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Evangelium (Literaturgattung)

Als Evangelium bezeichnet man außer der christlichen Glaubensbotschaft auch eine antike, frühchristliche Literaturgattung, die sich mit dem Leben und Tod Jesu und dessen Bedeutung für die Christen auseinandersetzt. Mit den „Evangelien“ in diesem Sinne sind meistens Erzählungen, der vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, im Neuen Testament der Bibel gemeint. Die Verfasser der vier Evangelien werden auch als Evangelisten bezeichnet.

Ältestes bekanntes Fragment eines Evangelientextes, P {\displaystyle {\mathfrak {P}}} 52 („Johannesfragment“), Vorderseite (recto), entstanden um 125 n. Chr.

Darüber hinaus sind noch eine ganze Reihe weiterer Evangelien überliefert, die nicht zum biblischen Kanon gehören und die zu den neutestamentlichen Apokryphen gerechnet werden. In der Spätantike wurden im „39. Osterfestbrief“ durch Athanasius im Jahre 367 n Chr., mehr als zwanzig in griechischer Sprache verfasste Schriften, darunter u. a. auch die drei synoptischen Evangelien als neutestamentliches Bibelkanon anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff Evangelium kommt aus dem Altgriechischen (εὐαγγέλιονeuangélion, deutsch‚gute Nachricht‘ oder „frohe Botschaft).

In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, findet sich der Begriff evangelion mehrmals in Szenen, in denen einem König die Nachricht von einem militärischen Sieg aus einer gewaltsamen Auseinandersetzung überbracht wird. Im nachexilischen Judentum war mit Evangelium vor allem die vom Propheten Jesaja angesagte Heilsbotschaft gemeint (40,9–12 EU).

Im Imperium Romanum bezeichnete dieser Begriff solche Nachrichten aus dem Kaiserhaus, die als „gute Nachrichten“ aufgefasst wurden. Die älteste Belegstelle findet sich in der steinernen „Kalenderinschrift von Priene“ (datiert auf 9 v. Chr.), in der es über den Geburtstag des vergöttlichten Kaisers Augustus (23. September 63 v. Chr.) heißt:

ἦρξεν δὲ τᾦ κόσμῳ τῶν δι’ αὐτὸν εὐαγγελίων ἡ γενέϑλιος τοῦ ϑεοῦ …
„Der Geburtstag des Gottes hat für die Welt die an ihn sich knüpfenden Freudenbotschaften [Evangelien] heraufgeführt“ (Übersetzung: Adolf von Harnack).

Bei Markus 1,1 EU erhält der Begriff eine kontrastierende Bedeutung in der Anwendung auf Jesus von Nazareth. Er bezeichnet damit die Frohbotschaft vom Heilsgeschehen in Jesus Christus. Diese Frohbotschaft ist ursprünglich nicht etwas schriftlich Fixiertes, sondern mündliche Verkündigung. Der Autor schuf durch Verwendung des Begriffs Evangelium für ein schriftliches Werk das erste Beispiel dieser Gattung und gab ihr zugleich diesen Namen.

Einige Kirchenväter bezeichneten über die vier kanonischen Evangelien hinaus das gesamte Neue Testament als Evangelium. Die Bezeichnung Evangelium im Zusammenhang mit den kanonischen Evangelienschriften findet sich bei dem Kirchenvater Irenäus: Das Evangelium als die eine Botschaft von Jesus Christus in vier Formen – nach oder gemäß Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Der Kirchenvater Justinus verwendet den Ausdruck in beiden Bedeutungen.

Durch den Theologen Johann Baptist Metz und den Romanisten Harald Weinrich tauchte der Begriff der „narrativen Theologie“ erstmals ab den 1970er Jahren im deutschen theologischen Diskurs auf. Da die Evangelien als eine Form von Erzählungen im erzähltheoretischen Verständnis aufgefasst werden können, zeigt ihre Textanalyse zum einen, eine Vermittlungsinstanz, einen Erzähler, der den Rezipienten durch das Werk führt, zum anderen spiegelt sich in der Geschichte eine doppelte Zeitlichkeit. Die erzählte Zeit ist die, welche die Geschichte zeitlich strukturiert, die Zeit des Geschehens und die Erzählzeit, die Zeit der Erzählung selbst, also den Zeitraum, den die Geschichte benötigt, um das Narrativ wiederzugeben. In den Erzählungen werden Ereignisse und deren Veränderungen (Diegesis) präsentiert. Inwieweit es sich bei den Evangelien um ein (rein) faktuales Erzählen (im Sinne einer Geschichtsschreibung) oder um ein fiktionales Erzählen handelt, bleibt im theologischen Diskurs ungeklärt. Eine literarische Erzählung aber handelt von Fiktivem und ist somit fiktional. Es sind letztlich Erzählungen, die keine Forderung nach einer Überprüfbarkeit an einer außersprachlichen Wirklichkeit implizieren.

Frank Zipfel (2001) beschrieb die „Fiktivität“ als eine „Fiktion in Zusammenhang mit Geschichte“ sodass, die geschilderten Ereignisse nicht den Tatsachen entsprächen, sie seien erfunden. Während die „Fiktionalität“ als „Fiktion im Zusammenhang mit dem Erzählen“ erklärt wurden, sie stünden in Relation zur Erzählerfigur und zum Erzählakt. Eine Fiktion wird in den literarischen Produktionen im Zusammenhang mit dem Phantasierten, Erdachten oder Erfundenen gestellt, dass als etwas ausgedachtes, den Charakter des Nicht-Wirklichen einnimmt und damit einhergehend, die dargestellten Personen/Figuren, Orte, Ereignisse, Sachverhalte, Handlungen und Gegenstände als nicht real wertet, da sie „keine Entsprechung in der Realität“ haben. Figuren sind keine realen Personen, die dargestellte Geschichte beruht nicht auf tatsächliche Ereignisse in der Realität und dennoch können fiktive Texte auch immer Elemente der wirklichen Welt enthalten.

Mit dem begrifflichen Instrumentarium der narrativen Analyse wird ein Text im Sinne seines Erzählcharakters interpretiert, was mit einer Beschränkung der narrativen Analyse auf Erzähltexte als solche einhergeht. Mit der Übernahme dieses Literaturwissenschaften Verfahren in die neutestamentliche Exegese öffnen sich erweiterte Interpretationsmöglichkeiten der einzelnen Textelemente, auf denen etwa der Spannungsbogen, die Figuren und die Perspektive der Erzähler beruhten.

Nach Gerd Häfner könnten die Evangelien als faktuale Erzählungen mit fiktionalen Elementen angesehen werden.

Mauz sieht, nach Reiser (2001), die Großform der Evangelien, den discours im Sinne von Gérard Genette, durch eine Vielzahl von literarischen Kleinformenen konstituiert, so durch verschiedene:

  • Erzählformen, etwa Anekdoten, Wundergeschichten, Gleichnisse, Genealogien,
  • Erzählmuster, wie etwa Verkündungsschemata, Berufunsschemata
  • Redeformen, wie etwa des Vorworts, Spruchs, Abschiedsrede, Katalog, Haustafel, Gebet, Hymnus, Akklamation und auch liturgische und Bekenntnisformeln
  • Stiltypen, etwa Diatribe, Paränese.

Beziehung zum Aufbau hellenistischer Biografien

Mit dem Begriff der „literarischen Gattung“ wird ein formaler Begriff bestimmt, der nichts über den Inhalt des Textes aussagt, vielmehr zur Analyse von Textformen als solches genutzt wird. Ein Charakteristikum der Evangelien ist, dass der oder die Autoren in der geläufigen altgriechischen Umgangssprache, der Koine schrieben, in der sich die Menschen im Alltag äußerten und verständigten.

Die „Evangelien“ knüpften an dem Aufbau antiker Romane und Biografien (Griechische Literatur) an. Sie verwendeten ähnliche Stilmittel, wie sie in den antiken „hellenistischen Biografien“ (einem Kompositum ausaltgriechischβίος bíos, deutsch‚Leben‘ undγράφω gráphō, deutsch‚ritzen, ‚malen‘, ‚schreiben‘‘) gefunden werden können, etwa die dreigliedrige Gesamtform, literarische Topoi, der Darstellung und Ausbreitung der verborgenen Identität in einem ausgebreiteten exemplarischen Leben sowie deren erzählerische Vergegenwärtigung der Hauptfigur, mit der Intention, die Vorstellungswelt des Rezipienten zu bewegen. Während die hellenistischen Biografien keinem festgelegten Muster folgten, vielmehr blieben sie in ihrem Aufbau offen, führten die Evangelien andererseits um die „Hauptfigur Jesu“ seinen Beginn mit Geburt Jesu, Taufe, Passionsgeschichte, Wunderberichte, Streitgespräche, sein Ende mit Kreuzigung und Auferstehung als narrative Elemente seiner Vergegenwärtigung und Wirkmächtigkeit an.

Als Evangelien gelten die am Beginn des Neuen Testaments (NT) stehenden vier Bücher. Sie berichten über das Wirken Jesu und entstanden mehrere Jahrzehnte nach dem Wirken Jesu.

Nach allgemeinem Konsens der Bibelwissenschaftler ist die ursprüngliche Sprache aller vier neutestamentlichen Evangelien das Griechische. Die Verfasserangaben (wie „Evangelium nach Matthäus“ usw.) gehören nicht zum ursprünglichen Text der Evangelien, wurden aber früh hinzugefügt und sind in der gesamten Überlieferung einheitlich. Es ist nicht nachvollziehbar, ob die Namen tatsächlich die ursprünglichen Namen der Verfasser sind, oder ob diese Namen einem nicht namentlich bekannten Verfasser sekundär zugeschrieben wurden.

  • Evangelium nach Matthäus
    • Verfasser: traditionell Matthäus, Apostel und davor Zöllner
    • Wirkungsbereich: wahrscheinlich Persien, Kaspisches Meer, Griechenland, eventuell Äthiopien
    • Adressaten: vor allem Judenchristen mit guter Kenntnis der jüdischen Bibel
  • Evangelium nach Markus
    • Verfasser: traditionell Johannes Markus, kein Apostel, soll Material für seinen Bericht vom Apostel Petrus erhalten haben
    • Wirkungsbereich: wahrscheinlich Kleinasien, Griechenland, Rom, Ägypten
    • Adressaten: vor allem Heidenchristen
  • Evangelium nach Lukas
    • Verfasser: traditionell Lukas, kein Apostel, war Arzt und einer der Begleiter des Paulus, sein Bericht unterscheidet sich von den anderen durch gehobene Sprache
    • Wirkungsbereich: wahrscheinlich Jerusalem, Kleinasien, Rom
    • Adressaten: vor allem gebildete Heidenchristen
  • Evangelium nach Johannes
    • Verfasser: traditionell Johannes, Apostel
    • Wirkungsbereich: wahrscheinlich Jerusalem, Kleinasien
    • Adressaten: allgemein Christen, deren Glaube vertieft werden soll

Die Entstehungszeit der neutestamentlichen Evangelien liegt zwischen 30 oder 33 n. Chr. (dem Jahr der Kreuzigung Jesu) und ungefähr 120 n. Chr. (Belege des frühen 2. Jahrhunderts: Der Papyrus 52 ( P {\displaystyle {\mathfrak {P}}} 52), ein Fragment des Johannesevangeliums aus der Zeit Kaiser Hadrians und Kirchenväter-Zitate). In der theologischen Forschung vertritt kaum jemand die „Frühdatierung“ eines Evangeliums in die 30er Jahre, es gibt aber seit der Antike die These eines Urevangeliums. Die Diskussionen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen einer „mittleren Datierung“ der Evangelien um 60 n. Chr. und einer „Spätdatierung“ um 85 n. Chr.

Trotz des nur kurzen öffentlichen Wirkens Jesu gibt es also von ihm zeitlich nähere biographische Darstellungen als von den meisten antiken Persönlichkeiten, z. B. wurde die früheste noch erhaltene Biographie über Augustus ein Jahrhundert nach dessen Tod von Sueton geschrieben, über Mohammed zwei Jahrhunderte nach dessen Tod von Ibn Hischām.

Um die Entstehungszeit der Evangelien zu bestimmen, werden folgende Kriterien zugrundegelegt: Stilistische Eigenheiten, wechselseitige Bezüge der Texte, theologische Unterschiede und Bezugnahmen auf historische Fakten. In der folgenden Tabelle finden sich einige Datierungsversuche:

Evangelium Adolf von Harnack (1851–1930) John A. T. Robinson (1919–1983) Werner G. Kümmel (1905–1995) Klaus Berger (1940–2020) Heute mehrheitlich
Matthäus 70–75 n. Chr. 40–60+ 80–100 71 80–90
Markus 65–70 n. Chr. 45–60 ca. 70 vor 70 um 70
Lukas 79–93 n. Chr. 57–60+ 70–90 65–71 80–90
Johannes 80–110 n. Chr. 40–65+ 90–100 68/69 um 100

Obwohl die ersten drei Evangelien viele Begebenheiten ähnlich berichten, und der Inhalt des kürzeren Markus-Evangeliums größtenteils in den längeren nach Matthäus und Lukas enthalten ist, wurden alle vier Evangelien für den kirchlichen Gebrauch beibehalten. Es wurde weder beispielsweise das Markus-Evangelium weggelassen noch trat eine Evangelienharmonie (d. h. eine aus den vier Evangelien zusammengestellte durchgehende Erzählung) an die Stelle der Evangelien (allerdings wurde die von Tatian erstellte Evangelienharmonie (Diatessaron) in der syrischen Kirche bis ins 4. Jh. benutzt, aber dann von den ursprünglichen Evangelien verdrängt). Die entstehende Großkirche entschied sich dafür, diese vier in den christlichen Gemeinden gebrauchten Evangelien gesondert in den neutestamentlichen Kanon aufzunehmen. (Siehe dazu auch neutestamentliche Apokryphen.)

Neben den vier genannten Evangelien kursierten ab dem 2. Jahrhundert viele pseudepigraphe Evangelien, die später nicht in den Kanon aufgenommen und als apokryphe Evangelien bezeichnet werden. Von ihnen sind u. a. überliefert das Thomasevangelium, das Petrusevangelium, das Judasevangelium, das Evangelium der Wahrheit und das Philippusevangelium. Von diesen Evangelien sind zum Teil nur Fragmente oder Zitate bei Kirchenvätern erhalten.

Wiktionary: Evangelium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

→ für einführende bibelwissenschaftliche Grundinformationen siehe die unter Bibel notierten bibelkundlichen Handbücher

  • Johannes Joachim Degenhardt, Hans Thimme, Reinhard Wegner (Hrsg.): Die Datierung der Evangelien – Symposion des Instituts für Wissenschaftstheoretische Grundlagenforschung vom 20.–23. Mai 1982 in Paderborn 3. Auflage, Deutsches Institut für Bildung und Wissen, Paderborn 1986.
  • Detlev Dormeyer: Evangelium als literarische und theologische Gattung (= Erträge der Forschung. Band 263). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989.
  • Dirk Frickenschmidt: Evangelium als Biographie – die vier Evangelien im Rahmen antiker Erzählkunst (= Texte und Arbeiten zum neutestamentlichen Zeitalter. Band 22). Francke, Tübingen 1997, ISBN 3-7720-1873-4.
  • Martin Hengel: Die vier Evangelien und das eine Evangelium von Jesus Christus. Studien zu ihrer Sammlung und Entstehung (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament. Band 224). Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 3-16-149663-9.
  • Kilian Ruckstuhl, Hans Weder: Neue Zürcher Evangeliensynopse. Theologischer Verlag, Zürich 1996.
  • Gerd Theißen: Die Entstehung des Neuen Testaments als literaturgeschichtliches Problem. (Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften), 2., aktualisierte Edition, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-82535-323-0
  • Dirk Wördemann: Das Charakterbild im bíos nach Plutarch und das Christusbild im Evangelium nach Markus (= Studien zur Geschichte und Kultur des Altertums. Neue Folge 1/19), Schöningh, Paderborn 2002, ISBN 3-506-79069-2.
  • Die Evangelisten. In: Welt und Umwelt der Bibel. Ausgabe 2/14, Katholisches Bibelwerk Stuttgart, ISBN 978-3-944766-43-0 (neuere Forschungsergebnisse zu biographischen Daten der vier Evangelisten).
Commons: Gospels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. zualtgriechischεὐαγγέλιον eu-angé lion, deutsch‚Lohn für das Überbringen einer guten Nachricht‘ oder verkürzt ‚gute Nachricht‘ im Sinne einer konkreten ‚Siegesbotschaft‘.
  2. Falls der Evangelist Markus sein Evangelium im Jahr 69 n. Chr. schrieb, dachte er vielleicht an die Nachricht von der Inthronisation Vespasians zum Kaiser.
  3. Oliver Achilles: Auslegungssache. Ein Blog über die Interpretation der Bibel. - Die Geburt Gottes. Auf: auslegungssache.at vom 6. Januar 2015.
  4. Martin Ebner: Das Markusevangelium und der Aufstieg der Flavier. Eine politische Lektüre des ältesten „Evangeliums“. In: Bibel und Kirche. 2. Quartal 2011, S. 64 ff.
  5. Silke Lahn, Jan Christoph Meister: Einführung in die Erzähltextanalyse. Metzler, Stuttgart 2008/ 3., aktualisierte Auflage: Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02598-2, S. 19; 145.
  6. Gerd Häfner: Von Gott erzählen. Narrative Theologie im Neuen Testament. Vorlesung, Wintersemester 2012/13 Ludwig-Maximilians-Universität München (Volltext als PDF Auf: kaththeol.uni-muenchen.de.; zuletzt abgerufen am 14. März 2021).
  7. J. Alexander Bareis: Fiktionales Erzählen. Zur Theorie der literarischen Fiktion als Make-Believe (= Göteborger Germanistische Forschungen. Band 50), Acta Universitatis Gothoburgensis, Göteborg 2008, ISBN 978-91-7346-605-9 (Volltext als PDF; hier S. 51 f. Auf: portal.research.lu.se; zuletzt abgerufen am 14. März 2021).
  8. Ilse Muellner: Fiktion. Erstellt: September 2008 (hier 4. Die Fiktionalität biblischer Texte. Auf: bibelwissenschaft.de.; zuletzt abgerufen am 14. März 2021).
  9. Frank Zipfel: Fiktion, Fiktivität, Fiktionalität: Analysen zur Fiktion in der Literatur und zum Fiktionsbegriff in der Literaturwissenschaft. (= Allgemeine Literaturwissenschaft - Wuppertaler Schriften. (ALW) Band 2). Erich Schmidt Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-503-06111-8.
  10. Frank Zipfel: Fiktion und fiktionales Erzählen aus literaturtheoretischer Perspektive. S. 11–36 In: Susanne Luther, Jörg Röder, Eckart D. Schmidt (Hrsg.): Wie Geschichten Geschichte schreiben. Frühchristliche Literatur zwischen Faktualität und Fiktionalität (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament. 2. Reihe, Band 395). Mohr Siebeck, Tübingen 2015, ISBN 978-3-16-152634-3.
  11. Frank Zipfel: Fiktion, Fiktivität, Fiktionalität: Analysen zur Fiktion in der Literatur und zum Fiktionsbegriff in der Literaturwissenschaft. (= Allgemeine Literaturwissenschaft - Wuppertaler Schriften . (ALW) Band 2). Erich Schmidt Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-503-06111-2, S. 14 f.
  12. siehe hierzu auch Hayden White (1973) Hayden Virgil White : Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-10-091202-0 der den traditionellen Anspruch in der Historiographie, eine möglichst objektive Wiedergabe von historischen Fakten grundsätzlich in Frage stellte.
  13. Andreas Mauz: Erzählen im christlich-religiösen Diskurs. S. 191–216 In: Christian Klein, Matías Martínez: Wirklichkeitserzählungen. Felder, Formen und Funktionen nicht-literarischen Erzählens. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2009, ISBN 978-3-476-02250-9, hier S. 206
  14. Marius Reiser: Sprache und literarische Formen des Neuen Testaments. Eine Einführung. (= UTB 2197), Schöningh, Paderborn u. a. 2001, ISBN 3-8252-2197-0
  15. Eduard Lohse: Studien zu Geschichte, Theologie und Wissenschaftsgeschichte. Vom einen Evangelium zu den vier Evangelien. Zu den Anfängen urchristlicher Literatur. De Gruyter, Berlin 2012 DOI: https://doi.org/10.1515/9783110285260.53 (Textauszug Volltext als PDF Auf: rep.adw-goe.de; hier S. 65 f.).
  16. Albrecht Dihle: Die Evangelien und die biographische Tradition der Antike. In: Zeitschrift für Theologie und Kirche. Band 80, Nr. 1, 1983, S. 33–49.
  17. ([1] auf bibelwissenschaft.de) hier „Evangelium“ als literaturtheoretischer Begriff
  18. Christoph Heil: Evangelium als Gattung. Erzähl- und Spruchevangelium. In: Thomas Hieke, Thomas Schmeller (Hrsg.): Das Spruchevangelium Q und der historische Jesus (= Stuttgarter Biblische Aufsatzbände. Band 58). Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-460-06581-9, S. 41–73. Zuerst in: Thomas Schmeller (Hrsg.): Historiographie und Biographie im Neuen Testament und seiner Umwelt (= Novum Testamentum et Orbis Antiquus/Studien zur Umwelt des Neuen Testaments. Band 69). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-460-06581-9.(Volltext als PDF Auf: academia.edu).
  19. The Gospel of Mark (Memento vom 13. September 2012 im Internet Archive)
  20. Francis Peloubet, Mary Peloubet: A dictionary of the Bible: comprising its antiquities, biography, geography, natural history and literature. Porter & Coates, 1884. S. 367.
  21. Geoffrey W. Bromiley: The International Standard Bible Encyclopedia. überarbeitete Neuauflage, Grand Rapids (Mich.) 1979, ISBN 0-8028-3785-9, S. 281 (eingeschränkte Buchvorschau bei books.google.com.au).
  22. Bruce Metzger: The Text of the New Testament. Its Transmission, Corruption, and Restoration. Fourth Edition, Oxford University Press, New York 2005, ISBN 0-19-516122-X.
  23. Kurt Aland, Barbara Aland: The text of the New Testament: an introduction to the critical editions and to the theory and practice of modern textual criticism. 2nd, revised and enlarged edition, Eerdmans, Grand Rapids 1995, ISBN 0-8028-4098-1.
  24. Martin Hengel: Die vier Evangelien und das eine Evangelium von Jesus Christus. Tübingen 2008, S. 170, 99, 72.
  25. Encyclopædia Britannica. (Ausgabe 1913): „Tatsächlich steht bei keinem der Bücher dessen Schreiber deutlicher fest als beim Buch Matthäus. Angefangen von Papias, Justin dem Märtyrer, Irenäus, Tatian, Theophilus, Clemens, Tertullian und Origenes, wird dies einstimmig anerkannt.“
  26. Franz Graf-Stuhlhofer: Auf der Suche nach dem historischen Jesus – über die Glaubwürdigkeit der Evangelien und die Zweifel der Skeptiker. Heroldverlag, Leun 2013, ISBN 978-3-88936-074-8, S. 40 f.
  27. Martin Hengel, Anna Maria Schwemer: Jesus und das Judentum (= Geschichte des frühen Christentums. Band 1), Mohr Siebeck, Tübingen 2007, ISBN 978-3-16-149359-1, S. 197. Vergleiche mit anderen Persönlichkeiten wie Augustus oder Mohammed: S. 193–198.
  28. Albert Huck: Deutsche Evangelien-Synopse. Mohr, Tübingen 1928, S. 9.
  29. https://www.britannica.com/topic/Diatessaron
Normdaten (Werk): GND:4015806-8(OGND, AKS) | | Anmerkung: Ansetzungsform „Bibel. Evangelien“.

Evangelium (Literaturgattung)
evangelium, literaturgattung, eine, beschreibung, lebens, jesu, sprache, beobachten, bearbeiten, weitergeleitet, evangelium, buch, evangelium, bezeichnet, außer, christlichen, glaubensbotschaft, auch, eine, antike, frühchristliche, literaturgattung, sich, lebe. Evangelium Literaturgattung eine Beschreibung des Lebens Jesu Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Evangelium Buch Als Evangelium bezeichnet man ausser der christlichen Glaubensbotschaft auch eine antike fruhchristliche Literaturgattung die sich mit dem Leben und Tod Jesu und dessen Bedeutung fur die Christen auseinandersetzt Mit den Evangelien in diesem Sinne sind meistens Erzahlungen der vier Evangelien nach Matthaus Markus Lukas und Johannes im Neuen Testament der Bibel gemeint Die Verfasser der vier Evangelien werden auch als Evangelisten bezeichnet Altestes bekanntes Fragment eines Evangelientextes P displaystyle mathfrak P 52 Johannesfragment Vorderseite recto entstanden um 125 n Chr Neues TestamentEvangelienMatthaus Markus Lukas JohannesApostelgeschichtePaulusbriefeRomer 1 Korinther 2 Korinther Galater Epheser Philipper Kolosser 1 Thessalonicher 2 Thessalonicher 1 Timotheus 2 Timotheus Titus Philemon HebraerKatholische BriefeJakobus 1 Petrus 2 Petrus 1 Johannes 2 Johannes 3 Johannes JudasOffenbarung Daruber hinaus sind noch eine ganze Reihe weiterer Evangelien uberliefert die nicht zum biblischen Kanon gehoren und die zu den neutestamentlichen Apokryphen gerechnet werden In der Spatantike wurden im 39 Osterfestbrief durch Athanasius im Jahre 367 n Chr mehr als zwanzig in griechischer Sprache verfasste Schriften darunter u a auch die drei synoptischen Evangelien als neutestamentliches Bibelkanon anerkannt Inhaltsverzeichnis 1 Begriffsgeschichte 2 Das Narrativ der Evangelien 2 1 Beziehung zum Aufbau hellenistischer Biografien 3 Die vier neutestamentlichen Evangelien 4 Siehe auch 5 Literatur 6 Weblinks 7 Einzelnachweise und AnmerkungenBegriffsgeschichte BearbeitenDer Begriff Evangelium kommt aus dem Altgriechischen eὐaggelion euangelion deutsch gute Nachricht oder frohe Botschaft 1 In der griechischen Ubersetzung des Alten Testaments der Septuaginta findet sich der Begriff evangelion mehrmals in Szenen in denen einem Konig die Nachricht von einem militarischen Sieg aus einer gewaltsamen Auseinandersetzung uberbracht wird Im nachexilischen Judentum war mit Evangelium vor allem die vom Propheten Jesaja angesagte Heilsbotschaft gemeint 40 9 12 EU Im Imperium Romanum bezeichnete dieser Begriff solche Nachrichten aus dem Kaiserhaus die als gute Nachrichten aufgefasst wurden 2 Die alteste Belegstelle findet sich in der steinernen Kalenderinschrift von Priene datiert auf 9 v Chr in der es uber den Geburtstag des vergottlichten Kaisers Augustus 23 September 63 v Chr heisst ἦr3en dὲ tᾦ kosmῳ tῶn di aὐtὸn eὐaggeliwn ἡ geneϑlios toῦ ϑeoῦ Der Geburtstag des Gottes hat fur die Welt die an ihn sich knupfenden Freudenbotschaften Evangelien heraufgefuhrt Ubersetzung Adolf von Harnack 3 Bei Markus 1 1 EU erhalt der Begriff eine kontrastierende Bedeutung in der Anwendung auf Jesus von Nazareth 4 Er bezeichnet damit die Frohbotschaft vom Heilsgeschehen in Jesus Christus Diese Frohbotschaft ist ursprunglich nicht etwas schriftlich Fixiertes sondern mundliche Verkundigung Der Autor schuf durch Verwendung des Begriffs Evangelium fur ein schriftliches Werk das erste Beispiel dieser Gattung und gab ihr zugleich diesen Namen Einige Kirchenvater bezeichneten uber die vier kanonischen Evangelien hinaus das gesamte Neue Testament als Evangelium Die Bezeichnung Evangelium im Zusammenhang mit den kanonischen Evangelienschriften findet sich bei dem Kirchenvater Irenaus Das Evangelium als die eine Botschaft von Jesus Christus in vier Formen nach oder gemass Matthaus Markus Lukas und Johannes Der Kirchenvater Justinus verwendet den Ausdruck in beiden Bedeutungen Das Narrativ der Evangelien BearbeitenDurch den Theologen Johann Baptist Metz und den Romanisten Harald Weinrich tauchte der Begriff der narrativen Theologie erstmals ab den 1970er Jahren im deutschen theologischen Diskurs auf Da die Evangelien als eine Form von Erzahlungen im erzahltheoretischen Verstandnis aufgefasst werden konnen zeigt ihre Textanalyse zum einen eine Vermittlungsinstanz einen Erzahler der den Rezipienten durch das Werk fuhrt zum anderen spiegelt sich in der Geschichte eine doppelte Zeitlichkeit Die erzahlte Zeit ist die welche die Geschichte zeitlich strukturiert die Zeit des Geschehens und die Erzahlzeit die Zeit der Erzahlung selbst also den Zeitraum den die Geschichte benotigt um das Narrativ wiederzugeben 5 In den Erzahlungen werden Ereignisse und deren Veranderungen Diegesis prasentiert 6 Inwieweit es sich bei den Evangelien um ein rein faktuales Erzahlen im Sinne einer Geschichtsschreibung oder um ein fiktionales Erzahlen handelt bleibt im theologischen Diskurs ungeklart Eine literarische Erzahlung aber handelt von Fiktivem und ist somit fiktional Es sind letztlich Erzahlungen die keine Forderung nach einer Uberprufbarkeit an einer aussersprachlichen Wirklichkeit implizieren 7 8 Frank Zipfel 2001 9 beschrieb die Fiktivitat als eine Fiktion in Zusammenhang mit Geschichte sodass die geschilderten Ereignisse nicht den Tatsachen entsprachen sie seien erfunden Wahrend die Fiktionalitat als Fiktion im Zusammenhang mit dem Erzahlen erklart wurden sie stunden in Relation zur Erzahlerfigur und zum Erzahlakt 10 Eine Fiktion wird in den literarischen Produktionen im Zusammenhang mit dem Phantasierten Erdachten oder Erfundenen gestellt dass als etwas ausgedachtes den Charakter des Nicht Wirklichen einnimmt und damit einhergehend die dargestellten Personen Figuren Orte Ereignisse Sachverhalte Handlungen und Gegenstande als nicht real wertet da sie keine Entsprechung in der Realitat haben Figuren sind keine realen Personen die dargestellte Geschichte beruht nicht auf tatsachliche Ereignisse in der Realitat und dennoch konnen fiktive Texte auch immer Elemente der wirklichen Welt enthalten 11 Mit dem begrifflichen Instrumentarium der narrativen Analyse wird ein Text im Sinne seines Erzahlcharakters interpretiert was mit einer Beschrankung der narrativen Analyse auf Erzahltexte als solche einhergeht Mit der Ubernahme dieses Literaturwissenschaften Verfahren in die neutestamentliche Exegese offnen sich erweiterte Interpretationsmoglichkeiten der einzelnen Textelemente auf denen etwa der Spannungsbogen die Figuren und die Perspektive der Erzahler beruhten Nach Gerd Hafner konnten die Evangelien als faktuale Erzahlungen mit fiktionalen Elementen angesehen werden 12 Mauz 13 sieht nach Reiser 2001 14 die Grossform der Evangelien den discours im Sinne von Gerard Genette durch eine Vielzahl von literarischen Kleinformenen konstituiert so durch verschiedene Erzahlformen etwa Anekdoten Wundergeschichten Gleichnisse Genealogien Erzahlmuster wie etwa Verkundungsschemata Berufunsschemata Redeformen wie etwa des Vorworts Spruchs Abschiedsrede Katalog Haustafel Gebet Hymnus Akklamation und auch liturgische und Bekenntnisformeln Stiltypen etwa Diatribe Paranese Beziehung zum Aufbau hellenistischer Biografien Bearbeiten Mit dem Begriff der literarischen Gattung wird ein formaler Begriff bestimmt der nichts uber den Inhalt des Textes aussagt vielmehr zur Analyse von Textformen als solches genutzt wird Ein Charakteristikum der Evangelien ist dass der oder die Autoren in der gelaufigen altgriechischen Umgangssprache der Koine schrieben in der sich die Menschen im Alltag ausserten und verstandigten 15 Die Evangelien knupften an dem Aufbau antiker Romane 16 und Biografien Griechische Literatur an Sie verwendeten ahnliche Stilmittel wie sie in den antiken hellenistischen Biografien einem Kompositum aus altgriechisch bios bios deutsch Leben und grafw graphō deutsch ritzen malen schreiben gefunden werden konnen etwa die dreigliedrige Gesamtform literarische Topoi der Darstellung und Ausbreitung der verborgenen Identitat in einem ausgebreiteten exemplarischen Leben sowie deren erzahlerische Vergegenwartigung der Hauptfigur mit der Intention die Vorstellungswelt des Rezipienten zu bewegen 17 Wahrend die hellenistischen Biografien keinem festgelegten Muster folgten vielmehr blieben sie in ihrem Aufbau offen fuhrten die Evangelien andererseits um die Hauptfigur Jesu seinen Beginn mit Geburt Jesu Taufe Passionsgeschichte Wunderberichte Streitgesprache sein Ende mit Kreuzigung und Auferstehung als narrative Elemente seiner Vergegenwartigung und Wirkmachtigkeit an 18 Die vier neutestamentlichen Evangelien BearbeitenAls Evangelien gelten die am Beginn des Neuen Testaments NT stehenden vier Bucher Sie berichten uber das Wirken Jesu und entstanden mehrere Jahrzehnte nach dem Wirken Jesu Nach allgemeinem Konsens der Bibelwissenschaftler ist die ursprungliche Sprache aller vier neutestamentlichen Evangelien das Griechische 19 20 21 22 23 Die Verfasserangaben wie Evangelium nach Matthaus usw gehoren nicht zum ursprunglichen Text der Evangelien wurden aber fruh hinzugefugt und sind in der gesamten Uberlieferung einheitlich 24 Es ist nicht nachvollziehbar ob die Namen tatsachlich die ursprunglichen Namen der Verfasser sind oder ob diese Namen einem nicht namentlich bekannten Verfasser sekundar zugeschrieben wurden Evangelium nach Matthaus Verfasser traditionell Matthaus Apostel und davor Zollner 25 Wirkungsbereich wahrscheinlich Persien Kaspisches Meer Griechenland eventuell Athiopien Adressaten vor allem Judenchristen mit guter Kenntnis der judischen Bibel Evangelium nach Markus Verfasser traditionell Johannes Markus kein Apostel soll Material fur seinen Bericht vom Apostel Petrus erhalten haben Wirkungsbereich wahrscheinlich Kleinasien Griechenland Rom Agypten Adressaten vor allem Heidenchristen Evangelium nach Lukas Verfasser traditionell Lukas kein Apostel war Arzt und einer der Begleiter des Paulus sein Bericht unterscheidet sich von den anderen durch gehobene Sprache Wirkungsbereich wahrscheinlich Jerusalem Kleinasien Rom Adressaten vor allem gebildete Heidenchristen Evangelium nach Johannes Verfasser traditionell Johannes Apostel Wirkungsbereich wahrscheinlich Jerusalem Kleinasien Adressaten allgemein Christen deren Glaube vertieft werden soll Die Entstehungszeit der neutestamentlichen Evangelien liegt zwischen 30 oder 33 n Chr dem Jahr der Kreuzigung Jesu und ungefahr 120 n Chr Belege des fruhen 2 Jahrhunderts Der Papyrus 52 P displaystyle mathfrak P 52 ein Fragment des Johannesevangeliums aus der Zeit Kaiser Hadrians und Kirchenvater Zitate In der theologischen Forschung vertritt kaum jemand die Fruhdatierung eines Evangeliums in die 30er Jahre es gibt aber seit der Antike die These eines Urevangeliums Die Diskussionen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen einer mittleren Datierung der Evangelien um 60 n Chr und einer Spatdatierung um 85 n Chr 26 Trotz des nur kurzen offentlichen Wirkens Jesu gibt es also von ihm zeitlich nahere biographische Darstellungen als von den meisten antiken Personlichkeiten 27 z B wurde die fruheste noch erhaltene Biographie uber Augustus ein Jahrhundert nach dessen Tod von Sueton geschrieben uber Mohammed zwei Jahrhunderte nach dessen Tod von Ibn Hischam Um die Entstehungszeit der Evangelien zu bestimmen werden folgende Kriterien zugrundegelegt Stilistische Eigenheiten wechselseitige Bezuge der Texte theologische Unterschiede und Bezugnahmen auf historische Fakten In der folgenden Tabelle finden sich einige Datierungsversuche Evangelium Adolf von Harnack 1851 1930 John A T Robinson 1919 1983 Werner G Kummel 1905 1995 Klaus Berger 1940 2020 Heute mehrheitlichMatthaus 70 75 n Chr 40 60 80 100 71 80 90Markus 65 70 n Chr 45 60 ca 70 vor 70 um 70Lukas 79 93 n Chr 57 60 70 90 65 71 80 90Johannes 80 110 n Chr 40 65 90 100 68 69 um 100 Obwohl die ersten drei Evangelien viele Begebenheiten ahnlich berichten und der Inhalt des kurzeren Markus Evangeliums grosstenteils in den langeren nach Matthaus und Lukas enthalten ist 28 wurden alle vier Evangelien fur den kirchlichen Gebrauch beibehalten Es wurde weder beispielsweise das Markus Evangelium weggelassen noch trat eine Evangelienharmonie d h eine aus den vier Evangelien zusammengestellte durchgehende Erzahlung an die Stelle der Evangelien allerdings wurde die von Tatian erstellte Evangelienharmonie Diatessaron in der syrischen Kirche bis ins 4 Jh benutzt 29 aber dann von den ursprunglichen Evangelien verdrangt Die entstehende Grosskirche entschied sich dafur diese vier in den christlichen Gemeinden gebrauchten Evangelien gesondert in den neutestamentlichen Kanon aufzunehmen Siehe dazu auch neutestamentliche Apokryphen Neben den vier genannten Evangelien kursierten ab dem 2 Jahrhundert viele pseudepigraphe Evangelien die spater nicht in den Kanon aufgenommen und als apokryphe Evangelien bezeichnet werden Von ihnen sind u a uberliefert das Thomasevangelium das Petrusevangelium das Judasevangelium das Evangelium der Wahrheit und das Philippusevangelium Von diesen Evangelien sind zum Teil nur Fragmente oder Zitate bei Kirchenvatern erhalten Siehe auch Bearbeiten Wiktionary Evangelium Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Evangelium Glaube Biblische Einleitungswissenschaft Biblische Exegese Liste biblischer Bucher Synoptische Evangelien Synoptisches Problem Indschil Nag Hammadi SchriftenLiteratur Bearbeiten fur einfuhrende bibelwissenschaftliche Grundinformationen siehe die unter Bibel notierten bibelkundlichen Handbucher Johannes Joachim Degenhardt Hans Thimme Reinhard Wegner Hrsg Die Datierung der Evangelien Symposion des Instituts fur Wissenschaftstheoretische Grundlagenforschung vom 20 23 Mai 1982 in Paderborn 3 Auflage Deutsches Institut fur Bildung und Wissen Paderborn 1986 Detlev Dormeyer Evangelium als literarische und theologische Gattung Ertrage der Forschung Band 263 Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1989 Dirk Frickenschmidt Evangelium als Biographie die vier Evangelien im Rahmen antiker Erzahlkunst Texte und Arbeiten zum neutestamentlichen Zeitalter Band 22 Francke Tubingen 1997 ISBN 3 7720 1873 4 Martin Hengel Die vier Evangelien und das eine Evangelium von Jesus Christus Studien zu ihrer Sammlung und Entstehung Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament Band 224 Mohr Siebeck Tubingen 2008 ISBN 3 16 149663 9 Kilian Ruckstuhl Hans Weder Neue Zurcher Evangeliensynopse Theologischer Verlag Zurich 1996 Gerd Theissen Die Entstehung des Neuen Testaments als literaturgeschichtliches Problem Schriften der Philosophisch historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 2 aktualisierte Edition Universitatsverlag Winter Heidelberg 2011 ISBN 978 3 82535 323 0 Dirk Wordemann Das Charakterbild im bios nach Plutarch und das Christusbild im Evangelium nach Markus Studien zur Geschichte und Kultur des Altertums Neue Folge 1 19 Schoningh Paderborn 2002 ISBN 3 506 79069 2 Die Evangelisten In Welt und Umwelt der Bibel Ausgabe 2 14 Katholisches Bibelwerk Stuttgart ISBN 978 3 944766 43 0 neuere Forschungsergebnisse zu biographischen Daten der vier Evangelisten Weblinks Bearbeiten Commons Gospels Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Detlev Dormeyer Evangelium In Michaela Bauks Klaus Koenen Stefan Alkier Hrsg Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet WiBiLex Stuttgart 2006 ff abgerufen am 2 August 2012 Evangelientexte nach der Einheitsubersetzung beginnend mit dem Evangelium nach Matthaus Evangelientexte nach der Lutherubersetzung Alan Bill Gospel Origins PDF 3 1 MB A bibliography of the critical study of the process by which the traditions of Jesus became the canonical gospels 9 April 2009 S 752 abgerufen am 2 August 2012 englisch Auswahlbibliographie gefuhrt bis Ende 2000 Einzelnachweise und Anmerkungen Bearbeiten zu altgriechisch eὐaggelion eu ange lion deutsch Lohn fur das Uberbringen einer guten Nachricht oder verkurzt gute Nachricht im Sinne einer konkreten Siegesbotschaft Falls der Evangelist Markus sein Evangelium im Jahr 69 n Chr schrieb dachte er vielleicht an die Nachricht von der Inthronisation Vespasians zum Kaiser Oliver Achilles Auslegungssache Ein Blog uber die Interpretation der Bibel Die Geburt Gottes Auf auslegungssache at vom 6 Januar 2015 Martin Ebner Das Markusevangelium und der Aufstieg der Flavier Eine politische Lekture des altesten Evangeliums In Bibel und Kirche 2 Quartal 2011 S 64 ff Silke Lahn Jan Christoph Meister Einfuhrung in die Erzahltextanalyse Metzler Stuttgart 2008 3 aktualisierte Auflage Stuttgart 2016 ISBN 978 3 476 02598 2 S 19 145 Gerd Hafner Von Gott erzahlen Narrative Theologie im Neuen Testament Vorlesung Wintersemester 2012 13 Ludwig Maximilians Universitat Munchen Volltext als PDF Auf kaththeol uni muenchen de zuletzt abgerufen am 14 Marz 2021 J Alexander Bareis Fiktionales Erzahlen Zur Theorie der literarischen Fiktion als Make Believe Goteborger Germanistische Forschungen Band 50 Acta Universitatis Gothoburgensis Goteborg 2008 ISBN 978 91 7346 605 9 Volltext als PDF hier S 51 f Auf portal research lu se zuletzt abgerufen am 14 Marz 2021 Ilse Muellner Fiktion Erstellt September 2008 hier 4 Die Fiktionalitat biblischer Texte Auf bibelwissenschaft de zuletzt abgerufen am 14 Marz 2021 Frank Zipfel Fiktion Fiktivitat Fiktionalitat Analysen zur Fiktion in der Literatur und zum Fiktionsbegriff in der Literaturwissenschaft Allgemeine Literaturwissenschaft Wuppertaler Schriften ALW Band 2 Erich Schmidt Verlag Berlin 2001 ISBN 3 503 06111 8 Frank Zipfel Fiktion und fiktionales Erzahlen aus literaturtheoretischer Perspektive S 11 36 In Susanne Luther Jorg Roder Eckart D Schmidt Hrsg Wie Geschichten Geschichte schreiben Fruhchristliche Literatur zwischen Faktualitat und Fiktionalitat Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 2 Reihe Band 395 Mohr Siebeck Tubingen 2015 ISBN 978 3 16 152634 3 Frank Zipfel Fiktion Fiktivitat Fiktionalitat Analysen zur Fiktion in der Literatur und zum Fiktionsbegriff in der Literaturwissenschaft Allgemeine Literaturwissenschaft Wuppertaler Schriften ALW Band 2 Erich Schmidt Verlag Berlin 2001 ISBN 978 3 503 06111 2 S 14 f siehe hierzu auch Hayden White 1973 Hayden Virgil White Metahistory Die historische Einbildungskraft im 19 Jahrhundert in Europa Fischer Frankfurt am Main 1991 ISBN 3 10 091202 0 der den traditionellen Anspruch in der Historiographie eine moglichst objektive Wiedergabe von historischen Fakten grundsatzlich in Frage stellte Andreas Mauz Erzahlen im christlich religiosen Diskurs S 191 216 In Christian Klein Matias Martinez Wirklichkeitserzahlungen Felder Formen und Funktionen nicht literarischen Erzahlens J B Metzler Stuttgart Weimar 2009 ISBN 978 3 476 02250 9 hier S 206 Marius Reiser Sprache und literarische Formen des Neuen Testaments Eine Einfuhrung UTB 2197 Schoningh Paderborn u a 2001 ISBN 3 8252 2197 0 Eduard Lohse Studien zu Geschichte Theologie und Wissenschaftsgeschichte Vom einen Evangelium zu den vier Evangelien Zu den Anfangen urchristlicher Literatur De Gruyter Berlin 2012 DOI https doi org 10 1515 9783110285260 53 Textauszug Volltext als PDF Auf rep adw goe de hier S 65 f Albrecht Dihle Die Evangelien und die biographische Tradition der Antike In Zeitschrift fur Theologie und Kirche Band 80 Nr 1 1983 S 33 49 1 auf bibelwissenschaft de hier Evangelium als literaturtheoretischer Begriff Christoph Heil Evangelium als Gattung Erzahl und Spruchevangelium In Thomas Hieke Thomas Schmeller Hrsg Das Spruchevangelium Q und der historische Jesus Stuttgarter Biblische Aufsatzbande Band 58 Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2014 ISBN 978 3 460 06581 9 S 41 73 Zuerst in Thomas Schmeller Hrsg Historiographie und Biographie im Neuen Testament und seiner Umwelt Novum Testamentum et Orbis Antiquus Studien zur Umwelt des Neuen Testaments Band 69 Vandenhoeck amp Ruprecht Gottingen 2009 ISBN 978 3 460 06581 9 Volltext als PDF Auf academia edu The Gospel of Mark Memento vom 13 September 2012 im Internet Archive Francis Peloubet Mary Peloubet A dictionary of the Bible comprising its antiquities biography geography natural history and literature Porter amp Coates 1884 S 367 Geoffrey W Bromiley The International Standard Bible Encyclopedia uberarbeitete Neuauflage Grand Rapids Mich 1979 ISBN 0 8028 3785 9 S 281 eingeschrankte Buchvorschau bei books google com au Bruce Metzger The Text of the New Testament Its Transmission Corruption and Restoration Fourth Edition Oxford University Press New York 2005 ISBN 0 19 516122 X Kurt Aland Barbara Aland The text of the New Testament an introduction to the critical editions and to the theory and practice of modern textual criticism 2nd revised and enlarged edition Eerdmans Grand Rapids 1995 ISBN 0 8028 4098 1 Martin Hengel Die vier Evangelien und das eine Evangelium von Jesus Christus Tubingen 2008 S 170 99 72 Encyclopaedia Britannica Ausgabe 1913 Tatsachlich steht bei keinem der Bucher dessen Schreiber deutlicher fest als beim Buch Matthaus Angefangen von Papias Justin dem Martyrer Irenaus Tatian Theophilus Clemens Tertullian und Origenes wird dies einstimmig anerkannt Franz Graf Stuhlhofer Auf der Suche nach dem historischen Jesus uber die Glaubwurdigkeit der Evangelien und die Zweifel der Skeptiker Heroldverlag Leun 2013 ISBN 978 3 88936 074 8 S 40 f Martin Hengel Anna Maria Schwemer Jesus und das Judentum Geschichte des fruhen Christentums Band 1 Mohr Siebeck Tubingen 2007 ISBN 978 3 16 149359 1 S 197 Vergleiche mit anderen Personlichkeiten wie Augustus oder Mohammed S 193 198 Albert Huck Deutsche Evangelien Synopse Mohr Tubingen 1928 S 9 https www britannica com topic DiatessaronNormdaten Werk GND 4015806 8 OGND AKS Anmerkung Ansetzungsform Bibel Evangelien Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Evangelium Literaturgattung amp oldid 214550905, wikipedia, wiki, deutsches

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