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Periglazial

Periglazial (zusammengesetzt aus gr. peri, „um, herum“ und lat. glacies, „Eis“) bezeichnet in der Physischen Geographie und Geologie einen geomorphologischen Prozess, der auf die landschaftsprägende Wirkung von Frost, jedoch auch azonale Prozesse, die mit Schnee, fließendem Wasser und Wind verbunden werden, zurückgeht. Die distinkten geomorphologischen Prozesse, die in unvergletscherten Gebieten auftreten, werden durch Auftauen und Gefrieren von Bodeneis, das permanent, saisonal oder täglich auftreten kann, geprägt. Die Frostwirkung muss dabei eine so starke Intensität besitzen, dass sie in der Landschaft nachweisbar ist. Gebiete mit periglazialen Landschaften liegen überwiegend im kontinentalen Tundrenklima. Landschaften, die in der geologischen Vergangenheit periglazial geprägt wurden, werden paraglazial genannt. Das Adjektiv ‚periglazial‘ charakterisiert dabei sowohl die entsprechenden klimatischen Bedingungen als auch die unter diesen Bedingungen ablaufenden geomorphologischen Prozesse. Auch Hochgebirge zwischen der Subarktis und den inneren Tropen zwischen der Schnee- und Waldgrenze besitzen Landschaften, in denen periglaziale Prozesse stattfinden, diese werden dort oft als Solifluktionsstufe (= "Periglazialstufe") bezeichnet, da sich dort durch höhere Niederschlagssummen und größere Reliefenergie Boden-Solifluktion ausbildet. Ebenso wie in der Tundra ist Boden- und Vegetationsentwicklung mit spezialisierten Anpassungen von Pflanzen (alpine Frost-Schuttvegetation, Schneetälchen-Gesellschaften) gegeben.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff „periglazial“ wurde 1909 von Lozinski geprägt und sollte geomorphologische Prozesse und die dabei entstandenen Oberflächenformen in der direkten Umgebung von Gletschern bezeichnen. Diese enge räumliche Bindung an die direkte Umgebung von Gletschern ist heute nicht mehr Bestandteil der Definition, da der entscheidende Faktor des Periglazials das permanente, saisonale oder diurnale Bodeneis ist. Gefrieren und Auftauen des Bodens durch Frostwechsel bedingt dann die periglaziale Morphodynamik. Vom Frost dominierte Gebiete können weit entfernt von heutiger oder vorzeitlicher Vergletscherung vorkommen, so zum Beispiel im zentralen Sibirien. Der durch diesen Bedeutungswandel missverständlich gewordene Begriff Periglazial wurde beibehalten, da sich Versuche einer neuen Terminologie (insbes. Washburn: „Geocryology“) nicht durchsetzen konnten.

In den 1960er Jahren wurde der Begriff von Tricart und Cailleux sowie Péwé neu definiert. Ihre Definition zeigt bis heute Nachwirkungen: Diese Autoren banden den Begriff ‚Periglazial‘ an das Vorkommen von Permafrostboden. Dies hatte den Vorteil, dass die Grenzen der Periglazialgebiete relativ einfach bestimmt werden konnten. In der deutschsprachigen, allgemein-geomorphologischen Literatur hat sich diese Definition auch teilweise erhalten, unter den Fachwissenschaftlern wird sie aber heute einhellig abgelehnt, was auch dem internationalen Literaturstand entspricht. Der Grund dieser Ablehnung ist in der Tatsache zu finden, dass zwei der wichtigsten, von allen Autoren zu den periglazialen gezählten geomorphologischen Prozesse (Gelifluktion und Kryoturbation, s. u.) eindeutig nicht auf Gebiete mit Permafrost beschränkt sind.

Somit wird heute mehrheitlich Periglazial nach dem Vorkommen mindestens dieser beiden Prozesse abgegrenzt. Allerdings führt dies zwar zu einer in Bezug auf die geomorphologischen Abläufe und Prozesse stimmigen Definition, erschwert aber eine exakte Grenzziehung, da im Gegensatz zur zweijährigen, stichprobenartigen Beobachtung des Permafosts nun aufwändige Messungen des Prozessgeschehens erforderlich wären. Zwar entstehen durch die genannten Prozesse sehr spezifische Oberflächenformen, jedoch ist oft kaum zu entscheiden, ob diese rezent entstanden sind oder unter vorzeitlichen, ehemals periglazialen Bedingungen.

Die Mehrdeutigkeit des Begriffs hat dazu geführt, dass verschiedentlich Versuche unternommen wurden, Teilaspekte durch neue Benennungen vom Gesamtkomplex des Periglazials abzutrennen. So wurde der Begriff „Paraglazial“ für die direkte Umgebung von Gletschern eingeführt, in der ja neben der periglazialen i. e. S. auch die glaziale Formung bzw. deren Fernwirkungen durch Schmelzwässer eine bedeutende Rolle spielen. In der deutschen Fachsprache findet sich der Begriff „periglaziär“, mit dem die periglazialen Prozesse zusammengefasst werden. All diese Begriffe konnten sich allerdings kaum durchsetzen.

Halbinsel an der Küste des Arktischen Ozeans, Mackenziedelta-Region. Eine Caribouherde weidet in den großen Eiskeilpolygonen.
Detail aus dem Innern eines Pingos mit Injection-Eis. Es handelt sich hier nicht um einen Eiskeil.

Für die Periglaziale Morphodynamik ist Temperatur nur bedingt das entscheidende Kriterium. Damit sich Frosterscheinungen landschaftsprägend auswirken sind Bodenfeuchtigkeit, Gesteinslithologie, Bodentextur, und Verbreitung von Gestein in Regolithgröße entscheidend. Frostwechsel von Luft- und Bodentemperatur sind somit auch nur stellvertretende physikalische Größen für Frost-Tau Zyklen im Bodeneis, die aufgrund ihrer einfacheren Messung oft als bestimmende Größen genommen wurden. Dabei sind Produktion, Präsenz und Schmelzen von Bodeneis eigentliche Kenngrößen, die nicht über ein einfaches Temperatur-Kriterium bestimmbar sind. Erst über bestimmte Bodeneigenschaften werden Wechselwirkung mit Frostwechsel in periglaziale Prozesse übertragen.

Zwei closed-system Pingos im Mackenziedelta. Schwemmholz entlang den Strandlinien ist gut zu erkennen und kommt sehr häufig vor.
Kollabierter “closed-system Pingo” im Mackenziedelta (Hubschrauber als Maßstab). Die Umrisse des entleerten Sees (Ursache für den Pingo) sind noch gut zu erkennen.

Periglaziale Prozesse sind charakterisiert durch einen permanent oder jahreszeitlich gefrorenen Unterboden. Im Sommer wird der Oberboden aufgetaut (Auftauboden) und damit anfällig für fluviale Erosionsprozesse, für Massenselbstbewegungen und bei größerer Trockenheit auch für Deflation. Diese Prozesse schaffen charakteristische Sedimente und geomorphologische Erscheinungsformen.

Die Prozesse lassen sich untergliedern in solche, die mit keiner oder allenfalls kleinflächiger Verlagerung von Substrat verbunden sind, also im Wesentlichen auf flaches Relief beschränkt sind:

  • Frostverwitterung,
  • Kryoturbation durch Frosthub,
  • Tieffrostschwund im Permafrostboden, der zu Volumensverlusten bei Eistemperaturen unter ca. −20 °C führt,
  • Eisintrusion, die dazu führt, dass das Porenvolumen des betroffenen Sediments nicht mehr ausreicht, das durch Gefrieren vergrößerte Eisvolumen aufzunehmen, so dass sich Eislinsen oder -schichten ausbilden, die durch ihr Wachstum Druck auf die umgebenden Substrate ausüben (Frostschub und -stauchung); bei starker (gefrorene Seesedimente mit primär hoher Mächtigkeit und großen Wassergehalten) und insbesondere nachhaltiger (artesisch oder thermal) Wasserzufuhr, können dabei auch Großformen (Pingos) entstehen,
  • Bildung von Segregationseis, bei der durch hygroskopische Wanderung des Porenwassers zur Gefrierfront hin Eislinsen oder -lagen im Substrat entstehen, welche die Effekte der Eisintrusion noch erheblich verstärken können,
  • Thermokarst,

und in Prozesse mit räumlicher Verlagerung von Material, also an geneigten Hängen oder im Hangfußbereich, wo sich die Einflüsse eines nahegelegenen Hangs auswirken, oder an vegetationsfreien Arealen, die dem Wind Angriffsmöglichkeiten bieten:

Periglaziale Formen im engeren Sinn sind solche, die in dieser Form nur in Periglazialgebieten auftreten und die eng entweder zumindest an saisonalen Bodenfrost gebunden sind:

  • Frostmusterboden,
  • Taschenboden,
  • Thufur (isl.), ein bis zu 2 m durchmessender und ½ m hoher, rundlicher Hügel, der in der Regel einen Kern aus Segregationseis besitzt, das das darüber liegende Substrat aufgewölbt hat,
  • Nivationsnische, die lokal entsteht, wo Schneehalden über längere Zeit die Nivation fördern,
  • Schneehaldenmoräne (Protalus Rampart), eine Spezialform der Blockhalden, die sich im Winter in einiger Entfernung von der Wand ablagert, aus der das Material gestürzt ist, das aber dann noch über eine Schneehalde über den Wandfuß hinaus weiterrollt,

oder üblicherweise mit Permafrost verbunden sind:

  • Pingo,
  • Palsa,
  • Blockgletscher,
  • Eiskeil, der sich in Form von polygonalen Eiskeilnetzen auch als Oberflächenform erkennen lässt,
  • Frostmusterböden und Taschenböden werden dann als Phänomene des Permafrosts angesehen, wenn sie Größen >60 cm erreichen.

Im weiteren Sinn werden Formen zu den periglazialen gerechnet, die auch unter anderen Bedingungen entstehen können, die aber in Periglazialgebieten gehäuft auftreten oder durch die periglazialen Bedingungen besonders gefördert werden:

  • Talterrassen sind in den Mittelbreiten weitgehend klimatisch gesteuert entstanden und wurden durch tektonische Prozesse allenfalls modifiziert. Sie gehen auf eine zyklische Abfolge bestimmter periglazialer Prozesse zurück. So führt der Beginn einer Kaltzeit bei noch relativ warmen und damit ergiebigen Quellen der Feuchtigkeit (Ozeanen) aber schon gestörter Vegetation zu starken, zeitlich konzentrierten Schmelzwasserabflüssen, die sich in den Flüssen durch Lateral- und Tiefenerosion äußern. Mit abnehmenden Abflussmengen gewinnt die Gelifluktion an Bedeutung, wodurch die Flüsse quasi in Sediment ‚ertrinken’, welches sie nicht mehr vollständig weiter transportieren können. Im Spätglazial führt die Klimaerwärmung zum Schmelzen des kaltzeitlich gespeicherten Permafrosts und damit wieder zum Einschneiden der Flüsse. Durch den mehrfachen Wechsel im Verlauf des Pleistozäns sind in den meisten Tälern der ehemaligen Periglazialgebiete gestufte Talquerprofile entstanden, die die Abfolge von Eintiefung und Schotterakkumulation spiegeln. Gletscherschmelzwässer können diese Prozesse unterstützen, sind aber für die Entstehung von Talterrassen nicht notwendig. Die Grundrisse der kaltzeitlichen Flüsse waren üblicherweise verzweigt, was die breite Ausbildung der meisten Talböden erklärt.
  • Hangdellen sind meist kleine, muldenartige Tälchen, die von Schneeschmelzwässern in Hänge eingetieft wurden.
  • asymmetrische Täler weisen einen steil und einen flacher geneigten Talhang auf. Es gibt für sie mehrere Erklärungsansätze, von denen die Theorie einer Unterspülung des steileren Talhangs durch einen infolge Windeinwirkung abgedrängten Stromstrich die meisten, wenn auch nicht alle Fälle erklären kann.
  • Dünen
  • Lößdecken
  • Windkanter

Auch die Sedimente ließen sich in ausschließlich periglaziale und in solche gliedern, die bevorzugt, aber nicht nur unter periglazialen Bedingungen entstehen. Da aber nur die Deckschichten eindeutig periglazial entstanden sind und dies bereits für den Löß zumindest strittig ist, unterbleibt diese Differenzierung hier:

Diese Sedimente können durch Phänomene wie Eiskeile oder Froststauchungen überprägt sein, wodurch ihre Interpretation als periglaziale Sedimente gestützt wird.

Als Periglazialgebiete bezeichnet man Gebiete, in denen periglaziale Prozesse wirken.

Periglazialgebiete finden sich heute in den Polar- und Subpolargebieten der Erde (Arktis, Nordamerika, Nordasien, Nordskandinavien und unvergletscherte Bereiche der Antarktis).

Aufgrund der Temperaturabnahme mit der Höhe besitzen alle Hochgebirge eine periglaziale Höhenstufe (in den Tropen: >4000 m ü.d.Meer; in mittleren Breiten, z. B. den Alpen: >2000 m ü.d.Meer). Insgesamt sind rund 25 % der Festlandfläche der Erde von Permafrost bedeckt, der Anteil der Periglazialgebiete ist also noch größer.

In den Kaltzeiten des Eiszeitalters dehnten sich die Periglazialgebiete weit äquatorwärts aus und schlossen zum Beispiel ganz Mitteleuropa ein. Auf diese Weise wurden in Mitteleuropa auch Landschaften umgeformt, die nicht von Inlandeis bedeckt waren, und in denen somit periglaziale Formen und Ablagerungen heute noch weit verbreitet sind.

Periglazialklimate sind Klimate, die periglaziale Prozesse ermöglichen.

Eine Definition des Periglazialraums in seiner Gesamtheit durch exakte klimatische Messgrößen ist nicht möglich, da letztlich das Zusammenspiel mehrerer klimatischer Parameter (neben Temperatur auch Schneebedeckung, Wasserhaushalt u. v. a.) mit azonalen Einflüssen (Relief, Substrat) über das Zustandekommen periglazialer Prozesse und Formen entscheidet. Einen Versuch der Typisierung der Periglazialgebiete auf der Grundlage von zonaler Lage, Kontinentalität und Höhenlage in Verbindung mit einer Zuordnung klimatischer Grenzwerte zu den einzelnen Typen unternahm Karte 1979.

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Periglazial
periglazial, oberflächenformation, unter, frosteinwirkung, sprache, beobachten, bearbeiten, zusammengesetzt, peri, herum, glacies, bezeichnet, physischen, geographie, geologie, einen, geomorphologischen, prozess, landschaftsprägende, wirkung, frost, jedoch, au. Periglazial Oberflachenformation unter Frosteinwirkung Sprache Beobachten Bearbeiten Periglazial zusammengesetzt aus gr peri um herum und lat glacies Eis bezeichnet in der Physischen Geographie und Geologie einen geomorphologischen Prozess der auf die landschaftspragende Wirkung von Frost jedoch auch azonale Prozesse die mit Schnee fliessendem Wasser und Wind verbunden werden zuruckgeht 1 Die distinkten geomorphologischen Prozesse die in unvergletscherten Gebieten auftreten werden durch Auftauen und Gefrieren von Bodeneis das permanent saisonal oder taglich auftreten kann gepragt Die Frostwirkung muss dabei eine so starke Intensitat besitzen dass sie in der Landschaft nachweisbar ist Gebiete mit periglazialen Landschaften liegen uberwiegend im kontinentalen Tundrenklima Landschaften die in der geologischen Vergangenheit periglazial gepragt wurden werden paraglazial genannt 1 Das Adjektiv periglazial charakterisiert dabei sowohl die entsprechenden klimatischen Bedingungen als auch die unter diesen Bedingungen ablaufenden geomorphologischen Prozesse Auch Hochgebirge zwischen der Subarktis und den inneren Tropen zwischen der Schnee und Waldgrenze besitzen Landschaften in denen periglaziale Prozesse stattfinden 2 diese werden dort oft als Solifluktionsstufe Periglazialstufe bezeichnet da sich dort durch hohere Niederschlagssummen und grossere Reliefenergie Boden Solifluktion ausbildet Ebenso wie in der Tundra ist Boden und Vegetationsentwicklung mit spezialisierten Anpassungen von Pflanzen alpine Frost Schuttvegetation Schneetalchen Gesellschaften gegeben 3 4 Inhaltsverzeichnis 1 Der Begriff Periglazial 2 Voraussetzungen 3 Periglaziale Prozesse 4 Periglaziale Formen 5 Periglaziale Sedimente 6 Periglazialgebiete 7 Periglazialklima 8 EinzelnachweiseDer Begriff Periglazial BearbeitenDer Begriff periglazial wurde 1909 von Lozinski 5 gepragt und sollte geomorphologische Prozesse und die dabei entstandenen Oberflachenformen in der direkten Umgebung von Gletschern bezeichnen Diese enge raumliche Bindung an die direkte Umgebung von Gletschern ist heute nicht mehr Bestandteil der Definition da der entscheidende Faktor des Periglazials das permanente saisonale oder diurnale Bodeneis ist Gefrieren und Auftauen des Bodens durch Frostwechsel bedingt dann die periglaziale Morphodynamik Vom Frost dominierte Gebiete konnen weit entfernt von heutiger oder vorzeitlicher Vergletscherung vorkommen so zum Beispiel im zentralen Sibirien Der durch diesen Bedeutungswandel missverstandlich gewordene Begriff Periglazial wurde beibehalten da sich Versuche einer neuen Terminologie insbes Washburn Geocryology 6 nicht durchsetzen konnten In den 1960er Jahren wurde der Begriff von Tricart und Cailleux 7 sowie Pewe 8 neu definiert Ihre Definition zeigt bis heute Nachwirkungen Diese Autoren banden den Begriff Periglazial an das Vorkommen von Permafrostboden Dies hatte den Vorteil dass die Grenzen der Periglazialgebiete relativ einfach bestimmt werden konnten In der deutschsprachigen allgemein geomorphologischen Literatur hat sich diese Definition auch teilweise erhalten 9 10 unter den Fachwissenschaftlern wird sie aber heute einhellig abgelehnt 11 12 13 was auch dem internationalen Literaturstand entspricht 14 15 Der Grund dieser Ablehnung ist in der Tatsache zu finden dass zwei der wichtigsten von allen Autoren zu den periglazialen gezahlten geomorphologischen Prozesse Gelifluktion und Kryoturbation s u eindeutig nicht auf Gebiete mit Permafrost beschrankt sind Somit wird heute mehrheitlich Periglazial nach dem Vorkommen mindestens dieser beiden Prozesse abgegrenzt Allerdings fuhrt dies zwar zu einer in Bezug auf die geomorphologischen Ablaufe und Prozesse stimmigen Definition erschwert aber eine exakte Grenzziehung da im Gegensatz zur zweijahrigen stichprobenartigen Beobachtung des Permafosts nun aufwandige Messungen des Prozessgeschehens erforderlich waren Zwar entstehen durch die genannten Prozesse sehr spezifische Oberflachenformen jedoch ist oft kaum zu entscheiden ob diese rezent entstanden sind oder unter vorzeitlichen ehemals periglazialen Bedingungen 16 Die Mehrdeutigkeit des Begriffs hat dazu gefuhrt dass verschiedentlich Versuche unternommen wurden Teilaspekte durch neue Benennungen vom Gesamtkomplex des Periglazials abzutrennen So wurde der Begriff Paraglazial fur die direkte Umgebung von Gletschern eingefuhrt in der ja neben der periglazialen i e S auch die glaziale Formung bzw deren Fernwirkungen durch Schmelzwasser eine bedeutende Rolle spielen 17 In der deutschen Fachsprache findet sich der Begriff periglaziar mit dem die periglazialen Prozesse zusammengefasst werden All diese Begriffe konnten sich allerdings kaum durchsetzen Voraussetzungen Bearbeiten Halbinsel an der Kuste des Arktischen Ozeans Mackenziedelta Region Eine Caribouherde weidet in den grossen Eiskeilpolygonen Detail aus dem Innern eines Pingos mit Injection Eis Es handelt sich hier nicht um einen Eiskeil Fur die Periglaziale Morphodynamik ist Temperatur nur bedingt das entscheidende Kriterium Damit sich Frosterscheinungen landschaftspragend auswirken sind Bodenfeuchtigkeit Gesteinslithologie Bodentextur und Verbreitung von Gestein in Regolithgrosse entscheidend Frostwechsel von Luft und Bodentemperatur sind somit auch nur stellvertretende physikalische Grossen fur Frost Tau Zyklen im Bodeneis die aufgrund ihrer einfacheren Messung oft als bestimmende Grossen genommen wurden Dabei sind Produktion Prasenz und Schmelzen von Bodeneis eigentliche Kenngrossen die nicht uber ein einfaches Temperatur Kriterium bestimmbar sind Erst uber bestimmte Bodeneigenschaften werden Wechselwirkung mit Frostwechsel in periglaziale Prozesse ubertragen Periglaziale Prozesse Bearbeiten Zwei closed system Pingos im Mackenziedelta Schwemmholz entlang den Strandlinien ist gut zu erkennen und kommt sehr haufig vor Kollabierter closed system Pingo im Mackenziedelta Hubschrauber als Massstab Die Umrisse des entleerten Sees Ursache fur den Pingo sind noch gut zu erkennen Periglaziale Prozesse sind charakterisiert durch einen permanent oder jahreszeitlich gefrorenen Unterboden Im Sommer wird der Oberboden aufgetaut Auftauboden und damit anfallig fur fluviale Erosionsprozesse fur Massenselbstbewegungen und bei grosserer Trockenheit auch fur Deflation Diese Prozesse schaffen charakteristische Sedimente und geomorphologische Erscheinungsformen Die Prozesse lassen sich untergliedern in solche die mit keiner oder allenfalls kleinflachiger Verlagerung von Substrat verbunden sind also im Wesentlichen auf flaches Relief beschrankt sind Frostverwitterung Kryoturbation durch Frosthub Tieffrostschwund im Permafrostboden der zu Volumensverlusten bei Eistemperaturen unter ca 20 C fuhrt Eisintrusion die dazu fuhrt dass das Porenvolumen des betroffenen Sediments nicht mehr ausreicht das durch Gefrieren vergrosserte Eisvolumen aufzunehmen so dass sich Eislinsen oder schichten ausbilden die durch ihr Wachstum Druck auf die umgebenden Substrate ausuben Frostschub und stauchung bei starker gefrorene Seesedimente mit primar hoher Machtigkeit und grossen Wassergehalten und insbesondere nachhaltiger artesisch oder thermal Wasserzufuhr konnen dabei auch Grossformen Pingos entstehen Bildung von Segregationseis bei der durch hygroskopische Wanderung des Porenwassers zur Gefrierfront hin Eislinsen oder lagen im Substrat entstehen welche die Effekte der Eisintrusion noch erheblich verstarken konnen Thermokarst und in Prozesse mit raumlicher Verlagerung von Material also an geneigten Hangen oder im Hangfussbereich wo sich die Einflusse eines nahegelegenen Hangs auswirken oder an vegetationsfreien Arealen die dem Wind Angriffsmoglichkeiten bieten Gelifluktion Nivation Lawinenabgang Periglaziale Spuldenudation siehe Denudation Deflation Periglaziale Formen BearbeitenPeriglaziale Formen im engeren Sinn sind solche die in dieser Form nur in Periglazialgebieten auftreten und die eng entweder zumindest an saisonalen Bodenfrost gebunden sind Frostmusterboden Taschenboden Thufur isl ein bis zu 2 m durchmessender und m hoher rundlicher Hugel der in der Regel einen Kern aus Segregationseis besitzt das das daruber liegende Substrat aufgewolbt hat 18 Nivationsnische die lokal entsteht wo Schneehalden uber langere Zeit die Nivation fordern Schneehaldenmorane Protalus Rampart eine Spezialform der Blockhalden die sich im Winter in einiger Entfernung von der Wand ablagert aus der das Material gesturzt ist das aber dann noch uber eine Schneehalde uber den Wandfuss hinaus weiterrollt 19 oder ublicherweise mit Permafrost verbunden sind Pingo Palsa Blockgletscher Eiskeil der sich in Form von polygonalen Eiskeilnetzen auch als Oberflachenform erkennen lasst Frostmusterboden und Taschenboden werden dann als Phanomene des Permafrosts angesehen wenn sie Grossen gt 60 cm erreichen 20 Im weiteren Sinn werden Formen zu den periglazialen gerechnet die auch unter anderen Bedingungen entstehen konnen die aber in Periglazialgebieten gehauft auftreten oder durch die periglazialen Bedingungen besonders gefordert werden Talterrassen sind in den Mittelbreiten weitgehend klimatisch gesteuert entstanden und wurden durch tektonische Prozesse allenfalls modifiziert Sie gehen auf eine zyklische Abfolge bestimmter periglazialer Prozesse zuruck So fuhrt der Beginn einer Kaltzeit bei noch relativ warmen und damit ergiebigen Quellen der Feuchtigkeit Ozeanen aber schon gestorter Vegetation zu starken zeitlich konzentrierten Schmelzwasserabflussen die sich in den Flussen durch Lateral und Tiefenerosion aussern Mit abnehmenden Abflussmengen gewinnt die Gelifluktion an Bedeutung wodurch die Flusse quasi in Sediment ertrinken welches sie nicht mehr vollstandig weiter transportieren konnen Im Spatglazial fuhrt die Klimaerwarmung zum Schmelzen des kaltzeitlich gespeicherten Permafrosts und damit wieder zum Einschneiden der Flusse Durch den mehrfachen Wechsel im Verlauf des Pleistozans sind in den meisten Talern der ehemaligen Periglazialgebiete gestufte Talquerprofile entstanden die die Abfolge von Eintiefung und Schotterakkumulation spiegeln 21 Gletscherschmelzwasser konnen diese Prozesse unterstutzen sind aber fur die Entstehung von Talterrassen nicht notwendig Die Grundrisse der kaltzeitlichen Flusse waren ublicherweise verzweigt was die breite Ausbildung der meisten Talboden erklart Hangdellen sind meist kleine muldenartige Talchen die von Schneeschmelzwassern in Hange eingetieft wurden 22 asymmetrische Taler weisen einen steil und einen flacher geneigten Talhang auf Es gibt fur sie mehrere Erklarungsansatze von denen die Theorie einer Unterspulung des steileren Talhangs durch einen infolge Windeinwirkung abgedrangten Stromstrich 12 die meisten wenn auch nicht alle Falle erklaren kann Dunen Lossdecken WindkanterPeriglaziale Sedimente BearbeitenAuch die Sedimente liessen sich in ausschliesslich periglaziale und in solche gliedern die bevorzugt aber nicht nur unter periglazialen Bedingungen entstehen Da aber nur die Deckschichten eindeutig periglazial entstanden sind und dies bereits fur den Loss zumindest strittig ist 23 unterbleibt diese Differenzierung hier periglaziale Deckschichten periglaziale Lagen sind Sedimente die im Wesentlichen durch Gelifluktion entstehen bei denen aber teilweise noch eine Beimengung von aolischem Sediment eine Rolle spielt 12 24 Loss Blockhalden Flugsand Spulsedimente Schotterkorper der Flussterrassen Diese Sedimente konnen durch Phanomene wie Eiskeile oder Froststauchungen uberpragt sein wodurch ihre Interpretation als periglaziale Sedimente gestutzt wird Periglazialgebiete BearbeitenAls Periglazialgebiete bezeichnet man Gebiete in denen periglaziale Prozesse wirken Periglazialgebiete finden sich heute in den Polar und Subpolargebieten der Erde Arktis Nordamerika Nordasien Nordskandinavien und unvergletscherte Bereiche der Antarktis Aufgrund der Temperaturabnahme mit der Hohe besitzen alle Hochgebirge eine periglaziale Hohenstufe in den Tropen gt 4000 m u d Meer in mittleren Breiten z B den Alpen gt 2000 m u d Meer 16 Insgesamt sind rund 25 der Festlandflache der Erde von Permafrost bedeckt 25 der Anteil der Periglazialgebiete ist also noch grosser In den Kaltzeiten des Eiszeitalters dehnten sich die Periglazialgebiete weit aquatorwarts aus und schlossen zum Beispiel ganz Mitteleuropa ein Auf diese Weise wurden in Mitteleuropa auch Landschaften umgeformt die nicht von Inlandeis bedeckt waren und in denen somit periglaziale Formen und Ablagerungen heute noch weit verbreitet sind 26 Periglazialklima BearbeitenPeriglazialklimate sind Klimate die periglaziale Prozesse ermoglichen Eine Definition des Periglazialraums in seiner Gesamtheit durch exakte klimatische Messgrossen ist nicht moglich da letztlich das Zusammenspiel mehrerer klimatischer Parameter neben Temperatur auch Schneebedeckung Wasserhaushalt u v a mit azonalen Einflussen Relief Substrat uber das Zustandekommen periglazialer Prozesse und Formen entscheidet 15 Einen Versuch der Typisierung der Periglazialgebiete auf der Grundlage von zonaler Lage Kontinentalitat und Hohenlage in Verbindung mit einer Zuordnung klimatischer Grenzwerte zu den einzelnen Typen unternahm Karte 1979 26 Einzelnachweise Bearbeiten a b H M French 2017 The Periglacial Environment 4te neu uberarbeitete Ausgabe Wiley Blackwell ISBN 978 1 119 13278 3 Philipp Jaesche 1999 Bodenfrost und Solifluktionsynamik in einem alpinen Periglazialgebiet Hohe Tauern Osttirol Bayreuther Geowissenschaftliche Arbeiten Bd 20 Universitat Bayreuth Naturwissenschaftliche Gesellschaft Bayreuth e V ISBN 3 9802268 6 7 Hier S 1 Carl Rathjens 1984 Geographie des Hochgebirges 1 Der Naturraum Teubner Stuttgart ISBN 3 519 03419 0 Hier S 97 Christian Korner 1999 Alpine plant life Functional plant ecology of high mountainecosystems Springer Berlin ISBN 3 540 65438 0 Hier S 68 W Lozinski Uber die mechanische Verwitterung der Sandsteine im gemassigten Klima In Bulletin international de l Academie des Sciences de Cracovie Classe des Sciences Mathemathiques et Naturelles 1 1909 S 1 25 A L Washburn Geocryology A survey of periglacial processes and environments Arnold London 1979 406 S ISBN 0 7131 6119 1 J Tricart A Cailleux Le modele des regions periglaciaires Traite de geomorphologie tome II SEDES Paris 1967 512 S T L Pewe The periglacial environment past and present In McGill Queen s University Press Arctic Institute of North America Montreal 1969 437 S H Zepp Geomorphologie 3 Auflage Schoningh UTB Paderborn 2004 354 S ISBN 3 8252 2164 4 R Baumhauer Geomorphologie Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2006 144 S ISBN 3 534 15635 8 O R Weise Das Periglazial Gebruder Borntrager Berlin Stuttgart 1983 199 S ISBN 3 443 01019 9 a b c A Semmel Periglazialmorphologie Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1985 116 S ISBN 3 534 01221 6 W Haeberli Formbildung durch periglaziale Prozesse In H Gebhardt R Glaser U Radtke amp P Reuber Hrsg Geographie Elsevier Spektrum Munchen 2007 S 307 309 ISBN 3 8274 1543 8 D F Ritter R C Kochel amp J R Miller Process geomorphology 4 Auflage Waveland Press Long Grove 2006 560 S ISBN 1 57766 461 2 a b H French The Periglacial Environment Wiley Chichester 2007 458 S ISBN 978 0 470 86589 7 a b H Veit Fluviale und solifluidale Morphodynamik des Spat und Postglazials in einem zentralalpinen Flusseinzugsgebiet sudliche Hohe Tauern Osttirol In Bayreuther Geowiss Arb 13 1988 167 S Church M amp J M Ryder Paraglacial Sedimentation Consideration of fluvial processes conditioned by glaciation In Geological Society of America Bulletin 83 1972 S 3059 3072 S Grab Aspects of the geomorphology genesis and environmental significance of earth hummocks thufur pounus miniature cryogenic mounds In Progress in Physical Geography 29 2003 S 139 155 R A Shakesby Pronival protalus ramparts a review of forms processes diagnostic criteria and palaeoenvironmental implications In Progress in Physical Geography 21 1997 S 394 418 A S Huijzer amp R F B Isarin The reconstruction of past climates using multi proxy evidence an example of the Weichselian Pleniglacial in northwestern and central Europe In Quaternary Science Reviews 16 1997 S 513 533 J Herget Fluss und Tallandschaften In H Liedtke R Mausbacher amp K H Schmidt Hrsg Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland Relief Boden und Wasser Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg Berlin 2003 S 90 91 ISBN 978 3 8274 0580 7 H Thiemeyer Bodenerosion und holozane Dellenentwicklung in hessischen Lossgebieten In Rhein Mainische Forschungen 105 1988 J S Wright Desert loess versus glacial loess quartz silt formation source areas and sediment pathways in the formation of loess deposits In Geomorphology 36 2001 S 231 256 A Kleber Periglacial slope deposits and their pedogenic implications in Germany In Palaeogeography Palaeoclimatology Palaeoecology 99 1992 S 361 372 R F Black Permafrost a review In Geological Society of America Bulletin 65 1954 S 839 855 a b J Karte Raumliche Abgrenzung und regionale Differenzierung des Periglaziars In Bochumer Geographische Arbeiten 35 1979 ISBN 3 931128 25 3 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Periglazial amp oldid 213336566, wikipedia, wiki, deutsches

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