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Abū Tālib ibn ʿAbd al-Muttalib

Abū Tālib ibn ʿAbd al-Muttalib (arabisch أبو طالب بن عبد المطلب, DMG Abū Ṭālib b. ʿAbd al-Muṭṭalib; * um 550; † 619) war ein Onkel des Propheten Mohammed und spielte in seinen letzten Lebensjahren eine wichtige Rolle als dessen Schutzherr in Mekka. Sein eigentlicher Name war ʿAbd Manāf, doch wurde er häufiger nach seinem erstgeborenen Sohn Tālib mit der Kunya Abū Tālib bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Abū Tālib war der Sohn von ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim, der damals die Führung des quraischitischen Clans der Banū Hāschim innehatte, und Fātima bint ʿAmr aus dem ebenfalls quraischitischen Clan der Machzūm. Von seiner Frau Fātima bint Asad hatte Abū Tālib vier Söhne: Tālib, ʿAqīl, Dschaʿfar und ʿAlī. Hinsichtlich des Altersabstandes zwischen ihnen wird überliefert, dass er jeweils zehn Jahre betrug, allerdings steht dieser wenig glaubwürdigen Überlieferung eine andere Überlieferung gegenüber, wonach ʿAqīl und Dschaʿfar nur zwei Jahre auseinander waren. Durch seinen Bruder ʿAbdallāh, der bereits früh verstorben war, war Abū Tālib Onkel des Propheten Mohammed.

Als ʿAbd al-Muttalib starb, erbte Abū Tālib von ihm die Führung des Clans der Banū Hāschim. Gleichzeitig übernahm er die Sorge für Mohammed, den nach dem Tode seiner Eltern ʿAbd al-Muttalib bei sich aufgenommen hatte. Abū Tālib war Karawanenhändler und im Handel mit Syrien tätig. Als er später verarmte, gab er seinen Sohn Dschaʿfar in den Haushalt seines Bruders al-ʿAbbās. ʿAlī kam in den Haushalt seines Neffen Mohammed, der zu dieser Zeit durch die Heirat mit Chadidscha bereits einigermaßen wohlhabend war. Er wurde zu einem der ersten Anhänger des Propheten.

Nachdem Mohammed begonnen hatte, in Mekka seine neue Lehre zu verbreiten, wurde Abū Tālib von anderen Mitgliedern des Clans gedrängt, seinen Neffen ruhigzustellen. Dieser aber hielt seine Hand über Mohammed und wirkte bis zu seinem eigenen Tod im Jahre 619 als dessen Beschützer. Nach Abū Tālibs Tod wurde Abū Lahab zum neuen Oberhaupt des Clans der Haschimiten, der Mohammed feindlich gegenüberstand. Mohammed war dadurch seinen Gegnern schutzlos ausgesetzt und sah sich gezwungen, Mekka zu verlassen und nach Medina zu ziehen (Hidschra).

Die Nachkommen Abū Tālibs, die sogenannten Tālibiden (arab. Ṭālibīyūn) spielten während der Umayyaden- und frühen Abbasidenzeit eine wichtige Rolle als Anführer religiös-politischer Oppositionsbewegungen. Von ihren Kämpfen und Aufständen handelt das Buch Maqātil aṭ-Ṭālibīyīn von Abū l-Faradsch al-Isfahānī.

Viel diskutiert wurde die Frage, ob Abū Tālib selbst Muslim geworden ist. Die Sunniten gingen davon aus, dass er dem alten Glauben bis zu seinem Tod anhing. Hierbei stützten sie sich auf eine bekannte Überlieferung, wonach Mohammed für seinen Onkel nach dessen Tod um Vergebung gebeten hatte, ihm dies jedoch von Gott durch Offenbarung von Sure 9:113 verboten worden war: "Der Prophet und die Gläubigen dürfen für die Beigeseller nicht um Vergebung bitten, auch dann nicht, wenn es Verwandte sind, nachdem ihnen klar geworden ist, dass sie Insassen des Höllenfeuers sein werden."

Die Lehrauffassung, dass Abū Tālib, genauso wie die Propheteneltern, als Ungläubiger gestorben ist, ist sogar zum Glaubensartikel einer hanafitischen Bekenntnisschrift geworden. Die Schiiten dagegen erachten Abū Tālib als Muslim und weisen auf seinen persönlichen Einsatz für Mohammed und seine Anhänger hin. Dem Nachweis, dass Abū Tālib innerlich zum Islam übergetreten sei, dient auch die 2012 über ihn publizierte Monographie von ʿAlī Ṣāliḥ Rasan al-Muḥammadāwī.

  • Ǧamāl-ad-Dīn Aḥmad Ibn-ʿInaba: ʿUmdat aṭ-ṭālib fī ansāb Āl-Abī-Ṭālib. Maktabat Samāḥat Āyatallāh al-ʿUẓmā al-Marʿašī an-Naǧafī al-Kubrā, Qum, 2004.
  • ʿAlī Ṣāliḥ Rasan al-Muḥammadāwī: Abū-Ṭālib Ibn-ʿAbd-al-Muṭṭalib: dirāsa fī sīratihī aš-šaḫṣīya wa-mauqifihī min ad-daʿwa al-islāmīya. Dār wa-Maktabat al-Baṣāʾir li-ṭ-Ṭibāʿa wa-n-Našr wa-t-Tauzīʿ, Beirut, 2012.
  • Uri Rubin: Art. "Abū Ṭālib" in Encyclopaedia of Islam, THREE. Edited by: Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson. Brill Online, 2014.
  • W. Montgomery Watt: Art. "Abū Ṭālib" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. I, 152b-153a.
  1. Vgl. Muhammad ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. Ed. E. Sachau. 9 Bde. Leiden 1904–1940. Bd. IV/1, S. 28. Hier online abrufbar: und Musʿab az-Zubairī: Kitāb Nasab Quraiš. Ed. E. Levi-Provençal. 3. Aufl. Kairo: Dār al-Maʿārif 1982. S. 39.
  2. Vgl. al-Masʿūdī: Murūǧ aḏ-ḏahab wa-maʿādin al-ǧauhar. Ed. Barbier de Meynard et Pavet de Courteille. 9 Bde. Paris 1861–1877. Bd. IV, S. 290. Hier online einsehbar:
  3. Vgl. Laura Veccia Vaglieri: Art. "Djaʿfar ibn Abī Ṭālib" in Encyclopaedia of Islam. Second Edition. Bd. II. S. 372.
  4. Vgl. Rubin und Muhammadāwī 140-44.
  5. Vgl. A.J. Wensinck: The Muslim Creed. Its Genesis and historical development. Cambridge 1932. S. 197.
Normdaten (Person): GND:(, ) | LCCN: | VIAF: |
Personendaten
NAME Abū Tālib ibn ʿAbd al-Muttalib
KURZBESCHREIBUNG Onkel des Propheten Mohammed und dessen Schutzherr in Mekka
GEBURTSDATUM um 550
STERBEDATUM 619

Abū Tālib ibn ʿAbd al-Muttalib
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Abu Talib ibn ʿAbd al Muttalib Onkel des Propheten Mohammed und dessen Schutzherr in Mekka Sprache Beobachten Bearbeiten Abu Talib ibn ʿAbd al Muttalib arabisch أبو طالب بن عبد المطلب DMG Abu Ṭalib b ʿAbd al Muṭṭalib um 550 619 war ein Onkel des Propheten Mohammed und spielte in seinen letzten Lebensjahren eine wichtige Rolle als dessen Schutzherr in Mekka Sein eigentlicher Name war ʿAbd Manaf doch wurde er haufiger nach seinem erstgeborenen Sohn Talib mit der Kunya Abu Talib bezeichnet Inhaltsverzeichnis 1 Familiare Verhaltnisse 2 Als Oberhaupt der Banu Haschim 3 Die Diskussion um sein Verhaltnis zum Islam 4 Literatur 5 BelegeFamiliare Verhaltnisse BearbeitenAbu Talib war der Sohn von ʿAbd al Muttalib ibn Haschim der damals die Fuhrung des quraischitischen Clans der Banu Haschim innehatte und Fatima bint ʿAmr aus dem ebenfalls quraischitischen Clan der Machzum Von seiner Frau Fatima bint Asad hatte Abu Talib vier Sohne Talib ʿAqil Dschaʿfar und ʿAli Hinsichtlich des Altersabstandes zwischen ihnen wird uberliefert dass er jeweils zehn Jahre betrug 1 allerdings steht dieser wenig glaubwurdigen Uberlieferung eine andere Uberlieferung gegenuber wonach ʿAqil und Dschaʿfar nur zwei Jahre auseinander waren 2 Durch seinen Bruder ʿAbdallah der bereits fruh verstorben war war Abu Talib Onkel des Propheten Mohammed Als Oberhaupt der Banu Haschim BearbeitenAls ʿAbd al Muttalib starb erbte Abu Talib von ihm die Fuhrung des Clans der Banu Haschim Gleichzeitig ubernahm er die Sorge fur Mohammed den nach dem Tode seiner Eltern ʿAbd al Muttalib bei sich aufgenommen hatte Abu Talib war Karawanenhandler und im Handel mit Syrien tatig Als er spater verarmte gab er seinen Sohn Dschaʿfar in den Haushalt seines Bruders al ʿAbbas ʿAli kam in den Haushalt seines Neffen Mohammed der zu dieser Zeit durch die Heirat mit Chadidscha bereits einigermassen wohlhabend war 3 Er wurde zu einem der ersten Anhanger des Propheten Nachdem Mohammed begonnen hatte in Mekka seine neue Lehre zu verbreiten wurde Abu Talib von anderen Mitgliedern des Clans gedrangt seinen Neffen ruhigzustellen Dieser aber hielt seine Hand uber Mohammed und wirkte bis zu seinem eigenen Tod im Jahre 619 als dessen Beschutzer Nach Abu Talibs Tod wurde Abu Lahab zum neuen Oberhaupt des Clans der Haschimiten der Mohammed feindlich gegenuberstand Mohammed war dadurch seinen Gegnern schutzlos ausgesetzt und sah sich gezwungen Mekka zu verlassen und nach Medina zu ziehen Hidschra Die Nachkommen Abu Talibs die sogenannten Talibiden arab Ṭalibiyun spielten wahrend der Umayyaden und fruhen Abbasidenzeit eine wichtige Rolle als Anfuhrer religios politischer Oppositionsbewegungen Von ihren Kampfen und Aufstanden handelt das Buch Maqatil aṭ Ṭalibiyin von Abu l Faradsch al Isfahani Die Diskussion um sein Verhaltnis zum Islam BearbeitenViel diskutiert wurde die Frage ob Abu Talib selbst Muslim geworden ist Die Sunniten gingen davon aus dass er dem alten Glauben bis zu seinem Tod anhing Hierbei stutzten sie sich auf eine bekannte Uberlieferung wonach Mohammed fur seinen Onkel nach dessen Tod um Vergebung gebeten hatte ihm dies jedoch von Gott durch Offenbarung von Sure 9 113 verboten worden war Der Prophet und die Glaubigen durfen fur die Beigeseller nicht um Vergebung bitten auch dann nicht wenn es Verwandte sind nachdem ihnen klar geworden ist dass sie Insassen des Hollenfeuers sein werden 4 Die Lehrauffassung dass Abu Talib genauso wie die Propheteneltern als Unglaubiger gestorben ist ist sogar zum Glaubensartikel einer hanafitischen Bekenntnisschrift geworden 5 Die Schiiten dagegen erachten Abu Talib als Muslim und weisen auf seinen personlichen Einsatz fur Mohammed und seine Anhanger hin Dem Nachweis dass Abu Talib innerlich zum Islam ubergetreten sei dient auch die 2012 uber ihn publizierte Monographie von ʿAli Ṣaliḥ Rasan al Muḥammadawi Literatur BearbeitenǦamal ad Din Aḥmad Ibn ʿInaba ʿUmdat aṭ ṭalib fi ansab Al Abi Ṭalib Maktabat Samaḥat Ayatallah al ʿUẓma al Marʿasi an Naǧafi al Kubra Qum 2004 ʿAli Ṣaliḥ Rasan al Muḥammadawi Abu Ṭalib Ibn ʿAbd al Muṭṭalib dirasa fi siratihi as saḫṣiya wa mauqifihi min ad daʿwa al islamiya Dar wa Maktabat al Baṣaʾir li ṭ Ṭibaʿa wa n Nasr wa t Tauziʿ Beirut 2012 Uri Rubin Art Abu Ṭalib in Encyclopaedia of Islam THREE Edited by Gudrun Kramer Denis Matringe John Nawas Everett Rowson Brill Online 2014 W Montgomery Watt Art Abu Ṭalib in The Encyclopaedia of Islam New Edition Bd I 152b 153a Belege Bearbeiten Vgl Muhammad ibn Saʿd Kitab aṭ Ṭabaqat al kabir Ed E Sachau 9 Bde Leiden 1904 1940 Bd IV 1 S 28 Hier online abrufbar http archive org stream biographien4pt1a2ibnsuoft page 199 mode 2up und Musʿab az Zubairi Kitab Nasab Qurais Ed E Levi Provencal 3 Aufl Kairo Dar al Maʿarif 1982 S 39 Vgl al Masʿudi Muruǧ aḏ ḏahab wa maʿadin al ǧauhar Ed Barbier de Meynard et Pavet de Courteille 9 Bde Paris 1861 1877 Bd IV S 290 Hier online einsehbar http archive org stream lesprairiesdor04masuuoft page 290 mode 2up Vgl Laura Veccia Vaglieri Art Djaʿfar ibn Abi Ṭalib in Encyclopaedia of Islam Second Edition Bd II S 372 Vgl Rubin und Muhammadawi 140 44 Vgl A J Wensinck The Muslim Creed Its Genesis and historical development Cambridge 1932 S 197 Normdaten Person GND 123907519 OGND AKS LCCN n84022818 VIAF 67385701 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Abu Talib ibn ʿAbd al MuttalibKURZBESCHREIBUNG Onkel des Propheten Mohammed und dessen Schutzherr in MekkaGEBURTSDATUM um 550STERBEDATUM 619Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Abu Talib ibn ʿAbd al Muttalib amp oldid 212559753, wikipedia, wiki, deutsches

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