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Gift

Historischer Erlaubnisschein zum Erwerb von Gift (um 1910)

Das Wort Gift ist eine germanische Abstraktbildung (*gef-ti-) mit t-Suffix – und dadurch bedingtem Wandel von b zu f – der indoeuropäischen Wurzel des Wortes geben. Die ursprüngliche Bedeutung „Gabe, Geschenk, Schenkung“, die Gift noch bei Goethe hatte, ist heute im Deutschen verschwunden (während sie im englischen „gift“ weiterlebt) und hat sich nur in der Mitgift („Heiratsgut der Braut, Aussteuer“) erhalten.

Der Bedeutungswandel von „Gabe“ zu „tödliche Gabe, Gift“, zuerst im Althochdeutschen bei Notker belegt, steht später unter dem Einfluss des griechisch-spätlateinischen Wortes dosis, das „Geschenk, Gabe, bestimmte Menge Arznei“ bedeutet, aber auch als verhüllender (euphemistischer) Ausdruck für „Gift“ verwendet wird.

Aber auch schon der (alt-)griechische Ausdruckφάρμακονphármakon bei Homer stand sowohl für die Heilwirkung als auch die schädliche Wirkung eines Stoffes und auch bei Galenos gibt es Arzneimittel (pharmaka), deren Wirkung als Gift von der Dosis abhängt.

Gift behält das ursprünglich feminine Genus in beiden Bedeutungen vorerst bei, wird dann als „schädlicher Stoff“ zuerst Maskulin (Anfang des 15. Jahrhunderts), später Neutrum (Mitte 16. Jahrhundert). Letzteres setzt sich im 18. Jahrhundert immer mehr durch, doch schreibt noch Schiller 1784 in Kabale und Liebe (5. Akt, 7. Szene): Noch spür ich den Gift nicht.

Verwandte Verwendungen: Althochdeutsch (9. Jahrhundert), mittelhochdeutsch, mittelniederdeutsch gift (feminin) „das Geben, Gabe, Geschenk, Gift“; mittelniederländisch ghifte, ghichte, niederländisch gift (feminin) „Gabe, Gift“; altenglisch gift, gyft (feminin, neutrum) „Gabe, Belohnung, Brautpreis“, im Plural „Hochzeit“; altnordisch gipt, gift (feminin) „Gabe, Glück, Vermählung (der Frau)“; gotisch fragifts (feminin) „Verleihung“, im Plural „Verlobung“.

Toxikum und toxisch leiten sich überlateinischtoxicum vonaltgriechischτοξικόν [φάρμακον] toxikón [phármakon]Pfeil[-gift]“ ab, was selbst aufτόξον tóxonBogen (ursprüngliche, engere Bedeutung), Pfeil und Bogen (im Plural, verallgemeinerte Bedeutung)“ zurückzuführen ist und darauf hinweist, dass bereits in der Antike vergiftete Pfeile eingesetzt wurden.

Allgemein ist die nicht einfache Unterscheidung in Schadstoff und Giftstoff gegeben.

Von Lebewesen ausgeschiedene Giftstoffe oder Abfallprodukte werden in der Toxikologie als Toxine bezeichnet. Krankheitserregende Bakterien schädigen durch die Wirkung ihrer Gifte. Die charakteristischen Krankheitsbilder bei bakteriellen Infektionen werden durch die Wirkung der Bakterientoxine verursacht.

  • Bei gramnegativen Bakterien sind diese Gifte Bestandteil der Zellmembran. Sie werden beim Absterben der Bakterienzellen als Endotoxine freigesetzt.
  • Bei grampositiven bakteriellen Krankheitserregern entstehen die Gifte im Intermediärstoffwechsel. Sie werden als Exotoxine ausgeschieden.

Toxoide sind entgiftete (inaktivierte) Toxine, die aber noch eine Immunantwort im geimpften Körper auslösen können. Toxoidimpfstoffe werden bei Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus verwendet.

Viren sind Krankheitserreger, aber selbst nicht giftig. Substanzen oder Gegenstände, die ein Lebewesen ausschließlich mechanisch oder durch Strahlung schädigen, gelten ebenfalls nicht als Gift.

Hauptartikel: Toxizität und Toxizitätsbestimmung

Die Verträglichkeit einer Substanz ist für viele Lebewesen oder Gruppen von Lebewesen unterschiedlich. Grundsätzlich können alle dem Organismus zugeführten Stoffe oberhalb einer gewissen Dosis Schaden anrichten und sind somit ab dieser Wirkmenge als giftig anzusehen. Paracelsus schrieb 1538: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“

Toxizität, ist ein Maß für die schädigende oder tödliche Wirkung einer chemischen Substanz oder einer physikalischen Einwirkung (z. B. Bestrahlung; ionisierende Strahlen, Strahlenbelastung) auf einen lebenden Organismus. Man unterscheidet zwischen der akuten Toxizität, die unmittelbare Wirkung zeigt, der chronischen Toxizität, bei der die Schäden erst nach längerer Expositionsdauer eintreten, und der ökologischen Toxizität (Ökotoxikologie), die Einfluss auf ganze Populationen oder Ökosysteme hat. Die akute Toxizität wird bestimmt durch die bis zum Erreichen eines bestimmten toxischen Effektes durchschnittlich erforderliche Menge (Dosis) eines Giftes, angegeben entweder als Giftmenge je kg Körpergewicht oder in Form eines Konzentrations-Zeit-Produktes (Habersches Produkt) in mg min−1 m−3. Die chronische Toxizität beschreibt die toxischen Effekte einer Substanz mit langandauernder regelmäßiger Applikation einer bestimmten Dosis. Die Anreicherung (Akkumulierung) vieler Schadstoffe in Luft und Boden fällt in den Bereich der Ökotoxikologie.

Die absolute Größe der Toxizität (toxische Dosis) hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Die bedeutsamsten sind Art und Ort der Giftapplikation (inhalativ, oral, subkutan bzw. perkutan, intramuskulär, intravenös bzw. intraarteriell, intraperitoneal u. a.), das Applikationsvehikel (z. B. Lösungsmittel), die körperliche Verfassung eines Lebewesens (Art, Alter und Geschlecht, individuelle Eigenschaften des Lebewesens, Prädisposition, Gesundheitszustand und Lebensbedingungen) und chronobiologische Faktoren (Zeitpunkt der Applikation). Zur Vergleichbarkeit von Toxizitätsangaben sind daher diese Parameter stets anzugeben.

Die Nanotoxikologie befasst sich mit den Wirkungen von Nanopartikeln einschließlich der Nanomaterialien auf lebende Organismen. Aufgrund der Miniaturisierung zeigen Nanoobjekte teilweise erheblich veränderte physikalische und chemische Eigenschaften im Vergleich zu ihrem Ausgangsmaterial. Je kleiner ein Partikel ist, desto größer ist seine Toxizität. Nanopartikel können bronchiale und pulmonale Entzündungsreaktionen verursachen, des Weiteren sind vereinzelt Lungenfibrosen beschrieben.

Die Wirkungen toxischer Substanzen lassen sich teilweise durch natürliche oder künstlich hergestellte Gegengifte aufheben oder abmildern.

Giftwirkung beim Menschen

Gifte greifen an unterschiedlichen Rezeptoren im Organismus an. Häufig betroffene Organe bei akuten Vergiftungen sind Leber (Hepatotoxine, zum Beispiel durch Paracetamol), Niere (Nephrotoxine) sowie Gehirn und Nerven (Nervengifte wie Botulinumtoxin und Kampfstoffe wie VX, Sarin oder Soman). Einige Gifte greifen in die innere Atmung ein, so zum Beispiel Nitrite und Kohlenstoffmonoxid, die das Hämoglobin blockieren, oder Kaliumcyanid (Cyankali), das die Atmungskette der Zellen blockiert.

Um die Giftigkeit (Toxizität) von Toxinen miteinander vergleichen zu können, werden Tierversuche unter standardisierten Bedingungen herangezogen. Die häufig angegebene LD50 zum Beispiel gibt an, welche Stoffmenge, bezogen auf das Körpergewicht, bei der Hälfte einer Versuchstierpopulation zum Tod führt. Dabei steht LD für letale Dosis.

Einige der stärksten bekannten Giftstoffe werden unter dem Sammelbegriff Botulinumtoxin zusammengefasst, diese können unter anderem in verdorbenen Fleisch- und Fischkonserven oder in Käse vorkommen.

Konzentrationsgifte und Summationsgifte

Nach dem Verhalten des Giftstoffes an den Rezeptoren werden zwei Arten von Giften unterschieden:

  • Bei einem Konzentrationsgift nimmt die Wirkung mit zunehmender Konzentration des Giftstoffes an den Rezeptoren zu. Wird der Giftstoff, beispielsweise durch Stoffwechselvorgänge oder Ausatmen, wieder vollständig – ohne die blockierten Rezeptoren geschädigt zu haben – abgebaut, so klingt auch die Wirkung wieder vollständig ab.
  • Bei einem Summationsgift, auch Kumulationsgift oder c·t-Gift genannt, bewirkt der Giftstoff eine irreversible Veränderung der Rezeptoren. Die Wirkung bleibt auch nach der Ausscheidung des Wirkstoffs aus dem Körper bestehen. Bei einer weiteren Gabe können die Giftstoffmoleküle einen Teil der noch verbliebenen Rezeptoren wieder irreversibel schädigen. Die Einzelwirkungen können sich so aufsummieren. Die Giftstoffaufnahme kann dabei kontinuierlich oder auch schubweise stattfinden. Die Wirkung (W) ergibt sich aus dem Produkt von Konzentration (c) und Expositionsdauer (t) als W=c·t (siehe Habersche Regel).
Beispiele
  • Tabakrauch enthält das in hoher Konzentration sehr giftige Nicotin. Nicotin ist ein typisches Konzentrationsgift. Es blockiert reversibel die nikotinischen Acetylcholinrezeptoren. Nach kurzer Zeit werden die Rezeptoren wieder freigegeben. Auch über viele Jahre genommen zeigt Nicotin in niedrigen Dosen nur geringe chronische Schädigungen des Organismus.
  • Daneben enthält Tabakrauch auch mehrere krebserregende Verbindungen. Am bekanntesten ist das Benzo[a]pyren, das eine geringere akute Toxizität als Nicotin aufweist, aber ein typisches Summationsgift ist. Das im Organismus aus Benzpyren gebildete Oxidationsprodukt Benzo[a]pyren-7,8-dihydroxy-9,10-epoxid bewirkt, in kleinsten Dosen über viele Jahre aufgenommen, ein erheblich erhöhtes Risiko für eine Lungenkrebserkrankung sowie für weitere Krebsarten, da es mit einem Bestandteil der Erbsubstanz DNA reagiert.

Beispiele unterschiedlicher Giftwirkung

  • Gift-„Cocktails“, wie sie manchmal mit Mord- oder Suizidabsicht zusammengestellt werden, sind meist „giftiger“ als die Summe der Einzelsubstanzen („Potenzierung“). Dies gilt auch für die Kombination subtoxischer Mengen von umweltgefährlichen Stoffen, die zusammen schädigend wirken können.
  • Metallisches Quecksilber ist beim Verschlucken weniger giftig als bei der Inhalation der Dämpfe.
  • Eine Dosis Ethanol, die im Laufe eines Abends (also subakut) in Form von Bier eingenommen und vertragen wird, kann bei akuter Zufuhr als Schnaps zu ausgeprägteren und eventuell gefährlichen Vergiftungserscheinungen führen.
  • Die Einnahme von 10 Litern Wasser auf einmal (destilliert oder nicht) kann für einen Erwachsenen tödlich sein. Es kommt zur Hyponatriämie (Unterversorgung mit Natrium durch osmotischen Entzug). Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine toxische Wirkung des Wassers an sich, sondern um einen schädlichen Verdünnungseffekt.
  • Ein durch Krankheit vorgeschädigter Organismus reagiert empfindlicher auf Gifte als der eines Gesunden.
  • Eine Dosis Digitoxin, die bei einem Erwachsenen therapeutisch wirkt, kann für ein Kind oder einen älteren Menschen tödlich sein.
  • Ethanol ist für Menschen mit verminderter oder veränderter Alkoholdehydrogenase in wesentlich geringerer Dosis tödlich.
  • Der LD50-Wert für DDT liegt bei Ratten bei 113 mg/kg, bei Fliegen aber nur bei 1 mg/kg Körpergewicht.
  • 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin wirkt bei Schafen akut tödlich, bei Menschen führt die gleiche Konzentration nur zur Ausbildung von Chlorakne.
  • Das Theobromin von Schokolade (bzw. Kakao) ist für Hunde und Katzen giftig, siehe Theobrominvergiftung.
  • Wiederholte Giftzufuhr führt bei vielen Substanzen zur Toleranzentwicklung. So gab es früher Arsenikesser, die zum Teil das Mehrfache einer gewöhnlich akut tödlichen Dosis von Arsenik (As2O3) ohne (akute) Beeinträchtigung zu sich nahmen. Ähnlich wie Arsenik wirken Thalliumsalze auf den menschlichen Organismus. Ein näherliegendes Beispiel ist Heroin (ein Opioid), gegen das der Mensch eine ausgeprägte Toleranz entwickelt.
  • Weißer Germer, eine für die meisten Säugetiere hochgiftige Pflanze, wird von Rothirschen in der Brunft verzehrt.
  • Vergiftungen mit Schlafmitteln führen zum Teil über Störungen der Temperaturregulation mit Auskühlen des Organismus zum Tod. Wenn der Auskühlung entgegengewirkt wird (Bettdecke, Heizung), wird eine Überdosis unter Umständen vertragen, die im Freien tödlich gewesen wäre.

Giftstoff als Gefahrstoff

Während allgemein giftige Schadstoffe als umweltgefährlich (N) eingestuft werden, werden Stoffe nach der Wirkung auf den Menschen als Gefahrstoff in sehr giftig (T+), giftig (T) sowie gesundheitsschädlich (Xn) (veraltet „mindergiftig“) eingestuft.

Gefahrensymbol mit
Gefahrenbezeichnung
Kenn-
buchstabe
Einstufung für Gefahrensymbole Beispiele
sehr giftig T+ wenn sie in sehr geringer Menge beim Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut zum Tode führen oder akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen können. Es gelten folgende Grenzwerte
LD50 oral, Ratte: < 25 mg/kg
LD50 dermal, Ratte oder Kaninchen: < 50 mg/kg
LC50 inhalativ, Ratte, für Aerosole/Stäube: < 0,25 mg/l
LC50 inhalativ, Ratte, für Gase/Dämpfe: < 0,50 mg/l
Atropin, Sarin, Thallium
giftig T wenn sie in geringer Menge beim Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut zum Tode führen oder akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen können; auch alle CMR-Stoffe werden mit T gekennzeichnet. Es gelten folgende Grenzwerte
oral, Ratte: 25 mg/kg < LD50 < 200 mg/kg
dermal, Ratte oder Kaninchen: 50 mg/kg < LD50 < 400 mg/kg
inhalativ, Ratte, für Aerosole/Stäube: 0,25 mg/l < LC50 < 1 mg/l
inhalativ, Ratte, für Gase/Dämpfe: 0,50 mg/l < LC50 < 2 mg/l
Methanol, Tetrachlormethan
gesundheitsschädlich Xn wenn sie bei Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen können. Es gelten folgende Grenzwerte
oral, Ratte: 200 mg/kg < LD50 < 2000 mg/kg
dermal, Ratte oder Kaninchen: 400 mg/kg < LD50 < 2000 mg/kg
inhalativ, Ratte, für Aerosole/Stäube: 1 mg/l < LC50 < 5 mg/l
inhalativ, Ratte, für Gase/Dämpfe: 2 mg/l < LC50 < 20 mg/l
Dichlormethan, Kaliumchlorat

Nach der neueren Einstufung nach dem Global harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien erfolgt die Einteilung in Akut Toxisch (Symbol 06), Gesundheitsgefahr (Symbol 08) und diversen anderen Gesundheitsgefahren (Symbol 07).

GHS-Symbol mit
Signalwort
Einstufung für Gefahrensymbole Beispiele
Gefahr wenn sie in geringer Menge beim Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut zum Tode führen oder akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen können. Es gelten folgende Grenzwerte
LD50 oral, Ratte: ≤ 300 mg/kg
LD50 dermal, Ratte oder Kaninchen: ≤ 1000 mg/kg
LC50 inhalativ, Ratte, für Aerosole/Stäube: ≤ 1,0 mg/l
LC50 inhalativ, Ratte, für Gase ≤ 2500 ppm
LC50 inhalativ, Ratte, für Dämpfe: ≤ 10 mg/l
Atropin, Sarin, Thallium, Methanol, Tetrachlormethan
Gefahr wenn sie bei Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut akute oder chronische Gesundheitsschäden verursachen können. Es gelten folgende Grenzwerte
LD50 oral, Ratte: ≤ 2000 mg/kg
LD50 dermal, Ratte oder Kaninchen: ≤ 2000 mg/kg
LC50 inhalativ, Ratte, für Aerosole/Stäube: ≤ 5,0 mg/l
LC50 inhalativ, Ratte, für Gase ≤ 20.000 ppm
LC50 inhalativ, Ratte, für Dämpfe: ≤ 20 mg/l

oder bei krebserzeugenden oder allergieauslösenden Stoffen

Dichlormethan
Das „dicke Ausrufezeichensymbol“ dient der alleinigen oder zusätzlichen Kennzeichnung diverser Kategorien, welche früher hauptsächlich durch das Gefahrensymbol Xi für reizend abgedeckt wurden. Unter Umständen entfällt es auch. Das Signalwort wird je nach Zusammenhang gewählt. Kaliumchlorat

Die Regelungen sind EU-weit konform. Nach dem schweizerischen Giftgesetz erfolgte die Einteilung in Giftklassen, seit 2005 gelten aber auch die EU-Gefahrensymbole.

Als Gefahrgut im Transport, die auf der Straße durch das ADR geregelt wird, haben Giftstoffe die Gefahrgutklasse 6.1 – Giftige Stoffe oder, im Fall von Gasen, 2 mit den Gefahrengraden T (giftig); TF (giftig und entzündlich); TC (giftig und ätzend); TO (giftig und brandfördernd); TFC (giftig, entzündlich und brandfördernd); TOC (giftig, brandfördernd und ätzend) und eine Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr (Kemler-Zahl) 6.

Gefahrgutklasse Einstufung Beispiele
Klasse 6.1 Giftige Stoffe Stoffe, von denen aus Erfahrung bekannt oder nach tierexperimentellen Untersuchungen anzunehmen ist, dass sie nach dem Einatmen, Verschlucken oder Berühren mit der Haut bei einmaliger oder kurzer Einwirkung in relativ kleiner Menge zu Gesundheitsschäden oder dem Tod eines Menschen führen können. Cyanwasserstoff (Blausäure), Arsen, Pestizide
Klasse 2, Gefahrengruppen T, TF, TC, TO, TFC, TOC Gase (giftig) Gase,

a) die dafür bekannt sind, so giftig und ätzend in Bezug auf den Menschen zu sein, dass sie eine Gefahr für die Gesundheit darstellen, oder
b) von denen angenommen wird, dass sie giftig oder ätzend in Bezug auf den Menschen sind, weil sie bei der Prüfung gemäß Rn. 2600 Abs. 3 einen LC50-Wert für die akute Giftigkeit von höchstens 5 000 ml/m³ (ppm) aufweisen

Chlorgas, Chlorwasserstoff, Schwefeldioxid

Als Giftige Substanz tragen Giftstoffe typischerweise die R-Sätze 20–28 (Gesundheitsschädlich/Giftig/Sehr giftig beim Einatmen/bei Berührung mit der Haut/beim Verschlucken), R29, 31, 32 (Entwickelt giftige Gase bei Berührung mit anderen Substanzen), sowie R50–59 (Umweltgefährlich). Aber auch etliche andere R-Sätze beschreiben Giftwirkungen im medizinischen oder rechtlichen Sinne (Reizwirkung, Krebsrisiko, Erbgutschädigend, …).

Eine Liste der in Wikipedia beschriebenen giftigen und sehr giftigen Stoffe befindet sich in der Kategorie:Giftiger Stoff.

Juristische Definition

Nach herrschender Ansicht ist ein Gift jeder organische oder anorganische Stoff, der nach seiner Art, der beigebrachten Menge, der Form der Beibringung und der Körperbeschaffenheit des Opfers durch chemische oder chemisch-physikalische Wirkung die Gesundheit zu beschädigen geeignet ist.

Beigebracht ist ein Gift dann, wenn eine Körper-Stoff-Beziehung hergestellt wurde.

Der Gesetzgeber bezieht sich dabei ausdrücklich auf die Klassifikation als Gefahrstoff (etwa § 3 Abs. 1 Z 6 und 7 ChemG 1996, Österreich), wobei insbesondere auch die als gesundheitsschädlich bezeichneten Stoffe miteinbezogen sind (etwa § 35 Z 1 ChemG 1996). Sowohl den Chemikaliengesetzen wie auch der Gefahrstoffverordnungen reicht schon ein hinreichend begründeter Verdacht auf Giftigkeit, einen Stoff als Gift einzustufen.

Das Beibringen von Gift wird (in Deutschland nach § 224 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 1 StGB) als gefährliche Körperverletzung bestraft.

Tabelle der LD50-Werte einiger Stoffe in verschiedenen Arten:

Substanz Tierart, Verabreichungsweg LD50
{LC50}
LD50 : g/kg
{LC50 : g/L}
standardisiert
Einzelnachweis
Wasser Ratte, oral >90 g/kg >90
Saccharose (Zucker) Ratte, oral 29,7 g/kg 29,7
Mononatriumglutamat (MSG) Ratte, oral 16,6 g/kg 16,6
Vitamin C (Ascorbinsäure) Ratte, oral 11,9 g/kg 11,9
Harnstoff Ratte, oral 8.471 mg/kg 8,471
Cyanursäure Ratte, oral 7.700 mg/kg 7,7
Cadmiumsulfid Ratte, oral 7.080 mg/kg 7,08
Ethanol Ratte, oral 7.060 mg/kg 7,06
Isopropylmethylphosphonsäure (IMPA, Metabolit des Sarin) Ratte, oral 6.860 mg/kg 6,86
Melamin Ratte, oral 6.000 mg/kg 6
Melamincyanurat Ratte, oral 4.100 mg/kg 4,1
Natriummolybdat Ratte, oral 4.000 mg/kg 4
Natriumchlorid (Kochsalz) Ratte, oral 3.000 mg/kg 3
Paracetamol (Acetaminophen) Ratte, oral 1.944 mg/kg 1,944
Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) Ratte, oral 1.270 mg/kg 1,27
Arsen Ratte, oral 763 mg/kg 0,763
Alkyldimethylbenzalkoniumchlorid (ADBAC) Ratte, oral
Fische, Immersion
aquatische Invertebraten, imm.
304,5 mg/kg
{0,28 mg/L}
{0,059 mg/L}
0,3045
{0,00028}
{0,000059}
Coumarin (aus Cinnamomum aromaticum und anderen Pflanzen) Ratte, oral 293 mg/kg 0,293
Acetylsalicylsäure (ASS) Ratte, oral 200 mg/kg 0,2
Koffein Ratte, oral 192 mg/kg 0,192
Arsentrisulfid Ratte, oral 185–6.400 mg/kg 0,185–6,4
Natriumnitrit Ratte, oral 180 mg/kg 0,18
Uranylacetat-Dihydrat Maus, oral 136 mg/kg 0,136
Bisoprolol Maus, oral 100 mg/kg 0,1
Senfgas Mensch, dermal 100 mg/kg 0,1
Cobaltchlorid Ratte, oral 80 mg/kg 0,08
Cadmiumoxid Ratte, oral 72 mg/kg 0,072
Natriumfluorid Ratte, oral 52 mg/kg 0,052
Pentaboran Mensch, oral <50 mg/kg <0.05
Capsaicin Maus, oral 47,2 mg/kg 0,0472
Quecksilber(II)-chlorid Ratte, dermal 41 mg/kg 0,041
Sarin Mensch, dermal
Maus, subkutan
28 mg/kg
172,23 µg/kg
0,028
0,00017
Lysergsäurediethylamid (LSD) Ratte, intravenös 16,5 mg/kg 0,0165
Arsentrioxid Ratte, oral 14 mg/kg 0,014
Arsen Ratte, intraperitoneal 13 mg/kg 0,013
Nicotin Mensch, oral 6,5–13,0 mg/kg 0,0065–0,013
Natriumcyanid Ratte, oral 6,4 mg/kg 0,0064
Weißer Phosphor Ratte, oral 3,03 mg/kg 0,00303
Strychnin Mensch, oral 1–2 mg/kg 0,001
Cantharidin Mensch, oral 0,5 mg/kg 0,0005
Aflatoxin B1 (aus Aspergillus flavus) Ratte, oral 0,48 mg/kg 0,00048
Gift der brasilianischen Wanderspinne Ratte, subkutan 134 μg/kg 0,000134
Gift des Inlandtaipans (Australische Giftschlange) Ratte, subkutan 25 μg/kg 0,000025
Ricin Ratte, intraperitoneal
Ratte, oral
22 μg/kg
20–30 mg/kg
0,000022
0.02
2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD, ein Dioxin) Ratte, oral 20 μg/kg 0,00002
VX Mensch, oral, Inhalation, Absorption über Haut/Augen 2,3 μg/kg (geschätzt) 0,0000023
Batrachotoxin (aus Pfeilgiftfröschen) Mensch, subkutan 2–7 μg/kg 0,000002
Abrin Maus, intravenös
Mensch, Inhalation
Mensch, oral
0,7 μg/kg
3,3 μg/kg
10–1000 μg/kg
0,0000007
0,0000033
0,00001–0.001
Maitotoxin Maus, intraperitoneal 0,13 μg/kg 0,00000013
Polonium-210 Mensch, Inhalation 10 ng/kg (geschätzt) 0,00000001
Botulinumtoxin (Botox) Mensch, oral, Injektion, Inhalation 1 ng/kg 0,000000001
Logarithmische Darstellung von LD50-Werten

Die LD50-Werte haben eine sehr große Spannweite. Das Botulinumtoxin als giftigster bekannter Stoff hat einen LD50-Wert von 1 ng/kg, während der ungiftigste Stoff Wasser einen LD50-Wert von mehr als 90 g/kg hat. Das ist ein Unterschied von etwa 1 zu 100 Milliarden oder 11 Größenordnungen. Wie bei allen Messwerten, die sich um viele Größenordnungen unterscheiden bietet sich eine logarithmische Betrachtung an. Bekannte Beispiele sind die Angabe der Erdbebenstärke anhand der Richter-Skala, der pH-Wert, als Maß für den sauren oder basischen Charakter einer wässrigen Lösung oder die Lautstärke in dB. In diesem Fall wird der negative dekadische Logarithmus der LD50-Werte, der standardisiert in kg je kg Körpergewicht angeben wird betrachtet.

-log LD50 (kg/kg) = Wert

Der gefundene dimensionslose Wert kann in eine Gifte-Skala eingetragen werden. Wasser als wichtigste Substanz hat in der so gewonnenen Gifte-Skala den eingängigen Wert 1.

LDLo-Werte einiger ausgewählter Substanzen
Substanz Aufnahmeweg Menge in mg·kg−1 Quelle
Ethanol oral 1400
Phosphor oral 0001,4
Brom oral 0014
Salpetersäure oral 0430
Phenol oral 0140–1400
Pyridin oral 0500
Atropin unbekannt 0000,143
Kaliumcyanid oral 0002,857
Chinin unbekannt 0294
Senfgas percutan 0064
Ciprofloxacin oral 0005,714
Natriumcyanid oral 0002,8
Parathion oral 0000,17
Phencyclidin oral 0014
Quecksilber(II)-chlorid oral 0001
Diethylenglycol oral ca. 1000
Cantharidin oral 0000,03–0,5
Dichlorvos oral 0050
Lewisit percutan 0037,6
Picrotoxin oral 0000,357
Blei(II)-carbonat oral 0571
Heptabarbital oral 0050
Gyromitrin oral 0020

Toxine

Toxine sind Gifte, die von Lebewesen synthetisiert werden.

Vom menschlichen Organismus produzierte Gifte:

Pflanzliche Gifte:

Von Mikroorganismen produzierte Gifte:

Pilzgifte (giftige Großpilze):

Tierische Gifte:

Andere Gifte

Anorganische Verbindungen:

Organische Verbindungen:

  • Mechthild Amberger-Lahrmann, Dietrich Schmähl (Hrsg.): Gifte. Geschichte der Toxikologie. Berlin u. a. 1988.
  • Karsten Strey: Die Welt der Gifte. Lehmanns Media, Berlin 2015. ISBN 978-3-86541-728-2.
  • Eberhard Teuscher, Ulrike Lindequist: Biogene Gifte. Biologie – Chemie – Pharmakologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8047-2438-9.
  • Louis Lewin: Die Gifte in der Weltgeschichte, Reprograph. Nachdruck der Ausgabe Berlin, Springer 1920, Tosa 2007, Wien ISBN 978-3-85003-152-3.
  • Ludwig Sacha Weilemann, Hans-Jürgen Reinecke: Notfallmanual Vergiftungen. Stuttgart, Thieme 1996. ISBN 978-3-13-102591-3.
Wiktionary: Gift – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Giftstoff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Gifte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Thomas Richter: Gifte. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 494 f.; hier: S. 494.
  2. Pfeifer, Dr. Wolfgang, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv) München, 5. Auflage 2000, S. 449.
  3. Vgl. L. Lewin: Die Pfeilgifte. In: Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin.Band136,Nr.1, April 1894,S.83–126.
  4. Die ICD-10 unterscheidet zwischen Vergiftungen (T36-T50) und Toxinen (T51-T65) einerseits und allem anderen inkl. Strahlenkrankheit (T66) andererseits. Siehe Kapitel XIX der ICD-10 Datenbank (Memento vom 12. April 2015 im Internet Archive).
  5. Paracelsus: Die dritte Defension wegen des Schreibens der neuen Rezepte. In: Septem Defensiones 1538. Werke Bd. 2, Darmstadt 1965, S. 510. zeno.org.
  6. Toxizität. In: Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. 4. September 2018, abgerufen am 2. September 2019.
  7. Toxizität. In: Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. 4. Dezember 2014, abgerufen am 2. September 2019.
  8. G. Oberdörster et al.: Nanotoxicology: an emerging discipline evolving from studies of ultrafine particles.. In: Environ Health Perspect. 2005 Jul;113(7):823-39.. 11. Juli 2005. doi:10.1289/ehp.7339.
  9. M. Müller, M. Fritz, A. Buchter: Nanotoxikologie. (PDF; 589 kB) In: Zentralblatt für Arbeitsmedizin, 58, 2008, S. 238–252; abgerufen am 2019-09-02
  10. Universität Potsdam: Toxikodynamik. (Memento vom 17. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 5 kB) abgerufen am 1. November 2008.
  11. Eintrag zuNikotin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 12. März 2013. (JavaScript erforderlich)
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Gift
gift, stoff, lebewesen, über, ihre, stoffwechselvorgänge, schaden, zufügt, sprache, beobachten, bearbeiten, dieser, artikel, beschäftigt, sich, stoffen, welche, einer, geringen, dosis, schädlich, für, organismen, sind, weiteren, bedeutungen, siehe, begriffsklä. Gift Stoff der Lebewesen uber ihre Stoffwechselvorgange Schaden zufugt Sprache Beobachten Bearbeiten Dieser Artikel beschaftigt sich mit Stoffen welche ab einer geringen Dosis schadlich fur Organismen sind Zu weiteren Bedeutungen siehe Gift Begriffsklarung Als Gift mittelhochdeutsch fur Schadstoff althochdeutsch fur Gabe oder Giftstoff fachsprachlich auch Toxikum bezeichnet man einen Stoff der Lebewesen uber ihre Stoffwechselvorgange durch Eindringen in den Organismus ab einer bestimmten geringen Dosis einen Schaden zufugen kann Mit der Zunahme der Expositionsmenge eines Wirkstoffes steigt die Wahrscheinlichkeit dass Gesundheitsschadigungen durch eine Vergiftung auftreten Ab einem bestimmten Dosisbereich ist somit nahezu jeder Stoff als giftig toxisch einzustufen Die wissenschaftliche Disziplin die sich mit der Erforschung von giftigen Substanzen ihrer Wirkung in verschiedenen Dosisbereichen sowie der Behandlung von Vergiftungen beschaftigt ist die Toxikologie Sie befasst sich mit Stoffen Stoffgemischen Tieren Pflanzen und Mikroorganismen und mit den biochemischen Mechanismen der Giftwirkung in Bezug auf quantitative Aspekte Der durch ein Gift angerichtete Schaden kann in vorubergehender Beeintrachtigung dauerhafter Schadigung oder Tod bestehen Bei anhaltender schadigender Gifteinwirkung spricht man von chronischer Vergiftung bei einer Gifteinwirkung die umgehend zu einer Schadigung fuhrt von einer akuten Vergiftung Als Gefahrstoffe werden Gifte in Abhangigkeit von der Wirkmenge in sehr giftig und giftig sowie gesundheitsschadlich fruher mindergiftig eingeteilt Der Schadel mit gekreuzten Knochen ist das traditionelle Piktogramm fur Gift Inhaltsverzeichnis 1 Etymologie 2 Abgrenzung des Begriffs 3 Toxizitat Giftigkeit 4 Giftwirkung 4 1 Giftwirkung beim Menschen 4 2 Konzentrationsgifte und Summationsgifte 4 3 Beispiele unterschiedlicher Giftwirkung 5 Einteilung von Giften 5 1 Giftstoff als Gefahrstoff 5 2 Juristische Definition 6 LD50 Tabelle und logarithmische Gifte Skala 7 Bei Menschen wirksame Gifte Beispiele 7 1 Toxine 7 2 Andere Gifte 8 Siehe auch 9 Literatur 10 Weblinks 11 EinzelnachweiseEtymologie Bearbeiten Historischer Erlaubnisschein zum Erwerb von Gift um 1910 Das Wort Gift ist eine germanische Abstraktbildung gef ti mit t Suffix und dadurch bedingtem Wandel von b zu f der indoeuropaischen Wurzel des Wortes geben Die ursprungliche Bedeutung Gabe Geschenk Schenkung die Gift noch bei Goethe hatte ist heute im Deutschen verschwunden wahrend sie im englischen gift weiterlebt und hat sich nur in der Mitgift Heiratsgut der Braut Aussteuer erhalten Der Bedeutungswandel von Gabe zu todliche Gabe Gift zuerst im Althochdeutschen bei Notker belegt steht spater unter dem Einfluss des griechisch spatlateinischen Wortes dosis das Geschenk Gabe bestimmte Menge Arznei bedeutet aber auch als verhullender euphemistischer Ausdruck fur Gift verwendet wird Aber auch schon der alt griechische Ausdruck farmakon pharmakon bei Homer stand sowohl fur die Heilwirkung als auch die schadliche Wirkung eines Stoffes und auch bei Galenos gibt es Arzneimittel pharmaka deren Wirkung als Gift von der Dosis abhangt 1 Gift behalt das ursprunglich feminine Genus in beiden Bedeutungen vorerst bei wird dann als schadlicher Stoff zuerst Maskulin Anfang des 15 Jahrhunderts spater Neutrum Mitte 16 Jahrhundert Letzteres setzt sich im 18 Jahrhundert immer mehr durch doch schreibt noch Schiller 1784 in Kabale und Liebe 5 Akt 7 Szene Noch spur ich den Gift nicht Verwandte Verwendungen Althochdeutsch 9 Jahrhundert mittelhochdeutsch mittelniederdeutsch gift feminin das Geben Gabe Geschenk Gift mittelniederlandisch ghifte ghichte niederlandisch gift feminin Gabe Gift altenglisch gift gyft feminin neutrum Gabe Belohnung Brautpreis im Plural Hochzeit altnordisch gipt gift feminin Gabe Gluck Vermahlung der Frau gotisch fragifts feminin Verleihung im Plural Verlobung 2 Toxikum und toxisch leiten sich uber lateinisch toxicum von altgriechisch to3ikon farmakon toxikon pharmakon Pfeil gift ab was selbst auf to3on toxon Bogen ursprungliche engere Bedeutung Pfeil und Bogen im Plural verallgemeinerte Bedeutung zuruckzufuhren ist und darauf hinweist dass bereits in der Antike vergiftete Pfeile eingesetzt wurden 3 Abgrenzung des Begriffs BearbeitenAllgemein ist die nicht einfache Unterscheidung in Schadstoff und Giftstoff gegeben Von Lebewesen ausgeschiedene Giftstoffe oder Abfallprodukte werden in der Toxikologie als Toxine bezeichnet Krankheitserregende Bakterien schadigen durch die Wirkung ihrer Gifte Die charakteristischen Krankheitsbilder bei bakteriellen Infektionen werden durch die Wirkung der Bakterientoxine verursacht Bei gramnegativen Bakterien sind diese Gifte Bestandteil der Zellmembran Sie werden beim Absterben der Bakterienzellen als Endotoxine freigesetzt Bei grampositiven bakteriellen Krankheitserregern entstehen die Gifte im Intermediarstoffwechsel Sie werden als Exotoxine ausgeschieden Toxoide sind entgiftete inaktivierte Toxine die aber noch eine Immunantwort im geimpften Korper auslosen konnen Toxoidimpfstoffe werden bei Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus verwendet Viren sind Krankheitserreger aber selbst nicht giftig Substanzen oder Gegenstande die ein Lebewesen ausschliesslich mechanisch oder durch Strahlung schadigen gelten ebenfalls nicht als Gift 4 Toxizitat Giftigkeit Bearbeiten Hauptartikel Toxizitat und Toxizitatsbestimmung Die Vertraglichkeit einer Substanz ist fur viele Lebewesen oder Gruppen von Lebewesen unterschiedlich Grundsatzlich konnen alle dem Organismus zugefuhrten Stoffe oberhalb einer gewissen Dosis Schaden anrichten und sind somit ab dieser Wirkmenge als giftig anzusehen Paracelsus schrieb 1538 Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift allein die Dosis machts dass ein Ding kein Gift sei 5 Toxizitat ist ein Mass fur die schadigende oder todliche Wirkung einer chemischen Substanz oder einer physikalischen Einwirkung z B Bestrahlung ionisierende Strahlen Strahlenbelastung auf einen lebenden Organismus Man unterscheidet zwischen der akuten Toxizitat die unmittelbare Wirkung zeigt der chronischen Toxizitat bei der die Schaden erst nach langerer Expositionsdauer eintreten und der okologischen Toxizitat Okotoxikologie die Einfluss auf ganze Populationen oder Okosysteme hat 6 Die akute Toxizitat wird bestimmt durch die bis zum Erreichen eines bestimmten toxischen Effektes durchschnittlich erforderliche Menge Dosis eines Giftes angegeben entweder als Giftmenge je kg Korpergewicht oder in Form eines Konzentrations Zeit Produktes Habersches Produkt in mg min 1 m 3 Die chronische Toxizitat beschreibt die toxischen Effekte einer Substanz mit langandauernder regelmassiger Applikation einer bestimmten Dosis Die Anreicherung Akkumulierung vieler Schadstoffe in Luft und Boden fallt in den Bereich der Okotoxikologie 7 Die absolute Grosse der Toxizitat toxische Dosis hangt von einer Reihe von Faktoren ab Die bedeutsamsten sind Art und Ort der Giftapplikation inhalativ oral subkutan bzw perkutan intramuskular intravenos bzw intraarteriell intraperitoneal u a das Applikationsvehikel z B Losungsmittel die korperliche Verfassung eines Lebewesens Art Alter und Geschlecht individuelle Eigenschaften des Lebewesens Pradisposition Gesundheitszustand und Lebensbedingungen und chronobiologische Faktoren Zeitpunkt der Applikation Zur Vergleichbarkeit von Toxizitatsangaben sind daher diese Parameter stets anzugeben 7 Die Nanotoxikologie befasst sich mit den Wirkungen von Nanopartikeln einschliesslich der Nanomaterialien auf lebende Organismen 8 Aufgrund der Miniaturisierung zeigen Nanoobjekte teilweise erheblich veranderte physikalische und chemische Eigenschaften im Vergleich zu ihrem Ausgangsmaterial Je kleiner ein Partikel ist desto grosser ist seine Toxizitat Nanopartikel konnen bronchiale und pulmonale Entzundungsreaktionen verursachen des Weiteren sind vereinzelt Lungenfibrosen beschrieben 9 Die Wirkungen toxischer Substanzen lassen sich teilweise durch naturliche oder kunstlich hergestellte Gegengifte aufheben oder abmildern Giftwirkung BearbeitenGiftwirkung beim Menschen Bearbeiten Gifte greifen an unterschiedlichen Rezeptoren im Organismus an Haufig betroffene Organe bei akuten Vergiftungen sind Leber Hepatotoxine zum Beispiel durch Paracetamol Niere Nephrotoxine sowie Gehirn und Nerven Nervengifte wie Botulinumtoxin und Kampfstoffe wie VX Sarin oder Soman Einige Gifte greifen in die innere Atmung ein so zum Beispiel Nitrite und Kohlenstoffmonoxid die das Hamoglobin blockieren oder Kaliumcyanid Cyankali das die Atmungskette der Zellen blockiert Um die Giftigkeit Toxizitat von Toxinen miteinander vergleichen zu konnen werden Tierversuche unter standardisierten Bedingungen herangezogen Die haufig angegebene LD50 zum Beispiel gibt an welche Stoffmenge bezogen auf das Korpergewicht bei der Halfte einer Versuchstierpopulation zum Tod fuhrt Dabei steht LD fur letale Dosis Einige der starksten bekannten Giftstoffe werden unter dem Sammelbegriff Botulinumtoxin zusammengefasst diese konnen unter anderem in verdorbenen Fleisch und Fischkonserven oder in Kase vorkommen Konzentrationsgifte und Summationsgifte Bearbeiten Nach dem Verhalten des Giftstoffes an den Rezeptoren werden zwei Arten von Giften unterschieden 10 Bei einem Konzentrationsgift nimmt die Wirkung mit zunehmender Konzentration des Giftstoffes an den Rezeptoren zu Wird der Giftstoff beispielsweise durch Stoffwechselvorgange oder Ausatmen wieder vollstandig ohne die blockierten Rezeptoren geschadigt zu haben abgebaut so klingt auch die Wirkung wieder vollstandig ab Bei einem Summationsgift auch Kumulationsgift oder c t Gift genannt bewirkt der Giftstoff eine irreversible Veranderung der Rezeptoren Die Wirkung bleibt auch nach der Ausscheidung des Wirkstoffs aus dem Korper bestehen Bei einer weiteren Gabe konnen die Giftstoffmolekule einen Teil der noch verbliebenen Rezeptoren wieder irreversibel schadigen Die Einzelwirkungen konnen sich so aufsummieren Die Giftstoffaufnahme kann dabei kontinuierlich oder auch schubweise stattfinden Die Wirkung W ergibt sich aus dem Produkt von Konzentration c und Expositionsdauer t als W c t siehe Habersche Regel BeispieleTabakrauch enthalt das in hoher Konzentration sehr giftige Nicotin 11 Nicotin ist ein typisches Konzentrationsgift Es blockiert reversibel die nikotinischen Acetylcholinrezeptoren Nach kurzer Zeit werden die Rezeptoren wieder freigegeben Auch uber viele Jahre genommen zeigt Nicotin in niedrigen Dosen nur geringe chronische Schadigungen des Organismus Daneben enthalt Tabakrauch auch mehrere krebserregende Verbindungen Am bekanntesten ist das Benzo a pyren das eine geringere akute Toxizitat als Nicotin aufweist 12 aber ein typisches Summationsgift ist Das im Organismus aus Benzpyren gebildete Oxidationsprodukt Benzo a pyren 7 8 dihydroxy 9 10 epoxid bewirkt in kleinsten Dosen uber viele Jahre aufgenommen ein erheblich erhohtes Risiko fur eine Lungenkrebserkrankung sowie fur weitere Krebsarten da es mit einem Bestandteil der Erbsubstanz DNA reagiert 13 Beispiele unterschiedlicher Giftwirkung Bearbeiten Gift Cocktails wie sie manchmal mit Mord oder Suizidabsicht zusammengestellt werden sind meist giftiger als die Summe der Einzelsubstanzen Potenzierung Dies gilt auch fur die Kombination subtoxischer Mengen von umweltgefahrlichen Stoffen die zusammen schadigend wirken konnen Metallisches Quecksilber ist beim Verschlucken weniger giftig als bei der Inhalation der Dampfe Eine Dosis Ethanol die im Laufe eines Abends also subakut in Form von Bier eingenommen und vertragen wird kann bei akuter Zufuhr als Schnaps zu ausgepragteren und eventuell gefahrlichen Vergiftungserscheinungen fuhren Die Einnahme von 10 Litern Wasser auf einmal destilliert oder nicht kann fur einen Erwachsenen todlich sein Es kommt zur Hyponatriamie Unterversorgung mit Natrium durch osmotischen Entzug Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine toxische Wirkung des Wassers an sich sondern um einen schadlichen Verdunnungseffekt Ein durch Krankheit vorgeschadigter Organismus reagiert empfindlicher auf Gifte als der eines Gesunden Eine Dosis Digitoxin die bei einem Erwachsenen therapeutisch wirkt kann fur ein Kind oder einen alteren Menschen todlich sein Ethanol ist fur Menschen mit verminderter oder veranderter Alkoholdehydrogenase in wesentlich geringerer Dosis todlich Der LD50 Wert fur DDT liegt bei Ratten bei 113 mg kg bei Fliegen aber nur bei 1 mg kg Korpergewicht 2 3 7 8 Tetrachlordibenzodioxin wirkt bei Schafen akut todlich bei Menschen fuhrt die gleiche Konzentration nur zur Ausbildung von Chlorakne Das Theobromin von Schokolade bzw Kakao ist fur Hunde und Katzen giftig siehe Theobrominvergiftung Wiederholte Giftzufuhr fuhrt bei vielen Substanzen zur Toleranzentwicklung So gab es fruher Arsenikesser die zum Teil das Mehrfache einer gewohnlich akut todlichen Dosis von Arsenik As2O3 ohne akute Beeintrachtigung zu sich nahmen Ahnlich wie Arsenik wirken Thalliumsalze auf den menschlichen Organismus Ein naherliegendes Beispiel ist Heroin ein Opioid gegen das der Mensch eine ausgepragte Toleranz entwickelt Weisser Germer eine fur die meisten Saugetiere hochgiftige Pflanze wird von Rothirschen in der Brunft verzehrt Vergiftungen mit Schlafmitteln fuhren zum Teil uber Storungen der Temperaturregulation mit Auskuhlen des Organismus zum Tod Wenn der Auskuhlung entgegengewirkt wird Bettdecke Heizung wird eine Uberdosis unter Umstanden vertragen die im Freien todlich gewesen ware Einteilung von Giften BearbeitenGiftstoff als Gefahrstoff Bearbeiten Wahrend allgemein giftige Schadstoffe als umweltgefahrlich N eingestuft werden werden Stoffe nach der Wirkung auf den Menschen als Gefahrstoff in sehr giftig T giftig T sowie gesundheitsschadlich Xn veraltet mindergiftig eingestuft Gefahrensymbol mit Gefahrenbezeichnung Kenn buchstabe Einstufung fur Gefahrensymbole Beispiele sehr giftig T wenn sie in sehr geringer Menge beim Einatmen Verschlucken oder Aufnahme uber die Haut zum Tode fuhren oder akute oder chronische Gesundheitsschaden verursachen konnen Es gelten folgende Grenzwerte LD50 oral Ratte lt 25 mg kg LD50 dermal Ratte oder Kaninchen lt 50 mg kg LC50 inhalativ Ratte fur Aerosole Staube lt 0 25 mg l LC50 inhalativ Ratte fur Gase Dampfe lt 0 50 mg l 14 Atropin Sarin Thallium giftig T wenn sie in geringer Menge beim Einatmen Verschlucken oder Aufnahme uber die Haut zum Tode fuhren oder akute oder chronische Gesundheitsschaden verursachen konnen auch alle CMR Stoffe werden mit T gekennzeichnet Es gelten folgende Grenzwerte oral Ratte 25 mg kg lt LD50 lt 200 mg kg dermal Ratte oder Kaninchen 50 mg kg lt LD50 lt 400 mg kg inhalativ Ratte fur Aerosole Staube 0 25 mg l lt LC50 lt 1 mg l inhalativ Ratte fur Gase Dampfe 0 50 mg l lt LC50 lt 2 mg l 14 Methanol Tetrachlormethan gesundheitsschadlich Xn wenn sie bei Einatmen Verschlucken oder Aufnahme uber die Haut akute oder chronische Gesundheitsschaden verursachen konnen Es gelten folgende Grenzwerte oral Ratte 200 mg kg lt LD50 lt 2000 mg kg dermal Ratte oder Kaninchen 400 mg kg lt LD50 lt 2000 mg kg inhalativ Ratte fur Aerosole Staube 1 mg l lt LC50 lt 5 mg l inhalativ Ratte fur Gase Dampfe 2 mg l lt LC50 lt 20 mg l 14 Dichlormethan Kaliumchlorat Nach der neueren Einstufung nach dem Global harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien erfolgt die Einteilung in Akut Toxisch Symbol 06 Gesundheitsgefahr Symbol 08 und diversen anderen Gesundheitsgefahren Symbol 07 GHS Symbol mit Signalwort Einstufung fur Gefahrensymbole Beispiele Gefahr wenn sie in geringer Menge beim Einatmen Verschlucken oder Aufnahme uber die Haut zum Tode fuhren oder akute oder chronische Gesundheitsschaden verursachen konnen Es gelten folgende Grenzwerte LD50 oral Ratte 300 mg kg LD50 dermal Ratte oder Kaninchen 1000 mg kg LC50 inhalativ Ratte fur Aerosole Staube 1 0 mg l LC50 inhalativ Ratte fur Gase 2500 ppm LC50 inhalativ Ratte fur Dampfe 10 mg l 15 Atropin Sarin Thallium Methanol Tetrachlormethan Gefahr wenn sie bei Einatmen Verschlucken oder Aufnahme uber die Haut akute oder chronische Gesundheitsschaden verursachen konnen Es gelten folgende Grenzwerte LD50 oral Ratte 2000 mg kg LD50 dermal Ratte oder Kaninchen 2000 mg kg LC50 inhalativ Ratte fur Aerosole Staube 5 0 mg l LC50 inhalativ Ratte fur Gase 20 000 ppm LC50 inhalativ Ratte fur Dampfe 20 mg l 15 oder bei krebserzeugenden oder allergieauslosenden Stoffen Dichlormethan Das dicke Ausrufezeichensymbol dient der alleinigen oder zusatzlichen Kennzeichnung diverser Kategorien welche fruher hauptsachlich durch das Gefahrensymbol Xi fur reizend abgedeckt wurden Unter Umstanden entfallt es auch Das Signalwort wird je nach Zusammenhang gewahlt Kaliumchlorat Die Regelungen sind EU weit konform Nach dem schweizerischen Giftgesetz erfolgte die Einteilung in Giftklassen seit 2005 gelten aber auch die EU Gefahrensymbole Als Gefahrgut im Transport die auf der Strasse durch das ADR geregelt wird haben Giftstoffe die Gefahrgutklasse 6 1 Giftige Stoffe oder im Fall von Gasen 2 mit den Gefahrengraden T giftig TF giftig und entzundlich TC giftig und atzend TO giftig und brandfordernd TFC giftig entzundlich und brandfordernd TOC giftig brandfordernd und atzend 16 und eine Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr Kemler Zahl 6 17 Gefahrgutklasse Einstufung Beispiele Klasse 6 1 Giftige Stoffe Stoffe von denen aus Erfahrung bekannt oder nach tierexperimentellen Untersuchungen anzunehmen ist dass sie nach dem Einatmen Verschlucken oder Beruhren mit der Haut bei einmaliger oder kurzer Einwirkung in relativ kleiner Menge zu Gesundheitsschaden oder dem Tod eines Menschen fuhren konnen Cyanwasserstoff Blausaure Arsen Pestizide Klasse 2 Gefahrengruppen T TF TC TO TFC TOC Gase giftig Gase a die dafur bekannt sind so giftig und atzend in Bezug auf den Menschen zu sein dass sie eine Gefahr fur die Gesundheit darstellen oder b von denen angenommen wird dass sie giftig oder atzend in Bezug auf den Menschen sind weil sie bei der Prufung gemass Rn 2600 Abs 3 einen LC50 Wert fur die akute Giftigkeit von hochstens 5 000 ml m ppm aufweisen Chlorgas Chlorwasserstoff Schwefeldioxid 18 Als Giftige Substanz tragen Giftstoffe typischerweise die R Satze 20 28 Gesundheitsschadlich Giftig Sehr giftig beim Einatmen bei Beruhrung mit der Haut beim Verschlucken R29 31 32 Entwickelt giftige Gase bei Beruhrung mit anderen Substanzen sowie R50 59 Umweltgefahrlich Aber auch etliche andere R Satze beschreiben Giftwirkungen im medizinischen oder rechtlichen Sinne Reizwirkung Krebsrisiko Erbgutschadigend Eine Liste der in Wikipedia beschriebenen giftigen und sehr giftigen Stoffe befindet sich in der Kategorie Giftiger Stoff Juristische Definition Bearbeiten Nach herrschender Ansicht ist ein Gift jeder organische oder anorganische Stoff der nach seiner Art der beigebrachten Menge der Form der Beibringung und der Korperbeschaffenheit des Opfers durch chemische oder chemisch physikalische Wirkung die Gesundheit zu beschadigen geeignet ist Beigebracht ist ein Gift dann wenn eine Korper Stoff Beziehung hergestellt wurde Der Gesetzgeber bezieht sich dabei ausdrucklich auf die Klassifikation als Gefahrstoff etwa 3 Abs 1 Z 6 und 7 ChemG 1996 Osterreich wobei insbesondere auch die als gesundheitsschadlich bezeichneten Stoffe miteinbezogen sind etwa 35 Z 1 ChemG 1996 Sowohl den Chemikaliengesetzen wie auch der Gefahrstoffverordnungen reicht schon ein hinreichend begrundeter Verdacht auf Giftigkeit einen Stoff als Gift einzustufen Das Beibringen von Gift wird in Deutschland nach 224 Abs 1 Nr 1 Alt 1 StGB als gefahrliche Korperverletzung bestraft LD50 Tabelle und logarithmische Gifte Skala BearbeitenTabelle der LD50 Werte einiger Stoffe in verschiedenen Arten Substanz Tierart Verabreichungsweg LD50 LC50 LD50 g kg LC50 g L standardisiert EinzelnachweisWasser Ratte oral gt 90 g kg gt 90 19 Saccharose Zucker Ratte oral 29 7 g kg 29 7 20 Mononatriumglutamat MSG Ratte oral 16 6 g kg 16 6 21 Vitamin C Ascorbinsaure Ratte oral 11 9 g kg 11 9 22 Harnstoff Ratte oral 8 471 mg kg 8 471 23 Cyanursaure Ratte oral 7 700 mg kg 7 7 24 Cadmiumsulfid Ratte oral 7 080 mg kg 7 08 25 Ethanol Ratte oral 7 060 mg kg 7 06 26 Isopropylmethylphosphonsaure IMPA Metabolit des Sarin Ratte oral 6 860 mg kg 6 86 27 Melamin Ratte oral 6 000 mg kg 6 24 Melamincyanurat Ratte oral 4 100 mg kg 4 1 24 Natriummolybdat Ratte oral 4 000 mg kg 4 28 Natriumchlorid Kochsalz Ratte oral 3 000 mg kg 3 29 Paracetamol Acetaminophen Ratte oral 1 944 mg kg 1 944 30 Delta 9 Tetrahydrocannabinol THC Ratte oral 1 270 mg kg 1 27 31 Arsen Ratte oral 763 mg kg 0 763 32 Alkyldimethylbenzalkoniumchlorid ADBAC Ratte oral Fische Immersion aquatische Invertebraten imm 304 5 mg kg 0 28 mg L 0 059 mg L 0 3045 0 00028 0 000059 33 Coumarin aus Cinnamomum aromaticum und anderen Pflanzen Ratte oral 293 mg kg 0 293 34 Acetylsalicylsaure ASS Ratte oral 200 mg kg 0 2 35 Koffein Ratte oral 192 mg kg 0 192 36 Arsentrisulfid Ratte oral 185 6 400 mg kg 0 185 6 4 37 Natriumnitrit Ratte oral 180 mg kg 0 18 38 Uranylacetat Dihydrat Maus oral 136 mg kg 0 136 39 Bisoprolol Maus oral 100 mg kg 0 1 40 Senfgas Mensch dermal 100 mg kg 0 1 41 Cobaltchlorid Ratte oral 80 mg kg 0 08 42 Cadmiumoxid Ratte oral 72 mg kg 0 072 43 Natriumfluorid Ratte oral 52 mg kg 0 052 44 Pentaboran Mensch oral lt 50 mg kg lt 0 05 45 Capsaicin Maus oral 47 2 mg kg 0 0472 46 Quecksilber II chlorid Ratte dermal 41 mg kg 0 041 47 Sarin Mensch dermal Maus subkutan 28 mg kg 172 23 µg kg 0 028 0 00017 48 49 50 Lysergsaurediethylamid LSD Ratte intravenos 16 5 mg kg 0 0165 51 Arsentrioxid Ratte oral 14 mg kg 0 014 52 Arsen Ratte intraperitoneal 13 mg kg 0 013 53 Nicotin Mensch oral 6 5 13 0 mg kg 0 0065 0 013 54 Natriumcyanid Ratte oral 6 4 mg kg 0 0064 55 Weisser Phosphor Ratte oral 3 03 mg kg 0 00303 56 Strychnin Mensch oral 1 2 mg kg 0 001 57 Cantharidin Mensch oral 0 5 mg kg 0 0005Aflatoxin B1 aus Aspergillus flavus Ratte oral 0 48 mg kg 0 00048 58 Gift der brasilianischen Wanderspinne Ratte subkutan 134 mg kg 0 000134 59 Gift des Inlandtaipans Australische Giftschlange Ratte subkutan 25 mg kg 0 000025 60 Ricin Ratte intraperitoneal Ratte oral 22 mg kg 20 30 mg kg 0 000022 0 02 61 2 3 7 8 Tetrachlordibenzodioxin TCDD ein Dioxin Ratte oral 20 mg kg 0 00002 62 VX Mensch oral Inhalation Absorption uber Haut Augen 2 3 mg kg geschatzt 0 0000023 63 Batrachotoxin aus Pfeilgiftfroschen Mensch subkutan 2 7 mg kg 0 000002 64 Abrin Maus intravenos Mensch Inhalation Mensch oral 0 7 mg kg 3 3 mg kg 10 1000 mg kg 0 0000007 0 0000033 0 00001 0 001Maitotoxin Maus intraperitoneal 0 13 mg kg 0 00000013 65 Polonium 210 Mensch Inhalation 10 ng kg geschatzt 0 00000001 66 Botulinumtoxin Botox Mensch oral Injektion Inhalation 1 ng kg 0 000000001 67 Logarithmische Darstellung von LD50 Werten 68 Die LD50 Werte haben eine sehr grosse Spannweite Das Botulinumtoxin als giftigster bekannter Stoff hat einen LD50 Wert von 1 ng kg wahrend der ungiftigste Stoff Wasser einen LD50 Wert von mehr als 90 g kg hat Das ist ein Unterschied von etwa 1 zu 100 Milliarden oder 11 Grossenordnungen Wie bei allen Messwerten die sich um viele Grossenordnungen unterscheiden bietet sich eine logarithmische Betrachtung an Bekannte Beispiele sind die Angabe der Erdbebenstarke anhand der Richter Skala der pH Wert als Mass fur den sauren oder basischen Charakter einer wassrigen Losung oder die Lautstarke in dB In diesem Fall wird der negative dekadische Logarithmus der LD50 Werte der standardisiert in kg je kg Korpergewicht angeben wird betrachtet log LD50 kg kg Wert dd Der gefundene dimensionslose Wert kann in eine Gifte Skala eingetragen werden Wasser als wichtigste Substanz hat in der so gewonnenen Gifte Skala den eingangigen Wert 1 Bei Menschen wirksame Gifte Beispiele BearbeitenLDLo Werte einiger ausgewahlter Substanzen Substanz Aufnahmeweg Menge in mg kg 1 QuelleEthanol oral 1400 69 Phosphor oral 000 1 4 70 Brom oral 00 14 71 Salpetersaure oral 0 430 72 Phenol oral 0 140 1400 73 74 Pyridin oral 0 500 75 Atropin unbekannt 000 0 143 76 Kaliumcyanid oral 000 2 857 77 Chinin unbekannt 0 294 78 79 Senfgas percutan 00 64 80 Ciprofloxacin oral 000 5 714 81 Natriumcyanid oral 000 2 8 82 Parathion oral 000 0 17 83 Phencyclidin oral 00 14 84 Quecksilber II chlorid oral 000 1 85 Diethylenglycol oral ca 1000 86 Cantharidin oral 000 0 03 0 5 87 Dichlorvos oral 00 50 88 Lewisit percutan 00 37 6 89 Picrotoxin oral 000 0 357 90 Blei II carbonat oral 0 571 91 Heptabarbital oral 00 50 92 Gyromitrin oral 00 20 93 Toxine Bearbeiten Toxine sind Gifte die von Lebewesen synthetisiert werden Vom menschlichen Organismus produzierte Gifte Uramietoxine Pflanzliche Gifte Aconitin Eisenhut Colchicin Herbstzeitlosen Coniin Schierling Curare Digitoxin Fingerhut Nikotin Tabakpflanze Rizin Rizinus Strychnin Brechnuss Taxane Eiben Tropan Alkaloide Tollkirsche Stechapfel Engelstrompete Bilsenkraut Von Mikroorganismen produzierte Gifte Bakterientoxine Botulinumtoxin Clostridium botulinum Exotoxin A Pseudomonas aeruginosa Shiga Toxin Shigella dysenteriae Vero Toxin Escherichia coli Brevetoxin Karenia brevis eine Meeresalge Mykotoxine Schimmelpilzgifte Pilzgifte giftige Grosspilze Amatoxine Knollenblatterpilz Tierische Gifte Amphibiengifte Bienengift Fischgift Kugelfische Hornissengift tierische Pfeilgifte Pfeilgiftfrosch u a Schlangengift Gifte der Skorpione Spinnengift Gift der mannlichen Schnabeltiere Gifte wirbelloser Meerestiere etwa der Seewespen Chironex fleckeri und Chiropsalmus quadrigatus sowie des Blaugeringelten Kraken Andere Gifte Bearbeiten Anorganische Verbindungen Ammoniak Arsen und Arsenik Beryllium Kohlenstoffmonoxid Schwefelwasserstoff die meisten Schwermetalle z B Cadmium Quecksilber oder Plutonium Phosphin Cyanwasserstoff Blausaure Kaliumcyanid Cyankali Organische Verbindungen DDT Parathion einige Phenole und Alkohole etwa Phenol Methanol und Ethanol Alkohol Siehe auch BearbeitenChemikaliengesetz Schweiz auch Giftgesetz genannt Giftnotruf Giftspritze Hinrichtung durch Gift Lebensmittelvergiftung Chemische Waffe Liste von Intoxikationen und AntidotaLiteratur BearbeitenMechthild Amberger Lahrmann Dietrich Schmahl Hrsg Gifte Geschichte der Toxikologie Berlin u a 1988 Karsten Strey Die Welt der Gifte Lehmanns Media Berlin 2015 ISBN 978 3 86541 728 2 Eberhard Teuscher Ulrike Lindequist Biogene Gifte Biologie Chemie Pharmakologie Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2010 ISBN 978 3 8047 2438 9 Louis Lewin Die Gifte in der Weltgeschichte Reprograph Nachdruck der Ausgabe Berlin Springer 1920 Tosa 2007 Wien ISBN 978 3 85003 152 3 Ludwig Sacha Weilemann Hans Jurgen Reinecke Notfallmanual Vergiftungen Stuttgart Thieme 1996 ISBN 978 3 13 102591 3 Weblinks Bearbeiten Wiktionary Gift Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Wiktionary Giftstoff Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Commons Gifte Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Giftinfo de Beratungsstelle bei Vergiftungen Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum ATSDR ToxFAQs Hazardous Substance Fact Sheets eng Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten SuperToxic Datenbank Charite BerlinEinzelnachweise Bearbeiten Thomas Richter Gifte In Werner E Gerabek Bernhard D Haage Gundolf Keil Wolfgang Wegner Hrsg Enzyklopadie Medizingeschichte De Gruyter Berlin New York 2005 ISBN 3 11 015714 4 S 494 f hier S 494 Pfeifer Dr Wolfgang Etymologisches Worterbuch des Deutschen Deutscher Taschenbuch Verlag dtv Munchen 5 Auflage 2000 S 449 Vgl L Lewin Die Pfeilgifte In Archiv fur pathologische Anatomie und Physiologie und fur klinische Medicin Band 136 Nr 1 April 1894 S 83 126 Die ICD 10 unterscheidet zwischen Vergiftungen T36 T50 und Toxinen T51 T65 einerseits und allem anderen inkl Strahlenkrankheit T66 andererseits Siehe Kapitel XIX der ICD 10 Datenbank Memento vom 12 April 2015 im Internet Archive Paracelsus Die dritte Defension wegen des Schreibens der neuen Rezepte In Septem Defensiones 1538 Werke 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