fbpx
Wikipedia

Émile Javal

Louis Émile Javal (* 5. Mai 1839 in Paris; † 20. Januar 1907 ebenda) war ein französischer Augenarzt und Politiker. Er gilt als Vater der Orthoptik.

Émile Javal 1906

Émile Javal entstammte einer jüdischen Familie aus Seppois-le-Bas im Elsass. Er war der älteste Sohn des Bankiers, Politikers und Agrarwissenschaftlers Léopold Javal (1804–1872). Er war Mitschüler von Sully Prudhomme und Marie François Sadi Carnot am Lycée Bonaparte in Paris. Zunächst wurde er Bergbauingenieur. Weil er aber seine Schwester Sophie vom Schielen heilen wollte, entschloss er sich dann, Augenarzt zu werden. 1865 wurde er an der Sorbonne promoviert. Anschließend arbeitete er bei Albrecht von Graefe in Berlin.

Von 1878 bis 1900 war Émile Javal Direktor eines ophthalmologischen Laboratoriums an der Sorbonne, von 1885 war er Mitglied der Académie nationale de Médecine. Bekanntheit erlangte Javal durch seine Arbeiten zur physiologischen Optik und zum Schielen. Er fand heraus, dass bestimmte Patienten mit Übungen vom Schielen geheilt werden können; auf diese Weise heilte er auch seine Schwester. Mit seinem Schüler Hjalmar August Schiøtz (1850–1927) erfand er ein Ophthalmometer (das Javalsche Astigmatometer), mit dem die Krümmung der Hornhaut bestimmt und Stabsichtigkeit festgestellt werden konnte. Mit seinen Studien der Augenbewegungen beim Lesen war Javal zudem ein Pionier der Blickbewegungsregistrierung.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg, in dem er als Sanitätsmajor diente, widmete Javal sich darüber hinaus der Politik. Regelmäßig schrieb er Beiträge für die große Tageszeitung Le Temps. Als Abgeordneter (1885–1889) kümmerte er sich besonders um Fragen der Hygiene. Er entwarf das Javal-Gesetz, das Eltern von sieben und mehr Kindern von den meisten Steuern befreite. Er war ein guter Freund von Émile Zola und interessierte sich für Typographie und Graphologie; er schrieb ein graphologisches Gutachten für den zweiten Prozess gegen Alfred Dreyfus 1899.

Javal litt selber 21 Jahre lang unter Grünem Star, bis er schließlich mit 62 Jahren erblindete. Dennoch schrieb er weiterhin fast alle seine Briefe mit der Hand, und zwar mit Hilfe eines von ihm erdachten Apparates, der am Ende jeder Zeile das Papier automatisch vorschob. Durch Fahrten auf einem dreirädrigen Tandem hielt er sich fit. Javal stand in Briefkontakt mit vielen Blinden; aus ihren und seinen eigenen Erfahrungen entstand sein Buch Entre Aveugles, das Ratschläge für Erblindete enthält. Eine deutsche Übersetzung erschien 1904 unter dem Titel Der Blinde und seine Welt.

Seine Leidenschaft war Esperanto. Die Sprache, die er schon seit Langem unterstützt hatte, wandte er ab 1903 auch selber an. 1905 und 1906 nahm er an den ersten beiden Esperanto-Weltkongressen in Boulogne-sur-Mer bzw. Genf statt. Sprachschöpfer Ludwig Zamenhof war in Paris bei ihm zu Gast. Das nach dem ersten Weltkongress gegründete Zentralbüro der Esperantisten (Esperantista Centra Oficejo) in Paris förderte er finanziell und setzte dafür auch in seinem Testament ein Vermächtnis aus.

Aus seiner 1867 geschlossenen Ehe mit Maria Anna Elissen gingen fünf Kinder hervor. Seine Enkelin Louise Weiss (1893–1983) war Politikerin, Schriftstellerin, Journalistin und Feministin; seine Urenkelin Elisabeth Roudinesco (* 1944) ist Psychoanalytikerin und gilt als führende Historikerin der Psychoanalyse.

Émile Javal war Offizier der Ehrenlegion. Er starb 1907 an Magenkrebs.

  • Du strabisme, dans ses applications à la théorie de la vision. Dissertation, Paris 1868.
  • mit H. Schiötz: Un opthalmomètre pratique. In: Annales d’oculistique. 86. Paris 1881, S. 5–21.
  • Manuel du strabisme. Paris 1896.
  • Physiologie de la lecture et de l’écriture. Paris 1905. In: Annales d’oculistique. 137. Paris 1907, S. 187.
  1. Carl Hans Sasse: Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildungen und einer Geschichtstabelle (= Bücherei des Augenarztes. Heft 18). Ferdinand Enke, Stuttgart 1947, S. 52.
Normdaten (Person): GND:(, ) | LCCN: | VIAF: |Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME Javal, Émile
ALTERNATIVNAMEN Javal, Louis Émile (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG französischer Augenarzt und Politiker, Mitglied der Nationalversammlung
GEBURTSDATUM 5. Mai 1839
GEBURTSORT Paris
STERBEDATUM 20. Januar 1907
STERBEORT Paris

Émile Javal
Émile, javal, französischer, augenarzt, politiker, sprache, beobachten, bearbeiten, louis, 1839, paris, januar, 1907, ebenda, französischer, augenarzt, politiker, gilt, vater, orthoptik, 1906, entstammte, einer, jüdischen, familie, seppois, elsass, älteste, so. Emile Javal franzosischer Augenarzt und Politiker Sprache Beobachten Bearbeiten Louis Emile Javal 5 Mai 1839 in Paris 20 Januar 1907 ebenda war ein franzosischer Augenarzt und Politiker Er gilt als Vater der Orthoptik Emile Javal 1906 Emile Javal entstammte einer judischen Familie aus Seppois le Bas im Elsass Er war der alteste Sohn des Bankiers Politikers und Agrarwissenschaftlers Leopold Javal 1804 1872 Er war Mitschuler von Sully Prudhomme und Marie Francois Sadi Carnot am Lycee Bonaparte in Paris Zunachst wurde er Bergbauingenieur Weil er aber seine Schwester Sophie vom Schielen heilen wollte entschloss er sich dann Augenarzt zu werden 1865 wurde er an der Sorbonne promoviert Anschliessend arbeitete er bei Albrecht von Graefe in Berlin Von 1878 bis 1900 war Emile Javal Direktor eines ophthalmologischen Laboratoriums an der Sorbonne von 1885 war er Mitglied der Academie nationale de Medecine Bekanntheit erlangte Javal durch seine Arbeiten zur physiologischen Optik und zum Schielen Er fand heraus dass bestimmte Patienten mit Ubungen vom Schielen geheilt werden konnen auf diese Weise heilte er auch seine Schwester Mit seinem Schuler Hjalmar August Schiotz 1850 1927 erfand er ein Ophthalmometer das Javalsche Astigmatometer 1 mit dem die Krummung der Hornhaut bestimmt und Stabsichtigkeit festgestellt werden konnte Mit seinen Studien der Augenbewegungen beim Lesen war Javal zudem ein Pionier der Blickbewegungsregistrierung Nach dem Deutsch Franzosischen Krieg in dem er als Sanitatsmajor diente widmete Javal sich daruber hinaus der Politik Regelmassig schrieb er Beitrage fur die grosse Tageszeitung Le Temps Als Abgeordneter 1885 1889 kummerte er sich besonders um Fragen der Hygiene Er entwarf das Javal Gesetz das Eltern von sieben und mehr Kindern von den meisten Steuern befreite Er war ein guter Freund von Emile Zola und interessierte sich fur Typographie und Graphologie er schrieb ein graphologisches Gutachten fur den zweiten Prozess gegen Alfred Dreyfus 1899 Javal litt selber 21 Jahre lang unter Grunem Star bis er schliesslich mit 62 Jahren erblindete Dennoch schrieb er weiterhin fast alle seine Briefe mit der Hand und zwar mit Hilfe eines von ihm erdachten Apparates der am Ende jeder Zeile das Papier automatisch vorschob Durch Fahrten auf einem dreiradrigen Tandem hielt er sich fit Javal stand in Briefkontakt mit vielen Blinden aus ihren und seinen eigenen Erfahrungen entstand sein Buch Entre Aveugles das Ratschlage fur Erblindete enthalt Eine deutsche Ubersetzung erschien 1904 unter dem Titel Der Blinde und seine Welt Seine Leidenschaft war Esperanto Die Sprache die er schon seit Langem unterstutzt hatte wandte er ab 1903 auch selber an 1905 und 1906 nahm er an den ersten beiden Esperanto Weltkongressen in Boulogne sur Mer bzw Genf statt Sprachschopfer Ludwig Zamenhof war in Paris bei ihm zu Gast Das nach dem ersten Weltkongress gegrundete Zentralburo der Esperantisten Esperantista Centra Oficejo in Paris forderte er finanziell und setzte dafur auch in seinem Testament ein Vermachtnis aus Aus seiner 1867 geschlossenen Ehe mit Maria Anna Elissen gingen funf Kinder hervor Seine Enkelin Louise Weiss 1893 1983 war Politikerin Schriftstellerin Journalistin und Feministin seine Urenkelin Elisabeth Roudinesco 1944 ist Psychoanalytikerin und gilt als fuhrende Historikerin der Psychoanalyse Emile Javal war Offizier der Ehrenlegion Er starb 1907 an Magenkrebs Schriften BearbeitenDu strabisme dans ses applications a la theorie de la vision Dissertation Paris 1868 mit H Schiotz Un opthalmometre pratique In Annales d oculistique 86 Paris 1881 S 5 21 Manuel du strabisme Paris 1896 Physiologie de la lecture et de l ecriture Paris 1905 In Annales d oculistique 137 Paris 1907 S 187 Weblinks BearbeitenLiteratur von und uber Emile Javal im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Louis Emile Javal auf whonamedit comEinzelnachweise Bearbeiten Carl Hans Sasse Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildungen und einer Geschichtstabelle Bucherei des Augenarztes Heft 18 Ferdinand Enke Stuttgart 1947 S 52 Normdaten Person GND 101291426 OGND AKS LCCN n96075850 VIAF 29535728 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Javal EmileALTERNATIVNAMEN Javal Louis Emile vollstandiger Name KURZBESCHREIBUNG franzosischer Augenarzt und Politiker Mitglied der NationalversammlungGEBURTSDATUM 5 Mai 1839GEBURTSORT ParisSTERBEDATUM 20 Januar 1907STERBEORT Paris Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Emile Javal amp oldid 216768974, wikipedia, wiki, deutsches

deutschland

buch, bücher, bibliothek

artikel

lesen, herunterladen

kostenlos

kostenloser herunterladen, MP3, Video, MP4, 3GP, JPG, JPEG, GIF, PNG, Bild, Musik, Lied, Film, Buch, Spiel, Spiele