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Chloroform

Chloroform (systematische Bezeichnung Trichlormethan) ist ein chlorierter Kohlenwasserstoff mit der Summenformel CHCl3.

Strukturformel
Keilstrichformel zur Verdeutlichung der Geometrie
Allgemeines
Name Chloroform
Andere Namen
  • Trichlormethan (IUPAC)
  • Chloretherid
  • Methenylchlorid
  • Methinchlorid
  • TCM
  • R-20
Summenformel CHCl3
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit süßlichem Geruch

Externe Identifikatoren/Datenbanken
Eigenschaften
Molare Masse 119,38 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,48 g·cm−3 (20 °C)

Schmelzpunkt

−63 °C

Siedepunkt

61 °C

Dampfdruck
  • 209 hPa (20 °C)
  • 321 hPa (30 °C)
  • 477 hPa (40 °C)
Löslichkeit

schlecht in Wasser (8 g·l−1 bei 20 °C)

Dipolmoment

1,04(2) D (3,5 · 10−30 C · m)

Brechungsindex

1,445 (nD20)

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP), ggf. erweitert

Gefahr

H- und P-Sätze H:302​‐​331​‐​315​‐​319​‐​351​‐​361d​‐​336​‐​372
P:261​‐​281​‐​305+351+338​‐​311
MAK

DFG/Schweiz: 0,5 ml·m−3 bzw. 2,5 mg·m−3

Treibhauspotential

20 (bezogen auf 100 Jahre)

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−134,1 kJ/mol

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Inhaltsverzeichnis

Karikatur: Der Effekt von Chloroform auf James Young Simpson und Freunde (ca. 1840er Jahre)

Chloroform wurde 1831 unabhängig voneinander von dem US-Amerikaner Samuel Guthrie, dem Deutschen Justus Liebig und dem Franzosen Eugène Soubeiran hergestellt. Seine physikalischen und chemischen Eigenschaften sowie eine Summenformel („C4H2Cl6 bzw. C2H2Cl6) beschrieb erstmals Jean-Baptiste Dumas 1834. Dumas gab der von Liebig noch als „Chlorkohlenstoff“ bezeichneten Substanz auch den Namen „Chloroform“. Nachdem seine narkotisierende Wirkung im Tierversuch schon 1842 von dem britischen Arzt Robert Mortimer Glover und 1847 von dem französischen Physiologen Marie Jean Pierre Flourens sowie dem schottischen Arzt und Geburtshelfer James Young Simpson erkannt worden war, war es das Verdienst des Letzteren, Chloroform ein Jahr darauf neben dem schon seit Ende 1846 gebräuchlichen Äther in die ärztliche Praxis zur Ausschaltung oder Linderung von Geburtsschmerzen einzuführen. Einen ersten Vorschlag zur praktischen Anwendung des Chloroforms zur chirurgischen Anästhesie hatte zuvor wohl schon Simpsons Freund, der Chirurg und Chemiker David Waldie (* 1813 in Linlithgow) gemacht. Auch der Erlangener Mediziner Heyfelder stellte ab 1847 neben klinischen Versuchen mit Äther auch solche mit Chloroform an und plädierte 1848 für dessen bevorzugte Anwendung als Narkosemittel.

Der erste dokumentierte Anästhesietodesfall war eine 1848 durchgeführte Chloroformnarkose bei der Patientin Hanna Greener.

Die geburtshilfliche Schmerzlinderung mit Chloroform geschah gegen den Widerstand der anglikanischen Kirche. Viele Kleriker hielten Qualen der Geburt für die gerechte Strafe für Evas Sündenfall, also für gottgewollt. Dem setzte James Young Simpson, 1847 der Begründer der geburtshilflichen Anästhesie mit Äther bzw. Chloroform in einer 1849 von ihm veröffentlichten Schrift entgegen, dass bei der Erschaffung Evas ebenfalls eine „Anästhesie“ durchgeführt worden sei. Nachdem John Snow 1853 das Chloroform auch erfolgreich bei der Königin Victoria (Oberhaupt der englischen Staatskirche) zur Narkose „à la Reine“ angewendet hatte, wurde es in Europa zunächst das am meisten verbreitete Narkosemittel. Auch Joseph T. Clover (1825–1882), ab 1858 „Chloroformist“ in London, verwendete für seinen, ein Luft-Lachgas-Gemisch zuführenden Narkoseapparat auch Chloroform und Äther. Erst ab etwa 1890 wurde, wegen der unerwünschten Nebenwirkungen mit häufigen anästhesiebedingten Todesfällen bei Chloroformnarkosen, wieder die Ätheranwendung bevorzugt.

Aus England kam 1957 das erste klinisch brauchbare halogenierte Inhalationsnarkotikum nach dem Chloroform, nämlich Halothan.

Industriell wird Chloroform durch Erhitzen von Chlor mit Methan oder Chlormethan auf 400–500 °C erzeugt. Bei dieser Temperatur wird schrittweise radikalisch substituiert bis hin zum Tetrachlormethan:

CH 4 + Cl 2 CH 3 Cl + HCl {\displaystyle {\ce {CH4 + Cl2 -> CH3Cl + HCl}}}
CH 3 Cl + Cl 2 CH 2 Cl 2 + HCl {\displaystyle {\ce {CH3Cl + Cl2 -> CH2Cl2 + HCl}}}
CH 2 Cl 2 + Cl 2 CHCl 3 + HCl {\displaystyle {\ce {CH2Cl2 + Cl2 -> CHCl3 + HCl}}}
CHCl 3 + Cl 2 CCl 4 + HCl {\displaystyle {\ce {CHCl3 + Cl2 -> CCl4 + HCl}}}

Dabei reagiert Methan mit Chlor unter Bildung von Chlorwasserstoff zunächst zu Chlormethan, dann weiter zu Dichlormethan, Trichlormethan und schließlich zu Tetrachlormethan. Das Ergebnis des Prozesses ist eine Mischung der vier Chlormethane, welche durch Destillation getrennt werden können. Industriell hergestelltes Chloroform technischer Reinheit enthält zudem Brom- und Ethanderivate (z. B. Bromchlormethan, Bromdichlormethan, 1,2-Dichlorethan) als Verunreinigung sowie Ethanol (< 1 %) oder Pentene (< 0,1 %), die als Stabilisator künstlich zugefügt werden, um das beim Lagern an Luft und Licht entstehende Phosgen abzufangen.

Alternativ kann Chloroform durch Photochlorierung von Methan erhalten werden. Im Labor kann Chloroform durch die Reaktion von Natriumhypochlorit mit Aceton, eine Haloform-Reaktion, dargestellt werden.

Physikalische Eigenschaften

Trichlormethan ist eine farblose, nicht entflammbare, flüchtige Flüssigkeit von süßlichem Geruch. Der Schmelzpunkt liegt bei −63 °C, der Siedepunkt unter Normaldruck bei 61 °C. Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 4,20772, B = 1233,129 und C = −40,953 im Temperaturbereich von 215 bis 334 K und mit A = 4,56992, B = 1486,455 und C = −8,612 im Temperaturbereich von 334,4 bis 527 K. Es hat eine größere Dichte als Wasser und ist nur wenig darin löslich. Die Mischbarkeit mit Wasser ist begrenzt. Mit steigender Temperatur sinkt die Löslichkeit von Chloroform in Wasser bzw. steigt die Löslichkeit von Wasser in Chloroform.

Löslichkeiten zwischen Chloroform und Wasser
Temperatur (in °C) 0 9,5 19,6 29,5 39,3 49,2 59,2
Chloroform in Wasser (Massenanteil in %) 1,02 0,93 0,82 0,79 0,74 0,77 0,79
Wasser in Chloroform (Massenanteil in %) 0,0365 0,0527 0,0661 0,0841 0,1108 0,1353 0,1672

Die Verbindung bildet mit einer Reihe von Lösungsmitteln azeotrop siedende Gemische. Die azeotropen Zusammensetzungen und Siedepunkte finden sich in der folgenden Tabelle. Keine Azeotrope werden mit n-Pentan, n-Heptan, Cyclohexan, Benzol, Toluol, n-Propanol, i-Butanol, Tetrachlorkohlenstoff, Diethylether, 1,4-Dioxan, n-Butylacetat, Essigsäure, Acetonitril, Nitrobenzol, Schwefelkohlenstoff und Pyridin gebildet.

Azeotrope mit verschiedenen Lösungsmitteln
Lösungsmittel Wasser Methanol Ethanol 2-Propanol Aceton 2-Butanon
Gehalt Chloroform in w% 97 87 93 96 78 17
Siedepunkt in °C 56 53 59 61 64 80
Lösungsmittel Diisopropylether Tetrahydrofuran Methylacetat Ethylacetat n-Hexan
Gehalt Chloroform in w% 36 66 77 28 83
Siedepunkt in °C 71 73 65 78 60

Chemische Eigenschaften

Chloroform wird durch Sauerstoff unter Lichteinfluss photochemisch zersetzt, dabei entstehen Phosgen, Chlor und Chlorwasserstoff. Handelsübliches Chloroform enthält 0,5–1,0 % Ethanol als Stabilisator, um entstehendes Phosgen chemisch abzufangen.

Seine Struktur (CHX3) bildet eine homologe Reihe mit Fluoroform, Bromoform und Iodoform.

Reaktion mit Aceton

Aceton und Chloroform dürfen nicht in höheren Konzentrationen gemischt werden, weil es in Gegenwart von Spuren basisch reagierender Stoffe zu einer sehr heftigen Reaktion kommen kann, bei der 1,1,1-Trichlor-2-methyl-2-propanol (|α,α,α‐Trichlor‐tert‐Butanol) entsteht. Auch aus diesem Grund sollen im Labor chlorierte und nicht chlorierte Lösemittelabfälle getrennt gesammelt werden.

Chloroform wird in erster Linie als Lösungsmittel und zur Herstellung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) verwendet.

Mit alkoholischem Kali und Ammoniak entsteht beim Erhitzen Kaliumcyanid. Bei Verwendung primärer Amine statt Ammoniak erhält man Isonitrile. Mit dieser von August Wilhelm von Hofmann entdeckten Reaktion lassen sich primäre Amine auch qualitativ nachweisen, denn die Isonitrile geben sich durch einen starken und üblen Geruch zu erkennen.

In der chemischen Synthese wird es zur Herstellung von Dichlorcarben (in Gegenwart von Basen) verwendet. Durch Friedel-Crafts-Alkylierung mit Benzol erhält man Triphenylmethan.

Bei der Bestimmung der mikrobiellen Biomasse in Bodenproben mittels Chloroform-Fumigation-Extraktion wird ausgenutzt, dass Chloroform Zelllyse verursacht.

Die Dämpfe von Chloroform verursachen Bewusstlosigkeit und senken die Schmerzempfindung. Wegen der toxischen Wirkung auf Herz, Leber und andere innere Organe wird Chloroform heute nicht mehr als Narkosemittel angewendet. Es steht außerdem unter Verdacht, krebserregend zu sein.

Die Anwendung von Chloroform ist bei Lebensmittel liefernden Tieren gemäß der EU-Rückstandshöchstmengen-Verordnung für Lebensmittel tierischen Ursprungs in der Europäischen Union generell verboten.

Deuteriertes Chloroform

Deuteriertes Chloroform (Summenformel: CDCl3, CAS-Nr.:), auch Deuterochloroform genannt, findet in der Kernresonanzspektroskopie (NMR) als Lösungsmittel Verwendung.

Die Synthese erfolgt durch Umsetzung des Calciumsalzes der Trichloressigsäure mit schwerem Wasser.

( Cl 3 CCO 2 ) 2 Ca + D 2 O 2 Cl 3 CD + CaCO 3 + CO 2 {\displaystyle {\ce {(Cl_3CCO_2)_2 Ca + D_2O -> 2 Cl_3CD + CaCO_3 + CO_2}}}

Die physikalischen Eigenschaften unterscheiden sich geringfügig von der nichtdeuterierten Verbindung:

  • Schmelzpunkt: −64 °C
  • Siedepunkt: 60,9 °C
  • Dichte: 1,500 g/ml (25 °C)
  • Brechungsindex: 1,444 (20 °C)
  • Franz Hartmann: Beitrag zur Literatur über die Wirkung des Chloroforms. Ferber, Giessen 1855 ()
  • M. Rossberg; W. Lendle; G. Pfleiderer, A. Tögel; T.R. Torkelson, K.K. Beutel: Chloromethanes, in: Ullmanns Enzyklopädie der Technischen Chemie, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 2012; doi:.
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  36. Datenblatt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 27. Juli 2021 ().
Commons: Chloroform – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Chloroform – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Chloroform
chloroform, organische, verbindung, chlorierter, kohlenwasserstoff, sprache, beobachten, bearbeiten, systematische, bezeichnung, trichlormethan, chlorierter, kohlenwasserstoff, summenformel, chcl3, strukturformelkeilstrichformel, verdeutlichung, geometrieallge. Chloroform organische Verbindung chlorierter Kohlenwasserstoff Sprache Beobachten Bearbeiten Chloroform systematische Bezeichnung Trichlormethan ist ein chlorierter Kohlenwasserstoff mit der Summenformel CHCl3 StrukturformelKeilstrichformel zur Verdeutlichung der GeometrieAllgemeinesName ChloroformAndere Namen Trichlormethan IUPAC Chloretherid Methenylchlorid Methinchlorid TCM R 20Summenformel CHCl3Kurzbeschreibung farblose Flussigkeit mit susslichem Geruch 1 Externe Identifikatoren DatenbankenCAS Nummer 67 66 3EG Nummer 200 663 8ECHA InfoCard 100 000 603PubChem 6212DrugBank DB11387Wikidata Q172275EigenschaftenMolare Masse 119 38 g mol 1Aggregatzustand flussigDichte 1 48 g cm 3 20 C 1 Schmelzpunkt 63 C 1 Siedepunkt 61 C 1 Dampfdruck 209 hPa 20 C 1 321 hPa 30 C 1 477 hPa 40 C 1 Loslichkeit schlecht in Wasser 8 g l 1 bei 20 C 1 Dipolmoment 1 04 2 D 2 3 5 10 30 C m Brechungsindex 1 445 nD20 3 SicherheitshinweiseGHS Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung EG Nr 1272 2008 CLP 4 ggf erweitert 1 GefahrH und P Satze H 302 331 315 319 351 361d 336 372P 261 281 305 351 338 311 1 MAK DFG Schweiz 0 5 ml m 3 bzw 2 5 mg m 3 1 5 Treibhauspotential 20 bezogen auf 100 Jahre 6 Thermodynamische EigenschaftenDHf0 134 1 kJ mol 7 Soweit moglich und gebrauchlich werden SI Einheiten verwendet Wenn nicht anders vermerkt gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen Brechungsindex Na D Linie 20 C Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 Herstellung 3 Eigenschaften 3 1 Physikalische Eigenschaften 3 2 Chemische Eigenschaften 3 3 Reaktion mit Aceton 4 Verwendung 5 Sicherheitshinweise 6 Rechtsbestimmungen 7 Deuterochloroform 8 Literatur 9 Einzelnachweise 10 WeblinksGeschichte Bearbeiten Karikatur Der Effekt von Chloroform auf James Young Simpson und Freunde ca 1840er Jahre Chloroform wurde 1831 unabhangig voneinander von dem US Amerikaner Samuel Guthrie 8 dem Deutschen Justus Liebig 9 und dem Franzosen Eugene Soubeiran hergestellt Seine physikalischen und chemischen Eigenschaften sowie eine Summenformel C4H2Cl6 10 bzw C2H2Cl6 11 beschrieb erstmals Jean Baptiste Dumas 1834 Dumas gab der von Liebig noch als Chlorkohlenstoff bezeichneten Substanz auch den Namen Chloroform 12 Nachdem seine narkotisierende Wirkung im Tierversuch schon 1842 von dem britischen Arzt Robert Mortimer Glover und 1847 von dem franzosischen Physiologen Marie Jean Pierre Flourens sowie dem schottischen Arzt und Geburtshelfer James Young Simpson 13 erkannt worden war war es das Verdienst des Letzteren Chloroform ein Jahr darauf neben dem schon seit Ende 1846 gebrauchlichen Ather in die arztliche Praxis zur Ausschaltung oder Linderung von Geburtsschmerzen einzufuhren Einen ersten Vorschlag zur praktischen Anwendung des Chloroforms zur chirurgischen Anasthesie hatte zuvor wohl schon Simpsons Freund der Chirurg und Chemiker David Waldie 14 1813 in Linlithgow 15 gemacht Auch der Erlangener Mediziner Heyfelder stellte ab 1847 neben klinischen Versuchen mit Ather auch solche mit Chloroform an und pladierte 1848 fur dessen bevorzugte Anwendung 16 als Narkosemittel Der erste dokumentierte Anasthesietodesfall war eine 1848 durchgefuhrte Chloroformnarkose bei der Patientin Hanna Greener 17 Die geburtshilfliche Schmerzlinderung mit Chloroform geschah gegen den Widerstand der anglikanischen Kirche Viele Kleriker hielten Qualen der Geburt fur die gerechte Strafe fur Evas Sundenfall also fur gottgewollt 18 19 Dem setzte James Young Simpson 1847 der Begrunder der geburtshilflichen Anasthesie mit Ather bzw Chloroform in einer 1849 von ihm veroffentlichten Schrift entgegen dass bei der Erschaffung Evas ebenfalls eine Anasthesie durchgefuhrt worden sei 20 Nachdem John Snow 1853 das Chloroform auch erfolgreich bei der Konigin Victoria Oberhaupt der englischen Staatskirche zur Narkose a la Reine 21 angewendet hatte wurde es in Europa zunachst das am meisten verbreitete Narkosemittel Auch Joseph T Clover 1825 1882 ab 1858 Chloroformist in London verwendete fur seinen ein Luft Lachgas Gemisch zufuhrenden Narkoseapparat auch Chloroform und Ather 22 Erst ab etwa 1890 wurde wegen der unerwunschten Nebenwirkungen mit haufigen anasthesiebedingten Todesfallen bei Chloroformnarkosen wieder die Atheranwendung bevorzugt 23 Aus England kam 1957 das erste klinisch brauchbare halogenierte Inhalationsnarkotikum nach dem Chloroform namlich Halothan 24 Herstellung BearbeitenIndustriell wird Chloroform durch Erhitzen von Chlor mit Methan oder Chlormethan auf 400 500 C erzeugt Bei dieser Temperatur wird schrittweise radikalisch substituiert bis hin zum Tetrachlormethan CH 4 Cl 2 CH 3 Cl HCl displaystyle ce CH4 Cl2 gt CH3Cl HCl CH 3 Cl Cl 2 CH 2 Cl 2 HCl displaystyle ce CH3Cl Cl2 gt CH2Cl2 HCl CH 2 Cl 2 Cl 2 CHCl 3 HCl displaystyle ce CH2Cl2 Cl2 gt CHCl3 HCl CHCl 3 Cl 2 CCl 4 HCl displaystyle ce CHCl3 Cl2 gt CCl4 HCl Dabei reagiert Methan mit Chlor unter Bildung von Chlorwasserstoff zunachst zu Chlormethan dann weiter zu Dichlormethan Trichlormethan und schliesslich zu Tetrachlormethan Das Ergebnis des Prozesses ist eine Mischung der vier Chlormethane welche durch Destillation getrennt werden konnen Industriell hergestelltes Chloroform technischer Reinheit enthalt zudem Brom und Ethanderivate z B Bromchlormethan Bromdichlormethan 1 2 Dichlorethan als Verunreinigung 25 sowie Ethanol lt 1 oder Pentene lt 0 1 die als Stabilisator kunstlich zugefugt werden um das beim Lagern an Luft und Licht entstehende Phosgen abzufangen 26 Alternativ kann Chloroform durch Photochlorierung von Methan erhalten werden Im Labor kann Chloroform durch die Reaktion von Natriumhypochlorit mit Aceton eine Haloform Reaktion dargestellt werden 27 Eigenschaften BearbeitenPhysikalische Eigenschaften Bearbeiten Trichlormethan ist eine farblose nicht entflammbare fluchtige Flussigkeit von susslichem Geruch Der Schmelzpunkt liegt bei 63 C der Siedepunkt unter Normaldruck bei 61 C Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10 P A B T C P in bar T in K mit A 4 20772 B 1233 129 und C 40 953 im Temperaturbereich von 215 bis 334 K und mit A 4 56992 B 1486 455 und C 8 612 im Temperaturbereich von 334 4 bis 527 K 28 Es hat eine grossere Dichte als Wasser und ist nur wenig darin loslich Die Mischbarkeit mit Wasser ist begrenzt Mit steigender Temperatur sinkt die Loslichkeit von Chloroform in Wasser bzw steigt die Loslichkeit von Wasser in Chloroform 29 Loslichkeiten zwischen Chloroform und Wasser 29 Temperatur in C 0 9 5 19 6 29 5 39 3 49 2 59 2Chloroform in Wasser Massenanteil in 1 02 0 93 0 82 0 79 0 74 0 77 0 79Wasser in Chloroform Massenanteil in 0 0365 0 0527 0 0661 0 0841 0 1108 0 1353 0 1672 Die Verbindung bildet mit einer Reihe von Losungsmitteln azeotrop siedende Gemische Die azeotropen Zusammensetzungen und Siedepunkte finden sich in der folgenden Tabelle Keine Azeotrope werden mit n Pentan n Heptan Cyclohexan Benzol Toluol n Propanol i Butanol Tetrachlorkohlenstoff Diethylether 1 4 Dioxan n Butylacetat Essigsaure Acetonitril Nitrobenzol Schwefelkohlenstoff und Pyridin gebildet 30 Azeotrope mit verschiedenen Losungsmitteln 30 Losungsmittel Wasser Methanol Ethanol 2 Propanol Aceton 2 ButanonGehalt Chloroform in w 97 87 93 96 78 17Siedepunkt in C 56 53 59 61 64 80Losungsmittel Diisopropylether Tetrahydrofuran Methylacetat Ethylacetat n HexanGehalt Chloroform in w 36 66 77 28 83Siedepunkt in C 71 73 65 78 60Chemische Eigenschaften Bearbeiten Chloroform wird durch Sauerstoff unter Lichteinfluss photochemisch zersetzt dabei entstehen Phosgen Chlor und Chlorwasserstoff Handelsubliches Chloroform enthalt 0 5 1 0 Ethanol als Stabilisator um entstehendes Phosgen chemisch abzufangen Seine Struktur CHX3 bildet eine homologe Reihe mit Fluoroform Bromoform und Iodoform Reaktion mit Aceton Bearbeiten Aceton und Chloroform durfen nicht in hoheren Konzentrationen gemischt werden weil es in Gegenwart von Spuren basisch reagierender Stoffe zu einer sehr heftigen Reaktion kommen kann bei der 1 1 1 Trichlor 2 methyl 2 propanol a a a Trichlor tert Butanol entsteht Auch aus diesem Grund sollen im Labor chlorierte und nicht chlorierte Losemittelabfalle getrennt gesammelt werden 31 Verwendung BearbeitenChloroform wird in erster Linie als Losungsmittel und zur Herstellung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen FCKW verwendet Mit alkoholischem Kali und Ammoniak entsteht beim Erhitzen Kaliumcyanid 32 Bei Verwendung primarer Amine statt Ammoniak erhalt man Isonitrile Mit dieser von August Wilhelm von Hofmann entdeckten Reaktion lassen sich primare Amine auch qualitativ nachweisen denn die Isonitrile geben sich durch einen starken und ublen Geruch zu erkennen 33 In der chemischen Synthese wird es zur Herstellung von Dichlorcarben in Gegenwart von Basen verwendet Durch Friedel Crafts Alkylierung mit Benzol erhalt man Triphenylmethan Bei der Bestimmung der mikrobiellen Biomasse in Bodenproben mittels Chloroform Fumigation Extraktion wird ausgenutzt dass Chloroform Zelllyse verursacht Sicherheitshinweise BearbeitenDie Dampfe von Chloroform verursachen Bewusstlosigkeit und senken die Schmerzempfindung Wegen der toxischen Wirkung auf Herz Leber und andere innere Organe wird Chloroform heute nicht mehr als Narkosemittel angewendet Es steht ausserdem unter Verdacht krebserregend zu sein Rechtsbestimmungen BearbeitenDie Anwendung von Chloroform ist bei Lebensmittel liefernden Tieren gemass der EU Ruckstandshochstmengen Verordnung fur Lebensmittel tierischen Ursprungs in der Europaischen Union generell verboten Deuterochloroform Bearbeiten Deuteriertes Chloroform Deuteriertes Chloroform 34 Summenformel CDCl3 CAS Nr 865 49 6 auch Deuterochloroform genannt findet in der Kernresonanzspektroskopie NMR als Losungsmittel Verwendung Die Synthese erfolgt durch Umsetzung des Calciumsalzes der Trichloressigsaure mit schwerem Wasser 35 Cl 3 CCO 2 2 Ca D 2 O 2 Cl 3 CD CaCO 3 CO 2 displaystyle ce Cl 3CCO 2 2 Ca D 2O gt 2 Cl 3CD CaCO 3 CO 2 Die physikalischen Eigenschaften unterscheiden sich geringfugig von der nichtdeuterierten Verbindung 36 Schmelzpunkt 64 C Siedepunkt 60 9 C Dichte 1 500 g ml 25 C Brechungsindex 1 444 20 C Literatur BearbeitenFranz Hartmann Beitrag zur Literatur uber die Wirkung des Chloroforms Ferber Giessen 1855 Digitalisat M Rossberg W Lendle G Pfleiderer A Togel T R Torkelson K K Beutel Chloromethanes in Ullmanns Enzyklopadie der Technischen Chemie Wiley VCH Verlag GmbH amp Co KGaA Weinheim 2012 doi 10 1002 14356007 a06 233 pub3 Albert Faulconer Thomas Edward Keys Chloroform In Foundations of Anesthesiology 2 Bande Charles C Thomas Springfield Illinois 1965 Band 1 S 442 481 Einzelnachweise Bearbeiten a b c d e f g h i j k Eintrag zu Trichlormethan in der GESTIS Stoffdatenbank des IFA abgerufen am 12 November 2017 JavaScript erforderlich David R Lide Hrsg CRC Handbook of Chemistry and Physics 90 Auflage Internet Version 2010 CRC Press Taylor and Francis Boca Raton FL Dipole Moments S 9 58 Datenblatt Chloroform bei Sigma Aldrich abgerufen am 19 Juli 2010 PDF Vorlage Sigma Aldrich Name nicht angegeben Eintrag zu Chloroform im Classification and Labelling Inventory der Europaischen Chemikalienagentur ECHA abgerufen am 1 Februar 2016 Hersteller bzw Inverkehrbringer konnen die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern Schweizerische Unfallversicherungsanstalt Suva Grenzwerte Aktuelle MAK und BAT Werte Suche nach 67 66 3 bzw Chloroform abgerufen am 2 November 2015 G Myhre D Shindell et al Climate Change 2013 The Physical Science Basis Working Group I contribution to the IPCC Fifth Assessment Report Hrsg Intergovernmental Panel on Climate Change 2013 Chapter 8 Anthropogenic and Natural Radiative Forcing S 24 39 Table 8 SM 16 PDF David R Lide Hrsg CRC Handbook of Chemistry and Physics 90 Auflage Internet Version 2010 CRC Press Taylor and Francis Boca Raton FL Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances S 5 19 Chloroform in der Notable Names Database englisch Justus Liebig Ueber die Verbindungen welche durch die Einwirkung des Chlors auf Alkohol Aether olbildndes Gas und Essiggeist entstehen In Annalen der Pharmacie Band 1 1832 S 182 230 Digitalisat in der Google Buchsuche Jean Baptiste Andre Dumas Recherches relatives a l action du chlore sur l alcool In L Institut Journal general des societe et travaux scientifiques des la France et l etranger Band 2 5 April 1834 S 106 108 Jean Baptiste Andre Dumas Untersuchung uber die Wirkung des Chlors auf den Alkohol In Annalen der Physik und Chemie Neue Folge Band 31 1834 S 650 673 Digitalisat auf Gallica Albert Faulconer Thomas Edward Keys Chloroform In Foundations of Anesthesiology 2 Bande Charles C Thomas Springfield Illinois 1965 Band 1 S 442 481 hier S 442 f 455 462 J Y Simpson On a new anaesthetic agent more efficient than sulphuric ether In Lancet Band 2 20 November 1847 S 549 f Digitalisat in der Google Buchsuche Ray J Defalque Amos J Wright The Discovery of Chloroform Has David Waldie s Role Been Exaggerated In Anesthesiology Band 114 Nr 4 2011 S 1004 1005 doi 10 1097 ALN 0b013e31820ca94c www annethousemuseum zu David Waldie Ulrich von Hintzenstern Wolfgang Schwarz Fruhe Erlanger Beitrage zur Theorie und Praxis der Ather und Chloroformnarkose Teil 1 Heyfelders klinische Versuche mit Ather und Chloroform In Der Anaesthesist Band 45 Heft 2 1996 S 131 139 Michael Heck Michael Fresenius Repetitorium Anaesthesiologie Vorbereitung auf die anasthesiologische Facharztprufung und das Europaische Diplom fur Anasthesiologie 3 vollstandig uberarbeitete Auflage Springer Berlin Heidelberg New York u a 2001 ISBN 3 540 67331 8 S 803 WDR1 Stichtag 9 November 2007 Vor 160 Jahren Erste Entbindung mit Chloroform Narkose Abgerufen am 29 November 2017 Homepage Klinikum Dortmund Allgemeines zur Geschichte der Anasthesie Abgerufen am 29 November 2017 Ludwig Brandt Karl Heinz Krauskopf Eine Entdeckung in der Chirurgie 150 Jahre Anasthesie In Der Anaesthesist Band 45 1996 S 970 975 hier S 971 Rudolf Frey Otto Mayrhofer mit Unterstutzung von Thomas E Keys und John S Lundy Wichtige Daten aus der Geschichte der Anaesthesie In R Frey Werner Hugin O Mayrhofer Hrsg Lehrbuch der Anaesthesiologie und Wiederbelebung Springer Heidelberg Basel Wien 1955 2 neubearbeitete und erweiterte Auflage Unter Mitarbeit von H Benzer Springer Berlin Heidelberg New York 1971 ISBN 3 540 05196 1 S 13 16 hier S 14 Otto Mayrhofer Gedanken zum 150 Geburtstag der Anasthesie In Der Anaesthesist Band 45 1996 S 881 883 hier S 881 Christoph Weisser Chloroform In Werner E Gerabek Bernhard D Haage Gundolf Keil Wolfgang Wegner Hrsg Enzyklopadie Medizingeschichte De Gruyter Berlin 2005 ISBN 3 11 015714 4 S 257 Otto Mayrhofer Gedanken zum 150 Geburtstag der Anasthesie In Der Anaesthesist Band 45 1996 S 881 883 hier S 882 f Schadstofflexikon Trichlormethan Chloroform Memento des Originals vom 15 April 2018 im Internet Archive Info Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht gepruft Bitte prufe Original und Archivlink gemass Anleitung und entferne dann diesen Hinweis 1 2 Vorlage Webachiv IABot www schadstoff lexikon de abgerufen am 7 April 2018 Sigma Aldrich Chloroform Chemgapedia Synthese von Trichlormethan Stull D R Vapor Pressure of Pure Substances Organic and Inorganic Compounds in Ind Eng Chem 39 1947 S 517 540 doi 10 1021 ie50448a022 a b R M Stephenson Mutual Solubilities Water Ketones Water Ethers and Water Gasoline Alcohols in J Chem Eng Data 37 1992 S 80 95 doi 10 1021 je00005a024 a b I M Smallwood Handbook of organic solvent properties Arnold London 1996 ISBN 0 340 64578 4 S 142 143 Lutz Roth Ursula Weller Gefahrliche Chemische Reaktionen ISBN 3 609 73090 0 ecomed Sicherheit 2005 Eintrag Chloroform im Lexikon der gesamten Technik 1905 Eintrag zu Isonitrile In Rompp Online Georg Thieme Verlag abgerufen am 19 August 2016 Externe Identifikatoren von bzw Datenbank Links zu Deuterochloroform CAS Nummer 865 49 6 EG Nummer 212 742 4 ECHA InfoCard 100 011 585 PubChem 71583 ChemSpider 64654 Wikidata Q1032539 Preparation of chloroform d auf prepchem com Datenblatt Chloroform d 99 8 atom D bei Sigma Aldrich abgerufen am 27 Juli 2021 PDF Weblinks Bearbeiten Commons Chloroform Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Wiktionary Chloroform Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Trihalogenmethane Fluoroform Chloroform Bromoform Iodoform Normdaten Sachbegriff GND 4123008 5 OGND AKS LCCN sh85024563Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Chloroform amp oldid 214291494, wikipedia, wiki, deutsches

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