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Muhādschirūn

Muhādschirūn (arabisch مهاجرون, DMG Muhāǧirūn ‚Auswanderer‘), Singular Muhadschir, als Partizip-Aktiv abgeleitet aus dem Verb hādschara / هاجر / hāǧara /‚auswandern, sich vom (eigenen Stamm) fernhalten‘, werden diejenigen mekkanischen Muslime genannt, die im frühen Islam entweder vor Mohammed oder mit ihm aus Mekka nach Medina – damals Yathrib genannt – ausgewandert sind. Dieses historisch wichtige Ereignis nennt man entsprechend Hidschra.

Übertragene Verwendung des Begriffs für Muslime im Ausland auf dem linken Plakat, bei einer Demonstration für die Einführung der Scharia in Großbritannien:
„al-Muhadschirun - die Stimme, die Augen, die Ohren der Moslems“ (al-Muhajiroun - the voice, the eyes, the ears of the Muslims)

Inhaltsverzeichnis

Der Koran und die sog. Gemeindeordnung von Medina, die Mohammed mit den medinensischen Ansar, einigen jüdischen Stämmen und den Mekkanern abgeschlossen hat, sind die ältesten historischen Quellen, in denen die mekkanischen Auswanderer genannt werden.

In Sure 8 Vers 72 heißt es:

Diejenigen, die glauben und ausgewandert sind und mit ihrem Vermögen und in eigener Person um Gottes willen Krieg geführt haben, und diejenigen, die (ihnen) Aufnahme gewährt haben und Beistand geleistet haben, die sind untereinander Freunde. Zu denen aber, die glauben und nicht ausgewandert sind, steht ihr in keinem Freundschaftsverhältnis solange sie nicht (ebenfalls) ausgewandert sind.

In Sure 9,100 ist von den „ersten Auswanderern“ die Rede:

Diejenigen, die (den anderen im Glauben) zuvorgekommen sind und (somit) die Ersten (geworden) sind, nämlich die Auswanderer (aus Mekka) und die Helfer (aus Medina)…

Die Koranexegese identifiziert diese „Ersten“ unter den Auswanderern المهاجرون الأولون / al-muhāǧirūn al-awwalūn von Mekka nach Medina mit denjenigen Anhängern Mohammeds, die an dessen frühesten Aktivitäten bis zum Jahre 627 teilgenommen haben oder noch früher, vor Januar 624 – als Mohammed die Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka (Kaaba) verlegt hatte – bereits Muslime gewesen sind. Mit den „Helfern aus Medina“ sind die Ansār gemeint.

In den Biographien der Prophetengefährten – bei Ibn Hadschar al-Asqalani, Ibn ʿAbd al-Barr u. a. – werden die ersten Muslime von Mekka, die unter dem sozialen Druck der heidnischen Mekkaner im Haus von al-Arqam ibn Abī l-Arqam Schutz erhalten haben, mit den „ersten Muslimen“ gleichgesetzt und mit dem koranischen Begriff „as-sabiqun“ السابقون / as-sābiqūn bezeichnet. Ihrem sozial niedrigen Status entsprechend bezeichnet sie Muhammad ibn Saʿd (†845), der Verfasser der „Klassenbücher“, als „junge Menschen“, bzw. als „ (sozial) schwache Menschen“ mustad'afun / مستضعفون / mustaḍʿafūn.

Die mekkanischen Anhänger Mohammeds sind gegenüber den Ansar bevorzugt behandelt worden; die Verteilung der Beute nach der Vertreibung der Banū n-Nadīr und der Vernichtung der Banu Quraiza erfolgte nur unter „den armen Auswanderern“ (siehe Sure 59, Vers 8) Die Verteilung der Dotationen unter dem zweiten Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb erfolgte „nach dem Vorrang im Islam und nicht nach der edlen Abkunft“, d. h. nach dem frühen oder späteren Bekenntnis zum Islam zur Zeit Mohammeds.

Eine weitere Gruppe von Auswanderern stellen diejenigen Muslime dar, die aus Mekka nach Abessinien ausgewandert sind und sich erst später der muslimischen Gemeinschaft in Medina angeschlossen haben.

Auch die Mitglieder der arabischen Stämme, die sich Mohammed in Medina angeschlossen und somit die „Huldigung (zum Zwecke) der Auswanderung“ بيعة الهجرة / baiʿatu ʾl-hiǧra vollzogen haben, verstand man schon zur Zeit Mohammeds als Auswanderer – im Gegensatz zu denjenigen Mitgliedern arabischer Stämme, die lediglich die „nomadische, beduinische Huldigung“ البيعة العربية / al-baiʿatu ʾl-ʿarabiya geleistet haben. Sie hatten keinen Anspruch darauf, Auswanderer genannt zu werden und kommen in den Schriften der islamischen Geschichtsschreibung in diesem Sinne auch nicht vor. Der Bruch mit Medina nach geleisteter „Huldigung (zum Zwecke) der Auswanderung“ galt allerdings als „Abfall (Irtidad) von der Auswanderung“. Die „beduinische Huldigung“ dagegen war mit einer Übersiedlung nach Medina nicht verbunden.

Die Auswanderung nach Medina diente zur sozialen Festigung der Position Mohammeds und galt somit als eine gesellschaftspolitisch notwendige Maßnahme, die auch in Form der Offenbarung im Koran zum Ausdruck kommt. In Sure 3, Vers 195 heißt es:

Darum werde ich denen, die um meinetwillen ausgewandert und aus ihren Häusern vertrieben worden sind und Ungemach erlitten haben, und die gekämpft haben und (dabei) getötet worden sind, ihre schlechten Taten tilgen…

Nach dem Sieg über Mekka verlor die Auswanderung nach Medina selbstverständlich an Bedeutung; an ihre Stelle trat der Dschihad, der bewaffnete Kampf gegen die Ungläubigen.

Als Muhadschir bezeichneten die frühen Charidschiten diejenigen, die als Anhänger der Bewegung sich ihrem Lager (mu'askar) angeschlossen haben. Nach ihrer Auffassung galt nicht mehr Medina, sondern das Militärlager der Bewegung als „Haus der Auswanderung“. dar al-hidschra / دار الهجرة / dāru ʾl-hiǧra Diese Ideologie aus dem späten 7. Jahrhundert ist in der Zusammenfassung: „Die dogmatischen Lehren der Anhänger des Islam und die kontroversen Lehren der Gläubigen“ von Abu l-Hasan al-Asch'ari († 935) erhalten.

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  • W. Montgomery Watt: Muhammad at Medina. Oxford University Press 1956.
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  • Rudi Paret: Der Koran. Kommentar und Konkordanz. Kohlhammer, Stuttgart 1980.
  • Gerd-Rüdiger Puin: Der Dīwān von ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb. Ein Beitrag zur frühislamischen Verwaltungsgeschichte. Bonn 1970.
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Muhādschirūn
muhādschirūn, sprache, beobachten, bearbeiten, arabisch, مهاجرون, muhāǧirūn, auswanderer, singular, muhadschir, partizip, aktiv, abgeleitet, verb, hādschara, هاجر, hāǧara, auswandern, sich, eigenen, stamm, fernhalten, werden, diejenigen, mekkanischen, muslime,. Muhadschirun Sprache Beobachten Bearbeiten Muhadschirun arabisch مهاجرون DMG Muhaǧirun Auswanderer Singular Muhadschir als Partizip Aktiv abgeleitet aus dem Verb hadschara هاجر haǧara auswandern sich vom eigenen Stamm fernhalten werden diejenigen mekkanischen Muslime genannt die im fruhen Islam entweder vor Mohammed oder mit ihm aus Mekka nach Medina damals Yathrib genannt ausgewandert sind Dieses historisch wichtige Ereignis nennt man entsprechend Hidschra Ubertragene Verwendung des Begriffs fur Muslime im Ausland auf dem linken Plakat bei einer Demonstration fur die Einfuhrung der Scharia in Grossbritannien al Muhadschirun die Stimme die Augen die Ohren der Moslems al Muhajiroun the voice the eyes the ears of the Muslims Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 Weitere Bedeutungen 3 Literatur 4 Siehe auch 5 EinzelnachweiseGeschichte BearbeitenDer Koran und die sog Gemeindeordnung von Medina 1 die Mohammed mit den medinensischen Ansar einigen judischen Stammen und den Mekkanern abgeschlossen hat sind die altesten historischen Quellen in denen die mekkanischen Auswanderer genannt werden In Sure 8 Vers 72 heisst es Diejenigen die glauben und ausgewandert sind und mit ihrem Vermogen und in eigener Person um Gottes willen Krieg gefuhrt haben und diejenigen die ihnen Aufnahme gewahrt haben und Beistand geleistet haben die sind untereinander Freunde Zu denen aber die glauben und nicht ausgewandert sind steht ihr in keinem Freundschaftsverhaltnis solange sie nicht ebenfalls ausgewandert sind dd dd In Sure 9 100 ist von den ersten Auswanderern die Rede Diejenigen die den anderen im Glauben zuvorgekommen sind und somit die Ersten geworden sind namlich die Auswanderer aus Mekka und die Helfer aus Medina 2 dd dd Die Koranexegese identifiziert diese Ersten unter den Auswanderern المهاجرون الأولون al muhaǧirun al awwalun von Mekka nach Medina mit denjenigen Anhangern Mohammeds die an dessen fruhesten Aktivitaten bis zum Jahre 627 teilgenommen haben oder noch fruher vor Januar 624 als Mohammed die Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka Kaaba verlegt hatte bereits Muslime gewesen sind 3 Mit den Helfern aus Medina sind die Ansar gemeint In den Biographien der Prophetengefahrten bei Ibn Hadschar al Asqalani Ibn ʿAbd al Barr u a werden die ersten Muslime von Mekka die unter dem sozialen Druck der heidnischen Mekkaner im Haus von al Arqam ibn Abi l Arqam Schutz erhalten haben mit den ersten Muslimen gleichgesetzt und mit dem koranischen Begriff as sabiqun السابقون as sabiqun bezeichnet 4 Ihrem sozial niedrigen Status entsprechend bezeichnet sie Muhammad ibn Saʿd 845 der Verfasser der Klassenbucher als junge Menschen bzw als sozial schwache Menschen mustad afun مستضعفون mustaḍʿafun 5 Die mekkanischen Anhanger Mohammeds sind gegenuber den Ansar bevorzugt behandelt worden die Verteilung der Beute nach der Vertreibung der Banu n Nadir und der Vernichtung der Banu Quraiza erfolgte nur unter den armen Auswanderern siehe Sure 59 Vers 8 6 Die Verteilung der Dotationen unter dem zweiten Kalifen ʿUmar ibn al Chattab erfolgte nach dem Vorrang im Islam und nicht nach der edlen Abkunft d h nach dem fruhen oder spateren Bekenntnis zum Islam zur Zeit Mohammeds 7 Eine weitere Gruppe von Auswanderern stellen diejenigen Muslime dar die aus Mekka nach Abessinien ausgewandert sind und sich erst spater der muslimischen Gemeinschaft in Medina angeschlossen haben 8 Auch die Mitglieder der arabischen Stamme die sich Mohammed in Medina angeschlossen und somit die Huldigung zum Zwecke der Auswanderung بيعة الهجرة baiʿatu ʾl hiǧra vollzogen haben verstand man schon zur Zeit Mohammeds als Auswanderer im Gegensatz zu denjenigen Mitgliedern arabischer Stamme die lediglich die nomadische beduinische Huldigung البيعة العربية al baiʿatu ʾl ʿarabiya geleistet haben 9 Sie hatten keinen Anspruch darauf Auswanderer genannt zu werden und kommen in den Schriften der islamischen Geschichtsschreibung in diesem Sinne auch nicht vor Der Bruch mit Medina nach geleisteter Huldigung zum Zwecke der Auswanderung galt allerdings als Abfall Irtidad von der Auswanderung Die beduinische Huldigung dagegen war mit einer Ubersiedlung nach Medina nicht verbunden 10 Die Auswanderung nach Medina diente zur sozialen Festigung der Position Mohammeds und galt somit als eine gesellschaftspolitisch notwendige Massnahme die auch in Form der Offenbarung im Koran zum Ausdruck kommt In Sure 3 Vers 195 heisst es Darum werde ich denen die um meinetwillen ausgewandert und aus ihren Hausern vertrieben worden sind und Ungemach erlitten haben und die gekampft haben und dabei getotet worden sind ihre schlechten Taten tilgen dd dd Nach dem Sieg uber Mekka verlor die Auswanderung nach Medina selbstverstandlich an Bedeutung an ihre Stelle trat der Dschihad der bewaffnete Kampf gegen die Unglaubigen 11 Weitere Bedeutungen BearbeitenAls Muhadschir bezeichneten die fruhen Charidschiten diejenigen die als Anhanger der Bewegung sich ihrem Lager mu askar angeschlossen haben Nach ihrer Auffassung galt nicht mehr Medina sondern das Militarlager der Bewegung als Haus der Auswanderung dar al hidschra دار الهجرة daru ʾl hiǧra 12 Diese Ideologie aus dem spaten 7 Jahrhundert ist in der Zusammenfassung Die dogmatischen Lehren der Anhanger des Islam und die kontroversen Lehren der Glaubigen von Abu l Hasan al Asch ari 935 erhalten Literatur BearbeitenW Montgomery Watt Muhammad at Mecca Oxford University Press 1953 W Montgomery Watt Muhammad at Medina Oxford University Press 1956 M Muranyi Die Prophetengenossen in der fruhislamischen Geschichte Bonn 1973 M Muranyi The First Muslims in Mecca a Social Basis for a New Religion In Uri Rubin ed The Life of Muhammad Ashagte Variorum Aldeshot 1998 S 95 104 ISBN 0 86078 703 6 Rudi Paret Der Koran Kommentar und Konkordanz Kohlhammer Stuttgart 1980 Gerd Rudiger Puin Der Diwan von ʿUmar ibn al Ḫaṭṭab Ein Beitrag zur fruhislamischen Verwaltungsgeschichte Bonn 1970 Marco Scholler Sira and Tafsir In Harald Motzki ed The Biography of Muhammad The Issue of the Sources Brill Leiden 2000 S 18 ff ISBN 90 04 11513 7 A J Wensinck und J H Kramers Handworterbuch des Islam Brill Leiden 1941 S 518 519 The Encyclopaedia of Islam New Edition Brill Leiden Bd 7 S 356 Siehe auch BearbeitenAnsar MuhadschirEinzelnachweise Bearbeiten Watt 1956 S 221 227 R B Serjeant The Sunna Jamiʿah Pacts with the Yathrib Jews and the Taḥrim of Yathrib Analysis and Translation of the Documents Comprised in the So Called Constitution of Medina In Bulletin of the School of Oriental and African Studies BSOAS 41 1978 S 1 42 Paret 1980 S 211 Muranyi 1973 S 40 41 Paret 1980 S 211 Muranyi 1973 S 32 40 Watt 1953 S 88 und 96 Marco Scholler 2000 S 34 35 Puin 1970 S 94 ff und 105 106 Watt 1953 S 101 ff Muranyi 1973 S 42 43 Watt in The Encyclopaedia of Islam New Edition Brill Leiden Bd 7 S 356 M J Kister Land Property and Jihad In Journal of the Economic and Social History of the Orient JESHO 34 1992 S 279 280 Handworterbuch des Islam S 519 The Encyklopaedie of Islam New Edition Bd 3 S 366 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