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Latein

Latein gehört zum italischen Hauptzweig der indogermanischen Sprachen, von dem sich außerhalb des Lateinischen nennenswerte Spuren nur noch in Gestalt des Oskischen und des Umbrischen erhalten haben. Der Wortschatz legt eine Nähe des Italischen zu den keltischen Sprachen nahe, es ist jedoch nicht gesichert, ob dies eine nähere genetische Verwandtschaft bedeutet oder einen vorgeschichtlichen Sprachkontakt.

Latein ist, wie Altgriechisch, Sanskrit und andere alte indogermanische Sprachen eine typische flektierende Sprache mit synthetischem Sprachbau.

Obgleich die Quellen zu dieser Thematik spärlich sind, ist davon auszugehen, dass das Lateinische ebenso wie andere Sprachen in Regiolekte (geographische Gliederung) und Soziolekte (Gliederung nach sozialen Schichten) gegliedert war. Dieser Umstand wird von der Altphilologie, die sich hauptsächlich mit der Sprache der sogenannten Goldenen und Silbernen Latinität beschäftigt, meist gar nicht oder nur am Rande wahrgenommen. Für eine reiche regiolektale Gliederung des Lateinischen spricht etwa der Umstand der Ausdifferenzierung in die einzelnen romanischen Sprachen (neben dem Einfluss von Substratsprachen) sowie die reiche dialektale Gliederung innerhalb der einzelnen romanischen Sprachen mit teilweise wechselseitig nur schwer verständlichen Dialekten.

Das römische Reich in seiner größten Ausdehnung beim Tod Kaiser Trajans 117 n. Chr.

Im Hinblick auf die soziale Ausdifferenzierung des Lateinischen ist insbesondere der Gegensatz zwischen der gesprochenen Sprache (der „unteren“ Schichten) einerseits und der uns in den klassischen Texten überlieferten Schriftsprache andererseits hervorzuheben. Letztere dürfte in dieser oder einer ganz ähnlichen Form auch die Umgangssprache der gebildeten Stände gewesen sein. Diese „Hochsprache“ hat sich etwa seit dem dritten vorchristlichen Jahrhundert herausgebildet und wurde im letzten vorchristlichen Jahrhundert von Männern wie Marcus Tullius Cicero in ihre endgültige Form gebracht („Schulbuchlatein“). Es ist davon auszugehen, dass bereits zu Ciceros Zeit die Hochsprache ganz erheblich vom „Latein der Straße“ abwich. Da die gebildeten Stände im alten Rom kein Interesse an der Umgangssprache der unteren Schichten hatten, sind die diesbezüglich überlieferten Informationen sehr spärlich. Eine wichtige Quelle stellen insoweit beispielsweise die durch den Vulkanausbruch von Pompeji im Jahr 79 erhaltenen Graffiti dar, in welchen sich (je nach Bildungsgrad der Schreiber) teilweise eine Sprachform manifestiert, die in vielem bereits Züge der romanischen Sprachen vorwegnimmt (z. B. Kasussynkretismus im Akkusativ mit Verlust des auslautenden -m). Das von Gebildeten wie Cicero, Caesar usw. geschriebene (und gesprochene?) Latein ist daher insgesamt eher als Kunstsprache anzusehen. Dies gilt allerdings mehr oder minder für alle Schrift- bzw. Hochsprachen.

Im Folgenden wird, soweit nichts anders gesagt ist, nur auf den Lautstand und die Grammatik der klassischen lateinischen Sprache eingegangen.

Hauptartikel: Lateinisches Alphabet

Ebenso wie viele andere Kulturgüter wurde das lateinische Alphabet aus Griechenland entlehnt, und zwar über das altitalische Alphabet der Etrusker. In klassischer Zeit bestand das lateinische Alphabet aus den folgenden 23 Zeichen:

A B C D E F G H I K L M N O P Q R S T V X Y Z

Minuskeln waren in klassischer Zeit unbekannt, d. h., es wurde nur mit den hier angeführten Majuskeln geschrieben. I und V standen gleichzeitig für die Vokale i, u und die Konsonanten j, v. Das Wort iuventus (Jugend) wurde folglich IVVENTVS geschrieben. Die Buchstaben K, Y und Z wurden hauptsächlich in griechischen Fremdwörtern bzw. Eigennamen verwendet.

Geschrieben wurde, neben Steininschriften, auf Holz- und Wachstafeln (tabula cerata), Pergament oder Papyrus. Für den Schreibvorgang auf den Wachstafeln dienten Griffel (stilus). Auf Papyrus wurde mit schwarzer und roter Tinte geschrieben. Die schwarze Tinte bestand aus Ruß und einer Lösung von Gummi arabicum, die rote Tinte wurde auf Ocker-Basis (Rötel) hergestellt. Als Schreibgerät diente ein Pinsel aus Binsen, in griechisch-römischer Zeit ein Schreibrohr, griechisch κάλαμος (kálamos), lateinisch calamus. Schriftwerke größeren Umfangs wurden in klassischer Zeit auf Schriftrollen und Kodizes niedergeschrieben und durch Abschreiben vervielfältigt.

Die erste bekannte stenografische Schrift wurde von Marcus Tullius Ciceros Haussklaven und Privatsekretär Marcus Tullius Tiro erfunden.

Siehe auch: Tironische Noten
Hauptartikel: Lateinische Aussprache

Der Lautbestand des Lateinischen ist relativ überschaubar und auf „gängige“ Konsonanten und Vokale beschränkt, wie sie so oder so ähnlich in sehr vielen Sprachen vorkommen. Die historisch „korrekte“ Aussprache (soweit rekonstruierbar) bereitet deutschen Muttersprachlern keine größeren Probleme. Von den romanischen Sprachen hat das Italienische den Lautbestand des Lateinischen am besten bewahrt.

Konsonanten

Die folgende Tabelle zeigt den Konsonantenbestand des Lateinischen:

Labial Dental Palatal Velar Glottal
einfach labiovelar
Plosiv stimmhaft /b/ /d/ /ɡ/
stimmlos /p/ /t/ /k/ /kʷ/
Frikativ
stimmlos /f/ /s/ /h/
Nasal /m/ /n/
Vibrant /r/
Approximant /l/ /j/ /w/

Die stimmhaften Plosive b, d und g wurden wohl wie im Deutschen ausgesprochen. Die stimmlosen Varianten waren anders als im Deutschen nicht aspiriert (behaucht). Eine Palatalisierung des​[⁠k⁠]​ (Buchstabe ⟨C⟩) vor hellen Vokalen fand wohl erst in nachklassischer Zeit statt, wobei nicht auszuschließen ist, dass in bestimmten Regio- oder Soziolekten bereits vor der Zeitenwende eine Palatalisierung anzutreffen war. Der ⟨qu⟩ geschriebene plosive Labiovelar ​[⁠⁠]​ ähnelt dem deutschen ⟨qu⟩, allerdings ist der Bestandteil ⟨u⟩ bilabial, nicht wie im Deutschen labiodental. Das ⟨R⟩ war das Zungenspitzen-r, das wie heute noch im Italienischen gerollt wurde. Das ⟨L⟩ wurde je nach Position entweder wie der deutsche Laut ​[⁠l⁠]​ oder wie auslautendes englisches ​[⁠ɫ⁠]​ artikuliert. Anlautendes h dürfte bereits in klassischer Zeit bestenfalls noch von den Angehörigen gebildeter Stände artikuliert worden sein. Auslautendes m dürfte ebenfalls bereits in klassischer Zeit nur noch schwach artikuliert worden sein, möglicherweise bei gleichzeitiger Nasalierung des vorangehenden Vokals. Der als ⟨V⟩ geschriebene Laut ist ein bilabiales ​[⁠w⁠]​ wie im Englischen.

Vokale und Diphthonge

Das Lateinische kennt, hierin vielen anderen Sprachen ähnlich, die fünf Vokale a, i, u, e und o. Alle fünf Vokale können kurz oder lang sein. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die genaue Aussprache:

An Diphthongen kennt das Lateinische au, ai (geschrieben als ae), oi (geschrieben als oe) sowie die selteneren ei, ui und eu.

Anders als im Deutschen wurde vor anlautendem Vokal wohl kein Glottisverschluss artikuliert.

Silbenstruktur

Das Lateinische kennt offene (vokalischer Auslaut) und geschlossene (konsonantischer Auslaut) Silben. Im Anlaut sind maximal drei Konsonanten (K) erlaubt, wobei bei drei Konsonanten der dritte ein Resonant (R) sein muss, wie dies auch im Deutschen der Fall ist. Im Silbenauslaut sind maximal zwei Konsonanten erlaubt, von denen ebenfalls einer ein Resonant sein muss. Der silbentragende Vokal (V) kann von einem Halbvokal (H) gefolgt werden (Diphthong). Als Silbenträger kommen nur Vokale in Betracht, nicht jedoch Resonanten oder gar Konsonanten (wie etwa in dem tschechischen Wort vlk ‚Wolf‘ oder der deutschen Interjektion pst!). Damit ergibt sich folgende Silbenstruktur: (K)(K)(R)V(H)(R)(K).

Beispiele:

  • KV: ‚du‘
  • VK: os ‚Knochen‘
  • KVK: sūs ‚Sau‘
  • KKV(K): spē Ablativ Sg. ~ spēs Nom. Sg. ‚Hoffnung‘
  • -VRK: amant ‚sie lieben‘
  • KKRV-: strīga ‚Hexe‘

Die Silbenstruktur des Lateinischen ist damit deutlich weniger komplex als jene des Deutschen, so dass im Lateinischen (auch wegen des geringen Lautbestands) wesentlich weniger „erlaubte“ Silben existieren als im Deutschen. Das Italienische hat die Silbenstruktur des Lateinischen noch recht gut bewahrt.

Akzent

Der Wortakzent liegt im klassischen Latein bei mehrsilbigen Wörtern meist auf der vorletzten oder drittletzten Silbe. Die Entscheidung, welche Silbe bei mehrsilbigen Wörtern zu betonen ist, hängt allein von der vorletzten Silbe ab (Pänultimaregel).

Bis heute ungeklärt und Gegenstand der Diskussion ist die Frage, welcher Natur der lateinische Akzent war. Manche Wissenschaftler gehen von einem dynamischen Akzent bzw. Druckakzent wie etwa im Deutschen aus, bei dem die betonte Silbe lauter artikuliert wird. Für diese Theorie sprechen die vielen Vokalschwächungen in lateinischen Wörtern, die für unbetonte Silben in Sprachen mit Druckakzent typisch sind, z. B. facere (tun) und das hiervon abgeleitete deficere (abnehmen, verlassen, sterben) mit der Schwächung des Stammvokals von a zu i. Auch dass alle romanischen Sprachen einen dynamischen Akzent aufweisen, spricht für diese Theorie.

Andere Wissenschaftler nehmen für das Lateinische einen musikalischen bzw. melodischen Akzent an, bei dem statt der Lautstärke die Tonhöhe des Vokals verändert wird. Ein starkes Argument für diese Theorie ist darin zu sehen, dass die von den Römern aus Griechenland „importierte“ quantitierende Metrik für Sprachen mit dynamischem Akzent unbrauchbar ist und folglich einen melodischen Akzent voraussetzt.

Hauptartikel: Lateinische Grammatik

Morphologie

Verben

Hauptartikel: Lateinische Konjugation

Lateinische Verben können nach folgenden Kategorien konjugiert werden:

Das Lateinische unterscheidet vier Konjugationsklassen:

  • 1. Konjugation oder ā-Konjugation
  • 2. Konjugation oder ē-Konjugation
  • 3. Konjugation, bestehend aus der konsonantischen Konjugation und der gemischten Konjugation (ĭ-Konjugation)
  • 4. Konjugation oder ī-Konjugation

Jedes regelmäßige Verb wird einer dieser vier Klassen zugeordnet.

Lateinische Verben werden in allen Aktivformen sowie im Präsens, Imperfekt und Futur Passiv (also den Formen des Präsensstamms) synthetisch, d. h. ohne Hilfsverben und nur mittels grammatischer Bildungsmorpheme, gebildet. Nur im Passiv des Perfekts, Plusquamperfekts und Perfekts Futur erfolgt wie im Deutschen eine analytische Bildung mittels des Partizips Perfekt und des Hilfsverbs esse (sein). Hier zeigt sich also abweichend vom allgemeinen synthetischen Charakter des Lateinischen (s. u.) eine analytische Tendenz. Anders als im Deutschen wird niemals das Hilfsverb „haben“ (habere) verwendet.

Lateinische Verben bestehen aus einem Verbstamm (Präsens- oder Perfektstamm), gegebenenfalls versehen mit einem Verbalpräfix, einem Tempus- und Moduszeichen, das Zeitform und Modus anzeigt und das an den stammauslautenden Vokal antritt oder diesen ersetzt, sowie – außer im Infinitiv – einer Personalendung, die gleichzeitig Person, Numerus und Diathese anzeigt.

Die folgende Tabelle zeigt den Aufbau lateinischer Verben anhand einiger ausgewählter Formen des Verbs amare („lieben“).

Bedeutung Stamm Tempus-/Moduszeichen Person, Numerus, Diathese
Präsens-
stamm
1. Person Singular Präsens Indikativ Aktiv ich liebe ama- -o (-a- + -o zu o)
2. Person Singular Präsens Konjunktiv Aktiv du mögest lieben am(a)- -e- -s
2. Person Plural Imperfekt Konjunktiv Aktiv ihr liebtet ama- -re- -tis
1. Person Plural Futur Indikativ Passiv wir werden geliebt werden ama- -bi- -mur
Perfekt-
stamm
1. Person Singular Perfekt Indikativ Aktiv ich habe geliebt / ich liebte amav- -i
2. Person Singular Perfekt Konjunktiv Aktiv du habest geliebt amav- -eri- -s
3. Person Plural Plusquamperfekt Indikativ Aktiv sie hatten geliebt amav- -era- -nt

Aus der Tabelle ist zu ersehen, dass die mittlere Position zwischen Stamm und Personalendung vom Tempus- und Modusmorphem eingenommen wird, während die letzte Position jeweils dem Suffix vorbehalten ist, das gleichzeitig Person, Anzahl und Diathese anzeigt. Im Präsens und Perfekt Indikativ ist das Tempuszeichen ein Nullmorphem (die Position ist also nicht besetzt). Bei einigen Futur- und Konjunktivformen wird der Stammvokal je nach Deklinationsklasse durch einen anderen Vokal ersetzt.

Substantive

Am Substantiv werden die folgenden grammatischen Kategorien unterschieden:

  • Genus (grammatisches Geschlecht): Maskulinum, Femininum, Neutrum
  • Numerus (Anzahl): Singular, Plural
  • Kasus (Fall): Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Ablativ, Lokativ

Die Funktionen der ersten vier oben genannten Kasus entsprechen grob den Funktionen, welche diese auch im Deutschen aufweisen: der Nominativ ist der Fall des grammatischen Subjekts, der Genitiv zeigt Besitzverhältnisse und Ähnliches an, der Dativ ist der Fall des indirekten und der Akkusativ der Fall des direkten Objekts.

Im lateinischen Ablativ sind durch Kasussynkretismus mehrere ältere Kasus zusammengefallen: Ablativ, Instrumental, Lokativ. Entsprechend vielfältig sind die Funktionen, die der Ablativ im Lateinischen erfüllt. Der ursprüngliche Ablativ bezeichnet eine Bewegung im Raum oder in der Zeit weg von dem entsprechenden Substantiv, z. B.: a Roma („von Rom [weg]“), ab urbe condita („seit der Gründung der Stadt [Rom]“). Der Ablativ als Instrumental bezeichnet den Gebrauch eines Gegenstands, z. B.: gladio pugnare („mit dem Schwert kämpfen“). Der Ablativ als Lokativ bezeichnet einen Ort im Raum oder in der Zeit, z. B.: eo loco („an diesem Ort“), eo tempore („zu dieser Zeit“).

Der Vokativ, der sich heute beispielsweise auch noch in der tschechischen Sprache findet, ist der Anredefall. Dieser wird (unter anderem) im Singular der zweiten Deklination (O-Deklination) vom Nominativ unterschieden und wird in „modernen“ Schulgrammatiken in der Regel nicht bzw. nur für die zweite Deklination separat aufgeführt. Im Singular der zweiten Deklination wird der Stammauslaut u (bzw. in einer älteren Sprachstufe: o) durch ein e ersetzt. Der berühmte angebliche letzte Satz Gaius Iulius Caesars, „Auch du mein Sohn, Brutus“, lautet auf Latein: et tu, mi fili Brute, wobei sowohl „Brutus“ als auch „meus filius“ im Vokativ stehen.

Der reine Lokativ ist nur noch rudimentär erhalten und wird ebenso wie der Vokativ in Schulgrammatiken in der Regel nicht separat aufgeführt. Neben zu Adverbien erstarrten alten Lokativen wie domi (zu Hause), humi (auf dem Boden) tritt der Lokativ noch bei Ortsnamen zutage, z. B.: Romae (in Rom).

Das Lateinische kennt fünf Deklinationsklassen:

Deklination 1. Deklination 2. Deklination 3. Deklination 4. Deklination 5. Deklination
Stamm a-Deklination o-Deklination Konsonantische
Deklination
Mischdeklination i-Deklination u-Deklination e-Deklination
Beispiel domina, -ae f.
die Herrin
dominus, -i m.
der Herr
ager, -i m.
der Acker
templum, -i n.
der Tempel
corpus, -oris n.
der Körper
navis, -is f.
das Schiff
turris, -is f.
der Turm
portus, -us m.
der Hafen
res, rei f.
die Sache
Singular
Nominativ domina dominus ager templum corpus navis turris portus res
Genitiv dominae domini agri templi corporis navis turris portus rei
Dativ dominae domino agro templo corpori navi turri portui rei
Akkusativ dominam dominum agrum templum corpus navem turrim portum rem
Vokativ domina domine ager templum corpus navis turris portus res
Ablativ domina domino agro templo corpore nave turri portu re
Lokativ Romae Corinthi ruri (auf dem Lande) mari (zu Meer) domi (zu Hause)
Plural
Nominativ dominae domini agri templa corpora naves turres portus res
Genitiv dominarum dominorum agrorum templorum corporum navium turrium portuum rerum
Dativ dominis dominis agris templis corporibus navibus turribus portibus rebus
Akkusativ dominas dominos agros templa corpora naves turris portus res
Vokativ dominae domini agri templa corpora naves turres portus res
Ablativ dominis dominis agris templis corporibus navibus turribus portibus rebus
Lokativ Athenis Pompeiis

Adjektive

Ebenso wie die Substantive zählen auch die Adjektive im Lateinischen zu den deklinierbaren Wörtern. Ein großer Teil der Adjektive wird nach der ersten und zweiten Deklination gebeugt, wie sie weiter oben bereits für Substantive vorgestellt wurde:

  • bonus, bona, bonum (gut)
  • sacer, sacra, sacrum (heilig)
  • miser, misera, miserum (elend)

Die obliquen Kasus entsprechen ebenfalls den weiter oben gezeigten Formen der ersten und zweiten Deklination.

Daneben kennt das Lateinische auch viele Adjektive der dritten Deklination. Diese werden in der Regel wie I-Stämme gebeugt, wobei sie meist ein -em statt, wie bei den entsprechenden Substantiven, ein -im im Akkusativ Singular zeigen.

  • atrox (alle Genera) (grausam)
  • agilis (m./f.), agile (n.) (beweglich, schnell)
  • celer (m.), celeris (f.), celere (n.) (schnell)

Adjektive der vierten und fünften Deklination existieren nicht.

Ebenso wie im Deutschen werden der Komparativ und der Superlativ durch Suffigierung gebildet. Das Komparativ-Suffix lautet für Maskulina und Feminina -ior und für Neutra -ius, das Superlativ-Suffix lautet -issimus, -a, -um (m./f./n.). Bei Adjektiven mit dem Stammauslaut -r erfolgt eine Assimilation des Suffixes zu -rimus.

  • benignus, benignior/benignius, benignissimus (freundlich, freundlicher, am freundlichsten)
  • pulcher, pulchrior/pluchrius, pulcherrimus (schön, schöner, am schönsten)

Ebenso wie im Deutschen weisen einige Adjektive unregelmäßige Steigerungsformen auf, z. B.:

  • bonus, melior/melius, optimus (gut, besser, am besten)
  • malus, peior/peius, pessimus (schlecht, schlechter, am schlechtesten)
  • magnus, maior/maius, maximus (groß, größer, am größten)

Pronomina

Pronomina sind deklinierbare Wörter (Nomina), die „an Stelle von Nomina“ (pro nomine) stehen. Das Lateinische unterscheidet folgende Arten von Pronomina: Personalpronomen, Possessivpronomen, Reflexivpronomen, Relativpronomen, Demonstrativpronomen, Interrogativpronomen, Indefinitpronomen.

Zahlwörter

Hauptartikel: Lateinische Zahlwörter

Die folgende Tabelle zeigt die Grundzahlwörter von 1 bis 20 und dann in Zehnern und Hundertern bis 1.000. Die Zahlen 1 bis 3, die Hunderter (außer centum) sowie der Plural des Wortes (mille) für 1.000 sind deklinierbar.

1 I unus, -a, -um 11 XI undecim 21 XXI unus et viginti 101 CI centum et unus
2 II duo, -ae, -o 12 XII duodecim 22 XXII duo et viginti 200 CC ducenti, -ae, -a
3 III tres, tres, tria 13 XIII tredecim 30 XXX triginta 300 CCC trecenti, -ae, -a
4 IV quattuor 14 XIV quattuordecim 40 XL quadraginta 400 CD quadringenti, -ae, -a
5 V quinque 15 XV quindecim 50 L quinquaginta 500 D quingenti, -ae, -a
6 VI sex 16 XVI sedecim 60 LX sexaginta 600 DC sescenti, -ae, -a
7 VII septem 17 XVII septendecim 70 LXX septuaginta 700 DCC septingenti, -ae, -a
8 VIII octo 18 XVIII duodeviginti 80 LXXX octaginta 800 DCCC octingenti, -ae, -a
9 IX novem 19 XIX undeviginti 90 XC nonaginta 900 CM nongenti, -ae, -a
10 X decem 20 XX viginti 100 C centum 1000 M mille
  • Ordnungszahlwörter (Ordinalia; erster, zweiter …): primus, secundus, tertius, quartus, quintus, sextus, septimus, octavus, nonus, decimus …
  • Wiederholungszahlwörter (Iterativa; einmal, zweimal …): semel, bis, ter, quater, quinqie(n)s, sexie(n)s, septie(n)s, octie(n)s, nonie(n)s, decie(n)s …

Die Wiederholungszahlwörter sind als Adverbien nicht flektierbar.

Syntax

Der Satzbau des Lateinischen ist in vieler Hinsicht frei, da man die einzelnen Satzglieder häufig anhand ihrer Endungen eindeutig zuordnen kann. Besonders in Dichtung und Literatur werden die wenigen, kaum verbindlichen Regeln eher bedeutungslos. Wie in den meisten romanischen Sprachen kann ein Personalpronomen als Subjekt weggelassen werden (B.: venimus ‚wir kommen‘, dagegen nos venimuswir kommen‘ (betont)). Ebenso entfallen häufig „sagte / sprach“ usw. vor der wörtlichen Rede (bspw.: tum ille: cras veniam ‚dann [sagte] jener: „morgen komme ich“‘).

An erster Stelle im Satz stehen gewöhnlich betonte Satzteile (Subjekt, Objekt oder Adverb), Fragepronomen (z. B. quis, quid, quando…), Imperative und die Fragepartikeln num ‚etwa?‘ und nonne ‚etwa nicht?‘. Verben stehen häufig am Satzende (z. B. ego te absolvo ‚ich spreche dich los‘).

Adjektive, Partizipien, Possessivpronomen und Genitivattribute stehen gewöhnlich hinter dem zugehörigen Substantiv, z. B. Carolus Magnus ‚Karl der Große‘, homo sapiens ‚der weise Mensch‘, domus mea ‚mein Haus‘.

Inschrift auf dem Lapis Niger, einer der ältesten überlieferten lateinischen Texte (6. bis 5. Jahrhundert v. Chr.)

Antike

Latein hat seinen Namen von den Latinern, einem Volk im antiken Latium (heute ein zentraler Bestandteil der italienischen Region Lazio), zu dessen Zentrum sich seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. Rom entwickelte. Die früheste Form des Lateinischen, das Frühlatein, ist nur in einigen Inschriften wie demLapis Niger oder der DUENOS-Inschrift aus dem 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr. greifbar. Aus ihm entwickelte sich durch Rhotazismus, Vokalschwächungen und andere Veränderungen in Phonologie und Morphologie bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. das Altlatein, für das mit den Komödien des Plautus und des Terenz (3./2. Jahrhundert v. Chr.) ein großes Textkorpus vorliegt.

Büste Ciceros, des Vollenders des klassischen Lateins (Kapitolinische Museen, Rom)

Für das 1. Jahrhundert v. Chr. und die Zeitenwende spricht man dann vom klassischen Latein. Es unterscheidet sich vom Altlatein hauptsächlich durch Assimilationen und einige orthographische Änderungen. Mit dem Aufblühen der römischen Literatur in dieser Zeit konnte es sich zunehmend auch in Literatur und Wissenschaft gegenüber dem (Alt-)Griechischen behaupten. Die Autoren der sogenannten Goldenen Latinität, insbesondere Marcus Tullius Cicero und Vergil, wurden für die weitere Entwicklung der Sprache maßgeblich.

Weil die Literatur dieser Zeit als mustergültig und nicht weiter verbesserungsfähig betrachtet wurde, veränderte sich die lateinische Literatursprache fortan seitdem nur noch im Vokabular, nicht aber im Formenbestand oder der Syntax. Das Latein von Autoren des 1./2. Jahrhunderts n. Chr. wie Seneca und Tacitus, die man zur Silbernen Latinität zählt, oder von spätantiken Autoren wie Augustinus von Hippo und Boethius (Spätlatein), unterscheidet sich deshalb nicht grundsätzlich vom Latein der klassischen Zeit, wohl aber zunehmend von der gesprochenen Sprache des einfachen Volkes, dem sogenannten Vulgärlatein, das sich kontinuierlich weiterentwickelte, bis daraus im frühen Mittelalter die romanischen Sprachen entstanden. In der Syntax wurde zum Beispiel der Accusativus cum infinitivo in der Spätantike zunehmend ungebräuchlich, er wurde aber weiterhin als korrekt angesehen und verschwand daher nicht. Der Altphilologe Wilfried Stroh vertritt daher die These, Latein sei bereits um die Zeitenwende insofern zu einer „toten“ Sprache geworden, als es sich danach nicht mehr entscheidend verändert habe und gerade deshalb im Mittelalter und der Frühen Neuzeit zum internationalen Kommunikationsmittel werden konnte.

Im Zuge der römischen Expansion setzte sich Latein als dominierende Verkehrssprache im gesamten Römischen Reich durch, und durch die Romanisierung vor allem der westlichen Reichsgebiete wurde es zudem auch jenseits von Latium – namentlich im übrigen Italien, in Gallien sowie in den Provinzen Hispania, Dacia und Africa – zur Muttersprache der ansässigen Bevölkerung.

Gerade in der Spätantike drangen auch mehrere lateinische Wörter in den Wortschatz des Griechischen, der Verkehrssprache Ostroms, ein. Im östlichen Mittelmeerraum hingegen war Latein zwar die Sprache in Militär und Verwaltung, es konnte das Griechische als lingua franca allerdings niemals verdrängen.

Mittelalter

Frontispiz der Carmina Burana mit einer Darstellung des Rads der Fortuna (ca. 1230)
Hauptartikel: Mittellatein

Während der Spätantike und der Völkerwanderung verfiel schrittweise der lateinische Grammatikunterricht und damit der Gebrauch der lateinischen Schriftsprache. Ein Großteil der lateinischen Literatur der Antike ging zwischen 550 und 750 verloren, neue literarische Texte in dieser Sprache entstanden seit dem späten 6. Jahrhundert kaum mehr. Der letzte römische Kaiser, dessen Muttersprache Latein war, war Justinian (527 bis 565), und als letzter bedeutender lateinischer Poet des Altertums gilt sein Zeitgenosse Gorippus (um 550). Auch Gregor der Große predigte um 600 noch in klassischem Latein. In der Folgezeit aber vergrößerte sich im Bereich des einstigen weströmischen Reiches die Kluft zwischen der Umgangssprache und Hochlatein so erheblich, dass sich schließlich aus den lokalen Dialekten eigene Volkssprachen entwickelten. Als „Geburtsurkunde“ dieser romanischen Sprachen gilt dabei das Konzil von Tours im Jahr 813, auf dem beschlossen wurde, fortan Predigten in volkstümlicher Sprache zuzulassen, da die Gläubigen kein Latein mehr verstünden. In Ostrom, wo man in Verwaltung und Armee noch im 6. Jahrhundert Latein gesprochen hatte, war Latein im frühen 7. Jahrhundert gänzlich außer Gebrauch geraten und durch das Griechische ersetzt worden.

Unter Karl dem Großen und seinem Berater Alkuin erlebte Latein jedoch eine Renaissance. In einer Anweisung aus dem Jahr 789 wurden alle Klöster und Bischofssitze des Reiches angewiesen, Schulen zu unterhalten, in denen Latein unterrichtet werden sollte. Bald entstanden auch wieder neue literarische Werke in Latein wie etwa Einhards Karlsbiografie Vita Karoli Magni, die sich sprachlich und inhaltlich an antiken Vorbildern, insbesondere Sueton, orientiert. Weitere lateinische Autoren aus dem Mittelalter sind zum Beispiel Balderich von Bourgueil oder Hrotsvitha von Gandersheim.

Als „tote“ Sprache veränderte sich Latein auch im Mittelalter nicht wesentlich. Allerdings vergrößerte sich das Vokabular weiterhin, und es bürgerten sich Vereinfachungen im Bereich der Grammatik ein wie zum Beispiel der durch quod eingeleitete Objektsatz anstelle des klassischen (und parallel dazu weiter gebräuchlichen) Accusativus cum infinitivo. Die Quantitäten der lateinischen Silben wurden oft nicht mehr beachtet, so dass Dichtungen in der heute üblichen Akzentuierung entstanden, wie zum Beispiel viele Lieder aus der Sammlung der Carmina Burana. Auch die Phonetik änderte sich, beeinflusst von den romanischen Volkssprachen: So wurde seit dem späten 6. Jahrhundert das ⟨c⟩ (klassisch /k/) vor Vordervokalen wie /e/ und /i/ als Affrikate gesprochen (die es vorher im Lateinischen nicht gab), gleichzeitig bürgerte sich die Aussprache von ⟨ti⟩ /tj/ als /tsj/ ein, wie sie heute noch in deutschen Fremdwörtern üblich ist, z. B. ‚Reaktion‘. Die Diphthonge /ae/ und /oe/ sprach man bereits in der Spätantike zunehmend als /ɛː/ bzw. /eː/ und schrieb sie dementsprechend.

Latein als Sprache der Gebildeten erreichte im Mittelalter auch in vielen Gebieten Europas Bedeutung, die außerhalb des einstigen Römischen Reiches lagen, also nie lateinischsprachig gewesen waren. Hier hielt es mit der Christianisierung Einzug, denn es war die Sprache der Kirche, der Heiligen Messe und des theologischen Diskurses. An den seit dem 13. Jahrhundert aufkommenden Universitäten West-, Nord- und Mitteleuropas war Latein die Verkehrs- und Wissenschaftssprache schlechthin. So schrieb der bedeutendste Autor des Hochmittelalters, Thomas von Aquin, Latein, das allerdings, da es für die Scholastik typisch war, von den späteren Humanisten als steif und trocken empfunden wurde.

Neuzeit

Frühdrucke nach Sprachen: Latein dominierte das gedruckte Wort im 15. Jahrhundert.
Grundlegend für die Nomenklatur in der Zoologie: Systema naturæ, Ausgabe von 1758

Eine Erneuerung der lateinischen Sprache war denn auch das erste Ziel des Renaissance-Humanismus, der in Italien mit Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio begann. Auch nördlich der Alpen wurde bald wieder Cicero als Vorbild im Gebrauch des Lateinischen nachgeahmt. Vor allem Erasmus von Rotterdam reichte mit seinem eleganten Latein an das antike Vorbild heran. Die Entdeckung der Neuen Welt machte Christoph Kolumbus durch den lateinischen Brief De insulis nuper inventis in ganz Europa bekannt. Reformation und Gegenreformation förderten das Lateinische. Luthers Freund Philipp Melanchthon verfasste Lehrbücher und Lehrpläne für die neu errichteten protestantischen Gymnasien, deren wichtigstes Ziel eine aktive Beherrschung des Lateinischen war. Gleiches galt für die Schulen der Jesuiten, die mit ihren lateinischen Schultheatern auch das einfache Volk begeisterten. Ein Jesuit gilt auch als größter unter den deutschen Barockdichtern, Jacob Balde (1604–1668). Hugo Grotius legte mit seinem 1625 erschienenen Hauptwerk De jure belli ac pacis die Grundlagen des Völkerrechts. Generationen von Kindern lernten seit 1658 Latein mit dem Orbis sensualium pictus, dem berühmten deutsch-lateinischen Bilderbuch des großen Pädagogen Johann Amos Comenius.

Mit dem Erstarken der Nationalsprachen seit dem 17. Jahrhundert verlor Latein mehr und mehr an Boden. In Deutschland erschienen im Jahre 1681 zum ersten Mal mehr Bücher auf Deutsch als in Latein. Lateinische Belletristik wie der 1741 erschienene Roman Nikolai Klimii iter subterraneum des Dänen Ludvig Holberg war nunmehr die Ausnahme. Weiterhin wichtig blieb Latein aber als internationales Verständigungsmittel in den Wissenschaften: Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Galileo Galilei veröffentlichten ihre bahnbrechenden astronomischen Erkenntnisse in lateinischer Sprache, auch die Philosophiae Naturalis Principia Mathematica von Isaac Newton erschien 1687 auf Latein.

Carl Friedrich Gauß schrieb im Jahr 1798 mit nur 21 Jahren seine Disquisitiones Arithmeticae (lateinisch für Zahlentheoretische Untersuchungen), die am 29. September 1801 in Leipzig veröffentlicht wurden. Sie sind als Lehrbuch der Zahlentheorie bis heute gültig und von Bedeutung.

Der Philosoph René Descartes ist mit seinem Satz Cogito ergo sum aus seinen 1644 erschienenen principia philosophiae berühmt geworden, und Arthur Schopenhauer verfasste noch 1830 seine Theoria colorum physiologica auf Latein. Die von dem Schweden Carl von Linné in seinem Systema Naturae 1735 entwickelte Methode, Lebewesen lateinisch zu klassifizieren, ist bis heute in Gebrauch.

Seit der preußischen Bildungsreform durch Wilhelm von Humboldt spielt Latein an den humanistischen Gymnasien eine zentrale Rolle. Die alten Sprachen sollen nach Humboldt dem Ziel einer allgemeinen Menschenbildung dienen. Erst unter Wilhelm II. wurden an den deutschen Gymnasien der lateinische Abituraufsatz und die mündliche Prüfung in Latein abgeschafft. Carl Orffs Carmina Burana wurden in den 1930er Jahren zum Welterfolg. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Lateinunterricht an deutschen Schulen ebenso ein gewisses Aufblühen wie in den neuen Bundesländern nach dem Zusammenbruch der DDR.

Schule und Universität

Hauptartikel: Lateinunterricht

Latein wird im deutschsprachigen Raum vor allem an Gymnasien und Gesamtschulen gelehrt. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten in Österreich und Deutschland lernt heute Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. Vor allem am humanistischen Gymnasium wird Latein als erste Fremdsprache angeboten. In der Schweiz kann Latein bereits in der obligatorischen Sekundarstufe I als Freifach gelernt werden.

Trotz kritischer Diskussion der Vorzüge und Nachteile des Lateinunterrichts an Schulen steigt seit etwa zehn Jahren die Zahl der Schüler, die sich für Latein als Fremdsprache entscheiden, in Deutschland merklich an. Die Gründe dafür sind unklar. Das gute Abschneiden humanistischer Gymnasien bei nationalen und internationalen Bildungstests, eine deutliche Modernisierung des Lateinunterrichts und der entsprechenden Lehrwerke oder das allgemein große Interesse für die Antike werden als Gründe genannt.

An zahlreichen Universitäten kann Latein studiert werden. Die Latinistik gehört neben der Gräzistik zum Fachbereich Klassische Philologie. In zunehmendem Maße werden an den Universitäten Lehrstühle mit dem Schwerpunkt Latein im Mittelalter und Latein in der Neuzeit eingerichtet. Mancherorts werden auch Vorlesungen oder andere Veranstaltungen in lateinischer Sprache abgehalten. Für einige andere Studiengänge werden das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Die Regelungen sind hier jedoch von Universität zu Universität verschieden.

Studentisches Umfeld

Latein als „universitäre“ Sprache hatte zu früheren Zeiten auch einen erheblichen Einfluss auf die Burschensprache, was sich heute noch im Sprachgebrauch der Studentenverbindungen widerspiegelt. Allerdings werden hierbei in der Regel nur einzelne Begriffe verwendet. Ausnahmen finden sich nur in einzelnen Veranstaltungen, die bewusst in lateinischer Sprache abgehalten werden. So findet etwa seit 1998 bei der AMV Waltharia Frankfurt im Sondershäuser Verband in jedem Semester eine so genannte „Lateinkneipe“ statt, bei der Latein die einzig zugelassene Sprache ist und sich dieses nicht nur auf die Studentenlieder beschränkt, sondern auch auf alle Wortbeiträge. Aus dem allgemeinen studentischen Umfeld ist Latein als Sprache gänzlich verschwunden.

Rundfunk, Fernsehen und Internet

Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) veröffentlichte bis Juni 2019 die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version oder als Podcast, ebenso (bis Dezember 2017) Radio Bremen. Seit April 2004 sendet auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Latein. Radio F.R.E.I. aus Erfurt hat seit Juli 2015 eine wöchentliche Lateinsendung im Programm namens Erfordia Latina. Am 23. August 2008 brachte der Fernsehsender 3sat eine Folge der Kulturzeit in lateinischer Sprache. Im Internet sind nicht nur zahlreiche lateinische Texte und entsprechende Sekundärliteratur verfügbar. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium oder e-latein chat kommunizieren Teilnehmer aus verschiedenen Ländern lateinisch, und im Oktober 2009 wurde sogar eine lateinische Version von Facebook veröffentlicht.

Die lateinisch singende Mittelalter-Band Corvus Corax

Musik

Besonders häufig taucht Latein in der klassischen geistlichen Musik auf, vor allem im katholischen Kontext, da die hier vertonten Texte (etwa liturgischer und biblischer Art) bis Mitte des 20. Jahrhunderts ganz überwiegend in lateinischer Sprache vorlagen. Die Melodien des gregorianischen Gesangs sind fast ausschließlich mit kirchenlateinischen Texten versehen.

Abgesehen von lateinischen Fassungen bekannter Popsongs entstehen auch neue Songs unmittelbar in Latein, etwa O Caritas von Cat Stevens oder Cursum Perficio von Roma Ryan, gesungen von Enya.

Die englische Folk-Rock-Band Steeleye Span kam mit Gaudete, einem Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert, im Dezember 1973 in die Top Twenty der britischen Charts.

Die Gruppe „Ista“ bietet lateinischen Hip-Hop und von Rosenstolz gibt es den Titel Amo vitam. Erfolgreich ist derzeit die Gruppe Corvus Corax. In der klassischen beziehungsweise neoklassizistischen Musik der Gegenwart findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der belgische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie beispielsweise von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein, u. a. von Catull. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Oedipus Rex von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Zur Melodie der Europahymne gibt es einen lateinischen Text von Peter Roland (Est Europa nunc unita).

Übersetzungen

Immer wieder werden Bücher ins Lateinische übersetzt. Nikolaus Groß etwa hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der „Fundatio Melissa“, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des Weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry-Potter-Bücher von Joanne K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Latein, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III oder Der kleine Prinz (Regulus) von Antoine de Saint-Exupéry. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Karl-Heinz von Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Die österreichische Tageszeitung Kurier bringt seit 1994 jeden Mittwoch von Wolfram Kautzky verfasste kuriose Meldungen aus aller Welt (Nuntii Latini) in lateinischer Sprache. Im Auftrag der finnischen Regierung übersetzte Tuomo Pekkanen 1986 das Nationalepos Kalevala ins Lateinische.

Katholische Kirche

Hauptartikel: Kirchenlatein

Latein ist die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Kodex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones und decretales) und Enzykliken. In der Öffentlichkeit wird das Kirchenlatein insbesondere beim österlichen Segen des Papstes Urbi et orbi (für die Stadt und den Erdkreis) und in der nach dem Konklave durch den Kardinalprotodiakon verkündeten Formel Habemus papam (Wir haben einen Papst) wahrgenommen. Bis zur Liturgiereform 1970 unter Paul VI. war Latein die offizielle Sprache der Heiligen Messe und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Papst Benedikt XVI. bevorzugte bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Im März 2007 empfahl er in dem Schreiben Sacramentum caritatis ausdrücklich die Anwendung des Lateinischen in Gottesdiensten. Auch seinen Rücktritt kündigte er am 11. Februar 2013 in lateinischer Sprache an.

Für die Pflege und Weiterentwicklung der lateinischen Sprache rief Papst Paul VI. 1976 die Stiftung Latinitas ins Leben, welche sich darum bemüht, ein dem neuzeitlichen Sprachgebrauch angemessenes Latein zu erstellen. Hierzu veröffentlicht sie neben einer Zeitschrift das Lexicon recentis Latinitatis, das Lexikon des Neulateins, welches in seiner letzten Überarbeitung 2004 mit 15.000 neuen Begriffen erschien, darunter etwa das lateinische Wort für „Computer“ instrumentum computatorium.

Eine lateinische Bedienungsanleitung für einen Geldautomaten im Vatikan
Zweisprachige Beschriftung an der „Wallsend Tyne and Wear Metro station“

Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe überwiegend lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt. Auch in der Pharmazie ist Latein üblich, deutsche Apotheker und Ärzte verwenden als Rezeptsprache Latein, vor allem in Abkürzungen. So existiert für jeden Arzneistoff neben dem internationalen IUPAC-Namen auch ein lateinischer Name, ebenso wird für jede Arzneipflanze neben dem deutschen auch ein lateinischer Name geführt, oftmals auch vermischt mit Bezeichnungen griechischen Ursprungs. In der Astronomie hat die Internationale Astronomische Union (IAU) die gesamte Himmelssphäre in 88 Sternbilder unterteilt, die alle einen offiziellen lateinischen Namen zusammen mit einem dreibuchstabigen Kürzel tragen. Einzelne Sterne innerhalb eines Sternbilds werden mit griechischen oder lateinischen Buchstaben oder Zahlen bezeichnet, gefolgt vom lateinischen Genitiv des Sternbildnamens. Auch die Nomenklatur der geologischen Formationen auf anderen Himmelskörpern ist gemäß IAU in der Regel lateinisch. Im Spätsommer 2012 setzte sich die NASA auf dem Mars erstmals darüber hinweg, indem sie in ihren Veröffentlichungen Aeolis Mons durchgängig als Mount Sharp bezeichnete.

Das folgende Sprachbeispiel ist der Schrift Commentarii de Bello Gallico von Gaius Iulius Caesar entnommen (1. Buch, 1. Abschnitt).

Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur. (2) Hi omnes lingua, institutis, legibus inter se differunt. (3) Gallos ab Aquitanis Garumna flumen, a Belgis Matrona et Sequana dividit. (4) Horum omnium fortissimi sunt Belgae, propterea quod a cultu atque humanitate provinciae longissime absunt, minimeque ad eos mercatores saepe commeant atque ea quae ad effeminandos animos pertinent important, proximique sunt Germanis, qui trans Rhenum incolunt, quibuscum continenter bellum gerunt. (5) Qua de causa Helvetii quoque reliquos Gallos virtute praecedunt, quod fere cotidianis proeliis cum Germanis contendunt, cum aut suis finibus eos prohibent aut ipsi in eorum finibus bellum gerunt. (6) Eorum una pars, quam Gallos obtinere dictum est, initium capit a flumine Rhodano, continetur Garumna flumine, Oceano, finibus Belgarum, attingit etiam ab Sequanis et Helvetiis flumen Rhenum, vergit ad septentriones. (7) Belgae ab extremis Galliae finibus oriuntur, pertinent ad inferiorem partem fluminis Rheni, spectant in septentrionem et orientem solem. (8) Aquitania a Garumna flumine ad Pyrenaeos montes et eam partem Oceani quae est ad Hispaniam pertinet; spectat inter occasum solis et septentriones.

„Gallien als Ganzes zerfällt in drei Teile, deren ersten die Belger, deren zweiten die Aquitanier und deren dritten ein Volksstamm, der in der eigenen Sprache Kelten, in unserer Sprache Gallier heißt, bewohnen. (2) Diese alle sind in Sprache, Gewohnheiten und Gesetzen untereinander verschieden. (3) Die Gallier trennt der Fluss Garonne von den Aquitaniern, die Marne und die Seine von den Belgern. (4) Die tapfersten unter allen sind die Belger, weil sie von der (feinen) Lebensweise und Bildung der (römischen) Provinz (Gallien) am entferntesten sind und in keiner häufigen Berührung mit fremden Kaufleuten stehen, die ihnen also auch keine Gegenstände zuführen, die geeignet sind, eine Verweiblichung des Gemüts zu bewirken, und weil sie den Germanen, die jenseits des Rheins wohnen, am nächsten sind, mit denen sie unaufhörlich Krieg führen. (5) Aus dem gleichen Grund übertreffen auch die Helvetier die übrigen Gallier an Tapferkeit, denn sie liegen fast täglich mit den Germanen im Kampf, wehren dieselben entweder vom eigenen Gebiet ab, oder führen auf deren Boden selbst Krieg. (6) Jener eine Teil (Galliens), den wie gesagt die Kelten innehaben, fängt am Fluss Rhône an, wird von der Garonne, dem Ozean und dem Gebiet der Belger begrenzt und reicht auf der Seite der Sequaner und Helvetier bis an den Rheinstrom: die ganze Richtung aber ist gegen Norden. (7) An der äußersten Grenze der Gallier beginnt das Land der Belger, das sich bis in die unteren Gegenden des Rheins erstreckt und gegen Norden und Osten liegt. (8) Aquitanien erstreckt sich von der Garonne bis zu den Pyrenäen aus und zu dem Teil des Ozeans, der zu Spanien gehört; es liegt gegen Westen und Norden.“

Portal: Latein – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Latein
Egidio Forcellinis lateinisches Wörterbuch im Lesesaal der Universitätsbibliothek Graz
Wiktionary: Latein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks: Latein – Lern- und Lehrmaterialien
  • bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Wörterbücher
Wikisource: Lateinische Wörterbücher – Quellen und Volltexte
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  • (Latein.cc)
  • (frag-caesar.de)
  • In: . Philipp Niederau, abgerufen am 20. Februar 2020 (interaktives Latein-Wörterbuch mit allen Flexionsformen, einigen Redewendungen, etymologischen Bezügen zu einigen modernen Sprachen, sowie Vorkommen bei den wichtigsten Autoren).
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  • (auxilium)
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Edukation, Lehre
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  • : „Fundgrube“ rund um das Thema Latein
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  2. Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache. List Taschenbuch, Berlin 2007, S. 103 f.
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  10. Nina Weber: In: Spiegel Online. 11. August 2012, abgerufen am 10. Dezember 2014.
Epochen des Lateins
bis 240 v. Chr.
Frühlatein
240–75 v. Chr.
Altlatein
75 v. Chr. – 1. Jh.
Klassisches Latein
2./3.–6. Jh.
Spätlatein
6.–15. Jh.
Mittellatein
15.–17. Jh.
Humanistisches Latein
15. Jh. bis heute
Neulatein
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Latein
latein, indogermanische, sprache, sprache, beobachten, bearbeiten, isch, eine, weiterleitung, diesen, artikel, weitere, bedeutungen, sind, unter, isch, begriffsklärung, aufgeführt, lateinische, sprache, lateinisch, lingua, latina, kurz, eine, indogermanische, . Latein indogermanische Sprache Sprache Beobachten Bearbeiten Lateinisch ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel Weitere Bedeutungen sind unter Lateinisch Begriffsklarung aufgefuhrt Die lateinische Sprache lateinisch lingua Latina kurz Latein ist eine indogermanische Sprache die ursprunglich von den Latinern den Bewohnern von Latium mit Rom als Zentrum gesprochen wurde Die fruhesten Zeugnisse reichen bis ins 5 oder 6 vorchristliche Jahrhundert zuruck Fruhlatein ab dem 3 vorchristlichen Jahrhundert liegen langere Texte vor Altlatein ihre volle Ausformung in der Gestalt des heute vor allem bekannten und gelehrten klassischen Lateins erreichte die Schrift Sprache im ersten vorchristlichen Jahrhundert Latein lingua Latina Sprecher Nur noch als ZweitspracheLinguistische Klassifikation Indogermanische Sprachen Italische Sprachen Latino Faliskische SprachenLatein dd dd Offizieller StatusAmtssprache in Vatikanstadt Vatikanstadt und Heiliger StuhlSprachcodesISO 639 1 laISO 639 2 latISO 639 3 lat Latein war Amtssprache des Romischen Reichs und wurde so zur dominierenden Verkehrssprache im westlichen Mittelmeerraum Wahrend sich aus der gesprochenen Umgangssprache dem sogenannten Vulgarlatein im Fruhmittelalter die romanischen Sprachen entwickelten blieb das Latein der romischen Schriftsteller auch als tote Sprache bis in die Neuzeit die fuhrende Sprache der Literatur Wissenschaft Politik und Kirche Gelehrte wie Thomas von Aquin Petrarca Erasmus Kopernikus Descartes oder Newton haben Werke auf Latein verfasst Bis ins 19 Jahrhundert wurden die Vorlesungen an den Universitaten in ganz Europa auf Latein gehalten Dissertationen wurden teils bis ins fruhe 20 Jahrhundert meist auf Latein verfasst In Polen Ungarn und im Heiligen Romischen Reich war Latein bis dahin Amtssprache In Tausenden von Lehn und Fremdwortern sowie Redewendungen ist Latein heute auch in nichtromanischen Sprachen wie Deutsch oder Englisch prasent Bei der Bildung neuer Fachbegriffe wird immer wieder auf Latein zuruckgegriffen Wegen seiner enormen Bedeutung fur die sprachliche und kulturelle Entwicklung Europas wird Latein vor allem in Deutschland 1 Osterreich und der Schweiz an vielen Schulen und Universitaten gelehrt Fur manche Studiengange sind Lateinkenntnisse oder das Latinum erforderlich Ahnlich stellt sich die Situation im Vereinigten Konigreich dar wo Latein bereits in der Primarstufe unterrichtet wird Inhaltsverzeichnis 1 Sprachwissenschaftliche Einordnung 2 Regiolekte und Soziolekte 3 Schrift 4 Lautstand und Akzent 4 1 Konsonanten 4 2 Vokale und Diphthonge 4 3 Silbenstruktur 4 4 Akzent 5 Grammatik 5 1 Morphologie 5 1 1 Verben 5 1 2 Substantive 5 1 3 Adjektive 5 1 4 Pronomina 5 1 5 Zahlworter 5 2 Syntax 6 Sprachgeschichte 6 1 Antike 6 2 Mittelalter 6 3 Neuzeit 7 Latein in der Gegenwart 7 1 Schule und Universitat 7 2 Studentisches Umfeld 7 3 Rundfunk Fernsehen und Internet 7 4 Musik 7 5 Ubersetzungen 7 6 Katholische Kirche 7 7 Wissenschaften 8 Sprachbeispiel 9 Siehe auch 10 Referenzlisten 11 Literatur 12 Weblinks 13 EinzelnachweiseSprachwissenschaftliche EinordnungLatein gehort zum italischen Hauptzweig der indogermanischen Sprachen von dem sich ausserhalb des Lateinischen nennenswerte Spuren nur noch in Gestalt des Oskischen und des Umbrischen erhalten haben Der Wortschatz legt eine Nahe des Italischen zu den keltischen Sprachen nahe es ist jedoch nicht gesichert ob dies eine nahere genetische Verwandtschaft bedeutet oder einen vorgeschichtlichen Sprachkontakt Latein ist wie Altgriechisch Sanskrit und andere alte indogermanische Sprachen eine typische flektierende Sprache mit synthetischem Sprachbau Regiolekte und SoziolekteObgleich die Quellen zu dieser Thematik sparlich sind ist davon auszugehen dass das Lateinische ebenso wie andere Sprachen in Regiolekte geographische Gliederung und Soziolekte Gliederung nach sozialen Schichten gegliedert war Dieser Umstand wird von der Altphilologie die sich hauptsachlich mit der Sprache der sogenannten Goldenen und Silbernen Latinitat beschaftigt meist gar nicht oder nur am Rande wahrgenommen Fur eine reiche regiolektale Gliederung des Lateinischen spricht etwa der Umstand der Ausdifferenzierung in die einzelnen romanischen Sprachen neben dem Einfluss von Substratsprachen sowie die reiche dialektale Gliederung innerhalb der einzelnen romanischen Sprachen mit teilweise wechselseitig nur schwer verstandlichen Dialekten Das romische Reich in seiner grossten Ausdehnung beim Tod Kaiser Trajans 117 n Chr Im Hinblick auf die soziale Ausdifferenzierung des Lateinischen ist insbesondere der Gegensatz zwischen der gesprochenen Sprache der unteren Schichten einerseits und der uns in den klassischen Texten uberlieferten Schriftsprache andererseits hervorzuheben Letztere durfte in dieser oder einer ganz ahnlichen Form auch die Umgangssprache der gebildeten Stande gewesen sein Diese Hochsprache hat sich etwa seit dem dritten vorchristlichen Jahrhundert herausgebildet und wurde im letzten vorchristlichen Jahrhundert von Mannern wie Marcus Tullius Cicero in ihre endgultige Form gebracht Schulbuchlatein Es ist davon auszugehen dass bereits zu Ciceros Zeit die Hochsprache ganz erheblich vom Latein der Strasse abwich Da die gebildeten Stande im alten Rom kein Interesse an der Umgangssprache der unteren Schichten hatten sind die diesbezuglich uberlieferten Informationen sehr sparlich Eine wichtige Quelle stellen insoweit beispielsweise die durch den Vulkanausbruch von Pompeji im Jahr 79 erhaltenen Graffiti dar in welchen sich je nach Bildungsgrad der Schreiber teilweise eine Sprachform manifestiert die in vielem bereits Zuge der romanischen Sprachen vorwegnimmt z B Kasussynkretismus im Akkusativ mit Verlust des auslautenden m Das von Gebildeten wie Cicero Caesar usw geschriebene und gesprochene Latein ist daher insgesamt eher als Kunstsprache anzusehen Dies gilt allerdings mehr oder minder fur alle Schrift bzw Hochsprachen Im Folgenden wird soweit nichts anders gesagt ist nur auf den Lautstand und die Grammatik der klassischen lateinischen Sprache eingegangen Schrift Hauptartikel Lateinisches Alphabet Ebenso wie viele andere Kulturguter wurde das lateinische Alphabet aus Griechenland entlehnt und zwar uber das altitalische Alphabet der Etrusker In klassischer Zeit bestand das lateinische Alphabet aus den folgenden 23 Zeichen A B C D E F G H I K L M N O P Q R S T V X Y Z Minuskeln waren in klassischer Zeit unbekannt d h es wurde nur mit den hier angefuhrten Majuskeln geschrieben I und V standen gleichzeitig fur die Vokale i u und die Konsonanten j v Das Wort iuventus Jugend wurde folglich IVVENTVS geschrieben Die Buchstaben K Y und Z wurden hauptsachlich in griechischen Fremdwortern bzw Eigennamen verwendet Geschrieben wurde neben Steininschriften auf Holz und Wachstafeln tabula cerata Pergament oder Papyrus Fur den Schreibvorgang auf den Wachstafeln dienten Griffel stilus Auf Papyrus wurde mit schwarzer und roter Tinte geschrieben Die schwarze Tinte bestand aus Russ und einer Losung von Gummi arabicum die rote Tinte wurde auf Ocker Basis Rotel hergestellt Als Schreibgerat diente ein Pinsel aus Binsen in griechisch romischer Zeit ein Schreibrohr griechisch kalamos kalamos lateinisch calamus Schriftwerke grosseren Umfangs wurden in klassischer Zeit auf Schriftrollen und Kodizes niedergeschrieben und durch Abschreiben vervielfaltigt Siehe auch Saepe stilum vertas Die erste bekannte stenografische Schrift wurde von Marcus Tullius Ciceros Haussklaven und Privatsekretar Marcus Tullius Tiro erfunden Siehe auch Tironische NotenLautstand und Akzent Hauptartikel Lateinische Aussprache Der Lautbestand des Lateinischen ist relativ uberschaubar und auf gangige Konsonanten und Vokale beschrankt wie sie so oder so ahnlich in sehr vielen Sprachen vorkommen Die historisch korrekte Aussprache soweit rekonstruierbar bereitet deutschen Muttersprachlern keine grosseren Probleme Von den romanischen Sprachen hat das Italienische den Lautbestand des Lateinischen am besten bewahrt Konsonanten Die folgende Tabelle zeigt den Konsonantenbestand des Lateinischen Labial Dental Palatal Velar Glottaleinfach labiovelarPlosiv stimmhaft b d ɡ stimmlos p t k kʷ Frikativstimmlos f s h Nasal m n Vibrant r Approximant l j w Die stimmhaften Plosive b d und g wurden wohl wie im Deutschen ausgesprochen Die stimmlosen Varianten waren anders als im Deutschen nicht aspiriert behaucht Eine Palatalisierung des k Buchstabe C vor hellen Vokalen fand wohl erst in nachklassischer Zeit statt wobei nicht auszuschliessen ist dass in bestimmten Regio oder Soziolekten bereits vor der Zeitenwende eine Palatalisierung anzutreffen war Der qu geschriebene plosive Labiovelar kʷ ahnelt dem deutschen qu allerdings ist der Bestandteil u bilabial nicht wie im Deutschen labiodental Das R war das Zungenspitzen r das wie heute noch im Italienischen gerollt wurde Das L wurde je nach Position entweder wie der deutsche Laut l oder wie auslautendes englisches ɫ artikuliert Anlautendes h durfte bereits in klassischer Zeit bestenfalls noch von den Angehorigen gebildeter Stande artikuliert worden sein Auslautendes m durfte ebenfalls bereits in klassischer Zeit nur noch schwach artikuliert worden sein moglicherweise bei gleichzeitiger Nasalierung des vorangehenden Vokals Der als V geschriebene Laut ist ein bilabiales w wie im Englischen Vokale und Diphthonge Das Lateinische kennt hierin vielen anderen Sprachen ahnlich die funf Vokale a i u e und o Alle funf Vokale konnen kurz oder lang sein Die folgende Tabelle gibt einen Uberblick uber die genaue Aussprache vorne zentral hintenlang kurz lang kurz lang kurzgeschlossen iː ɪ uː ʊ halbgeschlossen eː ɛ oː ɔ offen aː a An Diphthongen kennt das Lateinische au ai geschrieben als ae oi geschrieben als oe sowie die selteneren ei ui und eu Anders als im Deutschen wurde vor anlautendem Vokal wohl kein Glottisverschluss artikuliert Silbenstruktur Das Lateinische kennt offene vokalischer Auslaut und geschlossene konsonantischer Auslaut Silben Im Anlaut sind maximal drei Konsonanten K erlaubt wobei bei drei Konsonanten der dritte ein Resonant R sein muss wie dies auch im Deutschen der Fall ist Im Silbenauslaut sind maximal zwei Konsonanten erlaubt von denen ebenfalls einer ein Resonant sein muss Der silbentragende Vokal V kann von einem Halbvokal H gefolgt werden Diphthong Als Silbentrager kommen nur Vokale in Betracht nicht jedoch Resonanten oder gar Konsonanten wie etwa in dem tschechischen Wort vlk Wolf oder der deutschen Interjektion pst Damit ergibt sich folgende Silbenstruktur K K R V H R K Beispiele KV tu du VK os Knochen KVK sus Sau KKV K spe Ablativ Sg spes Nom Sg Hoffnung VRK amant sie lieben KKRV striga Hexe Die Silbenstruktur des Lateinischen ist damit deutlich weniger komplex als jene des Deutschen so dass im Lateinischen auch wegen des geringen Lautbestands wesentlich weniger erlaubte Silben existieren als im Deutschen Das Italienische hat die Silbenstruktur des Lateinischen noch recht gut bewahrt Akzent Der Wortakzent liegt im klassischen Latein bei mehrsilbigen Wortern meist auf der vorletzten oder drittletzten Silbe Die Entscheidung welche Silbe bei mehrsilbigen Wortern zu betonen ist hangt allein von der vorletzten Silbe ab Panultimaregel Bis heute ungeklart und Gegenstand der Diskussion ist die Frage welcher Natur der lateinische Akzent war Manche Wissenschaftler gehen von einem dynamischen Akzent bzw Druckakzent wie etwa im Deutschen aus bei dem die betonte Silbe lauter artikuliert wird Fur diese Theorie sprechen die vielen Vokalschwachungen in lateinischen Wortern die fur unbetonte Silben in Sprachen mit Druckakzent typisch sind z B facere tun und das hiervon abgeleitete deficere abnehmen verlassen sterben mit der Schwachung des Stammvokals von a zu i Auch dass alle romanischen Sprachen einen dynamischen Akzent aufweisen spricht fur diese Theorie Andere Wissenschaftler nehmen fur das Lateinische einen musikalischen bzw melodischen Akzent an bei dem statt der Lautstarke die Tonhohe des Vokals verandert wird Ein starkes Argument fur diese Theorie ist darin zu sehen dass die von den Romern aus Griechenland importierte quantitierende Metrik fur Sprachen mit dynamischem Akzent unbrauchbar ist und folglich einen melodischen Akzent voraussetzt Grammatik Hauptartikel Lateinische Grammatik Morphologie Verben Hauptartikel Lateinische Konjugation Lateinische Verben konnen nach folgenden Kategorien konjugiert werden Person erste zweite und dritte Person Numerus Anzahl Singular und Plural Diathese Aktiv und Passiv Tempus Prasens Imperfekt Perfekt Plusquamperfekt Futur I Futur II Futurperfekt Perfektfutur Modus Indikativ Konjunktiv Imperativ Das Lateinische unterscheidet vier Konjugationsklassen 1 Konjugation oder a Konjugation 2 Konjugation oder e Konjugation 3 Konjugation bestehend aus der konsonantischen Konjugation und der gemischten Konjugation ĭ Konjugation 4 Konjugation oder i Konjugation Jedes regelmassige Verb wird einer dieser vier Klassen zugeordnet Lateinische Verben werden in allen Aktivformen sowie im Prasens Imperfekt und Futur Passiv also den Formen des Prasensstamms synthetisch d h ohne Hilfsverben und nur mittels grammatischer Bildungsmorpheme gebildet Nur im Passiv des Perfekts Plusquamperfekts und Perfekts Futur erfolgt wie im Deutschen eine analytische Bildung mittels des Partizips Perfekt und des Hilfsverbs esse sein Hier zeigt sich also abweichend vom allgemeinen synthetischen Charakter des Lateinischen s u eine analytische Tendenz Anders als im Deutschen wird niemals das Hilfsverb haben habere verwendet Lateinische Verben bestehen aus einem Verbstamm Prasens oder Perfektstamm gegebenenfalls versehen mit einem Verbalprafix einem Tempus und Moduszeichen das Zeitform und Modus anzeigt und das an den stammauslautenden Vokal antritt oder diesen ersetzt sowie ausser im Infinitiv einer Personalendung die gleichzeitig Person Numerus und Diathese anzeigt Die folgende Tabelle zeigt den Aufbau lateinischer Verben anhand einiger ausgewahlter Formen des Verbs amare lieben Bedeutung Stamm Tempus Moduszeichen Person Numerus DiathesePrasens stamm 1 Person Singular Prasens Indikativ Aktiv ich liebe ama o a o zu o 2 Person Singular Prasens Konjunktiv Aktiv du mogest lieben am a e s2 Person Plural Imperfekt Konjunktiv Aktiv ihr liebtet ama re tis1 Person Plural Futur Indikativ Passiv wir werden geliebt werden ama bi murPerfekt stamm 1 Person Singular Perfekt Indikativ Aktiv ich habe geliebt ich liebte amav i2 Person Singular Perfekt Konjunktiv Aktiv du habest geliebt amav eri s3 Person Plural Plusquamperfekt Indikativ Aktiv sie hatten geliebt amav era nt Aus der Tabelle ist zu ersehen dass die mittlere Position zwischen Stamm und Personalendung vom Tempus und Modusmorphem eingenommen wird wahrend die letzte Position jeweils dem Suffix vorbehalten ist das gleichzeitig Person Anzahl und Diathese anzeigt Im Prasens und Perfekt Indikativ ist das Tempuszeichen ein Nullmorphem die Position ist also nicht besetzt Bei einigen Futur und Konjunktivformen wird der Stammvokal je nach Deklinationsklasse durch einen anderen Vokal ersetzt Substantive Am Substantiv werden die folgenden grammatischen Kategorien unterschieden Genus grammatisches Geschlecht Maskulinum Femininum Neutrum Numerus Anzahl Singular Plural Kasus Fall Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ Vokativ Ablativ Lokativ Die Funktionen der ersten vier oben genannten Kasus entsprechen grob den Funktionen welche diese auch im Deutschen aufweisen der Nominativ ist der Fall des grammatischen Subjekts der Genitiv zeigt Besitzverhaltnisse und Ahnliches an der Dativ ist der Fall des indirekten und der Akkusativ der Fall des direkten Objekts Im lateinischen Ablativ sind durch Kasussynkretismus mehrere altere Kasus zusammengefallen Ablativ Instrumental Lokativ Entsprechend vielfaltig sind die Funktionen die der Ablativ im Lateinischen erfullt Der ursprungliche Ablativ bezeichnet eine Bewegung im Raum oder in der Zeit weg von dem entsprechenden Substantiv z B a Roma von Rom weg ab urbe condita seit der Grundung der Stadt Rom Der Ablativ als Instrumental bezeichnet den Gebrauch eines Gegenstands z B gladio pugnare mit dem Schwert kampfen Der Ablativ als Lokativ bezeichnet einen Ort im Raum oder in der Zeit z B eo loco an diesem Ort eo tempore zu dieser Zeit Der Vokativ der sich heute beispielsweise auch noch in der tschechischen Sprache findet ist der Anredefall Dieser wird unter anderem im Singular der zweiten Deklination O Deklination vom Nominativ unterschieden und wird in modernen Schulgrammatiken in der Regel nicht bzw nur fur die zweite Deklination separat aufgefuhrt Im Singular der zweiten Deklination wird der Stammauslaut u bzw in einer alteren Sprachstufe o durch ein e ersetzt Der beruhmte angebliche letzte Satz Gaius Iulius Caesars Auch du mein Sohn Brutus lautet auf Latein et tu mi fili Brute wobei sowohl Brutus als auch meus filius im Vokativ stehen Der reine Lokativ ist nur noch rudimentar erhalten und wird ebenso wie der Vokativ in Schulgrammatiken in der Regel nicht separat aufgefuhrt Neben zu Adverbien erstarrten alten Lokativen wie domi zu Hause humi auf dem Boden tritt der Lokativ noch bei Ortsnamen zutage z B Romae in Rom Das Lateinische kennt funf Deklinationsklassen Deklination 1 Deklination 2 Deklination 3 Deklination 4 Deklination 5 DeklinationStamm a Deklination o Deklination Konsonantische Deklination Mischdeklination i Deklination u Deklination e DeklinationBeispiel domina ae f die Herrin dominus i m der Herr ager i m der Acker templum i n der Tempel corpus oris n der Korper navis is f das Schiff turris is f der Turm portus us m der Hafen res rei f die SacheSingularNominativ domina dominus ager templum corpus navis turris portus resGenitiv dominae domini agri templi corporis navis turris portus reiDativ dominae domino agro templo corpori navi turri portui reiAkkusativ dominam dominum agrum templum corpus navem turrim portum remVokativ domina domine ager templum corpus navis turris portus resAblativ domina domino agro templo corpore nave turri portu reLokativ Romae Corinthi ruri auf dem Lande mari zu Meer domi zu Hause PluralNominativ dominae domini agri templa corpora naves turres portus resGenitiv dominarum dominorum agrorum templorum corporum navium turrium portuum rerumDativ dominis dominis agris templis corporibus navibus turribus portibus rebusAkkusativ dominas dominos agros templa corpora naves turris portus resVokativ dominae domini agri templa corpora naves turres portus resAblativ dominis dominis agris templis corporibus navibus turribus portibus rebusLokativ Athenis Pompeiis Adjektive Ebenso wie die Substantive zahlen auch die Adjektive im Lateinischen zu den deklinierbaren Wortern Ein grosser Teil der Adjektive wird nach der ersten und zweiten Deklination gebeugt wie sie weiter oben bereits fur Substantive vorgestellt wurde bonus bona bonum gut sacer sacra sacrum heilig miser misera miserum elend Die obliquen Kasus entsprechen ebenfalls den weiter oben gezeigten Formen der ersten und zweiten Deklination Daneben kennt das Lateinische auch viele Adjektive der dritten Deklination Diese werden in der Regel wie I Stamme gebeugt wobei sie meist ein em statt wie bei den entsprechenden Substantiven ein im im Akkusativ Singular zeigen atrox alle Genera grausam agilis m f agile n beweglich schnell celer m celeris f celere n schnell Adjektive der vierten und funften Deklination existieren nicht Ebenso wie im Deutschen werden der Komparativ und der Superlativ durch Suffigierung gebildet Das Komparativ Suffix lautet fur Maskulina und Feminina ior und fur Neutra ius das Superlativ Suffix lautet issimus a um m f n Bei Adjektiven mit dem Stammauslaut r erfolgt eine Assimilation des Suffixes zu rimus benignus benignior benignius benignissimus freundlich freundlicher am freundlichsten pulcher pulchrior pluchrius pulcherrimus schon schoner am schonsten Ebenso wie im Deutschen weisen einige Adjektive unregelmassige Steigerungsformen auf z B bonus melior melius optimus gut besser am besten malus peior peius pessimus schlecht schlechter am schlechtesten magnus maior maius maximus gross grosser am grossten Pronomina Pronomina sind deklinierbare Worter Nomina die an Stelle von Nomina pro nomine stehen Das Lateinische unterscheidet folgende Arten von Pronomina Personalpronomen Possessivpronomen Reflexivpronomen Relativpronomen Demonstrativpronomen Interrogativpronomen Indefinitpronomen Zahlworter Hauptartikel Lateinische Zahlworter Grundzahlworter Kardinalia Die folgende Tabelle zeigt die Grundzahlworter von 1 bis 20 und dann in Zehnern und Hundertern bis 1 000 Die Zahlen 1 bis 3 die Hunderter ausser centum sowie der Plural des Wortes mille fur 1 000 sind deklinierbar 1 I unus a um 11 XI undecim 21 XXI unus et viginti 101 CI centum et unus2 II duo ae o 12 XII duodecim 22 XXII duo et viginti 200 CC ducenti ae a3 III tres tres tria 13 XIII tredecim 30 XXX triginta 300 CCC trecenti ae a4 IV quattuor 14 XIV quattuordecim 40 XL quadraginta 400 CD quadringenti ae a5 V quinque 15 XV quindecim 50 L quinquaginta 500 D quingenti ae a6 VI sex 16 XVI sedecim 60 LX sexaginta 600 DC sescenti ae a7 VII septem 17 XVII septendecim 70 LXX septuaginta 700 DCC septingenti ae a8 VIII octo 18 XVIII duodeviginti 80 LXXX octaginta 800 DCCC octingenti ae a9 IX novem 19 XIX undeviginti 90 XC nonaginta 900 CM nongenti ae a10 X decem 20 XX viginti 100 C centum 1000 M milleOrdnungszahlworter Ordinalia erster zweiter primus secundus tertius quartus quintus sextus septimus octavus nonus decimus Wiederholungszahlworter Iterativa einmal zweimal semel bis ter quater quinqie n s sexie n s septie n s octie n s nonie n s decie n s Die Wiederholungszahlworter sind als Adverbien nicht flektierbar Syntax Der Satzbau des Lateinischen ist in vieler Hinsicht frei da man die einzelnen Satzglieder haufig anhand ihrer Endungen eindeutig zuordnen kann Besonders in Dichtung und Literatur werden die wenigen kaum verbindlichen Regeln eher bedeutungslos Wie in den meisten romanischen Sprachen kann ein Personalpronomen als Subjekt weggelassen werden B venimus wir kommen dagegen nos venimus wir kommen betont Ebenso entfallen haufig sagte sprach usw vor der wortlichen Rede bspw tum ille cras veniam dann sagte jener morgen komme ich An erster Stelle im Satz stehen gewohnlich betonte Satzteile Subjekt Objekt oder Adverb Fragepronomen z B quis quid quando Imperative und die Fragepartikeln num etwa und nonne etwa nicht Verben stehen haufig am Satzende z B ego te absolvo ich spreche dich los Adjektive Partizipien Possessivpronomen und Genitivattribute stehen gewohnlich hinter dem zugehorigen Substantiv z B Carolus Magnus Karl der Grosse homo sapiens der weise Mensch domus mea mein Haus Sprachgeschichte Inschrift auf dem Lapis Niger einer der altesten uberlieferten lateinischen Texte 6 bis 5 Jahrhundert v Chr Antike Latein hat seinen Namen von den Latinern einem Volk im antiken Latium heute ein zentraler Bestandteil der italienischen Region Lazio zu dessen Zentrum sich seit dem 8 Jahrhundert v Chr Rom entwickelte Die fruheste Form des Lateinischen das Fruhlatein ist nur in einigen Inschriften wie dem Lapis Niger oder der DUENOS Inschrift aus dem 6 oder 5 Jahrhundert v Chr greifbar Aus ihm entwickelte sich durch Rhotazismus Vokalschwachungen und andere Veranderungen in Phonologie und Morphologie bis zum 3 Jahrhundert v Chr das Altlatein fur das mit den Komodien des Plautus und des Terenz 3 2 Jahrhundert v Chr ein grosses Textkorpus vorliegt Buste Ciceros des Vollenders des klassischen Lateins Kapitolinische Museen Rom Fur das 1 Jahrhundert v Chr und die Zeitenwende spricht man dann vom klassischen Latein Es unterscheidet sich vom Altlatein hauptsachlich durch Assimilationen und einige orthographische Anderungen Mit dem Aufbluhen der romischen Literatur in dieser Zeit konnte es sich zunehmend auch in Literatur und Wissenschaft gegenuber dem Alt Griechischen behaupten Die Autoren der sogenannten Goldenen Latinitat insbesondere Marcus Tullius Cicero und Vergil wurden fur die weitere Entwicklung der Sprache massgeblich Weil die Literatur dieser Zeit als mustergultig und nicht weiter verbesserungsfahig betrachtet wurde veranderte sich die lateinische Literatursprache fortan seitdem nur noch im Vokabular nicht aber im Formenbestand oder der Syntax Das Latein von Autoren des 1 2 Jahrhunderts n Chr wie Seneca und Tacitus die man zur Silbernen Latinitat zahlt oder von spatantiken Autoren wie Augustinus von Hippo und Boethius Spatlatein unterscheidet sich deshalb nicht grundsatzlich vom Latein der klassischen Zeit wohl aber zunehmend von der gesprochenen Sprache des einfachen Volkes dem sogenannten Vulgarlatein das sich kontinuierlich weiterentwickelte bis daraus im fruhen Mittelalter die romanischen Sprachen entstanden In der Syntax wurde zum Beispiel der Accusativus cum infinitivo in der Spatantike zunehmend ungebrauchlich er wurde aber weiterhin als korrekt angesehen und verschwand daher nicht Der Altphilologe Wilfried Stroh vertritt daher die These Latein sei bereits um die Zeitenwende insofern zu einer toten Sprache geworden als es sich danach nicht mehr entscheidend verandert habe und gerade deshalb im Mittelalter und der Fruhen Neuzeit zum internationalen Kommunikationsmittel werden konnte 2 Im Zuge der romischen Expansion setzte sich Latein als dominierende Verkehrssprache im gesamten Romischen Reich durch und durch die Romanisierung vor allem der westlichen Reichsgebiete wurde es zudem auch jenseits von Latium namentlich im ubrigen Italien in Gallien sowie in den Provinzen Hispania Dacia und Africa zur Muttersprache der ansassigen Bevolkerung Gerade in der Spatantike drangen auch mehrere lateinische Worter in den Wortschatz des Griechischen der Verkehrssprache Ostroms ein Im ostlichen Mittelmeerraum hingegen war Latein zwar die Sprache in Militar und Verwaltung es konnte das Griechische als lingua franca allerdings niemals verdrangen Mittelalter Frontispiz der Carmina Burana mit einer Darstellung des Rads der Fortuna ca 1230 Hauptartikel Mittellatein Wahrend der Spatantike und der Volkerwanderung verfiel schrittweise der lateinische Grammatikunterricht und damit der Gebrauch der lateinischen Schriftsprache Ein Grossteil der lateinischen Literatur der Antike ging zwischen 550 und 750 verloren neue literarische Texte in dieser Sprache entstanden seit dem spaten 6 Jahrhundert kaum mehr Der letzte romische Kaiser dessen Muttersprache Latein war war Justinian 527 bis 565 und als letzter bedeutender lateinischer Poet des Altertums gilt sein Zeitgenosse Gorippus um 550 Auch Gregor der Grosse predigte um 600 noch in klassischem Latein In der Folgezeit aber vergrosserte sich im Bereich des einstigen westromischen Reiches die Kluft zwischen der Umgangssprache und Hochlatein so erheblich dass sich schliesslich aus den lokalen Dialekten eigene Volkssprachen entwickelten Als Geburtsurkunde dieser romanischen Sprachen gilt dabei das Konzil von Tours im Jahr 813 auf dem beschlossen wurde fortan Predigten in volkstumlicher Sprache zuzulassen da die Glaubigen kein Latein mehr verstunden In Ostrom wo man in Verwaltung und Armee noch im 6 Jahrhundert Latein gesprochen hatte war Latein im fruhen 7 Jahrhundert ganzlich ausser Gebrauch geraten und durch das Griechische ersetzt worden Unter Karl dem Grossen und seinem Berater Alkuin erlebte Latein jedoch eine Renaissance In einer Anweisung aus dem Jahr 789 wurden alle Kloster und Bischofssitze des Reiches angewiesen Schulen zu unterhalten in denen Latein unterrichtet werden sollte Bald entstanden auch wieder neue literarische Werke in Latein wie etwa Einhards Karlsbiografie Vita Karoli Magni die sich sprachlich und inhaltlich an antiken Vorbildern insbesondere Sueton orientiert Weitere lateinische Autoren aus dem Mittelalter sind zum Beispiel Balderich von Bourgueil oder Hrotsvitha von Gandersheim Als tote Sprache veranderte sich Latein auch im Mittelalter nicht wesentlich Allerdings vergrosserte sich das Vokabular weiterhin und es burgerten sich Vereinfachungen im Bereich der Grammatik ein wie zum Beispiel der durch quod eingeleitete Objektsatz anstelle des klassischen und parallel dazu weiter gebrauchlichen Accusativus cum infinitivo Die Quantitaten der lateinischen Silben wurden oft nicht mehr beachtet so dass Dichtungen in der heute ublichen Akzentuierung entstanden wie zum Beispiel viele Lieder aus der Sammlung der Carmina Burana Auch die Phonetik anderte sich beeinflusst von den romanischen Volkssprachen So wurde seit dem spaten 6 Jahrhundert das c klassisch k vor Vordervokalen wie e und i als Affrikate gesprochen die es vorher im Lateinischen nicht gab gleichzeitig burgerte sich die Aussprache von ti tj als tsj ein wie sie heute noch in deutschen Fremdwortern ublich ist z B Reaktion Die Diphthonge ae und oe sprach man bereits in der Spatantike zunehmend als ɛː bzw eː und schrieb sie dementsprechend Latein als Sprache der Gebildeten erreichte im Mittelalter auch in vielen Gebieten Europas Bedeutung die ausserhalb des einstigen Romischen Reiches lagen also nie lateinischsprachig gewesen waren Hier hielt es mit der Christianisierung Einzug denn es war die Sprache der Kirche der Heiligen Messe und des theologischen Diskurses An den seit dem 13 Jahrhundert aufkommenden Universitaten West Nord und Mitteleuropas war Latein die Verkehrs und Wissenschaftssprache schlechthin So schrieb der bedeutendste Autor des Hochmittelalters Thomas von Aquin Latein das allerdings da es fur die Scholastik typisch war von den spateren Humanisten als steif und trocken empfunden wurde Neuzeit Fruhdrucke nach Sprachen Latein dominierte das gedruckte Wort im 15 Jahrhundert Grundlegend fur die Nomenklatur in der Zoologie Systema naturae Ausgabe von 1758 Hauptartikel Humanistisches Latein und Neulateinische Literatur Eine Erneuerung der lateinischen Sprache war denn auch das erste Ziel des Renaissance Humanismus der in Italien mit Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio begann Auch nordlich der Alpen wurde bald wieder Cicero als Vorbild im Gebrauch des Lateinischen nachgeahmt Vor allem Erasmus von Rotterdam reichte mit seinem eleganten Latein an das antike Vorbild heran Die Entdeckung der Neuen Welt machte Christoph Kolumbus durch den lateinischen Brief De insulis nuper inventis in ganz Europa bekannt Reformation und Gegenreformation forderten das Lateinische Luthers Freund Philipp Melanchthon verfasste Lehrbucher und Lehrplane fur die neu errichteten protestantischen Gymnasien deren wichtigstes Ziel eine aktive Beherrschung des Lateinischen war Gleiches galt fur die Schulen der Jesuiten die mit ihren lateinischen Schultheatern auch das einfache Volk begeisterten Ein Jesuit gilt auch als grosster unter den deutschen Barockdichtern Jacob Balde 1604 1668 Hugo Grotius legte mit seinem 1625 erschienenen Hauptwerk De jure belli ac pacis die Grundlagen des Volkerrechts Generationen von Kindern lernten seit 1658 Latein mit dem Orbis sensualium pictus dem beruhmten deutsch lateinischen Bilderbuch des grossen Padagogen Johann Amos Comenius Mit dem Erstarken der Nationalsprachen seit dem 17 Jahrhundert verlor Latein mehr und mehr an Boden In Deutschland erschienen im Jahre 1681 zum ersten Mal mehr Bucher auf Deutsch als in Latein Lateinische Belletristik wie der 1741 erschienene Roman Nikolai Klimii iter subterraneum des Danen Ludvig Holberg war nunmehr die Ausnahme Weiterhin wichtig blieb Latein aber als internationales Verstandigungsmittel in den Wissenschaften Nikolaus Kopernikus Johannes Kepler und Galileo Galilei veroffentlichten ihre bahnbrechenden astronomischen Erkenntnisse in lateinischer Sprache auch die Philosophiae Naturalis Principia Mathematica von Isaac Newton erschien 1687 auf Latein Carl Friedrich Gauss schrieb im Jahr 1798 mit nur 21 Jahren seine Disquisitiones Arithmeticae lateinisch fur Zahlentheoretische Untersuchungen die am 29 September 1801 in Leipzig veroffentlicht wurden Sie sind als Lehrbuch der Zahlentheorie bis heute gultig und von Bedeutung Der Philosoph Rene Descartes ist mit seinem Satz Cogito ergo sum aus seinen 1644 erschienenen principia philosophiae beruhmt geworden und Arthur Schopenhauer verfasste noch 1830 seine Theoria colorum physiologica auf Latein Die von dem Schweden Carl von Linne in seinem Systema Naturae 1735 entwickelte Methode Lebewesen lateinisch zu klassifizieren ist bis heute in Gebrauch Seit der preussischen Bildungsreform durch Wilhelm von Humboldt spielt Latein an den humanistischen Gymnasien eine zentrale Rolle Die alten Sprachen sollen nach Humboldt dem Ziel einer allgemeinen Menschenbildung dienen Erst unter Wilhelm II wurden an den deutschen Gymnasien der lateinische Abituraufsatz und die mundliche Prufung in Latein abgeschafft Carl Orffs Carmina Burana wurden in den 1930er Jahren zum Welterfolg Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Lateinunterricht an deutschen Schulen ebenso ein gewisses Aufbluhen wie in den neuen Bundeslandern nach dem Zusammenbruch der DDR Latein in der GegenwartSchule und Universitat Hauptartikel Lateinunterricht Latein wird im deutschsprachigen Raum vor allem an Gymnasien und Gesamtschulen gelehrt Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten in Osterreich und Deutschland lernt heute Latein als erste zweite oder dritte Fremdsprache Vor allem am humanistischen Gymnasium wird Latein als erste Fremdsprache angeboten In der Schweiz kann Latein bereits in der obligatorischen Sekundarstufe I als Freifach gelernt werden Trotz kritischer Diskussion der Vorzuge und Nachteile des Lateinunterrichts an Schulen steigt seit etwa zehn Jahren die Zahl der Schuler die sich fur Latein als Fremdsprache entscheiden in Deutschland merklich an 3 Die Grunde dafur sind unklar Das gute Abschneiden humanistischer Gymnasien bei nationalen und internationalen Bildungstests eine deutliche Modernisierung des Lateinunterrichts und der entsprechenden Lehrwerke oder das allgemein grosse Interesse fur die Antike werden als Grunde genannt An zahlreichen Universitaten kann Latein studiert werden Die Latinistik gehort neben der Grazistik zum Fachbereich Klassische Philologie In zunehmendem Masse werden an den Universitaten Lehrstuhle mit dem Schwerpunkt Latein im Mittelalter und Latein in der Neuzeit eingerichtet Mancherorts werden auch Vorlesungen oder andere Veranstaltungen in lateinischer Sprache abgehalten Fur einige andere Studiengange werden das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fachern Die Regelungen sind hier jedoch von Universitat zu Universitat verschieden Studentisches Umfeld Latein als universitare Sprache hatte zu fruheren Zeiten auch einen erheblichen Einfluss auf die Burschensprache was sich heute noch im Sprachgebrauch der Studentenverbindungen widerspiegelt Allerdings werden hierbei in der Regel nur einzelne Begriffe verwendet Ausnahmen finden sich nur in einzelnen Veranstaltungen die bewusst in lateinischer Sprache abgehalten werden So findet etwa seit 1998 bei der AMV Waltharia Frankfurt im Sondershauser Verband in jedem Semester eine so genannte Lateinkneipe statt bei der Latein die einzig zugelassene Sprache ist und sich dieses nicht nur auf die Studentenlieder beschrankt sondern auch auf alle Wortbeitrage Aus dem allgemeinen studentischen Umfeld ist Latein als Sprache ganzlich verschwunden Rundfunk Fernsehen und Internet Der finnische Rundfunksender YLE Yleisradio veroffentlichte bis Juni 2019 die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version oder als Podcast ebenso bis Dezember 2017 4 Radio Bremen 5 Seit April 2004 sendet auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Latein 6 Radio F R E I aus Erfurt hat seit Juli 2015 eine wochentliche Lateinsendung im Programm namens Erfordia Latina 7 Am 23 August 2008 brachte der Fernsehsender 3sat eine Folge der Kulturzeit in lateinischer Sprache Im Internet sind nicht nur zahlreiche lateinische Texte und entsprechende Sekundarliteratur verfugbar In Internetforen wie Grex Latine Loquentium oder e latein chat kommunizieren Teilnehmer aus verschiedenen Landern lateinisch und im Oktober 2009 wurde sogar eine lateinische Version von Facebook veroffentlicht Die lateinisch singende Mittelalter Band Corvus Corax Musik Besonders haufig taucht Latein in der klassischen geistlichen Musik auf vor allem im katholischen Kontext da die hier vertonten Texte etwa liturgischer und biblischer Art bis Mitte des 20 Jahrhunderts ganz uberwiegend in lateinischer Sprache vorlagen Die Melodien des gregorianischen Gesangs sind fast ausschliesslich mit kirchenlateinischen Texten versehen Abgesehen von lateinischen Fassungen bekannter Popsongs entstehen auch neue Songs unmittelbar in Latein etwa O Caritas von Cat Stevens oder Cursum Perficio von Roma Ryan gesungen von Enya Die englische Folk Rock Band Steeleye Span kam mit Gaudete einem Weihnachtslied aus dem 16 Jahrhundert im Dezember 1973 in die Top Twenty der britischen Charts 8 Die Gruppe Ista bietet lateinischen Hip Hop und von Rosenstolz gibt es den Titel Amo vitam Erfolgreich ist derzeit die Gruppe Corvus Corax In der klassischen beziehungsweise neoklassizistischen Musik der Gegenwart findet Latein ebenfalls Verwendung So hat etwa der belgische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont fur sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie beispielsweise von Jan Novak Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal Kompositionen Texte in Latein u a von Catull Igor Strawinski liess das nach Sophokles von Jean Cocteau in franzosischen Versen verfasste Libretto zu Oedipus Rex von Jean Danielou ins Lateinische ubersetzen Zur Melodie der Europahymne gibt es einen lateinischen Text von Peter Roland Est Europa nunc unita 9 Ubersetzungen Immer wieder werden Bucher ins Lateinische ubersetzt Nikolaus Gross etwa hat 2004 eine komplett latinisierte Ubertragung von Patrick Suskinds Das Parfum im Brusseler Verlag der Fundatio Melissa einem uberregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins veroffentlicht Dem Buch ist mit dem Glossarium Fragrantiae eine grossere Liste aktualisierter Neuschopfungen beigegeben Vom selben Wortartisten existiert des Weiteren ein Buch uber den Baron Mynchusanus Munchhausen 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter Bucher von Joanne K Rowling auf Latein Harrius Potter et Philosophi Lapis Daneben gibt es noch viele weitere Ubersetzungen klassischer Werke ins Latein so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III oder Der kleine Prinz Regulus von Antoine de Saint Exupery Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix Comics die der deutsche Altphilologe Karl Heinz von Rothenburg Rubricastellanus verfasst hat Die osterreichische Tageszeitung Kurier bringt seit 1994 jeden Mittwoch von Wolfram Kautzky verfasste kuriose Meldungen aus aller Welt Nuntii Latini in lateinischer Sprache Im Auftrag der finnischen Regierung ubersetzte Tuomo Pekkanen 1986 das Nationalepos Kalevala ins Lateinische Katholische Kirche Hauptartikel Kirchenlatein Latein ist die Amtssprache des Vatikanstaats Die katholische Kirche veroffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein Das gilt fur die liturgischen Bucher den Katechismus den Kodex des kanonischen Rechts sowie die papstlichen Rechtsvorschriften canones und decretales und Enzykliken In der Offentlichkeit wird das Kirchenlatein insbesondere beim osterlichen Segen des Papstes Urbi et orbi fur die Stadt und den Erdkreis und in der nach dem Konklave durch den Kardinalprotodiakon verkundeten Formel Habemus papam Wir haben einen Papst wahrgenommen Bis zur Liturgiereform 1970 unter Paul VI war Latein die offizielle Sprache der Heiligen Messe und ist dies laut Sacrosanctum Concilium offiziell noch heute wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind Tatsachlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten Papst Benedikt XVI bevorzugte bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen Im Marz 2007 empfahl er in dem Schreiben Sacramentum caritatis ausdrucklich die Anwendung des Lateinischen in Gottesdiensten Auch seinen Rucktritt kundigte er am 11 Februar 2013 in lateinischer Sprache an 10 Fur die Pflege und Weiterentwicklung der lateinischen Sprache rief Papst Paul VI 1976 die Stiftung Latinitas ins Leben welche sich darum bemuht ein dem neuzeitlichen Sprachgebrauch angemessenes Latein zu erstellen Hierzu veroffentlicht sie neben einer Zeitschrift das Lexicon recentis Latinitatis das Lexikon des Neulateins welches in seiner letzten Uberarbeitung 2004 mit 15 000 neuen Begriffen erschien darunter etwa das lateinische Wort fur Computer instrumentum computatorium Eine lateinische Bedienungsanleitung fur einen Geldautomaten im Vatikan Zweisprachige Beschriftung an der Wallsend Tyne and Wear Metro station Wissenschaften In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe uberwiegend lateinisch fur die einzelnen Organe wird zusatzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsatze und Fachbegriffe Latein im Recht Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine grosse Rolle In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt Auch in der Pharmazie ist Latein ublich deutsche Apotheker und Arzte verwenden als Rezeptsprache Latein vor allem in Abkurzungen So existiert fur jeden Arzneistoff neben dem internationalen IUPAC Namen auch ein lateinischer Name ebenso wird fur jede Arzneipflanze neben dem deutschen auch ein lateinischer Name gefuhrt oftmals auch vermischt mit Bezeichnungen griechischen Ursprungs In der Astronomie hat die Internationale Astronomische Union IAU die gesamte Himmelssphare in 88 Sternbilder unterteilt die alle einen offiziellen lateinischen Namen zusammen mit einem dreibuchstabigen Kurzel tragen Einzelne Sterne innerhalb eines Sternbilds werden mit griechischen oder lateinischen Buchstaben oder Zahlen bezeichnet gefolgt vom lateinischen Genitiv des Sternbildnamens Auch die Nomenklatur der geologischen Formationen auf anderen Himmelskorpern ist gemass IAU in der Regel lateinisch Im Spatsommer 2012 setzte sich die NASA auf dem Mars erstmals daruber hinweg indem sie in ihren Veroffentlichungen Aeolis Mons durchgangig als Mount Sharp bezeichnete 11 SprachbeispielDas folgende Sprachbeispiel ist der Schrift Commentarii de Bello Gallico von Gaius Iulius Caesar entnommen 1 Buch 1 Abschnitt Gallia est omnis divisa in partes tres quarum unam incolunt Belgae aliam Aquitani tertiam qui ipsorum lingua Celtae nostra Galli appellantur 2 Hi omnes lingua institutis legibus inter se differunt 3 Gallos ab Aquitanis Garumna flumen a Belgis Matrona et Sequana dividit 4 Horum omnium fortissimi sunt Belgae propterea quod a cultu atque humanitate provinciae longissime absunt minimeque ad eos mercatores saepe commeant atque ea quae ad effeminandos animos pertinent important proximique sunt Germanis qui trans Rhenum incolunt quibuscum continenter bellum gerunt 5 Qua de causa Helvetii quoque reliquos Gallos virtute praecedunt quod fere cotidianis proeliis cum Germanis contendunt cum aut suis finibus eos prohibent aut ipsi in eorum finibus bellum gerunt 6 Eorum una pars quam Gallos obtinere dictum est initium capit a flumine Rhodano continetur Garumna flumine Oceano finibus Belgarum attingit etiam ab Sequanis et Helvetiis flumen Rhenum vergit ad septentriones 7 Belgae ab extremis Galliae finibus oriuntur pertinent ad inferiorem partem fluminis Rheni spectant in septentrionem et orientem solem 8 Aquitania a Garumna flumine ad Pyrenaeos montes et eam partem Oceani quae est ad Hispaniam pertinet spectat inter occasum solis et septentriones Gallien als Ganzes zerfallt in drei Teile deren ersten die Belger deren zweiten die Aquitanier und deren dritten ein Volksstamm der in der eigenen Sprache Kelten in unserer Sprache Gallier heisst bewohnen 2 Diese alle sind in Sprache Gewohnheiten und Gesetzen untereinander verschieden 3 Die Gallier trennt der Fluss Garonne von den Aquitaniern die Marne und die Seine von den Belgern 4 Die tapfersten unter allen sind die Belger weil sie von der feinen Lebensweise und Bildung der romischen Provinz Gallien am entferntesten sind und in keiner haufigen Beruhrung mit fremden Kaufleuten stehen die ihnen also auch keine Gegenstande zufuhren die geeignet sind eine Verweiblichung des Gemuts zu bewirken und weil sie den Germanen die jenseits des Rheins wohnen am nachsten sind mit denen sie unaufhorlich Krieg fuhren 5 Aus dem gleichen Grund ubertreffen auch die Helvetier die ubrigen Gallier an Tapferkeit denn sie liegen fast taglich mit den Germanen im Kampf wehren dieselben entweder vom eigenen Gebiet ab oder fuhren auf deren Boden selbst Krieg 6 Jener eine Teil Galliens den wie gesagt die Kelten innehaben fangt am Fluss Rhone an wird von der Garonne dem Ozean und dem Gebiet der Belger begrenzt und reicht auf der Seite der Sequaner und Helvetier bis an den Rheinstrom die ganze Richtung aber ist gegen Norden 7 An der aussersten Grenze der Gallier beginnt das Land der Belger das sich bis in die unteren Gegenden des Rheins erstreckt und gegen Norden und Osten liegt 8 Aquitanien erstreckt sich von der Garonne bis zu den Pyrenaen aus und zu dem Teil des Ozeans der zu Spanien gehort es liegt gegen Westen und Norden Siehe auch Portal Latein Ubersicht zu Wikipedia Inhalten zum Thema Latein Deutsche Aussprache des Lateinischen Kuchenlatein Kirchenlatein Lateinische Wortteilung Latinisierung Latein im Recht Schulaussprache des Lateinischen Sprachen im Romischen Reich PanlatinismusReferenzlisten Egidio Forcellinis lateinisches Worterbuch im Lesesaal der Universitatsbibliothek Graz Lateinische Zahlworter Liste latinisierter Namen Liste lateinischer Ortsnamen Liste lateinischer Prafixe Liste lateinischer Suffixe Liste lateinischer Phrasen Liste lateinischer Lehn und Fremdworter im Deutschen Liste lateinischer Palindrome im lateinischen Wiktionary LiteraturJames Noel Adams Social Variation and the Latin Language Cambridge University Press Cambridge 2013 Vorschau James Noel Adams The Regional Diversification of Latin 200 BC AD 600 Cambridge University Press Cambridge 2007 Georg Capellanus Pseudonym von Eduard Johnson Sprechen Sie Lateinisch Moderne Konversation in lateinischer Sprache Dummler Bonn 1990 ISBN 3 427 47056 3 Tore Janson Latein Die Erfolgsgeschichte einer Sprache Buske Hamburg 2006 ISBN 3 87548 400 2 Muriel Kasper Reclams Lateinisches Zitaten Lexikon Philipp Reclam jun Stuttgart 1996 ISBN 3 15 029477 0 Udo Kindermann Art Latein In Lexikon fur Theologie und Kirche 3 Auflage Band 6 Freiburg 1997 Sp 660 661 Jurgen Leonhardt Latein Geschichte einer Weltsprache C H Beck Munchen 2009 ISBN 978 3 406 56898 5 Friedrich Maier Warum Latein Zehn gute Grunde Reclam Stuttgart 2008 ISBN 978 3 15 018565 0 Jules Marouzeau Das Latein dtv Munchen 1969 Johannes Muller Lance Latein fur Romanisten Ein Lehr und Arbeitsbuch Narr Tubingen 2006 Leonard Robert Palmer The Latin Language University of Oklahoma Press 1954 ISBN 0 8061 2136 X Vorschau Deutsche Ubersetzung Die lateinische Sprache Helmut Buske Hamburg 1990 2 Auflage 2000 weitere Ubersetzungen ins Italienische und Spanische Leo Stock neu bearbeitet von Linda Strehl Langenscheidts Verb Tabellen Latein Verlag Langenscheidt Berlin Munchen Wien Zurich New York 2003 ISBN 978 3 468 34201 1 Linda Strehl Langenscheidts Kurzgrammatik Latein vollige Neubearbeitung Langenscheidt KG Berlin und Munchen 2007 ISBN 978 3 468 35202 7 Wilfried Stroh Latein als Weltsprache In Karl Joachim Holkeskamp Elke Stein Holkeskamp Hrsg Erinnerungsorte der Antike Die romische Welt C H Beck Munchen 2006 S 185 201 Wilfried Stroh Latein ist tot es lebe Latein Kleine Geschichte einer grossen Sprache List Berlin 2007 ISBN 978 3 471 78829 5 Karl Wilhelm Weeber Mit dem Latein am Ende Tradition mit Perspektiven Vandenhoeck amp Ruprecht Gottingen 1998 ISBN 3 525 34003 6 Friedrich Wolff und Otto Wittstock Latein und Griechisch im deutschen Wortschatz Lehn und Fremdworter VMA Verlag Wiesbaden 1999 ISBN 3 928127 63 2 Weblinks Wiktionary Latein Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Wikiquote Lateinische Sprichworter Zitate Wikibooks Latein Lern und Lehrmaterialien Wikiversity Fachbereich Latinistik Kursmaterialien Linkkatalog zum Thema Latein bei curlie org ehemals DMOZ Worterbucher Wikisource Lateinische Worterbucher Quellen und Volltexte Ausfuhrliches lateinisch deutsches Handworterbuch Scan der Auflage 1913 von Karl Ernst Georges Latein Worterbuch mit Formenanalyse Flexionstabellen und Ubersetzung Latein cc Latein Worterbuch das auch Deklinationen und Konjugationen ausgibt frag caesar de Latein Worterbuch In Navigium Philipp Niederau abgerufen am 20 Februar 2020 interaktives Latein Worterbuch mit allen Flexionsformen einigen Redewendungen etymologischen Bezugen zu einigen modernen Sprachen sowie Vorkommen bei den wichtigsten Autoren Lexicon musicum Latinum medii aevi Worterbuch der lateinischen Musikterminologie Worterbuch und Grammatikhilfe Latein Englisch William Whitaker Worterbuch Latein Englisch basierend auf Charlton T Lewis Charles Short A Latin Dictionary Oxford Clarendon Press 1879 Project Perseus Worterbuch mit Formenanalyse auxilium Worterbuch mit uber 1 8 Millionen Flexionsformen latein me Wortlistensuche Latein Deutsch Albert Martin Dag Nikolaus Hasse Arabic and Latin Glossary Wurzburg 2005ff Charles du Fresne sieur du Cange u a Glossarium mediae et infimae latinitatis L Favre Niort 1883 1887 XML TEI Version der Ecole nationale des chartes Frederic Glorieux Paris 2011 Edukation Lehree Latein Ubersetzungen Vokabeln Software etc Latein pagina Fundgrube rund um das Thema LateinEinzelnachweise Hans Joachim Glucklich Lateinunterricht Didaktik und Methodik Vandenhoeck amp Ruprecht Gottingen 1978 2 Aufl 1993 S 221 Wilfried Stroh Latein ist tot es lebe Latein Kleine Geschichte einer grossen Sprache List Taschenbuch Berlin 2007 S 103 f Rainer Schoneich Bericht zur Lage des altsprachlichen Unterrichts In Forum Classicum 2 2008 S 87 www radiobremen de Die Sendung von Dezember 2017 www radiobremen de Meldung uber die Einstellung der Lateinsendungen auf der Senderhomepage News des Radio Vaticana auf Latein radiofrei de Mehrsprachige Sendungsvorstellung www officialcharts com Top Fifty vom 16 Dezember 1973 https www dw com de est europa nunc unita a 3085874 https www youtube com watch v jNkFRAvHyhw press vatican va Pressemitteilung des Vatikans Nina Weber Der falsche Mount Sharp In Spiegel Online 11 August 2012 abgerufen am 10 Dezember 2014 Lateinisches Grundalphabet Aa Bb Cc Dd Ee Ff Gg Hh Ii Jj Kk Ll Mm Nn Oo Pp Qq Rr Ss Tt Uu Vv Ww Xx Yy Zz Siehe auch Lateinisches Schriftsystem und Liste lateinischer Alphabete Epochen des Lateins bis 240 v Chr Fruhlatein 240 75 v Chr Altlatein 75 v Chr 1 Jh Klassisches Latein 2 3 6 Jh Spatlatein 6 15 Jh Mittellatein 15 17 Jh Humanistisches Latein 15 Jh bis heute Neulatein Wikipedia Schwesterprojekte in Latein Wikipedia die freie Enzyklopadie auf Latein Wiktionary das freie Worterbuch auf Latein Wikisource Quellentexte auf Latein Wikivoyage Reiseinformationen auf Latein Normdaten Sachbegriff GND 4114364 4 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Latein amp oldid 213153746, wikipedia, wiki, deutsches

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