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Karl Wolff (SS-Mitglied)

Karl Friedrich Otto Wolff (* 13. Mai 1900 in Darmstadt; † 15. Juli 1984 in Rosenheim) war ein deutscher SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS. Er avancierte zum Chef des „persönlichen Stabes Reichsführer SS“ und „Verbindungsoffizier der SS zu Hitler“. Nach dem Krieg behauptete Wolff, von der Vernichtung der Juden erst 1945 erfahren zu haben. Am 30. September 1964 wurde er vom Landgericht München II wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen (Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka) zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1969 wurde ihm Haftverschonung wegen Haftunfähigkeit gewährt.

Wolff wurde als Sohn des Richters Karl Friedrich Wolff (* 19. Dezember 1871 in Gießen; † 2. Januar 1916 in Darmstadt) geboren. 1901 wurde der Vater Staatsanwalt in Darmstadt. 1906 wechselte er ins Richterfach über und wurde Amtsrichter in Butzbach. Danach war der promovierte Jurist Karl Wolff Amtsrichter in Darmstadt. 1910 wurde er zum Amtsgerichtsrat ernannt, 1911 zum Landgerichtsrat. Zuletzt war er Landgerichtsdirektor zu Darmstadt.

Karl Wolff wuchs in einer Darmstädter Honoratiorenfamilie auf. Für zwei Jahre lebte er in Schwerte. Schon in früher Jugend hatte er den Wunsch, zum Militär zu gehen und Offizier zu werden. So absolvierte er bereits als Schüler des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt freiwillig eine zweijährige vormilitärische Ausbildung der Nationalen Jugendwehr.

Als Fahnenjunker wurde der Abiturient dank der Empfehlungen seiner Verwandtschaft in das Großherzogliche Hessische Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 aufgenommen.

Nach dem Notabitur am 27. April 1917 und einer viermonatigen Rekrutenausbildung kam Wolff als Kriegsfreiwilliger am 5. September 1917 an die Westfront und avancierte bis Ende des Krieges zum Leutnant. Ausgezeichnet wurde er mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse.

Die durch den Versailler Vertrag festgelegte Verringerung der personellen Stärke der Reichswehr führte im Mai 1920 zu seiner Demobilisierung. Kurzfristig war Wolff Kompaniechef in einem hessischen Freikorps.

Im Bankhaus der Gebrüder Bethmann in Frankfurt am Main durchlief Wolff eine zweijährige Lehrzeit, an deren Ende er sich im Juli 1922 mit Frieda von Römheld verlobte. Nach der Heirat im August des folgenden Jahres zog das Ehepaar Wolff nach München, wo Wolff Arbeit bei der Deutschen Bank fand. Er wurde jedoch, bedingt durch die Auswirkungen der Inflationszeit, Ende Juni 1924 arbeitslos. Kurz darauf fand er eine neue Beschäftigung bei der Münchner Filiale der „Annoncen-Expedition Walther von Danckelmann“. Schon am 1. Juli 1925 eröffnete er seine eigene Firma unter dem Namen „Annoncen-Expedition Karl Wolff – von Römheld“.

Die wirtschaftliche Krise im Jahre 1931 (s. Deutsche Bankenkrise) ließ ihn zur Überzeugung gelangen, dass nur die radikalen Parteien zur Lösung des wirtschaftlichen und politischen Dilemmas in Deutschland fähig seien. Für ihn kam dafür nur die rechtsradikale Richtung in Betracht.

Am 7. Oktober 1931 trat Wolff in die NSDAP (Mitgliedsnummer 695.131) sowie die SS (SS-Nr. 14.235) ein und machte in dieser Parteiorganisation eine steile Karriere.

Ein dreiwöchiger Lehrgang auf der Reichsführerschule der SA in München vermittelte ihm das weltanschauliche Grundgerüst und führte zur ersten Bekanntschaft mit den als Dozenten auftretenden Spitzen der Partei, wie Franz Xaver Schwarz, Richard Walther Darré, Heinrich Himmler und Adolf Hitler.

Himmler mit seinem Adjutanten Wolff (rechts), 12. Dezember 1933

Vom 18. Februar 1932 bis September 1932 führte Wolff als SS-Sturmführer den Sturm 2 des II. Sturmbannes der SS-Standarte 1. Im Jahr 1932 mit seinen beiden Reichstagswahlen wurde auch die SS häufig bei Parteiversammlungen, Straßendemonstrationen und organisierten Schlägereien eingesetzt. Am 20. September 1932 wurde der bewährte, ehrgeizige und in gesellschaftlichen Umgangsformen versierte Sturmführer zum Adjutanten des Sturmbannes II der Standarte 1 bestellt und am 30. Januar 1933 zum SS-Hauptsturmführer befördert. Dem Amt eines Adjutanten der SS beim neuen Reichsstatthalter in Bayern, General Franz Ritter von Epp, vom März 1933 folgte mit der Kommandierung als Adjutant zum Stab des Reichsführers SS am 18. Juni 1933 der Sprung vom ehrenamtlichen zum hauptamtlichen Mitglied der Schutzstaffel. Die damit verbundene finanzielle Sicherheit erlaubte ihm die Aufgabe seines bisherigen Berufes und den Verkauf seiner Firma. Am 8. März 1933 wurde er Mitglied des Reichstages.

Die Gunst Himmlers sowie Wolffs Talent, neben seinem Einsatz für Partei und SS auch seinen eigenen Vorteil zu mehren, ermöglichte einen schnellen Aufstieg bis zum 1. Adjutanten im Stab des „Reichsführers SS“ am 4. April 1934, verbunden mit drei Beförderungen bis zum SS-Standartenführer am 20. April 1934.

Als Chef des persönlichen Stabes Reichsführer SS ab dem 9. November 1935 umfasste seine Kompetenz neben der Chefadjutantur sieben Ämter, wie die Personalkanzlei, das SS-Gericht, die Revisionsabteilung und die Stabskasse. Seine Dienststelle hatte zwar nicht offiziell den Rang eines SS-Hauptamtes, sie war den eigentlichen Hauptämtern aber quasi gleichgestellt und diente als Auffangbecken für alle Aufgaben, die nicht einem der Hauptämter zugeordnet waren (so zum Beispiel der „Beauftragte für das Diensthundewesen“). Hinzu kamen noch die Organisationen „Lebensborn“, der „Freundeskreis Reichsführer SS“ sowie „Förderndes Mitglied der SS“.

Eine besondere Freundschaft verband Wolff mit dem Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich.

Karl Wolff, zweite Reihe, Dritter von rechts, im Stab von Adolf Hitler im Juni 1940 vermutlich in Eselsberg in Bad Münstereifel-Rodert, in der Nähe des „K-Standes“ des Führerhauptquartiers Felsennest
Reichsführer Heinrich Himmler mit Karl Wolff bei einem Treffen mit Francisco Franco und Ramón Serrano Súñer (ganz rechts) in Spanien (25. Oktober 1940).
Heinrich Himmler während eines Besuchs im KZ Mauthausen, April 1941. Von links nach rechts: August Eigruber, Franz Ziereis, August Schmidhuber (hinter Ziereis, mit Brille), Himmler, Wolff, Franz Kutschera

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Wolff ins Führerhauptquartier entsandt, um hier nach eigenen Angaben als „Verbindungsoffizier der Waffen-SS“ zu fungieren. Eine solche Aufgabe wurde immer wieder angezweifelt. Schließlich war es Hitler selbst, der sich für Wolff als Vertreter der SS in seinem Hauptquartier aussprach. Möglicherweise könnte hierbei auch die Frage eines potentiellen Himmler-Nachfolgers eine Rolle gespielt haben, für den neben Heydrich offensichtlich zumindest zeitweise auch Wolff in Betracht kam. Praktisch war Wolff jedoch wohl „Himmlers Auge und Ohr“ im Führerhauptquartier, wie das die Staatsanwaltschaft beim Schwurgericht München 1964 formulierte.

Im Führerhauptquartier erhielt er zweifellos auch Kenntnis über alle wesentlichen Geschehnisse oder konnte sich unschwer Zugang zu relevanten Informationen beschaffen. Auch auf dem Berghof, der temporär als Führerhauptquartier fungierte, war Wolff anwesend. Darüber hinaus erhielt er auch als Chef des persönlichen Stabes Reichsführer SS Kopien aller wichtigen Schreiben der SS-Hauptämter, so dass seine Nachkriegsbeteuerungen, von Verbrechen erst nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes erfahren zu haben, als Schutzbehauptung anzusehen sind. Wenn er als rechte Hand Himmlers den Organisator der „Aktion Reinhard“, Odilo Globocnik, zu seinen Freunden zählte, kann er nicht weniger Informationen besessen haben als die vielen, die vor Ort Kenntnis von den Untaten des Regimes erlangten.

Als bei der Räumung des Warschauer Ghettos Engpässe bei den Eisenbahntransportkapazitäten auftraten, vermittelte Wolff durch den ihm gut bekannten stellvertretenden Reichsverkehrsminister, Staatssekretär Albert Ganzenmüller, die benötigten Züge in die Vernichtungslager. In einem Schreiben vom 13. August 1942 bedankte sich Wolff für Ganzenmüllers Beistand: „Mit besonderer Freude habe ich von Ihrer Mitteilung Kenntnis genommen, daß nun schon seit 14 Tagen täglich ein Zug mit Angehörigen des auserwählten Volkes nach Treblinka fährt […] Ich habe von mir aus mit den beteiligten Stellen Fühlung aufgenommen, so daß eine reibungslose Durchführung der gesamten Maßnahme gewährleistet erscheint.“

Auch von den Unterdruck- und Kaltwasserexperimenten des Arztes Sigmund Rascher im KZ Dachau wurde er in seiner Eigenschaft als Vorgesetzter seines für das „Ahnenerbe“ zuständigen Amtschefs Wolfram Sievers informiert.

Am 6. März 1943 ließ er sich von seiner Ehefrau Frieda von Römheld scheiden und heiratete am 9. März seine langjährige Geliebte, die Witwe Ingeborg Gräfin Bernstorff, überzeugte Nationalsozialistin und Schwägerin von Albrecht Graf von Bernstorff, den die SS noch 1945 ermordete. Eine Beteiligung Wolffs wurde zwar untersucht, konnte aber nicht erwiesen werden.

Die Trübung seines guten Verhältnisses zu Himmler, angeblich wegen seiner Scheidung, die Himmler nicht genehmigen wollte, aber Hitler erlaubte, und eine längere Krankheit führten zu seiner Ablösung als Chef des Stabes Reichsführer SS und seiner Versetzung nach Italien.

Dort war er u. a. verantwortlich für die am 16. Oktober 1943 erfolgte Verhaftung von 1259 Juden in Rom, von denen 1007 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurden.

Vollmacht des Marschalls von Italien, Rodolfo Graziani, an Wolff zur Aufnahme von Kapitulationsverhandlungen, 27. April 1945

Himmler berief Wolff im Juli 1943 zum „höchsten SS- und Polizeiführer“ in Italien mit dem Auftrag, den am 25. Juli 1943 von seinen Landsleuten verhafteten Benito Mussolini zu befreien und danach dessen zivile Machtübernahme in die Wege zu leiten. Nach der Landung der Alliierten in Süditalien schloss die italienische Regierung unter Pietro Badoglio mit den Alliierten am 3. September 1943 den Waffenstillstand von Cassibile und löste sich damit aus dem deutschen Bündnissystem.

Kurz darauf besetzten die deutschen Truppen Italien („Fall Achse“). Am 12. September 1943 wurde Mussolini durch deutsche Fallschirmjäger aus seiner Gefangenschaft befreit („Unternehmen Eiche“). Nach Bestellung einer italienischen Marionettenregierung (Italienische Sozialrepublik) mit Sitz in Salò am Gardasee unterstützte Wolff die Zwangsrekrutierung von italienischen Arbeitern für die deutsche Rüstungsindustrie und bekämpfte die zunehmenden Partisanenaktivitäten (Resistenza).

Eine von Hitler geplante Entführung von Papst Pius XII. soll von Wolff hintertrieben worden sein, da dann die Lage der deutschen Truppen in Italien nicht mehr haltbar gewesen wäre. Wolff war neben Ernst von Weizsäcker der einzige bekannte SS-Offizier, der am 10. Mai 1944 eine Audienz beim Papst erhielt. Er zeigte sich auch hilfsbereit gegenüber der Pontificia Commissione di Assistenza, der päpstlichen Hilfsorganisation zur karitativen Unterstützung und Verpflegung der Bevölkerung von Rom und Umgebung, indem er zum Beispiel Transporte in Sperrgebiete erlaubte.

Beim deutschen Oberbefehlshaber in Italien, Generalfeldmarschall Albert Kesselring, unterstützte Wolff die Bestrebungen des Vatikans, Rom zur offenen Stadt erklären zu lassen, um die Stadt und ihre Kunstschätze vor der Zerstörung zu retten. Als die Alliierten am 4. Juni 1944 Rom besetzten, war Wolff krankheitsbedingt abwesend.

Am 26. Juli 1944 wurde Wolff auf eigenen Antrag zum „bevollmächtigten General“ der deutschen Wehrmacht ernannt, da er sich hiervon mehr Einfluss im allgemeinen Kompetenzwirrwarr in Italien versprach. Er mobilisierte alle verfügbaren Einheiten gegen die zunehmende Partisanenaktivität.

Das Vorrücken der Alliierten führte schließlich zur Evakuierung der italienischen Marionettenregierung unter Mussolini nach Tirol und später nach Deutschland. Auch für Wolff zeichnete sich die Aussichtslosigkeit des weiteren Kriegsverlaufs immer deutlicher ab. Ebenso wie der „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler suchte auch Wolff, der inzwischen in Bozen residierte, über Mittelsmänner die Kontaktaufnahme mit den Alliierten. Im Februar 1945 nahm Wolff über Schweizer Mittelsmänner (Max Waibel, Max Husmann u. a.) Kontakt mit dem Vertreter der mitteleuropäischen Zentrale des US-Geheimdienstes Office of Strategic Services, Allen W. Dulles auf. Die Verhandlungen führten schließlich zum vorzeitigen Waffenstillstand in Italien am 2. Mai 1945, sechs Tage vor der deutschen Gesamtkapitulation am 8. Mai 1945 (siehe Operation Sunrise). Im April 1945 war Wolff indirekt an der Befreiung von sogenannten Sonder- und Sippenhäftlingen durch Wichard von Alvensleben beteiligt.

Am 13. Mai 1945 wurde Wolff mit seiner Familie von amerikanischen Truppen in einem Bozener Gefängnis festgesetzt. Nach dreimonatigem Aufenthalt und Trennung von seiner Familie kam Wolff am 21. August 1945 in das Kriegsverbrechergefängnis nach Nürnberg. Er wurde jedoch nicht angeklagt, da amerikanische und britische Geheimdienstler fürchteten, Wolff könnte Einzelheiten der Kapitulationsverhandlungen in Italien publik machen. Wolff trat lediglich als Zeuge in den Nürnberger Prozessen auf, so im Prozess Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS. Die Amerikaner übergaben ihn schließlich im Januar 1948 an die Briten, die ihn in Minden weiter inhaftierten.

Das mit dem Entnazifizierungsverfahren für Wolff beauftragte Spruchgericht Hamburg-Bergedorf verurteilte ihn im November 1948 wegen Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation (SS) und seiner Kenntnis, dass diese verbrecherischen Zielen gedient habe, zu fünf Jahren Gefängnis, von denen zwei Jahre durch die Untersuchungshaft als verbüßt galten. Das von Wolff angerufene Revisionsgericht hob das Urteil am 6. März 1949 auf und ermäßigte die Haftstrafe im Juni 1949 auf vier Jahre Gefängnis, die mittlerweile abgegolten waren.

Wolff arbeitete nach seiner Entlassung als Vertreter für die Anzeigenabteilung einer Illustrierten und ließ sich mit seiner Familie in Starnberg bei München nieder.

Im Gefolge des Eichmann-Prozesses äußerte sich Wolff in Presseartikeln über Himmler und behauptete, er habe erst im März 1945 von den Judenmorden erfahren. Aufgrund dieser öffentlichen Behauptungen sowie entsprechender Gegendarstellungen interessierte sich auch die bundesdeutsche Justiz wieder für Wolff. Am 18. Januar 1962 erging gegen ihn ein Haftbefehl des Amtsgerichts Weilheim wegen Beihilfe zur Ermordung hunderttausender Juden, vor allem durch seine Intervention beim Reichsverkehrsministerium für die Bereitstellung der benötigten Waggonkapazitäten. Mit Übergabe des Verfahrens an das Landgericht München II wurde Wolff in die Strafanstalt München-Stadelheim eingeliefert. Sein Verteidiger war Rudolf Aschenauer, der auf Verfahren gegen NS-Angeklagte spezialisiert war, denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen wurden. Am 30. September 1964 wurde Wolff zu 15 Jahren Zuchthaus wegen Beihilfe zum Mord an 300.000 Juden verurteilt. Nach Zurückweisung seines Revisionsantrages durch den Bundesgerichtshof im Oktober 1965 wurde das Urteil rechtskräftig. Zur Verbüßung seiner Strafe wurde Wolff in das Zuchthaus Straubing verlegt. Ende August 1969 wurde er wegen „krankheitsbedingter Vollzugsunfähigkeit“ entlassen.

1973 war Wolff in der britischen Fernsehserie Die Welt im Krieg als Zeitzeuge zu sehen.

Erneute Darstellungen seiner angeblichen Verdienste um die Verhinderung einer Entführung des Papstes machten den ehemaligen Stern-Reporter Gerd Heidemann auf Wolff aufmerksam, der als Sammler von NS-Devotionalien dem sich in Finanznot befindlichen Wolff verschiedene persönliche Gegenstände abkaufte. Wolff diente Heidemann bei seiner Sammlertätigkeit sowie Fotoreportagen für zeitgeschichtliche Themen als sachkundiger Berater. In diesem Zusammenhang stießen beide auch auf den Stuttgarter Militaria-Händler Konrad Kujau. Diese Zusammenarbeit sollte schließlich zum größten Presseeklat der Nachkriegsgeschichte um die gefälschten Hitler-Tagebücher führen.

Am Prozess gegen Kujau und Heidemann Ende August 1984 konnte der als Zeuge geladene Wolff nicht mehr teilnehmen. Er starb am 15. Juli 1984 im Krankenhaus Rosenheim. Wenige Wochen vor seinem Tod war er zum Islam übergetreten. Er wurde am 21. Juli 1984 auf dem Friedhof von Prien am Chiemsee beigesetzt.

Wolffs Tod brachte seinen Namen nochmals in alle großen deutschen Zeitungen, wo er u. a. als „eine der schillerndsten Figuren des Naziregimes“ bezeichnet wurde. Im Vorwort zur Biographie Wolffs schreibt Claus Sybill, Wolff könne als klassische Fallstudie für einen vom Nazi-Syndrom befallenen Vertreter des gehobenen Bürgertums gelten: „Wolff selbst ist und bleibt […] der Idealist, der stets das Gute wollte. Und weil er selbst nie etwas Böses erdacht oder geplant hatte, konnten noch so viele Verbrechen rings um ihn geschehen – er hat so gut wie nie etwas davon gemerkt.“

Auszeichnungen im Ersten Weltkrieg

Auszeichnungen als SS-Führer

Commons: Karl Wolff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Todesanzeige in: Darmstädter Zeitung vom 4. Januar 1916 Online.
  2. Otto Knaus: 80 Semester Activitas Karlsruhensiae 1878–1928. Festschrift Verbindung Karlsruhensia (Heidelberg), ca. 1960, S. 41; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Grossherzoglich hessisches Regierungsblatt 1910, S. 16; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogtums Hessen für das Jahr 1912/13, S. 174
  5. Der Spiegel 7/1962, S. 37 ff.
  6. Nach dem Selbstverständnis der SS wurde er damit in den Offiziersrang aufgenommen. Allerdings konnte die SS als interne Parteigliederung keine Offiziersdienstgrade, sondern nur 'Ränge' vergeben. Während des Naziregimes wurden jedoch SS-Ränge schließlich als Offiziersdienstgrade angesehen.
  7. Gerald Riedlinger: Die Endlösung, Berlin 1956, S. 288 (Korrespondenz zwischen dem Staatssekretär im Verkehrsministerium Ganzenmüller und Himmlers Feldadjutant, SS-Obergruppenführer Karl Wolff; Prozess IV, S. 2184f); zitiert nach: Der gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933 bis 1945 (Gerhard Schoenberner), Hamburg 1960, S. 78.
  8. SS-General Wolff: Himmlers Wölffchen. Der Spiegel 7/1962 vom 14. Februar 1962, S. 37 ff.
  9. Schreiben von Herbert Kappler an Karl Wolff, 17. Oktober 1943 über erfolgreich durchgeführte „Judenaktion“, in: Museo Storico della Liberazione, Rom
  10. Albrecht von Kessel: Der Papst und die Juden, in: Fritz J. Raddatz (Hrsg.): Summa Iniuria, Rororo 1963, S. 167 ff. [1]
  11. Dan Kurzman: The Race for Rome, New York, 1975, S. 50, S. 189.
  12. Dan Kurzman: A Special Mission, Hitler’s Secret Plot to seize the Vatican and Kidnap Pope Pius XII, 2007, S. 213.
  13. Primo Mazzolari: La Carita Del Papa, Turin 1991.
  14. Aussage von P. Otto Faller, Pontificio Commissione Assistenza, 1. Juni 1970, auch Pietro Kardinal Palazzini, Interview L’Associazione Pio XII, 11. Rom Oktober 1992.
  15. Sara Randell: Ending the War. Operation Sunrise and Max Husmann, Stämplfi Verlag, Bern 2018
  16. Führer-Häftlinge: Schönes Wetter. In: Der Spiegel.Nr.9, 1967,S.54/55 (online – Bericht über die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge).
  17. Kerstin von Lingen: Conspiracy of Silence: How the „Old Boys“ of American Intelligence Shielded SS General Karl Wolff from Prosecution. In: Holocaust and Genocide Studies 22, 200, S. 74–109, doi:10.1093/hgs/dcn004 Abgerufen am 23. April 2014.
  18. Introduction to NMT Case 4 – U.S.A. v. Pohl et al. (Memento vom 9. Juli 2010 im Internet Archive) auf www. nuremberg.law.harvard.edu.
  19. Heute Plädoyer im Wolff-Prozess, dpa-Meldung. In: Hamburger Abendblatt, Nr. 215 vom 15. September 1964, S. 1.
  20. Seine Tochter Fatima Grimm sprach an seinem Grab das islamische Totengebet. Vgl. Stefan Meining: „Eine Moschee in Deutschland: Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen“, Beck Verlag 2011, S. 151.
Personendaten
NAME Wolff, Karl
ALTERNATIVNAMEN Wolff, Karl Friedrich Otto (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Offizier der SS, Chef des „Persönlichen Stabes Reichsführer SS“, höchster Polizei- und SS-Führer in Italien, Politiker (NSDAP), MdR
GEBURTSDATUM 13. Mai 1900
GEBURTSORT Darmstadt
STERBEDATUM 15. Juli 1984
STERBEORT Rosenheim

Karl Wolff (SS-Mitglied)
karl, wolff, mitglied, deutscher, obergruppenführer, general, waffen, sprache, beobachten, bearbeiten, karl, friedrich, otto, wolff, 1900, darmstadt, juli, 1984, rosenheim, deutscher, obergruppenführer, general, waffen, avancierte, chef, persönlichen, stabes, . Karl Wolff SS Mitglied deutscher SS Obergruppenfuhrer und General der Waffen SS Sprache Beobachten Bearbeiten Karl Friedrich Otto Wolff 13 Mai 1900 in Darmstadt 15 Juli 1984 in Rosenheim war ein deutscher SS Obergruppenfuhrer und General der Waffen SS Er avancierte zum Chef des personlichen Stabes Reichsfuhrer SS und Verbindungsoffizier der SS zu Hitler Nach dem Krieg behauptete Wolff von der Vernichtung der Juden erst 1945 erfahren zu haben Am 30 September 1964 wurde er vom Landgericht Munchen II wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fallen Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka zu 15 Jahren Haft verurteilt 1969 wurde ihm Haftverschonung wegen Haftunfahigkeit gewahrt Karl Wolff hier als SS Gruppenfuhrer 1937 Inhaltsverzeichnis 1 Herkunft und Schule 2 Teilnahme am Ersten Weltkrieg 3 Demobilisierung und Berufstatigkeit 4 Politischer Werdegang 5 Im Fuhrerhauptquartier 6 Hochster SS und Polizeifuhrer in Italien 7 Nach dem Krieg 8 Auszeichnungen 8 1 Auszeichnungen im Ersten Weltkrieg 8 2 Auszeichnungen als SS Fuhrer 9 Literatur 10 Weblinks 11 EinzelnachweiseHerkunft und Schule BearbeitenWolff wurde als Sohn des Richters Karl Friedrich Wolff 19 Dezember 1871 in Giessen 2 Januar 1916 in Darmstadt 1 geboren 1901 wurde der Vater Staatsanwalt in Darmstadt 1906 wechselte er ins Richterfach uber und wurde Amtsrichter in Butzbach 2 Danach war der promovierte Jurist Karl Wolff Amtsrichter in Darmstadt 1910 wurde er zum Amtsgerichtsrat ernannt 3 1911 zum Landgerichtsrat 4 Zuletzt war er Landgerichtsdirektor zu Darmstadt Karl Wolff wuchs in einer Darmstadter Honoratiorenfamilie auf Fur zwei Jahre lebte er in Schwerte Schon in fruher Jugend hatte er den Wunsch zum Militar zu gehen und Offizier zu werden So absolvierte er bereits als Schuler des Ludwig Georgs Gymnasiums in Darmstadt freiwillig eine zweijahrige vormilitarische Ausbildung der Nationalen Jugendwehr Als Fahnenjunker wurde der Abiturient dank der Empfehlungen seiner Verwandtschaft in das Grossherzogliche Hessische Leibgarde Infanterie Regiment Nr 115 aufgenommen Teilnahme am Ersten Weltkrieg BearbeitenNach dem Notabitur am 27 April 1917 und einer viermonatigen Rekrutenausbildung kam Wolff als Kriegsfreiwilliger am 5 September 1917 an die Westfront und avancierte bis Ende des Krieges zum Leutnant Ausgezeichnet wurde er mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse Demobilisierung und Berufstatigkeit BearbeitenDie durch den Versailler Vertrag festgelegte Verringerung der personellen Starke der Reichswehr fuhrte im Mai 1920 zu seiner Demobilisierung Kurzfristig war Wolff Kompaniechef in einem hessischen Freikorps 5 Im Bankhaus der Gebruder Bethmann in Frankfurt am Main durchlief Wolff eine zweijahrige Lehrzeit an deren Ende er sich im Juli 1922 mit Frieda von Romheld verlobte Nach der Heirat im August des folgenden Jahres zog das Ehepaar Wolff nach Munchen wo Wolff Arbeit bei der Deutschen Bank fand Er wurde jedoch bedingt durch die Auswirkungen der Inflationszeit Ende Juni 1924 arbeitslos Kurz darauf fand er eine neue Beschaftigung bei der Munchner Filiale der Annoncen Expedition Walther von Danckelmann Schon am 1 Juli 1925 eroffnete er seine eigene Firma unter dem Namen Annoncen Expedition Karl Wolff von Romheld Die wirtschaftliche Krise im Jahre 1931 s Deutsche Bankenkrise liess ihn zur Uberzeugung gelangen dass nur die radikalen Parteien zur Losung des wirtschaftlichen und politischen Dilemmas in Deutschland fahig seien Fur ihn kam dafur nur die rechtsradikale Richtung in Betracht Politischer Werdegang BearbeitenAm 7 Oktober 1931 trat Wolff in die NSDAP Mitgliedsnummer 695 131 sowie die SS SS Nr 14 235 ein und machte in dieser Parteiorganisation eine steile Karriere Ein dreiwochiger Lehrgang auf der Reichsfuhrerschule der SA in Munchen vermittelte ihm das weltanschauliche Grundgerust und fuhrte zur ersten Bekanntschaft mit den als Dozenten auftretenden Spitzen der Partei wie Franz Xaver Schwarz Richard Walther Darre Heinrich Himmler und Adolf Hitler Himmler mit seinem Adjutanten Wolff rechts 12 Dezember 1933 Vom 18 Februar 1932 bis September 1932 fuhrte Wolff als SS Sturmfuhrer 6 den Sturm 2 des II Sturmbannes der SS Standarte 1 Im Jahr 1932 mit seinen beiden Reichstagswahlen wurde auch die SS haufig bei Parteiversammlungen Strassendemonstrationen und organisierten Schlagereien eingesetzt Am 20 September 1932 wurde der bewahrte ehrgeizige und in gesellschaftlichen Umgangsformen versierte Sturmfuhrer zum Adjutanten des Sturmbannes II der Standarte 1 bestellt und am 30 Januar 1933 zum SS Hauptsturmfuhrer befordert Dem Amt eines Adjutanten der SS beim neuen Reichsstatthalter in Bayern General Franz Ritter von Epp vom Marz 1933 folgte mit der Kommandierung als Adjutant zum Stab des Reichsfuhrers SS am 18 Juni 1933 der Sprung vom ehrenamtlichen zum hauptamtlichen Mitglied der Schutzstaffel Die damit verbundene finanzielle Sicherheit erlaubte ihm die Aufgabe seines bisherigen Berufes und den Verkauf seiner Firma Am 8 Marz 1933 wurde er Mitglied des Reichstages Die Gunst Himmlers sowie Wolffs Talent neben seinem Einsatz fur Partei und SS auch seinen eigenen Vorteil zu mehren ermoglichte einen schnellen Aufstieg bis zum 1 Adjutanten im Stab des Reichsfuhrers SS am 4 April 1934 verbunden mit drei Beforderungen bis zum SS Standartenfuhrer am 20 April 1934 Als Chef des personlichen Stabes Reichsfuhrer SS ab dem 9 November 1935 umfasste seine Kompetenz neben der Chefadjutantur sieben Amter wie die Personalkanzlei das SS Gericht die Revisionsabteilung und die Stabskasse Seine Dienststelle hatte zwar nicht offiziell den Rang eines SS Hauptamtes sie war den eigentlichen Hauptamtern aber quasi gleichgestellt und diente als Auffangbecken fur alle Aufgaben die nicht einem der Hauptamter zugeordnet waren so zum Beispiel der Beauftragte fur das Diensthundewesen Hinzu kamen noch die Organisationen Lebensborn der Freundeskreis Reichsfuhrer SS sowie Forderndes Mitglied der SS Eine besondere Freundschaft verband Wolff mit dem Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich Im Fuhrerhauptquartier Bearbeiten Karl Wolff zweite Reihe Dritter von rechts im Stab von Adolf Hitler im Juni 1940 vermutlich in Eselsberg in Bad Munstereifel Rodert in der Nahe des K Standes des Fuhrerhauptquartiers Felsennest Reichsfuhrer Heinrich Himmler mit Karl Wolff bei einem Treffen mit Francisco Franco und Ramon Serrano Suner ganz rechts in Spanien 25 Oktober 1940 Heinrich Himmler wahrend eines Besuchs im KZ Mauthausen April 1941 Von links nach rechts August Eigruber Franz Ziereis August Schmidhuber hinter Ziereis mit Brille Himmler Wolff Franz Kutschera Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Wolff ins Fuhrerhauptquartier entsandt um hier nach eigenen Angaben als Verbindungsoffizier der Waffen SS zu fungieren Eine solche Aufgabe wurde immer wieder angezweifelt Schliesslich war es Hitler selbst der sich fur Wolff als Vertreter der SS in seinem Hauptquartier aussprach Moglicherweise konnte hierbei auch die Frage eines potentiellen Himmler Nachfolgers eine Rolle gespielt haben fur den neben Heydrich offensichtlich zumindest zeitweise auch Wolff in Betracht kam Praktisch war Wolff jedoch wohl Himmlers Auge und Ohr im Fuhrerhauptquartier wie das die Staatsanwaltschaft beim Schwurgericht Munchen 1964 formulierte Im Fuhrerhauptquartier erhielt er zweifellos auch Kenntnis uber alle wesentlichen Geschehnisse oder konnte sich unschwer Zugang zu relevanten Informationen beschaffen Auch auf dem Berghof der temporar als Fuhrerhauptquartier fungierte war Wolff anwesend Daruber hinaus erhielt er auch als Chef des personlichen Stabes Reichsfuhrer SS Kopien aller wichtigen Schreiben der SS Hauptamter so dass seine Nachkriegsbeteuerungen von Verbrechen erst nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes erfahren zu haben als Schutzbehauptung anzusehen sind Wenn er als rechte Hand Himmlers den Organisator der Aktion Reinhard Odilo Globocnik zu seinen Freunden zahlte kann er nicht weniger Informationen besessen haben als die vielen die vor Ort Kenntnis von den Untaten des Regimes erlangten Als bei der Raumung des Warschauer Ghettos Engpasse bei den Eisenbahntransportkapazitaten auftraten vermittelte Wolff durch den ihm gut bekannten stellvertretenden Reichsverkehrsminister Staatssekretar Albert Ganzenmuller die benotigten Zuge in die Vernichtungslager In einem Schreiben vom 13 August 1942 bedankte sich Wolff fur Ganzenmullers Beistand Mit besonderer Freude habe ich von Ihrer Mitteilung Kenntnis genommen dass nun schon seit 14 Tagen taglich ein Zug mit Angehorigen des auserwahlten Volkes nach Treblinka fahrt Ich habe von mir aus mit den beteiligten Stellen Fuhlung aufgenommen so dass eine reibungslose Durchfuhrung der gesamten Massnahme gewahrleistet erscheint 7 Auch von den Unterdruck und Kaltwasserexperimenten des Arztes Sigmund Rascher im KZ Dachau wurde er in seiner Eigenschaft als Vorgesetzter seines fur das Ahnenerbe zustandigen Amtschefs Wolfram Sievers informiert Am 6 Marz 1943 liess er sich von seiner Ehefrau Frieda von Romheld scheiden und heiratete am 9 Marz seine langjahrige Geliebte die Witwe Ingeborg Grafin Bernstorff uberzeugte Nationalsozialistin und Schwagerin von Albrecht Graf von Bernstorff den die SS noch 1945 ermordete Eine Beteiligung Wolffs wurde zwar untersucht konnte aber nicht erwiesen werden Die Trubung seines guten Verhaltnisses zu Himmler angeblich wegen seiner Scheidung die Himmler nicht genehmigen wollte aber Hitler erlaubte 8 und eine langere Krankheit fuhrten zu seiner Ablosung als Chef des Stabes Reichsfuhrer SS und seiner Versetzung nach Italien Dort war er u a verantwortlich fur die am 16 Oktober 1943 erfolgte Verhaftung von 1259 Juden in Rom von denen 1007 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurden 9 Hochster SS und Polizeifuhrer in Italien Bearbeiten Vollmacht des Marschalls von Italien Rodolfo Graziani an Wolff zur Aufnahme von Kapitulationsverhandlungen 27 April 1945 Himmler berief Wolff im Juli 1943 zum hochsten SS und Polizeifuhrer in Italien mit dem Auftrag den am 25 Juli 1943 von seinen Landsleuten verhafteten Benito Mussolini zu befreien und danach dessen zivile Machtubernahme in die Wege zu leiten Nach der Landung der Alliierten in Suditalien schloss die italienische Regierung unter Pietro Badoglio mit den Alliierten am 3 September 1943 den Waffenstillstand von Cassibile und loste sich damit aus dem deutschen Bundnissystem Kurz darauf besetzten die deutschen Truppen Italien Fall Achse Am 12 September 1943 wurde Mussolini durch deutsche Fallschirmjager aus seiner Gefangenschaft befreit Unternehmen Eiche Nach Bestellung einer italienischen Marionettenregierung Italienische Sozialrepublik mit Sitz in Salo am Gardasee unterstutzte Wolff die Zwangsrekrutierung von italienischen Arbeitern fur die deutsche Rustungsindustrie und bekampfte die zunehmenden Partisanenaktivitaten Resistenza Eine von Hitler geplante Entfuhrung von Papst Pius XII 10 soll von Wolff hintertrieben worden sein da dann die Lage der deutschen Truppen in Italien nicht mehr haltbar gewesen ware 11 12 Wolff war neben Ernst von Weizsacker der einzige bekannte SS Offizier der am 10 Mai 1944 eine Audienz beim Papst erhielt Er zeigte sich auch hilfsbereit gegenuber der Pontificia Commissione di Assistenza der papstlichen Hilfsorganisation zur karitativen Unterstutzung und Verpflegung der Bevolkerung von Rom und Umgebung 13 indem er zum Beispiel Transporte in Sperrgebiete erlaubte 14 Beim deutschen Oberbefehlshaber in Italien Generalfeldmarschall Albert Kesselring unterstutzte Wolff die Bestrebungen des Vatikans Rom zur offenen Stadt erklaren zu lassen um die Stadt und ihre Kunstschatze vor der Zerstorung zu retten Als die Alliierten am 4 Juni 1944 Rom besetzten war Wolff krankheitsbedingt abwesend Am 26 Juli 1944 wurde Wolff auf eigenen Antrag zum bevollmachtigten General der deutschen Wehrmacht ernannt da er sich hiervon mehr Einfluss im allgemeinen Kompetenzwirrwarr in Italien versprach Er mobilisierte alle verfugbaren Einheiten gegen die zunehmende Partisanenaktivitat Das Vorrucken der Alliierten fuhrte schliesslich zur Evakuierung der italienischen Marionettenregierung unter Mussolini nach Tirol und spater nach Deutschland Auch fur Wolff zeichnete sich die Aussichtslosigkeit des weiteren Kriegsverlaufs immer deutlicher ab Ebenso wie der Reichsfuhrer SS Heinrich Himmler suchte auch Wolff der inzwischen in Bozen residierte uber Mittelsmanner die Kontaktaufnahme mit den Alliierten Im Februar 1945 nahm Wolff uber Schweizer Mittelsmanner Max Waibel Max Husmann u a Kontakt mit dem Vertreter der mitteleuropaischen Zentrale des US Geheimdienstes Office of Strategic Services Allen W Dulles auf 15 Die Verhandlungen fuhrten schliesslich zum vorzeitigen Waffenstillstand in Italien am 2 Mai 1945 sechs Tage vor der deutschen Gesamtkapitulation am 8 Mai 1945 siehe Operation Sunrise Im April 1945 war Wolff indirekt an der Befreiung von sogenannten Sonder und Sippenhaftlingen durch Wichard von Alvensleben beteiligt 16 Nach dem Krieg BearbeitenAm 13 Mai 1945 wurde Wolff mit seiner Familie von amerikanischen Truppen in einem Bozener Gefangnis festgesetzt Nach dreimonatigem Aufenthalt und Trennung von seiner Familie kam Wolff am 21 August 1945 in das Kriegsverbrechergefangnis nach Nurnberg Er wurde jedoch nicht angeklagt da amerikanische und britische Geheimdienstler furchteten Wolff konnte Einzelheiten der Kapitulationsverhandlungen in Italien publik machen 17 Wolff trat lediglich als Zeuge in den Nurnberger Prozessen auf so im Prozess Wirtschafts und Verwaltungshauptamt der SS 18 Die Amerikaner ubergaben ihn schliesslich im Januar 1948 an die Briten die ihn in Minden weiter inhaftierten Das mit dem Entnazifizierungsverfahren fur Wolff beauftragte Spruchgericht Hamburg Bergedorf verurteilte ihn im November 1948 wegen Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation SS und seiner Kenntnis dass diese verbrecherischen Zielen gedient habe zu funf Jahren Gefangnis von denen zwei Jahre durch die Untersuchungshaft als verbusst galten Das von Wolff angerufene Revisionsgericht hob das Urteil am 6 Marz 1949 auf und ermassigte die Haftstrafe im Juni 1949 auf vier Jahre Gefangnis die mittlerweile abgegolten waren Wolff arbeitete nach seiner Entlassung als Vertreter fur die Anzeigenabteilung einer Illustrierten und liess sich mit seiner Familie in Starnberg bei Munchen nieder Im Gefolge des Eichmann Prozesses ausserte sich Wolff in Presseartikeln uber Himmler und behauptete er habe erst im Marz 1945 von den Judenmorden erfahren Aufgrund dieser offentlichen Behauptungen sowie entsprechender Gegendarstellungen interessierte sich auch die bundesdeutsche Justiz wieder fur Wolff Am 18 Januar 1962 erging gegen ihn ein Haftbefehl des Amtsgerichts Weilheim wegen Beihilfe zur Ermordung hunderttausender Juden vor allem durch seine Intervention beim Reichsverkehrsministerium fur die Bereitstellung der benotigten Waggonkapazitaten Mit Ubergabe des Verfahrens an das Landgericht Munchen II wurde Wolff in die Strafanstalt Munchen Stadelheim eingeliefert Sein Verteidiger war Rudolf Aschenauer 19 der auf Verfahren gegen NS Angeklagte spezialisiert war denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen wurden Am 30 September 1964 wurde Wolff zu 15 Jahren Zuchthaus wegen Beihilfe zum Mord an 300 000 Juden verurteilt Nach Zuruckweisung seines Revisionsantrages durch den Bundesgerichtshof im Oktober 1965 wurde das Urteil rechtskraftig Zur Verbussung seiner Strafe wurde Wolff in das Zuchthaus Straubing verlegt Ende August 1969 wurde er wegen krankheitsbedingter Vollzugsunfahigkeit entlassen 1973 war Wolff in der britischen Fernsehserie Die Welt im Krieg als Zeitzeuge zu sehen Erneute Darstellungen seiner angeblichen Verdienste um die Verhinderung einer Entfuhrung des Papstes machten den ehemaligen Stern Reporter Gerd Heidemann auf Wolff aufmerksam der als Sammler von NS Devotionalien dem sich in Finanznot befindlichen Wolff verschiedene personliche Gegenstande abkaufte Wolff diente Heidemann bei seiner Sammlertatigkeit sowie Fotoreportagen fur zeitgeschichtliche Themen als sachkundiger Berater In diesem Zusammenhang stiessen beide auch auf den Stuttgarter Militaria Handler Konrad Kujau Diese Zusammenarbeit sollte schliesslich zum grossten Presseeklat der Nachkriegsgeschichte um die gefalschten Hitler Tagebucher fuhren Am Prozess gegen Kujau und Heidemann Ende August 1984 konnte der als Zeuge geladene Wolff nicht mehr teilnehmen Er starb am 15 Juli 1984 im Krankenhaus Rosenheim Wenige Wochen vor seinem Tod war er zum Islam ubergetreten 20 Er wurde am 21 Juli 1984 auf dem Friedhof von Prien am Chiemsee beigesetzt Wolffs Tod brachte seinen Namen nochmals in alle grossen deutschen Zeitungen wo er u a als eine der schillerndsten Figuren des Naziregimes bezeichnet wurde Im Vorwort zur Biographie Wolffs schreibt Claus Sybill Wolff konne als klassische Fallstudie fur einen vom Nazi Syndrom befallenen Vertreter des gehobenen Burgertums gelten Wolff selbst ist und bleibt der Idealist der stets das Gute wollte Und weil er selbst nie etwas Boses erdacht oder geplant hatte konnten noch so viele Verbrechen rings um ihn geschehen er hat so gut wie nie etwas davon gemerkt Auszeichnungen BearbeitenAuszeichnungen im Ersten Weltkrieg Bearbeiten Eisernes Kreuz II und I KlasseAuszeichnungen als SS Fuhrer Bearbeiten Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP Dienstauszeichnung der NSDAP SS Dienstauszeichnung Kriegsverdienstkreuz II und I Klasse mit Schwertern Spange zum Eisernen Kreuz II und I Klasse Deutsches Kreuz in Gold am 9 Dezember 1944 Ehrendegen des Reichsfuhrers SS SS EhrenringLiteratur BearbeitenUlrike Meinhof Karl Wolff oder Portrat eines anpassungsfahigen Deutschen Feature Prod hr 1964 Abendstudio Jochen von Lang Claus Sibyll Der Adjutant Karl Wolff Der Mann zwischen Hitler und Himmler Herbig Verlag Berlin 1998 ISBN 3 7766 1368 8 Kerstin von Lingen SS und Secret Service Verschworung des Schweigens Die Akte Karl Wolff Schoeningh Paderborn 2010 ISBN 978 3 506 76744 8 Brendan Simms Karl Wolff Der Schlichter in Ronald Smelser Enrico Syring Hrsg Die SS Elite unter dem Totenkopf Paderborn 2000 ISBN 3 506 78562 1 Max Waibel 1945 Kapitulation in Norditalien Originalbericht des Vermittlers Novalis Verlag Basel 2002 ISBN 3 907160 87 8 Robert Wistrich Wer war wer im Dritten Reich Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 1987 ISBN 3 596 24373 4 LG Munchen II 30 September 1964 In Justiz und NS Verbrechen Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Totungsverbrechen 1945 1966 Bd XX bearbeitet von Irene Sagel Grande H H Fuchs C F Ruter Amsterdam University Press 1979 Nr 580 S 379 504 Verfahrensgegenstand Beihilfe zur Massentotung von Warschauer Juden durch Intervention bei dem Staatssekretar im Reichsverkehrsministerium zwecks Bereitstellung von Deportationszugen nach Treblinka Weblinks Bearbeiten Commons Karl Wolff Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Literatur von und uber Karl Wolff im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Zeitungsartikel uber Karl Wolff in der Pressemappe 20 Jahrhundert der ZBW Leibniz Informationszentrum Wirtschaft Karl Wolff in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten Karl Wolff in der Internet Movie Database englisch Nachlass Bundesarchiv N 1465Einzelnachweise Bearbeiten Todesanzeige in Darmstadter Zeitung vom 4 Januar 1916 Online Otto Knaus 80 Semester Activitas Karlsruhensiae 1878 1928 Festschrift Verbindung Karlsruhensia Heidelberg ca 1960 S 41 eingeschrankte Vorschau in der Google Buchsuche Grossherzoglich hessisches Regierungsblatt 1910 S 16 eingeschrankte Vorschau in der Google Buchsuche Hof und Staats Handbuch des Grossherzogtums Hessen fur das Jahr 1912 13 S 174 Der Spiegel 7 1962 S 37 ff Nach dem Selbstverstandnis der SS wurde er damit in den Offiziersrang aufgenommen Allerdings konnte die SS als interne Parteigliederung keine Offiziersdienstgrade sondern nur Range vergeben Wahrend des Naziregimes wurden jedoch SS Range schliesslich als Offiziersdienstgrade angesehen Gerald Riedlinger Die Endlosung Berlin 1956 S 288 Korrespondenz zwischen dem Staatssekretar im Verkehrsministerium Ganzenmuller und Himmlers Feldadjutant SS Obergruppenfuhrer Karl Wolff Prozess IV S 2184f zitiert nach Der gelbe Stern Die Judenverfolgung in Europa 1933 bis 1945 Gerhard Schoenberner Hamburg 1960 S 78 SS General Wolff Himmlers Wolffchen Der Spiegel 7 1962 vom 14 Februar 1962 S 37 ff Schreiben von Herbert Kappler an Karl Wolff 17 Oktober 1943 uber erfolgreich durchgefuhrte Judenaktion in Museo Storico della Liberazione Rom Albrecht von Kessel Der Papst und die Juden in Fritz J Raddatz Hrsg Summa Iniuria Rororo 1963 S 167 ff 1 Dan Kurzman The Race for Rome New York 1975 S 50 S 189 Dan Kurzman A Special Mission Hitler s Secret Plot to seize the Vatican and Kidnap Pope Pius XII 2007 S 213 Primo Mazzolari La Carita Del Papa Turin 1991 Aussage von P Otto Faller Pontificio Commissione Assistenza 1 Juni 1970 auch Pietro Kardinal Palazzini Interview L Associazione Pio XII 11 Rom Oktober 1992 Sara Randell Ending the War Operation Sunrise and Max Husmann Stamplfi Verlag Bern 2018 Fuhrer Haftlinge Schones Wetter In Der Spiegel Nr 9 1967 S 54 55 online Bericht uber die Befreiung der Sonder und Sippenhaftlinge Kerstin von Lingen Conspiracy of Silence How the Old Boys of American Intelligence Shielded SS General Karl Wolff from Prosecution In Holocaust and Genocide Studies 22 200 S 74 109 doi 10 1093 hgs dcn004 Abgerufen am 23 April 2014 Introduction to NMT Case 4 U S A v Pohl et al Memento vom 9 Juli 2010 im Internet Archive auf www nuremberg law harvard edu Heute Pladoyer im Wolff Prozess dpa Meldung In Hamburger Abendblatt Nr 215 vom 15 September 1964 S 1 Seine Tochter Fatima Grimm sprach an seinem Grab das islamische Totengebet Vgl Stefan Meining Eine Moschee in Deutschland Nazis Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen Beck Verlag 2011 S 151 Normdaten Person GND 118806998 OGND AKS LCCN n86137198 VIAF 27867900 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Wolff KarlALTERNATIVNAMEN Wolff Karl Friedrich Otto vollstandiger Name KURZBESCHREIBUNG deutscher Offizier der SS Chef des Personlichen Stabes Reichsfuhrer SS hochster Polizei und SS Fuhrer in Italien Politiker NSDAP MdRGEBURTSDATUM 13 Mai 1900GEBURTSORT DarmstadtSTERBEDATUM 15 Juli 1984STERBEORT RosenheimAbgerufen von https de wikipedia org w index php title Karl Wolff SS Mitglied amp oldid 213638934, wikipedia, wiki, deutsches

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