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Aktion Bernhard

Aktion Bernhard (auch Unternehmen oder Operation Bernhard) wurde eine Geldfälschungsaktion des Sicherheitsdienstes (SD) im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) im nationalsozialistischen Deutschen Reich genannt. Sie ist die bislang größte bekannte Geldfälscheraktion der Geschichte, Ziel war eine massenhafte Fälschung der Pfundnoten der Bank of England in 1A-Qualität.

Inhaltsverzeichnis

Walter Schellenberg, der Chef des SD, benannte die Aktion nach ihrem Leiter, dem Sturmbannführer Bernhard Krüger. Zuständig für die Operation Bernhard im RSHA war vermutlich das „Amt VI (SD Ausland) F (Technische Hilfsmittel)“. Ursprünglich hieß die Aktion Andreas, nach dem Andreaskreuz im Union Jack.

Versuche, in regimetreuen Facharbeiterkreisen geeignete Arbeiter für die Operation zu gewinnen, misslangen, und das RSHA ließ eine Druckerei in den eigenen Räumen schließen. Anschließend griff die SS auf besonders qualifizierte Insassen der deutschen KZ- und Vernichtungslager zurück und ließ die Drucktechnik in ein KZ verlegen.

Die Geldfälschungsaktion wurde von Adolf Hitler persönlich abgesegnet, dieser empfahl, sich vorerst auf das Pfund als Währung zu beschränken, wenngleich auch Dokumente wie Pässe, Urkunden und Briefmarken gefälscht wurden, die u. a. zur Verwirrung im Ausland und für die Spionage dienten.

Für die Aktion war ein erheblicher Aufwand notwendig, so musste der Algorithmus der Seriennummern und die Ausgabezeit mit realen Banknoten übereinstimmen, die Qualität sollte mit der von echten Banknoten vollkommen übereinstimmen. Die richtige Zusammensetzung des Papiers stellte dabei ein großes Problem dar; erst nach hunderten von Versuchsreihen wurde die Zusammensetzung ermittelt und imitiert. Das Papier für die Geldfälschungsaktion stammte zunächst aus der Papierfabrik Spechthausen im Landkreis Oberbarnim in der Provinz Brandenburg. Die Papierfabrik stellte von 1874 bis 1945 das Papier für die Reichskassenscheine und fast alle Banknoten sowie Wert- und Kreditbriefe, Aktien, Schecks und andere Wertpapiere für das Deutsche Reich her. Im Zuge der Umstellung der Falschgeldproduktion auf Massenfertigung erfolgte die Verlagerung der Papierproduktion zur Papierfabrik Hahnemühle in Relliehausen (heute ein Ortsteil von Dassel). Nach Angaben der Papierfabrik stellte die Hahnemühle rund 1,5 Millionen Druckbogen für Pfundnoten her. Die Fabrik wurde zum kriegswichtigen Betrieb erklärt, die Belegschaft unter Eid genommen. Drucktechnisch wurde dieser Staatsauftrag im KZ Sachsenhausen nördlich von Berlin realisiert.

Im KZ Sachsenhausen, in den KZ-Baracken 18 und 19, fälschten 144 jüdische Häftlinge mit Hilfe professioneller Geldfälscher ausländische Währungen, vor allem englische Pfundnoten mit Nennwert in Höhe von 132 Millionen Pfund, um die Volkswirtschaften der Alliierten zu destabilisieren. Das entsprach 15 Prozent des britischen Bargeldumlaufes. Einen Höhepunkt erreichte die Produktion im Sommer 1943 mit monatlich etwa 650.000 Banknoten.

Von 1942 bis 1945 wurden Banknoten zu 5, 10, 20 und 50 Pfund Sterling (£) hergestellt. Später wurde der Plan aufgegeben, die falschen Pfundnoten in größerem Umfang in Umlauf zu bringen. Friedrich Schwend, Sitz Schloss Labers, wurde 1943 Vertriebsleiter für die gefälschten Devisen. Stattdessen wurden damit Devisen gekauft und verschiedene Aktionen der SS mit den gefälschten Pfundnoten unterstützt. So wurde z. B. der Spion Cicero (Elyesa Bazna) mit gefälschten Pfundnoten bezahlt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Druckplatten und verbliebenes Falschgeld im österreichischen Toplitzsee versenkt. Dort wurden sie zum Teil 1959 von Tauchern wieder geborgen.

Die Fälschungen waren so perfekt, dass sie fast nicht vom Originalgeld unterschieden werden konnten. Einer der ehemaligen Häftlinge konnte jedoch zur Überraschung seiner britischen Befrager mit erstaunlicher Schnelligkeit gefälschte Noten erkennen. Als Erklärung gab er an, dass die druckfrischen Noten noch nachbearbeitet wurden, um diesen das Aussehen gebrauchter Scheine zu verleihen. Dazu gehörte auch das Zusammenheften von Scheinen mittels Sicherheitsnadeln, ein damals übliches Vorgehen, das kleine Einstichlöcher im Papier hinterließ. Im Bestreben, die Pläne ihrer Auftraggeber zu hintertreiben, stachen die Häftlinge dabei durch das Wappen, was kein patriotischer Brite tun würde.

Die „Blüten“ wurden nach A-, B- und C-Noten sortiert. Dabei waren Scheine der A-Klasse Geldscheine, „die auch Banken akzeptiert haben“, während die C-Noten für einen Abwurf über Großbritannien vorgesehen waren.

Die Bank of England rief nach dem Krieg alle Pfund-Noten ab fünf Pfund zurück. Sie vernichtete damit zwar auch die echten Banknoten, dafür waren aber alle Fälschungen aus dem Verkehr gezogen. Es gab aber keine andere Möglichkeit, weil diese kaum von den falschen zu unterscheiden waren. Neue Pfund-Noten wurden nach und nach neu herausgegeben (£5: 1945, £10: 1964, £20: 1970, £50: 1981) und hatten dann zusätzliche Sicherheitsmerkmale.

Am 5. Mai 1945 wurde das Sonderkommando in Ebensee an das Rote Kreuz übergeben. Fast alle der 142 KZ-Häftlinge hatten die Zeit im KZ überlebt und wurden befreit. Krüger konnte verhaftet werden. Von den ehemals 144 jüdischen Häftlingen waren in den 2010er Jahren noch drei am Leben. Einer war Adolf Burger, der in Auschwitz-Birkenau als Nr. 64.401 gekennzeichnet wurde. Er hat über seine Erlebnisse während dieser Zeit ein Buch verfasst (siehe auch zum Film Die Fälscher). Ein anderer ist Abraham Sonnenfeld, dessen Vater in Transsilvanien ein Druckhaus besaß.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde die Infrastruktur von Nationalsozialisten und Überlebenden des Holocaust genutzt, um über Italien nach Palästina oder nach Lateinamerika zu kommen.

Die technischen und logistischen Rahmenbedingungen im KZ-Sachsenhausen waren für eine große Produktionsmenge zwar vorhanden, aber die KZ-Insassen leisteten Widerstand und riskierten zu der ohnehin allgegenwärtigen Todesgefahr ihr Leben. So wurden beispielsweise ca. neun Millionen britische Pfund-Scheine gedruckt, aber nur 670.000 Scheine an das Reichssicherheitshauptamt ausgeliefert, somit eine Makulaturquote von 92 %. Die Facharbeiter verzögerten absichtlich die Aktion und produzierten Ausschuss.

Es gab zwei Ziele: Einerseits die britische Wirtschaft mit Falschgeld zu überschwemmen. Die Aktion hätte bei konsequenter Umsetzung dieselben negativen Auswirkungen gehabt wie eine extrem expansive Geldpolitik der Bank of England – durch die Überschwemmung der Volkswirtschaft mit Geld wäre es im Erfolgsfall zu einer enormen Inflation gekommen. Es war weiterhin davon auszugehen, dass die Aktion bei Bekanntwerden in der britischen Öffentlichkeit zu einem Verlust der Glaubwürdigkeit des Pfund Sterling geführt hätte. Dadurch hätte es in großem Umfang zu einem Verlust der Zahlungsmittelfunktion des britischen Geldes kommen können (d. h. britische Konsumenten und Läden hätten die eigene Währung nicht mehr akzeptiert), wodurch der Wirtschaftskreislauf der Volkswirtschaft erheblich gestört worden wäre.

Das andere Ziel war die Bereicherung und Beseitigung der akuten Devisennot des NS-Regimes. Die Operation erbrachte erhebliche Einnahmen aus Geldschöpfungsgewinnen, da die gefälschten Banknoten auf dem internationalen Finanzmarkt abgesetzt werden konnten. Zudem war es hochgestellten Angehörigen des Regimes möglich, sich durch Umtausch der „Blüten“ in andere Währungen und Gold auch persönlich zu bereichern.

Die Bank von England räumte im Jahr 2003 ein, dass die Falschgeldaktion die Stabilität des Pfunds in der Kriegszeit ernsthaft bedroht hatte. Es kann durchaus auch von einer Gefahr für die Stabilität des internationalen Finanzsystems in diesem Zeitraum ausgegangen werden.

  • Hermann Gütig, staatenlos
  • Abraham Fingerhut, staatenlos
  • Abraham Kleinfeld, Österreich
  • Ernst Stiasny, Tschechoslowakei
  • Isaak Sukiennik, Sowjetunion
  • Karl Sussmann, Österreich

Auf Weisung von Heinrich Himmler wurde auch die Fälschung britischer Briefmarken in Auftrag gegeben. Die erste Propagandafälschung war eine Verfälschung des Motives der Gedenkmarke zu12 Penny anlässlich des königlichen Silberjubiläums 1935. Der Kopf des britischen Königs wurde durch den Kopf Josef Stalins ersetzt. Es wurden weitere Motive gefälscht, so die Marke anlässlich der Königskrönung von 1937 und der britischen Dauermarkenserie von 1937 mit dem Porträt von König Georg VI.

Mit der Ausführung dieser Fälschungen hatte Bernhard Krüger den Maler und Grafiker Leo Haas beauftragt.

  • Adolf Burger: Des Teufels Werkstatt. Die Geldfälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen. Verlag Neues Leben, Berlin 1985. Erweiterte Neuauflage Hentrich & Hentrich, Berlin 2005, ISBN 978-3-933471-80-2.
  • Peter Edel: Wenn es ans Leben geht, Autobiografie, 1. Aufl., Teil 2, S. 54 ff., Verlag der Nation, Berlin 1979, ISBN 3-87682-714-0.
  • Shraga Elam: Hitlers Fälscher. Wie jüdische, amerikanische und Schweizer Agenten der SS beim Falschgeldwaschen halfen. Ueberreuter Verlag, Wien 2000, ISBN 3-8000-3757-2.
  • Werner Kopacka: Enthülltes Geheimnis Toplitzsee. Steirische Verlagsgesellschaft, Graz 2001, ISBN 3-85489-041-9.
  • Charlotte Krüger: Mein Großvater, der Fälscher. Eine Spurensuche in der NS-Zeit, DVA, München 2015. ISBN 978-3-421-04623-9.
  • Julius Mader: Der Banditenschatz. Ein Dokumentarbericht über den geheimen Goldschatz Hitlerdeutschlands, Kapitel III: Die Waffe aus Papier, S. 56–86, Verlag der Nation, überarbeitete und ergänzte Ausgabe, Berlin 1973.
  • Lawrence Malkin: Hitlers Geldfälscher. Wie die Nazis planten, das internationale Währungssystem auszuhebeln, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2008. ISBN 978-3-404-64228-1.
  • Florian Osuch: „Blüten“ aus dem KZ. Die Falschgeldaktion „Operation Bernhard“ im Konzentrationslager Sachsenhausen, VSA Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-89965-389-2.
  • Gerald Steinacher: Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen, Studienverlag, Innsbruck 2008, ISBN 978-3-7065-4026-1 (S. 180 ff.)
  • Franz Wegener: Der Alchemist Franz Tausend. Alchemie und Nationalsozialismus, KFVR, Gladbeck 2006, ISBN 3-931300-18-8 (Kapitel 5.3: Vom Gold- zum Geldmachen: Himmlers Fälscherwerkstatt).
  • Wolf H. Wagner: Der Hölle entronnen. Stationen eines Lebens. Eine Biografie des Malers und Graphikers Leo Haas, Henschel Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-362-00147-5.
Adolf Burger (Avant-Premiere: Die Fälscher)
  • Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
  • in der Internet Movie Database (englisch)
  • Hans Fricke: Der bekannte Filmemacher und Biologe Professor Hans Fricke tauchte im Juni 1983 mit einem U-Boot. ZDF vom 2. September 2003
  1. Hans Fricke über seine Recherchen zur Dokumentation. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Terra X. ZDF, 2. September 2003, archiviert vomOriginal am3. Dezember 2016; abgerufen am 26. August 2014. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.Vorlage:Webachiv/IABot/www.zdf.de
  2. Florian Osuch: „Blüten“ aus dem KZ, VSA Verlag, 2009, ISBN 978-3-89965-389-2.
  3. Landeshauptarchiv Brandenburg: (PDF; 1,2 MB)
  4. British Association of Paper Historians:
  5. Thorsten Schmitz: In: Süddeutsche Zeitung 2008 Nr. 53. 2. März 2008,S. 3, abgerufen am 26. August 2014.
  6. . Bankofengland.co.uk.
  7. Gerals Steinacher: Nazis auf der Flucht.S.186–189.
  8. Peter Edel: Wenn es ans Leben geht, Autobiografie, 1. Aufl., Teil 2, S. 54 ff., Verlag der Nation, Berlin 1979, ISBN 3-87682-714-0.
  9. Wolf H. Wagner: Der Hölle entronnen. Stationen eines Lebens. Eine Biografie des Malers und Graphikers Leo Haas, Henschel Verlag, Berlin, 1987, ISBN 3-362-00147-5.
Normdaten (Sachbegriff): GND:(, )

Aktion Bernhard
aktion, bernhard, geldfälschungsaktion, nationalsozialistischen, deutschen, reich, sprache, beobachten, bearbeiten, auch, unternehmenoderoperation, bernhard, wurde, eine, geldfälschungsaktion, sicherheitsdienstes, reichssicherheitshauptamt, rsha, nationalsozia. Aktion Bernhard Geldfalschungsaktion im nationalsozialistischen Deutschen Reich Sprache Beobachten Bearbeiten Aktion Bernhard auch UnternehmenoderOperation Bernhard wurde eine Geldfalschungsaktion des Sicherheitsdienstes SD im Reichssicherheitshauptamt RSHA im nationalsozialistischen Deutschen Reich genannt Sie ist die bislang grosste bekannte Geldfalscheraktion der Geschichte 1 Ziel war eine massenhafte Falschung der Pfundnoten der Bank of England in 1A Qualitat Inhaltsverzeichnis 1 Ablauf 2 Verweigerung und Sabotage 3 Bewertung 4 Wahrend der Operation von der SS ermordete KZ Haftlinge der Falscherwerkstatt 5 Briefmarkenfalschung 6 Literatur 7 Filme 8 Weblinks 9 EinzelnachweiseAblauf BearbeitenWalter Schellenberg der Chef des SD benannte die Aktion nach ihrem Leiter dem Sturmbannfuhrer Bernhard Kruger Zustandig fur die Operation Bernhard im RSHA war vermutlich das Amt VI SD Ausland F Technische Hilfsmittel Ursprunglich hiess die Aktion Andreas nach dem Andreaskreuz im Union Jack Versuche in regimetreuen Facharbeiterkreisen geeignete Arbeiter fur die Operation zu gewinnen misslangen und das RSHA liess eine Druckerei in den eigenen Raumen schliessen Anschliessend griff die SS auf besonders qualifizierte Insassen der deutschen KZ und Vernichtungslager zuruck und liess die Drucktechnik in ein KZ verlegen 2 Die Geldfalschungsaktion wurde von Adolf Hitler personlich abgesegnet dieser empfahl sich vorerst auf das Pfund als Wahrung zu beschranken wenngleich auch Dokumente wie Passe Urkunden und Briefmarken gefalscht wurden die u a zur Verwirrung im Ausland und fur die Spionage dienten Fur die Aktion war ein erheblicher Aufwand notwendig so musste der Algorithmus der Seriennummern und die Ausgabezeit mit realen Banknoten ubereinstimmen die Qualitat sollte mit der von echten Banknoten vollkommen ubereinstimmen Die richtige Zusammensetzung des Papiers stellte dabei ein grosses Problem dar erst nach hunderten von Versuchsreihen wurde die Zusammensetzung ermittelt und imitiert Das Papier fur die Geldfalschungsaktion stammte zunachst aus der Papierfabrik Spechthausen im Landkreis Oberbarnim in der Provinz Brandenburg Die Papierfabrik stellte von 1874 bis 1945 das Papier fur die Reichskassenscheine und fast alle Banknoten sowie Wert und Kreditbriefe Aktien Schecks und andere Wertpapiere fur das Deutsche Reich her Im Zuge der Umstellung der Falschgeldproduktion auf Massenfertigung erfolgte die Verlagerung der Papierproduktion zur Papierfabrik Hahnemuhle in Relliehausen heute ein Ortsteil von Dassel Nach Angaben der Papierfabrik stellte die Hahnemuhle rund 1 5 Millionen Druckbogen fur Pfundnoten her Die Fabrik wurde zum kriegswichtigen Betrieb erklart die Belegschaft unter Eid genommen 2 Drucktechnisch wurde dieser Staatsauftrag im KZ Sachsenhausen nordlich von Berlin realisiert 3 4 Im KZ Sachsenhausen in den KZ Baracken 18 und 19 falschten 144 judische Haftlinge mit Hilfe professioneller Geldfalscher auslandische Wahrungen vor allem englische Pfundnoten mit Nennwert in Hohe von 132 Millionen Pfund um die Volkswirtschaften der Alliierten zu destabilisieren Das entsprach 15 Prozent des britischen Bargeldumlaufes Einen Hohepunkt erreichte die Produktion im Sommer 1943 mit monatlich etwa 650 000 Banknoten Von 1942 bis 1945 wurden Banknoten zu 5 10 20 und 50 Pfund Sterling hergestellt Spater wurde der Plan aufgegeben die falschen Pfundnoten in grosserem Umfang in Umlauf zu bringen Friedrich Schwend Sitz Schloss Labers wurde 1943 Vertriebsleiter fur die gefalschten Devisen Stattdessen wurden damit Devisen gekauft und verschiedene Aktionen der SS mit den gefalschten Pfundnoten unterstutzt So wurde z B der Spion Cicero Elyesa Bazna mit gefalschten Pfundnoten bezahlt Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Druckplatten und verbliebenes Falschgeld im osterreichischen Toplitzsee versenkt Dort wurden sie zum Teil 1959 von Tauchern wieder geborgen Die Falschungen waren so perfekt dass sie fast nicht vom Originalgeld unterschieden werden konnten Einer der ehemaligen Haftlinge konnte jedoch zur Uberraschung seiner britischen Befrager mit erstaunlicher Schnelligkeit gefalschte Noten erkennen Als Erklarung gab er an dass die druckfrischen Noten noch nachbearbeitet wurden um diesen das Aussehen gebrauchter Scheine zu verleihen Dazu gehorte auch das Zusammenheften von Scheinen mittels Sicherheitsnadeln ein damals ubliches Vorgehen das kleine Einstichlocher im Papier hinterliess Im Bestreben die Plane ihrer Auftraggeber zu hintertreiben stachen die Haftlinge dabei durch das Wappen was kein patriotischer Brite tun wurde Die Bluten wurden nach A B und C Noten sortiert Dabei waren Scheine der A Klasse Geldscheine die auch Banken akzeptiert haben wahrend die C Noten fur einen Abwurf uber Grossbritannien vorgesehen waren 5 Die Bank of England rief nach dem Krieg alle Pfund Noten ab funf Pfund zuruck Sie vernichtete damit zwar auch die echten Banknoten dafur waren aber alle Falschungen aus dem Verkehr gezogen Es gab aber keine andere Moglichkeit weil diese kaum von den falschen zu unterscheiden waren Neue Pfund Noten wurden nach und nach neu herausgegeben 5 1945 10 1964 20 1970 50 1981 und hatten dann zusatzliche Sicherheitsmerkmale 6 Am 5 Mai 1945 wurde das Sonderkommando in Ebensee an das Rote Kreuz ubergeben Fast alle der 142 KZ Haftlinge hatten die Zeit im KZ uberlebt und wurden befreit 2 Kruger konnte verhaftet werden Von den ehemals 144 judischen Haftlingen waren in den 2010er Jahren noch drei am Leben Einer war Adolf Burger der in Auschwitz Birkenau als Nr 64 401 gekennzeichnet wurde Er hat uber seine Erlebnisse wahrend dieser Zeit ein Buch verfasst siehe auch zum Film Die Falscher Ein anderer ist Abraham Sonnenfeld dessen Vater in Transsilvanien ein Druckhaus besass 5 Nach dem Ende des 2 Weltkrieges wurde die Infrastruktur von Nationalsozialisten und Uberlebenden des Holocaust genutzt um uber Italien nach Palastina oder nach Lateinamerika zu kommen 7 Verweigerung und Sabotage BearbeitenDie technischen und logistischen Rahmenbedingungen im KZ Sachsenhausen waren fur eine grosse Produktionsmenge zwar vorhanden aber die KZ Insassen leisteten Widerstand und riskierten zu der ohnehin allgegenwartigen Todesgefahr ihr Leben So wurden beispielsweise ca neun Millionen britische Pfund Scheine gedruckt aber nur 670 000 Scheine an das Reichssicherheitshauptamt ausgeliefert somit eine Makulaturquote von 92 Die Facharbeiter verzogerten absichtlich die Aktion und produzierten Ausschuss 2 Bewertung BearbeitenEs gab zwei Ziele Einerseits die britische Wirtschaft mit Falschgeld zu uberschwemmen Die Aktion hatte bei konsequenter Umsetzung dieselben negativen Auswirkungen gehabt wie eine extrem expansive Geldpolitik der Bank of England durch die Uberschwemmung der Volkswirtschaft mit Geld ware es im Erfolgsfall zu einer enormen Inflation gekommen Es war weiterhin davon auszugehen dass die Aktion bei Bekanntwerden in der britischen Offentlichkeit zu einem Verlust der Glaubwurdigkeit des Pfund Sterling gefuhrt hatte Dadurch hatte es in grossem Umfang zu einem Verlust der Zahlungsmittelfunktion des britischen Geldes kommen konnen d h britische Konsumenten und Laden hatten die eigene Wahrung nicht mehr akzeptiert wodurch der Wirtschaftskreislauf der Volkswirtschaft erheblich gestort worden ware Das andere Ziel war die Bereicherung und Beseitigung der akuten Devisennot des NS Regimes Die Operation erbrachte erhebliche Einnahmen aus Geldschopfungsgewinnen da die gefalschten Banknoten auf dem internationalen Finanzmarkt abgesetzt werden konnten Zudem war es hochgestellten Angehorigen des Regimes moglich sich durch Umtausch der Bluten in andere Wahrungen und Gold auch personlich zu bereichern Die Bank von England raumte im Jahr 2003 ein dass die Falschgeldaktion die Stabilitat des Pfunds in der Kriegszeit ernsthaft bedroht hatte Es kann durchaus auch von einer Gefahr fur die Stabilitat des internationalen Finanzsystems in diesem Zeitraum ausgegangen werden 2 Wahrend der Operation von der SS ermordete KZ Haftlinge der Falscherwerkstatt BearbeitenHermann Gutig staatenlos Abraham Fingerhut staatenlos Abraham Kleinfeld Osterreich Ernst Stiasny Tschechoslowakei Isaak Sukiennik Sowjetunion Karl Sussmann Osterreich 2 Briefmarkenfalschung BearbeitenAuf Weisung von Heinrich Himmler wurde auch die Falschung britischer Briefmarken in Auftrag gegeben Die erste Propagandafalschung war eine Verfalschung des Motives der Gedenkmarke zu 1 2 Penny anlasslich des koniglichen Silberjubilaums 1935 Der Kopf des britischen Konigs wurde durch den Kopf Josef Stalins ersetzt Es wurden weitere Motive gefalscht so die Marke anlasslich der Konigskronung von 1937 und der britischen Dauermarkenserie von 1937 mit dem Portrat von Konig Georg VI Mit der Ausfuhrung dieser Falschungen hatte Bernhard Kruger den Maler und Grafiker Leo Haas beauftragt 8 9 Literatur BearbeitenAdolf Burger Des Teufels Werkstatt Die Geldfalscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen Verlag Neues Leben Berlin 1985 Erweiterte Neuauflage Hentrich amp Hentrich Berlin 2005 ISBN 978 3 933471 80 2 Peter Edel Wenn es ans Leben geht Autobiografie 1 Aufl Teil 2 S 54 ff Verlag der Nation Berlin 1979 ISBN 3 87682 714 0 Shraga Elam Hitlers Falscher Wie judische amerikanische und Schweizer Agenten der SS beim Falschgeldwaschen halfen Ueberreuter Verlag Wien 2000 ISBN 3 8000 3757 2 Werner Kopacka Enthulltes Geheimnis Toplitzsee Steirische Verlagsgesellschaft Graz 2001 ISBN 3 85489 041 9 Charlotte Kruger Mein Grossvater der Falscher Eine Spurensuche in der NS Zeit DVA Munchen 2015 ISBN 978 3 421 04623 9 Julius Mader Der Banditenschatz Ein Dokumentarbericht uber den geheimen Goldschatz Hitlerdeutschlands Kapitel III Die Waffe aus Papier S 56 86 Verlag der Nation uberarbeitete und erganzte Ausgabe Berlin 1973 Lawrence Malkin Hitlers Geldfalscher Wie die Nazis planten das internationale Wahrungssystem auszuhebeln Bastei Lubbe Bergisch Gladbach 2008 ISBN 978 3 404 64228 1 Florian Osuch Bluten aus dem KZ Die Falschgeldaktion Operation Bernhard im Konzentrationslager Sachsenhausen VSA Verlag Hamburg 2009 ISBN 978 3 89965 389 2 Gerald Steinacher Nazis auf der Flucht Wie Kriegsverbrecher uber Italien nach Ubersee entkamen Studienverlag Innsbruck 2008 ISBN 978 3 7065 4026 1 S 180 ff Franz Wegener Der Alchemist Franz Tausend Alchemie und Nationalsozialismus KFVR Gladbeck 2006 ISBN 3 931300 18 8 Kapitel 5 3 Vom Gold zum Geldmachen Himmlers Falscherwerkstatt Wolf H Wagner Der Holle entronnen Stationen eines Lebens Eine Biografie des Malers und Graphikers Leo Haas Henschel Verlag Berlin 1987 ISBN 3 362 00147 5 Filme Bearbeiten Adolf Burger Avant Premiere Die Falscher Die Spur fuhrt nach Berlin 1952 Regie Franz Cap mit Gordon Howard Irina Garden und Kurt Meisel uber die Fortfuhrung der Aktivitaten der Geldfalschung im Nachkriegs Berlin Der Schatz vom Toplitzsee 1959 Regie Franz Antel mit Joachim Hansen Sabina Sesselmann und Gert Frobe Die Falscher 2007 Regie Stefan Ruzowitzky mit Karl Markovics August Diehl Devid Striesow und Marie Baumer Die echten Falscher Hitlers Falscher die Operation Bernhard 2008 Regie Christian Giesser 45 min Dokumentation mit Zeitzeugen wie den KZ Uberlebenden Wolfgang Lohde Adolf Burger Isaak Plapler Hans Walter Gerhard Zauner Ein judischer Naziagent in Tel Aviv 2003 Recherche Shraga Elam Regie Franz J Halle RAIWeblinks BearbeitenDie Falscherwerkstatt Gedenkstatte und Museum Sachsenhausen Die Falscher in der Internet Movie Database englisch Hans Fricke Spurensuche im Toplitzsee Der bekannte Filmemacher und Biologe Professor Hans Fricke tauchte im Juni 1983 mit einem U Boot ZDF vom 2 September 2003 So wollte die SS die britische Wirtschafts ins Chaos sturzenEinzelnachweise Bearbeiten Unternehmen Bernhard Spurensuche im Toplitzsee Hans Fricke uber seine Recherchen zur Dokumentation Nicht mehr online verfugbar In Terra X ZDF 2 September 2003 archiviert vom Original am 3 Dezember 2016 abgerufen am 26 August 2014 Info Der Archivlink wurde automatisch 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