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Erstbeschreibung

Als Erstbeschreibung bezeichnet man in der Biologie und der Paläobiologie die erstmalige, bestimmten formalen Ansprüchen genügende wissenschaftliche Beschreibung eines der Wissenschaft bisher unbekannten Lebewesens. Insbesondere ist die Erstbeschreibung die entscheidende Grundlage für die Vergabe eines wissenschaftlichen Namens für eine Art. Aufgrund der hohen Bedeutung der Art als grundlegender Einheit der biologischen Wissenschaft gelten dafür strenge, formalisierte Regeln.

Die Erstbeschreibung ist ein Akt der Taxonomie und als solche unabhängig vom verwendeten Artkonzept. Eine Art als Taxon ist jede den Regeln entsprechend benannte taxonomische Einheit. Die biologische Nomenklatur soll sicherstellen, dass jeder Organismus einen wissenschaftlichen Namen erhalten kann und dass es für jeden Organismus möglichst nur einen eindeutigen gültigen Namen gibt.

Inhaltsverzeichnis

Um eine Gruppe von Individuen als Art beschreiben zu können, ist es zunächst notwendig, sie von anderen Individuen, die bereits beschrieben worden sind, abzugrenzen. Diese Abgrenzung muss der Beschreibung notwendigerweise vorausgehen und stellt ein unabhängiges Problem dar. Für diese Abgrenzung werden Merkmale gesammelt und die Individuen auf dieser Basis miteinander verglichen. Findet man dabei eine abgrenzbare Gruppe von Individuen, deren Merkmalskombination in systematischer Weise von derjenigen einer anderen Gruppe abweicht, hat man Kandidaten für zwei verschiedene Arten vor sich. Das kann im Prinzip auch mit einem einzelnen Exemplar geschehen, dies ist aber riskant, weil die Individuen auch innerhalb einer Art oft eine merkliche Variabilität aufweisen; es ist nicht verboten, sollte aber nach Möglichkeit vermieden werden. Im nächsten Schritt muss sichergestellt werden, dass die so umgrenzten Gruppen nicht bereits vorher erstbeschrieben wurden, d. h. bereits einen gültigen Namen erhalten haben. Erhält eine solche Gruppe irrtümlich später ein zweites Mal einen Namen, ist dieser zwar gültig publiziert, wenn er den Regeln entsprach, wird aber von der Wissenschaft nicht verwendet werden, wenn die Identität bemerkt wird. Man nennt dies ein Synonym. Ist eine Gruppe (diese sollte einer Population entsprechen. Dies ist aber nicht direkt feststellbar) anhand eindeutiger Merkmale abgegrenzt worden, die noch keinen gültigen Namen besitzt, hat man einen Kandidaten für eine neue Art vor sich. Für diese erfolgt anschließend die Erstbeschreibung.

Die Erstbeschreibung ist also unabhängig von der Entdeckung und von der Abgrenzung und Identifizierung der Art. Sie erfolgt immer später als diese, in einigen Fällen erst Jahrzehnte später. Es reicht nicht aus, die neue Einheit erkannt zu haben, es ist immer erforderlich, sie in die Systematik der Biologie einzuordnen. Dazu sind ihre Merkmale mit allen möglicherweise relevanten Veröffentlichungen abzugleichen, die über verwandte oder vergleichbare Gruppen bereits geschrieben worden sind. In vielen Fällen reicht auch dies nicht aus, weil vor allem ältere Beschreibungen unvollständig sein können. Dann müssen in Museen und Sammlungen hinterlegte Individuen direkt verglichen werden, im Falle von DNA auch in Datenbanken hinterlegte Referenz-Sequenzen.

Die Beschreibung einer Art erfolgt im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation. Was dabei als „Publikation“ anerkannt wird und was nicht, ist in den verwendeten Codes geregelt. Die Art kann in einem eigenständigen Werk beschrieben werden, oft geschieht dies aber bei der sorgfältigen Überarbeitung einer ganzen Organismengruppe (Revision oder Monographie genannt) oder im Rahmen eines Katalogs, der auch alle bereits beschriebenen und bekannten Arten auflistet. Damit die Art beschrieben werden kann, muss die beschreibende Arbeit also von der Zeitschrift oder dem Verlag, in dem sie erscheinen soll, angenommen werden; sie muss also den üblichen Formalien einer wissenschaftlichen Publikation (in der Regel mit Zusammenfassung, Einleitung, Methodik, Ergebnissen, Diskussion, Referenzen) entsprechen. Aus der Arbeit muss unmissverständlich hervorgehen, dass darin eine neue Art beschrieben werden soll. Dazu ist der vom Erstbeschreiber vorgeschlagene und den Regeln des entsprechenden Codes entsprechende neue Artname, gefolgt von „nova species“ (bzw. „new species“, sehr oft abgekürzt „n.sp.“), in der Arbeit anzugeben. Als nächstes ist eine Diagnose der Merkmale der neuen Art erforderlich. Dazu werden die relevanten Merkmale, oft stichwortartig, beschrieben, so dass die neue Art wiedererkannt und von anderen verwandten Arten abgegrenzt werden kann. Heute sind auch Zeichnungen oder Fotos der Merkmale üblich. Die Einführung eines Artnamens ohne Diagnose ist nicht gestattet. Es ist aber in keinem der Codes festgeschrieben, was eine Diagnose enthalten muss, diese ist nicht formalisiert (eine solche Formalisierung wurde schon vorgeschlagen, diese hat sich aber nicht durchgesetzt). Im Falle von Kryptospezies besteht sie unter Umständen nur aus einer DNA-Sequenz (obwohl einige Taxonomen eine solche Art nicht anerkennen würden). In der Regel wird es sich aber um eine morphologische Differentialdiagnose handeln, bei der die Merkmale der neuen Art denen der bereits beschriebenen gegenübergestellt werden, um deren Unterschiede herauszuarbeiten. In der Botanik war es bis 2011 Vorschrift, dass die Diagnose (zumindest auch) in Latein erfolgte (Artikel 38), seitdem ist zusätzlich auch Englisch gestattet.

Die Beschreibung kann, muss aber nicht, weitere Angaben, etwa zur Ökologie und Verbreitung der neuen Art, enthalten. Diese müssen nur dann enthalten sein, wenn entsprechende Eigenschaften (z. B. Verhalten) selbst als Merkmale dienen sollen.

Bei der Beschreibung muss ein Individuum festgelegt werden, das als Typus archiviert wird (im Falle von Bakterienarten: eine Bakterienkultur) (nur in seltenen Ausnahmefällen genügt eine Illustration). Er soll als Referenz für Vergleiche eine sichere Bestimmung später gefundener Exemplare erlauben. Der Artname der neu beschriebenen Art ist an den Typus gekoppelt, nicht an die Beschreibung. Damit soll nomenklatorische Stabilität sichergestellt werden. In vielen Fällen ist es so, dass in Organismengruppen neue diagnostische Merkmale entdeckt werden, nach denen Arten abgetrennt werden können. Diese können, weil neu, in der ursprünglichen Diagnose nicht enthalten sein. Wenn nun das, was vorher als eine Art galt, in zwei neue aufgespalten wird, ist es nicht ohne weiteres möglich, zu entscheiden, welche davon der ursprünglichen Beschreibung zugrunde gelegen hat. In diesem Falle werden die neuen Bearbeiter den Typus zu Rate ziehen, an dem sie die Merkmale überprüfen. Diejenigen Organismen, die mit dem Typus übereinstimmen, behalten den bisherigen Namen.

Die Regeln, die für die Benennung und Beschreibung von Arten einzuhalten sind, sind in den Nomenklaturcodes niedergelegt. Aus historischen Gründen gibt es dabei nicht einen Code für alle Organismen, sondern getrennte Regelwerke,

die sich jeweils in Details unterscheiden.

Die Codes sind vor allem für die Form des Namens wesentlich, während für die Erstbeschreibung selbst die Unterschiede geringer sind.

Kriterien: Zoologie

Die Erstbeschreibung musste bis 2011 in einem gedruckten Werk stattfinden, seither ist eine elektronische Kopie mit fixiertem Inhalt und Layout, z. B. ein PDF-Dokument, zulässig (Artikel 8). Es muss ein physikalisches Objekt, entweder Papier oder ein vervielfältigter Optischer Datenspeicher, vorliegen, im Falle einer Publikation im Internet (erst seit 2011 erlaubt) muss die Publikation im Official Register of Zoological Nomenclature (ZooBank) registriert worden sein. Weiterhin nicht erlaubt sind z. B. Fotokopien, Vortragsskripte, Sammlungsetikette, Mikrofilme, Audiodateien, aber auch Vorveröffentlichungen. Nicht die Publikation selbst, aber zumindest der Name muss in lateinischen Buchstaben geschrieben sein (Artikel 11). Der neue Name muss (seit 1999) ausdrücklich als neu gekennzeichnet sein (Artikel 16).

Kriterien: Botanik

Auch in der Botanik sind seit 2012 neben gedruckten Werken elektronisch publizierte, zum Beispiel PDF-Dateien, für die Erstbeschreibung zulässig (Artikel 29). Für elektronische Publikationen wird die Vorlage einer ISBN bzw. ISSN verlangt. Auch hier sind zum Beispiel Vorträge, andere elektronische Medien und Vorveröffentlichungen / Rohfassungen ausgeschlossen. Korrekturen sind nur dann erlaubt, wenn sie eigenständig veröffentlicht werden und am Inhalt der Erstbeschreibung selbst nichts ändern. Nicht-wissenschaftliche Werke, wie Publikumszeitschriften und Kataloge, sind ausgeschlossen, aber auch (nicht separat veröffentlichte) Doktorarbeiten.

Ist eine Artbeschreibung nicht möglich, wie bei solchen Fossilien, bei denen aufgrund der unvollständigen Erhaltung die Artdiagnostik oft nicht gelingt, wird bei der Erstbeschreibung eine ungenauere Einordnung vorgenommen und sogenannte Parataxa werden aufgestellt. In der Paläobotanik spricht man bei solchen Partialnamen, die anhand von Teilen eines Organismus aufgestellt werden, von einer Form- oder Organgattung bzw. -art. Partialnamen werden aber auch in der Paläozoologie verwendet. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die zahnähnlichen Fossilien der Conodonten, die aufgrund ihrer weiten Verbreitung und ihres Formenreichtums ein sehr bedeutendes Leitfossil im Paläozoikum (Erdaltertum) darstellen, obwohl man das zugehörige „Conodonten-Tier“ lange Zeit nicht kannte und erst 1981 entdeckte.

Seit es möglich ist, die DNA relativ einfach und billig in großem Maßstab zu amplifizieren und zu sequenzieren, werden diese Sequenzen zunehmend auch als taxonomische Werkzeuge eingesetzt. Die Techniken des DNA-Barcoding erlauben es in vielen Fällen, auf anderer Grundlage beschriebene Arten schnell und sicher zu bestimmen. Zunehmend gibt es aber auch Bestrebungen, Sequenzen selbst als Merkmale für die Artbeschreibung einzusetzen, unter Umständen sogar als einziges Merkmal. Dieses Vorgehen ist in der Wissenschaft bis heute umstritten, gewinnt aber zunehmend an Einfluss. Befürworter argumentieren, dass es sich letztlich nur um einen neuen Typ von Merkmalen handelt, der sich nicht prinzipiell von morphologischen Merkmalen unterscheidet und unter Umständen neue Einsichten in Evolution und Biologie ermöglicht. Gegner weisen auf mögliche Gefahren und Missbrauchsmöglichkeiten hin. Es wurde aber wiederholt darauf hingewiesen, dass so gewonnene Daten nicht per se überlegen sind und dass weiterhin ein sorgfältiges Abwägen aller Merkmale notwendig bleibt.

Erstbeschreiber einer Art ist der Autor der wissenschaftlichen Veröffentlichung, in der die Art beschrieben wurde. Wurde die Arbeit von mehreren verfasst, sind sie alle Erstbeschreiber. Ausnahmen gibt es nur, wenn ein anderer ausdrücklich in der Arbeit selbst als Erstbeschreiber genannt wird oder wenn dies eindeutig erkennbar ist.

  • Judith E. Winston: Describing Species. Practical Taxonomic Procedure for Biologists. Columbia University Press, New York 1999, ISBN 0-231-06824-7.
  1. Ernst Mayr: What is a Species, and What is Not? In: Philosophy of Science. Band 63, 1996, S. 262–277 (
  2. L. G. Cook, R. D. Edwards, M. D. Crisp, N. B. Hardy: Need morphology always be required for new species descriptions? In: Invertebrate Systematics. Band 24, 2010, S. 322–332, DOI:10.1071/IS1001.
  3. Barry Bolton: How to conduct large-scale taxonomic revisions in Formicidae? In: R. R. Snelling, B. L. Fisher, P. S. Ward (Hrsg.): Advances In Ant Systematics (Hymenoptera: Formicidae): Homage To E. O. Wilson – 50 Years Of Contributions. In: Memoirs of the American Entomological Institute. Band 80, 2007, S. 52–71 (am Beispiel der Ameisen (Formicidae)).
  4. Andrew R. Deans, Matthew J. Yoder, James P. Balhoff: Time to change how we describe biodiversity. In: Trends in Ecology and Evolution. Band 27, Nr. 2, 2012, S. 78–84, doi:.
  5. Craig A. Burnside, Paul T. Smith, Srinivas Kambhampati: Three New Species of the Wood Roach, Cryptocercus (Blattodea: Cryptocercidae), from the Eastern United States. In: Journal of the Kansas Entomological Society. Band 72, Nr. 4, 1999, S. 361–378, JSTOR (ein Beispiel).
  6. Katharina M. Jörger, Michael Schrödl: How to describe a cryptic species? Practical challenges of molecular taxonomy. In: Frontiers in Zoology. Band 10, Nr. 59, 2013, S. 1–27, DOI:10.1186/1742-9994-10-59.
  7. Joan Pons, Timothy G. Barraclough, Jesus Gomez-Zurita, Anabela Cardoso, Daniel P. Duran, Steaphan Hazell, Sophien Kamoun, William D. Sumlin, Alfried P. Vogler: Sequence-Based Species Delimitation for the DNA Taxonomy of Undescribed Insects. In: Systematic Biology. Band 55, Nr. 4, 2006, S. 595–609, doi:.
  8. Leandro M. Santos, Luiz R. R. Faria: The taxonomy’s new clothes: a little more about the DNA-based taxonomy. In: Zootaxa. Band 3025, 2011, S. 66–68 ().
  9. Timothy J. Pages, Jane M. Hughes: Neither molecular nor morphological data have all the answers; with an example from Macrobrachium (Decapoda: Palaemonidae) from Australia. In: Zootaxa. Band 2874, 2011, S. 65–68 ().
Normdaten (Sachbegriff): GND:(, )

Erstbeschreibung
erstbeschreibung, erstmalige, bestimmten, formalen, ansprüchen, genügende, wissenschaftliche, beschreibung, eines, wissenschaft, bisher, unbekannten, lebewesens, sprache, beobachten, bearbeiten, bezeichnet, biologie, paläobiologie, erstmalige, bestimmten, form. Erstbeschreibung erstmalige bestimmten formalen Anspruchen genugende wissenschaftliche Beschreibung eines der Wissenschaft bisher unbekannten Lebewesens Sprache Beobachten Bearbeiten Als Erstbeschreibung bezeichnet man in der Biologie und der Palaobiologie die erstmalige bestimmten formalen Anspruchen genugende wissenschaftliche Beschreibung eines der Wissenschaft bisher unbekannten Lebewesens Insbesondere ist die Erstbeschreibung die entscheidende Grundlage fur die Vergabe eines wissenschaftlichen Namens fur eine Art Aufgrund der hohen Bedeutung der Art als grundlegender Einheit der biologischen Wissenschaft gelten dafur strenge formalisierte Regeln Die Erstbeschreibung ist ein Akt der Taxonomie und als solche unabhangig vom verwendeten Artkonzept 1 Eine Art als Taxon ist jede den Regeln entsprechend benannte taxonomische Einheit Die biologische Nomenklatur soll sicherstellen dass jeder Organismus einen wissenschaftlichen Namen erhalten kann und dass es fur jeden Organismus moglichst nur einen eindeutigen gultigen Namen gibt Inhaltsverzeichnis 1 Voraussetzungen 2 Inhalt der Beschreibung 3 Typus 4 Die Codes 4 1 Kriterien Zoologie 4 2 Kriterien Botanik 5 Parataxa 6 Erstbeschreibung anhand von DNA Sequenzen 7 Erstbeschreiber 8 Siehe auch 9 Quellen 10 EinzelnachweiseVoraussetzungen BearbeitenUm eine Gruppe von Individuen als Art beschreiben zu konnen ist es zunachst notwendig sie von anderen Individuen die bereits beschrieben worden sind abzugrenzen Diese Abgrenzung muss der Beschreibung notwendigerweise vorausgehen und stellt ein unabhangiges Problem dar 2 Fur diese Abgrenzung werden Merkmale gesammelt und die Individuen auf dieser Basis miteinander verglichen Findet man dabei eine abgrenzbare Gruppe von Individuen deren Merkmalskombination in systematischer Weise von derjenigen einer anderen Gruppe abweicht hat man Kandidaten fur zwei verschiedene Arten vor sich Das kann im Prinzip auch mit einem einzelnen Exemplar geschehen dies ist aber riskant weil die Individuen auch innerhalb einer Art oft eine merkliche Variabilitat aufweisen es ist nicht verboten sollte aber nach Moglichkeit vermieden werden 3 Im nachsten Schritt muss sichergestellt werden dass die so umgrenzten Gruppen nicht bereits vorher erstbeschrieben wurden d h bereits einen gultigen Namen erhalten haben Erhalt eine solche Gruppe irrtumlich spater ein zweites Mal einen Namen ist dieser zwar gultig publiziert wenn er den Regeln entsprach wird aber von der Wissenschaft nicht verwendet werden wenn die Identitat bemerkt wird Man nennt dies ein Synonym Ist eine Gruppe diese sollte einer Population entsprechen Dies ist aber nicht direkt feststellbar anhand eindeutiger Merkmale abgegrenzt worden die noch keinen gultigen Namen besitzt hat man einen Kandidaten fur eine neue Art vor sich Fur diese erfolgt anschliessend die Erstbeschreibung Die Erstbeschreibung ist also unabhangig von der Entdeckung und von der Abgrenzung und Identifizierung der Art Sie erfolgt immer spater als diese in einigen Fallen erst Jahrzehnte spater Es reicht nicht aus die neue Einheit erkannt zu haben es ist immer erforderlich sie in die Systematik der Biologie einzuordnen Dazu sind ihre Merkmale mit allen moglicherweise relevanten Veroffentlichungen abzugleichen die uber verwandte oder vergleichbare Gruppen bereits geschrieben worden sind In vielen Fallen reicht auch dies nicht aus weil vor allem altere Beschreibungen unvollstandig sein konnen Dann mussen in Museen und Sammlungen hinterlegte Individuen direkt verglichen werden im Falle von DNA auch in Datenbanken hinterlegte Referenz Sequenzen Inhalt der Beschreibung BearbeitenDie Beschreibung einer Art erfolgt im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation Was dabei als Publikation anerkannt wird und was nicht ist in den verwendeten Codes geregelt Die Art kann in einem eigenstandigen Werk beschrieben werden oft geschieht dies aber bei der sorgfaltigen Uberarbeitung einer ganzen Organismengruppe Revision oder Monographie genannt oder im Rahmen eines Katalogs der auch alle bereits beschriebenen und bekannten Arten auflistet Damit die Art beschrieben werden kann muss die beschreibende Arbeit also von der Zeitschrift oder dem Verlag in dem sie erscheinen soll angenommen werden sie muss also den ublichen Formalien einer wissenschaftlichen Publikation in der Regel mit Zusammenfassung Einleitung Methodik Ergebnissen Diskussion Referenzen entsprechen Aus der Arbeit muss unmissverstandlich hervorgehen dass darin eine neue Art beschrieben werden soll Dazu ist der vom Erstbeschreiber vorgeschlagene und den Regeln des entsprechenden Codes entsprechende neue Artname gefolgt von nova species bzw new species sehr oft abgekurzt n sp in der Arbeit anzugeben Als nachstes ist eine Diagnose der Merkmale der neuen Art erforderlich Dazu werden die relevanten Merkmale oft stichwortartig beschrieben so dass die neue Art wiedererkannt und von anderen verwandten Arten abgegrenzt werden kann Heute sind auch Zeichnungen oder Fotos der Merkmale ublich Die Einfuhrung eines Artnamens ohne Diagnose ist nicht gestattet Es ist aber in keinem der Codes festgeschrieben was eine Diagnose enthalten muss diese ist nicht formalisiert eine solche Formalisierung wurde schon vorgeschlagen 4 diese hat sich aber nicht durchgesetzt Im Falle von Kryptospezies besteht sie unter Umstanden nur aus einer DNA Sequenz obwohl einige Taxonomen eine solche Art nicht anerkennen wurden In der Regel wird es sich aber um eine morphologische Differentialdiagnose handeln bei der die Merkmale der neuen Art denen der bereits beschriebenen gegenubergestellt werden um deren Unterschiede herauszuarbeiten In der Botanik war es bis 2011 Vorschrift dass die Diagnose zumindest auch in Latein erfolgte Artikel 38 seitdem ist zusatzlich auch Englisch gestattet Die Beschreibung kann muss aber nicht weitere Angaben etwa zur Okologie und Verbreitung der neuen Art enthalten Diese mussen nur dann enthalten sein wenn entsprechende Eigenschaften z B Verhalten selbst als Merkmale dienen sollen Typus BearbeitenBei der Beschreibung muss ein Individuum festgelegt werden das als Typus archiviert wird im Falle von Bakterienarten eine Bakterienkultur nur in seltenen Ausnahmefallen genugt eine Illustration Er soll als Referenz fur Vergleiche eine sichere Bestimmung spater gefundener Exemplare erlauben Der Artname der neu beschriebenen Art ist an den Typus gekoppelt nicht an die Beschreibung Damit soll nomenklatorische Stabilitat sichergestellt werden In vielen Fallen ist es so dass in Organismengruppen neue diagnostische Merkmale entdeckt werden nach denen Arten abgetrennt werden konnen Diese konnen weil neu in der ursprunglichen Diagnose nicht enthalten sein Wenn nun das was vorher als eine Art galt in zwei neue aufgespalten wird ist es nicht ohne weiteres moglich zu entscheiden welche davon der ursprunglichen Beschreibung zugrunde gelegen hat In diesem Falle werden die neuen Bearbeiter den Typus zu Rate ziehen an dem sie die Merkmale uberprufen Diejenigen Organismen die mit dem Typus ubereinstimmen behalten den bisherigen Namen Die Codes BearbeitenDie Regeln die fur die Benennung und Beschreibung von Arten einzuhalten sind sind in den Nomenklaturcodes niedergelegt Aus historischen Grunden gibt es dabei nicht einen Code fur alle Organismen sondern getrennte Regelwerke fur die Tiere Zoologie den International Code of Zoological Nomenclature ICZN fur die Pflanzen Botanik den Internationalen Code der Nomenklatur fur Algen Pilze und Pflanzen ICN fur die Prokaryoten den International Code of Nomenclature of Bacteria die sich jeweils in Details unterscheiden Die Codes sind vor allem fur die Form des Namens wesentlich wahrend fur die Erstbeschreibung selbst die Unterschiede geringer sind Kriterien Zoologie Bearbeiten Die Erstbeschreibung musste bis 2011 in einem gedruckten Werk stattfinden seither ist eine elektronische Kopie mit fixiertem Inhalt und Layout z B ein PDF Dokument zulassig Artikel 8 Es muss ein physikalisches Objekt entweder Papier oder ein vervielfaltigter Optischer Datenspeicher vorliegen im Falle einer Publikation im Internet erst seit 2011 erlaubt muss die Publikation im Official Register of Zoological Nomenclature ZooBank registriert worden sein Weiterhin nicht erlaubt sind z B Fotokopien Vortragsskripte Sammlungsetikette Mikrofilme Audiodateien aber auch Vorveroffentlichungen Nicht die Publikation selbst aber zumindest der Name muss in lateinischen Buchstaben geschrieben sein Artikel 11 Der neue Name muss seit 1999 ausdrucklich als neu gekennzeichnet sein Artikel 16 Kriterien Botanik Bearbeiten Auch in der Botanik sind seit 2012 neben gedruckten Werken elektronisch publizierte zum Beispiel PDF Dateien fur die Erstbeschreibung zulassig Artikel 29 Fur elektronische Publikationen wird die Vorlage einer ISBN bzw ISSN verlangt Auch hier sind zum Beispiel Vortrage andere elektronische Medien und Vorveroffentlichungen Rohfassungen ausgeschlossen Korrekturen sind nur dann erlaubt wenn sie eigenstandig veroffentlicht werden und am Inhalt der Erstbeschreibung selbst nichts andern Nicht wissenschaftliche Werke wie Publikumszeitschriften und Kataloge sind ausgeschlossen aber auch nicht separat veroffentlichte Doktorarbeiten Parataxa BearbeitenIst eine Artbeschreibung nicht moglich wie bei solchen Fossilien bei denen aufgrund der unvollstandigen Erhaltung die Artdiagnostik oft nicht gelingt wird bei der Erstbeschreibung eine ungenauere Einordnung vorgenommen und sogenannte Parataxa werden aufgestellt In der Palaobotanik spricht man bei solchen Partialnamen die anhand von Teilen eines Organismus aufgestellt werden von einer Form oder Organgattung bzw art Partialnamen werden aber auch in der Palaozoologie verwendet Ein bekanntes Beispiel hierfur sind die zahnahnlichen Fossilien der Conodonten die aufgrund ihrer weiten Verbreitung und ihres Formenreichtums ein sehr bedeutendes Leitfossil im Palaozoikum Erdaltertum darstellen obwohl man das zugehorige Conodonten Tier lange Zeit nicht kannte und erst 1981 entdeckte Erstbeschreibung anhand von DNA Sequenzen BearbeitenSeit es moglich ist die DNA relativ einfach und billig in grossem Massstab zu amplifizieren und zu sequenzieren werden diese Sequenzen zunehmend auch als taxonomische Werkzeuge eingesetzt Die Techniken des DNA Barcoding erlauben es in vielen Fallen auf anderer Grundlage beschriebene Arten schnell und sicher zu bestimmen Zunehmend gibt es aber auch Bestrebungen Sequenzen selbst als Merkmale fur die Artbeschreibung einzusetzen unter Umstanden sogar als einziges Merkmal 5 Dieses Vorgehen ist in der Wissenschaft bis heute umstritten 6 gewinnt aber zunehmend an Einfluss Befurworter argumentieren dass es sich letztlich nur um einen neuen Typ von Merkmalen handelt der sich nicht prinzipiell von morphologischen Merkmalen unterscheidet 2 und unter Umstanden neue Einsichten in Evolution und Biologie ermoglicht 7 Gegner weisen auf mogliche Gefahren und Missbrauchsmoglichkeiten hin 8 Es wurde aber wiederholt darauf hingewiesen dass so gewonnene Daten nicht per se uberlegen sind und dass weiterhin ein sorgfaltiges Abwagen aller Merkmale notwendig bleibt 9 Erstbeschreiber BearbeitenErstbeschreiber einer Art ist der Autor der wissenschaftlichen Veroffentlichung in der die Art beschrieben wurde Wurde die Arbeit von mehreren verfasst sind sie alle Erstbeschreiber Ausnahmen gibt es nur wenn ein anderer ausdrucklich in der Arbeit selbst als Erstbeschreiber genannt wird oder wenn dies eindeutig erkennbar ist Siehe auch BearbeitenGultige Publikation Basionym Autor Zoologie Quellen BearbeitenJudith E Winston Describing Species Practical Taxonomic Procedure for Biologists Columbia University Press New York 1999 ISBN 0 231 06824 7 Einzelnachweise Bearbeiten Ernst Mayr What is a Species and What is Not In Philosophy of Science Band 63 1996 S 262 277 Volltext online a b L G Cook R D Edwards M D Crisp N B Hardy Need morphology always be required for new species descriptions In Invertebrate Systematics Band 24 2010 S 322 332 DOI 10 1071 IS1001 Barry Bolton How to conduct large scale taxonomic revisions in Formicidae In R R Snelling B L Fisher P S Ward Hrsg Advances In Ant Systematics Hymenoptera Formicidae Homage To E O Wilson 50 Years Of Contributions In Memoirs of the American Entomological Institute Band 80 2007 S 52 71 am Beispiel der Ameisen Formicidae Andrew R Deans Matthew J Yoder James P Balhoff Time to change how we describe biodiversity In Trends in Ecology and Evolution Band 27 Nr 2 2012 S 78 84 doi 10 1016 j tree 2011 11 007 Craig A Burnside Paul T Smith Srinivas Kambhampati Three New Species of the Wood Roach Cryptocercus Blattodea Cryptocercidae from the Eastern United States In Journal of the Kansas Entomological Society Band 72 Nr 4 1999 S 361 378 JSTOR 25085925 ein Beispiel Katharina M Jorger Michael Schrodl How to describe a cryptic species Practical challenges of molecular taxonomy In Frontiers in Zoology Band 10 Nr 59 2013 S 1 27 DOI 10 1186 1742 9994 10 59 Joan Pons Timothy G Barraclough Jesus Gomez Zurita Anabela Cardoso Daniel P Duran Steaphan Hazell Sophien Kamoun William D Sumlin Alfried P Vogler Sequence Based Species Delimitation for the DNA Taxonomy of Undescribed Insects In Systematic Biology Band 55 Nr 4 2006 S 595 609 doi 10 1080 10635150600852011 Leandro M Santos Luiz R R Faria The taxonomy s new clothes a little more about the DNA based taxonomy In Zootaxa Band 3025 2011 S 66 68 PDF Datei Timothy J Pages Jane M Hughes Neither molecular nor morphological data have all the answers with an example from Macrobrachium Decapoda Palaemonidae from Australia In Zootaxa Band 2874 2011 S 65 68 PDF Datei Normdaten Sachbegriff GND 7746734 6 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Erstbeschreibung amp oldid 210875459, wikipedia, wiki, deutsches

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