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Galle

Elektrolytgehalt
Ion Anteil
Na+ 130–165 mmol/l
K+ 3–12 mmol/l
Cl 90–120 mmol/l
HCO3 30 mmol/l
pH-Wert 8,0–8,5

Galle besteht zum größten Teil aus Wasser (82 %), in dem anorganische Elektrolyte in einer ähnlichen Zusammensetzung wie im Blutplasma gelöst sind (siehe Tabelle rechts). Galle ist leicht alkalisch. Die wichtigsten funktionellen Bestandteile sind jedoch die Gallensalze (12 %), denen eine zentrale Rolle in der Fettverdauung zukommt. Daneben enthält sie auch Alkalische Phosphatasen, eine Gruppe von Enzymen, die Phosphorsäureester hydrolysieren.

Weiterhin findet man in der Galle Lecithin und andere Phospholipide (4 %), nicht verestertes Cholesterin (0,7 %) und Abbauprodukte der Leber, die durch die Galle in den Verdauungstrakt gelangen und von dort mit dem Kot ausgeschieden werden. Zu den letzteren gehören Bilirubin, das Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin, sowie einige Hormone und Medikamente.

Ihre Farbe erhält die Galle im Wesentlichen durch die Gallenfarbstoffe: das je nach Konzentration gelbliche bis rote Bilirubin und das grünliche Biliverdin. Bilirubin wird im Darm von den dort ansässigen Bakterien unter anderem zu Stercobilin, Bilifuscin und Mesobilifuscin abgebaut, die dem Stuhl seine charakteristische Färbung geben.

Der Transport von Cholesterin in der Galle findet in Mizellen statt, die aus Lecithin, Cholesterin und Gallensalzen gebildet werden. Das Mischungsverhältnis dieser drei Stoffe darf nur in sehr engen Grenzen schwanken, damit der Transport des Cholesterins funktionieren kann. Andernfalls kristallisiert das Cholesterin aus und es kommt zur Bildung von Gallensteinen.

Die Bildung und Abgabe der Galle wird als Gallensaftsekretion bezeichnet.

Bildung

Der menschliche Körper produziert täglich etwa 700 ml Galle, die interdigestiv, das heißt zwischen den Mahlzeiten, in der Gallenblase gespeichert werden.

Galle wird in den Zellen der Leber, den Hepatozyten produziert. Zwischen zwei benachbarten Hepatozyten befinden sich die Gallenkanälchen (Canaliculi), in die die Galle durch Transmembrantransport ausgeschieden wird. Diese Canaliculi vereinigen sich zu größeren Kanälen, die letztendlich die Galle zum Verdauungstrakt befördern (siehe unten).

Stoffe, die in die Canaliculi abgesondert werden, sind Lecithin, konjugierte Gallensalze, Cholesterin, mit Glucuronsäure konjugierte Hormone und Bilirubin. Mit Glutathion konjugierte Medikamente können ebenfalls mit der Galle ausgeschieden werden. Die Hepatozyten entnehmen die konjugierten Gallensalze aus den Sinusoiden, mikroskopischen Blutgefäßen, die Blut zu den Hepatozyten transportieren.

Die Leberzellen besitzen sowohl in ihrer den Sinusoiden als auch den Canaliculi anliegenden Zellmembranen Transportproteine (Carrier) speziell für Gallensalze. Aus den Sinusoiden werden sie mit Hilfe eines Natrium-Symport-Transportproteins (NTCP = Na+-taurocholate cotransporting polypeptide) sekundär aktiv aufgenommen, während sie primär aktiv mit Hilfe eines ATP-abhängigen Transporters (hBSEP: human bile salt export pump, auch cBAT: canalicular bile acid transporter) in das Lumen der Canaliculi ausgeschieden werden.

Transport und Speicherung

Gallenwege und -blase (hier grün dargestellt)

Die extrahepatischen (außerhalb der Leber gelegenen) Gallenwege beginnen mit dem Ductus hepaticus communis (gemeinsamer Lebergang), von dem der Ductus cysticus (Gallenblasengang, Verbindung zwischen Gallenblase und Hauptgallengang) zur Gallenblase abzweigt. Der Abschnitt nach dieser Abzweigung heißt Ductus choledochus und mündet schließlich zusammen mit dem Ductus pancreaticus der Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarm auf der Papilla duodeni major.

In der Gallenblase wird die Galle gespeichert und auf etwa zehn Prozent ihres Volumens eingedickt. Gelangen Lipide mit der Nahrung in den Dünndarm, so regen diese die Produktion des Hormons Cholecystokinin (CCK) in der Dünndarmschleimhaut an. CCK stimuliert die glatte Muskulatur in der Organwand der Gallenblase, so dass diese sich zusammenzieht und ihr Inhalt dem Speisebrei im Duodenum beigemischt wird. Erhöhte Aktivität des parasympathischen Nervus vagus (Vagotonus) hat denselben Effekt. Eine Gallenblase ist jedoch nicht bei allen Wirbeltieren ausgebildet.

Bedeutung

Die Galle spielt eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Fetten aus der Speise und trägt zur Neutralisierung des nach Magenpassage stark sauren Speisebreis bei. Sie dient auch der Ausscheidung verschiedener Substanzen aus dem Körper wie Cholesterin, Bilirubin sowie vieler Medikamente und ihrer Stoffwechselprodukte. Die Gallebildung ist wesentlich für das Gleichgewicht des Cholesterins im Körper.

Die Gallensalze dienen der Fettverdauung, indem sie Mizellen mit den wasserunlöslichen Bestandteilen der Nahrung (Triacylglyceride, freie Fettsäuren, Vitamine und Cholesterin) bilden und damit deren Transport im Blut ermöglichen. Medikamente und ihre Abbauprodukte werden mit Glutathion konjugiert und damit wasserlöslich gemacht, um dann mit der Galle durch den Verdauungstrakt und letztendlich den Kot ausgeschieden zu werden. Dies betrifft ebenso Stoffwechselprodukte wie Bilirubin, das aus dem Abbau von Hämoglobin in den Leberzellen entsteht. Weitere Aufgaben sind die Ausscheidung von Schwermetallen, die Neutralisierung des Zwölffingerdarms nach Magenentleerung und die Aktivierung der Bauchspeicheldrüsenenzyme. Gallensäuren wirken außerdem bakterizid, töten also Bakterien ab.

Kreislauf der Gallensalze

Gallensalze werden in primäre und sekundäre Gallensalze unterteilt. Die primären Gallensalze, Cholat und Chenodesoxycholat, werden von der Leber aus Cholesterin synthetisiert. Diese werden von Bakterien im Verdauungstrakt teilweise in sekundäre Gallensalze, Desoxycholat und Lithocholat umgewandelt. Die Gallensalze werden dann im Verdauungstrakt dekonjugiert, von der Schleimhaut absorbiert und in der Pfortader (Vena portae), gebunden an Albumin, wieder zur Leber transportiert. Dort werden sie aufgenommen, wieder mit Taurin und Glycin konjugiert und erneut in die Galle abgesondert. Dieser Kreislauf wird als Enterohepatischer Gallensalzkreislauf bezeichnet und gewährleistet, dass der Gallensalzbestand des Körpers von nur zwei bis vier Gramm den Bedarf der Fettabsorption von 20–30 g decken kann. Dabei zirkuliert er täglich fünf- bis zehnmal. Nur etwa 0,3–0,6 g Gallensalze gehen verloren und müssen in der Leber neu synthetisiert werden. Gallensalze, die nicht mit Taurin oder Glycin konjugiert sind, werden sofort wieder absorbiert, während jene, die konjugiert sind, erst im Ileum (Krummdarm) an der Fettverdauung teilnehmen.

Gallensteine in der Gallenblase

Die bei einer Störung der Gallenbildung oder Gallensekretion beim Menschen auftretenden Symptome lassen sich durch ihre Funktionen bei der Fettverdauung und der Ausscheidung von Endprodukten des Stoffwechsels erklären. Eine Verstopfung der Gallenwege mit Rückhaltung von Galle nennt man im medizinischen Sprachgebrauch Cholestase. Bei dieser tritt eine Fettunverträglichkeit auf, da dieses nur noch in geringem Umfang aus dem Darm absorbiert werden kann. Höhere Fettzufuhr in der Nahrung führt zu fettigem Stuhl (Steatorrhoe). Weiterhin tritt der so genannte posthepatische Ikterus (Gelbsucht) auf, da das Hämoglobinabbauprodukt Bilirubin, ein gelber Farbstoff, nicht mehr ordnungsgemäß ausgeschieden werden kann und eine Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute verursacht. Durch das Fehlen der Gallenfarbstoffe nimmt der Stuhl eine lehmartige Färbung an, die als acholisch bezeichnet wird. Diese Verstopfungen können verschiedene Ursachen wie Tumoren der Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Gallengänge oder des Zwölffingerdarms haben. Eine andere Ursache können Gallensteine im Ductus hepaticus communis oder im Ductus choledochus sein. Verlegungen des Ductus cysticus führen nur selten zur Blockade der Gallenabgabe (Mirizzi-Syndrom).

Gallensteine sind Kristallisationsprodukte, die entstehen, wenn das Mischungsverhältnis zwischen Lecithin, Cholesterin und den Gallensalzen aus dem Gleichgewicht gerät. Auch bei der Stoffwechselstörung Erythropoetische Protoporphyrie entstehen häufig Steine aus dem Häm-Vorläuferstoff Protoporphyrin IX. Symptome treten nur in etwa einem Viertel aller Fälle auf. Dazu gehören Koliken, Druckschmerzen (Druckdolenz) im rechten Oberbauch und die oben erwähnte Gelbsucht. In seltenen Fällen kommt es auch zu Rückenschmerzen.

Galle-Agar wird aus Rindergalle gewonnen und ist ein in der Mikrobiologie verwendeter Nährboden. Abhängig vom neben der Galle enthaltenen Substrat können zahlreiche Keime wie zum Beispiel Streptokokken, Salmonellen und Shigellen, aber auch Pilze angezüchtet werden. Sollen Salmonellen aus dem Blut eines Patienten angereichert werden, so wird eine Galle-Bouillon, bestehend aus drei Teilen Galle und einem Teil Blut, gemischt. In ihr können sich die Salmonellen vermehren.

Für die Herstellung von Gallseife wird ebenfalls Rindergalle verwendet.

Das Wort Galle (mittelhochdeutsch galle, althochdeutsch galla) leitet sich von der indogermanischen Wurzel *ghel-, „gelb, grün“ ab; die Galle ist somit nach ihrer Farbe benannt. Aus dieser Wurzel hat sich im Griechischen χολή (cholé) „Galle“ entwickelt.

Die Cholera (χολέρα choléra „Gallendurchfall“), eine durch Choleravibrionen oder Enteritis-Salmonellen hervorgerufene Enteritis, erhielt ihren Namen ursprünglich nicht aufgrund der falschen Annahme, sie werde durch eine Gallenstörung verursacht, sondern leitet sich eher von dem griechischen Wort cholera mit den Bedeutungen ‚Dachrinne‘, ‚schwerer Brechdurchfall‘ bzw. ‚Gallenbrechruhr‘ ab.

In der Humoralpathologie der Hippokratiker, die um 400 v. Chr. entwickelt wurde und die medizinische Lehre für über tausend Jahre bestimmte, bis sie mit Paracelsus an Bedeutung verlor, nimmt der „trocken“ vorgestellte Leibessaft Galle eine zentrale Rolle ein. Es wurde im Wesentlichen dabei zwischen der heißtrockenen Leibesfeuchte Gelber Galle (lateinisch cholera und mittellateinisch colera, genauer: cholera citrina) und der kalttrockenen Schwarzen Galle (melancholia) unterschieden. Diese beiden gehören, neben Blut und Schleim („Phlegma“), zu den vier sogenannten Kardinalsäften (→ Viersäftelehre). Befinden sich diese im Gleichgewicht (Eukrasie), sei der Mensch gesund. Bei einem Ungleichgewicht (Dyskrasie) komme es zur Krankheit. Gelbe Galle werde in der Leber produziert und wurde mit Cholerikern (lateinisch colerici) und (deren) Zornwallungen assoziiert. Schwarze Galle werde nach der Humoralpathologie in den Hoden und der Milz produziert und mit Melancholikern (von mélaina cholé, schwarze Galle) in Verbindung gebracht. Sprichwörtliche Ausdrücke wie „Mir kommt die Galle hoch“ oder „Gift und Galle spucken“, beides Metaphern für Wut, begründen sich in dieser Lehre. Weitere – neben colera citrina, colera vitellina und colera nigra – im Mittelalter (etwa im um 1170 entstandenen Liber mitis des Guido von Arezzo) unterschiedene cholera-Erscheinungsformen waren colera adusta, colera aeruginosa, colera flegmatica, colera prasina, colera rubea und colera viridis. In Regulae urinarum unterscheidet Maurus von Salerno (12./13. Jahrhundert) colera naturalis und colera innaturalis; letztere unterteilte er colera citrina, colera vitellina, colera prassina und colera eruginosa.

  • Manfred Dietel, Joachim Dudenhausen, Norbert Suttorp (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin. 15. Auflage. ABW Wissenschaftsverlag, Berlin 2003, ISBN 3-936072-10-8.
  • Eckhart G. Hahn, Jürgen F. Riemann: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 1996, ISBN 3-13-477703-7, S. 1262–1269.
  • Nikolaus Mani: Die historischen Grundlagen der Leberforschung, I: Die Vorstellungen über Anatomie, Physiologie und Pathologie der Leber in der Antike. Basel und Stuttgart 1959 (= Basler Veröffentlichungen zur Geschichte der Medizin und der Biologie, 9), S. 22, 28–34, 53–55 und 59.
  • Robert F. Schmidt, Florian Lang, Gerhard Thews: Physiologie des Menschen. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-21882-3.
  1. Vgl. etwa Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 129.
  2. Vgl. und bei Duden online.
  3. Georg Löffler, Petro E. Petrides: Biochemie und Pathobiochemie. 6. Auflage. Springer, Berlin 1998, ISBN 3-540-64350-8.
  4. Stefan Silbernagl, Agamemnon Despopoulos: Taschenatlas der Physiologie. 6. Auflage. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-567706-0, S. 248.
  5. Khalili MJ et al.: Erythropoietic protoporphyria and early onset of cholestasis. In: Turk J Pediatr. 2012 Nov-Dec;54(6):645-50.
  6. Vgl. etwa Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 123 (colera).
  7. Bruno Valentin: Cholera-Briefe. In: Sudhoffs Archiv. Band 37, 1953, S. 417–421, hier: S. 417.
  8. Nikolaus Mani (1959)
  9. Vgl. auch Gundolf Keil: Wut, Zorn, Haß. Ein semantischer Essai zu drei Ausprägungen psychischer Affektstörung. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 183–192, hier: S. 185 f.
  10. Konrad Goehl: Die Grundlagen der Galenik in einem Florentiner Fragment des 13. Jahrhunderts. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000. ISBN 3-8260-1851-6, S. 17–53, hier: S. 36.
  11. Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 207.
Wiktionary: Galle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Galle
galle, körperflüssigkeit, sprache, beobachten, bearbeiten, titel, dieses, artikels, mehrdeutig, weitere, bedeutungen, sind, unter, begriffsklärung, aufgeführt, mittelhochdeutsch, galle, nblase, deren, inhalt, griechisch, χολή, cholé, bilis, eine, zähe, körperf. Galle Korperflussigkeit Sprache Beobachten Bearbeiten Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig Weitere Bedeutungen sind unter Galle Begriffsklarung aufgefuhrt Die Galle mittelhochdeutsch galle Gallenblase und deren Inhalt 1 griechisch xolh chole lat bilis ist eine zahe Korperflussigkeit die in der Leber produziert und in der Gallenblase gespeichert wird bevor sie zu den Mahlzeiten in den Zwolffingerdarm Duodenum ausgeschuttet wird Ihre Farbung wechselt je nach Anteil der hauptsachlichen Gallenfarbstoffe Bilirubin und Biliverdin von gelblich bis grunlich Stark eingedickt nimmt sie einen braunlichen Ton an Die Galle dient der Fettverdauung indem sie Lipide emulgiert das heisst in kleine fur fettspaltende Enzyme Lipasen angreifbare Tropfchen zersetzt Weiterhin ist die Galle ein Ausscheidungsmedium fur Substanzen die schwer wasserloslich sind und in der Leber in eine eliminierbare Form gebracht werden Umgangssprachlich wird mit Galle auch der Gallensaft und die Gallenblase bezeichnet Worterbucher der Allgemeinsprache geben deshalb als Bedeutung von Galle sowohl die Gallenblase als auch die Gallenflussigkeit an 2 Die Fortbewegung der Galle in den Gallenwegen einschliesslich zugehoriger Bewegungsablaufe der Gallenblase und Gallengange wird als Cholekinese bezeichnet Inhaltsverzeichnis 1 Zusammensetzung 2 Physiologie 2 1 Bildung 2 2 Transport und Speicherung 2 3 Bedeutung 2 4 Kreislauf der Gallensalze 3 Beschwerden 4 Nutzung 5 Medizingeschichte 6 Literatur 7 Einzelnachweise 8 WeblinksZusammensetzung BearbeitenElektrolytgehalt 3 Ion AnteilNa 130 165 mmol lK 3 12 mmol lCl 90 120 mmol lHCO3 30 mmol lpH Wert 8 0 8 5 Galle besteht zum grossten Teil aus Wasser 82 in dem anorganische Elektrolyte in einer ahnlichen Zusammensetzung wie im Blutplasma gelost sind siehe Tabelle rechts Galle ist leicht alkalisch Die wichtigsten funktionellen Bestandteile sind jedoch die Gallensalze 12 denen eine zentrale Rolle in der Fettverdauung zukommt Daneben enthalt sie auch Alkalische Phosphatasen eine Gruppe von Enzymen die Phosphorsaureester hydrolysieren Weiterhin findet man in der Galle Lecithin und andere Phospholipide 4 nicht verestertes Cholesterin 0 7 und Abbauprodukte der Leber die durch die Galle in den Verdauungstrakt gelangen und von dort mit dem Kot ausgeschieden werden Zu den letzteren gehoren Bilirubin das Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hamoglobin sowie einige Hormone und Medikamente Ihre Farbe erhalt die Galle im Wesentlichen durch die Gallenfarbstoffe das je nach Konzentration gelbliche bis rote Bilirubin und das grunliche Biliverdin Bilirubin wird im Darm von den dort ansassigen Bakterien unter anderem zu Stercobilin Bilifuscin und Mesobilifuscin abgebaut die dem Stuhl seine charakteristische Farbung geben Der Transport von Cholesterin in der Galle findet in Mizellen statt die aus Lecithin Cholesterin und Gallensalzen gebildet werden Das Mischungsverhaltnis dieser drei Stoffe darf nur in sehr engen Grenzen schwanken damit der Transport des Cholesterins funktionieren kann Andernfalls kristallisiert das Cholesterin aus und es kommt zur Bildung von Gallensteinen Physiologie BearbeitenDie Bildung und Abgabe der Galle wird als Gallensaftsekretion bezeichnet Bildung Bearbeiten Der menschliche Korper produziert taglich etwa 700 ml Galle die interdigestiv das heisst zwischen den Mahlzeiten in der Gallenblase gespeichert werden Galle wird in den Zellen der Leber den Hepatozyten produziert Zwischen zwei benachbarten Hepatozyten befinden sich die Gallenkanalchen Canaliculi in die die Galle durch Transmembrantransport ausgeschieden wird Diese Canaliculi vereinigen sich zu grosseren Kanalen die letztendlich die Galle zum Verdauungstrakt befordern siehe unten Stoffe die in die Canaliculi abgesondert werden sind Lecithin konjugierte Gallensalze Cholesterin mit Glucuronsaure konjugierte Hormone und Bilirubin Mit Glutathion konjugierte Medikamente konnen ebenfalls mit der Galle ausgeschieden werden Die Hepatozyten entnehmen die konjugierten Gallensalze aus den Sinusoiden mikroskopischen Blutgefassen die Blut zu den Hepatozyten transportieren Die Leberzellen besitzen sowohl in ihrer den Sinusoiden als auch den Canaliculi anliegenden Zellmembranen Transportproteine Carrier speziell fur Gallensalze Aus den Sinusoiden werden sie mit Hilfe eines Natrium Symport Transportproteins NTCP Na taurocholate cotransporting polypeptide sekundar aktiv aufgenommen wahrend sie primar aktiv mit Hilfe eines ATP abhangigen Transporters hBSEP human bile salt export pump auch cBAT canalicular bile acid transporter in das Lumen der Canaliculi ausgeschieden werden Transport und Speicherung Bearbeiten Gallenwege und blase hier grun dargestellt Die extrahepatischen ausserhalb der Leber gelegenen Gallenwege beginnen mit dem Ductus hepaticus communis gemeinsamer Lebergang von dem der Ductus cysticus Gallenblasengang Verbindung zwischen Gallenblase und Hauptgallengang zur Gallenblase abzweigt Der Abschnitt nach dieser Abzweigung heisst Ductus choledochus und mundet schliesslich zusammen mit dem Ductus pancreaticus der Bauchspeicheldruse in den Zwolffingerdarm auf der Papilla duodeni major In der Gallenblase wird die Galle gespeichert und auf etwa zehn Prozent ihres Volumens 4 eingedickt Gelangen Lipide mit der Nahrung in den Dunndarm so regen diese die Produktion des Hormons Cholecystokinin CCK in der Dunndarmschleimhaut an CCK stimuliert die glatte Muskulatur in der Organwand der Gallenblase so dass diese sich zusammenzieht und ihr Inhalt dem Speisebrei im Duodenum beigemischt wird Erhohte Aktivitat des parasympathischen Nervus vagus Vagotonus hat denselben Effekt Eine Gallenblase ist jedoch nicht bei allen Wirbeltieren ausgebildet Bedeutung Bearbeiten Die Galle spielt eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Fetten aus der Speise und tragt zur Neutralisierung des nach Magenpassage stark sauren Speisebreis bei Sie dient auch der Ausscheidung verschiedener Substanzen aus dem Korper wie Cholesterin Bilirubin sowie vieler Medikamente und ihrer Stoffwechselprodukte Die Gallebildung ist wesentlich fur das Gleichgewicht des Cholesterins im Korper Die Gallensalze dienen der Fettverdauung indem sie Mizellen mit den wasserunloslichen Bestandteilen der Nahrung Triacylglyceride freie Fettsauren Vitamine und Cholesterin bilden und damit deren Transport im Blut ermoglichen Medikamente und ihre Abbauprodukte werden mit Glutathion konjugiert und damit wasserloslich gemacht um dann mit der Galle durch den Verdauungstrakt und letztendlich den Kot ausgeschieden zu werden Dies betrifft ebenso Stoffwechselprodukte wie Bilirubin das aus dem Abbau von Hamoglobin in den Leberzellen entsteht Weitere Aufgaben sind die Ausscheidung von Schwermetallen die Neutralisierung des Zwolffingerdarms nach Magenentleerung und die Aktivierung der Bauchspeicheldrusenenzyme Gallensauren wirken ausserdem bakterizid toten also Bakterien ab Kreislauf der Gallensalze Bearbeiten Gallensalze werden in primare und sekundare Gallensalze unterteilt Die primaren Gallensalze Cholat und Chenodesoxycholat werden von der Leber aus Cholesterin synthetisiert Diese werden von Bakterien im Verdauungstrakt teilweise in sekundare Gallensalze Desoxycholat und Lithocholat umgewandelt Die Gallensalze werden dann im Verdauungstrakt dekonjugiert von der Schleimhaut absorbiert und in der Pfortader Vena portae gebunden an Albumin wieder zur Leber transportiert Dort werden sie aufgenommen wieder mit Taurin und Glycin konjugiert und erneut in die Galle abgesondert Dieser Kreislauf wird als Enterohepatischer Gallensalzkreislauf bezeichnet und gewahrleistet dass der Gallensalzbestand des Korpers von nur zwei bis vier Gramm den Bedarf der Fettabsorption von 20 30 g decken kann Dabei zirkuliert er taglich funf bis zehnmal Nur etwa 0 3 0 6 g Gallensalze gehen verloren und mussen in der Leber neu synthetisiert werden Gallensalze die nicht mit Taurin oder Glycin konjugiert sind werden sofort wieder absorbiert wahrend jene die konjugiert sind erst im Ileum Krummdarm an der Fettverdauung teilnehmen Beschwerden Bearbeiten Gallensteine in der Gallenblase Die bei einer Storung der Gallenbildung oder Gallensekretion beim Menschen auftretenden Symptome lassen sich durch ihre Funktionen bei der Fettverdauung und der Ausscheidung von Endprodukten des Stoffwechsels erklaren Eine Verstopfung der Gallenwege mit Ruckhaltung von Galle nennt man im medizinischen Sprachgebrauch Cholestase Bei dieser tritt eine Fettunvertraglichkeit auf da dieses nur noch in geringem Umfang aus dem Darm absorbiert werden kann Hohere Fettzufuhr in der Nahrung fuhrt zu fettigem Stuhl Steatorrhoe Weiterhin tritt der so genannte posthepatische Ikterus Gelbsucht auf da das Hamoglobinabbauprodukt Bilirubin ein gelber Farbstoff nicht mehr ordnungsgemass ausgeschieden werden kann und eine Gelbfarbung der Haut und Schleimhaute verursacht Durch das Fehlen der Gallenfarbstoffe nimmt der Stuhl eine lehmartige Farbung an die als acholisch bezeichnet wird Diese Verstopfungen konnen verschiedene Ursachen wie Tumoren der Bauchspeicheldruse Gallenblase Gallengange oder des Zwolffingerdarms haben Eine andere Ursache konnen Gallensteine im Ductus hepaticus communis oder im Ductus choledochus sein Verlegungen des Ductus cysticus fuhren nur selten zur Blockade der Gallenabgabe Mirizzi Syndrom Gallensteine sind Kristallisationsprodukte die entstehen wenn das Mischungsverhaltnis zwischen Lecithin Cholesterin und den Gallensalzen aus dem Gleichgewicht gerat Auch bei der Stoffwechselstorung Erythropoetische Protoporphyrie entstehen haufig Steine aus dem Ham Vorlauferstoff Protoporphyrin IX 5 Symptome treten nur in etwa einem Viertel aller Falle auf Dazu gehoren Koliken Druckschmerzen Druckdolenz im rechten Oberbauch und die oben erwahnte Gelbsucht In seltenen Fallen kommt es auch zu Ruckenschmerzen Nutzung BearbeitenGalle Agar wird aus Rindergalle gewonnen und ist ein in der Mikrobiologie verwendeter Nahrboden Abhangig vom neben der Galle enthaltenen Substrat konnen zahlreiche Keime wie zum Beispiel Streptokokken Salmonellen und Shigellen aber auch Pilze angezuchtet werden Sollen Salmonellen aus dem Blut eines Patienten angereichert werden so wird eine Galle Bouillon bestehend aus drei Teilen Galle und einem Teil Blut gemischt In ihr konnen sich die Salmonellen vermehren Fur die Herstellung von Gallseife wird ebenfalls Rindergalle verwendet Medizingeschichte BearbeitenDas Wort Galle mittelhochdeutsch galle althochdeutsch galla leitet sich von der indogermanischen Wurzel ghel gelb grun ab die Galle ist somit nach ihrer Farbe benannt Aus dieser Wurzel hat sich im Griechischen xolh chole Galle entwickelt Die Cholera xolera cholera Gallendurchfall eine durch Choleravibrionen oder Enteritis Salmonellen hervorgerufene Enteritis 6 erhielt ihren Namen ursprunglich nicht aufgrund der falschen Annahme sie werde durch eine Gallenstorung verursacht sondern leitet sich eher von dem griechischen Wort cholera mit den Bedeutungen Dachrinne schwerer Brechdurchfall bzw Gallenbrechruhr ab 7 In der Humoralpathologie der Hippokratiker die um 400 v Chr entwickelt wurde und die medizinische Lehre fur uber tausend Jahre bestimmte bis sie mit Paracelsus an Bedeutung verlor nimmt der trocken vorgestellte Leibessaft Galle eine zentrale Rolle ein Es wurde im Wesentlichen dabei zwischen der heisstrockenen Leibesfeuchte Gelber Galle lateinisch cholera und mittellateinisch colera genauer cholera citrina und der kalttrockenen Schwarzen Galle melancholia unterschieden Diese beiden gehoren neben Blut und Schleim Phlegma zu den vier sogenannten Kardinalsaften Viersaftelehre 8 Befinden sich diese im Gleichgewicht Eukrasie sei der Mensch gesund Bei einem Ungleichgewicht Dyskrasie komme es zur Krankheit Gelbe Galle werde in der Leber produziert und wurde mit Cholerikern lateinisch colerici und deren Zornwallungen assoziiert 9 Schwarze Galle werde nach der Humoralpathologie in den Hoden und der Milz produziert und mit Melancholikern von melaina chole schwarze Galle in Verbindung gebracht Sprichwortliche Ausdrucke wie Mir kommt die Galle hoch oder Gift und Galle spucken beides Metaphern fur Wut begrunden sich in dieser Lehre Weitere neben colera citrina colera vitellina und colera nigra im Mittelalter etwa im um 1170 entstandenen Liber mitis des Guido von Arezzo unterschiedene cholera Erscheinungsformen waren colera adusta colera aeruginosa colera flegmatica colera prasina colera rubea und colera viridis 10 In Regulae urinarum unterscheidet Maurus von Salerno 12 13 Jahrhundert colera naturalis und colera innaturalis letztere unterteilte er colera citrina colera vitellina colera prassina und colera eruginosa 11 Literatur BearbeitenManfred Dietel Joachim Dudenhausen Norbert Suttorp Hrsg Harrisons Innere Medizin 15 Auflage ABW Wissenschaftsverlag Berlin 2003 ISBN 3 936072 10 8 Eckhart G Hahn Jurgen F Riemann Klinische Gastroenterologie Thieme Stuttgart 1996 ISBN 3 13 477703 7 S 1262 1269 Nikolaus Mani Die historischen Grundlagen der Leberforschung I Die Vorstellungen uber Anatomie Physiologie und Pathologie der Leber in der Antike Basel und Stuttgart 1959 Basler Veroffentlichungen zur Geschichte der Medizin und der Biologie 9 S 22 28 34 53 55 und 59 Robert F Schmidt Florian Lang Gerhard Thews Physiologie des Menschen Springer Berlin 2004 ISBN 3 540 21882 3 Einzelnachweise Bearbeiten Vgl etwa Jurgen Martin Die Ulmer Wundarznei Einleitung Text Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15 Jahrhunderts Konigshausen amp Neumann Wurzburg 1991 Wurzburger medizinhistorische Forschungen Band 52 ISBN 3 88479 801 4 zugleich Medizinische Dissertation Wurzburg 1990 S 129 Vgl Galle und Gallensaft bei Duden online Georg Loffler Petro E Petrides Biochemie und Pathobiochemie 6 Auflage Springer Berlin 1998 ISBN 3 540 64350 8 Stefan Silbernagl Agamemnon Despopoulos Taschenatlas der Physiologie 6 Auflage Thieme Stuttgart 2003 ISBN 3 13 567706 0 S 248 Khalili MJ et al Erythropoietic protoporphyria and early onset of cholestasis In Turk J Pediatr 2012 Nov Dec 54 6 645 50 Vgl etwa Jurgen Martin Die Ulmer Wundarznei Einleitung Text Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15 Jahrhunderts Konigshausen amp Neumann Wurzburg 1991 Wurzburger medizinhistorische Forschungen Band 52 ISBN 3 88479 801 4 zugleich Medizinische Dissertation Wurzburg 1990 S 123 colera Bruno Valentin Cholera Briefe In Sudhoffs Archiv Band 37 1953 S 417 421 hier S 417 Nikolaus Mani 1959 Vgl auch Gundolf Keil Wut Zorn Hass Ein semantischer Essai zu drei Auspragungen psychischer Affektstorung In Medizinhistorische Mitteilungen Zeitschrift fur Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung Band 36 37 2017 2018 2021 S 183 192 hier S 185 f Konrad Goehl Die Grundlagen der Galenik in einem Florentiner Fragment des 13 Jahrhunderts In Konrad Goehl Johannes Gottfried Mayer Hrsg Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters Festgabe fur Gundolf Keil Konigshausen amp Neumann Wurzburg 2000 ISBN 3 8260 1851 6 S 17 53 hier S 36 Wouter S van den Berg Hrsg Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolai Ms 15624 15641 Kon Bibl te Brussel met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolai Hrsg von Sophie J van den Berg N V Boekhandel en Drukkerij E J Brill Leiden 1917 S 207 Weblinks Bearbeiten Wiktionary Galle Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Dieser Artikel wurde am 7 Oktober 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen Normdaten Sachbegriff GND 4393841 3 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Galle amp oldid 212908309, wikipedia, wiki, deutsches

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