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Joseph Clemens von Bayern

Joseph Clemens Kajetan von Bayern (* 5. Dezember 1671 in München; † 12. November 1723 in Bonn) war von 1688 bis 1723 Erzbischof von Köln, Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, Landesherr des Erzstifts Köln und Erzkanzler für Reichsitalien sowie Inhaber anderer reichsfürstlicher Bischofsstühle und kirchlicher Würden. Seine von Kaiser und Papst gegen die Interessen von Ludwig XIV. durchgesetzte Wahl zum Kölner Erzbischof war einer der Auslöser für den Pfälzischen Erbfolgekrieg. Später wechselte er die Fronten und ging ein Bündnis mit Frankreich ein. Während des spanischen Erbfolgekrieges wurde er in Privation gesetzt und musste ins Exil nach Frankreich fliehen. Erst nach mehr als zehn Jahren konnte er zurückkehren und seine Ämter im Reich ausüben.

Herkunft und Familie

Joseph Clemens war von vier Söhnen des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern und dessen Ehefrau Henriette Adelaide von Savoyen der zweite, der das Erwachsenenalter erreichte. Er hatte sechs Geschwister und war das zweitjüngste Kind. Einer seiner Brüder war Kurfürst Max Emanuel von Bayern. Er war ein Onkel von Karl Albrecht von Bayern, der als Karl VII. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Er war auch Neffe des Kölner Kurfürsten Maximilian Heinrich von Bayern.

Wappen der im Grafenstand legitimierten Kinder von Grosberg von Bayern (de Grosberg-Bavière)

Joseph Clemens hatte zwei uneheliche Kinder. Er zeugte mit Constance de Grousselier zwei Söhne, Comte Jean Baptiste Victor de Grosberg-Bavière (1706–1768) und Comte Antoine Levin de Grosberg-Bavière (1710–1757).

Aufstieg in hohe geistliche Würden

Joseph Clemens von Bayern auf einem Gemälde im Fürstengang Freising

Von frühester Jugend war er für den geistlichen Stand bestimmt und wurde entsprechend erzogen. Der tatsächliche Eintritt in den geistlichen Stand wurde von seinem Bruder Max Emanuel veranlasst und geschah gegen den Willen von Joseph Clemens, der lieber Soldat geworden wäre. 1683 erhielt er die erste Tonsur und wurde Koadjutor für das Bistum Regensburg. 1684 wurde er Koadjutor des Bistums Freising, 1685 Koadjutor, 1688 Fürstpropst der Fürstpropstei Berchtesgaden. Obwohl noch minderjährig, wurde er 1685 nach dem Tod seines Cousins Fürstbischof Albert Sigmund zudem als dessen Nachfolger im Amt des Bischofs von Regensburg und Freising von Papst Innozenz XI. bestätigt. Auf die höheren Weihen hat er jedoch zunächst verzichtet. Dies war damals nicht unüblich, auch hielt er sich damit die Option auf die Nachfolge seines Bruders Max Emanuel offen, sollte dieser keine Nachkommen haben.

Kölner Bistumsstreit

Porträt Wilhelm Egons von Fürstenberg von Nicolas II. de Larmessin

Joseph Clemens stand ganz unter der Kontrolle seines Bruders. Hauptsächliches Ziel von Max Emanuel war es, durch die Person von Joseph Clemens der bayerischen Linie des Hauses Wittelsbach die Nachfolge des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich von Bayern zu sichern. Dieses Vorhaben erwies sich allerdings als unerwartet schwierig. Der Einfluss seines Neffen Max Emanuel auf Maximilian Heinrich war deutlich schwächer als derjenige der Brüder Franz Egon und Wilhelm Egon von Fürstenberg. Diese waren beide Anhänger Ludwigs XIV. und vertraten dessen Politik im Reich. Die politische Führung Kurkölns lag dabei faktisch in der Hand von Wilhelm Egon von Fürstenberg. Maximilian Heinrich wollte diesem und nicht Joseph Clemens die Nachfolge in Köln sichern. Zu Beginn des Jahres 1688 erreichte es Maximilian Heinrich, dass das Kölner Domkapitel Fürstenberg zum Koadjutor und damit zum potentiellen Nachfolger des Kölner Kurfürsten wählte. Dabei spielten französische Bestechungsgelder eine wichtige Rolle. Papst Innozenz XI., der bestrebt war, eine weitere Ausdehnung des Einflusses von Ludwig XIV. zu verhindern, versagte der Wahl seine Zustimmung.

Aus diesem Grund wurde nach dem kurz darauf erfolgten Tod von Maximilian Heinrich eine neue Wahl nötig. Dabei traten Wilhelm Egon von Fürstenberg und Joseph Clemens als Kandidaten auf. Da sich inzwischen die Beziehungen zwischen Bayern und Habsburg verbessert hatten, unterstützte auch Kaiser Leopold I. den Wittelsbacher. Von den 24 Wahlberechtigten stimmten dreizehn für Fürstenberg und nur neun für Joseph Clemens. Die Entscheidung war indes nicht so eindeutig wie es scheint. Zur Gültigkeit der Wahl hätten beide Kandidaten eine Zweidrittelmehrheit benötigt, weil sie nicht dem Kölner Domkapitel angehörten und in einem anderen Bistum schon Bischof waren.

Gleichwohl betrachtete sich Wilhelm Egon von Fürstenberg als gewählter Erzbischof und Kurfürst. Er ging sofort daran Fakten zu schaffen. Er ließ die Residenzstadt Bonn und alle anderen wichtigen Plätze militärisch besetzen. Kaiser und Kurfürstenkollegium wandten sich daraufhin an den Papst. Dieser erklärte die Postulation von Fürstenbergs für ungültig und erklärte Joseph Clemens zum Erzbischof. Dabei setzte sich der Papst zum einen darüber hinweg, dass Joseph Clemens mit siebzehn Jahren eigentlich noch nicht das notwendige kanonische Alter erreicht hatte und zum anderen ebenfalls keine Zweidrittelmehrheit erhalten hatte. Der Grund war, dass der Papst so ein weiteres Erstarken des französischen Einflusses verhindern wollte. Bald darauf erhielt dieser auch die kaiserliche Bestätigung. Ludwig XIV. akzeptierte die päpstlich-kaiserliche Entscheidung nicht und schickte von Fürstenberg eine starke Armee zur Hilfe. Diese Intervention in Reichsangelegenheiten war einer der zentralen Auslöser für den Pfälzischen Erbfolgekrieg. Ludwig XIV. sah sich einer fast geschlossenen Allianz der meisten europäischen Mächte gegenüber.

Ein kaiserliches und ein brandenburgisch-niederländisches Heer kämpften für die Durchsetzung des Herrschaftsanspruchs von Joseph Clemens. Der Krieg verlief wechselhaft. Dabei wurden verschiedene kurkölnische Städte, darunter Bonn, zerstört. Bereits 1689 war das Brühler Wasserschloss von französischen Truppen zerstört worden. Gleich nach Rückkehr begann der Wiederaufbau. Da Joseph Clemens damit die wichtigsten Residenzen verloren hatte, hielt er sich meist in Bayern auf. Dies wurde von den Landständen kritisiert. Während des Krieges gründete Joseph Clemens 1693 den nur Adeligen offenstehenden Orden vom Heiligen Michael und als Gegenstück dazu die heute noch bestehende Erzbruderschaft St. Michael. Letztlich setzten sich die Verbündeten durch. Wilhelm Egon von Fürstenberg verlor zwar die Macht in Kurköln erhielt aber im Frieden von Rijswijk seine Güter und Ämter samt dem Bistum Straßburg zurück. Dort residierte er jedoch nicht mehr und zog sich nach Paris zurück.

Weitere Kirchenämter

Titulatur des Kurfürsten auf einem Druck aus dem Jahr 1715 mit Angabe der verschiedenen Ämter und Würden

Bereits 1694 war Joseph Clemens auch zum Koadjutor des Bistums Hildesheim gewählt worden. Bischof wurde er dort 1702. Nach schweren Wahlauseinandersetzungen wurde er 1694 auch Fürstbischof von Lüttich. Er erhielt zwar vom Papst Innozenz XII. die Bestätigung dieses Amtes, doch nannte der Papst seine Anhäufung von Bischofswürden nicht zulässig und verlangte die Aufgabe der Bischofsämter in Regensburg und Freising. Joseph Clemens legte die Bischofsämter von Freising und Regensburg nieder, wurde aber 1695 durch das Domkapitel von Regensburg erneut zum Bischof gewählt. In Freising erfolgte keine Wiederwahl. Der Versuch auch Bischof in Münster zu werden, wo Joseph Clemens eine Domherrenstelle innehatte, scheiterte am Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges.

Hinwendung an Frankreich

Die eigentliche Regierung leitete von Beginn an sein Kanzler Johann Friedrich Karg von Bebenburg. Der Versuch in Kurköln und im Hochstift Lüttich die Macht des Fürsten zu stärken, stieß auf den Widerstand der von den Domkapiteln geführten Stände. Dagegen konnte sich der Kurfürst nicht durchsetzen.

Obwohl er auch dem Kaiser die Macht in Köln verdankte, glaubte sich Joseph Clemens nicht genügend von diesem unterstützt. Nach dem Frieden von Rijswijk begann er sich in Richtung Frankreich zu orientieren. Joseph Clemens erhielt aus Frankreich beträchtliche Subsidien, die er insbesondere für den Wiederaufbau der zerstörten Schlösser benutzte. Kurz vor Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges ging Joseph Clemens ein Bündnis mit Ludwig XIV. von Frankreich ein. Er folgte dabei dem Kurs seines Bruders Max Emanuel.

Exil in Frankreich

Belagerung von Kaiserswerth (1702)

Kurköln wurde damit erneut Kriegsschauplatz und es kam zu erheblichen Verwüstungen. Bonn wurde daraufhin 1702 von kaisertreuen Truppen besetzt und Joseph Clemens floh ins französische Exil nach Namur. Im gleichen Jahr wurde er Bischof von Hildesheim. Seit 1704 hielt er sich in Lille auf und von 1709 bis 1714 schließlich noch in Valenciennes. Unter Einfluss der Schriften des Bischofs von Cambrai François Fénelon empfing er dort die bislang vermiedene Priester- und Bischofsweihe. Zwar dürfte diese Entscheidung tatsächlich mit seiner Frömmigkeit zu tun haben, aber dies hinderte ihn nicht, mit Constance de Grousselier ein Verhältnis einzugehen. Aus dieser Beziehung gingen mehrere Kinder hervor.

Kaiser Joseph I. verhängte 1706 die Privation bzw. Reichsacht über Joseph Clemens und Max Emanuel. In dieser Zeit der faktischen Sedisvakanz führte das Domkapitel die Regierung in Kurköln und im angeschlossenen Herzogtum Westfalen. Das Kölner Domkapitel unter Führung des Kardinals und Dompropstes Christian August von Sachsen-Zeitz war mehrheitlich kaiserlich orientiert und betrieb zusammen mit den Landständen auch die offizielle Absetzung von Joseph Clemens. Aus kirchenrechtlichen Gründen folgte der Papst dem nicht.

Rückkehr

Im Frieden von Baden und Rastatt (1714) erhielt er all seine Würden und Länder zurück. Bei seiner Rückkehr 1715 nach Bonn brachte er auch seine Geliebte Konstanze de Grousselier mit. Er erklärte zwar, seit seiner Bischofsweihe keine intime Beziehung mehr zu ihr zu unterhalten, was aber nach den Geburtstagen seiner Kinder nicht stimmen konnte.

Schloss Poppelsdorf um 1760

Aus Frankreich brachte er bleibende Eindrücke vom Hof in Versailles mit. Der kurkölnische Hof wurde ausgebaut und Joseph Clemens vergab umfangreiche künstlerische Aufträge. Er ließ das Poppelsdorfer Schloss errichten. Damit hielt der Stil des Rokoko im Rheinland Einzug. Auch begann er mit der Planung der Poppelsdorfer Allee, die jedoch nicht mehr zu seinen Lebzeiten angelegt wurde. Die hohen Bau- und Hofausgaben brachten ihn verschiedentlich in Konflikt mit dem Domkapitel und den übrigen Landständen.

Zeitweise hielt er sich im Herzogtum Westfalen auf. Für das Herzogtum erließ er 1716 die Bestimmung, dass die Untertanen nicht als Knechte und Mägde in protestantischen Orten arbeiten durften. Er erließ 1717 eine Wegebauordnung und 1723 eine neue Polizeiordnung, die in die bisherigen Rechte der Städte und Freiheiten eingriff.

Joseph Clemens war auch an Literatur und Musik interessiert und soll selbst Dramen in französischer Sprache und Musikstücke verfasst haben. Er verfügte über eine große Hofkapelle und zu seiner Zeit fanden häufig Konzerte, Opern- und Theateraufführungen statt. Das Verzeichnis der Musikalien füllte in seinem Nachlassverzeichnis 25 Seiten.

Trotz seines Lebens als prunkliebender Barockfürst hat er nach seiner Rückkehr seine kirchlichen Pflichten nicht vernachlässigt. Unter Einfluss von Fénélon lehnte er den Jansenismus ab. In seiner Zeit erschien 1718 eine neue Auflage des Kölner Breviers und 1720 eine neue Kölner Agende. Bemerkenswert ist auch, dass unter seiner Herrschaft eine neue Judenordnung erlassen wurde, die bis zum Ende des Kurstaates in Kraft blieb. Dasselbe gilt auch für die Polizeyordnung von 1723.

Joseph Clemens starb am 12. November 1723 in Bonn. Er wurde, wie seine Wittelsbacher Vorgänger auf dem Stuhl des Erzbischofs von Köln, vor der Dreikönigenkapelle im Inneren des Kölner Doms beigesetzt. Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Gnadenkapelle von Altötting.

  • Epistola Pastoralis Reverendissimi ac Serenissimi Domini, D. Josephi Clementis Archi-Episcopi Et Principis Electoris Coloniensis ... Ad Clerum, populumque suum Coloniensem, Hildesiensem, Leodiensem & Berchtesgadensem. Noethen, Coloniae 1719 ( der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Alice Arnold: Joseph Clemens von Bayern. In: Jürgen Wurst, Alexander Langheiter (Hrsg.): Monachia. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 2005, ISBN 3-88645-156-9, S. 83.
  • Karl Hausberger: Geschichte des Bistums Regensburg. Bd. 2: Vom Barock bis in die Gegenwart. Regensburg 1989, S. 15–21.
  • Josef Staber: Kirchengeschichte des Bistums Regensburg. Regensburg 1966, S. 151–153.
  • Max Braubach: In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 622 f. ().
  • Rudolf Lill: Wittelsbach am Rhein. In: Kurfürst Clemens August. Landesherr und Mäzen des 18. Jahrhunderts. Köln 1961, S. 62f.
  • Ingrid Münch: Joseph Klemens von Bayern. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 886–888. ()
Commons: Joseph Clemens von Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Harm Klueting: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen als geistliches Territorium im 16. und 18. Jahrhundert. In: Ders. (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen. Band 1: Das Herzogtum Westfalen: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 471f.
  2. Adlige Lebenswelten im Rheinland: kommentierte Quellen der Frühen Neuzeit. Köln u. a. 2009, S. 138.
Normdaten (Person): GND:(, ) | LCCN: | VIAF: |Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Bayern, Joseph Clemens von
ALTERNATIVNAMEN Bayern, Joseph Clemens Kajetan von
KURZBESCHREIBUNG Erzbischof von Köln
GEBURTSDATUM 5. Dezember 1671
GEBURTSORT München
STERBEDATUM 12. November 1723
STERBEORT Bonn

Joseph Clemens von Bayern
joseph, clemens, bayern, prinz, haus, wittelsbach, 1688, 1723, erzbischof, kurfürst, köln, sprache, beobachten, bearbeiten, joseph, clemens, kajetan, bayern, dezember, 1671, münchen, november, 1723, bonn, 1688, 1723, erzbischof, köln, kurfürst, heiligen, römis. Joseph Clemens von Bayern Prinz aus dem Haus Wittelsbach 1688 bis 1723 Erzbischof und Kurfurst von Koln Sprache Beobachten Bearbeiten Joseph Clemens Kajetan von Bayern 5 Dezember 1671 in Munchen 12 November 1723 in Bonn war von 1688 bis 1723 Erzbischof von Koln Kurfurst des Heiligen Romischen Reiches Landesherr des Erzstifts Koln und Erzkanzler fur Reichsitalien sowie Inhaber anderer reichsfurstlicher Bischofsstuhle und kirchlicher Wurden Seine von Kaiser und Papst gegen die Interessen von Ludwig XIV durchgesetzte Wahl zum Kolner Erzbischof war einer der Ausloser fur den Pfalzischen Erbfolgekrieg Spater wechselte er die Fronten und ging ein Bundnis mit Frankreich ein Wahrend des spanischen Erbfolgekrieges wurde er in Privation gesetzt und musste ins Exil nach Frankreich fliehen Erst nach mehr als zehn Jahren konnte er zuruckkehren und seine Amter im Reich ausuben Joseph Clemens von Bayern Inhaltsverzeichnis 1 Leben 1 1 Herkunft und Familie 1 2 Aufstieg in hohe geistliche Wurden 1 3 Kolner Bistumsstreit 1 4 Weitere Kirchenamter 1 5 Hinwendung an Frankreich 1 6 Exil in Frankreich 1 7 Ruckkehr 2 Werke 3 Literatur 4 Weblinks 5 EinzelnachweiseLeben BearbeitenHerkunft und Familie Bearbeiten Joseph Clemens war von vier Sohnen des Kurfursten Ferdinand Maria von Bayern und dessen Ehefrau Henriette Adelaide von Savoyen der zweite der das Erwachsenenalter erreichte Er hatte sechs Geschwister und war das zweitjungste Kind Einer seiner Bruder war Kurfurst Max Emanuel von Bayern Er war ein Onkel von Karl Albrecht von Bayern der als Karl VII Kaiser des Heiligen Romischen Reiches war Er war auch Neffe des Kolner Kurfursten Maximilian Heinrich von Bayern Wappen der im Grafenstand legitimierten Kinder von Grosberg von Bayern de Grosberg Baviere Joseph Clemens hatte zwei uneheliche Kinder Er zeugte mit Constance de Grousselier zwei Sohne Comte Jean Baptiste Victor de Grosberg Baviere 1706 1768 und Comte Antoine Levin de Grosberg Baviere 1710 1757 Aufstieg in hohe geistliche Wurden Bearbeiten Joseph Clemens von Bayern auf einem Gemalde im Furstengang Freising Von fruhester Jugend war er fur den geistlichen Stand bestimmt und wurde entsprechend erzogen Der tatsachliche Eintritt in den geistlichen Stand wurde von seinem Bruder Max Emanuel veranlasst und geschah gegen den Willen von Joseph Clemens der lieber Soldat geworden ware 1683 erhielt er die erste Tonsur und wurde Koadjutor fur das Bistum Regensburg 1684 wurde er Koadjutor des Bistums Freising 1685 Koadjutor 1688 Furstpropst der Furstpropstei Berchtesgaden Obwohl noch minderjahrig wurde er 1685 nach dem Tod seines Cousins Furstbischof Albert Sigmund zudem als dessen Nachfolger im Amt des Bischofs von Regensburg und Freising von Papst Innozenz XI bestatigt Auf die hoheren Weihen hat er jedoch zunachst verzichtet Dies war damals nicht unublich auch hielt er sich damit die Option auf die Nachfolge seines Bruders Max Emanuel offen sollte dieser keine Nachkommen haben Kolner Bistumsstreit Bearbeiten Portrat Wilhelm Egons von Furstenberg von Nicolas II de Larmessin Joseph Clemens stand ganz unter der Kontrolle seines Bruders Hauptsachliches Ziel von Max Emanuel war es durch die Person von Joseph Clemens der bayerischen Linie des Hauses Wittelsbach die Nachfolge des Kolner Kurfursten und Erzbischofs Maximilian Heinrich von Bayern zu sichern Dieses Vorhaben erwies sich allerdings als unerwartet schwierig Der Einfluss seines Neffen Max Emanuel auf Maximilian Heinrich war deutlich schwacher als derjenige der Bruder Franz Egon und Wilhelm Egon von Furstenberg Diese waren beide Anhanger Ludwigs XIV und vertraten dessen Politik im Reich Die politische Fuhrung Kurkolns lag dabei faktisch in der Hand von Wilhelm Egon von Furstenberg Maximilian Heinrich wollte diesem und nicht Joseph Clemens die Nachfolge in Koln sichern Zu Beginn des Jahres 1688 erreichte es Maximilian Heinrich dass das Kolner Domkapitel Furstenberg zum Koadjutor und damit zum potentiellen Nachfolger des Kolner Kurfursten wahlte Dabei spielten franzosische Bestechungsgelder eine wichtige Rolle Papst Innozenz XI der bestrebt war eine weitere Ausdehnung des Einflusses von Ludwig XIV zu verhindern versagte der Wahl seine Zustimmung Aus diesem Grund wurde nach dem kurz darauf erfolgten Tod von Maximilian Heinrich eine neue Wahl notig Dabei traten Wilhelm Egon von Furstenberg und Joseph Clemens als Kandidaten auf Da sich inzwischen die Beziehungen zwischen Bayern und Habsburg verbessert hatten unterstutzte auch Kaiser Leopold I den Wittelsbacher Von den 24 Wahlberechtigten stimmten dreizehn fur Furstenberg und nur neun fur Joseph Clemens Die Entscheidung war indes nicht so eindeutig wie es scheint Zur Gultigkeit der Wahl hatten beide Kandidaten eine Zweidrittelmehrheit benotigt weil sie nicht dem Kolner Domkapitel angehorten und in einem anderen Bistum schon Bischof waren Gleichwohl betrachtete sich Wilhelm Egon von Furstenberg als gewahlter Erzbischof und Kurfurst Er ging sofort daran Fakten zu schaffen Er liess die Residenzstadt Bonn und alle anderen wichtigen Platze militarisch besetzen Kaiser und Kurfurstenkollegium wandten sich daraufhin an den Papst Dieser erklarte die Postulation von Furstenbergs fur ungultig und erklarte Joseph Clemens zum Erzbischof Dabei setzte sich der Papst zum einen daruber hinweg dass Joseph Clemens mit siebzehn Jahren eigentlich noch nicht das notwendige kanonische Alter erreicht hatte und zum anderen ebenfalls keine Zweidrittelmehrheit erhalten hatte Der Grund war dass der Papst so ein weiteres Erstarken des franzosischen Einflusses verhindern wollte Bald darauf erhielt dieser auch die kaiserliche Bestatigung Ludwig XIV akzeptierte die papstlich kaiserliche Entscheidung nicht und schickte von Furstenberg eine starke Armee zur Hilfe Diese Intervention in Reichsangelegenheiten war einer der zentralen Ausloser fur den Pfalzischen Erbfolgekrieg Ludwig XIV sah sich einer fast geschlossenen Allianz der meisten europaischen Machte gegenuber Ein kaiserliches und ein brandenburgisch niederlandisches Heer kampften fur die Durchsetzung des Herrschaftsanspruchs von Joseph Clemens Der Krieg verlief wechselhaft Dabei wurden verschiedene kurkolnische Stadte darunter Bonn zerstort Bereits 1689 war das Bruhler Wasserschloss von franzosischen Truppen zerstort worden Gleich nach Ruckkehr begann der Wiederaufbau Da Joseph Clemens damit die wichtigsten Residenzen verloren hatte hielt er sich meist in Bayern auf Dies wurde von den Landstanden kritisiert Wahrend des Krieges grundete Joseph Clemens 1693 den nur Adeligen offenstehenden Orden vom Heiligen Michael und als Gegenstuck dazu die heute noch bestehende Erzbruderschaft St Michael Letztlich setzten sich die Verbundeten durch Wilhelm Egon von Furstenberg verlor zwar die Macht in Kurkoln erhielt aber im Frieden von Rijswijk seine Guter und Amter samt dem Bistum Strassburg zuruck Dort residierte er jedoch nicht mehr und zog sich nach Paris zuruck Weitere Kirchenamter Bearbeiten Titulatur des Kurfursten auf einem Druck aus dem Jahr 1715 mit Angabe der verschiedenen Amter und Wurden Bereits 1694 war Joseph Clemens auch zum Koadjutor des Bistums Hildesheim gewahlt worden Bischof wurde er dort 1702 Nach schweren Wahlauseinandersetzungen wurde er 1694 auch Furstbischof von Luttich Er erhielt zwar vom Papst Innozenz XII die Bestatigung dieses Amtes doch nannte der Papst seine Anhaufung von Bischofswurden nicht zulassig und verlangte die Aufgabe der Bischofsamter in Regensburg und Freising Joseph Clemens legte die Bischofsamter von Freising und Regensburg nieder wurde aber 1695 durch das Domkapitel von Regensburg erneut zum Bischof gewahlt In Freising erfolgte keine Wiederwahl Der Versuch auch Bischof in Munster zu werden wo Joseph Clemens eine Domherrenstelle innehatte scheiterte am Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges Hinwendung an Frankreich Bearbeiten Die eigentliche Regierung leitete von Beginn an sein Kanzler Johann Friedrich Karg von Bebenburg Der Versuch in Kurkoln und im Hochstift Luttich die Macht des Fursten zu starken stiess auf den Widerstand der von den Domkapiteln gefuhrten Stande Dagegen konnte sich der Kurfurst nicht durchsetzen Obwohl er auch dem Kaiser die Macht in Koln verdankte glaubte sich Joseph Clemens nicht genugend von diesem unterstutzt Nach dem Frieden von Rijswijk begann er sich in Richtung Frankreich zu orientieren Joseph Clemens erhielt aus Frankreich betrachtliche Subsidien die er insbesondere fur den Wiederaufbau der zerstorten Schlosser benutzte Kurz vor Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges ging Joseph Clemens ein Bundnis mit Ludwig XIV von Frankreich ein Er folgte dabei dem Kurs seines Bruders Max Emanuel Exil in Frankreich Bearbeiten Belagerung von Kaiserswerth 1702 Kurkoln wurde damit erneut Kriegsschauplatz und es kam zu erheblichen Verwustungen Bonn wurde daraufhin 1702 von kaisertreuen Truppen besetzt und Joseph Clemens floh ins franzosische Exil nach Namur Im gleichen Jahr wurde er Bischof von Hildesheim Seit 1704 hielt er sich in Lille auf und von 1709 bis 1714 schliesslich noch in Valenciennes Unter Einfluss der Schriften des Bischofs von Cambrai Francois Fenelon empfing er dort die bislang vermiedene Priester und Bischofsweihe Zwar durfte diese Entscheidung tatsachlich mit seiner Frommigkeit zu tun haben aber dies hinderte ihn nicht mit Constance de Grousselier ein Verhaltnis einzugehen Aus dieser Beziehung gingen mehrere Kinder hervor Kaiser Joseph I verhangte 1706 die Privation bzw Reichsacht uber Joseph Clemens und Max Emanuel In dieser Zeit der faktischen Sedisvakanz fuhrte das Domkapitel die Regierung in Kurkoln und im angeschlossenen Herzogtum Westfalen Das Kolner Domkapitel unter Fuhrung des Kardinals und Dompropstes Christian August von Sachsen Zeitz war mehrheitlich kaiserlich orientiert und betrieb zusammen mit den Landstanden auch die offizielle Absetzung von Joseph Clemens Aus kirchenrechtlichen Grunden folgte der Papst dem nicht Ruckkehr Bearbeiten Im Frieden von Baden und Rastatt 1714 erhielt er all seine Wurden und Lander zuruck Bei seiner Ruckkehr 1715 nach Bonn brachte er auch seine Geliebte Konstanze de Grousselier mit Er erklarte zwar seit seiner Bischofsweihe keine intime Beziehung mehr zu ihr zu unterhalten was aber nach den Geburtstagen seiner Kinder nicht stimmen konnte Schloss Poppelsdorf um 1760 Aus Frankreich brachte er bleibende Eindrucke vom Hof in Versailles mit Der kurkolnische Hof wurde ausgebaut und Joseph Clemens vergab umfangreiche kunstlerische Auftrage Er liess das Poppelsdorfer Schloss errichten Damit hielt der Stil des Rokoko im Rheinland Einzug Auch begann er mit der Planung der Poppelsdorfer Allee die jedoch nicht mehr zu seinen Lebzeiten angelegt wurde Die hohen Bau und Hofausgaben brachten ihn verschiedentlich in Konflikt mit dem Domkapitel und den ubrigen Landstanden Zeitweise hielt er sich im Herzogtum Westfalen auf Fur das Herzogtum erliess er 1716 die Bestimmung dass die Untertanen nicht als Knechte und Magde in protestantischen Orten arbeiten durften Er erliess 1717 eine Wegebauordnung und 1723 eine neue Polizeiordnung die in die bisherigen Rechte der Stadte und Freiheiten eingriff 1 Joseph Clemens war auch an Literatur und Musik interessiert und soll selbst Dramen in franzosischer Sprache und Musikstucke verfasst haben Er verfugte uber eine grosse Hofkapelle und zu seiner Zeit fanden haufig Konzerte Opern und Theaterauffuhrungen statt Das Verzeichnis der Musikalien fullte in seinem Nachlassverzeichnis 25 Seiten 2 Trotz seines Lebens als prunkliebender Barockfurst hat er nach seiner Ruckkehr seine kirchlichen Pflichten nicht vernachlassigt Unter Einfluss von Fenelon lehnte er den Jansenismus ab In seiner Zeit erschien 1718 eine neue Auflage des Kolner Breviers und 1720 eine neue Kolner Agende Bemerkenswert ist auch dass unter seiner Herrschaft eine neue Judenordnung erlassen wurde die bis zum Ende des Kurstaates in Kraft blieb Dasselbe gilt auch fur die Polizeyordnung von 1723 Joseph Clemens starb am 12 November 1723 in Bonn Er wurde wie seine Wittelsbacher Vorganger auf dem Stuhl des Erzbischofs von Koln vor der Dreikonigenkapelle im Inneren des Kolner Doms beigesetzt Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Gnadenkapelle von Altotting Werke BearbeitenEpistola Pastoralis Reverendissimi ac Serenissimi Domini D Josephi Clementis Archi Episcopi Et Principis Electoris Coloniensis Ad Clerum populumque suum Coloniensem Hildesiensem Leodiensem amp Berchtesgadensem Noethen Coloniae 1719 Digitalisierte Ausgabe der Universitats und Landesbibliothek Dusseldorf Literatur BearbeitenAlice Arnold Joseph Clemens von Bayern In Jurgen Wurst Alexander Langheiter Hrsg Monachia Stadtische Galerie im Lenbachhaus Munchen 2005 ISBN 3 88645 156 9 S 83 Karl Hausberger Geschichte des Bistums Regensburg Bd 2 Vom Barock bis in die Gegenwart Regensburg 1989 S 15 21 Josef Staber Kirchengeschichte des Bistums Regensburg Regensburg 1966 S 151 153 Max Braubach Joseph Clemens Herzog von Bayern In Neue Deutsche Biographie NDB Band 10 Duncker amp Humblot Berlin 1974 ISBN 3 428 00191 5 S 622 f Digitalisat Rudolf Lill Wittelsbach am Rhein In Kurfurst Clemens August Landesherr und Mazen des 18 Jahrhunderts Koln 1961 S 62f Ingrid Munch Joseph Klemens von Bayern In Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon BBKL Band 3 Bautz Herzberg 1992 ISBN 3 88309 035 2 Sp 886 888 Artikel Artikelanfang im Internet Archive Weblinks Bearbeiten Commons Joseph Clemens von Bayern Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Eintrag zu Joseph Clemens von Bayern von Wittelsbach auf catholic hierarchy org abgerufen am 28 Marz 2018 Eintrag auf Rheinische Geschichte Tripota Trierer PortratdatenbankEinzelnachweise Bearbeiten Harm Klueting Das kurkolnische Herzogtum Westfalen als geistliches Territorium im 16 und 18 Jahrhundert In Ders Hrsg Das Herzogtum Westfalen Band 1 Das Herzogtum Westfalen Das kurkolnische Westfalen von den Anfangen kolnischer Herrschaft im sudlichen Westfalen bis zu Sakularisation 1803 Munster 2009 S 471f Adlige Lebenswelten im Rheinland kommentierte Quellen der Fruhen Neuzeit Koln u a 2009 S 138 VorgangerAmtNachfolgerMaximilian Heinrich von BayernKurfurst Erzbischof von Koln 1688 1723Clemens August I von BayernJobst Edmund von BrabeckBischof von Hildesheim 1702 1723Clemens August I von BayernAlbrecht Sigismund von BayernBischof von Regensburg 1685 1716Clemens August I von BayernAlbrecht Sigismund von BayernBischof von Freising 1685 1694Johann Franz Eckher von Kapfing und LiechteneckJohann Ludwig von ElderenBischof von Luttich 1694 1723Georg Ludwig von BerghesMaximilian Heinrich von BayernKurkolnischer Administrator von Berchtesgaden 1688 1723Julius Heinrich von Rehlingen RadauNormdaten Person GND 11909990X OGND AKS LCCN n88205257 VIAF 1570757 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Bayern Joseph Clemens vonALTERNATIVNAMEN Bayern Joseph Clemens Kajetan vonKURZBESCHREIBUNG Erzbischof von KolnGEBURTSDATUM 5 Dezember 1671GEBURTSORT MunchenSTERBEDATUM 12 November 1723STERBEORT BonnAbgerufen von https de wikipedia org w index php title Joseph Clemens von Bayern amp oldid 207045542, wikipedia, wiki, deutsches

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