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Altkirchenslawische Sprache

Als Altkirchenslawisch oder Altslawisch oder Altbulgarisch (Eigenbezeichnungсловѣньскъ ѩзыкъ, transliteriertslověnьskъ językъ‚slawische Sprache‘) bezeichnet man die älteste slawische Schriftsprache, die seit 860 entwickelt bzw. festgehalten wurde und aus der gegen Ende des 11. Jahrhunderts verschiedene Varietäten des Kirchenslawischen hervorgegangen sind.

Altkirchenslawisch (словеньскъ)

Gesprochen in

Sprecher keine Muttersprachler
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache in
Sprachcodes
ISO 639-1

cu

ISO 639-2

chu

ISO 639-3

chu

Methodios und Kyrill – Ausschnitt einer Ikone aus dem 19. Jahrhundert

Die Bezeichnung Altkirchenslawisch begründet sich in der fast ausschließlichen Verwendung als Sakralsprache. Früher wurde die Sprache auch Altbulgarisch (bulgarischстаробългарскиstarobălgarski) genannt, da die meisten erhaltenen altkirchenslawischen Denkmäler bulgarische Züge haben. In den meisten slawischen Ländern wird jedoch die Bezeichnung Altslawisch (russischстарославянский язык staroslawjanski jasyk, tschechischstaroslověnština usw.) bevorzugt. In Bulgarien wird weiter die Bezeichnung Altbulgarisch verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Auf Anfrage des Mährerfürsten Rastislav an Byzanz und die Ostkirche, Geistliche zur Verbreitung des christlichen Glaubens zu schicken, wurden die Brüder Konstantin (später Kyrillos genannt) und Methodios vom Patriarchen Photios I. mit der Missionierung beauftragt und begaben sich im Jahre 863 ins Mährerreich. Konstantin hatte zuvor bereits Teile der Evangelien und während der Mission den Psalter sowie andere christliche Bücher in die ihm vertraute slawische Sprache von Saloniki übersetzt und sie schriftlich mit Hilfe des von ihm entworfenen glagolitischen Alphabets fixiert.

Durch Vertreibung der Missionare und deren Schüler im Jahre 886 verbreitete sich die Schriftsprache auch im Süden, im Bulgarischen Reich. Die Glagoliza, die trotz der Vertreibung weiterhin im Mährerreich verwendet wurde, breitete sich nun auf weite Teile des Balkans aus, wobei sich zwei Schriftvarianten entwickelten: Die eckige westliche im Gebiet des heutigen Kroatien und die runde östliche Variante der Glagoliza im heutigen bulgarisch-mazedonisch-serbischen Raum, die jedoch noch vor Ende des 9. Jahrhunderts durch die kyrillische Schrift ersetzt wurde. Im alpenslawischen Südwesten, also im Gebiet des heutigen Slowenien und nördlich davon, wurde vereinzelt auch die lateinische Schrift verwendet. Während das Altkirchenslawische zuerst nur Sprache der slawischen Liturgie war, wurde es ab 893 zur Staatssprache des Bulgarischen Reiches.

Die durch die Mährenmission und die Vertreibung der Apostel nach Süden erfolgte Christianisierung bedeutete den größten kulturellen Wandel in Süd- und Osteuropa bis zur Zeit der Reformation. Unter verschiedenen Herrschern entstanden kleinere Zentren, in denen sich das Altkirchenslawische auch zu einer Literatursprache mit hohem Niveau weiterentwickelte und ihre Blütezeit im 10. Jahrhundert fand, in der Schule von Preslaw und der Schule von Ohrid, in den damaligen Hauptstädten des bulgarischen Reiches. Von dort aus begann die Sprache in der folgenden Zeit, Einfluss auf die Ostslawen zu nehmen.

Trotz ihres südslawischen Dialektes konnten die beiden Prediger von ihren slawischen Brüdern im Norden, die die mährisch-slowakisch-pannonischen Dialekte sprachen, ohne weiteres verstanden werden, da sich die regionalen Dialekte damals noch sehr ähnlich waren. Die heutigen, vergleichsweise großen Unterschiede gehen zurück auf etwa die Zeit des 11. Jahrhunderts, als sich verschiedene Varianten der altkirchenslawischen Sprache herausbildeten, die heute unter dem Oberbegriff Kirchenslawisch zusammengefasst werden. Hierzu zählen das Bulgarisch-Kirchenslawische (auch Mittelbulgarisch genannt) sowie das Russisch-, Serbisch-, Kroatisch- und Tschechisch-Kirchenslawische.

1652 wurde das durch den Patriarchen Nikon festgelegte Kirchenslawisch die liturgische Sprache der slawisch-orthodoxen Kirche. Ab der Zeit wird sie auch als Neukirchenslawisch oder Synodalkirchenslawisch bezeichnet und hat sich dort mit einem Status, vergleichbar dem des Lateinischen in der römisch-katholischen Kirche, bis heute gehalten.

Obwohl der Einfluss des Kirchenslawischen auf die jüngeren slawischen Sprachen enorm ist, muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei der ältesten slawischen Schriftsprache um jenen südslawischen Dialekt der ersten Missionare handelt, nicht aber um einen gemeinsamen Vorfahren der slawischen Sprachfamilie, wie das Proto- oder Urslawische. Allerdings ist das Altkirchenslawische aufgrund seines Alters dem Urslawischen noch recht ähnlich, weswegen es von hoher Bedeutung für das historisch-vergleichende Studium der slawischen Sprachen ist.

Forschung

Die Geschichte der Erforschung des Altkirchenslawischen reicht zurück bis zur Begründung der slawischen Philologie im frühen 19. Jahrhundert. Josef Dobrovskýs 1822 erschienenes Werk Institutiones linguae slavicae dialecti veteris (Lehrgebäude des alten Dialekts der slavischen Sprache) gilt als Pionierarbeit auf diesem Gebiet.

Die Frage nach dem Ursprung und der Heimat des Altkirchenslawischen hat die slawische Philologie seit jeher intensiv beschäftigt. Dobrovský suchte die Heimat der Sprache im Süden, 1823 schrieb er in seinem Werk Cyrill und Method, der Slaven Apostel – ein historisch-kritischer Versuch: „durch fleißige Vergleichung der neueren Auflagen mit den ältesten Handschriften habe ich mich immer mehr überzeugt, daß Cyrills Sprache der alte noch unvermischte serbisch-bulgarisch-macedonische Dialekt war“. Dagegen war Jernej Kopitar der Überzeugung, dass der Ursprung des Altkirchenslavischen in Pannonien zu suchen sei, es sei die Sprache, „die vor rund tausend Jahren unter den Slawen Pannoniens gedieh“ („quae ante mille fere annos viguit inter Slavos Pannoniae“).

Da damals fast alle erhaltenen altkirchenslawischen Texte aus Bulgarien stammten, prägte Pavel Jozef Šafárik in seinen Serbischen Lesekörnern (1833) und in seinem 1837 erschienenen Werk Slovanské starožitnosti (Slawische Alterthümer) den Ausdruck Altbulgarisch. In Deutschland haben besonders August Schleicher und nach ihm Johannes Schmidt und August Leskien die Bezeichnungen Altbulgarisch und Kirchenslawisch populär gemacht. Es ist nur zu bedenken, dass die Sprache in den ältesten und zeitgenössischen Quellen nie so benannt wurde, der Name taucht vielmehr erst in einer griechischen Quelle aus dem 10. Jahrhundert (Vita S. Clementis) auf. Für das 9. Jahrhundert würde sich dagegen die Bezeichnung Altbulgarisch mit größerem Recht auf die damals ja noch nicht völlig slawisierten Protobulgaren und ihre Sprache beziehen.

In Hinblick auf die in altkirchenslawischen Quellen aufscheinende Bezeichnung slověnьskъ (словѣньскъ) prägte Franz Miklosich die Bezeichnung Altslowenisch. Er gebrauchte sie allerdings in einem spezifischen Sinne, um zu postulieren, dass die slawische Liturgie in Pannonien entstanden sei, und folglich auch die Sprache der slawischen Liturgie pannonisch sein müsse, was jedoch Vatroslav Jagić vehement bestritt. Šafárik jedoch revidierte in seinen letzten Lebensjahren seine ursprüngliche Ansicht: In seiner Schrift Über den Ursprung und die Heimath des Glagolitismus (Prag 1858) argumentierte er, wie zuvor Kopitar und Miklosich, für die pannonische Ursprungstheorie des Altkirchenslawischen.

Altkirchenslawisches Vater Unser

Die moderne Forschung zum Altkirchenslawischen unterteilt die altkirchenslawische Epoche in das Urkirchenslawisch der Missionszeit, die Zeit des klassischen Altkirchenslawisch (10. bis 11. Jahrhundert) und des Spätaltkirchenslawischen zur Zeit der darauf folgenden Jahrhundertwende. Die frühesten der heute erhaltenen und bekannten Manuskripte des Altkirchenslawischen stammen aus der klassischen Zeit des 10. und 11. Jahrhunderts. Der relativ kleine Kanon der insgesamt überlieferten Sprachdenkmäler der Zeit umfasst nur etwa 30 Manuskripte und nicht ganz 100 Inschriften, von denen die bekanntesten unter anderem der vom bulgarischen Zaren Simeon um das Jahr 893 aufgestellte Grabstein, vier größere Evangelienhandschriften, zwei Evangelienfragmente, ein Psalter, liturgische Texte und Sammlungen von Bibelstellen sind. Später entstandene Abschriften weisen oft Eigenschaften des späteren Kirchenslawisch oder der sich regional entwickelnden Sprachen auf.

Weitere Entdeckungen und Funde altkirchenslawischen Schriftguts, zum Beispiel eines Evangelienmanuskriptes in Auszügen in der vatikanischen Bibliothek im Jahre 1982 erweitern das trotz der wenigen Texte doch auf einige Größe angewachsene lexikalische Gesamtkorpus, zu dem neben dem ursprünglichen theologischen auch Vokabular aus anderen Bereichen wie z. B. der frühen Geschichtsschreibung, der Philosophie, aber auch der Medizin und Botanik hinzukam. Die Schule von Preslaw war überdies bekannt für Werke der Dichtkunst.

Zu der von Konstantin und anderen Missionaren angefertigten teilweisen Übersetzung der Bibel und liturgischer Texte sowie auch literarischer Texte (unter anderem die Biographie des Konstantin und dem ihm zugeschriebenen Vorwort zum Evangelium) kamen später Übertragungen der Werke der Kirchenväter (z. B. Basilius der Große u. a.) und Philosophen. Hier kommt den Übersetzern zusätzliche Bedeutung zu, da mit der Darstellung komplexer und abstrakter philosophischer Sachverhalte in einer größtenteils nur gesprochenen Sprache lediglich auf einen eingeschränkten Erbwortschatz zugegriffen werden konnte. Noch über das Spätmittelalter hinaus setzte sich der durch die ersten Übersetzer initiierte und für das Altkirchenslawische und das spätere Kirchenslawische so fruchtbare Prozess der Erweiterung der Sprache durch Wortschöpfungen, Entlehnungen, sowie Lehnübersetzungen und Lehnprägungen, überwiegend aus dem Griechischen und Lateinischen, aber auch aus dem Hebräischen und Althochdeutschen fort. Einige Beispiele hierfür sind:градь-никъ grad-nik von dem griechischen Wortπολί-της poli-tes, deutschBürger (als Lehnübersetzung),ђеона geona vonγέεννα ge'enna, deutschHölle (als Lehnwort),мьша mješa aus dem lateinischen (und althochdeutschen)missa‚Messe‘,рабби rabbi undсерафимъ seraphim aus dem Hebräischen.

Tabelle der Flexionsendungen des altkirchenslawischen Substantivs

Den anderen indogermanischen Sprachen entsprechend ist auch das altkirchenslawische Wortbildungssystem mehrschichtig. Neben Lexemen, die die Wortbedeutung als Ganzes vermitteln, können unterschiedliche Arten von Morphemen als weitere kleinste Bedeutungsträger zur Wortstammbildung beitragen. Das Altkirchenslawische besitzt dazu ein Flexionssystem, welches dem der heutigen slawischen Sprachen ähnlich ist. In der Deklination der Substantive, Adjektive, Partizipien und Pronomen gibt es die grammatischen Kategorien Numerus, Kasus und Genus, welche durch Suffixe gebildet werden. Es gibt drei Numeri, nämlich Singular, Dual (heute noch im Slowenischen und Sorbischen vorhanden) und Plural. Es werden sieben verschiedene Kasus unterschieden: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumentalis, Präpositional/Lokativ, Vokativ. Bis auf den letzteren, heute nur noch selten benutzten, ist der Gebrauch der Fälle ähnlich dem des Russischen. Wie in vielen indogermanischen Sprachen gibt es die drei Genera Maskulinum, Femininum und Neutrum. Das Altkirchenslawische besitzt ein komplexes Deklinationssystem, das an das Lateinische erinnert.

Das altkirchenslawische Konjugationssystem, welches sich grob in fünf Klassen unterschiedlicher Verbalstammbildung gliedert, umfasst die Kategorien Person, Numerus, Modus, Genus und Tempus. Am Verb werden Person (erste, zweite, dritte) und Numerus (Singular, Dual, Plural) sowie Modus (Indikativ, Konditional und Imperativ) markiert. Im Aktiv wird ebenfalls durch verschiedene Personalendungen noch das grammatische Geschlecht unterschieden. Das Tempussystem besteht aus dem Präsens, dem Imperfekt und dem aus dem Griechischen bekannten Aorist, welche durch Bildung von Stammsuffixen (synthetisch) ausgedrückt werden, sowie dem Futur I/II, dem Perfekt und dem Plusquamperfekt, die analytisch gebildet werden.

  1. Günter Prinzing: Ohrid. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA).Band6. Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9,Sp.1376–1380. (hier Sp. 1377: „[…] die Schule von Ohrid hat einen Großteil der (alt-)bulgarischen Literatur hervorgebracht.“)
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Altkirchenslawische Sprache
altkirchenslawische, sprache, mittelalterliche, slawische, schriftsprache, sprache, beobachten, bearbeiten, altkirchenslawisch, oder, altslawisch, oder, altbulgarisch, eigenbezeichnung, словѣньскъ, ѩзыкъ, transliteriert, slověnьskъ, językъ, slawische, sprache,. Altkirchenslawische Sprache mittelalterliche slawische Schriftsprache Sprache Beobachten Bearbeiten Als Altkirchenslawisch oder Altslawisch oder Altbulgarisch Eigenbezeichnung slovѣnsk ѩzyk transliteriert slovensk jezyk slawische Sprache bezeichnet man die alteste slawische Schriftsprache die seit 860 entwickelt bzw festgehalten wurde und aus der gegen Ende des 11 Jahrhunderts verschiedene Varietaten des Kirchenslawischen hervorgegangen sind Altkirchenslawisch slovensk Gesprochen in Sprecher keine MuttersprachlerLinguistische Klassifikation Indogermanische Sprachen Slawische Sprachen Sudslawische SprachenAltkirchenslawisch dd dd Offizieller StatusAmtssprache in SprachcodesISO 639 1 cuISO 639 2 chuISO 639 3 chuMethodios und Kyrill Ausschnitt einer Ikone aus dem 19 Jahrhundert Die Bezeichnung Altkirchenslawisch begrundet sich in der fast ausschliesslichen Verwendung als Sakralsprache Fruher wurde die Sprache auch Altbulgarisch bulgarisch staroblgarski starobălgarski genannt da die meisten erhaltenen altkirchenslawischen Denkmaler bulgarische Zuge haben In den meisten slawischen Landern wird jedoch die Bezeichnung Altslawisch russisch staroslavyanskij yazyk staroslawjanski jasyk tschechisch staroslovenstina usw bevorzugt In Bulgarien wird weiter die Bezeichnung Altbulgarisch verwendet Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 1 1 Forschung 2 Texte und Vokabular 3 Grammatik 4 Literatur 5 Weblinks 6 EinzelnachweiseGeschichte BearbeitenAuf Anfrage des Mahrerfursten Rastislav an Byzanz und die Ostkirche Geistliche zur Verbreitung des christlichen Glaubens zu schicken wurden die Bruder Konstantin spater Kyrillos genannt und Methodios vom Patriarchen Photios I mit der Missionierung beauftragt und begaben sich im Jahre 863 ins Mahrerreich Konstantin hatte zuvor bereits Teile der Evangelien und wahrend der Mission den Psalter sowie andere christliche Bucher in die ihm vertraute slawische Sprache von Saloniki ubersetzt und sie schriftlich mit Hilfe des von ihm entworfenen glagolitischen Alphabets fixiert Durch Vertreibung der Missionare und deren Schuler im Jahre 886 verbreitete sich die Schriftsprache auch im Suden im Bulgarischen Reich Die Glagoliza die trotz der Vertreibung weiterhin im Mahrerreich verwendet wurde breitete sich nun auf weite Teile des Balkans aus wobei sich zwei Schriftvarianten entwickelten Die eckige westliche im Gebiet des heutigen Kroatien und die runde ostliche Variante der Glagoliza im heutigen bulgarisch mazedonisch serbischen Raum die jedoch noch vor Ende des 9 Jahrhunderts durch die kyrillische Schrift ersetzt wurde Im alpenslawischen Sudwesten also im Gebiet des heutigen Slowenien und nordlich davon wurde vereinzelt auch die lateinische Schrift verwendet Wahrend das Altkirchenslawische zuerst nur Sprache der slawischen Liturgie war wurde es ab 893 zur Staatssprache des Bulgarischen Reiches Die durch die Mahrenmission und die Vertreibung der Apostel nach Suden erfolgte Christianisierung bedeutete den grossten kulturellen Wandel in Sud und Osteuropa bis zur Zeit der Reformation Unter verschiedenen Herrschern entstanden kleinere Zentren in denen sich das Altkirchenslawische auch zu einer Literatursprache mit hohem Niveau weiterentwickelte und ihre Blutezeit im 10 Jahrhundert fand in der Schule von Preslaw und der Schule von Ohrid 1 in den damaligen Hauptstadten des bulgarischen Reiches Von dort aus begann die Sprache in der folgenden Zeit Einfluss auf die Ostslawen zu nehmen Trotz ihres sudslawischen Dialektes konnten die beiden Prediger von ihren slawischen Brudern im Norden die die mahrisch slowakisch pannonischen Dialekte sprachen ohne weiteres verstanden werden da sich die regionalen Dialekte damals noch sehr ahnlich waren Die heutigen vergleichsweise grossen Unterschiede gehen zuruck auf etwa die Zeit des 11 Jahrhunderts als sich verschiedene Varianten der altkirchenslawischen Sprache herausbildeten die heute unter dem Oberbegriff Kirchenslawisch zusammengefasst werden Hierzu zahlen das Bulgarisch Kirchenslawische auch Mittelbulgarisch genannt sowie das Russisch Serbisch Kroatisch und Tschechisch Kirchenslawische 1652 wurde das durch den Patriarchen Nikon festgelegte Kirchenslawisch die liturgische Sprache der slawisch orthodoxen Kirche Ab der Zeit wird sie auch als Neukirchenslawisch oder Synodalkirchenslawisch bezeichnet und hat sich dort mit einem Status vergleichbar dem des Lateinischen in der romisch katholischen Kirche bis heute gehalten Obwohl der Einfluss des Kirchenslawischen auf die jungeren slawischen Sprachen enorm ist muss davon ausgegangen werden dass es sich bei der altesten slawischen Schriftsprache um jenen sudslawischen Dialekt der ersten Missionare handelt nicht aber um einen gemeinsamen Vorfahren der slawischen Sprachfamilie wie das Proto oder Urslawische Allerdings ist das Altkirchenslawische aufgrund seines Alters dem Urslawischen noch recht ahnlich weswegen es von hoher Bedeutung fur das historisch vergleichende Studium der slawischen Sprachen ist Forschung Bearbeiten Die Geschichte der Erforschung des Altkirchenslawischen reicht zuruck bis zur Begrundung der slawischen Philologie im fruhen 19 Jahrhundert Josef Dobrovskys 1822 erschienenes Werk Institutiones linguae slavicae dialecti veteris Lehrgebaude des alten Dialekts der slavischen Sprache gilt als Pionierarbeit auf diesem Gebiet Die Frage nach dem Ursprung und der Heimat des Altkirchenslawischen hat die slawische Philologie seit jeher intensiv beschaftigt Dobrovsky suchte die Heimat der Sprache im Suden 1823 schrieb er in seinem Werk Cyrill und Method der Slaven Apostel ein historisch kritischer Versuch durch fleissige Vergleichung der neueren Auflagen mit den altesten Handschriften habe ich mich immer mehr uberzeugt dass Cyrills Sprache der alte noch unvermischte serbisch bulgarisch macedonische Dialekt war Dagegen war Jernej Kopitar der Uberzeugung dass der Ursprung des Altkirchenslavischen in Pannonien zu suchen sei es sei die Sprache die vor rund tausend Jahren unter den Slawen Pannoniens gedieh quae ante mille fere annos viguit inter Slavos Pannoniae Da damals fast alle erhaltenen altkirchenslawischen Texte aus Bulgarien stammten pragte Pavel Jozef Safarik in seinen Serbischen Lesekornern 1833 und in seinem 1837 erschienenen Werk Slovanske starozitnosti Slawische Alterthumer den Ausdruck Altbulgarisch In Deutschland haben besonders August Schleicher und nach ihm Johannes Schmidt und August Leskien die Bezeichnungen Altbulgarisch und Kirchenslawisch popular gemacht Es ist nur zu bedenken dass die Sprache in den altesten und zeitgenossischen Quellen nie so benannt wurde der Name taucht vielmehr erst in einer griechischen Quelle aus dem 10 Jahrhundert Vita S Clementis auf Fur das 9 Jahrhundert wurde sich dagegen die Bezeichnung Altbulgarisch mit grosserem Recht auf die damals ja noch nicht vollig slawisierten Protobulgaren und ihre Sprache beziehen In Hinblick auf die in altkirchenslawischen Quellen aufscheinende Bezeichnung slovensk slovѣnsk pragte Franz Miklosich die Bezeichnung Altslowenisch Er gebrauchte sie allerdings in einem spezifischen Sinne um zu postulieren dass die slawische Liturgie in Pannonien entstanden sei und folglich auch die Sprache der slawischen Liturgie pannonisch sein musse was jedoch Vatroslav Jagic vehement bestritt Safarik jedoch revidierte in seinen letzten Lebensjahren seine ursprungliche Ansicht In seiner Schrift Uber den Ursprung und die Heimath des Glagolitismus Prag 1858 argumentierte er wie zuvor Kopitar und Miklosich fur die pannonische Ursprungstheorie des Altkirchenslawischen Texte und Vokabular Bearbeiten Altkirchenslawisches Vater Unser Die moderne Forschung zum Altkirchenslawischen unterteilt die altkirchenslawische Epoche in das Urkirchenslawisch der Missionszeit die Zeit des klassischen Altkirchenslawisch 10 bis 11 Jahrhundert und des Spataltkirchenslawischen zur Zeit der darauf folgenden Jahrhundertwende Die fruhesten der heute erhaltenen und bekannten Manuskripte des Altkirchenslawischen stammen aus der klassischen Zeit des 10 und 11 Jahrhunderts Der relativ kleine Kanon der insgesamt uberlieferten Sprachdenkmaler der Zeit umfasst nur etwa 30 Manuskripte und nicht ganz 100 Inschriften von denen die bekanntesten unter anderem der vom bulgarischen Zaren Simeon um das Jahr 893 aufgestellte Grabstein vier grossere Evangelienhandschriften zwei Evangelienfragmente ein Psalter liturgische Texte und Sammlungen von Bibelstellen sind Spater entstandene Abschriften weisen oft Eigenschaften des spateren Kirchenslawisch oder der sich regional entwickelnden Sprachen auf Weitere Entdeckungen und Funde altkirchenslawischen Schriftguts zum Beispiel eines Evangelienmanuskriptes in Auszugen in der vatikanischen Bibliothek im Jahre 1982 erweitern das trotz der wenigen Texte doch auf einige Grosse angewachsene lexikalische Gesamtkorpus zu dem neben dem ursprunglichen theologischen auch Vokabular aus anderen Bereichen wie z B der fruhen Geschichtsschreibung der Philosophie aber auch der Medizin und Botanik hinzukam Die Schule von Preslaw war uberdies bekannt fur Werke der Dichtkunst Zu der von Konstantin und anderen Missionaren angefertigten teilweisen Ubersetzung der Bibel und liturgischer Texte sowie auch literarischer Texte unter anderem die Biographie des Konstantin und dem ihm zugeschriebenen Vorwort zum Evangelium kamen spater Ubertragungen der Werke der Kirchenvater z B Basilius der Grosse u a und Philosophen Hier kommt den Ubersetzern zusatzliche Bedeutung zu da mit der Darstellung komplexer und abstrakter philosophischer Sachverhalte in einer grosstenteils nur gesprochenen Sprache lediglich auf einen eingeschrankten Erbwortschatz zugegriffen werden konnte Noch uber das Spatmittelalter hinaus setzte sich der durch die ersten Ubersetzer initiierte und fur das Altkirchenslawische und das spatere Kirchenslawische so fruchtbare Prozess der Erweiterung der Sprache durch Wortschopfungen Entlehnungen sowie Lehnubersetzungen und Lehnpragungen uberwiegend aus dem Griechischen und Lateinischen aber auch aus dem Hebraischen und Althochdeutschen fort Einige Beispiele hierfur sind grad nik grad nik von dem griechischen Wort poli ths poli tes deutsch Burger als Lehnubersetzung ђeona geona von geenna ge enna deutsch Holle als Lehnwort msha mjesa aus dem lateinischen und althochdeutschen missa Messe rabbi rabbi und serafim seraphim aus dem Hebraischen Grammatik Bearbeiten Tabelle der Flexionsendungen des altkirchenslawischen Substantivs Den anderen indogermanischen Sprachen entsprechend ist auch das altkirchenslawische Wortbildungssystem mehrschichtig Neben Lexemen die die Wortbedeutung als Ganzes vermitteln konnen unterschiedliche Arten von Morphemen als weitere kleinste Bedeutungstrager zur Wortstammbildung beitragen Das Altkirchenslawische besitzt dazu ein Flexionssystem welches dem der heutigen slawischen Sprachen ahnlich ist In der Deklination der Substantive Adjektive Partizipien und Pronomen gibt es die grammatischen Kategorien Numerus Kasus und Genus welche durch Suffixe gebildet werden Es gibt drei Numeri namlich Singular Dual heute noch im Slowenischen und Sorbischen vorhanden und Plural Es werden sieben verschiedene Kasus unterschieden Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ Instrumentalis Prapositional Lokativ Vokativ Bis auf den letzteren heute nur noch selten benutzten ist der Gebrauch der Falle ahnlich dem des Russischen Wie in vielen indogermanischen Sprachen gibt es die drei Genera Maskulinum Femininum und Neutrum Das Altkirchenslawische besitzt ein komplexes Deklinationssystem das an das Lateinische erinnert Das altkirchenslawische Konjugationssystem welches sich grob in funf Klassen unterschiedlicher Verbalstammbildung gliedert umfasst die Kategorien Person Numerus Modus Genus und Tempus Am Verb werden Person erste zweite dritte und Numerus Singular Dual Plural sowie Modus Indikativ Konditional und Imperativ markiert Im Aktiv wird ebenfalls durch verschiedene Personalendungen noch das grammatische Geschlecht unterschieden Das Tempussystem besteht aus dem Prasens dem Imperfekt und dem aus dem Griechischen bekannten Aorist welche durch Bildung von Stammsuffixen synthetisch ausgedruckt werden sowie dem Futur I II dem Perfekt und dem Plusquamperfekt die analytisch gebildet werden Literatur BearbeitenRudolf Aitzetmuller Altbulgarische Grammatik als Einfuhrung in die slavische Sprachwissenschaft Weiher Freiburg 1978 Philipp Ammon Tractatus slavonicus in Sjani Thoughts Georgian Scientific Journal of Literary Theory and Comparative Literature N 17 2016 S 248 256 Hans Holm Bielfeldt Altslawische Grammatik Einfuhrung in die slawischen Sprachen VEB Max Niemeyer Verlag Halle Saale 1961 Henrik Birnbaum Jos Schaeken Altkirchenslavische Studien I Das altkirchenslavische Wort Bildung Bedeutung Herleitung Verlag Otto Sagner Munchen 1997 ISBN 3 87690 668 7 Henrik Birnbaum Jos Schaeken Altkirchenslavische Studien II Die altkirchenslavische Schriftkultur Geschichte Laute und Schriftzeichen Sprachdenkmaler Verlag Otto Sagner Munchen 1999 ISBN 3 87690 741 1 Holzer Georg Altkirchenslawisch PDF 393 kB in Milos Okuka Hrsg Lexikon der Sprachen des europaischen Ostens Klagenfurt Wieser 2002 Wieser Enzyklopadie des europaischen Ostens Bd 10 ISBN 3 85129 510 2 S 187 202 R M Cejtlin R Vecerka Ė Blagova Staroslavyanskij Slovar po rukopisyam X XI vekov Memento vom 19 Januar 2009 imInternet Archive Altslawisches Worterbuch Izdatel stvo Russkij Jazyk Moskau 1999 ISBN 5 200 02704 7 Paul Diels Altkirchenslavische Grammatik Teil 1 und 2 Heidelberg 1963 2 August Leskien Handbuch der altbulgarischen altkirchenslavischen Sprache Grammatik Texte Glossar Heidelberg 91969 ISBN 3 533 00615 8 Horace G Lunt Old Church Slavonic Grammar Mouton Den Haag 61974 ISBN 3 11 016284 9 August Schleicher Die Formenlehre der kirchenslawischen Sprache erklarend und vergleichend dargestellt Nachdruck H Buske Verlag Hamburg 1998 ISBN 3 87118 540 X Nikolaus S Trubetzkoy Altkirchenslavische Grammatik Schrift Laut und Formensystem Hrsg von Rudolf Jagoditsch Rohrer Wien 1954 Nicolina Trunte Slovenski jezyk Lehrbuch des Kirchenslavischen Ein praktisches Lehrbuch des Kirchenslavischen in 30 Lektionen zugleich eine Einfuhrung in die slavische Philologie 2 Bande Band 1 Altkirchenslavisch Band 2 Mittel und Neukirchenslawisch Sagner Munchen 2003 5 durchgesehener Nachdruck der vollstandig neu bearbeiteten Auflage ISBN 978 3 87690 480 1 und ISBN 978 3 87690 716 1 Wenzel Vondrak Altkirchenslavische Grammatik Weidmannsche Buchhandlung Berlin 21912 Weblinks Bearbeiten Wikipedia auf Altkirchenslawisch Linkkatalog zum Thema Alt und Kirchenslawistik bei curlie org ehemals DMOZ Eintrag zur altkirchenslawischen Sprache in der Enzyklopadie des Europaischen Ostens PDF Datei 384 kB Kodeks Universitat Bamberg Ein Online Informationssystem fur den Unterricht zum slawischen Mittelalter TITUS Universitat Frankfurt Thesaurus Indogermanischer Text und Sprachmaterialien Abbildungen altkirchenslavischer Handschriften glottotheque Ancient Indo European Grammars online englisch eine Onlinesammlung von Videos zu altindogermanischen Sprachen produziert von der Georg August Universitat GottingenEinzelnachweise Bearbeiten Gunter Prinzing Ohrid In Lexikon des Mittelalters LexMA Band 6 Artemis amp Winkler Munchen Zurich 1993 ISBN 3 7608 8906 9 Sp 1376 1380 hier Sp 1377 die Schule von Ohrid hat einen Grossteil der alt bulgarischen Literatur hervorgebracht Dieser Artikel wurde am 23 Oktober 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen Slawische Sprachen Ostslawisch Altnowgoroder Dialekt Altostslawisch Karpato Russinisch Russisch Ruthenisch Ukrainisch Weissrussisch Westpolessisch Westslawisch Kaschubisch Knaanisch Niedersorbisch Obersorbisch Polabisch Pomoranisch Polnisch Schlesisch Slowakisch Slowinzisch Tschechisch Sudslawisch Agais Mazedonisch Altkirchenslawisch Banater Bulgarisch Bosnisch Bulgarisch Burgenlandkroatisch Kroatisch Mazedonisch Moliseslawisch Montenegrinisch Serbisch Serbokroatisch 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