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ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim

ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim (arabisch عبد المطلب ﺑﻦ هاشم, DMG ʿAbd al-Muṭṭalib bin Hāšim; * um 497; † um 578) war Großvater des islamischen Propheten Mohammed und eine wichtige Persönlichkeit im vorislamischen Mekka.

Darstellung der Geburt des Propheten mit ʿAbd al-Muttalib auf der rechten Seite stehend, Illustration aus dem Dschami' at-tawarich (14. Jahrhundert) in der Edinburgh University Library

Inhaltsverzeichnis

ʿAbd al-Muttalib ist nach der islamischen Überlieferung aus einer Ehe hervorgegangen, die sein Vater, der Mekkaner Hāschim ibn ʿAbd Manāf aus dem Stamm der Quraisch, in Yathrib mit der aus Medina stammenden Salmā bint ʿAmr aus dem Stamm der Chazradsch einging, als er sich gerade auf einer Handelsreise nach Syrien befand. Hāschim ließ den Jungen bei seiner Mutter. Nachdem er einige Jahre später auf einer Handelsreise in Gaza gestorben war, suchte sein Bruder al-Muttalib Salmā in Yathrib auf und bedrängte sie so lange, bis sie ihm den Jungen herausgab. Al-Muttalib nahm ihn mit nach Mekka, und als sie gemeinsam auf einem Kamel in der Stadt einritten, hielten einige Leute ihn für den Sklaven (ʿabd) von al-Muttalib, woher sein Name ʿAbd al-Muttalib herrühren soll. Sein ursprünglicher Name war Schaiba („weiße Haare“); diesen soll er erhalten haben, weil er bei seiner Geburt weiße Flecken am Kopf hatte.

Nach dem Tod seines Onkels erbte ʿAbd al-Muttalib von diesem das Amt der Bewirtung (rifāda) und Tränkung (siqāya) der Mekka-Pilger und wurde Oberhaupt der Familie Hāschim. Um seine Position bei einer Auseinandersetzung mit Gegnern innerhalb Mekkas zu stärken, schloss er ein Bündnis mit dem in der Umgebung von Mekka lebenden Stamm der Chuzāʿa. Auf kaufmännischer Ebene knüpfte ʿAbd al-Muttalib Handelskontakte nach Abessinien.

Die islamische Überlieferung schreibt ʿAbd al-Muttalib auch die Wiederauffindung der Zamzam-Quelle zu. Die diesbezüglichen Berichte fasst Muhammad ibn Saʿd in seinem „Klassenbuch“ zusammen, die der mekkanische Lokalhistoriker al-Azraqī (†837) in seiner Geschichte der Stadt Mekka mit weiteren lokalspezifischen Legenden ausschmückt. Außerdem soll ʿAbd al-Muttalib die religiöse Praktik des tahannuth am Berg Hirā bei den Quraisch eingeführt haben.

ʿAbd al-Muttalib hatte zehn Söhne, von denen neun mit Namen bekannt sind: al-ʿAbbās, Ḥamza, ʿAbdallāh, az-Zubair, al-Ḥārith, Abū Lahab, al-Muqauwim, Ḍirār und Abū Tālib. Die islamische Überlieferung betont vor allem die Beziehung zu seinem Sohn ʿAbdallāh, der der Vater Mohammeds war.

Nach einer Legende, die im späten 7. Jahrhundert sowohl mündlich als auch schriftlich überliefert wurde leistete ʿAbd al-Muttalib an der Kaaba den Eid, einen seiner Söhne den Götzen zu opfern, wenn ihre Anzahl die zehn erreicht. Bei der Auslosung der zehn Namen zwischen den Lospfeilen bei Hubal sei das Los auf ʿAbdallāh gefallen, den späteren Vater des Propheten Mohammed. Familienmitglieder, vor allem seine Töchter, hätten ʿAbd al-Muttalib jedoch geraten, den Eid durch die Opferung von zehn Kamelen als damals übliche Sühneleistung zu ersetzen. Erst nach zehnmaliger Befragung der Lospfeile soll das Los nicht mehr auf ʿAbdallāh, sondern auf die Kamele gefallen sein, die ʿAbd al-Muttalib dann bei Mina geopfert haben will.

Im Koranvers:

„Das ist die offensichtliche Prüfung (die wir Abraham auferlegt haben). Und wir lösten ihn (d. h. seinen Sohn, der geschlachtet werden sollte) mit einem gewaltigen Schlachtopfer aus.“

Sure 37, Vers 106-107: Übersetzung: Rudi Paret

sieht die Koranexegese die von Abraham beabsichtigte Opferung seines Sohnes, die durch die Schlachtung eines Widders (kabsch), dem islamischen Rechtsverständnis entsprechend, als Sühneleistung (kaffāra) abgegolten werden konnte. Im koranexegetischen Werk von at-Tabarī und später bei Ibn Kathīr bezeichnet sich Mohammed folglich als „Sohn der zwei Geopferten“ (Ibn adh-dhabīḥaini) und deutet damit die – nicht durchgeführte – Opferung seines Vaters durch ʿAbd al-Muttalib an und versteht sich somit durch die Person Ismaels, der mit seinem Vater Abraham als der Erbauer des Kaaba-Heiligtums von Mekka verehrt wird, als Teil der abrahamitischen Tradition. Denn, so die islamische Tradition und Koranexegese, Abraham wollte seinen Sohn Ismael als Opfer darbringen.

Im vorislamischen Arabien sind Menschenopfer, männliche Kinder und Kriegsgefangene, als rituelle Praxis bekannt, im 6. Jahrhundert allerdings nicht mehr üblich gewesen. Dieser in der Retrospektive erzählte Bericht wird in der Forschung daher als unhistorisch, sein Stellenwert in der islamischen Geschichtsschreibung als apokryph betrachtet.

Da ʿAbdallāh bereits vor der Geburt des Propheten starb und dessen Mutter Āmina einige Jahre nach seiner Geburt ebenfalls verschied, fiel ʿAbd al-Muttalib, dem damals bereits über 70-jährigen Großvater Mohammeds, die Aufgabe zu, sich um den Waisen zu kümmern. Schon wenig später, als Mohammed 8 Jahre alt war, starb er allerdings, die weitere Fürsorge übernahm Mohammeds Onkel Abu Talib.

Die islamische Überlieferung betont die besondere Nähe ʿAbd al-Muttalibs zum Propheten. So soll er ihn beschnitten und ihm den Namen Muhammad verliehen haben und auch bei seiner Geburt anwesend gewesen sein.

Quellen
  • Ibn Saad: Biographien... (Hrsg. Eugen Mittwoch). Brill, Leiden 1905. Bd. I. Theil 1. ff., (Inhaltsangabe) in deutscher Sprache
Studien
  1. Hans Jansen: Mohammed. Eine Biographie. (2005/2007) Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas. C.H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56858-9, S. 234.
  2. Vgl. Peters 77f.
  3. Ibn Saad: Biographien... (Hrsg.) Eugen Mittwoch. Brill, Leiden 1905. Bd. I. Theil 1, S. 46
  4. Vgl. ʿAbd al-Malik ibn Ḥabīb: K. at-Ta'rīḫ. Ed. J. Aguadé. Madrid 1991. S. 76.
  5. Vgl. Peters 78f.
  6. W. Montgomery Watt (1953), S. 30
  7. W. Montgomery Watt (1953), S. 31
  8. Ibn Saad: Biographien... (Hrsg.) Eugen Mittwoch. Brill, Leiden 1905. Bd. I. Theil 1, S. 48–51; S. IX (Inhaltsangabe) in deutscher Sprache
  9. Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Brill, Leiden 1967. Bd. 1, S. 344
  10. Vgl. M.J. Kister: "Al-Taḥannuth: an enquiry into the meaning of a term" in Bulletin of the School of Oriental and African Studies 31 (1968) 223–236. Hier S. 232f.
  11. Vgl. ʿAbd al-Malik ibn Ḥabīb ebda.
  12. Zu dieser Frage der Überlieferungsmodalitäten in der Frühzeit siehe: G. Widengren: Oral tradition and written literature among the Hebrew in the light of Arabic evidence, with special regard to prose narratives. In: Acta Orientalia (AO), Bd. 23 (1958), S. 201–262; hier: S. 212
  13. Ibn Saad: Biographien... (Hrsg.) Eugen Mittwoch. Brill, Leiden 1905. Bd. I. Theil 1, S. 53–54; S. IX-X. (Inhaltsangabe) in deutscher Sprache
  14. Joseph Henninger: Menschenopfer bei den Arabern. In: Anthropos 53 (1958), S. 721ff.- mit weiteren Quellenangaben; Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidentums. Berlin 1897. S. 116
  15. Vgl. Ibn Ishāq: Kitāb Sīrat Rasūl Allāh. Bearb. von Abd el-Malik Ibn Hischâm. Aus d. Hs. zu Berlin, Leipzig, Gotha u. Leyden hrsg. von Ferdinand Wüstenfeld. 2 Bde. Göttingen 1858-59. S. 108. Hier online verfügbar:
  16. Vgl. Rubin.
Normdaten (Person): GND:(, ) | LCCN: | VIAF: |Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim
ALTERNATIVNAMEN عبد المطلب ﺑﻦ ﻫﺎﺷﻢ (arabisch)
KURZBESCHREIBUNG Großvater des Propheten Mohammed
GEBURTSDATUM um 497
STERBEDATUM um 578

ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim
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Uberlieferung aus einer Ehe hervorgegangen die sein Vater der Mekkaner Haschim ibn ʿAbd Manaf aus dem Stamm der Quraisch in Yathrib mit der aus Medina stammenden 1 Salma bint ʿAmr aus dem Stamm der Chazradsch einging als er sich gerade auf einer Handelsreise nach Syrien befand Haschim liess den Jungen bei seiner Mutter Nachdem er einige Jahre spater auf einer Handelsreise in Gaza gestorben war suchte sein Bruder al Muttalib Salma in Yathrib auf und bedrangte sie so lange bis sie ihm den Jungen herausgab Al Muttalib nahm ihn mit nach Mekka und als sie gemeinsam auf einem Kamel in der Stadt einritten hielten einige Leute ihn fur den Sklaven ʿabd von al Muttalib woher sein Name ʿAbd al Muttalib herruhren soll 2 Sein ursprunglicher Name war Schaiba weisse Haare diesen soll er erhalten haben weil er bei seiner Geburt weisse Flecken am Kopf hatte 3 Stellung in Mekka BearbeitenNach dem Tod seines Onkels erbte ʿAbd al Muttalib von diesem das Amt der Bewirtung rifada und Trankung siqaya der Mekka Pilger und wurde Oberhaupt der Familie Haschim 4 Um seine Position bei einer Auseinandersetzung mit Gegnern innerhalb Mekkas zu starken schloss er ein Bundnis mit dem in der Umgebung von Mekka lebenden Stamm der Chuzaʿa 5 Auf kaufmannischer Ebene knupfte ʿAbd al Muttalib Handelskontakte nach Abessinien 6 Die islamische Uberlieferung schreibt ʿAbd al Muttalib auch die Wiederauffindung der Zamzam Quelle zu 7 Die diesbezuglichen Berichte fasst Muhammad ibn Saʿd in seinem Klassenbuch zusammen 8 die der mekkanische Lokalhistoriker al Azraqi 837 in seiner Geschichte der Stadt Mekka 9 mit weiteren lokalspezifischen Legenden ausschmuckt Ausserdem soll ʿAbd al Muttalib die religiose Praktik des tahannuth am Berg Hira bei den Quraisch eingefuhrt haben 10 Die Legende uber die Opferung ʿAbdallahs BearbeitenʿAbd al Muttalib hatte zehn Sohne von denen neun mit Namen bekannt sind al ʿAbbas Ḥamza ʿAbdallah az Zubair al Ḥarith Abu Lahab al Muqauwim Ḍirar und Abu Talib 11 Die islamische Uberlieferung betont vor allem die Beziehung zu seinem Sohn ʿAbdallah der der Vater Mohammeds war Nach einer Legende die im spaten 7 Jahrhundert sowohl mundlich als auch schriftlich uberliefert wurde 12 leistete ʿAbd al Muttalib an der Kaaba den Eid einen seiner Sohne den Gotzen zu opfern wenn ihre Anzahl die zehn erreicht Bei der Auslosung der zehn Namen zwischen den Lospfeilen bei Hubal sei das Los auf ʿAbdallah gefallen den spateren Vater des Propheten Mohammed Familienmitglieder vor allem seine Tochter hatten ʿAbd al Muttalib jedoch geraten den Eid durch die Opferung von zehn Kamelen als damals ubliche Suhneleistung zu ersetzen Erst nach zehnmaliger Befragung der Lospfeile soll das Los nicht mehr auf ʿAbdallah sondern auf die Kamele gefallen sein die ʿAbd al Muttalib dann bei Mina geopfert haben will 13 Im Koranvers Das ist die offensichtliche Prufung die wir Abraham auferlegt haben Und wir losten ihn d h seinen Sohn der geschlachtet werden sollte mit einem gewaltigen Schlachtopfer aus Sure 37 Vers 106 107 Ubersetzung Rudi Paret sieht die Koranexegese die von Abraham beabsichtigte Opferung seines Sohnes die durch die Schlachtung eines Widders kabsch dem islamischen Rechtsverstandnis entsprechend als Suhneleistung kaffara abgegolten werden konnte Im koranexegetischen Werk von at Tabari und spater bei Ibn Kathir bezeichnet sich Mohammed folglich als Sohn der zwei Geopferten Ibn adh dhabiḥaini und deutet damit die nicht durchgefuhrte Opferung seines Vaters durch ʿAbd al Muttalib an und versteht sich somit durch die Person Ismaels der mit seinem Vater Abraham als der Erbauer des Kaaba Heiligtums von Mekka verehrt wird als Teil der abrahamitischen Tradition Denn so die islamische Tradition und Koranexegese Abraham wollte seinen Sohn Ismael als Opfer darbringen Im vorislamischen Arabien sind Menschenopfer mannliche Kinder und Kriegsgefangene als rituelle Praxis bekannt im 6 Jahrhundert allerdings nicht mehr ublich gewesen Dieser in der Retrospektive erzahlte Bericht wird in der Forschung daher als unhistorisch sein Stellenwert in der islamischen Geschichtsschreibung als apokryph betrachtet 14 Die Beziehung zum Propheten BearbeitenDa ʿAbdallah bereits vor der Geburt des Propheten starb und dessen Mutter Amina einige Jahre nach seiner Geburt ebenfalls verschied fiel ʿAbd al Muttalib dem damals bereits uber 70 jahrigen Grossvater Mohammeds die Aufgabe zu sich um den Waisen zu kummern Schon wenig spater als Mohammed 8 Jahre alt war starb er allerdings 15 die weitere Fursorge ubernahm Mohammeds Onkel Abu Talib Die islamische Uberlieferung betont die besondere Nahe ʿAbd al Muttalibs zum Propheten So soll er ihn beschnitten und ihm den Namen Muhammad verliehen haben und auch bei seiner Geburt anwesend gewesen sein 16 Literatur BearbeitenQuellenIbn Saad Biographien Hrsg Eugen Mittwoch Brill Leiden 1905 Bd I Theil 1 S 48 ff S IX Inhaltsangabe in deutscher SpracheStudienF E Peters Muhammad and the origins of Islam Albany 1994 S 77 83 Voransicht auf 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