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Jean-Louis Giraud-Soulavie

Abbé Jean-Louis Giraud-Soulavie, auch Giraud Soulavie, (* 8. Juli 1751 in Largentière; † 11. März 1813 in Paris) war ein französischer Diplomat, Historiker, Geograf und Geologe.

Giraud-Soulavie 1792

Inhaltsverzeichnis

Giraud-Soulavie stammte aus einer Familie des ländlichen Bürgertums aus Antraigues. Er besuchte das Collège Saint-Nicolas in Avignon und von 1771 bis zur Ordinierung 1776 das Priesterseminar. Danach war er Vikar in Antraigues. Er interessierte sich für Naturgeschichte und veröffentlichte in den Jahren 1780 bis 1784 sein unvollendet gebliebenes Hauptwerk, eine Naturgeschichte Südfrankreichs in 8 Bänden. Es beruht vor allem auf eigenen Beobachtungen im Département Ardèche (dem damaligen Vivarais) und machte ihn zu einem Pionier der Geologie und physischen Geographie. In ihm finden sich grundlegende Ideen wie die Datierung durch Leitfossilien und damit der Stratigraphie, aktualistische Vorstellungen (wie Erosion von Flusstälern) und kontinuierliche Schichtabfolgen als Bild der Erdgeschichte und Vegetationsstufen. Da dies Vorstellungen der Bibel zuwiderlief, sah er sich heftigen Angriffen in den 1780er Jahren durch den Abbé Barruel ausgesetzt. Er hatte aber die Rückendeckung des Erzbischofs von Narbonne, der auch seinen Aufenthalt in Pariser Salons duldete, 1787 einen Kuraufenthalt in der Normandie ermöglichte (nötig nicht zuletzt wegen der Heftigkeit der Auseinandersetzung mit Barruel) und seine weitere Karriere förderte. Im Jahr 1788 wurde er Generalvikar von Châlons-sur-Marne (ohne dort hinzuziehen). Ab Mitte der 1780er Jahre verlor er sein Interesse für Naturgeschichte und wandte sich der Zeitgeschichte zu. Schon zuvor war er ein eifriger Manuskript- und Briefmarkensammler. In den Jahren 1789 bis 1792 veröffentlichte er weiter und dann wieder ab 1799 vor allem Memoirenliteratur des 18. Jahrhunderts, teilweise authentisch, teilweise wie damals üblich mit eigenen Zusätzen, also aus heutiger Sicht Fälschungen (zum Beispiel in den Memoiren des Marschalls von Richelieu und von Maurepas). Im Jahr 1789 schloss er sich den Ideen der Französischen Revolution an, gab sein Priesteramt auf und heiratete drei Jahre danach. Außerdem veröffentlichte er politische Artikel in Zeitschriften. Er ging im Jahr 1793 in den diplomatischen Dienst und wurde von Juni 1793 bis September 1794 Botschafter Frankreichs in Genf. Dort unterstützte er die lokalen Revolutionäre, die den Anschluss an Frankreich fordern, was zu einem diplomatischen Eklat führte (der Genfer Botschafter beschwerte sich in Paris). Nach der Absetzung von Robespierre war er als dessen Anhänger ein Jahr im Gefängnis. Danach bemühte er sich wieder um Anstellung im diplomatischen Dienst, was aber nicht erfolgreich war. Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen, dessen Herkunft unklar ist, und versöhnte sich zuletzt mit der Kirche (und mit Abbé Barruel) und bedauerte öffentlich seine, wie er es nunmehr sah, „Irrungen“ gegen die katholische Kirche in seinen Büchern.

Giraud-Soulavie war einer der wenigen, die in Frankreich die Ursache für die deutliche Abkühlung von 1783 (siehe Winter 1783/84) in der Spalteneruption des Laki auf Island erkannten.

In den Memoiren von Richelieu schob er auch seine Überlegungen zur Identität des Mannes mit der Eisernen Maske ein. Deutsch in der Thalia von 1790 veröffentlicht. Er war Anhänger der Hypothese, es wäre der Zwillingsbruder von Ludwig XIV. gewesen.

Aufgrund seines naturhistorischen Werks wurde er Mitglied der Académie des inscriptions et belles-lettres in Paris, der Russischen Akademie der Wissenschaften und der von Hessen-Kassel.

Werke zur Naturgeschichte:

  • Histoire naturelle de la France méridionale. 7 Bände. J.F. Quillau, Mérigot l’aîné, Belin 1780–1784.
  • Chronologie physique des éruptions des volcans éteints de la France méridionale: depuis celles qui avoisinent la formation de la terre, jusques à celles qui sont décrites dans l’histoire. Quillau, 1781.
  • Neuere Beobachtungen über die Vulkane Italiens und am Rhein in Briefen von Sir Wilhelm Hamilton … nebst merkwürdigen Bemerkungen des Abts Giraud Soulavie. Frankfurt / Leipzig 1789.

Historische Werke:

  • (Herausgabe mit Jean-Benjamin de Laborde): Correspondance du cardinal de Tencin, ministre d’État, et de Madame de Tencin sa sœur, avec le duc de Richelieu, sur les intrigues de la Cour de France depuis 1742 jusqu’en 1757, et surtout pendant la faveur des dames de Mailly, de Vintimille, de Lauraguais, de Châteauroux et de Pompadour. Paris 1790.
  • Histoire de la convocation et des élections aux États-Généraux en 1789, pour servir de préliminaire à l’histoire de la révolution. Lavillette, Paris 1790; Neuauflage 1791.
  • Mémoires historiques et politiques du règne de Louis XVI depuis son mariage jusqu’à sa mort. 6 Bände. Treuttel et Würtz, 1801.
  • Mémoires historiques et anecdotes de la cour de France pendant la faveur de la marquise de Pompadour. Arthus-Bertrand, 1802.
  • Histoire de la décadence de la monarchie française […]. 1803, 3 Bände plus Atlas-Band
  • La Chronique scandaleuse de Philippe duc d’Orléans. Léopold Collin, Paris 1809.
  • L. Aufrère: Soulavie et son secret. Un conflit entre l’actualisme et le créationnisme. Le temps géomorphologique, Paris 1952.
  • Michel Chevalier: L’abbé Soulavie, précurseur ardéchois de la géographie moderne (1752–1813). In: Revue du Vivarais, Band 90, Nr. 2, 1986, S. 81–100.
  • Albin Mazon: Histoire de Soulavie (naturaliste, diplomate, historien). 2 Bände. Paris 1893, Zusatzband 1901 (Appendice à l’histoire de Soulavie)
Wikisource: Jean-Louis Giraud-Soulavie – Quellen und Volltexte
Normdaten (Person): GND:(, ) | LCCN: | VIAF: |Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Giraud-Soulavie, Jean-Louis
KURZBESCHREIBUNG französischer Diplomat, Historiker und Geologe
GEBURTSDATUM 8. Juli 1751
GEBURTSORT Largentière
STERBEDATUM 11. März 1813
STERBEORT Paris

Jean-Louis Giraud-Soulavie
jean, louis, giraud, soulavie, abbé, geologe, geograph, historiker, sprache, beobachten, bearbeiten, abbé, auch, giraud, soulavie, juli, 1751, largentière, märz, 1813, paris, französischer, diplomat, historiker, geograf, geologe, giraud, soulavie, 1792, inhalt. Jean Louis Giraud Soulavie Abbe Geologe Geograph Historiker Sprache Beobachten Bearbeiten Abbe Jean Louis Giraud Soulavie auch Giraud Soulavie 8 Juli 1751 in Largentiere 11 Marz 1813 in Paris war ein franzosischer Diplomat Historiker Geograf und Geologe Giraud Soulavie 1792 Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Schriften 3 Literatur 4 WeblinksLeben BearbeitenGiraud Soulavie stammte aus einer Familie des landlichen Burgertums aus Antraigues Er besuchte das College Saint Nicolas in Avignon und von 1771 bis zur Ordinierung 1776 das Priesterseminar Danach war er Vikar in Antraigues Er interessierte sich fur Naturgeschichte und veroffentlichte in den Jahren 1780 bis 1784 sein unvollendet gebliebenes Hauptwerk eine Naturgeschichte Sudfrankreichs in 8 Banden Es beruht vor allem auf eigenen Beobachtungen im Departement Ardeche dem damaligen Vivarais und machte ihn zu einem Pionier der Geologie und physischen Geographie In ihm finden sich grundlegende Ideen wie die Datierung durch Leitfossilien und damit der Stratigraphie aktualistische Vorstellungen wie Erosion von Flusstalern und kontinuierliche Schichtabfolgen als Bild der Erdgeschichte und Vegetationsstufen Da dies Vorstellungen der Bibel zuwiderlief sah er sich heftigen Angriffen in den 1780er Jahren durch den Abbe Barruel ausgesetzt Er hatte aber die Ruckendeckung des Erzbischofs von Narbonne der auch seinen Aufenthalt in Pariser Salons duldete 1787 einen Kuraufenthalt in der Normandie ermoglichte notig nicht zuletzt wegen der Heftigkeit der Auseinandersetzung mit Barruel und seine weitere Karriere forderte Im Jahr 1788 wurde er Generalvikar von Chalons sur Marne ohne dort hinzuziehen Ab Mitte der 1780er Jahre verlor er sein Interesse fur Naturgeschichte und wandte sich der Zeitgeschichte zu Schon zuvor war er ein eifriger Manuskript und Briefmarkensammler In den Jahren 1789 bis 1792 veroffentlichte er weiter und dann wieder ab 1799 vor allem Memoirenliteratur des 18 Jahrhunderts teilweise authentisch teilweise wie damals ublich mit eigenen Zusatzen also aus heutiger Sicht Falschungen zum Beispiel in den Memoiren des Marschalls von Richelieu und von Maurepas Im Jahr 1789 schloss er sich den Ideen der Franzosischen Revolution an gab sein Priesteramt auf und heiratete drei Jahre danach Ausserdem veroffentlichte er politische Artikel in Zeitschriften Er ging im Jahr 1793 in den diplomatischen Dienst und wurde von Juni 1793 bis September 1794 Botschafter Frankreichs in Genf Dort unterstutzte er die lokalen Revolutionare die den Anschluss an Frankreich fordern was zu einem diplomatischen Eklat fuhrte der Genfer Botschafter beschwerte sich in Paris Nach der Absetzung von Robespierre war er als dessen Anhanger ein Jahr im Gefangnis Danach bemuhte er sich wieder um Anstellung im diplomatischen Dienst was aber nicht erfolgreich war Er hinterliess ein betrachtliches Vermogen dessen Herkunft unklar ist und versohnte sich zuletzt mit der Kirche und mit Abbe Barruel und bedauerte offentlich seine wie er es nunmehr sah Irrungen gegen die katholische Kirche in seinen Buchern Giraud Soulavie war einer der wenigen die in Frankreich die Ursache fur die deutliche Abkuhlung von 1783 siehe Winter 1783 84 in der Spalteneruption des Laki auf Island erkannten In den Memoiren von Richelieu schob er auch seine Uberlegungen zur Identitat des Mannes mit der Eisernen Maske ein Deutsch in der Thalia von 1790 veroffentlicht Er war Anhanger der Hypothese es ware der Zwillingsbruder von Ludwig XIV gewesen Aufgrund seines naturhistorischen Werks wurde er Mitglied der Academie des inscriptions et belles lettres in Paris der Russischen Akademie der Wissenschaften und der von Hessen Kassel Schriften BearbeitenWerke zur Naturgeschichte Histoire naturelle de la France meridionale 7 Bande J F Quillau Merigot l aine Belin 1780 1784 Chronologie physique des eruptions des volcans eteints de la France meridionale depuis celles qui avoisinent la formation de la terre jusques a celles qui sont decrites dans l histoire Quillau 1781 Neuere Beobachtungen uber die Vulkane Italiens und am Rhein in Briefen von Sir Wilhelm Hamilton nebst merkwurdigen Bemerkungen des Abts Giraud Soulavie Frankfurt Leipzig 1789 Historische Werke Herausgabe mit Jean Benjamin de Laborde Correspondance du cardinal de Tencin ministre d Etat et de Madame de Tencin sa sœur avec le duc de Richelieu sur les intrigues de la Cour de France depuis 1742 jusqu en 1757 et surtout pendant la faveur des dames de Mailly de Vintimille de Lauraguais de Chateauroux et de Pompadour Paris 1790 Histoire de la convocation et des elections aux Etats Generaux en 1789 pour servir de preliminaire a l histoire de la revolution Lavillette Paris 1790 Neuauflage 1791 Memoires historiques et politiques du regne de Louis XVI depuis son mariage jusqu a sa mort 6 Bande Treuttel et Wurtz 1801 Memoires historiques et anecdotes de la cour de France pendant la faveur de la marquise de Pompadour Arthus Bertrand 1802 Histoire de la decadence de la monarchie francaise 1803 3 Bande plus Atlas Band La Chronique scandaleuse de Philippe duc d Orleans Leopold Collin Paris 1809 Literatur BearbeitenL Aufrere Soulavie et son secret Un conflit entre l actualisme et le creationnisme Le temps geomorphologique Paris 1952 Michel Chevalier L abbe Soulavie precurseur ardechois de la geographie moderne 1752 1813 In Revue du Vivarais Band 90 Nr 2 1986 S 81 100 Albin Mazon Histoire de Soulavie naturaliste diplomate historien 2 Bande Paris 1893 Zusatzband 1901 Appendice a l histoire de Soulavie Weblinks Bearbeiten Wikisource Jean Louis Giraud Soulavie Quellen und Volltexte Les savants en Ardeche Jean Louis SoulavieNormdaten Person GND 118947443 OGND AKS LCCN n86868727 VIAF 46798589 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Giraud Soulavie Jean LouisKURZBESCHREIBUNG franzosischer Diplomat Historiker und GeologeGEBURTSDATUM 8 Juli 1751GEBURTSORT LargentiereSTERBEDATUM 11 Marz 1813STERBEORT ParisAbgerufen von https de wikipedia org w index php title Jean Louis Giraud Soulavie 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