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Ribonukleinsäure

RNA und DNA im Vergleich

Vom Aufbau her ist die RNA der DNA ähnlich. RNA-Moleküle sind – im Gegensatz zur doppelsträngigen DNA – in der Regel einzelsträngig, können allerdings in kurzen Strecken mit komplementären Basensequenzen (A-U, G-C) charakteristische Rückfaltungen ausbilden, die intramolekular den Eindruck einer Doppelstrang-Helix erwecken. Beide sind Polynukleotide, bei denen die Nukleobasen an Zuckern über Phosphorsäurediester miteinander verknüpft sind. Die Einzelsträngigkeit erhöht die Zahl der Möglichkeiten für dreidimensionale Strukturen der RNA und erlaubt ihr chemische Reaktionen, die der DNA nicht möglich sind. Jedes Nukleotid besteht bei der RNA aus einer Ribose (d. h. einer Pentose: einem Zucker mit fünf C-Atomen), einem Phosphatrest und einer organischen Base. Die Ribose der RNA ist mit derjenigen der DNA identisch, bis auf eine Hydroxygruppe statt eines Wasserstoff-Atoms an der 2'-Position im Pentose-Ring (daher auch Desoxyribonukleinsäure, DNA). Dieser Unterschied macht die RNA weniger stabil im Vergleich zur DNA, da er eine Hydrolyse durch Basen ermöglicht: Die OH-Gruppe an der 2'-Position des Zuckers wird durch ein negativ geladenes Hydroxidion einer Base ihres Protons beraubt und der dann zurückgebliebene Sauerstoff geht eine Ringbindung mit dem Phosphor ein, wodurch die Bindung zum nächsten Nukleotid gelöst wird. Die RNA wird so in ihre Nukleotide zerlegt.

In der RNA kommen die folgenden organischen Basen vor: Adenin, Guanin, Cytosin und Uracil. Die ersten drei Basen kommen auch in der DNA vor. Uracil dagegen ersetzt Thymin als komplementäre Base zu Adenin. Vermutlich nutzt RNA Uracil, da dieses energetisch weniger aufwändig herzustellen ist (keine Methyl-Substituierung).

Als Sekundärstrukturen sind bei der RNA vor allem Hairpin-, Stemloop- und Loop-Strukturen bekannt, eine Helix-Konformation ist aber ebenfalls möglich, wobei Hairpin- und Stemloop-Strukturen sowohl Einzelstrang- als auch Doppelstrangbereiche aufweisen. Die Loop-Strukturen bezeichnen einzelsträngige Schlaufenstrukturen innerhalb eines Moleküls.

RNA kann wie DNA ebenfalls als doppelsträngiges Molekül vorliegen. Sie weist dabei die typischen Merkmale einer Watson-Crick-Helix auf: antiparallele Anordnung der RNA-Stränge und rechtsgewundene Helix. Sie nimmt dabei die Form einer A- oder A´-Helix an (siehe DNA). Die A-RNA wird auch als RNA-11 bezeichnet, homolog zur A´-RNA, die als RNA-12 bezeichnet wird. Hierbei gibt die Zahl nach dem Spiegelstrich die Anzahl der Basenpaare je Helixwindung wieder. A´-RNA kommt häufig bei hohen Salzkonzentrationen vor (über 20 %).

A-RNA: 11 Basenpaare pro Helixwindung, Ganghöhe 2,7 nm bis 2,8 nm, Neigungswinkel zur Helixachse ca. 14°
A´-RNA: 12 Basenpaare pro Helixwindung, Ganghöhe 3 nm, Neigungswinkel zur Helixachse 16° bis 19°

Das in Lebewesen vorkommende Enantiomer der RNA ist die D-RNA. Sie ist aus D-Ribonukleotiden aufgebaut. Die Chiralitätszentren liegen in der D-Ribose. Durch Verwendung von L-Ribose, bzw. L-Ribonukleotiden lässt sich L-RNA synthetisieren. Diese ist vergleichsweise stabiler gegenüber dem enzymatischen Abbau durch RNasen.

Tertiärstruktur

Nukleinsäuren können ebenfalls komplexe räumliche Strukturen einnehmen: tRNAs müssen für ihre Funktion in der korrekten Tertiärstruktur vorliegen.

  • Tertiär- und Sekundärstruktur (im Bild unten rechts) einer tRNA

  • Tertiärstruktur eines Pseudoknotens

Das Enzym RNA-Polymerase katalysiert an der DNA durch den Prozess der Transkription aus Nukleosidtriphosphat (NTP) die RNA. Dafür setzt sich die RNA-Polymerase an eine Promotor genannte Nukleotid-Sequenz der DNA (Transkriptionsinitiation). Dann trennt sie die DNA-Doppelhelix durch Lösen der Wasserstoffbrücken in einem kurzen Bereich in zwei DNA-Einzelstränge auf. Am codogenen Strang der DNA lagern sich durch Basenpaarung komplementäre Ribonukleotide an. Sie werden unter Eliminierung eines Pyrophosphat durch eine esterartige Bindung zwischen Phosphorsäure und Ribose miteinander verknüpft. Die Ableserichtung der DNA verläuft vom 3'-Ende zum 5'-Ende, die Synthese der komplementären RNA dementsprechend 5'→3'. Die Öffnung der DNA-Doppelhelix erfolgt nur in einem kurzen Bereich, so dass der bereits synthetisierte Teil der RNA aus dieser Öffnung heraushängt und zwar mit dem 5'-Ende der RNA voran. Die Synthese der RNA wird an einem Terminator genannten DNA-Abschnitt beendet. Danach wird das RNA-Transkript entlassen und die RNA-Polymerase löst sich von der DNA.

RNA kann per Phosphoramidit-Synthese künstlich erzeugt werden.

RNA-Moleküle können unterschiedliche Funktionen ausüben. Die RNA kann genetische Information übertragen. Andere RNA-Moleküle tragen zur Übersetzung dieser Information in Proteine bei sowie bei der Regulation der Gene. Darüber hinaus kann RNA auch katalytische Funktionen ähnlich einem Enzym innehaben. RNA wird daher – je nach ihrer Funktion – auch verschieden benannt. Vorangestellte Kleinbuchstaben kennzeichnen die unterschiedlichen RNA-Typen:

  • Die mRNA, Boten-RNA (engl. messenger RNA) kopiert die in einem Gen auf der DNA liegende Information und trägt sie zum Ribosom, wo mit Hilfe dieser Information die Proteinbiosynthese stattfinden kann. Jeweils drei im Leseraster des Polynukleotidstrang nebeneinander liegende Nukleotide bilden ein Codon, mit dessen Hilfe sich eine spezifische Aminosäure, die in ein Protein eingebaut werden soll, eindeutig bestimmen lässt. Dieser Zusammenhang wurde 1961 von Heinrich Matthaei und Marshall Warren Nirenberg gefunden. Die Entschlüsselung des genetischen Codes markiert einen Neubeginn in fast allen Bio-Wissenschaften.
  • Nukleosid-modifizierte mRNA ist eine synthetische, chemisch modifizierte Boten-Ribonukleinsäure (mRNA), in der einzelne Nukleoside durch andere natürliche modifizierte Nukleoside oder durch synthetische Nukleosid-Analoga ersetzt sind. Sie wird experimentell oder therapeutisch eingesetzt.

Die folgenden RNA-Klassen werden allgemein als nichtcodierende Ribonukleinsäuren bezeichnet.

  • Die asRNA, antisense-RNA, dient der Regulation der Genexpression.
  • Die circRNA, zirkuläre RNA ist durch Bindung an miRNA an der Regulation beteiligt.
  • Die hnRNA, heterogene Kern-RNA (engl. heterogeneous nuclear RNA), kommt im Zellkern von Eukaryoten vor und ist eine Vorstufe der reifen mRNA, häufig wird sie daher auch als prä-mRNA (oder engl. pre-mRNA für precursor mRNA) bezeichnet.
  • Die miRNAs, microRNAs sind eng verwandt mit den siRNAs und dient der Regulation zellulärer Prozesse wie z. B. Proliferation und Zelltod.
  • Die Riboswitches dienen der Genregulation. Sie können entweder aktivierend oder reprimierend wirken.
  • Die Ribozyme sind katalytisch aktive RNA-Moleküle. Sie katalysieren wie Enzyme chemische Reaktionen.
  • Die rRNA, ribosomale RNA, trägt, ähnlich wie die tRNA, keine genetische Information, sondern ist am Aufbau des Ribosoms beteiligt und ist bei der Knüpfung der Peptidbindung auch katalytisch aktiv.
  • Die saRNA, selbstampflifizierende RNA, wird bei RNA-Impfstoffen verwendet, um die Wirkdauer zu verlängern.
  • Die siRNA, small interfering RNA, entsteht bei einem Signalweg der Zelle, der als RNAi (RNA Interference) zusammengefasst wird. Dabei wird dsRNA (doppelsträngige RNA; englisch double-stranded RNA) durch das Enzym Dicer in viele kleinere Fragmente von ca. 22 Nukleotiden Länge zerteilt (die siRNAs) und in den Enzymkomplex RISC (RNA-induced silencing complex) eingebaut. Mithilfe der inkorporierten RNA-Fragmente bindet RISC komplementär an DNA, z. B. Genbereiche, oder mRNA und kann diese damit „abschalten“. siRNA's werden aktuell (2006) intensiv auf ihre Beteiligung an verschiedenen Zellvorgängen und Krankheiten erforscht.
  • Die shRNA wird zur RNAi verwendet.
  • Die snoRNA, small nucleolar-RNA, finden sich im Nukleolus, und die eng verwandten scaRNAs in den Cajal Bodies.
  • Die snRNA, small nuclear-RNA, im Zellkern von Eukaryoten, ist verantwortlich für das Spleißen der hnRNA am Spleißosom.
  • Die lncRNA, long non-coding RNA, sind länger als 200 Nukleotide und unterscheiden sich dadurch von kleinen regulatorischen RNAs, wie den miRNAs und den siRNAs.
  • Die piRNA, Piwi-interacting RNA, sind 26–31 Nukleotide lang und unterscheiden sich dadurch von den etwas kleineren miRNAs und siRNAs. Sie bilden Komplexe mit PIWI-Proteinen die am epigenetischen und posttranskriptionellen Silencing in Keimzellen beteiligt sind.
  • Die tRNA, Transfer-RNA, codiert keine genetische Information, sondern dient als Hilfsmolekül bei der Proteinbiosynthese, indem sie eine einzelne Aminosäure aus dem Cytoplasma aufnimmt und zum Ribosom transportiert. Die tRNA wird durch ein bestimmtes RNA-Gen codiert.
  • Die tracrRNA, die beim CRISPR/Cas9 System eine wichtige Rolle spielt.

In der Mehrzahl der Lebewesen spielt die RNA als Informationsträger eine der DNA untergeordnete Rolle: Die DNA ist hier das permanente Speichermedium für die genetische Information, die RNA dient als Zwischenspeicher. Nur RNA-Viren (die Mehrzahl aller Viren) nutzen RNA anstelle der DNA als permanentes Speichermedium. Zur Taxonomie von Viren unterscheidet man folgende RNA-Typen:

* dsRNA: Doppelstrang-RNA;

* ss(+)RNA: Einzelstrang-RNA, die als mRNA verwendet wird;

* ss(−)RNA: Einzelstrang-RNA, die als Matrize zur mRNA-Produktion dient.

Darüber hinaus nutzen einige Viren RNA als Replikationsintermediat (z. B. Hepadnaviren).

Da ständig neue RNA gebildet wird und da zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschiedene Transkripte benötigt werden (differentielle Genexpression), darf die RNA in der Zelle nicht zu stabil sein, sondern muss auch einem Abbau unterliegen. Dies geschieht mit Hilfe von RNasen, Enzymen, die die Verbindungen des Zucker-Gerüstes der RNA trennen und somit die Monomere (bzw. Oligomere) bilden, welche wieder zur Bildung neuer RNA verwendet werden können. Wann eine RNA abgebaut werden soll, wird dabei vor allem (aber nicht ausschließlich) durch die Länge des Poly-A-Schwanzes bestimmt, der mit zunehmender Verweildauer der RNA im Cytoplasma sukzessive verkürzt wird. Sinkt die Länge dieses Schwanzes unter einen kritischen Wert wird die RNA schnell degradiert. Zusätzlich können die RNAs stabilisierende oder destabilisierende Elemente enthalten, die eine weitere Regulation ermöglichen.

Zumindest bei der mRNA von Eukaryoten findet der RNA-Abbau nicht irgendwo im Cytoplasma statt, sondern in den so genannten „P-Bodies“ (processing bodies), die sehr reich an RNasen und anderen, am RNA-turnover (-Abbau)-beteiligten Enzymen sind. Zusammen mit Stress Granules dienen diese Körper weiterhin der kurzzeitigen Lagerung von mRNA und demonstrieren so wiederum die enge Verknüpfung des RNA-Metabolismus (hier Translation und RNA-Abbau).

Hauptartikel: RNA-Welt-Hypothese

Die RNA-Welt-Hypothese besagt, dass RNA-Moleküle bei der chemischen Evolution vermutlich Vorläufer der Organismen waren. Die Hypothese lässt sich ableiten aus der Fähigkeit der RNA zur Speicherung, Übertragung und Vervielfältigung genetischer Informationen sowie aus ihrer Fähigkeit, als Ribozyme Reaktionen zu katalysieren. In einer Evolutionsumgebung würden diejenigen RNA-Moleküle gehäuft vorkommen, die sich selbst bevorzugt vermehren.

Für die Forschung an RNA sind bereits mehrere Nobelpreise verliehen worden:

RNA kann durch eine RNA-Reinigung, z. B. per RNA-Extraktion, von anderen Biomolekülen getrennt werden. Bestimmung der Menge und Reinheit der isolierten RNA erfolgt durch photometrische Messung bei einer Wellenlänge von 260 und 280 nm. Weitere Hinweise auf die Qualität der RNA erhält man durch Agarose-Gelelektrophorese gefolgt mit einer Anfärbung durch Farbstoffe wie SYBR Green II, Methylenblau, Stains-All oder durch eine Silberfärbung. Der qualitative Nachweis von RNA (ob eine bestimmte RNA vorliegt) erfolgt meistens durch eine RT-PCR, teilweise mit einer anschließenden DNA-Sequenzierung, oder durch einen Northern Blot. Der quantitative Nachweis (wie viel von einer bestimmten RNA vorliegt) erfolgt meistens durch eine qRT-PCR, bei gereinigten Proben mit nur einer RNA-Sequenz kann die Konzentration auch durch Photometrie bestimmt werden. Durch Molecular Combing kann die RNA gestreckt und ausgerichtet werden. Mittels In situ-Hybridisierung lassen sich spezifische RNAs in Zellen und Geweben ohne vorhergehende Isolierung nachweisen.

RNA wird für unterschiedliche Zwecke verwendet. Bei Ribozymen besitzt die RNA eine enzymatische Aktivität, während Aptamere eine längerfristige Bindung an eine Zielstruktur eingeht. Kurze doppelsträngige RNA in Form von siRNA und shRNA wird zur temporären Unterdrückung der Genexpression per RNA-Interferenz verwendet. RNA-Impfstoffe gehören zu den genetischen Impfstoffen, bei denen das Antigen innerhalb der Zellen des Geimpften hergestellt wird. Einige CRISPR-Cas-Systeme können, für temporärere Edits als bei DNA, zur Veränderung von RNA – etwa zur Behandlung von Krankheiten – verwendet werden. Eine freie Plattform für das Design von RNA-Zielsequenzen wurde 2020 veröffentlicht.

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Wiktionary: Ribonukleinsäure – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Ribonukleinsäure
ribonukleinsäure, nukleinsäure, sich, polynukleotid, einer, kette, vielen, nukleotiden, zusammensetzt, sprache, beobachten, bearbeiten, weitergeleitet, eine, weiterleitung, diesen, artikel, weitere, bedeutungen, sind, unter, begriffsklärung, aufgeführt, ribo, . Ribonukleinsaure Nukleinsaure die sich als Polynukleotid aus einer Kette von vielen Nukleotiden zusammensetzt Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von RNA RNA ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel Weitere Bedeutungen sind unter RNA Begriffsklarung aufgefuhrt Ribonukleinsaure Ribo nuklein saure kurz RNS englisch RNA fur ribonucleic acid lat fr gr Kunstwort ist eine Nukleinsaure die sich als Polynukleotid aus einer Kette von vielen Nukleotiden zusammensetzt Das Biomolekul ist bei bestimmten Virentypen RNA Viren Retroviren sowie den hypothetischen urzeitlichen Ribozyten Trager der Erbinformation also die materielle Basis der Gene Das Wort setzt sich zusammen aus Ribose und Nukleinsaure Verknupfung der Nukleinbasen C G A und U uber ein Zucker grau und Phosphatruckgrat turkis zur RNA Eine wesentliche Funktion der RNA in der biologischen Zelle ist die Umsetzung von genetischer Information in Proteine siehe Proteinbiosynthese Transkription und Translation in Form der mRNA fungiert sie hierbei als Informationsubertrager Daneben erfullen spezielle RNA Typen weitere Aufgaben bei RNA Viren macht sie sogar das Genom selbst aus Weiterhin bestehen auch Teile der fur die Umsetzung dieser Information verantwortlichen Zellbestandteile aus RNA Bei der Reifung der mRNA sind snRNA und snoRNA beteiligt die katalytischen Bestandteile der Ribosomen bildet die rRNA und die tRNA transportiert die Bausteine fur die Proteine Ferner sind spezielle RNAs an der Genregulation beteiligt RNA kann auch Aufgaben von Enzymen ubernehmen Ribozym oder ahnlich Antikorpern wirken Aptamer Inhaltsverzeichnis 1 Aufbau und Unterschied zur DNA 1 1 Tertiarstruktur 2 Synthese von RNA 3 Biologische Bedeutung 4 Abbau von RNA 5 Die RNA Welt Hypothese 6 Nobelpreise 7 RNA Reinigung und Nachweis 8 Verwendung 9 Siehe auch 10 Literatur 11 Einzelnachweise 12 WeblinksAufbau und Unterschied zur DNA Bearbeiten RNA und DNA im Vergleich Vom Aufbau her ist die RNA der DNA ahnlich RNA Molekule sind im Gegensatz zur doppelstrangigen DNA in der Regel einzelstrangig konnen allerdings in kurzen Strecken mit komplementaren Basensequenzen A U G C charakteristische Ruckfaltungen ausbilden die intramolekular den Eindruck einer Doppelstrang Helix erwecken Beide sind Polynukleotide bei denen die Nukleobasen an Zuckern uber Phosphorsaurediester miteinander verknupft sind Die Einzelstrangigkeit erhoht die Zahl der Moglichkeiten fur dreidimensionale Strukturen der RNA und erlaubt ihr chemische Reaktionen die der DNA nicht moglich sind Jedes Nukleotid besteht bei der RNA aus einer Ribose d h einer Pentose einem Zucker mit funf C Atomen einem Phosphatrest und einer organischen Base Die Ribose der RNA ist mit derjenigen der DNA identisch bis auf eine Hydroxygruppe statt eines Wasserstoff Atoms an der 2 Position im Pentose Ring daher auch Desoxyribonukleinsaure DNA Dieser Unterschied macht die RNA weniger stabil im Vergleich zur DNA da er eine Hydrolyse durch Basen ermoglicht Die OH Gruppe an der 2 Position des Zuckers wird durch ein negativ geladenes Hydroxidion einer Base ihres Protons beraubt und der dann zuruckgebliebene Sauerstoff geht eine Ringbindung mit dem Phosphor ein wodurch die Bindung zum nachsten Nukleotid gelost wird Die RNA wird so in ihre Nukleotide zerlegt In der RNA kommen die folgenden organischen Basen vor Adenin Guanin Cytosin und Uracil Die ersten drei Basen kommen auch in der DNA vor Uracil dagegen ersetzt Thymin als komplementare Base zu Adenin Vermutlich nutzt RNA Uracil da dieses energetisch weniger aufwandig herzustellen ist keine Methyl Substituierung Als Sekundarstrukturen sind bei der RNA vor allem Hairpin Stemloop und Loop Strukturen bekannt eine Helix Konformation ist aber ebenfalls moglich wobei Hairpin und Stemloop Strukturen sowohl Einzelstrang als auch Doppelstrangbereiche aufweisen Die Loop Strukturen bezeichnen einzelstrangige Schlaufenstrukturen innerhalb eines Molekuls RNA kann wie DNA ebenfalls als doppelstrangiges Molekul vorliegen Sie weist dabei die typischen Merkmale einer Watson Crick Helix auf antiparallele Anordnung der RNA Strange und rechtsgewundene Helix Sie nimmt dabei die Form einer A oder A Helix an siehe DNA Die A RNA wird auch als RNA 11 bezeichnet homolog zur A RNA die als RNA 12 bezeichnet wird Hierbei gibt die Zahl nach dem Spiegelstrich die Anzahl der Basenpaare je Helixwindung wieder A RNA kommt haufig bei hohen Salzkonzentrationen vor uber 20 A RNA 11 Basenpaare pro Helixwindung Ganghohe 2 7 nm bis 2 8 nm Neigungswinkel zur Helixachse ca 14 A RNA 12 Basenpaare pro Helixwindung Ganghohe 3 nm Neigungswinkel zur Helixachse 16 bis 19 Das in Lebewesen vorkommende Enantiomer der RNA ist die D RNA Sie ist aus D Ribonukleotiden aufgebaut Die Chiralitatszentren liegen in der D Ribose Durch Verwendung von L Ribose bzw L Ribonukleotiden lasst sich L RNA synthetisieren Diese ist vergleichsweise stabiler gegenuber dem enzymatischen Abbau durch RNasen 1 Tertiarstruktur Bearbeiten Nukleinsauren konnen ebenfalls komplexe raumliche Strukturen einnehmen tRNAs mussen fur ihre Funktion in der korrekten Tertiarstruktur vorliegen Tertiar und Sekundarstruktur im Bild unten rechts einer tRNA Tertiarstruktur eines PseudoknotensSynthese von RNA BearbeitenDas Enzym RNA Polymerase katalysiert an der DNA durch den Prozess der Transkription aus Nukleosidtriphosphat NTP die RNA Dafur setzt sich die RNA Polymerase an eine Promotor genannte Nukleotid Sequenz der DNA Transkriptionsinitiation Dann trennt sie die DNA Doppelhelix durch Losen der Wasserstoffbrucken in einem kurzen Bereich in zwei DNA Einzelstrange auf Am codogenen Strang der DNA lagern sich durch Basenpaarung komplementare Ribonukleotide an Sie werden unter Eliminierung eines Pyrophosphat durch eine esterartige Bindung zwischen Phosphorsaure und Ribose miteinander verknupft Die Ableserichtung der DNA verlauft vom 3 Ende zum 5 Ende die Synthese der komplementaren RNA dementsprechend 5 3 Die Offnung der DNA Doppelhelix erfolgt nur in einem kurzen Bereich so dass der bereits synthetisierte Teil der RNA aus dieser Offnung heraushangt und zwar mit dem 5 Ende der RNA voran Die Synthese der RNA wird an einem Terminator genannten DNA Abschnitt beendet Danach wird das RNA Transkript entlassen und die RNA Polymerase lost sich von der DNA RNA kann per Phosphoramidit Synthese kunstlich erzeugt werden Biologische Bedeutung BearbeitenRNA Molekule konnen unterschiedliche Funktionen ausuben Die RNA kann genetische Information ubertragen Andere RNA Molekule tragen zur Ubersetzung dieser Information in Proteine bei sowie bei der Regulation der Gene Daruber hinaus kann RNA auch katalytische Funktionen ahnlich einem Enzym innehaben RNA wird daher je nach ihrer Funktion auch verschieden benannt Vorangestellte Kleinbuchstaben kennzeichnen die unterschiedlichen RNA Typen 2 Die mRNA Boten RNA engl messenger RNA kopiert die in einem Gen auf der DNA liegende Information und tragt sie zum Ribosom wo mit Hilfe dieser Information die Proteinbiosynthese stattfinden kann Jeweils drei im Leseraster des Polynukleotidstrang nebeneinander liegende Nukleotide bilden ein Codon mit dessen Hilfe sich eine spezifische Aminosaure die in ein Protein eingebaut werden soll eindeutig bestimmen lasst Dieser Zusammenhang wurde 1961 von Heinrich Matthaei und Marshall Warren Nirenberg gefunden Die Entschlusselung des genetischen Codes markiert einen Neubeginn in fast allen Bio Wissenschaften Nukleosid modifizierte mRNA ist eine synthetische chemisch modifizierte Boten Ribonukleinsaure mRNA in der einzelne Nukleoside durch andere naturliche modifizierte Nukleoside oder durch synthetische Nukleosid Analoga ersetzt sind Sie wird experimentell oder therapeutisch eingesetzt Die folgenden RNA Klassen werden allgemein als nichtcodierende Ribonukleinsauren bezeichnet Die asRNA antisense RNA dient der Regulation der Genexpression Die circRNA zirkulare RNA ist durch Bindung an miRNA an der Regulation beteiligt 3 Die hnRNA heterogene Kern RNA engl heterogeneous nuclear RNA kommt im Zellkern von Eukaryoten vor und ist eine Vorstufe der reifen mRNA haufig wird sie daher auch als pra mRNA oder engl pre mRNA fur precursor mRNA bezeichnet Die miRNAs microRNAs sind eng verwandt mit den siRNAs und dient der Regulation zellularer Prozesse wie z B Proliferation und Zelltod Die Riboswitches dienen der Genregulation Sie konnen entweder aktivierend oder reprimierend wirken Die Ribozyme sind katalytisch aktive RNA Molekule Sie katalysieren wie Enzyme chemische Reaktionen Die rRNA ribosomale RNA tragt ahnlich wie die tRNA keine genetische Information sondern ist am Aufbau des Ribosoms beteiligt und ist bei der Knupfung der Peptidbindung auch katalytisch aktiv Die saRNA selbstampflifizierende RNA wird bei RNA Impfstoffen verwendet um die Wirkdauer zu verlangern Die siRNA small interfering RNA entsteht bei einem Signalweg der Zelle der als RNAi RNA Interference zusammengefasst wird Dabei wird dsRNA doppelstrangige RNA englisch double stranded RNA durch das Enzym Dicer in viele kleinere Fragmente von ca 22 Nukleotiden Lange zerteilt die siRNAs und in den Enzymkomplex RISC RNA induced silencing complex eingebaut Mithilfe der inkorporierten RNA Fragmente bindet RISC komplementar an DNA z B Genbereiche oder mRNA und kann diese damit abschalten siRNA s werden aktuell 2006 intensiv auf ihre Beteiligung an verschiedenen Zellvorgangen und Krankheiten erforscht Die shRNA wird zur RNAi verwendet Die snoRNA small nucleolar RNA finden sich im Nukleolus und die eng verwandten scaRNAs in den Cajal Bodies Die snRNA small nuclear RNA im Zellkern von Eukaryoten ist verantwortlich fur das Spleissen der hnRNA am Spleissosom Die lncRNA long non coding RNA sind langer als 200 Nukleotide und unterscheiden sich dadurch von kleinen regulatorischen RNAs wie den miRNAs und den siRNAs 4 Die piRNA Piwi interacting RNA sind 26 31 Nukleotide lang und unterscheiden sich dadurch von den etwas kleineren miRNAs und siRNAs Sie bilden Komplexe mit PIWI Proteinen die am epigenetischen und posttranskriptionellen Silencing in Keimzellen beteiligt sind 5 Die tRNA Transfer RNA codiert keine genetische Information sondern dient als Hilfsmolekul bei der Proteinbiosynthese indem sie eine einzelne Aminosaure aus dem Cytoplasma aufnimmt und zum Ribosom transportiert Die tRNA wird durch ein bestimmtes RNA Gen codiert Die tracrRNA die beim CRISPR Cas9 System eine wichtige Rolle spielt In der Mehrzahl der Lebewesen spielt die RNA als Informationstrager eine der DNA untergeordnete Rolle Die DNA ist hier das permanente Speichermedium fur die genetische Information die RNA dient als Zwischenspeicher Nur RNA Viren die Mehrzahl aller Viren nutzen RNA anstelle der DNA als permanentes Speichermedium Zur Taxonomie von Viren unterscheidet man folgende RNA Typen dsRNA Doppelstrang RNA ss RNA Einzelstrang RNA die als mRNA verwendet wird ss RNA Einzelstrang RNA die als Matrize zur mRNA Produktion dient Daruber hinaus nutzen einige Viren RNA als Replikationsintermediat z B Hepadnaviren Abbau von RNA BearbeitenDa standig neue RNA gebildet wird und da zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschiedene Transkripte benotigt werden differentielle Genexpression darf die RNA in der Zelle nicht zu stabil sein sondern muss auch einem Abbau unterliegen Dies geschieht mit Hilfe von RNasen Enzymen die die Verbindungen des Zucker Gerustes der RNA trennen und somit die Monomere bzw Oligomere bilden welche wieder zur Bildung neuer RNA verwendet werden konnen Wann eine RNA abgebaut werden soll wird dabei vor allem aber nicht ausschliesslich durch die Lange des Poly A Schwanzes bestimmt der mit zunehmender Verweildauer der RNA im Cytoplasma sukzessive verkurzt wird Sinkt die Lange dieses Schwanzes unter einen kritischen Wert wird die RNA schnell degradiert Zusatzlich konnen die RNAs stabilisierende oder destabilisierende Elemente enthalten die eine weitere Regulation ermoglichen Zumindest bei der mRNA von Eukaryoten findet der RNA Abbau nicht irgendwo im Cytoplasma statt sondern in den so genannten P Bodies processing bodies die sehr reich an RNasen und anderen am RNA turnover Abbau beteiligten Enzymen sind Zusammen mit Stress Granules dienen diese Korper weiterhin der kurzzeitigen Lagerung von mRNA und demonstrieren so wiederum die enge Verknupfung des RNA Metabolismus hier Translation und RNA Abbau Die RNA Welt Hypothese Bearbeiten Hauptartikel RNA Welt Hypothese Die RNA Welt Hypothese besagt dass RNA Molekule bei der chemischen Evolution vermutlich Vorlaufer der Organismen waren Die Hypothese lasst sich ableiten aus der Fahigkeit der RNA zur Speicherung Ubertragung und Vervielfaltigung genetischer Informationen sowie aus ihrer Fahigkeit als Ribozyme Reaktionen zu katalysieren In einer Evolutionsumgebung wurden diejenigen RNA Molekule gehauft vorkommen die sich selbst bevorzugt vermehren Nobelpreise BearbeitenFur die Forschung an RNA sind bereits mehrere Nobelpreise verliehen worden 1959 erhielten S Ochoa und A Kornberg den Nobelpreis fur Medizin fur ihre Studien zur Synthese der RNA durch RNA Polymerasen Fur die Entdeckung der katalytischen Aktivitat von RNA Molekulen vgl Ribozym wurden S Altman und T Cech 1989 mit dem Nobelpreis fur Chemie geehrt 1993 erhielten R Roberts und P Sharp den Nobelpreis fur Medizin fur ihre Studien zur Prozessierung der RNA in Eukaryoten siehe auch Spleissen Biologie Im Jahr 2006 erhielten Andrew Fire und Craig Mello den Nobelpreis fur Medizin fur die Entdeckung der RNA Interferenz im selben Jahr wurde Roger Kornberg Sohn des Nobelpreistragers A Kornberg fur seine Studien zur RNA Polymerase mit dem Nobelpreis fur Chemie geehrt 2009 wurde Ada Yonath zusammen mit Venkatraman Ramakrishnan und Thomas A Steitz der Nobelpreis fur Chemie fur die Studien zur Struktur und Funktion des Ribosoms zugesprochen RNA Reinigung und Nachweis BearbeitenRNA kann durch eine RNA Reinigung z B per RNA Extraktion von anderen Biomolekulen getrennt werden Bestimmung der Menge und Reinheit der isolierten RNA erfolgt durch photometrische Messung bei einer Wellenlange von 260 und 280 nm Weitere Hinweise auf die Qualitat der RNA erhalt man durch Agarose Gelelektrophorese gefolgt mit einer Anfarbung durch Farbstoffe wie SYBR Green II Methylenblau Stains All oder durch eine Silberfarbung Der qualitative Nachweis von RNA ob eine bestimmte RNA vorliegt erfolgt meistens durch eine RT PCR teilweise mit einer anschliessenden DNA Sequenzierung oder durch einen Northern Blot Der quantitative Nachweis wie viel von einer bestimmten RNA vorliegt erfolgt meistens durch eine qRT PCR bei gereinigten Proben mit nur einer RNA Sequenz kann die Konzentration auch durch Photometrie bestimmt werden Durch Molecular Combing kann die RNA gestreckt und ausgerichtet werden Mittels In situ Hybridisierung lassen sich spezifische RNAs in Zellen und Geweben ohne vorhergehende Isolierung nachweisen Verwendung BearbeitenRNA wird fur unterschiedliche Zwecke verwendet Bei Ribozymen besitzt die RNA eine enzymatische Aktivitat wahrend Aptamere eine langerfristige Bindung an eine Zielstruktur eingeht Kurze doppelstrangige RNA in Form von siRNA und shRNA wird zur temporaren Unterdruckung der Genexpression per RNA Interferenz verwendet RNA Impfstoffe gehoren zu den genetischen Impfstoffen bei denen das Antigen innerhalb der Zellen des Geimpften hergestellt wird Einige CRISPR Cas Systeme konnen fur temporarere Edits als bei DNA zur Veranderung von RNA etwa zur Behandlung von Krankheiten verwendet werden 6 Eine freie Plattform fur das Design von RNA Zielsequenzen wurde 2020 veroffentlicht 7 8 Siehe auch BearbeitenBiontech ModernaLiteratur BearbeitenJ Marx P Bodies Mark the Spot for Controlling Protein Production In Science Bd 310 Nr 5749 S 764 765 2005 PMID 16272094 doi 10 1126 science 310 5749 764 Seyffert Lehrbuch der Genetik 2 Auflage S 42 Spektrum Akademischer Verlag 2003 Albert Gossauer Struktur und Reaktivitat der Biomolekule Eine Einfuhrung in die organische Chemie S 525 Wiley VCH 2006 Kapranov P St Laurent G Raz T et al The majority of total 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