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Chondroitin

Chondroitinsulfat (auch Chondritinsulfat) ist ein biologisches Makromolekül. Die von den Chondroblasten gebildete Substanz ist ein wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes und trägt zu dessen Widerstand gegen Kompression bei.

Strukturformel

Chondroitinsulfat C
Allgemeines
Name Chondroitin
Andere Namen

Poly[(N-acetyl-D-galactosamin-4-O-hydrogensulfat)-(L-iduronsäure)] (IUPAC )

CAS-Nummer
Monomere/Teilstrukturen N-Acetylgalactosamin und Glucuronsäure
Art des Polymers

Copolymer, Biopolymer, Polysaccharid

ATC-Code

M01AX25

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antiarthrotikum

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Chemisch handelt es sich um ein Gemisch sulfatierter Glykosaminoglykane (GAG), auch Mucopolysaccharide genannt. In den Polymerketten wechseln sich die Zuckerabkömmlinge N-Acetylgalactosamin (GalNAc) und Glucuronsäure ab.

Inhaltsverzeichnis

Struktur von Dermatansulfat (Chondroitinsulfat B)

Chondroitinsulfatketten sind unverzweigte Polysaccharide mit variabler Länge. Sie bestehen immer aus zwei sich abwechselnden Einfachzuckern: D-Glucuronsäure (GlcA) und N-Acetylgalactosamin (GalNAc). Hierbei ist die Glucuronsäure mit GalNAc β-1→3 und GalNAc zur Glucuronsäure β-1→4-glykosidisch verknüpft. Eine Chondroitin-Kette kann aus über 100 Zuckereinheiten bestehen, welche unterschiedlich stark und an den Positionen C6 und/oder C4 der GalNAc sulfatiert sein können. Epimerisiert die Glucuronsäure am C5 zur Iduronsäure, spricht man von Dermatansulfaten. Das Verständnis der auffälligen Diversität des Chondroitinsulfats und des verwandten Glykosaminoglykans ist eines der Ziele der Glykobiologie.

Sulfatierung

Jeder Einfachzucker kann entweder ohne, mit einer oder mit zwei Sulfatgruppen vorliegen. Am häufigsten sind die Hydroxygruppen der Kohlenstoffatome 4 und 6 des N-Acetyl-Galactosamins mit einer Sulfatgruppe versehen. Die Sulfatierung wird von verschiedenen Sulfotransferasen katalysiert. Der Sulfatierungsgrad liegt bei durchschnittlich 0,8 bezogen auf das Disaccharid.

Folgende Typen werden unterschieden:

Chondroitin-Typ Systematischer Name Disaccharideinheit Beschreibung
Chondroitinsulfat A Chondroitin-4-sulfat GlcA-GalNAc4S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 4 des N-Acetyl-Galactosamins (GalNAc)
Chondroitinsulfat B Dermatansulfat IdoA2S-GalNAc4S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 2 der Iduronsäure und am Kohlenstoffatom 4 des GalNAc
Chondroitinsulfat C Chondroitin-6-sulfat GlcA-GalNAc6S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 6 des GalNAc
Chondroitinsulfat D Chondroitin-2,6-sulfat, Dermatansulfat GlcA2S-GalNAc6S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 2 der Glucuronsäure und am Kohlenstoffatom 6 des GalNAc (Chondroitin-2,6-sulfat)
Chondroitinsulfat E Chondroitin-4,6-sulfat GlcA-GalNAc4,6diS Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 4 und 6 des GalNAc

Die Typisierung durch die Buchstaben A bis E stammt aus der Zeit, als Chondroitinsulfat bereits isoliert wurde, die Struktur aber noch nicht bekannt war. Die Einordnung von Dermatansulfat unter die Chondroitinsulfate als Chondroitinsulfat B wird heute als Fehlbenennung angesehen, da sich diese Verbindung nicht von der Glucuronsäure, sondern von der Iduronsäure ableitet. Die häufigsten Chondroitinsulfate sind die Typen A, B und C.

Die früher gebräuchliche Bezeichnung Chondroitin ohne „Sulfat“, die benutzt wurde, um eine Kette ohne oder mit sehr wenigen Sulfatgruppen zu beschreiben, ist nicht mehr üblich.

Obwohl der Name darauf hindeutet, dass Chondroitinsulfat ein Salz mit einem Sulfat-Anion sei, ist das Sulfat kovalent an den Zucker gebunden. Da das Molekül bei physiologischem pH mehrere negative Ladungen aufweist, liegt es in den Salzen des Chondroitinsulfats als Anion vor. Das handelsübliche Produkt des Chondroitinsulfats ist gewöhnlich dessen Natriumsalz. Barnhill et al. haben vorgeschlagen, dass alle Chondroitinsulfat-Produkte als „Natriumchondroitin“ bezeichnet werden sollten, ohne Rücksicht auf deren Sulfat-Bindungen.

Eine synthetisch nachsulfatierte Variante ist das Chondroitinpolysulfat („übersulfatiertes Chondroitinsulfat“, englisch „oversulfated chondroitin sulfate“, OSCS). Durch die zusätzliche Sulfatierung wird die antientzündliche (antiinflammatorische) Wirkung der Substanz verstärkt. Chondroitinpolysulfat weist zudem eine gerinnungshemmende (antikoagulatorische) und fibrinolytische Aktivität auf.

Proteinbindung

Biologisch liegt Chondroitinsulfat gewöhnlich an Proteine gebunden vor, als Teil eines Proteoglykans. Die Bindung der Chondroitinsulfatketten erfolgt an den die Hydroxygruppen der Serin-Reste bestimmter Proteine. Wie genau die Proteine für die Bindung mit Glykosaminoglykanen ausgewählt werden, ist noch nicht verstanden. Glykosylierten Serinresten folgen häufig Glycinreste, in der Nachbarschaft finden sich saure Aminosäurenreste.

Als Bindeglied der GAG-Kette dient stets dieselbe Zuckerkette aus drei Zuckereinheiten:

Jeder Zucker wird von einem spezifischen Enzym angebunden, wodurch eine vielschichtige Kontrolle über die GAG-Synthese erlaubt wird. Xylose wird im endoplasmatischen Reticulum an die Proteine gebunden, während der Rest der Zucker im Golgi-Apparat übertragen wird.

Die Funktion des Chondroitins hängt stark von den Eigenschaften des gesamten Proteoglykans ab, zu dem es gehört. Chondroitin-Proteoglykane haben sowohl strukturelle als auch regulierende Aufgaben.

Strukturelle Funktion

Chondroitin-Proteoglykane stellen zusammen mit Kollagen wesentliche Bestandteile der extrazellulären Matrix dar. Sie bewirken die strukturelle Integrität des Gewebes. Typische Vertreter sind Aggrecan, Versican, Brevican und Neurocan.

Als Bestandteil von Aggrecan bildet Chondroitinsulfat einen Großteil der Knorpelmasse. Die eng gepackten, stark geladenen Sulfatgruppen führen zu elektrostatischer Abstoßung der einzelnen Ketten (siehe Coulombsches Gesetz), welche einen Großteil des Widerstands der Knorpel gegen Kompression bedingt. Verlust des Chondroitinsulfats aus den Knorpeln ist eine der häufigsten Ursachen für Arthrose.

Regulierende Funktion

Ebenfalls bedingt durch die negativen Ladungen tritt Chondroitinsulfat leicht in Wechselwirkung mit anderen Proteinen der extrazellulären Matrix. Diese Interaktionen sind bedeutend für die Regulation einer Vielzahl zellulärer Vorgänge. Im Vergleich zu Heparansulfat, einem anderen Proteoglycan der extrazellulären Matrix, ist noch wenig über die Rolle von Chondroitinsulfat-Proteoglycanen bekannt. Bekannt ist, dass Chondroitinsulfat Wachstum und Entwicklung des Nervensystems ebenso wie dessen Reaktion auf Verletzung reguliert.

Chondroitinsulfat wird großenteils aus Knorpelgewebe von Rindern, Schweinen und Haifischen gewonnen. Auch andere Fischarten und Vögel können Knorpellieferant sein.

Knorpelregeneration, Knorpelschutz

Chondroitinsulfat wird arzneilich und diätetisch verwendet in der Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen (Arthrose) z. B. der Hüfte, des Knies oder der Finger. Ebenso wird Chondroitinsulfat zur Nahrungsergänzung eingenommen um den Knorpel gesund zu erhalten und arthrotischen Verschleißerscheinungen vorzubeugen (Chondroprotektion). Häufig wird es dabei mit Glucosamin kombiniert. Der Anwendung liegt die Vorstellung zugrunde, dass das zugeführte Chondroitinsulfat in den Knorpel „eingebaut“ wird. In vitro (d. h., außerhalb eines lebenden Organismus) weist Chondroitinsulfat eine antiinflammatorische Wirkung auf.

Oral wird Chondroitinsulfat üblicherweise in Dosierungen von 800–1.200 mg pro Tag eingesetzt. Eine Dosis, ab der eine pharmakologische Wirksamkeit eintritt, konnte 2007 vom Bundesinstitut für Risikobewertung aufgrund einer unzureichenden Datenlage nicht abgeleitet werden. Da Chondroitin keine einheitliche Substanz ist und es in der Natur in einem breiten Spektrum verschiedener Formen vorliegt, variiert die Zusammensetzung von Fertigprodukten entsprechend. Es gibt im Bereich der Lebensmittel keine verbindlichen Standards für die Zusammensetzung. In den USA wurde 2000 aufgedeckt, dass ein hoher Anteil chondroitinhaltiger Nahrungsergänzungsmittel mit Bezug auf den Chondroitingehalt falsch oder irreführend etikettiert war.

Zur oralen Bioverfügbarkeit von Chondroitinsulfat und seiner Verstoffwechselung gibt es keine validen Daten.

Wirksamkeit
  • In Metastudien wurde die signifikante Verbesserung bestimmter Zielparameter (z. B. Lequesne-Index, WOMAC-Index, VAS) unter einer Arthrosebehandlung mit Chondroitinsulfat festgestellt.
  • 2006 wurde von den National Institutes of Health (NIH) der USA eine multizentrische, placebokontrollierte, sechs Monate dauernde Blindstudie zur Wirksamkeit von Chondroitin und Glucosamin bei Arthrose des Knies initiiert. Sie stellte keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Symptome der Arthrose bei Patienten mit leichteren Schmerzen fest. Gelenkschwellungen wurden gemindert. Behandlungseffekte wurden in einer Untergruppe der Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen festgestellt, jedoch war die Aussagekraft aufgrund der kleinen Patientenzahl in dieser Untergruppe nicht stichhaltig.
  • Das Ergebnis jüngerer Metastudien (2007 & 2010) war, dass Chondroitin, Glucosamin, und deren Kombination keine klinisch relevanten Effekte auf die wahrgenommenen Gelenkschmerzen oder auf den Gelenkverschleiß haben.
  • Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie von 2013, durchgeführt von der Universität Sydney mit 605 Probanden (Alter 45–75 Jahre, Kniegelenksarthrose) konnte eine statistisch signifikante Abschwächung des Gelenkspaltrückgangs beobachten. Es wurde dabei über 2 Jahre täglich 2 × 750 mg Glucosaminsulfat und 2 × 400 mg Chondroitinsulfat eingenommen. Ein Rückgang der Gelenkschmerzen konnte bei allen Gruppen [1) Glucosaminsulfat 2 × 750 mg, 2) Chondroitinsulfat 2 × 400 mg , 3) Glucosaminsulfat 2 × 750 mg + Chondroitinsulfat 2 × 400 mg, 4) Placebo] – ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen – beobachtet werden.
  • Eine sechsmonatige Doppelblindstudie an Kniearthrosepatienten verglich die Wirkung von dreimal täglich 400 mg Chondroitinsulfat plus 500 mg Glucosaminsulfat mit einmal täglich 200 mg Celecoxib, einem COX-2-Hemmer. Beide Behandlungen waren Hinsicht auf Schmerzreduktion, Beweglichkeit und Schwellungen nach sechs Monaten vergleichbar effizient. Celecoxib hatte aber einen stärkeren Effekt als Chondroitinsulfat und Glucosaminsulfat in den Monaten davor.
Sicherheit

In den üblichen oralen Dosierungen bis 1200 mg pro Tag ist Chondroitinsulfat gut verträglich. In Klinischen Studien wurden in diesem Dosisbereich keine schwerwiegenden Nebenwirkungen durch Chondroitinsulfat festgestellt.

Die intramuskuläre und intraartikulare Anwendung von Chondroitinsulfaten ist durch besser verträgliche Hyaluronate verdrängt worden. Ein jahrzehntelang intraartikular als Arthrosemittel angewendetes Chondroitinpolysulfat-Präparat wurde 1992 wegen schwerer anaphylaktischer und thromboembolischer Nebenwirkungen vom Markt genommen.

Augenheilkunde und Urologie

Wässerige Chondroitinsulfatlösungen werden in der Augenheilkunde, in Kombination mit Hyaluronat, während Eingriffen am Auge verwendet, um das Hornhautendothel zu benetzen und zu schützen. Als Blasenspüllösung wird Chondroitinsulfat zur Wiederherstellung der Blasenschleimhaut eingesetzt, etwa wenn diese durch eine chronische Entzündung (interstitielle Zystitis) geschädigt ist.

Lokale antientzündliche Anwendung

Ein Anwendungsgebiet für Chondroitinpolysulfat („übersulfatiertes Chondroitinsulfat“) ist die topische Behandlung stumpfer Verletzungen und oberflächlicher Venenentzündungen (Phlebitiden). In Tierversuchen und an Hautmodellen wurde gezeigt, dass Chondroitinpolysulfat durch die Haut in das darunter liegende Gewebe vorzudringen vermag. Dort soll es seine antientzündliche (antiinflammatorische) Wirkung entfalten. Chondroitinpolysulfat wird als Salbe, Creme oder Gel aufgetragen.

Im Jahr 2008 kam es weltweit zu dem als „Heparin-Skandal“ bekannten Vorfall, nachdem chinesische Wirkstoffhersteller den Arzneistoff Heparin mit billigerem übersulfatierten Chondroitin (Chondroitinpolysulfat) „gestreckt“ hatten. Infolgedessen waren zahlreiche schwerwiegende Nebenwirkungen aufgetreten, teilweise mit Todesfolge.

Chondroitinsulfat
  • Monopräparate: Condrosulf (A, CH), Gepan instill (D), Structum (CH)
  • Kombinationspräparate mit zusätzlichen Nährstoffen: Glusatin (D, A), Arthrovitan (D), Arthrobel (D), CondroTect (D), Duovital (D), Orthomol Arthro (D), Orthoexpert (D), diverse Nahrungsergänzungsmittel
  • Kombinationspräparate mit Hyaluronsäure: ProVisc (D), VisCoat (D), diverse Nahrungsergänzungsmittel
Chondroitinpolysulfat

Hirudoid (D), Kombination mit Salicylsäure: Mobilat DuoAktiv(D)

  1. Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. Baeurle SA, Kiselev MG, Makarova ES and Nogovitsin EA: Effect of the counterion behavior on the frictional-compressive properties of chondroitin sulfate solutions. In: Polymer. 50, 2009, S. 1805–1813. doi:10.1016/j.polymer.2009.01.066.
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Chondroitin
chondroitin, organische, verbindung, naturstoff, knorpelsubstanz, sprache, beobachten, bearbeiten, weitergeleitet, sulfat, sulfat, auch, chondritinsulfat, biologisches, makromolekül, chondroblasten, gebildete, substanz, wichtiger, bestandteil, knorpelgewebes, . Chondroitin organische Verbindung Naturstoff Knorpelsubstanz Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Chondroitinsulfat Chondroitinsulfat auch Chondritinsulfat ist ein biologisches Makromolekul Die von den Chondroblasten gebildete Substanz ist ein wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes und tragt zu dessen Widerstand gegen Kompression bei 2 StrukturformelChondroitinsulfat CAllgemeinesName ChondroitinAndere Namen Poly N acetyl D galactosamin 4 O hydrogensulfat L iduronsaure IUPAC CAS Nummer 24967 94 0 39455 18 0 Natriumsalz Monomere Teilstrukturen N Acetylgalactosamin und GlucuronsaureArt des Polymers Copolymer Biopolymer PolysaccharidATC Code M01 AX25ArzneistoffangabenWirkstoffklasse AntiarthrotikumSicherheitshinweiseGHS Gefahrstoffkennzeichnung keine Einstufung verfugbar 1 Soweit moglich und gebrauchlich werden SI Einheiten verwendet Wenn nicht anders vermerkt gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen Chemisch handelt es sich um ein Gemisch sulfatierter Glykosaminoglykane GAG auch Mucopolysaccharide genannt In den Polymerketten wechseln sich die Zuckerabkommlinge N Acetylgalactosamin GalNAc und Glucuronsaure ab Inhaltsverzeichnis 1 Chemische Struktur 1 1 Sulfatierung 1 2 Proteinbindung 2 Funktion 2 1 Strukturelle Funktion 2 2 Regulierende Funktion 3 Gewinnung 4 Verwendung 4 1 Knorpelregeneration Knorpelschutz 4 2 Augenheilkunde und Urologie 4 3 Lokale antientzundliche Anwendung 5 Heparin Skandal 6 Handelspraparate 7 Siehe auch 8 Weblinks 9 EinzelnachweiseChemische Struktur Bearbeiten Struktur von Dermatansulfat Chondroitinsulfat B Chondroitinsulfatketten sind unverzweigte Polysaccharide mit variabler Lange Sie bestehen immer aus zwei sich abwechselnden Einfachzuckern D Glucuronsaure GlcA und N Acetylgalactosamin GalNAc Hierbei ist die Glucuronsaure mit GalNAc b 1 3 und GalNAc zur Glucuronsaure b 1 4 glykosidisch verknupft 3 Eine Chondroitin Kette kann aus uber 100 Zuckereinheiten bestehen welche unterschiedlich stark und an den Positionen C6 und oder C4 der GalNAc sulfatiert sein konnen Epimerisiert die Glucuronsaure am C5 zur Iduronsaure spricht man von Dermatansulfaten Das Verstandnis der auffalligen Diversitat des Chondroitinsulfats und des verwandten Glykosaminoglykans ist eines der Ziele der Glykobiologie Sulfatierung Bearbeiten Jeder Einfachzucker kann entweder ohne mit einer oder mit zwei Sulfatgruppen vorliegen Am haufigsten sind die Hydroxygruppen der Kohlenstoffatome 4 und 6 des N Acetyl Galactosamins mit einer Sulfatgruppe versehen Die Sulfatierung wird von verschiedenen Sulfotransferasen katalysiert Der Sulfatierungsgrad liegt bei durchschnittlich 0 8 bezogen auf das Disaccharid Folgende Typen werden unterschieden Chondroitin Typ Systematischer Name Disaccharideinheit BeschreibungChondroitinsulfat A Chondroitin 4 sulfat GlcA GalNAc4S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 4 des N Acetyl Galactosamins GalNAc Chondroitinsulfat B Dermatansulfat IdoA2S GalNAc4S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 2 der Iduronsaure und am Kohlenstoffatom 4 des GalNAcChondroitinsulfat C Chondroitin 6 sulfat GlcA GalNAc6S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 6 des GalNAcChondroitinsulfat D Chondroitin 2 6 sulfat Dermatansulfat GlcA2S GalNAc6S Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 2 der Glucuronsaure und am Kohlenstoffatom 6 des GalNAc Chondroitin 2 6 sulfat Chondroitinsulfat E Chondroitin 4 6 sulfat GlcA GalNAc4 6diS Sulfatgruppen vorwiegend am Kohlenstoffatom 4 und 6 des GalNAc Die Typisierung durch die Buchstaben A bis E stammt aus der Zeit als Chondroitinsulfat bereits isoliert wurde die Struktur aber noch nicht bekannt war 4 Die Einordnung von Dermatansulfat unter die Chondroitinsulfate als Chondroitinsulfat B wird heute als Fehlbenennung angesehen da sich diese Verbindung nicht von der Glucuronsaure sondern von der Iduronsaure ableitet Die haufigsten Chondroitinsulfate sind die Typen A B und C Die fruher gebrauchliche Bezeichnung Chondroitin ohne Sulfat die benutzt wurde um eine Kette ohne oder mit sehr wenigen Sulfatgruppen zu beschreiben 5 ist nicht mehr ublich Obwohl der Name darauf hindeutet dass Chondroitinsulfat ein Salz mit einem Sulfat Anion sei ist das Sulfat kovalent an den Zucker gebunden Da das Molekul bei physiologischem pH mehrere negative Ladungen aufweist liegt es in den Salzen des Chondroitinsulfats als Anion vor Das handelsubliche Produkt des Chondroitinsulfats ist gewohnlich dessen Natriumsalz Barnhill et al haben vorgeschlagen dass alle Chondroitinsulfat Produkte als Natriumchondroitin bezeichnet werden sollten ohne Rucksicht auf deren Sulfat Bindungen 6 Eine synthetisch nachsulfatierte Variante ist das Chondroitinpolysulfat ubersulfatiertes Chondroitinsulfat englisch oversulfated chondroitin sulfate OSCS Durch die zusatzliche Sulfatierung wird die antientzundliche antiinflammatorische Wirkung der Substanz verstarkt Chondroitinpolysulfat weist zudem eine gerinnungshemmende antikoagulatorische und fibrinolytische Aktivitat auf Proteinbindung Bearbeiten Biologisch liegt Chondroitinsulfat gewohnlich an Proteine gebunden vor als Teil eines Proteoglykans Die Bindung der Chondroitinsulfatketten erfolgt an den die Hydroxygruppen der Serin Reste bestimmter Proteine Wie genau die Proteine fur die Bindung mit Glykosaminoglykanen ausgewahlt werden ist noch nicht verstanden Glykosylierten Serinresten folgen haufig Glycinreste in der Nachbarschaft finden sich saure Aminosaurenreste Als Bindeglied der GAG Kette dient stets dieselbe Zuckerkette aus drei Zuckereinheiten Ser O Xyl Gal Gal GlcA Jeder Zucker wird von einem spezifischen Enzym angebunden wodurch eine vielschichtige Kontrolle uber die GAG Synthese erlaubt wird Xylose wird im endoplasmatischen Reticulum an die Proteine gebunden wahrend der Rest der Zucker im Golgi Apparat ubertragen wird 7 Funktion BearbeitenDie Funktion des Chondroitins hangt stark von den Eigenschaften des gesamten Proteoglykans ab zu dem es gehort Chondroitin Proteoglykane haben sowohl strukturelle als auch regulierende Aufgaben Strukturelle Funktion Bearbeiten Chondroitin Proteoglykane stellen zusammen mit Kollagen wesentliche Bestandteile der extrazellularen Matrix dar Sie bewirken die strukturelle Integritat des Gewebes Typische Vertreter sind Aggrecan Versican Brevican und Neurocan Als Bestandteil von Aggrecan bildet Chondroitinsulfat einen Grossteil der Knorpelmasse Die eng gepackten stark geladenen Sulfatgruppen fuhren zu elektrostatischer Abstossung der einzelnen Ketten siehe Coulombsches Gesetz welche einen Grossteil des Widerstands der Knorpel gegen Kompression bedingt Verlust des Chondroitinsulfats aus den Knorpeln ist eine der haufigsten Ursachen fur Arthrose Regulierende Funktion Bearbeiten Ebenfalls bedingt durch die negativen Ladungen tritt Chondroitinsulfat leicht in Wechselwirkung mit anderen Proteinen der extrazellularen Matrix Diese Interaktionen sind bedeutend fur die Regulation einer Vielzahl zellularer Vorgange Im Vergleich zu Heparansulfat einem anderen Proteoglycan der extrazellularen Matrix ist noch wenig uber die Rolle von Chondroitinsulfat Proteoglycanen bekannt Bekannt ist dass Chondroitinsulfat Wachstum und Entwicklung des Nervensystems ebenso wie dessen Reaktion auf Verletzung reguliert Gewinnung BearbeitenChondroitinsulfat wird grossenteils aus Knorpelgewebe von Rindern Schweinen und Haifischen gewonnen Auch andere Fischarten und Vogel konnen Knorpellieferant sein Verwendung BearbeitenKnorpelregeneration Knorpelschutz Bearbeiten Chondroitinsulfat wird arzneilich und diatetisch verwendet in der Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen Arthrose z B der Hufte des Knies oder der Finger Ebenso wird Chondroitinsulfat zur Nahrungserganzung eingenommen um den Knorpel gesund zu erhalten und arthrotischen Verschleisserscheinungen vorzubeugen Chondroprotektion Haufig wird es dabei mit Glucosamin kombiniert Der Anwendung liegt die Vorstellung zugrunde dass das zugefuhrte Chondroitinsulfat in den Knorpel eingebaut wird In vitro d h ausserhalb eines lebenden Organismus weist Chondroitinsulfat eine antiinflammatorische Wirkung auf Oral wird Chondroitinsulfat ublicherweise in Dosierungen von 800 1 200 mg pro Tag eingesetzt Eine Dosis ab der eine pharmakologische Wirksamkeit eintritt konnte 2007 vom Bundesinstitut fur Risikobewertung aufgrund einer unzureichenden Datenlage nicht abgeleitet werden 8 Da Chondroitin keine einheitliche Substanz ist und es in der Natur in einem breiten Spektrum verschiedener Formen vorliegt variiert die Zusammensetzung von Fertigprodukten entsprechend Es gibt im Bereich der Lebensmittel keine verbindlichen Standards fur die Zusammensetzung In den USA wurde 2000 aufgedeckt dass ein hoher Anteil chondroitinhaltiger Nahrungserganzungsmittel mit Bezug auf den Chondroitingehalt falsch oder irrefuhrend etikettiert war 9 Zur oralen Bioverfugbarkeit von Chondroitinsulfat und seiner Verstoffwechselung gibt es keine validen Daten WirksamkeitIn Metastudien wurde die signifikante Verbesserung bestimmter Zielparameter z B Lequesne Index WOMAC Index VAS unter einer Arthrosebehandlung mit Chondroitinsulfat festgestellt 10 11 2006 wurde von den National Institutes of Health NIH der USA eine multizentrische placebokontrollierte sechs Monate dauernde Blindstudie zur Wirksamkeit von Chondroitin und Glucosamin bei Arthrose des Knies initiiert Sie stellte keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Symptome der Arthrose bei Patienten mit leichteren Schmerzen fest Gelenkschwellungen wurden gemindert Behandlungseffekte wurden in einer Untergruppe der Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen festgestellt jedoch war die Aussagekraft aufgrund der kleinen Patientenzahl in dieser Untergruppe nicht stichhaltig 12 Das Ergebnis jungerer Metastudien 2007 amp 2010 war dass Chondroitin Glucosamin und deren Kombination keine klinisch relevanten Effekte auf die wahrgenommenen Gelenkschmerzen oder auf den Gelenkverschleiss haben 13 14 Eine doppelblinde randomisierte placebokontrollierte Studie von 2013 durchgefuhrt von der Universitat Sydney mit 605 Probanden Alter 45 75 Jahre Kniegelenksarthrose konnte eine statistisch signifikante Abschwachung des Gelenkspaltruckgangs beobachten Es wurde dabei uber 2 Jahre taglich 2 750 mg Glucosaminsulfat und 2 400 mg Chondroitinsulfat eingenommen Ein Ruckgang der Gelenkschmerzen konnte bei allen Gruppen 1 Glucosaminsulfat 2 750 mg 2 Chondroitinsulfat 2 400 mg 3 Glucosaminsulfat 2 750 mg Chondroitinsulfat 2 400 mg 4 Placebo ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen beobachtet werden 15 Eine sechsmonatige Doppelblindstudie an Kniearthrosepatienten verglich die Wirkung von dreimal taglich 400 mg Chondroitinsulfat plus 500 mg Glucosaminsulfat mit einmal taglich 200 mg Celecoxib einem COX 2 Hemmer Beide Behandlungen waren Hinsicht auf Schmerzreduktion Beweglichkeit und Schwellungen nach sechs Monaten vergleichbar effizient Celecoxib hatte aber einen starkeren Effekt als Chondroitinsulfat und Glucosaminsulfat in den Monaten davor 16 Sicherheit In den ublichen oralen Dosierungen bis 1200 mg pro Tag ist Chondroitinsulfat gut vertraglich In Klinischen Studien wurden in diesem Dosisbereich keine schwerwiegenden Nebenwirkungen durch Chondroitinsulfat festgestellt Die intramuskulare und intraartikulare Anwendung von Chondroitinsulfaten ist durch besser vertragliche Hyaluronate verdrangt worden Ein jahrzehntelang intraartikular als Arthrosemittel angewendetes Chondroitinpolysulfat Praparat wurde 1992 wegen schwerer anaphylaktischer und thromboembolischer Nebenwirkungen vom Markt genommen 17 Augenheilkunde und Urologie Bearbeiten Wasserige Chondroitinsulfatlosungen werden in der Augenheilkunde in Kombination mit Hyaluronat wahrend Eingriffen am Auge verwendet um das Hornhautendothel zu benetzen und zu schutzen Als Blasenspullosung wird Chondroitinsulfat zur Wiederherstellung der Blasenschleimhaut eingesetzt etwa wenn diese durch eine chronische Entzundung interstitielle Zystitis geschadigt ist Lokale antientzundliche Anwendung Bearbeiten Ein Anwendungsgebiet fur Chondroitinpolysulfat ubersulfatiertes Chondroitinsulfat ist die topische Behandlung stumpfer Verletzungen und oberflachlicher Venenentzundungen Phlebitiden In Tierversuchen und an Hautmodellen wurde gezeigt dass Chondroitinpolysulfat durch die Haut in das darunter liegende Gewebe vorzudringen vermag Dort soll es seine antientzundliche antiinflammatorische Wirkung entfalten Chondroitinpolysulfat wird als Salbe Creme oder Gel aufgetragen Heparin Skandal BearbeitenIm Jahr 2008 kam es weltweit zu dem als Heparin Skandal bekannten Vorfall nachdem chinesische Wirkstoffhersteller den Arzneistoff Heparin mit billigerem ubersulfatierten Chondroitin Chondroitinpolysulfat gestreckt hatten 18 Infolgedessen waren zahlreiche schwerwiegende Nebenwirkungen aufgetreten teilweise mit Todesfolge Handelspraparate BearbeitenChondroitinsulfatMonopraparate Condrosulf A CH Gepan instill D Structum CH Kombinationspraparate mit zusatzlichen Nahrstoffen Glusatin D A Arthrovitan D Arthrobel D CondroTect D Duovital D Orthomol Arthro D Orthoexpert D diverse Nahrungserganzungsmittel Kombinationspraparate mit Hyaluronsaure ProVisc D VisCoat D diverse NahrungserganzungsmittelChondroitinpolysulfat Hirudoid D Kombination mit Salicylsaure Mobilat DuoAktiv D Siehe auch BearbeitenGlucosamin Kollagen HydrolysatWeblinks BearbeitenNIH News Efficacy of Glucosamine and Chondroitin Sulfate May Depend on Level of Osteoarthritis Pain 22 Februar 2006 Einzelnachweise Bearbeiten Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefahrlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlassliche und zitierfahige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden Baeurle SA Kiselev MG Makarova ES and Nogovitsin EA Effect of the counterion behavior on the frictional compressive properties of chondroitin sulfate solutions In Polymer 50 2009 S 1805 1813 doi 10 1016 j polymer 2009 01 066 Fotini N Lamari und Nikos K Karamanos Structure of Chondroitin sulfate S 34 In Nicola Volpi Hrsg Chondroitin Sulfate Structure Role and Pharmacological Activity Advances in Pharmacology Academic Press Inc 2006 ISBN 978 0 12 032955 7 P A Levene and F B La Forge On Chondroitin Sulphuric Acid PDF In J Biol Chem 15 1913 S 69 79 Davidson EA Meyer K Chondroitin a new mucopolysaccharide PDF In J Biol Chem 211 Nr 2 1954 S 605 11 PMID 13221568 Barnhill JG Fye CL Williams DW Reda DJ Harris CL Clegg DO Chondroitin product selection for the glucosamine chondroitin arthritis intervention trial In J Am Pharm Assoc 46 Nr 1 2006 S 14 24 PMID 16529337 Silbert JE Sugumaran G Biosynthesis of chondroitin dermatan sulfate In IUBMB Life 54 Nr 4 2002 S 177 186 PMID 12512856 Bundesinstitut fur Risikobewertung Verwendung von Chondroitinsulfat in Nahrungserganzungsmitteln PDF 132 kB Stellungnahme Nr 031 2007 vom 15 Juni 2007 Adebowale AO Cox DS Liang Z Eddington ND Analysis of glucosamine and chondroitin sulfate content in marketed products and the Caco 2 permeability of chondroitin sulfate raw materials Archiviert vom Original am 9 August 2017 In J Am Nutr Assoc 3 2000 S 37 44 Abgerufen am 4 April 2018 McAlindon TE LaValley MP Gulin JP Felson DT Glucosamine and Chondroitin for Treatment of Osteoarthritis A Systematic Quality Assessment and Meta analysis In Journal of the American Medical Association 283 2000 S 1469 1475 PMID 10732937 Leeb BF Schweitzer H Montag K Smolen JS A metaanalysis of chondroitin sulfate in the treatment of osteoarthritis In J Rheumatol 27 2000 S 205 211 PMID 10648040 Clegg DO Reda DJ Harris CL Klein MA O Dell JR Hooper MM Bradley JD Bingham CO 3rd Weisman MH Jackson CG Lane NE Cush JJ Moreland LW Schumacher HR Jr Oddis CV Wolfe F Molitor JA Yocum DE Schnitzer TJ Furst DE Sawitzke AD Shi H Brandt KD Moskowitz RW Williams HJ Glucosamine chondroitin sulfate and the two in combination for painful knee osteoarthritis In New Engl J Med 354 Nr 8 2006 S 795 808 PMID 16495392 S Reichenbach R Sterchi M Scherer S Trelle E Burgi U Burgi P A Dieppe P Juni Meta analysis chondroitin for osteoarthritis of the knee or hip In Annals of Internal Medicine Band 146 Nummer 8 April 2007 S 580 590 PMID 17438317 S Wandel P Juni B Tendal E Nuesch P M Villiger N J Welton S Reichenbach S Trelle Effects of glucosamine chondroitin or placebo in patients with osteoarthritis of hip or knee network meta analysis In BMJ Clinical research ed Band 341 2010 S c4675 PMID 20847017 PMC 2941572 freier Volltext M Fransen M Agaliotis L Nairn M Votrubec L Bridgett S Su S Jan L March J Edmonds R Norton M Woodward R Day Glucosamine and chondroitin for knee osteoarthritis a double blind randomised placebo controlled clinical trial evaluating single and combination regimens In Ann Rheum Dis Band 74 Nummer 5 Mai 2015 S 851 858 doi 10 1136 annrheumdis 2013 203954 PMID 24395557 Jean Pierre Pelletier Patrick du Souich Allen Sawitzke Pascal Richette Thomas Pap Combined chondroitin sulfate and glucosamine for painful knee osteoarthritis a multicentre randomised 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