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Karl X. (Frankreich)

Karl X. Philipp (französisch Charles X Philippe; * 9. Oktober 1757 in Versailles; † 6. November 1836 in Görz, Österreich) aus dem Haus Bourbon war König von Frankreich von 1824–1830. Er war der letzte Herrscher Frankreichs, der den Titel „König von Frankreich und Navarra“ führte. Er folgte am 16. September 1824 seinem älteren Bruder Ludwig XVIII. auf den Thron. Karl X. wurde 1830 durch die Julirevolution gestürzt. Sein Nachfolger Louis-Philippe I. führte den Titel „König der Franzosen“.

Abstammung, Kindheit und Jugend

Stammbaum (zum Ausklappen)

Louis de Bourbon
Herzog von Burgund
Maria Adelaide von Savoyen
Stanislaus I. Leszczyński
(König von Polen)
Katharina Opalińska
(Königin von Polen)
August II.
(König von Polen und Kurfürst von Sachsen)
Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth
(Titulaturkönigin von Polen und Kurfürstin von Sachsen)
Joseph I. (HRR)
(Kaiser des Heiligen Römischen Reiches)
Wilhelmine Amalie
(Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches)
Ludwig XV.
(König von Frankreich)
Maria Leszczyńska
(Königin von Frankreich)
August III. (Polen)
Maria Josepha von Österreich
Louis Ferdinand
(Französischer Kronprinz)
Maria Josepha
(Französische Kronprinzessin)
Friedrich Christian
(Kurfürst von Sachsen)
Maria Amalia
(Königin von Neapel-Sizilien und Königin von Spanien)
Maria Anna
(Kurfürstin von Bayern)
Franz Xaver von Sachsen
(Sächsischer Regent)
Ludwig XVI.
(König von Frankreich)
Ludwig XVIII.
(König von Frankreich)
Karl X.
(König von Frankreich)
Marie Clothilde
Königin von Sardinien-Piemont
Élisabeth Philippe Marie Hélène de Bourbon
Karl und seine jüngere Schwester Clothilde reiten auf einer Ziege

Karl war der jüngste Sohn des Dauphins Louis Ferdinand (1729–1765) und seiner Gemahlin Maria Josepha von Sachsen sowie ein Enkel König Ludwigs XV. Seine älteren Brüder waren die späteren Könige Ludwig XVI. und Ludwig XVIII. Vor seiner Thronbesteigung trug Karl den Titel eines Grafen von Artois, der ihm von Ludwig XV. gleich nach seiner Geburt verliehen worden war. Wie es Brauch war, wurde er erst als etwa Vierjähriger am 19. Oktober 1761 in der Schlosskapelle von Versailles getauft. Als Apanage erhielt er von seinem königlichen Großvater 1773/74 u. a. die Herzogtümer Angoulême und Mercœur sowie die Grafschaft Auvergne. Seine frühe Erziehung im Kleinkindalter lag – ebenso wie jene seiner älteren Brüder – in den Händen der Gräfin von Marsan. Der spätere Herzog von La Vauguyon übernahm die weitere Ausbildung Karls ab dessen siebtem Lebensjahr. Solange die Eltern lebten, erhielt Karl unter Vauguyons Leitung eine streng geistliche Erziehung; nach dem Tod des Vaters (1765) und der Mutter (1767) ließ aber König Ludwig XV. ein weltlicheres Kurzweil an die Stelle er jesuitisch angehauchten Unterweisung treten.

Wesentliche Charaktereigenschaften Karls, als er noch im Kindesalter stand, waren seine anziehende Ungezwungenheit, seine spontanen Ideen und seine Großzügigkeit. Demgegenüber gab sich sein älterer Bruder, der spätere Ludwig XVIII., bedächtig und wortkarg. Karl war von den Brüdern der beliebteste, das verwöhnte Kind des ganzen Hofs und der Liebling seines königlichen Großvaters. Wirkten die erwähnten Verhaltenszüge des Grafen in seiner Kindheit amüsant, waren sie für ihn im Erwachsenenalter nicht mehr angemessen. Im Gegensatz zu seinen beiden älteren Brüdern war Karl auch nicht sonderlich fleißig, strengte sich trotz seiner leichten Auffassungsgabe geistig nicht gerne an und mochte vom Studieren nichts wissen. Er war beispielsweise kaum an Literatur und schöngeistigen Dingen interessiert und vermochte daher bei gehobeneren Konversationen wenig zu überzeugen. In seinem reiferen Alter machte er es seinem Lehrer La Vauguyon zum Vorwurf, dass dieser ihm nicht eine größere Begeisterung für Literatur beigebracht hatte.

Tatsächlich war es bei nicht unmittelbar thronfolgeberechtigten Prinzen (wie dies auf Karl zutraf) üblich, dass sie nicht durch allzu große Förderung ihrer Talente zu gefährlichen Konkurrenten ihrer regierenden Brüder heranerzogen wurden. So wurde Karl zwar von Ludwig XV. zum Oberst eines Dragonerregiments und im Mai 1772 zum Generaloberst der Schweizer Garde ernannt, aber dennoch erhielt er trotz seiner Neigung für eine Militärkarriere keine umfassendere kriegerische Ausbildung, damit er nicht als erfolgreicher Feldherr eine potentielle Gefahr für den König darstellen würde. Der Minister Maurepas riet dem jungen Prinzen, dass er sich nicht für Militärmanöver interessieren, sondern lieber amüsieren und Schulden machen solle. Karl verlebte denn auch seine frühen Jahre, da er sich nicht ernsthaft politisch und militärisch betätigen durfte, hauptsächlich in verschwenderischem Nichtstun. Er erhielt am 1. Januar 1771 den französischen Orden vom Heiligen Geist, auch weitere wie jenen vom heiligen Michael, heiligen Ludwig und heiligen Lazarus, sowie das spanische Goldene Vlies.

Heirat; Rolle unter Ludwig XVI.

Im Alter von sechzehn Jahren heiratete Karl Maria Theresia von Sardinien aus dem Haus Savoyen. Diese war eine Tochter des Königs Viktor Amadeus III. von Sardinien-Piemont sowie eine Schwester von Maria Josepha, die 1771 Karls Bruder Ludwig, damals Graf von Provence, geehelicht hatte. Karls Vermählung mit der fast zwei Jahre älteren Maria Theresia per Prokuration fand am 24. Oktober 1773 in der Kapelle des Schlosses von Moncalieri und am 16. November 1773 in Person in der Schlosskapelle von Versailles statt. Das Prinzenpaar hatte vier Kinder, doch nur die beiden Söhne Louis-Antoine de Bourbon, duc d’Angoulême (1775–1844) und Charles Ferdinand d’Artois, Herzog von Berry (1778–1820) erreichten das Erwachsenenalter.

Bald nach seiner Eheschließung mit der wenig attraktiven Maria Theresia unterhielt der vergnügungssüchtige Karl verschiedene außereheliche Beziehungen und traf sich mit seinen Mätressen in eigens dafür angekauften Häusern in Paris. Durch seine zahlreichen Affären zog er sich öffentliche Kritik und auch Spott zu. Eine besonders intime Beziehung führte er mit der geistreichen Komödiantin Louise Contat, mit der er einen Sohn hatte. Zwar ernannte er sie nicht wie von ihr gewünscht zur offiziellen Mätresse, erwarb aber 1780 für sie in Chaillot nahe Paris ein Palais. Ludwig XVI. hatte inzwischen am 10. Mai 1774 den Thron bestiegen, nahm Karls verschwenderischen Lebensstil nachsichtig hin und unterstützte ihn finanziell mit großen Geldsummen. Karl erwies sich aber nicht als dankbar, zeigte vor dem König wenig Achtung und machte sich im Gegenteil häufig öffentlich über ihn lustig. Die Königin Marie Antoinette schätzte zunächst den Umgang mit Karl und beteiligte sich oft an dessen Festivitäten. Dagegen lebte Karls Gattin Maria Theresia, die nach der Geburt von zwei Söhnen noch weiter im Hintergrund stand, zurückgezogen in Saint-Cloud. Ab den 1780er Jahren hegte Karl eine viele Jahre währende leidenschaftliche Liebe zur Comtesse de Polastron.

1782 schloss Karl sich bei der letztlich erfolglosen Belagerung Gibraltars der französischen Armee an. Dieses militärische Engagement sollte seinen Verlust an öffentlichem Ansehen teilweise ausgleichen. Durch seinen aufwendigen Lebensstil hatte er innerhalb weniger Jahre Schulden von 14,5 Millionen Livres angehäuft, die der – bereits in finanzieller Schieflage befindliche – französische Staat übernahm, um den Grafen vor dem Bankrott zu bewahren. Dafür zuständig war Charles-Alexandre de Calonne als Generalkontrolleur der Finanzen, welche Funktion er von 1783–87 ausübte.

Obwohl Karl zunächst gemäß den Absichten seines älteren regierenden Bruders keine politische Rolle spielte, verfolgte er die politischen Ereignisse aufmerksam und war u. a. im Herbst 1774 für die Wiederherstellung der 1771 vom Kanzler Maupeou wegreformierten Parlamentsgerichthöfe eingetreten. Die Krise des Ancien Régime und die nahende Revolution ermöglichten ihm dann größere politische Aktivitäten. Er unterstützte das von Calonne im August 1786 entwickelte Reformprogramm und verteidigte damals auch loyal den jeweiligen Standpunkt des Königs. In der Folge war Karl ebenso wie sein Bruder, der Graf von Provence, Mitglied der am 22. Februar 1787 eröffneten Notabelnversammlung, die nach der Hoffnung Ludwigs XVI. für die angepeilten Reformen stimmen sollte. Karl führte den Vorsitz des sechsten Büros dieser Versammlung und votierte gegen alle von der öffentlichen Meinung verlangten Neuerungen. Die amerikanisierenden Neigungen und freiheitlichen Forderungen La Fayettes machten ihm zu schaffen; so stand er der von La Fayette im Mai 1787 erhobenen Forderung nach Einberufung der Generalstände sehr reserviert gegenüber.

Demnach trat Karl im Gegensatz zu seinem Bruder, dem Grafen von Provence, als entschiedener Befürworter für die Beibehaltung aller Prinzipien des Absolutismus auf und machte sich beim Volk verhasst. Als ihn Ludwig XVI. am 18. August 1787 zur Einregistrierung der Edikte über die Stempel- und Grundsteuer zum Obersteuerhof (Cour des aides) sandte, empfing ihn die Volksmenge mit Pfeifen und Soldaten mussten ihn decken. 1788 entließ er den Erzieher seiner Kinder, de Sénan, weil dieser dem Protest des bretonischen Adels gegen den Absolutismus beigepflichtet hatte. Er präsidierte dann wiederum einem Büro der vom 6. November bis zum 12. Dezember 1788 tagenden zweiten Notabelnversammlung, die u. a. das Verfahren zur Wahl der Abgeordneten zu den Generalständen und die numerische Zusammensetzung des Dritten Stands erörterte. Dabei sprach er sich im Unterschied zum Grafen von Provence deutlich gegen eine Verdopplung der Zahl der Vertreter des Dritten Stands auf 600 aus. Bei dieser Gelegenheit zeigten sich politische Differenzen zwischen den beiden Brüdern, die sich nach dem Ausbruch der Revolution noch vertiefen und dauerhaft anhalten sollten. Im Dezember 1788 unterzeichnete Karl das Manifest von fünf Prinzen von Geblüt, das sein Kanzler de Monthyon entworfen hatte. Darin wurde die ihrer Meinung nach drohende Gefahr für Thron und Staat durch die sich vorbereitende Revolution geschildert und der Adel verherrlicht. Immer stärker plädierte Karl nun angesichts der sich abzeichnenden politischen Krise für ein entschiedenes Eingreifen Ludwigs XVI.

Charles de Bourbon, Graf von Artois

Abreise aus Frankreich; erste Hilfsersuchen an ausländische Mächte

Nachdem am 5. Mai 1789 die Versammlung der Generalstände in Versailles eröffnet worden war, spitzte sich die politische Situation rasch zu. Ludwig XVI. band nun seine beiden jüngeren Brüder in die politischen Besprechungen ein, so dass Karl am 22. Juni erstmals bei einer Sitzung des Staatsrats anwesend war. Erörtert wurde vor allem die einzuschlagende Vorgehensweise der Krone gegenüber der Selbstproklamation des Dritten Stands zur Nationalversammlung. Bereits am 21. Juni hatte sich Karl in einem Memorandum gegen die Forderungen des Dritten Stands erklärt und beeinflusste seinen regierenden Bruder maßgeblich dahingehend, dass dieser am 23. Juni einer Gleichberechtigung des Dritten Stands eine Absage erteilte. In den folgenden Wochen trat Karl für ein entschiedenes Vorgehen des Königs gegen die revolutionären Entwicklungen ein. Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli wurde er überhaupt zusammen mit der Königin Marie Antoinette zum Anführer des reaktionären Flügels am Hof, der eine Verteidigung der traditionellen Monarchie verfocht. Karls Rat zu einem militärischen Vorgehen verwarf Ludwig XVI. aber. Ebenso wenig nahm der König die Empfehlung Karls und Marie Antoinettes an, den Hof von Versailles in die Provinz zu verlegen, um von dort aus unter der Deckung loyaler Streitkräfte die Autorität der Krone wiederherzustellen zu versuchen. Im Palais Royal wurde Karl wegen seiner reaktionären Haltung auf eine Proskriptionsliste gesetzt und auf seinen Kopf ein Preis ausgesetzt. Die Nationalversammlung sprach sich über ihn ungünstig aus, er aber erschien beim Fest für die fremden Truppen in der Orangerie. Wegen der bedrohlichen Situation entschloss er sich auf die Aufforderung Ludwigs XVI. hin zur Emigration und machte sich in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1789 mit einer kleinen Begleitung zur Abreise aus Frankreich auf.

Über das an der Nordgrenze Frankreich gelegene Valenciennes reiste Karl mit seinen beiden Söhnen unbehelligt nach Brüssel und war anfangs von seiner baldigen Rückkehr überzeugt. In Brüssel stießen Louis V. Joseph de Bourbon, prince de Condé und weitere französische Hochadlige zum Grafen von Artois, der im Schloss Laeken residieren durfte. Kaiser Joseph II., zu dessen Reich das niederländisch-belgische Gebiet gehörte, war aber von dem Aufenthalt der französischen Emigranten nahe Brüssel wenig erbaut. In der Folge reiste Karl über Aachen, Köln und Bonn zunächst nach Bern, wo er seine Mätresse Louise von Polastron traf, und Anfang September 1789 weiter nach Turin. Dorthin war auch seine Gemahlin Maria Theresia gereist, weshalb sich Karl temporär von seiner Geliebten trennen musste. Sein Schwiegervater, König Viktor Amadeus III., stellte Karl und dessen etwa 80 Personen umfassendem Gefolge den Palast Cavaglia als Aufenthaltsort zur Verfügung.

Karl trat bereits in Turin als Anführer des politisierenden, subversiven Teils der adligen französischen Emigranten auf und installierte dort eine Art Schattenkabinett. Gegenüber anderen europäischen Monarchen verhielt er sich entsprechend seiner königlichen Abkunft sehr selbstbewusst und ersuchte diese um bewaffnete Hilfe gegen sein Vaterland, musste aber bald erfahren, dass die anderen Herrscher wenig solidarisch waren und einer Militärintervention zu seinem Gunsten sehr reserviert gegenüberstanden. Der Graf von Artois gründete auch im September 1789 das antirevolutionäre Initiativen vorantreibende Turiner Komitee, dessen eigentlicher politischer Kopf der damals in London befindliche Charles Alexandre de Calonne wurde. Dieser kam Ende Oktober 1790 ebenfalls nach Turin und bemühte sich um die Rekrutierung eines Heers, die Organisation der Flucht von Ludwig XVI. und dessen Familie sowie die Anstiftung erfolglos verlaufender bewaffneter Aufstände in Frankreich. Dabei gebärdete sich Karl als legitimierter Vertreter der französischen Krone, obwohl Ludwig XVI. über die Aktionen seines jüngsten Bruders meist nicht informiert war oder diese zuweilen sogar ablehnte. Letztlich trug Karl, der von der revolutionären französischen Presse scharf angegriffen wurde, mit seinen Aktivitäten maßgeblich zum definitiven Sturz Ludwigs XVI. bei.

Erst nach langem Zureden war Kaiser Leopold II. zu einem Geheimtreffen mit Karl am 12. April 1791 in Florenz bereit. Eine weitere Zusammenkunft folgte am 20. Mai 1791 in Mantua. Der Prinz besprach mit dem Kaiser einen von Calonne entworfenen Invasionsplan in Frankreich, erhielt aber nur vage Versprechungen. Leopold II. erklärte, dass die europäischen Mächte erst nach einer gelungenen Flucht Ludwigs XVI. eine größere Militärintervention in Erwägung ziehen würden. Karl forderte dann auch den preußischen König zur Mithilfe auf, erhielt aber eine Abfuhr und wurde zudem informiert, dass sich Ludwig XVI. über einen Vertrauten gegenüber dem Wiener Hof missbilligend über die Aktionen seines jüngsten Bruders geäußert hatte.

Aktivitäten in Koblenz

Nach Spannungen mit König Viktor Amadeus III. verlegten Karl und sein Gefolge ihre Residenz nach Koblenz, wo sie am 17. Juni 1791 ankamen und wo zwei Tage später auch die Comtesse de Polastron eintraf. Karl wurde zusammen mit seinen Begleitern vom dortigen Landesherrn, seinem Onkel Clemens Wenzeslaus von Sachsen, der Erzbischof und Kurfürst von Trier war, standesgemäß aufgenommen. Dann reiste der Prinz seinem Bruder, dem Grafen von Provence, der glücklich aus Frankreich geflüchtet war, nach Brüssel entgegen. Das Treffen der beiden Brüder am 27. Juni verlief indessen nicht harmonisch. Am 4. Juli traf Karl in Aachen König Gustav III. von Schweden, den Verfechter des Legitimismus, und verabredete mit ihm und dem Grafen von Provence die künftige Haltung. Über Bonn reisten Karl und sein Bruder wieder nach Koblenz und residierten seit dem 7. Juli im nahegelegenen Schloss Schönbornslust, wo sie auf Kosten ihres Onkels üppig und mit einem großen Hofstaat lebten. Hier richteten sie für die nächsten zwölf Monate das Hauptquartier der französischen Emigranten ein. Trotz mancher politischer Differenzen bestand das Hauptziel der im Exil lebenden Prinzen darin, mit militärischer Gewalt die absolute Monarchie in Frankreich wiederherzustellen; dabei nahmen sie auch die daraus resultierende Gefährdung Ludwigs XVI. in Kauf. Der radikaler als sein Bruder auftretende Karl konnte zunächst seine Rolle als politischer Führer der Emigranten behaupten, deren wichtigste Aktivitäten in Koblenz in der Aufstellung einer schlagkräftigen Armee und der Intensivierung der diplomatischen Vorstöße, Österreich und Preußen endlich zu einer großangelegten Unterstützung einer Militäroffensive zu bewegen, bestand.

In Koblenz installierte der Graf von Provence am 26. Juli 1791 einen Ministerrat, dem indessen der Karl ergebene Calonne vorstand. Die beiden französischen Prinzen versuchten vergeblich, ihrer „Exilregierung“ bei den ausländischen Mächten Anerkennung zu verschaffen. Sehr ungelegen war es für Kaiser Leopold II. und König Friedrich Wilhelm II. von Preußen, dass bei ihrer Zusammenkunft in Pillnitz am 26. August auch der Graf von Artois mit Calonne und Condé erschien, nachdem er zuvor in Wien einen unerwünschten Besuch abgestattet hatte. Auf sein Drängen verabschiedeten die beiden Monarchen am 27. August als Drohgebärde gegenüber Frankreich die Pillnitzer Deklaration, die Karl aber als zu moderat empfand. Nachdem Ludwig XVI. am 14. September den Eid auf die Verfassung abgelegt hatte, bat er seine Brüder, Proteste zu unterlassen; diese richteten aber bereits am 10. September an ihn ein Manifest, in dem sie sich gegen alles verwahrten, was er zur Schmälerung der ererbten Thronrechte getan habe, und ihn als persönlich unfrei bezeichneten. Die Nationalversammlung verfügte gegen die exilierten Prinzen am 9. November den Erlass, sie sollten, wenn sie bis zum 1. Januar nicht zurückkehrten, dem Tode verfallen. Ludwig XVI. legte dagegen sein Veto ein, musste aber den Prinzen den Befehl zur Heimkehr zustellen. Am 1. Januar 1792 klagte ein Dekret der Nationalversammlung Karl, seinen Bruder, den Grafen von Provence, sowie Condé des Hochverrats an und verordnete die Sequestrierung ihrer Güter, die Nationaleigentum wurden. Karl antwortete mit Schmähungen; seine Apanage von 2 Millionen Francs wurde eingezogen und seine zahlreichen Gläubiger wurden zufriedengestellt. Die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich erfolgte am 20. April 1792, womit der Erste Koalitionskrieg begann.

Karl, sein Bruder, der Graf von Provence, und die französischen Emigranten waren über diese Entwicklung erfreut, da sie nun mit einer verstärkten Unterstützung der europäischen Mächte zur Revidierung der Verhältnisse in Frankreich in ihrem Sinn rechneten. Zum Unmut Karls ließen sich die Herrscher Österreichs und Preußens aber nicht von den Emigranten beeinflussen und behandelten deren Armee nur als untergeordnete Hilfstruppe. Die Alliierten drangen in Nordostfrankreich ein, so dass Karl und sein Bruder Ende August 1792 wieder heimatlichen Boden betreten konnten. In ihrer Deklaration vom 8. August 1792 hatte die beiden Prinzen zwar nicht die Rückkehr zur absoluten alleinigen Königsmacht des Ancien Régime gefordert, sehr wohl aber die Rücknahme der politischen Entwicklungen seit Ausbruch der Revolution 1789. Sie gaben sich als Befreier und waren überzeugt, für die Wiederherstellung von Recht und Ordnung zu kämpfen. Die Bewohner der von den Alliierten kurzzeitig eroberten französischen Gebiete begegnete den Prinzen zumindest mancherorts wie etwa in Longwy durchaus wohlwollend. Gegen eingefleischte Vertreter der Revolutionsregierung gingen die Prinzen unnachgiebig vor, auch ließen sie konstitutionelle Priester vertreiben, doch traten sie ansonsten im Allgemeinen eher gemäßigt auf. Nach der Kanonade von Valmy (20. September 1792) mussten sich die Alliierten aus Frankreich zurückziehen und in der Folge weitere militärische Rückschläge hinnehmen. Dieser für Karl und seinen Bruder unerwartete Misserfolg war für sie umso demütigender, als ihnen jede größere Einflussnahme auf die politisch-militärische Entscheidungen der Alliierten verwehrt war.

Jahre des Exils nach der Hinrichtung Ludwigs XVI.

Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Grafen von Provence, hatte Karl beim Rückzug der Alliierten aus Frankreich sein Hauptlager in Verdun überstürzt verlassen müssen. Wegen fehlender Geldmittel waren die Prinzen auch zur Auflösung ihrer Emigrantenarmee gezwungen. Der preußische König Friedrich Wilhelm II. bot ihnen Asyl im westfälischen Hamm an, wo der Graf von Artois am 28. Dezember 1792 und kurz darauf auch sein Bruder eintrafen. Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. am 21. Januar 1793 proklamierte sich der Graf von Provence am folgenden 28. Januar zum Regenten für seinen von ihm als Ludwig XVII. zum neuen König erhobenen minderjährigen, im Temple gefangen gehaltenen Neffen. Gleichzeitig verlieh er Karl den Titel eines Generalleutnants des Königreichs. Im März 1793 traf der nach Russland gereiste Karl in Sankt Petersburg die Kaiserin Katharina II., erlangte aber von ihr nur pekuniäre Unterstützung, jedoch keine politischen Zusagen. Sie schenkte dem Grafen einen geweihten, mit Diamanten besetzten Degen, den er in London für 100.000 Francs verkaufte. Auch die von Karl im Mai 1793 nach England unternommene Reise verlief für ihn enttäuschend. Im Juni 1793 begab er sich wieder nach Hamm und wohnte hier etwa ein Jahr lang in Gesellschaft der Comtesse de Polastron.

Nach dem Tod Ludwigs XVII. im Juni 1795 beanspruchte der Graf der Provence als Ludwig XVIII. den Königstitel. Karl wurde von den Royalisten nun als Monsieur bezeichnet, ein Titel, der traditionell dem ältesten Bruder des Königs von Frankreich und präsumtiven Thronerben zustand. Auf die Bitten der Vendéer, die seit 1793 einen royalistischen Aufstand gegen französische republikanische Truppen führten, ging Karl am 25. August 1795 in Plymouth mit 140 Transportschiffen unter Segel, welche die britische Regierung ausgerüstet und dem Commodore Warren unterstellt hatte. Er versuchte eine Invasion der Bretagne und landete am 29. September auf der Île d’Yeu. Charette, ein Führer des Vendée-Aufstandes, eilte ihm mit über 15.000 Mann entgegen. Doch das Unternehmen misslang, und am 18. November 1795 segelte Karl wieder nach England zurück. Charette schrieb dem zaudernden Verhalten des Grafen das Scheitern der Expedition zu.

Nun bat Karl die britische Regierung um Asyl, erreichte Anfang Januar 1796 Leith, den Hafen Edinburghs, und begab sich in den ihm als Wohnsitz angewiesenen, wenig einladend wirkenden Holyrood Palace. Dort versteckte sich der Prinz vor seinen Gläubigern. Die britische Regierung gewährte ihm eine Pension von 15.000 Pfund Sterling. Weiterhin unterstützte er geplante Revolten oder Verschwörungen in Frankreich, so 1803 im Bund mit den Engländern Georges Cadoudals Komplott gegen den Ersten Konsul Napoleon Bonaparte. Bei seinen diversen Aktionen sprach er sich oft mit dem Grafen von Provence, mit dem er rivalisierte, nicht ab. Stattdessen verfolgte er seine eigenen politischen Interessen und handelte seinem Bruder sogar öfters entgegen. Politische Agenten vertraten seine Intentionen an mehreren europäischen Höfen und in Frankreich. Um seinen jüngeren Bruder besser kontrollieren zu können, beauftragte der Graf von Provence schließlich seinen Vertreter in Großbritannien, den Herzog François-Henri d’Harcourt, mit der Überwachung Karls. Nach außen hin versuchten die beiden Brüder aber ein harmonisches Verhältnis zu demonstrieren, da eine offene Austragung ihrer Konflikte ihrem gemeinsamen Ziel, der bourbonischen Dynastie wieder die Macht in Frankreich zu verschaffen, nicht förderlich gewesen wäre. So einigten sie sich, dass jeder von ihnen nur in bestimmten Gebieten Frankreichs Einfluss nehmen sollte, aus denen sich der jeweils andere herauszuhalten hatte.

Nach einer Einigung mit seinen Gläubigern, die ihm die Gefahr einer Inhaftierung im Schuldgefängnis ersparte, zog Karl 1799 vom Holyrood Palace in ein vornehmes Haus in der Baker Street in London unweit der Residenz des britischen Premierministers William Pitt. Nun traf er sich fast täglich mit seiner in der Nähe wohnenden Geliebten, der Comtesse de Polastron, pflegte aber auch seine Beziehungen mit dem Prinzen von Wales und weiteren bedeutenden Persönlichkeiten in London. 1803 wurde seine Mätresse krank und zog aufs Land, da dort bessere klimatische Verhältnisse herrschten. Sie konnte aber ihre Gesundheit nicht mehr herstellen, wurde nach London zurückgebracht und starb dort am 27. März 1804 im Alter von nur 39 Jahren. Diesen Verlust vermochte der Graf von Artois nur schwer zu ertragen, während ihm der Tod seiner rechtmäßigen Gattin Maria Theresia, die im Juni 1805 in Graz starb, nicht naheging.

Am 6. Oktober 1804 traf Karl in der schwedischen Stadt Kalmar, wohin er von London aus gereist war, seinen Bruder, den Grafen von Provence, nachdem er in Grodno nicht bei ihm erschienen war. Im Gegensatz zu diesem wollte er nach wie vor von Zugeständnissen an die aufgrund der Revolution geänderten politischen Verhältnisse in Frankreich nichts wissen und blieb daher seinem Bruder innerlich fremd. Von Kalmar kehrte er nach England zurück. 1805 gestattete ihm der österreichische Herrscher abermals nicht die Teilnahme an den Koalitionskriegen. Unangenehm war ihm, dass sein Bruder 1807 auch nach England übersiedelte. Er tat alles dagegen, denn er wollte die Leitung der Emigranten nicht an ihn einbüßen, und suchte George Canning dazu zu bewegen, dass er dem Grafen von Provence den Aufenthalt nur in Schottland gestatte. Allerdings erreichte er nicht sein Ziel; sein Bruder traf im November 1807 in England ein und blieb dort die folgenden Jahre. Nach außen hin traten die Brüder nun wieder etwas einvernehmlicher auf, verharrten aber bei ihren unterschiedlichen politischen Einstellungen. Sie hielten sich noch bis 1813 in Großbritannien auf.

Krönungszeremonie von Karl X.
Medaille auf Charles’ X. Verfassungsschwur
Medaillenrevers mit Schwurwortlaut vom 17. September 1824
40-Francs-Goldmünze von 1830

Erste Restauration der Bourbonenmonarchie

Hauptartikel: Restauration (Frankreich)

Als nach der weitgehenden Niederringung Napoleons durch die alliierten Mächte eine Restauration der Bourbonenmonarchie in Frankreich im Januar 1814 in Reichweite schien, verließ Karl mit seinen beiden Söhnen und mit stillschweigender Billigung der britischen Regierung England, um auf britischen Kriegsschiffen zum europäischen Kontinent überzusetzen. Dabei handelte er in vorheriger Absprache mit seinem älteren Bruder, der als Ludwig XVIII. möglichst bald tatsächlich den französischen Thron besteigen wollte. Karl war von seinem Bruder mit großen Vollmachten ausgestattet worden, landete am 27. Januar in Scheveningen und sollte im Gefolge der gegen Frankreich vordringenden Streitkräfte der gegen Napoleon verbündeten Mächte für die Interessen der Bourbonen werben. Von Holland aus reiste er über Deutschland in die Schweiz und kam am 19. Februar auf französisches Gebiet. Zunächst hielt er sich in Vesoul nahe der ostfranzösischen Grenze auf. Er versuchte, Verbindungen mit den Repräsentanten der Regierungen der antinapoleonischen Alliierten anzuknüpfen, die jedoch damals noch einen Friedensschluss mit Napoleon erwogen.

Talleyrand spielte eine zentrale Rolle bei der Restauration der Bourbonen, nahm aber längere Zeit von Karls Anwesenheit in Frankreich nicht offiziell Notiz. Schließlich bat er ihn nach Napoleons Absetzung, nach Paris zu kommen. Der Prinz brach hierauf von Nancy auf und zog am 12. April 1814 in Begleitung von Nationalgardisten und hochrangigen Militärs in Paris ein, das er 25 zuvor verlassen hatte. Nach seinem Empfang durch Talleyrand und andere Vertreter der provisorischen Regierung sowie den Pariser Stadtrat besuchte er die Kathedrale Notre-Dame. Danach begab er sich unter Sympathiekundgebungen der Pariser in den Tuilerien-Palast, der als seine Residenz vorgesehen war. Da der Graf von Provence erst dann offiziell unter dem Namen Ludwig XVIII. als König anerkannt werden sollte, wenn er den Eid auf eine vom Senat ausgearbeitete liberale Verfassung geleistet hätte, wollte der Senat aber nicht jene Vollmachten akzeptieren, die Karl von seinem älteren Bruder übertragen worden waren. Der Senat argumentierte, dass der Graf von Provence aufgrund des bisher nicht abgelegten Verfassungseids noch nicht König sei und daher Karl auch mit keinen königlichen Vollmachten hätte ausstatten können. Schließlich wurde zwei Tage nach Karls Ankunft in Paris der Kompromiss gefunden, dass Karl sein Amt als Generalleutnant des Königreichs nicht von einem König, den es nach der Meinung des Senats noch nicht gab, sondern vom Senat selbst empfangen habe. So erhielt Karl einstweilen die Regierungsgewalt und nahm damit kurzzeitig den ersten Rang bis zur Ankunft seines älteren Bruders Ende April in Frankreich ein. Er begrüßte den zurückgekehrten Ludwig XVIII. in Compiègne und ritt neben dessen offener Kutsche am 3. Mai 1814 auf einem Schimmel in Paris ein.

Aufgrund der entscheidenden Rolle Karls bei der Restauration der Bourbonenmonarchie und weil sein Sohn, der Herzog von Angoulême, am 12. März 1814 als erster in Bordeaux eingezogen war und damit bedeutendes Ansehen errungen hatte, verfügte Karl nun über einen für einen Prinzen ungewöhnlich großen Einfluss auf die Politik des regierenden Königs. Er und seine Söhne wurden Pairs und partizipierten 1814/15 als Mitglieder des Ministerrats an den Regierungsgeschäften. Wie vor 1789 wurde Karl wieder Generaloberst der Schweizergarden, außerdem auch im Mai aller Nationalgarden Frankreichs. Er residierte im Pavillon de Marsan des Tuilerien-Palastes, hielt sich dort einen eigenen, großen Hofstaat und verkehrte mit Anhängern einer strikt reaktionären Politik, den sog. Ultraroyalisten. Der ohne Nachkommen gebliebene Ludwig XVIII. verfolgte dagegen eine gemäßigtere Linie, war auf Ausgleich zwischen ehemaligen Vorkämpfern der Revolution, Bonapartisten und bourbonischen Royalisten bedacht und hoffte seinen Bruder durch dessen Einbindung in die Regierung im Zaum halten zu können, was indessen nur bis Ende 1814 gelang. Karl hatte in den entscheidenden Apriltagen 1814 eine versöhnliche Haltung eingenommen, ohne die königliche Autorität bedrohende Konzessionen zu machen und sah auch im Ministerrat von zu reaktionären Forderungen ab. Dennoch war er mit manchen liberalen Zugeständnissen Ludwigs XVIII. nicht einverstanden, wie wohl u. a. sein Fernbleiben bei der feierlichen Verkündigung einer moderaten Verfassung, der Charte constitutionnelle, am 4. Juni 1814 andeutet. Vor allem in Personalfragen erreichte er öfters die Zustimmung des Königs zu den von ihm vorgeschlagenen Kandidaten. Insgesamt gesehen arbeiteten die Brüder 1814/15 enger zusammen als danach.

Als Karl Anfang März 1815 von Napoleons Rückkehr nach Frankreich hörte, war er außer sich. Er eilte in Begleitung von Jacques MacDonald nach Lyon, doch die Soldaten zeigten sich ihm gegenüber kühl und Lyon erklärte sich bald für Napoleon, sodass MacDonald die Stadt räumte. Karl flüchtete nach Moulins und kehrte am 12. März in die Tuilerien zurück. Er meinte, dass Paris geräumt werden müsse. In der außerordentlichen Sitzung der Kammer vom 16. März schwor er im Namen aller Prinzen, treu dem König und der konstitutionellen Charte zu leben und zu sterben. In der Nacht zum 20. März folgte er dem König ins zweite Exil, entließ auf dem Weg nach Brügge die Truppen und ging wie Ludwig XVIII. nach Gent. Dort durften die beiden Brüder, die sich nun auf dem Territorium des neuen, von König Wilhelm I. regierten Königreichs der Vereinigten Niederlande befanden, in den nächsten Monaten residieren. Karls hier auf seinen Bruder ausgeübter Einfluss ärgerte Männer wie Talleyrand u. a.

Zweite Restauration und Karls Rolle während der Herrschaft Ludwigs XVIII.

In der Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815) wurde Napoleon endgültig besiegt, woraufhin Ludwig XVIII. wieder den französischen Thron besteigen konnte und bis zu seinem Tod 1824 regierte. An der Seite Ludwigs zog Karl am 8. Juli 1815 in Paris ein. Er und seine Söhne hatten nun keine Sitze mehr im Ministerrat inne. Am 7. Oktober 1815 beschwor er in der Deputiertenkammer die Charte. Zu Beginn der zweiten Restauration herrschte noch eine gewisse Einigkeit zwischen dem König und seinem jüngeren Bruder bezüglich ihrer Überzeugung, dass ein hartes Vorgehen gegen die Unterstützer Napoleons während dessen erneuter Herrschaft nach der Rückkehr von Elba notwendig sei. Karl sprach sich etwa im Prozess des Marschalls Michel Ney ungünstig für den Angeklagten aus. Im Allgemeinen trat er für rigorosere Maßnahmen gegen ehemalige Helfer Bonapartes als Ludwig XVIII. ein und erreichte, dass der König eine schärfere Gangart einschlug. In der folgenden, von 1816–20 dauernden liberaleren Phase von Ludwigs Regierungszeit häuften sich aber die politischen Differenzen zwischen den Brüdern, da der Graf von Artois die gemäßigte Politik Ludwigs XVIII. missbilligte. Er sah Anhänger der Revolution und Bonapartisten als Gefahr für die Bourbonenherrschaft an und negierte daher jegliche Zugeständnisse an sie. So wurde er der bedeutendste Repräsentant der mit ihm auf einer politischen Linie liegenden Ultraroyalisten, vermochte aber auf deren Politik keinen beherrschenden Einfluss auszuüben. Zu den reaktionär eingestellten Beratern Karls gehörten u. a. Jules de Polignac und der Abbé Jean-Baptiste de Latil.

Als Ludwig XVIII. die von den Ultraroyalisten dominierte Chambre introuvable im September 1816 auflöste, stieß dieser Erlass auf den heftigen Widerspruch Karls. Er kritisierte auch offen das im Januar 1817 verabschiedete neue Wahlgesetz, da es seiner Ansicht nach zu liberal war. Wegen seiner anhaltenden Opposition verbot ihm der König den Besuch der Pairskammer. Indessen beanstandete Karl massiv eine die bisherige Laufbahnpraxis der Offiziere ändernde Regelung, die 1818 Eingang in damals beschlossene Gesetze fand. Da der Kriegsminister Laurent de Gouvion Saint-Cyr im November 1817 die entsprechende Gesetzesinitiative eingebracht hatte, forderte Karl, allerdings vergeblich, dessen Entlassung. Von ihm ausgesprochene öffentliche Drohungen wies der König schroff zurück und äußerte große Bedenken hinsichtlich der Thronfolge seines jüngeren Bruders. Karl verlangte jedoch sogar die Absetzung des dem König nahestehenden Polizeiministers Élie Decazes und drohte für den Fall der Nichterfüllung dieses Wunsches mit seiner Abreise vom Hof. Schmerzhaft war für ihn dann insbesondere die am 30. September 1818 erlassene königliche Ordonnanz, nach der er den Oberbefehl über die Nationalgarde verlor, die für ihn eine wichtige Machtbasis dargestellt hatte. Diese von ihm als Demütigung verstandene Verfügung empörte ihn sehr; und er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Auf den jüngeren Sohn Karls, der Herzog von Berry, wurde am 13. Februar 1820 ein tödliches Attentat verübt, wofür Karl und die Ultraroyalisten die liberale Politik von Decazes verantwortlich machten und massiven Druck für dessen Absetzung ausübten. Ludwig XVIII. musste Decazes schließlich am 20. Februar entlassen. Neuer Präsident des Ministerrats wurde abermals der Herzog von Richelieu, der dieses Amt erst auf die eindringlichen Bitten Karls hin übernommen hatte. Auf die liberale Ära folgte die sog. dritte Restauration, in welcher der politische Einfluss Karls und der Ultraroyalisten wuchs. Dieser Rechtsruck verschärfte die Gegensätze zwischen den Liberalen und den reaktionären Politikern, die sich in zwei unversöhnlichen Lagern gegenüberstanden. Trotz seines Versprechens, Richelieu zu unterstützen, trug Karl dann wesentlich dazu bei, dass Richelieus Position aufgrund der Gegnerschaft von Liberalen und Ultraroyalisten unhaltbar wurde, sodass Richelieu im Dezember 1821 verbittert zurücktrat. Der Graf von Artois wirkte aktiv an der Bildung des neuen Kabinetts mit, in dem Jean-Baptiste de Villèle Finanzminister sowie de facto – ab September 1822 auch offiziell – Regierungschef wurde. Da nun seine politischen Verbündeten Mitglieder des Kabinetts waren und sich der Gesundheitszustand Ludwigs XVIII. kontinuierlich verschlechterte, steigerten sich Karls Einflussmöglichkeiten bis zum Tod des Königs immer weiter. Von der französischen Militärintervention in Spanien 1823 erwartete er sich die Wiederherstellung der absolutistischen Regierung König Ferdinands VII. um so mehr, als sein älterer Sohn, der Herzog von Angoulême, sie leitete. Im Dezember 1823 empfing er befriedigt seinen siegreichen Sohn. Villèle beriet sich stets zuerst mit Karl, ehe er die zu erlassenden Verordnungen dem König vortrug. Am 15. September 1824, einem Tag vor seinem Tod, beschwor Ludwig XVIII. noch seinen Bruder, die liberale Charte auch weiterhin als Richtlinie für die Herrschaft zu beachten.

König (1824–1830)

Nach dem Tod Ludwigs XVIII. am 16. September 1824 bestieg sein jüngerer Bruder, der 67-jährige Graf von Artois, als König Karl X. den französischen Thron. Er war ein Herrscher nach dem Geschmack der politisch weit rechts stehenden Ultraroyalisten. Aufgrund der bisherigen moderaten Politik Ludwigs XVIII. und der von der Rechten bei den Wahlen vom März 1824 errungenen komfortablen Mehrheit in der für sieben Jahre gewählten Deputiertenkammer verlief der Thronwechsel problemlos. Karl hatte zu Beginn seiner Regierung kaum mit parlamentarischer Opposition zu rechnen, bestätigte das Kabinett Villèle im Amt und war dank dessen vorsichtiger Finanzverwaltung budgetärer Sorgen enthoben. Er bemühte sich mit den ersten Verlautbarungen, seinen guten Willen zu zeigen und erklärte am 17. September beim Empfang von Delegationen beider Kammern beim morgendlichen Lever in Saint-Cloud, er werde im Geist seines Bruders regieren und die Charte konsolidieren. Auch strebte er nach Popularität und hob am 29. September, angeblich gegen Villèles Wunsch, die Zensur auf. Bei seinem feierlichen Einzug in Paris hoch zu Ross machte er gute Figur, wurde bejubelt und gab sich auch bei der Truppenrevue am 29. September dem Publikum gegenüber leutselig. So gewann er kurzzeitig sogar die Liberalen für sich.

Der König kündigte aber bereits im Dezember 1824 bei der Eröffnung der Sitzungsperiode beider Kammern zwei die Liberalen verärgernde Gesetzesvorhaben an. Der erste Gesetzesentwurf betraf die Entschädigung ehemaliger Emigranten, deren Güter während der Terrorherrschaft vom Staat eingezogen und als „Nationalgüter“ verkauft worden waren. Nach kontroversen Diskussionen wurde das Gesetz am 27. April 1825 beschlossen. Demnach stand eine Gesamtentschädigungssumme von 988 Millionen Francs durch Übergabe dreiprozentiger Rentenpapiere zur Verfügung. 25.000 Entschädigungsanträge wurden positiv beschieden. Die meisten Emigranten konnten sich mit diesen Finanzmitteln nur kleine Ländereien kaufen, so dass die Struktur des Grundbesitzes in etwa gleichblieb. Das Entschädigungsgesetz verschärfte aber die ideologischen Gegensätze zwischen Anhängern der Ideen der Revolution und jenen der Restauration. Des Weiteren forcierte der seit dem Ableben der Comtesse de Polastron zum tiefgläubigen Katholiken gewordene König die Verabschiedung eines Sakrileggesetzes, das für die Profanation geweihter Gefäße oder Hostien die Todesstrafe vorsah. Es bedrohte auch den Einbruchdiebstahl in Kirchen mit dem Tod. Nach der Annahme des Gesetzes in der Pairskammer (10. Februar 1825) stimmte auch eine große Mehrheit in der Deputiertenkammer am 11. April für die Vorlage. Dieses Gesetz wurde aber nie angewendet.

Generell nahm der Einfluss des Klerus seit Karls Regierungsantritt beträchtlich zu. Neben dem Sakrileggesetz hatte das Kabinett, einem Vorschlag Karls folgend, aber gegen den Willen Villèles bereits am 21. November 1824 beschlossen, auch ein Gesetz zur erneuten Erlaubnis religiöser Kongregationen auf den Weg zu bringen. Geistliche spielten im französischen Unterrichtswesen eine immer größere Rolle; viele Priester waren Leiter königlicher Kollegien oder Rektoren kommunaler Schulen. Die liberale Presse kritisierte immer heftiger das Eindringen des Jesuitismus in Staat, Schule und Gesellschaft. Gerüchteweise wurde kolportiert, dass Karl selbst dem Jesuitenorden beigetreten sei und sich nach seiner Thronbesteigung heimlich zum Priester habe weihen lassen. Jedenfalls trat er für die Wiederherstellung der Macht der katholischen Kirche ein. Sein enger Bund mit Papst Leo XII. beunruhigte die Liberalen.

Auf Unzufriedenheit stieß in oppositionellen Kreisen ferner der Entschluss des Königs, seinen ältesten Sohn, den Herzog von Angoulême, gemäß dem alten Brauch der Bourbonen zum Dauphin zu machen. Auch seine am 29. Mai 1825 erfolgte Salbung und Krönung in der Kathedrale von Reims durch den Erzbischof von Paris, mit dem prunkvollen Zeremoniell des Ancien Régime, verdeutlichte, dass er sich als König von Gottes Gnaden betrachtete und nicht als konstitutionellen Monarchen. Karl X. war sehr würdebewusst, strebte die Wiederherstellung der altehrwürdigen monarchischen Traditionen an und wollte, wenn er auch nicht für die absolute Königsmacht eintrat, keinesfalls dulden, dass er einer Kontrolle unterliege. Zwar war er ehrlich um das Wohlergehen seiner Untertanen bemüht, aber im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Ludwig XVIII. nicht so kompromissfähig, seine politischen Positionen an die Möglichkeiten der aktuellen Zeitumstände anzupassen; stattdessen hielt er eigensinnig an seiner vorgefassten Meinung über seine Rolle als Herrscher fest. Seine anfängliche Popularität war bereits geschwunden; bei seiner Rückkehr nach Paris am 6. Juni 1825 wurde er von den Einwohnern der Metropole sehr zurückhaltend empfangen.

Erst 1829, als das Ergebnis der Wahlen die Sinnlosigkeit der Repressionspolitik der Regierung von Jean-Baptiste de Villèle bewiesen hatte, stimmte Karl zu, eine Politik des Kompromisses zu versuchen. Inzwischen war es jedoch zu spät. Villèles Nachfolger war Jean-Baptiste Gay, vicomte de Martignac, der sich Élie Decazes zum Vorbild nahm. In seiner Thronrede verkündete Karl, dass das Glück Frankreichs von der aufrichtigen Union der königlichen Autorität mit den in der Verfassungsurkunde verankerten Freiheiten abhinge.

Die Freiheit führt das Volk ist eine allegorische Darstellung von Eugène Delacroix der Julirevolution
Hauptartikel: Julirevolution von 1830

Das revolutionsbedingte Ende der Herrschaft von Karl X. war zur Jahreswende 1829/1830 noch nicht abzusehen. Zwar betraf ein ungewöhnlich langer Winter das Land, der die Ernten zunichtemachte. Dennoch brachen Hungeraufstände nur in einigen Regionen Frankreichs aus. Auch die Gefahr eines Militärputsches schien gering, da die Armee gerade mit der Eroberung Algeriens beschäftigt war. Die französische Regierung unter Premierminister Jules de Polignac hoffte mit der Errichtung einer Kolonie in Nordafrika von innenpolitischen Spannungen zwischen Parlament und Monarch ablenken zu können. Die zweite Kammer des Parlamentes hatte nämlich im März 1830 von Karl X. gefordert, zukünftig Minister aus der Regierung zu entlassen, die keinen Rückhalt in der Kammer fanden (Ministerverantwortlichkeit). Das Parlament versuchte auf diese Weise Einfluss auf den politischen Kurs der königlichen Regierung zu gewinnen. Daraufhin ließ Karl X. Neuwahlen veranlassen, um die Opposition gegen sich zu brechen. Derweil landeten unter dem Vorwand die Piraterie und Versklavung im Mittelmeer zu bekämpfen, im Juni 1830 etwa 37.000 Soldaten an der algerischen Küste. Am 4. Juli 1830 nahmen die Truppen Algier ein. Die Erwartungen der königlichen Regierung erfüllten sich indes nicht. Die wahlberechtigten Bürger stärkten die oppositionellen Kräfte im Parlament weiter. Die Liberalen bekamen am 3. Juli 1830 274 Abgeordnetensitze. Dies waren 53 Plätze mehr als bisher und eine deutliche Niederlage für den politischen Kurs der Regierung Polignac.

Konfrontiert mit den neuen Mehrheitsverhältnissen im Juli 1830 plante Karl neue Wahlen unter einem veränderten rechtlichen Rahmen. In den sogenannten Juliordonnanzen vom 26. Juli 1830 legte er unter anderem eine Erneuerung des Wahlzensus fest, die die Mehrheit des Bürgertums von der Wahlberechtigung ausschloss. 75 % der zuvor wahlberechtigten Bürger durften nicht mehr an einer Abstimmung teilnehmen. Zudem setzten die Beschlüsse eine strengere Zensur durch.

Karl X. erließ die Verordnungen, ohne zuvor Sicherheitsvorkehrungen für Paris zu treffen. In der französischen Hauptstadt waren nicht genug Truppen stationiert worden, um auf eventuelle Proteste und Unruhen reagieren zu können. Der König selbst zeigte keine Präsenz. Er verreiste zu seinem Landsitz Rambouillet und vergnügte sich dort bei der höfischen Jagd. Am 27. Juli 1830 entstanden erste Barrikaden in der Umgebung des Palais Royal. Am Abend desselben Tages spitzte sich die Situation weiter zu. Protestierende Studenten, Arbeiter und aus dem Dienst geschiedene Soldaten versammelten sich auf den Straßen von Paris. Die Menschenmassen breiteten sich in der Stadt ungehindert aus, da der kommandierende Marschall seine Truppen am Louvre konzentrierte. Auch am 28. Juli erhielt der Marschall noch immer keine Anweisungen von Karl X. Teile seiner Truppen begannen daher bei ersten Zusammenstößen zu den Aufständischen überzulaufen. Schließlich zogen sich die Regierungstruppen am 29. Juli 1830 aus der Stadt zurück.

Am 2. August 1830 verzichtete Karl X. auf seinen Thron und bestimmte seinen Enkel Henri d’Artois zu seinem Nachfolger. Das Parlament zeigte sich hiervon jedoch unbeeindruckt und proklamierte am 7. August 1830 Louis-Philippe I. zum König der Franzosen. Damit begann in Frankreich die Zeit der sogenannten Julimonarchie, die bis 1848 bestand. Mit dem Königtum von Louis-Philippe dominierten nicht länger die politischen Interessen der Aristokratie und des Klerus das Land, sondern die des Großbürgertums (vor allem Bankiers und Großgrundbesitzer).

Karl vollzog einen Rückzug mit seinem Gefolge zur Küste, begleitet von Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Abgesehen von der Beobachtung seiner Bewegungen tat die neue Regierung nichts, um seinen Abzug aufzuhalten. Bei Maintenon trennte sich Karl vom Großteil seiner Truppen und zog mit einer Eskorte von 1.200 Mann weiter nach Cherbourg, wo er sich am 16. August nach England einschiffte. Für eine Zeit lang kehrte er in den Holyrood Palace bei Edinburgh zurück, der zu seiner Verfügung stand. Später ging er nach Prag und Ende Oktober 1836 schließlich nach Görz (damals Österreich, heute geteilt zwischen Italien und Slowenien) als Gast des Grafen Coronini von Cronberg. Siebzehn Tage nach seiner Ankunft in Görz starb Karl X. am 6. November 1836 an der Cholera und wurde am 11. November 1836 im Kloster Kostanjevica (heute in Nova Gorica in Slowenien) zur letzten Ruhe gebettet. In der dortigen Bourbonengruft ruhen fünf weitere Familienangehörige und ein Getreuer.

Sarkophag Karls X. in der Bourbonengruft des Klosters Kostanjevica (Nova Gorica/Slowenien)
König Karl X. in der Uniform eines Obersten der Nationalgarde
  • Graf von Artois (1757)
  • Herzog von Angoulême und Pair von Frankreich (1773)
  • Graf von Limoges und Pair von Frankreich (1773–1776)
  • Herzog der Auvergne und von Mercoeur und Pair von Frankreich (1773–1778)
  • Marquis von Pompadour und Vizegraf von Turenne (1774–1776)
  • Schlossherr von Cognac und Bagatelle (1775)
  • Herzog von Berry, Châteauroux und La Meilleraye
  • Graf von Argenton und Ponthieu und Herr von Henrichemont (1776)
  • Marquis von Maisons (1777)
  • Graf von Poitou (1778)
  • Baron von Picquigny (1779)
  • Graf von Saint-Valery und Roc-de-Cayeux (1780)
  • Baron von Domart (1782)
  • Colonel général des Cent-Suisses et Grisons (1771–1790)
  • Colonel général de Garde nationale
Prinzessin Marie Therese von Sardinen

Karl hatte 1773 Maria Theresia von Sardinien geheiratet, mit der er folgende vier Kinder hatte:

  1. Louis-Antoine de Bourbon, duc d’Angoulême (* 6. August 1775; † 3. Juni 1844) :⚭ 1799 Prinzessin Marie Therese von Frankreich, Tochter von König Ludwig XVI.
  2. Sophie d’Artois (* 5. August 1776; † 5. Dezember 1783)
  3. Charles Ferdinand d’Artois, Herzog von Berry (* 24. Januar 1778; † 14. Februar 1820) :⚭ 1816 Maria Karolina von Neapel-Sizilien (1798–1870)
  4. Marie Thérèse d’Artois (* 6. Januar 1783; † 22. Juni 1783).
  • Georges Bordonove: Charles X : dernier roi de France et de Navarre. Pygmalion, Paris 1990, ISBN 2-85704-322-8
  • José Cabanis: Charles X: roi ultra. Gallimard, Paris 1972.
  • André Castelot: Charles X : la fin d’un monde. Perrin, Paris 1988.
  • Jean-Paul Clément: Charles X. Le dernier Bourbon. Editions Perrin, Paris 2015, ISBN 978-2-262-04386-5.
  • Jean-Paul Garnier: Charles X, le roi, le proscrit. Fayard, Paris 1967.
  • Pierre de La Gorce: La Restauration, Band 2: Charles X. Plon, Paris 1927.
  • Yves Griffon: Charles X : roi méconnu. Rémi Perrin, Paris 1999, ISBN 2-913960-00-6
  • Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-020584-0, S. 79–130.
  • Éric Le Nabour: Charles X : Le dernier roi. Jean-Claude Lattès, Paris 1980.
  • Landric Raillat: Charles X ou le sacre de la dernière chance. Payot, Paris 1965.
  • Hans-Ulrich Thamer: Karl X. In: Peter Claus Hartmann (Hrsg.): Die Französischen Könige und Kaiser der Neuzeit 1498–1870. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. Beck, München 1994, ISBN 3-406-38506-0, S. 389–401.
  • Villebrumier (d. i. Jacques Vivent): Charles X: dernier roi de France et de Navarre. Le Livre contemporain, Paris 1958.
Commons: Karl X. (Frankreich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 80.
  2. Arthur Kleinschmidt: Karl X. (Philipp). In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 2. Sektion, Bd. 33 (1883), S. 162.
  3. Arthur Kleinschmidt, in: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 2. Sektion, Bd. 33 (1883), S. 163.
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  7. Hans-Ulrich Thamer, in: Die Französischen Könige und Kaiser der Neuzeit, 1994, S. 392.
  8. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 81.
  9. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 83.
  10. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 83 f.
  11. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 84 f.
  12. Hans-Ulrich Thamer, in: Die Französischen Könige und Kaiser der Neuzeit, 1994, S. 392 f.
  13. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 85.
  14. Hans-Ulrich Thamer, in: Die Französischen Könige und Kaiser der Neuzeit, 1994, S. 393.
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  19. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 15 f.
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  38. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 97.
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  40. Klaus Malettke: Die Bourbonen, Bd. 3, 2009, S. 96 f.
  41. Adam Zamoyski: Phantome des Terrors. Die Angst vor der Revolution und die Unterdrückung der Freiheit. Beck, München 2016, S. 390.
  42. Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert. 2. Auflage, Beck, München 2010, S. 509.
  43. Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert. 2. Auflage, Beck, München 2010, S. 508–509.
  44. Andreas Fahrmeir: Europa zwischen Restauration, Reform und Revolution 1815–1850. Oldenbourg, München 2012, S. 56–57; Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert. 2. Auflage, Beck, München 2010, S. 510.
  45. Adam Zamoyski: Phantome des Terrors. Die Angst vor der Revolution und die Unterdrückung der Freiheit. Beck, München 2016, S. 390.
  46. Adam Zamoyski: Phantome des Terrors. Die Angst vor der Revolution und die Unterdrückung der Freiheit. Beck, München 2016, S. 390.
  47. Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert. 2. Auflage, Beck, München 2010, S. 510.
  48. Adam Zamoyski: Phantome des Terrors. Die Angst vor der Revolution und die Unterdrückung der Freiheit. Beck, München 2016, S. 392–393.
  49. Andreas Fahrmeir: Europa zwischen Restauration, Reform und Revolution 1815–1850. Oldenbourg, München 2012, S. 57.
  50. Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert. 2. Auflage, Beck, München 2010, S. 512.
VorgängerAmtNachfolger
Ludwig XVIII.
König von Frankreich und Navarra
1824–1830
(nach Julirevolution)
Ludwig Philipp
als König der Franzosen
Ludwig XVIII.
Kofürst von Andorra
1824–1830
(nach Julirevolution)
Ludwig Philipp
als König der Franzosen
Ludwig XVIII.
Oberhaupt des Hauses Bourbon
1824–1836
Louis-Antoine d’Angoulême
Personendaten
NAME Karl X.
ALTERNATIVNAMEN Karl Philipp
KURZBESCHREIBUNG König von Frankreich
GEBURTSDATUM 9. Oktober 1757
GEBURTSORT Versailles
STERBEDATUM 6. November 1836
STERBEORT Görz, Österreich

Karl X. (Frankreich)
karl, frankreich, könig, frankreich, sprache, beobachten, bearbeiten, karl, philipp, französisch, charles, philippe, oktober, 1757, versailles, november, 1836, görz, österreich, haus, bourbon, könig, frankreich, 1824, 1830, letzte, herrscher, frankreichs, tite. Karl X Frankreich Konig von Frankreich Sprache Beobachten Bearbeiten Karl X Philipp franzosisch Charles X Philippe 9 Oktober 1757 in Versailles 6 November 1836 in Gorz Osterreich aus dem Haus Bourbon war Konig von Frankreich von 1824 1830 Er war der letzte Herrscher Frankreichs der den Titel Konig von Frankreich und Navarra fuhrte Er folgte am 16 September 1824 seinem alteren Bruder Ludwig XVIII auf den Thron Karl X wurde 1830 durch die Julirevolution gesturzt Sein Nachfolger Louis Philippe I fuhrte den Titel Konig der Franzosen Konig Karl X von Frankreich im Kronungsornat Francois Gerard 1825 Madrid Museo del Prado Karls Unterschrift Inhaltsverzeichnis 1 Zeit des Ancien Regime 1757 1789 1 1 Abstammung Kindheit und Jugend 1 2 Heirat Rolle unter Ludwig XVI 2 Revolution und Exil 1789 1814 2 1 Abreise aus Frankreich erste Hilfsersuchen an auslandische Machte 2 2 Aktivitaten in Koblenz 2 3 Jahre des Exils nach der Hinrichtung Ludwigs XVI 3 Restauration und Herrschaft 1814 1830 3 1 Erste Restauration der Bourbonenmonarchie 3 2 Zweite Restauration und Karls Rolle wahrend der Herrschaft Ludwigs XVIII 3 3 Konig 1824 1830 4 Julirevolution und Abdankung 1830 5 Letzte Lebensjahre im Exil 1830 1836 6 Titel 7 Nachkommen 8 Literatur 9 Weblinks 10 EinzelnachweiseZeit des Ancien Regime 1757 1789 BearbeitenAbstammung Kindheit und Jugend Bearbeiten Stammbaum zum Ausklappen wbr Louis de Bourbon Herzog von Burgund Maria Adelaide von Savoyen Stanislaus I Leszczynski Konig von Polen Katharina Opalinska Konigin von Polen August II Konig von Polen und Kurfurst von Sachsen Christiane Eberhardine von Brandenburg Bayreuth Titulaturkonigin von Polen und Kurfurstin von Sachsen Joseph I HRR Kaiser des Heiligen Romischen Reiches Wilhelmine Amalie Kaiserin des Heiligen Romischen Reiches Ludwig XV Konig von Frankreich Maria Leszczynska Konigin von Frankreich August III Polen Maria Josepha von Osterreich Louis Ferdinand Franzosischer Kronprinz Maria Josepha Franzosische Kronprinzessin Friedrich Christian Kurfurst von Sachsen Maria Amalia Konigin von Neapel Sizilien und Konigin von Spanien Maria Anna Kurfurstin von Bayern Franz Xaver von Sachsen Sachsischer Regent Ludwig XVI Konig von Frankreich Ludwig XVIII Konig von Frankreich Karl X Konig von Frankreich Marie Clothilde Konigin von Sardinien Piemont Elisabeth Philippe Marie Helene de Bourbon Karl und seine jungere Schwester Clothilde reiten auf einer Ziege Karl war der jungste Sohn des Dauphins Louis Ferdinand 1729 1765 und seiner Gemahlin Maria Josepha von Sachsen sowie ein Enkel Konig Ludwigs XV Seine alteren Bruder waren die spateren Konige Ludwig XVI und Ludwig XVIII Vor seiner Thronbesteigung trug Karl den Titel eines Grafen von Artois der ihm von Ludwig XV gleich nach seiner Geburt verliehen worden war Wie es Brauch war wurde er erst als etwa Vierjahriger am 19 Oktober 1761 in der Schlosskapelle von Versailles getauft Als Apanage erhielt er von seinem koniglichen Grossvater 1773 74 u a die Herzogtumer Angouleme und Mercœur sowie die Grafschaft Auvergne Seine fruhe Erziehung im Kleinkindalter lag ebenso wie jene seiner alteren Bruder in den Handen der Grafin von Marsan 1 Der spatere Herzog von La Vauguyon ubernahm die weitere Ausbildung Karls ab dessen siebtem Lebensjahr Solange die Eltern lebten erhielt Karl unter Vauguyons Leitung eine streng geistliche Erziehung nach dem Tod des Vaters 1765 und der Mutter 1767 liess aber Konig Ludwig XV ein weltlicheres Kurzweil an die Stelle er jesuitisch angehauchten Unterweisung treten 2 Wesentliche Charaktereigenschaften Karls als er noch im Kindesalter stand waren seine anziehende Ungezwungenheit seine spontanen Ideen und seine Grosszugigkeit Demgegenuber gab sich sein alterer Bruder der spatere Ludwig XVIII bedachtig und wortkarg 1 Karl war von den Brudern der beliebteste das verwohnte Kind des ganzen Hofs und der Liebling seines koniglichen Grossvaters 3 Wirkten die erwahnten Verhaltenszuge des Grafen in seiner Kindheit amusant waren sie fur ihn im Erwachsenenalter nicht mehr angemessen Im Gegensatz zu seinen beiden alteren Brudern war Karl auch nicht sonderlich fleissig strengte sich trotz seiner leichten Auffassungsgabe geistig nicht gerne an und mochte vom Studieren nichts wissen Er war beispielsweise kaum an Literatur und schongeistigen Dingen interessiert und vermochte daher bei gehobeneren Konversationen wenig zu uberzeugen In seinem reiferen Alter machte er es seinem Lehrer La Vauguyon zum Vorwurf dass dieser ihm nicht eine grossere Begeisterung fur Literatur beigebracht hatte 1 Tatsachlich war es bei nicht unmittelbar thronfolgeberechtigten Prinzen wie dies auf Karl zutraf ublich dass sie nicht durch allzu grosse Forderung ihrer Talente zu gefahrlichen Konkurrenten ihrer regierenden Bruder heranerzogen wurden So wurde Karl zwar von Ludwig XV zum Oberst eines Dragonerregiments und im Mai 1772 zum Generaloberst der Schweizer Garde ernannt aber dennoch erhielt er trotz seiner Neigung fur eine Militarkarriere keine umfassendere kriegerische Ausbildung damit er nicht als erfolgreicher Feldherr eine potentielle Gefahr fur den Konig darstellen wurde Der Minister Maurepas riet dem jungen Prinzen dass er sich nicht fur Militarmanover interessieren sondern lieber amusieren und Schulden machen solle Karl verlebte denn auch seine fruhen Jahre da er sich nicht ernsthaft politisch und militarisch betatigen durfte hauptsachlich in verschwenderischem Nichtstun 4 Er erhielt am 1 Januar 1771 den franzosischen Orden vom Heiligen Geist auch weitere wie jenen vom heiligen Michael heiligen Ludwig und heiligen Lazarus sowie das spanische Goldene Vlies 3 Heirat Rolle unter Ludwig XVI Bearbeiten Im Alter von sechzehn Jahren heiratete Karl Maria Theresia von Sardinien aus dem Haus Savoyen Diese war eine Tochter des Konigs Viktor Amadeus III von Sardinien Piemont sowie eine Schwester von Maria Josepha die 1771 Karls Bruder Ludwig damals Graf von Provence geehelicht hatte Karls Vermahlung mit der fast zwei Jahre alteren Maria Theresia per Prokuration fand am 24 Oktober 1773 in der Kapelle des Schlosses von Moncalieri und am 16 November 1773 in Person in der Schlosskapelle von Versailles statt Das Prinzenpaar hatte vier Kinder doch nur die beiden Sohne Louis Antoine de Bourbon duc d Angouleme 1775 1844 und Charles Ferdinand d Artois Herzog von Berry 1778 1820 erreichten das Erwachsenenalter 5 Bald nach seiner Eheschliessung mit der wenig attraktiven Maria Theresia unterhielt der vergnugungssuchtige Karl verschiedene aussereheliche Beziehungen und traf sich mit seinen Matressen in eigens dafur angekauften Hausern in Paris Durch seine zahlreichen Affaren zog er sich offentliche Kritik und auch Spott zu Eine besonders intime Beziehung fuhrte er mit der geistreichen Komodiantin Louise Contat mit der er einen Sohn hatte Zwar ernannte er sie nicht wie von ihr gewunscht zur offiziellen Matresse erwarb aber 1780 fur sie in Chaillot nahe Paris ein Palais Ludwig XVI hatte inzwischen am 10 Mai 1774 den Thron bestiegen nahm Karls verschwenderischen Lebensstil nachsichtig hin und unterstutzte ihn finanziell mit grossen Geldsummen Karl erwies sich aber nicht als dankbar zeigte vor dem Konig wenig Achtung und machte sich im Gegenteil haufig offentlich uber ihn lustig Die Konigin Marie Antoinette schatzte zunachst den Umgang mit Karl und beteiligte sich oft an dessen Festivitaten Dagegen lebte Karls Gattin Maria Theresia die nach der Geburt von zwei Sohnen noch weiter im Hintergrund stand zuruckgezogen in Saint Cloud 6 Ab den 1780er Jahren hegte Karl eine viele Jahre wahrende leidenschaftliche Liebe zur Comtesse de Polastron 7 1782 schloss Karl sich bei der letztlich erfolglosen Belagerung Gibraltars der franzosischen Armee an Dieses militarische Engagement sollte seinen Verlust an offentlichem Ansehen teilweise ausgleichen 7 Durch seinen aufwendigen Lebensstil hatte er innerhalb weniger Jahre Schulden von 14 5 Millionen Livres angehauft die der bereits in finanzieller Schieflage befindliche franzosische Staat ubernahm um den Grafen vor dem Bankrott zu bewahren Dafur zustandig war Charles Alexandre de Calonne als Generalkontrolleur der Finanzen welche Funktion er von 1783 87 ausubte 8 Obwohl Karl zunachst gemass den Absichten seines alteren regierenden Bruders keine politische Rolle spielte verfolgte er die politischen Ereignisse aufmerksam und war u a im Herbst 1774 fur die Wiederherstellung der 1771 vom Kanzler Maupeou wegreformierten Parlamentsgerichthofe eingetreten Die Krise des Ancien Regime und die nahende Revolution ermoglichten ihm dann grossere politische Aktivitaten Er unterstutzte das von Calonne im August 1786 entwickelte Reformprogramm und verteidigte damals auch loyal den jeweiligen Standpunkt des Konigs In der Folge war Karl ebenso wie sein Bruder der Graf von Provence Mitglied der am 22 Februar 1787 eroffneten Notabelnversammlung die nach der Hoffnung Ludwigs XVI fur die angepeilten Reformen stimmen sollte 9 Karl fuhrte den Vorsitz des sechsten Buros dieser Versammlung und votierte gegen alle von der offentlichen Meinung verlangten Neuerungen 7 Die amerikanisierenden Neigungen und freiheitlichen Forderungen La Fayettes machten ihm zu schaffen so stand er der von La Fayette im Mai 1787 erhobenen Forderung nach Einberufung der Generalstande sehr reserviert gegenuber 9 Demnach trat Karl im Gegensatz zu seinem Bruder dem Grafen von Provence als entschiedener Befurworter fur die Beibehaltung aller Prinzipien des Absolutismus auf und machte sich beim Volk verhasst Als ihn Ludwig XVI am 18 August 1787 zur Einregistrierung der Edikte uber die Stempel und Grundsteuer zum Obersteuerhof Cour des aides sandte empfing ihn die Volksmenge mit Pfeifen und Soldaten mussten ihn decken 1788 entliess er den Erzieher seiner Kinder de Senan weil dieser dem Protest des bretonischen Adels gegen den Absolutismus beigepflichtet hatte 3 Er prasidierte dann wiederum einem Buro der vom 6 November bis zum 12 Dezember 1788 tagenden zweiten Notabelnversammlung die u a das Verfahren zur Wahl der Abgeordneten zu den Generalstanden und die numerische Zusammensetzung des Dritten Stands erorterte Dabei sprach er sich im Unterschied zum Grafen von Provence deutlich gegen eine Verdopplung der Zahl der Vertreter des Dritten Stands auf 600 aus Bei dieser Gelegenheit zeigten sich politische Differenzen zwischen den beiden Brudern die sich nach dem Ausbruch der Revolution noch vertiefen und dauerhaft anhalten sollten Im Dezember 1788 unterzeichnete Karl das Manifest von funf Prinzen von Geblut das sein Kanzler de Monthyon entworfen hatte Darin wurde die ihrer Meinung nach drohende Gefahr fur Thron und Staat durch die sich vorbereitende Revolution geschildert und der Adel verherrlicht Immer starker pladierte Karl nun angesichts der sich abzeichnenden politischen Krise fur ein entschiedenes Eingreifen Ludwigs XVI 10 3 Charles de Bourbon Graf von ArtoisRevolution und Exil 1789 1814 BearbeitenAbreise aus Frankreich erste Hilfsersuchen an auslandische Machte Bearbeiten Nachdem am 5 Mai 1789 die Versammlung der Generalstande in Versailles eroffnet worden war spitzte sich die politische Situation rasch zu Ludwig XVI band nun seine beiden jungeren Bruder in die politischen Besprechungen ein so dass Karl am 22 Juni erstmals bei einer Sitzung des Staatsrats anwesend war Erortert wurde vor allem die einzuschlagende Vorgehensweise der Krone gegenuber der Selbstproklamation des Dritten Stands zur Nationalversammlung Bereits am 21 Juni hatte sich Karl in einem Memorandum gegen die Forderungen des Dritten Stands erklart und beeinflusste seinen regierenden Bruder massgeblich dahingehend dass dieser am 23 Juni einer Gleichberechtigung des Dritten Stands eine Absage erteilte In den folgenden Wochen trat Karl fur ein entschiedenes Vorgehen des Konigs gegen die revolutionaren Entwicklungen ein Nach dem Sturm auf die Bastille am 14 Juli wurde er uberhaupt zusammen mit der Konigin Marie Antoinette zum Anfuhrer des reaktionaren Flugels am Hof der eine Verteidigung der traditionellen Monarchie verfocht Karls Rat zu einem militarischen Vorgehen verwarf Ludwig XVI aber Ebenso wenig nahm der Konig die Empfehlung Karls und Marie Antoinettes an den Hof von Versailles in die Provinz zu verlegen um von dort aus unter der Deckung loyaler Streitkrafte die Autoritat der Krone wiederherzustellen zu versuchen Im Palais Royal wurde Karl wegen seiner reaktionaren Haltung auf eine Proskriptionsliste gesetzt und auf seinen Kopf ein Preis ausgesetzt Die Nationalversammlung sprach sich uber ihn ungunstig aus er aber erschien beim Fest fur die fremden Truppen in der Orangerie Wegen der bedrohlichen Situation entschloss er sich auf die Aufforderung Ludwigs XVI hin zur Emigration und machte sich in der Nacht vom 16 auf den 17 Juli 1789 mit einer kleinen Begleitung zur Abreise aus Frankreich auf 11 12 Uber das an der Nordgrenze Frankreich gelegene Valenciennes reiste Karl mit seinen beiden Sohnen unbehelligt nach Brussel und war anfangs von seiner baldigen Ruckkehr uberzeugt In Brussel stiessen Louis V Joseph de Bourbon prince de Conde und weitere franzosische Hochadlige zum Grafen von Artois der im Schloss Laeken residieren durfte Kaiser Joseph II zu dessen Reich das niederlandisch belgische Gebiet gehorte war aber von dem Aufenthalt der franzosischen Emigranten nahe Brussel wenig erbaut In der Folge reiste Karl uber Aachen Koln und Bonn zunachst nach Bern wo er seine Matresse Louise von Polastron traf und Anfang September 1789 weiter nach Turin Dorthin war auch seine Gemahlin Maria Theresia gereist weshalb sich Karl temporar von seiner Geliebten trennen musste Sein Schwiegervater Konig Viktor Amadeus III stellte Karl und dessen etwa 80 Personen umfassendem Gefolge den Palast Cavaglia als Aufenthaltsort zur Verfugung 13 Karl trat bereits in Turin als Anfuhrer des politisierenden subversiven Teils der adligen franzosischen Emigranten auf und installierte dort eine Art Schattenkabinett Gegenuber anderen europaischen Monarchen verhielt er sich entsprechend seiner koniglichen Abkunft sehr selbstbewusst und ersuchte diese um bewaffnete Hilfe gegen sein Vaterland musste aber bald erfahren dass die anderen Herrscher wenig solidarisch waren und einer Militarintervention zu seinem Gunsten sehr reserviert gegenuberstanden 14 Der Graf von Artois grundete auch im September 1789 das antirevolutionare Initiativen vorantreibende Turiner Komitee dessen eigentlicher politischer Kopf der damals in London befindliche Charles Alexandre de Calonne wurde Dieser kam Ende Oktober 1790 ebenfalls nach Turin und bemuhte sich um die Rekrutierung eines Heers die Organisation der Flucht von Ludwig XVI und dessen Familie sowie die Anstiftung erfolglos verlaufender bewaffneter Aufstande in Frankreich Dabei gebardete sich Karl als legitimierter Vertreter der franzosischen Krone obwohl Ludwig XVI uber die Aktionen seines jungsten Bruders meist nicht informiert war oder diese zuweilen sogar ablehnte Letztlich trug Karl der von der revolutionaren franzosischen Presse scharf angegriffen wurde mit seinen Aktivitaten massgeblich zum definitiven Sturz Ludwigs XVI bei 15 Erst nach langem Zureden war Kaiser Leopold II zu einem Geheimtreffen mit Karl am 12 April 1791 in Florenz bereit Eine weitere Zusammenkunft folgte am 20 Mai 1791 in Mantua Der Prinz besprach mit dem Kaiser einen von Calonne entworfenen Invasionsplan in Frankreich erhielt aber nur vage Versprechungen Leopold II erklarte dass die europaischen Machte erst nach einer gelungenen Flucht Ludwigs XVI eine grossere Militarintervention in Erwagung ziehen wurden Karl forderte dann auch den preussischen Konig zur Mithilfe auf erhielt aber eine Abfuhr und wurde zudem informiert dass sich Ludwig XVI uber einen Vertrauten gegenuber dem Wiener Hof missbilligend uber die Aktionen seines jungsten Bruders geaussert hatte 16 Aktivitaten in Koblenz Bearbeiten Nach Spannungen mit Konig Viktor Amadeus III verlegten Karl und sein Gefolge ihre Residenz nach Koblenz wo sie am 17 Juni 1791 ankamen und wo zwei Tage spater auch die Comtesse de Polastron eintraf Karl wurde zusammen mit seinen Begleitern vom dortigen Landesherrn seinem Onkel Clemens Wenzeslaus von Sachsen der Erzbischof und Kurfurst von Trier war standesgemass aufgenommen 16 Dann reiste der Prinz seinem Bruder dem Grafen von Provence der glucklich aus Frankreich gefluchtet war nach Brussel entgegen Das Treffen der beiden Bruder am 27 Juni verlief indessen nicht harmonisch Am 4 Juli traf Karl in Aachen Konig Gustav III von Schweden den Verfechter des Legitimismus und verabredete mit ihm und dem Grafen von Provence die kunftige Haltung Uber Bonn reisten Karl und sein Bruder wieder nach Koblenz und residierten seit dem 7 Juli im nahegelegenen Schloss Schonbornslust wo sie auf Kosten ihres Onkels uppig und mit einem grossen Hofstaat lebten Hier richteten sie fur die nachsten zwolf Monate das Hauptquartier der franzosischen Emigranten ein 17 Trotz mancher politischer Differenzen bestand das Hauptziel der im Exil lebenden Prinzen darin mit militarischer Gewalt die absolute Monarchie in Frankreich wiederherzustellen dabei nahmen sie auch die daraus resultierende Gefahrdung Ludwigs XVI in Kauf Der radikaler als sein Bruder auftretende Karl konnte zunachst seine Rolle als politischer Fuhrer der Emigranten behaupten deren wichtigste Aktivitaten in Koblenz in der Aufstellung einer schlagkraftigen Armee und der Intensivierung der diplomatischen Vorstosse Osterreich und Preussen endlich zu einer grossangelegten Unterstutzung einer Militaroffensive zu bewegen bestand 18 In Koblenz installierte der Graf von Provence am 26 Juli 1791 einen Ministerrat dem indessen der Karl ergebene Calonne vorstand Die beiden franzosischen Prinzen versuchten vergeblich ihrer Exilregierung bei den auslandischen Machten Anerkennung zu verschaffen Sehr ungelegen war es fur Kaiser Leopold II und Konig Friedrich Wilhelm II von Preussen dass bei ihrer Zusammenkunft in Pillnitz am 26 August auch der Graf von Artois mit Calonne und Conde erschien nachdem er zuvor in Wien einen unerwunschten Besuch abgestattet hatte Auf sein Drangen verabschiedeten die beiden Monarchen am 27 August als Drohgebarde gegenuber Frankreich die Pillnitzer Deklaration die Karl aber als zu moderat empfand 19 Nachdem Ludwig XVI am 14 September den Eid auf die Verfassung abgelegt hatte bat er seine Bruder Proteste zu unterlassen diese richteten aber bereits am 10 September an ihn ein Manifest in dem sie sich gegen alles verwahrten was er zur Schmalerung der ererbten Thronrechte getan habe und ihn als personlich unfrei bezeichneten Die Nationalversammlung verfugte gegen die exilierten Prinzen am 9 November den Erlass sie sollten wenn sie bis zum 1 Januar nicht zuruckkehrten dem Tode verfallen Ludwig XVI legte dagegen sein Veto ein musste aber den Prinzen den Befehl zur Heimkehr zustellen Am 1 Januar 1792 klagte ein Dekret der Nationalversammlung Karl seinen Bruder den Grafen von Provence sowie Conde des Hochverrats an und verordnete die Sequestrierung ihrer Guter die Nationaleigentum wurden Karl antwortete mit Schmahungen seine Apanage von 2 Millionen Francs wurde eingezogen und seine zahlreichen Glaubiger wurden zufriedengestellt 17 Die Kriegserklarung Frankreichs an Osterreich erfolgte am 20 April 1792 womit der Erste Koalitionskrieg begann Karl sein Bruder der Graf von Provence und die franzosischen Emigranten waren uber diese Entwicklung erfreut da sie nun mit einer verstarkten Unterstutzung der europaischen Machte zur Revidierung der Verhaltnisse in Frankreich in ihrem Sinn rechneten Zum Unmut Karls liessen sich die Herrscher Osterreichs und Preussens aber nicht von den Emigranten beeinflussen und behandelten deren Armee nur als untergeordnete Hilfstruppe Die Alliierten drangen in Nordostfrankreich ein so dass Karl und sein Bruder Ende August 1792 wieder heimatlichen Boden betreten konnten In ihrer Deklaration vom 8 August 1792 hatte die beiden Prinzen zwar nicht die Ruckkehr zur absoluten alleinigen Konigsmacht des Ancien Regime gefordert sehr wohl aber die Rucknahme der politischen Entwicklungen seit Ausbruch der Revolution 1789 Sie gaben sich als Befreier und waren uberzeugt fur die Wiederherstellung von Recht und Ordnung zu kampfen Die Bewohner der von den Alliierten kurzzeitig eroberten franzosischen Gebiete begegnete den Prinzen zumindest mancherorts wie etwa in Longwy durchaus wohlwollend Gegen eingefleischte Vertreter der Revolutionsregierung gingen die Prinzen unnachgiebig vor auch liessen sie konstitutionelle Priester vertreiben doch traten sie ansonsten im Allgemeinen eher gemassigt auf Nach der Kanonade von Valmy 20 September 1792 mussten sich die Alliierten aus Frankreich zuruckziehen und in der Folge weitere militarische Ruckschlage hinnehmen Dieser fur Karl und seinen Bruder unerwartete Misserfolg war fur sie umso demutigender als ihnen jede grossere Einflussnahme auf die politisch militarische Entscheidungen der Alliierten verwehrt war 20 Jahre des Exils nach der Hinrichtung Ludwigs XVI Bearbeiten Gemeinsam mit seinem Bruder dem Grafen von Provence hatte Karl beim Ruckzug der Alliierten aus Frankreich sein Hauptlager in Verdun ubersturzt verlassen mussen Wegen fehlender Geldmittel waren die Prinzen auch zur Auflosung ihrer Emigrantenarmee gezwungen Der preussische Konig Friedrich Wilhelm II bot ihnen Asyl im westfalischen Hamm an wo der Graf von Artois am 28 Dezember 1792 und kurz darauf auch sein Bruder eintrafen Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI am 21 Januar 1793 proklamierte sich der Graf von Provence am folgenden 28 Januar zum Regenten fur seinen von ihm als Ludwig XVII zum neuen Konig erhobenen minderjahrigen im Temple gefangen gehaltenen Neffen Gleichzeitig verlieh er Karl den Titel eines Generalleutnants des Konigreichs Im Marz 1793 traf der nach Russland gereiste Karl in Sankt Petersburg die Kaiserin Katharina II erlangte aber von ihr nur pekuniare Unterstutzung jedoch keine politischen Zusagen Sie schenkte dem Grafen einen geweihten mit Diamanten besetzten Degen den er in London fur 100 000 Francs verkaufte Auch die von Karl im Mai 1793 nach England unternommene Reise verlief fur ihn enttauschend Im Juni 1793 begab er sich wieder nach Hamm und wohnte hier etwa ein Jahr lang in Gesellschaft der Comtesse de Polastron 21 Nach dem Tod Ludwigs XVII im Juni 1795 beanspruchte der Graf der Provence als Ludwig XVIII den Konigstitel Karl wurde von den Royalisten nun als Monsieur bezeichnet ein Titel der traditionell dem altesten Bruder des Konigs von Frankreich und prasumtiven Thronerben zustand Auf die Bitten der Vendeer die seit 1793 einen royalistischen Aufstand gegen franzosische republikanische Truppen fuhrten ging Karl am 25 August 1795 in Plymouth mit 140 Transportschiffen unter Segel welche die britische Regierung ausgerustet und dem Commodore Warren unterstellt hatte Er versuchte eine Invasion der Bretagne und landete am 29 September auf der Ile d Yeu Charette ein Fuhrer des Vendee Aufstandes eilte ihm mit uber 15 000 Mann entgegen Doch das Unternehmen misslang und am 18 November 1795 segelte Karl wieder nach England zuruck Charette schrieb dem zaudernden Verhalten des Grafen das Scheitern der Expedition zu 22 17 Nun bat Karl die britische Regierung um Asyl erreichte Anfang Januar 1796 Leith den Hafen Edinburghs und begab sich in den ihm als Wohnsitz angewiesenen wenig einladend wirkenden Holyrood Palace Dort versteckte sich der Prinz vor seinen Glaubigern Die britische Regierung gewahrte ihm eine Pension von 15 000 Pfund Sterling Weiterhin unterstutzte er geplante Revolten oder Verschworungen in Frankreich so 1803 im Bund mit den Englandern Georges Cadoudals Komplott gegen den Ersten Konsul Napoleon Bonaparte Bei seinen diversen Aktionen sprach er sich oft mit dem Grafen von Provence mit dem er rivalisierte nicht ab Stattdessen verfolgte er seine eigenen politischen Interessen und handelte seinem Bruder sogar ofters entgegen Politische Agenten vertraten seine Intentionen an mehreren europaischen Hofen und in Frankreich Um seinen jungeren Bruder besser kontrollieren zu konnen beauftragte der Graf von Provence schliesslich seinen Vertreter in Grossbritannien den Herzog Francois Henri d Harcourt mit der Uberwachung Karls Nach aussen hin versuchten die beiden Bruder aber ein harmonisches Verhaltnis zu demonstrieren da eine offene Austragung ihrer Konflikte ihrem gemeinsamen Ziel der bourbonischen Dynastie wieder die Macht in Frankreich zu verschaffen nicht forderlich gewesen ware So einigten sie sich dass jeder von ihnen nur in bestimmten Gebieten Frankreichs Einfluss nehmen sollte aus denen sich der jeweils andere herauszuhalten hatte 23 24 Nach einer Einigung mit seinen Glaubigern die ihm die Gefahr einer Inhaftierung im Schuldgefangnis ersparte zog Karl 1799 vom Holyrood Palace in ein vornehmes Haus in der Baker Street in London unweit der Residenz des britischen Premierministers William Pitt Nun traf er sich fast taglich mit seiner in der Nahe wohnenden Geliebten der Comtesse de Polastron pflegte aber auch seine Beziehungen mit dem Prinzen von Wales und weiteren bedeutenden Personlichkeiten in London 1803 wurde seine Matresse krank und zog aufs Land da dort bessere klimatische Verhaltnisse herrschten Sie konnte aber ihre Gesundheit nicht mehr herstellen wurde nach London zuruckgebracht und starb dort am 27 Marz 1804 im Alter von nur 39 Jahren Diesen Verlust vermochte der Graf von Artois nur schwer zu ertragen wahrend ihm der Tod seiner rechtmassigen Gattin Maria Theresia die im Juni 1805 in Graz starb nicht naheging 25 Am 6 Oktober 1804 traf Karl in der schwedischen Stadt Kalmar wohin er von London aus gereist war seinen Bruder den Grafen von Provence nachdem er in Grodno nicht bei ihm erschienen war Im Gegensatz zu diesem wollte er nach wie vor von Zugestandnissen an die aufgrund der Revolution geanderten politischen Verhaltnisse in Frankreich nichts wissen und blieb daher seinem Bruder innerlich fremd Von Kalmar kehrte er nach England zuruck 1805 gestattete ihm der osterreichische Herrscher abermals nicht die Teilnahme an den Koalitionskriegen Unangenehm war ihm dass sein Bruder 1807 auch nach England ubersiedelte Er tat alles dagegen denn er wollte die Leitung der Emigranten nicht an ihn einbussen und suchte George Canning dazu zu bewegen dass er dem Grafen von Provence den Aufenthalt nur in Schottland gestatte 24 Allerdings erreichte er nicht sein Ziel sein Bruder traf im November 1807 in England ein und blieb dort die folgenden Jahre Nach aussen hin traten die Bruder nun wieder etwas einvernehmlicher auf verharrten aber bei ihren unterschiedlichen politischen Einstellungen Sie hielten sich noch bis 1813 in Grossbritannien auf 26 Restauration und Herrschaft 1814 1830 Bearbeiten Kronungszeremonie von Karl X Medaille auf Charles X Verfassungsschwur Medaillenrevers mit Schwurwortlaut vom 17 September 1824 40 Francs Goldmunze von 1830 Erste Restauration der Bourbonenmonarchie Bearbeiten Hauptartikel Restauration Frankreich Als nach der weitgehenden Niederringung Napoleons durch die alliierten Machte eine Restauration der Bourbonenmonarchie in Frankreich im Januar 1814 in Reichweite schien verliess Karl mit seinen beiden Sohnen und mit stillschweigender Billigung der britischen Regierung England um auf britischen Kriegsschiffen zum europaischen Kontinent uberzusetzen Dabei handelte er in vorheriger Absprache mit seinem alteren Bruder der als Ludwig XVIII moglichst bald tatsachlich den franzosischen Thron besteigen wollte Karl war von seinem Bruder mit grossen Vollmachten ausgestattet worden landete am 27 Januar in Scheveningen und sollte im Gefolge der gegen Frankreich vordringenden Streitkrafte der gegen Napoleon verbundeten Machte fur die Interessen der Bourbonen werben Von Holland aus reiste er uber Deutschland in die Schweiz und kam am 19 Februar auf franzosisches Gebiet Zunachst hielt er sich in Vesoul nahe der ostfranzosischen Grenze auf Er versuchte Verbindungen mit den Reprasentanten der Regierungen der antinapoleonischen Alliierten anzuknupfen die jedoch damals noch einen Friedensschluss mit Napoleon erwogen 27 24 Talleyrand spielte eine zentrale Rolle bei der Restauration der Bourbonen nahm aber langere Zeit von Karls Anwesenheit in Frankreich nicht offiziell Notiz Schliesslich bat er ihn nach Napoleons Absetzung nach Paris zu kommen Der Prinz brach hierauf von Nancy auf und zog am 12 April 1814 in Begleitung von Nationalgardisten und hochrangigen Militars in Paris ein das er 25 zuvor verlassen hatte Nach seinem Empfang durch Talleyrand und andere Vertreter der provisorischen Regierung sowie den Pariser Stadtrat besuchte er die Kathedrale Notre Dame Danach begab er sich unter Sympathiekundgebungen der Pariser in den Tuilerien Palast der als seine Residenz vorgesehen war Da der Graf von Provence erst dann offiziell unter dem Namen Ludwig XVIII als Konig anerkannt werden sollte wenn er den Eid auf eine vom Senat ausgearbeitete liberale Verfassung geleistet hatte wollte der Senat aber nicht jene Vollmachten akzeptieren die Karl von seinem alteren Bruder ubertragen worden waren Der Senat argumentierte dass der Graf von Provence aufgrund des bisher nicht abgelegten Verfassungseids noch nicht Konig sei und daher Karl auch mit keinen koniglichen Vollmachten hatte ausstatten konnen Schliesslich wurde zwei Tage nach Karls Ankunft in Paris der Kompromiss gefunden dass Karl sein Amt als Generalleutnant des Konigreichs nicht von einem Konig den es nach der Meinung des Senats noch nicht gab sondern vom Senat selbst empfangen habe So erhielt Karl einstweilen die Regierungsgewalt und nahm damit kurzzeitig den ersten Rang bis zur Ankunft seines alteren Bruders Ende April in Frankreich ein Er begrusste den zuruckgekehrten Ludwig XVIII in Compiegne und ritt neben dessen offener Kutsche am 3 Mai 1814 auf einem Schimmel in Paris ein 28 24 Aufgrund der entscheidenden Rolle Karls bei der Restauration der Bourbonenmonarchie und weil sein Sohn der Herzog von Angouleme am 12 Marz 1814 als erster in Bordeaux eingezogen war und damit bedeutendes Ansehen errungen hatte verfugte Karl nun uber einen fur einen Prinzen ungewohnlich grossen Einfluss auf die Politik des regierenden Konigs Er und seine Sohne wurden Pairs und partizipierten 1814 15 als Mitglieder des Ministerrats an den Regierungsgeschaften Wie vor 1789 wurde Karl wieder Generaloberst der Schweizergarden ausserdem auch im Mai aller Nationalgarden Frankreichs Er residierte im Pavillon de Marsan des Tuilerien Palastes hielt sich dort einen eigenen grossen Hofstaat und verkehrte mit Anhangern einer strikt reaktionaren Politik den sog Ultraroyalisten Der ohne Nachkommen gebliebene Ludwig XVIII verfolgte dagegen eine gemassigtere Linie war auf Ausgleich zwischen ehemaligen Vorkampfern der Revolution Bonapartisten und bourbonischen Royalisten bedacht und hoffte seinen Bruder durch dessen Einbindung in die Regierung im Zaum halten zu konnen was indessen nur bis Ende 1814 gelang Karl hatte in den entscheidenden Apriltagen 1814 eine versohnliche Haltung eingenommen ohne die konigliche Autoritat bedrohende Konzessionen zu machen und sah auch im Ministerrat von zu reaktionaren Forderungen ab Dennoch war er mit manchen liberalen Zugestandnissen Ludwigs XVIII nicht einverstanden wie wohl u a sein Fernbleiben bei der feierlichen Verkundigung einer moderaten Verfassung der Charte constitutionnelle am 4 Juni 1814 andeutet Vor allem in Personalfragen erreichte er ofters die Zustimmung des Konigs zu den von ihm vorgeschlagenen Kandidaten Insgesamt gesehen arbeiteten die Bruder 1814 15 enger zusammen als danach 29 Als Karl Anfang Marz 1815 von Napoleons Ruckkehr nach Frankreich horte war er ausser sich Er eilte in Begleitung von Jacques MacDonald nach Lyon doch die Soldaten zeigten sich ihm gegenuber kuhl und Lyon erklarte sich bald fur Napoleon sodass MacDonald die Stadt raumte Karl fluchtete nach Moulins und kehrte am 12 Marz in die Tuilerien zuruck Er meinte dass Paris geraumt werden musse In der ausserordentlichen Sitzung der Kammer vom 16 Marz schwor er im Namen aller Prinzen treu dem Konig und der konstitutionellen Charte zu leben und zu sterben In der Nacht zum 20 Marz folgte er dem Konig ins zweite Exil entliess auf dem Weg nach Brugge die Truppen und ging wie Ludwig XVIII nach Gent Dort durften die beiden Bruder die sich nun auf dem Territorium des neuen von Konig Wilhelm I regierten Konigreichs der Vereinigten Niederlande befanden in den nachsten Monaten residieren Karls hier auf seinen Bruder ausgeubter Einfluss argerte Manner wie Talleyrand u a 30 Zweite Restauration und Karls Rolle wahrend der Herrschaft Ludwigs XVIII Bearbeiten In der Schlacht von Waterloo 18 Juni 1815 wurde Napoleon endgultig besiegt woraufhin Ludwig XVIII wieder den franzosischen Thron besteigen konnte und bis zu seinem Tod 1824 regierte An der Seite Ludwigs zog Karl am 8 Juli 1815 in Paris ein Er und seine Sohne hatten nun keine Sitze mehr im Ministerrat inne Am 7 Oktober 1815 beschwor er in der Deputiertenkammer die Charte Zu Beginn der zweiten Restauration herrschte noch eine gewisse Einigkeit zwischen dem Konig und seinem jungeren Bruder bezuglich ihrer Uberzeugung dass ein hartes Vorgehen gegen die Unterstutzer Napoleons wahrend dessen erneuter Herrschaft nach der Ruckkehr von Elba notwendig sei Karl sprach sich etwa im Prozess des Marschalls Michel Ney ungunstig fur den Angeklagten aus Im Allgemeinen trat er fur rigorosere Massnahmen gegen ehemalige Helfer Bonapartes als Ludwig XVIII ein und erreichte dass der Konig eine scharfere Gangart einschlug In der folgenden von 1816 20 dauernden liberaleren Phase von Ludwigs Regierungszeit hauften sich aber die politischen Differenzen zwischen den Brudern da der Graf von Artois die gemassigte Politik Ludwigs XVIII missbilligte Er sah Anhanger der Revolution und Bonapartisten als Gefahr fur die Bourbonenherrschaft an und negierte daher jegliche Zugestandnisse an sie So wurde er der bedeutendste Reprasentant der mit ihm auf einer politischen Linie liegenden Ultraroyalisten vermochte aber auf deren Politik keinen beherrschenden Einfluss auszuuben 31 Zu den reaktionar eingestellten Beratern Karls gehorten u a Jules de Polignac und der Abbe Jean Baptiste de Latil 30 Als Ludwig XVIII die von den Ultraroyalisten dominierte Chambre introuvable im September 1816 aufloste stiess dieser Erlass auf den heftigen Widerspruch Karls Er kritisierte auch offen das im Januar 1817 verabschiedete neue Wahlgesetz da es seiner Ansicht nach zu liberal war Wegen seiner anhaltenden Opposition verbot ihm der Konig den Besuch der Pairskammer Indessen beanstandete Karl massiv eine die bisherige Laufbahnpraxis der Offiziere andernde Regelung die 1818 Eingang in damals beschlossene Gesetze fand Da der Kriegsminister Laurent de Gouvion Saint Cyr im November 1817 die entsprechende Gesetzesinitiative eingebracht hatte forderte Karl allerdings vergeblich dessen Entlassung Von ihm ausgesprochene offentliche Drohungen wies der Konig schroff zuruck und ausserte grosse Bedenken hinsichtlich der Thronfolge seines jungeren Bruders Karl verlangte jedoch sogar die Absetzung des dem Konig nahestehenden Polizeiministers Elie Decazes und drohte fur den Fall der Nichterfullung dieses Wunsches mit seiner Abreise vom Hof Schmerzhaft war fur ihn dann insbesondere die am 30 September 1818 erlassene konigliche Ordonnanz nach der er den Oberbefehl uber die Nationalgarde verlor die fur ihn eine wichtige Machtbasis dargestellt hatte Diese von ihm als Demutigung verstandene Verfugung emporte ihn sehr und er zog sich aus der Offentlichkeit zuruck 32 Auf den jungeren Sohn Karls der Herzog von Berry wurde am 13 Februar 1820 ein todliches Attentat verubt wofur Karl und die Ultraroyalisten die liberale Politik von Decazes verantwortlich machten und massiven Druck fur dessen Absetzung ausubten Ludwig XVIII musste Decazes schliesslich am 20 Februar entlassen Neuer Prasident des Ministerrats wurde abermals der Herzog von Richelieu der dieses Amt erst auf die eindringlichen Bitten Karls hin ubernommen hatte Auf die liberale Ara folgte die sog dritte Restauration in welcher der politische Einfluss Karls und der Ultraroyalisten wuchs Dieser Rechtsruck verscharfte die Gegensatze zwischen den Liberalen und den reaktionaren Politikern die sich in zwei unversohnlichen Lagern gegenuberstanden Trotz seines Versprechens Richelieu zu unterstutzen trug Karl dann wesentlich dazu bei dass Richelieus Position aufgrund der Gegnerschaft von Liberalen und Ultraroyalisten unhaltbar wurde sodass Richelieu im Dezember 1821 verbittert zurucktrat Der Graf von Artois wirkte aktiv an der Bildung des neuen Kabinetts mit in dem Jean Baptiste de Villele Finanzminister sowie de facto ab September 1822 auch offiziell Regierungschef wurde Da nun seine politischen Verbundeten Mitglieder des Kabinetts waren und sich der Gesundheitszustand Ludwigs XVIII kontinuierlich verschlechterte steigerten sich Karls Einflussmoglichkeiten bis zum Tod des Konigs immer weiter 33 Von der franzosischen Militarintervention in Spanien 1823 erwartete er sich die Wiederherstellung der absolutistischen Regierung Konig Ferdinands VII um so mehr als sein alterer Sohn der Herzog von Angouleme sie leitete Im Dezember 1823 empfing er befriedigt seinen siegreichen Sohn Villele beriet sich stets zuerst mit Karl ehe er die zu erlassenden Verordnungen dem Konig vortrug Am 15 September 1824 einem Tag vor seinem Tod beschwor Ludwig XVIII noch seinen Bruder die liberale Charte auch weiterhin als Richtlinie fur die Herrschaft zu beachten 30 Konig 1824 1830 Bearbeiten Nach dem Tod Ludwigs XVIII am 16 September 1824 bestieg sein jungerer Bruder der 67 jahrige Graf von Artois als Konig Karl X den franzosischen Thron Er war ein Herrscher nach dem Geschmack der politisch weit rechts stehenden Ultraroyalisten Aufgrund der bisherigen moderaten Politik Ludwigs XVIII und der von der Rechten bei den Wahlen vom Marz 1824 errungenen komfortablen Mehrheit in der fur sieben Jahre gewahlten Deputiertenkammer verlief der Thronwechsel problemlos Karl hatte zu Beginn seiner Regierung kaum mit parlamentarischer Opposition zu rechnen bestatigte das Kabinett Villele im Amt und war dank dessen vorsichtiger Finanzverwaltung budgetarer Sorgen enthoben Er bemuhte sich mit den ersten Verlautbarungen seinen guten Willen zu zeigen und erklarte am 17 September beim Empfang von Delegationen beider Kammern beim morgendlichen Lever in Saint Cloud er werde im Geist seines Bruders regieren und die Charte konsolidieren Auch strebte er nach Popularitat und hob am 29 September angeblich gegen Villeles Wunsch die Zensur auf Bei seinem feierlichen Einzug in Paris hoch zu Ross machte er gute Figur wurde bejubelt und gab sich auch bei der Truppenrevue am 29 September dem Publikum gegenuber leutselig So gewann er kurzzeitig sogar die Liberalen fur sich 34 Der Konig kundigte aber bereits im Dezember 1824 bei der Eroffnung der Sitzungsperiode beider Kammern zwei die Liberalen verargernde Gesetzesvorhaben an Der erste Gesetzesentwurf betraf die Entschadigung ehemaliger Emigranten deren Guter wahrend der Terrorherrschaft vom Staat eingezogen und als Nationalguter verkauft worden waren Nach kontroversen Diskussionen wurde das Gesetz am 27 April 1825 beschlossen Demnach stand eine Gesamtentschadigungssumme von 988 Millionen Francs durch Ubergabe dreiprozentiger Rentenpapiere zur Verfugung 25 000 Entschadigungsantrage wurden positiv beschieden Die meisten Emigranten konnten sich mit diesen Finanzmitteln nur kleine Landereien kaufen so dass die Struktur des Grundbesitzes in etwa gleichblieb Das Entschadigungsgesetz verscharfte aber die ideologischen Gegensatze zwischen Anhangern der Ideen der Revolution und jenen der Restauration 35 Des Weiteren forcierte der seit dem Ableben der Comtesse de Polastron zum tiefglaubigen Katholiken gewordene Konig die Verabschiedung eines Sakrileggesetzes das fur die Profanation geweihter Gefasse oder Hostien die Todesstrafe vorsah Es bedrohte auch den Einbruchdiebstahl in Kirchen mit dem Tod Nach der Annahme des Gesetzes in der Pairskammer 10 Februar 1825 stimmte auch eine grosse Mehrheit in der Deputiertenkammer am 11 April fur die Vorlage Dieses Gesetz wurde aber nie angewendet 36 Generell nahm der Einfluss des Klerus seit Karls Regierungsantritt betrachtlich zu Neben dem Sakrileggesetz hatte das Kabinett einem Vorschlag Karls folgend aber gegen den Willen Villeles bereits am 21 November 1824 beschlossen auch ein Gesetz zur erneuten Erlaubnis religioser Kongregationen auf den Weg zu bringen Geistliche spielten im franzosischen Unterrichtswesen eine immer grossere Rolle viele Priester waren Leiter koniglicher Kollegien oder Rektoren kommunaler Schulen 37 Die liberale Presse kritisierte immer heftiger das Eindringen des Jesuitismus in Staat Schule und Gesellschaft Geruchteweise wurde kolportiert dass Karl selbst dem Jesuitenorden beigetreten sei und sich nach seiner Thronbesteigung heimlich zum Priester habe weihen lassen Jedenfalls trat er fur die Wiederherstellung der Macht der katholischen Kirche ein 38 Sein enger Bund mit Papst Leo XII beunruhigte die Liberalen 39 Auf Unzufriedenheit stiess in oppositionellen Kreisen ferner der Entschluss des Konigs seinen altesten Sohn den Herzog von Angouleme gemass dem alten Brauch der Bourbonen zum Dauphin zu machen Auch seine am 29 Mai 1825 erfolgte Salbung und Kronung in der Kathedrale von Reims durch den Erzbischof von Paris mit dem prunkvollen Zeremoniell des Ancien Regime verdeutlichte dass er sich als Konig von Gottes Gnaden betrachtete und nicht als konstitutionellen Monarchen Karl X war sehr wurdebewusst strebte die Wiederherstellung der altehrwurdigen monarchischen Traditionen an und wollte wenn er auch nicht fur die absolute Konigsmacht eintrat keinesfalls dulden dass er einer Kontrolle unterliege Zwar war er ehrlich um das Wohlergehen seiner Untertanen bemuht aber im Gegensatz zu seinem alteren Bruder Ludwig XVIII nicht so kompromissfahig seine politischen Positionen an die Moglichkeiten der aktuellen Zeitumstande anzupassen stattdessen hielt er eigensinnig an seiner vorgefassten Meinung uber seine Rolle als Herrscher fest Seine anfangliche Popularitat war bereits geschwunden bei seiner Ruckkehr nach Paris am 6 Juni 1825 wurde er von den Einwohnern der Metropole sehr zuruckhaltend empfangen 40 Erst 1829 als das Ergebnis der Wahlen die Sinnlosigkeit der Repressionspolitik der Regierung von Jean Baptiste de Villele bewiesen hatte stimmte Karl zu eine Politik des Kompromisses zu versuchen Inzwischen war es jedoch zu spat Villeles Nachfolger war Jean Baptiste Gay vicomte de Martignac der sich Elie Decazes zum Vorbild nahm In seiner Thronrede verkundete Karl dass das Gluck Frankreichs von der aufrichtigen Union der koniglichen Autoritat mit den in der Verfassungsurkunde verankerten Freiheiten abhinge Julirevolution und Abdankung 1830 Bearbeiten Die Freiheit fuhrt das Volk ist eine allegorische Darstellung von Eugene Delacroix der Julirevolution Hauptartikel Julirevolution von 1830 Das revolutionsbedingte Ende der Herrschaft von Karl X war zur Jahreswende 1829 1830 noch nicht abzusehen Zwar betraf ein ungewohnlich langer Winter das Land der die Ernten zunichtemachte Dennoch brachen Hungeraufstande nur in einigen Regionen Frankreichs aus Auch die Gefahr eines Militarputsches schien gering da die Armee gerade mit der Eroberung Algeriens beschaftigt war 41 Die franzosische Regierung unter Premierminister Jules de Polignac hoffte mit der Errichtung einer Kolonie in Nordafrika von innenpolitischen Spannungen zwischen Parlament und Monarch ablenken zu konnen 42 Die zweite Kammer des Parlamentes hatte namlich im Marz 1830 von Karl X gefordert zukunftig Minister aus der Regierung zu entlassen die keinen Ruckhalt in der Kammer fanden Ministerverantwortlichkeit Das Parlament versuchte auf diese Weise Einfluss auf den politischen Kurs der koniglichen Regierung zu gewinnen Daraufhin liess Karl X Neuwahlen veranlassen um die Opposition gegen sich zu brechen Derweil landeten unter dem Vorwand die Piraterie und Versklavung im Mittelmeer zu bekampfen im Juni 1830 etwa 37 000 Soldaten an der algerischen Kuste Am 4 Juli 1830 nahmen die Truppen Algier ein Die Erwartungen der koniglichen Regierung erfullten sich indes nicht Die wahlberechtigten Burger starkten die oppositionellen Krafte im Parlament weiter Die Liberalen bekamen am 3 Juli 1830 274 Abgeordnetensitze Dies waren 53 Platze mehr als bisher und eine deutliche Niederlage fur den politischen Kurs der Regierung Polignac 43 Konfrontiert mit den neuen Mehrheitsverhaltnissen im Juli 1830 plante Karl neue Wahlen unter einem veranderten rechtlichen Rahmen In den sogenannten Juliordonnanzen vom 26 Juli 1830 legte er unter anderem eine Erneuerung des Wahlzensus fest die die Mehrheit des Burgertums von der Wahlberechtigung ausschloss 44 75 der zuvor wahlberechtigten Burger durften nicht mehr an einer Abstimmung teilnehmen Zudem setzten die Beschlusse eine strengere Zensur durch 45 Karl X erliess die Verordnungen ohne zuvor Sicherheitsvorkehrungen fur Paris zu treffen In der franzosischen Hauptstadt waren nicht genug Truppen stationiert worden um auf eventuelle Proteste und Unruhen reagieren zu konnen Der Konig selbst zeigte keine Prasenz Er verreiste zu seinem Landsitz Rambouillet und vergnugte sich dort bei der hofischen Jagd 46 Am 27 Juli 1830 entstanden erste Barrikaden in der Umgebung des Palais Royal Am Abend desselben Tages spitzte sich die Situation weiter zu Protestierende Studenten Arbeiter und aus dem Dienst geschiedene Soldaten versammelten sich auf den Strassen von Paris 47 Die Menschenmassen breiteten sich in der Stadt ungehindert aus da der kommandierende Marschall seine Truppen am Louvre konzentrierte Auch am 28 Juli erhielt der Marschall noch immer keine Anweisungen von Karl X Teile seiner Truppen begannen daher bei ersten Zusammenstossen zu den Aufstandischen uberzulaufen Schliesslich zogen sich die Regierungstruppen am 29 Juli 1830 aus der Stadt zuruck 48 Am 2 August 1830 verzichtete Karl X auf seinen Thron und bestimmte seinen Enkel Henri d Artois zu seinem Nachfolger Das Parlament zeigte sich hiervon jedoch unbeeindruckt und proklamierte am 7 August 1830 Louis Philippe I zum Konig der Franzosen Damit begann in Frankreich die Zeit der sogenannten Julimonarchie die bis 1848 bestand 49 Mit dem Konigtum von Louis Philippe dominierten nicht langer die politischen Interessen der Aristokratie und des Klerus das Land sondern die des Grossburgertums vor allem Bankiers und Grossgrundbesitzer 50 Letzte Lebensjahre im Exil 1830 1836 BearbeitenKarl vollzog einen Ruckzug mit seinem Gefolge zur Kuste begleitet von Infanterie Kavallerie und Artillerie Abgesehen von der Beobachtung seiner Bewegungen tat die neue Regierung nichts um seinen Abzug aufzuhalten Bei Maintenon trennte sich Karl vom Grossteil seiner Truppen und zog mit einer Eskorte von 1 200 Mann weiter nach Cherbourg wo er sich am 16 August nach England einschiffte Fur eine Zeit lang kehrte er in den Holyrood Palace bei Edinburgh zuruck der zu seiner Verfugung stand Spater ging er nach Prag und Ende Oktober 1836 schliesslich nach Gorz damals Osterreich heute geteilt zwischen Italien und Slowenien als Gast des Grafen Coronini von Cronberg Siebzehn Tage nach seiner Ankunft in Gorz starb Karl X am 6 November 1836 an der Cholera und wurde am 11 November 1836 im Kloster Kostanjevica heute in Nova Gorica in Slowenien zur letzten Ruhe gebettet In der dortigen Bourbonengruft ruhen funf weitere Familienangehorige und ein Getreuer Sarkophag Karls X in der Bourbonengruft des Klosters Kostanjevica Nova Gorica Slowenien Titel Bearbeiten Konig Karl X in der Uniform eines Obersten der Nationalgarde Graf von Artois 1757 Herzog von Angouleme und Pair von Frankreich 1773 Graf von Limoges und Pair von Frankreich 1773 1776 Herzog der Auvergne und von Mercoeur und Pair von Frankreich 1773 1778 Marquis von Pompadour und Vizegraf von Turenne 1774 1776 Schlossherr von Cognac und Bagatelle 1775 Herzog von Berry Chateauroux und La Meilleraye Graf von Argenton und Ponthieu und Herr von Henrichemont 1776 Marquis von Maisons 1777 Graf von Poitou 1778 Baron von Picquigny 1779 Graf von Saint Valery und Roc de Cayeux 1780 Baron von Domart 1782 Colonel general des Cent Suisses et Grisons 1771 1790 Colonel general de Garde nationaleNachkommen Bearbeiten Prinzessin Marie Therese von Sardinen Karl hatte 1773 Maria Theresia von Sardinien geheiratet mit der er folgende vier Kinder hatte Louis Antoine de Bourbon duc d Angouleme 6 August 1775 3 Juni 1844 1799 Prinzessin Marie Therese von Frankreich Tochter von Konig Ludwig XVI Sophie d Artois 5 August 1776 5 Dezember 1783 Charles Ferdinand d Artois Herzog von Berry 24 Januar 1778 14 Februar 1820 1816 Maria Karolina von Neapel Sizilien 1798 1870 Marie Therese d Artois 6 Januar 1783 22 Juni 1783 Literatur BearbeitenGeorges Bordonove Charles X dernier roi de France et de Navarre Pygmalion Paris 1990 ISBN 2 85704 322 8 Jose Cabanis Charles X roi ultra Gallimard Paris 1972 Andre Castelot Charles X la fin d un monde Perrin Paris 1988 Jean Paul Clement Charles X Le dernier Bourbon Editions Perrin Paris 2015 ISBN 978 2 262 04386 5 Jean Paul Garnier Charles X le roi le proscrit Fayard Paris 1967 Pierre de La Gorce La Restauration Band 2 Charles X Plon Paris 1927 Yves Griffon Charles X roi meconnu Remi Perrin Paris 1999 ISBN 2 913960 00 6 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 Kohlhammer Stuttgart 2009 ISBN 978 3 17 020584 0 S 79 130 Eric Le Nabour Charles X Le dernier roi Jean Claude Lattes Paris 1980 Landric Raillat Charles X ou le sacre de la derniere chance Payot Paris 1965 Hans Ulrich Thamer Karl X In Peter Claus Hartmann Hrsg Die Franzosischen Konige und Kaiser der Neuzeit 1498 1870 Von Ludwig XII bis Napoleon III Beck Munchen 1994 ISBN 3 406 38506 0 S 389 401 Villebrumier d i Jacques Vivent Charles X dernier roi de France et de Navarre Le Livre contemporain Paris 1958 Weblinks Bearbeiten Commons Karl X Frankreich Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Literatur uber Karl X im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Werke von und uber Karl X in der Deutschen Digitalen Bibliothek Eintrag zu Karl X in Kalliope Schneider Lars Karl X in historicum net URL http www historicum net no cache persistent artikel 527 Einzelnachweise Bearbeiten a b c Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 80 Arthur Kleinschmidt Karl X Philipp In Johann Samuel Ersch Johann Gottfried Gruber Hrsg Allgemeine Encyclopadie der Wissenschaften und Kunste 2 Sektion Bd 33 1883 S 162 a b c d Arthur Kleinschmidt in Allgemeine Encyclopadie der Wissenschaften und Kunste 2 Sektion Bd 33 1883 S 163 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 80 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 82 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 82 f a b c Hans Ulrich Thamer in Die Franzosischen Konige und Kaiser der Neuzeit 1994 S 392 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 81 a b Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 83 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 83 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 84 f Hans Ulrich Thamer in Die Franzosischen Konige und Kaiser der Neuzeit 1994 S 392 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 85 Hans Ulrich Thamer in Die Franzosischen Konige und Kaiser der Neuzeit 1994 S 393 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 85 f a b Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 86 a b c Arthur Kleinschmidt in Allgemeine Encyclopadie der Wissenschaften und Kunste 2 Sektion Bd 33 1883 S 164 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 13 ff Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 15 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 16 ff Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 87 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 87 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 88 a b c d Arthur Kleinschmidt in Allgemeine Encyclopadie der Wissenschaften und Kunste 2 Sektion Bd 33 1883 S 165 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 88 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 89 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 31 und 89 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 36 f und 90 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 90 f a b c Arthur Kleinschmidt in Allgemeine Encyclopadie der Wissenschaften und Kunste 2 Sektion Bd 33 1883 S 166 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 92 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 92 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 93 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 94 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 95 100 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 99 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 98 f Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 97 Arthur Kleinschmidt in Allgemeine Encyclopadie der Wissenschaften und Kunste 2 Sektion Bd 33 1883 S 167 Klaus Malettke Die Bourbonen Bd 3 2009 S 96 f Adam Zamoyski Phantome des Terrors Die Angst vor der Revolution und die Unterdruckung der Freiheit Beck Munchen 2016 S 390 Heinrich August Winkler Geschichte des Westens Von den Anfangen in der Antike bis zum 20 Jahrhundert 2 Auflage Beck Munchen 2010 S 509 Heinrich August Winkler Geschichte des Westens Von den Anfangen in der Antike bis zum 20 Jahrhundert 2 Auflage Beck Munchen 2010 S 508 509 Andreas Fahrmeir Europa zwischen Restauration Reform und Revolution 1815 1850 Oldenbourg Munchen 2012 S 56 57 Heinrich August Winkler Geschichte des Westens Von den Anfangen in der Antike bis zum 20 Jahrhundert 2 Auflage Beck Munchen 2010 S 510 Adam Zamoyski Phantome des Terrors Die Angst vor der Revolution und die Unterdruckung der Freiheit Beck Munchen 2016 S 390 Adam Zamoyski Phantome des Terrors Die Angst vor der Revolution und die Unterdruckung der Freiheit Beck Munchen 2016 S 390 Heinrich August Winkler Geschichte des Westens Von den Anfangen in der Antike bis zum 20 Jahrhundert 2 Auflage Beck Munchen 2010 S 510 Adam Zamoyski Phantome des Terrors Die Angst vor der Revolution und die Unterdruckung der Freiheit Beck Munchen 2016 S 392 393 Andreas Fahrmeir Europa zwischen Restauration Reform und Revolution 1815 1850 Oldenbourg Munchen 2012 S 57 Heinrich August Winkler Geschichte des Westens Von den Anfangen in der Antike bis zum 20 Jahrhundert 2 Auflage Beck Munchen 2010 S 512 VorgangerAmtNachfolgerLudwig XVIII Konig von Frankreich und Navarra 1824 1830 nach Julirevolution Ludwig Philipp als Konig der FranzosenLudwig XVIII Kofurst von Andorra 1824 1830 nach Julirevolution Ludwig Philipp als Konig der FranzosenLudwig XVIII Oberhaupt des Hauses Bourbon 1824 1836Louis Antoine d AngoulemeNormdaten Person GND 118776770 OGND AKS LCCN n84200136 VIAF 96583780 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Karl X ALTERNATIVNAMEN Karl PhilippKURZBESCHREIBUNG Konig von FrankreichGEBURTSDATUM 9 Oktober 1757GEBURTSORT VersaillesSTERBEDATUM 6 November 1836STERBEORT Gorz OsterreichAbgerufen von https de wikipedia org w index php title Karl X Frankreich amp oldid 214334853, wikipedia, wiki, deutsches

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