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Carnitin

Carnitin ist eine chemische Verbindung, die in zwei isomeren Formen vorkommt. Eine davon, L-Carnitin (INN: Levocarnitin), wird in Lebewesen aus den Aminosäuren Lysin und Methionin hergestellt und spielt eine essentielle Rolle im Energiestoffwechsel beim Transport von Fettsäuren zwischen Cytosol und den Zellorganellen wie den Mitochondrien.

Strukturformel
Strukturformel des L-Isomers von Carnitin
Allgemeines
Name Carnitin
Andere Namen
  • Trimethyl-hydroxybutyrobetain
  • (3-Carboxy-2-hydroxypropyl)-N,N,N-trimethylammoniumhydroxid
Summenformel C7H15NO3
Kurzbeschreibung

farbloses, kristallines Pulver

Externe Identifikatoren/Datenbanken
Arzneistoffangaben
ATC-Code

A16AA01

Eigenschaften
Molare Masse 161,20 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

190–195 °C (Zersetzung)

Löslichkeit

sehr gut löslich in Wasser: 100 g·l−1 (20 °C)

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung

Achtung

H- und P-Sätze H:315​‐​319​‐​335
P:261​‐​305+351+338
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Inhaltsverzeichnis

Carnitin ist chiral, da es ein Stereozentrum enthält. Es gibt somit zwei Enantiomere, die (R)-Form [(–)-L-Carnitin] und die (S)-Form [(+)-D-Carnitin]. Dem D-Carnitin kommt praktisch keinerlei Bedeutung zu; wenn Carnitin ohne Deskriptor erwähnt wird, ist immer L-Carnitin gemeint.

Isomere von Carnitin
Name L-Carnitin D-Carnitin
Andere Namen (R)-Carnitin

(–)-Carnitin
Levocarnitin

(S)-Carnitin

(+)-Carnitin

Strukturformel
CAS-Nummer 541-15-1 541-14-0
406-76-8 (DL)
EG-Nummer 208-768-0 625-884-0
206-976-6 (DL)
ECHA-Infocard 100.007.972 100.154.337
100.006.343 (DL)
PubChem 10917 2724480
288 (DL)
DrugBank DB00583
– (DL)
Wikidata Q20735709 Q27108687
Q243309 (DL)

L-Carnitin reagiert im Stoffwechsel mit Fettsäuren, wodurch aktivierte Fettsäuren entstehen. Carnitin übt diese Funktion im Wechselspiel mit Coenzym A aus. Fettsäuren können nur gebunden an L-Carnitin durch die Mitochondrienmembranen transportiert werden. Über das Carnitin-Acyltransferase-System werden Fettsäuren der β-Oxidation zugeführt.

Im Darm wird aus Carnitin durch die Darmflora zuerst Trimethylamin und in Folge Trimethylaminoxid gebildet. Der menschliche Körper kann L-Carnitin aus den Aminosäuren Methionin und Lysin selbst bilden, nimmt es jedoch hauptsächlich über Fleisch auf.

L-Carnitin befindet sich in großen Mengen in rotem Fleisch, insbesondere in Schaf- und Lammfleisch. Geflügelfleisch dagegen ist carnitinärmer, während vegetarische Lebensmittel wenig oder gar kein L-Carnitin enthalten. Bei einer gemischten Kost werden täglich zwischen 100 und 300 mg L-Carnitin durch die Nahrung aufgenommen, im Gegensatz zu Ovo-Lakto-Vegetariern, die nur 15–25 % dieser Menge aufnehmen, während der Anteil bei veganer Kost um die 3–10 % liegt. Der restliche Bedarf wird durch die endogene Synthese gedeckt, wenn die essentiellen Kofaktoren Vitamin C, Vitamin B6, Niacin und Eisen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Die Bioverfügbarkeit von L-Carnitin aus der Nahrung beträgt 54 bis 87 %. Die Resorption hängt stark vom Carnitingehalt der Nahrung, aber auch von deren Zusammensetzung ab.

Der Gesamtbestand an L-Carnitin im Körper beträgt etwa 20–25 g, wobei der Anteil in Geweben mit hohem Fettsäuremetabolismus besonders hoch ist. In Herz- und Skelettmuskulatur sind 98 % der Reserven von Carnitin gespeichert. Über die Nieren werden täglich etwa 20 mg in den Urin ausgeschieden. Der Normalwert des L-Carnitins im Plasma liegt zwischen 40 und 60 µmol/l, wovon etwa 70–85 % als freies Carnitin verfügbar sind. Der Rest liegt mit einer Fettsäure verestert als Acylcarnitin vor.

Da L-Carnitin wasserlöslich ist, wird es bei einer Hämodialyse mit aus dem Blut der Nierenpatienten entfernt. Dies hat die Folge, dass Dialysepatienten sehr niedrige L-Carnitin-Blutwerte haben. Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz nehmen häufig L-Carnitin, entweder oral oder intravenös, um diese Verluste wieder auszugleichen.

L-Carnitin kann über verschiedene Wege im industriellen Maßstab gewonnen werden. Beispielsweise über einen die körpereigene Biosynthese imitierenden biotechnologischen Prozess: In großen Fermentationsbehältern wird dabei die Vorstufe von L-Carnitin (γ-Butyrobetain) mit Hilfe von gramnegativen Bakterien (Rhizobien) in L-Carnitin umgesetzt.

Patienten mit einer systemischen primären Carnitindefizienz (SPCD) erhalten Carnitin als Nahrungsergänzungsmittel. Weiterhin wird Carnitin als Fatburner verwendet.

Carnitin als „Fettverbrenner“

Die zusätzliche Einnahme von Carnitin wird in Studien kontrovers diskutiert. Wissenschaftler des Institutes für Lebensmittelwissenschaft und Ökotrophologie der Uni Hannover stellten 1994 zusammenfassend fest, „dass L-Carnitin keine eigenständige Eigenschaft als ‚Fatburner‘ und ‚Schlankheitsmittel‘ zukommt.“ Der carnitinabhängige Fettsäuretransport erfolge bereits bei physiologischen Carnitinkonzentrationen mit Maximalgeschwindigkeit. Eine Umsatzsteigerung durch zusätzliche Carnitingaben sei daher auszuschließen. Aus Humanstudien geht hervor, dass Carnitinsupplemente zwar zu einem Anstieg der Carnitinwerte im Blut führen, eine entsprechende intrazelluläre Erhöhung lässt sich allerdings nicht belegen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen äußert sich über Carnitin als Nahrungsergänzungsmittel und angeblichen Fatburner wie folgt:

„Die Behauptung, dass der Körper zur Herstellung von 1 g Carnitin 34 g Muskel abbauen müsse, ist schlicht falsch, er nutzt dafür Eiweißbausteine aus der Nahrung. Eine zusätzliche Carnitin-Aufnahme in Tablettenform kann weder den Carnitingehalt in den Muskelzellen noch die Geschwindigkeit der Fettverbrennung steigern. Sie hat auch keinen Einfluss auf den Fettanteil des Körpers während einer Diät. (…) Überflüssiges Carnitin wird mit dem Urin ausgeschieden. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass bei einer dauerhaften hohen Zufuhr die körpereigene Carnitinbildung eingestellt wird. (…) Carnitin ist als Schlankheitsmittel genauso unwirksam wie als Leistungssteigerer, Herzstärkungs-, Potenzsteigerungs- und Antikrebsmittel.

Im Jahr 2016 wurde in einer Metaanalyse eine begrenzte Wirksamkeit festgestellt.

Carnitin im Sport

Insbesondere Ausdauersportler nehmen L-Carnitin häufig als Nahrungsergänzungsmittel zu sich, da einige Studien suggerieren, dass durch die Einnahme von L-Carnitin Leistungssteigerungen erzielt werden könnten. Diese Leistungssteigerung bezieht sich auf die Regeneration nach großer sportlicher Anstrengung. Carnitin wird im Sport als einer der am stärksten wirkenden Fatburner gehandelt.

Carnitin bei Krebs

In einer randomisierten Doppelblind-Studie der Universität Greifswald konnte 2012 gezeigt werden, dass die tägliche Einnahme von 4 g L-Carnitin bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs die gefährliche Gewichtsabnahme (Kachexie) aufhalten konnte. Während sich das Gewicht in der Kontrollgruppe um durchschnittlich 1,4 % verringerte, nahm das Gewicht in der Carnitin-Gruppe um 3,4 % signifikant zu. Auch die mediane Überlebenszeit verlängerte sich von 399 auf 519 Tage und die Aufenthaltszeit im Krankenhaus verringerte sich von 41 auf 36 Tage (nicht signifikant). Carnitin wird zur Minderung des Muskelabbaus bei Krebs untersucht.

Carnitin als Haarwuchsmittel

L-Carnitin wird als Nahrungsergänzungsmittel und in Shampoos als Mittel gegen Haarausfall vermarktet. Außer einer kleinen Studie aus dem Jahr 2007 (19 männliche, 32 weibliche Probanden, Alter 21–60 Jahre) mit topisch appliziertem Carnitintartrat gibt es dafür keine wissenschaftliche Grundlage. Die Autoren schrieben den Effekt einer Minderung der Bildung von haarwuchshemmenden Faktoren zu.

L-Carnitingehalte in Lebensmitteln in mg pro 100 g Lebensmittel

Lebensmittel L-Carnitin
mg/100 g
Lebensmittel L-Carnitin
mg/100 g
Lebensmittel L-Carnitin
mg/100 g
Lebensmittel L-Carnitin
mg/100 g
Fleischextrakt 3686 Kalb 69,7–105 Pilze 1,3–15 Muttermilchersatz 1–4,3
Reh, Hirsch, Elch, Rentier 35–193 Wildschwein 18–46 Geflügel 4,3–13,3 Speiseöl, Butter, Margarine 0–1,1
Schaf, Ziege 16,7–190 Fleischprodukte 1,2–38,6 Meerestiere 1,7–13,2 Cerealien (Brot, Nudeln, Reis) 0,33–0,75
Pferd, Känguru 117–166 Kaninchen 10,2–24,4 Käse 0,6–12,7 Nüsse 0,02–0,67
Rind 45–143 Hausschwein 14,4–24 Milch, Molkereiprodukte 2,1–9,7 Gemüse 0,05–0,53
Hase 44,1–120 Wildvögel 3–21,1 Brühen 1,1–6,1 Obst 0,01–0,35

Karnitin wurde erstmals im Jahr 1905 von Wladimir Gulewitsch und dessen Mitarbeiter Robert Krimberg isoliert. Sie präparierten darüber hinaus ein Platinsalz von Karnitin und bestimmten die Summenformel; die korrekte Strukturformel fand Krimberg im Jahr darauf. Karnitin soll auch etwa zur selben Zeit von Friedrich Kutscher in Marburg gefunden worden sein, der es Novain nannte. Seine Strukturformel war falsch und Krimberg bewies bald darauf, dass beide identisch sind. Im Jahr 1952 wurde es von Gottfried Fraenkel mit dem von ihnen isolierten Insekten-Wachstumsfaktor Vitamin B T {\displaystyle B_{T}} identifiziert. Dies führte unmittelbar zur Entdeckung von dessen Rolle im Fettstoffwechsel und in den Mitochondrien.

  • Heinz Löster: Carnitine and Cardiovascular Diseases. Ponte Press, Bochum 2003, ISBN 3-920328-45-0.
  • Heinz Löster: Carnitin und seine Bedeutung bei kardiovaskulären Erkrankungen. Ponte Press, Bochum 2007, ISBN 978-3-920328-50-8.
  1. DatenblattCarnitin (PDF) bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2011.
  2. DatenblattL-Carnitine inner salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 3. November 2016 (PDF).
  3. Heinz Löster: Biochemical fundamentals of the effects of Carnitine. In: Carnitine and Cardiovascular Diseases. Ponte Press, Bochum 2003, ISBN 3-920328-45-0, S. 3–48.
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  5. Hanne Seline Marie Gustavsen: Bestimmung des L-Carnitingehaltes in rohen und zubereiteten pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln. (PDF; 1,8 MB) Doktorarbeit am Physiologischen Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover, 2000.
  6. Axel G. Feller, Daniel Rudman: Role of carnitine in human nutrition. In: The Journal of nutrition. Volume 118, Issue 5, S. 541–547, Januar 1988 PMID 3284979. jn.nutrition.org (PDF; 1,6 MB)
  7. C. J. Rebouche, C. A. Chenard: Metabolic fate of dietary carnitine in human adults: identification and quantification of urinary and fecal metabolites. In: The Journal of nutrition. Volume 121, Issue 4, S. 539–546, April 1991 PMID 2007906. jn.nutrition.org (PDF; 1,3 MB)
  8. C. J. Rebouche: Carnitine function and requirements during the life cycle. In: FASEB journal: official publication of the Federation of American Societies for Experimental Biology. Band 6, Nummer 15, Dezember 1992, S. 3379–3386, PMID 1464372.
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  10. Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dieter Reichert: Pharmaceutical Substances. 4. Auflage. 2 Bände. Thieme, Stuttgart 2000, ISBN 3-13-558404-6 (online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen)
  11. Pilar L Magoulas, Ayman W El-Hattab: Systemic primary carnitine deficiency: an overview of clinical manifestations, diagnosis, and management. In: Orphanet Journal of Rare Diseases. 7, 2012, S. 68, doi:10.1186/1750-1172-7-68.
  12. Alexander Ströhle, Maike Wolters, Andreas Hahn: Nährstoffsupplemente und Functional Food zur Gewichtsreduktion – Wunsch und Wirklichkeit. In: Ernährung & Medizin. 19, 2004, S. 121–128.
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  14. ABC der Schlankmacher. Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf 2004, ISBN 3-933705-91-6.
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  16. M. Kraft u. a.: L-Carnitine-supplementation in advanced pancreatic cancer (CARPAN)--a randomized multicentre trial In: Nutrition Journal. 2012. PMID 22824168
  17. R. Ringseis, J. Keller, K. Eder: Mechanisms underlying the anti-wasting effect of L-carnitine supplementation under pathologic conditions: evidence from experimental and clinical studies. In: European Journal of Nutrition. Band 52, Nummer 5, August 2013, S. 1421–1442, doi:10.1007/s00394-013-0511-0, PMID 23508457.
  18. K. Foitzik et al.: Indications that topical L-Carnitin-L-tartrate promotes human hair growth in vivo. J. Dermatol. Sci. 2007, 48(2), 141.
  19. K. Foitzik et al.: L-Carnitin-L-tartrate promotes human hair growth in vitro. Exp. Dermatol. 2007, 16, 936.
  20. Gulevich, Krimberg: Zur Kenntnis der Extractivstoffe der Muskeln. In: Z. f. Physiol. Chemie, Band 45, 1905, S. 326–328
  21. Anatoly Bezkorovainy: Carnosine, carnitine, and Vladimir Gulevich. In: J. Chem. Education, Band 51, 1974, S. 652–654.
  22. Bezkorovainy. In: J. Chem. Education, Band 51, 1974, S. 653, er zitiert dazu R. Krimberg. In: Z. f. Physiol. Chemie, Band 49, 1906, S. 89, Band 50, 1907, S. 361.
  23. F. Kutscher: Zur Kenntnis des Novains In: Z. Physiol. Chem., Band 49, 1905, S. 47–49, Digitalisat
  24. George Wolf: The Discovery of a Vitamin Role for Carnitine: the First 50 Years In: Journal of Nutrition, Band 136, 2006, S. 2131–2134, jn.nutrition.org
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Carnitin
carnitin, chemische, verbindung, sprache, beobachten, bearbeiten, eine, chemische, verbindung, zwei, isomeren, formen, vorkommt, eine, davon, levocarnitin, wird, lebewesen, aminosäuren, lysin, methionin, hergestellt, spielt, eine, essentielle, rolle, energiest. Carnitin chemische Verbindung Sprache Beobachten Bearbeiten Carnitin ist eine chemische Verbindung die in zwei isomeren Formen vorkommt Eine davon L Carnitin INN Levocarnitin wird in Lebewesen aus den Aminosauren Lysin und Methionin hergestellt und spielt eine essentielle Rolle im Energiestoffwechsel beim Transport von Fettsauren zwischen Cytosol und den Zellorganellen wie den Mitochondrien StrukturformelStrukturformel des L Isomers von CarnitinAllgemeinesName CarnitinAndere Namen Trimethyl hydroxybutyrobetain 3 Carboxy 2 hydroxypropyl N N N trimethylammoniumhydroxidSummenformel C7H15NO3Kurzbeschreibung farbloses kristallines Pulver 1 Externe Identifikatoren DatenbankenCAS Nummer 406 76 8EG Nummer 206 976 6ECHA InfoCard 100 006 343PubChem 288Wikidata Q243309ArzneistoffangabenATC Code A16 AA01EigenschaftenMolare Masse 161 20 g mol 1Aggregatzustand festSchmelzpunkt 190 195 C Zersetzung 1 Loslichkeit sehr gut loslich in Wasser 100 g l 1 20 C 1 SicherheitshinweiseBitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht fur Arzneimittel Medizinprodukte Kosmetika Lebensmittel und Futtermittel beachtenGHS Gefahrstoffkennzeichnung 2 AchtungH und P Satze H 315 319 335P 261 305 351 338 2 Soweit moglich und gebrauchlich werden SI Einheiten verwendet Wenn nicht anders vermerkt gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen Inhaltsverzeichnis 1 Stereoisomerie 2 Eigenschaften 3 Vorkommen 4 Synthese 5 Verwendung 5 1 Carnitin als Fettverbrenner 5 2 Carnitin im Sport 5 3 Carnitin bei Krebs 5 4 Carnitin als Haarwuchsmittel 6 L Carnitingehalte in Lebensmitteln 7 Geschichte 8 Literatur 9 Weblinks 10 EinzelnachweiseStereoisomerie BearbeitenCarnitin ist chiral da es ein Stereozentrum enthalt Es gibt somit zwei Enantiomere die R Form L Carnitin und die S Form D Carnitin Dem D Carnitin kommt praktisch keinerlei Bedeutung zu wenn Carnitin ohne Deskriptor erwahnt wird ist immer L Carnitin gemeint Isomere von CarnitinName L Carnitin D CarnitinAndere Namen R Carnitin Carnitin Levocarnitin S Carnitin CarnitinStrukturformel CAS Nummer 541 15 1 541 14 0406 76 8 DL EG Nummer 208 768 0 625 884 0206 976 6 DL ECHA Infocard 100 007 972 100 154 337100 006 343 DL PubChem 10917 2724480288 DL DrugBank DB00583 DL Wikidata Q20735709 Q27108687Q243309 DL Eigenschaften BearbeitenL Carnitin reagiert im Stoffwechsel mit Fettsauren wodurch aktivierte Fettsauren entstehen Carnitin ubt diese Funktion im Wechselspiel mit Coenzym A aus Fettsauren konnen nur gebunden an L Carnitin durch die Mitochondrienmembranen transportiert werden 3 Uber das Carnitin Acyltransferase System werden Fettsauren der b Oxidation zugefuhrt Im Darm wird aus Carnitin durch die Darmflora zuerst Trimethylamin und in Folge Trimethylaminoxid gebildet 4 Der menschliche Korper kann L Carnitin aus den Aminosauren Methionin und Lysin selbst bilden nimmt es jedoch hauptsachlich uber Fleisch auf Vorkommen BearbeitenL Carnitin befindet sich in grossen Mengen in rotem Fleisch insbesondere in Schaf und Lammfleisch Geflugelfleisch dagegen ist carnitinarmer wahrend vegetarische Lebensmittel wenig oder gar kein L Carnitin enthalten Bei einer gemischten Kost werden taglich zwischen 100 und 300 mg L Carnitin durch die Nahrung aufgenommen im Gegensatz zu Ovo Lakto Vegetariern die nur 15 25 dieser Menge aufnehmen wahrend der Anteil bei veganer Kost um die 3 10 liegt 5 6 Der restliche Bedarf wird durch die endogene Synthese gedeckt wenn die essentiellen Kofaktoren Vitamin C Vitamin B6 Niacin und Eisen in ausreichender Menge zur Verfugung stehen 6 Die Bioverfugbarkeit von L Carnitin aus der Nahrung betragt 54 bis 87 7 Die Resorption hangt stark vom Carnitingehalt der Nahrung aber auch von deren Zusammensetzung ab 7 Der Gesamtbestand an L Carnitin im Korper betragt etwa 20 25 g wobei der Anteil in Geweben mit hohem Fettsauremetabolismus besonders hoch ist In Herz und Skelettmuskulatur sind 98 der Reserven von Carnitin gespeichert 6 Uber die Nieren werden taglich etwa 20 mg in den Urin ausgeschieden Der Normalwert des L Carnitins im Plasma liegt zwischen 40 und 60 µmol l 8 wovon etwa 70 85 als freies Carnitin verfugbar sind Der Rest liegt mit einer Fettsaure verestert als Acylcarnitin vor Da L Carnitin wasserloslich ist wird es bei einer Hamodialyse mit aus dem Blut der Nierenpatienten entfernt 9 Dies hat die Folge dass Dialysepatienten sehr niedrige L Carnitin Blutwerte haben Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz nehmen haufig L Carnitin entweder oral oder intravenos um diese Verluste wieder auszugleichen Synthese BearbeitenL Carnitin kann uber verschiedene Wege im industriellen Massstab gewonnen werden 10 Beispielsweise uber einen die korpereigene Biosynthese imitierenden biotechnologischen Prozess In grossen Fermentationsbehaltern wird dabei die Vorstufe von L Carnitin g Butyrobetain mit Hilfe von gramnegativen Bakterien Rhizobien in L Carnitin umgesetzt Verwendung BearbeitenPatienten mit einer systemischen primaren Carnitindefizienz SPCD erhalten Carnitin als Nahrungserganzungsmittel 11 Weiterhin wird Carnitin als Fatburner verwendet Carnitin als Fettverbrenner Bearbeiten Die zusatzliche Einnahme von Carnitin wird in Studien kontrovers diskutiert Wissenschaftler des Institutes fur Lebensmittelwissenschaft und Okotrophologie der Uni Hannover stellten 1994 zusammenfassend fest dass L Carnitin keine eigenstandige Eigenschaft als Fatburner und Schlankheitsmittel zukommt 12 Der carnitinabhangige Fettsauretransport erfolge bereits bei physiologischen Carnitinkonzentrationen mit Maximalgeschwindigkeit Eine Umsatzsteigerung durch zusatzliche Carnitingaben sei daher auszuschliessen Aus Humanstudien geht hervor dass Carnitinsupplemente zwar zu einem Anstieg der Carnitinwerte im Blut fuhren eine entsprechende intrazellulare Erhohung lasst sich allerdings nicht belegen 13 Die Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen aussert sich uber Carnitin als Nahrungserganzungsmittel und angeblichen Fatburner wie folgt Die Behauptung dass der Korper zur Herstellung von 1 g Carnitin 34 g Muskel abbauen musse ist schlicht falsch er nutzt dafur Eiweissbausteine aus der Nahrung Eine zusatzliche Carnitin Aufnahme in Tablettenform kann weder den Carnitingehalt in den Muskelzellen noch die Geschwindigkeit der Fettverbrennung steigern Sie hat auch keinen Einfluss auf den Fettanteil des Korpers wahrend einer Diat Uberflussiges Carnitin wird mit dem Urin ausgeschieden Es ist jedoch nicht auszuschliessen dass bei einer dauerhaften hohen Zufuhr die korpereigene Carnitinbildung eingestellt wird Carnitin ist als Schlankheitsmittel genauso unwirksam wie als Leistungssteigerer Herzstarkungs Potenzsteigerungs und Antikrebsmittel 14 Im Jahr 2016 wurde in einer Metaanalyse eine begrenzte Wirksamkeit festgestellt 15 Carnitin im Sport Bearbeiten Insbesondere Ausdauersportler nehmen L Carnitin haufig als Nahrungserganzungsmittel zu sich da einige Studien suggerieren dass durch die Einnahme von L Carnitin Leistungssteigerungen erzielt werden konnten Diese Leistungssteigerung bezieht sich auf die Regeneration nach grosser sportlicher Anstrengung Carnitin wird im Sport als einer der am starksten wirkenden Fatburner gehandelt Carnitin bei Krebs Bearbeiten In einer randomisierten Doppelblind Studie der Universitat Greifswald konnte 2012 gezeigt werden dass die tagliche Einnahme von 4 g L Carnitin bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrusenkrebs die gefahrliche Gewichtsabnahme Kachexie aufhalten konnte 16 Wahrend sich das Gewicht in der Kontrollgruppe um durchschnittlich 1 4 verringerte nahm das Gewicht in der Carnitin Gruppe um 3 4 signifikant zu Auch die mediane Uberlebenszeit verlangerte sich von 399 auf 519 Tage und die Aufenthaltszeit im Krankenhaus verringerte sich von 41 auf 36 Tage nicht signifikant Carnitin wird zur Minderung des Muskelabbaus bei Krebs untersucht 17 Carnitin als Haarwuchsmittel Bearbeiten L Carnitin wird als Nahrungserganzungsmittel und in Shampoos als Mittel gegen Haarausfall vermarktet Ausser einer kleinen Studie aus dem Jahr 2007 18 19 mannliche 32 weibliche Probanden Alter 21 60 Jahre mit topisch appliziertem Carnitintartrat gibt es dafur keine wissenschaftliche Grundlage Die Autoren schrieben den Effekt einer Minderung der Bildung von haarwuchshemmenden Faktoren zu 19 L Carnitingehalte in Lebensmitteln BearbeitenL Carnitingehalte in Lebensmitteln in mg pro 100 g Lebensmittel 5 Lebensmittel L Carnitin mg 100 g Lebensmittel L Carnitin mg 100 g Lebensmittel L Carnitin mg 100 g Lebensmittel L Carnitin mg 100 gFleischextrakt 3686 Kalb 69 7 105 Pilze 1 3 15 Muttermilchersatz 1 4 3Reh Hirsch Elch Rentier 35 193 Wildschwein 18 46 Geflugel 4 3 13 3 Speiseol Butter Margarine 0 1 1Schaf Ziege 16 7 190 Fleischprodukte 1 2 38 6 Meerestiere 1 7 13 2 Cerealien Brot Nudeln Reis 0 33 0 75Pferd Kanguru 117 166 Kaninchen 10 2 24 4 Kase 0 6 12 7 Nusse 0 02 0 67Rind 45 143 Hausschwein 14 4 24 Milch Molkereiprodukte 2 1 9 7 Gemuse 0 05 0 53Hase 44 1 120 Wildvogel 3 21 1 Bruhen 1 1 6 1 Obst 0 01 0 35Geschichte BearbeitenKarnitin wurde erstmals im Jahr 1905 von Wladimir Gulewitsch und dessen Mitarbeiter Robert Krimberg isoliert 20 21 Sie praparierten daruber hinaus ein Platinsalz von Karnitin und bestimmten die Summenformel die korrekte Strukturformel fand Krimberg im Jahr darauf 22 Karnitin soll auch etwa zur selben Zeit von Friedrich Kutscher in Marburg gefunden worden sein 23 der es Novain nannte Seine Strukturformel war falsch und Krimberg bewies bald darauf dass beide identisch sind Im Jahr 1952 wurde es von Gottfried Fraenkel mit dem von ihnen isolierten Insekten Wachstumsfaktor Vitamin B T displaystyle B T identifiziert Dies fuhrte unmittelbar zur Entdeckung von dessen Rolle im Fettstoffwechsel und in den Mitochondrien 24 Literatur BearbeitenHeinz Loster Carnitine and Cardiovascular Diseases Ponte Press Bochum 2003 ISBN 3 920328 45 0 Heinz Loster Carnitin und seine Bedeutung bei kardiovaskularen Erkrankungen Ponte Press Bochum 2007 ISBN 978 3 920328 50 8 Weblinks BearbeitenWissenschaftliche Studie zu Carnitin und Fettstoffwechsel PDF 98 kB Wissenschaftliche Studie zur Wirkung von L Carnitin bei der Regeneration nach dem Sport Hanne Seline Marie Gustavsen Bestimmung des L Carnitingehaltes in rohen und zubereiteten pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln PDF 1 72 MB DoktorarbeitEinzelnachweise Bearbeiten a b c Datenblatt Carnitin PDF bei Merck abgerufen am 19 Januar 2011 a b Datenblatt L Carnitine inner salt bei Sigma Aldrich abgerufen am 3 November 2016 PDF Heinz Loster Biochemical fundamentals of the effects of Carnitine In Carnitine and Cardiovascular Diseases Ponte Press Bochum 2003 ISBN 3 920328 45 0 S 3 48 Robert A Koeth Zeneng Wang Bruce S Levison Jennifer A Buffa Elin Org Brendan T Sheehy Earl B Britt Xiaoming Fu Yuping Wu Lin Li Jonathan D Smith Joseph A DiDonato Jun Chen Hongzhe Li Gary D Wu James D Lewis Manya Warrier J Mark Brown Ronald M Krauss W H Wilson Tang Frederic D Bushman Aldons J Lusis Stanley L Hazen Intestinal microbiota metabolism of l carnitine a nutrient in red meat promotes atherosclerosis In Nature Medicine 19 2013 S 576 doi 10 1038 nm 3145 a b Hanne Seline Marie Gustavsen Bestimmung des L Carnitingehaltes in rohen und zubereiteten pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln PDF 1 8 MB Doktorarbeit am Physiologischen Institut der Tierarztlichen Hochschule Hannover 2000 a b c Axel G Feller Daniel Rudman Role of carnitine in human nutrition In The Journal of nutrition Volume 118 Issue 5 S 541 547 Januar 1988 PMID 3284979 jn nutrition org PDF 1 6 MB a b C J Rebouche C A Chenard Metabolic fate of dietary carnitine in human adults identification and quantification of urinary and fecal metabolites In The Journal of nutrition Volume 121 Issue 4 S 539 546 April 1991 PMID 2007906 jn nutrition org PDF 1 3 MB C J Rebouche Carnitine function and requirements during the life cycle In FASEB journal official publication of the Federation of American Societies for Experimental Biology Band 6 Nummer 15 Dezember 1992 S 3379 3386 PMID 1464372 G Guarnieri Carnitine 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der Schlankmacher Verbraucherzentrale NRW Dusseldorf 2004 ISBN 3 933705 91 6 M Pooyandjoo M Nouhi S Shab Bidar K Djafarian A Olyaeemanesh The effect of L carnitine on weight loss in adults a systematic review and meta analysis of randomized controlled trials In Obesity reviews an official journal of the International Association for the Study of Obesity Band 17 Nummer 10 Oktober 2016 S 970 976 doi 10 1111 obr 12436 PMID 27335245 M Kraft u a L Carnitine supplementation in advanced pancreatic cancer CARPAN a randomized multicentre trial In Nutrition Journal 2012 PMID 22824168 R Ringseis J Keller K Eder Mechanisms underlying the anti wasting effect of L carnitine supplementation under pathologic conditions evidence from experimental and clinical studies In European Journal of Nutrition Band 52 Nummer 5 August 2013 S 1421 1442 doi 10 1007 s00394 013 0511 0 PMID 23508457 K Foitzik et al Indications that topical L Carnitin L tartrate promotes human hair growth in vivo J Dermatol Sci 2007 48 2 141 K Foitzik et al L Carnitin L tartrate promotes human hair growth in vitro Exp Dermatol 2007 16 936 Gulevich Krimberg Zur Kenntnis der Extractivstoffe der Muskeln In Z f Physiol Chemie Band 45 1905 S 326 328 Anatoly Bezkorovainy Carnosine carnitine and Vladimir Gulevich In J Chem Education Band 51 1974 S 652 654 Bezkorovainy In J Chem Education Band 51 1974 S 653 er zitiert dazu R Krimberg In Z f Physiol Chemie Band 49 1906 S 89 Band 50 1907 S 361 F Kutscher Zur Kenntnis des Novains In Z Physiol Chem Band 49 1905 S 47 49 Digitalisat George Wolf The Discovery of a Vitamin Role for Carnitine the First 50 Years In Journal of Nutrition Band 136 2006 S 2131 2134 jn nutrition orgDieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Carnitin amp oldid 214873171, wikipedia, wiki, deutsches

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