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Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, englisch: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen.

Es wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben und oft kurz auch als Internationale Klassifikation der Krankheiten bezeichnet.

Die zukünftige ICD-11 wurde nach Veröffentlichung einer ersten Version im Juni 2018 von der Weltgesundheitsversammlung im Mai 2019 verabschiedet und soll am 1. Januar 2022 in Kraft treten. Über den Zeitpunkt einer Einführung der ICD-11 in Deutschland sind noch keine Aussagen möglich.

Die aktuelle, international gültige Ausgabe ist ICD-10-WHO Version 2019. Eine Einschränkung der ICD-10 ist, dass sie Erkrankungen allein über die individuelle Symptomatik und Diagnose definiert. Der aktuelle Krankheitsstatus (Folgen der Erkrankung für die Funktionsfähigkeit des Patienten etc.) wird dagegen nicht berücksichtigt – obwohl dieser oft sehr bedeutsam für die Behandlung und Einschätzung der Schwere der Gesundheitsbeeinträchtigung ist. Daher wurde als Erweiterung die „International Classification of Functioning, Disability and Health“ (ICF) entwickelt, welche die ICD um diese Aspekte ergänzt.
In Tumor- oder Krebsregistern werden Tumordiagnosen nach der ICD-O verschlüsselt.

Inhaltsverzeichnis

In Deutschland sind die an der vertragsärzt­lichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten und die von diesen geleiteten Einrichtungen verpflichtet, Diagnosen nach ICD-10-GM (German Modification) zu verschlüsseln. Rechtliche Grundlage für diese Diagnosenverschlüsselung ist§ 295 Absatz 1 Satz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (Abrechnung ärztlicher Leistungen). Verbindlich für die Verschlüsselung ist seit dem 1. Januar 2021 die vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) herausgegebene ICD-10-GM Version 2021. Österreich verwendet aktuell den ICD-10 BMASGK 2020. Ein Wechsel zu ICD-11 wird angestrebt, sobald eine ins Deutsche übersetzte Fassung der neuen Version vorliegt. In der Schweiz findet die German Modification Anwendung und wurde dafür auch ins Französische und Italienische übersetzt.

Zur Diagnose psychischer Störungen gibt es die Internationale Klassifikation psychischer Störungen (fünftes Kapitel der ICD-10) und parallel das DSM-5 (ein psychiatrisches Klassifikationssystem der USA). Beide sind weitgehend kompatibel, wodurch eine Umkodierung von Diagnosen zwischen den Systemen möglich wird. Die WHO gibt dazu auch einige Handbücher heraus, z. B. die klinisch-diagnostischen Leitlinien („blaues Buch“) und die Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis („grünes Buch“).

Bereits 1593 wurden in England erstmals Taufen und Beerdigungen erfasst; bis ins Jahr 1837 wurde in London die Todesfallstatistik Bills of mortality geführt. John Graunt analysierte diese Statistiken und veröffentlichte 1662 mit seiner „Natural and Political Observations Made upon the Bills of Mortality“ erste statistisch basierte Untersuchungen von Todesfallzahlen.

Systematische Klassifikationen von Krankheiten und Todesursachen wurden bereits im 18. Jahrhundert von Pionieren wie François Boissier de Sauvages de Lacroix („Nosologia methodica“, 1763), Carl von Linné („Genera Morborum“, 1763) und William Cullen („Synopsis Nosologiae Methodicae“, 1785) vorgestellt. Problematisch war das Fehlen einer einheitlichen Klassifikation und die mangelnde Weiterentwicklung, um dem medizinischen Fortschritt zu entsprechen. Eine erste Nomenklatur von Krankheiten entwickelten im 19. Jahrhundert gemeinsam der englische Epidemiologe und Mitbegründer der medizinischen Statistik William Farr (1807–1883) und der Genfer Arzt Marc d’Espine, die später Grundlage der ersten ICD-Version werden sollte. Eine weitere wichtige Vorarbeit leistete Jacques Bertillon ab 1893 mit der Internationalen Nomenklatur der Todesursachen („Bertillon-Klassifikation“).

Die erste Version des ICD wurde 1900 von der französischen Regierung herausgegeben, die dann in regelmäßigen Abständen überarbeitet und erweitert wurde. Von der vierten Version (ICD-4 von 1929) bis zur ersten Nachkriegsversion (der ICD-6 von 1948) war die Gesundheitssektion des Völkerbundes Herausgeber. Bis dahin war die Klassifikation ausschließlich auf Krankheiten beschränkt, die als Todesursachen infrage kamen.

Seit der sechsten Version wird die ICD von der WHO herausgegeben und dort waren dann erstmals auch nicht zum Tode führende Krankheiten und Verletzungen enthalten, u. a. ein gesondertes Kapitel über psychische Störungen. Die Revision für das ICD-7 erfolgte 1955 in Paris und für das ICD-8 im Jahr 1965 in Genf. Bis zur ICD-9 von 1976 erfolgten etwa alle zehn Jahre weitere überarbeitete Ausgaben, da aufgrund medizinischer Fortschritte Änderungen und Ergänzungen erforderlich wurden. Die Arbeit an der aktuellen zehnten Ausgabe begann 1983 und wurde 1992 abgeschlossen. Die derzeit (2019) gültige internationale Ausgabe ist die ICD-10 in der Version von 2019.

Einige Staaten wie Deutschland, Österreich, die USA und Australien verwenden länderspezifische ICD-Erweiterungen oder Spezialausgaben. In den USA sind die an klinische Bedürfnisse angepassten Versionen ICD-10-CM (clinical modification) und ICD-10-PCS (procedure coding system) im Einsatz. In Österreich wird die Version ICD-10 BMASGK 2020 verwendet.

Deutschland

In der DDR erfolgte ab 1952 die Kodierung der Diagnosen sowohl bei stationärer als auch bei ambulanter Behandlung nach jeweils gültiger Klassifikation als Eintrag in das SV-Heft. In der Bundesrepublik Deutschland wurde 1986 erstmals die ICD-9 zur Diagnosenverschlüsselung in Krankenhäusern verpflichtend eingesetzt.

Der ICD ist gemäߧ 295 (1) und§ 301 (2) Fünftes Buch Sozialgesetzbuch für Deutschland rechtsverbindlich und zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung anzuwenden.

Eine deutschlandspezifische, von der WHO-Version abweichende Version (ICD-10-SGB-V) des seinerzeit bereits seit Jahren umstrittenen Diagnosecodes ICD-10 wurde zunächst von 2000 bis 2003 eingesetzt. Seit 2004 heißt die deutsche ICD-Ausgabe ICD-10-GM (German modification). Neben der in der klinischen Praxis üblicherweise verwendeten dreistelligen Codierung liegt auch eine Vierstellige Ausführliche Systematik (ICD-10-GM (VAS)) vor.

Sie wird vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) herausgegeben. Dort sind auch ältere, in Ost- und West-Deutschland verwendete ICD-Versionen archiviert und einsehbar. Da die ICD-GM nebst Anpassungen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch Vorschläge von Fachgesellschaften, Berufsverbänden, Krankenhäusern und Krankenkassen berücksichtigt, welche zu CD-Code-Neuaufnahmen, Streichungen, Klarstellungen und redaktionellen Anpassungen führen, gibt das DIMDI im Gegensatz zur WHO jedes Jahr eine neue rechtsverbindliche Version heraus. Seit dem 1. Januar 2021 ist die vom DIMDI herausgegebene ICD-10-GM Version 2021 für die Verschlüsselung verbindlich.

Darüber hinaus gibt es in Deutschland ein alphabetisches Verzeichnis zur ICD-10-GM, den sogenannten Diagnosenthesaurus. Für verschiedene Fachbereiche (Pädiatrie, Neurologie) existieren Spezialausgaben. Für die Todesursachenverschlüsselung gilt in Deutschland weiterhin die jeweils aktuelle ICD-10-WHO-Version, seit dem 1. Januar 2019 die Ausgabe 2019.

In Deutschland kann der ICD-10-Schlüssel im ambulanten Bereich durch einen angefügten Buchstabencode ergänzt werden:

  • Sicherheit:
    • A = Ausschluss einer solchen Erkrankung
    • G = gesicherte Diagnose
    • V = Verdacht auf
    • Z = symptomfreier Endzustand nach einer Erkrankung
  • Lokalisation:
    • R = rechts
    • L = links
    • B = beidseits

Nach den§ 295 Abs. 1 und§ 301 Abs. 2 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch sind in Deutschland Vertragsärzte, Vertragspsychotherapeuten und Krankenhäuser zur Diagnoseverschlüsselung nach ICD verpflichtet. Wurde dies in der Anfangszeit meist durch Ärzte gemacht, wird diese Aufgabe heute auch von Kodierfachkräften wahrgenommen. Aus dem ICD- und dem OPS-Code wird eine Diagnosis Related Group (DRG, Diagnosebezogene Fallgruppe) errechnet, so dass eine fall- und diagnosebezogene Abrechnung möglich wird. Die ICD sind zusammen mit der OPS-Verschlüsselung für Krankenhäuser Grundlage des DRG-Systems, das 2003 als Berechnungsgrundlage für die Leistungsvergütung in Deutschland eingeführt wurde. Ziel dieses neuen Systems ist es, trotz zunehmender Belastung des Gesundheitswesens durch die demographische Entwicklung eine Steuerungsmöglichkeit der Kostenentwicklung zu erhalten.

Für die systematische EDV-verträgliche Klassifikation existiert die auf XML basierende Markup-Sprache ClaML.

Schweiz

Seit 2013 ist die Benutzung der deutschlandspezifischen, von der WHO-Version abweichenden Version ICD-10-GM 2012 für die Kodierung der Diagnosen für alle Leistungserbringer in der ganzen Schweiz obligatorisch. Zuvor wurde die ICD-10-GM 2010, in Ausnahmefällen ICD-10-WHO verwendet.

Die ICD-10 ist ein einachsiges und monohierarchisches Klassifikationssystem und liegt in drei Bänden vor:

  • Band I: Systematisches Verzeichnis
  • Band II: Regelwerk
  • Band III: Alphabetisches Verzeichnis

Sie gliedert sich in:

  • eine dreistellige allgemeine Systematik (zum Beispiel A95: Gelbfieber)
  • eine vierstellige ausführliche Systematik (zum Beispiel A95.0: Buschgelbfieber)
  • gelegentlich fünfstellige Verfeinerungen (zum Beispiel M23.31: Sonstige Meniskusschädigungen, vorderes Kreuzband oder Vorderhorn des Innenmeniskus)

Diese „untergeordneten fünfstelligen Schlüsselnummern“ dürfen im ambulanten Bereich trotz des dadurch entstehenden Informationsverlustes durch die „übergeordneten vierstelligen Schlüsselnummern“ ersetzt werden. Dort spricht man vom sogenannten Fünfsteller.

Die Notation ist alphanumerisch. Die erste Stelle ist ein Buchstabe, die Stellen zwei bis fünf enthalten Ziffern. Die vierte Stelle ist von der dritten Stelle durch einen Punkt abgetrennt. Dieser Punkt muss im Schriftwechsel mit der Deutschen Rentenversicherung weggelassen werden.

Die Bereiche U00–U49 bzw. U50–U99 sind für Erweiterungen oder Forschungszwecke reserviert. Die ICD-10 enthält:

  • 22 Krankheitskapitel
  • 261 Krankheitsgruppen (zum Beispiel E10–E14: Diabetes mellitus)
  • 2.037 dreistellige Krankheitsklassen (Kategorien) (zum Beispiel E10.-: Primär insulinabhängiger Diabetes mellitus [Typ-I-Diabetes])
  • 12.161 vierstellige Krankheitsklassen (Subkategorien) (zum Beispiel: E10.1: Primär insulinabhängiger Diabetes mellitus [Typ-I-Diabetes] mit Ketoazidose)

Die Einteilungs-Kriterien wechseln zwischen Topographie, Ätiologie und Pathologie.

Die Klassifikation selbst hat keine temporalen oder dynamischen Aspekte, sondern umfasst lediglich eine Beschreibung zeitinvarianter Merkmale. Das systematische Verzeichnis enthält eine Zusatzklassifikation (M-Achse), mit der Neubildungen histologisch klassifiziert werden können. Hierbei handelt es sich um einen sechsstelligen Schlüssel, der mit dem Buchstaben „M“ beginnt. Darauf folgen vier Ziffern zur Codierung der Neubildung, gefolgt von einem Schrägstrich (/) und einer Ziffer zur Codierung des pathologischen Verhaltens (zum Beispiel: M8051/3: verruköses Karzinom o. n. A.). Der Aufbau der M-Achse entspricht weitgehend der Klassifikation nach ICD-O bzw. nach SNOMED.

Kapitel Notation Bezeichnung
I A00–B99 Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten
II C00–D48 Neubildungen (beispielsweise Tumoren u. Ä.)
III D50–D89 Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems
IV E00–E90 Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
V F00–F99 Psychische und Verhaltensstörungen
VI G00–G99 Krankheiten des Nervensystems
VII H00–H59 Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde
VIII H60–H95 Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes
IX I00–I99 Krankheiten des Kreislaufsystems
X J00–J99 Krankheiten des Atmungssystems
XI K00–K93 Krankheiten des Verdauungssystems
XII L00–L99 Krankheiten der Haut und der Unterhaut
XIII M00–M99 Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
XIV N00–N99 Krankheiten des Urogenitalsystems
XV O00–O99 Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
XVI P00–P96 Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben
XVII Q00–Q99 Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien
XVIII R00–R99 Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind
XIX S00–T98 Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen
XX V01–Y98 Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität
XXI Z00–Z99 Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen
XXII U00–U85 Schlüsselnummern für besondere Zwecke

Einige Erkrankungen werden in ICD-10 mit einer Doppelklassifikation abgebildet. Die primäre Einteilung erfolgt nach der Ätiologie, die sekundäre nach der Organmanifestation. In der Systematik wird der Primärschlüssel mit einem Kreuz (+) abgebildet, der Sekundärschlüssel mit einem Stern (*). Diese Notation wird als Kreuz-Stern-System bezeichnet.

Beispiel: Der ICD-10-Code A17.0+ (tuberkulöse Meningitis) ist bezüglich der Ätiologie eine Infektionskrankheit, und bezüglich der Organmanifestation eine Krankheit des Nervensystems (G01*).

Beispiel: Ein Augenarzt, der eine diabetische Retinopathie behandelt und nicht die Grunderkrankung (Diabetes mellitus), ist vorrangig am klinischen Sekundärschlüssel interessiert:

  • Ätiologie: E10.30+ Diabetes mellitus Typ I mit Augenkomplikation, nicht als entgleist bezeichnet.
  • Organmanifestation: H36.0* Retinopathia diabetica.

Die Kreuz-Notation wird für statistische Zwecke verwendet. Die Stern-Notation hat einen größeren klinischen Bezug und wird u. a. für die Leistungsverrechnung verwendet.

In Deutschland hätte bereits 1996 die vertragsärztliche Abrechnung ausschließlich auf Basis der Verschlüsselung nach ICD-10 erfolgen sollen. Nach massivem Widerstand aus der Ärzteschaft wurde die ICD-10 zunächst als freiwillige Option eingeführt, die Verwendung einer überarbeiteten Version ist seit 2000 Pflicht.

Hauptkritikpunkte an der ICD sind:

  • Es wurde befürchtet, dass durch datentechnische Auswertungsverfahren die ärztliche Schweigepflicht ausgehöhlt werden könnte („gläserner Patient“).
  • Durch die Möglichkeit einer maschinellen Auswertung der Abrechnungsdaten solle die ärztliche Tätigkeit in unzulässigem Maß transparent und kontrollierbar gemacht werden („gläserner Arzt“).
  • Die Gliederung entspricht nicht medizinischen oder praktischen Gesichtspunkten, sondern folgt lediglich statistischen Erfordernissen. So werden etwa unter K alle Krankheiten des Verdauungssystems zusammengefasst (von den Zähnen bis zum Darmausgang), die in der ärztlichen Praxis ganz verschiedene Fachgruppen betreffen. Andererseits fehlen dort wichtige gastrointestinale Krankheiten wie Karzinome, die allgemein unter C eingeordnet sind.
  • Die nationalen Anwendungen der ICD sind unvollständig. So waren zeitweise in der Bundesrepublik Deutschland Codes ausgeschlossen. Die internationale Vergleichbarkeit von Krankheitsursachen ist damit eingeschränkt.
  • Die Verwendung mancher Diagnosen, speziell unter Z, könnte eine unzulässige Offenlegung der persönlichen Situation und Umgebung des Patienten sein, z. B. Angaben über Einflüsse aus dem familiären oder beruflichen Umfeld.
  • Nicht jede Symptomatik entspricht einem Krankheitsbild nach ICD; das erschwert dem Arzt klare Angaben, wenn zunächst kein Krankheitsbild hundertprozentig passt.
  • Auch unter statistischen Gesichtspunkten ist die ICD fragwürdig, weil sie nicht klar zwischen Diagnosen und Symptomen unterscheidet. (Hämaturie [ICD-10: D68.3] ist ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Dies führt zu Ungenauigkeit, weil formal immer das Symptom und die Ursache codiert werden sollten, aber in der Praxis selten beides codiert wird.)

Des Weiteren wird kritisiert, dass ICD zur Pathologisierung von Homosexualität und Bisexualität (1990 aus ICD-9 gestrichen) sowie Transsexualität (Nicht mehr in ICD-11 enthalten) beitrug oder noch beiträgt. Frankreich verbot daher per Dekret die Einstufung transsexueller Menschen unter F64.0 als Stigmatisierung und Diskriminierung. Der Europarat hat in seiner Resolution 2048 vom 22. April 2015 für die rechtliche und soziale Gleichstellung von Transpersonen die 47 Mitgliedsstaaten unter anderem dazu aufgefordert, alle Einstufungen als geistige Störungen in nationalen Klassifikationen zu streichen und die Streichung auch bei der WHO zu fordern. Das Europaparlament hatte bereits 2011 die Europäische Kommission und die WHO aufgefordert, Störungen der Geschlechtsidentität von der Liste der psychischen und Verhaltensstörungen zu streichen und in den Verhandlungen über die 11. Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) eine nicht pathologisierende Neueinstufung sicherzustellen.

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)

Weltgesundheitsorganisation (WHO):

  1. WHO releases new International Classification of Diseases (ICD-11)., News Medical, abgerufen am 19. Juni 2018.
  2. Weltgesundheitsversammlung beschließt die ICD-11. Deutsches Ärzteblatt vom 27. Mai 2019.
  3. DIMDI - ICD-11. DIMDI, abgerufen am 27. November 2019.
  4. Michael Linden: Krankheit und Behinderung – Das ICF-Modell. In: Der Nervenarzt.Band86,Nr.1, 1. Januar 2015,S.29–35, doi:10.1007/s00115-014-4112-9 (springer.com [abgerufen am 2. Januar 2018]).
  5. International Classification of Diseases for Oncology, 3rd Edition (ICD-O-3), abgerufen am 20. November 2019.
  6. ICD-10-GM. Abgerufen am 8. August 2021.
  7. https://www.sozialministerium.at Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung Medizinische Dokumentation Codierhinweise bis inkl. 34. Rundschreiben 1. Jänner 2020 S. 8 (PDF), abgerufen am 6. März 2020
  8. ICD implementation in the EU. Abgerufen am 5. Juni 2019.
  9. Medizinische Kodierung und Klassifikationen Infoseite des Schweizer Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 5. Juni 2019.
  10. Hans-Ulrich Wittchen: Klinische Psychologie & Psychotherapie. Springer, 2011, ISBN 978-3-642-13017-5,Kap.2,S.40–42 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. DIMDI: ICD-10: Historie und Ausblick. Abgerufen am 13. Mai 2018.
  12. Isabel dos Santos Silva: Cancer Epidemiology: Principles and methods International Agency for Research on Cancer, Lyon, Frankreich 1999, ISBN 92-832-0405-0.
  13. WHO: History of the development of the ICD. Abgerufen am 13. Mai 2018 (englisch).
  14. Übersicht ICD-10 der WHO
  15. International Classification of Diseases, (ICD-10-CM/PCS) Transition - Background. 6. November 2015, abgerufen am 8. August 2021 (amerikanisches Englisch).
  16. Diagnosenkodes im Sozialversicherungsausweis der DDR. In: dimdi.de. DIMDI, abgerufen am 2. Januar 2020.
  17. ICD-9 – Internationale Klassifikation der Krankheiten, 9. Revision. In: dimdi.de. DIMDI, abgerufen am 19. Juli 2016.
  18. Sabine Glöser: Diagnosenverschlüsselung: Die ICD-10 kommt. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 96, Heft 30, 30. Juli 1999, S. A1941.
  19. DIMDI: ICD-10-GM. DIMDI, abgerufen am 20. Juli 2018.
  20. Kassenärztliche Vereinigung Bayern: Verschlüsselung von Diagnosen mit ICD-10-GM. KVB, abgerufen am 20. Juli 2018.
  21. ICD-10-WHO – Versionsverlauf In: dimdi.de.
  22. ICD-10. In: hplus.ch. H+ Die Spitäler der Schweiz, abgerufen am 5. August 2020.
  23. ICD-10-GM 2010 Systematisches Verzeichnis, Deutscher Ärzteverlag, Köln 2010, S. LXXI.
  24. DL. Jones: Classification of velopharyngeal status in speakers with cleft palate. The relationship between temporal aspects of oral-nasal balance and classification of velopharyngeal status in speakers with cleft palate. In: Cleft Palate Craniofac J., 2000 Jul, 37(4), S. 363–369, PMID 10912715.
  25. Kurt Kieselbach: Der „gläserne Patient“ wird zum Zankapfel. In: Die Welt, 22. Juli 1999.
  26. Resolution 2048 (2015): Discrimination against transgender people in Europe PDF. Abgerufen am 2. Mai 2015.
  27. Christina Laußmann: Historische Resolution für die Rechte von Trans*-Personen verabschiedet. Deutsche Aids-Hilfe, 23. April 2015.
  28. Entschließung des Europäischen Parlaments vom 12. Dezember 2012 zur Lage der Grundrechte in der Europäischen Union (2010–2011) (2011/2069(INI)), Sexuelle Ausrichtung und Geschlechtsidentität, Empfehlung Nr. 98.
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Normdaten (Werk): GND:4261731-5(OGND, AKS) | VIAF:209185752

Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme
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Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme wichtigstes weltweit anerkanntes Diagnoseklassifikationssystem der Medizin Sprache Beobachten Bearbeiten Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme ICD englisch International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems ist das wichtigste weltweit anerkannte Klassifikationssystem fur medizinische Diagnosen Es wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegeben und oft kurz auch als Internationale Klassifikation der Krankheiten bezeichnet Die zukunftige ICD 11 wurde nach Veroffentlichung einer ersten Version im Juni 2018 1 von der Weltgesundheitsversammlung im Mai 2019 verabschiedet und soll am 1 Januar 2022 in Kraft treten 2 Uber den Zeitpunkt einer Einfuhrung der ICD 11 in Deutschland sind noch keine Aussagen moglich 3 Die aktuelle international gultige Ausgabe ist ICD 10 WHO Version 2019 Eine Einschrankung der ICD 10 ist dass sie Erkrankungen allein uber die individuelle Symptomatik und Diagnose definiert Der aktuelle Krankheitsstatus Folgen der Erkrankung fur die Funktionsfahigkeit des Patienten etc wird dagegen nicht berucksichtigt obwohl dieser oft sehr bedeutsam fur die Behandlung und Einschatzung der Schwere der Gesundheitsbeeintrachtigung ist Daher wurde als Erweiterung die International Classification of Functioning Disability and Health ICF entwickelt welche die ICD um diese Aspekte erganzt 4 In Tumor oder Krebsregistern werden Tumordiagnosen nach der ICD O verschlusselt 5 Inhaltsverzeichnis 1 Im deutschsprachigen Raum 2 Psychische Storungen 3 Geschichte 4 Situation in einzelnen Landern 4 1 Deutschland 4 2 Schweiz 5 Aufbau 6 Krankheitskapitel 7 Doppelklassifikation 8 Kritik 9 Weblinks 10 EinzelnachweiseIm deutschsprachigen Raum BearbeitenIn Deutschland sind die an der vertragsarzt lichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung teilnehmenden Arzte und Psychotherapeuten und die von diesen geleiteten Einrichtungen verpflichtet Diagnosen nach ICD 10 GM German Modification zu verschlusseln Rechtliche Grundlage fur diese Diagnosenverschlusselung ist 295 Absatz 1 Satz 2 des Funften Buches Sozialgesetzbuch Abrechnung arztlicher Leistungen Verbindlich fur die Verschlusselung ist seit dem 1 Januar 2021 die vom Deutschen Institut fur Medizinische Dokumentation und Information DIMDI herausgegebene ICD 10 GM Version 2021 6 Osterreich verwendet aktuell den ICD 10 BMASGK 2020 7 Ein Wechsel zu ICD 11 wird angestrebt sobald eine ins Deutsche ubersetzte Fassung der neuen Version vorliegt 8 In der Schweiz findet die German Modification Anwendung und wurde dafur auch ins Franzosische und Italienische ubersetzt 9 Psychische Storungen BearbeitenZur Diagnose psychischer Storungen gibt es die Internationale Klassifikation psychischer Storungen funftes Kapitel der ICD 10 und parallel das DSM 5 ein psychiatrisches Klassifikationssystem der USA Beide sind weitgehend kompatibel wodurch eine Umkodierung von Diagnosen zwischen den Systemen moglich wird Die WHO gibt dazu auch einige Handbucher heraus z B die klinisch diagnostischen Leitlinien blaues Buch und die Diagnostische Kriterien fur Forschung und Praxis grunes Buch 10 Geschichte BearbeitenBereits 1593 wurden in England erstmals Taufen und Beerdigungen erfasst bis ins Jahr 1837 wurde in London die Todesfallstatistik Bills of mortality gefuhrt John Graunt analysierte diese Statistiken und veroffentlichte 1662 mit seiner Natural and Political Observations Made upon the Bills of Mortality erste statistisch basierte Untersuchungen von Todesfallzahlen Systematische Klassifikationen von Krankheiten und Todesursachen wurden bereits im 18 Jahrhundert von Pionieren wie Francois Boissier de Sauvages de Lacroix Nosologia methodica 1763 Carl von Linne Genera Morborum 1763 und William Cullen Synopsis Nosologiae Methodicae 1785 vorgestellt 11 Problematisch war das Fehlen einer einheitlichen Klassifikation und die mangelnde Weiterentwicklung um dem medizinischen Fortschritt zu entsprechen Eine erste Nomenklatur von Krankheiten entwickelten im 19 Jahrhundert gemeinsam der englische Epidemiologe und Mitbegrunder der medizinischen Statistik William Farr 1807 1883 und der Genfer Arzt Marc d Espine die spater Grundlage der ersten ICD Version werden sollte 12 Eine weitere wichtige Vorarbeit leistete Jacques Bertillon ab 1893 mit der Internationalen Nomenklatur der Todesursachen Bertillon Klassifikation 13 Die erste Version des ICD wurde 1900 von der franzosischen Regierung herausgegeben die dann in regelmassigen Abstanden uberarbeitet und erweitert wurde Von der vierten Version ICD 4 von 1929 bis zur ersten Nachkriegsversion der ICD 6 von 1948 war die Gesundheitssektion des Volkerbundes Herausgeber Bis dahin war die Klassifikation ausschliesslich auf Krankheiten beschrankt die als Todesursachen infrage kamen 11 Seit der sechsten Version wird die ICD von der WHO herausgegeben und dort waren dann erstmals auch nicht zum Tode fuhrende Krankheiten und Verletzungen enthalten u a ein gesondertes Kapitel uber psychische Storungen Die Revision fur das ICD 7 erfolgte 1955 in Paris und fur das ICD 8 im Jahr 1965 in Genf Bis zur ICD 9 von 1976 erfolgten etwa alle zehn Jahre weitere uberarbeitete Ausgaben da aufgrund medizinischer Fortschritte Anderungen und Erganzungen erforderlich wurden Die Arbeit an der aktuellen zehnten Ausgabe begann 1983 und wurde 1992 abgeschlossen Die derzeit 2019 gultige internationale Ausgabe ist die ICD 10 in der Version von 2019 13 14 Einige Staaten wie Deutschland Osterreich die USA und Australien verwenden landerspezifische ICD Erweiterungen oder Spezialausgaben In den USA sind die an klinische Bedurfnisse angepassten Versionen ICD 10 CM clinical modification und ICD 10 PCS procedure coding system im Einsatz 15 In Osterreich wird die Version ICD 10 BMASGK 2020 verwendet 7 Situation in einzelnen Landern BearbeitenDeutschland Bearbeiten In der DDR erfolgte ab 1952 die Kodierung der Diagnosen sowohl bei stationarer als auch bei ambulanter Behandlung nach jeweils gultiger Klassifikation als Eintrag in das SV Heft 16 In der Bundesrepublik Deutschland wurde 1986 erstmals die ICD 9 zur Diagnosenverschlusselung in Krankenhausern verpflichtend eingesetzt 17 Der ICD ist gemass 295 1 und 301 2 Funftes Buch Sozialgesetzbuch fur Deutschland rechtsverbindlich und zur Verschlusselung von Diagnosen in der ambulanten und stationaren Versorgung anzuwenden Eine deutschlandspezifische von der WHO Version abweichende Version ICD 10 SGB V des seinerzeit bereits seit Jahren umstrittenen 18 Diagnosecodes ICD 10 wurde zunachst von 2000 bis 2003 eingesetzt Seit 2004 heisst die deutsche ICD Ausgabe ICD 10 GM German modification Neben der in der klinischen Praxis ublicherweise verwendeten dreistelligen Codierung liegt auch eine Vierstellige Ausfuhrliche Systematik ICD 10 GM VAS vor 19 20 Sie wird vom Deutschen Institut fur Medizinische Dokumentation und Information DIMDI herausgegeben Dort sind auch altere in Ost und West Deutschland verwendete ICD Versionen archiviert und einsehbar Da die ICD GM nebst Anpassungen durch die Weltgesundheitsorganisation WHO auch Vorschlage von Fachgesellschaften Berufsverbanden Krankenhausern und Krankenkassen berucksichtigt welche zu CD Code Neuaufnahmen Streichungen Klarstellungen und redaktionellen Anpassungen fuhren gibt das DIMDI im Gegensatz zur WHO jedes Jahr eine neue rechtsverbindliche Version heraus Seit dem 1 Januar 2021 ist die vom DIMDI herausgegebene ICD 10 GM Version 2021 fur die Verschlusselung verbindlich 6 Daruber hinaus gibt es in Deutschland ein alphabetisches Verzeichnis zur ICD 10 GM den sogenannten Diagnosenthesaurus Fur verschiedene Fachbereiche Padiatrie Neurologie existieren Spezialausgaben Fur die Todesursachenverschlusselung gilt in Deutschland weiterhin die jeweils aktuelle ICD 10 WHO Version seit dem 1 Januar 2019 die Ausgabe 2019 21 In Deutschland kann der ICD 10 Schlussel im ambulanten Bereich durch einen angefugten Buchstabencode erganzt werden Sicherheit A Ausschluss einer solchen Erkrankung G gesicherte Diagnose V Verdacht auf Z symptomfreier Endzustand nach einer Erkrankung Lokalisation R rechts L links B beidseits Nach den 295 Abs 1 und 301 Abs 2 Funftes Buch Sozialgesetzbuch sind in Deutschland Vertragsarzte Vertragspsychotherapeuten und Krankenhauser zur Diagnoseverschlusselung nach ICD verpflichtet Wurde dies in der Anfangszeit meist durch Arzte gemacht wird diese Aufgabe heute auch von Kodierfachkraften wahrgenommen Aus dem ICD und dem OPS Code wird eine Diagnosis Related Group DRG Diagnosebezogene Fallgruppe errechnet so dass eine fall und diagnosebezogene Abrechnung moglich wird Die ICD sind zusammen mit der OPS Verschlusselung fur Krankenhauser Grundlage des DRG Systems das 2003 als Berechnungsgrundlage fur die Leistungsvergutung in Deutschland eingefuhrt wurde Ziel dieses neuen Systems ist es trotz zunehmender Belastung des Gesundheitswesens durch die demographische Entwicklung eine Steuerungsmoglichkeit der Kostenentwicklung zu erhalten Fur die systematische EDV vertragliche Klassifikation existiert die auf XML basierende Markup Sprache ClaML Schweiz Bearbeiten Seit 2013 ist die Benutzung der deutschlandspezifischen von der WHO Version abweichenden Version ICD 10 GM 2012 fur die Kodierung der Diagnosen fur alle Leistungserbringer in der ganzen Schweiz obligatorisch Zuvor wurde die ICD 10 GM 2010 in Ausnahmefallen ICD 10 WHO verwendet 22 Aufbau BearbeitenDie ICD 10 ist ein einachsiges und monohierarchisches Klassifikationssystem und liegt in drei Banden vor Band I Systematisches Verzeichnis Band II Regelwerk Band III Alphabetisches Verzeichnis Sie gliedert sich in eine dreistellige allgemeine Systematik zum Beispiel A95 Gelbfieber eine vierstellige ausfuhrliche Systematik zum Beispiel A95 0 Buschgelbfieber gelegentlich funfstellige Verfeinerungen zum Beispiel M23 31 Sonstige Meniskusschadigungen vorderes Kreuzband oder Vorderhorn des Innenmeniskus Diese untergeordneten funfstelligen Schlusselnummern durfen im ambulanten Bereich trotz des dadurch entstehenden Informationsverlustes durch die ubergeordneten vierstelligen Schlusselnummern ersetzt werden 23 Dort spricht man vom sogenannten Funfsteller Die Notation ist alphanumerisch Die erste Stelle ist ein Buchstabe die Stellen zwei bis funf enthalten Ziffern Die vierte Stelle ist von der dritten Stelle durch einen Punkt abgetrennt Dieser Punkt muss im Schriftwechsel mit der Deutschen Rentenversicherung weggelassen werden Die Bereiche U00 U49 bzw U50 U99 sind fur Erweiterungen oder Forschungszwecke reserviert Die ICD 10 enthalt 22 Krankheitskapitel 261 Krankheitsgruppen zum Beispiel E10 E14 Diabetes mellitus 2 037 dreistellige Krankheitsklassen Kategorien zum Beispiel E10 Primar insulinabhangiger Diabetes mellitus Typ I Diabetes 12 161 vierstellige Krankheitsklassen Subkategorien zum Beispiel E10 1 Primar insulinabhangiger Diabetes mellitus Typ I Diabetes mit Ketoazidose Die Einteilungs Kriterien wechseln zwischen Topographie Atiologie und Pathologie Die Klassifikation selbst hat keine temporalen oder dynamischen Aspekte sondern umfasst lediglich eine Beschreibung zeitinvarianter Merkmale 24 Das systematische Verzeichnis enthalt eine Zusatzklassifikation M Achse mit der Neubildungen histologisch klassifiziert werden konnen Hierbei handelt es sich um einen sechsstelligen Schlussel der mit dem Buchstaben M beginnt Darauf folgen vier Ziffern zur Codierung der Neubildung gefolgt von einem Schragstrich und einer Ziffer zur Codierung des pathologischen Verhaltens zum Beispiel M8051 3 verrukoses Karzinom o n A Der Aufbau der M Achse entspricht weitgehend der Klassifikation nach ICD O bzw nach SNOMED Krankheitskapitel BearbeitenKapitel Notation BezeichnungI A00 B99 Bestimmte infektiose und parasitare KrankheitenII C00 D48 Neubildungen beispielsweise Tumoren u A III D50 D89 Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Storungen mit Beteiligung des ImmunsystemsIV E00 E90 Endokrine Ernahrungs und StoffwechselkrankheitenV F00 F99 Psychische und VerhaltensstorungenVI G00 G99 Krankheiten des NervensystemsVII H00 H59 Krankheiten des Auges und der AugenanhangsgebildeVIII H60 H95 Krankheiten des Ohres und des WarzenfortsatzesIX I00 I99 Krankheiten des KreislaufsystemsX J00 J99 Krankheiten des AtmungssystemsXI K00 K93 Krankheiten des VerdauungssystemsXII L00 L99 Krankheiten der Haut und der UnterhautXIII M00 M99 Krankheiten des Muskel Skelett Systems und des BindegewebesXIV N00 N99 Krankheiten des UrogenitalsystemsXV O00 O99 Schwangerschaft Geburt und WochenbettXVI P00 P96 Bestimmte Zustande die ihren Ursprung in der Perinatalperiode habenXVII Q00 Q99 Angeborene Fehlbildungen Deformitaten und ChromosomenanomalienXVIII R00 R99 Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde die anderenorts nicht klassifiziert sindXIX S00 T98 Verletzungen Vergiftungen und bestimmte andere Folgen ausserer UrsachenXX V01 Y98 Aussere Ursachen von Morbiditat und MortalitatXXI Z00 Z99 Faktoren die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens fuhrenXXII U00 U85 Schlusselnummern fur besondere ZweckeDoppelklassifikation BearbeitenEinige Erkrankungen werden in ICD 10 mit einer Doppelklassifikation abgebildet Die primare Einteilung erfolgt nach der Atiologie die sekundare nach der Organmanifestation In der Systematik wird der Primarschlussel mit einem Kreuz abgebildet der Sekundarschlussel mit einem Stern Diese Notation wird als Kreuz Stern System bezeichnet Beispiel Der ICD 10 Code A17 0 tuberkulose Meningitis ist bezuglich der Atiologie eine Infektionskrankheit und bezuglich der Organmanifestation eine Krankheit des Nervensystems G01 Beispiel Ein Augenarzt der eine diabetische Retinopathie behandelt und nicht die Grunderkrankung Diabetes mellitus ist vorrangig am klinischen Sekundarschlussel interessiert Atiologie E10 30 Diabetes mellitus Typ I mit Augenkomplikation nicht als entgleist bezeichnet Organmanifestation H36 0 Retinopathia diabetica Die Kreuz Notation wird fur statistische Zwecke verwendet Die Stern Notation hat einen grosseren klinischen Bezug und wird u a fur die Leistungsverrechnung verwendet Kritik BearbeitenIn Deutschland hatte bereits 1996 die vertragsarztliche Abrechnung ausschliesslich auf Basis der Verschlusselung nach ICD 10 erfolgen sollen Nach massivem Widerstand aus der Arzteschaft wurde die ICD 10 zunachst als freiwillige Option eingefuhrt die Verwendung einer uberarbeiteten Version ist seit 2000 Pflicht Hauptkritikpunkte an der ICD sind 10 Es wurde befurchtet dass durch datentechnische Auswertungsverfahren die arztliche Schweigepflicht ausgehohlt werden konnte glaserner Patient Durch die Moglichkeit einer maschinellen Auswertung der Abrechnungsdaten solle die arztliche Tatigkeit in unzulassigem Mass transparent und kontrollierbar gemacht werden glaserner Arzt 25 Die Gliederung entspricht nicht medizinischen oder praktischen Gesichtspunkten sondern folgt lediglich statistischen Erfordernissen So werden etwa unter K alle Krankheiten des Verdauungssystems zusammengefasst von den Zahnen bis zum Darmausgang die in der arztlichen Praxis ganz verschiedene Fachgruppen betreffen Andererseits fehlen dort wichtige gastrointestinale Krankheiten wie Karzinome die allgemein unter C eingeordnet sind Die nationalen Anwendungen der ICD sind unvollstandig So waren zeitweise in der Bundesrepublik Deutschland Codes ausgeschlossen Die internationale Vergleichbarkeit von Krankheitsursachen ist damit eingeschrankt Die Verwendung mancher Diagnosen speziell unter Z konnte eine unzulassige Offenlegung der personlichen Situation und Umgebung des Patienten sein z B Angaben uber Einflusse aus dem familiaren oder beruflichen Umfeld Nicht jede Symptomatik entspricht einem Krankheitsbild nach ICD das erschwert dem Arzt klare Angaben wenn zunachst kein Krankheitsbild hundertprozentig passt Auch unter statistischen Gesichtspunkten ist die ICD fragwurdig weil sie nicht klar zwischen Diagnosen und Symptomen unterscheidet Hamaturie ICD 10 D68 3 ist ein Symptom das verschiedene Ursachen haben kann Dies fuhrt zu Ungenauigkeit weil formal immer das Symptom und die Ursache codiert werden sollten aber in der Praxis selten beides codiert wird Des Weiteren wird kritisiert dass ICD zur Pathologisierung von Homosexualitat und Bisexualitat 1990 aus ICD 9 gestrichen sowie Transsexualitat Nicht mehr in ICD 11 enthalten beitrug oder noch beitragt Frankreich verbot daher per Dekret die Einstufung transsexueller Menschen unter F64 0 als Stigmatisierung und Diskriminierung Der Europarat hat in seiner Resolution 2048 vom 22 April 2015 fur die rechtliche und soziale Gleichstellung von Transpersonen 26 die 47 Mitgliedsstaaten unter anderem dazu aufgefordert alle Einstufungen als geistige Storungen in nationalen Klassifikationen zu streichen und die Streichung auch bei der WHO zu fordern 27 Das Europaparlament hatte bereits 2011 die Europaische Kommission und die WHO aufgefordert Storungen der Geschlechtsidentitat von der Liste der psychischen und Verhaltensstorungen zu streichen und in den Verhandlungen uber die 11 Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD 11 eine nicht pathologisierende Neueinstufung sicherzustellen 28 Weblinks BearbeitenDeutsches Institut fur Medizinische Dokumentation und Information DIMDI Offizielle Seite zur ICD 10 GM ICD 10 GM Version 2020 mit Codesuche ICD 10 GM 2020 Wesentliche Anderungen im Uberblick Informationsmaterial zur Anpassung an die Jahreversion 2020 Kassenarztliche Bundesvereinigung PDF 2 5 MB DIMDI Downloads im Bereich Klassifikationen Kopien der DIMDI Datenbank ICD 10 BMG Version 2014 Systematisches Verzeichnis PDF Osterreichische Version des ICD 10 2016 Bundesministerium fur Gesundheit ICD Scout Ermoglicht eine Volltextsuche im systematischen und alphabetischen Verzeichnis des ICD 10 GM KBV ICD Browser Kassenarztliche Bundesvereinigung abgerufen am 19 November 2019 Weltgesundheitsorganisation WHO Offizielle Homepage der ICD englisch Offizielle Online Version des ICD 10 englisch ICD 11 Beta Draft World Health Organization abgerufen am 10 Oktober 2019 englisch Offizieller Entwurf fur die Neufassung der ICD ICD 11 International Classification of Diseases 11th Revision The global standard for diagnostic health information World Health Organization abgerufen am 10 Oktober 2019 englisch Homepage ICD 11 for Mortality and Morbidity Statistics World Health Organization abgerufen am 10 Oktober 2019 englisch Aktuelle stabile und verabschiedete Version Einzelnachweise Bearbeiten WHO releases new International Classification of Diseases ICD 11 News Medical abgerufen am 19 Juni 2018 Weltgesundheitsversammlung beschliesst die ICD 11 Deutsches Arzteblatt vom 27 Mai 2019 DIMDI ICD 11 DIMDI abgerufen am 27 November 2019 Michael Linden Krankheit und Behinderung Das ICF Modell In Der Nervenarzt Band 86 Nr 1 1 Januar 2015 S 29 35 doi 10 1007 s00115 014 4112 9 springer com abgerufen am 2 Januar 2018 International Classification of Diseases for Oncology 3rd Edition ICD O 3 abgerufen am 20 November 2019 a b ICD 10 GM Abgerufen am 8 August 2021 a b https www sozialministerium at Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung Medizinische Dokumentation Codierhinweise bis inkl 34 Rundschreiben 1 Janner 2020 S 8 PDF abgerufen am 6 Marz 2020 ICD implementation in the EU Abgerufen am 5 Juni 2019 Medizinische Kodierung und Klassifikationen Infoseite des Schweizer Bundesamt fur Statistik Abgerufen am 5 Juni 2019 a b Hans Ulrich Wittchen Klinische Psychologie amp Psychotherapie Springer 2011 ISBN 978 3 642 13017 5 Kap 2 S 40 42 eingeschrankte Vorschau in der Google Buchsuche a b DIMDI ICD 10 Historie und Ausblick Abgerufen am 13 Mai 2018 Isabel dos Santos Silva Cancer Epidemiology Principles and methods International Agency for Research on Cancer Lyon Frankreich 1999 ISBN 92 832 0405 0 a b WHO 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relationship between temporal aspects of oral nasal balance and classification of velopharyngeal status in speakers with cleft palate In Cleft Palate Craniofac J 2000 Jul 37 4 S 363 369 PMID 10912715 Kurt Kieselbach Der glaserne Patient wird zum Zankapfel In Die Welt 22 Juli 1999 Resolution 2048 2015 Discrimination against transgender people in Europe PDF Abgerufen am 2 Mai 2015 Christina Laussmann Historische Resolution fur die Rechte von Trans Personen verabschiedet Deutsche Aids Hilfe 23 April 2015 Entschliessung des Europaischen Parlaments vom 12 Dezember 2012 zur Lage der Grundrechte in der Europaischen Union 2010 2011 2011 2069 INI Sexuelle Ausrichtung und Geschlechtsidentitat Empfehlung Nr 98 Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten Normdaten Werk GND 4261731 5 OGND AKS VIAF 209185752Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme amp oldid 214686143, wikipedia, wiki, deutsches

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