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Tau (Niederschlag)

Tau ist ein beschlagender Niederschlag aus flüssigem Wasser. Durch Abkühlung der Luft unter den Taupunkt kondensiert der Wasserdampf der Luft an bodennahen Objekten. Dies geschieht besonders am frühen Morgen, da dann die Temperaturen wegen der fortgeschrittenen nächtlichen Wärmeabstrahlung der Erde am tiefsten sind (Morgentau). Kommt es anschließend zu einem Gefrieren der Tropfen, so spricht man von gefrorenem Tau, bei der Resublimation von Wasserdampf zu Eis spricht man von Raureif, der zu Reif oder Raueis (Raufrost) übergehen kann.

Die maximale Wasserdampfmenge, die die Luft aufnehmen kann, steigt exponentiell mit der Lufttemperatur. Die vom Wasserdampfgehalt abhängige Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist, das heißt, dass sich genau so viele Wassermoleküle aus der Umgebungsluft an bestehende Tröpfchen anlagern, wie sich aus dem Tröpfchen herauslösen, nennt man den Taupunkt. Sobald die Temperatur der an der Erdoberfläche zunächst gelegenen Luftschichten unter den Taupunkt sinkt, kondensiert der Wasserdampf der Luft auf den abgekühlten Gegenständen zu kleinen Wasserkügelchen, auch Tauperlen genannt.

Maximale Wasserdampfkonzentration in Abhängigkeit von der Temperatur – Taupunktkurve

Umgangssprachlich spricht man davon, dass „der Tau fällt“, aber dies ist wie gezeigt nicht richtig. Kondensationsprodukte, die direkt in der Luft, also im Gegensatz zum Tau nicht auf Oberflächen gebildet werden, sind für Dunst, Nebel und in einigem Abstand zur Erdoberfläche auch Wolken verantwortlich. Die Grundprinzipien ihrer Entstehung unterscheiden sich dabei nur unwesentlich.

Die bei der Kondensation freiwerdende latente Kondensationsenergie wirkt einer schnellen Temperaturabnahme entgegen und dämpft den Effekt der Abkühlung daher ab. Dies führt zur Taupunktregel, die besagt, dass die Tiefsttemperatur der Nacht in etwa bis zur am vorherigen Nachmittag gemessenen Taupunkttemperatur sinkt. Diese Regel stellt allerdings nur eine grobe Orientierung dar.

Sinken die Temperaturen nach Bildung des Taus unter den Gefrierpunkt des Wassers, so können die Tauperlen gefrieren. Gefrorener Tau sollte aber nicht mit Reif verwechselt werden, der sich bei derart niedrigen Temperaturen ohne den Umweg über flüssigen Tau bildet. Tau entsteht durch Kondensation, Reif durch Resublimation. Auch mit Nebeltraufe besteht eine Verwechslungsgefahr, sie ist jedoch eng an das Vorhandensein von Nebel geknüpft und tritt vor allem an Nadeln auf.

Insbesondere in der englischsprachigen Fachliteratur wird der Tau gelegentlich noch in dewfall und distillation unterschieden. Letztere ist die (Re-)Kondensation aufsteigenden Wasserdampfs, der zuvor in tieferen (und damit nachts wärmeren) Bodenschichten verdunstet ist, an der Oberfläche bzw. den Pflanzen. Dewfall bezeichnet demgegenüber einen Nettogewinn aus der Atmosphäre.

Meist nicht zum Tau im eigentlichen Sinne gezählt wird die an hygroskopischen Medien (z. B. trockenen Bodenoberflächen) zu beobachtende Adsorption von Wasser aus der Luft bei einem Anstieg der relativen Luftfeuchte. Hierzu muss die Oberfläche nicht die Taupunkttemperatur unterschreiten.

Stets vom Tau zu trennen ist die Guttation, d. h. die Ausscheidung flüssigen Wassers aus dem Pflanzeninnern durch Öffnungen (Hydathoden) in den Blättern einiger Pflanzenarten, z. B. vieler Gräser. Da sie bei hohen Luftfeuchtigkeiten (nahe 100 % in der blattnächsten Luftschicht) auftritt und diese Bedingungen auch durch einen nächtlichen Rückgang der Oberflächentemperatur verursacht sein können, ist Guttation auch anhand der Wetterlage nur schwer von der Taubildung zu unterscheiden und tritt oft gleichzeitig auf.

Tautropfen an einem Grashalm aus der Nähe

Eine genügend starke Abkühlung der Erdoberfläche und der unteren Luftschichten setzt immer dann ein, wenn eine starke Ausstrahlung stattfinden kann. Dies ist nach Sonnenuntergang, also nachts, der Fall, wobei die Lufttemperatur am frühen Morgen meist ihr Minimum erreicht. Zu den hierfür nötigen Bedingungen gehören vor allem ein klarer, unbewölkter Himmel, eine möglichst unbewegte Luft und eine Bodenbedeckung, die eine gute Wärmeübertragung ermöglicht.

Dies ist zum Beispiel bei Rasenflächen und Blättern der Fall. Körper mit geringem Strahlungsvermögen sind für Taubildung weniger geeignet. Alles, was die nächtliche Ausstrahlung hindert oder vermindert, hindert oder vermindert auch die Taubildung. Meist wird auch Windarmut als Voraussetzung beschrieben. Eine unbewegte Luft ist deswegen von Vorteil für die Taubildung, weil der Wind ansonsten stets von neuem warme Luft heranführen würde, die bei Kontakt mit dem Erdboden eine Auskühlung bis unter den Taupunkt behindern würde. Dies gilt allerdings streng nur für solche Fälle, in denen bereits kondensierter Wasserdampf aus dem feuchten, wärmeren Boden problemlos ersetzt werden kann, wie es bei mitteleuropäischen Rasenflächen meist der Fall ist. Bei trockenem Untergrund hingegen ist eine gewisse Ventilation zur Aufrechterhaltung des Abwärtstransportes von Wasserdampf in der Atmosphäre notwendig, die ihren Dampfvorrat wiederum der Verdunstung des vorangegangenen Tages oder nahegelegenen Feuchtequellen verdanken kann. Taubildung bei hohen Windgeschwindigkeiten wurde dementsprechend auf ariden Inseln vorgefunden. Generell ist das Auftreten von Tau nicht an bestimmte Klimazonen geknüpft, es kann sich aber in Jahresgang und Bedeutung erheblich unterscheiden.

Die Betrachtungen der atmosphärischen Taubildung aufgrund einer Luftabkühlung sind allgemein gültiger Natur, Tau ist also nicht unbedingt an bestimmte Tageszeiten, Oberflächen oder Umgebungen geknüpft. Die Bezeichnung wird aber dennoch meist nur auf den Fall morgendlicher Tröpfchenbildung auf Wiesen und anderen natürlichen Oberflächen angewandt. Auch wenn es sich also bei dem Beschlagen eines Fensters oder einer Brille um den gleichen Grundprozess handelt, spricht man dann im Regelfall nicht von Tau, sondern von Kondenswasser. Dies gilt insbesondere für industrielle Prozesse und bei Kondensation innerhalb von Gebäuden.

Das Messgerät zur Bestimmung der durch den Tau bedingten Niederschlagsmenge bezeichnet man als Drosometer. Es enthält eine an einer feinen Zeigerwaage befindliche, mit feiner, flockiger Wolle bedeckte Platte, die sich in der Nacht mit Tau bedeckt, und deren Gewichtszunahme die Taustärke angibt. Die auf diese Weise erhaltenen Resultate entbehren aber vorläufig noch der notwendigen Genauigkeit.

Darüber hinaus liefern diese vor allem Mitte des 20. Jahrhunderts verbreiteten Messungen auf künstlichen Oberflächen nur Hinweise auf das Potential, das aufgrund des Zustands der Atmosphäre (Temperatur, Feuchtigkeit, Wind und langwellige atmosphärische Gegenstrahlung) für die Taubildung herrscht. Die tatsächliche Taumenge hängt aber auch in erheblichem Maße von Eigenschaften der Oberfläche selbst bzw. ihres Untergrundes wie Wärmeleitfähigkeit und Wärmekapazität, Emissionsgrad und Bodentemperatur ab. Daher nutzen Studien zur tatsächlichen Taumenge an einem bestimmten Untersuchungsort zunehmend kleine wägbare Lysimeter, deren Wägebrücken allerdings hohen Genauigkeitsanforderungen genügen müssen. In diese wird dann ein möglichst repräsentativer Ausschnitt der umgebenden Oberfläche (nackter Boden, Rasen oder kleinere Pflanzen) eingesetzt.

Weitere Messmethoden sind die Beurteilung des Tropfenbildes durch Vergleich mit vorgegebenen Photographien oder die volumetrische oder gravimetrische Bestimmung der Wassermenge, die sich durch Abtupfen der interessierenden Oberfläche gewinnen lässt. Zu beachten ist, dass je nach angewandter Methode unterschiedliche Teilgrößen des Taus oder auch ganz andere Phänomene gemessen werden. Abtupfen z. B. misst die Guttation mit. Lysimeter liefern den integrierten Wassergehalt über die Tiefe der eingesetzten Bodensäule, so dass bei ausreichender Größe nur der Nettogewinn aus der Atmosphäre gemessen wird (dewfall), nicht jedoch Tauwasser, das aus dem kleinsten Wasserkreislauf zwischen Boden und Oberfläche stammt (distillation).

Statistische Daten

Der Anteil des Taus am Gesamtniederschlag ist in Mitteleuropa mit typischen Mengen von 0,1 bis 0,2 mm pro Nacht und damit etwa 2 bis 5 % gering. Ausnahmen bilden dabei Mengen von 0,5 mm, eher von theoretischer Natur sind Höchstwerte von etwa 0,8 mm. Mengenmäßig besonders bedeutend ist die Taubildung in den tropischen Klimaten, wo die Luft viel Wasserdampf enthält und durch die Wärmestrahlung recht schnell eine starke Abkühlung erfährt.

Wirkung auf die Vegetation

Tautropfen auf einer Herzblattlilie (Hosta)

Seine besondere Bedeutung erhält der Tau jedoch dadurch, dass er sich bevorzugt an der Vegetationsoberfläche bildet und deren Wasserversorgung dadurch trotz der eher geringen Absolutmengen verbessern kann. Dies konnte zumindest für verschiedene Wüstenpflanzen, darunter Flechten, und Kiefernsämlinge nachgewiesen werden. Inwieweit großmaßstäbliche Bewässerungseffekte z. B. in Nebelwüsten wie der Namib oder Atacama durch Tau alleine möglich sind, ist allerdings umstritten, da hier meist der Nebelniederschlag die wesentlich größere Rolle spielt.

Gewinnung von Tauwasser

Verschiedene von Menschen geschaffene mutmaßliche Vorrichtungen zur Gewinnung von Tauwasser wie antike Steinhügel in der Ukraine, die mittelalterlichen "Dew Ponds" Südenglands und Norddeutschlands oder die Mulchung von Feldern mit vulkanischen Gesteinspartikeln auf Lanzarote werden nach näheren Untersuchungen heute zumeist anders gedeutet (z. B. als effektive Fallen für Nebelniederschlag oder Regen).

Eine Organisation mit dem Namen Esme arbeitet an der Entwicklung wirtschaftlich einsetzbarer Tausammler. So wurde eine Folie entwickelt, welche dank spezieller Oberflächeneigenschaften besonders viel Tau sammelt. Eine prototypische Anlage wurde in einer sehr trockenen Region in Indien mit 360 m² dieser Folie errichtet. Pro Nacht werden damit 50 Liter Wasser gewonnen. Diese Tausammler könnten sich für solche Gebiete eignen, in denen Nebel oder Regen nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist.

Landwirtschaft

Tau auf dem Gras
Morgentau auf einem Spinnennetz

Von seiner hydrologischen Bedeutung abgesehen ist Tau für Pflanzen und dabei insbesondere auch die Landwirtschaft noch von einer anderen Seite bedeutsam, nämlich in Bezug auf Pflanzenkrankheiten. Hier zeigt sich, dass Pilzsporen oft nur dann gedeihen können, wenn die Pflanzenoberfläche feuchtigkeitsbenetzt ist. Ein Beispiel ist Phytophthora infestans, ein Pilz, der für die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln verantwortlich ist und weltweit hohe Schäden verursacht.

Mythologie

In der griechischen Mythologie besitzt der Tau mit Ersa eine eigene Göttin.

Manna

Die Ärzte des arabischen und lateinischen Mittelalters verstanden unter der »manna« einen Tau (»ros«) der auf Steine und Bäume fällt, süß ist und wie Honig zusammenrinnt. Die »manna« sollte die Natur dessen annehmen, worauf sie fällt. Sie sollte den Bauch erweichen, akute Fieber löschen, der Brust und den Lungen sowie den cholerischen und heißen Naturen nützlich sein.

Quellen des arabischen Mittelalters zur »Manna« (Auswahl)

Avicenna 10.–11. Jh. --- Konstantin der Afrikaner 11. Jh.
Circa instans 12. Jh. --- Pseudo-Serapion 13. Jh.
Abu Muhammad ibn al-Baitar 13. Jh.

Quellen des lateinischen Mittelalters zur »Manna« (Auswahl)

Konrad von Megenberg 14. Jh.
Herbarius Moguntinus Mainz 1484 --- Gart der Gesundheit 1485 --- Hortus sanitatis 1491

Maientau

Hieronymus Brunschwig schrieb im Jahre 1500 in seinem Kleinen Destillierbuch vom »meigen dow«. Damit meinte er den Tau, der Mitte Mai, bei zunehmendem Mond an einem hellen, klaren und lichten Morgen, ehe die Sonne ganz aufging und es am Vortag und in der Nacht nicht geregnet hatte, mit weißen Leintüchern von Wiesen gestreift wurde, die voller edler Blumen standen und weit von feuchten Enden möglichst nahe an Bergen gelegen waren. Die Tücher wurden ausgedrückt und das erhaltene Wasser mit einem Alembik im Marienbad destilliert. Dieses Wasser empfahl Brunschwig gegen Hautunreinigkeiten. Darüber hinaus diente es als Lösungsmittel, um aus getrockneten Pflanzen Destillate herzustellen.

Eine südwestdeutsche Handschrift des 15. Jahrhunderts empfahl, dieses Wasser in der Nacht der Sommersonnenwende zu sammeln:

„Für allen wetagen yn leib iſt das gar gut zu. Item an ſand iohans tag ſübenten gee auß an der nacht vnd vahe den tawe yn ſchöne tücher vnd wint dye auß yn ein kandel vnd ſeihs denn ſchön vnd nym des ye des morgens ein löffel voll. Wenn ein fraw ſwanger iſt ſo iß ir nütz. Auch nütz für ale gift.“

Den Alchimisten diente der Maientau zur Herstellung der Materia prima. Sie betrachteten ihn als „mit astralem Samen geschwängertes Wasser“.

Commons: Tau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Avicenna. 10.–11. Jh. Kanon der Medizin. Buch II. Einfache Arzneimittel. Übersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona und Arnaldus de Villanova. Überarbeitung durch Andrea Alpago (1450–1521). Venedig 1555, S. 272: Manna (Digitalisat)
  2. Konstantin der Afrikaner. 11. Jh. Liber de gradibus simplicium = Übersetzung des Liber de gradibus simplicium des Ibn al-Dschazzar. 10. Jh., Druck. Opera. Basel 1536, S. 347: MannaDigitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A11069388_00365~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  3. Circa instans. 12. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 202r: Manna (Digitalisat)
  4. Pseudo-Serapion. 13. Jh. Druck. Venedig 1497, Blatt 106r: Manna (Digitalisat)
  5. Abu Muhammad ibn al-Baitar. 13. Jh. Kitāb al-jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa al-aghdhiya. Übersetzung. Joseph Sontheimer unter dem Titel Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Hallberger, Band II, Stuttgart 1842, S. 533 Manna (Digitalisat)
  6. Konrad von Megenberg. 14. Jh. Hauptquelle: Thomas von Cantimpré, Liber de natura rerum. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Konrad von Megenberg. Buch der Natur. Aue, Stuttgart 1861, S. S. 90–91: Himelprot (Digitalisat)
  7. Herbarius Moguntinus. Peter Schöffer, Mainz 1484, Teil II, Kapitel 7 Manna (Digitalisat)
  8. Gart der Gesundheit. Peter Schöffer, Mainz 1485, Kapitel 267: Manna hymmeldauwe (Digitalisat)
  9. Hortus sanitatis. Jacobus Meydenbach, Mainz 1491, Kapitel 275: Manna (Digitalisat)
  10. Kleines Destillierbuch, Blatt 76v (Digitalisat)
  11. Kleines Destillierbuch, Blatt 10v-11r (Digitalisat)
  12. Kleines Destillierbuch, Blatt 107r (Digitalisat)
  13. Sonnenwende
  14. Heidelberg. Cpg 551. Sammelhandschrift, Südwestdeutschland, 15. Jh., Blatt 116r–183r: Medizinische Rezeptsammlung. (Digitalisat)
  15. Karin Figala. In: Claus Priesner und Karin Figala (Hrsg.): Alchemie. Lexikon der hermetischen Wissenschaft. Beck, München 1998, S. 239.

Tau (Niederschlag)
niederschlag, beschlagender, niederschlag, flüssigem, wasser, sprache, beobachten, bearbeiten, weitergeleitet, gefrorener, beschlagender, niederschlag, flüssigem, wasser, durch, abkühlung, luft, unter, taupunkt, kondensiert, wasserdampf, luft, bodennahen, obje. Tau Niederschlag beschlagender Niederschlag aus flussigem Wasser Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Gefrorener Tau Tau ist ein beschlagender Niederschlag aus flussigem Wasser Durch Abkuhlung der Luft unter den Taupunkt kondensiert der Wasserdampf der Luft an bodennahen Objekten Dies geschieht besonders am fruhen Morgen da dann die Temperaturen wegen der fortgeschrittenen nachtlichen Warmeabstrahlung der Erde am tiefsten sind Morgentau Kommt es anschliessend zu einem Gefrieren der Tropfen so spricht man von gefrorenem Tau bei der Resublimation von Wasserdampf zu Eis spricht man von Raureif der zu Reif oder Raueis Raufrost ubergehen kann Tau auf einer Schnepfenfliege Rhagio scolopaceus Inhaltsverzeichnis 1 Taubildung 2 Auftreten 3 Messung 4 Deutung Bedeutung 4 1 Statistische Daten 4 2 Wirkung auf die Vegetation 4 3 Gewinnung von Tauwasser 4 4 Landwirtschaft 4 5 Mythologie 4 6 Manna 4 7 Maientau 5 Siehe auch 6 Weblinks 7 EinzelnachweiseTaubildung BearbeitenDie maximale Wasserdampfmenge die die Luft aufnehmen kann steigt exponentiell mit der Lufttemperatur Die vom Wasserdampfgehalt abhangige Temperatur bei der die Luft mit Wasserdampf gesattigt ist das heisst dass sich genau so viele Wassermolekule aus der Umgebungsluft an bestehende Tropfchen anlagern wie sich aus dem Tropfchen herauslosen nennt man den Taupunkt Sobald die Temperatur der an der Erdoberflache zunachst gelegenen Luftschichten unter den Taupunkt sinkt kondensiert der Wasserdampf der Luft auf den abgekuhlten Gegenstanden zu kleinen Wasserkugelchen auch Tauperlen genannt Maximale Wasserdampfkonzentration in Abhangigkeit von der Temperatur Taupunktkurve Umgangssprachlich spricht man davon dass der Tau fallt aber dies ist wie gezeigt nicht richtig Kondensationsprodukte die direkt in der Luft also im Gegensatz zum Tau nicht auf Oberflachen gebildet werden sind fur Dunst Nebel und in einigem Abstand zur Erdoberflache auch Wolken verantwortlich Die Grundprinzipien ihrer Entstehung unterscheiden sich dabei nur unwesentlich Die bei der Kondensation freiwerdende latente Kondensationsenergie wirkt einer schnellen Temperaturabnahme entgegen und dampft den Effekt der Abkuhlung daher ab Dies fuhrt zur Taupunktregel die besagt dass die Tiefsttemperatur der Nacht in etwa bis zur am vorherigen Nachmittag gemessenen Taupunkttemperatur sinkt Diese Regel stellt allerdings nur eine grobe Orientierung dar Sinken die Temperaturen nach Bildung des Taus unter den Gefrierpunkt des Wassers so konnen die Tauperlen gefrieren Gefrorener Tau sollte aber nicht mit Reif verwechselt werden der sich bei derart niedrigen Temperaturen ohne den Umweg uber flussigen Tau bildet Tau entsteht durch Kondensation Reif durch Resublimation Auch mit Nebeltraufe besteht eine Verwechslungsgefahr sie ist jedoch eng an das Vorhandensein von Nebel geknupft und tritt vor allem an Nadeln auf Insbesondere in der englischsprachigen Fachliteratur wird der Tau gelegentlich noch in dewfall und distillation unterschieden Letztere ist die Re Kondensation aufsteigenden Wasserdampfs der zuvor in tieferen und damit nachts warmeren Bodenschichten verdunstet ist an der Oberflache bzw den Pflanzen Dewfall bezeichnet demgegenuber einen Nettogewinn aus der Atmosphare Meist nicht zum Tau im eigentlichen Sinne gezahlt wird die an hygroskopischen Medien z B trockenen Bodenoberflachen zu beobachtende Adsorption von Wasser aus der Luft bei einem Anstieg der relativen Luftfeuchte Hierzu muss die Oberflache nicht die Taupunkttemperatur unterschreiten Stets vom Tau zu trennen ist die Guttation d h die Ausscheidung flussigen Wassers aus dem Pflanzeninnern durch Offnungen Hydathoden in den Blattern einiger Pflanzenarten z B vieler Graser Da sie bei hohen Luftfeuchtigkeiten nahe 100 in der blattnachsten Luftschicht auftritt und diese Bedingungen auch durch einen nachtlichen Ruckgang der Oberflachentemperatur verursacht sein konnen ist Guttation auch anhand der Wetterlage nur schwer von der Taubildung zu unterscheiden und tritt oft gleichzeitig auf Auftreten Bearbeiten Tautropfen an einem Grashalm aus der Nahe Eine genugend starke Abkuhlung der Erdoberflache und der unteren Luftschichten setzt immer dann ein wenn eine starke Ausstrahlung stattfinden kann Dies ist nach Sonnenuntergang also nachts der Fall wobei die Lufttemperatur am fruhen Morgen meist ihr Minimum erreicht Zu den hierfur notigen Bedingungen gehoren vor allem ein klarer unbewolkter Himmel eine moglichst unbewegte Luft und eine Bodenbedeckung die eine gute Warmeubertragung ermoglicht Dies ist zum Beispiel bei Rasenflachen und Blattern der Fall Korper mit geringem Strahlungsvermogen sind fur Taubildung weniger geeignet Alles was die nachtliche Ausstrahlung hindert oder vermindert hindert oder vermindert auch die Taubildung Meist wird auch Windarmut als Voraussetzung beschrieben Eine unbewegte Luft ist deswegen von Vorteil fur die Taubildung weil der Wind ansonsten stets von neuem warme Luft heranfuhren wurde die bei Kontakt mit dem Erdboden eine Auskuhlung bis unter den Taupunkt behindern wurde Dies gilt allerdings streng nur fur solche Falle in denen bereits kondensierter Wasserdampf aus dem feuchten warmeren Boden problemlos ersetzt werden kann wie es bei mitteleuropaischen Rasenflachen meist der Fall ist Bei trockenem Untergrund hingegen ist eine gewisse Ventilation zur Aufrechterhaltung des Abwartstransportes von Wasserdampf in der Atmosphare notwendig die ihren Dampfvorrat wiederum der Verdunstung des vorangegangenen Tages oder nahegelegenen Feuchtequellen verdanken kann Taubildung bei hohen Windgeschwindigkeiten wurde dementsprechend auf ariden Inseln vorgefunden Generell ist das Auftreten von Tau nicht an bestimmte Klimazonen geknupft es kann sich aber in Jahresgang und Bedeutung erheblich unterscheiden Die Betrachtungen der atmospharischen Taubildung aufgrund einer Luftabkuhlung sind allgemein gultiger Natur Tau ist also nicht unbedingt an bestimmte Tageszeiten Oberflachen oder Umgebungen geknupft Die Bezeichnung wird aber dennoch meist nur auf den Fall morgendlicher Tropfchenbildung auf Wiesen und anderen naturlichen Oberflachen angewandt Auch wenn es sich also bei dem Beschlagen eines Fensters oder einer Brille um den gleichen Grundprozess handelt spricht man dann im Regelfall nicht von Tau sondern von Kondenswasser Dies gilt insbesondere fur industrielle Prozesse und bei Kondensation innerhalb von Gebauden Messung BearbeitenDas Messgerat zur Bestimmung der durch den Tau bedingten Niederschlagsmenge bezeichnet man als Drosometer Es enthalt eine an einer feinen Zeigerwaage befindliche mit feiner flockiger Wolle bedeckte Platte die sich in der Nacht mit Tau bedeckt und deren Gewichtszunahme die Taustarke angibt Die auf diese Weise erhaltenen Resultate entbehren aber vorlaufig noch der notwendigen Genauigkeit Daruber hinaus liefern diese vor allem Mitte des 20 Jahrhunderts verbreiteten Messungen auf kunstlichen Oberflachen nur Hinweise auf das Potential das aufgrund des Zustands der Atmosphare Temperatur Feuchtigkeit Wind und langwellige atmospharische Gegenstrahlung fur die Taubildung herrscht Die tatsachliche Taumenge hangt aber auch in erheblichem Masse von Eigenschaften der Oberflache selbst bzw ihres Untergrundes wie Warmeleitfahigkeit und Warmekapazitat Emissionsgrad und Bodentemperatur ab Daher nutzen Studien zur tatsachlichen Taumenge an einem bestimmten Untersuchungsort zunehmend kleine wagbare Lysimeter deren Wagebrucken allerdings hohen Genauigkeitsanforderungen genugen mussen In diese wird dann ein moglichst reprasentativer Ausschnitt der umgebenden Oberflache nackter Boden Rasen oder kleinere Pflanzen eingesetzt Weitere Messmethoden sind die Beurteilung des Tropfenbildes durch Vergleich mit vorgegebenen Photographien oder die volumetrische oder gravimetrische Bestimmung der Wassermenge die sich durch Abtupfen der interessierenden Oberflache gewinnen lasst Zu beachten ist dass je nach angewandter Methode unterschiedliche Teilgrossen des Taus oder auch ganz andere Phanomene gemessen werden Abtupfen z B misst die Guttation mit Lysimeter liefern den integrierten Wassergehalt uber die Tiefe der eingesetzten Bodensaule so dass bei ausreichender Grosse nur der Nettogewinn aus der Atmosphare gemessen wird dewfall nicht jedoch Tauwasser das aus dem kleinsten Wasserkreislauf zwischen Boden und Oberflache stammt distillation Deutung Bedeutung BearbeitenStatistische Daten Bearbeiten Der Anteil des Taus am Gesamtniederschlag ist in Mitteleuropa mit typischen Mengen von 0 1 bis 0 2 mm pro Nacht und damit etwa 2 bis 5 gering Ausnahmen bilden dabei Mengen von 0 5 mm eher von theoretischer Natur sind Hochstwerte von etwa 0 8 mm Mengenmassig besonders bedeutend ist die Taubildung in den tropischen Klimaten wo die Luft viel Wasserdampf enthalt und durch die Warmestrahlung recht schnell eine starke Abkuhlung erfahrt Wirkung auf die Vegetation Bearbeiten Tautropfen auf einer Herzblattlilie Hosta Seine besondere Bedeutung erhalt der Tau jedoch dadurch dass er sich bevorzugt an der Vegetationsoberflache bildet und deren Wasserversorgung dadurch trotz der eher geringen Absolutmengen verbessern kann Dies konnte zumindest fur verschiedene Wustenpflanzen darunter Flechten und Kiefernsamlinge nachgewiesen werden Inwieweit grossmassstabliche Bewasserungseffekte z B in Nebelwusten wie der Namib oder Atacama durch Tau alleine moglich sind ist allerdings umstritten da hier meist der Nebelniederschlag die wesentlich grossere Rolle spielt Gewinnung von Tauwasser Bearbeiten Verschiedene von Menschen geschaffene mutmassliche Vorrichtungen zur Gewinnung von Tauwasser wie antike Steinhugel in der Ukraine die mittelalterlichen Dew Ponds Sudenglands und Norddeutschlands oder die Mulchung von Feldern mit vulkanischen Gesteinspartikeln auf Lanzarote werden nach naheren Untersuchungen heute zumeist anders gedeutet z B als effektive Fallen fur Nebelniederschlag oder Regen Eine Organisation mit dem Namen Esme arbeitet an der Entwicklung wirtschaftlich einsetzbarer Tausammler So wurde eine Folie entwickelt welche dank spezieller Oberflacheneigenschaften besonders viel Tau sammelt Eine prototypische Anlage wurde in einer sehr trockenen Region in Indien mit 360 m dieser Folie errichtet Pro Nacht werden damit 50 Liter Wasser gewonnen Diese Tausammler konnten sich fur solche Gebiete eignen in denen Nebel oder Regen nicht in ausreichendem Masse vorhanden ist Landwirtschaft Bearbeiten Tau auf dem Gras Morgentau auf einem Spinnennetz Von seiner hydrologischen Bedeutung abgesehen ist Tau fur Pflanzen und dabei insbesondere auch die Landwirtschaft noch von einer anderen Seite bedeutsam namlich in Bezug auf Pflanzenkrankheiten Hier zeigt sich dass Pilzsporen oft nur dann gedeihen konnen wenn die Pflanzenoberflache feuchtigkeitsbenetzt ist Ein Beispiel ist Phytophthora infestans ein Pilz der fur die Kraut und Knollenfaule bei Kartoffeln verantwortlich ist und weltweit hohe Schaden verursacht Mythologie Bearbeiten In der griechischen Mythologie besitzt der Tau mit Ersa eine eigene Gottin Manna Bearbeiten Die Arzte des arabischen und lateinischen Mittelalters verstanden unter der manna einen Tau ros der auf Steine und Baume fallt suss ist und wie Honig zusammenrinnt Die manna sollte die Natur dessen annehmen worauf sie fallt Sie sollte den Bauch erweichen akute Fieber loschen der Brust und den Lungen sowie den cholerischen und heissen Naturen nutzlich sein Quellen des arabischen Mittelalters zur Manna Auswahl Avicenna 10 11 Jh 1 Konstantin der Afrikaner 11 Jh 2 Circa instans 12 Jh 3 Pseudo Serapion 13 Jh 4 Abu Muhammad ibn al Baitar 13 Jh 5 Quellen des lateinischen Mittelalters zur Manna Auswahl Konrad von Megenberg 14 Jh 6 Herbarius Moguntinus Mainz 1484 7 Gart der Gesundheit 1485 8 Hortus sanitatis 1491 9 Maientau Bearbeiten Maientau Hieronymus Brunschwig Kleines Destillierbuch 1500 Hieronymus Brunschwig schrieb im Jahre 1500 in seinem Kleinen Destillierbuch vom meigen dow 10 Damit meinte er den Tau der Mitte Mai bei zunehmendem Mond an einem hellen klaren und lichten Morgen ehe die Sonne ganz aufging und es am Vortag und in der Nacht nicht geregnet hatte mit weissen Leintuchern von Wiesen gestreift wurde die voller edler Blumen standen und weit von feuchten Enden moglichst nahe an Bergen gelegen waren Die Tucher wurden ausgedruckt und das erhaltene Wasser mit einem Alembik im Marienbad destilliert Dieses Wasser empfahl Brunschwig gegen Hautunreinigkeiten Daruber hinaus diente es als Losungsmittel um aus getrockneten Pflanzen Destillate herzustellen 11 12 Eine sudwestdeutsche Handschrift des 15 Jahrhunderts empfahl dieses Wasser in der Nacht der Sommersonnenwende zu sammeln Fur allen wetagen yn leib iſt das gar gut zu Item an ſand iohans tag ſubenten 13 gee auss an der nacht vnd vahe den tawe yn ſchone tucher vnd wint dye auss yn ein kandel vnd ſeihs denn ſchon vnd nym des ye des morgens ein loffel voll Wenn ein fraw ſwanger iſt ſo iss ir nutz Auch nutz fur ale gift 14 dd Den Alchimisten diente der Maientau zur Herstellung der Materia prima Sie betrachteten ihn als mit astralem Samen geschwangertes Wasser 15 Siehe auch Bearbeitengefrorener Tau TauteichWeblinks Bearbeiten Commons Tau Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien International Organisation for Dew Utilization International Conference on Fog Fog Collection and DewEinzelnachweise Bearbeiten Avicenna 10 11 Jh Kanon der Medizin Buch II Einfache Arzneimittel Ubersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona und Arnaldus de Villanova Uberarbeitung durch Andrea Alpago 1450 1521 Venedig 1555 S 272 Manna Digitalisat Konstantin der Afrikaner 11 Jh Liber de gradibus simplicium Ubersetzung des Liber de gradibus simplicium des Ibn al Dschazzar 10 Jh Druck Opera Basel 1536 S 347 Manna Digitalisat http vorlage digitalisat test 1 3D GB 3D IA 3D MDZ 3D 0A11069388 00365 SZ 3D doppelseitig 3D LT 3D PUR 3D Circa instans 12 Jh Druck Venedig 1497 Blatt 202r Manna Digitalisat Pseudo Serapion 13 Jh Druck Venedig 1497 Blatt 106r Manna Digitalisat Abu Muhammad ibn al Baitar 13 Jh Kitab al jamiʿ li mufradat al adwiya wa al aghdhiya Ubersetzung Joseph Sontheimer unter dem Titel Grosse Zusammenstellung uber die Krafte der bekannten einfachen Heil und Nahrungsmittel Hallberger Band II Stuttgart 1842 S 533 Manna Digitalisat Konrad von Megenberg 14 Jh Hauptquelle Thomas von Cantimpre Liber de natura rerum Ausgabe Franz Pfeiffer Konrad von Megenberg Buch der Natur Aue Stuttgart 1861 S S 90 91 Himelprot Digitalisat Herbarius Moguntinus Peter Schoffer Mainz 1484 Teil II Kapitel 7 Manna Digitalisat Gart der Gesundheit Peter Schoffer Mainz 1485 Kapitel 267 Manna hymmeldauwe Digitalisat Hortus sanitatis Jacobus Meydenbach Mainz 1491 Kapitel 275 Manna Digitalisat Kleines Destillierbuch Blatt 76v Digitalisat Kleines Destillierbuch Blatt 10v 11r Digitalisat Kleines Destillierbuch Blatt 107r Digitalisat Sonnenwende Heidelberg Cpg 551 Sammelhandschrift Sudwestdeutschland 15 Jh Blatt 116r 183r Medizinische Rezeptsammlung Digitalisat Karin Figala In Claus Priesner und Karin Figala Hrsg Alchemie Lexikon der hermetischen Wissenschaft Beck Munchen 1998 S 239 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Tau Niederschlag amp oldid 213212929, wikipedia, wiki, deutsches

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