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Ätiologie (Medizin)

Die Ätiologie, früher auch Aitiologie, beschäftigt sich mit den Ursachen für das Entstehen einer Krankheit. Sie ist in der Medizin, Klinischen Psychologie und speziell der Epidemiologie von großer Bedeutung.

Die Pathogenese oder kurz Genese hingegen bezeichnet mehr die Entstehung und Entwicklung von Krankheiten aus diesen Ursachen (siehe auch Pathologie). Eine Zusammensetzung aus beiden Begriffen mit ähnlicher Bedeutung stellt der Ausdruck Ätiopathogenese dar (altgriechischγένεσιςgenesis: „Ursprung‚ Entstehung“). Beispielsweise bestimmte Krankheitserreger in der Lunge als Ursache führen über einen Wirkmechanismus zu einer Lungenerkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff leitet sich vonαἰτία aitía, „Ursache“, undλόγος lógos, „Vernunft, Lehre“, ab.

Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Ätiologie (bzw. Aitiologie):

  • die Lehre von den Ursachen der Krankheiten (im Sinne der Allgemeinen Krankheitslehre, Ätiologie i. e. S.);
  • die Gesamtheit der Faktoren, die zu einer gegebenen Krankheit geführt haben (im klinischen Sinn, Ätiopathogenese i. e. S.).

In der Philosophie, besonders in einigen antiken philosophischen Schulen, steht der Begriff Aitiologie für die Lehre von den Ursachen im Allgemeinen. Das Adjektiv ätiologisch bedeutet dementsprechend ganz allgemein: „die Ursachen“, „den Grund“, „die ursächliche Herkunft“ oder „die kausale Herleitung“ betreffend oder erklärend.

Es gibt drei grundlegende Methoden der Ätiologie, und jede kennt einen unterschiedlichen Grad der Gewissheit, mit der die Ursache einer Krankheit oder eines Leidens herausgefunden wird. Die Kenntnis der „drei C“ kann auch dem Patienten dabei helfen, bei einer schwerwiegenden Diagnose nicht den Kopf zu verlieren, sondern rational sein Verhalten zu überdenken. Dies gilt vor allem bezüglich der Fragen „Was habe ich falsch gemacht?“ oder „Bin ich schuld an meinem Leiden?“.

In der Regel arbeitet die medizinische (und auch die naturwissenschaftliche) Forschung so, dass zuerst eine Korrelation (Correlatio) festgestellt wird. Nach genaueren Untersuchungen kann man – oder auch nicht – herausfinden, ob es einen Ursache-Folge-Zusammenhang gibt (Contributio). Oft ist es der letzte Schritt, einen kausalen Zusammenhang (Causa) herauszufinden.

Causa

Causa (lateinisch für „Ursache, Krankheitsanlass“): Bei häufigeren und besser untersuchten medizinischen Phänomenen kann man nach „kausalen“ Gründen einer Krankheit suchen. Das heißt, wenn Ereignis A eintritt, dann muss auch Ereignis B eintreten. Beispiele dafür sind etwa:

  • Beim Rauchen: Nikotinkonsum verringert immer den Durchmesser von Blutgefäßen und verschlechtert damit u. a. die Durchblutung des Körpergewebes.

Contributio

Bei Contributio (lateinisch für „Förderung, Beitrag“) gibt es immer noch einen starken Zusammenhang im Sinne einer Ursache-Folge-Beziehung, aber dieser ist nicht mehr so stark wie bei der vorherigen Kategorie. Generell gilt: Wenn Ereignis A eintrifft, dann trifft Ereignis B häufiger ein als sonst. Faktor A trägt also zu Zustand B bei.

  • Beispiel: Nicht jeder Raucher bekommt Lungenkrebs, aber Raucher bekommen häufiger Lungenkrebs als Nichtraucher. Mit dem Rauchen aufzuhören bedeutet also, dass ceteris paribus die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken, sinkt.

Correlatio

Die Korrelation (Correlatio, lateinisch für „Korrelation, Zusammenhang“) wird ebenso bei seltenen Krankheiten verwendet wie bei Krankheiten, die keine klaren bzw. erforschten Ursache-Folge-Beziehungen haben. Sobald man also in einem Zeitungsbericht etwas von „Es wurde … ein Zusammenhang gefunden zwischen Migräne und Herzproblemen“ liest, sollte man an die Korrelation denken. Noch konnte niemand beschreiben oder belegen, ob Migräne Herzprobleme verursacht, Herzprobleme Migräne verursachen oder beides von einer dritten Ursache abhängt, sondern es wurde lediglich festgestellt, dass Personen mit Eigenschaft A häufig auch die Eigenschaft B besitzen und umgekehrt. Die Korrelation unterscheidet nicht zwischen Ursache und Folge (Wirkung).

Beispiele:

  • Japaner haben die höchste Lebenserwartung von allen Erdbewohnern. Dies heißt nicht, dass man länger oder gesünder lebt, sobald man die japanische Staatsbürgerschaft besitzt oder in Japan wohnt. Es lässt sich auch nicht daraus schließen, dass der japanische Lebens- und Ernährungsstil die Gesundheit fördert oder dass andere Lebens- und Ernährungsstile der Gesundheit abträglich sind. Auch eine genetische Komponente ist denkbar, z. B. indem Inselbewohner einer geringeren genetischen Durchmischung unterliegen als Festlandbewohner.
  • Personen, die zwischen ihrem 20. und 50. Lebensjahr einer intellektuell herausfordernden Tätigkeit nachgehen, erkranken weniger häufig an der Alzheimer-Krankheit. Dies ist die Tatsache auf der Correlatio-Ebene. Die interessante Frage lautet jetzt:
    • Bricht die Alzheimer-Krankheit schon in der Jugendzeit aus und verhindert die Aufnahme einer geistig anspruchsvollen Tätigkeit oder
    • verhindert eine geistig anspruchsvolle Tätigkeit die Alzheimer-Krankheit oder
    • existiert ein dritter, bisher unbekannter Faktor, der beide Dinge mitverursacht?

Austin Bradford Hill war ein englischer Statistiker und Epidemiologe, der die Bradford-Hill-Kriterien für Kausalität in der Medizin entwickelte. Er postulierte folgende neun Kriterien, mit denen eine vermutete Ursache-Wirkung-Beziehung in der Medizin oder Epidemiologie geprüft werden sollte:

  1. Stärke: Eine schwache Assoziation zwischen zwei Phänomenen besagt nicht, dass keine Kausalität zwischen ihnen existiert. Die Tatsache, dass die meisten Menschen Meningokokken in den Nasenschleimhäuten tragen und doch die wenigsten Menschen an Meningokokken-Meningitis erkranken, widerlegt keine Kausalität.
  2. Folgerichtigkeit: Übereinstimmende Beobachtungen durch verschiedene Wissenschaftler an verschiedenen Risikopopulationen bei Gebrauch von unterschiedlichen Methoden erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer kausalen Beziehung.
  3. Spezifität: Kausalität ist anzunehmen, wenn eine spezifische Population an einer Krankheit leidet, die bisher nur auf eine unbefriedigende Weise erklärt werden kann. Hier kommt aber als Problem hinzu, dass eine Krankheit viele Ursachen haben kann, und eine Ursache (zum Beispiel eine bestimmte krebserregende Substanz) erzeugt eine Vielfalt von unterschiedlichen Krebserkrankungen.
  4. Zeitlichkeit: Die Wirkung hat nach dem Eintritt der vermuteten Ursache zu erfolgen – und wenn eine Verzögerung zwischen Ursache und ihrer Wirkungsentfaltung erwartet wird, muss der Effekt nach dieser Verzögerung stattfinden. Haben Fabrikarbeiter ein häufigeres Krankheitsrisiko, weil sie in Fabriken arbeiten – oder haben sie wegen bereits erlittener Erkrankungen eine tiefere soziale Stellung, so dass ihnen nur noch die Arbeit in einer Fabrik übrigbleibt?
  5. Biologischer Gradient: Stärkere Exposition gegenüber einem Risikofaktor sollte zu einem häufigeren Auftreten der Erkrankung führen. Die Frage ist hier oft, wie die Exposition quantifiziert werden soll – zählt man zum Beispiel die Anzahl Tage, an denen jemand bislang geraucht hat? Oder die durchschnittliche Anzahl Zigaretten pro Tag?
  6. Plausibilität: Ein plausibler Mechanismus zwischen Ursache und Wirkung ist hilfreich, aber nicht notwendig. Was heute als plausibel betrachtet wird, hängt vom heutigen biologischen Wissen ab. Als man im 18. Jahrhundert durch Erhebung statistischer Daten herausfand, dass Kaminfeger häufig an Hodenkrebs erkrankten, konnte noch niemand auf chemischer oder molekularbiologischer Ebene eine plausible Erklärung dafür liefern.
  7. Stimmigkeit: Eine Übereinstimmung zwischen epidemiologischen Daten und Ergebnissen aus dem Labor erhöht die Gewissheit, dass eine Kausalität besteht. Als Beispiel: Gewebeproben aus den Lungen von Verstorbenen, an denen Schadstoffkonzentrationen gemessen werden, vergleicht man mit der Analyse, welche Stoffe eine Zigarette enthält. Diese Erkenntnisse wiederum verknüpft man mit ausgefüllten Fragebögen von Rauchern, in denen sie ihre Rauchgewohnheiten darlegen.
  8. Experiment: Manchmal ist es möglich, experimentell Annahmen aus epidemiologischen Daten zu überprüfen, was aber fallweise an ethische Grenzen stößt. Mit einer beobachteten Senkung der Erkrankungszahlen nach der Abschaffung eines Risikofaktors wird ein wichtiger Beleg für eine Kausalität erbracht.
  9. Analogie: Der Effekt ähnlicher Wirksubstanzen und Risikofaktoren sollte berücksichtigt werden. Die Erkenntnis, dass Thalidomid das ungeborene Kind schädigt, gab Anlass zu der Vermutung, dass eine Röteln-Infektion während der Schwangerschaft dasselbe tut. Die Existenz einer Ursache-Wirkung-Relation ist ein Anlass zur Suche nach anderen Ursachen, die auf eine ähnliche Weise eine ähnliche Wirkung zur Folge haben.

Diese Kriterien wurden 1965 in The Environment and Disease: Association or Causation? dargelegt. Diese Publikation gehört bis heute zu den meistzitierten wissenschaftlichen Werken. Austin Bradford Hill lehnte es jedoch ab, seine neun Kriterien als starre Regeln zu verwenden. Dennoch wird diese Liste auch missverstanden und manchmal als „Checkliste“ gelehrt. Nach Hill sollten diese Merksätze aber dazu dienen, postulierte Kausalitäten kritisch zu überdenken.

Hill hat in derselben Publikation den blinden Glauben an Signifikanztests kritisiert, weil solche Tests wohl einen zufälligen Fehler, aber keine systematischen und methodischen Fehler ausschließen können. Doch gerade ätiologische und epidemiologische Untersuchungen laufen Gefahr, unter letzteren zu leiden. Ebenso ist im Sinne des Ökonomen Hill der Beweis einer kausalen Beziehung nicht genügend, um im Interesse der öffentlichen Gesundheit Maßnahmen zu verfügen. Kosten- und Nutzenanalysen bei allen Betroffenen seien notwendig; denn die pure Erhöhung der Lebenserwartung kann unter anderem der Lebensqualität schaden, zum Beispiel beim Verzicht auf ein geliebtes Hobby, das ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringt. Dazu sollten bei vernachlässigbaren Kosten und relativ großem erwarteten Nutzen Maßnahmen auch ohne statistisch hieb- und stichfeste Kausalitätsbelege durchgeführt werden.

  • Urs Baumann, Meinrad Perrez (Hrsg.): Lehrbuch Klinische Psychologie. Psychotherapie: Klassifikation, Diagnostik, Ätiologie, Intervention. 3. vollständig überarbeitete Auflage. Huber, Bern u. a. 2005, ISBN 3-456-84241-4.
  • Phillips & Goodman (2004): The missed lessons of Sir Austin Bradford Hill (Review der Originalarbeit von 1965 und seiner Bedeutung für die Epidemiologie und die medizinische Ätiologie.)
Wiktionary: Ätiologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Hans Diller: Wanderarzt und Aitiologe. Studien zur hippokratischen Schrift Περὶ ἀέρρων ὑδάάτων τόπων [Peri aerōn ydatōn topōn]. Dieterich, Leipzig 1934 (= Philologus. Supplementband 26,3).
  2. , BBC News.
  3. Sir Austin Bradford Hill: The Environment and Disease: Association or Causation? In: Proceedings of the Royal Society of Medicine.Band58,Nr.5, 1965,S.295–300, (freier Volltext).
  4. Carl V. Phillips & Karen J. Goodman: The missed lessons of Sir Austin Bradford Hill. In: Epidemiologic Perspectives & Innovations.Band1,Nr.3, 2004,S.1–5, doi:, (freier Volltext).
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Ätiologie (Medizin)
Ätiologie, medizin, kategorie, medizin, sprache, beobachten, bearbeiten, weitergeleitet, Ätiologisch, Ätiologie, früher, auch, aitiologie, beschäftigt, sich, ursachen, für, entstehen, einer, krankheit, medizin, klinischen, psychologie, speziell, epidemiologie,. Atiologie Medizin Kategorie der Medizin Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Atiologisch Die Atiologie fruher auch Aitiologie beschaftigt sich mit den Ursachen fur das Entstehen einer Krankheit Sie ist in der Medizin Klinischen Psychologie und speziell der Epidemiologie von grosser Bedeutung Die Pathogenese oder kurz Genese hingegen bezeichnet mehr die Entstehung und Entwicklung von Krankheiten aus diesen Ursachen siehe auch Pathologie Eine Zusammensetzung aus beiden Begriffen mit ahnlicher Bedeutung stellt der Ausdruck Atiopathogenese dar altgriechisch genesis genesis Ursprung Entstehung Beispielsweise bestimmte Krankheitserreger in der Lunge als Ursache fuhren uber einen Wirkmechanismus zu einer Lungenerkrankung Inhaltsverzeichnis 1 Etymologie und Begriffsbedeutung 2 Die drei C der Atiologie 2 1 Causa 2 2 Contributio 2 3 Correlatio 3 Bradford Hill Kriterien 4 Literatur 5 Weblinks 6 EinzelnachweiseEtymologie und Begriffsbedeutung BearbeitenDer Begriff leitet sich von aἰtia aitia Ursache und logos logos Vernunft Lehre ab Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Atiologie bzw Aitiologie 1 die Lehre von den Ursachen der Krankheiten im Sinne der Allgemeinen Krankheitslehre Atiologie i e S die Gesamtheit der Faktoren die zu einer gegebenen Krankheit gefuhrt haben im klinischen Sinn Atiopathogenese i e S In der Philosophie besonders in einigen antiken philosophischen Schulen steht der Begriff Aitiologie fur die Lehre von den Ursachen im Allgemeinen Das Adjektiv atiologisch bedeutet dementsprechend ganz allgemein die Ursachen den Grund die ursachliche Herkunft oder die kausale Herleitung betreffend oder erklarend Die drei C der Atiologie BearbeitenEs gibt drei grundlegende Methoden der Atiologie und jede kennt einen unterschiedlichen Grad der Gewissheit mit der die Ursache einer Krankheit oder eines Leidens herausgefunden wird Die Kenntnis der drei C kann auch dem Patienten dabei helfen bei einer schwerwiegenden Diagnose nicht den Kopf zu verlieren sondern rational sein Verhalten zu uberdenken Dies gilt vor allem bezuglich der Fragen Was habe ich falsch gemacht oder Bin ich schuld an meinem Leiden In der Regel arbeitet die medizinische und auch die naturwissenschaftliche Forschung so dass zuerst eine Korrelation Correlatio festgestellt wird Nach genaueren Untersuchungen kann man oder auch nicht herausfinden ob es einen Ursache Folge Zusammenhang gibt Contributio Oft ist es der letzte Schritt einen kausalen Zusammenhang Causa herauszufinden Causa Bearbeiten Causa lateinisch fur Ursache Krankheitsanlass Bei haufigeren und besser untersuchten medizinischen Phanomenen kann man nach kausalen Grunden einer Krankheit suchen Das heisst wenn Ereignis A eintritt dann muss auch Ereignis B eintreten Beispiele dafur sind etwa Beim Rauchen Nikotinkonsum verringert immer den Durchmesser von Blutgefassen und verschlechtert damit u a die Durchblutung des Korpergewebes Contributio Bearbeiten Bei Contributio lateinisch fur Forderung Beitrag gibt es immer noch einen starken Zusammenhang im Sinne einer Ursache Folge Beziehung aber dieser ist nicht mehr so stark wie bei der vorherigen Kategorie Generell gilt Wenn Ereignis A eintrifft dann trifft Ereignis B haufiger ein als sonst Faktor A tragt also zu Zustand B bei Beispiel Nicht jeder Raucher bekommt Lungenkrebs aber Raucher bekommen haufiger Lungenkrebs als Nichtraucher Mit dem Rauchen aufzuhoren bedeutet also dass ceteris paribus die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken sinkt Correlatio Bearbeiten Die Korrelation Correlatio lateinisch fur Korrelation Zusammenhang wird ebenso bei seltenen Krankheiten verwendet wie bei Krankheiten die keine klaren bzw erforschten Ursache Folge Beziehungen haben Sobald man also in einem Zeitungsbericht etwas von Es wurde ein Zusammenhang gefunden zwischen Migrane und Herzproblemen liest sollte man an die Korrelation denken Noch konnte niemand beschreiben oder belegen ob Migrane Herzprobleme verursacht Herzprobleme Migrane verursachen oder beides von einer dritten Ursache abhangt sondern es wurde lediglich festgestellt dass Personen mit Eigenschaft A haufig auch die Eigenschaft B besitzen und umgekehrt Die Korrelation unterscheidet nicht zwischen Ursache und Folge Wirkung Beispiele Japaner haben die hochste Lebenserwartung von allen Erdbewohnern Dies heisst nicht dass man langer oder gesunder lebt sobald man die japanische Staatsburgerschaft besitzt oder in Japan wohnt Es lasst sich auch nicht daraus schliessen dass der japanische Lebens und Ernahrungsstil die Gesundheit fordert oder dass andere Lebens und Ernahrungsstile der Gesundheit abtraglich sind Auch eine genetische Komponente ist denkbar z B indem Inselbewohner einer geringeren genetischen Durchmischung unterliegen als Festlandbewohner Personen die zwischen ihrem 20 und 50 Lebensjahr einer intellektuell herausfordernden Tatigkeit nachgehen erkranken weniger haufig an der Alzheimer Krankheit Dies ist die Tatsache auf der Correlatio Ebene Die interessante Frage lautet jetzt Bricht die Alzheimer Krankheit schon in der Jugendzeit aus und verhindert die Aufnahme einer geistig anspruchsvollen Tatigkeit oder verhindert eine geistig anspruchsvolle Tatigkeit die Alzheimer Krankheit 2 oder existiert ein dritter bisher unbekannter Faktor der beide Dinge mitverursacht Bradford Hill Kriterien BearbeitenAustin Bradford Hill war ein englischer Statistiker und Epidemiologe der die Bradford Hill Kriterien fur Kausalitat in der Medizin entwickelte Er postulierte folgende neun Kriterien mit denen eine vermutete Ursache Wirkung Beziehung in der Medizin oder Epidemiologie gepruft werden sollte Starke Eine schwache Assoziation zwischen zwei Phanomenen besagt nicht dass keine Kausalitat zwischen ihnen existiert Die Tatsache dass die meisten Menschen Meningokokken in den Nasenschleimhauten tragen und doch die wenigsten Menschen an Meningokokken Meningitis erkranken widerlegt keine Kausalitat Folgerichtigkeit Ubereinstimmende Beobachtungen durch verschiedene Wissenschaftler an verschiedenen Risikopopulationen bei Gebrauch von unterschiedlichen Methoden erhohen die Wahrscheinlichkeit einer kausalen Beziehung Spezifitat Kausalitat ist anzunehmen wenn eine spezifische Population an einer Krankheit leidet die bisher nur auf eine unbefriedigende Weise erklart werden kann Hier kommt aber als Problem hinzu dass eine Krankheit viele Ursachen haben kann und eine Ursache zum Beispiel eine bestimmte krebserregende Substanz erzeugt eine Vielfalt von unterschiedlichen Krebserkrankungen Zeitlichkeit Die Wirkung hat nach dem Eintritt der vermuteten Ursache zu erfolgen und wenn eine Verzogerung zwischen Ursache und ihrer Wirkungsentfaltung erwartet wird muss der Effekt nach dieser Verzogerung stattfinden Haben Fabrikarbeiter ein haufigeres Krankheitsrisiko weil sie in Fabriken arbeiten oder haben sie wegen bereits erlittener Erkrankungen eine tiefere soziale Stellung so dass ihnen nur noch die Arbeit in einer Fabrik ubrigbleibt Biologischer Gradient Starkere Exposition gegenuber einem Risikofaktor sollte zu einem haufigeren Auftreten der Erkrankung fuhren Die Frage ist hier oft wie die Exposition quantifiziert werden soll zahlt man zum Beispiel die Anzahl Tage an denen jemand bislang geraucht hat Oder die durchschnittliche Anzahl Zigaretten pro Tag Plausibilitat Ein plausibler Mechanismus zwischen Ursache und Wirkung ist hilfreich aber nicht notwendig Was heute als plausibel betrachtet wird hangt vom heutigen biologischen Wissen ab Als man im 18 Jahrhundert durch Erhebung statistischer Daten herausfand dass Kaminfeger haufig an Hodenkrebs erkrankten konnte noch niemand auf chemischer oder molekularbiologischer Ebene eine plausible Erklarung dafur liefern Stimmigkeit Eine Ubereinstimmung zwischen epidemiologischen Daten und Ergebnissen aus dem Labor erhoht die Gewissheit dass eine Kausalitat besteht Als Beispiel Gewebeproben aus den Lungen von Verstorbenen an denen Schadstoffkonzentrationen gemessen werden vergleicht man mit der Analyse welche Stoffe eine Zigarette enthalt Diese Erkenntnisse wiederum verknupft man mit ausgefullten Fragebogen von Rauchern in denen sie ihre Rauchgewohnheiten darlegen Experiment Manchmal ist es moglich experimentell Annahmen aus epidemiologischen Daten zu uberprufen was aber fallweise an ethische Grenzen stosst Mit einer beobachteten Senkung der Erkrankungszahlen nach der Abschaffung eines Risikofaktors wird ein wichtiger Beleg fur eine Kausalitat erbracht Analogie Der Effekt ahnlicher Wirksubstanzen und Risikofaktoren sollte berucksichtigt werden Die Erkenntnis dass Thalidomid das ungeborene Kind schadigt gab Anlass zu der Vermutung dass eine Roteln Infektion wahrend der Schwangerschaft dasselbe tut Die Existenz einer Ursache Wirkung Relation ist ein Anlass zur Suche nach anderen Ursachen die auf eine ahnliche Weise eine ahnliche Wirkung zur Folge haben Diese Kriterien wurden 1965 in The Environment and Disease Association or Causation 3 dargelegt Diese Publikation gehort bis heute zu den meistzitierten wissenschaftlichen Werken Austin Bradford Hill lehnte es jedoch ab seine neun Kriterien als starre Regeln zu verwenden Dennoch wird diese Liste auch missverstanden und manchmal als Checkliste gelehrt Nach Hill sollten diese Merksatze aber dazu dienen postulierte Kausalitaten kritisch zu uberdenken Hill hat in derselben Publikation den blinden Glauben an Signifikanztests kritisiert weil solche Tests wohl einen zufalligen Fehler aber keine systematischen und methodischen Fehler ausschliessen konnen Doch gerade atiologische und epidemiologische Untersuchungen laufen Gefahr unter letzteren zu leiden Ebenso ist im Sinne des Okonomen Hill der Beweis einer kausalen Beziehung nicht genugend um im Interesse der offentlichen Gesundheit Massnahmen zu verfugen Kosten und Nutzenanalysen bei allen Betroffenen seien notwendig denn die pure Erhohung der Lebenserwartung kann unter anderem der Lebensqualitat schaden zum Beispiel beim Verzicht auf ein geliebtes Hobby das ein erhohtes Unfallrisiko mit sich bringt Dazu sollten bei vernachlassigbaren Kosten und relativ grossem erwarteten Nutzen Massnahmen auch ohne statistisch hieb und stichfeste Kausalitatsbelege durchgefuhrt werden 4 Literatur BearbeitenUrs Baumann Meinrad Perrez Hrsg Lehrbuch Klinische Psychologie Psychotherapie Klassifikation Diagnostik Atiologie Intervention 3 vollstandig uberarbeitete Auflage Huber Bern u a 2005 ISBN 3 456 84241 4 Phillips amp Goodman 2004 The missed lessons of Sir Austin Bradford Hill Review der Originalarbeit von 1965 und seiner Bedeutung fur die Epidemiologie und die medizinische Atiologie Weblinks Bearbeiten Wiktionary Atiologie Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme UbersetzungenEinzelnachweise Bearbeiten Hans Diller Wanderarzt und Aitiologe Studien zur hippokratischen Schrift Perὶ ἀerrwn ὑdaatwn topwn Peri aerōn ydatōn topōn Dieterich Leipzig 1934 Philologus Supplementband 26 3 Work may ward off Alzheimer s BBC News Sir Austin Bradford Hill The Environment and Disease Association or Causation In Proceedings of the Royal Society of Medicine Band 58 Nr 5 1965 S 295 300 PMC 1898525 freier Volltext Carl V Phillips amp Karen J Goodman The missed lessons of Sir Austin Bradford Hill In Epidemiologic Perspectives amp Innovations Band 1 Nr 3 2004 S 1 5 doi 10 1186 1742 5573 1 3 PMC 524370 freier Volltext Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten Normdaten Sachbegriff GND 4000646 3 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Atiologie Medizin amp oldid 206377339, wikipedia, wiki, deutsches

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