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Kāfir

Der arabisch-islamische Begriff Kāfir (arabisch كافر kāfir, Plural كفّار kuffār; weibliche Form كافرة kāfira) bezeichnet Ungläubige oder „Gottesleugner“. Kāfir leitet sich von der Wortwurzel k-f-r (arabisch كَفَرَ, DMG kafara ‚bedecken, verbergen; ungläubig sein‘) ab. Diese Wortwurzel kommt im Koran ca. 500 Mal vor und dient dort der Bezeichnung der Gegner Mohammeds als kuffār („Ungläubige“) oder als alladhīna kafarū („die ungläubig sind“). Konkret ist das Ungläubigsein in Bezug auf islamische Glaubensinhalte gemeint. Giaur oder Ghiaur ist die eingedeutschte Variante der türkischen Entsprechung (gavur) von Kafir. Sie erlangte besonders durch Karl Mays Werke Bekanntheitsgrad.

Inhaltsverzeichnis

Im islamischen Recht werden drei Arten von Kuffār unterschieden:

  • Dhimmis, die mit eingeschränkten Rechten unter islamischer Herrschaft leben.
  • Ḥarbīs, die ohne Rechte, auch ohne Recht auf Leben, außerhalb des islamischen Herrschaftsgebiets leben.
  • Musta'mins, denen durch einen zeitweiligen Schutzvertrag (Amān) ähnliche Rechte gewährt werden wie den Dhimmis, damit sie das islamische Herrschaftsgebiet betreten können. Der Status des Musta'min ist immer zeitlich begrenzt.

Eine andere rechtliche Unterscheidung wird im klassischen islamischen Recht zwischen dem Murtadd, dem vom Islam abgefallenen, und dem Kāfir aslī, dem „ursprünglichen Ungläubigen“, vollzogen: Ein Murtadd war, wenn er nicht heimlich abgefallen ist, nach einer Wartefrist zu töten; ein Kāfir aslī (كافر أصلي) konnte in Kriegsgefangenschaft entweder getötet oder versklavt werden. Die islamische Praxis der Erklärung von Muslimen zu Ungläubigen heißt Takfīr.

Allgemein sahen damalige Rechtsbestimmungen der islamischen Jurisprudenz im Falle von Schriftbesitzern die Wahl zwischen der Annahme des Islam, der Annahme des Dhimmi-Status oder dem Kampf vor; Andersgläubige, die nicht unter die Kategorie von Schriftbesitzern fielen, hatten die Wahl zwischen der Konversion zum Islam oder dem Kampf. Im Zuge der islamischen Expansion wurde das Angebot der Dhimma auch auf Religionsgemeinschaften, die nicht Schriftbesitzer im eigentlichen Sinne waren, ausgeweitet, so dass fast allen Nicht-Muslimen die Möglichkeit des Verbleibes in der eigenen Religion im Gegenzug zur Zahlung der Dschizya möglich wurde.

Der Begriff Kāfir wurde von den Europäern später für die in Südafrika lebenden Xhosa verwendet (englische Form Kaffir, eingedeutscht Kaffern). Dieses Wort wird oft auch von Muslimen generalisierend für Nichtmuslime oder für Muslime heterodoxer Glaubensrichtungen verwendet und gilt seit dem Erlass des türkischen Sultans von 1856 als herabwürdigend.

Die Einwohner des ehemaligen Kafiristan, heute Nuristan, wurden ebenfalls so genannt.

Im persischsprachigen Zentralasien ist Kāfir Qalʿa („Heiden-Burg“, „Festung der Ungläubigen“) ein häufiger Name für archäologische Orte aus vorislamischer Zeit, beispielsweise für Tacht-e Rostam (Afghanistan), Kafer Qala (Kala-Kahzad) bei Farah (Afghanistan), Kāfer Qalʿa nahe Samarkand (Usbekistan) und Kafirkala in Kolchosabad (Tadschikistan).

Der serbische Janitschar Konstantin aus Ostrovitza (15. Jahrhundert) schreibt in seinen Memoiren eines Janitscharen im 46. Kapitel:

„Über die Christen, die unter den Türken sind
Die Türken nennen die Christen Giauren. Der Sultan kennt die Zahl derer, die unter den Türken sind, genau und weiß, wieviele in jedem Land sind. Sie zahlen dem Sultan einen jährlichen Tribut von 40 Aspern je Kopf, [die die Türken akçe nennen], 40 davon machen ein Goldstück. Und davon erhält der Sultan alljährlich viele Male 100.000. [...] Die Christen zahlen auch den Herren, denen sie unterstellt sind und die sie „Timarlılar“ nennen, die Hälfte des Sultanstributs und ein Zehent ihres gesamten Ertrages oder Gutes. Frondienst leisten sie weder dem Sultan noch einem anderen Herrn, und sie treiben keinen Handel.

  1. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 741; vgl. auch Kufr.
  2. Camilla Adang: Belief and Unbelief. In: Jane Dammen McAuliffe (Hrsg.): Encyclopaedia of the Qurʾān. Band 1. Brill, Leiden/Boston/Köln 2001, S. 220f.
  3. Walther Björkman: Kāfir. In: The Encyclopaedia of Islam. Band 4. Brill, Leiden 1997, S. 407.
  4. Walther Björkman: Kāfir. In: The Encyclopaedia of Islam. Band 4. Brill, Leiden 1997, S. 408.
  5. Robert G. Hoyland (Hrsg.): Muslims and Others in Early Islamic Society. Ashgate 2004, S. xiv
  6. PONS-Globalwörterbuch Englisch-Deutsch, 1. Aufl. 1983, Nachdruck 1987, Collins/Klett.
  7. Brockhaus 14. A. 1908, Bd. 7. Stichwort „Giaur“
  8. Renate Lachmann (Einleitung und Übersetzung): Memoiren eines Janitscharen oder Türkische Chronik. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010, S. 144 (online)

Kāfir
kāfir, islamischer, begriff, sprache, beobachten, bearbeiten, weitergeleitet, kafir, arabisch, islamische, begriff, arabisch, كافر, kāfir, plural, كف, ار, kuffār, weibliche, form, كافرة, kāfira, bezeichnet, ungläubige, oder, gottesleugner, leitet, sich, wortwu. Kafir islamischer Begriff Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Kafir Der arabisch islamische Begriff Kafir arabisch كافر kafir Plural كف ار kuffar weibliche Form كافرة kafira bezeichnet Unglaubige oder Gottesleugner Kafir leitet sich von der Wortwurzel k f r arabisch ك ف ر DMG kafara bedecken verbergen unglaubig sein 1 ab Diese Wortwurzel kommt im Koran ca 500 Mal vor und dient dort der Bezeichnung der Gegner Mohammeds als kuffar Unglaubige oder als alladhina kafaru die unglaubig sind 2 Konkret ist das Unglaubigsein in Bezug auf islamische Glaubensinhalte gemeint 3 Giaur oder Ghiaur ist die eingedeutschte Variante der turkischen Entsprechung gavur von Kafir Sie erlangte besonders durch Karl Mays Werke Bekanntheitsgrad Inhaltsverzeichnis 1 Unterscheidungen im islamischen Recht 2 Weitere Verwendungen des Begriffs 3 In der Literatur 4 Siehe auch 5 Literatur 6 EinzelnachweiseUnterscheidungen im islamischen Recht BearbeitenIm islamischen Recht werden drei Arten von Kuffar unterschieden Dhimmis die mit eingeschrankten Rechten unter islamischer Herrschaft leben Ḥarbis die ohne Rechte auch ohne Recht auf Leben ausserhalb des islamischen Herrschaftsgebiets leben Musta mins denen durch einen zeitweiligen Schutzvertrag Aman ahnliche Rechte gewahrt werden wie den Dhimmis damit sie das islamische Herrschaftsgebiet betreten konnen Der Status des Musta min ist immer zeitlich begrenzt Eine andere rechtliche Unterscheidung wird im klassischen islamischen Recht zwischen dem Murtadd dem vom Islam abgefallenen und dem Kafir asli dem ursprunglichen Unglaubigen vollzogen Ein Murtadd war wenn er nicht heimlich abgefallen ist nach einer Wartefrist zu toten ein Kafir asli كافر أصلي konnte in Kriegsgefangenschaft entweder getotet oder versklavt werden 4 Die islamische Praxis der Erklarung von Muslimen zu Unglaubigen heisst Takfir Allgemein sahen damalige Rechtsbestimmungen der islamischen Jurisprudenz im Falle von Schriftbesitzern die Wahl zwischen der Annahme des Islam der Annahme des Dhimmi Status oder dem Kampf vor Andersglaubige die nicht unter die Kategorie von Schriftbesitzern fielen hatten die Wahl zwischen der Konversion zum Islam oder dem Kampf Im Zuge der islamischen Expansion wurde das Angebot der Dhimma auch auf Religionsgemeinschaften die nicht Schriftbesitzer im eigentlichen Sinne waren ausgeweitet so dass fast allen Nicht Muslimen die Moglichkeit des Verbleibes in der eigenen Religion im Gegenzug zur Zahlung der Dschizya moglich wurde 5 Weitere Verwendungen des Begriffs BearbeitenDer Begriff Kafir wurde von den Europaern spater fur die in Sudafrika lebenden Xhosa verwendet englische Form Kaffir 6 eingedeutscht Kaffern Dieses Wort wird oft auch von Muslimen generalisierend fur Nichtmuslime oder fur Muslime heterodoxer Glaubensrichtungen verwendet und gilt seit dem Erlass des turkischen Sultans von 1856 als herabwurdigend 7 Die Einwohner des ehemaligen Kafiristan heute Nuristan wurden ebenfalls so genannt Im persischsprachigen Zentralasien ist Kafir Qalʿa Heiden Burg Festung der Unglaubigen ein haufiger Name fur archaologische Orte aus vorislamischer Zeit beispielsweise fur Tacht e Rostam Afghanistan Kafer Qala Kala Kahzad bei Farah Afghanistan Kafer Qalʿa nahe Samarkand Usbekistan und Kafirkala in Kolchosabad Tadschikistan In der Literatur BearbeitenDer serbische Janitschar Konstantin aus Ostrovitza 15 Jahrhundert schreibt in seinen Memoiren eines Janitscharen im 46 Kapitel Uber die Christen die unter den Turken sind Die Turken nennen die Christen Giauren Der Sultan kennt die Zahl derer die unter den Turken sind genau und weiss wieviele in jedem Land sind Sie zahlen dem Sultan einen jahrlichen Tribut von 40 Aspern je Kopf die die Turken akce nennen 40 davon machen ein Goldstuck Und davon erhalt der Sultan alljahrlich viele Male 100 000 Die Christen zahlen auch den Herren denen sie unterstellt sind und die sie Timarlilar nennen die Halfte des Sultanstributs und ein Zehent ihres gesamten Ertrages oder Gutes Frondienst leisten sie weder dem Sultan noch einem anderen Herrn und sie treiben keinen Handel 8 Siehe auch BearbeitenApostasie im IslamLiteratur BearbeitenWalther Bjorkman Kafir In Encyclopaedia of Islam New Edition Volume IV E J Brill Leiden 1978 S 407b 409a Rudi Paret Mohammed und der Koran Geschichte und Verkundigung des arabischen Propheten 10 Auflage Kohlhammer Stuttgart 1985 ISBN 978 3 17 019874 6 Kohlhammer Urban Taschenbucher Band 32 Renate Lachmann Ubersetzung Einleitung Memoiren eines Janitscharen oder Turkische Chronik In Gunther Stokl Hrsg Slavische Geschichtsschreiber Band VIII Styria Graz Wien Koln 1975 ISBN 3 222 105529 Einzelnachweise Bearbeiten H Wehr Arabisches Worterbuch Wiesbaden 1968 S 741 vgl auch Kufr Camilla Adang Belief and Unbelief In Jane Dammen McAuliffe Hrsg Encyclopaedia of the Qurʾan Band 1 Brill Leiden Boston Koln 2001 S 220f Walther Bjorkman Kafir In The Encyclopaedia of Islam Band 4 Brill Leiden 1997 S 407 Walther Bjorkman Kafir In The Encyclopaedia of Islam 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