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Herz-Kreislauf-Erkrankung

Unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder kardiovaskulären Erkrankungen werden Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße zusammengefasst. Obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig vorkommen und für einen Großteil der Todesfälle in Deutschland verantwortlich sind, können diese bei rechtzeitiger Diagnose meist gut behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Mit 17,8 Millionen Todesfällen stellten Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Jahr 2017 weltweit die häufigste Todesursache dar. Somit sind im globalen Durchschnitt 32 % aller Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Auch in Europa und Deutschland führen Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Sterbestatistik an. In Europa sterben jedes Jahr mehr als vier Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen; davon sind 1,4 Millionen jünger als 75 Jahre.

In Deutschland sind im Jahr 2016 ca. 339.000 Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen verstorben; dies entspricht 37 % der Gesamtmortalität. Vor allem in östlichen Bundesländern (insbesondere in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen), aber auch in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sind die kardiovaskulären, altersstandardisierten Sterbeziffern überdurchschnittlich hoch.

Die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vielfältig und können in beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren unterteilt werden. Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen: Alter, Geschlecht und genetische Veranlagung. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören (in absteigender Relevanz nach GBD): Bluthochdruck, Ernährung, Dyslipidämie (oftmals Hypercholesterolämie), Diabetes, Übergewicht, Rauchen, Luftverschmutzung, Bewegungsmangel und übermäßiger Alkoholkonsum. Daneben sind weitere beeinflussbare Risikofaktoren bekannt: nicht diagnostizierte Zöliakie, rheumatoide Arthritis, psychosoziale Faktoren, Armut und niedriger Bildungsstand.

Beeinflussbare Risikofaktoren in Deutschland (in absteigender Relevanz nach GBD):

Bluthochdruck

Eine Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellt ein unbehandelter, arterieller Bluthochdruck (Hypertonie) dar. Nach Definition der WHO gilt ein systolischer Blutdruck von mehr als 140 mmHg und/oder ein diastolischer Blutdruck von mehr als 90 mmHg als Hypertonie. Eine Senkung des Blutdrucks um 10 mmHg reduziert das Erkrankungsrisiko um ca. 20 %. Die Senkung des Blutdrucks ist laut Studien auch bei normalen Blutdruckbereichen eine effektive Präventionsmaßnahme.

Ernährung

Obwohl kontrollierte, randomisierte Interventionsstudien zu ernährungsspezifischen Fragestellungen aufgrund des hohen Aufwands in der Vergangenheit eher selten durchgeführt wurden, zeigen aktuelle Interventionsstudien, dass die Ernährungsweise eine zentrale Rolle für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt. Von insgesamt 4,3 Millionen kardiovaskulär bedingten Todesfällen im Jahr 2016 in Europa (WHO Europaregion) gehen 2,1 Millionen auf eine unausgewogene Ernährung zurück. Auf die EU entfallen davon rund 900.000 kardiovaskulär bedingte Todesfälle. Männer sind von ernährungsbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufiger und tendenziell bereits in jüngeren Jahren betroffen, Frauen dagegen erst ab dem 50. Lebensjahr. Rund 601.000 Menschen unter 70 Jahren starben im Jahr 2016 in Europa an den Folgen einer ernährungsbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankung; davon 420.000 Männer und 181.000 Frauen. Während in der Schweiz und in Österreich rund 10.000 und 15.000 Menschen an ernährungsbedingten Herzkreislauf-Erkrankungen im Jahr 2016 verstarben, sind in Deutschland rund 165.000 vorzeitige Todesfälle auf eine unausgewogene Ernährung zurückzuführen.

Auf Ebene von Lebensmittelgruppen sieht ein systematisches Review aus dem Jahr 2021 folgendes Ernährungsmuster als schützend an: niedriger Konsum von tierischen Lebensmitteln, niedriger Salzkonsum, erhöhter Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse), Ersetzen von Butter mit Ölen, die reich an ungesättigten Fetten sind.

Zuvor zeigten bereits andere Einzelstudien und Systematische Reviews, dass ein Austausch von gesättigten Fettsäuren durch komplexe Kohlenhydrate, mehrfach ungesättigte oder einfach ungesättigte Fettsäuren kardiovaskuläre Risikofaktoren reduziert und die kardiovaskuläre Sterblichkeit senkt.

Zudem hat eine hohe Zufuhr von trans-Fettsäuren negative Auswirkungen auf die Blutlipide und zirkulierende Entzündungsmarker. Daher wird die Eliminierung von trans-Fettsäuren aus der Ernährung empfohlen. Im Jahr 2018 schätzte die WHO, dass global mehr als eine halbe Million Todesfälle pro Jahr durch eine zu hohe Aufnahme von trans-Fettsäuren bedingt wurden.

Die Studienlage zeigt zudem, dass ein hoher Zuckerkonsum neben einem erhöhten Risiko für Diabetes auch Bluthochdruck und Dyslipidämien begünstigt. Zudem steht ein übermäßiger Konsum von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Salz und gesättigten Fettsäuren mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung.

Dyslipidämie

Unter Dyslipidämie werden pathologisch erhöhte Konzentrationen der Blutlipide, inklusive des Gesamtcholesterins, der Triglyzeride sowie der LDL-Cholesterin- bzw. der VLDL-Cholesterinfraktion verstanden. Primäre Dyslipidämien stellen eine eigene, meist genetisch bedingte Erkrankung dar, während sekundäre Dyslipidämien Folgeerscheinungen anderer Ursachen sind.

Diabetes

Menschen mit Diabetes mellitus weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein höheres Risiko auf, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken. Bei Diabetikern treten Herzinfarkte häufiger auf und nehmen einen ungünstigeren Verlauf als bei Menschen ohne Diabetes. Durch die in vielen Fällen zusätzlich bestehende diabetische Schädigung des autonomen Nervensystems kann es zu Störungen innerhalb der Schmerzleitung und zu Herzrhythmusstörungen kommen. Insbesondere beim Diabetes Typ 2 liegen neben den erhöhten Blutzuckerspiegeln häufig Störungen vor, die sich negativ auf die Blutgefäße auswirken. Ein erhöhter Blutdruck (Hypertonie) und Dyslipidämien schädigen zusätzlich die Gefäßwände und verursachen Verengungen (Stenosen) und Verstopfungen (Thrombosen) der Arterien. Auch beim Diabetes mellitus Typ 1 können Dyslipidämien auftreten.

Übergewicht und Adipositas

Mit zunehmenden Body-Mass-Index (Übergewicht: BMI 25–29, Adipositas: BMI>30) steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Organismus kommt es hierbei zur vermehrten Produktion pro-inflammatorischer Stoffwechselprodukte und zu einer Entgleisung des Fettstoffwechsels, wodurch die Bildung atherosklerotischer Plaques in den Arterien begünstigt wird. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass das kardiovaskulär bedingte Sterberisiko bei Übergewichtigen mit einem BMI von 25 bis 27,5 um 11 % und bei Übergewichtigen mit einem BMI von 27,5 bis 30 um 35 % gegenüber Normalgewichtigen erhöht ist. Die Framingham-Herz-Studie ergab, dass Übergewicht im Alter von 40 Jahren die Lebenserwartung im Durchschnitt um drei Jahre reduziert. Adipositas im Alter von 40 Jahren führte in der Studienpopulation sogar zu einer statistisch reduzierten Lebenszeit von sechseinhalb Jahren.

Rauchen

Weltweit werden etwa 10 % der Herz-Kreislauf-Erkrankungen dem Rauchen zugeschrieben. Bei Menschen, die mit 30 Jahren mit dem Rauchen aufhören, sinkt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen auf das Niveau von Nichtrauchern. Neben dem Aktivrauchen fördert auch Passivrauchen die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hiervon sind besonders Kinder betroffen.

Luftverschmutzung

Berechnungen aus dem Jahr 2017 zeigen, dass die Verschmutzung der Luft durch Abgase und das Kochen an offenem Feuer weltweit für circa 12 % Prozent aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sein könnte. In Deutschland lag dieser Anteil bei 5,5 %.

Körperliche Inaktivität (Bewegungsmangel)

Unzureichende körperliche Aktivität (definiert als weniger als fünfmal 30 Minuten mäßige Aktivität pro Woche oder weniger als dreimal 20 Minuten starke Aktivität pro Woche) gilt als ein weiterer wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Risiko für ischämische Herzerkrankungen und Diabetes mellitus wird bei Erwachsenen, die jede Woche regelmäßig Ausdauersport betreiben (in der Summe mindestens 150 Minuten), um fast ein Drittel reduziert. Darüber hinaus unterstützt körperliche Aktivität den Gewichtsverlust und verbessert die Blutzuckereinstellung, den Blutdruck, das Lipidprofil und die Insulinsensitivität.

Alkohol

Ein direkter Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei hohen Alkoholmengen belegt. In niedrigen Dosen wirkt Alkohol eher protektiv. Eine internationale Studie kam im Jahr 2018 zu dem Ergebnis, dass erst ab einem täglichen Konsum von sechs Standard-Drinks das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunimmt (ein Standard-Drink entsprach in dieser Studie 10 Gramm Alkohol). In Bezug auf andere Erkrankungen (Krebserkrankungen, Verletzungen durch Verkehrsunfälle, Tuberkulose etc.) wurde jedoch beobachtet, dass bereits ab einem Standard-Drink täglich ein steigendes Risiko eintritt. In Bezug auf die Gesamtsterblichkeit sollte demnach nicht mehr als ein Standard-Drink pro Tag getrunken werden, was einem Glas Wein bzw. 0,5 Liter Bier pro Person entspricht.

Zöliakie

Unbehandelte Zöliakie kann zur Entstehung vieler Arten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Die Einhaltung einer glutenfreien Ernährung mit resultierender Darmheilung senkt das Risiko. Verzögerungen bei der Erkennung (Diagnose) können irreversible Herzschäden verursachen.

Klassifikation nach ICD-10
I00–I02 Akutes rheumatisches Fieber
I05–I09 Chronische rheumatische Herzkrankheiten
I10–I15 Hypertonie (Hochdruckkrankheit)
I20–I25 Ischämische Herzkrankheiten
I26–I28 Pulmonale Herzkrankheit und Krankheiten des Lungenkreislaufes
I30–I52 Sonstige Formen der Herzkrankheit
I60–I69 Zerebrovaskuläre Krankheiten
I70–I79 Krankheiten der Arterien, Arteriolen und Kapillaren
I80–I89 Krankheiten der Venen, der Lymphgefäße und der Lymphknoten, anderenorts nicht klassifiziert
I95–I99 Sonstige und nicht näher bezeichnete Krankheiten des Kreislaufsystems
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Im Rahmen von Kapitel IX der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) werden „Krankheiten des Kreislaufsystems“ folgendermaßen klassifiziert (Codes I00 bis I99)

Nicht enthalten sind beispielsweise angeborene Herzfehler wie der Vorhofseptumdefekt, angeborene Gefäßmissbildungen wie die Aortenisthmusstenose, Tumoren des Herzens oder der Gefäße, entzündliche und nekrotisierende Gefäßerkrankungen wie die Panarteriitis nodosa und das Takayasu-Syndrom, Herz- und Gefäßverletzungen und transitorische ischämische Attacken.

Innerhalb der Medizin wird der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankung nicht einheitlich verwendet. Häufig werden die meisten Krankheiten des Herzens und der Arterien, nicht jedoch der Venen und Lymphgefäße einbezogen. Entzündliche Gefäßerkrankungen werden oft ausgeklammert, entzündliche Herzerkrankungen hingegen nicht. Angeborene Herzfehler werden meist hinzugerechnet.

Gelegentlich wird der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankung auch nur für die mit Arteriosklerose und den Risikofaktoren Diabetes Mellitus, Rauchen, Bewegungsmangel, genetische Veranlagung usw. assoziierten Herz- und Gefäßkrankheiten, wie sie in der Monica-Studie der WHO seit den 1980er Jahren beobachtet werden, benutzt.

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Herz-Kreislauf-Erkrankung
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Herz Kreislauf Erkrankung Erkrankungen des Herzens und der Blutgefasse Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Herz Kreislauferkrankung Unter Herz Kreislauf Erkrankungen oder kardiovaskularen Erkrankungen werden Erkrankungen des Herzens und der Blutgefasse zusammengefasst Obwohl Herz Kreislauf Erkrankungen haufig vorkommen und fur einen Grossteil der Todesfalle in Deutschland verantwortlich sind konnen diese bei rechtzeitiger Diagnose meist gut behandelt werden Inhaltsverzeichnis 1 Vorkommen 2 Risikofaktoren 2 1 Bluthochdruck 2 2 Ernahrung 2 3 Dyslipidamie 2 4 Diabetes 2 5 Ubergewicht und Adipositas 2 6 Rauchen 2 7 Luftverschmutzung 2 8 Korperliche Inaktivitat Bewegungsmangel 2 9 Alkohol 2 10 Zoliakie 3 Klassifizierung nach der ICD 4 Klassifizierung in der Humanmedizin 5 Altere Literatur 6 EinzelnachweiseVorkommen BearbeitenMit 17 8 Millionen Todesfallen stellten Herz Kreislauf Erkrankungen im Jahr 2017 weltweit die haufigste Todesursache dar Somit sind im globalen Durchschnitt 32 aller Todesfalle auf Herz Kreislauf Erkrankungen zuruckzufuhren 1 Auch in Europa und Deutschland fuhren Herz Kreislauf Erkrankungen die Sterbestatistik an In Europa sterben jedes Jahr mehr als vier Millionen Menschen an Herz Kreislauf Erkrankungen davon sind 1 4 Millionen junger als 75 Jahre 2 3 In Deutschland sind im Jahr 2016 ca 339 000 Menschen an kardiovaskularen Erkrankungen verstorben dies entspricht 37 der Gesamtmortalitat 4 Vor allem in ostlichen Bundeslandern insbesondere in Sachsen Anhalt Brandenburg und Thuringen aber auch in Schleswig Holstein und Nordrhein Westfalen sind die kardiovaskularen altersstandardisierten Sterbeziffern uberdurchschnittlich hoch 5 Risikofaktoren BearbeitenDie Ursachen von Herz Kreislauf Erkrankungen sind vielfaltig und konnen in beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren unterteilt werden Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zahlen Alter Geschlecht und genetische Veranlagung Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehoren in absteigender Relevanz nach GBD Bluthochdruck Ernahrung Dyslipidamie oftmals Hypercholesterolamie Diabetes Ubergewicht Rauchen Luftverschmutzung Bewegungsmangel und ubermassiger Alkoholkonsum Daneben sind weitere beeinflussbare Risikofaktoren bekannt nicht diagnostizierte Zoliakie 6 rheumatoide Arthritis 7 psychosoziale Faktoren 8 Armut und niedriger Bildungsstand 9 Beeinflussbare Risikofaktoren in Deutschland in absteigender Relevanz nach GBD Bluthochdruck Bearbeiten Eine Hauptursache fur Herz Kreislauf Erkrankungen stellt ein unbehandelter arterieller Bluthochdruck Hypertonie dar Nach Definition der WHO gilt ein systolischer Blutdruck von mehr als 140 mmHg und oder ein diastolischer Blutdruck von mehr als 90 mmHg als Hypertonie Eine Senkung des Blutdrucks um 10 mmHg reduziert das Erkrankungsrisiko um ca 20 10 Die Senkung des Blutdrucks ist laut Studien auch bei normalen Blutdruckbereichen eine effektive Praventionsmassnahme 11 12 13 Ernahrung Bearbeiten Obwohl kontrollierte randomisierte Interventionsstudien zu ernahrungsspezifischen Fragestellungen aufgrund des hohen Aufwands in der Vergangenheit eher selten durchgefuhrt wurden zeigen aktuelle Interventionsstudien dass die Ernahrungsweise eine zentrale Rolle fur die Pravention von Herz Kreislauf Erkrankungen spielt 14 15 Von insgesamt 4 3 Millionen kardiovaskular bedingten Todesfallen im Jahr 2016 in Europa WHO Europaregion gehen 2 1 Millionen auf eine unausgewogene Ernahrung zuruck Auf die EU entfallen davon rund 900 000 kardiovaskular bedingte Todesfalle Manner sind von ernahrungsbedingten Herz Kreislauf Erkrankungen haufiger und tendenziell bereits in jungeren Jahren betroffen Frauen dagegen erst ab dem 50 Lebensjahr Rund 601 000 Menschen unter 70 Jahren starben im Jahr 2016 in Europa an den Folgen einer ernahrungsbedingten Herz Kreislauf Erkrankung davon 420 000 Manner und 181 000 Frauen Wahrend in der Schweiz und in Osterreich rund 10 000 und 15 000 Menschen an ernahrungsbedingten Herzkreislauf Erkrankungen im Jahr 2016 verstarben sind in Deutschland rund 165 000 vorzeitige Todesfalle auf eine unausgewogene Ernahrung zuruckzufuhren 16 Auf Ebene von Lebensmittelgruppen sieht ein systematisches Review aus dem Jahr 2021 folgendes Ernahrungsmuster als schutzend an niedriger Konsum von tierischen Lebensmitteln niedriger Salzkonsum erhohter Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln Vollkornprodukte Obst Gemuse Hulsenfruchte Nusse Ersetzen von Butter mit Olen die reich an ungesattigten Fetten sind 17 Zuvor zeigten bereits andere Einzelstudien und Systematische Reviews dass ein Austausch von gesattigten Fettsauren durch komplexe Kohlenhydrate mehrfach ungesattigte oder einfach ungesattigte Fettsauren kardiovaskulare Risikofaktoren reduziert und die kardiovaskulare Sterblichkeit senkt 18 19 20 21 Zudem hat eine hohe Zufuhr von trans Fettsauren negative Auswirkungen auf die Blutlipide und zirkulierende Entzundungsmarker 22 Daher wird die Eliminierung von trans Fettsauren aus der Ernahrung empfohlen Im Jahr 2018 schatzte die WHO dass global mehr als eine halbe Million Todesfalle pro Jahr durch eine zu hohe Aufnahme von trans Fettsauren bedingt wurden 23 Die Studienlage zeigt zudem dass ein hoher Zuckerkonsum neben einem erhohten Risiko fur Diabetes auch Bluthochdruck und Dyslipidamien begunstigt 24 Zudem steht ein ubermassiger Konsum von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Salz und gesattigten Fettsauren mit einem erhohten Risiko fur Herz Kreislauf Erkrankungen in Verbindung 25 Dyslipidamie Bearbeiten Unter Dyslipidamie werden pathologisch erhohte Konzentrationen der Blutlipide inklusive des Gesamtcholesterins der Triglyzeride sowie der LDL Cholesterin bzw der VLDL Cholesterinfraktion verstanden Primare Dyslipidamien stellen eine eigene meist genetisch bedingte Erkrankung dar wahrend sekundare Dyslipidamien Folgeerscheinungen anderer Ursachen sind Diabetes Bearbeiten Menschen mit Diabetes mellitus weisen im Vergleich zur Allgemeinbevolkerung ein hoheres Risiko auf an Herz Kreislauf Erkrankungen zu erkranken Bei Diabetikern treten Herzinfarkte haufiger auf und nehmen einen ungunstigeren Verlauf als bei Menschen ohne Diabetes Durch die in vielen Fallen zusatzlich bestehende diabetische Schadigung des autonomen Nervensystems kann es zu Storungen innerhalb der Schmerzleitung und zu Herzrhythmusstorungen kommen Insbesondere beim Diabetes Typ 2 liegen neben den erhohten Blutzuckerspiegeln haufig Storungen vor die sich negativ auf die Blutgefasse auswirken Ein erhohter Blutdruck Hypertonie und Dyslipidamien schadigen zusatzlich die Gefasswande und verursachen Verengungen Stenosen und Verstopfungen Thrombosen der Arterien Auch beim Diabetes mellitus Typ 1 konnen Dyslipidamien auftreten Ubergewicht und Adipositas Bearbeiten Mit zunehmenden Body Mass Index Ubergewicht BMI 25 29 Adipositas BMI gt 30 steigt das Risiko fur Herz Kreislauf Erkrankungen Im Organismus kommt es hierbei zur vermehrten Produktion pro inflammatorischer Stoffwechselprodukte und zu einer Entgleisung des Fettstoffwechsels wodurch die Bildung atherosklerotischer Plaques in den Arterien begunstigt wird Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte dass das kardiovaskular bedingte Sterberisiko bei Ubergewichtigen mit einem BMI von 25 bis 27 5 um 11 und bei Ubergewichtigen mit einem BMI von 27 5 bis 30 um 35 gegenuber Normalgewichtigen erhoht ist 26 Die Framingham Herz Studie ergab dass Ubergewicht im Alter von 40 Jahren die Lebenserwartung im Durchschnitt um drei Jahre reduziert Adipositas im Alter von 40 Jahren fuhrte in der Studienpopulation sogar zu einer statistisch reduzierten Lebenszeit von sechseinhalb Jahren 27 Rauchen Bearbeiten Weltweit werden etwa 10 der Herz Kreislauf Erkrankungen dem Rauchen zugeschrieben 28 Bei Menschen die mit 30 Jahren mit dem Rauchen aufhoren sinkt das Risiko fur kardiovaskulare Erkrankungen auf das Niveau von Nichtrauchern 29 Neben dem Aktivrauchen fordert auch Passivrauchen die Entstehung von Herz Kreislauf Erkrankungen 30 Hiervon sind besonders Kinder betroffen 31 Luftverschmutzung Bearbeiten Berechnungen aus dem Jahr 2017 zeigen dass die Verschmutzung der Luft durch Abgase und das Kochen an offenem Feuer weltweit fur circa 12 Prozent aller Herz Kreislauf Erkrankungen verantwortlich sein konnte In Deutschland lag dieser Anteil bei 5 5 32 Korperliche Inaktivitat Bewegungsmangel Bearbeiten Unzureichende korperliche Aktivitat definiert als weniger als funfmal 30 Minuten massige Aktivitat pro Woche oder weniger als dreimal 20 Minuten starke Aktivitat pro Woche gilt als ein weiterer wesentlicher Risikofaktor fur Herz Kreislauf Erkrankungen Das Risiko fur ischamische Herzerkrankungen und Diabetes mellitus wird bei Erwachsenen die jede Woche regelmassig Ausdauersport betreiben in der Summe mindestens 150 Minuten um fast ein Drittel reduziert Daruber hinaus unterstutzt korperliche Aktivitat den Gewichtsverlust und verbessert die Blutzuckereinstellung den Blutdruck das Lipidprofil und die Insulinsensitivitat 33 Alkohol Bearbeiten Ein direkter Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Entstehung von Herz Kreislauf Erkrankungen ist bei hohen Alkoholmengen belegt In niedrigen Dosen wirkt Alkohol eher protektiv Eine internationale Studie kam im Jahr 2018 zu dem Ergebnis dass erst ab einem taglichen Konsum von sechs Standard Drinks das Risiko fur Herz Kreislauf Erkrankungen zunimmt ein Standard Drink entsprach in dieser Studie 10 Gramm Alkohol In Bezug auf andere Erkrankungen Krebserkrankungen Verletzungen durch Verkehrsunfalle Tuberkulose etc wurde jedoch beobachtet dass bereits ab einem Standard Drink taglich ein steigendes Risiko eintritt In Bezug auf die Gesamtsterblichkeit sollte demnach nicht mehr als ein Standard Drink pro Tag getrunken werden was einem Glas Wein bzw 0 5 Liter Bier pro Person entspricht 34 Zoliakie Bearbeiten Unbehandelte Zoliakie kann zur Entstehung vieler Arten von Herz Kreislauf Erkrankungen beitragen Die Einhaltung einer glutenfreien Ernahrung mit resultierender Darmheilung senkt das Risiko Verzogerungen bei der Erkennung Diagnose konnen irreversible Herzschaden verursachen 35 Klassifizierung nach der ICD BearbeitenKlassifikation nach ICD 10I00 I02 Akutes rheumatisches FieberI05 I09 Chronische rheumatische HerzkrankheitenI10 I15 Hypertonie Hochdruckkrankheit I20 I25 Ischamische HerzkrankheitenI26 I28 Pulmonale Herzkrankheit und Krankheiten des LungenkreislaufesI30 I52 Sonstige Formen der HerzkrankheitI60 I69 Zerebrovaskulare KrankheitenI70 I79 Krankheiten der Arterien Arteriolen und KapillarenI80 I89 Krankheiten der Venen der Lymphgefasse und der Lymphknoten anderenorts nicht klassifiziertI95 I99 Sonstige und nicht naher bezeichnete Krankheiten des KreislaufsystemsICD 10 online WHO Version 2019 Im Rahmen von Kapitel IX der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems ICD werden Krankheiten des Kreislaufsystems folgendermassen klassifiziert Codes I00 bis I99 36 akutes rheumatisches Fieber chronische rheumatische Herzkrankheiten z B rheumatische Mitralklappenstenose Bluthochdruck Hypertonie ischamische Herzkrankheiten z B koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt das Cor pulmonale und Krankheiten des Lungenkreislaufes z B pulmonale Hypertonie sonstige Herzkrankheiten z B Perikarditis Endokarditis nichtrheumatische Herzklappenfehler zerebrovaskulare Krankheiten z B Hirnblutung und Hirninfarkt Krankheiten der Arterien Arteriolen und Kapillaren z B arterielle Verschlusskrankheit anderenorts nicht klassifizierte Krankheiten der Venen z B Thrombose Krampfadern der Lymphgefasse und der Lymphknoten und sonstige Krankheiten des Kreislaufsystems z B Hypotonie Osophagusvarizen Nicht enthalten sind beispielsweise angeborene Herzfehler wie der Vorhofseptumdefekt angeborene Gefassmissbildungen wie die Aortenisthmusstenose Tumoren des Herzens oder der Gefasse entzundliche und nekrotisierende Gefasserkrankungen wie die Panarteriitis nodosa und das Takayasu Syndrom Herz und Gefassverletzungen und transitorische ischamische Attacken Klassifizierung in der Humanmedizin BearbeitenInnerhalb der Medizin wird der Begriff Herz Kreislauf Erkrankung nicht einheitlich verwendet Haufig werden die meisten Krankheiten des Herzens und der Arterien nicht jedoch der Venen und Lymphgefasse einbezogen Entzundliche Gefasserkrankungen werden oft ausgeklammert entzundliche Herzerkrankungen hingegen nicht Angeborene Herzfehler werden meist hinzugerechnet Gelegentlich wird der Begriff Herz Kreislauf Erkrankung auch nur fur die mit Arteriosklerose und den Risikofaktoren Diabetes Mellitus Rauchen Bewegungsmangel genetische Veranlagung usw assoziierten Herz und Gefasskrankheiten wie sie in der Monica Studie der WHO seit den 1980er Jahren beobachtet werden benutzt Altere Literatur BearbeitenHerbert Reindell Helmut Klepzig Krankheiten des Herzens und der Gefasse In Ludwig Heilmeyer Hrsg Lehrbuch der Inneren Medizin Springer Verlag Berlin Gottingen Heidelberg 1955 2 Auflage ebenda 1961 S 450 598 Einzelnachweise Bearbeiten Gregory A Roth Degu 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