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Plazenta

Die Plazenta besteht sowohl aus embryonalem als auch aus mütterlichem Gewebe. Die Plazenta entsteht, indem embryonales Gewebe in die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium bzw. Dezidua) einwächst. Sie stellt die Versorgung mit Nährstoffen, die Entsorgung von Exkretionsprodukten und den Gasaustausch des Embryos bzw. Fötus sicher. Die Verbindung zwischen Embryo und Plazenta erfolgt über die Nabelschnur.

Anders als alle anderen menschlichen Organe, die erst nach einer ausreichenden Entwicklungs- und Reifungsperiode ihre Funktion aufnehmen, muss die Plazenta ihr eigenes Wachstum steuern und parallel dazu volle Funktionstüchtigkeit entwickeln. Dabei müssen in jedem Stadium der Schwangerschaft die jeweils spezifischen Bedürfnisse des Kindes befriedigt werden. Neben der Versorgung des Kindes erfüllt die Plazenta hormonelle Aufgaben. Noch kaum erforscht ist die Fähigkeit der Plazenta, das Immunsystem der Mutter so zu beeinflussen, dass es zwar funktionstüchtig bleibt und die Mutter damit vor Infektionen schützt, gleichzeitig aber daran gehindert wird, die Plazenta selbst und das Kind als Fremdgewebe abzustoßen.

Schematischer Aufbau
Schematischer Aufbau der Plazenta

Die menschliche Plazenta ist im ausgereiften Zustand ein circa 500 bis 600 Gramm schweres und im Durchmesser 15 bis 20 Zentimeter großes Organ, das sich nach der Einnistung (Nidation) der Blastozyste in der Gebärmutter bildet. Sie entsteht aus dem fetalen Trophoblasten und aus der mütterlichen Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Die fetale Seite der Plazenta – also Chorionplatte und Nabelschnur – ist mit weißlich trübem Amnionepithel bedeckt (siehe letztes Bild). Zwischen der Chorionplatte und der mütterlichen Basalplatte (Dezidua) befindet sich der mit mütterlichem Blut gefüllte intervillöse Raum. Dieser wird durch bindegewebige Plazentasepten von der Basalplatte aus in 15 bis 20 Felder, die so genannten Kotyledonen, unterteilt. Aus dem Chorion wachsen Primärzotten, die die Sekundärzotten tragen, in diese blutgefüllten Kotyledonen. Durch das Einsprossen von Kapillaren wird die Sekundärzotte zur Tertiärzotte und ist somit zum Stoffaustausch bereit. (In der Abbildung ist der gesamte Zottenbaum als Villus bezeichnet.) Zwischen den Kapillaren der Tertiärzotten und dem intervillösen Raum findet auf Grund der Plazentaschranke (siehe unten) kein Blutaustausch statt. Der Stoffaustausch erfolgt über Diffusion, erleichterte Diffusion, Pinozytose oder wird über Rezeptoren vermittelt. Ab der vierten Schwangerschaftswoche, wenn das Herz des Kindes zu schlagen beginnt, wird die Frucht über die Plazenta versorgt.

Als Organ dient die Plazenta nur eine begrenzte Zeit. Sie zeichnet sich durch den geringsten Gehalt an straffem Bindegewebe aller Organe aus. Außerdem ist die Plazenta nicht mit Nerven durchzogen.

Fötus einer Katze mit mütterlichem Teil der Plazenta (6)

Eine der Funktionen der Plazenta ist die Plazentaschranke mit dem vom Trophoblasten abstammenden Synzytiotrophoblast, einer vielkernigen Lage ohne Zellgrenzen (Synzytium). Dies stellt eine passive Filtermembran dar, die mütterliches und kindliches Blut trennt und den Übertritt von verschiedenen im Blut gelösten Substanzen ermöglicht oder verhindert. Die dafür verwendeten Mechanismen sind Diffusion und erleichterte Diffusion, aktiver Transport, Diapedese und Pinozytose. Durch Diffusion gelangen Sauerstoff, Wasser, einige Vitamine, Alkohol, Gifte, Drogen und Medikamente in den Fötus. Glukose, Aminosäuren und Elektrolyte gelangen über erleichterte Diffusion und aktive Transportprozesse in das Kind. Proteine, Antikörper vom Typ IgG und Fette werden über Pinozytose transportiert. Viren und Bakterien können sich per Diapedese Zugang zum Kind verschaffen. Die Übertragung mütterlicher IgG-Antikörper ist besonders wichtig, da das Kind bis einige Monate nach der Geburt nicht ausreichend eigene Antikörper bilden kann (Nestschutz).

Durch Mikrotraumen in der Plazenta kann es zum Übertritt kindlichen Blutes in den mütterlichen Kreislauf kommen. Dies ist normalerweise ungefährlich, es sei denn, das Kind ist Rhesus-positiv, die Mutter jedoch negativ. In einem solchen Fall kann es zur Sensibilisierung der Mutter gegen kindliche Antigene kommen. Die Mutter bildet Antikörper vom plazentagängigen IgG-Typ gegen das rhesuspositive Blut, welche bei einer Folgeschwangerschaft in den fötalen Kreislauf gelangen und dort das Krankheitsbild des Morbus haemolyticus neonatorum auslösen.

Die Plazenta produziert das Hormon Chorion-Gonadotropin und etwa ab dem vierten Monat auch das Gelbkörperhormon Progesteron, nachdem der Gelbkörper im Eierstock die Produktion einstellt. Das Gelbkörperhormon unterdrückt die Regelblutung und ermöglicht somit das Weiterbestehen der Schwangerschaft.

Zudem bildet die Plazenta das humane Plazentalaktogen (HPL). HPL kann ab der 8. Schwangerschaftswoche im Serum der Mutter nachgewiesen werden und nimmt dann bis zur Geburt kontinuierlich um bis zu 2 g täglich zu. Aufgabe von HPL ist es die Brüste zu entwickeln und für die Laktation vorzubereiten. Zudem reguliert es den Metabolismus und hat anabole Effekte.

Kindliche Seite einer Plazenta mit Nabelschnur

Die Plazenta kann individuell sehr unterschiedlich sein. Form und Größe des Organs variieren ebenso, wie der Ansatz (Insertionsstelle) der Nabelschnur.

Zu den Formvarianten zählen die Placenta succenturiata (Nebenplazenta), die Placenta bilobata/multilobata (zweifach/mehrfach gelappte Plazenta), die Placenta anularis (Ring- oder gürtelförmige Plazenta), die Placenta fenestrata, sowie die Placenta membranacea. Eine Nebenplazenta oder gelappte Plazenta beeinträchtigt die fetale Entwicklung nicht.

Als Folgen einer Plazentationsstörung entstehen Formen, wie die Placenta accreta, die Placenta increta, sowie die Placenta percreta. Dabei wachsen die Zotten durch teilweise oder völlig fehlende Dezidua in das Myometrium ein. Die Folge sind Plazentalösungsstörungen nach der Geburt des Kindes.

Auch Lageveränderungen, wie die unterschiedlichen Formen der Placenta praevia, kommen vor.

Die Plazenta mit der Eihaut wird kurz nach der Geburt des Kindes als Nachgeburt geboren.

Oft ist es möglich, die Plazenta ausgehändigt zu bekommen. Kommerzielle Anbieter stellen daraus sog. Globuli (ursprünglich homöopathische Medikamente) her. Manche Menschen vergraben sie in der Erde, meist unter einem Baum. Dieser Brauch war und ist in unterschiedlichsten Regionen der Welt verbreitet.

In China wurde die Plazenta im 16. Jahrhundert gegen Unfruchtbarkeit und Impotenz bei Männern empfohlen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Plazentas auch an die Kosmetikindustrie verkauft. Daraus hergestellte Cremes sollten der Hautverjüngung dienen, wissenschaftliche Studien hierzu gibt es keine. Diese Praxis ist unter anderem wegen der Angst vor HIV/AIDS und anderen Infektionen überholt.

Die aus den Plazenten gewonnenen Inhaltsstoffe werden heute aus anderen Quellen oder synthetisch hergestellt bzw. durch alternative Stoffe ersetzt.

Plazentophagie

Die hormonreiche Plazenta wird mitunter auch zur (nicht nachgewiesenen) Förderung der Regeneration und Vermeidung einer postpartalen Depression von der Mutter verzehrt. Kritiker haben den Verdacht, dass die Aufnahme von Plazenta, sprich Plazentophagie, sogar schädlich für den menschlichen Körper sein könnte. Begründet wird diese Behauptung mit dem Fund von Bakterien, Blei und Quecksilber in ebendiesem Organ. Die Literaturstudie von Cynthia W. Coyle u. a.(Northwestern University Feinberg) von Juni 2015 über Plazentophagie in den Jahren 1950 bis 2014 kommt zum Schluss, dass Nutzen und Risiken erst noch erforscht werden müssen, um fundierte Aussagen treffen zu können. Forscher der US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) berichten von einem Kind, das sich aufgrund der mütterlichen Plazentophagie mit Streptokokken infiziert hat.

Stammzellgewinnung

Inzwischen ist bekannt, dass sowohl aus der Plazenta selbst, der Nabelschnur als auch dem darin befindlichen Nabelschnurblut Nabelschnurblutstammzellen extrahiert werden können. In der Plazenta und Nabelschnur wurden vor allem mesenchymale, im Nabelschnurblut vorrangig blutbildende, also hämatopoetische Stammzellen nachgewiesen. Während die Stammzellen der Nabelschnur derzeit nur zu experimentellen und Forschungszwecken gewonnen werden, können Nabelschnurblutstammzellen routinemäßig gewonnen, konserviert und medizinisch verwendet werden. Häufigstes Verwendungsgebiet war 2001 die Stammzelltransplantation zur Behandlung von Leukämie. Allerdings befindet sich die Forschung zur Anwendung von Nabelschnurblut noch in den Anfängen, speziell in der Regenerativen Medizin und beim Heranzüchten von Gewebe, Knorpeln- und Knochenteile wurden 2013 viele Studien durchgeführt. Fälle, in denen Nabelschnurblut für eine Stammzelltherapie benötigt wird, sind selten. Als Beleg dafür können die Angaben der größten Stammzellenbank Vita 34 herangezogen werden: 30 medizinische Verwendungen bei über 200 000 Einlagerungen. Außerdem ist die Verwendung eigener blutbildender Stammzellen aus Blut oder Knochenmark meist möglich. Ein weiterer Kritikpunkt sind die kurzen Abnabelungszeiten, die im Falle einer Stammzellengewinnung auftreten, und deutlich geringer als die von Seiten der WHO empfohlenen Abnabelungsdauer sind. In diesem Zusammenhang wird oft vom "Auspulsieren" des Nabelschnurblutes gesprochen, die positiven Effekte dieser Methode sind teilweise bewiesen z. B. eine höhere Eisenmenge im Blut des Säuglings.

Plazenta eines Schafes

Die meisten Säugetiermütter – darunter auch Tiere, die sonst selbst rein vegetarisch (Kühe und andere Wiederkäuer) leben – verzehren die eigene Nachgeburt, nachdem sie ihre Neugeborenen beschnuppert und versorgt (trockengeleckt) haben. Nicht nur, dass sie damit den Raubtieren die verlockende Duftspur wegnehmen, sie versorgen sich dadurch auch mit Vitaminen und anderen wichtigen Nährstoffen, die sie nach der Geburt selbst dringend brauchen.

Es gibt verschiedene Plazentatypen. Beuteltiere besitzen eine unvollkommene (Dottersack-)Plazenta, weshalb die Tragezeit so gering ist (8–40 Tage). Des Weiteren gibt es eine Placenta diffusa (epitheliochorial) bei Unpaarhufern und Walen, eine Placenta zonaria (endotheliochorial) bei Raubtieren, eine Placenta discoidalis (hämochorial) bei Nagetieren und den Trockennasenaffen, einschließlich des Menschen, sowie eine Placenta multiplex s. cotyledonaria oder (syndesmochorial) bei Wiederkäuern.

Die Plazenta ist eine Schlüsselinnovation der Säugetiere (Evolution der Säugetiere), von ihren Anfängen bis heute. Sie stellt ein neues Organ dar, das es bei den eierlegenden Tieren davor nicht gab. Neben der Innovation der Muttermilch, der Milchdrüse und der Mutterbindung musste eine Ernährungsverbindung vom Ei des Embryos im Mutterleib zur Mutter evolvieren, um das Wachstum des Embryos im Mutterleib zu ermöglichen. Dieses Wachstum war ein entscheidender selektiver Vorteil. Die Plazenta steigerte die Überlebenschancen des Ungeborenen in der Zeit der Dinosaurier vor etwa 160 Millionen Jahren.

Als wichtiges Gen für die Ausbildung der Plazenta wurde das Gen Paternally expressed gene Peg10 identifiziert. Dieses Gen wurde wahrscheinlich durch ein Retrovirus in die DNA der Keimzellen früher Säuger kodiert, eine virale Invasion und ein Prozess vergleichbar dem, der beim rezenten Koala mit dem krankheitserregenden KoRV-Gen beobachtet wurde. Ein Gen-Knockout von Peg10 bei der Maus im Labor führt zum Stillstand des Wachstums der Plazenta und zum frühen Tod des Embryos.

Peg10 ist also dafür verantwortlich, die Plazenta zu bilden. Das Gen unterbindet die Immunabwehr der Mutter und verhindert damit, dass der Embryo beim Aufbau der physischen Mutter-Kind-Verbindung wieder abgestoßen wird. Erst für den weiteren Verlauf der Evolution wird angenommen, dass die Nahrungsversorgung des Embryos mittels der Plazenta zum Immunabwehrschutz hinzukam. Im Verlauf der Evolution wurde die Plazenta größer, die Tragezeit des Embryos konnte verlängert werden. Eine längere Schwangerschaft war hilfreich für die Unabhängigkeit der Mutter vor Fressfeinden, und Tiere begannen, lebende Säuger auszutragen.

Für die Bildung des Synzytiotrophoblasten ist das env-Gen des endogenen Retrovirus HERV-W verantwortlich. Dieses und weitere beteiligte ERVs müssen die gemeinsamen Vorfahren der höheren Säugetiere erworben haben, da sie Beuteltieren und Kloakentieren (eierlegenden Säugetieren) fehlen. Insbesondere ist das Protein Syncytin (Syncytin 1 und 2) viralen Ursprungs.

  • Lois Jovanovic, Genell J. Subak-Sharpe: Hormone. Das medizinische Handbuch für Frauen. (Originalausgabe: Hormones. The Woman’s Answerbook. Atheneum, New York 1987) Aus dem Amerikanischen von Margaret Auer, Kabel, Hamburg 1989, ISBN 3-8225-0100-X, S. 177 f., 383 f. und öfter.
  • Andrea Stiefel, Karin Brendel, Nicole H. Bauer et al.: Hebammenkunde, Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hrsg.: Andrea Stiefel, Karin Brendel, Nicole H. Bauer et al. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-13-240450-2, S. 1141.
Commons: Plazenta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Plazenta – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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  5. Franziska Zoidl: Umstritten: Lasagne mit Mutterkuchen. In: Der Standard. 19. Juni 2015.
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Normdaten (Sachbegriff): GND:4174904-2(OGND, AKS)

Plazenta
plazenta, gewebe, gebärmutter, sprache, beobachten, bearbeiten, dieser, artikel, beschreibt, mutterkuchen, wirbeltieren, pflanzen, siehe, botanik, placenta, eine, weiterleitung, diesen, artikel, weiteren, bedeutungen, siehe, placenta, begriffsklärung, placenta. Plazenta Gewebe in der Gebarmutter Sprache Beobachten Bearbeiten Dieser Artikel beschreibt den Mutterkuchen bei Wirbeltieren zur Plazenta bei Pflanzen siehe Plazenta Botanik Placenta ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel Zu weiteren Bedeutungen siehe Placenta Begriffsklarung Die Plazenta lat placenta Kuchen dt auch Mutterkuchen oder Fruchtkuchen ist ein bei allen weiblichen hoheren Saugetieren Eutheria einschliesslich des Menschen und mancher Beutelsauger Metatheria wahrend der Trachtigkeit bzw Schwangerschaft sich entwickelndes Gewebe an der Gebarmutterwand das zum embryonalen Organismus gehort von diesem gebildet wird und von Blutgefassen der Mutter und des Embryos durchwoben ist Daruber steht der Embryo spater der Fotus mittelbar mit dem Blutkreislauf der Mutter in Verbindung erhalt Nahrstoffe und Sauerstoff und gibt Abfallprodukte ab Nach der Entbindung wird die Plazenta gemeinsam mit der Eihaut als Nachgeburt ausgestossen Eine analoge Struktur stellt die Dottersack Plazenta der Grundhaie dar die ebenso wie die Plazenta der Saugetiere der Versorgung der Embryonen dient 1 Menschliche Plazenta mit Fotus Plazenta im menschlichen Korper menschliche Plazenta Plastinat Ultraschallbild der Plazenta und Nabelschnur mit Darstellung im Farbdopplerverfahren der drei Nabelschnurgefasse mit 20 Schwangerschaftswochen Inhaltsverzeichnis 1 Funktionen 2 Aufbau 3 Plazentaschranke 4 Plazenta als endokrines Organ 5 Plazentaveranderungen 6 Nachgeburt 6 1 Plazentophagie 6 2 Stammzellgewinnung 7 Bei Tieren 8 Evolution der Plazenta 9 Literatur 10 Weblinks 11 EinzelnachweiseFunktionen BearbeitenDie Plazenta besteht sowohl aus embryonalem als auch aus mutterlichem Gewebe Die Plazenta entsteht indem embryonales Gewebe in die Gebarmutterschleimhaut Endometrium bzw Dezidua einwachst Sie stellt die Versorgung mit Nahrstoffen die Entsorgung von Exkretionsprodukten und den Gasaustausch des Embryos bzw Fotus sicher Die Verbindung zwischen Embryo und Plazenta erfolgt uber die Nabelschnur Anders als alle anderen menschlichen Organe die erst nach einer ausreichenden Entwicklungs und Reifungsperiode ihre Funktion aufnehmen muss die Plazenta ihr eigenes Wachstum steuern und parallel dazu volle Funktionstuchtigkeit entwickeln Dabei mussen in jedem Stadium der Schwangerschaft die jeweils spezifischen Bedurfnisse des Kindes befriedigt werden Neben der Versorgung des Kindes erfullt die Plazenta hormonelle Aufgaben Noch kaum erforscht ist die Fahigkeit der Plazenta das Immunsystem der Mutter so zu beeinflussen dass es zwar funktionstuchtig bleibt und die Mutter damit vor Infektionen schutzt gleichzeitig aber daran gehindert wird die Plazenta selbst und das Kind als Fremdgewebe abzustossen Aufbau Bearbeiten Schematischer Aufbau Schematischer Aufbau der Plazenta Die menschliche Plazenta ist im ausgereiften Zustand ein circa 500 bis 600 Gramm schweres und im Durchmesser 15 bis 20 Zentimeter grosses Organ das sich nach der Einnistung Nidation der Blastozyste in der Gebarmutter bildet Sie entsteht aus dem fetalen Trophoblasten und aus der mutterlichen Gebarmutterschleimhaut Endometrium Die fetale Seite der Plazenta also Chorionplatte und Nabelschnur ist mit weisslich trubem Amnionepithel bedeckt siehe letztes Bild Zwischen der Chorionplatte und der mutterlichen Basalplatte Dezidua befindet sich der mit mutterlichem Blut gefullte intervillose Raum Dieser wird durch bindegewebige Plazentasepten von der Basalplatte aus in 15 bis 20 Felder die so genannten Kotyledonen unterteilt Aus dem Chorion wachsen Primarzotten die die Sekundarzotten tragen in diese blutgefullten Kotyledonen Durch das Einsprossen von Kapillaren wird die Sekundarzotte zur Tertiarzotte und ist somit zum Stoffaustausch bereit In der Abbildung ist der gesamte Zottenbaum als Villus bezeichnet Zwischen den Kapillaren der Tertiarzotten und dem intervillosen Raum findet auf Grund der Plazentaschranke siehe unten kein Blutaustausch statt Der Stoffaustausch erfolgt uber Diffusion erleichterte Diffusion Pinozytose oder wird uber Rezeptoren vermittelt Ab der vierten Schwangerschaftswoche wenn das Herz des Kindes zu schlagen beginnt wird die Frucht uber die Plazenta versorgt Als Organ dient die Plazenta nur eine begrenzte Zeit Sie zeichnet sich durch den geringsten Gehalt an straffem Bindegewebe aller Organe aus Ausserdem ist die Plazenta nicht mit Nerven durchzogen Plazentaschranke Bearbeiten Fotus einer Katze mit mutterlichem Teil der Plazenta 6 Eine der Funktionen der Plazenta ist die Plazentaschranke mit dem vom Trophoblasten abstammenden Synzytiotrophoblast einer vielkernigen Lage ohne Zellgrenzen Synzytium 2 Dies stellt eine passive Filtermembran dar die mutterliches und kindliches Blut trennt und den Ubertritt von verschiedenen im Blut gelosten Substanzen ermoglicht oder verhindert Die dafur verwendeten Mechanismen sind Diffusion und erleichterte Diffusion aktiver Transport Diapedese und Pinozytose Durch Diffusion gelangen Sauerstoff Wasser einige Vitamine Alkohol Gifte Drogen und Medikamente in den Fotus Glukose Aminosauren und Elektrolyte gelangen uber erleichterte Diffusion und aktive Transportprozesse in das Kind Proteine Antikorper vom Typ IgG und Fette werden uber Pinozytose transportiert Viren und Bakterien konnen sich per Diapedese Zugang zum Kind verschaffen Die Ubertragung mutterlicher IgG Antikorper ist besonders wichtig da das Kind bis einige Monate nach der Geburt nicht ausreichend eigene Antikorper bilden kann Nestschutz Durch Mikrotraumen in der Plazenta kann es zum Ubertritt kindlichen Blutes in den mutterlichen Kreislauf kommen Dies ist normalerweise ungefahrlich es sei denn das Kind ist Rhesus positiv die Mutter jedoch negativ In einem solchen Fall kann es zur Sensibilisierung der Mutter gegen kindliche Antigene kommen Die Mutter bildet Antikorper vom plazentagangigen IgG Typ gegen das rhesuspositive Blut welche bei einer Folgeschwangerschaft in den fotalen Kreislauf gelangen und dort das Krankheitsbild des Morbus haemolyticus neonatorum auslosen Plazenta als endokrines Organ BearbeitenDie Plazenta produziert das Hormon Chorion Gonadotropin und etwa ab dem vierten Monat auch das Gelbkorperhormon Progesteron nachdem der Gelbkorper im Eierstock die Produktion einstellt Das Gelbkorperhormon unterdruckt die Regelblutung und ermoglicht somit das Weiterbestehen der Schwangerschaft Zudem bildet die Plazenta das humane Plazentalaktogen HPL HPL kann ab der 8 Schwangerschaftswoche im Serum der Mutter nachgewiesen werden und nimmt dann bis zur Geburt kontinuierlich um bis zu 2 g taglich zu Aufgabe von HPL ist es die Bruste zu entwickeln und fur die Laktation vorzubereiten Zudem reguliert es den Metabolismus und hat anabole Effekte 3 Kindliche Seite einer Plazenta mit NabelschnurPlazentaveranderungen BearbeitenDie Plazenta kann individuell sehr unterschiedlich sein Form und Grosse des Organs variieren ebenso wie der Ansatz Insertionsstelle der Nabelschnur Zu den Formvarianten zahlen die Placenta succenturiata Nebenplazenta die Placenta bilobata multilobata zweifach mehrfach gelappte Plazenta die Placenta anularis Ring oder gurtelformige Plazenta die Placenta fenestrata sowie die Placenta membranacea Eine Nebenplazenta oder gelappte Plazenta beeintrachtigt die fetale Entwicklung nicht Als Folgen einer Plazentationsstorung entstehen Formen wie die Placenta accreta die Placenta increta sowie die Placenta percreta Dabei wachsen die Zotten durch teilweise oder vollig fehlende Dezidua in das Myometrium ein Die Folge sind Plazentalosungsstorungen nach der Geburt des Kindes Auch Lageveranderungen wie die unterschiedlichen Formen der Placenta praevia kommen vor Nachgeburt BearbeitenDie Plazenta mit der Eihaut wird kurz nach der Geburt des Kindes als Nachgeburt geboren Oft ist es moglich die Plazenta ausgehandigt zu bekommen Kommerzielle Anbieter stellen daraus sog Globuli ursprunglich homoopathische Medikamente her Manche Menschen vergraben sie in der Erde meist unter einem Baum Dieser Brauch war und ist in unterschiedlichsten Regionen der Welt verbreitet In China wurde die Plazenta im 16 Jahrhundert gegen Unfruchtbarkeit und Impotenz bei Mannern empfohlen 4 In der zweiten Halfte des 20 Jahrhunderts wurden Plazentas auch an die Kosmetikindustrie verkauft Daraus hergestellte Cremes sollten der Hautverjungung dienen wissenschaftliche Studien hierzu gibt es keine Diese Praxis ist unter anderem wegen der Angst vor HIV AIDS und anderen Infektionen uberholt 5 Die aus den Plazenten gewonnenen Inhaltsstoffe werden heute aus anderen Quellen oder synthetisch hergestellt bzw durch alternative Stoffe ersetzt Plazentophagie Bearbeiten Die hormonreiche Plazenta wird mitunter auch zur nicht nachgewiesenen Forderung der Regeneration und Vermeidung einer postpartalen Depression von der Mutter verzehrt Kritiker haben den Verdacht dass die Aufnahme von Plazenta sprich Plazentophagie sogar schadlich fur den menschlichen Korper sein konnte Begrundet wird diese Behauptung mit dem Fund von Bakterien Blei und Quecksilber in ebendiesem Organ Die Literaturstudie von Cynthia W Coyle u a Northwestern University Feinberg von Juni 2015 uber Plazentophagie in den Jahren 1950 bis 2014 kommt zum Schluss dass Nutzen und Risiken erst noch erforscht werden mussen um fundierte Aussagen treffen zu konnen 6 7 Forscher der US Centers for Disease Control and Prevention CDC berichten von einem Kind das sich aufgrund der mutterlichen Plazentophagie mit Streptokokken infiziert hat 8 Stammzellgewinnung Bearbeiten Inzwischen ist bekannt dass sowohl aus der Plazenta selbst der Nabelschnur als auch dem darin befindlichen Nabelschnurblut Nabelschnurblutstammzellen extrahiert werden konnen In der Plazenta und Nabelschnur wurden vor allem mesenchymale 9 im Nabelschnurblut vorrangig blutbildende also hamatopoetische Stammzellen nachgewiesen Wahrend die Stammzellen der Nabelschnur derzeit nur zu experimentellen und Forschungszwecken gewonnen werden konnen Nabelschnurblutstammzellen routinemassig gewonnen konserviert und medizinisch verwendet werden Haufigstes Verwendungsgebiet war 2001 die Stammzelltransplantation zur Behandlung von Leukamie 10 Allerdings befindet sich die Forschung zur Anwendung von Nabelschnurblut noch in den Anfangen speziell in der Regenerativen Medizin und beim Heranzuchten von Gewebe Knorpeln und Knochenteile wurden 2013 viele Studien durchgefuhrt 11 Falle in denen Nabelschnurblut fur eine Stammzelltherapie benotigt wird sind selten Als Beleg dafur konnen die Angaben der grossten Stammzellenbank Vita 34 herangezogen werden 30 medizinische Verwendungen bei uber 200 000 Einlagerungen Ausserdem ist die Verwendung eigener blutbildender Stammzellen aus Blut oder Knochenmark meist moglich 12 Ein weiterer Kritikpunkt sind die kurzen Abnabelungszeiten die im Falle einer Stammzellengewinnung auftreten und deutlich geringer als die von Seiten der WHO empfohlenen Abnabelungsdauer sind In diesem Zusammenhang wird oft vom Auspulsieren des Nabelschnurblutes gesprochen die positiven Effekte dieser Methode sind teilweise bewiesen z B eine hohere Eisenmenge im Blut des Sauglings 13 Bei Tieren Bearbeiten Plazenta eines Schafes Die meisten Saugetiermutter darunter auch Tiere die sonst selbst rein vegetarisch Kuhe und andere Wiederkauer leben verzehren die eigene Nachgeburt nachdem sie ihre Neugeborenen beschnuppert und versorgt trockengeleckt haben Nicht nur dass sie damit den Raubtieren die verlockende Duftspur wegnehmen sie versorgen sich dadurch auch mit Vitaminen und anderen wichtigen Nahrstoffen die sie nach der Geburt selbst dringend brauchen Es gibt verschiedene Plazentatypen Beuteltiere besitzen eine unvollkommene Dottersack Plazenta weshalb die Tragezeit so gering ist 8 40 Tage Des Weiteren gibt es eine Placenta diffusa epitheliochorial bei Unpaarhufern und Walen eine Placenta zonaria endotheliochorial bei Raubtieren eine Placenta discoidalis hamochorial bei Nagetieren und den Trockennasenaffen einschliesslich des Menschen sowie eine Placenta multiplex s cotyledonaria oder syndesmochorial bei Wiederkauern 14 Evolution der Plazenta BearbeitenDie Plazenta ist eine Schlusselinnovation der Saugetiere Evolution der Saugetiere von ihren Anfangen bis heute Sie stellt ein neues Organ dar das es bei den eierlegenden Tieren davor nicht gab Neben der Innovation der Muttermilch der Milchdruse und der Mutterbindung musste eine Ernahrungsverbindung vom Ei des Embryos im Mutterleib zur Mutter evolvieren um das Wachstum des Embryos im Mutterleib zu ermoglichen Dieses Wachstum war ein entscheidender selektiver Vorteil Die Plazenta steigerte die Uberlebenschancen des Ungeborenen in der Zeit der Dinosaurier vor etwa 160 Millionen Jahren Als wichtiges Gen fur die Ausbildung der Plazenta wurde das Gen Paternally expressed gene Peg10 identifiziert Dieses Gen wurde wahrscheinlich durch ein Retrovirus in die DNA der Keimzellen fruher Sauger kodiert 15 eine virale Invasion und ein Prozess vergleichbar dem der beim rezenten Koala mit dem krankheitserregenden KoRV Gen beobachtet wurde Ein Gen Knockout von Peg10 bei der Maus im Labor fuhrt zum Stillstand des Wachstums der Plazenta und zum fruhen Tod des Embryos 16 Peg10 ist also dafur verantwortlich die Plazenta zu bilden Das Gen unterbindet die Immunabwehr der Mutter und verhindert damit dass der Embryo beim Aufbau der physischen Mutter Kind Verbindung wieder abgestossen wird Erst fur den weiteren Verlauf der Evolution wird angenommen dass die Nahrungsversorgung des Embryos mittels der Plazenta zum Immunabwehrschutz hinzukam Im Verlauf der Evolution wurde die Plazenta grosser die Tragezeit des Embryos konnte verlangert werden Eine langere Schwangerschaft war hilfreich fur die Unabhangigkeit der Mutter vor Fressfeinden und Tiere begannen lebende Sauger auszutragen Fur die Bildung des Synzytiotrophoblasten ist das env Gen des endogenen Retrovirus HERV W verantwortlich Dieses und weitere beteiligte ERVs mussen die gemeinsamen Vorfahren der hoheren Saugetiere erworben haben da sie Beuteltieren und Kloakentieren eierlegenden Saugetieren fehlen 17 Insbesondere ist das Protein Syncytin Syncytin 1 und 2 viralen Ursprungs 18 19 20 21 22 Literatur BearbeitenLois Jovanovic Genell J Subak Sharpe Hormone Das medizinische Handbuch fur Frauen Originalausgabe Hormones The Woman s Answerbook Atheneum New York 1987 Aus dem Amerikanischen von Margaret Auer Kabel Hamburg 1989 ISBN 3 8225 0100 X S 177 f 383 f und ofter Andrea Stiefel Karin Brendel Nicole H Bauer et al Hebammenkunde Lehrbuch fur Schwangerschaft Geburt Wochenbett und Beruf Hrsg Andrea Stiefel Karin Brendel Nicole H Bauer et al 6 Auflage Georg Thieme Verlag Stuttgart 2020 ISBN 978 3 13 240450 2 S 1141 Weblinks Bearbeiten Commons Plazenta Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Wiktionary Plazenta Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen familienplanung de Plazenta Das Informationsportal der Bundeszentrale fur gesundheitliche AufklarungEinzelnachweise Bearbeiten Leonard Compagno Marc Dando Sarah Fowler Sharks of the World Princeton Field Guides Princeton University Press Princeton Oxford 2005 ISBN 0 691 12072 2 S 335 Synzytiotrophoblast auf DocCheck Flexikon Klaus Diedrich u a Hrsg Gynakologie und Geburtshilfe 2 vollig neu bearb Auflage Springer Heidelberg 2007 ISBN 978 3 540 32867 4 Studienuberblick Nein Sie mussen Ihre Plazenta nicht essen Auf Spiegel Online 8 Juni 2015 Franziska Zoidl Umstritten Lasagne mit Mutterkuchen In Der Standard 19 Juni 2015 Christina Hucklenbroich Geburtsmedizin Der Verzehr der Plazenta ein neuer Trend faz net 15 Juli 2015 abgerufen am 2 September 2015 Cynthia W Coyle u a Placentophagy therapeutic miracle or myth In Archives of Women s Mental Health 4 Juni 2015 abgerufen am 2 September 2015 Genevieve L Buser Sayonara Mato Alexia Y Zhang Ben J Metcalf Bernard Beall Notes from the Field Late Onset Infant Group B Streptococcus Infection Associated with Maternal Consumption of Capsules Containing Dehydrated Placenta Oregon 2016 In MMWR Morbidity and Mortality 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Henning Engeln Die gute Seite der Viren auf Spektrum de 16 April 2020 A Dupressoir C Lavialle T Heidmann From ancestral infectious retroviruses to bona fide cellular genes role of the captured syncytins in placentation In Placenta Band 33 Nr 9 September 2012 S 663 671 doi 10 1016 j placenta 2012 05 005 PMID 22695103 B Soygur L Sati The role of syncytins in human reproduction and reproductive organ cancers In Reproduction Cambridge England Band 152 Nr 5 2016 S R167 R178 doi 10 1530 REP 16 0031 PMID 27486264 E V Koonin Viruses and mobile elements as drivers of evolutionary transitions In Philosophical transactions of the Royal Society of London Series B Biological sciences Band 371 Nummer 1701 08 2016 S doi 10 1098 rstb 2015 0442 PMID 27431520 PMC 4958936 freier Volltext Review S Mi X Lee X Li G M Veldman H Finnerty L Racie E LaVallie X Y Tang P Edouard S Howes J C Keith Jr J M McCoy Syncytin is a captive retroviral envelope protein involved in human placental morphogenesis In Nature Band 403 Nr 6771 17 Februar 2000 S 785 789 doi 10 1038 35001608 PMID 10693809 Normdaten Sachbegriff GND 4174904 2 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Plazenta amp oldid 210416828, wikipedia, wiki, deutsches

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