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Abdisho IV. Maron

Der aramäische Name bedeutet „Diener Jesu“ oder „Knecht Jesu“, vergleichbar mit Obadja im Hebräischen oder Abdallah im Arabischen. Aufgrund der ursprünglichen Schreibung ohne Vokale (aramäisch ܥܒܕܝܫܘܥ ܪܒܝܥܝܐ ܡܪܘܢ) gibt es eine Vielzahl von Umschriften. Dazu gehören: Ebedjesus; ˁAbdishoˁ, Abdisu, Abd-Jesu, Hebed-Jesu, Abdissi, Audishu, Mar Odisho.

ˁAbdishoˁ wurde in Gazarta am Tigris geboren. Er entstammte der Familie Mari, sein Vater hieß Yohannan (Johannes, Ḥannā). Er wurde Mönch im Kloster Mar Aḥḥā und Yoḥannan (nordwestlich von Gazarta). 1554 wurde er von Shimun VIII. Yohannan Sulaqa zum Bischof von Gazarta geweiht, behielt aber Sitz in Diyarbakır (Amida). Sowohl als Bischof wie später als Patriarch betätigte er sich als Kopist von Handschriften. Sieben Exemplare aus seiner Feder sind erhalten, darunter mit dem Codex Jerusalem, Markos-Kloster, Ms. 116 das Pontifikale, das er 1554 für seine Bedürfnisse als Bischof abschrieb.

1555, nach dem Tod des Sulaqa, wurde ˁAbdishoˁ, in Anwesenheit des päpstlichen Nuntius Ambrosius Buttigeg OP, zum „Patriarchen von Mossul“ der Chaldäer bestellt. Als Patriarch verlegte seine Residenz von Diyarbakır (Amida) in das Kloster Mar Yaqub Khbhisha (St. Jakob der Rekluse) bei Siirt. Erst 1561 war es ihm möglich, nach Rom zu reisen. Am 7. März 1562 legte er dort persönlich sein schriftliches Glaubensbekenntnis ab und wurde von Pius IV. am 17. April 1562 mit dem Pallium ausgestattet. In einem Schreiben an den Papst von 1562 beansprucht er Jurisdiktion über 38 Diözesen im Osten des Osmanischen Reiches, in Persien und in Süd-Indien. Faktisch dürften zu seiner Zeit insgesamt nur 14 ostsyrische Bischofssitze bestanden haben, von denen allein ein Teil durch den mit Rom unierten ˁAbdishoˁ besetzt wurde, insbesondere nicht Alqosch und Mossul.

ˁAbdishoˁ nahm, anders als lange behauptet, nicht persönlich am Konzil von Trient teil, doch wurden die Konzilsväter durch Kardinal Marcantonio Amulio am 17. September 1562 über seinen Rombesuch, das von ihm abgelegte katholische Glaubensbekenntnis und die erteilten Auskünfte über die Lage seiner Kirche unterrichtet. Gegen die von ˁAbdishoˁ beanspruchte Jurisdiktion über die Thomaschristen in Indien protestierten die beim Konzil anwesenden Prälaten der indischen Kolonialmacht Portugal.

Im August 1562 verließ er Rom und kehrte in den Orient zurück. Über seine Regierungszeit ist nur wenig bekannt. Der Papst bestätigte 1565 die traditionellen chaldäischen Gebräuche und Riten.

Gestorben ist er wohl am 11. September 1570.

ˁAbdishoˁ hinterließ drei Gedichte, in dem er Ereignisse aus dem Leben seines Vorgängers, des Patriarchen Sulaqa Mar Shimun, erzählt. Sie sind in zwei Redaktionen überliefert in den Kodizes Vat. syr. 45 (1556 kopiert durch Mar Joseph Sulaqa) u. 63 (geschrieben 1701 durch Mar Joseph I.) sowie Borg. syr. 21 (16. Jh.). Die ältere Fassung zeigt noch Sympathien des Autors für Nestorius, sekundär getilgt durch Joseph I.

Abdisho IV. Maron darf nicht mit Abdiso bar Brika verwechselt werden, der im 13. Jahrhundert ein produktiver Schriftsteller war.

  • Anton Pritula: ʿAbdišoʿ of Gazarta, Patriarch of the Chaldean Church as a Scribe. In: Scrinium 15 (2019) 297-320.
  • A. D. Pritula: East Syriac Literary Life in the mid-16th Century: ʿAbdišoʿ of Gazarta and Older Contemporary Poets. In: Вестник СПбГУ. Востоковедение и африканистика / Vestnik of Saint Petersburg University. Asian and African Studies 11,1 (2019) 89–107.
  • Margherita Farina: A new autograph by ˁAbdīšōˁ Marūn. Renaissance Rome and Syriac Churches. In: Journal of Eastern Christian Studies 70 (2018) 241-256.
  • A. D. Pritula: ‘Abdīšō‘ of Gazarta, the first literate of the Chaldean Church: Poems dedicated to the Popes of Rome. In: Вестник СПбГУ. Востоковедение и африканистика 10,3 (2018) 374–391.
  • Herman Teule: Les professions de foi den Jean Sullāqā, premier patriarche chaldéen, et de son successeur ˤAbdishoˁ d-Gāzartā. In: M.-H. Blanchet – F. Gabriel: L'union à l'épreuve du formulaire. CRHCB, Paris 2016, 259–269, bes. 268f.

ˁAbdishoˁ tritt als Figur in Hans Pfitzners Oper Palestrina auf. Dort ist er einer der Prälaten des Konzils von Trient.

  1. David Wilmshurst: The Ecclesiastical Organisation of the Church of the East, 1318-1913. Peeters Publishers, 2000, ISBN 978-90-429-0876-5.
  2. Final inventory of the microfilmed manuscripts of the St. Mark's Convent, Jerusalem. Inventory prepared by William F. Macomber. Provo, Utah 1995, Roll 2, item 11.
  3. Paolo Sarpi: Istoria del Concilio tridentino: ridotta alla primitiva lezione, con la vita scritta da Fra F. Micanzio.Band3. Pubblicato da Barbèra Bianchi, 1858,S.387f. ( in der Google-Buchsuche [abgerufen am 9. Februar 2009] Erstausgabe: 1619).
  4. Suha Rassam: Christianity in Iraq: Its Origins and Development to the Present Day. Gracewing Publishing, 2005, ISBN 978-0-85244-633-1.
  5. Heleen H. L. Murre: The Patriarchs of the Church of the East from the Fifteenth to Eighteenth Centuries. In: Hugoye: Journal of Syriac Studies 2.2 (1999) 235–264
  6. I. M. Vosté: Catholiques ou Nestoriens? (Mss. Vat. syr. 45, 63 et V. S. Borgia 21). In: Angelicum 7 (1930) 515-523.
Normdaten (Person): GND:(, ) | LCCN: | VIAF: |Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Abdisho IV. Maron
ALTERNATIVNAMEN Abdisu; Abd-Jesu; Hebed-Jesu; Abdissi; Abdisho; Audishu IV Maroun; ˁAbdīšoˁ Ebedjesus; ܥܒܕܝܫܘܥ ܪܒܝܥܝܐ ܡܪܘܢ (syrisch)
KURZBESCHREIBUNG Patriarch der Chaldäisch-katholischen Kirche
GEBURTSDATUM 16. Jahrhundert
GEBURTSORT Gazarta
STERBEDATUM 11. September 1570
STERBEORT bei Siirt

Abdisho IV. Maron
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Abdisho IV Maron Patriarch der Chaldaisch katholischen Kirche Sprache Beobachten Bearbeiten Dieser Artikel behandelt den Patriarchen Abdisho IV Maron zu anderen Personen siehe Abdisho V Khayat und Abdiso bar Brika Mar Abdisho IV Maron aramaisch ܥܒܕܝܫܘܥ ܪܒܝܥܝܐ ܡܪܘܢ in Gazarta 11 September 1570 bei Siirt war von 1555 bis 1570 Patriarch der Chaldaisch katholischen Kirche mit Ostsyrischem Ritus Abdisho IV Maron Zeitlich parallel zu ihm amtierten als Katholikoi Patriarchen der autokephalen Assyrischen Kirche des Ostens Mar Shimun VII Ishoyahb 1538 1558 und Mar Eliya VII 1558 1591 mit Sitz in Alqosch Inhaltsverzeichnis 1 Name 2 Leben 3 Werke 4 Literatur 5 Wirkungsgeschichte 6 Weblinks 7 EinzelnachweiseName BearbeitenDer aramaische Name bedeutet Diener Jesu oder Knecht Jesu vergleichbar mit Obadja im Hebraischen oder Abdallah im Arabischen Aufgrund der ursprunglichen Schreibung ohne Vokale aramaisch ܥܒܕܝܫܘܥ ܪܒܝܥܝܐ ܡܪܘܢ gibt es eine Vielzahl von Umschriften Dazu gehoren Ebedjesus ˁAbdishoˁ Abdisu Abd Jesu Hebed Jesu Abdissi Audishu Mar Odisho Leben BearbeitenˁAbdishoˁ wurde in Gazarta am Tigris geboren Er entstammte der Familie Mari sein Vater hiess Yohannan Johannes Ḥanna Er wurde Monch im Kloster Mar Aḥḥa und Yoḥannan nordwestlich von Gazarta 1 1554 wurde er von Shimun VIII Yohannan Sulaqa zum Bischof von Gazarta geweiht behielt aber Sitz in Diyarbakir Amida Sowohl als Bischof wie spater als Patriarch betatigte er sich als Kopist von Handschriften Sieben Exemplare aus seiner Feder sind erhalten darunter mit dem Codex Jerusalem Markos Kloster Ms 116 das Pontifikale das er 1554 fur seine Bedurfnisse als Bischof abschrieb 2 1555 nach dem Tod des Sulaqa wurde ˁAbdishoˁ in Anwesenheit des papstlichen Nuntius Ambrosius Buttigeg OP zum Patriarchen von Mossul der Chaldaer bestellt Als Patriarch verlegte seine Residenz von Diyarbakir Amida in das Kloster Mar Yaqub Khbhisha St Jakob der Rekluse bei Siirt Erst 1561 war es ihm moglich nach Rom zu reisen Am 7 Marz 1562 legte er dort personlich sein schriftliches Glaubensbekenntnis ab und wurde von Pius IV am 17 April 1562 mit dem Pallium ausgestattet In einem Schreiben an den Papst von 1562 beansprucht er Jurisdiktion uber 38 Diozesen im Osten des Osmanischen Reiches in Persien und in Sud Indien Faktisch durften zu seiner Zeit insgesamt nur 14 ostsyrische Bischofssitze bestanden haben von denen allein ein Teil durch den mit Rom unierten ˁAbdishoˁ besetzt wurde insbesondere nicht Alqosch und Mossul ˁAbdishoˁ nahm anders als lange behauptet nicht personlich am Konzil von Trient teil doch wurden die Konzilsvater durch Kardinal Marcantonio Amulio am 17 September 1562 uber seinen Rombesuch das von ihm abgelegte katholische Glaubensbekenntnis und die erteilten Auskunfte uber die Lage seiner Kirche unterrichtet Gegen die von ˁAbdishoˁ beanspruchte Jurisdiktion uber die Thomaschristen in Indien protestierten die beim Konzil anwesenden Pralaten der indischen Kolonialmacht Portugal 3 Im August 1562 verliess er Rom und kehrte in den Orient zuruck Uber seine Regierungszeit ist nur wenig bekannt Der Papst bestatigte 1565 die traditionellen chaldaischen Gebrauche und Riten 4 Gestorben ist er wohl am 11 September 1570 5 Werke BearbeitenˁAbdishoˁ hinterliess drei Gedichte in dem er Ereignisse aus dem Leben seines Vorgangers des Patriarchen Sulaqa Mar Shimun erzahlt Sie sind in zwei Redaktionen uberliefert in den Kodizes Vat syr 45 1556 kopiert durch Mar Joseph Sulaqa u 63 geschrieben 1701 durch Mar Joseph I sowie Borg syr 21 16 Jh Die altere Fassung zeigt noch Sympathien des Autors fur Nestorius sekundar getilgt durch Joseph I 6 Abdisho IV Maron darf nicht mit Abdiso bar Brika verwechselt werden der im 13 Jahrhundert ein produktiver Schriftsteller war Literatur BearbeitenAnton Pritula ʿAbdisoʿ of Gazarta Patriarch of the Chaldean Church as a Scribe In Scrinium 15 2019 297 320 A D Pritula East Syriac Literary Life in the mid 16th Century ʿAbdisoʿ of Gazarta and Older Contemporary Poets In Vestnik SPbGU 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1318 1913 Peeters Publishers 2000 ISBN 978 90 429 0876 5 Final inventory of the microfilmed manuscripts of the St Mark s Convent Jerusalem Inventory prepared by William F Macomber Provo Utah 1995 Roll 2 item 11 Paolo Sarpi Istoria del Concilio tridentino ridotta alla primitiva lezione con la vita scritta da Fra F Micanzio Band 3 Pubblicato da Barbera Bianchi 1858 S 387 f eingeschrankte Vorschau in der Google Buchsuche abgerufen am 9 Februar 2009 Erstausgabe 1619 Suha Rassam Christianity in Iraq Its Origins and Development to the Present Day Gracewing Publishing 2005 ISBN 978 0 85244 633 1 Heleen H L Murre The Patriarchs of the Church of the East from the Fifteenth to Eighteenth Centuries In Hugoye Journal of Syriac Studies 2 2 1999 235 264 I M Voste Catholiques ou Nestoriens Mss Vat syr 45 63 et V S Borgia 21 In Angelicum 7 1930 515 523 VorgangerAmtNachfolgerShimun VIII Yohannan SulaqaPatriarch der chaldaisch katholischen Kirche 1555 1570Yahballaha V Normdaten Person GND 1169884989 OGND AKS LCCN no2013011705 VIAF 296239938 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Abdisho IV MaronALTERNATIVNAMEN Abdisu Abd Jesu Hebed Jesu Abdissi Abdisho Audishu IV Maroun ˁAbdisoˁ Ebedjesus ܥܒܕܝܫܘܥ ܪܒܝܥܝܐ ܡܪܘܢ syrisch KURZBESCHREIBUNG Patriarch der Chaldaisch katholischen KircheGEBURTSDATUM 16 JahrhundertGEBURTSORT GazartaSTERBEDATUM 11 September 1570STERBEORT bei SiirtAbgerufen von https de wikipedia org w index php title Abdisho IV Maron amp oldid 209954697, wikipedia, wiki, deutsches

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