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Blut

Das gemeingermanische Wort „Blut“ (von mittelhochdeutsch und althochdeutsch bluot) gehört wahrscheinlich im Sinne von „Fließendes“ zu indogermanisch bhlê- „quellen“, und bhel- „schwellen, knospen, blühen“ (vergleiche englisch blow). Nach alter Tradition gilt Blut als der Sitz des Lebens, daher entstanden Zusammensetzungen wie Blutrache, Blutschuld.

Jede Zelle ist für den Erhalt ihres Stoffwechsels auf den stofflichen Austausch mit ihrer Umgebung angewiesen. Da mit der Entwicklung komplexerer Vielzeller nicht mehr jede Zelle mit der Körperoberfläche in direktem Kontakt steht und die Diffusion ein sehr langsamer Vorgang ist, dessen Zeitbedarf sich proportional zum Quadrat der Entfernung verhält, wird mit zunehmender Größe des Lebewesens ein Transportmedium für diese Austauschprozesse notwendig. Diese Flüssigkeit bringt die Stoffe also in die Nähe der Zielzellen und verkürzt damit die notwendige Diffusionsstrecke.

Bei den Tieren mit offenem Blutkreislauf (z. B. Gliederfüßern oder Weichtiere) sind Blut- und interstitielle Flüssigkeit (Flüssigkeit im Gewebszwischenraum) nicht voneinander getrennt. Die hier zirkulierende Flüssigkeit wird als Hämolymphe bezeichnet. Den Nachteil des relativ langsamen Blutflusses in einem offenen Kreislauf kompensieren Insekten dadurch, dass die Hämolymphe nicht dem Sauerstofftransport dient, sondern dieser über Tracheen gewährleistet wird. Bei allen Tieren mit einem geschlossenen Blutkreislauf, unter anderem allen Wirbeltieren, wird die zirkulierende Flüssigkeit „Blut“ genannt.

Blutproben Links: Abgestandene Blutprobe. Gut erkennbar ist das hellere Plasma, unter dem sich die zellulären Bestandteile abgesetzt haben. Rechts: Frische Blutprobe mit noch vermischten Blutbestandteilen. Beide Röhrchen enthalten den Gerinnungshemmer EDTA, ohne den beide Blutproben gerinnen würden.

Blut besteht aus zellulären Bestandteilen (Hämatokrit, ca. 44 %) und Plasma (ca. 55 %), einer wässrigen Lösung (90 % Wasser) aus Proteinen, Salzen und niedrig-molekularen Stoffen wie z. B. Monosacchariden (Einfachzuckern). Weitere Bestandteile des Blutes sind Hormone, gelöste Gase sowie Nährstoffe (Zucker, Lipide und Vitamine), die zu den Zellen, und Stoffwechsel- und Abfallprodukte (z. B. Harnstoff und Harnsäure), die von den Zellen zu ihren Ausscheidungsorten transportiert werden.

Aus chemisch-physikalischer Sicht ist Blut eine Suspension, also ein Gemisch aus der Flüssigkeit Wasser und zellulären Bestandteilen. Es stellt eine nichtnewtonsche Flüssigkeit dar. Dies begründet seine besonderen Fließeigenschaften. Blut hat aufgrund der enthaltenen Erythrozyten eine gegenüber Plasma erhöhte Viskosität. Je höher der Hämatokritwert und je geringer die Strömungsgeschwindigkeit ist, desto mehr steigt die Viskosität. Aufgrund der Verformbarkeit der roten Blutkörperchen verhält sich Blut bei steigender Fließgeschwindigkeit nicht mehr wie eine Zellsuspension, sondern wie eine Emulsion. Der pH-Wert von menschlichem Blut liegt bei 7,4 und wird durch verschiedene Blutpuffer konstant gehalten. Fällt er unter einen bestimmten Grenzwert (ca. 7,35), so spricht man von einer Azidose (Übersäuerung), liegt er zu hoch (ca. 7,45), wird dies Alkalose genannt.

Blut verdankt seine rote Farbe dem Hämoglobin, genauer gesagt seinem sauerstoffbindenden Anteil, der Hämgruppe. Deshalb zählt Hämoglobin zur Gruppe der Blutfarbstoffe. Mit Sauerstoff angereichertes Blut hat einen helleren und kräftigeren Farbton als sauerstoffarmes Blut, da die Hämgruppe nach der Aufnahme des Sauerstoffs eine Konformationsänderung vollzieht, in der sich die Position des Eisens in der Hämgruppe relativ zu seinen Bindungspartnern ändert. Dies hat eine Veränderung des Absorptionsspektrums des Lichts zur Folge.

Als chemische Komponente, die den typisch metallischen Geruch von Blut bei Säugetieren ausmacht und Raubtiere anzieht, wurde im Jahr 2014 der Aldehyd trans-4,5-Epoxy-(E)-2-Decenal identifiziert.

Tritt durch eine Verletzung von Blutgefäßen Blut ins Gewebe über, zersetzt sich darin langsam das Hämoglobin zu den Gallenfarbstoffen; in zeitlicher Abfolge von mehreren Tagen wird ein „Blauer Fleck“ dabei grün und gelb. Auf Neuguinea leben Echsenarten, deren Blut eine so hohe Biliverdin-Konzentration aufweisen, dass sie äußerlich grün erscheinen. Die Körperfärbung bei einer Gelbsucht beim Menschen rührt von einem hohen Bilirubin-Spiegel her.

Plasma

Hauptartikel: Blutplasma

Die im Plasma enthaltenen Ionen sind vorwiegend Natrium-, Chlorid-, Kalium-, Magnesium-, Phosphat- und Calciumionen. Der Anteil der Proteine beträgt etwa 60 bis 80 g/l, entsprechend 8 % des Plasmavolumens. Sie werden nach ihrer Beweglichkeit bei der Elektrophorese in Albumine und Globuline unterschieden. Letztere werden wiederum in α1-, α2-, β- und γ-Globuline unterschieden. Die Plasmaproteine übernehmen Aufgaben des Stofftransports, der Immunabwehr, der Blutgerinnung, der Aufrechterhaltung des pH-Wertes und des osmotischen Druckes.

Blutplasma ohne Gerinnungsfaktoren wird als Blutserum bezeichnet. Serum wird gewonnen, indem das Blut in einem Röhrchen nach vollständigem Gerinnen zentrifugiert wird. Im unteren Teil des Röhrchens findet sich dann der so genannte Blutkuchen, im oberen die als Serum bezeichnete, meist klare Flüssigkeit. Das Serum enthält auch Substanzen, die im Plasma nicht enthalten sind: insbesondere Wachstumsfaktoren wie PDGF, die während des Gerinnungsvorgangs freigesetzt werden. Serum besteht zu 91 % aus Wasser und 7 % Proteinen. Der Rest sind Elektrolyte, Nährstoffe und Hormone. Durch gelöstes Bilirubin ist es gelblich gefärbt.

Zelluläre Bestandteile

Die im Blut enthaltenen Zellen werden unterschieden in Erythrozyten, die auch rote Blutkörperchen genannt werden, in Leukozyten, die als weiße Blutkörperchen bezeichnet werden, und in Thrombozyten oder Blutplättchen. Blut hat bei Männern einen korpuskulären Anteil (Zellanteil) von 44 bis 46 %, bei Frauen von 41 bis 43 %. Da die hämoglobintragenden Erythrozyten den Hauptteil des korpuskulären Blutes ausmachen, wird dieses Verhältnis Hämatokrit genannt. Beim Neugeborenen beträgt der Hämatokrit ca. 60 %, bei Kleinkindern nur noch 30 %. Bis zur Pubertät steigt er dann auf die Werte für Erwachsene an. Genaugenommen bezeichnet der Hämatokrit also nur den Anteil an Erythrozyten. Die Leukozyten und Thrombozyten können nach dem Zentrifugieren der zellulären Bestandteile als feiner heller Flaum (buffy coat) über den ganz unten befindlichen Erythrozyten (Hämatokrit) und unter dem Plasmaanteil beobachtet werden, sie machen weniger als 1 % des Blutvolumens beim Gesunden aus.

Zellen des menschlichen Blutes
Bezeichnung Anzahl je μl Blut
Erythrozyten 4,5 bis 5,5 Mio.
Leukozyten 4.000–11.000
Granulozyten
Neutrophile 2.500–7.500
Eosinophile 40–400
Basophile 10–100
Lymphozyten 1.500–3.500
Monozyten 200–800
Thrombozyten 300.000

Die Erythrozyten oder roten Blutkörperchen dienen dem Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid. Sie enthalten Hämoglobin, ein Protein, das für Sauerstoffbindung und -transport im Blut verantwortlich ist und aus dem eigentlichen Eiweiß Globin und der Häm-Gruppe, die mit Eisen einen Komplex bildet, besteht. Dieses Eisen verleiht dem Blut von Wirbeltieren seine rote Farbe (Siehe auch: Blutfarbstoff). Bei anderen Tieren wie den Kopffüßern, Spinnentieren oder Krebsen erfüllt eine Kupferverbindung (Hämocyanin) diese Funktion. Deshalb ist deren Blut bläulich. Etwa 0,5 bis 1 % der roten Blutkörperchen sind Retikulozyten, das heißt, noch nicht vollständig ausgereifte Erythrozyten.

Die Leukozyten oder weißen Blutkörperchen werden noch einmal in Eosinophile, Basophile und Neutrophile Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten unterteilt. Die Granulozyten werden nach dem Färbeverhalten ihres Protoplasmas benannt und dienen, genau wie die Monozyten, der unspezifischen Immunabwehr, während die Lymphozyten an der spezifischen Immunabwehr teilnehmen. Thrombozyten dienen der Blutungsstillung und bilden damit die Grundlage der ersten Phase der Wundheilung.

Die zahlenmäßige Zusammensetzung der Blutzellen kann zwischen den einzelnen Wirbeltierarten variieren. Besonders hohe Erythrozytenzahlen haben Ziegen (bis 14 Mio/µl), besonders niedrige das Geflügel (3–4 Mio/µl). Die Leukozytenzahlen haben ähnlich große Variationen: Rinder, Pferde und Menschen haben etwa 8.000/µl, während Schafe (bis zu 17.000/µl) und Vögel (bis 25.000/µl) besonders hohe Anteile an weißen Blutkörperchen haben. Auch der Anteil der einzelnen Untertypen der Leukozyten variiert beträchtlich. Während bei Menschen und Pferden die Granulozyten dominieren (granulozytäres Blutbild), sind es bei Rindern die Lymphozyten (lymphozytäres Blutbild); bei Schweinen ist das Verhältnis von Granulo- zu Lymphozyten ausgeglichen (granulo-lymphozytäres Blutbild).

Auf- und Abbau der Zellen des Blutes

Ablauf der Hämatopoese

Alle Zellen des Blutes werden in einem Hämatopoese genannten Vorgang im Knochenmark gebildet. Aus pluripotenten Stammzellen, aus denen jede Zelle reifen kann, werden multipotente Stammzellen, die auf verschiedene Zelllinien festgelegt sind. Aus diesen entwickeln sich dann die einzelnen zellulären Bestandteile des Blutes.

Die Erythropoese bezeichnet als Unterscheidung zur Hämatopoese nur die Differenzierung von Stammzellen zu Erythrozyten. Der Prozess der Reifung und Proliferation der Zellen wird durch das in Niere und Leber produzierte Hormon Erythropoietin gefördert. Eine wichtige Rolle bei der Erythropoese spielt Eisen, das zur Bildung von Hämoglobin benötigt wird. Außerdem spielen Vitamin B12 (Cobalamine) und Folsäure eine Rolle. Kommt es zu einem Sauerstoffmangel im Körper, zum Beispiel auf Grund eines Höhenaufenthalts, so wird die Hormonausschüttung erhöht, was längerfristig zu einer erhöhten Anzahl an roten Blutkörperchen im Blut führt. Diese können mehr Sauerstoff transportieren und wirken so dem Mangel entgegen. Dieser Gegenregulationsvorgang ist auch messbar: Man findet eine erhöhte Anzahl von Retikulozyten (unreifen roten Blutkörperchen).

Der Abbau der roten Blutkörperchen findet in der Milz und den Kupffer’schen Sternzellen der Leber statt. Erythrozyten haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 120 Tagen. Das Hämoglobin wird in einem Abbauprozess über mehrere Schritte (über Bilirubin) zu Urobilin und Sterkobilin abgebaut. Während Urobilin den Urin gelb färbt, ist Sterkobilin für die typische Farbe des Kots verantwortlich.

Transportfunktion

Das Blut mit seinen einzelnen Bestandteilen erfüllt viele wesentliche Aufgaben, um die Lebensvorgänge aufrechtzuerhalten. Hauptaufgabe ist der Transport von Sauerstoff und Nährstoffen zu den Zellen und der Abtransport von Stoffwechselendprodukten wie Kohlenstoffdioxid oder Harnstoff. Außerdem werden Hormone und andere Wirkstoffe zwischen den Zellen befördert. Blut dient weiterhin der Homöostase, das heißt der Regulation und Aufrechterhaltung des Wasser- und Elektrolythaushaltes, des pH-Werts sowie der Körpertemperatur.

Abwehrfunktion

Als Teil des Immunsystems hat das Blut Aufgaben in Schutz und Abwehr gegen Fremdkörper (unspezifische Abwehr) und gegen Antigene (spezifische Abwehr) durch Phagozyten (Fresszellen) und durch Antikörper. Weiter ist das Blut ein wichtiger Bestandteil bei der Reaktion auf Verletzungen (Blutgerinnung und Fibrinolyse). Zudem hat Blut eine Stützwirkung durch den von ihm ausgehenden Flüssigkeitsdruck.

Wärmeregulierung

Die ständige Zirkulation des Blutes gewährleistet eine konstante Körpertemperatur. Diese liegt beim gesunden Menschen bei ca. 36–37 °C. Dabei geht man im Allgemeinen von der Temperatur im Innern des Körpers aus.

Atmung

Eine Funktion des Blutes ist der Transport von Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen und von Kohlenstoffdioxid – dem Endprodukt des oxidativen Kohlenstoffwechsels – zurück zur Lunge.

Herz-Lungenkreislauf

Im Rahmen der Atmung gelangt der in der Luft enthaltene Sauerstoff über die Luftröhre in die Lunge bis hin zu den Lungen­bläschen. Durch deren dünne Membran gelangt der Sauerstoff in die Blutgefäße. Das Blut wiederum wird im Rahmen des Lungenkreislaufes vom Herzen zur Lunge geführt. Das zunächst sauerstoffarme Blut gibt in der Lunge Kohlenstoffdioxid (CO2) ab und nimmt dort Sauerstoff auf. Das nun sauerstoffreiche Blut fließt über mehrere Lungenvenen (Venae pulmonales) wieder zurück zum Herzen, genauer zum linken Vorhof. Von dort wird das Blut über ein geschlossenes Netz aus Blutgefäßen an die meisten stoffwechselnden Zellen innerhalb des Körpers verteilt (vgl. auch Blutkreislauf). Ausgenommen davon sind u. a. Zellen der Hornhaut des Auges und der Knorpel, die keinen direkten Anschluss an das Gefäßsystem haben und wie bei primitiveren Organismen über Diffusion ernährt werden (bradytrophe Gewebe).

Hämmolekül, abgebildet ist hier Häm b

Funktionell wichtig für den oben beschriebenen Gasaustausch ist der in den roten Blutkörperchen enthaltene Blutfarbstoff Hämoglobin.

Jedes Hämoglobinmolekül besteht aus vier Untereinheiten, die jede eine Hämgruppe enthalten. Im Zentrum der Hämgruppe ist ein Eisen-Ion gebunden. Dieses Eisen übt eine starke Anziehungskraft (sog. Affinität) auf Sauerstoff aus, wodurch der Sauerstoff an das Hämoglobin gebunden wird. Hat dies stattgefunden, so spricht man von oxygeniertem Hämoglobin. Die Affinität des Hämoglobins für Sauerstoff wird durch eine Erhöhung des Blut-pH-Werts, eine Senkung des Partialdrucks von Kohlendioxid, eine geringere Konzentration des im Rapoport-Luebering-Zyklus gebildeten 2,3-Bisphosphoglycerats und eine niedrigere Temperatur erhöht. Ist die Affinität des Hämoglobins für Sauerstoff hoch und der Partialdruck von Sauerstoff ebenso, wie es in den Lungen der Fall ist, dann begünstigt dies die Bindung von Sauerstoff an Hämoglobin, ist jedoch das Gegenteil der Fall wie im Körpergewebe, so wird Sauerstoff abgegeben.

98,5 % des im Blut enthaltenen Sauerstoffs sind chemisch an Hämoglobin gebunden. Nur die restlichen 1,5 % sind physikalisch im Plasma gelöst. Dies macht Hämoglobin zum vorrangigen Sauerstofftransporter der Wirbeltiere. Unter normalen Bedingungen ist beim Menschen das die Lungen verlassende Hämoglobin zu etwa 96–97 % mit Sauerstoff gesättigt. Desoxygeniertes Blut ist immer noch zu ca. 75 % gesättigt. Die Sauerstoffsättigung bezeichnet das Verhältnis aus tatsächlich gebundenem Sauerstoff zu maximal möglichem gebundenem Sauerstoff. Kohlenstoffdioxid wird im Blut auf verschiedene Art und Weise transportiert: Der kleinere Teil wird physikalisch im Plasma gelöst, der Hauptteil jedoch wird in Form von Hydrogencarbonat (HCO3) und als an Hämoglobin gebundenes Carbamat transportiert. Die Umwandlung von Kohlenstoffdioxid zu Hydrogencarbonat wird durch das Enzym Carboanhydrase beschleunigt.

Blutstillung und -gerinnung

Hauptartikel: Hämostase
Aus einer Schnittwunde rinnendes Blut

Die Prozesse, die den Körper vor Blutungen schützen sollen, werden unter dem Oberbegriff der Hämostase zusammengefasst. Dabei wird zwischen der primären und der sekundären Hämostase unterschieden.

An der primären Hämostase sind neben den Thrombozyten verschiedene im Plasma enthaltene und auf der Gefäßwand präsentierte Faktoren beteiligt. Das Zusammenspiel dieser Komponenten führt bereits nach zwei bis vier Minuten zur Abdichtung von Lecks in der Gefäßwand. Dieser Zeitwert wird auch als Blutungszeit bezeichnet. Zuerst verengt sich das Gefäß, dann verkleben die Thrombozyten das Leck, und schließlich bildet sich ein fester Pfropfen aus Fibrin, der sich nach abgeschlossener Gerinnung zusammenzieht. Die Fibrinolyse ist später für ein Wiederfreimachen des Gefäßes verantwortlich.

Die sekundäre Hämostase findet durch Zusammenwirkung verschiedener Gerinnungsfaktoren statt. Dies sind, bis auf Calcium (Ca2+), in der Leber synthetisierte Proteine. Diese im Normalfall inaktiven Faktoren werden in einer Kaskade aktiviert. Sie können entweder endogen, das heißt durch Kontakt des Blutes mit anionischen Ladungen des subendothelialen (unter der Gefäßinnenoberfläche gelegenen) Kollagens, oder exogen aktiviert werden, das heißt durch Kontakt mit Gewebsthrombokinase, die durch größere Verletzungen aus dem Gewebe in die Blutbahn gelangt ist. Ziel der sekundären Blutgerinnung ist die Bildung von wasserunlöslichen Fibrinpolymeren, die das Blut zu „Klumpen“ gerinnen lassen.

Als Fibrinolyse wird der Prozess der Rückbildung der Fibrinklumpen bezeichnet. Dies findet durch die Aktion des Enzyms Plasmin statt.

Soll aufgrund verschiedener medizinischer Indikationen wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabgesetzt werden, so setzt man Antikoagulantien (Gerinnungshemmer) ein. Diese wirken, indem sie entweder das zur Gerinnung notwendige Calcium binden (jedoch nur im Reagenzglas, z. B. Citrat oder EDTA), indem sie die Interaktion zwischen den Gerinnungsfaktoren hemmen (z. B. Heparin) oder indem sie die Bildung der Gerinnungsfaktoren selbst unterbinden (z. B. Cumarine).

Erkrankungen

Messung der Blutsenkungsreaktion nach der Westergren-Methode
Blutabnahme

Viele Krankheiten lassen sich an bestimmten Veränderungen der Blutbestandteile im Blutbild erkennen und in ihrem Schweregrad einordnen, weshalb das Blut die am häufigsten untersuchte Körperflüssigkeit in der Labormedizin ist. Eine weitere wichtige Untersuchung ist die Blutsenkungsreaktion (BSR), bei der anhand der Zeit, in der sich die festen Bestandteile in mit Gerinnungshemmern behandeltem Blut absetzen, Rückschlüsse auf eventuell vorhandene Entzündungen gezogen werden können.

Außer Krankheiten, die sich durch Veränderungen im Blutbild äußern, gibt es auch Krankheiten, die das Blut (bzw. Blutbestandteile) selbst befallen. Das Fachgebiet der Medizin, das sich mit diesen Erkrankungen befasst, ist die Hämatologie. Zu den wichtigsten zählen die Anämie oder Blutarmut, die Hämophilie oder Bluterkrankheit und die Leukämie als Blutkrebs. Bei einer Anämie kommt es, aufgrund vielfältiger Ursachen, zu einer Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff (Hypoxie). Bei Hämophilien ist die Blutgerinnung gestört, was in schlecht oder nicht stillbaren Blutungen resultiert. Bei einer Leukämie werden übermäßig viele weiße Blutkörperchen gebildet und bereits in unfertigen Formen ausgestoßen. Dies führt zu einer Verdrängung der anderen zellulären Bestandteile des Blutes in Knochenmark und Blut selbst.

Eine übermäßige Bildung von Blutzellen nennt man Zytose oder Philie, die je nach Zellart in Erythrozytose und Leukozytose (Unterformen sind Granulozytose: Eosinophilie, Basophilie, Neutrophilie; Monozytose; Lymphozytose; Thrombozytose) unterteilt wird. Einen Mangel an roten Blutzellen nennt man Erythropenie (Anämie), an weißen Leukopenie (je nach Zellart Eosinopenie, Basopenie, Neutropenie, Monopenie, Lymphopenie, Thrombozytopenie). Solche Verschiebungen der Proportionen der Zellzahlen werden im Differentialblutbild untersucht und geben zum Teil Hinweise auf die Art und das Stadium einer Krankheit.

Durch die Rolle des Blutes in der Versorgung der Zellen besteht bei einer fehlenden oder nicht ausreichenden Blutversorgung immer die Gefahr von Zellschädigung oder -sterben. Bei einer körperweiten Minderversorgung mit Blut, beispielsweise durch einen großen Blutverlust, spricht man von Schock. Durch Blutgerinnsel (aber auch andere Ursachen) kann es zu einer Thrombose, Embolie oder einem Infarkt (z. B. Herz- oder Hirninfarkt) kommen. Um dies zu verhindern, können Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Heparin oder Phenprocoumon angewendet werden, die die Gerinnung hemmen.

Blut selbst hat, wenn es in größeren Mengen in den Magen-Darm-Trakt gelangt, eine abführende Wirkung.

Blutgruppen

Hauptartikel: Blutgruppe

In der Zellmembran der roten Blutkörperchen sind Glycolipide verankert, die als Antigene wirken. Sie werden als Blutgruppen bezeichnet. Kommt es zu einer Vermischung von Blut verschiedener Blutgruppen, so tritt oft eine Verklumpung des Blutes ein. Deswegen muss vor Bluttransfusionen die Blutgruppe von Spender und Empfänger festgestellt werden, um potenziell tödliche Komplikationen zu vermeiden. Die medizinisch bedeutsamsten Blutgruppen des Menschen sind das AB0-System und der Rhesus-Faktor (beide von Karl Landsteiner und Mitarbeitern zuerst beschrieben). Jedoch gibt es beim Menschen noch rund 20 weitere Blutgruppensysteme mit geringerer Bedeutung, die ebenfalls Komplikationen verursachen können.

Im AB0-System findet man die Blutgruppen A, B, AB und 0. Die Bezeichnung sagt aus, welche Antigene auf den Erythrozyten gefunden werden (bei A: nur A-Antigene, bei B: B-Antigene, bei AB: A- und B-Antigene und bei 0: keine der beiden) und welche Antikörper (des Typs IgM) im Serum vorhanden sind (bei A: B-Antikörper, bei B: A-Antikörper, bei AB: keine Antikörper und bei 0: A- und B-Antikörper).

Rhesusfaktoren können in den Untergruppen C, D und E auftreten. Medizinisch relevant ist besonders der Faktor D. Ist das D-Antigen vorhanden, so spricht man von Rhesus-positiv, fehlt es, spricht man von Rhesus-negativ. Beim Rhesussystem entstehen die Antikörper (der Gruppe IgG) im Blut erst, nachdem der Körper das erste Mal auf Blut mit Antigenen trifft. Da IgG-Antikörper die Plazenta durchqueren können, besteht die Möglichkeit von Komplikationen während der zweiten Schwangerschaft einer Rhesus-negativen Mutter mit einem Rhesus-positiven Kind. Hierbei kommt es zunächst zu einer Auflösung (Hämolyse) der kindlichen Erythrozyten und einer anschließenden krankhaft gesteigerten Neubildung, die als fetale Erythroblastose bezeichnet wird.

Die Blutgruppen sind neben ihrer Relevanz bei Transfusionen und Organtransplantationen sowie in der Schwangerschaft auch von Bedeutung in der Rechtsmedizin zur Identitäts- und Verwandtschaftsbestimmung, auch wenn die Aussagekraft von darauf beruhenden Tests weitaus geringer ist als bei der DNA-Analyse und sich auf Ausschlussnachweise beschränkt.

Bluttransfusionen

Hauptartikel: Bluttransfusion

Bei großen Blutverlusten, bei verschiedenen Krankheiten wie dem myelodysplastischen Syndrom und oft zur Bekämpfung von Nebenwirkungen bei allen Chemotherapien werden meist Bluttransfusionen durchgeführt, um das Blutvolumen aufzufüllen oder bestimmte Blutbestandteile, an denen ein Mangel vorliegt, gezielt zu ergänzen. Hierbei ist zu beachten, dass das Blut von Spender und Empfänger hinsichtlich der Blutgruppen und des Rhesusfaktors bestimmte Bedingungen erfüllen muss, da es sonst zu schweren Transfusionszwischenfällen kommen kann. Um Transfusionen zu ermöglichen, sind jedoch Blutspenden nötig.

Es wird zwischen Vollblutspenden, Eigenblutspenden und Spenden nur einzelner spezifischer Blutbestandteile (z. B. Blutplasma oder Thrombozyten) unterschieden. Bei einer Vollblutspende werden dem Spender ca. 500 ml venöses Blut entnommen; dieses Blut wird dann konserviert, untersucht und bei entsprechender Eignung in verschiedene Blutprodukte aufgetrennt. Diese werden in einer Blutbank eingelagert. Eigenblutspenden dienen der Bereitstellung von Blut vor einer Operation, das bei eventuell auftretendem Blutverlust ohne Komplikationen dem Patienten wieder verabreicht werden kann.

Eine Blutspende kostet den Empfänger bzw. dessen Krankenkasse in Deutschland 109,90 €. Hauptbestandteil dieses Betrages ist die Durchführung der Blutspende, weitere Kostenpunkte sind Laboruntersuchungen, Haltbarmachung, Verteilung und Verwaltung.

Alternativen zur Blutspende sind künstliches Blut, das aus lang haltbaren gefriergetrockneten roten Blutkörperchen in einer isotonischen Lösung besteht, und Blutersatz, das starken Blutverlust ausgleichen soll, wenn keine Blutkonserven verfügbar sind. Blutersatzmittel können entweder das noch vorhandene Restblut verdünnen und somit das für einen funktionierenden Blutkreislauf notwendige Volumen wiederherstellen (sog. Volumenexpander) oder das Blut durch aktives Übernehmen des Sauerstofftransports unterstützen.

Auch bei den übrigen Säugetieren gibt es verschiedene Blutgruppensysteme (bei Haustieren 7 bis 15) mit jeweils einer Mehrzahl von Blutgruppenfaktoren. Im Gegensatz zum Menschen gibt es allerdings bei der ersten Bluttransfusion kaum Reaktionen auf diese Blutgruppenunterschiede. Daraufhin gebildete Antikörper rufen erst bei Folgeblutspenden gegebenenfalls eine Unverträglichkeitsreaktion hervor.

Aderlass und Schröpfen

James Gillray: Der Aderlass (um 1805)

Vom Altertum ausgehend galt im europäischen Mittelalter das Blut als einer der Vier Säfte des Lebens. Dabei versuchte man, durch Aderlass oder Schröpfen Heilung zu bewirken und „faules Blut“ zu entfernen. Laut Erzählungen resultierte diese Überlegung aus der Beobachtung kranker Nilpferde, die sich an Gegenständen rieben, bis sie bluteten.

Über lange Zeit galt der Aderlass als anerkannte Therapieform und erfreute sich großer Beliebtheit. Viele Doktoren und Wundärzte neigten jedoch dazu, diese Therapieform äußerst exzessiv zu betreiben. Erst Forschung und Kontakt zu anderen Kulturen (v. a. zu der hoch entwickelten arabischen Medizin) sorgten für differenzierte und anwendungsgerechtere Behandlungen.

Der Aderlass als therapeutische Blutentnahme wird heute durchwegs durch Punktion einer Vene mit einer dicken Kanüle durchgeführt. Dabei werden in der Regel 400 bis maximal 1.000 ml entnommen. Dies ist noch immer angezeigt bei Erkrankungen wie der Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), der Porphyria cutanea tarda und der Polycythaemia vera (krankhafte Vermehrung vor allem der roten Blutkörperchen).

Auch die Blutegelbehandlung findet wieder Beachtung – wobei aber der kontrollierte pharmakognostische Einsatz des Hirudin vorrangig ist.

Blutgifte

Hauptartikel: Blutgift

Blutgifte, auch als Hämotoxine bezeichnet, sind Stoffe, durch deren chemische Beschaffenheit das Blut-, Blutgerinnungs- oder Blutbildungssystem derart verändert wird, dass die Transport- und Stoffwechselfunktion des Blutes eingeschränkt oder verhindert wird. Dies kann eine Schädigung des Blutkreislaufs bis hin zum Kreislaufkollaps zur Folge haben. Zu den chemischen Verbindungen, die als Blutgifte wirken, zählen beispielsweise Kohlenmonoxid (CO), Benzol, Alkohole wie Ethanol, organische Nitroverbindungen, Arsen- und Bleiverbindungen. Beispiele für pflanzliche Inhaltsstoffe mit hämotoxischer Wirkung sind die Saponine und Chinin. Auch eine Reihe von tierischen Giften wirkt auf das Blut, zum Beispiel die Hauptbestandteile der Gifte vieler Vipernarten.

Blutreinigung

Blutreinigungsverfahren (Möglichkeiten zur Entfernung von Blutgiften) sind die Dialyse bei akutem oder chronischem Nierenversagen oder auch die Apherese zur Entfernung von pathogenen (krank machenden) Bestandteilen.

Blut wurde schon früh als Träger der Lebenskraft angesehen. Die Beobachtung, wie beim Verbluten eines Menschen oder beim Ausbluten eines Schlachttiers dessen Kräfte schwinden, ließ die Menschen darauf schließen, dass das Blut ein Urstoff des Lebens sei.

Tierart Blutanteil (%)
Lämmer 4–9
Rinder 2,4–6
Schweine 2–6
Hühner 1,4–2,3

Blut gilt als eines der problematischeren Abfallprodukte der Schlachthäuser. Für die USA schätzt man (bei einem Anteil von etwa 20 % am globalen Fleischmarkt) eine jährliche Produktion von 1,6 Millionen Tonnen Blut. Wegen des relativ hohen Feststoffanteils (etwa 18 %) und des hohen chemischen Bedarfs an Sauerstoff (etwa 500 g O2/L, etwa 800-mal so viel wie bei Haushaltsabwässern) gelten die Umweltprobleme, die vom Schlachtblut hervorgerufen werden, in der Fachliteratur als „enorm“. Wegen der Entsorgungskosten haben Hersteller einen starken wirtschaftlichen Anreiz, Blut zu verarbeiten oder zu verwerten. Vom anfallenden Blut werden (in den USA) etwa 30 % der Nahrungsmittelindustrie zugeführt, überwiegend als kosteneffizientes Bindemittel in Fleischprodukten und als Färbemittel. Weiterhin wird Blut für die Tiernahrung, als Dünger und in der Papierverarbeitung als Klebstoff verwendet.

Hauptartikel: Blut (Lebensmittel)

Zwar werden bei oder nach der Schlachtung Tierkörper so eröffnet und aufgehängt, dass diese ausbluten und damit haltbareres Fleisch ergeben, doch wird Blut andererseits auch als Lebensmittelzutat, etwa von Blutwurst genutzt.

Blut ist auch Hauptnahrungsmittel einiger so genannter hämatophager (blutverzehrender) Parasiten. Der Blutegel saugt sich an der Haut fest und beißt sich dann durch sie hindurch. Innerhalb einer halben Stunde können Blutegel das Fünffache ihres Gewichts an Blut aufnehmen. Die dabei mit ihrem Speichel ausgeschiedenen gerinnungshemmenden Stoffe (z. B. Heparin und Hirudin) machen sie auch für die Medizin interessant. Weitere Blutsauger sind beispielsweise Stechmücken, Bremsen, einige Milben (z. B. Rote Vogelmilbe), Wanzen und einige Würmer (z. B. Hakensaugwürmer). Nur wenige Wirbeltiere ernähren sich ganz oder teilweise von Blut. Neben den Vampirfledermäusen sind nur noch die auf Wolf und Darwin, den zwei nördlichsten Galápagos-Inseln, lebenden Populationen des Spitzschnabel-Grundfinken (Geospiza difficilis), eines Darwinfinken, für derartigen Parasitismus bekannt. Auf den wasserlosen Inseln trinken diese so genannten „Vampirfinken“ vom Blut der sich dort aufhaltenden Meeresvögel, indem sie unbemerkt die Ansätze der Federkiele anpicken und so zugleich ihren Flüssigkeitsbedarf decken. Blutsaugende Tiere sind häufig Überträger von Krankheiten, da sie als Vektoren krankheitserregende Viren, Bakterien, Protozoen und andere Organismen übertragen können. Einige dieser so übertragenen Mikroorganismen leben selbst direkt vom Blut des Wirtsorganismus, so die einzelligen Malariaerreger, die Plasmodien.

Nach dem Tod eines Organismus und dem Zusammenbruch der Immunabwehr beginnen Fäulnisbakterien, die ansonsten im lebenden Organismus nicht vermehrungsfähig sind, am deutlichsten erkennbar zunächst das Blut unter Freisetzung von biogenen Aminen wie Cadaverin und Putrescin zu verstoffwechseln, und führen damit zum sicheren Todeszeichen des durchschlagenden Venennetzes, also zur Verfärbung des oberflächlichen Venensystems in ein dunkles Grün.

Menschliches Blut ist in der mittelalterlichen Literatur als Futtermittel in der Schweinemast, als Gartendüngemittel und in vielfältigen Rezepturen aus Haushalt und Bauwesen erwähnt. Diese heute befremdliche Verwendung liegt in der auf dem Aderlass aufgebauten galenischen Medizin des Mittelalters und der frühen Neuzeit begründet, durch die Menschenblut in teils beträchtlichen Mengen verfügbar war. Pharmazeutisch verwendet als Sanguis hominis wurde der an Sonne getrocknete, sich nach dem Schlagen mit einem gespaltenen Rohr des durch Aderlass gewonnenen Blutes sich abgesetzte Blutkuchen. Wie aber das Baderwesen als Ganzes wurde diese Praxis – aus weltanschaulichen wie auch aus hygienischen Gründen – teils nur als Sitte des armen Volkes toleriert, oder scharf bekämpft.

Blutagar ist ein in der Mikrobiologie verwendeter Nährboden für Mikroorganismen, der menschliches oder tierisches Blut enthält. Mit ihm können verschiedene Erreger, zum Beispiel Streptokokken, nachgewiesen werden.

Blutmehl, das aus getrocknetem Blut von Schlachttieren gewonnen wird, findet als Proteinzusatzfuttermittel noch teilweise Anwendung in der Tierernährung. Mit dem Aufkommen von BSE darf Blutmehl nur noch aus Blut von Schlachthöfen erzeugt werden, die keine Wiederkäuer schlachten (Verordnung (EG) Nr. 1234/2003). Blutmehl findet vor allem in der Fischfütterung Einsatz oder aber auch als Düngemittel.

Ochsenblut ist ein Bindemittel für Farbanstriche, mit denen früher Fachwerkbalken vor der Witterung geschützt wurden. Entgegen weit verbreiteter Ansicht heißt diese Farbe nicht deswegen Ochsenblutrot, weil sie rötlich ist, sondern weil sie tatsächlich Ochsenblut enthält. Zur Herstellung von Ochsenblutrot lässt man das Blut frisch geschlachteter Ochsen abstehen, sodass sich das Serum und die roten Blutkörperchen trennen. Aus dem Serum und gelöschtem Kalk wird unter Zugabe von Pigmenten eine gut wetterfeste Farbe gewonnen.

Portal: Medizin – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Medizin
  • Christina von Braun, Christoph Wulf: Mythen des Blutes. Campus Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2007.
  • Ludwig Heilmeyer, Herbert Begemann: Blut und Blutkrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 376–449.
  • Arnold Angenendt: Sühne durch Blut. In: Frühmittelalterliche Studien. 18, 1984, S. 437–467.
  • Robert F. Schmidt, Florian Lang, Gerhard Thews: Physiologie des Menschen. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-21882-3.
  • Friedhelm Schneidewind: Das Lexikon rund ums Blut – Der rote Lebenssaft in Mystik und Mythologie, Magie und Medizin, Religion und Volksglaube, Legende und Literatur. Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89602-224-5.
  • Meinolf Schumacher: Sündenschmutz und Herzensreinheit. Studien zur Metaphorik der Sünde in lateinischer und deutscher Literatur des Mittelalters., Wilhelm Fink Verlag, München 1996, ISBN 3-7705-3127-2 (Digitalisat), S. 408–416 (Schmutzmaterie: Blut), S. 552–588 (Reinigen mit Blut).
  • Christina von Braun: Viertes Bild: Blut und Blutschande. Zur Bedeutung des Blutes in der antisemitischen Denkwelt. In: Julius H. Schoeps, Joachim Schlör (Hrsg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus – Vorurteile und Mythen. Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0734-2, S. 80–95.
  • Stefan Silbernagl, Agamemnon Despopoulos: Taschenatlas der Physiologie. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-567706-0.
  • Paul Volz: Die biblischen Altertümer. Komet Verlag, Köln 1914, ISBN 3-89836-316-3.
  • Christine Knust, Dominik Groß (Hrsg.): Blut. Die Kraft des ganz besonderen Saftes in Medizin, Literatur, Geschichte und Kultur (= Studien des AKGW. Band 7). Kassel 2010, ISBN 978-3-89958-832-3.
  • Jan Steinmetzer, Dominik Groß: Lizenzforderungen auf Blutkonserven – Das Geschäft mit Patenten auf Bluttests. In: Jochen Taupitz (Hrsg.): Kommerzialisierung des menschlichen Körpers. Tagungsband (Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin), Berlin 2007, ISBN 978-3-540-69894-4, S. 213–226.
Commons: Blut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Blut – Zitate
Wiktionary: Blut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Das Herkunftswörterbuch (= Der Duden in zwölf Bänden.Band7). 5. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2014,S.178. Siehe auch Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 7. Auflage. Trübner, Straßburg 1910 (S. 61).
  2. Lockstoff identifiziert: Der Geruch von Blut. In: Spiegel Online. 12. November 2014, abgerufen am 12. November 2014.
  3. S. Nilsson, J. Sjöberg, M. Amundin, C. Hartmann, A. Buettner u. a.: Behavioral Responses to Mammalian Blood Odor and a Blood Odor Component in Four Species of Large Carnivores. In: PLoS ONE. 9(11), 2014, S. e112694. doi:10.1371/journal.pone.0112694 (englisch).
  4. Das grüne Blut der Echsen orf.at, 17. Mai 2018, abgerufen am 17. Mai 2018.
  5. Drei Herzen, blaues Blut und noch viel mehr – Der „Saft des Lebens“. In: Scinexx das Wissensmagazin.
  6. Kein Geschäft mit der Nächstenliebe. (Memento vom 18. Juni 2006 im Internet Archive) DRK-Blutspendedienst, 24. Juni 2006.
  7. Heike Petermann: Blut – Mythos, Magie, Medizin. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2014, S. 37.
  8. Heike Petermann: Blut – Mythos, Magie, Medizin. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2014, S. 40.
  9. Vgl. etwa Hans Eduard Franz (Hrsg.): Blutreinigungsverfahren: Technik und Klinik. Hämodialyse, Peritonealdialyse, CAPD, CCPD, Hämofiltration, Hämodiafiltration, Hämoperfusion, Membranplasmaseparation. 3., neubearbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart/ New York 1985.
  10. Statistik (Memento vom 4. April 2012 im Internet Archive) bei usda.gov. Der Anteil liegt bei Hühnern und Schweinen höher, dafür bei Rindern niedriger.
  11. Fidel Toldrá, Leo M. L Nollet: Handbook of analysis of edible animal by-products. CRC Press, Boca Raton 2011, ISBN 978-1-4398-0360-8,S.14ff.
  12. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 154.
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Blut
blut, körperflüssigkeit, vielfältigen, transport, verknüpfungsfunktionen, sprache, beobachten, bearbeiten, titel, dieses, artikels, mehrdeutig, weitere, bedeutungen, sind, unter, begriffsklärung, aufgeführt, lateinisch, sanguis, altgriechisch, αἷμα, haima, ein. Blut Korperflussigkeit mit vielfaltigen Transport und Verknupfungsfunktionen Sprache Beobachten Bearbeiten Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig Weitere Bedeutungen sind unter Blut Begriffsklarung aufgefuhrt Blut lateinisch Sanguis altgriechisch aἷma haima ist eine Korperflussigkeit die mit Unterstutzung des Herz Kreislauf Systems die Funktionalitat der verschiedenen Korpergewebe uber vielfaltige Transport und Verknupfungsfunktionen sicherstellt Blut wird als flussiges Gewebe gelegentlich auch als flussiges Organ bezeichnet Blut besteht aus speziellen Zellen sowie dem proteinreichen Blutplasma das im Herz Kreislauf System als Trager dieser Zellen fungiert Von links nach rechts Erythrozyt Thrombozyt Leukozyt Dunkelfeldaufnahme menschlichen Blutes 1000 fache Vergrosserung Blutkreislauf Blut wird vornehmlich durch mechanische Tatigkeit des Herzens in einem Kreislaufsystem durch die Blutgefasse des Korpers gepumpt Unterstutzend wirken Venenklappen in Kombination mit Muskelarbeit Dabei werden die Gefasse die vom Herzen wegfuhren als Arterien und jene die zuruck zum Herzen fuhren als Venen bezeichnet Das Gefasssystem des erwachsenen menschlichen Korpers enthalt etwa 70 bis 80 ml Blut pro kg Korpergewicht dies entspricht ca 5 bis 6 l Blut Durchschnittlich haben Manner etwa 1 l mehr Blut als Frauen was vor allem auf Grossen und Gewichtsunterschiede zuruckzufuhren ist Aufgrund der Gemeinsamkeiten in der Funktion ist Blut bei allen Wirbeltieren ahnlich Auf bestehende Unterschiede zwischen menschlichem und tierischem Blut wird im Artikel hingewiesen Zu Unterschieden in Aufbau und Funktion der Zellbestandteile des Blutes sei auf die betreffenden Artikel verwiesen Der Verlust von Blut wird als Bluten von mittelhochdeutsch bluoten oder Blutung bezeichnet Inhaltsverzeichnis 1 Etymologie 2 Evolution 3 Zusammensetzung und Eigenschaften 3 1 Plasma 3 2 Zellulare Bestandteile 3 3 Auf und Abbau der Zellen des Blutes 4 Funktionen 4 1 Transportfunktion 4 2 Abwehrfunktion 4 3 Warmeregulierung 4 4 Atmung 4 5 Blutstillung und gerinnung 5 Medizinische Aspekte 5 1 Erkrankungen 5 2 Blutgruppen 5 3 Bluttransfusionen 5 4 Aderlass und Schropfen 5 5 Blutgifte 5 6 Blutreinigung 6 Kulturgeschichte des Blutes 7 Blut als Abfallprodukt in der Tierproduktion 8 Blut als Lebensmittel Nahrstoff 9 Sonstige Nutzung 10 Siehe auch 11 Literatur 12 Weblinks 13 EinzelnachweiseEtymologieDas gemeingermanische Wort Blut von mittelhochdeutsch und althochdeutsch bluot gehort wahrscheinlich im Sinne von Fliessendes zu indogermanisch bhle quellen und bhel schwellen knospen bluhen vergleiche englisch blow Nach alter Tradition gilt Blut als der Sitz des Lebens daher entstanden Zusammensetzungen wie Blutrache Blutschuld 1 EvolutionJede Zelle ist fur den Erhalt ihres Stoffwechsels auf den stofflichen Austausch mit ihrer Umgebung angewiesen Da mit der Entwicklung komplexerer Vielzeller nicht mehr jede Zelle mit der Korperoberflache in direktem Kontakt steht und die Diffusion ein sehr langsamer Vorgang ist dessen Zeitbedarf sich proportional zum Quadrat der Entfernung verhalt wird mit zunehmender Grosse des Lebewesens ein Transportmedium fur diese Austauschprozesse notwendig Diese Flussigkeit bringt die Stoffe also in die Nahe der Zielzellen und verkurzt damit die notwendige Diffusionsstrecke Bei den Tieren mit offenem Blutkreislauf z B Gliederfussern oder Weichtiere sind Blut und interstitielle Flussigkeit Flussigkeit im Gewebszwischenraum nicht voneinander getrennt Die hier zirkulierende Flussigkeit wird als Hamolymphe bezeichnet Den Nachteil des relativ langsamen Blutflusses in einem offenen Kreislauf kompensieren Insekten dadurch dass die Hamolymphe nicht dem Sauerstofftransport dient sondern dieser uber Tracheen gewahrleistet wird Bei allen Tieren mit einem geschlossenen Blutkreislauf unter anderem allen Wirbeltieren wird die zirkulierende Flussigkeit Blut genannt Zusammensetzung und Eigenschaften Blutproben Links Abgestandene Blutprobe Gut erkennbar ist das hellere Plasma unter dem sich die zellularen Bestandteile abgesetzt haben Rechts Frische Blutprobe mit noch vermischten Blutbestandteilen Beide Rohrchen enthalten den Gerinnungshemmer EDTA ohne den beide Blutproben gerinnen wurden Blut besteht aus zellularen Bestandteilen Hamatokrit ca 44 und Plasma ca 55 einer wassrigen Losung 90 Wasser aus Proteinen Salzen und niedrig molekularen Stoffen wie z B Monosacchariden Einfachzuckern Weitere Bestandteile des Blutes sind Hormone geloste Gase sowie Nahrstoffe Zucker Lipide und Vitamine die zu den Zellen und Stoffwechsel und Abfallprodukte z B Harnstoff und Harnsaure die von den Zellen zu ihren Ausscheidungsorten transportiert werden Aus chemisch physikalischer Sicht ist Blut eine Suspension also ein Gemisch aus der Flussigkeit Wasser und zellularen Bestandteilen Es stellt eine nichtnewtonsche Flussigkeit dar Dies begrundet seine besonderen Fliesseigenschaften Blut hat aufgrund der enthaltenen Erythrozyten eine gegenuber Plasma erhohte Viskositat Je hoher der Hamatokritwert und je geringer die Stromungsgeschwindigkeit ist desto mehr steigt die Viskositat Aufgrund der Verformbarkeit der roten Blutkorperchen verhalt sich Blut bei steigender Fliessgeschwindigkeit nicht mehr wie eine Zellsuspension sondern wie eine Emulsion Der pH Wert von menschlichem Blut liegt bei 7 4 und wird durch verschiedene Blutpuffer konstant gehalten Fallt er unter einen bestimmten Grenzwert ca 7 35 so spricht man von einer Azidose Ubersauerung liegt er zu hoch ca 7 45 wird dies Alkalose genannt Blut verdankt seine rote Farbe dem Hamoglobin genauer gesagt seinem sauerstoffbindenden Anteil der Hamgruppe Deshalb zahlt Hamoglobin zur Gruppe der Blutfarbstoffe Mit Sauerstoff angereichertes Blut hat einen helleren und kraftigeren Farbton als sauerstoffarmes Blut da die Hamgruppe nach der Aufnahme des Sauerstoffs eine Konformationsanderung vollzieht in der sich die Position des Eisens in der Hamgruppe relativ zu seinen Bindungspartnern andert Dies hat eine Veranderung des Absorptionsspektrums des Lichts zur Folge Als chemische Komponente die den typisch metallischen Geruch von Blut bei Saugetieren ausmacht und Raubtiere anzieht wurde im Jahr 2014 der Aldehyd trans 4 5 Epoxy E 2 Decenal identifiziert 2 3 Tritt durch eine Verletzung von Blutgefassen Blut ins Gewebe uber zersetzt sich darin langsam das Hamoglobin zu den Gallenfarbstoffen in zeitlicher Abfolge von mehreren Tagen wird ein Blauer Fleck dabei grun und gelb Auf Neuguinea leben Echsenarten deren Blut eine so hohe Biliverdin Konzentration aufweisen dass sie ausserlich grun erscheinen 4 Die Korperfarbung bei einer Gelbsucht beim Menschen ruhrt von einem hohen Bilirubin Spiegel her Plasma Hauptartikel Blutplasma Die im Plasma enthaltenen Ionen sind vorwiegend Natrium Chlorid Kalium Magnesium Phosphat und Calciumionen Der Anteil der Proteine betragt etwa 60 bis 80 g l entsprechend 8 des Plasmavolumens Sie werden nach ihrer Beweglichkeit bei der Elektrophorese in Albumine und Globuline unterschieden Letztere werden wiederum in a1 a2 b und g Globuline unterschieden Die Plasmaproteine ubernehmen Aufgaben des Stofftransports der Immunabwehr der Blutgerinnung der Aufrechterhaltung des pH Wertes und des osmotischen Druckes Blutplasma ohne Gerinnungsfaktoren wird als Blutserum bezeichnet Serum wird gewonnen indem das Blut in einem Rohrchen nach vollstandigem Gerinnen zentrifugiert wird Im unteren Teil des Rohrchens findet sich dann der so genannte Blutkuchen im oberen die als Serum bezeichnete meist klare Flussigkeit Das Serum enthalt auch Substanzen die im Plasma nicht enthalten sind insbesondere Wachstumsfaktoren wie PDGF die wahrend des Gerinnungsvorgangs freigesetzt werden Serum besteht zu 91 aus Wasser und 7 Proteinen Der Rest sind Elektrolyte Nahrstoffe und Hormone Durch gelostes Bilirubin ist es gelblich gefarbt Zellulare Bestandteile Die im Blut enthaltenen Zellen werden unterschieden in Erythrozyten die auch rote Blutkorperchen genannt werden in Leukozyten die als weisse Blutkorperchen bezeichnet werden und in Thrombozyten oder Blutplattchen Blut hat bei Mannern einen korpuskularen Anteil Zellanteil von 44 bis 46 bei Frauen von 41 bis 43 Da die hamoglobintragenden Erythrozyten den Hauptteil des korpuskularen Blutes ausmachen wird dieses Verhaltnis Hamatokrit genannt Beim Neugeborenen betragt der Hamatokrit ca 60 bei Kleinkindern nur noch 30 Bis zur Pubertat steigt er dann auf die Werte fur Erwachsene an Genaugenommen bezeichnet der Hamatokrit also nur den Anteil an Erythrozyten Die Leukozyten und Thrombozyten konnen nach dem Zentrifugieren der zellularen Bestandteile als feiner heller Flaum buffy coat uber den ganz unten befindlichen Erythrozyten Hamatokrit und unter dem Plasmaanteil beobachtet werden sie machen weniger als 1 des Blutvolumens beim Gesunden aus Zellen des menschlichen Blutes Bezeichnung Anzahl je ml BlutErythrozyten 4 5 bis 5 5 Mio Leukozyten 4 000 11 000 Granulozyten Neutrophile 2 500 7 500Eosinophile 40 400Basophile 10 100Lymphozyten 1 500 3 500Monozyten 200 800Thrombozyten 300 000 Erythrozyten Die Erythrozyten oder roten Blutkorperchen dienen dem Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid Sie enthalten Hamoglobin ein Protein das fur Sauerstoffbindung und transport im Blut verantwortlich ist und aus dem eigentlichen Eiweiss Globin und der Ham Gruppe die mit Eisen einen Komplex bildet besteht Dieses Eisen verleiht dem Blut von Wirbeltieren seine rote Farbe Siehe auch Blutfarbstoff Bei anderen Tieren wie den Kopffussern Spinnentieren oder Krebsen erfullt eine Kupferverbindung Hamocyanin diese Funktion Deshalb ist deren Blut blaulich 5 Etwa 0 5 bis 1 der roten Blutkorperchen sind Retikulozyten das heisst noch nicht vollstandig ausgereifte Erythrozyten Die Leukozyten oder weissen Blutkorperchen werden noch einmal in Eosinophile Basophile und Neutrophile Granulozyten Monozyten und Lymphozyten unterteilt Die Granulozyten werden nach dem Farbeverhalten ihres Protoplasmas benannt und dienen genau wie die Monozyten der unspezifischen Immunabwehr wahrend die Lymphozyten an der spezifischen Immunabwehr teilnehmen Thrombozyten dienen der Blutungsstillung und bilden damit die Grundlage der ersten Phase der Wundheilung Die zahlenmassige Zusammensetzung der Blutzellen kann zwischen den einzelnen Wirbeltierarten variieren Besonders hohe Erythrozytenzahlen haben Ziegen bis 14 Mio µl besonders niedrige das Geflugel 3 4 Mio µl Die Leukozytenzahlen haben ahnlich grosse Variationen Rinder Pferde und Menschen haben etwa 8 000 µl wahrend Schafe bis zu 17 000 µl und Vogel bis 25 000 µl besonders hohe Anteile an weissen Blutkorperchen haben Auch der Anteil der einzelnen Untertypen der Leukozyten variiert betrachtlich Wahrend bei Menschen und Pferden die Granulozyten dominieren granulozytares Blutbild sind es bei Rindern die Lymphozyten lymphozytares Blutbild bei Schweinen ist das Verhaltnis von Granulo zu Lymphozyten ausgeglichen granulo lymphozytares Blutbild Neutrophiler Granulozyt Eosinophiler Granulozyt Basophiler GranulozytAuf und Abbau der Zellen des Blutes Ablauf der Hamatopoese Alle Zellen des Blutes werden in einem Hamatopoese genannten Vorgang im Knochenmark gebildet Aus pluripotenten Stammzellen aus denen jede Zelle reifen kann werden multipotente Stammzellen die auf verschiedene Zelllinien festgelegt sind Aus diesen entwickeln sich dann die einzelnen zellularen Bestandteile des Blutes Die Erythropoese bezeichnet als Unterscheidung zur Hamatopoese nur die Differenzierung von Stammzellen zu Erythrozyten Der Prozess der Reifung und Proliferation der Zellen wird durch das in Niere und Leber produzierte Hormon Erythropoietin gefordert Eine wichtige Rolle bei der Erythropoese spielt Eisen das zur Bildung von Hamoglobin benotigt wird Ausserdem spielen Vitamin B12 Cobalamine und Folsaure eine Rolle Kommt es zu einem Sauerstoffmangel im Korper zum Beispiel auf Grund eines Hohenaufenthalts so wird die Hormonausschuttung erhoht was langerfristig zu einer erhohten Anzahl an roten Blutkorperchen im Blut fuhrt Diese konnen mehr Sauerstoff transportieren und wirken so dem Mangel entgegen Dieser Gegenregulationsvorgang ist auch messbar Man findet eine erhohte Anzahl von Retikulozyten unreifen roten Blutkorperchen Der Abbau der roten Blutkorperchen findet in der Milz und den Kupffer schen Sternzellen der Leber statt Erythrozyten haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 120 Tagen Das Hamoglobin wird in einem Abbauprozess uber mehrere Schritte uber Bilirubin zu Urobilin und Sterkobilin abgebaut Wahrend Urobilin den Urin gelb farbt ist Sterkobilin fur die typische Farbe des Kots verantwortlich FunktionenTransportfunktion Das Blut mit seinen einzelnen Bestandteilen erfullt viele wesentliche Aufgaben um die Lebensvorgange aufrechtzuerhalten Hauptaufgabe ist der Transport von Sauerstoff und Nahrstoffen zu den Zellen und der Abtransport von Stoffwechselendprodukten wie Kohlenstoffdioxid oder Harnstoff Ausserdem werden Hormone und andere Wirkstoffe zwischen den Zellen befordert Blut dient weiterhin der Homoostase das heisst der Regulation und Aufrechterhaltung des Wasser und Elektrolythaushaltes des pH Werts sowie der Korpertemperatur Abwehrfunktion Als Teil des Immunsystems hat das Blut Aufgaben in Schutz und Abwehr gegen Fremdkorper unspezifische Abwehr und gegen Antigene spezifische Abwehr durch Phagozyten Fresszellen und durch Antikorper Weiter ist das Blut ein wichtiger Bestandteil bei der Reaktion auf Verletzungen Blutgerinnung und Fibrinolyse Zudem hat Blut eine Stutzwirkung durch den von ihm ausgehenden Flussigkeitsdruck Warmeregulierung Die standige Zirkulation des Blutes gewahrleistet eine konstante Korpertemperatur Diese liegt beim gesunden Menschen bei ca 36 37 C Dabei geht man im Allgemeinen von der Temperatur im Innern des Korpers aus Siehe auch Homoiothermie und Thermoregulation Atmung Eine Funktion des Blutes ist der Transport von Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen und von Kohlenstoffdioxid dem Endprodukt des oxidativen Kohlenstoffwechsels zuruck zur Lunge Herz Lungenkreislauf Im Rahmen der Atmung gelangt der in der Luft enthaltene Sauerstoff uber die Luftrohre in die Lunge bis hin zu den Lungen blaschen Durch deren dunne Membran gelangt der Sauerstoff in die Blutgefasse Das Blut wiederum wird im Rahmen des Lungenkreislaufes vom Herzen zur Lunge gefuhrt Das zunachst sauerstoffarme Blut gibt in der Lunge Kohlenstoffdioxid CO2 ab und nimmt dort Sauerstoff auf Das nun sauerstoffreiche Blut fliesst uber mehrere Lungenvenen Venae pulmonales wieder zuruck zum Herzen genauer zum linken Vorhof Von dort wird das Blut uber ein geschlossenes Netz aus Blutgefassen an die meisten stoffwechselnden Zellen innerhalb des Korpers verteilt vgl auch Blutkreislauf Ausgenommen davon sind u a Zellen der Hornhaut des Auges und der Knorpel die keinen direkten Anschluss an das Gefasssystem haben und wie bei primitiveren Organismen uber Diffusion ernahrt werden bradytrophe Gewebe Hammolekul abgebildet ist hier Ham b Funktionell wichtig fur den oben beschriebenen Gasaustausch ist der in den roten Blutkorperchen enthaltene Blutfarbstoff Hamoglobin Jedes Hamoglobinmolekul besteht aus vier Untereinheiten die jede eine Hamgruppe enthalten Im Zentrum der Hamgruppe ist ein Eisen Ion gebunden Dieses Eisen ubt eine starke Anziehungskraft sog Affinitat auf Sauerstoff aus wodurch der Sauerstoff an das Hamoglobin gebunden wird Hat dies stattgefunden so spricht man von oxygeniertem Hamoglobin Die Affinitat des Hamoglobins fur Sauerstoff wird durch eine Erhohung des Blut pH Werts eine Senkung des Partialdrucks von Kohlendioxid eine geringere Konzentration des im Rapoport Luebering Zyklus gebildeten 2 3 Bisphosphoglycerats und eine niedrigere Temperatur erhoht Ist die Affinitat des Hamoglobins fur Sauerstoff hoch und der Partialdruck von Sauerstoff ebenso wie es in den Lungen der Fall ist dann begunstigt dies die Bindung von Sauerstoff an Hamoglobin ist jedoch das Gegenteil der Fall wie im Korpergewebe so wird Sauerstoff abgegeben 98 5 des im Blut enthaltenen Sauerstoffs sind chemisch an Hamoglobin gebunden Nur die restlichen 1 5 sind physikalisch im Plasma gelost Dies macht Hamoglobin zum vorrangigen Sauerstofftransporter der Wirbeltiere Unter normalen Bedingungen ist beim Menschen das die Lungen verlassende Hamoglobin zu etwa 96 97 mit Sauerstoff gesattigt Desoxygeniertes Blut ist immer noch zu ca 75 gesattigt Die Sauerstoffsattigung bezeichnet das Verhaltnis aus tatsachlich gebundenem Sauerstoff zu maximal moglichem gebundenem Sauerstoff Kohlenstoffdioxid wird im Blut auf verschiedene Art und Weise transportiert Der kleinere Teil wird physikalisch im Plasma gelost der Hauptteil jedoch wird in Form von Hydrogencarbonat HCO3 und als an Hamoglobin gebundenes Carbamat transportiert Die Umwandlung von Kohlenstoffdioxid zu Hydrogencarbonat wird durch das Enzym Carboanhydrase beschleunigt Blutstillung und gerinnung Hauptartikel Hamostase Aus einer Schnittwunde rinnendes Blut Die Prozesse die den Korper vor Blutungen schutzen sollen werden unter dem Oberbegriff der Hamostase zusammengefasst Dabei wird zwischen der primaren und der sekundaren Hamostase unterschieden An der primaren Hamostase sind neben den Thrombozyten verschiedene im Plasma enthaltene und auf der Gefasswand prasentierte Faktoren beteiligt Das Zusammenspiel dieser Komponenten fuhrt bereits nach zwei bis vier Minuten zur Abdichtung von Lecks in der Gefasswand Dieser Zeitwert wird auch als Blutungszeit bezeichnet Zuerst verengt sich das Gefass dann verkleben die Thrombozyten das Leck und schliesslich bildet sich ein fester Pfropfen aus Fibrin der sich nach abgeschlossener Gerinnung zusammenzieht Die Fibrinolyse ist spater fur ein Wiederfreimachen des Gefasses verantwortlich Die sekundare Hamostase findet durch Zusammenwirkung verschiedener Gerinnungsfaktoren statt Dies sind bis auf Calcium Ca2 in der Leber synthetisierte Proteine Diese im Normalfall inaktiven Faktoren werden in einer Kaskade aktiviert Sie konnen entweder endogen das heisst durch Kontakt des Blutes mit anionischen Ladungen des subendothelialen unter der Gefassinnenoberflache gelegenen Kollagens oder exogen aktiviert werden das heisst durch Kontakt mit Gewebsthrombokinase die durch grossere Verletzungen aus dem Gewebe in die Blutbahn gelangt ist Ziel der sekundaren Blutgerinnung ist die Bildung von wasserunloslichen Fibrinpolymeren die das Blut zu Klumpen gerinnen lassen Als Fibrinolyse wird der Prozess der Ruckbildung der Fibrinklumpen bezeichnet Dies findet durch die Aktion des Enzyms Plasmin statt Soll aufgrund verschiedener medizinischer Indikationen wie zum Beispiel Herzrhythmusstorungen die Gerinnungsfahigkeit des Blutes herabgesetzt werden so setzt man Antikoagulantien Gerinnungshemmer ein Diese wirken indem sie entweder das zur Gerinnung notwendige Calcium binden jedoch nur im Reagenzglas z B Citrat oder EDTA indem sie die Interaktion zwischen den Gerinnungsfaktoren hemmen z B Heparin oder indem sie die Bildung der Gerinnungsfaktoren selbst unterbinden z B Cumarine Medizinische AspekteErkrankungen Messung der Blutsenkungsreaktion nach der Westergren Methode Blutabnahme Viele Krankheiten lassen sich an bestimmten Veranderungen der Blutbestandteile im Blutbild erkennen und in ihrem Schweregrad einordnen weshalb das Blut die am haufigsten untersuchte Korperflussigkeit in der Labormedizin ist Eine weitere wichtige Untersuchung ist die Blutsenkungsreaktion BSR bei der anhand der Zeit in der sich die festen Bestandteile in mit Gerinnungshemmern behandeltem Blut absetzen Ruckschlusse auf eventuell vorhandene Entzundungen gezogen werden konnen Ausser Krankheiten die sich durch Veranderungen im Blutbild aussern gibt es auch Krankheiten die das Blut bzw Blutbestandteile selbst befallen Das Fachgebiet der Medizin das sich mit diesen Erkrankungen befasst ist die Hamatologie Zu den wichtigsten zahlen die Anamie oder Blutarmut die Hamophilie oder Bluterkrankheit und die Leukamie als Blutkrebs Bei einer Anamie kommt es aufgrund vielfaltiger Ursachen zu einer Unterversorgung des Korpers mit Sauerstoff Hypoxie Bei Hamophilien ist die Blutgerinnung gestort was in schlecht oder nicht stillbaren Blutungen resultiert Bei einer Leukamie werden ubermassig viele weisse Blutkorperchen gebildet und bereits in unfertigen Formen ausgestossen Dies fuhrt zu einer Verdrangung der anderen zellularen Bestandteile des Blutes in Knochenmark und Blut selbst Eine ubermassige Bildung von Blutzellen nennt man Zytose oder Philie die je nach Zellart in Erythrozytose und Leukozytose Unterformen sind Granulozytose Eosinophilie Basophilie Neutrophilie Monozytose Lymphozytose Thrombozytose unterteilt wird Einen Mangel an roten Blutzellen nennt man Erythropenie Anamie an weissen Leukopenie je nach Zellart Eosinopenie Basopenie Neutropenie Monopenie Lymphopenie Thrombozytopenie Solche Verschiebungen der Proportionen der Zellzahlen werden im Differentialblutbild untersucht und geben zum Teil Hinweise auf die Art und das Stadium einer Krankheit Durch die Rolle des Blutes in der Versorgung der Zellen besteht bei einer fehlenden oder nicht ausreichenden Blutversorgung immer die Gefahr von Zellschadigung oder sterben Bei einer korperweiten Minderversorgung mit Blut beispielsweise durch einen grossen Blutverlust spricht man von Schock Durch Blutgerinnsel aber auch andere Ursachen kann es zu einer Thrombose Embolie oder einem Infarkt z B Herz oder Hirninfarkt kommen Um dies zu verhindern konnen Wirkstoffe wie Acetylsalicylsaure Heparin oder Phenprocoumon angewendet werden die die Gerinnung hemmen Blut selbst hat wenn es in grosseren Mengen in den Magen Darm Trakt gelangt eine abfuhrende Wirkung Blutgruppen Hauptartikel Blutgruppe In der Zellmembran der roten Blutkorperchen sind Glycolipide verankert die als Antigene wirken Sie werden als Blutgruppen bezeichnet Kommt es zu einer Vermischung von Blut verschiedener Blutgruppen so tritt oft eine Verklumpung des Blutes ein Deswegen muss vor Bluttransfusionen die Blutgruppe von Spender und Empfanger festgestellt werden um potenziell todliche Komplikationen zu vermeiden Die medizinisch bedeutsamsten Blutgruppen des Menschen sind das AB0 System und der Rhesus Faktor beide von Karl Landsteiner und Mitarbeitern zuerst beschrieben Jedoch gibt es beim Menschen noch rund 20 weitere Blutgruppensysteme mit geringerer Bedeutung die ebenfalls Komplikationen verursachen konnen Im AB0 System findet man die Blutgruppen A B AB und 0 Die Bezeichnung sagt aus welche Antigene auf den Erythrozyten gefunden werden bei A nur A Antigene bei B B Antigene bei AB A und B Antigene und bei 0 keine der beiden und welche Antikorper des Typs IgM im Serum vorhanden sind bei A B Antikorper bei B A Antikorper bei AB keine Antikorper und bei 0 A und B Antikorper Rhesusfaktoren konnen in den Untergruppen C D und E auftreten Medizinisch relevant ist besonders der Faktor D Ist das D Antigen vorhanden so spricht man von Rhesus positiv fehlt es spricht man von Rhesus negativ Beim Rhesussystem entstehen die Antikorper der Gruppe IgG im Blut erst nachdem der Korper das erste Mal auf Blut mit Antigenen trifft Da IgG Antikorper die Plazenta durchqueren konnen besteht die Moglichkeit von Komplikationen wahrend der zweiten Schwangerschaft einer Rhesus negativen Mutter mit einem Rhesus positiven Kind Hierbei kommt es zunachst zu einer Auflosung Hamolyse der kindlichen Erythrozyten und einer anschliessenden krankhaft gesteigerten Neubildung die als fetale Erythroblastose bezeichnet wird Die Blutgruppen sind neben ihrer Relevanz bei Transfusionen und Organtransplantationen sowie in der Schwangerschaft auch von Bedeutung in der Rechtsmedizin zur Identitats und Verwandtschaftsbestimmung auch wenn die Aussagekraft von darauf beruhenden Tests weitaus geringer ist als bei der DNA Analyse und sich auf Ausschlussnachweise beschrankt Bluttransfusionen Hauptartikel Bluttransfusion Blutspende Bei grossen Blutverlusten bei verschiedenen Krankheiten wie dem myelodysplastischen Syndrom und oft zur Bekampfung von Nebenwirkungen bei allen Chemotherapien werden meist Bluttransfusionen durchgefuhrt um das Blutvolumen aufzufullen oder bestimmte Blutbestandteile an denen ein Mangel vorliegt gezielt zu erganzen Hierbei ist zu beachten dass das Blut von Spender und Empfanger hinsichtlich der Blutgruppen und des Rhesusfaktors bestimmte Bedingungen erfullen muss da es sonst zu schweren Transfusionszwischenfallen kommen kann Um Transfusionen zu ermoglichen sind jedoch Blutspenden notig Es wird zwischen Vollblutspenden Eigenblutspenden und Spenden nur einzelner spezifischer Blutbestandteile z B Blutplasma oder Thrombozyten unterschieden Bei einer Vollblutspende werden dem Spender ca 500 ml venoses Blut entnommen dieses Blut wird dann konserviert untersucht und bei entsprechender Eignung in verschiedene Blutprodukte aufgetrennt Diese werden in einer Blutbank eingelagert Eigenblutspenden dienen der Bereitstellung von Blut vor einer Operation das bei eventuell auftretendem Blutverlust ohne Komplikationen dem Patienten wieder verabreicht werden kann Eine Blutspende kostet den Empfanger bzw dessen Krankenkasse in Deutschland 109 90 6 Hauptbestandteil dieses Betrages ist die Durchfuhrung der Blutspende weitere Kostenpunkte sind Laboruntersuchungen Haltbarmachung Verteilung und Verwaltung Alternativen zur Blutspende sind kunstliches Blut das aus lang haltbaren gefriergetrockneten roten Blutkorperchen in einer isotonischen Losung besteht und Blutersatz das starken Blutverlust ausgleichen soll wenn keine Blutkonserven verfugbar sind Blutersatzmittel konnen entweder das noch vorhandene Restblut verdunnen und somit das fur einen funktionierenden Blutkreislauf notwendige Volumen wiederherstellen sog Volumenexpander oder das Blut durch aktives Ubernehmen des Sauerstofftransports unterstutzen Auch bei den ubrigen Saugetieren gibt es verschiedene Blutgruppensysteme bei Haustieren 7 bis 15 mit jeweils einer Mehrzahl von Blutgruppenfaktoren Im Gegensatz zum Menschen gibt es allerdings bei der ersten Bluttransfusion kaum Reaktionen auf diese Blutgruppenunterschiede Daraufhin gebildete Antikorper rufen erst bei Folgeblutspenden gegebenenfalls eine Unvertraglichkeitsreaktion hervor Aderlass und Schropfen James Gillray Der Aderlass um 1805 Vom Altertum ausgehend galt im europaischen Mittelalter das Blut als einer der Vier Safte des Lebens Dabei versuchte man durch Aderlass oder Schropfen Heilung zu bewirken und faules Blut zu entfernen Laut Erzahlungen resultierte diese Uberlegung aus der Beobachtung kranker Nilpferde die sich an Gegenstanden rieben bis sie bluteten 7 Uber lange Zeit galt der Aderlass als anerkannte Therapieform und erfreute sich grosser Beliebtheit Viele Doktoren und Wundarzte neigten jedoch dazu diese Therapieform ausserst exzessiv zu betreiben Erst Forschung und Kontakt zu anderen Kulturen v a zu der hoch entwickelten arabischen Medizin sorgten fur differenzierte und anwendungsgerechtere Behandlungen Der Aderlass als therapeutische Blutentnahme wird heute durchwegs durch Punktion einer Vene mit einer dicken Kanule durchgefuhrt Dabei werden in der Regel 400 bis maximal 1 000 ml 8 entnommen Dies ist noch immer angezeigt bei Erkrankungen wie der Hamochromatose Eisenspeicherkrankheit der Porphyria cutanea tarda und der Polycythaemia vera krankhafte Vermehrung vor allem der roten Blutkorperchen Auch die Blutegelbehandlung findet wieder Beachtung wobei aber der kontrollierte pharmakognostische Einsatz des Hirudin vorrangig ist Blutgifte Hauptartikel Blutgift Blutgifte auch als Hamotoxine bezeichnet sind Stoffe durch deren chemische Beschaffenheit das Blut Blutgerinnungs oder Blutbildungssystem derart verandert wird dass die Transport und Stoffwechselfunktion des Blutes eingeschrankt oder verhindert wird Dies kann eine Schadigung des Blutkreislaufs bis hin zum Kreislaufkollaps zur Folge haben Zu den chemischen Verbindungen die als Blutgifte wirken zahlen beispielsweise Kohlenmonoxid CO Benzol Alkohole wie Ethanol organische Nitroverbindungen Arsen und Bleiverbindungen Beispiele fur pflanzliche Inhaltsstoffe mit hamotoxischer Wirkung sind die Saponine und Chinin Auch eine Reihe von tierischen Giften wirkt auf das Blut zum Beispiel die Hauptbestandteile der Gifte vieler Vipernarten Blutreinigung Blutreinigungsverfahren Moglichkeiten zur Entfernung von Blutgiften sind die Dialyse bei akutem oder chronischem Nierenversagen oder auch die Apherese zur Entfernung von pathogenen krank machenden Bestandteilen 9 Kulturgeschichte des Blutes Hauptartikel Kulturgeschichte des Blutes Blut wurde schon fruh als Trager der Lebenskraft angesehen Die Beobachtung wie beim Verbluten eines Menschen oder beim Ausbluten eines Schlachttiers dessen Krafte schwinden liess die Menschen darauf schliessen dass das Blut ein Urstoff des Lebens sei Blut als Abfallprodukt in der TierproduktionTierart Blutanteil Lammer 4 9Rinder 2 4 6Schweine 2 6Huhner 1 4 2 3 Blut gilt als eines der problematischeren Abfallprodukte der Schlachthauser Fur die USA schatzt man bei einem Anteil von etwa 20 am globalen Fleischmarkt 10 eine jahrliche Produktion von 1 6 Millionen Tonnen Blut Wegen des relativ hohen Feststoffanteils etwa 18 und des hohen chemischen Bedarfs an Sauerstoff etwa 500 g O2 L etwa 800 mal so viel wie bei Haushaltsabwassern gelten die Umweltprobleme die vom Schlachtblut hervorgerufen werden in der Fachliteratur als enorm Wegen der Entsorgungskosten haben Hersteller einen starken wirtschaftlichen Anreiz Blut zu verarbeiten oder zu verwerten Vom anfallenden Blut werden in den USA etwa 30 der Nahrungsmittelindustrie zugefuhrt uberwiegend als kosteneffizientes Bindemittel in Fleischprodukten und als Farbemittel Weiterhin wird Blut fur die Tiernahrung als Dunger und in der Papierverarbeitung als Klebstoff verwendet 11 Blut als Lebensmittel Nahrstoff Hauptartikel Blut Lebensmittel Zwar werden bei oder nach der Schlachtung Tierkorper so eroffnet und aufgehangt dass diese ausbluten und damit haltbareres Fleisch ergeben doch wird Blut andererseits auch als Lebensmittelzutat etwa von Blutwurst genutzt Blut ist auch Hauptnahrungsmittel einiger so genannter hamatophager blutverzehrender Parasiten Der Blutegel saugt sich an der Haut fest und beisst sich dann durch sie hindurch Innerhalb einer halben Stunde konnen Blutegel das Funffache ihres Gewichts an Blut aufnehmen Die dabei mit ihrem Speichel ausgeschiedenen gerinnungshemmenden Stoffe z B Heparin und Hirudin machen sie auch fur die Medizin interessant Weitere Blutsauger sind beispielsweise Stechmucken Bremsen einige Milben z B Rote Vogelmilbe Wanzen und einige Wurmer z B Hakensaugwurmer Nur wenige Wirbeltiere ernahren sich ganz oder teilweise von Blut Neben den Vampirfledermausen sind nur noch die auf Wolf und Darwin den zwei nordlichsten Galapagos Inseln lebenden Populationen des Spitzschnabel Grundfinken Geospiza difficilis eines Darwinfinken fur derartigen Parasitismus bekannt Auf den wasserlosen Inseln trinken diese so genannten Vampirfinken vom Blut der sich dort aufhaltenden Meeresvogel indem sie unbemerkt die Ansatze der Federkiele anpicken und so zugleich ihren Flussigkeitsbedarf decken Blutsaugende Tiere sind haufig Ubertrager von Krankheiten da sie als Vektoren krankheitserregende Viren Bakterien Protozoen und andere Organismen ubertragen konnen Einige dieser so ubertragenen Mikroorganismen leben selbst direkt vom Blut des Wirtsorganismus so die einzelligen Malariaerreger die Plasmodien Nach dem Tod eines Organismus und dem Zusammenbruch der Immunabwehr beginnen Faulnisbakterien die ansonsten im lebenden Organismus nicht vermehrungsfahig sind am deutlichsten erkennbar zunachst das Blut unter Freisetzung von biogenen Aminen wie Cadaverin und Putrescin zu verstoffwechseln und fuhren damit zum sicheren Todeszeichen des durchschlagenden Venennetzes also zur Verfarbung des oberflachlichen Venensystems in ein dunkles Grun Sonstige NutzungMenschliches Blut ist in der mittelalterlichen Literatur als Futtermittel in der Schweinemast als Gartendungemittel und in vielfaltigen Rezepturen aus Haushalt und Bauwesen erwahnt Diese heute befremdliche Verwendung liegt in der auf dem Aderlass aufgebauten galenischen Medizin des Mittelalters und der fruhen Neuzeit begrundet durch die Menschenblut in teils betrachtlichen Mengen verfugbar war Pharmazeutisch verwendet als Sanguis hominis wurde der an Sonne getrocknete sich nach dem Schlagen mit einem gespaltenen Rohr des durch Aderlass gewonnenen Blutes sich abgesetzte Blutkuchen 12 Wie aber das Baderwesen als Ganzes wurde diese Praxis aus weltanschaulichen wie auch aus hygienischen Grunden teils nur als Sitte des armen Volkes toleriert oder scharf bekampft Blutagar ist ein in der Mikrobiologie verwendeter Nahrboden fur Mikroorganismen der menschliches oder tierisches Blut enthalt Mit ihm konnen verschiedene Erreger zum Beispiel Streptokokken nachgewiesen werden Blutmehl das aus getrocknetem Blut von Schlachttieren gewonnen wird findet als Proteinzusatzfuttermittel noch teilweise Anwendung in der Tierernahrung Mit dem Aufkommen von BSE darf Blutmehl nur noch aus Blut von Schlachthofen erzeugt werden die keine Wiederkauer schlachten Verordnung EG Nr 1234 2003 Blutmehl findet vor allem in der Fischfutterung Einsatz oder aber auch als Dungemittel Ochsenblut ist ein Bindemittel fur Farbanstriche mit denen fruher Fachwerkbalken vor der Witterung geschutzt wurden Entgegen weit verbreiteter Ansicht heisst diese Farbe nicht deswegen Ochsenblutrot weil sie rotlich ist sondern weil sie tatsachlich Ochsenblut enthalt Zur Herstellung von Ochsenblutrot lasst man das Blut frisch geschlachteter Ochsen abstehen sodass sich das Serum und die roten Blutkorperchen trennen Aus dem Serum und geloschtem Kalk wird unter Zugabe von Pigmenten eine gut wetterfeste Farbe gewonnen Siehe auch Portal Medizin Ubersicht zu Wikipedia Inhalten zum Thema Medizin Cruor Ichor Pneuma Drachenblut Harz LiteraturChristina von Braun Christoph Wulf Mythen des Blutes Campus Verlag Frankfurt am Main u a 2007 Ludwig Heilmeyer Herbert Begemann Blut und Blutkrankheiten In Ludwig Heilmeyer Hrsg Lehrbuch der Inneren Medizin Springer Verlag Berlin Gottingen Heidelberg 1955 2 Auflage ebenda 1961 S 376 449 Arnold Angenendt Suhne durch Blut In Fruhmittelalterliche Studien 18 1984 S 437 467 Robert F Schmidt Florian Lang Gerhard Thews Physiologie des Menschen Springer Berlin 2004 ISBN 3 540 21882 3 Friedhelm Schneidewind Das Lexikon rund ums Blut Der rote Lebenssaft in Mystik und Mythologie Magie und Medizin Religion und Volksglaube Legende und Literatur Lexikon Imprint Verlag Berlin 1999 ISBN 3 89602 224 5 Meinolf Schumacher Sundenschmutz und Herzensreinheit Studien zur Metaphorik der Sunde in lateinischer und deutscher Literatur des Mittelalters Wilhelm Fink Verlag Munchen 1996 ISBN 3 7705 3127 2 Digitalisat S 408 416 Schmutzmaterie Blut S 552 588 Reinigen mit Blut Christina von Braun Viertes Bild Blut und Blutschande Zur Bedeutung des Blutes in der 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