationen mehr als 400 000 Personen Der Grad der ethnischen Identifikation variiert Russen in Sankt Petersburg Grossere Minderheiten sind die Tataren 4 0 Prozent die Ukrainer 2 2 Prozent die Armenier 1 9 Prozent die Tschuwaschen 1 5 Prozent die Baschkiren 1 4 Prozent die Deutschen 0 8 Prozent und andere Zu den kleineren Minderheiten zahlen beispielsweise die Mescheten und verschiedene Minderheiten judischen Glaubens Die nichtrussischen Minderheiten sprechen uberwiegend Sprachen aus dem Kreis der Turksprachen kaukasische Sprachen uralische Sprachen samojedische Sprachen altaische oder palaosibirische Sprachen Fur viele nichtrussische Volker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet Wahrend manche Minderheiten wie etwa Armenier Koreaner und Deutsche auf die verschiedensten Regionen Russlands verteilt sind gibt es auch im europaischem Russland mehrere indigene Volker Gross ist die Zahl der Nationalitaten im Kaukasusgebiet das erst im letzten Drittel des 18 Jahrhunderts zu Russland kam Siehe auch Indigene Volker des russischen Nordens Die zahlenmassig bedeutendsten indigenen Minderheiten RusslandsName Nationalitat in Russ Foderation Foderationskreis eigener Republik 1 Sprache Sprachfamilie Religion Bevolkerungsanteil in der eigenen Republik Historischer BezugWolga Tataren 5 6 Mio 4 Mio Wolga 2 Mio Tatarisch Turksprache Islam Tatarstan 52 9 Nachfahren der Kiptschaken Wolgabulgaren Tataren und MongolenBaschkiren 1 7 Mio 1 4 Mio Wolga 1 2 Mio Baschkirisch Turksprache Islam Baschkortostan 30 zusammen mit Tataren 54 eng verwandt mit WolgabulgarenTschuwaschen 1 6 Mio 1 4 Mio Wolga 890 000 Tschuwaschisch Turksprache Russisch Orthodox Tschuwaschien 67 7 Nachkommen der Wolgabulgaren und anderer GruppenTschetschenen 1 4 Mio 1 3 Mio Sud 1 0 Mio Tschetschenisch nordostkaukasisch Islam Tschetschenien 93 Mordwinen 977 000 788 000 Wolga 410 000 Mordwinisch finnougrisch Russisch Orthodox Mordwinien 36 2 Awaren 814 000 785 000 Sud 758 000 Awarisch nordostkaukasisch Islam Dagestan 29 44 Osseten 515 000 477 000 Sud 446 000 Ossetisch iranisch Russisch Orthodox Islam Nordossetien Alanien 62 70 Alanen dazu etwa 70 000 in Sudossetien ausserhalb RusslandsTscherkessen 700 000 einschl Kabardinern und Adyge 61 000 58 000 Sud 50 000 Kabardinisch nordwestkaukasisch Islam Karatschai Tscherkessien 11 zusammen mit Karatschaiern 50 1864 zur Mehrheit ins Osmanische Reich vertrieben heute 1 5 Mio in der Turkei 512 000 512 000 Sud 499 000 Kabardinisch Islam Kabardino Balkarien 48 bis 55 zusammen mit Balkaren 67 128 000 126 000 Sud 108 000 Adygeisch Islam Adygeja 24 Mari 604 000 512 000 Wolga 312 000 Mari finnougrisch Russisch Orthodox Mari El 43 Udmurten 637 000 273 000 Wolga 461 000 Udmurtisch finnougrisch Russisch Orthodox Udmurtien 37 Burjaten 445 000 423 000 Sibirien 273 000 Burjatisch mongolisch Buddhismus Burjatien 28 Jakuten 443 000 441 000 Sibirien 432 000 Jakutisch Turksprache Russisch Orthodox Jakutien 46 Komi Syrjanen 309 000 281 000 Nordwest 269 000 Komi finnougrisch Russisch Orthodox Republik Komi 35 Komi Permjaken 125 000 107 000 Wolga 80 000 Russisch Orthodox Kreis der Komi PermjakenDarginer 510 000 489 000 Sud 425 526 Darginisch nordostkaukasisch Islam Dagestan 16 52 Krimtataren ca 500 000 Kiptschakische Sprachen Turksprachen Islam Autonome Republik Krim und Sewastopol ca 11 12 Inguschen 413 000 392 000 Sud 360 000 Inguschisch nordostkaukasisch Islam Inguschetien 79 Lesgier 412 698 360 000 Sud 337 000 Lesgisch nordostkaukasisch Islam Dagestan 13 07 dazu etwa 300 000 ausserhalb Russlands in AserbaidschanKumyken 422 000 399 000 Sud 366 000 Kumykisch Turksprache Islam Dagestan 14 20 Kalmucken 176 000 167 000 Sud 156 000 Kalmuckisch Mongolisch Buddhismus Kalmuckien 53 nahe den Oiraten Mongolei und China verwandtAnmerkung 1 Die unter Nationalitat genannten Zahlen stehen fur die Identifikation also wie viele Burger Russlands und seiner autonomen Gliederungen sich bei der Volkszahlung von 2002 42 zu der jeweiligen Nationalitat bekannt haben In der amtlichen Statistik sind bei den Mordwinen und Osseten jeweils zwei bei den Komi eine Splittergruppe getrennt aufgefuhrt die aber mehrheitlich in derselben Teilrepublik wohnen Sprachen Bearbeiten Russisch ist die einzige uberall geltende Amtssprache parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken jedoch haufig die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet Die Verwendung dieser Sprachen wird im Unterricht in den Massenmedien und in der Kulturpolitik gefordert Die Regierungen und Parlamente der Republiken betrachten dies als unabdingbare Voraussetzung um ein Aussterben von Volksgruppen zu verhindern Allerdings nimmt die Beherrschung der indigenen Muttersprache unter den betroffenen Volksgruppen ab Das kyrillische Alphabet ist die mit der Ausnahme Tatarstans einzige offizielle Schrift und es besteht die Richtlinie dass alle jeweiligen Sprachen kyrillisch zu schreiben sind Tatarisch wurde als einzige Ausnahme ab 2001 gegen den Widerstand der in Tatarstan ansassigen russischsprachigen Bevolkerung ausschliesslich in lateinischer Schrift geschrieben Diese Praxis verbot das russische Verfassungsgericht jedoch im November 2004 mit der Begrundung dass fur die Einigkeit Russlands eine einheitliche Schrift notwendig sei 43 Religionen Bearbeiten Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem damit verbundenen Verschwinden der atheistischen Staatsideologie des Marxismus Leninismus fand eine Ruckbesinnung auf religiose Werte statt Die in Russland am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum vor allem der russisch orthodoxe Glaube sowie der Islam Islam in Russland Vertreten sind daruber hinaus zahlreiche andere Konfessionen wie der romisch katholische Glauben der Protestantismus das Judentum der Buddhismus sowie traditionelle Glaubensrichtungen einiger Volksgruppen Etwa ein Drittel der Bevolkerung bezeichnet sich als Atheisten oder Konfessionslose A 6 Orthodoxe 40 75 Religionslose und Atheisten 25 35 Agnostiker 20 25 Muslime 7 15 Andere Christen 2 Buddhisten 0 7 Juden 0 35 Was die Zugehorigkeit zu einzelnen Religionsgruppen angeht gibt es keine zuverlassigen Zahlen da die Mitglieder von Kirchen und Gemeinden in Russland nicht registriert werden und keine Kirchensteuer erhoben wird Umfragen weichen oft erheblich voneinander ab So hat die Stiftung fur offentliche Meinung FOM 2012 nur noch 41 Prozent Orthodoxe festgestellt gegenuber 13 Prozent Atheisten und nur 6 5 Prozent Muslimen Weitere 25 Prozent aber bezeichneten sich als Agnostiker bzw gaben an an eine hohere gottahnliche Macht zu glauben 44 Das Gesamtrussische Zentrum fur Meinungsforschung VCIOM ging hingegen 2010 von 75 Prozent Orthodoxen und nur 8 Prozent Atheisten aus seine Zahlen werden auch von der Russischen Botschaft in Deutschland zitiert 45 Abweichend von den genannten Umfragen wird der Anteil der Orthodoxen meist zwischen 51 46 47 und 72 A 7 48 49 Prozent angegeben die der anderen Christen mit zusammen kaum 2 Prozent die der Buddhisten mit knapp 1 Prozent und die der Juden mit etwa 0 35 Prozent 50 Der Fischer Weltalmanach und der Religious Freedom Report des US Aussenministeriums geben 14 Prozent Muslime an 49 51 Das CIA World Factbook ging 2006 von folgenden groben Schatzungen fur praktizierende Glaubige aus also von solchen die ihren Glauben aktiv ausuben 15 bis 20 Prozent Russisch Orthodoxe 10 bis 15 Prozent Muslime 2 Prozent andere christliche Konfessionen 52 Russisch Orthodoxe Kirche Bearbeiten Hauptartikel Russisch Orthodoxe Kirche In den oft prachtig ausgestatteten orthodoxen Kirchen hier die Verklarungskathedrale in Toljatti finden meist taglich Gottesdienste statt Die orthodoxe Liturgie ist das Gegenstuck zur romisch katholischen Heiligen Messe Der russisch orthodoxe Glaube reicht bis ins fruhe Mittelalter zuruck Die engen Kontakte zu dieser Glaubensrichtung resultierten aus dem hauptsachlich auf Konstantinopel ausgerichteten Handel und den damit engen Kontakten mit Byzanz Die Furstin Olga von Kiew 893 924 liess sich als erste Herrscherin aus der rurikidischen Dynastie taufen konnte den christlichen Glauben im Reich aber nicht durchsetzen Nach der Belagerung von Konstantinopel 860 kamen ab 911 verstarkt orthodoxe Missionare ins Land angeblich sollen bereits Warager und Russen die am Angriff von 860 teilgenommen hatten getauft zuruckgekehrt sein Unter Olgas Enkel Wladimir dem Heiligen begann 988 989 die Christianisierung der Rus wobei die Kiewer Bevolkerung in Massentaufen bekehrt wurde Nach Wladimirs Tod 1015 wurden die bisher heidnischen Volker noch jahrzehntelang weiter christianisiert Byzanz betrieb zu dieser Zeit seine Kirchenpolitik im bewussten Gegensatz zu Rom und vermittelte den Ostslawen bei ihrer Bekehrung antiromische Tendenzen 53 Die Kirche Kiews wurde als Teilkirche des Patriarchates von Konstantinopel zunachst von Exarchen verwaltet was keine Auswirkungen auf die politische Selbstandigkeit der Kiewer Grossfursten hatte Die Orthodoxe Kirche und ihre Werte bilden bis heute eine tragende gesellschaftliche Saule des russischen Reiches Nach der Vernichtung der Kiewer Rus im Mongolensturm und unter der nachfolgenden Goldenen Horde ubersiedelte der Kiewer Metropolit im 14 Jahrhundert zunachst nach Wladimir dann 1328 nach Moskau Im 15 Jahrhundert loste sich die Russisch Orthodoxe Kirche endgultig vom griechisch orthodoxen Patriarchat in Konstantinopel nachdem sich dieses infolge des politischen Niedergangs von Byzanz zu Zugestandnissen an den Papst bereit erklart hatte Die Konzeption von Moskau als Drittem Rom das als einziges den wahren christlichen Glauben aufrecht erhalte war geboren 1589 wurde ein eigenes Patriarchat gegrundet Peter I hob dieses auf und setzte 1721 stattdessen an die Spitze der Kirche den Heiligsten regierenden Synod der 1918 in Sowjetrussland abgeschafft wurde Die Sowjets stellten zunachst das Patriarchat wieder her ehe 1988 ein Heiliger Synod der Russisch Orthodoxen Kirche wiedererrichtet wurde Im Russland vor 1917 durften Anhanger der Russisch Orthodoxen Kirche nicht zu einer anderen Konfession auch wenn sie christlich war ubertreten und durften keine Nichtchristen heiraten Dieser Kirche war es als einziger Religion erlaubt zu missionieren Kinder aus gemischten Ehen mit Nicht Orthodoxen galten als orthodox Erst mit der Revolution von 1905 wurden die Gesetze gelockert Nach der Herrschaftsubernahme der Kommunisten wurden hauptsachlich Mitglieder dieser Kirche unterdruckt da sie als Symbol der Autokratie galt Zwischen 1918 und 1939 wurden ca 40 000 orthodoxe Geistliche hingerichtet Die 77 800 Gemeinden von 1917 wurden bis 1941 auf etwa 3100 reduziert Heute erlebt die Russisch Orthodoxe Kirche eine Wiederbelebung insbesondere in landlichen Gebieten Viele Kloster wurden gegrundet oder wiedererrichtet Die Kirche zahlt gegenwartig etwa 100 Millionen Mitglieder von denen jedoch nur funf bis zehn Prozent regelmassige Gottesdienstbesucher sind Religionsunterricht an Schulen wurde 2006 wieder eingefuhrt Die Russisch Orthodoxe Kirche sieht sich als Vertreter der Interessen des Volkes ohne im Gegensatz zur Regierung zu stehen Der Staat selbst hingegen sieht die Kirche als Garant fur den Zusammenhalt der Gesellschaft Die Mehrheit der Bevolkerung vertraut der Kirche und sieht in ihr eine Institution die Werte vermittelt und den inneren Zusammenhalt in der Gesellschaft starkt 54 Eine Kreuzprozession der Altglaubigen Gemeinde in der Oblast Moskau Daneben haben sich im Verlauf der Geschichte Abspaltungen vom orthodoxen Glauben vollzogen Die alteste Abspaltung sind die Altorthodoxen oder Altglaubigen Weitere aus der Orthodoxie hervorgegangene Glaubensrichtungen sind die Molokanen Aus ihnen gingen wiederum die Duchoborzen hervor Beide Religionsgemeinschaften lehnen Reichtum ab versuchen ein Leben in Bescheidenheit zu fuhren und suchen nach einer wahrhaft biblischen Gemeinschaft Von einigen Leibeigenen wurde die Gemeinschaft der Subbotniki gegrundet Diese berufen sich in erster Linie auf das Alte Testament Viele dieser Sekten oder Gruppierungen waren im Zarenreich willkurlichen Verfolgungen ausgesetzt Siehe auch Liste von russischen Glaubensgemeinschaften ausserhalb der Russisch Orthodoxen Kirche Andere christliche Konfessionen Bearbeiten In Russland gibt es neben der russisch orthodoxen Ausrichtung weitere christliche Konfessionen Die Romisch katholische Kirche in Russland war durch die byzantinischen Einflusse unbeliebt So dauerte es bis 1705 bis Peter I erstmals den Bau einer romisch katholischen Kirche erlaubte Die Katholiken waren sehr strengen staatlichen Kontrollen unterstellt Kummerten sich die Bolschewiki in erster Linie nach der Oktoberrevolution um die Kontrolle der orthodoxen Kirche wurden die Katholiken spater wieder starker beobachtet Bis 1930 waren alle Strukturen der Kirche aufgelost Nach 1945 gab es im russischen Teil der Sowjetunion nur 20 Gemeinden denen es untersagt war Verbindungen untereinander aufzubauen Heute existieren ungefahr 200 katholische Gemeinden mit etwa 400 000 800 000 Mitgliedern in Russland Die Kathedrale der Unbefleckten Empfangnis Moskau wurde restauriert und wieder ihrer Bestimmung zugefuhrt Seit 2010 gibt es wieder einen Apostolischen Nuntius in Moskau Die evangelische Kirche in Russland war fruher fast nur unter den Russlanddeutschen und in ihren Kolonien verbreitet Erst nach der Revolution von 1905 wurden auch fur Russen und Ukrainer andere Konfessionen legalisiert Jedoch gab es auch durch die russlanddeutschen Adventisten und Baptisten erfolgreiche Missionierungsversuche unter der einheimischen Bevolkerung vor der Lockerung der Religionsgesetze Der Protestantismus erlebte in den 1920er Jahren trotz des Atheismus der Regierung der Sowjetunion eine Blutezeit insbesondere die Baptisten Siebenten Tags Adventisten und die Pfingstler Jedoch wurden die Baptisten Evangeliums Christen und die Pfingstler zu zentralistischen Ordnungen gezwungen um sie besser kontrollieren zu konnen Mit den Siebenten Tags Adventisten und den Mennoniten geschah dasselbe im Jahr 1963 In der Zeit des Stalinismus wurden viele evangelische Christen aller Stromungen hingerichtet und verfolgt Wie den meisten Konfessionen war es auch der Neuapostolischen Kirche NAK unmoglich vor dem Fall der Berliner Mauer 1989 und des eisernen Vorhangs in Russland zu missionieren Seitdem wachst die Zahl der neuapostolischen Christen in Russland stetig Wahrend es um die Jahrtausendwende 23 500 waren zahlt die Neuapostolische Kirche heute beinahe 40 000 Glaubige Auch ist sie seit Beginn der 1990er Jahre staatlich anerkannt 55 56 Mit Stand vom April 2017 gibt es etwa 170 000 aktive Zeugen Jehovas in Russland In der Sowjetunion wurden insbesondere vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bis 1965 viele Zeugen Jehovas inhaftiert und nach Sibirien deportiert siehe Operation Nord 57 Seit einigen Jahren fuhrte der russische Staat insgesamt sieben Verbotsklagen gegen die Zeugen Jehovas 58 Der Europaische Gerichtshof fur Menschenrechte verurteilte Russland mehrfach zu Schadenersatzzahlungen wegen seines Vorgehens gegen die Religionsgruppe 59 Am 20 April 2017 wurde die Gemeinschaft von Russlands oberstem Gericht als extremistische Organisation eingestuft und verboten Der Besitz aller Regionalverbande wurde beschlagnahmt 60 Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Gerichtsentscheidung 59 Islam Bearbeiten Verbreitung des Islam in Russland Der Islam in Russland ist im Nordkaukasus schon seit dem 7 Jahrhundert verbreitet und damit auf dem heutigen russischen Staatsgebiet alter als die erste russische Staatsgrundung und die Christianisierung des Landes Im Jahr 922 traten auch die Wolgabulgaren zum Islam uber und gaben ihn im 13 Jahrhundert an die Tataren weiter Die einheimischen Volker des Kaukasus und die Turkvolker sind zumeist sunnitische Glaubige Bereits Ende des 19 Jahrhunderts waren im Russischen Reich 11 1 Prozent der Gesamtbevolkerung muslimischer Herkunft Im heutigen Russland ist der Anteil der Muslime mit rund 14 Prozent etwa ebenso gross wie einst in der Sowjetunion Von 1990 bis 1994 bestand in Russland die Islamische Partei der Wiedergeburt Daneben gibt es auch eine Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans sowie zahlreiche weitere Organisationen und Abspaltungen Zentren des Islam in Russland sind heute neben Kasan und Moskau auch Ufa und Dagestan Die zunehmende Bedeutung des Islam im Kaukasus gehe gemass Recherchen der Nowaja Gaseta im 2018 einher mit dem Vertrauensverlust in den Staat 61 Judentum Bearbeiten Die Geschichte der Juden in Russland lasst sich seit dem 4 Jahrhundert nachweisen als Juden aus Armenien und von der Krim sich auch in Tmutarakan niederliessen Im spaten 8 oder fruhen 9 Jahrhundert konvertierte ein Grossteil der Chasaren zum Judentum Nach der Vernichtung des Chasaren Reiches durch Swjatoslaw I 969 beschrankte sich das Judentum im Wesentlichen auf Kiew die Krim und den Kaukasus Im Grossfurstentum Moskau wurden Juden 1471 das erste Mal erwahnt Bis zur Zeit Iwans des Schrecklichen 1533 1584 wurden Juden bis auf einige gegen sie gerichtete Gesetze toleriert Ab 1721 wurden sie aus dem Russischen Kaiserreich ausgewiesen bis dies durch die Eingliederung der ostlichen Teile Polens 1793 und 1795 unmoglich wurde Die Juden mussten ab 1791 innerhalb des Ansiedlungsrayons leben die sich auf dem heutigen Gebiet der Ukraine Weissrusslands und des Baltikums befand Grosse Choral Synagoge in Sankt Petersburg Im 19 Jahrhundert unterstutzten fuhrende Beamte wie Konstantin Pobedonoszew antisemitische Stromungen in der Bevolkerung So kam es im sudlichen Russland 1881 zu vielen Pogromen nachdem den Juden falschlich der Anschlag auf Alexander II unterstellt wurde Die Maigesetze von 1882 vertrieben die Juden selbst im Ansiedlungsrayon aus den landlichen Gebieten mit Quoten begrenzte man die Anzahl der Juden die zu hoherer Bildung zugelassen wurden auf drei bis zehn Prozent Zwischen 1880 und 1920 flohen mehr als zwei Millionen Juden aus Russland besonders nach Amerika 1903 brachen neue Pogrome aus die sich in der Russischen Revolution nochmals verstarkten und zu zwischen 70 000 und 250 000 Opfern in der judischen Zivilbevolkerung fuhrten Wahrend des Stalinismus wurde in Russisch Fernost die Judische Autonome Oblast mit dem Hauptort Birobidschan gegrundet wo sich nur wenige Juden ansiedelten Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor gibt es heute nur noch wenige Juden da viele von ihnen nach Deutschland oder nach Amerika die meisten aber nach Israel ausgewandert sind Heute gibt es in Russland 87 Synagogen die meisten davon in Sankt Petersburg und in Moskau darunter die Moskauer Gedenksynagoge Die Juden im europaischen Russland sind meist Aschkenasim ostlich davon leben daneben auch einige Bergjuden und Bucharische Juden die zu den Mizrachim gezahlt werden Buddhismus Bearbeiten Buddhismus in Russland In Russland ist auch die tibetische Form des Buddhismus verbreitet wobei er sich ursprunglich auf die asiatischen Volker Kalmucken Tuwiner beschrankte Ebenso wie Geistliche und Anhanger praktisch aller anderen Religionen wurden in der Sowjetunion wahrend der kommunistischen Herrschaft auch buddhistische Monche verfolgt und unterdruckt Seit der politischen Wende in Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verzeichnen die buddhistischen Gemeinschaften hingegen wieder Mitgliederzuwachs unter den Angehorigen der traditionell buddhistischen Volker aber auch seitens der Russen und anderen Nationalitaten Schamanismus Bearbeiten Der Schamanismus ist unter der indigenen Bevolkerung in Sibirien wieder weit verbreitet insbesondere bei den kleinen Volkern des russischen Nordens Zwar sind heute die meisten Bewohner Sibiriens Christen dennoch sehen sie es nicht als Widerspruch die Rituale ihrer Vorfahren zu praktizieren Gesellschaft und Mentalitat Bearbeiten Verstehen kann man Russland nicht und auch nicht messen mit Verstand Es hat sein eigenes Gesicht Nur glauben kann man an das Land Bekannt gewordenes Bonmot von 1866 von Fjodor Iwanowitsch Tjuttschew das den Nationalcharakter des russischen Volkes beschreibt Die Sowjetunion war ein ausgesprochener Vielvolkerstaat und auch im heutigen Russland treffen sich viele unterschiedliche Mentalitaten Die Verschmelzung dieser Volker und Konfessionen sowie Einflusse westlicher wie ostlicher Pragungen schufen aber auch markante Eigenarten die sich im Stereotyp der russischen Seele manifestieren Dieser Begriff pragt bis heute das Russlandbild im westlichen Ausland diente der Begriff Russophilen und Kritikern der westlichen Lebensweise als Projektion zu der als gefuhlskalt empfundenen eigenen Zivilisation 62 Die russische Seele wird als ein Hang zu extremen Gegensatzen beschrieben der sich aus der geschichtlichen Entwicklung der russischen Volkskultur ergeben hat Diese Extreme aussern sich z B in dem Streben nach dem absolut Aussersten verbunden mit der Bereitschaft zu einer plotzlichen Richtungsanderung 63 dazu kommen eine ausgepragte Schicksalsergebenheit ein Hang zur Geduld Neigung zum Aberglauben Leidensfahigkeit oder auch eine sehr starke Heimatverbundenheit Die bereits erwahnte Alles oder nichts Mentalitat kennt keinen Kompromiss oder goldene Mitte Bekannt ist auch die Offenheit von Gefuhlsausserungen positiven wie negativen denen im Vergleich mit rationalen Erwagungen haufig mehr Gewicht zugemessen wird was westliche Auslander oft irritiert Wichtig ist zudem weiterhin ein starkes Solidaritats und Gemeinschaftsgefuhl Die russische Gesellschaft ist traditionell kollektivistisch gepragt die Zugehorigkeit zu einer Gruppe sehr wichtig Dieses Wertesystem beruht ursprunglich auf der Lebensweise der bauerlichen Dorfgemeinschaft dem Mir Da auch Grund und Boden lange Zeit Gemeingut waren definiert man sich in Russland seit jeher uber die Gemeinschaft und achtet auf die Stimmigkeit von eigenem Verhalten und eigener Meinungsausserung mit denen des Kollektivs Die Familie ist fur viele Russen eine wichtige Bezugsgruppe besonders auf dem Land lebt man in jeder Beziehung eng zusammen Dort wohnen oft mehrere Generationen in einer Wohnung oder in einem Haus Die traditionelle Familie unterstutzt sich finanziell und hilft einander bei der Kinderbetreuung und Seniorenpflege Die Kollektivorientierung zeigt sich bisweilen auch heute noch im Berufsalltag Das Kollegium wird als Gemeinschaft erlebt und es ist sehr wichtig diese Gruppenorientierung zu starken Vetternwirtschaft Nepotismus bei der Stellen oder Auftragsvergabe ist dabei eine Nebenwirkung Seit der Auflosung der Sowjetunion orientieren sich nun aber insbesondere gebildete Bevolkerungsschichten in den Grossstadten die von der neu gewonnenen Reisefreiheit profitieren konnen an Prinzipien des Individualismus was inzwischen ein massives innergesellschaftliches Spannungsverhaltnis zur Folge hat und zu einem zentralen Thema in zeitgenossischer Literatur und Filmschaffen geworden ist Bildungsnahe ehrgeizige und kritische Menschen suchten nach dem markanten Bruch mit der westlichen Welt 2014 vermehrt Lebensmoglichkeiten im Ausland die Duma diskutierte 2015 gar ein Verbot von Fremdsprachenunterricht weil dieser die Abwanderung fordere 64 65 66 Gesundheitswesen Bearbeiten Siehe auch Liste der russischen Foderationssubjekte nach Lebenserwartung Entwicklung der Lebenserwartung Artikel 41 der Verfassung Russlands garantiert allen Burgern das Recht auf kostenlose medizinische Grundversorgung Dieser seit Sowjetzeiten bestehende Grundsatz ist zum Teil die Ursache dafur dass Russland im internationalen Vergleich eine vergleichsweise hohe Anzahl Arzte und Krankenhauser pro Kopf der Bevolkerung aufweist 67 68 Dennoch ist der gesundheitliche Zustand der russischen Bevolkerung schlecht Gerade beim wirtschaftlichen Niedergang der 1990er Jahre in Russland wurde das Gesundheitswesen stark getroffen 69 Infolge ausserst niedriger Entlohnungen der Arzte und Krankenschwestern wurde die medizinische Versorgung der breiten Offentlichkeit massiv verschlechtert So ist inzwischen jede dritte Klinik der 7000 Krankenhauser im Land dringend renovierungsbedurftig Schrittweise werden in letzter Zeit die Gehalter fur das medizinische Personal angehoben sowie staatliche Mittel in die Einrichtung neuer und Modernisierung bestehender Kliniken investiert Zwischen 1999 und 2003 betrugen die Gesamtausgaben fur den Gesundheitssektor in Russland im Verhaltnis zum BIP durchschnittlich 5 70 Prozent In Russland ist der Gesundheitssektor dezentral organisiert Das Gesundheitsministerium ist auf foderaler Ebene fur den gesamten Sektor zustandig Konkrete medizinische Leistungen inklusive die Bereitstellung von Krankenhausern obliegen aber den Foderationssubjekten und Gemeinden die rund zwei Drittel der gesamten Budgetausgaben bestreiten Das russische Gesundheitssystem wird durch einen Mix aus Budgetmitteln und Mitteln aus der Sozialversicherung finanziert Auf die Verschlechterung der Beziehungen zum Westen folgten ab 2015 Zulassungsbeschrankungen fur medizinische Gerate aus dem Ausland 70 Kennzahl 2000 nach Rosstat 71 2010 nach Rosstat 71 VeranderungGeburten in Tsd 1267 1790 41 3 Sterbefalle in Tsd 2225 2031 8 7 Naturl Bevolkerungsabnahme in Tsd 959 241 74 9 Sauglingssterblichkeit in Tsd 19 3 13 4 30 6 Lebenserwartung in Jahren 65 3 69 5 7 Selbsttotungen in Tsd 56 9 33 3 41 5 Alkoholvergiftungen in Tsd 37 2 14 4 61 3 Abtreibungen pro 100 Geburten 168 8 66 3 60 8 Statistische Kennzahlen im Bereich Gesundheit und Soziales Lebenserwartung 2010 69 0 JahreLebenserwartung Manner 2010 63 0 JahreLebenserwartung Frauen 2010 74 9 JahreSauglingssterblichkeit 2010 7 5 von 1000Kindersterblichkeit 2004 2 1 Muttersterblichkeit 2005 28 100 000 Geb Arzte 4 9 1000 Einw Krankenhausbetten 10 7 1000 Einw Zugang zu sauberem Trinkwasser gemass WHO Kriterien 88 Land 100 Stadt Geburtenrate 2010 12 6 1000 Einw Sterblichkeit 2010 14 3 1000 Einw Suizide pro 100 000 Einwohner 23 5Bevolkerungswachstum 2009 0 008 Fruchtbarkeit 2009 1 54 Kinder FrauHIV Infektionsrate 2005 0 78 HIV AIDS Infizierte 2015 986 657Offentliche Ausgaben fur Gesundheit 1997 4 6 des BIPOffentliche Ausgaben fur Altersversorgung 1996 5 7 des BIPOffentliche Ausgaben fur Bildung und Erziehung k A Schulpflicht 7 18 JahreAnalphabetenquote 2002 0 6 Armutsquote 13 0 Kinderunterernahrung 3 Quelle Rosstat WHO Armut Bearbeiten Nach dem Zerfall der UdSSR stieg die Armut bis 1999 auf uber 40 Bevolkerungsanteil und sank danach spurbar 2002 betrug der Anteil 19 6 und reduzierte sich bis 2011 auf 12 8 der Bevolkerung oder 18 Millionen Russen Offiziell lag dabei das Existenzminimum bei 170 Euro fur einen Menschen im arbeitsfahigen Alter bei Kindern liegt der Wert unwesentlich niedriger bei Rentnern betragt er 125 Euro 72 Der Lebensstandard verbesserte sich regional sehr unterschiedlich Wahrend besonders in Moskau und St Petersburg einige Viertel in neuem Glanz zu erstrahlen begannen war in Regionen die Armut nach wie vor gross In Tschetschenien und Dagestan lebten mehr als die Halfte der Menschen in Armut weitere arme Regionen sind Inguschetien Tuwa und Kabardino Balkarien Mari El Kalmuckien Burjatien und Altai und Mordwinien 2011 betrug der Durchschnittslohn 576 pro Monat Die grossen Einkommensdifferenzen konnten ab 2005 verringert werden insbesondere die mittlere Einkommensschicht nahm prozentual erheblich zu Die Renten lagen 2010 das erste Mal seit vielen Jahren uber dem Existenzminimum und sollten gemass Prognosen bis 2014 auf 268 Euro steigen 2012 zahlte etwa die Halfte der Bevolkerung zu der einkommensschwachen Schicht die zentrale soziale Bedurfnisse wie Wohnraum oder zusatzliche Ausbildung nicht finanzieren kann 73 Tatsachlich betrug im Jahr 2014 die durchschnittliche Rente 10 000 Rubel was 160 Euro entsprach 74 Renten und Gehalter mussten eingefroren werden Seit 2014 wurden Gelder der zweiten kapitalgedeckten Saule der Altersvorsorge zur Deckung des Finanzbedarfs herangezogen 75 Die Verringerung der Armut zahlte im Fruhjahr 2019 zu einem der Funfjahresziele des Prasidenten Putin Fast 19 Millionen Russen galten als arm das entsprach 12 9 der Bevolkerung 76 77 Die armeren Bevolkerungsschichten litten bis 2009 unter zweistellig steigenden Verbraucherpreisen die sich bis 2012 wieder verringerten Von 2014 bis 2019 verringerte sich das Realeinkommen 77 Die Arbeitslosenquote hatte mit der Uberwindung der Finanzkrise 2008 zu sinken begonnen In Wachstumsregionen wie Moskau Kaluga und St Petersburg tendierte die Erwerbslosigkeit gegen Null Die Arbeitslosigkeit betrug nach Berechnung nach Standards der Internationalen Arbeitsorganisation 2005 7 1 2010 7 6 und 2011 6 6 Bis 2014 sank sie auf 5 2 und begann wieder zu steigen Das Arbeitslosengeld betrug zwischen 60 und 70 Euro im Monat 78 Die Arbeitslosigkeit ist aber aufgrund einer Besonderheit des russischen Arbeitsrechts ein problematischer Indikator fur die Konjunkturlage Betriebsbedingte Kundigungen sind in Russland zumeist unzulassig stattdessen durfen Arbeitgeber einseitig Arbeitsentgelte reduzieren Daher verbleiben russische Arbeitnehmer auch bei Auftragsmangel lieber in ihrem Betrieb und nehmen hohe Lohneinbussen in Kauf anstatt die mit 20 bis 110 Euro im Jahr 2019 eher symbolische Arbeitslosenunterstutzung in Anspruch zu nehmen 79 Im Human Development Index der Vereinten Nationen stand Russland 2016 mit 0 8 von 1 auf Platz 49 80 der Gini Koeffizient lag bei 37 7 Umweltschutz Bearbeiten Hauptartikel Russische Massnahmen in der Klimapolitik Bikin Nationalpark in der Russischen Region Primorje Zur Zeit der Sowjetunion wurde die russische Natur schwer belastet von Fabrikabfallen vermullt chemisch und radioaktiv verunreinigt Auch heute gibt es ernsthafte Umweltprobleme in Russland aber auch ein wachsendes Umweltbewusstsein in der Bevolkerung Das Recht des Burgers auf gesunde Umwelt und auf verlassliche Informationen uber ihren Zustand ist im Artikel 42 der russischen Verfassung verankert Allerdings hat der Umweltschutz in der russischen Politik eine vergleichsweise niedrige Prioritat was von internationalen Umweltorganisationen wie WWF oder Greenpeace immer wieder kritisiert wird 81 So wurden in der Vergangenheit oft gangige Umweltstandards bei der Erschliessung neuer Erdol oder Erdgasvorkommen nur unzureichend eingehalten Ein bekanntes Beispiel der jungsten Zeit ist die Erschliessung der Fordergebiete Sachalin II bei der in hoherem Masse gegen Umweltauflagen verstossen worden sein soll 82 Hinzu kommt eine verbreitete Korruption 83 innerhalb staatlicher Umweltbehorden die mehrfache Verstosse gegen Umweltauflagen beim Bau von Hausern oder massenhaften illegalen Holzeinschlag ermoglicht Auch eine Vielzahl von Altlasten aus den Sowjetzeiten darunter marode Fabriken die die heutigen Umweltstandards nicht einhalten konnen belasten die Umwelt in Teilen des Landes erheblich Einige Stadte mit solchen Fabriken wie Norilsk oder Dserschinsk gelten als okologisches Notstandsgebiet 84 Umso starker die Lebensqualitat steigen wird desto wichtiger und dringlicher werden in Zukunft Umweltfragen in Russlands Offentlichkeit und Politik diskutiert Seit 2004 werden vereinzelte Bemuhungen der russischen Staatsmacht zum Vorantreiben des Umwelt und Klimaschutzes sichtbar So wurde in Russland die Ratifizierung des Kyoto Abkommens am 5 November 2004 mit der Zustimmung des Prasidenten zum Beschluss der Staatsduma abgeschlossen 85 Am 30 Januar 2008 ausserte sich der designierte Prasident Dmitri Medwedew fur eine schnelle Entwicklung des einheimischen Marktes fur Innovationstechnik im Umweltschutz 86 Inzwischen gibt es Plane der Regierung die Energieeffizienz in Russland zu steigern um den erheblichen Verlust an Warmeenergie fur den Wohnungssektor zu begrenzen Geschichte Bearbeiten Hauptartikel Geschichte Russlands und Geschichte der Sowjetunion Kiewer Rus um die Jahrtausendwende Russland erreichte im 19 Jahrhundert seine grosste territoriale Ausdehnung Russlands Geschichte erlebte seit ihrem Beginn im 9 Jahrhundert vielfaltige Bruche So ist die russische Geschichte eine Eigenentwicklung die sich von der Entwicklung seiner Nachbarn in Europa deutlich unterscheidet Ursachlich dafur ist ein standiges In und Gegeneinanderspiel typisch russischer Merkmale aus sozialen Begebenheiten und geographischen Einflussen die seine Geschichte auf weiten Strecken begleiteten So gab die erdraumliche Lage Russland eine Bruckenstellung zwischen Europa und Asien die je nach Kraftelage die Aggression fremder Machte grossere Einfalle u a 1240 1242 1609 1709 1812 1917 1941 oder die eigene Expansion begunstigte Dazu trug das Fehlen von naturlichen Grenzen bei was Russland im Wechselspiel mit der Erfahrung fremder Einfalle dazu veranlasste die Grenzen so weit auszudehnen bis naturliche Grenzen einen wirksamen Schutz bilden konnten vgl Russische Kolonisation 87 Dieses starke aus historischen Einfallen resultierende Sicherheitsbedurfnis Russlands setzt sich bis heute fort Die Spannung zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der Bewaltigung bzw Nichtbewaltigung durch die jeweils herrschenden Gruppen gehort ebenso zu den Konstanten der russischen Geschichte Beispielhaft zu nennen sind die Nichtbewaltigung der sozialen Unruhen im Zuge des Industriezeitalters mit ihren Hohepunkten in der Revolution 1905 der Februar und der Oktoberrevolution 1917 oder die postkommunistische Systemtransformation der 1990er Jahre Die aus der byzantinischen Orthodoxie ubernommenen Denkweisen fuhrten zu Spannungen mit modernistischen Tendenzen und begrundeten das markante Spannungsverhaltnis zwischen Beharrung und Fortschritt das sich z B bei der Kirchenspaltung 1666 1667 oder den Petrinischen Reformen 1700 1720 deutlich zeigte Aufgrund der fehlenden romischen Rechtstradition fehlte lange Zeit ein Widerstandsrecht gegen herrscherliche Ubergriffe so dass die Beziehung zwischen Staatsgewalt und der wirtschaftlichen und politischen Freiheit des Einzelnen belastet blieb Dies zeigte sich besonders im 19 Jahrhundert als liberale Ideen in Russland vermehrt Anhanger fanden und sich in mehreren Attentaten gegen den russischen Selbstherrscher ausserten z B Dekabristenaufstand Die bis zum Ende der Sowjetunion ausgepragte Verbindung von genossenschaftlichen mit herrschaftlichen Elementen liegt ursprunglich in der orthodoxen Kirche begrundet wo die Gemeinschaft der Glaubigen eine viel grossere Rolle spielte als das Gott gegenuber verantwortliche Individuum An diese Vorstellungen des Kollektivs knupften im 19 und 20 Jahrhundert Marxisten und Sozialisten an und setzte diese in der Sowjetunion fort Der Ausgleich zwischen zentralistischer und dezentraler Herrschaft war in der Geschichte Russlands ein konstantes Problem Insbesondere in Ubergangszeiten z B zwischen 1240 und 1480 nach 1917 und nach 1994 nahmen zentrifugale Stromungen an den Randern des Landes zu Altrussland Mongolensturm und Aufstieg Moskaus Bearbeiten Dmitri Donskoi und der in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld besiegte Emir der Goldenen Horde Mamai Szene des Nationaldenkmals Tausend Jahre Russland 1862 Der alte ostslawische Name fur das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europaischen Russlands Weissrusslands und der Ukraine war Rus siehe Kiewer Rus auf Griechisch Rossia Auf diese Form geht der heutige russische Landesname Rossija zuruck Die fruheste Geschichte des europaischen Russlands zur Geschichte des asiatischen Teils siehe Geschichte Sibiriens ist im Norden gepragt von finno ugrischen Volkern und Balten im Suden von den indogermanischen Steppenvolkern des Kurganvolks der Kimmerer Skythen Sarmaten und Alanen spater kamen hier noch Griechen Goten Hunnen und Awaren hinzu In die Mitte zwischen Dnepr und Bug kamen die slawischen Volker die sich ab dem 6 Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen Ab dem 8 Jahrhundert befuhren skandinavische Wikinger die osteuropaischen Flusse und vermischten sich spater mit der slawischen Mehrheitsbevolkerung Diese auch Warager oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren massgeblich an der Grundung des ersten ostslawischen Staates der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod beteiligt Im sudlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingestromten Turkvolker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden mit denen die Rus Handel trieben aber auch Kriege fuhrten Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich fuhrten schliesslich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus Das mangelhafte Senioratsprinzip zur Regelung der Erbfolge forderte die Zersplitterung der Kiewer Rus im 12 Jahrhundert und erleichterte die Unterwerfung der zerstrittenen russischen Furstentumer im Mongolensturm Die mongolische Invasion der Rus begann 1223 mit der Schlacht an der Kalka die Ubergangsphase bis zur Mitte des 14 Jahrhunderts wird als dunkles Zeitalter bezeichnet 88 Die russische Nationalhistoriographie spricht vom Tatarenjoch dieser Zeit Die mongolische Fremdherrschaft fuhrte demnach fur zwei Jahrhunderte zu einem Abbruch der Beziehungen zum Westen und forderte die Abkapselung des orthodoxen Russlands 89 Die russischen Furstentumer lagen im Machtbereich der Goldenen Horde konnten jedoch eine gewisse innere Autonomie bewahren Derweil mussten die russischen Furstentumer im Norden und Westen Angriffe von Schweden Ordensrittern und Litauern abwehren Unter den zersplitterten und verfeindeten russischen Furstentumern erwies sich das kleine und unbedeutende Furstentum Moskau als das durchsetzungsstarkste Dmitri Donskoi der verschiedene russische Furstentumer einen konnte besiegte im Jahre 1380 die Goldene Horde in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld Der Moskauer Grossfurst Iwan der Grosse beendete die Mongolenherrschaft und wurde de facto zum Begrunder eines zentralisierten russischen Staates indem er Schritt fur Schritt die umliegenden russischen Lander einsammelte russisch sobiranie zemel sobiranije semel darunter die Republik Nowgorod Sein Titel Herrscher der ganzen Rus druckte auch den Anspruch auf den vom Grossfurstentum Litauen im 14 Jahrhundert beherrschten westlichen Teil der Rus aus Dies fuhrte zu langanhaltenden Kriegen im 16 und 17 Jahrhundert mit Polen und Litauen vgl Russisch Litauische Kriege Unter Iwan dem Grossen wurde die russische Gesetzgebung reformiert und der Grossteil des heutigen Moskauer Kremls erbaut Sein Enkel Iwan IV begrundete 1547 das Zarentum Russland Unter seiner Herrschaft begann nach der Einnahme der Tatarenhauptstadt Kasan auch die Eroberung Sibiriens die russische Kosaken erstmals im 17 Jahrhundert bis an den Pazifik brachte Offnung Russlands unter Peter dem Grossen und Aufstieg zur europaischen Grossmacht Bearbeiten Hauptartikel Russisches Kaiserreich Zar Peter I der Grosse Begrunder des erneuerten Russischen Kaiserreichs An der Wende zum 18 Jahrhundert offnete Zar Peter der Grosse das in den alten Strukturen erstarrte Zarentum Russland westeuropaischen Einflussen und forderte Wissenschaft und Kultur 1703 grundet er die Stadt Sankt Petersburg die seit 1712 als neue Hauptstadt das Symbol fur den russischen Fortschritt werden sollte Mit dem Sieg gegen Schweden im uber 20 Jahre wahrenden Grossen Nordischen Krieg erlangte Russland nach mehr als 150 Jahren der Auseinandersetzung mit Schweden die Vormachtstellung im Ostseeraum vgl Nordische Kriege Russland ubernahm die Position Schwedens als nordische Grossmacht in Europa Zur Unterstreichung des neuen Status im diplomatischen Ranggefuge Europas liess Zar Peter das Russische Zarentum in Russisches Kaiserreich umbenennen und anderte den Monarchentitel offiziell von Zar in Kaiser russisch Imperator Imperator Katharina die Grosse fuhrte Peters Expansionspolitik weiter Unter ihrer Regierung wurde das Krimkhanat Neurussland erobert Durch die Beteiligung an den drei Teilungen Polens wurde die Westgrenze Russlands weit in Richtung Mitteleuropa vorgeschoben 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau wurden schliesslich jedoch vernichtend geschlagen Dies gab den Auftakt zu den Befreiungskriegen bei denen russische Truppen mit ihren Verbundeten Preussen Osterreich Vereinigtes Konigreich u a Napoleon endgultig besiegen und zur Abdankung zwingen konnten Alexander I zog als Befreier Europas in Paris ein Nach dem Wiener Kongress 1814 15 erlangte Russland eine dominierende Rolle auf dem europaischen Festland die bis zum Krimkrieg 1853 1856 andauerte Aufgrund der festgefahrenen gesellschaftlichen Strukturen wie der Autokratie und der Leibeigenschaft konnte das agrarisch gepragte Reich jedoch mit den sich rasant entwickelnden Industriestaaten immer weniger Schritt halten Der verlorene Krimkrieg gegen die Westmachte legte die inneren Schwachen des Reiches offen und gab Anstoss zu einer Phase der inneren Reformen Diese beschleunigten Russlands wirtschaftliche Entwicklung doch das Land wurde immer wieder von inneren Unruhen destabilisiert da die politischen Veranderungen nicht weitreichend genug waren und grosse Teile der Bevolkerung ausgeklammert wurden Den Westlern die eine Ubernahme westeuropaischer Lebensformen und politischer Institutionen propagierten standen aber immer auch die nationalromantisch gepragten Russophilen oder Slawophilen gegenuber die einen eigenen spezifisch russischen Weg in die Moderne forderten und die pauschale Ubernahme westlicher Werte ganz oder zum grossen Teil ablehnten In den grossen Stadten entstand um die Jahrhundertwende ein Industrieproletariat aber sehr rasch auch eine burgerliche Mittelschicht Diese forderte ihren Anteil an der Verfugung uber die Staatseinnahmen und die Mitverantwortung fur die offentlichen Angelegenheiten Die Angehorigen der Mittelschicht besassen aber kein gemeinsames politisches Bewusstsein Sie verstanden unter politischer Freiheit kein moralisches Ziel sondern meinten damit die Freiheit der materiellen Entfaltung und gerechte Besteuerung 90 So liess sich die Mittelschicht auch nicht auf Dauer von den utopischen Entwurfen der Intelligenzija leiten Eine Anpassung der Verfassungswirklichkeit des Staates der die Mittelschicht naher eingebunden hatte fand aber nicht statt Stattdessen flammte der Terror wieder auf Die Niederlage im Russisch Japanischen Krieg fuhrte letztlich zur Russischen Revolution von 1905 Der russische Kaiser Nikolaus II war jedoch nicht bereit grundlegende Reformen einzuleiten und liess ein weitgehend funktionsloses Parlament die Duma das er notgedrungen genehmigt hatte nur kurze Zeit spater wieder auflosen Russische Revolution und Sowjetunion Bearbeiten Hauptartikel Russische Sozialistische Foderative Sowjetrepublik und Sowjetunion Boris Kustodijew Der Bolschewik 1920 Trotzki Lenin und Kamenew Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach erfasste Russland als Mitglied der Entente eine patriotische Welle eine Stimmung die anfanglich alle Kriegsparteien bestimmte einschliesslich des Deutschen Kaiserreichs und dessen Verbundeten Mittelmachte Die anfanglichen Erfolge vor allem gegen Osterreich Ungarn und das Osmanische Reich wurden bald abgelost von einem Stellungskrieg bis 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach Die Unzufriedenheit der Bevolkerung und die trostlose Versorgungslage fuhrten in der Hauptstadt Petrograd zu Demonstrationen der Arbeiter und Bauern Nach blutiger Niederschlagung der Demonstranten sturmten diese den Winterpalast und Kaiser Nikolaus II wurde zum Abdanken gezwungen In Folge kam im Februar 1917 eine provisorische Regierung unter Beteiligung der Menschewiki und von Sozialrevolutionaren an die Macht die als Doppelregierung mit Arbeiter und Soldatensowjets amtierte Nach der Februarrevolution 1917 erlangten die Frauen in Russland das aktive und passive Wahlrecht 91 Sie waren sowohl an den Wahlen zu den Sowjets als auch zu den Stadtdumas zugelassen Im Mai 1917 wurde ein Gesetz beschlossen das russischen Staatsburgerinnen und Staatsburgern uber 20 das Recht verschaffte die Konstituierende Versammlung zu wahlen Nach der Oktoberrevolution wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht in der Verfassung der RSFSR vom 10 Juli 1918 festgeschrieben 92 93 94 Aus dem der Oktoberrevolution folgenden Burgerkrieg zwischen Roten und Weissen gingen die Bolschewiki als Sieger hervor Die drei baltischen Staaten Estland Lettland und Litauen wie auch Finnland errangen dagegen durch Abwehr der Roten Armee bzw durch langere Burgerkriege ihre Unabhangigkeit von Russland Im Laufe des Burgerkriegs sowie des darauf folgenden Polnisch Russischen Kriegs verlor Russland 1920 Teile Weissrusslands und der Ukraine Ostpolen an Polen 1921 wurde die Russische Sozialistische Foderative Sowjetrepublik RSFSR ausgerufen die den wichtigsten Teil der spateren Sowjetunion darstellte Am 30 Dezember 1922 wurde aus dem bisher bestehenden Sowjetrussland die Sowjetunion gegrundet und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen Die Sowjets wurden als Eigentumer von Boden und Produktionsmitteln erklart Lenins Tod am 21 Januar 1924 fuhrte zu einem erbitterten Nachfolgekampf in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte Der Stalinismus zeichnete sich durch gezielten Terror aus Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft Funfjahresplanen unterworfen und die Industrialisierung der Sowjetunion vorangetrieben Die Zwangskollektivierung in der Sowjetunion wurde von der Kampagne der Entkulakisierung begleitet Im August 1939 schloss die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit dem NS Staat wobei in einem geheimen Zusatz auch eine einvernehmliche Aufteilung Osteuropas aufgenommen wurde Dies ermoglichte Hitler Anfang September 1939 den geplanten Angriffskrieg gegen Polen der mit einem sowjetischen Angriff gegen Ostpolen Mitte September abgestimmt war Im Winterkrieg uberfiel die Sowjetunion Finnland und gewann kleinere Teile des Landes 1940 wurden Litauen Lettland und Estland besetzt Ausgebombte Leningrader Frauen verlassen ihre Hauser Dezember 1942 Nach dem deutschen Uberfall auf die Sowjetunion am 22 Juni 1941 der zum Deutsch Sowjetischen Krieg fuhrte in der Sowjetunion Grosser Vaterlandischer Krieg genannt trat das Land der Anti Hitler Koalition bei Allein wahrend der Leningrader Blockade verhungerten uber eine Million Menschen in Leningrad Insgesamt starben in diesem Krieg geschatzt 27 Millionen Sowjetburger davon 14 Millionen Zivilisten 95 Sie konnte aber im Kriegsverlauf den deutschen Truppen schwere Niederlagen zufugen und siegte im Mai 1945 in der abschliessenden Schlacht um Berlin Nach dem Krieg sicherte sich die Sowjetunion grossen Einfluss in den angrenzenden Landern Polen Tschechoslowakei Ungarn Rumanien Bulgarien Albanien und in der DDR In diesen Landern blieben Hunderttausende sowjetischer Soldaten stationiert Der Kalte Krieg dominierte bis 1989 die Weltpolitik Der letzte sowjetische Prasident Michail Gorbatschow leitete ab 1987 mit der Perestroika einen Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems in der Sowjetunion ein und forderte mit der Politik der Glasnost die Transparenz und Offenheit der Staatsfuhrung gegenuber der Bevolkerung worauf einzelne Unionsrepubliken die Unabhangigkeit von der Sowjetunion anstrebten Nach dem misslungenen Augustputsch in Moskau 1991 konservativer Kommunisten beschlossen der Prasident Russlands Boris Jelzin und Vertreter der Sowjetrepubliken die Auflosung der UdSSR zum 31 Dezember 1991 Russische Foderation seit 1992 Bearbeiten Die Russische Foderation ubt seit 1992 als grosste ehemalige Sowjetrepublik Russische SFSR die volkerrechtlichen Rechte und Pflichten der UdSSR aus 96 In den ersten Jahren ergaben sich innenpolitische Konflikte uber den einzuschlagenden Kurs In der russischen Verfassungskrise 1993 loste Jelzin per Ukas den Volksdeputiertenkongress sowie den Obersten Sowjet Russlands auf die sich seinen Bemuhungen und den Resultaten einer Volksbefragung am 25 April 1993 widersetzt hatten Wirtschaftsreformen durchzusetzen Jelzin ordnete eine gewaltsame Sturmung des Parlamentsgebaudes Weisses Haus an in dem sich etwa 100 Parlamentarier und weitere Anhanger verbarrikadiert hatten Bei der gewaltsamen Niederschlagung eines weiteren Aufstandes gegen ihn am 3 und 4 Oktober gab es in Moskau 190 Tote Im Dezember billigte die russische Bevolkerung per Volksabstimmung die neue Verfassung der Russischen Foderation Zweikammersystem Prasidialverwaltung Boris Jelzin und Bill Clinton 1995 Unter Jelzin wurden in Russland Teile der Wirtschaft privatisiert und Reformen versucht Dabei gelangten wertvolle Unternehmen in die Hande von Leuten die gute Beziehungen zu Herrschenden hatten bzw diesen Schmiergelder und Schutzgelder zahlten Oligarchen 97 1991 92 gab es eine Rubelkrise Das Bruttoinlandprodukt BIP lag 1993 um 12 unter dem von 1992 und um 29 unter dem von 1991 Die Industrieproduktion war 1993 um 31 3 die Konsumguterproduktion um 24 8 und die Nahrungsmittelproduktion um 27 3 niedriger als 1991 Im Oktober 1993 waren 2400 Produktionsbetriebe vorubergehend stillgelegt im Februar 1994 4280 Wegen Nichtzahlung von Lohnen und Gehaltern kam es zu gesamtwirtschaftlich folgenschweren Streiks z B in den Kohlerevieren 98 Die Inflation war jahrelang hoch und grosse Teile der Bevolkerung verarmten 1998 rutschte das Land in die Zahlungsunfahigkeit Russlandkrise Insbesondere in der Ubergangszeit nahmen aufgrund des Erstarkens regionaler Autonomien nach dem Ende der stark zentralistischen Sowjetzeit zentrifugale Stromungen an den Randern des Landes zu So sah sich seit Mitte der 1990er Jahre die russische Regierung mit Unabhangigkeitsbewegungen und Machtkampfen in zahlreichen Teilrepubliken konfrontiert insbesondere im Ersten Tschetschenienkrieg 1994 96 bei dem zehntausende Menschen starben Von Fruhherbst 1999 bis Anfang 2000 brachten russische Truppen den Grossteil Tschetscheniens wieder unter ihre Kontrolle vgl Zweiter Tschetschenienkrieg Entwicklung der Kriminalitatsrate seit 1960 Die chaotischen Jahre unter Jelzin verunsicherten viele Menschen Die Geburtenrate war niedrig Kriminalitat Alkoholismus etc waren verbreitet In der Endphase von Jelzins Herrschaft bestand die russische Aussenpolitik fast nur noch aus leeren Drohungen und Reaktionen Dies betraf z B die NATO Osterweiterung und den Kosovokrieg Auch einige markante Ereignisse wie der Untergang der Kursk im August 2000 der tagelange Brand des Moskauer Fernsehturms Ostankino und das Ende der Mir im Marz 2001 forderten bei vielen Russen das Gefuhl Russland sei von der Rolle einer Supermacht auf die eines Schwellenlands zuruckgefallen 99 Wladimir Putin wahrend seiner Rede auf der Munchner Sicherheitskonferenz 2007 in der er Kritik am amerikanischen Streben nach einer monopolaren Welt ubte Hohe Rohstoffpreise Ol Gas Stahl eine Steuerreform und Kapitalruckfluss forderten die wirtschaftliche Erholung nach dem Amtsantritt Wladimir Putins Nach der Geiselnahme von Beslan im September 2004 leitete Putin einen grundlegenden Umbau des Staatswesens ein der Macht und Kontrolle in noch starkerem Mass als bisher in den Handen des Prasidenten konzentrierte Fur Putin ging es spater darum mit Hilfe einer Machtvertikale der Exekutive auf allen staatlichen Ebenen die Alleinherrschaft des Kreml zu sichern Die Machtvertikale wird von westlichen Beobachtern wie z B Margareta Mommsen 2012 als in jeder Hinsicht unvereinbar mit Vorstellungen einer eigenstandigen Rolle des Parlaments von wechselnden parlamentarischen Mehrheiten sowie vom freien Wettbewerb politischer Parteien gesehen 100 Selbst die hochsten politischen Amtstrager verfugten uber kein klares Verfassungsverstandnis mit diesem Ansatz konne weder eine Verfassungslegitimitat noch eine Verfassungskultur entstehen Unterdessen wird der praktizierte Autoritarismus als ein notwendiges Provisorium gerechtfertigt So beruft sich Putin gerne auf eine Herrschaft per Handsteuerung Damit gab er sich uberzeugt dass der politische Prozess weiterhin der personlichen Lenkung und der ad hoc Arrangements anstatt der Verfassung folgen musse 100 Am 21 Marz 2014 wurde der Foderationskreis Krim gegrundet nachdem pro russische Krafte in der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol im Zuge der Krimkrise ihre Unabhangigkeit von der Ukraine erklart und am 18 Marz 2014 einen Beitrittsantrag an Russland gestellt hatten Die volkerrechtliche Legitimitat dieser Schritte ist ausserhalb Russlands aber auch in Russland selbst umstritten 101 102 Ebenfalls am 18 Marz 2014 stellte auch Transnistrien einen Beitrittsantrag 103 104 Politik BearbeitenFoderale Gliederung Bearbeiten Hauptartikel Foderale Gliederung Russlands Foderationskreis Flache in km Einwohner insgesamt Einwohner je km Fernost 6 215 900 0 6 692 865 0 1 Nordwestrussland 1 677 900 13 974 466 0 8Sibirien 5 114 800 20 062 938 0 4 Sudrussland mit Krim 0 442 920 15 689 400 35Nordkaukasus 0 170 439 0 9 108 737 53Ural 1 788 900 12 373 926 0 7Wolga 1 038 000 31 154 744 30Zentralrussland 0 650 700 38 000 651 58Russland gesamt mit Krim 17 101 4800 147 056 1310 0 8Im November 2018 wechselten die Republik Burjatien und die Region Transbaikalien vom Foderationskreis Sibirien zum Foderationskreis Ferner Osten Dies ist in den obenstehenden Zahlen noch nicht berucksichtigt Der russische Foderalismus ist sehr asymmetrisch gepragt da das foderale System eine Kombination aus ethnofoderalen Republiken und territorial foderalen Gebieten darstellt Die Einteilung des Landes wurde im Wesentlichen aus der Sowjetzeit ubernommen sieht man von der Statusanhebung der meisten Autonomen Gebiete zu Republiken und der Aufteilung der vormaligen Tschetscheno Inguschetischen ASSR in zwei Republiken ab Russland gliedert sich laut Artikel 65 der russischen Verfassung in 85 Foderationssubjekte Dazu zahlen 22 Republiken 9 Regionen Krai 46 Gebiete Oblast 3 Stadte foderalen Ranges Moskau Sankt Petersburg und Sewastopol 1 Autonomes Gebiet und 4 Autonome Kreise Dass die Volkerrechtssubjekte Krim und Sewastopol zu Russland gehoren ist international nicht anerkannt Die Republiken wurden nach den jeweils dominierenden nichtrussischen Volksgruppen definiert wenngleich ihre Grenzen nicht immer mit den ethnischen ubereinstimmen wahrend die Gebiete in den ubrigen mehrheitlich von Russen bewohnten Teilen des Landes nach rein administrativen Gesichtspunkten gebildet wurden Territorien in denen kleinere nichtrussische Minderheiten leben erhalten den niedrigeren Rang eines Autonomen Gebietes beziehungsweise Autonomen Kreises Bezogen auf Bevolkerung Flache und relativen Wohlstand unterscheiden sich die Foderationssubjekte mitunter erheblich Obwohl alle Foderationssubjekte formal gleichgestellt sind sind nur die Republiken berechtigt eine eigene Verfassung zu erlassen Sie konnen zudem internationale Vertrage unterzeichnen solange sich diese an die russische Verfassung halten Besonderheiten der Republiken bestehen zudem in der traditionellen Namensgebung der Anzahl der Abgeordneten in Regionalparlamenten und spezifischen Gesetzgebungskompetenzen Republik Stadt Region Gebiet Autonomer Kreis Autonome Oblast Die Oblaste und Kraje sind im Unterschied zu den Republiken keine Staaten Sie verfugen nur uber Statuten anstelle von Verfassungen An der Spitze der Republiken steht meist ein Prasident Die ubrigen Foderationssubjekte werden von dem Leiter der Administration gefuhrt dem Gouverneur Die gesetzgebenden Korperschaften in den Republiken sind sowohl Einkammer als auch Zweikammersysteme In den Gebieten besteht die parlamentarische Vertretung nur aus einer Kammer Seit 2005 werden die Republikprasidenten und Gouverneure nicht mehr von der Bevolkerung sondern vom regionalen Parlament gewahlt Die Kandidaten schlagt der Prasident vor Im Jahr 2000 schuf Prasident Putin per Dekret sieben Foderationskreise welche jeweils mehrere Foderationssubjekte zu einer grosseren Einheit zusammenfassen Ziel dieser Reform war die Starkung der vertikalen Machtverteilung und eine Verscharfung der Kontrolle uber die regionalen Machthaber Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die Volkszahlung vom 9 Oktober 2002 Im Jahr 2010 wurde zudem der Foderationskreis Nordkaukasus durch Ausgliederung aus dem Foderationskreis Sudrussland als achter Foderationskreis geschaffen Die Krim bildete nach ihrem umstrittenen Beitritt zur Foderation ab dem 21 Marz 2014 einen eigenen neunten Foderationskreis der per 28 Juli 2016 aufgelost und dem Foderationskreis Sudrussland angeschlossen wurde Neben den genannten zwei hierarchischen foderalen Ebenen 1 Foderationskreis 2 Foderationssubjekt gibt es noch eine dritte eigenstandige Verwaltungsebene die der kommunalen Selbstverwaltung Rajon Deren administrative Leiter werden von der Bevolkerung direkt gewahlt Die Regionen sind gegenuber den kommunalen Selbstverwaltungsorganen administrativ hoherstehend und weisungsberechtigt Politische Geschichte Bearbeiten Bei seiner Amtseinfuhrung legt Dmitri Medwedew die Hand auf die Verfassung Mit dem Untergang der Sowjetunion Ende 1991 kam die Chance fur demokratische und liberale Reformen Diese wurden durch den kommunistisch dominierten Volksdeputiertenkongress blockiert Prasident Boris Jelzin griff deswegen zu harten und verfassungswidrigen Mitteln und loste den Volksdeputiertenkongress im Herbst 1993 durch den Einsatz des Militars auf Es wurde eine Verfassung geschaffen die den Prasidenten weitgehend der Kontrolle von Volk und Parlament entzog Die gultige Verfassung der Russischen Foderation wurde am 12 Dezember 1993 durch eine Volksabstimmung angenommen und trat am 25 Dezember 1993 in Kraft Sie stellt einen Bruch mit der sowjetischen Vergangenheit dar Im Mittelpunkt steht gemass der Verfassung der Mensch Menschenrechte und Freiheitsrechte wie Rede die Presse und die Reisefreiheit sind die hochsten Werte In der seither umgesetzten Praxis wird wegen der Einschrankung von Grundrechten Russland als Gelenkte Demokratie bezeichnet oder aber mit dem Fachbegriff Autoritarismus umschrieben Die Kluft zwischen Rhetorik und Handlungen in diesen Spharen ist eklatant 105 Die Bilanz der Ara Jelzin war gespalten Zwar konnten in Russland demokratische und liberale Reformen eingefuhrt werden Doch wurden Liberalisierung und Privatisierung in einem derartigen Ausmass betrieben dass die Verbraucherpreise in die Hohe schnellten und eine neue Oberschicht von Oligarchen entstand die aktiv politische Macht ausubten 106 In der Bevolkerung wurde diese Demokratisierungs und Liberalisierungsphase jedoch eher als Auflosung einer gesicherten und berechenbaren staatlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung empfunden Hinzu kam dass der mit der Privatisierung verbundene Gang an die Borse von der internationalen Finanzkrise ab 2007 uberschattet wurde Wahrend 2007 neun Aktiengesellschaften an der internationalen Londoner Borse neues Kapital einwerben konnten gelang 2009 auf dem Hohepunkt der Krise mit RusHydro nur noch einem russischen Unternehmen der Gang an die Borse 107 Erst ab der Jahrzehntwende stabilisierten sich die politischen Verhaltnisse nach und nach nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Konzentration der Staatsmacht auf einen starken Prasidenten die allerdings auch zu Lasten von Pluralismus und demokratischen Freiheiten ging Politisches System Bearbeiten Hauptartikel Politisches System Russlands Ministerprasident Wladimir Putin spricht vor der Staatsduma 8 Mai 2008 Russland ist nach der Verfassung vom 12 Dezember 1993 ein demokratischer foderativer Rechtsstaat mit republikanischer Regierungsform 108 und einem semiprasidentiellen Regierungssystem So ist das Staatsoberhaupt der Prasident Russlands der vom Volk fur jeweils sechs Jahre direkt gewahlt wird Der Prasident gehort unmittelbar keiner der drei Staatsgewalten an sichert aber ihr Funktionieren und Zusammenwirken Die Haupteinwirkungsform des Prasidenten ist das Dekret mit dem er jeden Sachverhalt mit unmittelbarer Rechtswirkung regeln kann Der Prasident bestimmt die Hauptrichtungen der Aussenpolitik und kann internationale Vertrage unterzeichnen Er ist der Oberste Befehlshaber der Streitkrafte Russlands ernennt und entlasst das Oberkommando der Streitkrafte Die Legislative wird durch die Foderationsversammlung ausgeubt die aus zwei Kammern besteht Der Foderationsrat ist das Oberhaus und der Vertreter der Foderationssubjekte Alle von der Staatsduma verabschiedeten Gesetze mussen dem Foderationsrat vorgelegt werden dem es frei steht sie innerhalb von zwei Wochen zu behandeln oder nicht was als Zustimmung gilt Die Staatsduma ist das Unterhaus und besteht aus 450 Abgeordneten die fur funf Jahre nach Parteilisten gewahlt werden Um im Parlament Einzug zu halten muss eine Partei bei der Wahl mindestens 7 Prozent der Stimmen erhalten Die Hauptaufgabe der Staatsduma ist die Verabschiedung von Gesetzen Die exekutive Gewalt liegt bei der Regierung der Russischen Foderation deren Ministerien aber teilweise direkt dem Prasidenten und nicht dem Parlament unterstellt sind Das bedeutet dass die Regierungszusammensetzung nicht die politischen Krafteverhaltnisse der Staatsduma widerspiegeln muss Deshalb ist sie im Allgemeinen keine politische Regierung sondern ein Technokratenkabinett das hauptsachlich fur Wirtschafts und Finanzfragen und fur Verwaltungsaufgaben zustandig ist Das Kabinett tagt wochentlich offentlich Der Prasident hat das Recht des Kabinettsvorsitzes das er aber nicht immer wahrnimmt Der Ministerprasident von Russland auch als Premierminister bezeichnet wird vom Prasidenten vorgeschlagen und muss von der Duma bestatigt werden Die Regierung ist nicht an die Legislaturperiode des Parlaments sondern an die Amtszeit des Prasidenten gebunden denn bei einem neu gewahlten Prasidenten legt die Regierung ihre Vollmachten nieder Die Staatsduma kann der Regierung mit der Mehrheit aller Abgeordneten das Misstrauen aussprechen oder die Vertrauensfrage der Regierung abschlagig bescheiden Die Regierung hat die Budgethoheit und gewahrleistet eine einheitliche Finanz Kredit und Geldpolitik Die weiteren Politikfelder sind Kultur Wissenschafts Bildungs Gesundheits soziale Sicherheits und Okologiepolitik Die judikative Gewalt bildet das oberste Verfassungsschutzorgan das Verfassungsgericht der Russischen Foderation an dem sich staatliche Organe und auch Burger wenden konnen vgl Rechtsgeschichte Russlands Haufig wird vom Verfassungsgericht zugunsten des Burgers entschieden De facto stellt das politische System Russlands eine Mischung aus instabilen demokratischen Institutionen und autoritaren Praktiken dar Seit der Jahrtausendwende lasst sich dabei eine deutliche Ent Demokratisierung dieses Systems und eine Zentralisierung der politischen Macht beim Prasidenten und seiner Verwaltung beobachten 109 Unter Prasident Putin 2000 bis 2008 und erneut seit 2012 wurde die Macht des Staatsoberhaupts durch die Schaffung einer Machtvertikale ausgebaut Der Prasident Russlands schlug ab 2005 bis Mai 2012 die Gouverneure vor die Regionalparlamente konnten diese nur noch bestatigen Diese von Russland souverane Demokratie genannte Variante beschnitt politische Rechte 110 der Regionen die unter Prasident Jelzin ein politisches Gegengewicht aufgebaut hatten Die Gouverneure wiederum ernannten seit 2002 anstelle der regionalen Parlamente die Vertreter fur den Foderationsrat und auch lokale Vertreter wie Burgermeister 111 Kritische Beobachter sprachen nach der Entmachtung der Regionen auch von einer Surrogatsfoderation anstelle einer richtigen Foderation 112 Durch eine Gesetzesanderung infolge der Proteste im Zuge der Parlamentswahlen im Dezember 2011 folgte die Wiedereinfuhrung von Wahlen der Gouverneure in Russland ab Oktober 2012 Im Ergebnis entstand so Margareta Mommsen ein autoritares System mit der Besonderheit formlich fortbestehender demokratischer Einrichtungen Diese gaukeln demokratische Verhaltnisse lediglich vor Nicht zufallig sprechen kritische Beobachter von einer simulierten Demokratie 113 So enden polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen dort bzw werden erst gar nicht begonnen wo sie einflussreiche Politiker beruhren 114 Im Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist belegt Russland unter den 167 untersuchten Staaten den 124 Rang und wird als autoritares Regime eingestuft Stand 2020 115 2007 wurde er noch als hybrides System eingestuft 116 Etwas weniger negativ ist die Einstufung im Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung wo Russland 2017 bezogen auf Demokratie auf Platz 70 von 129 Landern zwischen der Elfenbeinkuste und Guinea liegt 117 Politische Willensbildung Bearbeiten Politische Parteien Bearbeiten Hauptartikel Liste der politischen Parteien in Russland Seit dem Verzicht der KPdSU auf ihre verfassungsmassige Fuhrungsrolle 1990 vollzog sich ein Wandel von einem totalitaren Einparteienstaat zu einer Mehrparteiendemokratie Es bildeten sich Hunderte von politischen Gruppierungen Splittergruppen Bewegungen und Parteien die ein breites politisches Spektrum von Monarchisten bis hin zu Kommunisten abdecken Die russischen Parteien sind eher schwach und verfugten selten uber eine stabile Identitat Seit der Parlamentswahl in Russland 1995 unterstutzt die Regierung jeweils eine neue eigene Hausmacht Diese administrativen von oben gegrundeten Parteien der Macht partii vlasti Regierungspartei Prasidentenwahlverein sind lose Ad hoc Bundnisse die sich auf Burokraten stutzen die dem Prasidenten loyal ergeben sind Seit der Jahrtausendwende funktionieren einige wenige Parteien als gesellschaftliche Netzwerke die spezifische Wahlergruppen mobilisieren konnen Von 2008 bis 2011 bestanden in Russland nur sieben Parteien Im Zuge der Demonstrationen zur Parlamentswahl im Dezember 2011 wurde ein neues Parteiengesetz verabschiedet das die Zulassung neuer Parteien ab einer Mitgliederzahl von 500 Personen vorsieht bisher 40 000 Nach einer Entscheidung des EGMR zugunsten der regierungskritischen Partei der Volksfreiheit stieg die Zahl der russischen Parteien bis Jahresende 2012 auf 48 an Gegenwartig wird die Politik Russlands von einer einzigen Partei Einiges Russland dominiert Einiges Russland entstand 2001 aus den Parteien Einheit Jedinstwo und Vaterland ganz Russland Otetschestwo wsja Rossija die sich wiederum zum Teil aus der untergegangenen Partei Unser Haus Russland rekrutierten der Partei von Putins Vorganger Boris Jelzin Neben dieser grossen Partei existieren weitere und Splitterparteien Zu ihnen zahlen die Kommunistische Partei der Russischen Foderation die Liberal Demokratische Partei Russlands und die sozialdemokratische Partei Gerechtes Russland Daneben gibt es noch ausserhalb der Duma die Partei Jabloko die Patrioten Russlands und Rechte Sache Nichtregierungsorganisationen Bearbeiten Bis zum Amtsantritt des neuen Prasidenten Wladimir Putin hatten sich die russischen NGOs weitgehend frei von staatlichen Einflussen entwickeln konnen Wahrscheinlich war ihr Einfluss auf den Staat grosser als umgekehrt Das sollte sich schnell andern Putin ging sofort daran die bis dahin zwar nicht autonom agierenden aber von unterschiedlichen Machtzentren kontrollierten Bereiche der russischen politischen Offentlichkeit systematisch der Regierung zu unterwerfen Er nannte das die Machtvertikale starken und eine Diktatur des Rechts aufbauen Hinter diesem Vorgehen steckt die Uberzeugung dass der russische Staat in den 1990er Jahren kurz vor dem Zerfall gestanden habe und dass das ursachlich mit der Schwache der Zentralmacht zusammengehangen habe Der erste Versuch die NGOs einzubinden war die Initiative zu einer grossen Burgerversammlung 2001 im Kreml Bei dieser Versammlung wurden ausgewahlte Themen diskutiert Allerdings wurden aus Regierungssicht nicht konstruktive NGOs die sich nicht einfach unterordnen wollten ausgeschlossen Dies sollte eine Art Burgfrieden zwischen NGOs und der russischen Regierung darstellen Jedoch wurde Anfang 2002 trotz Protesten und Verhandlungen die steuerliche Gleichsetzung von kommerziellen und nichtkommerziellen Unternehmen verabschiedet Endgultig brach der Frieden als Michail Chodorkowskij verhaftet wurde Dieser hatte mit seiner Stiftung Offenes Russland begonnen in grossem Masse Projekte von NGOs zu finanzieren und war somit die letzte Hoffnung auf langfristige und nachhaltige Finanzierung von NGOs im Inland gewesen Der zweite Bruch war die Rosenrevolution in Georgien die als Misserfolg der russischen Politik gewertet wurde und in der Wahrnehmung der russischen Regierung ein Werk der vom Westen finanzierten NGOs war Dies wurde auch beim Machtwechsel in der Ukraine vermutet Putin druckte das am 26 Mai 2004 in seiner alljahrlichen Ansprache vor beiden Parlamentskammern so aus Es gibt Tausende konstruktiv arbeitende zivilgesellschaftliche Vereinigungen in unserem Land Aber langst nicht alle orientieren sich daran die wirklichen Interessen der Menschen zu verteidigen Fur einen Teil dieser Organisationen ist es zu vorrangigen Aufgabe geworden Finanzierung von einflussreichen auslandischen Stiftungen zu bekommen fur andere zweifelhafte Gruppen und kommerzielle Interessen zu bedienen Gleichzeitig interessieren sie die dringendsten Probleme des Landes und seiner Burger nicht Letztlich blieb das Verhaltnis zwischen Regierung und NGOs ambivalent in Putins erster Amtszeit was aus der Tatsache resultiert dass marktwirtschaftliche Systeme ein gewisses Mass an Freiheit erfordern Das Taktieren der Regierung mit den NGOs ist Ausdruck dessen das man verhindern mochte dass diese Freiheit ins Politisch Gesellschaftliche ubergreift Die zweite Amtszeit war in Bezug auf die NGOs in erster Linie gepragt durch das NGO Gesetz mit dem der russischen Regierung weitreichende Kontroll und Sanktionsinstrumente in die Hand gegeben wurde Die Rosregistracija uberwacht nun die Tatigkeiten der NGOs Sich dagegen zu beschweren ist in einer hoch korrupten Gesellschaft wie der russischen in der Beschwerde und Berufungsinstanzen insbesondere gegen staatliches Handeln etwa Gerichte nur sehr eingeschrankt funktionieren mit hohem administrativen Aufwand verbunden 118 119 Die Registrierungsbehorden setzen verstarkt auf Bestimmungen des Arbeitsrechts Steuerrechts Arbeitsschutzes oder Brandschutzes um staatliches Vorgehen gegen die NGOs zumindest teilweise zu kaschieren 118 Am 23 Mai 2015 unterschrieb Prasident Putin ein Gesetz dank dem es russischen Behorden ohne Vorwarnung moglich ist internationale NGOs auf eine schwarze Liste zu setzen Hohe Strafen drohen jedermann der mit solchen unerwunschten Organisationen in Kontakt tritt 120 Das Gesetz schrankt die Arbeit der Medien und der Zivilgesellschaft ein Als ein Fall der Anwendung dieses Gesetzes wurde der Entzug des Abgeordnetenmandates des Jabloko Politikers Lew Schlosberg bekannt der 2014 von den Beisetzungen wohl in der Ukraine gefallener russischer Soldaten berichtet hatte 121 122 Politische Kultur Bearbeiten Menschenrechte Bearbeiten Hauptartikel Menschenrechte in Russland Demonstration in Moskau am 13 Januar 2013 Von internationalen Burgerrechtsorganisationen und dem Auswartigen Amt der Bundesrepublik Deutschland werden die Einschrankungen der Pressefreiheit seit dem Jahr 2001 kritisiert Die staatliche Einflussnahme im Bereich des Fernsehens ist komplett alle landesweit sendenden TV Stationen sind entweder direkt in staatlichem Besitz oder unter staatlicher Kontrolle Im Radiobereich ist die Situation ahnlich Offiziell gibt es keine Zensur durch die Regierung durch die Eigentumsverhaltnisse ist die Zensur in den Kopfen der Leute 123 Drei von insgesamt sechs Voten beim Treffen des Menschenrechtsrates des Prasidenten im Oktober 2017 hatten den durch die staatlichen Medien und deren Propaganda geschurten Hass in der Gesellschaft beklagt 124 125 Die Totungsrate in Russland unterlag zwischen 1990 und 2017 ausgepragten Schwankungen zwischen 30 5 Totungen im Jahr 1995 und 9 2 Totungen im Jahr 2017 je 100 000 Einwohner Der Staat schutze die Burger nicht klagte 2017 die Nowaja Gaseta sowie die gefluchtete Julija Latynina 126 Auch ist hausliche Gewalt in Russland ein gesellschaftliches Problem 40 Prozent aller Gewaltverbrechen in Russland werden in den eigenen vier Wanden innerhalb der Familie begangen 127 Diese Gewalt richtet sich insbesondere gegen Frauen So sterben dadurch in Russland laut Angaben des Innenministeriums 12 000 bis 14 000 Frauen jahrlich 127 128 Wiederholt kommt es zu Anschlagen auf Oppositionelle oder Brandanschlage auf deren Eigentum Wiederholt kursierten Listen mit Adressangaben von Oppositionellen im Internet 129 Polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen enden dort bzw werden erst gar nicht begonnen wo sie einflussreiche Politiker beruhren 114 Seit 2015 drohen auch jeder Einzelperson die sich mit einem improvisierten Protestplakat auf die Strasse stellt bis zu funf Jahre Haft 130 In Russland sassen im Jahr 2013 geschatzte 600 000 Menschen in strenger Lagerhaft 131 darunter nicht nur nach Meinung der Menschenrechtsorganisation Memorial auch politische Gefangene 132 Etwa 140 000 Gefangene waren im Fruhjahr 2019 in Haft aufgrund des Paragraphen 228 2 zu Drogen dessen Missbrauchsmoglichkeiten schon langer bekannt waren 133 134 und der durch den Skandal um den Journalisten Iwan Golunow international bekannt wurde 135 Im August 2020 ist die Zahl der inhaftierten Straflinge Verdachtigen und Angeklagten in russischen Straf und Untersuchungshaftanstalten laut dem Bundesgefangnisdienst FSIN erstmals auf weniger als 500 000 gesunken Dies ist den Angaben der FSIN zufolge auf den Einsatz alternativer nicht inhaftierender Strafen sowie die allgemeine Liberalisierung des Strafvollzugssystems zuruckzufuhren 136 Im Dezember 2015 unterschrieb Putin ein Gesetz wonach das russische Verfassungsgericht auf Antrag der Regierung Urteile internationaler Gerichte ausser Kraft setzen kann was in erster Linie Urteile des Europaischen Gerichtshofs fur Menschenrechte EGMR betreffen konnte 137 Auch fur den Kulturbereich wurde eine nicht greifbare Zensur beschrieben 138 Homosexualitat in Russland ist weitgehend tabuisiert Die gesetzlichen Regelungen beinhalten unter anderem ein Verbot homosexueller Propaganda was von Kritikern als Verstoss gegen die Europaische Menschenrechtskonvention die Versammlungsfreiheit und Meinungsausserungsfreiheit gewertet wird Unter dem Vorwand der Extremismusbekampfung werden die Freiheiten religioser Minderheiten stark eingeschrankt 139 2016 wurde es Angehorigen nicht registrierter Religionsgemeinschaften verboten mit anderen uber ihre religiose Uberzeugung zu sprechen 140 Im Marz 2017 beantragte das russische Justizministerium ein Verbot der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas und all ihrer Aktivitaten 141 142 das im April 2017 umgesetzt wurde 143 Auf der Krim hat sich die Menschenrechtslage seit der Besetzung durch Russland erheblich verschlechtert Laut einem Bericht des UNHCHR kommt es immer wieder zu willkurlichen Verhaftungen und Folter auch eine aussergerichtliche Hinrichtung ist dokumentiert 144 Am brisantesten ist die Menschenrechtslage seit Jahren im Kaukasus namentlich in Tschetschenien Die Uberprufung von Burgerrechten z B bei Verstossen gegen die Europaische Menschenrechtskonvention findet vor dem Obersten Gerichtshof Russlands statt Korruption Bearbeiten Hauptartikel Korruption in Russland Protest gegen Korruption in Nischni Nowgorod 2017 Im Corruption Perception Index von Transparency International lag Russland mit 29 von moglichen 100 Punkten im 2017er Ranking weltweit auf Platz 135 unter 180 Staaten und an letzter Stelle aller europaischen Staaten 145 Im Jahr 2016 ordnete Prasident Putin personlich fur Kontrollbehorden eine Kontrollpause an Die angeblichen Sicherheitskontrollen hatten kaum je der Sicherheit gedient sondern zum grosseren Umfang der Bereicherung Ein Durchbrechen der Korruptionsketten sei auch deshalb kaum moglich weil saubere Beamten kein Geld nach oben abgeben konnen und deshalb aus dem Amt gedrangt werden oder Posten fur ehrliche Beamte wegen Ablosesummen erst gar nicht zuganglich seien schreibt Jens Siegert 146 Die Nahe zur Staatsmacht ermoglicht Geld und Privilegien 147 Jelena Tschischowa beschreibt denn auch nicht nur die alltagliche Korruption sondern auch wie der Umfang mit der Nahe zur Macht im Kreml zunimmt und nennt die Gemeinsamkeit In einem autoritaren Land ist Freund ein Schlusselbegriff 148 Finanzpolitik Bearbeiten Wahrung Bearbeiten Rubel und Kopekenmunzen Die russische Wahrung ist der russische Rubel Rubl Kurzel RUB zu 100 Kopeken Kopejka Ein Euro entspricht gegenwartig 86 42 Rubel Nach starker Inflation in den 1990er Jahren wurde im Jahr 1998 eine Wahrungsreform durchgefuhrt bei der 1000 alte Rubel RUR durch je einen neuen Rubel RUB ersetzt wurden Seitdem war der Rubel bis 2008 gegenuber US Dollar und Euro im Wesentlichen stabil die Inflation betrug 2006 8 2 Prozent Dazu hat bisher vor allem die Wechselkurspolitik der russischen Zentralbank beigetragen Um eine rasche Aufwertung des Rubels mit einer Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfahigkeit russischer Produzenten zu verhindern intervenierte sie am Devisenmarkt Sie kaufte die Russland mit den hohen Leistungsbilanzuberschussen zufliessenden Devisen gegen Rubel auf Die umlaufende Rubelgeldmenge stieg stark an Das Inflationspotential wuchs Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise verlor der Rubel im zweiten Halbjahr 2008 rund 20 Prozent seines Wertes gegenuber dem Euro 149 Seit der Annexion der Krim 2014 verlor der Rubel mehr als die Halfte seines Wertes gegenuber Euro US Dollar oder Renminbi Neben dem Rubel finden im Alltag auch US Dollar und Euro Verwendung Bis zum Januar 2007 wurden Preise auch oft in Verrechnungseinheiten angegeben die je einem US Dollar entsprachen Da die Verwendung von Drittwahrung in Russland nicht erlaubt ist wurde dennoch in Rubel gezahlt Diese Praxis ist aber seit Januar 2007 verboten Wegen haufiger Bankeninsolvenzen und Finanzkrisen sind viele Russen dazu ubergegangen ihre Ersparnisse als Bargeld in Euro und Dollar Scheinen oder in Immobilien anzulegen Staatshaushalt Bearbeiten Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 236 6 Mrd Dollar dem standen Einnahmen von umgerechnet 186 5 Mrd Dollar gegenuber Damit hatte das Land ein Haushaltsdefizit in Hohe von 3 9 Prozent des BIP 150 Der Abschluss der Duma und Prasidentenwahl gibt ab Mitte 2012 Anlass zu neuen umfangreichen Modernisierungsausgaben zugunsten der Infrastruktur Wirtschaft und der Landesverteidigung Angekundigt ist auch eine weitere Steigerung der Sozialausgaben Somit werden die Ausgaben tendenziell weiter steigen was aufgrund einer geringen Verschuldungsquote kein Problem darstellt Die Staatsverschuldung betrug 2016 17 0 Prozent des BIP 150 2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben vom BIP folgender Bereiche Gesundheit 151 5 3 Prozent Bildung 52 3 8 Prozent 2005 Militar 52 3 9 Prozent 2005 Aussenpolitik Bearbeiten Hauptartikel Aussenpolitik Russlands Diplomatische Verbindungen zwischen den Staaten der Welt und Russland Russland Staaten mit diplomatischer Vertretung RusslandsStaaten ohne diplomatische Vertretung Russlands Aussenpolitische Situation Bearbeiten Dmitri Medwedew und Barack Obama in Honolulu Hawaii November 2011 Wladimir Putin Hassan Rohani und Recep Tayyip Erdogan in Sotschi November 2017 Nach dem Ende der Sowjetunion ist Russland darum bemuht seinen Einfluss in der Welt aber insbesondere in seiner direkten Nachbarschaft zu konsolidieren Hierbei verfolgt Russland die Idee einer multipolaren Weltordnung in der Grossmachte eigenverantwortlich ihre nationalen Interessen vertreten Russland ist in eine Anzahl regionaler Konflikte verstrickt von denen viele kriegerischen Charakter haben und nur teilweise oder noch gar nicht gelost wurden darunter die Tschetschenienkriege 1994 bis 2009 die Kriege um Abchasien und Sudossetien Georgienkrieg der Konflikt in Transnistrien und zuletzt der Krieg in der Ukraine und die Besetzung der Krim Im aussenpolitischen Konzept sieht sich Russland als Grossmacht die selbststandig nationale Interessen verfolgt Der Grossmachtanspruch leitet sich in erster Linie aus Russlands imperialem Erbe und zweitens aus seinem bedeutenden Arsenal an Atomwaffen ab Seinen Einfluss generiert Russland daneben uber die militarischen Streitkrafte derzeit ca 1 000 000 Soldaten Militarbasen in verschiedenen ehemaligen Sowjetrepubliken und in Syrien Marinebasis Tartus Rustungsexporte die Vollmitgliedschaft mit Vetorecht im UN Sicherheitsrat und die Stellung als bedeutender Energielieferant Daruber hinaus bestehen jedoch enorme Schwierigkeiten dem eigenen Anspruch gerecht zu werden Dies ruhrt insbesondere aus der okonomischen Schwache her Daneben verfugt es im Gegensatz zur Sowjetunion nicht mehr uber ein attraktives Herrschafts und Kultursystem Die Moglichkeit militarische Macht in politischen Einfluss umzuwandeln ist auf Russlands unmittelbare Umgebung beschrankt Es fehlt Russland an verlasslichen Verbundeten wie die Nichtanerkennung Abchasiens und Sudossetiens durch die restlichen GUS Staaten zeigt Die politische Fuhrung in Moskau drangt auf die Prarogative des UN Sicherheitsrats Ein Beispiel hierfur ist die Forderung dass die NATO nur mit Zustimmung des UN Sicherheitsrats tatig werden soll Selbst besteht die Fuhrung Russlands aber auf dem Recht unilateral handeln zu durfen was das Verhalten im Georgienkrieg belegt Um seinem Ziel naher zu kommen sieht sich Russland nach Gegenpolen zu den USA um Besonders Asien gewinnt dabei eine stetig wachsende Bedeutung Die BRICS werden im aussenpolitischen Konzept als strategische Partner betrachtet Wahrend Russland und Indien traditionell gute Beziehungen pflegen und diese weiter ausgebaut haben hat sich das russisch chinesische Verhaltnis durch die Losung alter Spannungen stetig verbessert Abgesehen vom gemeinsamen Ziel der weltpolitischen Dominanz des Westens etwas entgegenzusetzen stehen vor allem Wirtschafts und Rustungsprojekte sowie russische Rohstofflieferungen im Vordergrund der Kooperation 152 153 154 155 Russland gewahrte 2013 dem US amerikanischen Whistleblower Edward Snowden eine Aufenthaltserlaubnis Beziehungen Bearbeiten Mitgliedschaften Bearbeiten Gruppenfoto vom Gipfel der Shanghaier Organisation fur Zusammenarbeit 2018 Russland ist standiges Mitglied des UN Sicherheitsrates aller UN Unterorganisationen der OSZE und des Europarates und zudem Mitglied der EBRD sowie des IWF und der Weltbank Beim G8 Gipfel im Mai 1998 wurde Russland formal in die damalige Gruppe der Sieben G7 aufgenommen diese wurde dadurch zur G8 Im Marz 2014 schlossen diese sieben Russland wegen des Kriegs in der Ukraine aus der G8 aus Unter Putin gewannen zwei Sicherheitsorganisationen besonderes Gewicht die Organisation des Vertrages uber Kollektive Sicherheit OVKS und die Shanghai Organisation fur Zusammenarbeit SOZ Die Organisation des Vertrags uber kollektive Sicherheit zielt auf eine engere Zusammenarbeit in Sicherheits und Verteidigungsfragen wie auch auf eine gemeinsame Verteidigung im Falle eines Angriffes Artikel 4 des Vertrags ab Ursprunglich eine sicherheitspolitische Institution der GUS wurde die OVKS 2002 zu einer eigenstandigen sicherheitspolitischen Organisation mit dem Fokus auf Zentralasien aufgewertet Mitgliedslander neben Russland sind Weissrussland Armenien Kasachstan Kirgisistan und Tadschikistan Auf russische Initiative wurde 2009 im Rahmen der OVKS eine schnelle Eingreiftruppe geschaffen die in Krisensituationen eingesetzt werden kann Hauptziel der Shanghaier Organisation fur Zusammenarbeit zu der auch China gehort ist die Starkung des gegenseitigen Vertrauens und guter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten Neben dem Ausbalancieren der sicherheitspolitischen Interessen Russlands und Chinas in Zentralasien soll sie auch der Durchsetzung gemeinsamer Sicherheitsinteressen in der Region dienen Ursprungliches Ziel Russlands und Chinas war es durch sicherheitspolitische Kooperation die USA aus der Region herauszuhalten 156 Beziehung zum Nahen Ausland Bearbeiten Treffen der GUS Staatsoberhaupter 2008 in Bischkek Die Auflosung der Sowjetunion stellte Russland zunachst vor die Aufgabe das Verhaltnis zu den aus Russlands Sicht oft als Nahes Ausland blizhnee zarubezhe bezeichneten Nachfolgerepubliken neu zu gestalten Die aus der Sowjetzeit geerbten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Republiken erforderten eine neue rechtliche Form der Kooperation und der Integration Zugleich waren fur Russland zahlreiche Objekte von strategischem Interesse die nun ausserhalb der Russischen Foderation lagen Hierzu zahlten u a der Weltraumbahnhof Baikonur militarstrategische Einrichtungen in Aserbaidschan und Weissrussland sowie der Flottenstutzpunkt der Schwarzmeerflotte in Sewastopol Zur Nachfolgeorganisation der Sowjetunion wurde die Gemeinschaft Unabhangiger Staaten GUS der zunachst 12 der 15 ehemaligen Sowjetrepubliken beitraten Dieser eher lockere Staatenbund hat jedoch bis zur heutigen Zeit seine Bedeutung weitgehend eingebusst Mit Weissrussland hat sich Russland in der Russisch Weissrussischen Union zusammengeschlossen auf die sich Boris Jelzin mit Aljaksandr Lukaschenka weissrussischer Staatsprasident seit 1994 verstandigte Nach Einschatzung von Politologen hing ihre Entwicklung jedoch stark mit personlichen Ambitionen Lukaschenkas zusammen der Nachfolger Jelzins in einem kunftigen Unionsstaat zu werden Als nach Jelzin 1999 Wladimir Putin russischer Prasident wurde kuhlte sich das Verhaltnis zu Weissrussland ab dem Putin einen Beitritt zur Russischen Foderation vorschlug Bis 2011 verlief die weitere Integration sehr schleppend viele Projekte wie die gemeinsame Wahrung wurden nicht umgesetzt Die Beziehungen waren vielmehr von Energiekonflikten uberschattet 2011 trat Weissrussland jedoch der gemeinsamen Zollunion mit Russland und Kasachstan bei die bereits seit 2000 im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft in Planung war Zu den weiteren Zielen dieser Gemeinschaft zahlt ein gemeinsamer Wirtschaftsraum und die Schaffung einer politischen Union die fur weitere Staaten des postsowjetischen Raumes offensteht Beziehungen zur Ukraine Bearbeiten Putin und der ukrainische Ministerprasident Mykola Asarow 11 April 2011 Ein ambivalentes Verhaltnis hat Russland mit der Ukraine Trotz enger historischer und kultureller Verbindungen und einer fortbestehenden wechselseitigen Abhangigkeit vor allem in den Energiefragen haben geschichtsbezogene Meinungsverschiedenheiten vgl Holodomor sowie der erklarte Westkurs der Ukraine das Verhaltnis schwer belastet Vor allem westlich orientierte Regierungen der Ukraine wurden von Russland wiederholt unter Druck gesetzt so zum Beispiel nach der Prasidentschaftswahl in der Ukraine 2004 als es zum Russisch ukrainischen Gasstreit kam Nach der Abwahl des russlandfreundlichen Politikers Wiktor Janukowytsch und dem Euromaidan bei dem sich die Demonstranten fur eine Westorientierung der Ukraine aussprachen kam es zur Annexion der Krim durch Russland und zum Krieg in der Ukraine seit 2014 wobei sogenannte Separatisten fur eine Autonomie des Donbass kampften Diese wurden durch Russland personell und militarisch unterstutzt Bereits im Jahr 2009 war in ukrainischen Medien offen uber die Moglichkeit eines militarischen Angriffs durch Russland diskutiert worden 157 In diesem Konflikt kam es auch zum Abschuss des Fluges MH17 Beziehung zur Europaischen Union Bearbeiten Hauptartikel Beziehungen zwischen der Europaischen Union und Russland Als Antwort auf die Annexion der Krim 2014 wurden von der Europaischen Union Sanktionen gegen Russland ergriffen Dabei geht es vorwiegend um bestimmte Ausrustungen fur die russische Ol und Gasindustrie zudem wird verschiedenen russischen Finanzinstituten der Zugang zum Finanzmarkt erschwert Der Beschluss dieser Sanktionen erfolgt jeweils befristet fur ein halbes Jahr letztmals bis Januar 2019 und bedarf der Einstimmigkeit des Rates der Europaischen Union 158 Deutsch russische Beziehungen Bearbeiten Hauptartikel Deutsch russische Beziehungen Zeugnis deutsch russischer Beziehungen das rekonstruierte Bernsteinzimmer Im Jahr 1716 wurde das Original vom preussischen Konig Friedrich Wilhelm I an den russischen Zaren Peter den Grossen verschenkt und verschwand 1945 Die Entstehungsgeschichte deutscher und russischer Humanitat ist nicht auch sie dieselbe eine Leidensgeschichte namlich Welche Verwandtschaft in dem Verhaltnis der beiden nationalen Seelen zu Europa zum Westen zur Zivilisation zur Politik zur Demokratie von Thomas Mann Betrachtungen eines Unpolitischen 1917 159 Medwedew und Merkel beim Petersburger Dialog 2008 Deutsche waren die ersten westlichen Europaer mit denen Russland intensiver in Kontakt kam Seit Mitte des 13 Jahrhunderts bestand der Peterhof in Nowgorod als Handelsniederlassung der Hanse Zu militarischen Auseinandersetzungen kam es seit dem 12 Jahrhundert mit dem Schwertbruderorden in Livland Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen waren besonders eng unter Peter dem Grossen Russische Deutsche haben einen grossen Beitrag zur Entwicklung der russischen Kultur geleistet beispielsweise Kaiserin Katharina II Admiral Adam Johann von Krusenstern der Militaringenieur Graf Eduard Iwanowitsch Totleben der Musiker Swjatoslaw Teofilowitsch Richter und viele andere Der historische Beitrag Deutschlands wird daher bis heute in Russland anerkannt und geschatzt Auch politisch blickten Deutschland und Russland bis zum Ende des 19 Jahrhunderts auf lange Bundnistraditionen zuruck Insbesondere das Konigreich Preussen lehnte sich seit dem Ende des Siebenjahrigen Krieges 1763 bis zur Deutschen Reichsgrundung von 1871 eng an das russische Zarenreich an da es zweimal in seiner Geschichte letztlich durch Russland vor der fast volligen Vernichtung bewahrt worden war 1762 durch den Seitenwechsel Zar Peters III im Siebenjahrigen Krieg und 1807 durch die Fursprache Zar Alexanders I bei Napoleon im Frieden von Tilsit Wahrend der Befreiungskriege kampften Russen und Deutsche gemeinsam gegen die franzosische Fremdherrschaft So waren russische Soldaten massgeblich an der Befreiung Deutschlands beteiligt Die Allianz der drei Schwarzen Adler Russland Osterreich und Preussen die bereits in der ersten Halfte des 18 Jahrhunderts bestanden hatte setzte sich in der Folge nach dem Wiener Kongress als Heilige Allianz fort Die schweren kriegerischen Auseinandersetzungen im 20 Jahrhundert haben bis heute Nachwirkungen Die rechtliche Grundlage der Beziehungen des wiedervereinigten Deutschlands und der Russischen Foderation bilden der Vertrag uber die abschliessende Regelung in bezug auf Deutschland vom 12 September 1990 der Vertrag uber gute Nachbarschaft Partnerschaft und Zusammenarbeit vom 9 November 1990 sowie die Gemeinsame Erklarung des Prasidenten der Russischen Sozialistischen Foderativen Sowjetrepublik und des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland vom 21 November 1991 Im Zeichen der friedlichen deutschen Wiedervereinigung war die deutsche Seite einerseits dankbar fur die problemlose Abwicklung der Folgeauswirkungen andererseits fuhlte sich Deutschland als Impulsgeber und Motor fur eine starkere Integration Russlands in europaische Strukturen und warb fur Kredite und Investitionen in Russland 160 Ab der Kanzlerschaft Gerhard Schroders und dem Wirtschaftsaufschwung in Russland unter Wladimir Putin intensivierten sich die deutsch russischen Beziehungen insbesondere im Bereich der Wirtschaft aber auch beim politischen Dialog Ab 1998 fanden jahrlich bilaterale Regierungskonsultationen auf hochster Ebene unter Beteiligung beider Regierungen statt Es gab in Russland zwischenzeitlich mehr als 6000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung einschliesslich mehr als 1350 russisch deutscher Joint Ventures Zwischen Deutschland und Russland entwickelte sich ein enger kultureller und bildungspolitischer Austausch 2003 wurde ein Regierungsabkommen zur Forderung des gegenseitigen Erlernens der Partnersprache abgeschlossen Rund 12 000 junge russische Staatsburger studierten an deutschen Hochschulen Im April 2005 wurde eine gemeinsame Erklarung fur eine strategische Partnerschaft auf dem Gebiet der Bildung Forschung und Innovation unterzeichnet Ab 2006 gab es Koordinierungsburos in Hamburg und Moskau fur den bilateralen Schuler und Jugendaustausch Das Goethe Institut ist an vielen Orten in Russland prasent in Moskau St Petersburg und seit Fruhjahr 2009 in Nowosibirsk Daneben sind zahlreiche weitere deutsche Kulturmittler in Russland vertreten Bundesaussenminister Frank Walter Steinmeier stellte 2014 klar dass eine im Jahre 2008 vorgeschlagene Modernisierungspartnerschaft aufgrund der formulierten Voraussetzungen von der russischen Seite ausgeschlagen worden war 161 Obwohl die Tendenz stieg hatten 2011 trotz starker Wirtschaftsbeziehungen und eines bedeutenden Austausches zwischen den Zivilgesellschaften nur ein Drittel der Deutschen Russland als Partnerland vertraut Dies lasst sich auf die Rolle der Medien zuruckfuhren die einen entscheidenden Einfluss bei der Wahrnehmung Russlands haben vgl Russlandberichterstattung in Deutschland Bis zum Amtsantritt Wladimir Putins herrschte in den deutschen Medien das Bild eines armen und unberechenbaren Russlands vor Durch die wirtschaftliche Stabilisierung nach der Jahrtausendwende und hohe Einkommen aus den Olvorkommen verschwand dieses Bild allmahlich An seine Stelle ruckte die Angst vor Putins Energie Imperium und der Abhangigkeit von ihm Die Berichterstattung der politischen Situation in Russland wurde durch die Stagnation der Medien und deren Personalabbau zuweilen als zu wenig differenziert wahrgenommen Prasident Medwedew galt den Einen als liberal den anderen als Prasident eines Landes welchem ein Umsturz bevorstand 162 Die Abkuhlung der russisch deutschen Beziehungen begann schon im Herbst 2012 als der Bundestag eine Resolution mit Kritik an Russlands Innenpolitik verabschiedete 163 Die Putin Regierung betreibt seit Mai 2012 eine nationalpatriotische und gegen westliche Einflusse gerichtete Politik 164 Im Februar 2014 kritisierte Russland die deutsche Rolle beim Euromaidan in der Ukraine Im Verlauf der Ukraine und Krimkrise zeigte sich dass russische Geheimdienste zunehmend versuchen mittels gezielter Infiltration sozialer Netzwerke wie Facebook sowie der Kommentarbereiche westlicher auch deutscher Onlinemedien betroffen sind etwa die Deutsche Welle und die Suddeutsche Zeitung die offentliche Meinung im Ausland zu Gunsten Russlands zu manipulieren Wie die Suddeutsche berichtet sind zu diesem Zweck hunderte bezahlte Manipulatoren im Einsatz 165 166 Unmittelbar nach der Annexion der Krim 2014 wurden in der Europaischen Union Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhangt 167 Als Folge brach der deutsch russische Handel binnen Monaten um rund ein Drittel ein Im Sommer 2017 wurden die Sanktionen wiederum verscharft 168 Im Februar 2020 warf der deutsche Aussenminister Heiko Maas der russischen Regierung angesichts des russischen Militareinsatzes im Rahmen des syrischen Burgerkriegs vor das humanitare Volkerrecht gebrochen und Kriegsverbrechen im Gouvernement Idlib begangen zu haben 169 Siehe auch Russische Kultur in Deutschland Rolle im Syrischen Burgerkrieg Bearbeiten Siehe auch Russischer Militareinsatz in Syrien Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen beispielsweise Einzelnachweisen ausgestattet Angaben ohne ausreichenden Beleg konnten demnachst entfernt werden Bitte hilf Wikipedia indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfugst Baschar al Assad mit Gattin Asma in Moskau Der Syrienkonflikt ist einer der wenigen internationalen Konflikte in denen die russische Regierung eine zentrale Rolle spielt Dabei brachte ihre Verweigerungshaltung gegenuber jeglichen Versuchen im Rahmen des UN Sicherheitsrats internationalen Druck auf die Regierung Assad auszuuben der russischen Regierung scharfe Kritik westlicher und regionaler Akteure ein und beschadigte das Ansehen Russlands in der arabischen Welt Russland nahm von Anfang an die klare Haltung ein dass die Kampfe zwischen Regierung und Opposition nur innersyrisch zu losen sei Dies sei erstens durch ergebnisoffene Verhandlungen zwischen beiden Seiten zu erreichen und sollte zweitens ohne externe Einmischung geschehen sei es durch Waffenlieferung an die Rebellen oder durch militarische Intervention Dementsprechend blockierte Russland nicht nur Resolutionsentwurfe im UN Sicherheitsrat die Sanktionen vorgesehen hatten Oktober 2011 Juli 2012 sondern auch solche die lediglich die Gewaltanwendung durch die syrische Regierung verurteilt hatten ohne dass zugleich die Regimegegner ebenfalls verurteilt und zum Gewaltverzicht aufgerufen wurden Februar 2012 170 Die Fuhrung Russlands gibt vor damit eine neutrale Haltung einzunehmen Mehrmals betonten Prasident Putin Aussenminister Lawrow und Ministerprasident Medwedew dass ihr Land im Gegensatz zu den westlichen Staaten oder den Golfmonarchien nicht einseitig Partei ergreife 170 Jedoch unterstutzt die russische Regierung die Regierung Assads auf vielfaltige Weise Erstens stutzt man auf internationaler Buhne die Legitimationsstrategie der syrischen Fuhrung Durch eine Darstellung der Opposition primar als einer Gruppe von Fanatikern Islamisten oder Terroristen wird die Schuld am Gewaltausbruch implizit ihr zugewiesen Zweitens liefert Russland weiterhin Waffen an die syrische Regierung darunter Luftabwehrsysteme Buk M2 Nato Code SA 17 Grizzly und Panzir S1 Nato Code SA 22 Greyhound und Helikopter Russland verweist darauf dass die Exporte nach internationalem Recht zulassig seien Schliesslich hat der UN Sicherheitsrat aufgrund russischer und chinesischer Weigerung bislang kein Waffenembargo verhangen konnen Als verlasslicher Exporteur so die russische Rechtfertigung sei die russische Regierung daher verpflichtet bestehende Vertrage zu erfullen Neue Lieferungen seien aber suspendiert worden erklarte Wjatscheslaw Dsirkaln vom Foderalen Dienst fur Militartechnische Zusammenarbeit im Juli 2012 Drittens hilft die russische Regierung der Regierung Assad auch indem sie Banknoten fur die syrische Regierung druckt 170 Die Motive der russischen Syrienpolitik gehen uber materielle Interessen hinaus Sie betreffen grundlegende Fragen der internationalen Ordnung und regionalen Machtbalance aber auch konkrete sicherheitspolitische Risiken fur Russland selbst Der arabische Fruhling warf fur die internationale Gemeinschaft erneut die Frage auf wie mit dem Spannungsverhaltnis zwischen staatlicher Souveranitat und Schutzverantwortung responsibility to protect R2P umzugehen ist Es geht um kontrare Ansichten zur Ausgestaltung der internationalen Ordnung und den Anspruch Russlands diese mitzubestimmen Die russische Regierung lehnt die R2P nicht prinzipiell ab will es aber an enge Grenzen gebunden wissen ohne das Ziel eines Regime Change von aussen Dahinter steht eine traditionelle Interpretation staatlicher Souveranitat Diese hat auch eine innenpolitische Begrundung Schliesslich stellt eine Aufweichung des Nichteinmischungsgebots fur die autoritare Fuhrung in Moskau auch aus Grunden des eigenen Machterhalts ein Gefahrenszenario dar 171 Nach den Giftgas Angriffen von Ghuta und der Drohung der US amerikanischen Regierung mit einem Militarschlag gelang es Russland zwischen der US amerikanischen und der syrischen Regierung zu vermitteln Am 14 September 2013 wurde vereinbart dass die syrische Regierung zunachst binnen einer Woche das gesamte Giftgasarsenal offenlegen und den UN Inspektoren uneingeschrankten Zugang zu den Lagerstatten gewahren muss Mitte November sollen die UN Inspekteure die Arbeit aufnehmen Die Chemiewaffen sollen ausserhalb von Syrien vernichtet werden 172 Am 16 September sprach sich Russland erneut gegen eine UN Resolution aus die eine Drohung im Falle einer Nicht Erfullung der Vereinbarung gegen die syrische Regierung vorsah 173 Humanitare Hilfe leistet Russland in dem Konflikt hingegen kaum 174 so stellte die Regierung im Jahr 2015 fur das UN Hilfsprogramm zur Versorgung der rund 4 Millionen Syrer die vor dem Krieg in die Nachbarlander geflohen sind bislang einen Betrag von 300 000 US Dollar zur Verfugung was 0 02 der fur die Hilfsmassnahmen veranschlagten Gesamtkosten deckt 175 In Russland selbst halten sich Schatzungen zufolge zwischen 8000 und 12 000 syrische Fluchtlinge auf viele davon illegal Im Jahr 2015 wurde kein einziger Syrer in Russland offiziell als Fluchtling anerkannt 482 Asylsuchende wurden geduldet 176 Durch den russischen Militareinsatz sind bis Ende September 2019 laut der syrischen Beobachtungsstelle fur Menschenrechte etwa 19 000 Menschen davon ca 8300 Zivilisten ums Leben gekommen 177 Insbesondere im Gouvernement Idlib sind durch die Offensiven der russischen und syrischen Streitkrafte hunderttausende Menschen zur Flucht genotigt worden Auch hinterliess die Offensive einen immensen Schaden der lokalen Infrastruktur So sind laut einem Bericht von Amnesty International zwischen Mai 2019 und Februar 2020 mindestens 18 Angriffe auf Krankenhauser und Schulen in Syrien durch die russischen und syrischen Streitkrafte verubt worden 178 In der Folge haben funf Kliniken darum schliessen mussen 178 Im Juli 2020 blockierte die russische Regierung mit einem Veto im UN Sicherheitsrat den Fortbestand eines Grossteils der UN Hilfslieferungen von medizinischen Gutern und Nahrungsmitteln nach Syrien 179 sodass das UN Hilfsprogramm fur Syrien nur noch eingeschrankt fortgesetzt wurde 180 Verteidigungspolitik Bearbeiten Militardoktrin Bearbeiten Mit der Unterschrift Prasident Putins trat am 31 Dezember 2015 Ukas 683 und damit eine neue Militardoktrin in Kraft welche erstmals die USA sowie deren Alliierte die NATO und die EU als Bedrohung fur Russland und seine Nachbarn benannte 181 182 Im Marz 2018 widmete Prasident Putin ein Drittel seiner Rede an die Nation der Prasentation angeblich unbesiegbarer Nuklearwaffen 183 Militar Bearbeiten Hauptartikel Russische Streitkrafte Das Typschiff der Stereguschtschi Klasse 2009 Ka 52 Alligator der russischen Luftstreitkrafte WWS Der russische Staat besitzt den 1949 noch als Sowjetunion erlangten Status einer Atommacht und verfugt mit 6500 Stuck uber das weltweit grosste Arsenal an nuklearen Sprengkopfen vor den Vereinigten Staaten mit 6185 Stand 2019 184 In Russland gilt eine allgemeine Wehrpflicht fur wehrfahige Manner ab 18 bis maximal 27 Jahren 2007 wurde sie von 24 auf 18 2008 dann auf 12 Monate verkurzt Da die wehrpflichtigen Soldaten fruher auch in Krisengebieten wie Tschetschenien eingesetzt wurden und es im Rahmen der Dedowschtschina nicht selten zu Misshandlungen von jungen Rekruten durch Vorgesetzte kommt gibt es in der Bevolkerung besonders durch die Mutter Wehrpflichtiger immer wieder Kritik an der Wehrpflicht Die Starke der Streitkrafte betrug 2001 1 183 000 Mann davon 321 000 Landstreitkrafte 171 500 Marine 184 600 Luftstreitkrafte und 149 600 Atomstreitkrafte 40 000 dienen in Staaten der GUS als Friedenstruppen und 316 900 werden als sonstige Militars gefuhrt Im Jahr 2018 gab Russland 61 4 Mrd Dollar fur sein Militar aus Es liegt damit im internationalen Vergleich hinter den Vereinigten Staaten mit 649 Mrd Dollar der Volksrepublik China mit 250 Mrd Dollar Saudi Arabien mit 67 6 Mrd Dollar Indien mit 66 5 Mrd Dollar und Frankreich mit 63 8 Mrd Dollar auf Platz 6 gefolgt vom Vereinigten Konigreich und Deutschland 185 Die schon ab 2000 massiv gestiegenen 186 Rustungsausgaben Russlands hatten sich noch von 2004 bis 2014 verdoppelt 187 und sollen ab 2014 rund ein Funftel der gesamten Staatsausgaben betragen 188 Fur 2016 wurde gar mit einem Anteil von beinahe 25 Prozent an den Staatsausgaben gerechnet unter Annahme eines spateren Sinkens 189 Mittels einer grundlegenden Reform wird versucht die russische Armee den Erfordernissen einer modernen Kriegfuhrung und den finanziellen Moglichkeiten des Landes anzupassen Elemente dieser Militarreform waren Vorrang der konventionellen vor der nuklearstrategischen Rustung personelle Verkleinerung der Armee auf 835 000 Soldaten schrittweiser Ubergang zur Berufsarmee Vereinfachung der Kommandostrukturen sowie Erhohung des Verteidigungsbudgets das je zur Halfte fur den Unterhalt der Streitkrafte und fur Forschung Entwicklung Unterstutzung der Rustungsindustrie sowie Beschaffung neuer Waffen ausgegeben werden soll Vorgesehen war fur die Modernisierung der Armee und die Instandsetzung von Waffen und Militartechnik bis 2020 veraltet insgesamt ungefahr 400 Mrd Euro bereitzustellen Im Jahr 2015 wurden neue Raketen fur die Nuklearstreitkrafte angekundigt 190 Die stationierten Atomsprengkopfe stiegen von 1400 im Jahr 2013 auf 1796 im Jahr 2016 Paradoxerweise ist die Zahl der stationierten Sprengkopfe damit aufgrund neu eingeflotteter U Boote grosser als beim Inkrafttreten des New START Abkommens im Jahr 2011 jedoch absehbar wieder sinkend 191 Spezialeinheiten Bearbeiten Folgende Teile scheinen seit 2016 nicht mehr aktuell zu sein Struktur Inlandstruppen OMON nicht mehr Teil des MWD u a Nationalgarde Bitte hilf mit die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufugen Wikipedia WikiProjekt Ereignisse Vergangenheit fehlend Es gibt in Russland eine Reihe von Spezialeinheiten SpezNas welche dem Innenministerium MWD unterstellt sind Die Streitkrafte des MWD umfassten im Jahre 2007 insgesamt 170 000 Mann Ihr Oberbefehlshaber ein Armeegeneral ist gleichzeitig Stellvertreter des Innenministers Die Inneren Truppen gliederten sich 2007 in funf Divisionen ODON zehn Brigaden OBRON und eine Anzahl selbstandiger Einheiten Sie sind mit Schutzenpanzern und eigener Artillerie ausgerustet Dem MWD unterstehen mit der Polizija policiya ausserdem die regularen Polizeikrafte welche bis Marz 2011 als Miliz bezeichnet wurden Diese sind z B fur die Aufsicht uber die Staatsstrassen zustandig Daneben gibt es die rund 20 000 Mann der Polizei Spezialeinheit OMON OMON die fur Notfalle Grosslagen und den Schutz des Nukleararsenals zustandig sind Dem MWD untersteht schliesslich auch der russische Inlandsgeheimdienst FSB Dem Foderalen Sicherheitsdienst FSB wurden unter Prasident Putin die von Jelzin geschaffenen selbststandigen Sicherheitsdienste die Grenztruppen Russlands untergeordnet die etwa 160 000 Mann ausmachen 192 Wirtschaft und Infrastruktur BearbeitenWirtschaftsstruktur und Wirtschaftsgeschichte Bearbeiten Hauptartikel Wirtschaftspolitik Russlands und Gesamtwirtschaftliche Entwicklung Russlands Allgemeines Bearbeiten Ausgewahlte Kennzahlen der russischen Volkswirtschaft 193 Jahr BIP in Mrd USD KKB BIP pro Kopf in US Dollar KKB BIP Wachstum real Inflationsrate in Prozent Arbeitslosenquote in Prozent Staatsverschuldung in des BIP Haushaltsbilanz in des BIP Handelsbilanz in des BIP 1992 1 703 0 11 482 k A k A 5 2 k A k A 1 3 1993 1 591 9 10 724 8 7 874 6 5 9 k A k A 1 3 1994 1 419 3 9 563 12 7 307 6 8 1 k A k A 2 6 1995 1 389 5 9 370 4 1 197 5 9 4 k A k A 2 1 1996 1 363 8 9 210 3 6 47 7 9 7 k A k A 2 6 1997 1 406 3 9 517 1 4 14 8 11 8 k A k A 0 0 1998 1 345 6 9 130 5 3 27 7 13 3 k A 7 4 0 1 1999 1 452 9 9 889 6 4 85 7 13 0 92 1 3 6 12 6 2000 1 635 3 11 170 10 0 20 8 10 6 55 7 3 1 16 3 2001 1 757 7 12 054 5 1 21 5 9 0 44 3 3 0 9 7 2002 1 869 3 12 875 4 7 15 8 8 0 37 5 0 7 7 4 2003 2 046 7 14 156 7 3 13 7 8 2 28 3 1 3 7 2 2004 2 253 9 15 647 7 2 10 9 7 7 20 8 4 6 9 2 2005 2 474 8 17 232 6 4 12 7 7 2 14 8 7 6 10 3 2006 2 758 8 19 249 8 2 9 7 7 1 14 8 7 8 8 7 2007 3 073 9 21 473 8 5 9 0 6 0 8 0 5 6 5 2 2008 3 298 7 23 054 5 2 14 1 6 2 7 4 4 5 5 8 2009 3 063 8 21 411 7 8 11 7 8 2 9 9 5 9 3 8 2010 3 240 9 22 639 4 5 6 9 7 4 10 6 3 2 4 1 2011 3 475 4 24 259 5 0 8 4 6 5 10 8 1 4 4 7 2012 3 670 4 25 592 3 7 5 1 5 5 11 5 0 4 3 2 2013 3 796 8 26 440 1 8 6 8 5 5 12 7 1 2 1 5 2014 3 892 0 27 072 0 7 7 8 5 2 15 6 1 1 2 8 2015 3 835 8 26 658 2 5 15 5 5 6 15 9 3 4 4 9 2016 3 877 0 26 930 0 2 7 1 5 5 15 7 3 6 1 9 2017 4 007 8 27 834 1 5 3 7 5 2 17 4 1 5 2 2 Russisches BIP Kopf nach Regionen 2006 gt 400 000 Rubel 150 000 bis 400 000 Rubel 100 000 bis 150 000 Rubel 50 000 bis 100 000 Rubel lt 50 000 Rubel Russland ist ein entwickeltes Industrie und Agrarland Das Land ist zudem Grundungsmitglied der seit dem 1 Januar 2015 existierenden Eurasischen Wirtschaftsunion Die fuhrenden Industriebranchen sind Maschinenbau sowie die Eisen und Nichteisenmetallverarbeitung Gut entwickelt sind auch die chemische und petrolchemische Industrie sowie die Holz Leicht und Nahrungsmittelindustrie Das russische Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2015 ca 1 192 Mrd EUR Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 8 137 Euro 194 Der Dienstleistungssektor steuert 62 6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei Auf den industriellen Sekundarsektor entfallen rund 32 7 Prozent auf den Agrarsektor Bauwirtschaft und Landwirtschaft 4 7 Prozent 195 Die Weltbank schatzte dass rund ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Produktion von der Rohstoffproduktion gestellt wird Laut einer Studie der Bank Credit Suisse betragt der durchschnittliche Vermogensbesitz je erwachsene Person in Russland 16 773 US Dollar Im Median liegt er jedoch bei nur 3 919 US Dollar Weltdurchschnitt 3 582 US Dollar was auf eine hohe Vermogensungleichheit hindeutet Mehr als 70 der russischen Bevolkerung besitzen weniger als 10 000 US Dollar an Vermogen Russland belegte Platz 19 in der Rangliste der Lander nach totalem Privatvermogen einen Platz vor Indonesien und einen hinter Schweden Russland war 2017 das Land mit der funfthochsten Anzahl an Milliardaren insgesamt 96 Die sogenannten Oligarchen im Land sind teilweise zum Symbol fur korrupte Strukturen und Ungleichheit geworden 196 Die Gesamtzahl der Beschaftigten betragt 73 5 Millionen 2006 30 Prozent der Erwerbstatigen arbeiteten 2005 in der Industrie In der Landwirtschaft waren 10 Prozent im Dienstleistungsbereich 22 Prozent und im offentlichen Sektor nochmals 22 Prozent aller Erwerbstatigen beschaftigt Im Jahr 2013 sagte die russische Vize Ministerprasidentin Olga Golodez nur 48 Millionen statt 86 Millionen Arbeitsfahige seien fur die Regierung sichtbar 197 je nach Schatzung macht die Schattenwirtschaft die Halfte der Wirtschaftsleistung aus Kleine und mittlere Betriebe leisteten ein Funftel wohingegen die staatlichen Konzerne 70 Prozent beitrugen 198 Auch aufgrund der minimalen Renten weiterhin arbeitstatige Rentner gehorten zum Heer der selbstandig erwerbenden Kleinverdiener welche ihr Einkommen kaum je deklarierten Die Steuermoral lag angesichts der bekannten korrupten Ausschweifungen der Politiker darnieder 199 Nach Jahren des Aufschwungs steckte die russische Wirtschaft um die Jahre 2015 16 in der Rezession Nachdem das russische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2014 noch um 0 6 gewachsen war 200 schrumpfte die russische Wirtschaft 2015 um 3 7 194 Fur das Jahr 2016 wurde offiziell ein Ruckgang der Wirtschaftsleistung um 0 2 vermeldet 201 Als Hauptgrunde fur die Rezession wurden zumeist der sehr niedrige Olpreis der Verfall des Rubels sowie die westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine Krise genannt Allerdings werden der russischen Wirtschaft auch grundsatzliche strukturelle Probleme bescheinigt Des Weiteren hatte Russland mit erhohten Inflationsraten im Falle des Jahres 2015 von bis zu 15 Prozent zu kampfen 202 Die Inflation fiel 2018 wieder auf um drei Prozent 203 Im Global Competitiveness Index der die Wettbewerbsfahigkeit eines Landes misst belegt Russland Platz 38 von 137 Landern Stand 2017 18 204 Im Index fur wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 114 von 180 Landern 205 Nach der Transformationskrise Bearbeiten Die jungste Entwicklung des BIP pro Kopf Russlands Kaufkraftparitat Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Russlands nach der Auflosung der Sowjetunion war zunachst von einem drastischen Einbruch der Produktion gepragt Dazu trug der Wegfall eingespielter Handelsbeziehungen im Verbund der Sowjetunion bei Der Ubergang von der Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung war schwierig und gelang nur in Teilbereichen Insgesamt verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt um gut 40 Prozent Kurz nach Beginn der Asienkrise begann im Herbst 1997 die Russlandkrise Am 17 August 1998 erklarte Russland den Staatsbankrott und musste die Dollarbindung des Rubel aufgeben Die Politik des Minimalstaates unter Jelzin fuhrte dazu dass die foderale Regierung nicht imstande war Steuern einzutreiben und fur Rechtssicherheit zu sorgen Dies anderte sich unter der Prasidentschaft von Wladimir Putin ab dem Jahr 2000 Um die politische Kontrolle im Staat wieder zu erlangen starkte er den Staatsapparat auf Kosten des Einflusses der Oligarchen Putin fuhrte in Russland bis 2008 eine staatlich gefuhrte korporatistische Wirtschaft Im Jahr 2007 fuhrte er per Gesetz sechs Institutionen zur Bundelung von Staatsaktivitaten in strategisch wichtigen Bereichen ein unter alleiniger Fuhrung des Prasidenten Darunter fallen die Nukleartechnik bei Rosatom die Bank fur Aussenwirtschaft VEB der Reformfonds fur Immobilien 206 Rusnano oder das Rustungsguter Konglomerat Rostec dazu Olimpstroi die 2014 aufgeloste Staatsgesellschaft fur Bauten der Olympischen Spiele in Sotschi 2014 207 Die VEB war aus der Aussenhandelsbank der UdSSR hervorgegangen An diesen durch Gesetz geschaffenen Staatskonglomeraten kritisierte unter anderem Ministerprasident Medwedew die Verwendung von Staatseigentum oder Staatsmitteln zur Grundung was zu einer versteckten Privatisierung fuhre 208 209 Bei einer Prufung der Korporationen im Jahr 2009 durch Medwedew wurden Missbrauch und Ineffizienz festgestellt 210 Prasident Medwedew nannte in seiner Rede an die Nation im November 2009 die Organisationsform der Korporationen ohne Perspektive 211 Wenige Tage spater erwiderte Ministerprasident Putin Staatskorporationen seien schlicht eine Notwendigkeit und betonte dass daruber in der Staatsfuhrung Einigkeit herrsche 212 In den ersten vier Jahren von Putins Prasidentschaft folgte die Einfuhrung einer Flatrate bei der Einkommensteuer vgl Steuerrecht Russland der vollen Konvertibilitat des Rubels und eines Drei Jahres Budgets dies bis zu den Finanzproblemen im Jahr 2015 213 Um von den Einnahmen des Energiesektors zu profitieren wurden private Unternehmen aus diesem Bereich zuruckgedrangt Auch ausserhalb des Energiesektors baute der Staat seinen Einfluss aus Die Regierung forderte die Bildung staatlicher Grosskonzerne die strategische Branchen dominieren sollen So wurden beispielsweise private Unternehmen fur Maschinen und Automobilbau von Staatsbetrieben ubernommen und durch Subventionen gestutzt um modernisiert werden zu konnen Industrie in der Oblast Wolgograd Grosse Produktionskapazitaten aus der Zeit der UdSSR waren nicht ausgelastet so dass sich die russische Regierung daran orientierte durch eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik mittels expansiver wachstumsorientierter Geldpolitik diese Kapazitaten wieder voll auszulasten Dies brachte eine zweistellige Inflationsrate mit sich Das von Prasident Putin gesetzte Ziel das Bruttoinlandsprodukt innert zehn Jahren zu verdoppeln sollte mittels staatlichem Ausgabenprogramm erreicht werden Dafur wurden Gehalter im offentlichen Dienst sowie Renten sonstige Sozialleistungen und Ausgaben fur den Wohnungsbau erhoht Moglich wurde das Sozialprogramm durch den Olboom der neben hohen Mehreinnahmen fur den Staat eine Reduzierung der Auslandsverschuldung ermoglichte die 2000 noch 166 Mrd Dollar betrug Ein Teil der Oleinnahmen floss in den 2004 errichteten Stabilisierungsfonds der sinkende Staatseinnahmen abfedern und eine mogliche Inflation abschwachen sollte Dieser Stabilisierungsfonds wurde 2008 in einen Reservefonds und einen Wohlstandsfonds zur Rentensicherung aufgegliedert Der Wohlstandsfonds betrug 2011 68 4 Mrd Euro der Reservefonds 19 9 Mrd Euro 214 Die russische Wirtschaft hatte sich vom Produktionseinbruch im Zuge der Finanzkrise des Jahres 1998 rasch erholt da die 1998 eingetretene deutliche Abwertung des Rubels der russischen Wirtschaft Auftrieb verschaffte und auslandische Guter verteuerte so dass Produkte aus Russland dort wettbewerbsfahiger wurden Aussenwirtschaftlich verstarkte sich die Abhangigkeit der russischen Wirtschaft vom Energiesektor allerdings weiter Trotz kraftig gestiegener Investitionen wurde in Russland im internationalen Vergleich zu wenig investiert Investoren kritisierten fehlende Rechtssicherheit weit verbreitete Korruption eine uberbordende Burokratie und die geringe Leistungsfahigkeit des russischen Bankensystems In der internationalen Wirtschaftskrise Bearbeiten Das neue Russland Moskau City Bauphase Mai 2010 Im Zuge der Internationalen Wirtschaftskrise wies die russische Wirtschaft seit Mitte 2008 deutlich negative Entwicklungen auf was in hohem Masse auf ihre grosse Abhangigkeit vom Rohstoffsektor zuruckzufuhren war Aufgrund des drastischen Preisverfalls beim Erdol und Erdgas sanken die Staatseinnahmen Die weltweite Finanzkrise hatte Russland 2009 hart getroffen Russland konnte durch seine Antikrisenpolitik grossere Bankenzusammenbruche verhindern so dass das russische Finanzsystem wieder als stabil gilt Die Pflichteinlagen bei der Zentralbank wurden hochgeschraubt Banken bekamen staatliche Hilfen Die Russische Zentralbank verwendete fast 300 Milliarden Dollar an Reserven um den als Folge des auslandischen Kapitalabzugs unter Abwertungsdruck gekommenen Rubel zu stutzen 2010 und 2011 setzte eine wirtschaftliche Erholung in Russland ein Durch diese Krise wurde sichtbar dass die Fixierung auf den Rohstoffreichtum das Land in eine Sackgasse fuhrt und die Abhangigkeit von den Weltmarktpreisen fur Erdol Erdgas oder Metalle zu hoch ist Bereits zu Beginn des 21 Jahrhunderts hatte in Russland eine intensive Diskussion uber Sonderwirtschaftszonen eingesetzt Unter Wladimir Putin wurde 2005 ein entsprechendes Gesetz uber Sonderwirtschaftszonen in der Russischen Foderation verabschiedet Bis Ende 2009 wurden 15 dieser Zonen konzipiert und bestatigt darunter unter anderem zwei Industrie Sonderwirtschaftszonen Jelabuga Lipezk vier technikorientierte Sonderwirtschaftszonen Moskau St Petersburg Dubna Tomsk sowie sieben Zonen fur Tourismus und Erholung Zinsen wurden gesenkt um Investitionen in die Produktion zu ermoglichen Die Inflationsrate erreichte 2011 ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren Die Regierung war bemuht preistreibende Faktoren wie die Verteuerung von Treibstoffen und Strom uber Quartalsvereinbarungen mit den Anbietern unter Kontrolle zu halten Wahrend das Land 1999 noch auf Platz 22 der grossten Wirtschaftsnationen lag hatte es 2012 den neunten Platz in der Welt nach nominalen BIP inne Lag der Wert des russischen BIP in Relation zum deutschen im Jahr 2004 bei 21 7 Prozent waren es 2011 bereits 51 7 Prozent Der Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO erfolgte 2012 nach 18 Verhandlungsjahren wodurch die Importzolle sanken und der Modernisierungsdruck der heimischen Wirtschaft stieg Im Jahr 2015 lag Russlands Wirtschaftsleistung wieder hinter der Italiens auf Rang 10 oder 11 215 Die Regierung hatte es bis 2018 nie gewagt das Renteneintrittsalter welches Stalin im Jahr 1932 festgelegt hatte zu erhohen die Renten welche Frauen ab 55 Jahren Manner ab 60 Jahren erhalten sind jedoch so niedrig dass sich viele in der Schattenwirtschaft Geld dazuverdienen Gleichzeitig fehlten dem Arbeitsmarkt Arbeitskrafte 31 Nach der Annexion der Krim 2014 Bearbeiten Hauptartikel Russische Wirtschaftskrise 2015 Durch die Sanktionen des Westens aufgrund der russischen Annexion der Krim sowie des von Russland gefutterten Krieges in der Ukraine seit 2014 stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung in Verbindung mit einem Einbruch des Erdolpreises Es akzentuierten sich die strukturellen Probleme der russischen Wirtschaft welche uber Jahre auf den Rohstoffexport ausgerichtet war Die NZZ schrieb im August 2015 in einem Vergleich mit der Rubelkrise von 1997 Heute ist die Lage weniger bedrohlich aber die Besserungschancen sind geringer 216 so konnte die Rubelschwache wegen der Finanzrestriktionen nicht dazu genutzt werden die Wirtschaft zu modernisieren und zu diversifizieren 217 Das russische Haushaltseinkommen 2015 sank durchschnittlich um 8 5 Prozent wahrend die Lebensmittelpreise bis 25 Prozent anstiegen Die Jahresinflation 2015 betrug 12 9 Prozent 218 219 220 Eine Kapital Amnestie sollte ab Dezember 2014 Geld nach Russland zuruckbringen Wahrend bei Prasidentensprecher Peskow bei der Einfuhrung von einem absolut einmaligen fur ein Jahr gultigen Angebot die Rede war wurde die Amnestie im Dezember 2015 bis Juni 2016 verlangert und Anfang 2018 nach neuen amerikanischen Sanktionen erneuert 221 222 223 Alle staatlichen Ausgaben mussten gekurzt werden nur die Rustung war nicht davon betroffen 215 Der russische Ministerprasident Medwedew hatte wiederholt erklart das Land werde unbefristet mit den westlichen Sanktionen leben mussen 224 Die Wirtschaftsentwicklung blieb gelahmt weil die Techniken des Machterhalts des Putin Regimes nicht nur politische sondern auch wirtschaftliche Reformen verhinderten Der Anteil der Staatswirtschaft stieg an die Schattenwirtschaft bluhte die Realeinkommen waren zwischen 2014 und 2018 mehrmals gesunken 225 Ein Steuersatz von 0 Prozent fur die Jahre 2017 2018 hatte Selbstandigerwerbende zur Registrierung ihrer Tatigkeit animieren sollen von den vermutlich rund neun Millionen derart Werktatigen hatten sich gerade mal 936 registrieren lassen Nach einem erneuten Gesetzesvorschlag von 2018 sollte diesen Kleinverdienern beim Auffliegen der Tatigkeit der gesamte Ertrag abgenommen werden also eine hartere Strafe als sie Gutverdienende zu befurchten hatten 226 Eine Geschaftseroffnung war fur die Mehrzahl befragter Russen im Februar 2019 nicht erstrebenswert da es nicht moglich sei ohne Mogeleien zu wirtschaften 227 Die auslandischen Direktinvestitionen welche 2013 noch 69 Milliarden Dollar umfasst hatten waren laut Le Monde bis 2018 auf weit unter 5 Milliarden gefallen 228 Im Juli 2018 wurde entschieden die Mehrwertsteuer um zwei Prozent zu erhohen womit sie ab 1 Januar 2019 20 Prozent betrug 229 230 Landwirtschaft Bearbeiten Weizenernte in der Oblast Rostow Dose mit 113 g russischem Kaviar Die Holzindustrie ist hauptsachlich im Nordwesten des europaischen Teiles im zentralen Uralgebirge in Sudsibirien und im Suden des fernostlichen Russlands vertreten Russland verfugt uber etwa ein Funftel des Waldbestandes der Erde und uber rund ein Drittel des Weltbestandes an Nadelwald der grosste Teil der russischen Nutzholzproduktion besteht aus Weichholz hauptsachlich von Kiefern Tannen und Larchen Wichtigstes Laubholz fur den Handel ist Birke Die Landwirtschaft ist nach wie vor eine wichtige Branche der russischen Wirtschaft Einst die Kornkammer Europas erlitt die russische Landwirtschaft in den 1990er Jahren einen drastischen Einbruch der Agrarproduktion jedoch schon in den 1980er Jahren war Russland der weltweit bedeutendste Weizenimporteur Der Produktionswert der russischen Landwirtschaft lag 2009 wieder bei umgerechnet 38 Milliarden Euro Im Jahr 2016 unterstrich Prasident Putin den Willen eine Agrar Exportnation zu sein 231 Von der Rekordernte von 75 Millionen Tonnen Weizen im Jahr 2016 konnten knapp 7 Millionen Tonnen ahnlich wie 2015 exportiert werden Fur den Transport ist die staatliche Agrar Transportbehorde Rusagrotrans zustandig 232 Der Wert der exportierten Landwirtschaftsguter lag 2016 bei 17 Milliarden Dollar 233 Die Bedingungen fur die Landwirtschaft sind vor allem im europaischen Teil Russlands sowie in Sudrussland gut das russische Schwarzerdegebiet ist das grosste der Welt Die landwirtschaftliche Nutzflache betragt 219 Millionen Hektar das sind 13 Prozent der Landflache Russlands Davon sind 122 Millionen Hektar Ackerflache was neun Prozent des weltweiten Ackerlandes entspricht 234 Mehr als 80 Prozent der Saatflachen liegen an der Wolga im Nordkaukasus am Ural und in Westsibirien innerhalb des sogenannten Agrardreiecks Der Ackerbau macht 36 Prozent der landwirtschaftlichen Bruttoerzeugung Russlands aus die Tierzucht uber 60 Prozent Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Russland sind Getreide Zuckerruben Sonnenblumen Kartoffeln und Flachs Die Binnenfischerei liefert mit dem Stor den begehrten russischen Kaviar In der Transformationsphase zwischen 1990 und 1997 gingen die Schweine und Geflugelbestande fast um die Halfte zuruck Russland importierte seitdem einen Teil seiner Nahrungsmittel Es war schon zuvor aber insbesondere seit seinen Gegen Sanktionen gegen den Westen nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 das Ziel der russischen Regierung die Fahigkeit zur Eigenversorgung zu steigern und die Importabhangigkeit zu reduzieren 235 Der Bestand an Rindern betragt 12 1 Millionen Tiere an Schweinen 7 Mio sowie an Schafen und Ziegen 4 6 Mio Rinderzucht wird vorwiegend im Wolgagebiet in Westsibirien und dem europaischen Zentrum betrieben Schweinezucht findet sich ebenfalls im Wolgagebiet aber auch in Nordkaukasien und im zentralen Schwarzerdegebiet Schafzucht weist Schwerpunkte in den Regionen Ostsibirien Nordkaukasiens und dem Wolgagebiet auf Rohstoffwirtschaft Bearbeiten Karte mit den grossen russischen Erdol und Erdgaslagerstatten Die Naturreichtumer Russlands sind eine wichtige Basis fur die Wirtschaft des Landes In Russland befinden sich 16 Prozent aller mineralischen Naturressourcen der Welt davon 32 Prozent aller Erdgasvorrate erster Platz in der Welt 12 Prozent aller Vorrate an Erdol die sich insbesondere in Westsibirien auf der Insel Sachalin in Nordkaukasien der Republik Komi und den Erdolgebieten im Wolga Ural Bereich Kaspische Senke finden Mit der kraftigen Zunahme der Olexporte bei steigenden Olpreisen von 2002 bis 2011 war die Bedeutung der Forderung besonders von Ol und Gas in Russland angewachsen und spielte eine wichtige Rolle fur die Wirtschaft auch ausserhalb Russlands Russische Unternehmen wie Gazprom Rosneft oder Lukoil sind an der Erdol und Erdgasforderung beteiligt welche hauptsachlich in den nordlichen und ostlichen Landesteilen stattfindet Die Diamantenmine Udatschnaja Luftbild Mit seinen Goldvorraten belegt Russland den dritten Platz in der Welt Weltbekannt sind die Diamantenvorkommen im nordostsibirischen Jakutien Seit 1996 werden hier Diamanten in einer der weltweit grossten Kimberlit Lagerstatten in Mirny gewonnen Russlands Anteil an den Weltvorraten an Eisen und Zinn betragt uber 27 Prozent an Nickel 36 Prozent an Kupfer 11 Prozent an Kobalt 20 Prozent an Blei 12 Prozent an Zink 16 Prozent und an Metallen der Platingruppe 40 Prozent 50 Prozent der weltweit bekannten Kohlevorkommen finden sich in Russland 236 Entsprechend den mineralischen Vorkommen spielt die Steinkohle und Eisenerzforderung eine sehr wichtige Rolle in der Wirtschaft Russlands Grossere Erzvorkommen finden sich vor allem in den altgefalteten Gebirgen Chibinen auf der Kola Halbinsel Ural Altai Sajangebirge sowie andere sibirische Gebirgszuge Lagerstatten von Steinkohle finden sich in einigen Vorsenken dieser Gebirge vor allem am Ural u a Kohlelagerstatten von Workuta sowie im Donezbecken an der Grenze zur Ukraine Die Kohlenforderung litt an fehlenden Investitionen und hat im Vergleich zur Sowjetzeit an Bedeutung verloren Energiewirtschaft Bearbeiten Hauptartikel Energiewirtschaft Russlands Viele der Mitgliedsstaaten der EU haben eine nicht geringe Abhangigkeit von russischen Erdgas und Erdollieferungen Mit Ol Erdgas oder Kohle betriebene Warmekraftwerke erzeugten 2003 rund 63 Prozent der gesamten Stromproduktion von rund 851 Mrd Kilowattstunden Auf Wasserkraftwerke entfielen 21 Prozent auf Kernkraftwerke 16 Prozent Die russische Regierung plant den Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2020 auf etwa ein Drittel zu verdoppeln um noch mehr Erdol und Erdgas exportieren zu konnen Das Stromnetz und die meisten Grosskraftwerke sind nach wie vor unter staatlicher Kontrolle Um von den Einnahmen des Energiesektors zu profitieren war die russische Politik darauf ausgerichtet die staatliche Kontrolle uber die Energiewirtschaft wieder zu verstarken und private Unternehmen aus diesem Bereich zuruckzudrangen Das wurde durch die Zerschlagung des Erdolkonzerns Yukos und die Ubernahme des Olkonzerns Sibneft durch die halbstaatliche Erdgasgesellschaft Gazprom erreicht Zu den grossten Gas und Olforderungskonzernen gehort heute Surgutneftegas wo Prasident Wladimir Putin 37 Prozent der Aktien kontrolliert 237 Alle russischen Kernkraftwerke sind Eigentum des staatlichen Unternehmens Rosatom und werden vom ebenfalls staatlichen Unternehmen Rosenergoatom betrieben Den grossten Anteil an der Stromproduktion hatte bis 2008 Unified Energy System das zu uber 50 dem russischen Staat gehorte und inzwischen in kleinere Unternehmen aufgeteilt wurde Industrie a, wikipedia, wiki, deutsches

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