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Artúr Görgei

Artúr (Arthur) Görgey von Görgő und Toporc (* 30. Januar 1818 in Toporec (ungarisch Toporc), damals Komitat Zips, heute Slowakei; † 21. Mai 1916 in Budapest) war ein ungarischer General und Politiker während der Revolution von 1848 und gilt als interner Gegenspieler des Revolutionsführers Lajos Kossuth. Seit der Revolution schrieb er sich in Verzicht auf die adelige Endung -y Görgei.

Artúr Görgei von Görgő und Toporc, Gemälde von Miklós Barabás

Inhaltsverzeichnis

Görgey trat 1837 als Leutnant in die königlich ungarische Leibgarde ein. Nach dem Tod seines Vaters schied er 1845 aus der Armee aus und ging nach Prag, wo er an der Karls-Universität Chemie studierte.

1848 trat er mit dem Rang eines Hauptmanns in die ungarische Honvédarmee ein und beteiligte sich auf nationaler Seite am Ungarischen Unabhängigkeitskrieg. Zum Major befördert, erhielt er den Auftrag, die mobilen Nationalgarden rechts der Theiß zu organisieren. Ende September wurde Görgei (so die ab 1848 verwendete selbstgewählte Namensschreibweise, die einen Verzicht auf die adelige Endung -y bedeutete) dem anrückenden Banus Jelačić, der für die Kaiserlichen kämpfte, zur Insel Csepel entgegengeschickt. Hier ließ er am 2. Oktober 1848 den Grafen Ödön Zichy (1809–1848) hinrichten, der mit einer Proklamation des Ban angetroffen worden war.

Nachdem der Ban am 29. September in der Schlacht bei Pàkozd geschlagen worden war und einen Waffenstillstand einging, wandte er sich mit seinen Truppen eilig nach Wien, ohne seine Reserve über die Niederlage zu informieren. Währenddessen schloss sich Görgei mit seiner Abteilung dem Korps des Obersten Mór Perczel (1811–1899) an und zwang die kaiserlichen Reserve-Truppen (9.000 Mann), die eigentlich den rechten Flügel des Ban hätten schützen müssen, am 7. Oktober bei Ozora zur Kapitulation. Dafür wurde er tags darauf zum Oberst ernannt. Nach der Schlacht bei Schwechat folgte Görgei am 15. November dem General János Móga (1784–1861) im Oberkommando der ungarischen Nordarmee und wurde gleichzeitig zum General befördert. Als der kaiserliche Feldherr Windisch-Grätz nach Ungarn einmarschierte, zog sich Görgei über Raab und Pest nach Waitzen zurück, wo er am 5. Januar 1849 eine Proklamation erließ, mit der alle Schuld an den bisherigen Misserfolgen auf den Landesverteidigungsausschuss geschoben wurde. Er verkündete, nur die von König Ferdinand gebilligte Verfassung zu verteidigen. Von Waitzen aus übernahm er die wichtige Funktion, die Österreicher vom kürzesten Weg nach Debrecen abzubringen, dem provisorischen Regierungssitz Ungarns. Er löste die Aufgabe sehr geschickt, indem er den Feind durch einen vorgetäuschten Rückzug in die Berge lockte.

Im Februar 1849 erhielt der Pole Henryk Dembiński das Oberkommando der Aufständischen, weil der Landesverteidigungsausschuss und die Regierung tiefes Misstrauen gegen Görgei hegten. Zutiefst gekränkt, kam Görgei seinen Aufgaben nur noch schleppend nach. In der Schlacht bei Kápolna vom 26. bis 28. Februar kam er mit seinem Korps zu spät, so dass die Schlacht unentschieden ausging. Daraufhin wurde Dembiński des Oberkommandos enthoben und Antal Vetter (1803–1882) wurde sein Nachfolger. Vetter erkrankte jedoch, und so erhielt Görgei den Oberbefehl Anfang April 1849 zurück. Er schlug am 4. April sein Hauptquartier bei Nagykáta auf.

Im nun folgenden Aprilfeldzug stellte Görgei seine Fähigkeiten als Kriegsführer durch eine beeindruckende Reihe von Siegen unter Beweis, u. a. am 4. April 1849 im Gefecht von Tápióbicske, am 10. April bei Waitzen und am 26. April in der Schlacht bei Komorn. Anstatt offensiv über die österreichische Grenze zu gehen, wandte er sich anschließend Ofen zu, das die Österreicher unter General Hentzi noch besetzt hielten, und nahm nach dreiwöchiger Belagerung die Ofener Festung am 21. Mai ein. Die Würde eines Feldmarschalls, die ihm Kossuth zum Dank anbot, lehnte Görgei ab, übernahm aber das ihm angetragene Amt des Kriegsministers in der Regierung Szemere.

Danach ließ Görgei drei Wochen untätig verstreichen, während die Russen gemäß dem russisch-österreichischen Interventionsvertrag an mehreren Stellen über die Grenze nach Ungarn eindrangen. Eifersucht und Meinungsverschiedenheiten zwischen Görgei und Kossuth führten zu einer verhängnisvollen Wendung. Görgei unterlag gegen den kaiserlichen Befehlshaber Haynau am 21. Juni mit seiner Hauptarmee in der Schlacht von Pered und weigerte sich, den Rückzug in Richtung auf die Theiß anzutreten. Durch das weitere Vordringen der Russen im Osten vom Regierungssitz Szegedin abgeschnitten, stellte er sich den Kaiserlichen am 2. Juli 1849 in der Schlacht bei Ács vor Komorn zur Schlacht, erlitt aber eine Niederlage. Er musste sich auf die Festung zurückziehen und begann nach einer weiteren Niederlage am 13. Juli den Abmarsch in Richtung zur Theiß. Die Russen verfolgten ihn zwar, holten ihn aber nicht ein, sodass er am 8. August unbehelligt in Arad eintraf. General Dembiński erlitt derweil gegen Haynau am 9. August in der Schlacht bei Temesvar eine vollständige Niederlage. Die Depesche traf tags darauf bei Görgei ein. Bereits vorher hatte Görgei Kossuth gegenüber erklärt, dass er in so einem Fall sofort die Waffen niederlegen werde.

Gleichzeitig hatte die ungarische Regierung – auch auf Drängen Görgeis – den Beschluss gefasst, dem Zaren von Russland die ungarische Krone anzutragen. Görgei stand mit den Russen schon seit dem 21. Juli in Verbindung und sollte mit der Umsetzung des Beschlusses beauftragt werden. Nun forderte Görgei Kossuth zum Rücktritt auf und verlangte, ihm selbst die höchste Gewalt zu übertragen. Am 11. August erhielt Görgei die Diktatur und ergab sich zwei Tage später mit 20.000 Mann Infanterie, 2.000 Mann Kavallerie und 130 Geschützen im Flecken Világos den russischen Truppen unter General Friedrich Alexander von Rüdiger (1783–1856) auf Gnade und Ungnade.

Görgei wurde nach seiner Kapitulation begnadigt und in Klagenfurt interniert, wo er bis 1867 als Privatmann und Chemiker in der Moroschen Tuchfabrik in Viktring tätig war. Dann kehrte er nach Ungarn zurück und wurde 1872 bei der Eisenbahnlinie Schäßburg-Reps der Siebenbürgischen Ostbahn angestellt.

  • Görgey und die Capitulation bei Világos. Von einem Officiere des Generalstabs der ungarischen Armee. Otto Wigand, Leipzig 1850.
  • Mein Leben und Wirken in Ungarn in den Jahren 1848 und 1849. Zwei Bände. F. A. Brockhaus, Leipzig 1852.
  • Briefe ohne Adresse. Deutsche Originalausgabe, … aus dem ungarischen Originalmanuscript übersetzt. F. A. Brockhaus, Leipzig 1867.
Commons: Artúr Görgey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Görgei, Artúr
ALTERNATIVNAMEN Görgey von Görgő und Toporcz, Artúr (vollständiger Name); Görgey von Görgő und Toporcz, Arthur (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG ungarischer General
GEBURTSDATUM 30. Januar 1818
GEBURTSORT Toporec, Komitat Zips
STERBEDATUM 21. Mai 1916
STERBEORT Budapest

Artúr Görgei
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Artur Gorgei ungarischer General Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Artur Gorgey Artur Arthur Gorgey von Gorgo und Toporc 30 Januar 1818 in Toporec ungarisch Toporc damals Komitat Zips heute Slowakei 21 Mai 1916 in Budapest war ein ungarischer General und Politiker wahrend der Revolution von 1848 und gilt als interner Gegenspieler des Revolutionsfuhrers Lajos Kossuth Seit der Revolution schrieb er sich in Verzicht auf die adelige Endung y Gorgei Artur Gorgei von Gorgo und Toporc Gemalde von Miklos Barabas Inhaltsverzeichnis 1 Laufbahn 2 Schriften 3 Siehe auch 4 Literatur 5 WeblinksLaufbahn BearbeitenGorgey trat 1837 als Leutnant in die koniglich ungarische Leibgarde ein Nach dem Tod seines Vaters schied er 1845 aus der Armee aus und ging nach Prag wo er an der Karls Universitat Chemie studierte 1848 trat er mit dem Rang eines Hauptmanns in die ungarische Honvedarmee ein und beteiligte sich auf nationaler Seite am Ungarischen Unabhangigkeitskrieg Zum Major befordert erhielt er den Auftrag die mobilen Nationalgarden rechts der Theiss zu organisieren Ende September wurde Gorgei so die ab 1848 verwendete selbstgewahlte Namensschreibweise die einen Verzicht auf die adelige Endung y bedeutete dem anruckenden Banus Jelacic der fur die Kaiserlichen kampfte zur Insel Csepel entgegengeschickt Hier liess er am 2 Oktober 1848 den Grafen Odon Zichy 1809 1848 hinrichten der mit einer Proklamation des Ban angetroffen worden war Nachdem der Ban am 29 September in der Schlacht bei Pakozd geschlagen worden war und einen Waffenstillstand einging wandte er sich mit seinen Truppen eilig nach Wien ohne seine Reserve uber die Niederlage zu informieren Wahrenddessen schloss sich Gorgei mit seiner Abteilung dem Korps des Obersten Mor Perczel 1811 1899 an und zwang die kaiserlichen Reserve Truppen 9 000 Mann die eigentlich den rechten Flugel des Ban hatten schutzen mussen am 7 Oktober bei Ozora zur Kapitulation Dafur wurde er tags darauf zum Oberst ernannt Nach der Schlacht bei Schwechat folgte Gorgei am 15 November dem General Janos Moga 1784 1861 im Oberkommando der ungarischen Nordarmee und wurde gleichzeitig zum General befordert Als der kaiserliche Feldherr Windisch Gratz nach Ungarn einmarschierte zog sich Gorgei uber Raab und Pest nach Waitzen zuruck wo er am 5 Januar 1849 eine Proklamation erliess mit der alle Schuld an den bisherigen Misserfolgen auf den Landesverteidigungsausschuss geschoben wurde Er verkundete nur die von Konig Ferdinand gebilligte Verfassung zu verteidigen Von Waitzen aus ubernahm er die wichtige Funktion die Osterreicher vom kurzesten Weg nach Debrecen abzubringen dem provisorischen Regierungssitz Ungarns Er loste die Aufgabe sehr geschickt indem er den Feind durch einen vorgetauschten Ruckzug in die Berge lockte Im Februar 1849 erhielt der Pole Henryk Dembinski das Oberkommando der Aufstandischen weil der Landesverteidigungsausschuss und die Regierung tiefes Misstrauen gegen Gorgei hegten Zutiefst gekrankt kam Gorgei seinen Aufgaben nur noch schleppend nach In der Schlacht bei Kapolna vom 26 bis 28 Februar kam er mit seinem Korps zu spat so dass die Schlacht unentschieden ausging Daraufhin wurde Dembinski des Oberkommandos enthoben und Antal Vetter 1803 1882 wurde sein Nachfolger Vetter erkrankte jedoch und so erhielt Gorgei den Oberbefehl Anfang April 1849 zuruck Er schlug am 4 April sein Hauptquartier bei Nagykata auf Im nun folgenden Aprilfeldzug stellte Gorgei seine Fahigkeiten als Kriegsfuhrer durch eine beeindruckende Reihe von Siegen unter Beweis u a am 4 April 1849 im Gefecht von Tapiobicske am 10 April bei Waitzen und am 26 April in der Schlacht bei Komorn Anstatt offensiv uber die osterreichische Grenze zu gehen wandte er sich anschliessend Ofen zu das die Osterreicher unter General Hentzi noch besetzt hielten und nahm nach dreiwochiger Belagerung die Ofener Festung am 21 Mai ein Die Wurde eines Feldmarschalls die ihm Kossuth zum Dank anbot lehnte Gorgei ab ubernahm aber das ihm angetragene Amt des Kriegsministers in der Regierung Szemere Danach liess Gorgei drei Wochen untatig verstreichen wahrend die Russen gemass dem russisch osterreichischen Interventionsvertrag an mehreren Stellen uber die Grenze nach Ungarn eindrangen Eifersucht und Meinungsverschiedenheiten zwischen Gorgei und Kossuth fuhrten zu einer verhangnisvollen Wendung Gorgei unterlag gegen den kaiserlichen Befehlshaber Haynau am 21 Juni mit seiner Hauptarmee in der Schlacht von Pered und weigerte sich den Ruckzug in Richtung auf die Theiss anzutreten Durch das weitere Vordringen der Russen im Osten vom Regierungssitz Szegedin abgeschnitten stellte er sich den Kaiserlichen am 2 Juli 1849 in der Schlacht bei Acs vor Komorn zur Schlacht erlitt aber eine Niederlage Er musste sich auf die Festung zuruckziehen und begann nach einer weiteren Niederlage am 13 Juli den Abmarsch in Richtung zur Theiss Die Russen verfolgten ihn zwar holten ihn aber nicht ein sodass er am 8 August unbehelligt in Arad eintraf General Dembinski erlitt derweil gegen Haynau am 9 August in der Schlacht bei Temesvar eine vollstandige Niederlage Die Depesche traf tags darauf bei Gorgei ein Bereits vorher hatte Gorgei Kossuth gegenuber erklart dass er in so einem Fall sofort die Waffen niederlegen werde Gleichzeitig hatte die ungarische Regierung auch auf Drangen Gorgeis den Beschluss gefasst dem Zaren von Russland die ungarische Krone anzutragen Gorgei stand mit den Russen schon seit dem 21 Juli in Verbindung und sollte mit der Umsetzung des Beschlusses beauftragt werden Nun forderte Gorgei Kossuth zum Rucktritt auf und verlangte ihm selbst die hochste Gewalt zu ubertragen Am 11 August erhielt Gorgei die Diktatur und ergab sich zwei Tage spater mit 20 000 Mann Infanterie 2 000 Mann Kavallerie und 130 Geschutzen im Flecken Vilagos den russischen Truppen unter General Friedrich Alexander von Rudiger 1783 1856 auf Gnade und Ungnade Gorgei wurde nach seiner Kapitulation begnadigt und in Klagenfurt interniert wo er bis 1867 als Privatmann und Chemiker in der Moroschen Tuchfabrik in Viktring tatig war Dann kehrte er nach Ungarn zuruck und wurde 1872 bei der Eisenbahnlinie Schassburg Reps der Siebenburgischen Ostbahn angestellt Schriften BearbeitenGorgey und die Capitulation bei Vilagos Von einem Officiere des Generalstabs der ungarischen Armee Otto Wigand Leipzig 1850 Mein Leben und Wirken in Ungarn in den Jahren 1848 und 1849 Zwei Bande F A Brockhaus Leipzig 1852 Briefe ohne Adresse Deutsche Originalausgabe aus dem ungarischen Originalmanuscript ubersetzt F A Brockhaus Leipzig 1867 Siehe auch BearbeitenMartyrer von AradLiteratur BearbeitenGorgey von Gorgo und Toporcz Arthur In Osterreichisches Biographisches Lexikon 1815 1950 OBL Band 2 Verlag der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1959 S 17 Weblinks Bearbeiten Commons Artur Gorgey Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Normdaten Person GND 118717898 OGND AKS LCCN n84187200 VIAF 89170225 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Gorgei ArturALTERNATIVNAMEN Gorgey von Gorgo und Toporcz Artur vollstandiger Name Gorgey von Gorgo und Toporcz Arthur vollstandiger Name KURZBESCHREIBUNG ungarischer GeneralGEBURTSDATUM 30 Januar 1818GEBURTSORT Toporec Komitat ZipsSTERBEDATUM 21 Mai 1916STERBEORT BudapestAbgerufen von https de wikipedia org w index php title Artur Gorgei amp oldid 192651476, wikipedia, wiki, deutsches

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