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Ibn Ishāq

Muhammad bin Ishāq [ɪbn ɪsˈħɑːq] (محمد بن إسحاق بن يسار بن خيار, DMG Muḥammad bin Isḥāq bin Yasār bin Ḫiyār, geb. um 704 in Medina; gest. 767 oder 768 in Bagdad) war ein muslimischer Geschichtsschreiber, der zum ersten Mal die Hadithe und Dokumente über das Leben des Propheten Mohammed in einem Buch mit einer durchdachten Struktur und Kapiteleinteilung zusammenstellte. Dieses Buch, das nicht im Original erhalten ist, sondern nur in späteren Rezensionen, Bearbeitungen und Auszügen, ist eine der wichtigsten Quellen für die frühe Geschichte des Islam und diente als Modell für alle späteren biographischen Werke über den Propheten. Die bekannteste Bearbeitung seines Werks ist die Sīra des Ibn Hischām. Sie hat später das Originalwerk verdrängt. Eine vollständige deutsche Übersetzung der Sīra liegt online vor, siehe unten.

Ibn Ishaq war der Enkel von Yasār, der einer der ersten Gefangenen von ʿAyn at-Tamr im Irak im Jahre 633 bis 634 auf einem Feldzug von Chālid ibn al-Walīd war, und nach Mekka gesandt wurde, wo er an Qays ibn Machrama ibn al-Muṭṭalib ibn ʿAbd Manāf ibn Quṣayy versklavt wurde. Zum Islam konvertiert, wurde Yasār freigelassen und zu dessen Maulā, so erhielt er die nisba al-Muṭṭalibī. Seine drei Söhne waren alle als Verbreiter historischer Nachrichten bekannt.

Muhammad ibn Ishaq trat in die Fußstapfen seiner Onkel und seines Vaters und spezialisierte sich in der Sammlung der Geschichten und Legenden über das Leben der Propheten, über die Erschaffung der Welt und die Geschichten der arabischen Stämme in der vorislamischen Zeit. Schon der umayyadische Gelehrte az-Zuhrī, der 741/42 starb, soll ihn als die wichtigste Autorität auf dem Gebiet der Maghāzī, der Berichte über die Feldzüge des Propheten, gepriesen haben.

Zunächst wirkte Ibn Iṣḥāq in Medina. Im Jahre 737 begab er sich nach Alexandria, wo er sich dem Studium des Hadith widmete. Gegen 749 verkehrte er wieder in Gelehrtenkreisen seiner Heimatstadt Medina, wo er den Traditionarier Sufyān b. ʿUyaina traf, der nach ihm Traditionen überlieferte und seine Gelehrsamkeit schätzte.

Kurz darauf (749/750) verließ er aber Medina. Nach Brockelmann war es nicht die Machtübernahme der Abbasiden, die ihn dazu veranlasste, sondern die Feindschaft der öffentlichen Meinung in dieser Stadt, die ihm vorwarf, Urheber von Legenden und Gedichten über den Propheten Mohammed gewesen zu sein. Unter den Medinensern ist namentlich Mālik ibn Anas zu nennen, welcher ihn verdächtigt haben soll, schiitische Neigungen gehabt und die Lehre der Willensfreiheit des Menschen vertreten zu haben.

Zwischen 759 und 760 hielt sich Ibn Ishāq in der Dschazira auf, dann begab er sich zu dem Kalifen al-Mansur (reg. 754–775) nach al-Hira, bevor er sich schließlich in Bagdad niederließ. Im Auftrag des Kalifen stellte er ein Buch zusammen. In einem Bericht in der Geschichte Bagdads von al-Chaṭīb al-Baġdādī wird präzisiert, dass dieses für den Kronprinzen, den späteren Kalifen al-Mahdi, bestimmt war.

Der Inhalt des Werkes, das Ibn Iṣḥāq für al-Manṣūr zusammenstellte, wird unterschiedlich angegeben. Während der Biograph Muhammad ibn Saʿd im 9. Jahrhundert lediglich davon spricht, dass Ibn Iṣḥāq für al-Manṣūr die Maghāzī aufschrieb, erwähnt al-Chaṭīb al-Baghdādī im 11. Jahrhundert, dass der Kalif ihm den Auftrag gab, "ein Buch zu verfassen von der Erschaffung Adams bis zum heutigen Tag". Er und andere geben als Titel dieses Werk al-Kitāb al-kabīr („Das große Buch“) an und schreiben, dass es aus drei Teilen bestand:

  • dem Kitāb al-Mubtadaʾ („Buch des Anfangs“), das den Zeitraum von der Weltschöpfung bis zum Auftreten Mohammeds behandelte,
  • dem Kitāb al-Mabʿath („Buch der Entsendung“, nämlich des Propheten), das die mekkanische Periode des Propheten behandelte, und
  • dem Kitāb al-Maghāzī („Buch der Feldzüge“), das die medinensische Periode und die Feldzüge des Propheten behandelte.

Einige Autoren erwähnen, dass dieses Sammelwerk noch einen vierten Teil enthielt, nämlich ein Kitāb al-Chulafāʾ („Buch der Kalifen“), das die Kalifenzeit bis zu al-Manṣūr behandelte. Der Widerspruch zwischen den Angaben bei ibn Saʿd und al-Chaṭīb al-Baghdādī wird in der modernen Forschung meist in der Weise gelöst, dass angenommen wird, dass der Titel Kitāb al-Maghāzī auch für das Sammelwerk benutzt wurde. Einige moderne westliche Autoren verwenden für das Sammelwerk auch den Titel Sīra, doch ist dieser in der klassischen arabischen Literatur nicht bezeugt.

Für die beiden Teile von Ibn Isḥāqs Werk, die sich mit der Prophetenbiographie befassten, schreibt der Orientalist Josef Horovitz: „Das Traditionsmaterial, das ihm von seinen Lehrern überliefert worden war und das er mit zahlreichen von ihm selbst gesammelten Feststellungen erweiterte, stellte Ibn Isḥāq zu einer wohlgeordneten Darstellung des Lebens des Propheten zusammen.“ Er verstand es,„die Geschichte des Propheten und des neuen Glaubens in die Geschichte der göttlichen Offenbarung seit Anbeginn der Welt“ einzuordnen. Nach Schoeler waren die Teile zur Prophetenbiographie chronologisch angeordnet und mit Kapitelüberschriften versehen.

Keiner der oben genannten Teile des Sammelwerks ist allerdings im Original erhalten, vielmehr können ihr Inhalt und ihre Gestalt nur aus überlieferten Werken späterer Autoren erschlossen werden.

Das Kitāb al-Mubtadaʾ ist allein aus Zitaten und paraphrasierten Auszügen in Werken wie der Weltgeschichte und Korankommentar von at-Tabarī bekannt. G.D. Newby hat in seinem Buch The making of the last Prophet den Versuch unternommen, mit Hilfe solcher Zitate das Kitāb al-Mubtadaʾ zu rekonstruieren. Demnach wurde die Geschichte Abrahams in diesem Buch besonders detailreich und kunstvoll behandelt.

Diejenigen Teile seines Werks, die sich mit der Prophetenbiographie befassen, sind darüber hinaus auch durch Rezensionen (Riwāyāt) seiner Schüler sowie spätere Bearbeitungen bekannt. Sie werden im folgenden Abschnitt eingehender behandelt.

Rezension des Yūnus ibn Bukair

Das Kitāb al-maġāzī ist auf 300 Manuskriptseiten (unvollständig) in der Rezension seines Schülers Yunus ibn Bukair (gest. 815) erhalten und von M. Hamidullah im Jahre 1976 herausgegeben worden. Das Werk beginnt mit der Genealogie Mohammeds und endet mit der islamischen Legende von Mohammeds Himmelfahrt. Auf die Existenz dieser Werkrezension hat erstmals der deutsche Orientalist Johann Fück hingewiesen.

Charakteristisch für diese Werkrezension sind die zahlreichen Ergänzungen durch Yunus ibn Bukair nach weiteren Quellen, die Ibn Ishāq selbst nicht benutzt hatte. Somit schuf Ibn Bukair ein eigenständiges Werk, das Ibn ʿAsākir in seiner biographischen Stadtgeschichte von Damaskus und Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī in seinem Kommentar zu al-Buchārī unter dem Titel: Ziyadat al-maghazi زيادات المغازي / ziyādāt al-maġāzī /‚Ergänzungen (zum Buch) der Feldzüge‘ mehrfach zitieren.

Rezension nach Muḥammad ibn Salama

Ein kurzes Fragment einer weiteren Rezension nach Muḥammad ibn Salama († 807) hat M. Hamidullah als Anhang zu seiner oben genannten Werkedition herausgegeben; es umfasst nur wenige Seiten und enthält eine Episode über den Feldzug nach Dhu Amarr, die in den einschlägigen Überlieferungen der Feldzüge Mohammeds nicht erhalten ist.

Bearbeitung des Ibn Hischām

In der zweiten Generation nach Ibn Ishāq hat ʿAbdalmalik ibn Hischām (gest. 834) sein Werk unter dem Titel Sirat Muhammad Rasulillah („Biographie Mohammeds des Gesandten Gottes“) überarbeitet. Ibn Hischām fügte zahlreiche Kommentare in den Text ein, nahm aber auch Kürzungen vor und ließ manche Gedichte weg. Diese Bearbeitung verdrängte nach einigen Jahrhunderten die Originalfassung Ibn Ishāqs, so dass sie im 13. Jahrhundert nicht mehr als eigenständiges Buch greifbar war.

Ibn Sayyid an-Nās

Eine weitere Bearbeitung des Werkes, die im frühen 14. Jahrhundert berühmt wurde, verfasste Ibn Sayyid an-Nās (geb. 1273; gest. 1334 in Kairo) unter dem Titel: Uyun al-athar fi funun al-maghazi wa-sch-schama'il wa-s-siyar / عيون الأثر في فنون المغازي والشمائل والسير / ʿuyūn al-aṯar fī funūn al-maġāzī wa-š-šamāʾil wa-s-siyar /‚Die besten Nachrichten auf dem (Fach)gebiet der Feldzüge, der (guten) Eigenschaften (des Propheten) und (seiner) Lebensweise‘. Neben Ibn Ishaq zitiert er auch weitere Autoritäten der maghazi-Literatur aus dem 8. Jahrhundert, deren Werke heute nicht mehr vorliegen. Dieses Werk in zwei Bänden ist im Orient mehrfach (zuletzt in Beirut 1974) gedruckt worden.

Ibn Hischām

Textausgabe
Übersetzungen
Studien
  • Johann Fück: Muḥammad ibn Isḥāq. Frankfurt a. M. 1925
  • Josef Horovitz: The Earliest Biographies of the Prophet and their Authors. In: Islamic Culture. 2 (1928) S. 169–180.
  • Maher Jarrar: Die Prophetenbiographie im islamischen Spanien. Ein Beitrag zur Überlieferungs- und Redaktionsgeschichte. Europäische Hochschulschriften. Reihe 3. Frankfurt 1989, ISBN 3-631-42087-0.
  • J.M.B. Jones: Art. "Ibn Isḥāq" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S. 810b-811b.
  • Harald Motzki (Hrsg.): The Biographies of Muhammad. The issue of the sources. Brill, Leiden 2000, ISBN 90-04-11513-7.
  • Miklos Muranyi: Ibn Isḥāq's Kitāb al-Maġāzī in der Riwāya von Yūnus b. Bukair. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 14 (1991), S. 214–275.
  • Uri Rubin (Hrsg.): The Life of Muhammad. Ashgate Variorum, Aldershot 1998 (The Formation of the Classical Islamic World, Band 4), ISBN 0-86078-703-6.
  • Gregor Schoeler: Charakter und Authentie der muslimischen Überlieferung über das Leben Mohammeds. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1996. S. 37ff; 124ff. ISBN 3-11-014862-5.
  • Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 1: Qur'ãnwissenschaften, Hadith, Geschichte, Fiqh, Dogmatik, Mystik. Bis ca. 430 H. Brill, Leiden 1967, S. 288–290; S. 297–299 (mit weiteren Quellenangaben)
Commons: Ibn Ishaq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 1, S. 788
  2. Fuat Sezgin (1967), S. 289–290
  3. Vgl. Jones 810b
  4. Vgl. Jones 810b
  5. Fuat Sezgin (1967), S. 288
  6. al-Mizzī: Tahḏīb al-kamāl fī asmāʾ ar-riǧāl, Bd. 24, S. 410; 418; 426
  7. Brockelmann, C.: Enzyklopaedie des Islam, Bd. 1, S. 414.
  8. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 4, S. 368: Kadariyya
  9. Vgl. Jones 811a und Schoeler 43
  10. Vgl. Schoeler 42
  11. Vgl. Schoeler 42f.
  12. Vgl. Schoeler 42. Ibn an-Nadim führt in seinem Fihrist von Ibn Isḥāq ein Kitāb al-ḫulafāʾ sowie ein Kitāb as-sīra wal-mubtadaʾ wal-maġāzī an, ohne zu erwähnen, dass diese in einem größeren Werk zusammengefasst waren.
  13. Vgl. Schoeler 43.
  14. Vgl. z. B. Newby 2.
  15. Josef Horovitz (1928), S. 181.
  16. Gregor Schoeler (1996), S. 41 nach J. Fück (1925), S. 37
  17. Vgl. Schoeler 40
  18. Vgl. Newby 65.
  19. Gregor Schoeler (1996), S. 48–51.
  20. Alfred Guillaume: New Light on the Life of Muhammad. Journal of Semitic Studies. Monograph No. 1. Manchester University Press (1960); Muranyi (1991), passim.
  21. Muḥammad b. Isḥāq. Literarhistorische Untersuchungen. Frankfurt am Main 1925. S. 34. Anm. 8; Miklos Muranyi (1991), S. 214; 216.
  22. Muranyi (1991), passim; Gregor Schoeler (1996), S. 50–51.
  23. Muranyi (1991), 248–249, Anm. 80; Gregor Schoeler (1996), S. 127–128.
  24. Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Brill, Leiden 1949. Bd. 2. S. 85; The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S. 932
Personendaten
NAME Ibn Ishāq
ALTERNATIVNAMEN Ishaq, Muhammad ibn; Ishaq; Ishâk, Muhammed Ibn; Ishāk, Muhammed Ibn
KURZBESCHREIBUNG arabischer Historiker und Biograph des Propheten Mohammed
GEBURTSDATUM um 704
GEBURTSORT Medina
STERBEDATUM 767 oder 768
STERBEORT Bagdad

Ibn Ishāq
ishāq, arabischer, historiker, biograph, propheten, mohammed, sprache, beobachten, bearbeiten, muhammad, ishāq, ɪbn, ɪsˈħɑːq, محمد, بن, إسحاق, بن, يسار, بن, خيار, muḥammad, isḥāq, yasār, Ḫiyār, medina, gest, oder, bagdad, muslimischer, geschichtsschreiber, ers. Ibn Ishaq arabischer Historiker und Biograph des Propheten Mohammed Sprache Beobachten Bearbeiten Muhammad bin Ishaq ɪbn ɪsˈħɑːq محمد بن إسحاق بن يسار بن خيار DMG Muḥammad bin Isḥaq bin Yasar bin Ḫiyar geb um 704 in Medina gest 767 oder 768 in Bagdad war ein muslimischer Geschichtsschreiber der zum ersten Mal die Hadithe und Dokumente uber das Leben des Propheten Mohammed in einem Buch mit einer durchdachten Struktur und Kapiteleinteilung zusammenstellte Dieses Buch das nicht im Original erhalten ist sondern nur in spateren Rezensionen Bearbeitungen und Auszugen ist eine der wichtigsten Quellen fur die fruhe Geschichte des Islam und diente als Modell fur alle spateren biographischen Werke uber den Propheten Die bekannteste Bearbeitung seines Werks ist die Sira des Ibn Hischam Sie hat spater das Originalwerk verdrangt Eine vollstandige deutsche Ubersetzung der Sira liegt online vor siehe unten Darstellung Ibn Ishaqs Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Inhalt und Aufbau seines Werks 3 Rezensionen und Bearbeitungen seiner Prophetenbiographie 4 Siehe auch 5 Literatur 6 Weblinks 7 EinzelnachweiseLeben BearbeitenIbn Ishaq war der Enkel von Yasar der einer der ersten Gefangenen von ʿAyn at Tamr im Irak 1 im Jahre 633 bis 634 auf einem Feldzug von Chalid ibn al Walid war und nach Mekka gesandt wurde wo er an Qays ibn Machrama ibn al Muṭṭalib ibn ʿAbd Manaf ibn Quṣayy versklavt wurde Zum Islam konvertiert wurde Yasar freigelassen und zu dessen Maula so erhielt er die nisba al Muṭṭalibi Seine drei Sohne waren alle als Verbreiter historischer Nachrichten bekannt Muhammad ibn Ishaq trat in die Fussstapfen seiner Onkel und seines Vaters und spezialisierte sich in der Sammlung der Geschichten und Legenden uber das Leben der Propheten uber die Erschaffung der Welt und die Geschichten der arabischen Stamme in der vorislamischen Zeit 2 Schon der umayyadische Gelehrte az Zuhri der 741 42 starb soll ihn als die wichtigste Autoritat auf dem Gebiet der Maghazi der Berichte uber die Feldzuge des Propheten gepriesen haben 3 Zunachst wirkte Ibn Iṣḥaq in Medina Im Jahre 737 begab er sich nach Alexandria wo er sich dem Studium des Hadith widmete 4 Gegen 749 verkehrte er wieder in Gelehrtenkreisen seiner Heimatstadt Medina wo er den Traditionarier Sufyan b ʿUyaina traf 5 der nach ihm Traditionen uberlieferte und seine Gelehrsamkeit schatzte 6 Kurz darauf 749 750 verliess er aber Medina Nach Brockelmann war es nicht die Machtubernahme der Abbasiden die ihn dazu veranlasste sondern die Feindschaft der offentlichen Meinung in dieser Stadt die ihm vorwarf Urheber von Legenden und Gedichten uber den Propheten Mohammed gewesen zu sein 7 Unter den Medinensern ist namentlich Malik ibn Anas zu nennen welcher ihn verdachtigt haben soll schiitische Neigungen gehabt und die Lehre der Willensfreiheit des Menschen 8 vertreten zu haben Zwischen 759 und 760 hielt sich Ibn Ishaq in der Dschazira auf dann begab er sich zu dem Kalifen al Mansur reg 754 775 nach al Hira bevor er sich schliesslich in Bagdad niederliess 9 Im Auftrag des Kalifen stellte er ein Buch zusammen In einem Bericht in der Geschichte Bagdads von al Chaṭib al Baġdadi wird prazisiert dass dieses fur den Kronprinzen den spateren Kalifen al Mahdi bestimmt war 10 Inhalt und Aufbau seines Werks BearbeitenDer Inhalt des Werkes das Ibn Iṣḥaq fur al Manṣur zusammenstellte wird unterschiedlich angegeben Wahrend der Biograph Muhammad ibn Saʿd im 9 Jahrhundert lediglich davon spricht dass Ibn Iṣḥaq fur al Manṣur die Maghazi aufschrieb erwahnt al Chaṭib al Baghdadi im 11 Jahrhundert dass der Kalif ihm den Auftrag gab ein Buch zu verfassen von der Erschaffung Adams bis zum heutigen Tag 11 Er und andere geben als Titel dieses Werk al Kitab al kabir Das grosse Buch an und schreiben dass es aus drei Teilen bestand dem Kitab al Mubtadaʾ Buch des Anfangs das den Zeitraum von der Weltschopfung bis zum Auftreten Mohammeds behandelte dem Kitab al Mabʿath Buch der Entsendung namlich des Propheten das die mekkanische Periode des Propheten behandelte und dem Kitab al Maghazi Buch der Feldzuge das die medinensische Periode und die Feldzuge des Propheten behandelte Einige Autoren erwahnen dass dieses Sammelwerk noch einen vierten Teil enthielt namlich ein Kitab al Chulafaʾ Buch der Kalifen das die Kalifenzeit bis zu al Manṣur behandelte 12 Der Widerspruch zwischen den Angaben bei ibn Saʿd und al Chaṭib al Baghdadi wird in der modernen Forschung meist in der Weise gelost dass angenommen wird dass der Titel Kitab al Maghazi auch fur das Sammelwerk benutzt wurde 13 Einige moderne westliche Autoren verwenden fur das Sammelwerk auch den Titel Sira 14 doch ist dieser in der klassischen arabischen Literatur nicht bezeugt Fur die beiden Teile von Ibn Isḥaqs Werk die sich mit der Prophetenbiographie befassten schreibt der Orientalist Josef Horovitz Das Traditionsmaterial das ihm von seinen Lehrern uberliefert worden war und das er mit zahlreichen von ihm selbst gesammelten Feststellungen erweiterte stellte Ibn Isḥaq zu einer wohlgeordneten Darstellung des Lebens des Propheten zusammen 15 Er verstand es die Geschichte des Propheten und des neuen Glaubens in die Geschichte der gottlichen Offenbarung seit Anbeginn der Welt einzuordnen 16 Nach Schoeler waren die Teile zur Prophetenbiographie chronologisch angeordnet und mit Kapiteluberschriften versehen 17 Keiner der oben genannten Teile des Sammelwerks ist allerdings im Original erhalten vielmehr konnen ihr Inhalt und ihre Gestalt nur aus uberlieferten Werken spaterer Autoren erschlossen werden Das Kitab al Mubtadaʾ ist allein aus Zitaten und paraphrasierten Auszugen in Werken wie der Weltgeschichte und Korankommentar von at Tabari bekannt G D Newby hat in seinem Buch The making of the last Prophet den Versuch unternommen mit Hilfe solcher Zitate das Kitab al Mubtadaʾ zu rekonstruieren Demnach wurde die Geschichte Abrahams in diesem Buch besonders detailreich und kunstvoll behandelt 18 Diejenigen Teile seines Werks die sich mit der Prophetenbiographie befassen sind daruber hinaus auch durch Rezensionen Riwayat seiner Schuler sowie spatere Bearbeitungen bekannt 19 Sie werden im folgenden Abschnitt eingehender behandelt Rezensionen und Bearbeitungen seiner Prophetenbiographie BearbeitenRezension des Yunus ibn Bukair Das Kitab al maġazi ist auf 300 Manuskriptseiten unvollstandig in der Rezension seines Schulers Yunus ibn Bukair gest 815 erhalten und von M Hamidullah im Jahre 1976 herausgegeben worden 20 Das Werk beginnt mit der Genealogie Mohammeds und endet mit der islamischen Legende von Mohammeds Himmelfahrt Auf die Existenz dieser Werkrezension hat erstmals der deutsche Orientalist Johann Fuck hingewiesen 21 Charakteristisch fur diese Werkrezension sind die zahlreichen Erganzungen durch Yunus ibn Bukair nach weiteren Quellen die Ibn Ishaq selbst nicht benutzt hatte Somit schuf Ibn Bukair ein eigenstandiges Werk das Ibn ʿAsakir in seiner biographischen Stadtgeschichte von Damaskus und Ibn Hadschar al ʿAsqalani in seinem Kommentar zu al Buchari unter dem Titel Ziyadat al maghazi زيادات المغازي ziyadat al maġazi Erganzungen zum Buch der Feldzuge mehrfach zitieren 22 Rezension nach Muḥammad ibn Salama Ein kurzes Fragment einer weiteren Rezension nach Muḥammad ibn Salama 807 hat M Hamidullah als Anhang zu seiner oben genannten Werkedition herausgegeben es umfasst nur wenige Seiten und enthalt eine Episode uber den Feldzug nach Dhu Amarr die in den einschlagigen Uberlieferungen der Feldzuge Mohammeds nicht erhalten ist 23 Bearbeitung des Ibn Hischam In der zweiten Generation nach Ibn Ishaq hat ʿAbdalmalik ibn Hischam gest 834 sein Werk unter dem Titel Sirat Muhammad Rasulillah Biographie Mohammeds des Gesandten Gottes uberarbeitet Ibn Hischam fugte zahlreiche Kommentare in den Text ein nahm aber auch Kurzungen vor und liess manche Gedichte weg Diese Bearbeitung verdrangte nach einigen Jahrhunderten die Originalfassung Ibn Ishaqs so dass sie im 13 Jahrhundert nicht mehr als eigenstandiges Buch greifbar war Ibn Sayyid an Nas Eine weitere Bearbeitung des Werkes die im fruhen 14 Jahrhundert beruhmt wurde verfasste Ibn Sayyid an Nas geb 1273 gest 1334 in Kairo unter dem Titel Uyun al athar fi funun al maghazi wa sch schama il wa s siyar عيون الأثر في فنون المغازي والشمائل والسير ʿuyun al aṯar fi funun al maġazi wa s samaʾil wa s siyar Die besten Nachrichten auf dem Fach gebiet der Feldzuge der guten Eigenschaften des Propheten und seiner Lebensweise Neben Ibn Ishaq zitiert er auch weitere Autoritaten der maghazi Literatur aus dem 8 Jahrhundert deren Werke heute nicht mehr vorliegen 24 Dieses Werk in zwei Banden ist im Orient mehrfach zuletzt in Beirut 1974 gedruckt worden Siehe auch BearbeitenIbn HischamLiteratur BearbeitenTextausgabeKitab Sirat Rasul Allah nach Muhammed Ibn Ishak Bearb von Abd el Malik Ibn Hischam Aus d Hs zu Berlin Leipzig Gotha u Leyden hrsg von Ferdinand Wustenfeld 2 Bde Gottingen 1858 59 Hier online verfugbar https archive org details p1daslebenmuhamm01ibnhuoftUbersetzungenGustav Weil Ubersetzer Das Leben Mohammeds nach Muhammed Ibn Ishak bearbeitet von Abd el Malik Ibn Hischam Stuttgart 1864 Vollstandige Ubersetzung online Alfred Guillaume Ubersetzer The Life of Muhammad A translation of Ishaq s Sirat rasul Allah 19 Auflage Oxford University Press Karachi 2006 ISBN 0 19 636033 1 Vollstandige Ubersetzung Gordon Darnell Newby The Making of the Last Prophet A Reconstruction of the Earliest Biography of Muhammad Columbia 1989 Gernot Rotter Ubersetzer Das Leben des Propheten As Sira An Nabawiya Spohr Kandern im Schwarzwald 1999 ISBN 3 927606 22 7 Nur Teilubersetzung StudienJohann Fuck Muḥammad ibn Isḥaq Frankfurt a M 1925 Josef Horovitz The Earliest Biographies of the Prophet and their Authors In Islamic Culture 2 1928 S 169 180 Maher Jarrar Die Prophetenbiographie im islamischen Spanien Ein Beitrag zur Uberlieferungs und Redaktionsgeschichte Europaische Hochschulschriften Reihe 3 Frankfurt 1989 ISBN 3 631 42087 0 J M B Jones Art Ibn Isḥaq in The Encyclopaedia of Islam New Edition Brill Leiden Bd 3 S 810b 811b Harald Motzki Hrsg The Biographies of Muhammad The issue of the sources Brill Leiden 2000 ISBN 90 04 11513 7 Miklos Muranyi Ibn Isḥaq s Kitab al Maġazi in der Riwaya von Yunus b Bukair In Jerusalem Studies in Arabic and Islam 14 1991 S 214 275 Uri Rubin Hrsg The Life of Muhammad Ashgate Variorum Aldershot 1998 The Formation of the Classical Islamic World Band 4 ISBN 0 86078 703 6 Gregor Schoeler Charakter und Authentie der muslimischen Uberlieferung uber das Leben Mohammeds Walter de Gruyter Berlin New York 1996 S 37ff 124ff ISBN 3 11 014862 5 Fuat Sezgin Geschichte des arabischen Schrifttums Band 1 Qur anwissenschaften Hadith Geschichte Fiqh Dogmatik Mystik Bis ca 430 H Brill Leiden 1967 S 288 290 S 297 299 mit weiteren Quellenangaben Weblinks BearbeitenLiteratur von und uber Ibn Ishaq im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Commons Ibn Ishaq Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Ibn Ishaqs Erzahlung vom Monch Bahira deutsch aus G Rotter arabisch Einzelnachweise Bearbeiten The Encyclopaedia of Islam New Edition Brill Leiden Bd 1 S 788 Fuat Sezgin 1967 S 289 290 Vgl Jones 810b Vgl Jones 810b Fuat Sezgin 1967 S 288 al Mizzi Tahḏib al kamal fi asmaʾ ar riǧal Bd 24 S 410 418 426 Brockelmann C Enzyklopaedie des Islam Bd 1 S 414 The Encyclopaedia of Islam New Edition Brill Leiden Bd 4 S 368 Kadariyya Vgl Jones 811a und Schoeler 43 Vgl Schoeler 42 Vgl Schoeler 42f Vgl Schoeler 42 Ibn an Nadim fuhrt in seinem Fihrist von Ibn Isḥaq ein Kitab al ḫulafaʾ sowie ein Kitab as sira wal mubtadaʾ wal maġazi an ohne zu erwahnen dass diese in einem grosseren Werk zusammengefasst waren Vgl Schoeler 43 Vgl z B Newby 2 Josef Horovitz 1928 S 181 Gregor Schoeler 1996 S 41 nach J Fuck 1925 S 37 Vgl Schoeler 40 Vgl Newby 65 Gregor Schoeler 1996 S 48 51 Alfred Guillaume New Light on the Life of Muhammad Journal of Semitic Studies Monograph No 1 Manchester University Press 1960 Muranyi 1991 passim Muḥammad b Isḥaq Literarhistorische Untersuchungen Frankfurt am Main 1925 S 34 Anm 8 Miklos Muranyi 1991 S 214 216 Muranyi 1991 passim Gregor Schoeler 1996 S 50 51 Muranyi 1991 248 249 Anm 80 Gregor Schoeler 1996 S 127 128 Carl Brockelmann Geschichte der arabischen Litteratur Brill Leiden 1949 Bd 2 S 85 The Encyclopaedia of Islam New Edition Brill Leiden Bd 3 S 932Normdaten Person GND 118976850 OGND AKS LCCN n88194910 VIAF 4972197 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Ibn IshaqALTERNATIVNAMEN Ishaq Muhammad ibn Ishaq Ishak Muhammed Ibn Ishak Muhammed IbnKURZBESCHREIBUNG arabischer Historiker und Biograph des Propheten MohammedGEBURTSDATUM um 704GEBURTSORT MedinaSTERBEDATUM 767 oder 768STERBEORT BagdadAbgerufen von https de wikipedia org w index php title Ibn Ishaq amp oldid 214137764, wikipedia, wiki, deutsches

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