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Kanada

Jacques Cartier, Porträt von Théophile Hamel (1817–1870), Öl auf Leinwand, etwa 1844

Der Name Kanada ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Wort kanata abgeleitet, das in der Sprache der Sankt-Lorenz-Irokesen „Dorf“ oder besser „Siedlung“ bedeutete. 1535 gaben Bewohner der Region um die heutige Stadt Québec dem französischen Entdecker Jacques Cartier eine Wegbeschreibung zum Dorf Stadacona. Cartier verwendete daraufhin die Bezeichnung Canada nicht nur für dieses Dorf, sondern für das ganze Gebiet, das von dem in Stadacona lebenden Häuptling Donnacona beherrscht wurde. Ab 1545 war auf Karten und in Büchern die Bezeichnung Canada für diese Region üblich. Cartier nannte außerdem den Sankt-Lorenz-Strom Rivière de Canada, ein Name, der bis zum frühen 17. Jahrhundert in Gebrauch war. Forscher und Pelzhändler zogen in Richtung Westen und Süden, wodurch das als „Kanada“ bezeichnete Gebiet wuchs. Im frühen 18. Jahrhundert wurde der Name für den gesamten heutigen mittleren Westen bis Louisiana benutzt. Die seit 1763 britische Kolonie Québec wurde 1791 in Oberkanada und Niederkanada aufgeteilt, was etwa den späteren Provinzen Ontario und Québec entsprach. Sie wurden 1841 wieder zur neuen Provinz Kanada vereinigt. 1867 erhielten die neu gegründeten Bundesstaaten der Kolonien in Britisch-Nordamerika den Namen „Kanada“ und den formellen Titel Dominion. Bis in die 1950er Jahre war die amtliche Bezeichnung Dominion of Canada üblich.

Mit der zunehmenden politischen Autonomie gegenüber Großbritannien verwendete die Regierung mehr und mehr die Bezeichnung Canada in rechtlich bindenden Dokumenten und Verträgen. Das Kanada-Gesetz 1982 bezieht sich nur noch auf Canada, die inzwischen einzige amtliche (zweisprachige) Bezeichnung.

Ur- und Frühgeschichte

Indianer (in Kanada First Nations genannt) besiedelten Nordamerika vor mindestens 12.000 Jahren, was den Anfang der paläoindianischen Periode markiert. Vor rund 5000 Jahren folgten die Inuit. In den Bluefish-Höhlen im nördlichen Yukon fand man die ältesten menschlichen Spuren in Kanada; in der Charlie-Lake-Höhle fanden sich Werkzeuge aus der Zeit ab etwa 10.500 v. Chr. Aus der Zeit ab etwa 9000 v. Chr. stammen Funde bei Banff und in Saskatchewan, aber auch bereits in Québec.

Ab etwa 8000 v. Chr. folgte die archaische Phase. Gruppen aus dem Westen erreichten um 7500 v. Chr. das südliche Ontario. Dort fanden sich Speerschleudern. Siedlungsschwerpunkte waren im Osten der untere Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen sowie die Küste Labradors (L’Anse Amour Site) an der im 6. Jahrtausend die ersten größeren Grabstätten entstanden, später Burial Mounds.

Auf den Great Plains entstanden neue Waffentechnologien und weitläufiger Handel, etwa mit Chalzedon aus Oregon und Obsidian aus Wyoming. In einigen Gebieten wurden noch um 8000 v. Chr. Pferde gejagt; sie verschwanden ebenso wie die Megafauna. Erst später teilte sich der riesige Kulturraum erkennbar in zwei Großräume auf, die Frühe Shield- und die Frühe Plains-Kultur, wobei sich Kupferbearbeitung bereits um 4800 v. Chr. zeigen lässt.

Im Westen reichen die Spuren bis vor 8000 v. Chr. zurück, vielfach ohne erkennbaren kulturellen Bruch. So besteht die Kultur der Haida auf Haida Gwaii seit über 9500 Jahren. Der Handel mit Obsidian vom Mount Edziza reicht über 10.000 Jahre zurück.

Vor 2500 v. Chr. bestanden im Westen Siedlungen, dazu Anzeichen sozialer Differenzierung. Hausverbände bestanden, die sich saisonal zur Jagd in großen Gruppen zusammenfanden. Auch in den Plains lassen sich Dörfer nachweisen.

Die Cree, Ojibwa, Algonkin, Innu und Beothuk, die in den frühen europäischen Quellen fassbar sind, gehen wohl auf Gruppen der Shield-Kultur zurück. Die Plainskulturen waren durch Bisons gekennzeichnet, Hunde wurden als Trage- und Zugtiere eingesetzt, das Tipi setzte sich durch sowie die Herstellung von Pemmikan.

Als wichtigste kulturelle Veränderung der Plateaukultur im westlichen Binnenland gilt der Übergang von der Nichtsesshaftigkeit zur Halbsesshaftigkeit mit Winterdörfern und sommerlichen Wanderzyklen um 2000 v. Chr. Eine ähnliche Entwicklung vollzog sich früher an der Küste, deren Kulturen sich mit den Küsten-Salish in Beziehung bringen lassen. Gegen Ende der Epoche lassen sich erstmals Plankenhäuser nachweisen. Einige Salish waren bereits vor 1600 v. Chr. Bauern – wie man von den Katzie weiß. Die Nuu-chah-nulth auf Vancouver Island entwickelten hochseetüchtige Kanus, mit denen sie (als einzige) auf Walfang gingen.

Die Herstellung von Tongefäßen erreichte das Gebiet des heutigen Kanada wohl von Südamerika, Pfeil und Bogen kamen um 3000 v. Chr. aus Asien und wurden wahrscheinlich erstmals von Paläo-Eskimos eingesetzt. Er erreichte die Ostküste, kam aber erst rund drei Jahrtausende später in den Westen.

An den Großen Seen lassen sich Hunde nachweisen (in Utah bereits um 8000 v. Chr.), die beerdigt wurden. Mit den Keramikgefäßen ab etwa 500 v. Chr. endete an der Ostküste die archaische Phase, die von den Woodland-Perioden abgelöst wurde. Manche Dörfer, meist aus Langhäusern bestehend, waren wohl schon ganzjährig bewohnt. Auf die Frühe Woodland-Periode an den Großen Seen und dem Sankt-Lorenz-Strom (etwa 1000 v. Chr. bis 500 n. Chr.) gehen wohl die Irokesen zurück, aber auch einige der Algonkin-Gruppen.

Bis nach Zentral-Labrador zeigen sich auf dem kanadischen Schild die Einflüsse der Adena-Kultur. Ihre typischen Mounds erscheinen auch in der westlichen Schild-Kultur, beispielsweise im südlichen Ontario. Wahrscheinlich kam es infolge der Domestizierung von Wildreis zu einer herausgehobenen Schicht von Landbesitzern (Psinomani-Kultur). Der Süden Ontarios war in die Fernhandels-Beziehungen der Hopewell-Kultur eingebunden. Kupfer wurde im ganzen Osten Nordamerikas verbreitet.

Die späte Plains-Kultur lebte in hohem Maße von Bisons. Fernhandel war weit verbreitet und reichte westwärts bis zum Pazifik. Im Norden überwogen kleinere nomadische Gruppen, während sich im Süden ein Zyklus saisonaler Wanderungen durchsetzte, deren Mittelpunkt feste Dörfer waren.

Der späten Plateau-Kultur lieferten die Laichzüge der Lachse die Nahrung, ähnlich wie an der Pazifikküste. Ab 2500 v. Chr. lässt sich das so genannte Pit House („Grubenhaus“) nachweisen, das teilweise in die Erde gegraben wurde und eine bessere Bevorratung ermöglichte.

Die Küstenkultur wurde zwischen 500 v. und 500 n. Chr. als Ranggesellschaft von Süden nach Norden strenger. Eine Schicht führender Familien beherrschte den Handel sowie den Zugang zu Ressourcen und hatte die politische und spirituelle Macht. Auch hier tauchen erstmals Begräbnishügel auf. In einigen Regionen herrschten Steinhaufengräbern (cairns) vor, wie etwa um Victoria. Die Dörfer wurden zahlreicher und vielfach größer, bald stärker befestigt. Die Kultur war von Plankenhäusern, oftmals monumentalen Schnitzwerken (Totempfählen), komplexen Zeremonien und Clanstrukturen gekennzeichnet. Nirgendwo war die Bevölkerungsdichte so groß, wie an der Westküste.

Im Gegensatz dazu gestatteten die Klimabedingungen und starke vulkanische Aktivität im Nordwesten keine dauerhafte Ansiedlung. Mit den Athabasken verbinden sich Fundstellen im Entwässerungsgebiet des Mackenzie Rivers ab 1000 v. Chr. bis etwa 700 n. Chr.

Gegen 2500 v. Chr. wanderte ein Teil der Paläo-Eskimos von Alaska nach Grönland; es entwickelte sich die Prä-Dorset-Kultur. Um 500 v. Chr. bis 1000 n. Chr. folgte die „Dorset-Kultur“ (nach Cape Dorset auf einer Baffin Island vorgelagerten Insel benannt). Um 2000 v. Chr. bis 1000 n. Chr. bestand die Neo-Eskimo-Kultur. Um 1000 setzte sich eine erneute Wanderung von Alaska nach Grönland in Bewegung. Aus der Vermischung der Kulturen ging wohl die Thule-Kultur hervor, die bis etwa 1800 bestand. Ihre Angehörigen sind die Vorfahren der heutigen Inuit.

Kolonialisierung

Rekonstruktion der Wikingersiedlung in L’Anse aux Meadows

Europäische Siedler erreichten Nordamerika spätestens um das Jahr 1000, als Wikinger während kurzer Zeit in L’Anse aux Meadows am nördlichsten Ende von Neufundland lebten. Als „Entdecker“ Nordamerikas gilt Giovanni Caboto, ein italienischer Seefahrer in englischen Diensten. Er landete am 24. Juni 1497 auf Neufundland und nahm das Land für England in Besitz. Baskische Walfänger und Fischer kamen ab etwa 1525 regelmäßig an die Küste Labradors und beuteten ein Jahrhundert lang die Ressourcen in der Region zwischen der Neufundlandbank und Tadoussac aus. Eine Expedition unter der Leitung von Jacques Cartier erkundete 1534/35 das Gebiet um den Sankt-Lorenz-Golf und den Sankt-Lorenz-Strom und erklärte es zu französischem Besitz.

Kanu der Hudson’s Bay Company wohl auf dem French River, Frances Anne Hopkins 1869

Samuel de Champlain gründete 1605 mit Port Royal (heute Annapolis Royal) und 1608 mit Québec die ersten dauerhaften Ansiedlungen in Neufrankreich. Die französischen Kolonisten teilten sich in zwei Hauptgruppen: Die Canadiens besiedelten das Tal des Sankt-Lorenz-Stroms, die Akadier (Acadiens) die heutigen Seeprovinzen. Französische Pelzhändler und katholische Missionare erforschten die Großen Seen, die Hudson Bay und den Mississippi bis nach Louisiana. Engländer gründeten ab 1610 Siedlungen auf Neufundland und besiedelten die weiter südlich gelegenen Dreizehn Kolonien. Cupids Plantation ist damit die zweitälteste angloamerikanische Siedlung in Nordamerika und war erfolgreicher als Jamestown in Virginia.

Zwischen 1689 und 1763 kam es in Nordamerika zu vier bewaffneten Konflikten zwischen Engländern (bzw. Briten) und Franzosen, die jeweils Teil von Erbfolgekriegen in Europa waren. Der King William’s War (1689–1697) brachte keine territorialen Veränderungen, doch nach Ende des Queen Anne’s War (1702–1713) gelangte Großbritannien durch den Frieden von Utrecht in den Besitz von Akadien, Neufundland und der Hudson-Bay-Region. Die Briten eroberten 1745 im King George’s War die französische Festung Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel, gaben diese aber 1748 gemäß dem Frieden von Aachen wieder zurück. Der Siebenjährige Krieg (in Nordamerika von 1754 bis 1760 bzw. 1763) brachte schließlich die Entscheidung: Mit dem Pariser Frieden musste Frankreich 1763 fast alle seine Besitzungen in Nordamerika abtreten.

Britische Herrschaft

Tod des Generals James Wolfe in der Schlacht auf der Abraham-Ebene (1759), dem Wendepunkt im Siebenjährigen Krieg in Nordamerika, Benjamin West 1770, National Gallery of Canada, Ottawa

Mit der Königlichen Proklamation von 1763 entstand aus dem ehemaligen Neufrankreich die britische Provinz Québec, im selben Jahr gelangte die Kap-Breton-Insel zur Kolonie Nova Scotia. Auch wurden Rechte der französischen Kanadier eingeschränkt. 1769 wurde eine weitere Kolonie namens St. John’s Island (seit 1798 Prince Edward Island) gegründet. Um Konflikte in Québec abzuwenden, verabschiedete das britische Parlament 1774 den Quebec Act. Das Gebiet Québecs wurde zu den Großen Seen und zum Ohiotal ausgedehnt. Für die französischsprachige Bevölkerungsmehrheit galt das französische Zivilrecht und Französisch war als Sprache in der Öffentlichkeit anerkannt; durch die Zusicherung der freien Religionsausübung konnte die Römisch-katholische Kirche in der Kolonie verbleiben.

Das Gesetz verärgerte jedoch die Bewohner der Dreizehn Kolonien, die darin eine unzulässige Beschränkung ihrer nach Westen gerichteten Expansion sahen. Der Quebec Act war eines jener „unerträglichen Gesetze“ (Intolerable Acts), die schließlich zur Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führten. Der Frieden von Paris erkannte die amerikanische Unabhängigkeit an und die Gebiete südlich der Großen Seen fielen an die Vereinigten Staaten. Etwa 50.000 Loyalisten flohen in das heutige Kanada, dazu kamen mit den Briten verbündete Indianerstämme, wie die Mohawk. New Brunswick wurde 1784 von Nova Scotia abgetrennt, um die Ansiedlung der Loyalisten an der Atlantikküste besser organisieren zu können. Um den nach Québec geflohenen Loyalisten entgegenzukommen, verabschiedete das britische Parlament das Verfassungsgesetz von 1791, das die Provinz Québec in das französischsprachige Niederkanada und das englischsprachige Oberkanada teilte und beiden Kolonien ein gewähltes Parlament gewährte.

Sieg der Briten gegen die Amerikaner in der Schlacht bei Queenston Heights (1812), James B. Dennis (1777–1855), Öl auf Leinwand, undatiert

Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien entluden sich im Britisch-Amerikanischen Krieg, der von 1812 bis 1814 dauerte und letztlich ergebnislos endete. In Kanada wird der Krieg bis heute als erfolgreiche Abwehr amerikanischer Invasionsversuche betrachtet. Die britisch- und französischstämmige Bevölkerung entwickelte durch den Kampf gegen einen gemeinsamen Feind ein kanadisches Nationalgefühl, die Loyalität der britischen Krone gegenüber wurde gestärkt.

Der Wunsch nach Selbstverwaltung und der Widerstand gegen die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft einer kleinen Elite führten zu den Rebellionen von 1837, die rasch niedergeschlagen wurden. Lord Durham empfahl daraufhin in seinem Untersuchungsbericht die Einsetzung einer selbstverantwortlichen Regierung und die allmähliche Assimilierung der französischen Kanadier in die britische Kultur. Der Act of Union 1840 verschmolz Nieder- und Oberkanada zur Provinz Kanada und erhob das Englische zur alleinigen Amtssprache. Bis 1849 erhielten auch die weiteren Kolonien in Britisch-Nordamerika eine eigene Regierung.

Zwei Handelsgesellschaften, die Hudson’s Bay Company (HBC) und die North West Company (NWC), kontrollierten den Handel in den weiten, nur von wenigen Ureinwohnern besiedelten Gebieten der Prärien und der Subarktis. Die HBC hatte 1670 Ruperts Land als Pachtgebiet erhalten und besaß dort das Handelsmonopol mit Pelzen. Da aber auch die NWC dort Fuß zu fassen versuchte, kam es wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Nach dem Pemmikan-Krieg in der Red-River-Kolonie (heute Manitoba) wurde die NWC 1821 zwangsliquidiert, und die HBC dehnte ihr Monopol auf fast den gesamten Nordwesten des Kontinents aus. 1846 schlossen die Vereinigten Staaten und Großbritannien den Oregon-Kompromiss, der westlich der Großen Seen den 49. Breitengrad als gemeinsame Grenze festlegte. Daraufhin folgte die Gründung der an der Pazifikküste gelegenen Kolonien Vancouver Island (1849) und British Columbia (1858).

Kanadische Konföderation

Territoriale Entwicklung Kanadas

Während des Sezessionskriegs in den Vereinigten Staaten erkannten führende Politiker die Notwendigkeit, möglichen amerikanischen Expansionsbestrebungen einen starken Bundesstaat entgegenzustellen, und berieten in drei Verfassungskonferenzen über die Schaffung einer Kanadischen Konföderation. Daraus resultierte das Verfassungsgesetz von 1867, das am 1. Juli 1867 in Kraft trat und das Dominion Kanada schuf, das über eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber der Kolonialmacht Großbritannien verfügte. Die Provinz Kanada wurde in Ontario und Québec aufgeteilt, hinzu kamen New Brunswick und Nova Scotia.

Das älteste britische Haus im Westen Kanadas war von 1852 bis 1920 der Wohnsitz eines der Gründerväter Kanadas, John Sebastian Helmcken

Der neue Bundesstaat kaufte 1869 der Hudson’s Bay Company das Nordwestliche Territorium und Ruperts Land ab und vereinigte diese zu den Nordwest-Territorien. Nach der Niederschlagung der Red-River-Rebellion der Métis schuf der Manitoba Act 1870 im Unruhegebiet die Provinz Manitoba. British Columbia und Vancouver Island (die sich 1866 vereinigt hatten) traten 1871 der Konföderation bei, zwei Jahre später folgte Prince Edward Island.

Um den Westen für die Besiedlung durch Einwanderer zu erschließen, beteiligte sich die Regierung an der Finanzierung von transkontinentalen Eisenbahnen und gründete die North-West Mounted Police (heute Royal Canadian Mounted Police), um die staatliche Kontrolle über die Prärien und subarktischen Regionen durchzusetzen. Die Nordwest-Rebellion und die darauf folgende Hinrichtung des Métis-Führers Louis Riel 1885 führten zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen den beiden Sprachgruppen. Als direkte Folge des Klondike-Goldrauschs wurde 1898 das Yukon-Territorium geschaffen. Aufgrund der zunehmenden Besiedlung der Prärie entstanden 1905 aus dem südlichen Teil der Nordwest-Territorien die Provinzen Alberta und Saskatchewan. Mit den Indianern schloss Kanada zwischen 1871 und 1921 elf Verträge ab, die ihnen gegen geringe Kompensationen Reservate zuwiesen, ihnen aber ihre gewohnte Lebensweise garantierten. Bis in die 1960er-Jahre versuchte man sie zwangsweise zu assimilieren und verbot den Schülern den Gebrauch ihrer Muttersprachen. Die Ureinwohner durften bis 1960 nicht an Parlamentswahlen auf nationaler Ebene teilnehmen.

An der Seite Großbritanniens nahm Kanada ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil und entsandte Freiwillige an die Westfront. Als die Regierung versuchte, gegen den Widerstand des französischsprachigen Bevölkerungsteils den obligatorischen Wehrdienst einzuführen, kam es zur Wehrpflichtkrise von 1917.

Eigenständigkeit und Separatismus

Landung kanadischer Truppen in der Normandie am D-Day, Abschnitt Nan White Beach bei Bernières-sur-Mer, Département Calvados

Bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag trat Kanada als eigenständiges Staatswesen auf und trat 1919 unabhängig von Großbritannien dem Völkerbund bei. Das Statut von Westminster von 1931 garantierte die gesetzgeberische Unabhängigkeit, gewisse verfassungsrechtliche Bindungen blieben jedoch weiter bestehen. Das Land war besonders stark von der Weltwirtschaftskrise betroffen, als Reaktion darauf entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten ein gut ausgebauter Sozialstaat.

Kanada erklärte 1939 dem Deutschen Reich den Krieg. Trotz einer weiteren Wehrpflichtkrise spielten kanadische Truppen während des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle, insbesondere in der Atlantikschlacht, der Operation Jubilee, der Invasion Italiens, der Operation Overlord (Landung am Juno Beach) und der Schlacht an der Scheldemündung. Die Regierung von Mackenzie King wagte es nicht, Soldaten gegen ihren Willen in einen Kriegseinsatz im Ausland zu schicken. So blieben Männer im Umfang von fünf Divisionen in Kanada, wo sie nichts anderes taten, als deutsche Kriegsgefangene zu bewachen. Unter den kanadischen Freiwilligen, die in Europa gegen Deutschland kämpften, rief das großen Unmut hervor. 1945 wurden kanadische Soldaten maßgeblich während der Kämpfe um die Niederlande eingesetzt.

Die britische Kolonie Neufundland, die sich 1867 nicht dem Bundesstaat angeschlossen hatte und von 1907 bis 1934 ein unabhängiges Dominion gewesen war, trat 1949 nach einer lange andauernden politischen und wirtschaftlichen Krise als letzte Provinz der kanadischen Konföderation bei. 1965 wurde die neue Ahornblattflagge eingeführt und mit dem Inkrafttreten des Amtssprachengesetzes war Kanada ab 1969 offiziell ein zweisprachiges Land. Premierminister Pierre Trudeau strebte die vollständige formale Unabhängigkeit von Großbritannien an, die mit dem Verfassungsgesetz von 1982 und der Charta der Rechte und Freiheiten Wirklichkeit wurde.

Während der 1960er Jahre fand in Québec eine tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzung statt, die als „Stille Revolution“ bekannt ist. Québecer Nationalisten begannen, mehr Autonomie oder gar die Unabhängigkeit zu fordern. Anschläge und Entführungen durch die Front de libération du Québec führten 1970 zur Oktoberkrise und zur kurzzeitigen Ausrufung des Ausnahmezustands. Moderate Nationalisten stellten ab 1976 die Provinzregierung, 1980 wurde ein erstes Unabhängigkeitsreferendum mit 59,6 % der Stimmen abgelehnt. Ein weiteres Kennzeichen dieser Umwälzung ist die Ablösung der frankophonen Bevölkerung von der katholischen Kirche.

Der Constitution Act / Loi constitutionelle vom 17. April 1982, mit dem auch Verfassungsänderungen nicht mehr vom britischen Parlament abgesegnet werden müssen, gilt als Datum der formalen Unabhängigkeit (vollen Souveränität) Kanadas. Bemühungen der Bundesregierung, Québec mit dem Meech Lake Accord als „sich unterscheidende Gesellschaft“ anzuerkennen, scheiterten 1989. Die vom separatistischen Parti Québécois geführte Provinzregierung setzte 1995 das zweite Unabhängigkeitsreferendum an, das mit 49,4 % Zustimmung äußerst knapp scheiterte. 1999 wurde mit Nunavut das erste kanadische Territorium mit mehrheitlich indigener Bevölkerung geschaffen. Trotz einiger politischer Zugeständnisse ist die Unzufriedenheit unter den Ureinwohnern immer noch hoch.

Hauptartikel: Geographie Kanadas

Ausdehnung und Grenzen

Satellitenbild der Baffininsel

Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Land der Erde und fast so groß wie Europa. Das Land nimmt rund 41 % Nordamerikas ein. Der einzige unabhängige und durch eine Landgrenze verbundene Nachbar sind die Vereinigten Staaten im Süden und im Nordwesten. Ein weiterer Nachbar ist das dänische Autonomiegebiet Grönland, das durch die rund 30 Kilometer breite Meerenge Kennedy-Kanal von der nördlichsten kanadischen Insel, Ellesmere Island, getrennt wird. Schließlich existiert mit der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon südlich von Neufundland ein Überbleibsel der französischen Kolonie Neufrankreich.

Die größte Nord-Süd-Ausdehnung, von Kap Columbia auf Ellesmere Island in Nunavut zur Insel Middle Island im Eriesee, beträgt 4634 Kilometer. Die größte Ost-West-Entfernung beträgt 5514 Kilometer von Cape Spear auf Neufundland bis zur Grenze des Yukon-Territoriums mit Alaska. Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8890 Kilometer. Kanada hat mit 243.042 Kilometern zugleich die längste Küstenlinie der Welt.

Die größte Insel ist die Baffininsel im Nordosten, welche mit einer Fläche von 507.451 km² zugleich die fünftgrößte Insel der Welt ist. Die nördlichste Halbinsel ist Boothia. 9.093.507 km² Kanadas sind Land- und 891.163 km² Wasserfläche.

Kanada hat Anteil an sechs Zeitzonen, siehe hierzu Zeitzonen in Kanada.

Geologie und Landschaftsgliederung

Der Kanadische Schild
Kanadas Klimazonen

Das geologische Grundgebirge der östlichen Provinzen sind alte, abgetragene Berge neben noch älteren Abschnitten des Kanadischen Schildes, die bis zu 4,03 Milliarden Jahre alt sind. Dieser umfasst eine ausgedehnte Region mit einigen der ältesten Gesteine. Um die Hudson Bay gelegen, nimmt er fast die Hälfte des Staatsgebiets ein. Abgesehen von einigen niedrigen Bergen im östlichen Québec und in Labrador ist die Landschaft flach und hügelig. Das Gewässernetz ist dicht, die Entwässerung der Region erfolgt über eine Vielzahl von Flüssen. Die südliche Hälfte des Schildes ist mit borealen Wäldern bedeckt, während die nördliche Hälfte einschließlich der Inseln des arktischen Archipels jenseits der arktischen Baumgrenze liegt und mit Felsen, Eis und Tundrenvegetation bedeckt ist. Die östlichen Inseln des Archipels sind gebirgig, die westlichen dagegen flach.

Westlich und südlich des Kanadischen Schildes liegen die Ebenen um den Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen. Die natürliche Vegetation des südlichen Teils der dort liegenden Prärieprovinzen Saskatchewan, Manitoba und Alberta ist das Präriegras; der nördliche Teil dagegen ist bewaldet.

Die teils vulkanisch aktiven Gebirgszüge der Coast Range und der Rocky Mountains, wie der Mount Edziza oder die Northern Cordilleran Volcanic Province im Norden British Columbias, dominieren das westliche Kanada. Sie verlaufen in Nord-Süd-Richtung durch Yukon und British-Columbia, die dortige Küstenlinie wird tief von Fjorden durchschnitten. Vor der Küste liegt Vancouver Island, ein Ausläufer des Küstengebirges.

Satellitenbild der großen Seen

Die höchsten kanadischen Gebirgsregionen liegen im Westen mit den Rocky Mountains – höchster Berg ist der 5959 Meter hohe Mount Logan im Territorium Yukon – und der Kette der Küstengebirge am Pazifischen Ozean (Coast Mountains und Kaskadenkette). Ein weiteres wichtiges System verläuft entlang der Nordostküste von Ellesmere Island (Arktische Kordillere) bis zu den Torngatbergen in Québec sowie in Neufundland und Labrador. Im Osten Kanadas liegen die nördlichen Appalachen und die Laurentinischen Berge.

Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt-Lorenz-Strom. Er dient als Wasserstraße zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Kanadas zweitlängster Fluss ist der Mackenzie River (1903 Kilometer) in den Nordwest-Territorien. Weitere bedeutende Flüsse sind der Yukon River und der Columbia River, die teilweise auch in den Vereinigten Staaten verlaufen, der Fraser, der Nelson, der Churchill und der Manicouagan sowie Nebenflüsse wie der Saskatchewan River, der Peace River, der Ottawa und der Athabasca.

Kanada ist zudem ein überaus seenreiches Land. 7,6 % seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt. 563 Seen sind größer als 100 Quadratkilometer. Zu den größten Seen gehören der Große Bärensee (31.153 km²), der Große Sklavensee (27.048 km²), der Winnipegsee (24.420 km²), der Athabascasee (7.850 km²) sowie die Großen Seen (zusammen rund 245.000 km²), durch die mit Ausnahme des Michigansees die Grenze zum südlichen Nachbarland verläuft. Der größte gänzlich in Kanada gelegene See ist der Große Bärensee in den Nordwest-Territorien.

Klima

Klimadiagramm der Hauptstadt Ottawa

Kanada umfasst unterschiedliche Klimazonen (vom Polarklima bis zum gemäßigten Klima). Überwiegend bestimmt das boreale Klima mit langen, kalten Wintern und kurzen, heißen Sommern den größeren Teil Kanadas. Im Winter 2004/2005 wurden Temperaturen von −58 °C in Burwash Landing des Territoriums Yukon gemessen; die tiefste je gemessene Temperatur wurde mit −63 °C in Snag im selben Territorium am 3. Februar 1947 aufgezeichnet. Die höchste Temperatur wurde in Lytton (British Columbia) mit 49,6 °C am 28. Juni 2021 ermittelt.

An der Westküste findet man maritimes Klima mit hohen Niederschlägen, da sich die feuchte, vom Ozean kommende Luft am Westrand des Küstengebirges abregnet. Den Niederschlagsrekord hält Ucluelet in British Columbia mit 489,2 mm an einem einzigen Tag (6. Oktober 1967). Die Jahreszeiten sind in den Provinzen Québec und Ontario am deutlichsten ausgeprägt, mit kalten Wintern, milden Frühjahren und Herbstmonaten und von Juli bis September oft sehr schwül-heißen Sommern mit Durchschnittstemperaturen um 25 °C.

Am häufigsten leiden die Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba unter Trockenheit. Eines der trockensten Jahre war das Jahr 1936, das trockenste jedoch 1961. Regina erhielt 45 % weniger Regen als im Durchschnitt. 1988 war so trocken, dass jeder zehnte Farmer aufgeben musste. Das wärmste Jahr in Kanada war das Jahr 1998.

Flora und Fauna

Große Naturgebiete, vor allem in den Tundra- und Bergregionen, bedecken 70 % Kanadas. Das entspricht 20 % der weltweit verbleibenden Wildnisgebiete (ohne Antarktis). Noch ist mehr als die Hälfte der ausgedehnten Wälder Urwald. Die nördliche Waldgrenze verläuft von der Ostküste Labradors über die Ungava-Halbinsel Richtung Süden entlang des Ostufers der Hudson Bay und setzt sich anschließend schlangenlinienförmig Richtung Nordwesten zum Unterlauf des Mackenzie und weiter nach Alaska fort. Nördlich der Baumgrenze gibt es kaum oder gar keinen fruchtbaren Boden (Tundra). Die Vegetation der südlichsten Tundragebiete besteht aus niedrigem Buschwerk, Gräsern und Riedgras. Die nördlichsten Gebiete sind zu weniger als einem Zehntel mit den für die Polarregion typischen Moosen bedeckt.

Südlich der Baumgrenze, von Alaska bis Neufundland, schließt sich eines der größten Nadelwaldgebiete der Welt an. Im Osten, von den Großen Seen bis zu den Küsten, wachsen hauptsächlich Mischwälder mit Zuckerahorn, Buchen, Birken, Kiefern und Hemlocktannen. Die Tiefebenen im äußersten Süden sind mit reinen Laubwäldern bedeckt. Hier gedeihen neben Hickorybäumen, Eichen und Ulmen, Kastanien, Ahorn und Walnussbäume. In den westlichen Berggebieten sind die Fichte, Douglasie und Lodgepole-Kiefer am weitesten verbreitet, in Hochebenen wachsen außerdem Zitterpappel und Gelb-Kiefer. Die Vegetation der niederschlagsreichen Pazifikküste wird von Wäldern aus dichten, hohen Douglasfichten, westlichen Rot-Zedern und Hemlocktannen beherrscht. Das Prärieland ist zu trocken, um mehr als vereinzelte Baumgruppen hervorzubringen. Vom ursprünglich weiten, hügeligen Grasland ist heute nur noch wenig übrig; es ist dem heute berühmten Weizengürtel Kanadas gewichen.

Wapiti oder Elk beim Maligne Lake im Jasper-Nationalpark

Die arktischen Gewässer bieten Nahrung für Wale, Walrosse, Seehunde und für Eisbären. In den Tundren leben Moschusochsen, Karibus, Polarwölfe, Polarfüchse, Polarhasen und Lemminge, vereinzelt auch Vielfraße; viele Zugvögel verbringen hier den Sommer, darunter Alke, Enten, Möwen, Seeschwalben und andere Seevögel. Die Wälder im Norden sind ein idealer Lebensraum für Karibus und Elche, Luchse, Schwarz- und Braunbären. Doch gehen die Bestände der riesigen Karibuherden aufgrund von Industrialisierung und winterlichen Freizeitaktivitäten, vor allem aufgrund der Störungen durch motorisierte Schlitten, zurück. Die Bedeutung der Jagd ist hierbei rückläufig.

Fünf Milliarden Vögel kommen jeden Sommer in die borealen Wälder. Daher hat Kanada 1917 zusammen mit den USA angefangen, Schutzgebiete für Zugvögel einzurichten. Heute bestehen 92 solcher Gebiete mit einer Gesamtfläche von etwa 110.000 km². Zur artenreichen Vogelwelt zählen der Kardinal, der Waldsänger, der Weißkopfseeadler und die Spottdrossel sowie der seltene Marmelalk, der nur in alten Wäldern überleben kann.

Biber, Marder, Bisamratten, Nerze sind auch heute noch Grundlage des inzwischen unbedeutenden Pelzhandels. Weiter im Süden findet man Wapitis, während es in dichter besiedelten Landstrichen vor allem kleinere Säugetiere, wie Grau- und Backenhörnchen, Wiesel und Otter gibt. In den Präriegebieten leben kleinere Tiere, wie Präriehasen, Taschenratten und das Spitzschwanzhuhn sowie Bisons und Gabelböcke. In den westlichen Bergen gibt es Dickhornschafe und Schneeziegen.

Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt steht in 44 Nationalparks, weit über tausend Provinzparks und Naturreservaten unter Schutz. Größtes Schutzgebiet ist der 44.802 km² große Wood-Buffalo-Nationalpark im nördlichen Teil von Alberta und den Nordwest-Territorien, in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten vertreten sind. Bemerkenswert ist der dortige, mit etwa 6000 Tieren größte Bestand frei lebender Bisons der Welt. In vielen Seengebieten braucht der Mensch besonders im Sommer strenge Vorkehrungen gegen Insektenbisse, da Stech- und Kriebelmücken in sehr hoher Dichte leben.

Ballungsräume

Siehe auch: Liste der Städte in Kanada

Von den über 38 Millionen Einwohnern lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den 30 größten Städten. Geht man von den Ballungsräumen (census metropolitan areas) aus, steigt diese Zahl auf über 70 %. Toronto ist das bedeutendste Produktionszentrum und mit 5.928.040 Einwohnern (Stand: 2016) der größte Ballungsraum. Die Handelsmetropole Montreal zählte 4.098.927, Vancouver 2.463.431 Einwohner. Weitere Ballungsräume sind die Bundeshauptstadt Ottawa-Gatineau (1.323.783), Calgary (1.392.609), Edmonton (1.321.426), Québec (800.296), Winnipeg (778.489) und Hamilton (747.545).

Hauptartikel: Demografie Kanadas

Die letzte Volkszählung von 2016 ergab eine Einwohnerzahl von 35,1 Millionen. Für das 4. Quartal 2020 werden die Einwohner auf 38 Millionen geschätzt. Daraus errechnet sich eine Bevölkerungsdichte von etwa 3,9 Einwohner/km², eine der geringsten der Welt. Die Bevölkerung konzentriert sich zu einem großen Teil auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten. Die größten Städte sind Toronto, Montreal, Calgary, Ottawa, Edmonton und Vancouver.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Provinzen Ontario (14,7 Mio.) und Québec (8,6 Mio.) entlang des St.-Lorenz-Stromes, das heißt rund um Toronto, Montreal, Québec, Ottawa, London und Hamilton (Québec-Windsor-Korridor). 5,1 Mio. Menschen leben in British Columbia, 4,4 Mio. in Alberta, in Manitoba 1,4 Mio. und in Saskatchewan weitere 1,2 Mio. Menschen. Die vier Atlantik-Provinzen haben alle weniger als 1 Million Einwohner. Das Yukon-Territorium mit 42.165 Einwohnern ist das bevölkerungsärmste Territorium Kanadas, knapp vor Nunavut mit 39.288 und den Nordwest-Territorien mit 45.037.

Demographische Struktur und Entwicklung

Bevölkerungspyramide von Kanada 2016
Bevölkerungsentwicklung 1961–2010 (in Millionen)

Kanada ist ein Einwanderungsland. Im Jahre 2017 waren 21,5 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Große Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Irland, den Niederlanden, Ungarn, der Ukraine, Polen, Kroatien und aus den USA. Heutzutage wächst die Bedeutung der Einwanderer aus Ostasien, vor allem aus der Volksrepublik China, aus Südasien (Indien und Pakistan), von den Philippinen und aus der Karibik (vor allem Jamaika und Haiti). Von den etwa sechs Millionen deutschen Auswanderern der Jahre 1820 bis 1914 gingen nur 1,3 % nach Kanada, von den 605.000 der Jahre 1919 bis 1933 gingen 5 %, von den 1,2 Millionen der Jahre 1950 bis 1969 bereits 25 % dorthin. 2006 gaben rund 3,2 Millionen Kanadier an, deutscher Herkunft zu sein. Damit sind die Deutschkanadier nach den Einwohnern mit Wurzeln im Raum Großbritannien/Irland und denen mit Wurzeln im heutigen Frankreich die drittgrößte Bevölkerungsgruppe des Landes.

Die jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung sank von 2000 bis 2012 von 1,02 auf 0,78 %.

Die Lebenserwartung eines neugeborenen Kanadiers liegt laut CIA Factbook bei 81,9 Jahren (Frauen: 84,6, Männer: 79,2). 26 % der Kanadier sind 19 Jahre oder jünger, 13 % 65 Jahre oder älter. Das mittlere Alter der erwerbsfähigen Bevölkerung liegt bei 42 Jahren, die Schätzung für 2011 liegt bei 43,7 Jahren. Der Median ist seit 1966 von knapp 26 auf 39,5 Jahre gestiegen. 2006 waren 4635 Kanadier über 100 Jahre alt.

Indigene Ethnien

Hauptartikel: First Nations, Métis und Inuit
Inuit-Frau
Métis auf Büffeljagd

In Kanada unterscheidet man drei Gruppen indigener oder autochthoner Völker: Die First Nations (auch „Indianer“ genannt), die Inuit und die Métis, Nachfahren von Europäern, die mit indianischen Frauen eine Verbindung eingegangen waren. Sie haben eine eigene Sprache entwickelt, das Michif. Zahlreiche weitere Kanadier haben indianische Vorfahren. Deren Ehen wurden sehr häufig nach der „Sitte des Landes“ (custom of the country) geschlossen, also ohne kirchliche oder staatliche Mitwirkung – wie es bei Ehen zwischen Männern der Hudson’s Bay Company und Indianerinnen üblich war. Ehen dieser Art waren erst ab 1867 vollgültig.

Bei der Volkszählung im Jahr 2006 gaben 1.172.790 Kanadier an, Angehörige einer indigenen Gruppe zu sein. Das entsprach 3,8 % der Bevölkerung, wobei dieser Anteil regional sehr stark schwankt. Die Indigenen verteilten sich auf folgende Gruppen:

  • 698.025 waren Angehörige der First Nations,
  • 389.785 Métis,
  • 50.485 Inuit,
  • 6.665 Indigene gemischter Herkunft (Stand: 2001),
  • 23.415 Indigene ohne eindeutige ethnische Zuordnung (Stand: 2001).

Im Schnitt sind die Ureinwohner erheblich jünger als die übrige Bevölkerung. So sind 50 % der indianischen Bevölkerung unter 23,5 Jahre alt, im übrigen Kanada liegt dieser als Median bezeichnete Wert bei 39,5 Jahren.

185.960 Kanadier sprachen im Jahr 2001 eine der 50 indigenen Sprachen, diese umfassen die Sprachen der First Nations sowie Inuktitut, die Sprache der Inuit.

Die Interessen der indigenen Bevölkerung werden staatlicherseits vom „Department of Indian Affairs and Northern Development“/„Affaires indiennes et du Nord“ vertreten, dem das Indianergesetz von 1876 zugrunde liegt. Sie selbst sehen sich allerdings eher in eigenen Organisationen, wie der Versammlung der First Nations oder anderen Organisationen vertreten. Sie berufen sich auf die Verträge, die mit Kanada und Großbritannien geschlossen worden sind, wie die Numbered Treaties, auf allgemeine Menschenrechte und auf Entscheidungen der oberen Gerichtshöfe in Großbritannien und Kanada. Die Indianer besitzen erst seit 1960 das volle Wahlrecht. Ein Teil des besonderen Lebensraumes der Inuit wurde 1999 in ein eigenes Territorium namens Nunavut zusammengefasst.

Seit 1996 wird der 21. Juni als „National Aboriginal Day“ bzw. „Journée nationale des Autochtones“ gefeiert. Zugleich kommt es nach wie vor zu Auseinandersetzungen um Landrechte und den Abbau von Bodenschätzen, wie die Grassy-Narrows-Blockade, der Streit um die Urwälder am Clayoquot Sound an der Westküste oder der Widerstand der Kitchenuhmaykoosib Inninuwug in Ontario zeigen.

Sprachen

Zweisprachige Tafel in Montreal

Kanadas Amtssprachen sind Englisch und Französisch, wobei 20,1 % der Bevölkerung weder die eine noch die andere als Muttersprache angeben. In der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten, im Amtssprachengesetz und in den Amtssprachenverordnungen ist die offizielle Zweisprachigkeit festgeschrieben, die vom Amtssprachenkommissariat durchgesetzt wird. In den Bundesgerichten, im Parlament und in allen Institutionen des Bundes sind Englisch und Französisch gleichberechtigt. Die Bürger haben das Recht, Dienstleistungen des Bundes in englischer oder französischer Sprache wahrzunehmen. In allen Provinzen und Territorien wird den sprachlichen Minderheiten der Schulunterricht in eigenen Schulen garantiert, ein Anrecht, das lange umstritten war. Die Ursachen reichen bis in die französische und britische Kolonialisierungsphase Nordamerikas zurück und standen zugleich mit kulturellen und religiösen Gegensätzen in Zusammenhang.

Englisch und Französisch sind die Muttersprachen von 56,9 % bzw. 21,3 % der Bevölkerung, bei 68,3 % bzw. 22,3 % sind es die zu Hause am meisten gesprochenen Sprachen (2006). 98,5 % aller Einwohner sprechen Englisch oder Französisch (67,5 % sprechen nur Englisch, 13,3 % nur Französisch und 17,7 % beides).

Zwar leben 85 % aller französischsprachigen Kanadier in Québec, doch gibt es bedeutende frankophone Bevölkerungsgruppen in Ontario und in Alberta, im Süden von Manitoba, im Norden und Südosten von New Brunswick (Akadier; insgesamt 35 % der Bevölkerung dieser Provinz) sowie im südwestlichen Nova Scotia und auf der Kap-Breton-Insel. Ontario hat die zahlenmäßig größte französischsprachige Bevölkerung außerhalb Québecs. Die Charta der französischen Sprache erklärt Französisch zur alleinigen Amtssprache in Québec, und New Brunswick ist die einzige Provinz, deren Verfassung die Zweisprachigkeit garantiert. Andere Provinzen haben keine Amtssprache als solche definiert; jedoch wird Französisch zusätzlich zu Englisch in Schulen, Gerichten und für Dienstleistungen der Regierung verwendet. Manitoba, Ontario und Québec erlauben das gleichberechtigte Sprechen von Englisch und Französisch in den Provinzparlamenten, und Gesetze werden in beiden Sprachen erlassen. In Ontario kennen einzelne Gemeinden Französisch als zweite Amtssprache. Die Wahl der Hauptstadt des seinerzeitigen Britisch-Nordamerika durch Königin Victoria (1857) fiel möglicherweise deshalb auf Ottawa, weil es etwa an der Grenze zwischen franko- und anglophonem Gebiet lag.

Alle Regionen haben nicht-englisch- oder französischsprachige Minderheiten, hauptsächlich Nachkommen der Ureinwohner. Offiziellen Status besitzen mehrere Sprachen der First Nations in den Nordwest-Territorien. Im hauptsächlich von Inuit bevölkerten Territorium Nunavut ist Inuktitut die Mehrheitssprache und eine von drei Amtssprachen. Mehr als 6,1 Millionen Einwohner bezeichnen weder Englisch noch Französisch als ihre Erstsprache. Am weitesten verbreitet sind Chinesisch (1,012 Millionen Sprecher), Italienisch (etwa 455.000), Deutsch (etwa 450.000), Panjabi (etwa 367.000) und Spanisch (etwa 345.000). Das Kanadisch-Gälische, um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch die dritthäufigste Sprache Kanadas, ist mit etwa 500 bis 1000 vorwiegend älteren Sprechern mittlerweile fast ausgestorben, jedoch bestehen Kontakte zu schottischen Hochschulen, die Kanadiern Sprachkurse anbieten. Mehrere Schulen unterrichten die Sprache, ebenso drei Hochschulen sowie die 2006 gegründete Atlantic Gaelic Academy. Erst ab 1973 wurden in Ontario deutsche Schulen vom Staat wieder unterstützt. Zwischen 1977 und 1990 erhielten die Schulen Mittel aus dem Multikulturalismusprogramm der Regierung.

Religion

Mit der Kolonialisierung kamen zunächst vor allem französische Katholiken und anglikanische Engländer nach Kanada. Darüber hinaus förderte Großbritannien die Einwanderung protestantischer Gruppen vom Mittelrhein und aus Württemberg, in geringerem Maße auch aus der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden, sodass der Süden von Nova Scotia bis heute protestantisch ist.

Doch gab die Kolonialmacht 1774 mit dem Quebec Act jeden Versuch auf, die Katholiken zur Konversion zu bewegen. Nach der Unabhängigkeit der USA kamen zahlreiche protestantische Loyalisten in das heutige Ontario und bildeten dort die Mehrheit. In späteren Einwanderungswellen kamen wiederum katholische Iren und Italiener, aber auch ukrainische Duchoborzen hinzu. Die Einwanderung aus Schottland sorgte wiederum für eine Beseitigung des Vorrangs der Anglikanischen Kirche im Osten durch zahlreiche Presbyterianer. In Toronto setzten sich die Methodisten durch.

In Opposition zu den Katholiken, die eher dem Ultramontanismus zugeneigt waren (les bleus), aber auch zu den dominierenden Anglikanern, die vom Oranier-Orden unterstützt wurden, bildeten sich antiklerikale Gruppen (vor allem les rouges). Mit dem Lord’s Day Act von 1906 wurde ein weitgehendes Arbeitsverbot am Sonntag durchgesetzt, das bis in die 1960er Jahre Gültigkeit beanspruchte und das der Oberste Gerichtshof erst 1985 endgültig abschaffte. Eine ähnliche Bedeutungsminderung des Religiösen im Alltag fand in Québec statt. Dennoch gibt es bedeutende Gruppen, insbesondere im Süden Manitobas und Ontarios, in Alberta und im Binnenland von British Columbia. Dazu zählen die Mennoniten im Süden Manitobas, die ukrainischen Orthodoxen und Katholiken in Manitoba und Saskatchewan, die Mormonen bilden einen Schwerpunkt in Alberta. Hinzu kommen die Zeugen Jehovas und zahlreiche andere Gruppen.

Die katholischen Missionare waren unter den Ureinwohnern erfolgreicher als die protestantischen, und so überwiegt dort der katholische Anteil. Dazu kommen indigene Glaubensorganisationen, wie die Shaker Church.

Mit den jüngsten Einwanderungswellen verstärkten sich nichtchristliche Religionsgemeinschaften wie Hindus, Muslime, Juden, Sikhs und Buddhisten. Sie konzentrieren sich in Großstädten, insbesondere im Großraum Toronto. Die älteste Synagoge, Congregation Emanu-El, entstand 1863 in Victoria, die erste Moschee 1938 mit der Al Rashid Mosque in Edmonton.

Etwa 67,3 % der kanadischen Bevölkerung gehörten 2011 einer christlichen Konfession an (39,0 % katholisch, etwa 24,1 % protestantisch). Die beiden größten protestantischen Glaubensgemeinschaften sind mit 6,1 % die United Church of Canada und mit 6,9 % die Anglikanische Kirche von Kanada, dazu kommen 1,9 % Baptisten, 1,4 % Lutheraner, etwa 1,7 % Orthodoxe sowie etwa 3,0 % andere christliche Glaubensgemeinschaften. Muslime stellen etwa 3,2 % der Bevölkerung, mehr als die Hälfte von ihnen lebt in Ontario. Etwa 1,0 % sind Juden, von denen wiederum knapp 60 % in Ontario leben, und etwa 1,1 % Buddhisten, 1,5 % Hindus sowie 1,4 % Sikhs. Etwa 23,9 % gaben an, keiner Glaubensgemeinschaft anzugehören.

Die Volkszählungen von 2011, 2001 und 1991 ergaben: Zu beachten bei der %-Zahl „Veränderung 1991–2011“ (rechte Spalte) ist unbedingt, dass die Gesamtbevölkerung des Landes in diesen 20 Jahren erheblich zugenommen hat, der „Zuwachs“ z. B. bei den Katholiken relativiert sich damit erheblich.

Religionen in Kanada
2011 2001 1991 Veränderung
1991–2011
Anzahl % Anzahl % Anzahl %
Christen 22.102.700 67 22.851.825 77 22.503.360 83 −1,7
Römisch-katholisch 12.810.705 39,0 12.793.125 43,2 12.203.625 45,2 +5,0
Protestantisch 7.910.000 24,1 8.654.845 29,2 9.427.675 34,9 −16,1
United Church of Canada 2.007.610 6,1 2.839.125 9,6 3.093.120 11,5 −35,1
Anglikanische Kirche von Kanada 1.631.845 5,0 2.035.495 6,9 2.188.110 8,1 −25,1
andere Christen 960.000 3,0 780.450 2,6 353.040 1,3 +171,9
Baptisten 635.840 1,9 729.475 2,5 663.360 2,5 −4,1
Lutheraner 478.185 1,4 606.590 2,0 636.205 2,4 −25,6
andere Protestanten 2.000.000 6,0 549.205 1,9
Presbyterianer 472.385 1,4 409.830 1,4 636.295 2,4 −25,7
Orthodoxe 550.690 1,7 479.620 1,6 387.395 1,4 +42,1
andere 2.703.200 08,1 1.887.115 06,4 1.093.690 04,1 +147,2
Muslime 1.053.945 3,2 579.640 2,0 253.265 0,9 +316,1
Juden 329.495 1,0 329.995 1,1 318.185 1,2 +3,6
Buddhisten 366.830 1,1 300.345 1,0 163.415 0,6 +124,5
Hindus 497.960 1,5 297.200 1,0 157.015 0,6 +217,1
Sikh 454.965 1,4 278.415 0,9 147.440 0,5 +208,6
ohne Bekenntnis 7.850.605 23,9 4.900.090 16,5 3.333.245 12,3 +135,5

Besonders schnell wachsen durch Zuwanderung die nicht-christlichen Gruppen, aber auch zahlreiche christliche Gruppen, die außerhalb der großen Kirchen stehen. Nach einer Umfrage von 2007 fühlten sich die Muslime in Kanada deutlich stärker integriert als in europäischen Staaten. Insgesamt setzt die kanadische Politik im Rahmen ihrer Integrationspolitik stärker auf Erhalt und Nutzung der ethnischen und religiösen Besonderheiten als auf Anpassung.

Einwanderungspolitik

Kanada hat, gemessen an der Bevölkerung, eine der höchsten Einwanderungsraten unter den Flächenstaaten der Welt. Die Einwanderung wird über definierte Ziele gesteuert, die in einem Programm festgelegt worden sind. Hierbei gibt es etwa Programme für Flüchtlinge, zur Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, für Existenzgründer und zum Familiennachzug. Die Einwanderungskriterien sind öffentlich einsehbar und können bereits vor Antragstellung selbst überprüft werden. Für Menschen mit Berufen, die in Kanada gefragt sind, existiert zum Beispiel das Skilled Worker-Programm. Je nach Lage des Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl (im Januar 2010: 67 Punkte) festgelegt, die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss. Die persönliche Punktzahl setzt sich aus Punkten für den aktuellen Bildungsstand und die Berufserfahrung zusammen, aus Punkten für die vorhandenen Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch sowie für das Alter, für Verwandte und frühere Aufenthalte in Kanada. Ein verbindliches Arbeitsangebot eines kanadischen Arbeitgebers erhöht die Punktzahl nochmals maßgeblich. Das Immigrations-Programm wurde am 1. Juli 2011 dahingehend angepasst, dass ohne ein bestehendes Arbeitsangebot nur noch Personen zum Skilled Worker-Programm zugelassen werden, die Erfahrung in einem von 29 festgelegten Berufen nachweisen können. Daneben muss ein Interessent am Skilled Worker-Programm nachweisen, dass er sich für eine gewisse Zeit finanziell selbst versorgen kann. Die notwendige Summe beläuft sich derzeit (September 2011) für eine alleinstehende Person auf 11.115 CAD, für eine vierköpfige Familie auf 20.654 CAD. Außerdem werden polizeiliche Führungszeugnisse aus allen Ländern benötigt, in denen der Kandidat nach dem 18. Geburtstag für sechs Monate oder länger gelebt hat.

Die Einwanderung erfolgt in zwei Stufen. Zunächst wird eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erteilt. Nach drei Jahren als „Permanent Resident“ und entsprechendem Aufenthalt im Land kann der Einbürgerungsantrag gestellt werden. Einwanderer, die noch nicht eingebürgert sind, haben Residenzpflicht. Dies bedeutet, dass man Nachweise für die vorgegebene Zeit in Kanada erbringen, oder mit jemandem verheiratet sein muss, die oder der die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt. Bei Verstößen kann der „Permanent Resident“-Status entzogen und der Einwanderer in sein Herkunftsland zurückgeschickt werden.

Neben dem Programm für qualifizierte Einwanderungswillige steht eine gesonderte Regelung für Gastarbeiter, die keine Perspektive für eine Einbürgerung bekommen. Die Zahl der nur zeitweilig in Kanada zugelassenen Arbeitskräfte übersteigt seit etwa 2006 die der Einwanderer. Die Gastarbeiter erhalten Arbeitsgenehmigungen, die in der Regel für einige Monate gelten und nur selten die Dauer eines Jahres übersteigen. Sie gelten nur für den Arbeitgeber, der die Arbeitskräfte ins Land holt, eine Kündigung ist mit dem Verlust der Aufenthaltsgenehmigung verbunden. Während das Programm für Gastarbeiter ursprünglich für Pflegekräfte in Haushalten, Kindermädchen und Arbeiter in der Landwirtschaft eingeführt wurde, wird es inzwischen für alle Tätigkeiten des Niedriglohnbereichs eingesetzt.

Außer den Programmen zur Einwanderung in den Arbeitsmarkt gibt es in Kanada auch humanitäre Aufnahmeprogramme zum Resettlement von Flüchtlingen. Die Flüchtlinge werden dabei nicht von der kanadischen Regierung ausgewählt, sondern vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in Flüchtlingslagern auf der ganzen Welt und dann nach Kanada gebracht. 2018 war Kanada das Land mit dem weltweit größten Aufnahmeprogramm von Resettlement-Flüchtlingen (dazu zählen nicht jene Flüchtlinge, die aus eigener Initiative ins Land kommen). Zwischen 2015 und 2018 nahm das Land 60.000 syrische Flüchtlinge auf.

2015 lebten 186.000 in Deutschland geborene Personen in Kanada.

Häufigste Herkunftsstaaten von Migranten nach Geburtsland 2015

Rang Land Anzahl an Migranten
01 China Volksrepublik Volksrepublik China 711.000
02 Indien Indien 621.000
03 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 607.000
04 Philippinen Philippinen 545.000
05 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 343.000
06 Italien Italien 282.000
07 Hongkong Hongkong 227.000
08 Deutschland Deutschland 186.000
09 Vietnam Vietnam 182.000
10 Pakistan Pakistan 175.000

Verfassung und Recht

Parliament Hill in Ottawa, Sitz von Bundesregierung und -parlament

Kanada ist formal eine konstitutionelle Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations mit Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt. Sie trägt den Titel der „Königin von Kanada“ und wird durch den Generalgouverneur vertreten. Das Land ist auch eine repräsentative parlamentarische Demokratie, die in Form eines Bundesstaates organisiert ist. Die Verfassung Kanadas besteht aus schriftlichen Rechtsquellen und ungeschriebenem Gewohnheitsrecht. Das Verfassungsgesetz von 1867 enthält das Staatsorganisationsrecht, begründete ein auf dem Westminster-System des Vereinigten Königreichs basierendes parlamentarisches Regierungssystem und teilte die Macht zwischen Bund und Provinzen auf. Das Statut von Westminster von 1931 gewährte die vollständige gesetzgeberische Autonomie, und mit dem Verfassungsgesetz von 1982 wurden die letzten verfassungsrechtlichen Bindungen zum britischen Mutterland gelöst. Letzteres enthält einen Grundrechtskatalog (die Kanadische Charta der Rechte und Freiheiten) sowie Bestimmungen betreffend das Vorgehen bei Verfassungsänderungen. Einhergehend mit dem Status als Monarchie gibt es eine Reihe von Titeln und Orden, die in Kanada verliehen werden.

Exekutive

Theoretisch liegt die exekutive Staatsgewalt beim Monarchen, wird aber in der Praxis durch das Kabinett (formal ein Komitee des kanadischen Kronrates) und durch den Vertreter des Monarchen, den Generalgouverneur, ausgeübt. Der Monarch und dessen Vertreter sind unpolitisch und üben überwiegend zeremonielle Funktionen aus, um die Stabilität der Regierung zu garantieren. Gemäß Gewohnheitsrecht übergeben sie alle politischen Geschäfte ihren Ministern im Kabinett, die ihrerseits gegenüber dem gewählten Unterhaus verantwortlich sind. Die exekutive Staatsgewalt liegt somit de facto beim Kabinett, jedoch können Monarch und Generalgouverneur im Falle einer außergewöhnlichen Verfassungskrise ihre Hoheitsrechte wahrnehmen.

Der Premierminister ist üblicherweise der Vorsitzende jener Partei, die im Unterhaus die meisten Sitze hält und das Vertrauen der Mehrheit der Abgeordneten besitzt. Er wird vom Generalgouverneur eingesetzt und führt als Regierungschef das Kabinett an. Da er über weitgehende Befugnisse verfügt, gilt er als mächtigste Person des Staates. Er ernennt die übrigen Kabinettsmitglieder, Senatoren, Richter des Obersten Gerichtshofes, Vorsitzende von Staatsbetrieben und Behörden und kann den Generalgouverneur sowie die Vizegouverneure der Provinzen vorschlagen. Die Bundesregierung ist unter anderem zuständig für Außenpolitik, Verteidigung, Handel, Geldwesen, Verkehr und Post sowie die Aufsicht über die Administration der drei bundesabhängigen Territorien. Aktuell ist der Vorsitzende der Liberalen Partei, Justin Trudeau, seit dem 4. November 2015 Premierminister und leitet das 29. Kanadische Kabinett.

Vom 2. Oktober 2017 bis zum 21. Januar 2021 war Julie Payette die 29. Generalgouverneurin von Kanada. Sie trat nach Abschluss einer unabhängigen Untersuchung über das von ihr geschaffene Arbeitsumfeld als Generalgouverneurin zurück. Während der Zeit bis zur Ernennung einer Nachfolgerin wurden die Aufgaben durch Richard Wagner, Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes von Kanada, als „Administrator of the Government of Canada“ wahrgenommen. Am 6. Juli 2021 wurde die Ernennung von Mary Simon zur neuen Generalgouverneurin von Kanada bekannt gegeben. Simon ist die erste Inuk die zur Vertreterin der Königin ernannt wurde.

Legislative

Das kanadische Bundesparlament besteht aus dem Monarchen und zwei Kammern, dem demokratisch gewählten Unterhaus (engl. House of Commons, frz. Chambre des communes) und dem ernannten Senat von Kanada (Senate of Canada, Sénat de Canada).

Sitzungssaal des Unterhauses

Jedes Mitglied des Unterhauses wird im relativen Mehrheitswahlrecht in einem von 338 Wahlkreisen gewählt. Allgemeine Wahlen werden vom Generalgouverneur angesetzt, wenn der Premierminister dies so vorschlägt oder wenn die Regierung ein Misstrauensvotum verliert. Gemäß einem 2006 verabschiedeten Gesetz beträgt die Dauer der Legislaturperiode vier Jahre. Zuvor konnte der Premierminister den Wahltermin nach Belieben festsetzen, doch musste eine Neuwahl spätestens nach fünf Jahren erfolgen. Die Regierung stellt zurzeit die Liberale Partei, während die Konservative Partei die Rolle der „offiziellen Opposition“ innehat. Weitere im Parlament vertretene Parteien werden als „Drittparteien“ bezeichnet. Es sind dies die Neue Demokratische Partei, der Bloc Québécois und die Grüne Partei.

Sitzungssaal des Senats

Im Senat von Kanada, auch „Oberhaus“ (engl. upper house, frz. chambre haute) genannt, sitzen 105 Abgeordnete, die der Generalgouverneur auf Empfehlung des Premierministers ernennt. Die Sitze sind nach Regionen aufgeteilt, wobei diese seit 1867 nicht mehr angepasst wurden und deshalb große Disproportionalitäten in der Repräsentation im Verhältnis zur Einwohnerzahl bestehen. Die Senatoren haben keine feste Amtszeit, sondern können ihr Amt bis zum 75. Lebensjahr wahrnehmen. Der Einfluss des Senats ist bedeutend geringer als jener des Unterhauses.

Entwicklung des Frauenwahlrechts in Kanada
Hauptartikel: Frauenwahlrecht in Kanada

Die Bundesstaaten führten das Frauenwahlrecht ab 1916 nacheinander und zum Teil früher ein, als dies auf Bundesebene der Fall war. Schlusslicht war Québec: Das Gesetz, das auch Indianerinnen und Indianern das Wahlrecht verschaffte, wurde erst am 9. April 1949 ins Parlament eingebracht und trat 25. April 1949 in Kraft.

1917 wurde das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene vor dem Hintergrund des Krieges durch den Wartime Elections Act bestimmten Gruppen von Frauen zugestanden, über deren genaue Zusammensetzung in der Literatur Unterschiedliches zu finden ist: Krankenschwestern, die im Krieg Dienst taten; euroamerikanische Frauen, die in der Armee arbeiteten oder dort nahe Angehörige (Vater, Ehemann oder Sohn) hatten oder deren Väter, Männer oder Söhne im Krieg getötet oder verwundet worden waren; Frauen, deren Ehemänner, Söhne oder Väter im Krieg getötet oder verwundet worden waren; eine weitere Quelle nennt zusätzlich die Anforderung, dass die zugelassenen Frauen auf der Ebene der ihres Bundesstaates wahlrechtlich Männern gleichgestellt waren.

Am 24. Mai 1918 wurde das aktive nationale Wahlrecht auf alle Frauen britischer und französischer Abstammung ab 21 Jahren ausgedehnt, womit gleiche Kriterien für Frauen und Männer galten. Indianerinnen und Indianer waren ausgeschlossen.

1919 erhielten Frauen das passive Wahlrecht. Zwar nennen andere Quellen hierfür spätere Daten und sprechen von einem beschränkten Wahlrecht; doch beruht dies vermutlich darauf, dass erst 1929 in einem von The Famous Five angestrengten Gerichtsverfahren endgültig geklärt wurde, dass das passive Wahlrecht in der Verfassung auch für den Senat galt, nicht nur für das House of Commons.

1920 wurden die Eigentumsbeschränkungen aufgehoben.

1950 und 1951 wurde durch Änderungen am Indian Act und am Canada Elections Act das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene auf Veteranen aus dem Kreis der Indianer und ihre Ehefrauen sowie Indianer, die normalerweise außerhalb der Reservate lebten, ausgedehnt, wenn sie auf die Steuerbefreiungen verzichteten, die ihnen der Indian Act gewährte. 1950 hatten die Inuit das Wahlrecht erhalten, 1951 alle Bewohner der Nordwest-Territorien. Wahlurnen für die Inuit wurden in der östlichen Arktis erst 1962 aufgestellt.

Erst im August 1960 wurde das Wahlrecht mit dem Act to Amend the Canada Elections Act auf alle Kanadierinnen und Kanadier ausgedehnt. Frauen das passive Wahlrecht. Zwar nennen andere Quellen hierfür spätere Daten und sprechen von einem beschränkten Wahlrecht; doch beruht dies vermutlich darauf, dass erst 1929 in einem von The Famous Five angestrengten Gerichtsverfahren endgültig geklärt wurde, dass das passive Wahlrecht in der Verfassung auch für den Senat galt, nicht nur für das House of Commons.

1920 wurden die Eigentumsbeschränkungen aufgehoben.

1950 und 1951 wurde durch Änderungen am Indian Act und am Canada Elections Act das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene auf Veteranen aus dem Kreis der Indianer und ihre Ehefrauen sowie Indianer, die normalerweise außerhalb der Reservate lebten, ausgedehnt, wenn sie auf die Steuerbefreiungen verzichteten, die ihnen der Indian Act gewährte. 1950 hatten die Inuit das Wahlrecht erhalten, 1951 alle Bewohner der Nordwest-Territorien. Wahlurnen für die Inuit wurden in der östlichen Arktis erst 1962 aufgestellt.

Erst im August 1960 wurde das Wahlrecht mit dem Act to Amend the Canada Elections Act auf alle Kanadierinnen und Kanadier ausgedehnt.

Judikative

Der Oberste Gerichtshof in Ottawa

Kanadas Rechtssystem spielt eine wichtige Rolle bei der Interpretation von Gesetzen. Es berücksichtigt die sich verändernden gesellschaftlichen Gegebenheiten und hat die Macht, Gesetze zu widerrufen, die gegen die Verfassung verstoßen. Der Oberste Gerichtshof ist das höchste Gericht und die letzte Instanz. Die neun Mitglieder werden auf Vorschlag des Premierministers und des Justizministers vom Generalgouverneur ernannt. Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes (Chief Justice of Canada, Juge en chef du Canada) ist seit 2017 Richard Wagner. Die Bundesregierung ernennt auch Richter der Obersten Gerichte der Provinzen und Territorien. Die Besetzung von Richterämtern auf unteren Stufen fällt in die Zuständigkeit der Provinz- und Territorialregierungen.

In den Provinzen sind die obersten Gerichte die Courts of Appeal. Ihre Urteile sind allerdings, im Gegensatz zu denen des Obersten Gerichtshofs in Ottawa, in den anderen Provinzen nicht bindend, wenn sie auch nicht ohne Einfluss sind. Als weitere Rechtsquelle gelten gelegentlich noch immer der Londoner Court of Appeal und das britische House of Lords. Deren Entscheidungen aus der Zeit vor 1867 sind immer noch bindend, es sei denn, der kanadische Oberste Gerichtshof hat sie aufgehoben. Das Gleiche gilt für Entscheidungen bis 1949 für den Rechtsprechungsausschuss des Privy Council. Dies ist für die Rechtsstellung der indigenen und der frankophonen Bevölkerung von erheblicher Bedeutung, da ältere Verträge mit der britischen Krone weiterhin gültig sind.

Politische Indizes

Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene Politische Indizes
Name des Index Indexwert Weltweiter Rang Interpretationshilfe Jahr
Fragile States Index 18,7 von 120 171 von 178 Stabilität des Landes: sehr nachhaltig
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
2020
Demokratieindex 9,24 von 10 5 von 167 Vollständige Demokratie
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2020
Freedom in the World Index 98 von 100 Freiheitsstatus: frei
0 = unfrei / 100 = frei
2020
Rangliste der Pressefreiheit 15,25 von 100 14 von 180 Zufriedenstellende Lage für die Pressefreiheit
0 = gute Lage / 100 = sehr ernste Lage
2021
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 77 von 100 11 von 180 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber 2020

Provinzen und Territorien

Kanada ist ein in zehn Provinzen und drei Territorien gegliederter Bundesstaat. Diese subnationalen Einheiten können in geographische Regionen gegliedert werden. Westkanada besteht aus British Columbia und den drei Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba. Zentralkanada umfasst die zwei bevölkerungsreichsten Provinzen Ontario und Québec. Als Seeprovinzen werden New Brunswick, Prince Edward Island und Nova Scotia bezeichnet; zusammen mit Neufundland und Labrador bilden sie die Atlantischen Provinzen. Die drei Territorien Yukon, Nordwest-Territorien und Nunavut umfassen sämtliche Gebiete nördlich des 60. Breitengrades und westlich der Hudson Bay.

Die Provinzen verfügen über einen hohen Grad an Autonomie, wogegen in den Territorien die Bundesregierung zahlreiche Verwaltungsaufgaben selbst übernimmt. Alle Provinzen und Territorien besitzen ein Einkammerparlament und einen Premierminister als Regierungschef. Der kanadische Monarch wird in allen Provinzen durch einen Vizegouverneur vertreten, der gleichrangig mit dem Generalgouverneur ist und überwiegend zeremonielle Aufgaben wahrnimmt. In den Territorien übernimmt ein von der Bundesregierung ernannter Kommissar die Aufgaben eines Vizegouverneurs.

Während in den meisten Bundesverfassungen föderaler Staaten allein die Gesetzgebungskompetenzen des Bundes explizit aufgezählt werden, führt das Verfassungsgesetz von 1867 (engl. Constitution Act, 1867, frz. Loi constitutionnelle de 1867) nicht nur in Art. 91 die ausschließlichen Kompetenzen des Bundes, sondern in den Artikeln 92, 92A und 93 auch die ausschließlichen Kompetenzen der Provinzen auf. Hiernach verfügen die Provinzen über das Gesetzgebungsrecht u. a. in den Bereichen direkte Steuern, Beamtenbesoldung, öffentliche Einrichtungen, Gemeindewesen, Schulwesen, Gast- und sonstiges lokales Gewerbe, Eigentum und bürgerliches Recht, Gerichtsverfassungsrecht, Zivilprozessrecht, Bergbau, Forstwirtschaft und Energie.

Politische Karte Kanadas (Provinzen und Territorien anklickbar)
Provinz oder Territorium Hauptstadt Fläche
in km²
Bevölkerung
(2011) (2016)
Alberta Edmonton 640.082 3.645.257 4.252.879
British Columbia Victoria 922.510 4.400.057 4.751.612
Manitoba Winnipeg 552.330 1.208.268 1.318.128
Neufundland und Labrador St. John’s 370.511 514.536 530.128
New Brunswick New Brunswick Fredericton 71.377 751.171 756.780
Nordwestterritorien Nordwest-Territorien Yellowknife 1.143.794 41.462 44.469
Nova Scotia Halifax 52.939 921.727 949.501
Nunavut Nunavut Iqaluit 1.877.788 31.906 37.082
Ontario Ontario Toronto 908.608 12.851.821 13.982.984
Prince Edward Island Charlottetown 5.686 140.204 148.649
Québec Québec Québec 1.356.547 7.903.001 8.326.089
Saskatchewan Regina 588.240 1.033.381 1.150.632
Yukon Yukon Whitehorse 474.713 33.897 37.492

1974 gab es Bestrebungen im kanadischen Parlament, das britische Überseegebiet der Turks- und Caicosinseln in der Karibik als elfte Provinz in den kanadischen Staatsverband aufzunehmen. Der Gesetzesvorschlag fand jedoch keine Mehrheit und wurde somit abgelehnt. Seit 2003 gibt es jedoch erneute Bestrebungen in diese Richtung. Dafür müsste jedoch erstens Großbritannien die Inseln in die Unabhängigkeit entlassen und zweitens jede einzelne kanadische Provinz zustimmen. Gerade Letzteres ist infolge der sehr komplizierten kanadischen Verfassungsprozeduren indes wenig wahrscheinlich.

Rechtssystem und Polizei

Hauptartikel: Recht Kanadas

Zwar ist Kanada ein relativ junges Land, die Rechtsordnung hat jedoch eine lange Tradition. Das in allen Provinzen mit Ausnahme Québecs geltende Common Law basiert auf Grundsätzen, die sich während Jahrhunderten in England entwickelten und ein Erbe der britischen Kolonialzeit sind. Der in Québec im Bereich des Privatrechts geltende Code civil spiegelt Prinzipien des französischen Rechtssystems wider. Das Strafrecht hingegen ist Sache des Bundesstaates und in allen Provinzen einheitlich. Im Laufe der Zeit wurden beide Rechtssysteme den Erfordernissen in Kanada angepasst.

Beide Rechtssysteme sind in die Verfassung eingeflossen. Deren Kern entstand 1867 mit der Gründung Kanadas und wurde zuletzt 1982 grundlegend durch das Verfassungsgesetz von 1982 und die Kanadische Charta der Rechte und Freiheiten ergänzt.

Kanada schaffte 1976 die Todesstrafe für Verbrechen in Friedenszeiten ab, 1998 auch im Kriegsstrafrecht. Auslöser war die 1959 erfolgte Verurteilung des damals 14-jährigen Steven Truscott zum Tode. Er wurde nach zehn Jahren Haft auf Bewährung entlassen und 2007 freigesprochen.

Die Strafverfolgung fällt in die Verantwortung der Provinzen. Die Polizeibehörden sind mehrstufig aufgebaut. Die Royal Canadian Mounted Police (Abkürzung RCMP, umgangssprachliche Kurzbezeichnung Mounties, französisch Gendarmerie royale du Canada, GRC) ist die nationale Polizei. Die beiden größten Provinzen verfügen mit der Ontario Provincial Police (OPP) bzw. der Sûreté du Québec über eigene Provinzpolizeien, dort beschränkt sich der Auftrag der RCMP auf den Schutz von Bundeseinrichtungen. Daneben gibt es weitere Polizeibehörden auf Provinzebene (z. B. British Columbia Sheriff Service, Royal Newfoundland Constabulary) und auf regionaler oder örtlicher Ebene (z. B. Toronto Police Service, York Regional Police). Ferner gibt es auf Bundesebene Polizeibehörden mit speziellen Aufgaben (z. B. Parks Canada Warden). Ähnlich den Vereinigten Staaten existieren für die Gebiete von Indianerstämmen und anderen Ureinwohnern eigene Polizeibehörden. Die beiden großen privaten Eisenbahngesellschaften (CP und CN) verfügen über je eine eigene Polizei zur Sicherung ihrer Einrichtungen. Einige Nahverkehrbetreiber sowie manche Universitäten haben eigene Hilfspolizeien (sogenannte Special Constables) eingerichtet.

Außenpolitik

Staaten mit einer kanadischen Botschaft

Die Vereinigten Staaten und Kanada teilen sich die längste nicht verteidigte Staatsgrenze der Welt. Die Kooperation auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet ist eng; so sind beide Länder im Rahmen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens jeweils der größte Handelspartner des anderen.

Dennoch betreibt Kanada eine eigenständige Außenpolitik. Es unterhält diplomatische Beziehungen zu Kuba und beteiligte sich nicht am Vietnam- oder am Irakkrieg. Enge Beziehungen unterhält das Land traditionell zum Vereinigten Königreich und zu Frankreich, über die Mitgliedschaft im Commonwealth of Nations und in der internationalen Organisation der Frankophonie auch zu anderen ehemaligen britischen und französischen Kolonien. Ein weiterer Schwerpunkt der außenpolitischen Beziehungen sind die Staaten der Karibischen Gemeinschaft. Im 2005 veröffentlichten International Policy Statement legte die Regierung die Leitlinien der Außenpolitik fest. Kanada sieht die Europäische Union als strategischen Partner in den Bereichen Klimawandel, Energieversorgung, Handel und Umweltschutz sowie bei außen- und sicherheitspolitischen Themen.

Einen wichtigen Teil der kanadischen Identität bildet die Unterstützung der Multilateralität. 1945 gehörte Kanada zu den Gründungsmitgliedern der Vereinten Nationen. Der spätere Premierminister Lester Pearson trug wesentlich zur Beilegung der Sueskrise bei und wurde 1957 dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sprach man bis dahin von der „Geburt der kanadischen Nation auf den Schlachtfeldern Europas“, so entwickelte sich unter dem Eindruck zahlreicher UN-Blauhelmeinsätze ein Peacekeeping-Mythos, der Kanadas Rolle in Abgrenzung zu den USA begreift.

„Kanadier waren Mittelsmänner, ehrliche Makler, nützliche Helfer in einer Welt, in der diese Eigenschaften rar waren. Die Friedenssicherung veränderte uns, machte uns auf eine gewisse Weise besser.“

Jack Granatstein, Historiker:

Kanada ist Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen wie der OSZE, der Welthandelsorganisation, der OECD, der OAS, der APEC und der Gruppe der Sieben (G7).

Verschiedene internationale Vereinbarungen entstanden auf kanadische Initiative und wurden in diesem Land verabschiedet. Dazu gehören die Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen und das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht.

Im Zusammenhang mit den Irritationen über den neuen Präsidenten der USA Donald Trump äußerte sich Justin Trudeau in Belleville mit grundsätzlichen Aussagen zum Verhältnis beider Länder:

„Gleichzeitig ist Kanada ein von den USA separates Land, und es gibt Dinge, die uns teuer sind, die für Amerikaner nicht an erster Stelle stellen. Ich scheue mich niemals davor, für Punkte einzutreten, an die ich glaube – ob es sich um eine Erklärung handelt, dass ich Feminist bin, ob es sich darum handelt, dass in der Einwanderung eine Quelle unserer Kraft liegt und dass muslimische Kanadier einen essentiellen Anteil am Erfolg unseres Landes haben, heute und in Zukunft.“

Justin Trudeau, Belleville, 12. Januar 2017

Militär

Hauptartikel: Kanadische Streitkräfte
Kanadische Soldaten während der Operation Cherokee Sky in Afghanistan (2002)

Die kanadischen Streitkräfte (engl. Canadian Forces, frz. Forces canadiennes) entstanden in ihrer jetzigen Form 1968, als Heer, Marine und Luftwaffe organisatorisch zusammengeführt wurden. Die Truppen umfassten 2020 rund 67.490 freiwillige Berufssoldaten und rund 31.000 Reservisten. Hinzu kamen (Stand 2012) 5000 Canadian Rangers, deren Hauptaufgabe es ist, in entlegenen arktischen Gebieten militärische Präsenz zu zeigen. Die Streitkräfte verfügen über rund 1400 gepanzerte Fahrzeuge, 34 Kriegsschiffe und 300 Kampfflugzeuge. Kanada gab 2017 knapp 1,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 20,6 Mrd. US-Dollar für seine Streitkräfte aus und lag damit weltweit auf Platz 14.

Aufgrund der engen Bindungen an das britische Mutterland waren kanadische Truppen am Burenkrieg, am Ersten Weltkrieg und am Zweiten Weltkrieg beteiligt. Seit 1948 stellt Kanada einen bedeutenden Teil der Friedenstruppen der Vereinten Nationen und war an mehr Friedensmissionen beteiligt als jede andere Nation (seit 1989 ohne Ausnahme). Das Land beteiligt sich grundsätzlich nur an kriegerischen Handlungen, die von den Vereinten Nationen sanktioniert wurden, wie etwa am Krieg in Korea, am Persischen Golf, in Afghanistan, jedoch ohne UN-Mandat im Kosovo. Kanada ist Gründungsmitglied der NATO und Vertragspartner des nordamerikanischen Luftraumverteidigungsbündnisses NORAD.

Bildungspolitik

Das Hart House an der University of Toronto
Musikfakultät an der Universität Montreal

Im föderalistischen Kanada gibt es kein einheitliches nationales Bildungssystem, jedoch unterliegt der tertiäre Bildungsbereich einer einheitlichen staatlichen Qualitätskontrolle und die meisten kanadischen Universitäten sind Mitglied in der Association of Universities and Colleges of Canada (AUCC), weshalb der Standard allgemein als ausgeglichen gilt.

Für das Schulwesen sind ausschließlich die Provinzen und Territorien zuständig; es gibt kein landesweites Bildungsministerium. Daher unterscheiden sich in einigen Provinzen Schuleintrittsalter (fünftes oder sechstes Lebensjahr) und Dauer der Grundschulzeit (bis Klasse 6 oder 7). Die Sekundarstufe (in Québec École polyvalente genannt) umfasst in Form einer Gesamtschule die dreijährige Junior Highschool (Sekundarbereich I) und die zwei- bis vierjährige Senior Highschool (Sekundarbereich II). Da das Bildungssystem Chancengleichheit anstrebt, erfolgt der Übergang von einer Schulstufe in die andere ohne Leistungsprüfung. Erst innerhalb der Senior High School ist der Erwerb des Abschlusszeugnisses (High School Diploma bzw. Diplôme d’Études Secondaire) davon abhängig, ob eine bestimmte Zahl von Bewertungspunkten (Creditpoints) erreicht wird. Zwei Prozent der Schulen liegen in privater, überwiegend kirchlicher Hand. Etwa zehn Prozent der Schüler besuchen eine Privatschule. Das Leistungsniveau der Privatschulen galt 2006 als sehr hoch und Kanada war das einzige OECD-Land, in dem deren Schüler selbst nach Abgleich des familiären und sozioökonomischen Hintergrundes mehr lernten, als die Schüler an öffentlichen Schulen.

Während der Schulbesuch kostenfrei ist, werden an den Hochschulen Studiengebühren unterschiedlicher Höhe fällig. Von den über 80 Universitäten zählen die University of Toronto und die Universität Montreal zu den größten. Die ältesten sind die Universität Laval in Québec von 1663, eine jesuitische Institution, die nach Bischof Laval benannt wurde. Dies berührt einen Grundzug der kanadischen Hochschulentwicklung, denn die frühen Institutionen waren fast alle kirchlichen Ursprungs. Erst 1818 entstand die erste säkulare Hochschule und die zweite Kanadas, die Dalhousie University in Halifax. Ihr folgten die beiden englischsprachigen Institute, die McGill University in Montreal (1821) und die University of Toronto (1827). Ihnen folgten in den 1840er-Jahren die Queen’s University in Kingston (1841) und die Universität Ottawa (1848). Letztere geht wie die Laval-Universität auf einen Missionsorden zurück, in diesem Falle auf die Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria. Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1867 folgten die von einem anglikanischen Bischof gegründete University of Western Ontario in London (1878) und die im selben Jahr gegründete Universität Montreal (die zweite von vier Hochschulen in der Stadt) sowie die McMaster University in Hamilton in Ontario. Letztere wurde ursprünglich in Toronto gegründet und zog erst 1930 nach Hamilton um. Sie geht auf die Baptist Convention of Ontario zurück.

Colleges verleihen meist nur 3- bis 4-jährige Bachelor-Abschlüsse (z. B. Minors, Majors, Spezialication, Honours), Universitäten auch 1-jährige konsekutive „post-bachelor“ Bachelor mit Honours-/Baccalaureatus Cum Honore-, 1- bis 3-jährige Master- und 3- bis 5-jährige Ph.D.-Abschlüsse. In diversen Hochschulrankings nehmen einige kanadische Universitäten Spitzenpositionen ein: Beispielsweise war in der langjährigen Durchschnittsbewertung des in Nordamerika am weitest verbreiteten Rankings, der QS World University Rankings, im Jahr 2018 die McGill University innerhalb Kanadas auf Platz 1 und weltweit auf Platz 28. Laut dem Academic Ranking of World Universities (Shanghai-Ranking) aus dem Jahr 2018 (Jiaotong-Universität Shanghai) zählen die University of Toronto auf Platz 23 und die University of British Columbia in Vancouver auf Platz 43 zu den besten Hochschulen. Die First Nations besitzen seit 2003 eine eigene Universität, die First Nations University of Canada in Regina, der Hauptstadt der Provinz Saskatchewan. 1989 begannen die bedeutendsten Universitäten sich zusammenzuschließen, um Forschungsvorhaben zu koordinieren. Seit 2011 besteht die Gruppe als U15 Group of Canadian Research Universities, zu der ein nunmehr geschlossener Kreis von 15 Universitäten zählt. 2016 studierten über eine halbe Million ausländische Studenten an kanadischen Bildungseinrichtungen. Die größte Gruppe davon kam aus der Volksrepublik China.

Im PISA-Ranking von 2015 erreichen Kanadas Schüler Platz 10 von 72 Ländern in Mathematik, Platz 7 in Naturwissenschaften und den zweiten Platz beim Leseverständnis. Kanadische Schüler gehörten damit zu den besten von allen teilnehmenden Ländern und schnitten deutlich besser ab als die aus den benachbarten Vereinigten Staaten. Die Studie stellte zudem fest, dass Schüler aus Ontario und British Columbia die besten Leistungen erbrachten.

Umweltpolitik

Siehe auch: Klimapolitische Maßnahmen Kanadas

Fairmont Chateau Hotel am Lake Louise im Banff-Nationalpark
Blick auf von Pine Beetles befallene Wälder am Fraser Lake
Holzflößerei bei Vancouver

Die Umweltpolitik Kanadas hat ungewöhnliche naturräumliche Grundlagen, vor allem ist aber die Gemengelage der Interessen eine spezifisch kanadische. Kanadas Natur ist zum bedeutendsten Faktor für den Tourismus geworden. Dazu tragen 43 National- und weit über 1500 Provinzparks sowie weitere Schutzgebiete bei, die vor allem riesige Waldgebiete beinhalten. Der älteste von ihnen ist der Banff-Nationalpark von 1885, der inzwischen über autobahnartige Straßen dem Massentourismus erschlossen wird. 1911 entstand Parks Canada (gleichberechtigt auch Parcs Canada) als älteste Nationalparkverwaltung der Welt. Doch kollidieren touristische, Erhaltungs-, Erholungs- und wissenschaftliche Interessen mit den Verwertungsinteressen der Rohstoffindustrie und gelegentlich den Interessen der Ureinwohner.

Intakte Urwälder (old growth) existieren in Kanada auch nach drei Jahrhunderten des Raubbaus aufgrund der geringen Besiedlungsdichte noch auf enorm großen Flächen. Nach Global Forest Watch Canada sind noch 62 % der borealen Wälder und 30 % der gemäßigten Wälder intakt (natürliche Ökosysteme, die im Wesentlichen vom Menschen unbeeinflusst sind). Der Raubbau an der Grenze zu den besiedelten Gebieten ist jedoch immens und hat dort nur noch kleine Urwaldreste zurückgelassen. Ohne den Widerstand von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, die in Vancouver gegründet wurde, oder dem Western Canada Wilderness Committee sowie den lokalen Indianern würden auch diese Urwälder sicherlich nicht mehr existieren. Die Unternehmen der Holzindustrie sind so eng mit den politischen Eliten der Provinzen verbunden, dass erst internationaler Druck und häufig Zwang der Bundesregierung und der Gerichtshöfe die Bestände in einigen Fällen retten konnten (vgl. Clayoquot Sound). Dagegen haben sich Wissenschaftler und zahlreiche Umweltverbände zusammengeschlossen, und die lange unbedeutende Green Party of Canada konnte bei der Wahl von 2008 knapp sieben Prozent der Wähler gewinnen.

Nach einer Studie der Simon Fraser University, die auf Betreiben der David Suzuki Foundation durchgeführt wurde, liegt Kanada bei dreißig untersuchten Staaten bei der Produktion von Atommüll und Kohlenstoffmonoxid auf dem hintersten Rang. Zudem nimmt es beim Wasserverbrauch den 29. Platz ein. Insgesamt rangieren Kanada, Belgien und die USA am unteren Ende der Staatengruppe. Im Oktober 2008 versuchten sich mehrere hundert Wissenschaftler gegen die Diskreditierung ihrer Arbeit durch die Regierung zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig fanden in Victoria die größten Demonstrationen der letzten 15 Jahre gegen die Abholzung der letzten Urwälder auf Vancouver Island statt.

Eine weitere Gefahr für die Urwälder, aber ebenso sehr für die riesigen nachgewachsenen Wälder stellt der in Kanada Mountain Pine Beetle genannte Bergkiefernkäfer dar. Er hat bereits mehrere Millionen Hektar Wald vernichtet.

Die über 250 Staudämme, die rund 58 % der in Kanada 2007 produzierten Strommenge von 612,6 Milliarden Kilowattstunden produzieren halfen (wovon Kanada über 80 Milliarden Kilowattstunden exportierte), werden inzwischen ebenso kritisch mit Blick auf ihre Umweltbilanz betrachtet wie der Abbau der Bodenschätze. In beiden Fällen kam es nicht nur zu häufigen Zwangsumsiedlungen der Ureinwohner wie der Innu in Labrador, sondern auch zu erheblichen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen wie beim Abbau der Athabasca-Ölsande in Alberta. Am 14. Oktober 2008 lehnten die Cree, denen die rechtlich privilegierte Rolle der Provinzen gegenüber der Bundesregierung in Fragen der Bodenschätze und der Stromgewinnung und gegenüber den indianischen Nationen bewusst ist, den „Grünen Plan“ der Quebecer Provinzregierung daher ab. Er hätte zudem Québec erneut die Verwaltung des riesigen James-Bay-Gebiets zurückgegeben, die die Cree nach langen Verhandlungen erst 2002 errungen hatten. Seit 2009 kämpfen drei lokale Cree-Gruppen mit internationaler Unterstützung um den Wald im Broadback-Tal, einen großen zusammenhängenden borealen Urwald am Rand der Holzeinschlagszone.

Im Nordosten British Columbias kam es allein 2005 bis 2008 zu sieben von der Polizei als höchst gefährlich eingeschätzten Anschlägen auf Gasleitungen der Encana Corporation, in denen stark giftiger Schwefelwasserstoff transportiert wird.

Am 29. April 1998 unterzeichnete die Regierung das Kyoto-Protokoll und verpflichtete sich, die Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um sechs Prozent zu senken. Stattdessen stiegen die Emissionen von 1990 bis 2004 um mehr als ein Viertel. Beim Klimaschutz-Index 2008 lag Kanada auf Platz 53 von 56 untersuchten Staaten, womit das Land beim Kohlenstoffdioxid-Ausstoß nur noch vor Saudi-Arabien, den USA und Australien rangiert. Im Dezember 2011 erklärte das Land kurz nach der UN-Klimakonferenz in Durban seinen Rückzug vom Kyoto-Protokoll. Damit sparte Kanada 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) an Strafzahlungen für das Nichteinhalten der im Protokoll gesetzten Ziele. Unter anderem trägt die Ölsandindustrie erheblich zum steigenden Treibhausgasausstoß des Landes bei.

Rechtlich liegt der Umweltpolitik vor allem der Canadian Environmental Protection Act von 1999 zugrunde. Das zuständige Ministerium ist das Department of the Environment unter Leitung von Jim Prentice (seit 2008). Ihm unterstehen neben anderen Organisationen Parks Canada und der Canadian Wildlife Service. Jede Provinz hat zudem ein eigenes Umweltministerium.

Allgemein

Banknote der Kolonialbank Kanada, Toronto 1859

Kanada gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt lag es 2016 mit umgerechnet 1.529.224 Millionen US-Dollar auf dem 10. Platz, bei der Kaufkraftparität mit 1.682.364 Millionen internationalen Dollar auf Platz 17. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt das Land 2016 mit 42.210 US-Dollar auf Platz 18, sowie kaufkraftbereinigt mit 46.437 US-Dollar auf Platz 25. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt Kanada aufgrund seines Index der menschlichen Entwicklung als Land mit „sehr hoher menschlicher Entwicklung“ ein. Das Land gilt zugleich als soziale Marktwirtschaft. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Kanada Platz 14 von 137 Ländern (Stand 2017–2018). Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 den siebten Platz von 180 Ländern.

Kanada war, laut einer Studie der Bank Credit Suisse aus dem Jahre 2017, das Land mit dem achtgrößten nationalen Gesamtvermögen weltweit. Der Gesamtbesitz der Kanadier an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 7.407 Milliarden US-Dollar. Das Vermögen pro erwachsene Person beträgt 259.271 Dollar im Durchschnitt und 91.058 Dollar im Median (Deutschland: 203.946 bzw. 47.091 Dollar). Der Gini-Koeffizient bei der Vermögensverteilung lag 2016 bei 73,0 was auf eine mittlere Vermögensungleichheit hindeutet. Sowohl Einkommen als auch Vermögen sind in Kanada gleichmäßiger verteilt als in den benachbarten USA.

Der Mindestlohn unterscheidet sich in jeder Provinz und wird von den einzelnen Provinzen selber festgelegt. Beschäftigte des Staates Kanada erhalten mindestens den Mindestlohn, der in der Provinz gilt, in der sie beschäftigt werden. Im Jahre 2017 lag er zwischen 10,72 (Saskatchewan) und 13,00 Dollar (Nunavut). Von diesem Mindestlohn kann in einigen Bundesstaaten für verschiedene Beschäftigungsgruppen (z. B. für Beschäftigte die Trinkgelder erhalten oder für Jugendliche) abgewichen werden. Ebenfalls haben einigen Bundesstaaten jährliche automatische Anpassungen (z. B. Anpassung an Teuerungsraten) eingeführt.

Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil der Urproduktion, also des primären Wirtschaftssektors, was auf den Reichtum an natürlichen Ressourcen zurückzuführen ist. Die in der Provinz Ontario abgebauten Mengen an Nickel decken etwa 20 % des Weltbedarfs, Kanada besitzt mit rund 28 Milliarden Tonnen die drittgrößten Erdölreserven nach Venezuela und Saudi-Arabien (Stand 2017), verfügt über zehn Prozent des weltweiten Waldbestands, dazu bedeutende Vorkommen von Schwefel, Asbest, Aluminium, Gold, Blei, Kohle, Kupfer, Eisenerz, Kaliumcarbonat, Tantal, Uran und Zink. Vor der Küste der Atlantischen Provinzen liegen umfangreiche Vorkommen an Erdgas, in Alberta die Athabasca-Ölsande. Wald und Wasserkraft bilden die Grundlage für die Zellstoff- und Papierindustrie.

Stromverbünde in Nordamerika

Zahlreiche Stauseen liefern Strom und bilden damit das Rückgrat der Energieproduktion. Allein 360.000 GWh stammten aus Wasserkraft, womit Kanada knapp hinter China der zweitwichtigste Stromproduzent auf diesem Sektor ist. In Kanada werden über elf Prozent des Weltstrombedarfs gedeckt, und es ist eines der wenigen Industrieländer, die Netto-Exporteure von Energie sind. Die Verbindung innerhalb Nordamerikas ist dabei inzwischen so eng, dass sich riesige, grenzüberschreitende Versorgungsverbünde entwickelt haben, wie die Western Interconnection, die bis nach Mexiko reicht. Weitere Energielieferanten sind Gas, Öl, Uran (18 produzierende Kernkraftwerke) und regenerative Energien. Kernkraftwerke lieferten im Jahr 2010 genau 85.219,889 von insgesamt 565.519,793 GWh Strom, also rund 15 % des Stroms. Insgesamt waren in Kanada Ende 2020 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 13,58 GW installiert (2017: 12,24 GW, 2018: 12,82 GW, 2019: 13,41 GW). Damit lag das Land weltweit auf Rang 9. Der größte Windpark mit 364 MW befindet sich in der Provinz Québec im Gemeindeverband La Côte-de-Beaupré.

Getreidefarm bei Kitchener in Ontario

Kanada ist aufgrund seiner hohen Überschüsse einer der größten Lieferanten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, doch ist das Produktspektrum in den Prärieprovinzen sehr eng; im Mittelpunkt steht dabei ganz überwiegend Weizen, bei dessen Produktion Kanada 2003 mit 50,168 Millionen Tonnen an achter Stelle nach Frankreich stand. Hinzu kommt Viehwirtschaft, vor allem Rinderzucht, in den letzten Jahren auch wieder die kommerzielle Zucht von Bisons. An den Küsten wird Fischzucht betrieben, die jedoch mit dem Fang von Wildfischen in Konflikt steht. Dabei ist British Columbia der größte Exporteur von Lachs und Heilbutt.

Tagebau in den Athabasca-Ölsanden in Alberta

Die Zentren der Industrie liegen im Süden der Provinzen Ontario und Québec, vor allem in den Großräumen von Toronto und Montreal. Dabei spielen die Automobil- und die Luftfahrtindustrie eine bedeutende Rolle, hinzu kommen Metallindustrie, Nahrungsmittelverarbeitung sowie Holz- und Papierindustrie. Ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen die chemische und die elektrotechnische Industrie, vor allem aber der Hightech-Bereich. Dies hängt mit dem Niedergang der großen Automobilkonzerne in den USA zusammen, der vor allem die Zulieferer und Dépendancen im Ballungsraum Toronto trifft. Alle Industrien, die sich dem Sektor der Gas- und Ölförderung anlagern, konzentrieren sich hingegen im Großraum Calgary, doch leidet diese prosperierende Industrie jüngst unter rapidem Preisverfall bei steigenden Explorationskosten. Dies hängt zum Teil mit geologisch bedingten Hemmnissen zusammen, mit dem inzwischen sehr hohen Lohnniveau und dem wachsenden Widerstand gegen die Zerstörungen der Umwelt. Dennoch entwickelte sich Kanada 2018 zum weltweit viertgrößten Förderer von Rohöl.

Die Exporte betrugen 2007 36,7 % und die Importe 32,8 % des BIP. Bei weitem wichtigster Handelspartner waren dabei die USA mit 76,4 % der Exporte und 65,0 % der Importe. Kanada belegt nach der EU, den USA, Japan und der Volksrepublik China den fünften Platz in der Weltaußenhandelsstatistik. Der Außenhandel ist weitgehend frei, nur in wenigen Schlüsselbereichen sind ausländische Investitionen auf Minderheitsbeteiligungen beschränkt.

Mit Abstand am meisten Bedeutung besitzt der Dienstleistungssektor mit 66 % (2008) Anteil am Bruttoinlandsprodukt, gefolgt von der Industrie mit 32 % und der Landwirtschaft mit knapp 2 %. Sieben der zehn größten kanadischen Unternehmen – wenn man den Umsatz zugrunde legt – sind allein im Banken- und Versicherungsbereich tätig. War die Wirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch weitgehend auf den Export nach Europa orientiert, vor allem in das Britische Empire, so wurden die Handelsbarrieren zum Nachbarland USA nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich weitgehend abgebaut. Ein erster wichtiger Schritt war das 1965 vereinbarte Canada-United States Automotive Agreement (auch Auto Pact genannt), das die Grenzen für die Automobilindustrie vollständig öffnete. Das Kanadisch-Amerikanische Freihandelsabkommen von 1988 schaffte die Zölle zwischen beiden Ländern ab und führte zu einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens und der US-Investitionen in Kanada. Mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen wurde diese Freihandelszone 1994 auf Mexiko ausgedehnt. Weitere Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit der EFTA. Kanada ist Mitglied zahlreicher wirtschaftspolitischer Organisationen, wie der Welthandelsorganisation, der OECD, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der G7.

Der Finanzdistrikt in Toronto
Turm der Royal Bank of Canada und der TD Canada Trust Tower in Toronto

Als eine der größten Schwächen der kanadischen Wirtschaft hat die OECD die mangelnde Umsetzung von Erfindungen in verwertbare Patente eingeschätzt. Daher stieß die Regierung 2007 ein Programm namens Mobilizing Science and Technology to Canada’s Advantage an. Es soll die geringe Zahl der Patente erhöhen und zu mehr Investitionen im Forschungs- und Entwicklungsbereich anregen. Es soll zugleich die Zusammenarbeit von staatlichen Bildungseinrichtungen und industriellen Komplexen fördern. Zudem wurden Centres of Excellence in Commercialisation and Research eingerichtet sowie ein College and Community Innovation Program.

Die größte Arbeitnehmervertretung bildet der Canadian Labour Congress (CLC) oder französisch der Congrès du travail du Canada (CTC) mit seinen rund hundert Einzelgewerkschaften in 136 Distrikten, die nach eigenen Angaben drei Millionen Mitglieder haben. Er ist 1956 aus dem Zusammenschluss von Trades and Labour Congress of Canada (TLC) und Canadian Congress of Labour (CCL) hervorgegangen. Während die TLC ähnlich wie in Europa nach Branchen organisiert war, war die CCL nach Orten organisiert und umfasste dort alle Gewerbe. Zudem hatte der TLC die Liberalen unterstützt, während bei der CCL Anhänger der sozialistischen Co-operative Commonwealth Federation vertreten waren. Zugleich integrierte sie die kommunistische Workers Unity League (WUL), als sie 1939 ein Bündnis gegen den Faschismus bildeten. Auch die in British Columbia ansässigen International Woodworkers of America galten als kommunistisch, wurden aber 1948 integriert. Wenig später wurden die Kommunisten ausgeschlossen. Die CLC spielte eine wichtige Rolle bei der 1962 erfolgten Gründung der New Democratic Party und bekämpfte gemeinsam mit ihr das Freihandelsabkommen mit den USA. Vorsitzender des CLC ist seit 1999 Kenneth V. Georgetti. Closed Shops sind rechtlich zulässig und in vielen Branchen üblich.

Die Finanzkrise ab 2007 blieb nicht ohne Wirkungen auf die kanadische Wirtschaft. Betroffen waren zunächst die Finanzdienstleister, die sich in Toronto ballen, wo die Toronto Stock Exchange (TSX) die drittgrößte Börse Amerikas darstellt, aber auch die Immobilienindustrie, und mit der Insolvenz von Nortel im Januar 2009 auch die Ausrüster für Telekommunikationsunternehmen. Unter diesen Unternehmen ist BCE (Bell Canada Enterprises) das älteste und größte. Im 4. Quartal 2008 gingen die Exporte um 17,5 % zurück. Die Arbeitslosigkeit lag im August 2009 jeweils bei 8,7 % (September 2007 5,9 %), seither liegt sie zwischen 7,2 und 7,5 %.

Kennzahlen

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real Weltbank
Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Veränderung in % gg. Vj. +2,6 +2,1 +1,0 −3,0 +3,1 +3,1 +1,7 +2,5 +2,6 +0,9 +1,5 +3,0
Entwicklung des BIP (nominal), Weltbank
Jahr 2014 2015 2016 2017
absolut (in Mrd. $) 1793 1553 1529 1653
je Einw. (in Tsd. $) 50,4 43,3 42,1 45,0
Entwicklung des Außenhandels (GTAI) in Mrd. US-Dollar und
seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
2014 2015 2016
Mrd. USD gg. Vj. Mrd. USD gg. Vj. Mrd. USD gg.Vj.
Einfuhr 463,1 +0,3 % 419,7 −9,4 % 403,0 −4,0 %
Ausfuhr 475,2 +4,1 % 408,8 −14,0 % 388,9 −4,9 %
Saldo +12,1 −10,9 −14,0
Haupthandelspartner Kanadas (2016), Quelle: GTAI
Export nach (in Prozent) Import von (in Prozent)
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 76,2 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 52,2
China Volksrepublik Volksrepublik China 4,1 China Volksrepublik Volksrepublik China 12,1
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 3,3 Mexiko Mexiko 6,2
Japan Japan 2,1 Deutschland Deutschland 3,2
Mexiko Mexiko 1,5 Japan Japan 3,0
Korea Sud Südkorea 0,8 Korea Sud Südkorea 2,0
Indien Indien 0,8 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 1,5
Vereinte Nationen sonstige Staaten 11,2 Vereinte Nationen sonstige Staaten 11,2

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 594,0 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 514,5 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,4 % des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 1.406 Mrd. US-Dollar oder 92 % des BIP. Trotz der hohen Staatsverschuldung werden kanadische Staatsanleihen von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit der Bestnote AAA bewertet (Stand 2018).

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Der Staatshaushalt finanziert das funktionierende System des kanadischen Finanzausgleichs.

Eingangspforte der Gazette. Montreal

Presse

Titelseite des Canadien vom 22. November 1806

Die erste Zeitung auf dem Gebiet Kanadas war John Bushells Halifax Gazette, die 1752 erschien. In Neufrankreich existierten keine Zeitungen, doch gründeten William Brown und Thomas Gilmore aus Philadelphia die zweisprachige Quebec Gazette in Québec. 1785 entstand durch Fleury Mesplet, den die Briten wegen seiner Aufforderung zum Anschluss an die USA inhaftiert hatten, das heute älteste Blatt, die Montreal Gazette. 1793 folgte in Niagara-on-the-Lake die erste Zeitung in Ontario, die Upper Canada Gazette. Diese frühen Blätter hingen weitgehend von Zuwendungen der Regierung und von Anzeigenerträgen ab, kaum von Käufern und Abonnenten. Dies sollte sich in Kanada als Dauerzustand erweisen.

In Québec entstanden 1805 und 1811 der City Mercury und in Montreal der Herald als Sprachrohre der dortigen Händlereliten, während Le Canadien (1806) und La Minerve (1826) die Frankophonen vertraten. Gegen diese Kolonial- und Händlereliten wandte sich in Ober-Kanada der Colonial Advocate, den William Lyon Mackenzie herausbrachte und der die Reform- und Farmergruppen vertrat. Ähnliches galt für Joseph Howes Novascotian (1824) in Halifax.

Gebäude des Toronto Globe mit Globus auf dem Dach, nach 1860
Gebäude des Toronto Star, nach 1930

Die meisten Zeitungen hingen von Parteien ab, insbesondere den Reformern (den heutigen Liberalen) und den Konservativen, und zwar meist als Organe bestimmter politischer Führer. So war der Toronto Globe (1844) die Stimme des Reformers George Brown, die Toronto Mail (1872) hingegen wurde bald zur Stimme von John Macdonald, dem ersten Premier Kanadas. Ähnlich organisierten 1899 Geschäftsleute den Toronto Star zugunsten von Wilfrid Laurier um. Dagegen kauften wiederum die dortigen Konservativen die Toronto News 1908 als Parteiorgan. Jede größere Stadt hatte folglich ein liberales und ein konservatives Blatt, das die jeweilige Klientel versorgte. Bis in die 1930er-Jahre hinein blieben die Quebecer Blätter dabei von der jeweiligen Regierung abhängig.

Blätter, die nicht einer der Führungsgruppen angehörten, wie die kommunistische Presse, wurden immer wieder verboten. Der von streikenden Druckern 1892 gegründete Toronto Star ging – wie die meisten Arbeiterzeitungen – ein. In Québec erließ die Regierung Maurice Duplessis den Padlock Act, der ihre Zeitungen traf. Noch 1970 übte die Regierung eine Art Zensur aus, als es in der Oktoberkrise zu Entführungen kam.

Der erste Versuch einer Tageszeitung, der Montreal Daily Advertiser, ging nach einem Jahr 1834 in den Konkurs. Doch 1873 gab es bereits 47 Tageszeitungen, 1913 gar 138. Im äußersten Westen erschien der British Colonist ab 1858, die Manitoba Free Press 1872, der Saskatchewan Herald 1878 und das Edmonton Bulletin 1880. Die Verbreitung des Radios ab den 30er Jahren und des Fernsehens ab den 50er Jahren kostete die Zeitungen viele Werbekunden, so dass 1953 nur noch 89 Tageszeitungen existierten. 1986 erholte sich die Zahl wieder auf 110, doch nur noch acht Städte hatten zwei oder mehr Tageszeitungen.

Heute gehören die meisten Zeitungen zu großen Konglomeraten der Medienindustrie. Die Erlaubnis, in beiden Bereichen der Medien, Fernsehen und Printmedien, Unternehmen zu erwerben, war lange umstritten, doch seit Brian Mulroney gibt es darin keine Begrenzung mehr. Im englischen Sprachraum ist Postmedia Network führend, sie bieten in den meisten Provinzhauptstädten die führende Tageszeitung an. 90 % der frankophonen Zeitungen gehören drei Medienunternehmen: Pierre Karl Péladeaus Quebecor Inc., der allein die Hälfte der Gesamtauflage liefert, Paul Desmarais' Gesca und Jacques Francœurs UniMédia. Schon 1950 beherrschten die vier größten Medienunternehmen 37,2 % des Gesamtmarktes, 1970 waren dies 52,9 %, 1986 gar 67 %. 80 % der Einnahmen stammen dabei aus Werbung, nur 20 % aus Verkaufserlösen.

Radio

Guglielmo Marconi. Physiknobelpreis 1909
CBC-Gebäude in Toronto, 2005

Mit dem Radio experimentierte zunächst Guglielmo Marconi ab 1896, 1901 gelang ihm die erste drahtlose Signalübertragung über den Atlantik von Cornwall nach Neufundland. Weil die Radiotechnik zunächst eher der Kontaktaufnahme zu Schiffen diente, unterstand die Aufsicht über den Radiotelegraph Act von 1913 dem Minister für Marine und Fischerei. Die Überlebenden der Titanic verdankten ihre Rettung den von Marconi gesendeten Radiowellen. Er war auch der erste, der 1919 eine private Sendelizenz in Kanada erhielt. Im Jahre 1928 bestanden bereits 60 Radiostationen.

Dennoch stellte eine Kommission unter Leitung von John Aird in diesem Jahr fest, dass viele Kanadier US-Stationen lauschten. Erst 1932 entschied das britischeJudicial Committee of the Privy Council, dass der Staat die Oberaufsicht über die Radiokommunikation zu Recht beanspruche. 1936 begann die öffentliche Canadian Broadcasting Corporation (CBC) ihren Sendebetrieb, der seit 1932 von der Radio Commission begonnen worden war. Bis dahin hatte sich die Zahl der Radioempfänger binnen fünf Jahren auf eine Million verdoppelt.

Die heutige Struktur der CBC ist ein Produkt der Weltwirtschaftskrise: Es entstanden nur fünf zentrale Sender, deren Sendungen von privaten Distributoren weitergeleitet wurden. So entstand ein gemischtes System staatlicher und privater Sender, in dem den privaten Sendern nur eine regionale Ausstrahlung gestattet wurde. Kanada wurde eines der Länder mit den meisten Radiostationen, und eines der ersten mit Satellitensendern. Dennoch ist die US-amerikanische Konkurrenz stark vertreten.

Fernsehen

Seit 1952 gibt es Fernsehen in Kanada, wobei die CBC die Regulierungsaufgaben wahrnahm und zugleich der bedeutendste Sender wurde. Auch hier dienten private Netzwerke als Distributoren für CBC-TV. Einer Kampagne der Privatsender gegen das CBC-Monopol folgte der Broadcasting Act von 1958 unter John Diefenbaker. Es entstand ein 15-köpfiger Board of Broadcast Governors (BBG), der die Anträge für neue Sender annahm und eher Privatsender förderte. Das TV expandierte schnell, und 1961 entstand ein zweites Netzwerk, CTV. Zwischen BBG und CBC kam es zu heftigen Streitigkeiten, so dass 1968 die Lizenzvergabe an die Canadian Radio-Television Commission (heute Canadian Radio-Television and Telecommunications Commission, CRTC) vergeben wurde, die auch das 1968 etablierte Kabel-TV an sich zog. Der Anspruch auf „Schutz, Bereicherung und Stärkung der kulturellen, politischen, sozialen und ökonomischen Struktur Kanadas“, wie es im Gesetz heißt, sollte dabei gewahrt werden. Dennoch führten Sparmaßnahmen in den letzten vier Jahrzehnten zu einer zunehmenden Abhängigkeit von Werbeetats und Einschaltquoten.

Dabei sind US-Sender über Kabel praktisch überall zu empfangen. Folglich besetzen sie im englischsprachigen Kanada rund 75 % der besten Sendezeit, während dieser Anteil in Québec nur bei 40 % liegt. Hier spielt TVA die wichtigste Rolle.

Inwiefern das Internet die entstandene Medienmacht relativieren kann, ist noch offen, zumal alle etablierten Medien in diesem neuen Markt zunehmend engagiert sind. Die Interessen der unabhängigen Medienunternehmen vertritt seit 1948 die Assoziation der kanadischen Film- und Fernsehproduktion.

Die Hauptverkehrsachse des Ostens verläuft entlang dem Sankt-Lorenz-Strom durch Ontario und Québec und verbindet Toronto, Montreal, Québec und Ottawa miteinander. Der gesamte Norden des Landes ist verkehrsmäßig wenig erschlossen, da hier, außer in den Gebieten der Rohstoffförderung, kaum Bedarf besteht. Die Ballungsräume des Westens sind, wie im Osten, hauptsächlich nahe der amerikanischen Grenze durch Verkehrssysteme verbunden, sieht man einmal von der Anbindung Edmontons ab. Dies ist vor allem dem politischen Willen der kanadischen Regierung zu verdanken, die allein durch drei transkontinentale Eisenbahnlinien und diverse Stichbahnen die weit auseinander liegenden Provinzen miteinander verbinden wollte. Davor war dies durch Kanäle geschehen, nach der Eisenbahnepoche folgten Straßenbauten, schließlich Fluglinien.

Straßen

Das Straßensystem Kanadas hatte 2011 eine Gesamtlänge von 1.042.300 km und ist damit das siebt-längste der Welt. Asphaltierte Straßen hatten eine Länge von 415.600 km, wovon 17.000 km Autobahnen waren. Nach China und den Vereinigten Staaten hatte Kanada damit das drittlängste Autobahnnetz.

Das dichteste Straßennetz befindet sich im Bereich der höchsten Bevölkerungsdichten in den Atlantikprovinzen, in Süd-Ontario, in Québec entlang des St. Lorenz, in den südlichen Prärieprovinzen und im Bereich der Frasermündung um Vancouver. Als ein alle Provinzen verbindendes Element wurde von Victoria am Pazifik bis St. John’s am Atlantik der Trans-Canada-Highway gebaut, mit 8000 km eine der längsten Straßen der Welt. In den Ballungsräumen und als Verbindung zwischen größeren Zentren ist diese Straße als Autobahn ausgebaut. Durch Ontario führen zwei Routen dieser Straße, eine nördlichere und eine südlichere. Der Trans-Canada-Highway ist die einzige Bundesstraße Kanadas.

Die übrigen Landstraßen, auch die Autobahnen, werden von den Provinzen gebaut und unterhalten. Die verkehrsreichste Autobahn Kanadas bildet das Rückgrat des Québec-Windsor-Korridors, in Ontario mit der Straßennummer „401“. Mit 16 Spuren durch den Ballungsraum Toronto gehört der 401 zu den breitesten Autobahnen der Welt. Nach Norden führen nur wenige Straßen, von denen die meisten wegen großer Baumaßnahmen (Staudämme, Bergbau etc.) gebaut wurden, oder aus militärischen Gründen entstanden (zum Beispiel der Alaska Highway).

In Kanada von Bedeutung sind Überlandbusse. Jede Region verfügt über ein ausgedehntes Busnetz; die größte Busgesellschaft Greyhound Canada stellte jedoch im Mai 2021 im Nachgang zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise den nationalen Betrieb ein. Aufrechterhalten wird lediglich der grenzüberschreitende Verkehr in die U.S.A.

In Kanada herrscht Rechtsverkehr und die Geschwindigkeiten sind in km/h angegeben. Das Nationalitätskennzeichen ist CDN (nicht CND für Canada) und steht für Canadian Dominion. Dieses wird auch als Abkürzung in Herkunftsangaben z. B. bei Spielfilmen verwendet.

Der Straßenverkehr des Landes gilt als weitestgehend sicher. 2013 kamen in Kanada insgesamt 6,1 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Das Land hat eine im weltweiten Vergleich hohe Motorisierungsrate. 2016 kamen im Land 662 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner.

Flugverkehr

Boeing 767 der Air Canada im Anflug auf London

Zur Überwindung der großen Entfernungen ist der Inlandsflugverkehr von erheblicher Bedeutung. Etwa 75 Fluggesellschaften, darunter Air Canada, die mit 34 Millionen transportierten Passagieren größte Fluggesellschaft Kanadas, Westjet Airlines und Porter Airlines sorgen für regionale Flugverbindungen. In Westkanada fliegen Air BC, die inzwischen zu Jazz Aviation gehören und Horizon Air, in Ostkanada Air Alliance (Sitz in Québec) und Air Ontario (Ontario). Im Norden fliegen Gesellschaften wie Air Creebec (im Besitz der Cree), Air North (Whitehorse), Bearskin Airlines, Canadian North (Yellowknife) oder Air Inuit (Dorval) sowie First Air (Ottawa), die im Besitz von Inuit sind.

Air Transat und Air Canada fliegen auf internationalen und innerkanadischen Strecken, wobei Air Canada 1937 aus einer Eisenbahngesellschaft hervorging. Flughäfen mit interkontinentalen Verbindungen befinden sich in Toronto, Montreal, Calgary, Ottawa, Edmonton, Vancouver, Québec, Halifax sowie Winnipeg.

1909 flog das erste kanadische Flugzeug 800 m weit (in Baddeck), 1915 entstand mit der Curtiss JN-3 das erste Serienflugzeug. Im Ersten Weltkrieg stellte Kanada bereits 22.000 Mitarbeiter bei den Luftstreitkräften, obwohl die Canadian Air Force erst 1920 entstand. In den 30er Jahren erfolgte ein massiver Ausbau der Flughäfen, so dass mehr als die Hälfte der gesamten Luftfracht in Kanada bewegt wurde und das Land 1945 587 Flugplätze aufwies. 1937 wurde Trans-Canada Airlines gegründet, aus der 1964 Air Canada hervorging. 2009 wurde der 23. Februar zum National Aviation Day erklärt.

Die Stadt Montreal ist Sitz der zwei weltweiten Zivilluftfahrtorganisationen, der IATA und der ICAO.

Eisenbahn

Die Eisenbahn ist im 19. Jahrhundert vom kanadischen Staat umfassend gefördert worden, um die Besiedlungspolitik zu unterstützen und die nationale Einheit zu sichern. Dazu sollten die Distanzen zwischen den Provinzmetropolen durch transkontinentale Eisenbahnlinien überwunden werden. Doch seit den 1930er Jahren ging ihre Bedeutung zugunsten des Straßenverkehrs erheblich zurück und besitzt seither nur noch innerhalb des Québec-Windsor-Korridors große Bedeutung im Personen(nah)- und Güterverkehr.

Außerhalb dieses Gebietes beschränkt sich die Bedeutung auf den Massengüterverkehr und den Tourismus, vergleichbar den Schienenkreuzfahrten in Europa. Der überregionale transkontinentale Güterverkehr wird von den beiden Bahngesellschaften Canadian Pacific Railway und Canadian National Railway durchgeführt. Betreiberin des öffentlichen Schienenpersonenverkehrs ist die VIA Rail Canada, der regionale Güterverkehr wird von vielen privaten Gesellschaften betrieben. Zu diesen Hauptlinien kommen zahlreiche Nebenlinien, die zum Teil in privater Initiative wiederbelebt worden sind, wie die Esquimalt and Nanaimo Railway auf Vancouver Island.

Innerstädtischer Nahverkehr

Straßenbahnen in Toronto
SkyTrain in Vancouver

Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfügen kanadische Großstädte über eine Vielfalt sehr gut ausgebauter Nahverkehrssysteme. Während in den Metropolen Toronto und Montreal seit den 1950er Jahren gebaute, klassische U-Bahnen das Rückgrat des innerstädtischen Nahverkehrs bilden, werden in kleineren Großstädten wie Calgary und Edmonton seit den 1980er Jahren Stadtbahnsysteme (Light Rail) aufgebaut. In den übrigen Städten werden vornehmlich Diesel- und teilweise Oberleitungsbusse eingesetzt; in Ottawa gibt es ein Bus-Rapid-Transit-Netz.

Die beiden größten Nahverkehrsnetze liegen in Toronto mit der Toronto Transit Commission und Montreal mit je vier Schnellbahnstrecken und je etwa 150 Buslinien. In Toronto ist außerdem noch ein größeres Straßenbahnnetz mit elf Linien in Betrieb. Der im Zuge der Weltausstellung Expo 86 eröffnete, vollautomatische SkyTrain in Vancouver war lange das längste automatische Transportsystem der Welt.

Schifffahrt

Wichtige Seehäfen befinden sich in den Städten am Sankt-Lorenz-Strom und in Vancouver. Zudem besteht auf den Großen Seen eine bedeutende Binnenschifffahrt. Wo keine natürlichen Wasserwege bestanden, baute man ab Anfang des 19. Jahrhunderts Kanäle. Für die wirtschaftliche Entwicklung Kanadas ab 1821 war der Lachine-Kanal von entscheidender Bedeutung. In Zentralkanada war das Kanu schon seit jeher das gegebene Transportmittel, und auch heute noch sind viele Seen mit Fährschiffen ausgestattet und der Warenverkehr folgt dem Wasser.

Manche Orte sind nur über See zu erreichen, wie entlang der Westküste von Vancouver nach Port Hardy auf Vancouver Island oder Prince Rupert gegenüber von Haida Gwaii.

Die frühe Erschließung des Landes erfolgte durch das Kanu und durch den Kanalbau, der einen weitläufigen Binnenverkehr ermöglichte. Bis in die 1950er Jahre trugen Schiffe einen erheblichen Teil der Passagiere, vor allem in abgelegenen Gebieten, doch stellten die meisten Linien, ähnlich wie zahlreiche Eisenbahnstrecken, den Verkehr ein, als die großen Überlandstraßen wie der Alaska Highway entstanden.

Telekommunikation

Im Jahr 2017 nutzten 93 Prozent der Einwohner Kanadas das Internet. Die digitale Infrastruktur gilt insbesondere in den Städten als sehr leistungsstark und eine der besten der Welt.

Das Ahornblatt (maple leaf) ist das Nationalsymbol Kanadas

Das heutige Kanada wird überwiegend durch die europäischen Einflüsse der Pioniere, Forscher, Händler und Fischer aus Großbritannien, Frankreich und Irland, regional auch aus Deutschland und Osteuropa geprägt. In jüngerer Zeit wird das Bild in größeren Städten auch von Asiaten (zum Beispiel Vancouver, Toronto) und von Schwarzen aus der Karibik und aus Afrika ergänzt. Viele ihrer Traditionen bleiben weiterhin Teil von Kanada, etwa ihre Nahrung, Sprache, Erzählungen, Geschichte, Feiertage und Sport. Die kulturellen Feste dieser Einwanderer sind ein fester Bestandteil des kanadischen Lebens, zum Beispiel das chinesische Neujahrsfest in Vancouver oder der Caribana-Umzug in Toronto. Viele Kanadier können noch heute ihre Wurzeln zurück zu diesen Ländern verfolgen und sind stolz auf ihre Herkunft. Der in vielen Städten ursprünglich vorherrschende britische Geist wurde mit der zunehmenden Einwanderung aus anderen Ländern weitgehend verwischt. Am deutlichsten ist er noch in Victoria zu erkennen. Dies gilt auch für das frankophone Kanada, das ebenfalls starken Einflüssen durch die Einwanderung ausgesetzt ist.

Kanada und Großbritannien teilen einen Abschnitt ihrer Geschichte und Kanada ist Mitglied des Commonwealth of Nations. Beide Länder sind in Personalunion verbunden. Großbritannien ist Kanadas drittgrößter Handelspartner, und von dort kommen nach den USA die meisten ausländischen Touristen. Die Verbindungen Kanadas zu anderen frankophonen Ländern sind in der Organisation internationale de la Francophonie institutionalisiert und es gibt einen regen kulturellen Austausch mit Frankreich. So ist Kanada beispielsweise am französischsprachigen Fernsehkanal TV5 Monde beteiligt.

Deutsche Einflüsse sind vor allem in Südontario um die Stadt Kitchener (ehemals Berlin) präsent. In ganz Südontario, besonders im Gebiet von Kitchener sind Orte mit deutschen Namen verstreut. Kitchener wirbt damit, dass dort das größte Oktoberfest außerhalb Münchens gefeiert wird.

Seit den 1970er Jahren sind in Kanada viele Asiaten eingewandert, vorwiegend aus Hongkong, China und Korea. Insbesondere in Vancouver (spöttischer Name: Hongcouver) und Toronto bilden sie starke ethnische Minderheiten und die Chinatowns mit ihren chinesischen Straßen- und Werbeschildern gehören zu den Sehenswürdigkeiten.

Die Schaffung und der Schutz einer eigenständigen kanadischen Kultur wird durch Programme, Gesetze und Einrichtungen der Bundesregierung, zum Beispiel der CBC/Radio-Canada, dem NFB (National Film Board of Canada/Office national du film du Canada) und der CRTC (Canadian Radio-Television and Telecommunications Commission/Conseil de la radiodiffusion et des télécommunications canadiennes) unterstützt.

Indigene Kultur

Die Kulturformen der weit über 600 First Nations, wie die Indianer sich ganz überwiegend selbst bezeichnen, sind nicht einheitlich. Innerhalb des Landes, zwischen Stadt und Land, zwischen den ethnischen Gruppen sind die Unterschiede denkbar groß. Die verschiedenen Gruppen entwickelten eigene Identitäten und kulturelle Strukturen. Dabei lassen sich große Kulturareale unterscheiden. An der Pazifikküste war die Kultur von Fischfang dominiert, vor allem vom Lachs, oder vom Walfang, wie bei den Nuu-chah-nulth auf Vancouver Island. Dort finden sich auch die gewaltigen Totempfähle, deren größter über 50 m hoch ist. Im Binnenland dominierten Jagd, Sammeln und Flussfischerei. In den großen Ebenen, den Plains, war die Bisonjagd von zentraler Bedeutung, in anderen der Elch. Durch die Verbreitung des Pferdes entwickelte sich nach 1700 ein Reiternomadismus. An den Großen Seen hingegen dominierte eine agrarische Kultur mit Großdörfern.

Gesichter, Kellypalik Qimirpiq 1997
Inuksuk auf der Flagge von Nunavut

Die nicht mit den Indianern verwandten Inuit im Norden des Landes, von denen man 2006 genau 50.485 zählte, entwickelten eine überwiegend von den arktischen Lebensumständen geprägte Kultur, die sich in vielerlei Hinsicht auf das ganze Kanada auswirkt. Ein Beispiel dafür stellt das Emblem der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver dar, ein Inuksuk, das aus aufeinander gestapelten Steinen besteht und eine menschliche Gestalt symbolisiert.

Die frühesten kommerziellen Erfolge feierten jedoch die bildenden Künste der Inuit schon seit den späten 1940er Jahren. Serpentin- und Marmorskulpturen, Arbeiten in Knochen und Karibugeweih, aber auch Kunstgrafik, Wandbehänge und -teppiche, Schmuck, Keramiken und Puppen standen dabei im Mittelpunkt. Ihre Motive und Materialien gingen auf die natürlichen Umgebungen und vorhandene Traditionen zurück, wobei die erzwungene Sesshaftigkeit nun erheblich größere Werke zuließ. Zudem waren die rund 25 Gemeinden, deren Bewohner nicht mehr autark-nomadisch lebten, nun auf Geldeinnahmen angewiesen, zu denen ihnen der Kunsthandel verhalf.

Zu den bekanntesten Inuit-Autoren zählen der ehemalige „Commissioner of Nunavut“ Peter Irniq, der Schriftsteller, Dichter, Cartoonist und Fotograf Alootook Ipellie (1951–2007) und Zebedee Nungak (geb. 1951). Aus der Verbindung von Inuit-Musik und amerikanisch-kanadischer Popmusik formten die Inuit eine eigene Musik. Daneben bestehen weiterhin einfache Gesangsformen und der Kehlgesang (Throat singing). Die in Kanada erfolgreichste Sängerin ist die 1967 in Churchill geborene Susan Aglukark.

Indianische Schnitzkunst im Museum of Anthropology in Vancouver
Der Rabe und die ersten Menschen, Skulptur von Bill Reid im Museum of Anthropology in Vancouver

Die Erfolge der Inuit und die der US-amerikanischen Indianer inspirierten die indianischen Künstler Kanadas, eigenständig an eine außerindianische Öffentlichkeit zu treten. Früh bekannt waren dabei die Masken und Totempfähle der Pazifikküste, die noch heute eine wichtige Rolle im Selbstverständnis, aber auch auf dem Kunstmarkt spielen. Ähnlich wie die Literatur verfolgt die indianische Kunstszene aber nicht nur traditionelle Elemente, sondern verbindet sie mit euro-kanadischen Mitteln. Andere Indianerkünstler produzieren losgelöst von diesen Traditionen in deren Genres und mit deren Mitteln. Dabei sind dennoch Künstler mit einem spezifisch indianischen Weg, wie Norval Morrisseau, oder der Bildhauer und Schnitzkünstler Bill Reid, der das Werk Charles Edenshaws fortführte, erst seit den 60er-Jahren anerkannt worden. Meist stehen in der Literatur ökologische Probleme, Armut und Gewalt, entmenschte Technik oder Spiritualität im Vordergrund. Dabei lassen sich die meisten ungern als „Indianerkünstler“ etikettieren.

Musik

Orgelbau und Chorgesang haben in Kanada eine lange Tradition (Skule Choir im Knox College, Universität Toronto)
Denkmal für Glenn Gould in Toronto

Seit der Kolonisierung ab dem frühen 17. Jahrhundert brachten die Einwanderer, je nach ethnischer Zusammensetzung, verschiedene europäische Musiktraditionen nach Kanada. Die Parallelentwicklung zur europäischen Musik ist vom Barock über die Klassik und Romantik bis hin zur Gegenwartsmusik nie abgerissen. Doch fehlten in der Neuen Welt lange die nötigen Ressourcen, um große Aufführungen wie Opern in nennenswertem Umfang durchführen zu können. Erst die Anpassung von Texten, aber auch der Austausch von Elementen zwischen den Einwanderergruppen brachte kanadische Eigenheiten hervor, zu denen Einflüsse aus den USA kamen.

John Braham war einer der ersten Sänger, die im ganzen Land bekannt wurden (ab 1841), ähnlich Jenny Lind. Zudem bestanden zahlreiche Kirchenchöre und philharmonische Gesellschaften. Die ersten Gesellschaften dieser Art waren die New Union Singing Society aus Halifax (1809) und die Québec Harmonic Society (1820). Populär waren Balladen, Tanzmusik und patriotische Hymnen. Deutsche brachten erstmals den Klavierbau nach Kanada (Thomas Heintzman), ihm folgte der Orgelbau (Joseph Casavant). 1903 organisierte C. A. E. Harriss den Cycle of Musical Festivals of the Dominion of Canada, an dem sich landesweit über 4000 Sänger und Musiker in 15 Städten beteiligten. Mit dem Ersten Weltkrieg und der danach anwachsenden Schallplattenindustrie war der Höhepunkt selbst gemachter Musik, aber auch der Operngesellschaften überschritten. Dennoch entstanden vor und nach der Weltwirtschaftskrise Symphonieorchester, insbesondere in den drei größten Städten Montreal, Toronto und Vancouver. Sir Ernest MacMillan war der erste und einzige kanadische Musiker, der zum Ritter geschlagen wurde, und weitere Sänger sangen auf den wichtigsten Bühnen.

Erst Feldforscher wie Marius Barbeau, W. Roy Mackenzie, Helen Creighton und zahlreiche andere entdeckten die Volksmusik und die Musik der Indigenen. Wenn man von kanadischer Musik sprach, so war es nun die Gesamtheit der Folkmusik, die man im Land antraf. Doch blieb die Musikausbildung konservativ, d. h. stark angebunden an Großbritannien und Frankreich. Dennoch entstanden in den 1930er-Jahren Musikerverbände, die nach dem Krieg die Suche nach kanadischer Identität auch in der Musik stärkten. Auch wurde diese Musik vom Staat gefördert, Sammlungen traditioneller und indianischer Musik inspirierten die aufgeschlossenere Generation. Publikationen wie The Canadian Music Journal (1956–1962), Opera Canada (seit 1960) und The Canada Music Book (1970–1976) untermauerten diese Entwicklung. Die Abkopplung der kanadischen Musik von der ausländischen Avantgarde endete.

Kanadische Musiker beeinflussten die westliche Musik, wie etwa Rock- und Popmusik, in erheblichem Ausmaß, wofür Namen wie Bryan Adams, Paul Anka, Michael Bublé, Leonard Cohen, Céline Dion, Nelly Furtado, Avril Lavigne, Joni Mitchell, Alanis Morissette, Shania Twain oder Justin Bieber stehen.

Bekannte Vertreter der Rockmusik sind Rush, Alannah Myles, Billy Talent, die Crash Test Dummies, Nickelback, Saga, Steppenwolf und Neil Young.

Zu den bedeutenden Jazzmusikern zählen Paul Bley, Maynard Ferguson, Diana Krall, Moe Koffman und Oscar Peterson.

Avril Lavigne, Sarah McLachlan, Sloan und weitere Musiker haben sich der Initiative Canadian Music Creators Coalition (CMCC) angeschlossen und kündigten in einer Grundsatzerklärung an, künftig wieder für sich selbst sprechen zu wollen. Prozesse und das Digital Rights Management (DRM), vor allem aber die staatliche Förderung seien zu verbessern. Die CMCC forderte die Regierung auf, die Künstler gegen die Vermarktungspolitik meist ausländischer und auf einen ausländischen Markt gerichteter Musikkonzerne zu unterstützen.

Immer noch von großer Bedeutung ist die Country-Musik, die auch von zahlreichen Indianern gespielt wird. Die Canadian Country Music Association ehrt jährlich die bedeutendsten Künstler mit der Aufnahme in die Canadian Country Music Hall of Fame. Wichtige Interpreten sind bzw. waren etwa Wilf Carter, Hank Snow und Gordon Lightfoot.

Auf dem Gebiet der klassischen Musik ist der bekannteste Kanadier sicherlich Glenn Gould (1932–1982), der einer breiteren Öffentlichkeit als begnadeter Interpret vor allem der Werke Johann Sebastian Bachs bekannt ist. Berühmtheit erlangte der damals 22-Jährige im Jahr 1955 mit einer aufsehenerregenden Einspielung der Goldberg-Variationen. Seit 1987 vergibt eine nach dem Musiker benannte Stiftung den Glenn-Gould-Preis.

Auch die Symphonieorchester in Montreal und Toronto haben Weltruf, die Kammermusik hat einen erstklassigen Rang: Tafelmusik und das St. Lawrence String Quartet haben verschiedene Preise gewonnen. Sänger wie Jon Vickers, Russell Braun und Michael Schade, der Flötist Robert Aitken sowie der Pianist Marc-André Hamelin und die Liedbegleiterin Céline Dutilly sind bekannte Interpreten. Auch Werke der Komponisten R. Murray Schafer und Claude Vivier werden regelmäßig aufgeführt.

Film

Als erster Filmemacher gilt James Freer (1855–1933), ein Farmer, der ab 1897 Dokumentationen vorführte. 1917 richtete die Provinz Ontario das Ontario Motion Picture Bureau ein, um Filme zu Unterrichtszwecken drehen zu lassen. Bereits im folgenden Jahr entstand das Canadian Government Motion Picture Bureau.

Kanadische Kinospielfilmproduktion
Jahr Anzahl
1975 39
1985 58
1995 38
2005 80

Auf Anraten von John Grierson, der als Vater des britischen und kanadischen Dokumentarfilms gilt, wurde 1939 der National Film Act verabschiedet, ein Gesetz, das es gestattete, Propagandafilme für Kriegszwecke zu drehen. 1950 wurde das Aufgabenspektrum des dazu gegründeten National Film Board of Canada beauftragt, Kanada den Kanadiern zu erklären, aber auch Nichtkanadiern. Mit der Canadian Film Development Corporation, aus der später Telefilm Canada hervorging, förderte der Staat Filmproduktionen. Das für das Kulturerbe verantwortliche Department of Canadian Heritage stockte 2001 die Mittel für Telefilm Canada auf. Den gleichen Zielen dient die Auszeichnung mit dem Genie Award, die jedes Jahr für die besten kanadischen Filme erfolgt.

Kanada ist auch als Hollywood des Nordens bekannt. Wichtigste Produktionsstätten kanadischer und US-amerikanischer Filme sind heute Vancouver, gefolgt von Montreal und Toronto. Dabei ist Alliance Films das einst größte Medienunternehmen, heute nur noch ein Rechtehändler. Der französische Film ist innerhalb von Kanada häufig erfolgreicher als der englische, weil der Quebecer Filmmarkt von US-Produktionen kaum direkt erreicht wird.

David Cronenberg in Cannes, 2002
William Shatner (2005)

Das kanadische Autorenkino gewinnt dank erfahrener Cineasten wie Atom Egoyan (der bei der Berlinale 2002 Präsident der Jury war), David Cronenberg, Denys Arcand und Léa Pool, aber auch durch junge Filmemacher wie Jean-François Pouliot, Denis Villeneuve, Don McKellar, Keith Behrman und Guy Maddin immer mehr an Bedeutung.

Filmregisseure wie Jean-Claude Lauzon („Night Zoo“ (1987), Léolo (1992)) und Denys Arcand (unter anderem „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ (1986), „Jesus von Montreal“ (1989) und „Joyeux Calvaire“ (1996), „Die Invasion der Barbaren“ (2003)) haben dem kanadischen Film zu internationaler Geltung verholfen.

Bekannte kanadische Schauspieler sind: Mary Pickford, Glenn Ford, Lorne Greene, Raymond Massey, Walter Huston, Jack Carson, Raymond Burr, Christopher Plummer, Donald Sutherland, Kiefer Sutherland, Geneviève Bujold, Keanu Reeves, Dan Aykroyd, Pamela Anderson, Hayden Christensen, Leslie Nielsen, John Candy, Jim Carrey, Michael J. Fox, Mike Myers, William Shatner, Bruce Greenwood, Ryan Gosling, Ryan Reynolds, Carrie-Anne Moss und Sandra Oh. Wie man durch diese Aufzählung erkennen kann, sind viele kanadische Schauspieler häufig in Hollywood-Produktionen tätig und genießen internationales Ansehen.

Theater

Palais Montcalm in Québec

Das kanadische Theater, das aus einer starken mündlichen Tradition hervorgeht, hat nicht nur weltweit bekannte Regisseure wie Robert Lepage oder Denis Marleau hervorgebracht, sondern auch eine große Anzahl von Theaterautoren, die in verschiedene Sprachen – unter anderem auch ins Deutsche – übersetzt werden. So sind in jüngster Zeit zum Beispiel Texte von Michel Marc Bouchard, Daniel Danis, Michel Tremblay, George F. Walker, David Young und Colleen Wagner von deutschen Ensembles aufgeführt worden.

Literatur

Die kanadische Literatur ist anfangs dadurch gekennzeichnet, dass sie häufig von Autoren stammt, die entsprechend ihrer ethnischen Herkunft bestimmte Erwartungen an das Land herantrugen. Daher erscheint das Land oft als abweisend mit Blick auf seine Natur, als kulturelle Wüste, die von außen belebt wird, und als Rohstoff für Karriere und Investitionen. Dabei spielten auch Erwartungen und Stereotype des Publikums von der Wildnis, unvorstellbarer Weite, von der Einführung der Zivilisation vor allem durch Europäer eine große Rolle. Doch überwiegt inzwischen der Drang, die eigene Kultur, die sich entwickelt hat, in ihrem Reichtum zu erfassen, ohne die Wurzeln abzuschneiden.

Sara Jeannette Duncan, 1903
Nellie McClung, nach 1905

Während des 19. Jahrhunderts drangen indigene (igloo) und lokale Wortschöpfungen (moose) in die Literatur ein, aber auch französische (gopher) in die englische und umgekehrt. Dennoch wird die englische Sprache im ganzen Land verstanden und von übergreifenden Sprachstandards dominiert. In der französischen Literatur kommt als weiteres Element eine starke Anbindung an Frankreich und seinen Lebensstil hinzu, woraus sich eine Skepsis gegenüber dem als britisch aufgefassten Rest-Kanada partiell erklärt.

Ein hervorstechendes Merkmal kanadischer Literatur ist der Humor, der allerdings eher untergründig, zuweilen schwarz, und oft als Understatement eingesetzt wird. Dabei spielen regionale Traditionen des Erzählens und des Anekdotischen eine wichtige Rolle, weniger die Themenwahl – es sei denn, es handelt sich um lokale Besonderheiten oder Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen. Zu den häufig anzutreffenden Motiven zählt die „garrison mentality“ (Bunkermentalität), die Entfremdung von der Heimat, in die man zurückkehrt, die Fremdheit im eigenen Land oder der spezifischen Kultur, aber auch das Zelebrieren der Wildnis, die für spirituelle Gesundung sorgt.

Alexander MacKenzie, Thomas Lawrence etwa 1800
Samuel Hearne

Kanadier sind besonders ausgeprägt an der Geschichte ihrer Vorfahren interessiert, und so existiert eine große Zahl von biographischen Versuchen zu den historisch bedeutsamen Männern und Frauen. Doch auch dort sind Klischees fast unausweichlich. So gilt das katholische Québec als mysteriös, Ontario als zwischen moralischer Klarheit und Lavieren hin- und hergerissen, die Prärien als isolierend und besitzergreifend, die Westküste als Projektionsfläche für Hoffnungen und Erwartungen, die man selbst entlarven muss. Dabei steht das Landleben überproportional im Vordergrund, während die Städte lange beinahe ignoriert wurden. Dagegen waren Autoren wie Frances Brooke (1724–1789), Susanna Moodie (1803–1885), Sara Jeannette Duncan (1861–1922) und Nellie McClung (1873–1951) die Analytikerinnen des politischen Lebens, das sich in den Städten ballt.

Ein Gegensatz besteht zwischen der Wahrnehmung Europas und der des Nachbarn USA. Europa gilt als Hort der Verfeinerung, aber auch der extremen Regionalisierung, der Nachbar als Land der sozialen Härte und der Fixierung auf ökonomischen Erfolg.

Anna Jameson
Duncan Campbell Scott, 1933

Historisch gesehen flossen vor allem französische, englische und irische Stile zusammen, die in ihren Heimatländern en vogue waren. Doch schon in den Reiseberichten entwickelte sich ein kanadisch geprägtes Genre, wie bei Samuel Hearne (1745–1792), Alexander MacKenzie, David Thompson, Catharine Parr Traill (1802–1899) oder Anna Jameson (1794–1860), wobei das Spektrum vom romantisierenden Abenteuerbericht (John R. Jewitt, 1783–1821) bis zur präzisen Analyse reicht (Susanna Moodie: Roughing It in The Bush, oder Forest Life in Canada, 1852). Mit der Konföderation (1867) stellte sich die Frage nach der nationalen Kultur. Ab Ende des 19. Jahrhunderts dominierten vier Figuren die literarische Szene: Duncan Campbell Scott (1862–1947), Charles G. D. Roberts (1860–1943), Archibald Lampman (1861–1899) und Bliss Carman (1861–1929), die auch als Confederation Poets (oder auch „Confederation Group“) bekannt waren.

Der Erste Weltkrieg brachte die Außenwelt wieder stärker in den Blick, und zugleich schärfte die Einwanderung die Aufmerksamkeit auf die zahlreichen Kulturen, auch die der Indianer, die nun selbst begannen, sich auszudrücken. Die Malerin und Autorin Emily Carr (1871–1945) war hier für den Westen von größter Bedeutung, wenn sie auch in British Columbia lange auf Ablehnung stieß. Die Weltwirtschaftskrise brachte eine zunehmende Beschäftigung mit sozialen Problemen mit sich, der Zweite Weltkrieg wiederum zwang zur Beschäftigung mit Fragen der Macht, der Not, des Todes und wiederum der Heimkehr. Nach dem Krieg unterwarf Merrill Denison (1893–1975) den übertriebenen Nationalismus einer satirischen Betrachtung, und auch Autoren der Linken kritisierten den politischen und wirtschaftlichen Weg und die zunehmende Dominanz der USA. Zugleich machten sich in Québec antiklerikale Autoren deutlicher bemerkbar. Unter dem öffentlichen Optimismus der 1950er und 1960er Jahre entdeckten Malcolm Lowry (1909–1957) (Under the Volcano, 1947) und Ethel Wilson (1888–1980) (Swamp Angel, 1954) Alkoholprobleme und die Enge des Frauenlebens in dieser Zeit.

Thomas King bei einer Demonstration der Ardoch Algonquin First Nation, 2008
Joy Fielding, Autogrammstunde 2007
Douglas Coupland, Lesung 2005

Materielle Unterstützung und ein größeres Publikum sorgten in den 60er-Jahren für ein Anwachsen des literarischen Marktes, Zeitschriften wie Canadian Literature und Journal of Canadian Studies erschienen, dazu kamen Paperbackausgaben, die erschwinglicher waren. Nischenmärkte entstanden, deren Publikum dennoch Autoren ernähren konnte. Sowohl die einzelnen Kulturen, als auch Frauen meldeten sich verstärkt zu Wort, wie etwa Margaret Atwood.

Nach etwa 1985 wurden staatliche Mittel in einer konservativeren Phase zurückgefahren. Verlage wie Coach House Press, Deneau, Williams-Wallace mussten schließen. Zudem ließ Kanada stärkere ausländische Konkurrenz zu, vor allem aus den USA. Autoren wie Timothy Findley (1930–2002) versuchten sich gegen Restriktionen zu wehren, indianische Literatur fand Vertreter in Eden Robinson (Haisla, geb. 1968), Jeannette C. Armstrong (Okanagan), die das Schulsystem kritisierte, der Satiriker Thomas King (Cherokee, geb. 1948) oder der Dramatiker Tomson Highway (Cree, geb. 1943). Daneben traten eher poetische Autoren, wie Wayne Keon Turner (Ojibway, geb. 1976), Rita Joe (Mi'kmaq), Marilyn Dumont (Métis, geb. 1955) oder Alootook Ipellie (Inuit, 1951–2007).

Seit den 70er Jahren hat sich das Interesse an kanadischer Literatur verstetigt. So sind Autoren wie Leonard Cohen, Pierre Vallières, Margaret Atwood, Michel Tremblay und Michael Ondaatje auch außerhalb der Landesgrenzen bekannt. Zugleich entstand ein riesiger Markt für populäre Literatur innerhalb des Landes, wie die von Joy Fielding oder Douglas Coupland (Generation X).

2013 erhielt Alice Munro den Nobelpreis für Literatur als „Virtuosin der zeitgenössischen Kurzgeschichte“.

Bildende Kunst und Architektur

Die französische Festung Louisbourg auf Breton Island

Wie in den meisten Künsten, so ignorierten die ersten Zuwanderer aus Europa weitgehend die Kunst der Ureinwohner. Sie brachten schon in ihren ersten Wohngebäuden und befestigten Hofanlagen sowie naturgemäß im Festungsbau (zum Beispiel Louisbourg) und in Stadtanlagen europäische Traditionen mit. Auch die Dörfer des frankophonen Kanada lagern sich wie in Frankreich um die Kirche, wobei die Missionskirchen und die Kirchen von Québec meist als Vorbilder dienten. Als Material herrschten Stein und Holz vor, Ziegel sind selten. Ähnlich wie in der Bildhauerei kamen die in Frankreich und England vorherrschenden Stile jedoch, bedingt durch die Kommunikationsverhältnisse, mit deutlicher Verspätung an. Das galt auch für die Übernahme der Klassik, nachdem die Briten Kanada erobert hatten.

Assiniboine bei der Büffeljagd, Paul Kane zwischen 1851 und 1856

Dennoch nahm die Malerei zwangsläufig die Ureinwohner auf, denn sie sollten für die Berichterstattung bei Hof dargestellt werden. Sie waren zum Teil von großer Genauigkeit, wie die Indianer- und Inuit-Porträts von John White (etwa 1540 bis etwa 1593), oder die Zeichnungen von Louis Nicolas (Codex canadiensis). Ende des 18. Jahrhunderts brachten Briten und die aus den USA geflohenen Loyalisten neue Einflüsse, die sich vor allem in den neuen Siedlungen, wie Toronto, dominierend bemerkbar machten. Es kam sogar zu einem Goldenen Zeitalter der Québecer Malerei, wobei der Stil europäisch blieb, doch die Motive wurden kanadischer. Der Schweizer Peter Rindisbacher dokumentierte etwa seine Reise durch die Hudson Bay in die Red-River-Kolonie, Paul Kane reiste durch den halben Kontinent.

Parlamentsgebäude in Victoria, der Hauptstadt British Columbias

In der Architektur bevorzugte man neo-klassische und neo-gotische Motive, wie in Europa, doch erhielt der britische Einfluss immer mehr Übergewicht. Mit dem repräsentativen Ausbau Ottawas und jeder Provinzhauptstadt versuchte man eine spezifisch kanadische Tradition auszudrücken. Zwischen 1873 und 1914 herrschten historisierende Stile vor, wobei sich die mitgebrachten Stile anderer europäischer Völker, wie der Italiener bemerkbar machten. Mit der Industrialisierung drangen neue Bautypen, wie Stahlbrücken oder Bahnhöfe vor, neue Materialien, vor allem Metalle dominierten. Dazu kamen Glas und schließlich Beton. James Wilson Morrice gilt als Vater des Modernismus in der Malerei. In der Skulptur herrschten historische Monumente auf Plätzen vor, vor allem Kriegsdenkmäler nach dem Ersten Weltkrieg. Doch weiterhin herrschte hierin Europa vor, bis hin zum Art déco.

Die Group of Seven versuchte eine kanadische Malerei zu entwickeln; sie bezog ihre Inspiration aus der Landschaft. Als eine der ersten nahm Emily Carr dabei nicht nur die spezifische Landschaft des Westens auf, sondern auch die grandiose Kunst der Indianer der Pazifikküste.

John Lyman gründete 1939 die Contemporary Arts Society, und über Quebec kamen kubistische Einflüsse, dort entstand die Gruppe der Automatistes. Gegen sie und den Surrealismus entstanden die Plasticiens, allen voran Guido Molinari und Claude Tousignant, Struktur- und Farbfragen traten stärker in den Vordergrund. Ähnlich in Toronto, wo sich Jack Bush und Harold Town gegen den abstrakten Expressionismus wandten. Dabei versuchten diese Gruppen sich zugleich gegen den Einfluss der USA abzusetzen. Ähnliches galt für Bildhauer wie Robert Murray oder Armand Vaillancourt. Hingegen unterscheidet sich die Architektur kaum von der internationalen. Der Fotograf Yousuf Karsh gehörte zu den bedeutendsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts.

In der Bildenden Kunst hat sich Kanada in Europa durch innovative Künstler einen Namen gemacht. Jeff Wall, Rodney Graham, Ken Lum, Ian Wallace und Geneviève Cadieux haben fotografische Techniken auf neuartige Weise für sich genutzt; Louis-Philippe Demers verwendet in seinen künstlerischen Arbeiten die neuen Technologien, und Jana Sterbak hat außergewöhnliche konzeptuelle Environments geschaffen.

Speisen und Getränke

Männlicher Buckellachs von der Pazifikküste in der Laichzeit. Sie heißen in Kanada Pink oder Humpback Salmon
Weinberge am Okanagan Lake

Die Produktion von Nahrungsmitteln hängt stark von den natürlichen Bedingungen ab. Daher weisen die Regionalküchen, wie etwa die der Küstensäume und der Graslandschaften der Prärieprovinzen, entsprechende Schwerpunkte auf. Während etwa an der Atlantikküste der Fang von Hummern, genauer von Hummerartigen (Lobster) einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt, war es an der Westküste der von Wildlachs; letzter wurde allerdings von Lachszuchten fast vollständig verdrängt, so dass einige Lachsarten, die noch vor wenigen Jahren in riesigen Laichzügen zu bewundern waren, inzwischen zu den bedrohten Tierarten gerechnet werden müssen.

Neben dem Umgang mit den natürlichen Ressourcen spielen aber auch kulturelle Unterschiede eine beträchtliche Rolle. Der französische Einfluss in Québec ist nicht zu übersehen, es gibt zahlreiche Restaurants mit der entsprechenden Küche. Die Prärieprovinzen sind hierin sehr stark vom mittleren Westen der USA beeinflusst, während sich im äußersten Westen ein starker britischer Einfluss bemerkbar macht, wo der englische Tee im Alltag immer noch seinen Platz hat.

Im Süden Kanadas, vor allem auf der Niagara-Halbinsel und im Okanagan-Gebiet sowie im Südosten von Vancouver Island in British Columbia wird Wein angebaut. Der über 200 Jahre alte Weinanbau nahm einen neuen Aufschwung, da ab 1974 erstmals neue Weinbaulizenzen ausgegeben wurden, und weil die Weinbauverbände (Vintners Quality Alliance) auf höhere Qualitäten drängten. Kanadische Weine tragen etwa die Hälfte zum Gesamtkonsum des Landes bei, wobei bis 2006 Vincor International und Andres Wines dominierten. Vincor wurde allerdings vom US-Weinproduzenten Constellation Brands aufgekauft.

Eines von knapp 3000 „Tim Hortons“ in Kanada

Spirituosen können nur in besonderen Geschäften oder in Restaurants gekauft werden, die die Bezeichnung Licensed Premises tragen. Viele Restaurants gestatten ihren Gästen, eigenen Wein, Bier oder Ahornsirup mitzubringen. Das Mindestalter für den Alkoholkauf liegt zwischen 18 und 19 Jahren.

Die bei weitem vorherrschende Kaffee- und Fast-Food-Kette ist Tim Hortons, ein Unternehmen, das 1964 in Hamilton gegründet wurde und 2008 65.000 Mitarbeiter hatte. Das Unternehmen unterhielt Ende 2008 (Anfang 2008) nach eigenen Angaben 3437 (3257) Restaurants, davon 2917 (2857) in Kanada und 520 (406) in den USA. Der schärfste Konkurrent beim Fast Food ist McDonald’s mit 1375 Restaurants beziehungsweise im Kaffeesektor das US-Unternehmen Starbucks.

Sport

Hauptartikel: Sport in Kanada
Eishockeyspiel im Air Canada Centre, Toronto 2007

Der Sport in Kanada ist vielfältig und umfasst zahlreiche Winter- und Sommersportarten. Als Nationalsportart seit 1859 offiziell anerkannt war bis 1994 nur das auf indianische Wurzeln zurückgehende Lacrosse. Es gilt seit 1994 als nationale Sommersportart. Seit 1994 ist Eishockey die nationale Wintersportart. Kanada gilt nicht nur als Mutterland des Eishockeys, sondern gehört auch zu den weltweit erfolgreichsten Ländern. Sieben kanadische Mannschaften sind in der NHL, der bedeutendsten Profiliga der Welt, vertreten. Auch im Lacrosse ist Kanada überaus erfolgreich und besiegte beim World Lacrosse Championship von 2006 in London die USA.

Die bei Zuschauern beliebteste Sportart im Sommer ist neben Lacrosse Canadian Football, das große Ähnlichkeiten mit dem American Football aufweist. Das Meisterschaftsendspiel, der Grey Cup, weist bei im Fernsehen übertragenen Sportereignissen die höchste Einschaltquote auf. Ebenfalls auf Interesse stoßen Baseball, Basketball, Cricket, Curling, Fußball, Rugby Union und Softball. Die am häufigsten ausgeübten Einzelsportarten sind Eislaufen, Golf, Leichtathletik, Ringen, Schwimmen, Skateboarden, Skifahren, Snowboarden und Tennis. Da das Land überwiegend ein kühles Klima besitzt, sind die Erfolge bei Wintersportarten tendenziell zahlreicher als bei Sommersportarten.

Kanada war Gastgeber zahlreicher internationaler Sportveranstaltungen, darunter die Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal und die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary. Die Olympischen Winterspiele 2010 wurden in Vancouver ausgerichtet. Zudem waren kanadische Städte Ausrichter von vier Commonwealth Games und zahlreichen Weltmeisterschaften.

Feiertage

Datum Englische Bezeichnung Französische Bezeichnung Bemerkung Status
1. Januar New Year’s Day Nouvel An Neujahr bundesweit gesetzlicher Feiertag
Karfreitag Good Friday Vendredi saint Karfreitag bundesweit gesetzlicher Feiertag
Ostermontag Easter Monday Pâques Ostermontag freier Tag für Angestellte des Bundes (viele private Arbeitgeber folgen diesen Feiertagen)
Montag vor oder am 24. Mai Victoria Day Fête de la Reine Feier des Geburtstages des amtierenden britischen (und kanadischen) Monarchen. In Québec fallen Victoria Day und Fête des patriotes auf denselben Tag. gesetzlicher Feiertag in den meisten Provinzen und allen Territorien
1. Juli Canada Day Fête du Canada zur Feier des British North America Act vom 1. Juli 1867. Ihm gehen zwischen 21. und 27. Juni National Aboriginal Day, Fête nationale du Québec und Canadian Multiculturalism Day voraus. Nationalfeiertag und bundesweit gesetzlicher Feiertag
Erster Montag im August Civic Holiday Premier lundi d’août Feiertag mit teilweise unterschiedlicher Benennung und Bedeutung je Provinz (z. B. British Columbia Day, New Brunswick Day, Saskatchewan Day) gesetzlicher Feiertag in einigen Provinzen
Erster Montag im September Labour Day Fête du travail Tag der Arbeit bundesweit gesetzlicher Feiertag
Zweiter Montag im Oktober Thanksgiving Action de grâce Erntedankfest gesetzlicher Feiertag in den meisten Provinzen und Territorien, freier Tag für Angestellte des Bundes
11. November Remembrance Day Jour du Souvenir Tag zum Gedenken an die Kriegstoten gesetzlicher Feiertag in einigen Provinzen
25. Dezember Christmas Noël 1. Weihnachtsfeiertag bundesweit gesetzlicher Feiertag
26. Dezember Boxing Day Lendemain de Noël 2. Weihnachtsfeiertag gesetzlicher Feiertag in Ontario

Darüber hinaus gibt es bewegliche Feiertage, wie z. B. den Tag der Familie oder den Louis Riel Day.

  • Portal: Kanada – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Kanada
  • Frankfurter Buchmesse: Kanada wird 2020 das „Gastland“ der Messe sein, was einen gewissen, aktuellen Höhepunkt der Beziehungen zwischen dem Land und den drei deutschsprachigen Ländern bilden wird
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Wikinews: Kanada – in den Nachrichten
Wiktionary: Kanada – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Kanada – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Kanada – Quellen und Volltexte
Wikimedia-Atlas: Kanada – geographische und historische Karten
Wikivoyage: Kanada – Reiseführer
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  93. At the same time, Canada is a separate country from the United States and there are things that we hold dear, that the Americans haven't prioritized. And I'm never going to shy away from standing up for what I believe in — whether it’s proclaiming loudly to the world that I am a feminist, whether it’s understanding that immigration is a source of strength for us and Muslim Canadians are an essential part of the success of our country today and into the future. Nach Asked about Trump, Trudeau promises to stand for feminism and diversity, CBC News,
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    Kanada
kanada, staat, nordamerika, sprache, beobachten, bearbeiten, titel, dieses, artikels, mehrdeutig, weitere, bedeutungen, sind, unter, begriffsklärung, aufgeführt, englisch, französisch, canada, staat, nordamerika, land, liegt, zwischen, atlantik, osten, pazifik. Kanada Staat in Nordamerika Sprache Beobachten Bearbeiten Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig Weitere Bedeutungen sind unter Kanada Begriffsklarung aufgefuhrt Kanada englisch und franzosisch Canada ist ein Staat in Nordamerika Das Land liegt zwischen dem Atlantik im Osten und dem Pazifik im Westen und reicht nordwarts bis zum Arktischen Ozean Bundeshauptstadt ist Ottawa die bevolkerungsreichste Stadt ist Toronto Die einzige Landgrenze ist jene zu den Vereinigten Staaten im Suden und im Nordwesten Kanada ist in Bezug auf die Flache nach Russland der zweitgrosste Staat der Erde hat hingegen mit knapp 38 Millionen Einwohnern eine ausserst niedrige Bevolkerungsdichte von vier Personen pro Quadratkilometer 4 CanadaKanadaFlagge WappenWahlspruch A Mari Usque Ad Mare lateinisch Von Meer zu Meer abgeleitet von Psalm 72 8 Amtssprache Englisch FranzosischHauptstadt OttawaStaats und Regierungsform foderale parlamentarische Monarchie Westminster System Staatsoberhaupt Konigin Elisabeth II vertreten durch Generalgouverneurin Mary Simon 1 Regierungschef Premierminister Justin TrudeauFlache 9 984 670 2 2 km Einwohnerzahl 38 0 Mio 39 3 4 Quartal 2020 Bevolkerungsschatzung Bevolkerungsdichte 3 9 4 Einwohner pro km Bevolkerungs entwicklung 1 1 Schatzung fur das Jahr 2020 5 Bruttoinlandsprodukt Total nominal Total KKP BIP Einw nom BIP Einw KKP 2020 6 1 6 Billionen USD 10 1 9 Billionen USD 16 43 278 USD 19 48 720 USD 23 Index der menschlichen Entwicklung 0 929 16 2019 7 Wahrung Kanadischer Dollar CAD Grundung 10 Februar 1841 United Province of CanadaUnabhangigkeit 1 Juli 1867 Dominion 11 Dezember 1931 Statut von Westminster 17 April 1982 Canada Act National hymne O Canada source source track track track track track track track track track track track Konigshymne God Save the Queen source source track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track track Zeitzone UTC 3 30 bis UTC 8Kfz Kennzeichen CDNISO 3166 CA CAN 124Internet TLD caTelefonvorwahl 1 siehe NANP Vorlage Infobox Staat Wartung NAME DEUTSCH Ottawa Coral Harbour Iqaluit Toronto Montreal Vancouver Victoria Calgary Edmonton Quebec Winnipeg Hamilton Halifax Whitehorse Yellowknife Regina Mount Logan USA USA GRONLAND ISLAND ATLANTIK PAZIFIK ARKTISCHER OZEAN BEAUFORT SEE BAFFIN BAY HUDSON BAY Grosser Barensee Grosser Sklavensee Winnipegsee Oberer See Huronsee Die Besiedlung durch die First Nations begann spatestens vor 12 000 Jahren die Inuit folgten vor rund 5000 Jahren Ab dem spaten 15 Jahrhundert landeten Europaer an der Ostkuste und begannen um 1600 mit der Kolonisierung Dabei setzten sich zunachst Franzosen und Englander fest In dieser Zeit breitete sich die Bezeichnung Canada aus ursprunglich der Name fur ein Irokesendorf Frankreich trat 1763 seine Kolonie Neufrankreich an Grossbritannien ab Im Jahre 1867 grundeten drei britische Kolonien die Kanadische Konfoderation Mit dem Statut von Westminster erhielt das Land 1931 gesetzgeberische Unabhangigkeit weitere verfassungsrechtliche Bindungen zum Vereinigten Konigreich wurden 1982 aufgehoben Nominelles Staatsoberhaupt ist Konigin Elisabeth II die durch den Generalgouverneur von Kanada vertreten wird Kanada ist ein auf dem Westminster System basierender parlamentarisch demokratischer Bundesstaat und eine parlamentarische Monarchie Amtssprachen sind Englisch und Franzosisch Die Unabhangigkeitsbestrebungen Quebecs die Stellung der frankophonen Kanadier und die Rechte der indigenen Volker neben den First Nations und Inuit die Metis sind wichtige Konfliktlinien in Staat und Gesellschaft Die Themen Klimawandel und Umweltschutz Einwanderungspolitik und Rohstoffabhangigkeit sowie das Verhaltnis zu den Vereinigten Staaten von dem kulturell und historisch bedingt ein ambivalentes Bild besteht kennzeichnen die offentlichen Debatten Inhaltsverzeichnis 1 Herkunft des Namens 2 Geschichte 2 1 Ur und Fruhgeschichte 2 2 Kolonialisierung 2 3 Britische Herrschaft 2 4 Kanadische Konfoderation 2 5 Eigenstandigkeit und Separatismus 3 Geographie 3 1 Ausdehnung und Grenzen 3 2 Geologie und Landschaftsgliederung 3 3 Klima 3 4 Flora und Fauna 3 5 Ballungsraume 4 Bevolkerung 4 1 Demographische Struktur und Entwicklung 4 2 Indigene Ethnien 4 3 Sprachen 4 4 Religion 4 5 Einwanderungspolitik 5 Politik 5 1 Verfassung und Recht 5 1 1 Exekutive 5 1 2 Legislative 5 1 3 Judikative 5 2 Politische Indizes 5 3 Provinzen und Territorien 5 4 Rechtssystem und Polizei 5 5 Aussenpolitik 5 6 Militar 5 7 Bildungspolitik 5 8 Umweltpolitik 6 Wirtschaft 6 1 Allgemein 6 2 Kennzahlen 6 3 Staatshaushalt 7 Medien 7 1 Presse 7 2 Radio 7 3 Fernsehen 8 Verkehr 8 1 Strassen 8 2 Flugverkehr 8 3 Eisenbahn 8 4 Innerstadtischer Nahverkehr 8 5 Schifffahrt 8 6 Telekommunikation 9 Kultur 9 1 Indigene Kultur 9 2 Musik 9 3 Film 9 4 Theater 9 5 Literatur 9 6 Bildende Kunst und Architektur 9 7 Speisen und Getranke 9 8 Sport 9 9 Feiertage 10 Siehe auch 11 Literatur 12 Weblinks 13 EinzelnachweiseHerkunft des Namens Jacques Cartier Portrat von Theophile Hamel 1817 1870 Ol auf Leinwand etwa 1844 Der Name Kanada ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Wort kanata abgeleitet das in der Sprache der Sankt Lorenz Irokesen Dorf oder besser Siedlung bedeutete 8 1535 gaben Bewohner der Region um die heutige Stadt Quebec dem franzosischen Entdecker Jacques Cartier eine Wegbeschreibung zum Dorf Stadacona 9 Cartier verwendete daraufhin die Bezeichnung Canada nicht nur fur dieses Dorf sondern fur das ganze Gebiet das von dem in Stadacona lebenden Hauptling Donnacona beherrscht wurde Ab 1545 war auf Karten und in Buchern die Bezeichnung Canada fur diese Region ublich Cartier nannte ausserdem den Sankt Lorenz Strom Riviere de Canada ein Name der bis zum fruhen 17 Jahrhundert in Gebrauch war Forscher und Pelzhandler zogen in Richtung Westen und Suden wodurch das als Kanada bezeichnete Gebiet wuchs Im fruhen 18 Jahrhundert wurde der Name fur den gesamten heutigen mittleren Westen bis Louisiana benutzt Die seit 1763 britische Kolonie Quebec wurde 1791 in Oberkanada und Niederkanada aufgeteilt was etwa den spateren Provinzen Ontario und Quebec entsprach Sie wurden 1841 wieder zur neuen Provinz Kanada vereinigt 1867 erhielten die neu gegrundeten Bundesstaaten der Kolonien in Britisch Nordamerika den Namen Kanada und den formellen Titel Dominion Bis in die 1950er Jahre war die amtliche Bezeichnung Dominion of Canada ublich 10 Mit der zunehmenden politischen Autonomie gegenuber Grossbritannien verwendete die Regierung mehr und mehr die Bezeichnung Canada in rechtlich bindenden Dokumenten und Vertragen Das Kanada Gesetz 1982 bezieht sich nur noch auf Canada die inzwischen einzige amtliche zweisprachige Bezeichnung Geschichte Hauptartikel Geschichte Kanadas Geschichte der First Nations und Territoriale Entwicklung Kanadas Ur und Fruhgeschichte Indianer in Kanada First Nations genannt besiedelten Nordamerika vor mindestens 12 000 Jahren was den Anfang der palaoindianischen Periode markiert Vor rund 5000 Jahren folgten die Inuit 11 In den Bluefish Hohlen im nordlichen Yukon fand man die altesten menschlichen Spuren in Kanada in der Charlie Lake Hohle fanden sich Werkzeuge aus der Zeit ab etwa 10 500 v Chr Aus der Zeit ab etwa 9000 v Chr stammen Funde bei Banff und in Saskatchewan aber auch bereits in Quebec 12 Ab etwa 8000 v Chr folgte die archaische Phase Gruppen aus dem Westen erreichten um 7500 v Chr das sudliche Ontario Dort fanden sich Speerschleudern 13 Siedlungsschwerpunkte waren im Osten der untere Sankt Lorenz Strom und die Grossen Seen sowie die Kuste Labradors L Anse Amour Site an der im 6 Jahrtausend die ersten grosseren Grabstatten entstanden spater Burial Mounds Auf den Great Plains entstanden neue Waffentechnologien und weitlaufiger Handel etwa mit Chalzedon aus Oregon und Obsidian aus Wyoming 14 In einigen Gebieten wurden noch um 8000 v Chr Pferde gejagt sie verschwanden ebenso wie die Megafauna Erst spater teilte sich der riesige Kulturraum erkennbar in zwei Grossraume auf die Fruhe Shield und die Fruhe Plains Kultur wobei sich Kupferbearbeitung bereits um 4800 v Chr zeigen lasst Im Westen reichen die Spuren bis vor 8000 v Chr zuruck vielfach ohne erkennbaren kulturellen Bruch So besteht die Kultur der Haida auf Haida Gwaii seit uber 9500 Jahren Der Handel mit Obsidian vom Mount Edziza reicht uber 10 000 Jahre zuruck 15 Vor 2500 v Chr bestanden im Westen Siedlungen dazu Anzeichen sozialer Differenzierung Hausverbande bestanden die sich saisonal zur Jagd in grossen Gruppen zusammenfanden Auch in den Plains lassen sich Dorfer nachweisen Die Cree Ojibwa Algonkin Innu und Beothuk die in den fruhen europaischen Quellen fassbar sind gehen wohl auf Gruppen der Shield Kultur zuruck Die Plainskulturen waren durch Bisons gekennzeichnet Hunde wurden als Trage und Zugtiere eingesetzt das Tipi setzte sich durch sowie die Herstellung von Pemmikan Als wichtigste kulturelle Veranderung der Plateaukultur im westlichen Binnenland gilt der Ubergang von der Nichtsesshaftigkeit zur Halbsesshaftigkeit mit Winterdorfern und sommerlichen Wanderzyklen um 2000 v Chr Eine ahnliche Entwicklung vollzog sich fruher an der Kuste deren Kulturen sich mit den Kusten Salish in Beziehung bringen lassen Gegen Ende der Epoche lassen sich erstmals Plankenhauser nachweisen Einige Salish waren bereits vor 1600 v Chr Bauern wie man von den Katzie weiss 16 Die Nuu chah nulth auf Vancouver Island entwickelten hochseetuchtige Kanus mit denen sie als einzige auf Walfang gingen Die Herstellung von Tongefassen erreichte das Gebiet des heutigen Kanada wohl von Sudamerika Pfeil und Bogen kamen um 3000 v Chr aus Asien und wurden wahrscheinlich erstmals von Palao Eskimos eingesetzt Er erreichte die Ostkuste kam aber erst rund drei Jahrtausende spater in den Westen 17 An den Grossen Seen lassen sich Hunde nachweisen in Utah bereits um 8000 v Chr die beerdigt wurden 18 Mit den Keramikgefassen ab etwa 500 v Chr endete an der Ostkuste die archaische Phase die von den Woodland Perioden abgelost wurde Manche Dorfer meist aus Langhausern bestehend waren wohl schon ganzjahrig bewohnt Auf die Fruhe Woodland Periode an den Grossen Seen und dem Sankt Lorenz Strom etwa 1000 v Chr bis 500 n Chr gehen wohl die Irokesen zuruck aber auch einige der Algonkin Gruppen Bis nach Zentral Labrador zeigen sich auf dem kanadischen Schild die Einflusse der Adena Kultur Ihre typischen Mounds erscheinen auch in der westlichen Schild Kultur beispielsweise im sudlichen Ontario Wahrscheinlich kam es infolge der Domestizierung von Wildreis zu einer herausgehobenen Schicht von Landbesitzern Psinomani Kultur Der Suden Ontarios war in die Fernhandels Beziehungen der Hopewell Kultur eingebunden Kupfer wurde im ganzen Osten Nordamerikas verbreitet Die spate Plains Kultur lebte in hohem Masse von Bisons Fernhandel war weit verbreitet und reichte westwarts bis zum Pazifik Im Norden uberwogen kleinere nomadische Gruppen wahrend sich im Suden ein Zyklus saisonaler Wanderungen durchsetzte deren Mittelpunkt feste Dorfer waren Der spaten Plateau Kultur lieferten die Laichzuge der Lachse die Nahrung ahnlich wie an der Pazifikkuste Ab 2500 v Chr lasst sich das so genannte Pit House Grubenhaus nachweisen das teilweise in die Erde gegraben wurde und eine bessere Bevorratung ermoglichte Die Kustenkultur wurde zwischen 500 v und 500 n Chr als Ranggesellschaft von Suden nach Norden strenger Eine Schicht fuhrender Familien beherrschte den Handel sowie den Zugang zu Ressourcen und hatte die politische und spirituelle Macht Auch hier tauchen erstmals Begrabnishugel auf In einigen Regionen herrschten Steinhaufengrabern cairns vor wie etwa um Victoria Die Dorfer wurden zahlreicher und vielfach grosser bald starker befestigt Die Kultur war von Plankenhausern oftmals monumentalen Schnitzwerken Totempfahlen komplexen Zeremonien und Clanstrukturen gekennzeichnet Nirgendwo war die Bevolkerungsdichte so gross wie an der Westkuste Im Gegensatz dazu gestatteten die Klimabedingungen und starke vulkanische Aktivitat im Nordwesten keine dauerhafte Ansiedlung 19 Mit den Athabasken verbinden sich Fundstellen im Entwasserungsgebiet des Mackenzie Rivers ab 1000 v Chr bis etwa 700 n Chr 20 Gegen 2500 v Chr wanderte ein Teil der Palao Eskimos von Alaska nach Gronland es entwickelte sich die Pra Dorset Kultur Um 500 v Chr bis 1000 n Chr folgte die Dorset Kultur nach Cape Dorset auf einer Baffin Island vorgelagerten Insel benannt Um 2000 v Chr bis 1000 n Chr bestand die Neo Eskimo Kultur Um 1000 setzte sich eine erneute Wanderung von Alaska nach Gronland in Bewegung Aus der Vermischung der Kulturen ging wohl die Thule Kultur hervor die bis etwa 1800 bestand Ihre Angehorigen sind die Vorfahren der heutigen Inuit Kolonialisierung Rekonstruktion der Wikingersiedlung in L Anse aux Meadows Europaische Siedler erreichten Nordamerika spatestens um das Jahr 1000 als Wikinger wahrend kurzer Zeit in L Anse aux Meadows am nordlichsten Ende von Neufundland lebten Als Entdecker Nordamerikas gilt Giovanni Caboto ein italienischer Seefahrer in englischen Diensten Er landete am 24 Juni 1497 auf Neufundland und nahm das Land fur England in Besitz Baskische Walfanger und Fischer kamen ab etwa 1525 regelmassig an die Kuste Labradors und beuteten ein Jahrhundert lang die Ressourcen in der Region zwischen der Neufundlandbank und Tadoussac aus 21 Eine Expedition unter der Leitung von Jacques Cartier erkundete 1534 35 das Gebiet um den Sankt Lorenz Golf und den Sankt Lorenz Strom und erklarte es zu franzosischem Besitz Kanu der Hudson s Bay Company wohl auf dem French River Frances Anne Hopkins 1869 Samuel de Champlain grundete 1605 mit Port Royal heute Annapolis Royal und 1608 mit Quebec die ersten dauerhaften Ansiedlungen in Neufrankreich Die franzosischen Kolonisten teilten sich in zwei Hauptgruppen Die Canadiens besiedelten das Tal des Sankt Lorenz Stroms die Akadier Acadiens die heutigen Seeprovinzen Franzosische Pelzhandler und katholische Missionare erforschten die Grossen Seen die Hudson Bay und den Mississippi bis nach Louisiana Englander grundeten ab 1610 Siedlungen auf Neufundland und besiedelten die weiter sudlich gelegenen Dreizehn Kolonien Cupids Plantation ist damit die zweitalteste angloamerikanische Siedlung in Nordamerika und war erfolgreicher als Jamestown in Virginia Zwischen 1689 und 1763 kam es in Nordamerika zu vier bewaffneten Konflikten zwischen Englandern bzw Briten und Franzosen die jeweils Teil von Erbfolgekriegen in Europa waren Der King William s War 1689 1697 brachte keine territorialen Veranderungen doch nach Ende des Queen Anne s War 1702 1713 gelangte Grossbritannien durch den Frieden von Utrecht in den Besitz von Akadien Neufundland und der Hudson Bay Region Die Briten eroberten 1745 im King George s War die franzosische Festung Louisbourg auf der Kap Breton Insel gaben diese aber 1748 gemass dem Frieden von Aachen wieder zuruck Der Siebenjahrige Krieg in Nordamerika von 1754 bis 1760 bzw 1763 brachte schliesslich die Entscheidung Mit dem Pariser Frieden musste Frankreich 1763 fast alle seine Besitzungen in Nordamerika abtreten Britische Herrschaft Tod des Generals James Wolfe in der Schlacht auf der Abraham Ebene 1759 dem Wendepunkt im Siebenjahrigen Krieg in Nordamerika Benjamin West 1770 National Gallery of Canada Ottawa Mit der Koniglichen Proklamation von 1763 entstand aus dem ehemaligen Neufrankreich die britische Provinz Quebec im selben Jahr gelangte die Kap Breton Insel zur Kolonie Nova Scotia Auch wurden Rechte der franzosischen Kanadier eingeschrankt 1769 wurde eine weitere Kolonie namens St John s Island seit 1798 Prince Edward Island gegrundet Um Konflikte in Quebec abzuwenden verabschiedete das britische Parlament 1774 den Quebec Act Das Gebiet Quebecs wurde zu den Grossen Seen und zum Ohiotal ausgedehnt Fur die franzosischsprachige Bevolkerungsmehrheit galt das franzosische Zivilrecht und Franzosisch war als Sprache in der Offentlichkeit anerkannt durch die Zusicherung der freien Religionsausubung konnte die Romisch katholische Kirche in der Kolonie verbleiben Das Gesetz verargerte jedoch die Bewohner der Dreizehn Kolonien die darin eine unzulassige Beschrankung ihrer nach Westen gerichteten Expansion sahen Der Quebec Act war eines jener unertraglichen Gesetze Intolerable Acts die schliesslich zur Unabhangigkeitserklarung der Vereinigten Staaten und zum Amerikanischen Unabhangigkeitskrieg fuhrten Der Frieden von Paris erkannte die amerikanische Unabhangigkeit an und die Gebiete sudlich der Grossen Seen fielen an die Vereinigten Staaten Etwa 50 000 Loyalisten flohen in das heutige Kanada dazu kamen mit den Briten verbundete Indianerstamme wie die Mohawk 22 New Brunswick wurde 1784 von Nova Scotia abgetrennt um die Ansiedlung der Loyalisten an der Atlantikkuste besser organisieren zu konnen Um den nach Quebec geflohenen Loyalisten entgegenzukommen verabschiedete das britische Parlament das Verfassungsgesetz von 1791 das die Provinz Quebec in das franzosischsprachige Niederkanada und das englischsprachige Oberkanada teilte und beiden Kolonien ein gewahltes Parlament gewahrte Sieg der Briten gegen die Amerikaner in der Schlacht bei Queenston Heights 1812 James B Dennis 1777 1855 Ol auf Leinwand undatiert Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Grossbritannien entluden sich im Britisch Amerikanischen Krieg der von 1812 bis 1814 dauerte und letztlich ergebnislos endete In Kanada wird der Krieg bis heute als erfolgreiche Abwehr amerikanischer Invasionsversuche betrachtet Die britisch und franzosischstammige Bevolkerung entwickelte durch den Kampf gegen einen gemeinsamen Feind ein kanadisches Nationalgefuhl die Loyalitat der britischen Krone gegenuber wurde gestarkt Der Wunsch nach Selbstverwaltung und der Widerstand gegen die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft einer kleinen Elite fuhrten zu den Rebellionen von 1837 die rasch niedergeschlagen wurden Lord Durham empfahl daraufhin in seinem Untersuchungsbericht die Einsetzung einer selbstverantwortlichen Regierung und die allmahliche Assimilierung der franzosischen Kanadier in die britische Kultur 23 Der Act of Union 1840 verschmolz Nieder und Oberkanada zur Provinz Kanada und erhob das Englische zur alleinigen Amtssprache Bis 1849 erhielten auch die weiteren Kolonien in Britisch Nordamerika eine eigene Regierung Zwei Handelsgesellschaften die Hudson s Bay Company HBC und die North West Company NWC kontrollierten den Handel in den weiten nur von wenigen Ureinwohnern besiedelten Gebieten der Prarien und der Subarktis Die HBC hatte 1670 Ruperts Land als Pachtgebiet erhalten und besass dort das Handelsmonopol mit Pelzen Da aber auch die NWC dort Fuss zu fassen versuchte kam es wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen Nach dem Pemmikan Krieg in der Red River Kolonie heute Manitoba wurde die NWC 1821 zwangsliquidiert und die HBC dehnte ihr Monopol auf fast den gesamten Nordwesten des Kontinents aus 1846 schlossen die Vereinigten Staaten und Grossbritannien den Oregon Kompromiss der westlich der Grossen Seen den 49 Breitengrad als gemeinsame Grenze festlegte Daraufhin folgte die Grundung der an der Pazifikkuste gelegenen Kolonien Vancouver Island 1849 und British Columbia 1858 Kanadische Konfoderation Territoriale Entwicklung Kanadas Wahrend des Sezessionskriegs in den Vereinigten Staaten erkannten fuhrende Politiker die Notwendigkeit moglichen amerikanischen Expansionsbestrebungen einen starken Bundesstaat entgegenzustellen und berieten in drei Verfassungskonferenzen uber die Schaffung einer Kanadischen Konfoderation Daraus resultierte das Verfassungsgesetz von 1867 das am 1 Juli 1867 in Kraft trat und das Dominion Kanada schuf das uber eine gewisse Eigenstandigkeit gegenuber der Kolonialmacht Grossbritannien verfugte Die Provinz Kanada wurde in Ontario und Quebec aufgeteilt hinzu kamen New Brunswick und Nova Scotia Das alteste britische Haus im Westen Kanadas war von 1852 bis 1920 der Wohnsitz eines der Grundervater Kanadas John Sebastian Helmcken Der neue Bundesstaat kaufte 1869 der Hudson s Bay Company das Nordwestliche Territorium und Ruperts Land ab und vereinigte diese zu den Nordwest Territorien Nach der Niederschlagung der Red River Rebellion der Metis schuf der Manitoba Act 1870 im Unruhegebiet die Provinz Manitoba British Columbia und Vancouver Island die sich 1866 vereinigt hatten traten 1871 der Konfoderation bei zwei Jahre spater folgte Prince Edward Island Um den Westen fur die Besiedlung durch Einwanderer zu erschliessen beteiligte sich die Regierung an der Finanzierung von transkontinentalen Eisenbahnen und grundete die North West Mounted Police heute Royal Canadian Mounted Police um die staatliche Kontrolle uber die Prarien und subarktischen Regionen durchzusetzen Die Nordwest Rebellion und die darauf folgende Hinrichtung des Metis Fuhrers Louis Riel 1885 fuhrten zu einem tiefen Zerwurfnis zwischen den beiden Sprachgruppen Als direkte Folge des Klondike Goldrauschs wurde 1898 das Yukon Territorium geschaffen Aufgrund der zunehmenden Besiedlung der Prarie entstanden 1905 aus dem sudlichen Teil der Nordwest Territorien die Provinzen Alberta und Saskatchewan Mit den Indianern schloss Kanada zwischen 1871 und 1921 elf Vertrage ab die ihnen gegen geringe Kompensationen Reservate zuwiesen ihnen aber ihre gewohnte Lebensweise garantierten Bis in die 1960er Jahre versuchte man sie zwangsweise zu assimilieren und verbot den Schulern den Gebrauch ihrer Muttersprachen Die Ureinwohner durften bis 1960 nicht an Parlamentswahlen auf nationaler Ebene teilnehmen An der Seite Grossbritanniens nahm Kanada ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil und entsandte Freiwillige an die Westfront Als die Regierung versuchte gegen den Widerstand des franzosischsprachigen Bevolkerungsteils den obligatorischen Wehrdienst einzufuhren kam es zur Wehrpflichtkrise von 1917 Eigenstandigkeit und Separatismus Landung kanadischer Truppen in der Normandie am D Day Abschnitt Nan White Beach bei Bernieres sur Mer Departement Calvados Bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag trat Kanada als eigenstandiges Staatswesen auf und trat 1919 unabhangig von Grossbritannien dem Volkerbund bei Das Statut von Westminster von 1931 garantierte die gesetzgeberische Unabhangigkeit gewisse verfassungsrechtliche Bindungen blieben jedoch weiter bestehen Das Land war besonders stark von der Weltwirtschaftskrise betroffen als Reaktion darauf entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten ein gut ausgebauter Sozialstaat Kanada erklarte 1939 dem Deutschen Reich den Krieg Trotz einer weiteren Wehrpflichtkrise spielten kanadische Truppen wahrend des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle insbesondere in der Atlantikschlacht der Operation Jubilee der Invasion Italiens der Operation Overlord Landung am Juno Beach und der Schlacht an der Scheldemundung Die Regierung von Mackenzie King wagte es nicht Soldaten gegen ihren Willen in einen Kriegseinsatz im Ausland zu schicken So blieben Manner im Umfang von funf Divisionen in Kanada wo sie nichts anderes taten als deutsche Kriegsgefangene zu bewachen Unter den kanadischen Freiwilligen die in Europa gegen Deutschland kampften rief das grossen Unmut hervor 24 1945 wurden kanadische Soldaten massgeblich wahrend der Kampfe um die Niederlande eingesetzt Die britische Kolonie Neufundland die sich 1867 nicht dem Bundesstaat angeschlossen hatte und von 1907 bis 1934 ein unabhangiges Dominion gewesen war trat 1949 nach einer lange andauernden politischen und wirtschaftlichen Krise als letzte Provinz der kanadischen Konfoderation bei 1965 wurde die neue Ahornblattflagge eingefuhrt und mit dem Inkrafttreten des Amtssprachengesetzes war Kanada ab 1969 offiziell ein zweisprachiges Land Premierminister Pierre Trudeau strebte die vollstandige formale Unabhangigkeit von Grossbritannien an die mit dem Verfassungsgesetz von 1982 und der Charta der Rechte und Freiheiten Wirklichkeit wurde Wahrend der 1960er Jahre fand in Quebec eine tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwalzung statt die als Stille Revolution bekannt ist Quebecer Nationalisten begannen mehr Autonomie oder gar die Unabhangigkeit zu fordern Anschlage und Entfuhrungen durch die Front de liberation du Quebec fuhrten 1970 zur Oktoberkrise und zur kurzzeitigen Ausrufung des Ausnahmezustands Moderate Nationalisten stellten ab 1976 die Provinzregierung 1980 wurde ein erstes Unabhangigkeitsreferendum mit 59 6 der Stimmen abgelehnt Ein weiteres Kennzeichen dieser Umwalzung ist die Ablosung der frankophonen Bevolkerung von der katholischen Kirche Der Constitution Act Loi constitutionelle vom 17 April 1982 mit dem auch Verfassungsanderungen nicht mehr vom britischen Parlament abgesegnet werden mussen gilt als Datum der formalen Unabhangigkeit vollen Souveranitat Kanadas Bemuhungen der Bundesregierung Quebec mit dem Meech Lake Accord als sich unterscheidende Gesellschaft anzuerkennen scheiterten 1989 Die vom separatistischen Parti Quebecois gefuhrte Provinzregierung setzte 1995 das zweite Unabhangigkeitsreferendum an das mit 49 4 Zustimmung ausserst knapp scheiterte 1999 wurde mit Nunavut das erste kanadische Territorium mit mehrheitlich indigener Bevolkerung geschaffen Trotz einiger politischer Zugestandnisse ist die Unzufriedenheit unter den Ureinwohnern immer noch hoch Geographie Hauptartikel Geographie Kanadas Ausdehnung und Grenzen Satellitenbild der Baffininsel Kanada ist mit einer Flache von 9 984 670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrosste Land der Erde und fast so gross wie Europa Das Land nimmt rund 41 Nordamerikas ein Der einzige unabhangige und durch eine Landgrenze verbundene Nachbar sind die Vereinigten Staaten im Suden und im Nordwesten Ein weiterer Nachbar ist das danische Autonomiegebiet Gronland das durch die rund 30 Kilometer breite Meerenge Kennedy Kanal von der nordlichsten kanadischen Insel Ellesmere Island getrennt wird Schliesslich existiert mit der Inselgruppe Saint Pierre und Miquelon sudlich von Neufundland ein Uberbleibsel der franzosischen Kolonie Neufrankreich Die grosste Nord Sud Ausdehnung von Kap Columbia auf Ellesmere Island in Nunavut zur Insel Middle Island im Eriesee betragt 4634 Kilometer Die grosste Ost West Entfernung betragt 5514 Kilometer von Cape Spear auf Neufundland bis zur Grenze des Yukon Territoriums mit Alaska Die Gesamtlange der Grenze zwischen Kanada und den USA betragt 8890 Kilometer Kanada hat mit 243 042 Kilometern zugleich die langste Kustenlinie der Welt Die grosste Insel ist die Baffininsel im Nordosten welche mit einer Flache von 507 451 km zugleich die funftgrosste Insel der Welt ist Die nordlichste Halbinsel ist Boothia 9 093 507 km Kanadas sind Land und 891 163 km Wasserflache Kanada hat Anteil an sechs Zeitzonen siehe hierzu Zeitzonen in Kanada Geologie und Landschaftsgliederung Der Kanadische Schild Kanadas Klimazonen Das geologische Grundgebirge der ostlichen Provinzen sind alte abgetragene Berge neben noch alteren Abschnitten des Kanadischen Schildes die bis zu 4 03 Milliarden Jahre alt sind 25 Dieser umfasst eine ausgedehnte Region mit einigen der altesten Gesteine Um die Hudson Bay gelegen nimmt er fast die Halfte des Staatsgebiets ein Abgesehen von einigen niedrigen Bergen im ostlichen Quebec und in Labrador ist die Landschaft flach und hugelig Das Gewassernetz ist dicht die Entwasserung der Region erfolgt uber eine Vielzahl von Flussen Die sudliche Halfte des Schildes ist mit borealen Waldern bedeckt wahrend die nordliche Halfte einschliesslich der Inseln des arktischen Archipels jenseits der arktischen Baumgrenze liegt und mit Felsen Eis und Tundrenvegetation bedeckt ist Die ostlichen Inseln des Archipels sind gebirgig die westlichen dagegen flach Westlich und sudlich des Kanadischen Schildes liegen die Ebenen um den Sankt Lorenz Strom und die Grossen Seen Die naturliche Vegetation des sudlichen Teils der dort liegenden Prarieprovinzen Saskatchewan Manitoba und Alberta ist das Prariegras der nordliche Teil dagegen ist bewaldet Die teils vulkanisch aktiven Gebirgszuge der Coast Range und der Rocky Mountains wie der Mount Edziza oder die Northern Cordilleran Volcanic Province im Norden British Columbias dominieren das westliche Kanada Sie verlaufen in Nord Sud Richtung durch Yukon und British Columbia die dortige Kustenlinie wird tief von Fjorden durchschnitten Vor der Kuste liegt Vancouver Island ein Auslaufer des Kustengebirges Satellitenbild der grossen Seen Die hochsten kanadischen Gebirgsregionen liegen im Westen mit den Rocky Mountains hochster Berg ist der 5959 Meter hohe Mount Logan im Territorium Yukon und der Kette der Kustengebirge am Pazifischen Ozean Coast Mountains und Kaskadenkette Ein weiteres wichtiges System verlauft entlang der Nordostkuste von Ellesmere Island Arktische Kordillere bis zu den Torngatbergen in Quebec sowie in Neufundland und Labrador Im Osten Kanadas liegen die nordlichen Appalachen und die Laurentinischen Berge Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt Lorenz Strom Er dient als Wasserstrasse zwischen den Grossen Seen und dem Atlantik Kanadas zweitlangster Fluss ist der Mackenzie River 1903 Kilometer in den Nordwest Territorien Weitere bedeutende Flusse sind der Yukon River und der Columbia River die teilweise auch in den Vereinigten Staaten verlaufen der Fraser der Nelson der Churchill und der Manicouagan sowie Nebenflusse wie der Saskatchewan River der Peace River der Ottawa und der Athabasca Kanada ist zudem ein uberaus seenreiches Land 7 6 seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt 563 Seen sind grosser als 100 Quadratkilometer 26 Zu den grossten Seen gehoren der Grosse Barensee 31 153 km der Grosse Sklavensee 27 048 km der Winnipegsee 24 420 km der Athabascasee 7 850 km sowie die Grossen Seen zusammen rund 245 000 km durch die mit Ausnahme des Michigansees die Grenze zum sudlichen Nachbarland verlauft Der grosste ganzlich in Kanada gelegene See ist der Grosse Barensee in den Nordwest Territorien Klima Klimadiagramm der Hauptstadt Ottawa Kanada umfasst unterschiedliche Klimazonen vom Polarklima bis zum gemassigten Klima Uberwiegend bestimmt das boreale Klima mit langen kalten Wintern und kurzen heissen Sommern den grosseren Teil Kanadas Im Winter 2004 2005 wurden Temperaturen von 58 C in Burwash Landing des Territoriums Yukon gemessen 27 die tiefste je gemessene Temperatur wurde mit 63 C in Snag im selben Territorium am 3 Februar 1947 aufgezeichnet 28 Die hochste Temperatur wurde in Lytton British Columbia mit 49 6 C am 28 Juni 2021 ermittelt 29 An der Westkuste findet man maritimes Klima mit hohen Niederschlagen da sich die feuchte vom Ozean kommende Luft am Westrand des Kustengebirges abregnet Den Niederschlagsrekord halt Ucluelet in British Columbia mit 489 2 mm an einem einzigen Tag 6 Oktober 1967 Die Jahreszeiten sind in den Provinzen Quebec und Ontario am deutlichsten ausgepragt mit kalten Wintern milden Fruhjahren und Herbstmonaten und von Juli bis September oft sehr schwul heissen Sommern mit Durchschnittstemperaturen um 25 C Am haufigsten leiden die Prarieprovinzen Alberta Saskatchewan und Manitoba unter Trockenheit Eines der trockensten Jahre war das Jahr 1936 das trockenste jedoch 1961 Regina erhielt 45 weniger Regen als im Durchschnitt 1988 war so trocken dass jeder zehnte Farmer aufgeben musste Das warmste Jahr in Kanada war das Jahr 1998 30 Flora und Fauna Nadelwald Grosse Naturgebiete vor allem in den Tundra und Bergregionen bedecken 70 Kanadas Das entspricht 20 der weltweit verbleibenden Wildnisgebiete ohne Antarktis Noch ist mehr als die Halfte der ausgedehnten Walder Urwald 31 Die nordliche Waldgrenze verlauft von der Ostkuste Labradors uber die Ungava Halbinsel Richtung Suden entlang des Ostufers der Hudson Bay und setzt sich anschliessend schlangenlinienformig Richtung Nordwesten zum Unterlauf des Mackenzie und weiter nach Alaska fort Nordlich der Baumgrenze gibt es kaum oder gar keinen fruchtbaren Boden Tundra Die Vegetation der sudlichsten Tundragebiete besteht aus niedrigem Buschwerk Grasern und Riedgras Die nordlichsten Gebiete sind zu weniger als einem Zehntel mit den fur die Polarregion typischen Moosen bedeckt Sudlich der Baumgrenze von Alaska bis Neufundland schliesst sich eines der grossten Nadelwaldgebiete der Welt an Im Osten von den Grossen Seen bis zu den Kusten wachsen hauptsachlich Mischwalder mit Zuckerahorn Buchen Birken Kiefern und Hemlocktannen Die Tiefebenen im aussersten Suden sind mit reinen Laubwaldern bedeckt Hier gedeihen neben Hickorybaumen Eichen und Ulmen Kastanien Ahorn und Walnussbaume In den westlichen Berggebieten sind die Fichte Douglasie und Lodgepole Kiefer am weitesten verbreitet in Hochebenen wachsen ausserdem Zitterpappel und Gelb Kiefer Die Vegetation der niederschlagsreichen Pazifikkuste wird von Waldern aus dichten hohen Douglasfichten westlichen Rot Zedern und Hemlocktannen beherrscht Das Prarieland ist zu trocken um mehr als vereinzelte Baumgruppen hervorzubringen Vom ursprunglich weiten hugeligen Grasland ist heute nur noch wenig ubrig es ist dem heute beruhmten Weizengurtel Kanadas gewichen Wapiti oder Elk beim Maligne Lake im Jasper Nationalpark Eisbar im Wapusk Nationalpark Manitoba Buckelwal bei Tadoussac Die arktischen Gewasser bieten Nahrung fur Wale Walrosse Seehunde und fur Eisbaren In den Tundren leben Moschusochsen Karibus Polarwolfe Polarfuchse Polarhasen und Lemminge vereinzelt auch Vielfrasse viele Zugvogel verbringen hier den Sommer darunter Alke Enten Mowen Seeschwalben und andere Seevogel Die Walder im Norden sind ein idealer Lebensraum fur Karibus und Elche Luchse Schwarz und Braunbaren Doch gehen die Bestande der riesigen Karibuherden aufgrund von Industrialisierung und winterlichen Freizeitaktivitaten vor allem aufgrund der Storungen durch motorisierte Schlitten zuruck Die Bedeutung der Jagd ist hierbei rucklaufig 32 Funf Milliarden Vogel kommen jeden Sommer in die borealen Walder Daher hat Kanada 1917 zusammen mit den USA angefangen Schutzgebiete fur Zugvogel einzurichten Heute bestehen 92 solcher Gebiete mit einer Gesamtflache von etwa 110 000 km 33 Zur artenreichen Vogelwelt zahlen der Kardinal der Waldsanger der Weisskopfseeadler und die Spottdrossel sowie der seltene Marmelalk der nur in alten Waldern uberleben kann Grauhornchen Biber Marder Bisamratten Nerze sind auch heute noch Grundlage des inzwischen unbedeutenden Pelzhandels Weiter im Suden findet man Wapitis wahrend es in dichter besiedelten Landstrichen vor allem kleinere Saugetiere wie Grau und Backenhornchen Wiesel und Otter gibt In den Prariegebieten leben kleinere Tiere wie Prariehasen Taschenratten und das Spitzschwanzhuhn sowie Bisons und Gabelbocke In den westlichen Bergen gibt es Dickhornschafe und Schneeziegen Die einheimische Tier und Pflanzenwelt steht in 44 Nationalparks weit uber tausend Provinzparks und Naturreservaten unter Schutz Grosstes Schutzgebiet ist der 44 802 km grosse Wood Buffalo Nationalpark im nordlichen Teil von Alberta und den Nordwest Territorien in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten vertreten sind Bemerkenswert ist der dortige mit etwa 6000 Tieren grosste Bestand frei lebender Bisons der Welt In vielen Seengebieten braucht der Mensch besonders im Sommer strenge Vorkehrungen gegen Insektenbisse da Stech und Kriebelmucken in sehr hoher Dichte leben Ballungsraume Siehe auch Liste der Stadte in Kanada Toronto Von den uber 38 Millionen Einwohnern lebt mehr als die Halfte der Bevolkerung in den 30 grossten Stadten Geht man von den Ballungsraumen census metropolitan areas aus steigt diese Zahl auf uber 70 Toronto ist das bedeutendste Produktionszentrum und mit 5 928 040 Einwohnern Stand 2016 der grosste Ballungsraum 34 Die Handelsmetropole Montreal zahlte 4 098 927 Vancouver 2 463 431 Einwohner Weitere Ballungsraume sind die Bundeshauptstadt Ottawa Gatineau 1 323 783 Calgary 1 392 609 Edmonton 1 321 426 Quebec 800 296 Winnipeg 778 489 und Hamilton 747 545 Bevolkerung Hauptartikel Demografie Kanadas Die letzte Volkszahlung von 2016 ergab eine Einwohnerzahl von 35 1 Millionen 35 Fur das 4 Quartal 2020 werden die Einwohner auf 38 Millionen geschatzt 3 Daraus errechnet sich eine Bevolkerungsdichte von etwa 3 9 Einwohner km eine der geringsten der Welt Die Bevolkerung konzentriert sich zu einem grossen Teil auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt Fast vier Funftel der Kanadier leben in Stadten Die grossten Stadte sind Toronto Montreal Calgary Ottawa Edmonton und Vancouver Der Grossteil der Bevolkerung lebt in den Provinzen Ontario 14 7 Mio und Quebec 8 6 Mio entlang des St Lorenz Stromes das heisst rund um Toronto Montreal Quebec Ottawa London und Hamilton Quebec Windsor Korridor 3 5 1 Mio Menschen leben in British Columbia 4 4 Mio in Alberta in Manitoba 1 4 Mio und in Saskatchewan weitere 1 2 Mio Menschen 3 Die vier Atlantik Provinzen haben alle weniger als 1 Million Einwohner Das Yukon Territorium mit 42 165 Einwohnern ist das bevolkerungsarmste Territorium Kanadas knapp vor Nunavut mit 39 288 und den Nordwest Territorien mit 45 037 3 Demographische Struktur und Entwicklung Bevolkerungspyramide von Kanada 2016 Bevolkerungsentwicklung 1961 2010 in Millionen Kanada ist ein Einwanderungsland Im Jahre 2017 waren 21 5 der Bevolkerung im Ausland geboren 36 Grosse Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Konigreich Frankreich Deutschland Italien Irland den Niederlanden Ungarn der Ukraine Polen Kroatien und aus den USA Heutzutage wachst die Bedeutung der Einwanderer aus Ostasien vor allem aus der Volksrepublik China aus Sudasien Indien und Pakistan von den Philippinen und aus der Karibik vor allem Jamaika und Haiti Von den etwa sechs Millionen deutschen Auswanderern der Jahre 1820 bis 1914 gingen nur 1 3 nach Kanada von den 605 000 der Jahre 1919 bis 1933 gingen 5 von den 1 2 Millionen der Jahre 1950 bis 1969 bereits 25 dorthin 2006 gaben rund 3 2 Millionen Kanadier an deutscher Herkunft zu sein Damit sind die Deutschkanadier nach den Einwohnern mit Wurzeln im Raum Grossbritannien Irland und denen mit Wurzeln im heutigen Frankreich die drittgrosste Bevolkerungsgruppe des Landes 37 38 Die jahrliche Wachstumsrate der Bevolkerung sank von 2000 bis 2012 von 1 02 auf 0 78 39 Die Lebenserwartung eines neugeborenen Kanadiers liegt laut CIA Factbook bei 81 9 Jahren Frauen 84 6 Manner 79 2 40 26 der Kanadier sind 19 Jahre oder junger 13 65 Jahre oder alter Das mittlere Alter der erwerbsfahigen Bevolkerung liegt bei 42 Jahren die Schatzung fur 2011 liegt bei 43 7 Jahren Der Median ist seit 1966 von knapp 26 auf 39 5 Jahre gestiegen 2006 waren 4635 Kanadier uber 100 Jahre alt 41 Indigene Ethnien Hauptartikel First Nations Metis und Inuit Hauptartikel Nordamerikanische Kulturareale Inuit Frau Metis auf Buffeljagd In Kanada unterscheidet man drei Gruppen indigener oder autochthoner Volker Die First Nations auch Indianer genannt die Inuit und die Metis Nachfahren von Europaern die mit indianischen Frauen eine Verbindung eingegangen waren Sie haben eine eigene Sprache entwickelt das Michif Zahlreiche weitere Kanadier haben indianische Vorfahren Deren Ehen wurden sehr haufig nach der Sitte des Landes custom of the country geschlossen also ohne kirchliche oder staatliche Mitwirkung wie es bei Ehen zwischen Mannern der Hudson s Bay Company und Indianerinnen ublich war Ehen dieser Art waren erst ab 1867 vollgultig Bei der Volkszahlung im Jahr 2006 gaben 1 172 790 Kanadier an Angehorige einer indigenen Gruppe zu sein Das entsprach 3 8 der Bevolkerung wobei dieser Anteil regional sehr stark schwankt Die Indigenen verteilten sich auf folgende Gruppen 698 025 waren Angehorige der First Nations 389 785 Metis 50 485 Inuit 6 665 Indigene gemischter Herkunft Stand 2001 23 415 Indigene ohne eindeutige ethnische Zuordnung Stand 2001 Im Schnitt sind die Ureinwohner erheblich junger als die ubrige Bevolkerung So sind 50 der indianischen Bevolkerung unter 23 5 Jahre alt im ubrigen Kanada liegt dieser als Median bezeichnete Wert bei 39 5 Jahren 185 960 Kanadier sprachen im Jahr 2001 eine der 50 indigenen Sprachen diese umfassen die Sprachen der First Nations 42 sowie Inuktitut die Sprache der Inuit Die Interessen der indigenen Bevolkerung werden staatlicherseits vom Department of Indian Affairs and Northern Development Affaires indiennes et du Nord vertreten dem das Indianergesetz von 1876 zugrunde liegt Sie selbst sehen sich allerdings eher in eigenen Organisationen wie der Versammlung der First Nations oder anderen Organisationen vertreten Sie berufen sich auf die Vertrage die mit Kanada und Grossbritannien geschlossen worden sind wie die Numbered Treaties auf allgemeine Menschenrechte und auf Entscheidungen der oberen Gerichtshofe in Grossbritannien und Kanada Die Indianer besitzen erst seit 1960 das volle Wahlrecht Ein Teil des besonderen Lebensraumes der Inuit wurde 1999 in ein eigenes Territorium namens Nunavut zusammengefasst Seit 1996 wird der 21 Juni als National Aboriginal Day bzw Journee nationale des Autochtones gefeiert Zugleich kommt es nach wie vor zu Auseinandersetzungen um Landrechte und den Abbau von Bodenschatzen wie die Grassy Narrows Blockade der Streit um die Urwalder am Clayoquot Sound an der Westkuste oder der Widerstand der Kitchenuhmaykoosib Inninuwug in Ontario zeigen Sprachen Hauptartikel Kanadisches Englisch Franzosisch in Kanada und Indigene amerikanische Sprachen Zweisprachige Tafel in Montreal Kanadas Amtssprachen sind Englisch und Franzosisch wobei 20 1 der Bevolkerung weder die eine noch die andere als Muttersprache angeben In der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten im Amtssprachengesetz und in den Amtssprachenverordnungen ist die offizielle Zweisprachigkeit festgeschrieben die vom Amtssprachenkommissariat durchgesetzt wird In den Bundesgerichten im Parlament und in allen Institutionen des Bundes sind Englisch und Franzosisch gleichberechtigt Die Burger haben das Recht Dienstleistungen des Bundes in englischer oder franzosischer Sprache wahrzunehmen In allen Provinzen und Territorien wird den sprachlichen Minderheiten der Schulunterricht in eigenen Schulen garantiert ein Anrecht das lange umstritten war 43 Die Ursachen reichen bis in die franzosische und britische Kolonialisierungsphase Nordamerikas zuruck und standen zugleich mit kulturellen und religiosen Gegensatzen in Zusammenhang Englisch und Franzosisch sind die Muttersprachen von 56 9 bzw 21 3 der Bevolkerung 44 bei 68 3 bzw 22 3 sind es die zu Hause am meisten gesprochenen Sprachen 2006 45 98 5 aller Einwohner sprechen Englisch oder Franzosisch 67 5 sprechen nur Englisch 13 3 nur Franzosisch und 17 7 beides 46 Zwar leben 85 aller franzosischsprachigen Kanadier in Quebec doch gibt es bedeutende frankophone Bevolkerungsgruppen in Ontario und in Alberta im Suden von Manitoba im Norden und Sudosten von New Brunswick Akadier insgesamt 35 der Bevolkerung dieser Provinz sowie im sudwestlichen Nova Scotia und auf der Kap Breton Insel Ontario hat die zahlenmassig grosste franzosischsprachige Bevolkerung ausserhalb Quebecs Die Charta der franzosischen Sprache erklart Franzosisch zur alleinigen Amtssprache in Quebec und New Brunswick ist die einzige Provinz deren Verfassung die Zweisprachigkeit garantiert 47 Andere Provinzen haben keine Amtssprache als solche definiert jedoch wird Franzosisch zusatzlich zu Englisch in Schulen Gerichten und fur Dienstleistungen der Regierung verwendet Manitoba Ontario und Quebec erlauben das gleichberechtigte Sprechen von Englisch und Franzosisch in den Provinzparlamenten und Gesetze werden in beiden Sprachen erlassen In Ontario kennen einzelne Gemeinden Franzosisch als zweite Amtssprache Die Wahl der Hauptstadt des seinerzeitigen Britisch Nordamerika durch Konigin Victoria 1857 fiel moglicherweise deshalb auf Ottawa weil es etwa an der Grenze zwischen franko und anglophonem Gebiet lag Alle Regionen haben nicht englisch oder franzosischsprachige Minderheiten hauptsachlich Nachkommen der Ureinwohner Offiziellen Status besitzen mehrere Sprachen der First Nations in den Nordwest Territorien Im hauptsachlich von Inuit bevolkerten Territorium Nunavut ist Inuktitut die Mehrheitssprache und eine von drei Amtssprachen Mehr als 6 1 Millionen Einwohner bezeichnen weder Englisch noch Franzosisch als ihre Erstsprache Am weitesten verbreitet sind Chinesisch 1 012 Millionen Sprecher Italienisch etwa 455 000 Deutsch etwa 450 000 Panjabi etwa 367 000 und Spanisch etwa 345 000 44 Das Kanadisch Galische um die Mitte des 19 Jahrhunderts noch die dritthaufigste Sprache Kanadas ist mit etwa 500 bis 1000 vorwiegend alteren Sprechern mittlerweile fast ausgestorben 48 jedoch bestehen Kontakte zu schottischen Hochschulen die Kanadiern Sprachkurse anbieten Mehrere Schulen unterrichten die Sprache ebenso drei Hochschulen sowie die 2006 gegrundete Atlantic Gaelic Academy 49 Erst ab 1973 wurden in Ontario deutsche Schulen vom Staat wieder unterstutzt Zwischen 1977 und 1990 erhielten die Schulen Mittel aus dem Multikulturalismusprogramm der Regierung Religion Mit der Kolonialisierung kamen zunachst vor allem franzosische Katholiken und anglikanische Englander nach Kanada Daruber hinaus forderte Grossbritannien die Einwanderung protestantischer Gruppen vom Mittelrhein und aus Wurttemberg in geringerem Masse auch aus der Schweiz Frankreich und den Niederlanden sodass der Suden von Nova Scotia bis heute protestantisch ist Doch gab die Kolonialmacht 1774 mit dem Quebec Act jeden Versuch auf die Katholiken zur Konversion zu bewegen Nach der Unabhangigkeit der USA kamen zahlreiche protestantische Loyalisten in das heutige Ontario und bildeten dort die Mehrheit In spateren Einwanderungswellen kamen wiederum katholische Iren und Italiener aber auch ukrainische Duchoborzen hinzu Die Einwanderung aus Schottland sorgte wiederum fur eine Beseitigung des Vorrangs der Anglikanischen Kirche im Osten durch zahlreiche Presbyterianer In Toronto setzten sich die Methodisten durch In Opposition zu den Katholiken die eher dem Ultramontanismus zugeneigt waren les bleus aber auch zu den dominierenden Anglikanern die vom Oranier Orden unterstutzt wurden bildeten sich antiklerikale Gruppen vor allem les rouges Mit dem Lord s Day Act von 1906 wurde ein weitgehendes Arbeitsverbot am Sonntag durchgesetzt das bis in die 1960er Jahre Gultigkeit beanspruchte und das der Oberste Gerichtshof erst 1985 endgultig abschaffte 50 Eine ahnliche Bedeutungsminderung des Religiosen im Alltag fand in Quebec statt Dennoch gibt es bedeutende Gruppen insbesondere im Suden Manitobas und Ontarios in Alberta und im Binnenland von British Columbia Dazu zahlen die Mennoniten im Suden Manitobas die ukrainischen Orthodoxen und Katholiken in Manitoba und Saskatchewan die Mormonen bilden einen Schwerpunkt in Alberta Hinzu kommen die Zeugen Jehovas und zahlreiche andere Gruppen 51 Die katholischen Missionare waren unter den Ureinwohnern erfolgreicher als die protestantischen und so uberwiegt dort der katholische Anteil Dazu kommen indigene Glaubensorganisationen wie die Shaker Church Mit den jungsten Einwanderungswellen verstarkten sich nichtchristliche Religionsgemeinschaften wie Hindus Muslime Juden Sikhs und Buddhisten Sie konzentrieren sich in Grossstadten insbesondere im Grossraum Toronto Die alteste Synagoge Congregation Emanu El entstand 1863 in Victoria die erste Moschee 1938 mit der Al Rashid Mosque in Edmonton Etwa 67 3 der kanadischen Bevolkerung gehorten 2011 einer christlichen Konfession an 39 0 katholisch etwa 24 1 protestantisch Die beiden grossten protestantischen Glaubensgemeinschaften sind mit 6 1 die United Church of Canada und mit 6 9 die Anglikanische Kirche von Kanada dazu kommen 1 9 Baptisten 1 4 Lutheraner etwa 1 7 Orthodoxe sowie etwa 3 0 andere christliche Glaubensgemeinschaften Muslime stellen etwa 3 2 der Bevolkerung mehr als die Halfte von ihnen lebt in Ontario Etwa 1 0 sind Juden von denen wiederum knapp 60 in Ontario leben und etwa 1 1 Buddhisten 1 5 Hindus sowie 1 4 Sikhs Etwa 23 9 gaben an keiner Glaubensgemeinschaft anzugehoren 52 53 Die Volkszahlungen von 2011 2001 und 1991 ergaben 54 55 56 57 53 Zu beachten bei der Zahl Veranderung 1991 2011 rechte Spalte ist unbedingt dass die Gesamtbevolkerung des Landes in diesen 20 Jahren erheblich zugenommen hat der Zuwachs z B bei den Katholiken relativiert sich damit erheblich Religionen in Kanada 2011 2001 1991 Veranderung 1991 2011Anzahl Anzahl Anzahl Christen 22 102 700 67 22 851 825 77 22 503 360 83 1 7Romisch katholisch 12 810 705 39 0 12 793 125 43 2 12 203 625 45 2 5 0Protestantisch 7 910 000 24 1 8 654 845 29 2 9 427 675 34 9 16 1United Church of Canada 2 007 610 6 1 2 839 125 9 6 3 093 120 11 5 35 1Anglikanische Kirche von Kanada 1 631 845 5 0 2 035 495 6 9 2 188 110 8 1 25 1andere Christen 960 000 3 0 780 450 2 6 353 040 1 3 171 9Baptisten 635 840 1 9 729 475 2 5 663 360 2 5 4 1Lutheraner 478 185 1 4 606 590 2 0 636 205 2 4 25 6andere Protestanten 2 000 000 6 0 549 205 1 9Presbyterianer 472 385 1 4 409 830 1 4 636 295 2 4 25 7Orthodoxe 550 690 1 7 479 620 1 6 387 395 1 4 42 1andere 2 703 200 0 8 1 1 887 115 0 6 4 1 093 690 0 4 1 147 2Muslime 1 053 945 3 2 579 640 2 0 253 265 0 9 316 1Juden 329 495 1 0 329 995 1 1 318 185 1 2 3 6Buddhisten 366 830 1 1 300 345 1 0 163 415 0 6 124 5Hindus 497 960 1 5 297 200 1 0 157 015 0 6 217 1Sikh 454 965 1 4 278 415 0 9 147 440 0 5 208 6ohne Bekenntnis 7 850 605 23 9 4 900 090 16 5 3 333 245 12 3 135 5 Besonders schnell wachsen durch Zuwanderung die nicht christlichen Gruppen aber auch zahlreiche christliche Gruppen die ausserhalb der grossen Kirchen stehen Nach einer Umfrage von 2007 fuhlten sich die Muslime in Kanada deutlich starker integriert als in europaischen Staaten 58 Insgesamt setzt die kanadische Politik im Rahmen ihrer Integrationspolitik starker auf Erhalt und Nutzung der ethnischen und religiosen Besonderheiten als auf Anpassung 59 Einwanderungspolitik Kanada hat gemessen an der Bevolkerung eine der hochsten Einwanderungsraten unter den Flachenstaaten der Welt 60 Die Einwanderung wird uber definierte Ziele gesteuert die in einem Programm festgelegt worden sind Hierbei gibt es etwa Programme fur Fluchtlinge zur Zuwanderung in den Arbeitsmarkt fur Existenzgrunder und zum Familiennachzug 61 Die Einwanderungskriterien sind offentlich einsehbar und konnen bereits vor Antragstellung selbst uberpruft werden Fur Menschen mit Berufen die in Kanada gefragt sind existiert zum Beispiel das Skilled Worker Programm Je nach Lage des Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl im Januar 2010 67 Punkte festgelegt die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss Die personliche Punktzahl setzt sich aus Punkten fur den aktuellen Bildungsstand und die Berufserfahrung zusammen aus Punkten fur die vorhandenen Sprachkenntnisse in Englisch und Franzosisch sowie fur das Alter fur Verwandte und fruhere Aufenthalte in Kanada Ein verbindliches Arbeitsangebot eines kanadischen Arbeitgebers erhoht die Punktzahl nochmals massgeblich Das Immigrations Programm wurde am 1 Juli 2011 dahingehend angepasst dass ohne ein bestehendes Arbeitsangebot nur noch Personen zum Skilled Worker Programm zugelassen werden die Erfahrung in einem von 29 festgelegten Berufen nachweisen konnen 62 Daneben muss ein Interessent am Skilled Worker Programm nachweisen dass er sich fur eine gewisse Zeit finanziell selbst versorgen kann Die notwendige Summe belauft sich derzeit September 2011 fur eine alleinstehende Person auf 11 115 CAD fur eine vierkopfige Familie auf 20 654 CAD 63 Ausserdem werden polizeiliche Fuhrungszeugnisse aus allen Landern benotigt in denen der Kandidat nach dem 18 Geburtstag fur sechs Monate oder langer gelebt hat Die Einwanderung erfolgt in zwei Stufen Zunachst wird eine unbefristete Aufenthalts und Arbeitsgenehmigung erteilt Nach drei Jahren als Permanent Resident und entsprechendem Aufenthalt im Land kann der Einburgerungsantrag gestellt werden Einwanderer die noch nicht eingeburgert sind haben Residenzpflicht Dies bedeutet dass man Nachweise fur die vorgegebene Zeit in Kanada erbringen oder mit jemandem verheiratet sein muss die oder der die kanadische Staatsburgerschaft besitzt Bei Verstossen kann der Permanent Resident Status entzogen und der Einwanderer in sein Herkunftsland zuruckgeschickt werden Neben dem Programm fur qualifizierte Einwanderungswillige steht eine gesonderte Regelung fur Gastarbeiter die keine Perspektive fur eine Einburgerung bekommen 64 Die Zahl der nur zeitweilig in Kanada zugelassenen Arbeitskrafte ubersteigt seit etwa 2006 die der Einwanderer Die Gastarbeiter erhalten Arbeitsgenehmigungen die in der Regel fur einige Monate gelten und nur selten die Dauer eines Jahres ubersteigen Sie gelten nur fur den Arbeitgeber der die Arbeitskrafte ins Land holt eine Kundigung ist mit dem Verlust der Aufenthaltsgenehmigung verbunden Wahrend das Programm fur Gastarbeiter ursprunglich fur Pflegekrafte in Haushalten Kindermadchen und Arbeiter in der Landwirtschaft eingefuhrt wurde wird es inzwischen fur alle Tatigkeiten des Niedriglohnbereichs eingesetzt Ausser den Programmen zur Einwanderung in den Arbeitsmarkt gibt es in Kanada auch humanitare Aufnahmeprogramme zum Resettlement von Fluchtlingen Die Fluchtlinge werden dabei nicht von der kanadischen Regierung ausgewahlt sondern vom Fluchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR in Fluchtlingslagern auf der ganzen Welt und dann nach Kanada gebracht 65 2018 war Kanada das Land mit dem weltweit grossten Aufnahmeprogramm von Resettlement Fluchtlingen dazu zahlen nicht jene Fluchtlinge die aus eigener Initiative ins Land kommen 66 Zwischen 2015 und 2018 nahm das Land 60 000 syrische Fluchtlinge auf 67 2015 lebten 186 000 in Deutschland geborene Personen in Kanada Haufigste Herkunftsstaaten von Migranten nach Geburtsland 2015 68 Rang Land Anzahl an Migranten0 1 China Volksrepublik Volksrepublik China 711 0000 2 Indien Indien 621 0000 3 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Konigreich 607 0000 4 Philippinen Philippinen 545 0000 5 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 343 0000 6 Italien Italien 282 0000 7 Hongkong Hongkong 227 0000 8 Deutschland Deutschland 186 0000 9 Vietnam Vietnam 182 00010 Pakistan Pakistan 175 000PolitikVerfassung und Recht Siehe auch Regierung Kanadas Wahlen in Kanada und Kanadische Monarchie Parliament Hill in Ottawa Sitz von Bundesregierung und parlament Kanada ist formal eine konstitutionelle Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations mit Konigin Elisabeth II als Staatsoberhaupt Sie tragt den Titel der Konigin von Kanada und wird durch den Generalgouverneur vertreten 69 70 Das Land ist auch eine reprasentative parlamentarische Demokratie die in Form eines Bundesstaates organisiert ist Die Verfassung Kanadas besteht aus schriftlichen Rechtsquellen und ungeschriebenem Gewohnheitsrecht 71 Das Verfassungsgesetz von 1867 enthalt das Staatsorganisationsrecht begrundete ein auf dem Westminster System des Vereinigten Konigreichs basierendes parlamentarisches Regierungssystem und teilte die Macht zwischen Bund und Provinzen auf Das Statut von Westminster von 1931 gewahrte die vollstandige gesetzgeberische Autonomie und mit dem Verfassungsgesetz von 1982 wurden die letzten verfassungsrechtlichen Bindungen zum britischen Mutterland gelost Letzteres enthalt einen Grundrechtskatalog die Kanadische Charta der Rechte und Freiheiten sowie Bestimmungen betreffend das Vorgehen bei Verfassungsanderungen 71 Einhergehend mit dem Status als Monarchie gibt es eine Reihe von Titeln und Orden die in Kanada verliehen werden Exekutive Theoretisch liegt die exekutive Staatsgewalt beim Monarchen wird aber in der Praxis durch das Kabinett formal ein Komitee des kanadischen Kronrates und durch den Vertreter des Monarchen den Generalgouverneur ausgeubt Der Monarch und dessen Vertreter sind unpolitisch und uben uberwiegend zeremonielle Funktionen aus um die Stabilitat der Regierung zu garantieren Gemass Gewohnheitsrecht ubergeben sie alle politischen Geschafte ihren Ministern im Kabinett die ihrerseits gegenuber dem gewahlten Unterhaus verantwortlich sind Die exekutive Staatsgewalt liegt somit de facto beim Kabinett jedoch konnen Monarch und Generalgouverneur im Falle einer aussergewohnlichen Verfassungskrise ihre Hoheitsrechte wahrnehmen Der Premierminister ist ublicherweise der Vorsitzende jener Partei die im Unterhaus die meisten Sitze halt und das Vertrauen der Mehrheit der Abgeordneten besitzt Er wird vom Generalgouverneur eingesetzt und fuhrt als Regierungschef das Kabinett an Da er uber weitgehende Befugnisse verfugt gilt er als machtigste Person des Staates Er ernennt die ubrigen Kabinettsmitglieder Senatoren Richter des Obersten Gerichtshofes Vorsitzende von Staatsbetrieben und Behorden und kann den Generalgouverneur sowie die Vizegouverneure der Provinzen vorschlagen Die Bundesregierung ist unter anderem zustandig fur Aussenpolitik Verteidigung Handel Geldwesen Verkehr und Post sowie die Aufsicht uber die Administration der drei bundesabhangigen Territorien Aktuell ist der Vorsitzende der Liberalen Partei Justin Trudeau seit dem 4 November 2015 Premierminister und leitet das 29 Kanadische Kabinett Vom 2 Oktober 2017 bis zum 21 Januar 2021 war Julie Payette die 29 Generalgouverneurin von Kanada Sie trat nach Abschluss einer unabhangigen Untersuchung uber das von ihr geschaffene Arbeitsumfeld als Generalgouverneurin zuruck 72 Wahrend der Zeit bis zur Ernennung einer Nachfolgerin wurden die Aufgaben durch Richard Wagner Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes von Kanada als Administrator of the Government of Canada wahrgenommen 73 Am 6 Juli 2021 wurde die Ernennung von Mary Simon zur neuen Generalgouverneurin von Kanada bekannt gegeben 1 Simon ist die erste Inuk die zur Vertreterin der Konigin ernannt wurde 74 Legislative Das kanadische Bundesparlament besteht aus dem Monarchen und zwei Kammern dem demokratisch gewahlten Unterhaus engl House of Commons frz Chambre des communes und dem ernannten Senat von Kanada Senate of Canada Senat de Canada Sitzungssaal des Unterhauses Jedes Mitglied des Unterhauses wird im relativen Mehrheitswahlrecht in einem von 338 Wahlkreisen gewahlt Allgemeine Wahlen werden vom Generalgouverneur angesetzt wenn der Premierminister dies so vorschlagt oder wenn die Regierung ein Misstrauensvotum verliert Gemass einem 2006 verabschiedeten Gesetz betragt die Dauer der Legislaturperiode vier Jahre Zuvor konnte der Premierminister den Wahltermin nach Belieben festsetzen doch musste eine Neuwahl spatestens nach funf Jahren erfolgen Die Regierung stellt zurzeit die Liberale Partei wahrend die Konservative Partei die Rolle der offiziellen Opposition innehat Weitere im Parlament vertretene Parteien werden als Drittparteien bezeichnet Es sind dies die Neue Demokratische Partei der Bloc Quebecois und die Grune Partei Sitzungssaal des Senats Im Senat von Kanada auch Oberhaus engl upper house frz chambre haute genannt sitzen 105 Abgeordnete die der Generalgouverneur auf Empfehlung des Premierministers ernennt Die Sitze sind nach Regionen aufgeteilt wobei diese seit 1867 nicht mehr angepasst wurden und deshalb grosse Disproportionalitaten in der Reprasentation im Verhaltnis zur Einwohnerzahl bestehen Die Senatoren haben keine feste Amtszeit sondern konnen ihr Amt bis zum 75 Lebensjahr wahrnehmen Der Einfluss des Senats ist bedeutend geringer als jener des Unterhauses Entwicklung des Frauenwahlrechts in Kanada Hauptartikel Frauenwahlrecht in Kanada Die Bundesstaaten fuhrten das Frauenwahlrecht ab 1916 nacheinander und zum Teil fruher ein als dies auf Bundesebene der Fall war 75 76 77 Schlusslicht war Quebec Das Gesetz das auch Indianerinnen und Indianern das Wahlrecht verschaffte wurde erst am 9 April 1949 ins Parlament eingebracht und trat 25 April 1949 in Kraft 78 79 1917 wurde das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene vor dem Hintergrund des Krieges durch den Wartime Elections Act bestimmten Gruppen von Frauen zugestanden uber deren genaue Zusammensetzung in der Literatur Unterschiedliches zu finden ist Krankenschwestern die im Krieg Dienst taten 80 euroamerikanische Frauen die in der Armee arbeiteten oder dort nahe Angehorige Vater Ehemann oder Sohn hatten oder deren Vater Manner oder Sohne im Krieg getotet oder verwundet worden waren 81 Frauen deren Ehemanner Sohne oder Vater im Krieg getotet oder verwundet worden waren 82 eine weitere Quelle 83 nennt zusatzlich die Anforderung dass die zugelassenen Frauen auf der Ebene der ihres Bundesstaates wahlrechtlich Mannern gleichgestellt waren Am 24 Mai 1918 wurde das aktive nationale Wahlrecht auf alle Frauen britischer und franzosischer Abstammung ab 21 Jahren ausgedehnt womit gleiche Kriterien fur Frauen und Manner galten 76 80 81 Indianerinnen und Indianer waren ausgeschlossen 79 1919 erhielten Frauen das passive Wahlrecht 84 Zwar nennen andere Quellen hierfur spatere Daten 81 und sprechen von einem beschrankten Wahlrecht 85 doch beruht dies vermutlich darauf dass erst 1929 in einem von The Famous Five angestrengten Gerichtsverfahren endgultig geklart wurde dass das passive Wahlrecht in der Verfassung auch fur den Senat galt nicht nur fur das House of Commons 86 1920 wurden die Eigentumsbeschrankungen aufgehoben 84 1950 und 1951 wurde durch Anderungen am Indian Act und am Canada Elections Act das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene auf Veteranen aus dem Kreis der Indianer und ihre Ehefrauen sowie Indianer die normalerweise ausserhalb der Reservate lebten ausgedehnt wenn sie auf die Steuerbefreiungen verzichteten die ihnen der Indian Act gewahrte 87 1950 hatten die Inuit das Wahlrecht erhalten 1951 alle Bewohner der Nordwest Territorien Wahlurnen fur die Inuit wurden in der ostlichen Arktis erst 1962 aufgestellt 88 Erst im August 1960 wurde das Wahlrecht mit dem Act to Amend the Canada Elections Act auf alle Kanadierinnen und Kanadier ausgedehnt 89 90 Frauen das passive Wahlrecht 84 Zwar nennen andere Quellen hierfur spatere Daten 81 und sprechen von einem beschrankten Wahlrecht 85 doch beruht dies vermutlich darauf dass erst 1929 in einem von The Famous Five angestrengten Gerichtsverfahren endgultig geklart wurde dass das passive Wahlrecht in der Verfassung auch fur den Senat galt nicht nur fur das House of Commons 86 1920 wurden die Eigentumsbeschrankungen aufgehoben 84 1950 und 1951 wurde durch Anderungen am Indian Act und am Canada Elections Act das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene auf Veteranen aus dem Kreis der Indianer und ihre Ehefrauen sowie Indianer die normalerweise ausserhalb der Reservate lebten ausgedehnt wenn sie auf die Steuerbefreiungen verzichteten die ihnen der Indian Act gewahrte 91 1950 hatten die Inuit das Wahlrecht erhalten 1951 alle Bewohner der Nordwest Territorien Wahlurnen fur die Inuit wurden in der ostlichen Arktis erst 1962 aufgestellt 92 Erst im August 1960 wurde das Wahlrecht mit dem Act to Amend the Canada Elections Act auf alle Kanadierinnen und Kanadier ausgedehnt 93 94 Judikative Der Oberste Gerichtshof in Ottawa Kanadas Rechtssystem spielt eine wichtige Rolle bei der Interpretation von Gesetzen Es berucksichtigt die sich verandernden gesellschaftlichen Gegebenheiten und hat die Macht Gesetze zu widerrufen die gegen die Verfassung verstossen Der Oberste Gerichtshof ist das hochste Gericht und die letzte Instanz Die neun Mitglieder werden auf Vorschlag des Premierministers und des Justizministers vom Generalgouverneur ernannt Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes Chief Justice of Canada Juge en chef du Canada ist seit 2017 Richard Wagner Die Bundesregierung ernennt auch Richter der Obersten Gerichte der Provinzen und Territorien Die Besetzung von Richteramtern auf unteren Stufen fallt in die Zustandigkeit der Provinz und Territorialregierungen In den Provinzen sind die obersten Gerichte die Courts of Appeal Ihre Urteile sind allerdings im Gegensatz zu denen des Obersten Gerichtshofs in Ottawa in den anderen Provinzen nicht bindend wenn sie auch nicht ohne Einfluss sind Als weitere Rechtsquelle gelten gelegentlich noch immer der Londoner Court of Appeal und das britische House of Lords Deren Entscheidungen aus der Zeit vor 1867 sind immer noch bindend es sei denn der kanadische Oberste Gerichtshof hat sie aufgehoben Das Gleiche gilt fur Entscheidungen bis 1949 fur den Rechtsprechungsausschuss des Privy Council Dies ist fur die Rechtsstellung der indigenen und der frankophonen Bevolkerung von erheblicher Bedeutung da altere Vertrage mit der britischen Krone weiterhin gultig sind Politische Indizes Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene Politische Indizes Name des Index Indexwert Weltweiter Rang Interpretationshilfe JahrFragile States Index 18 7 von 120 171 von 178 Stabilitat des Landes sehr nachhaltig 0 sehr nachhaltig 120 sehr alarmierend 2020 95 Demokratieindex 9 24 von 10 5 von 167 Vollstandige Demokratie 0 autoritares Regime 10 vollstandige Demokratie 2020 96 Freedom in the World Index 98 von 100 Freiheitsstatus frei 0 unfrei 100 frei 2020 97 Rangliste der Pressefreiheit 15 25 von 100 14 von 180 Zufriedenstellende Lage fur die Pressefreiheit 0 gute Lage 100 sehr ernste Lage 2021 98 Korruptionswahrnehmungsindex CPI 77 von 100 11 von 180 0 sehr korrupt 100 sehr sauber 2020 99 Provinzen und Territorien Hauptartikel Provinzen und Territorien Kanadas Kanada ist ein in zehn Provinzen und drei Territorien gegliederter Bundesstaat Diese subnationalen Einheiten konnen in geographische Regionen gegliedert werden Westkanada besteht aus British Columbia und den drei Prarieprovinzen Alberta Saskatchewan und Manitoba Zentralkanada umfasst die zwei bevolkerungsreichsten Provinzen Ontario und Quebec Als Seeprovinzen werden New Brunswick Prince Edward Island und Nova Scotia bezeichnet zusammen mit Neufundland und Labrador bilden sie die Atlantischen Provinzen Die drei Territorien Yukon Nordwest Territorien und Nunavut umfassen samtliche Gebiete nordlich des 60 Breitengrades und westlich der Hudson Bay Die Provinzen verfugen uber einen hohen Grad an Autonomie wogegen in den Territorien die Bundesregierung zahlreiche Verwaltungsaufgaben selbst ubernimmt Alle Provinzen und Territorien besitzen ein Einkammerparlament und einen Premierminister als Regierungschef Der kanadische Monarch wird in allen Provinzen durch einen Vizegouverneur 100 vertreten der gleichrangig mit dem Generalgouverneur ist und uberwiegend zeremonielle Aufgaben wahrnimmt In den Territorien ubernimmt ein von der Bundesregierung ernannter Kommissar die Aufgaben eines Vizegouverneurs Wahrend in den meisten Bundesverfassungen foderaler Staaten allein die Gesetzgebungskompetenzen des Bundes explizit aufgezahlt werden fuhrt das Verfassungsgesetz von 1867 engl Constitution Act 1867 frz Loi constitutionnelle de 1867 nicht nur in Art 91 die ausschliesslichen Kompetenzen des Bundes sondern in den Artikeln 92 92A und 93 auch die ausschliesslichen Kompetenzen der Provinzen auf Hiernach verfugen die Provinzen uber das Gesetzgebungsrecht u a in den Bereichen direkte Steuern Beamtenbesoldung offentliche Einrichtungen Gemeindewesen Schulwesen Gast und sonstiges lokales Gewerbe Eigentum und burgerliches Recht Gerichtsverfassungsrecht Zivilprozessrecht Bergbau Forstwirtschaft und Energie Politische Karte Kanadas Provinzen und Territorien anklickbar Provinz oder Territorium Hauptstadt Flache in km Bevolkerung 2011 101 2016 102 Alberta Edmonton 640 082 3 645 257 4 252 879 British Columbia Victoria 922 510 4 400 057 4 751 612 Manitoba Winnipeg 552 330 1 208 268 1 318 128 Neufundland und Labrador St John s 370 511 514 536 530 128New Brunswick New Brunswick Fredericton 71 377 751 171 756 780Nordwestterritorien Nordwest Territorien Yellowknife 1 143 794 41 462 44 469 Nova Scotia Halifax 52 939 921 727 949 501Nunavut Nunavut Iqaluit 1 877 788 31 906 37 082Ontario Ontario Toronto 908 608 12 851 821 13 982 984 Prince Edward Island Charlottetown 5 686 140 204 148 649Quebec Quebec Quebec 1 356 547 7 903 001 8 326 089 Saskatchewan Regina 588 240 1 033 381 1 150 632Yukon Yukon Whitehorse 474 713 33 897 37 492 1974 gab es Bestrebungen im kanadischen Parlament das britische Uberseegebiet der Turks und Caicosinseln in der Karibik als elfte Provinz in den kanadischen Staatsverband aufzunehmen 103 Der Gesetzesvorschlag fand jedoch keine Mehrheit und wurde somit abgelehnt Seit 2003 gibt es jedoch erneute Bestrebungen in diese Richtung Dafur musste jedoch erstens Grossbritannien die Inseln in die Unabhangigkeit entlassen und zweitens jede einzelne kanadische Provinz zustimmen Gerade Letzteres ist infolge der sehr komplizierten kanadischen Verfassungsprozeduren indes wenig wahrscheinlich Rechtssystem und Polizei Hauptartikel Recht Kanadas Zwar ist Kanada ein relativ junges Land die Rechtsordnung hat jedoch eine lange Tradition Das in allen Provinzen mit Ausnahme Quebecs geltende Common Law basiert auf Grundsatzen die sich wahrend Jahrhunderten in England entwickelten und ein Erbe der britischen Kolonialzeit sind Der in Quebec im Bereich des Privatrechts geltende Code civil spiegelt Prinzipien des franzosischen Rechtssystems wider Das Strafrecht hingegen ist Sache des Bundesstaates und in allen Provinzen einheitlich Im Laufe der Zeit wurden beide Rechtssysteme den Erfordernissen in Kanada angepasst Beide Rechtssysteme sind in die Verfassung eingeflossen Deren Kern entstand 1867 mit der Grundung Kanadas und wurde zuletzt 1982 grundlegend durch das Verfassungsgesetz von 1982 und die Kanadische Charta der Rechte und Freiheiten erganzt Kanada schaffte 1976 die Todesstrafe fur Verbrechen in Friedenszeiten ab 1998 auch im Kriegsstrafrecht Ausloser war die 1959 erfolgte Verurteilung des damals 14 jahrigen Steven Truscott zum Tode Er wurde nach zehn Jahren Haft auf Bewahrung entlassen und 2007 freigesprochen 104 Die Strafverfolgung fallt in die Verantwortung der Provinzen Die Polizeibehorden sind mehrstufig aufgebaut Die Royal Canadian Mounted Police Abkurzung RCMP umgangssprachliche Kurzbezeichnung Mounties franzosisch Gendarmerie royale du Canada GRC ist die nationale Polizei Die beiden grossten Provinzen verfugen mit der Ontario Provincial Police OPP bzw der Surete du Quebec uber eigene Provinzpolizeien dort beschrankt sich der Auftrag der RCMP auf den Schutz von Bundeseinrichtungen Daneben gibt es weitere Polizeibehorden auf Provinzebene z B British Columbia Sheriff Service Royal Newfoundland Constabulary und auf regionaler oder ortlicher Ebene z B Toronto Police Service York Regional Police Ferner gibt es auf Bundesebene Polizeibehorden mit speziellen Aufgaben z B Parks Canada Warden Ahnlich den Vereinigten Staaten existieren fur die Gebiete von Indianerstammen und anderen Ureinwohnern eigene Polizeibehorden Die beiden grossen privaten Eisenbahngesellschaften CP und CN verfugen uber je eine eigene Polizei zur Sicherung ihrer Einrichtungen Einige Nahverkehrbetreiber sowie manche Universitaten haben eigene Hilfspolizeien sogenannte Special Constables eingerichtet Aussenpolitik Staaten mit einer kanadischen Botschaft Die Vereinigten Staaten und Kanada teilen sich die langste nicht verteidigte Staatsgrenze der Welt Die Kooperation auf militarischem und wirtschaftlichem Gebiet ist eng so sind beide Lander im Rahmen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens jeweils der grosste Handelspartner des anderen Dennoch betreibt Kanada eine eigenstandige Aussenpolitik Es unterhalt diplomatische Beziehungen zu Kuba und beteiligte sich nicht am Vietnam oder am Irakkrieg Enge Beziehungen unterhalt das Land traditionell zum Vereinigten Konigreich und zu Frankreich uber die Mitgliedschaft im Commonwealth of Nations und in der internationalen Organisation der Frankophonie auch zu anderen ehemaligen britischen und franzosischen Kolonien Ein weiterer Schwerpunkt der aussenpolitischen Beziehungen sind die Staaten der Karibischen Gemeinschaft Im 2005 veroffentlichten International Policy Statement legte die Regierung die Leitlinien der Aussenpolitik fest Kanada sieht die Europaische Union als strategischen Partner in den Bereichen Klimawandel Energieversorgung Handel und Umweltschutz sowie bei aussen und sicherheitspolitischen Themen Einen wichtigen Teil der kanadischen Identitat bildet die Unterstutzung der Multilateralitat 105 1945 gehorte Kanada zu den Grundungsmitgliedern der Vereinten Nationen Der spatere Premierminister Lester Pearson trug wesentlich zur Beilegung der Sueskrise bei und wurde 1957 dafur mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet Sprach man bis dahin von der Geburt der kanadischen Nation auf den Schlachtfeldern Europas 106 so entwickelte sich unter dem Eindruck zahlreicher UN Blauhelmeinsatze ein Peacekeeping Mythos der Kanadas Rolle in Abgrenzung zu den USA begreift Kanadier waren Mittelsmanner ehrliche Makler nutzliche Helfer in einer Welt in der diese Eigenschaften rar waren Die Friedenssicherung veranderte uns machte uns auf eine gewisse Weise besser Jack Granatstein Historiker 107 Kanada ist Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen wie der OSZE der Welthandelsorganisation der OECD der OAS der APEC und der Gruppe der Sieben G7 Verschiedene internationale Vereinbarungen entstanden auf kanadische Initiative und wurden in diesem Land verabschiedet Dazu gehoren die Ottawa Konvention zum Verbot von Antipersonenminen und das Montreal Protokoll zum Schutz der Ozonschicht Im Zusammenhang mit den Irritationen uber den neuen Prasidenten der USA Donald Trump ausserte sich Justin Trudeau in Belleville mit grundsatzlichen Aussagen zum Verhaltnis beider Lander 108 Gleichzeitig ist Kanada ein von den USA separates Land und es gibt Dinge die uns teuer sind die fur Amerikaner nicht an erster Stelle stellen Ich scheue mich niemals davor fur Punkte einzutreten an die ich glaube ob es sich um eine Erklarung handelt dass ich Feminist bin ob es sich darum handelt dass in der Einwanderung eine Quelle unserer Kraft liegt und dass muslimische Kanadier einen essentiellen Anteil am Erfolg unseres Landes haben heute und in Zukunft Justin Trudeau Belleville 12 Januar 2017 Militar Hauptartikel Kanadische Streitkrafte Kanadische Soldaten wahrend der Operation Cherokee Sky in Afghanistan 2002 Die kanadischen Streitkrafte engl Canadian Forces frz Forces canadiennes entstanden in ihrer jetzigen Form 1968 als Heer Marine und Luftwaffe organisatorisch zusammengefuhrt wurden Die Truppen umfassten 2020 rund 67 490 freiwillige Berufssoldaten und rund 31 000 Reservisten 109 Hinzu kamen Stand 2012 5000 Canadian Rangers deren Hauptaufgabe es ist in entlegenen arktischen Gebieten militarische Prasenz zu zeigen 110 Die Streitkrafte verfugen uber rund 1400 gepanzerte Fahrzeuge 34 Kriegsschiffe und 300 Kampfflugzeuge Kanada gab 2017 knapp 1 3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 20 6 Mrd US Dollar fur seine Streitkrafte aus und lag damit weltweit auf Platz 14 111 Aufgrund der engen Bindungen an das britische Mutterland waren kanadische Truppen am Burenkrieg am Ersten Weltkrieg und am Zweiten Weltkrieg beteiligt Seit 1948 stellt Kanada einen bedeutenden Teil der Friedenstruppen der Vereinten Nationen und war an mehr Friedensmissionen beteiligt als jede andere Nation seit 1989 ohne Ausnahme 112 Das Land beteiligt sich grundsatzlich nur an kriegerischen Handlungen die von den Vereinten Nationen sanktioniert wurden wie etwa am Krieg in Korea am Persischen Golf in Afghanistan jedoch ohne UN Mandat im Kosovo Kanada ist Grundungsmitglied der NATO und Vertragspartner des nordamerikanischen Luftraumverteidigungsbundnisses NORAD Bildungspolitik Siehe auch Liste der Universitaten in Kanada und Residential School Siehe auch Schulsystem in Kanada Das Hart House an der University of Toronto Musikfakultat an der Universitat Montreal Im foderalistischen Kanada gibt es kein einheitliches nationales Bildungssystem jedoch unterliegt der tertiare Bildungsbereich einer einheitlichen staatlichen Qualitatskontrolle und die meisten kanadischen Universitaten sind Mitglied in der Association of Universities and Colleges of Canada AUCC weshalb der Standard allgemein als ausgeglichen gilt 113 Fur das Schulwesen sind ausschliesslich die Provinzen und Territorien zustandig es gibt kein landesweites Bildungsministerium Daher unterscheiden sich in einigen Provinzen Schuleintrittsalter funftes oder sechstes Lebensjahr und Dauer der Grundschulzeit bis Klasse 6 oder 7 Die Sekundarstufe in Quebec Ecole polyvalente genannt umfasst in Form einer Gesamtschule die dreijahrige Junior Highschool Sekundarbereich I und die zwei bis vierjahrige Senior Highschool Sekundarbereich II Da das Bildungssystem Chancengleichheit anstrebt erfolgt der Ubergang von einer Schulstufe in die andere ohne Leistungsprufung Erst innerhalb der Senior High School ist der Erwerb des Abschlusszeugnisses High School Diploma bzw Diplome d Etudes Secondaire davon abhangig ob eine bestimmte Zahl von Bewertungspunkten Creditpoints erreicht wird Zwei Prozent der Schulen liegen in privater uberwiegend kirchlicher Hand Etwa zehn Prozent der Schuler besuchen eine Privatschule 114 Das Leistungsniveau der Privatschulen galt 2006 als sehr hoch und Kanada war das einzige OECD Land in dem deren Schuler selbst nach Abgleich des familiaren und soziookonomischen Hintergrundes mehr lernten als die Schuler an offentlichen Schulen 115 Wahrend der Schulbesuch kostenfrei ist werden an den Hochschulen Studiengebuhren unterschiedlicher Hohe fallig 116 Von den uber 80 Universitaten zahlen die University of Toronto und die Universitat Montreal zu den grossten Die altesten sind die Universitat Laval in Quebec von 1663 eine jesuitische Institution die nach Bischof Laval benannt wurde Dies beruhrt einen Grundzug der kanadischen Hochschulentwicklung denn die fruhen Institutionen waren fast alle kirchlichen Ursprungs Erst 1818 entstand die erste sakulare Hochschule und die zweite Kanadas die Dalhousie University in Halifax Ihr folgten die beiden englischsprachigen Institute die McGill University in Montreal 1821 und die University of Toronto 1827 Ihnen folgten in den 1840er Jahren die Queen s University in Kingston 1841 und die Universitat Ottawa 1848 Letztere geht wie die Laval Universitat auf einen Missionsorden zuruck in diesem Falle auf die Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria Nach der Unabhangigkeit im Jahr 1867 folgten die von einem anglikanischen Bischof gegrundete University of Western Ontario in London 1878 und die im selben Jahr gegrundete Universitat Montreal die zweite von vier Hochschulen in der Stadt sowie die McMaster University in Hamilton in Ontario Letztere wurde ursprunglich in Toronto gegrundet und zog erst 1930 nach Hamilton um Sie geht auf die Baptist Convention of Ontario zuruck Colleges verleihen meist nur 3 bis 4 jahrige Bachelor Abschlusse z B Minors Majors Spezialication Honours Universitaten auch 1 jahrige konsekutive post bachelor Bachelor mit Honours Baccalaureatus Cum Honore 1 bis 3 jahrige Master und 3 bis 5 jahrige Ph D Abschlusse In diversen Hochschulrankings nehmen einige kanadische Universitaten Spitzenpositionen ein Beispielsweise war in der langjahrigen Durchschnittsbewertung des in Nordamerika am weitest verbreiteten Rankings der QS World University Rankings im Jahr 2018 die McGill University innerhalb Kanadas auf Platz 1 und weltweit auf Platz 28 Laut dem Academic Ranking of World Universities Shanghai Ranking aus dem Jahr 2018 Jiaotong Universitat Shanghai zahlen die University of Toronto auf Platz 23 und die University of British Columbia in Vancouver auf Platz 43 zu den besten Hochschulen Die First Nations besitzen seit 2003 eine eigene Universitat die First Nations University of Canada in Regina der Hauptstadt der Provinz Saskatchewan 1989 begannen die bedeutendsten Universitaten sich zusammenzuschliessen um Forschungsvorhaben zu koordinieren Seit 2011 besteht die Gruppe als U15 Group of Canadian Research Universities zu der ein nunmehr geschlossener Kreis von 15 Universitaten zahlt 2016 studierten uber eine halbe Million auslandische Studenten an kanadischen Bildungseinrichtungen Die grosste Gruppe davon kam aus der Volksrepublik China 117 Im PISA Ranking von 2015 erreichen Kanadas Schuler Platz 10 von 72 Landern in Mathematik Platz 7 in Naturwissenschaften und den zweiten Platz beim Leseverstandnis Kanadische Schuler gehorten damit zu den besten von allen teilnehmenden Landern und schnitten deutlich besser ab als die aus den benachbarten Vereinigten Staaten Die Studie stellte zudem fest dass Schuler aus Ontario und British Columbia die besten Leistungen erbrachten 118 Umweltpolitik Siehe auch Klimapolitische Massnahmen Kanadas Fairmont Chateau Hotel am Lake Louise im Banff Nationalpark Blick auf von Pine Beetles befallene Walder am Fraser Lake Holzflosserei bei Vancouver Die Umweltpolitik Kanadas hat ungewohnliche naturraumliche Grundlagen vor allem ist aber die Gemengelage der Interessen eine spezifisch kanadische Kanadas Natur ist zum bedeutendsten Faktor fur den Tourismus geworden Dazu tragen 43 National und weit uber 1500 Provinzparks sowie weitere Schutzgebiete bei die vor allem riesige Waldgebiete beinhalten Der alteste von ihnen ist der Banff Nationalpark von 1885 der inzwischen uber autobahnartige Strassen dem Massentourismus erschlossen wird 1911 entstand Parks Canada gleichberechtigt auch Parcs Canada als alteste Nationalparkverwaltung der Welt Doch kollidieren touristische Erhaltungs Erholungs und wissenschaftliche Interessen mit den Verwertungsinteressen der Rohstoffindustrie und gelegentlich den Interessen der Ureinwohner Intakte Urwalder old growth existieren in Kanada auch nach drei Jahrhunderten des Raubbaus aufgrund der geringen Besiedlungsdichte noch auf enorm grossen Flachen Nach Global Forest Watch Canada sind noch 62 der borealen Walder und 30 der gemassigten Walder intakt naturliche Okosysteme die im Wesentlichen vom Menschen unbeeinflusst sind 31 Der Raubbau an der Grenze zu den besiedelten Gebieten ist jedoch immens und hat dort nur noch kleine Urwaldreste zuruckgelassen Ohne den Widerstand von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace die in Vancouver gegrundet wurde oder dem Western Canada Wilderness Committee sowie den lokalen Indianern wurden auch diese Urwalder sicherlich nicht mehr existieren Die Unternehmen der Holzindustrie sind so eng mit den politischen Eliten der Provinzen verbunden dass erst internationaler Druck und haufig Zwang der Bundesregierung und der Gerichtshofe die Bestande in einigen Fallen retten konnten vgl Clayoquot Sound Dagegen haben sich Wissenschaftler und zahlreiche Umweltverbande zusammengeschlossen und die lange unbedeutende Green Party of Canada 119 konnte bei der Wahl von 2008 knapp sieben Prozent der Wahler gewinnen 120 Nach einer Studie der Simon Fraser University die auf Betreiben der David Suzuki Foundation durchgefuhrt wurde liegt Kanada bei dreissig untersuchten Staaten bei der Produktion von Atommull und Kohlenstoffmonoxid auf dem hintersten Rang Zudem nimmt es beim Wasserverbrauch den 29 Platz ein Insgesamt rangieren Kanada Belgien und die USA am unteren Ende der Staatengruppe 121 Im Oktober 2008 versuchten sich mehrere hundert Wissenschaftler gegen die Diskreditierung ihrer Arbeit durch die Regierung zur Wehr zu setzen Gleichzeitig fanden in Victoria die grossten Demonstrationen der letzten 15 Jahre gegen die Abholzung der letzten Urwalder auf Vancouver Island statt 122 Eine weitere Gefahr fur die Urwalder aber ebenso sehr fur die riesigen nachgewachsenen Walder stellt der in Kanada Mountain Pine Beetle genannte Bergkiefernkafer dar Er hat bereits mehrere Millionen Hektar Wald vernichtet 123 Die uber 250 Staudamme die rund 58 der in Kanada 2007 produzierten Strommenge von 612 6 Milliarden Kilowattstunden produzieren halfen wovon Kanada uber 80 Milliarden Kilowattstunden exportierte 124 werden inzwischen ebenso kritisch mit Blick auf ihre Umweltbilanz betrachtet wie der Abbau der Bodenschatze In beiden Fallen kam es nicht nur zu haufigen Zwangsumsiedlungen der Ureinwohner wie der Innu in Labrador sondern auch zu erheblichen Umwelt und Gesundheitsbelastungen wie beim Abbau der Athabasca Olsande in Alberta Am 14 Oktober 2008 lehnten die Cree denen die rechtlich privilegierte Rolle der Provinzen gegenuber der Bundesregierung in Fragen der Bodenschatze und der Stromgewinnung und gegenuber den indianischen Nationen bewusst ist den Grunen Plan der Quebecer Provinzregierung daher ab 125 Er hatte zudem Quebec erneut die Verwaltung des riesigen James Bay Gebiets zuruckgegeben die die Cree nach langen Verhandlungen erst 2002 errungen hatten Seit 2009 kampfen drei lokale Cree Gruppen mit internationaler Unterstutzung um den Wald im Broadback Tal einen grossen zusammenhangenden borealen Urwald am Rand der Holzeinschlagszone Im Nordosten British Columbias kam es allein 2005 bis 2008 zu sieben von der Polizei als hochst gefahrlich eingeschatzten Anschlagen auf Gasleitungen der Encana Corporation in denen stark giftiger Schwefelwasserstoff transportiert wird 126 Am 29 April 1998 unterzeichnete die Regierung das Kyoto Protokoll und verpflichtete sich die Treibhausgas Emissionen bis 2012 um sechs Prozent zu senken Stattdessen stiegen die Emissionen von 1990 bis 2004 um mehr als ein Viertel Beim Klimaschutz Index 2008 lag Kanada auf Platz 53 von 56 untersuchten Staaten womit das Land beim Kohlenstoffdioxid Ausstoss nur noch vor Saudi Arabien den USA und Australien rangiert 127 Im Dezember 2011 erklarte das Land kurz nach der UN Klimakonferenz in Durban seinen Ruckzug vom Kyoto Protokoll Damit sparte Kanada 14 Milliarden Dollar 10 5 Milliarden Euro an Strafzahlungen fur das Nichteinhalten der im Protokoll gesetzten Ziele Unter anderem tragt die Olsandindustrie erheblich zum steigenden Treibhausgasausstoss des Landes bei 128 Rechtlich liegt der Umweltpolitik vor allem der Canadian Environmental Protection Act von 1999 zugrunde Das zustandige Ministerium ist das Department of the Environment unter Leitung von Jim Prentice seit 2008 Ihm unterstehen neben anderen Organisationen Parks Canada und der Canadian Wildlife Service Jede Provinz hat zudem ein eigenes Umweltministerium Wirtschaft Hauptartikel Wirtschaft Kanadas und Wirtschaftsgeschichte Kanadas Allgemein Banknote der Kolonialbank Kanada Toronto 1859 Kanada gehort zu den wohlhabendsten Landern der Welt Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt lag es 2016 mit umgerechnet 1 529 224 Millionen US Dollar auf dem 10 Platz bei der Kaufkraftparitat mit 1 682 364 Millionen internationalen Dollar auf Platz 17 Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt das Land 2016 mit 42 210 US Dollar auf Platz 18 sowie kaufkraftbereinigt mit 46 437 US Dollar auf Platz 25 Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen schatzt Kanada aufgrund seines Index der menschlichen Entwicklung als Land mit sehr hoher menschlicher Entwicklung ein Das Land gilt zugleich als soziale Marktwirtschaft Im Global Competitiveness Index der die Wettbewerbsfahigkeit eines Landes misst belegt Kanada Platz 14 von 137 Landern Stand 2017 2018 129 Im Index fur wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 den siebten Platz von 180 Landern 130 Kanada war laut einer Studie der Bank Credit Suisse aus dem Jahre 2017 das Land mit dem achtgrossten nationalen Gesamtvermogen weltweit Der Gesamtbesitz der Kanadier an Immobilien Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 7 407 Milliarden US Dollar Das Vermogen pro erwachsene Person betragt 259 271 Dollar im Durchschnitt und 91 058 Dollar im Median Deutschland 203 946 bzw 47 091 Dollar Der Gini Koeffizient bei der Vermogensverteilung lag 2016 bei 73 0 was auf eine mittlere Vermogensungleichheit hindeutet Sowohl Einkommen als auch Vermogen sind in Kanada gleichmassiger verteilt als in den benachbarten USA 131 Der Mindestlohn unterscheidet sich in jeder Provinz und wird von den einzelnen Provinzen selber festgelegt Beschaftigte des Staates Kanada erhalten mindestens den Mindestlohn der in der Provinz gilt in der sie beschaftigt werden Im Jahre 2017 lag er zwischen 10 72 Saskatchewan und 13 00 Dollar Nunavut 132 Von diesem Mindestlohn kann in einigen Bundesstaaten fur verschiedene Beschaftigungsgruppen z B fur Beschaftigte die Trinkgelder erhalten oder fur Jugendliche abgewichen werden Ebenfalls haben einigen Bundesstaaten jahrliche automatische Anpassungen z B Anpassung an Teuerungsraten eingefuhrt Uberdurchschnittlich hoch ist der Anteil der Urproduktion also des primaren Wirtschaftssektors was auf den Reichtum an naturlichen Ressourcen zuruckzufuhren ist Die in der Provinz Ontario abgebauten Mengen an Nickel decken etwa 20 des Weltbedarfs Kanada besitzt mit rund 28 Milliarden Tonnen die drittgrossten Erdolreserven nach Venezuela und Saudi Arabien Stand 2017 verfugt uber zehn Prozent des weltweiten Waldbestands dazu bedeutende Vorkommen von Schwefel Asbest Aluminium Gold Blei Kohle Kupfer Eisenerz Kaliumcarbonat Tantal Uran und Zink 133 Vor der Kuste der Atlantischen Provinzen liegen umfangreiche Vorkommen an Erdgas in Alberta die Athabasca Olsande 134 Wald und Wasserkraft bilden die Grundlage fur die Zellstoff und Papierindustrie Stromverbunde in Nordamerika Zahlreiche Stauseen liefern Strom und bilden damit das Ruckgrat der Energieproduktion Allein 360 000 GWh stammten aus Wasserkraft womit Kanada knapp hinter China der zweitwichtigste Stromproduzent auf diesem Sektor ist 135 In Kanada werden uber elf Prozent des Weltstrombedarfs gedeckt und es ist eines der wenigen Industrielander die Netto Exporteure von Energie sind 136 Die Verbindung innerhalb Nordamerikas ist dabei inzwischen so eng dass sich riesige grenzuberschreitende Versorgungsverbunde entwickelt haben wie die Western Interconnection die bis nach Mexiko reicht Weitere Energielieferanten sind Gas Ol Uran 18 produzierende Kernkraftwerke und regenerative Energien Kernkraftwerke lieferten im Jahr 2010 genau 85 219 889 von insgesamt 565 519 793 GWh Strom also rund 15 des Stroms 137 Insgesamt waren in Kanada Ende 2020 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 13 58 GW 138 installiert 2017 12 24 GW 139 2018 12 82 GW 140 2019 13 41 GW 138 Damit lag das Land weltweit auf Rang 9 138 139 140 Der grosste Windpark mit 364 MW befindet sich in der Provinz Quebec im Gemeindeverband La Cote de Beaupre 141 Getreidefarm bei Kitchener in Ontario Kanada ist aufgrund seiner hohen Uberschusse einer der grossten Lieferanten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen doch ist das Produktspektrum in den Prarieprovinzen sehr eng im Mittelpunkt steht dabei ganz uberwiegend Weizen bei dessen Produktion Kanada 2003 mit 50 168 Millionen Tonnen an achter Stelle nach Frankreich stand 142 Hinzu kommt Viehwirtschaft vor allem Rinderzucht in den letzten Jahren auch wieder die kommerzielle Zucht von Bisons An den Kusten wird Fischzucht betrieben die jedoch mit dem Fang von Wildfischen in Konflikt steht Dabei ist British Columbia der grosste Exporteur von Lachs und Heilbutt Tagebau in den Athabasca Olsanden in Alberta Die Zentren der Industrie liegen im Suden der Provinzen Ontario und Quebec vor allem in den Grossraumen von Toronto und Montreal Dabei spielen die Automobil und die Luftfahrtindustrie eine bedeutende Rolle hinzu kommen Metallindustrie Nahrungsmittelverarbeitung sowie Holz und Papierindustrie Ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen die chemische und die elektrotechnische Industrie vor allem aber der Hightech Bereich Dies hangt mit dem Niedergang der grossen Automobilkonzerne in den USA zusammen der vor allem die Zulieferer und Dependancen im Ballungsraum Toronto trifft Alle Industrien die sich dem Sektor der Gas und Olforderung anlagern konzentrieren sich hingegen im Grossraum Calgary doch leidet diese prosperierende Industrie jungst unter rapidem Preisverfall bei steigenden Explorationskosten Dies hangt zum Teil mit geologisch bedingten Hemmnissen zusammen mit dem inzwischen sehr hohen Lohnniveau und dem wachsenden Widerstand gegen die Zerstorungen der Umwelt Dennoch entwickelte sich Kanada 2018 zum weltweit viertgrossten Forderer von Rohol 143 Die Exporte betrugen 2007 36 7 und die Importe 32 8 des BIP Bei weitem wichtigster Handelspartner waren dabei die USA mit 76 4 der Exporte und 65 0 der Importe 144 Kanada belegt nach der EU den USA Japan und der Volksrepublik China den funften Platz in der Weltaussenhandelsstatistik 145 Der Aussenhandel ist weitgehend frei nur in wenigen Schlusselbereichen sind auslandische Investitionen auf Minderheitsbeteiligungen beschrankt Mit Abstand am meisten Bedeutung besitzt der Dienstleistungssektor mit 66 2008 Anteil am Bruttoinlandsprodukt gefolgt von der Industrie mit 32 und der Landwirtschaft mit knapp 2 146 Sieben der zehn grossten kanadischen Unternehmen wenn man den Umsatz zugrunde legt sind allein im Banken und Versicherungsbereich tatig War die Wirtschaft in der ersten Halfte des 20 Jahrhunderts noch weitgehend auf den Export nach Europa orientiert vor allem in das Britische Empire so wurden die Handelsbarrieren zum Nachbarland USA nach dem Zweiten Weltkrieg allmahlich weitgehend abgebaut Ein erster wichtiger Schritt war das 1965 vereinbarte Canada United States Automotive Agreement auch Auto Pact genannt das die Grenzen fur die Automobilindustrie vollstandig offnete Das Kanadisch Amerikanische Freihandelsabkommen von 1988 schaffte die Zolle zwischen beiden Landern ab und fuhrte zu einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens und der US Investitionen in Kanada Mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen wurde diese Freihandelszone 1994 auf Mexiko ausgedehnt Weitere Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit der EFTA 147 Kanada ist Mitglied zahlreicher wirtschaftspolitischer Organisationen wie der Welthandelsorganisation der OECD des Internationalen Wahrungsfonds der Weltbank und der G7 Der Finanzdistrikt in Toronto Turm der Royal Bank of Canada und der TD Canada Trust Tower in Toronto Als eine der grossten Schwachen der kanadischen Wirtschaft hat die OECD die mangelnde Umsetzung von Erfindungen in verwertbare Patente eingeschatzt 148 Daher stiess die Regierung 2007 ein Programm namens Mobilizing Science and Technology to Canada s Advantage an Es soll die geringe Zahl der Patente erhohen und zu mehr Investitionen im Forschungs und Entwicklungsbereich anregen Es soll zugleich die Zusammenarbeit von staatlichen Bildungseinrichtungen und industriellen Komplexen fordern Zudem wurden Centres of Excellence in Commercialisation and Research eingerichtet sowie ein College and Community Innovation Program Die grosste Arbeitnehmervertretung bildet der Canadian Labour Congress CLC oder franzosisch der Congres du travail du Canada CTC mit seinen rund hundert Einzelgewerkschaften in 136 Distrikten die nach eigenen Angaben drei Millionen Mitglieder haben 149 Er ist 1956 aus dem Zusammenschluss von Trades and Labour Congress of Canada TLC und Canadian Congress of Labour CCL hervorgegangen Wahrend die TLC ahnlich wie in Europa nach Branchen organisiert war war die CCL nach Orten organisiert und umfasste dort alle Gewerbe Zudem hatte der TLC die Liberalen unterstutzt wahrend bei der CCL Anhanger der sozialistischen Co operative Commonwealth Federation vertreten waren Zugleich integrierte sie die kommunistische Workers Unity League WUL als sie 1939 ein Bundnis gegen den Faschismus bildeten Auch die in British Columbia ansassigen International Woodworkers of America galten als kommunistisch wurden aber 1948 integriert Wenig spater wurden die Kommunisten ausgeschlossen Die CLC spielte eine wichtige Rolle bei der 1962 erfolgten Grundung der New Democratic Party und bekampfte gemeinsam mit ihr das Freihandelsabkommen mit den USA Vorsitzender des CLC ist seit 1999 Kenneth V Georgetti Closed Shops sind rechtlich zulassig und in vielen Branchen ublich Die Finanzkrise ab 2007 blieb nicht ohne Wirkungen auf die kanadische Wirtschaft Betroffen waren zunachst die Finanzdienstleister die sich in Toronto ballen wo die Toronto Stock Exchange TSX die drittgrosste Borse Amerikas darstellt aber auch die Immobilienindustrie und mit der Insolvenz von Nortel im Januar 2009 auch die Ausruster fur Telekommunikationsunternehmen 150 Unter diesen Unternehmen ist BCE Bell Canada Enterprises das alteste und grosste Im 4 Quartal 2008 gingen die Exporte um 17 5 zuruck 151 Die Arbeitslosigkeit lag im August 2009 jeweils bei 8 7 September 2007 5 9 seither liegt sie zwischen 7 2 und 7 5 152 Kennzahlen Veranderung des Bruttoinlandsprodukts BIP real Weltbank 153 Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017Veranderung in gg Vj 2 6 2 1 1 0 3 0 3 1 3 1 1 7 2 5 2 6 0 9 1 5 3 0Entwicklung des BIP nominal Weltbank 154 Jahr 2014 2015 2016 2017absolut in Mrd 1793 1553 1529 1653je Einw in Tsd 50 4 43 3 42 1 45 0Entwicklung des Aussenhandels GTAI 155 in Mrd US Dollar und seine Veranderung gegenuber dem Vorjahr in Prozent 2014 2015 2016Mrd USD gg Vj Mrd USD gg Vj Mrd USD gg Vj Einfuhr 463 1 0 3 419 7 9 4 403 0 4 0 Ausfuhr 475 2 4 1 408 8 14 0 388 9 4 9 Saldo 12 1 10 9 14 0Haupthandelspartner Kanadas 2016 Quelle GTAI 155 Export nach in Prozent Import von in Prozent Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 76 2 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 52 2China Volksrepublik Volksrepublik China 4 1 China Volksrepublik Volksrepublik China 12 1Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Konigreich 3 3 Mexiko Mexiko 6 2Japan Japan 2 1 Deutschland Deutschland 3 2Mexiko Mexiko 1 5 Japan Japan 3 0Korea Sud Sudkorea 0 8 Korea Sud Sudkorea 2 0Indien Indien 0 8 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Konigreich 1 5Vereinte Nationen sonstige Staaten 11 2 Vereinte Nationen sonstige Staaten 11 2Staatshaushalt Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 594 0 Mrd US Dollar dem standen Einnahmen von umgerechnet 514 5 Mrd US Dollar gegenuber Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Hohe von 2 4 des BIP 156 Die Staatsverschuldung betrug 2016 1 406 Mrd US Dollar oder 92 des BIP 156 Trotz der hohen Staatsverschuldung werden kanadische Staatsanleihen von der Ratingagentur Standard amp Poor s mit der Bestnote AAA bewertet Stand 2018 157 2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben in des BIP folgender Bereiche Gesundheit 158 10 0 Bildung 156 5 2 2002 Militar 156 1 1 2005 Der Staatshaushalt finanziert das funktionierende System des kanadischen Finanzausgleichs Medien Eingangspforte der Gazette Montreal Presse Hauptartikel Geschichte der kanadischen Zeitungen Titelseite des Canadien vom 22 November 1806 Die erste Zeitung auf dem Gebiet Kanadas war John Bushells Halifax Gazette die 1752 erschien 159 In Neufrankreich existierten keine Zeitungen doch grundeten William Brown und Thomas Gilmore aus Philadelphia die zweisprachige Quebec Gazette in Quebec 1785 entstand durch Fleury Mesplet den die Briten wegen seiner Aufforderung zum Anschluss an die USA inhaftiert hatten das heute alteste Blatt die Montreal Gazette 1793 folgte in Niagara on the Lake die erste Zeitung in Ontario die Upper Canada Gazette Diese fruhen Blatter hingen weitgehend von Zuwendungen der Regierung und von Anzeigenertragen ab kaum von Kaufern und Abonnenten Dies sollte sich in Kanada als Dauerzustand erweisen In Quebec entstanden 1805 und 1811 der City Mercury und in Montreal der Herald als Sprachrohre der dortigen Handlereliten wahrend Le Canadien 1806 und La Minerve 1826 die Frankophonen vertraten Gegen diese Kolonial und Handlereliten wandte sich in Ober Kanada der Colonial Advocate den William Lyon Mackenzie herausbrachte und der die Reform und Farmergruppen vertrat Ahnliches galt fur Joseph Howes Novascotian 1824 in Halifax Gebaude des Toronto Globe mit Globus auf dem Dach nach 1860 Gebaude des Toronto Star nach 1930 Die meisten Zeitungen hingen von Parteien ab insbesondere den Reformern den heutigen Liberalen und den Konservativen und zwar meist als Organe bestimmter politischer Fuhrer So war der Toronto Globe 1844 die Stimme des Reformers George Brown die Toronto Mail 1872 hingegen wurde bald zur Stimme von John Macdonald dem ersten Premier Kanadas Ahnlich organisierten 1899 Geschaftsleute den Toronto Star zugunsten von Wilfrid Laurier um Dagegen kauften wiederum die dortigen Konservativen die Toronto News 1908 als Parteiorgan Jede grossere Stadt hatte folglich ein liberales und ein konservatives Blatt das die jeweilige Klientel versorgte Bis in die 1930er Jahre hinein blieben die Quebecer Blatter dabei von der jeweiligen Regierung abhangig Blatter die nicht einer der Fuhrungsgruppen angehorten wie die kommunistische Presse wurden immer wieder verboten Der von streikenden Druckern 1892 gegrundete Toronto Star ging wie die meisten Arbeiterzeitungen ein In Quebec erliess die Regierung Maurice Duplessis den Padlock Act der ihre Zeitungen traf Noch 1970 ubte die Regierung eine Art Zensur aus als es in der Oktoberkrise zu Entfuhrungen kam Der erste Versuch einer Tageszeitung der Montreal Daily Advertiser ging nach einem Jahr 1834 in den Konkurs Doch 1873 gab es bereits 47 Tageszeitungen 1913 gar 138 Im aussersten Westen erschien der British Colonist ab 1858 die Manitoba Free Press 1872 der Saskatchewan Herald 1878 und das Edmonton Bulletin 1880 Die Verbreitung des Radios ab den 30er Jahren und des Fernsehens ab den 50er Jahren kostete die Zeitungen viele Werbekunden so dass 1953 nur noch 89 Tageszeitungen existierten 1986 erholte sich die Zahl wieder auf 110 doch nur noch acht Stadte hatten zwei oder mehr Tageszeitungen Heute gehoren die meisten Zeitungen zu grossen Konglomeraten der Medienindustrie Die Erlaubnis in beiden Bereichen der Medien Fernsehen und Printmedien Unternehmen zu erwerben war lange umstritten doch seit Brian Mulroney gibt es darin keine Begrenzung mehr Im englischen Sprachraum ist Postmedia Network fuhrend sie bieten in den meisten Provinzhauptstadten die fuhrende Tageszeitung an 90 der frankophonen Zeitungen gehoren drei Medienunternehmen Pierre Karl Peladeaus Quebecor Inc der allein die Halfte der Gesamtauflage liefert Paul Desmarais Gesca und Jacques Francœurs UniMedia Schon 1950 beherrschten die vier grossten Medienunternehmen 37 2 des Gesamtmarktes 1970 waren dies 52 9 1986 gar 67 80 der Einnahmen stammen dabei aus Werbung nur 20 aus Verkaufserlosen Radio Guglielmo Marconi Physiknobelpreis 1909 CBC Gebaude in Toronto 2005 Mit dem Radio experimentierte zunachst Guglielmo Marconi ab 1896 1901 gelang ihm die erste drahtlose Signalubertragung uber den Atlantik von Cornwall nach Neufundland 160 Weil die Radiotechnik zunachst eher der Kontaktaufnahme zu Schiffen diente unterstand die Aufsicht uber den Radiotelegraph Act von 1913 dem Minister fur Marine und Fischerei Die Uberlebenden der Titanic verdankten ihre Rettung den von Marconi gesendeten Radiowellen Er war auch der erste der 1919 eine private Sendelizenz in Kanada erhielt Im Jahre 1928 bestanden bereits 60 Radiostationen Dennoch stellte eine Kommission unter Leitung von John Aird in diesem Jahr fest dass viele Kanadier US Stationen lauschten Erst 1932 entschied das britische Judicial Committee of the Privy Council dass der Staat die Oberaufsicht uber die Radiokommunikation zu Recht beanspruche 1936 begann die offentliche Canadian Broadcasting Corporation CBC ihren Sendebetrieb der seit 1932 von der Radio Commission begonnen worden war Bis dahin hatte sich die Zahl der Radioempfanger binnen funf Jahren auf eine Million verdoppelt Die heutige Struktur der CBC ist ein Produkt der Weltwirtschaftskrise Es entstanden nur funf zentrale Sender deren Sendungen von privaten Distributoren weitergeleitet wurden So entstand ein gemischtes System staatlicher und privater Sender in dem den privaten Sendern nur eine regionale Ausstrahlung gestattet wurde Kanada wurde eines der Lander mit den meisten Radiostationen und eines der ersten mit Satellitensendern Dennoch ist die US amerikanische Konkurrenz stark vertreten Fernsehen Seit 1952 gibt es Fernsehen in Kanada wobei die CBC die Regulierungsaufgaben wahrnahm und zugleich der bedeutendste Sender wurde Auch hier dienten private Netzwerke als Distributoren fur CBC TV Einer Kampagne der Privatsender gegen das CBC Monopol folgte der Broadcasting Act von 1958 unter John Diefenbaker Es entstand ein 15 kopfiger Board of Broadcast Governors BBG der die Antrage fur neue Sender annahm und eher Privatsender forderte Das TV expandierte schnell und 1961 entstand ein zweites Netzwerk CTV Zwischen BBG und CBC kam es zu heftigen Streitigkeiten so dass 1968 die Lizenzvergabe an die Canadian Radio Television Commission heute Canadian Radio Television and Telecommunications Commission CRTC vergeben wurde die auch das 1968 etablierte Kabel TV an sich zog Der Anspruch auf Schutz Bereicherung und Starkung der kulturellen politischen sozialen und okonomischen Struktur Kanadas wie es im Gesetz heisst sollte dabei gewahrt werden Dennoch fuhrten Sparmassnahmen in den letzten vier Jahrzehnten zu einer zunehmenden Abhangigkeit von Werbeetats und Einschaltquoten Dabei sind US Sender uber Kabel praktisch uberall zu empfangen Folglich besetzen sie im englischsprachigen Kanada rund 75 der besten Sendezeit wahrend dieser Anteil in Quebec nur bei 40 liegt Hier spielt TVA die wichtigste Rolle Inwiefern das Internet die entstandene Medienmacht relativieren kann ist noch offen zumal alle etablierten Medien in diesem neuen Markt zunehmend engagiert sind Die Interessen der unabhangigen Medienunternehmen vertritt seit 1948 die Assoziation der kanadischen Film und Fernsehproduktion VerkehrDie Hauptverkehrsachse des Ostens verlauft entlang dem Sankt Lorenz Strom durch Ontario und Quebec und verbindet Toronto Montreal Quebec und Ottawa miteinander Der gesamte Norden des Landes ist verkehrsmassig wenig erschlossen da hier ausser in den Gebieten der Rohstoffforderung kaum Bedarf besteht Die Ballungsraume des Westens sind wie im Osten hauptsachlich nahe der amerikanischen Grenze durch Verkehrssysteme verbunden sieht man einmal von der Anbindung Edmontons ab Dies ist vor allem dem politischen Willen der kanadischen Regierung zu verdanken die allein durch drei transkontinentale Eisenbahnlinien und diverse Stichbahnen die weit auseinander liegenden Provinzen miteinander verbinden wollte Davor war dies durch Kanale geschehen nach der Eisenbahnepoche folgten Strassenbauten schliesslich Fluglinien Strassen Trans Canada Highway in Alberta Das Strassensystem Kanadas hatte 2011 eine Gesamtlange von 1 042 300 km und ist damit das siebt langste der Welt Asphaltierte Strassen hatten eine Lange von 415 600 km wovon 17 000 km Autobahnen waren Nach China und den Vereinigten Staaten hatte Kanada damit das drittlangste Autobahnnetz Das dichteste Strassennetz befindet sich im Bereich der hochsten Bevolkerungsdichten in den Atlantikprovinzen in Sud Ontario in Quebec entlang des St Lorenz in den sudlichen Prarieprovinzen und im Bereich der Frasermundung um Vancouver Als ein alle Provinzen verbindendes Element wurde von Victoria am Pazifik bis St John s am Atlantik der Trans Canada Highway gebaut mit 8000 km eine der langsten Strassen der Welt In den Ballungsraumen und als Verbindung zwischen grosseren Zentren ist diese Strasse als Autobahn ausgebaut Durch Ontario fuhren zwei Routen dieser Strasse eine nordlichere und eine sudlichere Der Trans Canada Highway ist die einzige Bundesstrasse Kanadas Die ubrigen Landstrassen auch die Autobahnen werden von den Provinzen gebaut und unterhalten Die verkehrsreichste Autobahn Kanadas bildet das Ruckgrat des Quebec Windsor Korridors in Ontario mit der Strassennummer 401 Mit 16 Spuren durch den Ballungsraum Toronto gehort der 401 zu den breitesten Autobahnen der Welt Nach Norden fuhren nur wenige Strassen von denen die meisten wegen grosser Baumassnahmen Staudamme Bergbau etc gebaut wurden oder aus militarischen Grunden entstanden zum Beispiel der Alaska Highway In Kanada von Bedeutung sind Uberlandbusse Jede Region verfugt uber ein ausgedehntes Busnetz die grosste Busgesellschaft Greyhound Canada stellte jedoch im Mai 2021 im Nachgang zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona Krise den nationalen Betrieb ein Aufrechterhalten wird lediglich der grenzuberschreitende Verkehr in die U S A 161 In Kanada herrscht Rechtsverkehr und die Geschwindigkeiten sind in km h angegeben Das Nationalitatskennzeichen ist CDN nicht CND fur Canada und steht fur Canadian Dominion Dieses wird auch als Abkurzung in Herkunftsangaben z B bei Spielfilmen verwendet Der Strassenverkehr des Landes gilt als weitestgehend sicher 2013 kamen in Kanada insgesamt 6 1 Verkehrstote auf 100 000 Einwohner Zum Vergleich In Deutschland waren es im selben Jahr 4 3 Tote Das Land hat eine im weltweiten Vergleich hohe Motorisierungsrate 2016 kamen im Land 662 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner 162 Flugverkehr Boeing 767 der Air Canada im Anflug auf London Zur Uberwindung der grossen Entfernungen ist der Inlandsflugverkehr von erheblicher Bedeutung Etwa 75 Fluggesellschaften darunter Air Canada die mit 34 Millionen transportierten Passagieren grosste Fluggesellschaft Kanadas Westjet Airlines und Porter Airlines sorgen fur regionale Flugverbindungen In Westkanada fliegen Air BC die inzwischen zu Jazz Aviation gehoren und Horizon Air in Ostkanada Air Alliance Sitz in Quebec und Air Ontario Ontario Im Norden fliegen Gesellschaften wie Air Creebec im Besitz der Cree Air North Whitehorse Bearskin Airlines Canadian North Yellowknife oder Air Inuit Dorval sowie First Air Ottawa die im Besitz von Inuit sind Air Transat und Air Canada fliegen auf internationalen und innerkanadischen Strecken wobei Air Canada 1937 aus einer Eisenbahngesellschaft hervorging Flughafen mit interkontinentalen Verbindungen befinden sich in Toronto Montreal Calgary Ottawa Edmonton Vancouver Quebec Halifax sowie Winnipeg 1909 flog das erste kanadische Flugzeug 800 m weit in Baddeck 1915 entstand mit der Curtiss JN 3 das erste Serienflugzeug Im Ersten Weltkrieg stellte Kanada bereits 22 000 Mitarbeiter bei den Luftstreitkraften obwohl die Canadian Air Force erst 1920 entstand In den 30er Jahren erfolgte ein massiver Ausbau der Flughafen so dass mehr als die Halfte der gesamten Luftfracht in Kanada bewegt wurde und das Land 1945 587 Flugplatze aufwies 1937 wurde Trans Canada Airlines gegrundet aus der 1964 Air Canada hervorging 2009 wurde der 23 Februar zum National Aviation Day erklart 163 Die Stadt Montreal ist Sitz der zwei weltweiten Zivilluftfahrtorganisationen der IATA und der ICAO Eisenbahn Canadian Pacific Railway Die Eisenbahn ist im 19 Jahrhundert vom kanadischen Staat umfassend gefordert worden um die Besiedlungspolitik zu unterstutzen und die nationale Einheit zu sichern Dazu sollten die Distanzen zwischen den Provinzmetropolen durch transkontinentale Eisenbahnlinien uberwunden werden Doch seit den 1930er Jahren ging ihre Bedeutung zugunsten des Strassenverkehrs erheblich zuruck und besitzt seither nur noch innerhalb des Quebec Windsor Korridors grosse Bedeutung im Personen nah und Guterverkehr Ausserhalb dieses Gebietes beschrankt sich die Bedeutung auf den Massenguterverkehr und den Tourismus vergleichbar den Schienenkreuzfahrten in Europa Der uberregionale transkontinentale Guterverkehr wird von den beiden Bahngesellschaften Canadian Pacific Railway und Canadian National Railway durchgefuhrt Betreiberin des offentlichen Schienenpersonenverkehrs ist die VIA Rail Canada der regionale Guterverkehr wird von vielen privaten Gesellschaften betrieben Zu diesen Hauptlinien kommen zahlreiche Nebenlinien die zum Teil in privater Initiative wiederbelebt worden sind wie die Esquimalt and Nanaimo Railway auf Vancouver Island Siehe auch Liste nordamerikanischer Eisenbahngesellschaften Innerstadtischer Nahverkehr Strassenbahnen in Toronto SkyTrain in Vancouver Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfugen kanadische Grossstadte uber eine Vielfalt sehr gut ausgebauter Nahverkehrssysteme Wahrend in den Metropolen Toronto und Montreal seit den 1950er Jahren gebaute klassische U Bahnen das Ruckgrat des innerstadtischen Nahverkehrs bilden werden in kleineren Grossstadten wie Calgary und Edmonton seit den 1980er Jahren Stadtbahnsysteme Light Rail aufgebaut In den ubrigen Stadten werden vornehmlich Diesel und teilweise Oberleitungsbusse eingesetzt in Ottawa gibt es ein Bus Rapid Transit Netz Die beiden grossten Nahverkehrsnetze liegen in Toronto mit der Toronto Transit Commission und Montreal mit je vier Schnellbahnstrecken und je etwa 150 Buslinien In Toronto ist ausserdem noch ein grosseres Strassenbahnnetz mit elf Linien in Betrieb Der im Zuge der Weltausstellung Expo 86 eroffnete vollautomatische SkyTrain in Vancouver war lange das langste automatische Transportsystem der Welt Schifffahrt Wichtige Seehafen befinden sich in den Stadten am Sankt Lorenz Strom und in Vancouver Zudem besteht auf den Grossen Seen eine bedeutende Binnenschifffahrt Wo keine naturlichen Wasserwege bestanden baute man ab Anfang des 19 Jahrhunderts Kanale Fur die wirtschaftliche Entwicklung Kanadas ab 1821 war der Lachine Kanal von entscheidender Bedeutung In Zentralkanada war das Kanu schon seit jeher das gegebene Transportmittel und auch heute noch sind viele Seen mit Fahrschiffen ausgestattet und der Warenverkehr folgt dem Wasser Manche Orte sind nur uber See zu erreichen wie entlang der Westkuste von Vancouver nach Port Hardy auf Vancouver Island oder Prince Rupert gegenuber von Haida Gwaii Die fruhe Erschliessung des Landes erfolgte durch das Kanu und durch den Kanalbau der einen weitlaufigen Binnenverkehr ermoglichte Bis in die 1950er Jahre trugen Schiffe einen erheblichen Teil der Passagiere vor allem in abgelegenen Gebieten doch stellten die meisten Linien ahnlich wie zahlreiche Eisenbahnstrecken den Verkehr ein als die grossen Uberlandstrassen wie der Alaska Highway entstanden Telekommunikation Im Jahr 2017 nutzten 93 Prozent der Einwohner Kanadas das Internet 164 Die digitale Infrastruktur gilt insbesondere in den Stadten als sehr leistungsstark und eine der besten der Welt 165 Kultur Das Ahornblatt maple leaf ist das Nationalsymbol Kanadas Das heutige Kanada wird uberwiegend durch die europaischen Einflusse der Pioniere Forscher Handler und Fischer aus Grossbritannien Frankreich und Irland regional auch aus Deutschland und Osteuropa gepragt In jungerer Zeit wird das Bild in grosseren Stadten auch von Asiaten zum Beispiel Vancouver Toronto und von Schwarzen aus der Karibik und aus Afrika erganzt Viele ihrer Traditionen bleiben weiterhin Teil von Kanada etwa ihre Nahrung Sprache Erzahlungen Geschichte Feiertage und Sport Die kulturellen Feste dieser Einwanderer sind ein fester Bestandteil des kanadischen Lebens zum Beispiel das chinesische Neujahrsfest in Vancouver oder der Caribana Umzug in Toronto Viele Kanadier konnen noch heute ihre Wurzeln zuruck zu diesen Landern verfolgen und sind stolz auf ihre Herkunft Der in vielen Stadten ursprunglich vorherrschende britische Geist wurde mit der zunehmenden Einwanderung aus anderen Landern weitgehend verwischt Am deutlichsten ist er noch in Victoria zu erkennen Dies gilt auch fur das frankophone Kanada das ebenfalls starken Einflussen durch die Einwanderung ausgesetzt ist Kanada und Grossbritannien teilen einen Abschnitt ihrer Geschichte und Kanada ist Mitglied des Commonwealth of Nations Beide Lander sind in Personalunion verbunden Grossbritannien ist Kanadas drittgrosster Handelspartner und von dort kommen nach den USA die meisten auslandischen Touristen Die Verbindungen Kanadas zu anderen frankophonen Landern sind in der Organisation internationale de la Francophonie institutionalisiert und es gibt einen regen kulturellen Austausch mit Frankreich So ist Kanada beispielsweise am franzosischsprachigen Fernsehkanal TV5 Monde beteiligt Deutsche Einflusse sind vor allem in Sudontario um die Stadt Kitchener ehemals Berlin prasent In ganz Sudontario besonders im Gebiet von Kitchener sind Orte mit deutschen Namen verstreut Kitchener wirbt damit dass dort das grosste Oktoberfest ausserhalb Munchens gefeiert wird Seit den 1970er Jahren sind in Kanada viele Asiaten eingewandert vorwiegend aus Hongkong China und Korea Insbesondere in Vancouver spottischer Name Hongcouver 166 und Toronto bilden sie starke ethnische Minderheiten und die Chinatowns mit ihren chinesischen Strassen und Werbeschildern gehoren zu den Sehenswurdigkeiten Die Schaffung und der Schutz einer eigenstandigen kanadischen Kultur wird durch Programme Gesetze und Einrichtungen der Bundesregierung zum Beispiel der CBC Radio Canada dem NFB National Film Board of Canada Office national du film du Canada und der CRTC Canadian Radio Television and Telecommunications Commission Conseil de la radiodiffusion et des telecommunications canadiennes unterstutzt 167 Indigene Kultur Die Kulturformen der weit uber 600 First Nations wie die Indianer sich ganz uberwiegend selbst bezeichnen sind nicht einheitlich Innerhalb des Landes zwischen Stadt und Land zwischen den ethnischen Gruppen sind die Unterschiede denkbar gross Die verschiedenen Gruppen entwickelten eigene Identitaten und kulturelle Strukturen Dabei lassen sich grosse Kulturareale unterscheiden An der Pazifikkuste war die Kultur von Fischfang dominiert vor allem vom Lachs oder vom Walfang wie bei den Nuu chah nulth auf Vancouver Island Dort finden sich auch die gewaltigen Totempfahle deren grosster uber 50 m hoch ist Im Binnenland dominierten Jagd Sammeln und Flussfischerei In den grossen Ebenen den Plains war die Bisonjagd von zentraler Bedeutung in anderen der Elch Durch die Verbreitung des Pferdes entwickelte sich nach 1700 ein Reiternomadismus An den Grossen Seen hingegen dominierte eine agrarische Kultur mit Grossdorfern Gesichter Kellypalik Qimirpiq 1997 Inuksuk auf der Flagge von Nunavut Die nicht mit den Indianern verwandten Inuit im Norden des Landes von denen man 2006 genau 50 485 zahlte 168 entwickelten eine uberwiegend von den arktischen Lebensumstanden gepragte Kultur die sich in vielerlei Hinsicht auf das ganze Kanada auswirkt Ein Beispiel dafur stellt das Emblem der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver dar ein Inuksuk das aus aufeinander gestapelten Steinen besteht und eine menschliche Gestalt symbolisiert Die fruhesten kommerziellen Erfolge feierten jedoch die bildenden Kunste der Inuit schon seit den spaten 1940er Jahren Serpentin und Marmorskulpturen Arbeiten in Knochen und Karibugeweih aber auch Kunstgrafik Wandbehange und teppiche Schmuck Keramiken und Puppen standen dabei im Mittelpunkt Ihre Motive und Materialien gingen auf die naturlichen Umgebungen und vorhandene Traditionen zuruck wobei die erzwungene Sesshaftigkeit nun erheblich grossere Werke zuliess Zudem waren die rund 25 Gemeinden deren Bewohner nicht mehr autark nomadisch lebten nun auf Geldeinnahmen angewiesen zu denen ihnen der Kunsthandel verhalf Zu den bekanntesten Inuit Autoren zahlen der ehemalige Commissioner of Nunavut Peter Irniq der Schriftsteller Dichter Cartoonist und Fotograf Alootook Ipellie 1951 2007 und Zebedee Nungak geb 1951 Aus der Verbindung von Inuit Musik und amerikanisch kanadischer Popmusik formten die Inuit eine eigene Musik Daneben bestehen weiterhin einfache Gesangsformen und der Kehlgesang Throat singing Die in Kanada erfolgreichste Sangerin ist die 1967 in Churchill geborene Susan Aglukark Indianische Schnitzkunst im Museum of Anthropology in Vancouver Der Rabe und die ersten Menschen Skulptur von Bill Reid im Museum of Anthropology in Vancouver Die Erfolge der Inuit und die der US amerikanischen Indianer inspirierten die indianischen Kunstler Kanadas eigenstandig an eine ausserindianische Offentlichkeit zu treten Fruh bekannt waren dabei die Masken und Totempfahle der Pazifikkuste die noch heute eine wichtige Rolle im Selbstverstandnis aber auch auf dem Kunstmarkt spielen Ahnlich wie die Literatur verfolgt die indianische Kunstszene aber nicht nur traditionelle Elemente sondern verbindet sie mit euro kanadischen Mitteln Andere Indianerkunstler produzieren losgelost von diesen Traditionen in deren Genres und mit deren Mitteln Dabei sind dennoch Kunstler mit einem spezifisch indianischen Weg wie Norval Morrisseau oder der Bildhauer und Schnitzkunstler Bill Reid der das Werk Charles Edenshaws fortfuhrte erst seit den 60er Jahren anerkannt worden Meist stehen in der Literatur okologische Probleme Armut und Gewalt entmenschte Technik oder Spiritualitat im Vordergrund Dabei lassen sich die meisten ungern als Indianerkunstler etikettieren Musik Orgelbau und Chorgesang haben in Kanada eine lange Tradition Skule Choir im Knox College Universitat Toronto Denkmal fur Glenn Gould in Toronto Seit der Kolonisierung ab dem fruhen 17 Jahrhundert brachten die Einwanderer je nach ethnischer Zusammensetzung verschiedene europaische Musiktraditionen nach Kanada 169 Die Parallelentwicklung zur europaischen Musik ist vom Barock uber die Klassik und Romantik bis hin zur Gegenwartsmusik nie abgerissen Doch fehlten in der Neuen Welt lange die notigen Ressourcen um grosse Auffuhrungen wie Opern in nennenswertem Umfang durchfuhren zu konnen Erst die Anpassung von Texten aber auch der Austausch von Elementen zwischen den Einwanderergruppen brachte kanadische Eigenheiten hervor zu denen Einflusse aus den USA kamen John Braham war einer der ersten Sanger die im ganzen Land bekannt wurden ab 1841 ahnlich Jenny Lind Zudem bestanden zahlreiche Kirchenchore und philharmonische Gesellschaften Die ersten Gesellschaften dieser Art waren die New Union Singing Society aus Halifax 1809 und die Quebec Harmonic Society 1820 Popular waren Balladen Tanzmusik und patriotische Hymnen Deutsche brachten erstmals den Klavierbau nach Kanada Thomas Heintzman ihm folgte der Orgelbau Joseph Casavant 1903 organisierte C A E Harriss den Cycle of Musical Festivals of the Dominion of Canada an dem sich landesweit uber 4000 Sanger und Musiker in 15 Stadten beteiligten Mit dem Ersten Weltkrieg und der danach anwachsenden Schallplattenindustrie war der Hohepunkt selbst gemachter Musik aber auch der Operngesellschaften uberschritten Dennoch entstanden vor und nach der Weltwirtschaftskrise Symphonieorchester insbesondere in den drei grossten Stadten Montreal Toronto und Vancouver Sir Ernest MacMillan war der erste und einzige kanadische Musiker der zum Ritter geschlagen wurde und weitere Sanger sangen auf den wichtigsten Buhnen Erst Feldforscher wie Marius Barbeau W Roy Mackenzie Helen Creighton und zahlreiche andere entdeckten die Volksmusik und die Musik der Indigenen Wenn man von kanadischer Musik sprach so war es nun die Gesamtheit der Folkmusik die man im Land antraf Doch blieb die Musikausbildung konservativ d h stark angebunden an Grossbritannien und Frankreich Dennoch entstanden in den 1930er Jahren Musikerverbande die nach dem Krieg die Suche nach kanadischer Identitat auch in der Musik starkten Auch wurde diese Musik vom Staat gefordert Sammlungen traditioneller und indianischer Musik inspirierten die aufgeschlossenere Generation Publikationen wie The Canadian Music Journal 1956 1962 Opera Canada seit 1960 und The Canada Music Book 1970 1976 untermauerten diese Entwicklung Die Abkopplung der kanadischen Musik von der auslandischen Avantgarde endete Kanadische Musiker beeinflussten die westliche Musik wie etwa Rock und Popmusik in erheblichem Ausmass wofur Namen wie Bryan Adams Paul Anka Michael Buble Leonard Cohen Celine Dion Nelly Furtado Avril Lavigne Joni Mitchell Alanis Morissette Shania Twain oder Justin Bieber stehen Bekannte Vertreter der Rockmusik sind Rush Alannah Myles Billy Talent die Crash Test Dummies Nickelback Saga Steppenwolf und Neil Young Zu den bedeutenden Jazzmusikern zahlen Paul Bley Maynard Ferguson Diana Krall Moe Koffman und Oscar Peterson Avril Lavigne Sarah McLachlan Sloan und weitere Musiker haben sich der Initiative Canadian Music Creators Coalition CMCC 170 angeschlossen und kundigten in einer Grundsatzerklarung 171 an kunftig wieder fur sich selbst sprechen zu wollen Prozesse und das Digital Rights Management DRM vor allem aber die staatliche Forderung seien zu verbessern Die CMCC forderte die Regierung auf die Kunstler gegen die Vermarktungspolitik meist auslandischer und auf einen auslandischen Markt gerichteter Musikkonzerne zu unterstutzen Immer noch von grosser Bedeutung ist die Country Musik die auch von zahlreichen Indianern gespielt wird Die Canadian Country Music Association ehrt jahrlich die bedeutendsten Kunstler mit der Aufnahme in die Canadian Country Music Hall of Fame Wichtige Interpreten sind bzw waren etwa Wilf Carter Hank Snow und Gordon Lightfoot Auf dem Gebiet der klassischen Musik ist der bekannteste Kanadier sicherlich Glenn Gould 1932 1982 der einer breiteren Offentlichkeit als begnadeter Interpret vor allem der Werke Johann Sebastian Bachs bekannt ist Beruhmtheit erlangte der damals 22 Jahrige im Jahr 1955 mit einer aufsehenerregenden Einspielung der Goldberg Variationen Seit 1987 vergibt eine nach dem Musiker benannte Stiftung 172 den Glenn Gould Preis Auch die Symphonieorchester in Montreal und Toronto haben Weltruf die Kammermusik hat einen erstklassigen Rang Tafelmusik und das St Lawrence String Quartet haben verschiedene Preise gewonnen Sanger wie Jon Vickers Russell Braun und Michael Schade der Flotist Robert Aitken sowie der Pianist Marc Andre Hamelin und die Liedbegleiterin Celine Dutilly sind bekannte Interpreten Auch Werke der Komponisten R Murray Schafer und Claude Vivier werden regelmassig aufgefuhrt Film Als erster Filmemacher gilt James Freer 1855 1933 ein Farmer der ab 1897 Dokumentationen vorfuhrte 173 174 1917 richtete die Provinz Ontario das Ontario Motion Picture Bureau ein um Filme zu Unterrichtszwecken drehen zu lassen Bereits im folgenden Jahr entstand das Canadian Government Motion Picture Bureau Kanadische Kinospielfilmproduktion 175 Jahr Anzahl1975 391985 581995 382005 80 Auf Anraten von John Grierson der als Vater des britischen und kanadischen Dokumentarfilms gilt wurde 1939 der National Film Act verabschiedet ein Gesetz das es gestattete Propagandafilme fur Kriegszwecke zu drehen 1950 wurde das Aufgabenspektrum des dazu gegrundeten National Film Board of Canada beauftragt Kanada den Kanadiern zu erklaren aber auch Nichtkanadiern Mit der Canadian Film Development Corporation aus der spater Telefilm Canada hervorging forderte der Staat Filmproduktionen Das fur das Kulturerbe verantwortliche Department of Canadian Heritage stockte 2001 die Mittel fur Telefilm Canada auf Den gleichen Zielen dient die Auszeichnung mit dem Genie Award die jedes Jahr fur die besten kanadischen Filme erfolgt Kanada ist auch als Hollywood des Nordens bekannt Wichtigste Produktionsstatten kanadischer und US amerikanischer Filme sind heute Vancouver gefolgt von Montreal und Toronto Dabei ist Alliance Films das einst grosste Medienunternehmen heute nur noch ein Rechtehandler Der franzosische Film ist innerhalb von Kanada haufig erfolgreicher als der englische weil der Quebecer Filmmarkt von US Produktionen kaum direkt erreicht wird David Cronenberg in Cannes 2002 William Shatner 2005 Das kanadische Autorenkino gewinnt dank erfahrener Cineasten wie Atom Egoyan der bei der Berlinale 2002 Prasident der Jury war David Cronenberg Denys Arcand und Lea Pool aber auch durch junge Filmemacher wie Jean Francois Pouliot Denis Villeneuve Don McKellar Keith Behrman und Guy Maddin immer mehr an Bedeutung Filmregisseure wie Jean Claude Lauzon Night Zoo 1987 Leolo 1992 und Denys Arcand unter anderem Der Untergang des amerikanischen Imperiums 1986 Jesus von Montreal 1989 und Joyeux Calvaire 1996 Die Invasion der Barbaren 2003 haben dem kanadischen Film zu internationaler Geltung verholfen Bekannte kanadische Schauspieler sind Mary Pickford Glenn Ford Lorne Greene Raymond Massey Walter Huston Jack Carson Raymond Burr Christopher Plummer Donald Sutherland Kiefer Sutherland Genevieve Bujold Keanu Reeves Dan Aykroyd Pamela Anderson Hayden Christensen Leslie Nielsen John Candy Jim Carrey Michael J Fox Mike Myers William Shatner Bruce Greenwood Ryan Gosling Ryan Reynolds Carrie Anne Moss und Sandra Oh Wie man durch diese Aufzahlung erkennen kann sind viele kanadische Schauspieler haufig in Hollywood Produktionen tatig und geniessen internationales Ansehen Theater Palais Montcalm in Quebec Das kanadische Theater das aus einer starken mundlichen Tradition hervorgeht hat nicht nur weltweit bekannte Regisseure wie Robert Lepage oder Denis Marleau hervorgebracht sondern auch eine grosse Anzahl von Theaterautoren die in verschiedene Sprachen unter anderem auch ins Deutsche ubersetzt werden So sind in jungster Zeit zum Beispiel Texte von Michel Marc Bouchard Daniel Danis Michel Tremblay George F Walker David Young und Colleen Wagner von deutschen Ensembles aufgefuhrt worden Literatur Siehe auch Kanadische Literatur und Liste kanadischer Schriftsteller Die kanadische Literatur ist anfangs dadurch gekennzeichnet dass sie haufig von Autoren stammt die entsprechend ihrer ethnischen Herkunft bestimmte Erwartungen an das Land herantrugen 176 Daher erscheint das Land oft als abweisend mit Blick auf seine Natur als kulturelle Wuste die von aussen belebt wird und als Rohstoff fur Karriere und Investitionen Dabei spielten auch Erwartungen und Stereotype des Publikums von der Wildnis unvorstellbarer Weite von der Einfuhrung der Zivilisation vor allem durch Europaer eine grosse Rolle Doch uberwiegt inzwischen der Drang die eigene Kultur die sich entwickelt hat in ihrem Reichtum zu erfassen ohne die Wurzeln abzuschneiden Sara Jeannette Duncan 1903 Nellie McClung nach 1905 Wahrend des 19 Jahrhunderts drangen indigene igloo und lokale Wortschopfungen moose in die Literatur ein aber auch franzosische gopher in die englische und umgekehrt Dennoch wird die englische Sprache im ganzen Land verstanden und von ubergreifenden Sprachstandards dominiert In der franzosischen Literatur kommt als weiteres Element eine starke Anbindung an Frankreich und seinen Lebensstil hinzu woraus sich eine Skepsis gegenuber dem als britisch aufgefassten Rest Kanada partiell erklart Ein hervorstechendes Merkmal kanadischer Literatur ist der Humor der allerdings eher untergrundig zuweilen schwarz und oft als Understatement eingesetzt wird Dabei spielen regionale Traditionen des Erzahlens und des Anekdotischen eine wichtige Rolle weniger die Themenwahl es sei denn es handelt sich um lokale Besonderheiten oder Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen Zu den haufig anzutreffenden Motiven zahlt die garrison mentality Bunkermentalitat die Entfremdung von der Heimat in die man zuruckkehrt die Fremdheit im eigenen Land oder der spezifischen Kultur aber auch das Zelebrieren der Wildnis die fur spirituelle Gesundung sorgt Alexander MacKenzie Thomas Lawrence etwa 1800 Samuel Hearne Kanadier sind besonders ausgepragt an der Geschichte ihrer Vorfahren interessiert und so existiert eine grosse Zahl von biographischen Versuchen zu den historisch bedeutsamen Mannern und Frauen Doch auch dort sind Klischees fast unausweichlich So gilt das katholische Quebec als mysterios Ontario als zwischen moralischer Klarheit und Lavieren hin und hergerissen die Prarien als isolierend und besitzergreifend die Westkuste als Projektionsflache fur Hoffnungen und Erwartungen die man selbst entlarven muss Dabei steht das Landleben uberproportional im Vordergrund wahrend die Stadte lange beinahe ignoriert wurden Dagegen waren Autoren wie Frances Brooke 1724 1789 Susanna Moodie 1803 1885 Sara Jeannette Duncan 1861 1922 und Nellie McClung 1873 1951 die Analytikerinnen des politischen Lebens das sich in den Stadten ballt Ein Gegensatz besteht zwischen der Wahrnehmung Europas und der des Nachbarn USA Europa gilt als Hort der Verfeinerung aber auch der extremen Regionalisierung der Nachbar als Land der sozialen Harte und der Fixierung auf okonomischen Erfolg Anna Jameson Duncan Campbell Scott 1933 Historisch gesehen flossen vor allem franzosische englische und irische Stile zusammen die in ihren Heimatlandern en vogue waren Doch schon in den Reiseberichten entwickelte sich ein kanadisch gepragtes Genre wie bei Samuel Hearne 1745 1792 Alexander MacKenzie David Thompson Catharine Parr Traill 1802 1899 oder Anna Jameson 1794 1860 wobei das Spektrum vom romantisierenden Abenteuerbericht John R Jewitt 1783 1821 bis zur prazisen Analyse reicht Susanna Moodie Roughing It in The Bush oder Forest Life in Canada 1852 Mit der Konfoderation 1867 stellte sich die Frage nach der nationalen Kultur Ab Ende des 19 Jahrhunderts dominierten vier Figuren die literarische Szene Duncan Campbell Scott 1862 1947 Charles G D Roberts 1860 1943 Archibald Lampman 1861 1899 und Bliss Carman 1861 1929 die auch als Confederation Poets oder auch Confederation Group bekannt waren Der Erste Weltkrieg brachte die Aussenwelt wieder starker in den Blick und zugleich scharfte die Einwanderung die Aufmerksamkeit auf die zahlreichen Kulturen auch die der Indianer die nun selbst begannen sich auszudrucken Die Malerin und Autorin Emily Carr 1871 1945 war hier fur den Westen von grosster Bedeutung wenn sie auch in British Columbia lange auf Ablehnung stiess Die Weltwirtschaftskrise brachte eine zunehmende Beschaftigung mit sozialen Problemen mit sich der Zweite Weltkrieg wiederum zwang zur Beschaftigung mit Fragen der Macht der Not des Todes und wiederum der Heimkehr Nach dem Krieg unterwarf Merrill Denison 1893 1975 den ubertriebenen Nationalismus einer satirischen Betrachtung und auch Autoren der Linken kritisierten den politischen und wirtschaftlichen Weg und die zunehmende Dominanz der USA Zugleich machten sich in Quebec antiklerikale Autoren deutlicher bemerkbar Unter dem offentlichen Optimismus der 1950er und 1960er Jahre entdeckten Malcolm Lowry 1909 1957 Under the Volcano 1947 und Ethel Wilson 1888 1980 Swamp Angel 1954 Alkoholprobleme und die Enge des Frauenlebens in dieser Zeit Thomas King bei einer Demonstration der Ardoch Algonquin First Nation 2008 Joy Fielding Autogrammstunde 2007 Douglas Coupland Lesung 2005 Materielle Unterstutzung und ein grosseres Publikum sorgten in den 60er Jahren fur ein Anwachsen des literarischen Marktes Zeitschriften wie Canadian Literature und Journal of Canadian Studies erschienen dazu kamen Paperbackausgaben die erschwinglicher waren Nischenmarkte entstanden deren Publikum dennoch Autoren ernahren konnte Sowohl die einzelnen Kulturen als auch Frauen meldeten sich verstarkt zu Wort wie etwa Margaret Atwood Nach etwa 1985 wurden staatliche Mittel in einer konservativeren Phase zuruckgefahren Verlage wie Coach House Press Deneau Williams Wallace mussten schliessen Zudem liess Kanada starkere auslandische Konkurrenz zu vor allem aus den USA Autoren wie Timothy Findley 1930 2002 versuchten sich gegen Restriktionen zu wehren indianische Literatur fand Vertreter in Eden Robinson Haisla geb 1968 Jeannette C Armstrong Okanagan die das Schulsystem kritisierte der Satiriker Thomas King Cherokee geb 1948 oder der Dramatiker Tomson Highway Cree geb 1943 Daneben traten eher poetische Autoren wie Wayne Keon Turner Ojibway geb 1976 Rita Joe Mi kmaq Marilyn Dumont Metis geb 1955 oder Alootook Ipellie Inuit 1951 2007 Seit den 70er Jahren hat sich das Interesse an kanadischer Literatur verstetigt So sind Autoren wie Leonard Cohen Pierre Vallieres Margaret Atwood Michel Tremblay und Michael Ondaatje auch ausserhalb der Landesgrenzen bekannt Zugleich entstand ein riesiger Markt fur populare Literatur innerhalb des Landes wie die von Joy Fielding oder Douglas Coupland Generation X 2013 erhielt Alice Munro den Nobelpreis fur Literatur als Virtuosin der zeitgenossischen Kurzgeschichte Bildende Kunst und Architektur Die franzosische Festung Louisbourg auf Breton Island Wie in den meisten Kunsten so ignorierten die ersten Zuwanderer aus Europa weitgehend die Kunst der Ureinwohner Sie brachten schon in ihren ersten Wohngebauden und befestigten Hofanlagen sowie naturgemass im Festungsbau zum Beispiel Louisbourg und in Stadtanlagen europaische Traditionen mit Auch die Dorfer des frankophonen Kanada lagern sich wie in Frankreich um die Kirche wobei die Missionskirchen und die Kirchen von Quebec meist als Vorbilder dienten Als Material herrschten Stein und Holz vor Ziegel sind selten Ahnlich wie in der Bildhauerei kamen die in Frankreich und England vorherrschenden Stile jedoch bedingt durch die Kommunikationsverhaltnisse mit deutlicher Verspatung an Das galt auch fur die Ubernahme der Klassik nachdem die Briten Kanada erobert hatten Assiniboine bei der Buffeljagd Paul Kane zwischen 1851 und 1856 Dennoch nahm die Malerei zwangslaufig die Ureinwohner auf denn sie sollten fur die Berichterstattung bei Hof dargestellt werden Sie waren zum Teil von grosser Genauigkeit wie die Indianer und Inuit Portrats von John White etwa 1540 bis etwa 1593 oder die Zeichnungen von Louis Nicolas Codex canadiensis Ende des 18 Jahrhunderts brachten Briten und die aus den USA geflohenen Loyalisten neue Einflusse die sich vor allem in den neuen Siedlungen wie Toronto dominierend bemerkbar machten Es kam sogar zu einem Goldenen Zeitalter der Quebecer Malerei wobei der Stil europaisch blieb doch die Motive wurden kanadischer Der Schweizer Peter Rindisbacher dokumentierte etwa seine Reise durch die Hudson Bay in die Red River Kolonie Paul Kane reiste durch den halben Kontinent Parlamentsgebaude in Victoria der Hauptstadt British Columbias In der Architektur bevorzugte man neo klassische und neo gotische Motive wie in Europa doch erhielt der britische Einfluss immer mehr Ubergewicht Mit dem reprasentativen Ausbau Ottawas und jeder Provinzhauptstadt versuchte man eine spezifisch kanadische Tradition auszudrucken Zwischen 1873 und 1914 herrschten historisierende Stile vor wobei sich die mitgebrachten Stile anderer europaischer Volker wie der Italiener bemerkbar machten Mit der Industrialisierung drangen neue Bautypen wie Stahlbrucken oder Bahnhofe vor neue Materialien vor allem Metalle dominierten Dazu kamen Glas und schliesslich Beton James Wilson Morrice gilt als Vater des Modernismus in der Malerei In der Skulptur herrschten historische Monumente auf Platzen vor vor allem Kriegsdenkmaler nach dem Ersten Weltkrieg Doch weiterhin herrschte hierin Europa vor bis hin zum Art deco Die Group of Seven versuchte eine kanadische Malerei zu entwickeln sie bezog ihre Inspiration aus der Landschaft Als eine der ersten nahm Emily Carr dabei nicht nur die spezifische Landschaft des Westens auf sondern auch die grandiose Kunst der Indianer der Pazifikkuste John Lyman grundete 1939 die Contemporary Arts Society und uber Quebec kamen kubistische Einflusse dort entstand die Gruppe der Automatistes Gegen sie und den Surrealismus entstanden die Plasticiens allen voran Guido Molinari und Claude Tousignant Struktur und Farbfragen traten starker in den Vordergrund Ahnlich in Toronto wo sich Jack Bush und Harold Town gegen den abstrakten Expressionismus wandten Dabei versuchten diese Gruppen sich zugleich gegen den Einfluss der USA abzusetzen Ahnliches galt fur Bildhauer wie Robert Murray oder Armand Vaillancourt Hingegen unterscheidet sich die Architektur kaum von der internationalen Der Fotograf Yousuf Karsh gehorte zu den bedeutendsten Portratfotografen des 20 Jahrhunderts In der Bildenden Kunst hat sich Kanada in Europa durch innovative Kunstler einen Namen gemacht Jeff Wall Rodney Graham Ken Lum Ian Wallace und Genevieve Cadieux haben fotografische Techniken auf neuartige Weise fur sich genutzt Louis Philippe Demers verwendet in seinen kunstlerischen Arbeiten die neuen Technologien und Jana Sterbak hat aussergewohnliche konzeptuelle Environments geschaffen Speisen und Getranke Mannlicher Buckellachs von der Pazifikkuste in der Laichzeit Sie heissen in Kanada Pink oder Humpback Salmon Weinberge am Okanagan Lake Die Produktion von Nahrungsmitteln hangt stark von den naturlichen Bedingungen ab Daher weisen die Regionalkuchen wie etwa die der Kustensaume und der Graslandschaften der Prarieprovinzen entsprechende Schwerpunkte auf Wahrend etwa an der Atlantikkuste der Fang von Hummern genauer von Hummerartigen Lobster einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt war es an der Westkuste der von Wildlachs letzter wurde allerdings von Lachszuchten fast vollstandig verdrangt so dass einige Lachsarten die noch vor wenigen Jahren in riesigen Laichzugen zu bewundern waren inzwischen zu den bedrohten Tierarten gerechnet werden mussen Neben dem Umgang mit den naturlichen Ressourcen spielen aber auch kulturelle Unterschiede eine betrachtliche Rolle Der franzosische Einfluss in Quebec ist nicht zu ubersehen es gibt zahlreiche Restaurants mit der entsprechenden Kuche Die Prarieprovinzen sind hierin sehr stark vom mittleren Westen der USA beeinflusst wahrend sich im aussersten Westen ein starker britischer Einfluss bemerkbar macht wo der englische Tee im Alltag immer noch seinen Platz hat Im Suden Kanadas vor allem auf der Niagara Halbinsel und im Okanagan Gebiet sowie im Sudosten von Vancouver Island in British Columbia wird Wein angebaut Der uber 200 Jahre alte Weinanbau nahm einen neuen Aufschwung da ab 1974 erstmals neue Weinbaulizenzen ausgegeben wurden und weil die Weinbauverbande Vintners Quality Alliance auf hohere Qualitaten drangten Kanadische Weine tragen etwa die Halfte zum Gesamtkonsum des Landes bei wobei bis 2006 Vincor International und Andres Wines dominierten Vincor wurde allerdings vom US Weinproduzenten Constellation Brands aufgekauft Eines von knapp 3000 Tim Hortons in Kanada Spirituosen konnen nur in besonderen Geschaften oder in Restaurants gekauft werden die die Bezeichnung Licensed Premises tragen Viele Restaurants gestatten ihren Gasten eigenen Wein Bier oder Ahornsirup mitzubringen Das Mindestalter fur den Alkoholkauf liegt zwischen 18 und 19 Jahren Die bei weitem vorherrschende Kaffee und Fast Food Kette ist Tim Hortons ein Unternehmen das 1964 in Hamilton gegrundet wurde und 2008 65 000 Mitarbeiter hatte 177 Das Unternehmen unterhielt Ende 2008 Anfang 2008 nach eigenen Angaben 3437 3257 Restaurants davon 2917 2857 in Kanada und 520 406 in den USA 178 Der scharfste Konkurrent beim Fast Food ist McDonald s 179 mit 1375 Restaurants beziehungsweise im Kaffeesektor das US Unternehmen Starbucks Siehe auch Weinbau in Kanada Kanadisches Bier und Kanadische Kuche Sport Hauptartikel Sport in Kanada Eishockeyspiel im Air Canada Centre Toronto 2007 Der Sport in Kanada ist vielfaltig und umfasst zahlreiche Winter und Sommersportarten 180 Als Nationalsportart seit 1859 offiziell anerkannt war bis 1994 nur das auf indianische Wurzeln zuruckgehende Lacrosse Es gilt seit 1994 als nationale Sommersportart Seit 1994 ist Eishockey die nationale Wintersportart Kanada gilt nicht nur als Mutterland des Eishockeys sondern gehort auch zu den weltweit erfolgreichsten Landern Sieben kanadische Mannschaften sind in der NHL der bedeutendsten Profiliga der Welt vertreten Auch im Lacrosse ist Kanada uberaus erfolgreich und besiegte beim World Lacrosse Championship von 2006 in London die USA Die bei Zuschauern beliebteste Sportart im Sommer ist neben Lacrosse Canadian Football das grosse Ahnlichkeiten mit dem American Football aufweist Das Meisterschaftsendspiel der Grey Cup weist bei im Fernsehen ubertragenen Sportereignissen die hochste Einschaltquote auf Ebenfalls auf Interesse stossen Baseball Basketball Cricket Curling Fussball Rugby Union und Softball Die am haufigsten ausgeubten Einzelsportarten sind Eislaufen Golf Leichtathletik Ringen Schwimmen Skateboarden Skifahren Snowboarden und Tennis Da das Land uberwiegend ein kuhles Klima besitzt sind die Erfolge bei Wintersportarten tendenziell zahlreicher als bei Sommersportarten Kanada war Gastgeber zahlreicher internationaler Sportveranstaltungen darunter die Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal und die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary Die Olympischen Winterspiele 2010 wurden in Vancouver ausgerichtet Zudem waren kanadische Stadte Ausrichter von vier Commonwealth Games und zahlreichen Weltmeisterschaften Feiertage Datum Englische Bezeichnung Franzosische Bezeichnung Bemerkung Status1 Januar New Year s Day Nouvel An Neujahr bundesweit gesetzlicher FeiertagKarfreitag Good Friday Vendredi saint Karfreitag bundesweit gesetzlicher FeiertagOstermontag Easter Monday Paques Ostermontag freier Tag fur Angestellte des Bundes viele private Arbeitgeber folgen diesen Feiertagen Montag vor oder am 24 Mai Victoria Day Fete de la Reine Feier des Geburtstages des amtierenden britischen und kanadischen Monarchen In Quebec fallen Victoria Day und Fete des patriotes auf denselben Tag gesetzlicher Feiertag in den meisten Provinzen und allen Territorien1 Juli Canada Day Fete du Canada zur Feier des British North America Act vom 1 Juli 1867 Ihm gehen zwischen 21 und 27 Juni National Aboriginal Day Fete nationale du Quebec und Canadian Multiculturalism Day voraus Nationalfeiertag und bundesweit gesetzlicher FeiertagErster Montag im August Civic Holiday Premier lundi d aout Feiertag mit teilweise unterschiedlicher Benennung und Bedeutung je Provinz z B British Columbia Day New Brunswick Day Saskatchewan Day gesetzlicher Feiertag in einigen ProvinzenErster Montag im September Labour Day Fete du travail Tag der Arbeit bundesweit gesetzlicher FeiertagZweiter Montag im Oktober Thanksgiving Action de grace Erntedankfest gesetzlicher Feiertag in den meisten Provinzen und Territorien freier Tag fur Angestellte des Bundes11 November Remembrance Day Jour du Souvenir Tag zum Gedenken an die Kriegstoten gesetzlicher Feiertag in einigen Provinzen25 Dezember Christmas Noel 1 Weihnachtsfeiertag bundesweit gesetzlicher Feiertag26 Dezember Boxing Day Lendemain de Noel 2 Weihnachtsfeiertag gesetzlicher Feiertag in Ontario Daruber hinaus gibt es bewegliche Feiertage wie z B den Tag der Familie oder den Louis Riel Day 181 182 Siehe auch Portal Kanada Ubersicht zu Wikipedia Inhalten zum Thema Kanada Frankfurter Buchmesse Kanada wird 2020 das Gastland der Messe sein was einen gewissen aktuellen Hohepunkt der Beziehungen zwischen dem Land und den drei deutschsprachigen Landern bilden wirdLiteraturRobert Bothwell The Penguin history of Canada Penguin Canada Toronto 2006 ISBN 0 670 06553 6 Albrecht Iwersen Susanne Iwersen Sioltsidis Kanada Beck Munchen 1998 ISBN 3 406 39869 3 Karl Lenz Kanada Geographie Geschichte Wirtschaft Politik Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2001 ISBN 3 534 13841 4 Udo Sautter Geschichte Kanadas Beck Munchen 2007 ISBN 978 3 406 44737 2 Robert Weaver William Toye The Oxford Anthology of Canadian Literature Oxford University Press Toronto Kanada 1981 ISBN 0 19 540376 2 Lori G Beaman Religion and Canadian Society Traditions Transitions and Innovations Canadian Scholars Press Toronto 2006 ISBN 1 55130 306 X Ursula Lehmkuhl Hg Landerbericht Kanada Schriftenreihe der BpB 10200 Bundeszentrale fur politische Bildung BpB Bonn am Rhein 2018 568 S Heide Markus und Claudia Kotte Kanadischer Film Geschichte Themen Tendenzen Konstanz Universitatsverlag Konstanz 2006 ISBN 3 89669 604 1 Weblinks Wikinews Kanada in den Nachrichten Wiktionary Kanada Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Commons Kanada Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Wikisource Kanada Quellen und Volltexte Wikimedia Atlas Kanada geographische und historische Karten Wikivoyage Kanada Reisefuhrer Offizielle Website von Kanada englisch franzosisch Topographie Kanadas amtliche Plane und Karten Portal englisch franzosisch Earth Sciences Sector ESS der Natural Resources Canada NRCan geomatische Daten Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen politischen und wirtschaftlichen Situation in Kanada im Juli 2018 6440 Titel zu Kanada GIGA Leibniz Institut fur globale und regionale Studien Suchmaske im OPAC der SUB Gottingen deutschsprachige Schwerpunktbibliothek fur Canadiana Juli 2018 ca 12000 Titel Statistiken zu Kanada englisch franzosisch Kanada englisch franzosisch In The Canadian Encyclopedia Landerprofil des Statistischen BundesamtesEinzelnachweise a b Erstmals Inuit zur 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Vergleich besser bezieht sich im Kontext am ehesten auf die USA ohne dass es explizit gesagt wird At the same time Canada is a separate country from the United States and there are things that we hold dear that the Americans haven t prioritized And I m never going to shy away from standing up for what I believe in whether it s proclaiming loudly to the world that I am a feminist whether it s understanding that immigration is a source of strength for us and Muslim Canadians are an essential part of the success of our country today and into the future Nach Asked about Trump Trudeau promises to stand for feminism and diversity CBC News online Canada to recruit volunteers offer jobs to reservists amid COVID 19 Trudeau Abgerufen am 25 Januar 2021 amerikanisches Englisch Canadian Rangers Overview 2012 Home SIPRI Abgerufen am 10 Juli 2017 englisch Desmond Morton A Military History of Canada McClelland amp Stewart Toronto 1999 ISBN 0 7710 6514 0 Information for Students AUCC Association of 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