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Ägypten

Ägypten hat vor allem wegen seiner hohen Bevölkerungszahl eine enorme politische und kulturelle Ausstrahlung in der arabischen und islamischen Welt. Aber auch in der Geschichte der Zivilisation der Menschheit hatte es eine große Bedeutung, wovon viele Ausgrabungen und antike architektonische Sehenswürdigkeiten zeugen. Hier entstand bereits um 3000 v. Chr. mit dem Alten Ägypten eine der frühen Hochkulturen der Alten Welt. Das Land am Nil erlebte nach der Pharaonenzeit eine wechselvolle Geschichte von vielen Fremdherrschaften, bis es 1922 wieder seine Selbstständigkeit erlangte. Aber auch jetzt endeten die Machtkämpfe um Ägypten nicht, sie gingen im Innern weiter. Die Proteste des Arabischen Frühlings erfassten 2011 auch Ägypten. Darauf folgte die Staatskrise 2013/14.

Ägyptens Nachbarländer im Süden sind der Sudan und im Westen Libyen. Die nördliche natürliche Grenze ist das Levantische Meer, der östlichste Teil des Mittelmeeres. Die nächste Insel ist Zypern und befindet sich etwa 380 km Luftlinie von der ägyptischen Küste entfernt. Im Nordosten grenzt Ägypten an Gaza und Israel. Im Südosten hat es eine ausgedehnte Küste zum Roten Meer mit seinen beiden Meeresarmen, dem Golf von Suez und dem Golf von Akaba bzw. Eilat. Dem letztgenannten Golf liegen Saudi-Arabien und Jordanien gegenüber, wohin Fährverbindungen bestehen. Der längste Strom Afrikas, der Nil, durchfließt das Land von Süd nach Nord als seine wichtigste Lebensader und mündet in einem Delta in das Mittelmeer. Eine weitere Lebensader ist der Suezkanal, eine künstliche Wasserstraße mit herausragender Bedeutung für die Weltwirtschaft, die das europäische Mittelmeer mit dem Indischen Ozean verbindet. Große Teile des Territoriums des Landes sind Wüsten.

  • Der altägyptische Landesname Km.t (Kemet) bedeutet „Schwarzes Land“ und bezieht sich auf die fruchtbaren Böden des Niltals im Gegensatz zum „Roten Land“ der angrenzenden Wüsten, dem Dšr.t (Descheret). Im Koptischen wurde daraus Kīmi oder Kīmə, im Altgriechischen schließlich Κυμεία Kymeía.
  • Der arabische Begriff Miṣr, heute der offizielle Staatsname, ist semitischen Ursprungs. Er ist der ursprünglichen assyrischen Schreibweise Miṣir/Muṣur sehr ähnlich, aber auch mit dem hebräischen מִצְרַיִם (Mitzráyim) verwandt. Er bedeutet schlicht „Land“ oder „Staat“, wobei historisch damit Unterägypten (Das untere Land) gemeint war und der Name Miṣr später auf das gesamte Land (Unter- und Oberägypten) übertragen wurde. Dies kommt auch in der späteren hebräischen Bezeichnung als Dual-Begriff zum Ausdruck. Im ägyptischen Dialekt des Arabischen wird aus Miṣr allerdings Maṣr und schließlich maṣri für „ägyptisch“, der häufige Beiname al-Masri bedeutet daher „der Ägypter“.
  • In der Achämenidenzeit führte Ägypten als Satrapie den altpersischen Namen Mudraya.
  • Die europäischen Bezeichnungen für Ägypten (englischEgypt,französischÉgypte,italienischEgitto etc.) stammen von dem lateinischen Aegyptus und damit letztlich vom altgriechischen Αἰγύπτος (Aigýptos) ab. Die Kopten beanspruchen für sich, die direkten Nachfahren der altägyptischen Bevölkerung der Pharaonenzeit zu sein. Aus ihrem Namen entstand das griechische αἰγύπτος aigýptos, das im Deutschen zu Ägypten wurde. Nach einer verbreiteten Theorie stellt Aigyptos eine Fortsetzung des altägyptischen Ausdrucks ḥwt-k3-ptḥ (Hut-Ka-Ptah) dar, was „Sitz (Haus) der Seele des (Gottes) Ptah“ bedeutet und womit auf den großen Ptah-Tempel in Memphis angespielt wird.
  • Vom Landesnamen Ägypten leitet sich darüber hinaus in verschiedenen europäischen Sprachen das Wort für Zigeuner ab.

Gliederungen, Flusssystem, Landschaftsformen

Topographie Ägyptens
Satellitenkarte Ägyptens

Ägyptens Territorium hat grob gesehen eine fast quadratische Form und wird vom nördlichen Wendekreis gestreift. Die Landschaft wechselt zwischen der von Steppe bzw. Dornensavanne geprägten nördlichen Küstenlandschaft, Wüsten, Halbwüsten, vielen Oasen, Meeresflächen und der Flusslandschaft des Nils ab. Neben dem Suezkanal von Port Said nach Port Taufiq bei Suez ist der Nil die Hauptschlagader Ägyptens. Dessen von seiner Mündung, dem 24.000 km² großen Nildelta am weitesten entfernter Quellfluss ist der Kagera, der im Gebirgsland von Burundi und Ruanda seinen Ursprung hat. Der Strom hat eine Länge von etwa 6852 km und erreicht bei Assuan nach dem Assuan-Staudamm sein natürliches Flussbett in Ägypten. Abgesehen von einigen Oasen und kleinen Häfen an den Küsten bieten allein sein Wasser und seine fruchtbaren Uferregionen die Grundlage für Anbau und Besiedlung. Diese Fläche macht etwa fünf Prozent des Territoriums aus.

Das Staatsgebiet lässt sich in sieben naturräumliche Einheiten untergliedern:
Im äußersten Süden liegt der zu Nubien und Oberägypten zählende Abschnitt des Niltals zwischen Abu Simbel und Assuan, der heute vom Nassersee eingenommen wird. Im weiteren Verlauf hat sich der Nil kastenförmig in die Kalksteintafel der Wüste eingeschnitten. Vom Austritt des Flusses aus dem Nassersee bis nach Kairo bildet das Niltal eine bis zu 25 km breite, fruchtbare Fluss-Oase.

In Unterägypten, nördlich von Kairo, gabelt sich der Nil in zwei Hauptmündungsarme zwischen Rosette und Damiette und bildet eine rund 23.000 km² umfassende, intensiv bewirtschaftete Deltalandschaft aus abgelagertem Nilschlamm, durchzogen von zahllosen kleineren Mündungsarmen, Kanälen und Bewässerungsanlagen.

Die westlich des Nils gelegene Libysche Wüste nimmt als weites, flaches Schichttafelland rund zwei Drittel der ägyptischen Staatsfläche ein. In ihrem Norden liegt das relativ niedrige Libysche Plateau, das in Ägypten bis zu 241 m Höhe erreicht. Südöstlich davon senkt sich das Gelände in der von Salzsümpfen erfüllten Qattara-Senke auf bis zu 133 m unter dem Niveau des Meeresspiegels ab, im Südwesten steigt die Wüste bis auf 1098 m an. Im Übrigen unterbrechen nur einzelne Becken und Niederungen mit den Oasen von Siwa, Bahariyya, Farafra, Dachla und Charga die von Norden nach Süden rund 1000 km lange Sand- und Dünenlandschaft. Rund 100 km südwestlich von Kairo befindet sich das 1827 km² große Fayyum-Becken, eine beckenartige Oasenlandschaft, in deren Nordteil sich der 230 km² große Qarun-See befindet.

Im Gegensatz dazu wird die östlich des Nils gelegene Arabische Wüste von einem durch Wadis stark zerfurchten Gebirgszug beherrscht, der im Mittelabschnitt mehr als 2000 m Höhe erreicht. Die Arabische Wüste ist der westliche Abschnitt einer Aufwölbungszone, deren zentraler Teil im Tertiär eingebrochen ist und heute den über 1000 m tiefen Graben des Roten Meeres bildet. Dieser wiederum ist ein Teilstück des Syrisch-Afrikanischen Grabenbruchsystems.

Auf der Sinai-Halbinsel findet die Aufwölbungszone ihre Fortsetzung. Hier erhebt sich mit dem Dschabal Katrina (Katharinenberg) (2637 m) der höchste Berg Ägyptens. Der Golf von Suez und der Golf von Akaba umfließen die Halbinsel von Westen, Süden und Osten her. Durch den 162 km langen Suezkanal besteht eine Verbindung zwischen Rotem Meer und Mittelmeer.

Vom Nildelta abgesehen, säumen meist flache Dünen die ägyptische Mittelmeerküste. Dagegen sind die Küstenbereiche am Roten Meer schroffer – die Gebirgszüge reichen häufig bis nahe an das Meer heran. Aufgrund der hohen Wassertemperatur sind hier vielfach Korallenriffe vorgelagert.

Klima

Klimadiagramm von Kairo

Ägypten liegt innerhalb des nordafrikanischen Trockengürtels mit sehr wenig Niederschlägen, sowie beträchtlichen saisonalen und täglichen Temperaturschwankungen. Nur der nördliche Küstenstreifen und das Nildelta sind mit Winterniederschlägen zwischen 100 und 200 mm mediterran beeinflusst; südlich von Kairo dagegen regnet es äußerst selten. Die mittleren täglichen Temperaturmaxima liegen im Januar zwischen 20 °C (Port Said, Kairo) und 24 °C (Assuan), wobei es nachts sehr stark abkühlen kann. Im Juli erreichen die Tagestemperaturen 31 °C (Port Said), 35 °C (Kairo) und 41 °C (Assuan). Die Hitze ist wegen der geringen relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 30 % (im Sommer) gut zu ertragen. Von März bis Juni weht der heiße Chamsin, ein aus Süden kommender Sand- und Staubwind. An der Küste des Roten Meeres ist das Klima etwas gemäßigter mit weniger heißen Sommern (um 35 °C) und milden Wintern (auch nachts nur selten unter 10 °C).

Dank der Größe des Landes lassen sich fünf detailliertere Klimagebiete beschreiben:

Die etwa 700 km lange Mittelmeerküste und das Nildelta zeichnen sich durch milde Winter und sehr warme Sommer aus. Im Winter bewegen sich die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei 17–20 °C, während sie in der Nacht auf etwa 8–11 °C fallen. Dazu gibt es für ägyptische Verhältnisse mit bis zu 200 mm bedeutenden Niederschlag – das entspricht rund 30 jährlichen Regentagen in der Region um Alexandria, fast alle davon im Winter. Das Frühjahr ist warm und trocken, ebenso der Herbst, wobei die höchsten Temperaturen im Frühjahr und nicht im Hochsommer gemessen wurden (42–45 °C). Im Sommer wird es sehr warm mit Tageswerten von 28 bis 32 °C beziehungsweise 19–24 °C in der Nacht. Es gibt demnach geringe Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und es fällt kein Niederschlag mehr. Die Luftfeuchtigkeit ist das ganze Jahr über relativ hoch (60–75 %), was die Luft oft heißer empfinden lässt als sie ist. Das Meer lädt im Sommer mit Werten von bis zu 28 °C zum Baden ein, im Winter kühlt es auf 16–18 °C ab.

Das fruchtbare Niltal bei Luxor

Das untere Niltal, das sich grob als von Kairo bis Asyut reichend einteilen lässt, ist ebenfalls von milden Wintern geprägt, die Sommer sind allerdings heißer als im Nildelta und an der Mittelmeerküste, und es gibt ganzjährig kaum Niederschlag (5–30 mm). Die Luftfeuchtigkeit ist mit 40–60 % ebenfalls merklich geringer. An Wintertagen klettert die Quecksilbersäule meist auf 18–22 °C, um in den Nächten auf kältere Werte als an der Küste zu fallen (4–9 °C). Mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht ist sogar Morgenfrost möglich. Frühjahr und Herbst sind kürzer und wärmer als an der Küste, die Sommer länger und heißer mit Temperaturen von 34 bis 37 °C am Tag und 20–22 °C in der Nacht. Die Spitzenwerte belaufen sich auf bis zu 48 °C.

Das obere Niltal teilt die klimatischen Eigenschaften mit den östlich und vor allem westlich davon gelegenen Wüstengebieten und Oasen. Die Winter sind ebenfalls mild (19–22 °C) mit kühlen Nächten (5–10 °C). Frühjahr und Herbst sind sehr kurz und warm, die Sommer lang (Ende April bis Ende Oktober), heiß und staubtrocken. Die durchschnittlichen Tageswerte erreichen 38–42 °C, die Nachtwerte 22–26 °C. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig eher gering (15–50 %), begleitet von beinahe völliger Niederschlagslosigkeit. In Städten wie Assuan, Luxor oder Dakhla misst man in der Regel 0–2 Regentage im Jahr. Hitzewellen können Temperaturen von über 50 °C bewirken.

Die Küstengebiete am Roten Meer kennen milde bis warme Winter mit sehr moderaten Temperaturen: kaum unter 20 °C am Tag und 10–13 °C in der Nacht. Frühjahr und Herbst sind ziemlich warm, die Sommer sehr warm bis heiß und extrem trocken. Tagsüber sind 34–38 °C zu erwarten, mit gelegentlichen Hitzeperioden von über 40 °C, nachts sinken die Werte meist nicht unter 25 °C. Die Luftfeuchtigkeit beträgt ganzjährig 30–55 %, Niederschlag gibt es praktisch nicht (0–3 Tage). Das Meer lädt mit rund 20–29 °C ganzjährig zum Baden ein.

Das Sinai-Gebirge stellt klimatisch gesehen in einer Hinsicht eine Besonderheit in Ägypten dar: Durch seine höheren Lagen fallen hier die Winter sehr kühl aus (12–15 °C am Tag, 0–5 °C in der Nacht). Frühjahr und Herbst sind dementsprechend etwas länger, die Sommer trotzdem sehr warm mit tagsüber meist 32 °C. In den Nächten fallen die Werte aber auf kühlere 15–18 °C. Im Übrigen (Niederschlag, Luftfeuchtigkeit) bietet sich hier dasselbe Bild wie anderenorts auch: 1–3 Regentage im Jahr und 20–40 % Luftfeuchtigkeit.

Flora und Fauna

Nil bei El-Minija

Die natürliche Vegetation ist wegen der geringen Niederschläge wie auch der intensiven agrarischen Nutzung des Niltals stark eingeschränkt. Die Wüste ist fast völlig vegetationslos, vereinzelt wachsen Tamarisken, Akazien und Dornsträucher, in der Wüstensteppe auch Hartgräser; entlang dem Nilufer gruppieren sich Nilakazien, Dattelpalmen, Maulbeerfeigen und Johannisbrotbäume sowie eingeführte Kasuarinen. Typisch für das Nildelta sind Lotuspflaumen, Bambusrohr und Schilfgewächse; die im Altertum hier kultivierten Papyrusstauden gibt es kaum noch.

Die Fauna Ägyptens ist reich an Wasservögeln im Deltabereich und am Nil (v. a. Reiher, Kraniche und Nilgänse); während der Wintermonate gesellen sich viele europäische Zugvögel hinzu. An Raub- und Aasvögeln sind Milane, Bartgeier und Habichte heimisch. Zu den größeren Säugetierarten des Landes gehören – neben den domestizierten Kamelen, Eseln, Schafen und ZiegenSchakale, Hyänen, Fenneks, Falbkatzen und – in den Gebirgsregionen – Nubische Steinböcke. Die Wüste wird von Hasen, Springmäusen, mehreren Eidechsenarten, Skorpionen belebt. In den ländlichen Gebieten am Nil kommt die Ägyptische Kobra vor; am Nassersee leben noch einige Krokodile. Im Nil und in den Seen an der Deltaküste gibt es mehr als 190 verschiedene Fischarten.

Nationalparks

In Ägypten gibt es drei Nationalparks
Name Gründung Größe [ha] Bemerkung Karte Ansicht
Gebel-Elba-Nationalpark 1986 3.560.000 im umstrittenen
Hala’ib-Dreieck
Ras-Mohammed-Nationalpark 1983 48.000
Wadi-al-Gamal-Nationalpark 2003 745.000

Überblick

Ägyptens Durchschnittsalter betrug im Jahr 2016 23,8 Jahre.
Demografie
Bevölkerungsdichte

Die Ägypter siedeln primär im Niltal, im Nildelta, am Suezkanal und an touristisch bedeutsamen Orten am Meer. In den westlichen Oasen Al-Fayyūm, Dachla, Farafra, Siwa und Charga leben nur wenige Menschen. Die Region um den Nil ist eine der am dichtesten bevölkerten Flächen weltweit.

Das Bevölkerungswachstum wurde 2017 auf 2,45 % pro Jahr geschätzt. Um 1800 hatte das Land nur etwa 2,5 Millionen Einwohner und im Jahre 1900 etwa 12,5 Millionen Einwohner. 1960 waren es etwa 29 Millionen Einwohner und 2000 70 Millionen. Im Juli 2017 wurde die Gesamtzahl der Einwohner Ägyptens auf über 97 Millionen geschätzt. Das rasante Bevölkerungswachstum wird von Beobachtern als „demografische Zeitbombe“ gesehen, (vgl. Überbevölkerung und Youth Bulge) Die Lebenserwartung betrug laut Zahlen der UN im Zeitraum von 2010 bis 2015 70,8 Jahre (Frauen: 73,1; Männer: 68,7).

In der Vergangenheit, etwa zu Zeiten der Pharaonen, hatte das Land zwischen 4 und maximal 12 Millionen Einwohner, eine Bevölkerungszahl, die auch für die Spätantike angenommen wird. Rund 48 % der Ägypter lebten 2018 in Städten, 33,3 % waren unter 15 Jahre alt. Die Fertilität lag bei 3,47 Kinder pro Frau. Bis 2050 wird mit über 150 Millionen Einwohnern gerechnet.

Etwa 2,7 Millionen Ägypter lebten im Jahr 2010 im Ausland. Die meisten von ihnen, etwa 70 %, lebten in arabischen Staaten: 923.600 in Saudi-Arabien, 332.600 in Libyen, 226.850 in Jordanien und 190.550 in Kuwait. Die verbleibenden 30 % leben zumeist in Europa, beispielsweise 90.000 in Italien sowie in Nordamerika: 318.000 in den Vereinigten Staaten, 110.000 in Kanada.

2017 waren in Ägypten 0,5 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Die größten Gruppen davon waren Syrer und Palästinenser.

Bevölkerungsentwicklung
Zensusjahr Einwohnerzahl
1963 30.000.000
1976 36.626.000
1986 48.205.049
1996 59.276.672
2006 72.798.031
2017 94.798.827
2020 102.334.000

Volksgruppen

Im Süden Ägyptens sind noch etwa 140.000 Nubier ansässig, eine größere Zahl lebt ebenfalls in den Städten. Viele von ihnen wurden aufgrund des Baus des Nasser-Staudamms vom Süden nach Kom Ombo umgesiedelt. In der Libyschen Wüste lebten einst Berberstämme, von denen heute allerdings nur noch wenige in der Oase Siwa wohnen. Daneben gibt es etwa 70.000 arabische Beduinen, welche nomadisch in den Wüsten des Landes leben. Ferner leben in der Wüste östlich des Nils auch Bedscha-sprachige Nomaden.

Im Norden Ägyptens leben darüber hinaus auch Italiener, Türken, Abchasen und Briten. Die einst florierenden griechischen und jüdischen Gemeinden sind nahezu verschwunden, nur eine kleine Zahl verblieb in Ägypten; jedoch besuchen viele ägyptische Juden das Land für religiöse Ereignisse und für den Tourismus: noch heute finden sich in Kairo und Alexandria viele archäologische und historische jüdische Stätten.

Sprachen

Die Amtssprache ist Arabisch. Als lokale Muttersprache wird mehrheitlich Ägyptisch-Arabisch, ein neuarabischer Dialekt, gesprochen. Schriftsprache ist jedoch seit der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert das Hocharabische, nur in der koptischen Kirche wird als Liturgiesprache noch das Koptische verwendet, geschrieben in einer eigenen Schrift, die von der griechischen – und einige Zeichen von der demotischen Schrift – abgeleitet ist.

Im Süden und in der Oase Charga sprechen viele Menschen Nubisch. In der Oase Siwa spricht man noch eine Berbersprache, das so genannte Siwi. Im Südosten gibt es auch Bedscha-Sprecher. Außerdem gibt es rund 230.000 Domari-Sprecher – eine indoiranische Sprache.

Als Fremdsprache ist in der Oberschicht Französisch und in letzter Zeit vor allem Englisch verbreitet. Die wichtigsten Sprachen der europäischen Minderheiten waren Griechisch, Armenisch (Westarmenisch) und Italienisch. Im Alexandria des späten 19. Jahrhunderts gab es eine große Gemeinschaft von italienischen Ägyptern, so dass italienisch bis ins 20. Jahrhundert die Verkehrssprache der Stadt war.

Religionen

Staatlich anerkannt sind nur Muslime, Christen und Juden. Daneben gibt es noch rund 5700 Bahais, etwa 150 Mormonen und verschiedene kleinere ägyptische Religionsgemeinschaften, die zum Teil von systematischer Unterdrückung und Verfolgung betroffen sind. Die Bahais, deren Institutionen 1960 durch ein Gesetz aufgelöst wurden, kämpfen um staatliche Anerkennung.

Muslime

Etwa 90 % der Einwohner Ägyptens bekennen sich zum sunnitischen Islam, Schiiten und Ahmadis haben zahlenmäßig nur eine sehr geringe Bedeutung. Viele ägyptische Muslime gehören einem sufischen Orden an. Besonders verbreitet sind die Schādhilīya, die Chalwatīya, die Badawīya und die Burhānīya.

Seit Ende der 1920er Jahre existiert in Ägypten mit der Muslimbruderschaft eine islamistische Massenbewegung, die zeitweise auch politisch sehr einflussreich war, aber immer wieder verboten wurde. In den 1960er Jahren, als viele Muslimbrüder in den Gefängnissen einsaßen, kam es in ihren Kreisen zu einer Radikalisierung. Der Ideologe Sayyid Qutb entwickelte seine Theorie von der Dschāhilīya und erklärte alle Muslime, die sich nicht an die Scharia hielten, für ungläubig. In den 1970er Jahren bildeten sich mehrere militant-islamistische Gruppen, die sich ideologisch an Sayyid Qutb orientierten und Terroranschläge begingen, so insbesondere at-Takfir wa-l-Higra, al-Dschamāʿa al-islāmiyya und die Dschihad-Organisation. Einige Anhänger dieser Gruppen haben sich später der Terrororganisation al-Qaida angeschlossen, so zum Beispiel Aiman az-Zawahiri, der heute diese Organisation anführt. Eine vom Sinai aus operierende militant-islamistische Gruppe sind die Ansar Bait al-Maqdis, die sich im November 2014 dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben.

Sichtbares Zeichen einer zunehmenden Islamisierung der Gesellschaft sind die immer häufiger zu sehenden tief verschleierten Frauen. Dies ist unter anderem auf den stärkeren Einfluss von konservativen Strömungen aus den Golfstaaten (verstärkt durch die Rückkehr von ägyptischen Wirtschaftsmigranten aus der Region) zurückzuführen. Noch in den 1990er Jahren war die Mehrheit der ägyptischen Frauen gänzlich unverschleiert.

Christen

Hauptartikel: Christentum in Ägypten

Vor der Islamischen Expansion im 7. Jahrhundert war in Ägypten das Christentum die dominierende Religion; der Evangelist Markus soll der Überlieferung nach in Ägypten Mitte des 1. Jahrhunderts missioniert haben. In Mittel- und Oberägypten (nicht selten in überwiegend christlichen Dörfern), aber auch in Kairo und Alexandria gibt es eine koptische Minderheit, die mit anderen Christen zwischen vier und 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Ägyptens umfasst. Die staatlichen und kirchlichen Zahlenangaben differieren stark (nach offiziellen Angaben machen die Christen nicht mehr als sechs Prozent der Bevölkerung aus). Die ägyptischen Christen sind von Diskriminierungen betroffen; nach der Revolution 2011 haben etwa 100.000 das Land verlassen.

Andere, neben der koptischen Kirche, in Ägypten vertretene altorientalische Kirchen sind die Armenische Apostolische Kirche mit rund 15.000 Mitgliedern und die Syrisch-Orthodoxe Kirche mit lediglich rund 500 Mitgliedern. Bis heute besteht die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Alexandrien, die mehr als 200.000 Gläubige in Ägypten zählt. Eine weitere orthodoxe Kirche mit Sitz in Ägypten ist die Orthodoxe Kirche am Sinai, der im Katharinenkloster und dessen Umgebung aber nur noch rund 50 Personen angehören.

Daneben gibt es noch kleinere christliche Gemeinschaften wie die Zeugen Jehovas mit 25.000 Mitgliedern und die Siebenten-Tags-Adventisten mit etwa 700 aktiven Mitgliedern. Die Zeugen Jehovas veröffentlichen seit ihrem Verbot im Jahr 1960 keine Daten mehr über ihre Mitgliederzahlen in Ägypten.

Juden

Bereits seit der Antike gibt es jüdische Gemeinden im Land. Heute leben in Ägypten nur noch sehr wenige Juden. 1947 waren es 75.000, 1948 noch 66.000 Juden. Infolge des Ersten Arabisch-Israelischen Kriegs, der Sueskrise und des Sechstagekriegs wurden beinahe alle ägyptischen Einwohner jüdischen Glaubens ausgewiesen und vertrieben, oder flohen. Bis 1968 mussten fast alle ägyptischen Juden auswandern oder ins Ausland flüchten. Von 1945 bis 1949 fanden auch die Pogrome von Kairo gegen die jüdische Minderheit statt.

Seit 1979 der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel abgeschlossen wurde, sind die Juden in Ägypten in ihrer Religionsfreiheit nicht mehr eingeschränkt, sie bilden aber nur mehr eine marginale, überalterte Minderheit.

Ungläubige und Nichtreligiöse

Der Anteil an "Nichtreligiösen" in Ägypten wuchs von rund 3 % im Jahr 2013 auf rund 10 % im Jahr 2019, obwohl nicht weiter differenziert wurde, was "nicht religiös" für diese Menschen bedeutet; der Begriff kann alles beinhalten von "Religion ist mir nicht wichtig" bis "ich bin überzeugter Atheist".

Hauptartikel: Geschichte Ägyptens

Aufstieg einer Hochkultur

Altägyptischer Streitwagen

Die Hochkultur Ägyptens begann um 3000 v. Chr. mit der Schaffung eines Königreiches durch die Vereinigung von Ober- und Unterägypten unter dem legendären Pharao Menes, der in Memphis residiert haben soll. Die Einteilung der Pharaonenzeit in 30 Dynastien geht auf den ägyptischen Priester Manetho zurück, der im 3. Jahrhundert v. Chr. eine ägyptische Geschichte geschrieben hat.

Mit der 3. Dynastie entstand das Alte Reich, in dem sich Staat und Gesellschaft, Kunst und Religion ausformten und der als Verkörperung des Himmelsgottes verehrte König (Pharao) autokratisch über alle 42 Gaue seines Landes herrschte. Unter Pharao Djoser (um 2610–2590) und den Herrschern der 4. und 5. Dynastie dehnte sich das Reichsgebiet bis südlich von Assuan aus. Die Pharaonen wurden jetzt als Söhne des Sonnengottes Re angesehen.

Nach dem Zerfall des Alten Reiches gelang es erst einem Gaufürstengeschlecht aus dem Süden unter Mentuhotep II. (2061–2010) die Länder im Mittleren Reich (11. bis 14. Dynastie) wieder zu einigen. Als neue Hauptstadt wurde Theben mit den Tempelstätten Karnak und Luxor gegründet; bald lag jedoch die Residenz wieder im Norden. Um 1650 rissen die aus Asien stammenden Hyksos die Herrschaft über Ägypten an sich. Sie brachten Pferd und Streitwagen ins Land und damit eine neue Art der Kriegstechnik.

Fürst Kamose und seinem Nachfolger Ahmose I. gelang es um 1550 v. Chr. wiederum in Theben das Neue Reich (18. bis 20. Dynastie) zu gründen, das sich unter Amenophis I. und Thutmosis I. bis nach Nubien und zum Euphrat erstreckte. Nach der Herrschaft der „Friedensfürstin“ Hatschepsut (1490–1468) unternahm Thutmosis III. Feldzüge nach Syrien und Palästina und festigte das ägyptische Großreich, das sich vom Orontes in Syrien bis zum vierten Katarakt des Nil erstreckte. Unter König Amenophis IV. (1364–1347) kam die Expansion zum Erliegen. Er kümmerte sich vorwiegend um religiöse Fragen und löste durch die Erhebung des Sonnengottes Aton zum alleinigen Gott eine geistige Revolution aus. Unter dem Namen Echnaton regierte er zusammen mit seiner Gattin Nofretete das Reich von der neu gegründeten Residenz Achet-Aton (dem heutigen Tell el-Amarna) aus. Von seinem Nachfolger Tutanchamun (1347–1338) wurde jedoch der Monotheismus zugunsten einer Dreiheit des göttlichen Prinzips wieder abgeschafft. Unter Ramses II. (1290–1224) erlebte das Neue Reich noch einmal eine Blütezeit. Doch die Völkerbewegungen um 1200 brachten eine neue Gefahr für Ägypten, das von den Hethitern, den Libyern und von Seevölkern aus dem Norden bedroht wurde. Nach dem Tod von Ramses III. (1184–1153) setzte ein rascher Niedergang ein, Ägypten löste sich unter fremden Machthabern in eine Vielzahl von Einzelherrschaften auf.

Vom Großreich zur Provinz

Luftaufnahme der Pyramiden von Gizeh 1929

525 v. Chr. wurde Ägypten vom Perserreich erobert und erstmals langfristig Provinz eines fremden Weltreiches; in gewissen Grenzen wurde ihm die Selbstverwaltung und die Religionsfreiheit zugestanden. 332 v. Chr. fiel das 404 wieder unabhängig gewordene Ägypten kampflos in die Hände Alexanders des Großen, der das Land als Teil des Makedonischen Reiches hellenisierte. Nach seinem Tod 323 v. Chr. übernahm sein Feldherr Ptolemaios I. die Verwaltung der ägyptischen Provinz. 305 nahm er als Ptolemaios I. den Titel eines Königs an und begründete damit das Herrscherhaus der Ptolemäer, das Ägypten fast 300 Jahre lang regierte. Sie erhoben das von Alexander gegründete Alexandria zu ihrer Hauptstadt und orientierten sich außenpolitisch auf den Mittelmeerraum.

Nach dem Tod Kleopatras VII., der letzten Herrscherin des Ptolemäerhauses, wurde Ägypten 30 v. Chr. zur römischen Provinz. Mit der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. kam das Land unter oströmisch-byzantinische Herrschaft und verlor durch die Verlagerung der Fernhandelswege nach Konstantinopel einen Teil seiner bisherigen wirtschaftlichen Bedeutung, blieb aber als Getreidelieferant für die oströmische Hauptstadt wichtig und wohlhabend.

Andererseits blieb Ägypten wie auch Syrien von der germanischen Völkerwanderung, die den gesamten europäischen Teil des Reichs in eine existentielle Krise stürzte, unberührt. Die in den Hauptstädten der beiden nach wie vor reichsten Provinzen ansässigen Patriarchen stritten in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts um die Vorherrschaft in der Reichskirche. Im Konzil von Ephesos 431 konnte Alexandria seine Positionen in der gesamten Reichskirche durchsetzen und 449 in der sogenannten Räubersynode noch einmal bekräftigen.

Im Konzil von Chalcedon 451 setzte sich aber Papst Leo der Große mit seinen theologischen Positionen durch, denen sich auch die oströmische Regierung anschloss. Das Patriarchat von Alexandria erkannte die Beschlüsse des Konzils jedoch nicht an. Es bildete sich in der Folge eine unabhängige koptische Kirche im Gegensatz zur Reichskirche, welche zumeist von den Kaisern unterdrückt wurde. Dies und ein hoher Steuerdruck war Ausgangspunkt einer starken Oppositionsbewegung gegenüber dem Oströmischen Reich.

In der Spätantike wurde Ägypten Ausgangspunkt christlicher Mission in Nubien und Äthiopien, deren Kirchen sich eng an die koptische Kirche Ägyptens anlehnten. Das Land blieb reich und ökonomisch bedeutsam, so dass ab 619 zunächst die persischen Sassaniden und dann ab 636 die muslimischen Araber versuchten, es dem Kaiser zu entreißen.

Unter der Herrschaft des Islam

Um 640 eroberten islamische Araber das Niltal; Ägypten wurde von nun an von wechselnden Machtzentren aus – Damaskus, Bagdad, Kairo – beherrscht. Unter den Umayyaden (661–750) siedelten sich arabische Stämme in den fruchtbaren Ebenen an und bestimmten fortan das kulturelle Erscheinungsbild Ägyptens. Mit dem Machtantritt Saladins, des Begründers der Ayyubiden-Dynastie (1171–1249), wurde Kairo zum Zentrum des muslimischen Widerstandes gegen die christlichen Kreuzzüge. Um 1250 erhob sich die Palastgarde, die sich aus Mamluken, ursprünglich zumeist türkische Militärsklaven, zusammensetzte, und übernahm die Macht. Ende des 13. Jahrhunderts vernichteten die Mamluken die letzten Kreuzfahrerstaaten auf asiatischem Boden. Auch nach der Eroberung Ägyptens durch das Osmanische Reich 1517 blieb die Verwaltung in ihren Händen. Der wirtschaftliche Niedergang als Folge der Entdeckung des Seeweges nach Indien (1498) machte Ägypten zu einer der ärmsten Provinzen des Osmanischen Reiches.

Aufstieg und Unabhängigkeit unter der Muhammad Ali-Dynastie

Hauptartikel: Dynastie des Muhammad Ali
Reich der Dynastie 1880 (dunkelgrün)

Die Landung des französischen Expeditionskorps unter Napoleon Bonaparte im Juli 1798 beendete die Herrschaft der Osmanen. Am 1./2. August 1798 vernichtete eine Flotte der Royal Navy unter dem Kommando von Admiral Nelson die französische Mittelmeerflotte
Als nach dem Seesieg des britischen Admirals Nelson bei Abukir im selben Jahr die Franzosen ihren Orientfeldzug abbrechen mussten, nutzte der albanische Offizier Muhammad Ali Pascha die Situation zur Ergreifung der Macht (1805–1849). Er und seine Nachfolger konnten unter osmanischer Oberherrschaft eine gewisse Selbständigkeit erringen, betrieben eine expansive Politik und leiteten die Geschichte des modernen Ägyptens ein. Der Bau des Suezkanals (1859–1869) machte das Land derart von ausländischen Anleihen abhängig, dass die von Großbritannien und Frankreich eingerichtete Staatsschuldenverwaltung zur eigentlichen Regierung des Landes wurde. Zur Sicherung des Verbindungsweges nach Indien erwarb Großbritannien die ägyptischen Kanalaktien, besetzte 1882 das Land und machte es 1914 formell zu einem Protektorat. 1922 wurde Ägypten unter Fu’ad I. ein schon weitgehend selbständiges Königreich und erhielt nach dessen Tod 1936 die Souveränität. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Nordwesten Ägyptens zum Schlachtfeld der deutschen und italienischen Armeen unter Erwin Rommel und den Briten unter Bernard Montgomery. Britische Truppen blieben bis 1946 im Land. 1945 war Ägypten eines der 51 Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen.

Ägypten als Republik

1948 beteiligten sich ägyptische Armeen am arabischen Angriff auf den eben ausgerufenen Staat Israel, wurden aber, wie die anderen arabischen Armeen auch, zurückgeschlagen. Am 23. Juli 1952 (Nationalfeiertag) stürzte die Bewegung der „Freien Offiziere“ den 1936 inthronisierten König Faruk. Die Geschichte der jungen Republik Ägypten wurde zunächst von General Muhammad Nagib, anschließend von dem führenden Kopf der Revolution, Oberst Gamal Abdel Nasser (1954–1970) bestimmt. Nassers sozialistisches Regime unterhielt enge Beziehungen zur Sowjetunion. Die Verstaatlichung der Suezkanal-Gesellschaft 1956 führte zum militärischen Eingreifen Israels, Großbritanniens und Frankreichs. Die Sueskrise wurde durch Intervention der UN beigelegt. 1956 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Für Männer bestand Wahlpflicht, für Frauen nicht. Männer, denen das Wahlrecht zustand, waren automatisch registriert, Frauen mussten einen besonderen Antrag stellen, um ihre politischen Rechte ausüben zu können, und selbst 1972 waren erst 12 Prozent der Frauen registriert. Erst 1979 wurde dieser Nachteil für die Frauen abgeschafft.

1958 schloss sich Ägypten mit Syrien und Nordjemen zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) zusammen, die faktisch nur bis 1961 bestand. Im Sechstagekrieg mit Israel im Juni 1967, in dem israelische Truppen bis zum Suezkanal vordrangen, erlitt das Land eine schwere militärische Niederlage. Nach dem Tod Nassers 1970 wurde Vizepräsident Anwar as-Sadat Staatspräsident. Durch den – teilweise erfolgreichen – Jom-Kippur-Krieg 1973 versuchte Sadat, die Niederlage von 1967 wettzumachen.

1977 leitete Sadat durch eine überraschende Friedensinitiative den Dialog mit Israel ein, der 1979 zum Friedensvertrag und zum Abzug der israelischen Truppen von der Sinai-Halbinsel führte, andererseits jedoch das Land innerhalb der arabischen Welt isolierte und den Widerstand islamischer Fundamentalisten hervorrief. 1981 wurde Sadat, der 1978 zusammen mit Israels Premierminister Menachem Begin den Friedensnobelpreis erhalten hatte, das Opfer eines Attentats. Seinem Nachfolger, dem damals als Vizepräsident amtierenden Husni Mubarak, ist es gelungen, Ägypten wieder als vollrespektiertes Mitglied in die Arabische Liga zurückzuführen. Der Präsident wurde bis zum arabischen Frühling vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit nominiert und anschließend für sechs Jahre durch Volkswahl bestätigt. Zuletzt wurde Mubarak 2005 wiedergewählt. Kritiker merken jedoch an, dass er seit dem Erlass der Notstandsgesetze 1982 bis zu der Revolution 2011 autoritär regierte. Er herrschte demnach über ein pseudodemokratisches System. Sie sagen, dass Wahlen teilweise gefälscht oder verschoben worden waren und manche Oppositionelle nach Scheinprozessen ins Gefängnis kamen. In Ägypten existierte nur so viel öffentliche Opposition, wie Mubarak zuließ. Im von Mubarak am 1. Januar 2006 ernannten neuen Kabinett Nazif blieben die Schlüsselpositionen unverändert.

Nach der Revolution 2011

Vor dem Hintergrund der tunesischen Jasminrevolution begann am 25. Januar 2011 der Arabische Frühling in Ägypten, der sich vor allem auf die Forderung nach Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Demokratie richtete. Im Zuge der Revolution, bei denen circa 850 Demonstranten in Ägypten ums Leben kamen, trat Mubarak zurück. Aus den in drei Runden stattfindenden Wahlen zum Rat des Volkes zwischen dem 28. November 2011 und 10. Januar 2012 ging die von der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei (Muslimbrüder) angeführte Demokratische Allianz für Ägypten als stärkste Kraft mit rund 45 % der insgesamt 498 Sitze hervor. Die salafistische Partei des Lichts wurde mit ca. 25 % der Sitze zweitstärkste Fraktion. Die Nachfolgerparteien der einst regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) verloren stark und kamen auf nur noch 18 Sitze (2010: 420). Es folgten die liberale Neue Wafd-Partei mit 39 (6) Sitzen und der linke Ägyptische Block mit 35 Sitzen. 40 Sitze (70) belegten Unabhängige und Angehörige kleinerer Parteien.

2011 gab es in Ägypten umfangreiche Missionen des Internationalen Komitees vom Blauen Schild (Association of the National Committees of the Blue Shield, ANCBS) mit Sitz in Den Haag zum Schutz der von den Unruhen und Diebstahl bedrohten Kulturgüter (Museen, Archive, Ausgrabungsstätten, Denkmäler etc.).

Aus den Teilwahlen zum Schura-Rat, dem ägyptischen Oberhaus, im Januar/Februar 2012 gingen ebenfalls die Muslimbrüder als stärkste Kraft hervor, gefolgt von den Salafisten der Partei des Lichts und liberalen Kräften. Daraufhin kam es erstmals zu freien Präsidentschaftswahlen. Der erste Wahlgang wurde am 23. und 24. Mai 2012 abgehalten; die Stichwahl wurde am 16. und 17. Juni 2012 abgehalten. Am 24. Juni 2012 wurde das Ergebnis bekanntgegeben: Mohammed Mursi wurde demzufolge mit 51,7 % der gültigen Stimmen zum Präsidenten gewählt und mit seiner Vereidigung am 30. Juni 2012 zum amtierenden Staatsoberhaupt.

Am 15. Juni 2012 wurde das Parlament vom Obersten Militärrat formal aufgelöst und in der Folge den Mitgliedern der Zugang zum Parlament verwehrt, nachdem am Vortag der oberste Gerichtshof das Zustandekommen des Parlaments für verfassungswidrig erklärt hatte, da eine Besetzung eines Drittels der Plätze durch sogenannte „Unabhängige“ nicht erfolgt war.

Ab Juni 2012 erstellte die Verfassunggebende Versammlung, in der Muslimbrüder und Salafisten eine Mehrheit der 100 Sitze hatten, eine neue Verfassung. Über 60 Prozent stimmten beim Referendum für die neue Verfassung. Im November 2012 entzog der neu gewählte Präsident Mohammed Mursi seine Entscheidungen und Dekrete der Kontrolle durch die Justiz und erklärte sie für unantastbar. Die Gewaltenteilung setzte er damit faktisch außer Kraft.

Am 3. Juli 2013 gegen 21 Uhr MESZ verkündete Generaloberst Abd al-Fattah as-Sisi, dass Mursi nach den massiven Protesten in der Bevölkerung durch das Militär abgesetzt worden sei. Der Verfassungsrichter Adli Mansur wurde am 4. Juli 2013 nach diesem Militärputsch als Interimspräsident des Landes vereidigt. Am 8. Juni 2014 trat der parteilose Militär as-Sisi sein Amt als Präsident an. Die unter jahrzehntelanger Misswirtschaft, Korruption und Unruhen leidende Wirtschaft litt durch das Ausbleiben der Touristen zunehmend auch unter Devisenknappheit. Auch Meinungsverschiedenheiten mit Saudi-Arabien (auch aufgrund der neuen Anlehnung an Russland) halfen nicht angesichts der sich ohnehin schließenden Geldhähne der Saudis, während die USA Hilfsgelder an andere Länder wie Tunesien umleiteten. Dass Ägypten weiterhin Geld bekam, lag an der Angst vor einem Kollaps des Landes.

Im März 2015 wurde bekanntgegeben, dass eine neue Hauptstadt 45 Kilometer östlich von Kairo gebaut werden soll.

Im April 2018 wurde as-Sisi mit knapp 97 % der Stimmen für weitere vier Jahre zum Präsidenten des Landes gewählt. An der Freiheit und Unabhängigkeit der Wahl gab es erhebliche Zweifel.

Politisches System

Die bis zur Revolution 2011 geltende Verfassung von 1971 (zuletzt geändert 2005) legte fest, dass Ägypten eine Präsidialrepublik ist; nach einem Verfassungsreferendum vom 16. Januar 2014 trat eine neue Verfassung in Kraft. Bei einer Stimmbeteiligung von 38,6 Prozent stimmten 98,1 Prozent für die von der ägyptischen Übergangsregierung vorgeschlagene neue Verfassung. Diese bestimmt das Land als semipräsidialen Einheitsstaat und verbietet die Gründung politischer Parteien, die sich auf die Religion stützen. Die Verfassung vom Januar 2014 enthält einen im Vergleich zu früheren Verfassungen erweiterten Grundrechtskatalog, der sowohl bürgerlich-politische wie auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte umfasst. Gleichzeitig garantiert sie die Gleichheit von Mann und Frau und schützt die christliche Minderheit im Land. Jedoch räumt die neue Verfassung dem Militär einen Sonderstatus ein, zudem können Zivilisten wieder vor Militärtribunale gestellt werden.

Stellvertretender Vorsitzender des Obersten Ägyptischen Verfassungsgerichts war seit 1992 Adli Mansur.

Präsident

Der Präsident ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt den Premierminister und die Mitglieder des Kabinetts sowie die Gouverneure, die hohen Richter und Offiziere. Er hat zudem ein Vetorecht bei der Gesetzgebung, kann Dekrete erlassen und das Parlament auflösen.

Seit einer Ankündigung des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak vom 26. Februar 2005 wird der Präsident durch freie Wahlen mit mehreren zugelassenen Kandidaten gewählt.

Im Zuge des arabischen Frühlings wurde im Mai / Juni 2012 bei der Präsidentschaftswahl Mohammed Mursi zum Präsidenten gewählt. Am 3. Juli 2013 wurde Mursi nach tagelangen Massenprotesten gegen seine Politik durch einen Militärputsch abgesetzt. Dies löste gewaltsame Auseinandersetzungen aus und führte zu einer Staatskrise. Seit dem 8. Juni 2014 ist As-Sisi Präsident Ägyptens.

Parlament

Das Einkammerparlament Ägyptens besteht aus dem Rat des Volkes mit 596 Mitgliedern. Bis 2014 hatte Ägypten ein Zweikammersystem: Das “Volksrepräsentantenhaus” hatte 454 Abgeordnete, von denen 444 alle fünf Jahre gewählt (seit 1986 400 Abgeordnete über Parteilisten und 44 als parteilose Direktkandidaten) und zehn vom Staatsoberhaupt ernannt wurden; beratendes Legislativorgan war ab 1981 der Schura-Rat mit 210 Mitgliedern, von denen zwei Drittel alle drei Jahre gewählt und ein Drittel vom Staatsoberhaupt ernannt wurden. Für alle Ägypter im Alter ab 18 Jahren bestand eine Wahlpflicht. Gemäß der nach dem Militärputsch von 2013 eingeführten neuen Verfassung kann der Präsident das Parlament vorzeitig auflösen. Die 2010 eingeführte Quote von 64 zusätzlichen Parlamentssitzen für weibliche Abgeordnete wurde abgeschafft.

Die letzten Parlamentswahlen fanden 2015 statt. Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, der politische Arm der Moslembrüder und Wahlsieger der letzten Wahl von 2012, wurde nach dem Militärputsch el-Sisis im September 2013 verboten, sodass dieses Mal ein Großteil der Abgeordneten (351 von 596) aus parteilosen und Sisi-nahen “Unabhängigen” besteht. Wahlsieger wurde die ebenfalls den Präsidenten Sisi unterstützende Liste „In Liebe zu Ägypten“ mit 173 der 245 an Parteien vergebenen Abgeordneten.

Religion und Staat

Ägypten ist der Verfassung nach ein islamischer Staat. Das islamische Recht, die Scharia, ist seit 1980 die Hauptquelle der Gesetzgebung. Wichtigste staatliche islamische Institution Ägyptens ist die Azhar, die eine eigene Universität mit 49 Fakultäten, die über das ganze Land verteilt sind, sowie über 80 Institute für die religiöse Ausbildung auf der Primar- und Sekundarstufe unterhält. Sie wird von dem Scheich al-Azhar angeführt, der gleichzeitig als die oberste islamisch-religiöse Autorität des Landes gilt und Ministerrang hat. Eine weitere wichtige islamisch-staatliche Institution ist das Ministerium für religiöse Stiftungen, dem auch der Oberste Rat für islamische Angelegenheiten unterstellt ist.

Das islamische Erziehungssystem in Ägypten ist generell auf die Vermittlung von Werten wie Respekt und Toleranz gegenüber Andersgläubigen ausgerichtet, allerdings wird in den Büchern, die den Lehrplan bestimmen, auch unmissverständlich deutlich gemacht, dass der Islam den anderen Religionen gegenüber überlegen ist. Terrorismus und Extremismus werden jedoch streng verurteilt und den Schülern dringend empfohlen, sich davon fernzuhalten.

Theoretisch gewährt Artikel 18 der ägyptischen Verfassung allen Bürgern Religionsfreiheit, aber in der Praxis ist diese eingeschränkt. Lange Zeit konnte man auf staatlichen Ausweisen nur zwischen den drei offiziell anerkannten Religionen Islam, Christentum und Judentum wählen. Angehörige anderer Religionen müssen ihren Glauben entweder verleugnen, oder sie erhalten keine Ausweise und verzichten dadurch weitgehend auf ihre Bürgerrechte. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit änderte der Staat die Praxis der Ausweisausstellung dahingehend, dass bei Angehörigen anderer Religionen das entsprechende Feld durchgestrichen wird. Ersteres trifft auf Muslime zu, die zu einer anderen Religion, wie dem Christentum, konvertieren; für solche Personen wird von zahlreichen Politikern und Religionsgelehrten sogar die Todesstrafe gefordert. Die christliche Minderheit in Ägypten sieht sich heute mit immer stärkeren Diskriminierungen seitens der ägyptischen Behörden und der islamischen Religionsvertreter konfrontiert.

Politische Indizes

Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene politische Indizes
Name des Index Indexwert Weltweiter Rang Interpretationshilfe Jahr
Fragile States Index 86,0 von 120 35 von 178 Stabilität des Landes: große Warnung
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
2020
Demokratieindex 2,93 von 10 138 von 167 Autoritäres Regime
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2020
Freedom in the World 21 von 100 --- Freiheitsstatus: nicht frei
0 = unfrei / 100 = frei
2020
Rangliste der Pressefreiheit 56,17 von 100 166 von 180 Sehr ernste Lage für die Pressefreiheit
0 = gute Lage / 100 = sehr ernste Lage
2021
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 33 von 100 117 von 180 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber 2020

Menschenrechtssituation

Religionsfreiheit. Besonders in Oberägypten sind die als christliche Minderheit oft benachteiligten Kopten Ziel von Terror und Schutzgelderpressungen radikaler Muslime geworden. Neue koptische Kirchen dürfen zwar gebaut werden, bedürfen aber wegen des zum Teil immer noch gültigen Hamayouni-Dekret aus dem Jahre 1856 eine Erlaubnis des ägyptischen Präsidenten. Auch kleinere Reparaturen erfordern einen Präsidialerlass. Auch war Ägypten 1966 daran beteiligt, die in der Menschenrechtsdeklaration von 1948 enthaltene Formulierung „the freedom to change his religion or belief“ abzuschwächen, sodass es nun in Artikel 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte heißt: „the freedom to have or adopt a religion or belief.“

Frauenrechte. Ägypten hat die UN-Frauenrechtskonvention nur mit Vorbehalten ratifiziert und das Zusatzprotokoll zur Frauenrechtskonvention überhaupt nicht unterzeichnet. Nach USAID-Angaben erlitten 2005 96,4 % der damals 10–14 Jahre alten ägyptischen Mädchen eine Genitalverstümmelung; eine UNICEF-Statistik gibt, bezogen auf das Jahr 2003, eine Inzidenz von 97,0 % in der Altersgruppe der zwischen 15 und 49 Jahre alten Frauen an. Damit liegt das Land weltweit an der Spitze bei der Verstümmelung weiblicher Genitalien. Im Zuge des Verfassungsreferendums im Jahr 2012 wurde ein Absatz zur Gleichstellung der Frau aus der Verfassung gestrichen.

Folter. In Ägypten ist Folter verbreitet. Die am häufigsten geschilderten Foltermethoden sind Elektroschocks, Schläge, das Aufhängen an Hand- oder Fußgelenken, das Ausdrücken von Zigaretten auf dem Körper sowie verschiedene Formen der psychologischen Folter und Misshandlung, darunter die Androhung der Vergewaltigung oder sexuellen Misshandlung von Gefangenen oder deren weiblichen Verwandten. Die Regierung der USA benutzte, wie im Fall des Imams Abu Omar, Ägypten als Zwischenstopp für Personen, die vom CIA entführt wurden und beauftragte dafür unter anderem die CIA-Firma Aero Contractors. In Ägypten wird außerdem auch die Todesstrafe angewandt.

Die Meinungsfreiheit ist in Ägypten schon seit Jahren eingeschränkt und hatte sich mit der Präsidentschaft von Husni Mubarak noch verschlechtert. Vor dem 5. Jahrestag der Revolution im Januar 2016 wurden zahlreiche Verhaftungen von Demonstranten, Journalisten und anderen bekannt, offensichtlich weil die Regierung verstärkte Proteste zum Jahrestag befürchtete. Bei Protesten gegen die Regierung der Muslimbrüder kam es 2012 zu schweren Ausschreitungen. Oppositionelle Demonstranten wurden verwundet und inhaftiert, viele davon brutal geschlagen.

Die Videoplattform YouTube wurde aufgrund eines islamfeindlichen Videos Anfang 2013 für einen Monat gesperrt. Unter Mursi wurden unter anderem kritische Journalisten mit Klagen wie Verleumdung, Beleidigung des Präsidenten und Verunglimpfung des Islam bereits verurteilt, sowie Herausgeber und Chefredakteuren von staatlichen Zeitungen wurden mit regierungstreuen Journalisten ersetzt. Beispielsweise wurde 2013 eine koptische Lehrerin wegen Gotteslästerung verurteilt.

Nach der Staatskrise in Ägypten 2013 verbesserte sich die Menschenrechtslage nicht. Allein am 3. Juli 2013 wurden 660 Männer verhaftet. Darunter prominente Anhänger des früheren Präsidenten Mohammed Mursi und Mitglieder der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei. In den Gefängnissen wurden diese geschlagen, mit Elektroschocks gefoltert und mit Gewehrkolben malträtiert.

Homosexualität ist illegal. Nach einer 2013 durchgeführten Erhebung glauben 95 % der Ägypter, dass Homosexualität in Ägypten nicht von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte.

Außenpolitik

Donald Trump mit dem ägyptischen Präsidenten as-Sisi und dem saudischen König Salman in Riad

Ägypten ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Welthandelsorganisation (WTO), der Afrikanischen Union (AU) und der Arabischen Liga. Ägypten ist neben Jordanien das einzige Land im Nahen Osten, das Frieden mit Israel geschlossen hat. Die auf Verständigung mit Israel ausgerichtete Politik wird von Islamisten – unterstützt von Iran, Libyen und Sudan – dazu genutzt, gegen den Staat Ägypten zu opponieren. Die Islamisten wurden von Mubarak auf Grundlage der seit 1981 bestehenden Notstandsgesetze bekämpft.

Die Vereinigten Staaten nahmen Ägypten 1989 in die Liste ihrer wichtigsten Verbündeten außerhalb der NATO auf. Damit wird Ägypten auf dessen Anfrage hin bei individuell festgelegten amerikanischen Rüstungsprogrammen anderen Ländern gegenüber bevorzugt, sogar gegenüber einigen NATO-Mitgliedern. Bei einer fünftägigen Nahost-Reise bat die US-amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice am 22. Februar 2006 ihren Amtskollegen Ahmed Aboul Gheit um Unterstützung für Washingtons Kurs gegenüber dem Iran und der von der Hamas geführten Palästinensischen Autonomiebehörde.

Nach Gesprächen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem österreichischen Präsidenten Heinz Fischer in Berlin und Wien, bei denen ebenfalls der Nahost-Friedensprozess und das iranische Atomprogramm Thema waren, rief Mubarak am 13. März 2006 Israel und die Hamas zu sofortigen Friedensgesprächen und zur Beendigung der Gewalt auf. Nach dem Abzug jüdischer Siedler aus dem Gazastreifen einigten sich Ägypten, Israel und Palästina Mitte September 2005 darauf, dass zur Kontrolle der rund 14 km langen Grenze zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen 750 ägyptische Soldaten postiert werden.

Nach der Revolution und der Machtübernahme der Muslimbrüder verschlechterten sich die Beziehungen zu Israel. Der islamistische Präsident Mohammed Mursi unterstützte während der Operation Wolkensäule die Hamas. Außerdem bezeichnete er die Zionisten in einem Video als Nachfahren von Affen und Schweinen. Mursi besuchte auch Deutschland, wo er sagte, dass er nicht die Juden, sondern lediglich die Personen, die am Blutvergießen Schuld tragen, gemeint hatte. Mursi ist ein Unterstützer der Aufständischen in Syrien, was Beziehungen zum Iran verschlechterte. Trotzdem ist er der erste ägyptische Präsident, der nach der Islamischen Revolution Beziehungen zum Iran wiederherstellte.

Nach dem Sturz Mursis verbesserten sich die Beziehungen zu Russland, während das Verhältnis mit den Vereinigten Staaten angespannt ist, da diese nach dem Umsturz finanzielle Hilfe einfroren.

Anfang 2018 wurde bekannt, dass Ägypten und Israel eng bei der Bekämpfung von Terroristen im Sinai zusammenarbeiten und Präsident as-Sisi seit 2015 mehr als 100 israelische Luftangriffe auf ägyptisches Staatsgebiet durch israelische Flugzeuge, Kampfhubschrauber und Drohnen genehmigte. Gleichzeitig griff as-Sisis Regierung offiziell Israel in Reden und Artikeln immer wieder an.

Hauptartikel: Streitkräfte Ägyptens

Die Streitkräfte Ägyptens werden als die stärkste Militärmacht auf dem afrikanischen Kontinent angesehen und rechtfertigen den Status einer Regionalmacht im Nahen Osten. Das Militärbudget (2010) beträgt 2,4 Milliarden US-Dollar, wobei rund 1,3 Milliarden durch die Militärhilfe aus den USA finanziert wurde. Die Streitkräfte unterstehen dem Staatsoberhaupt, der auch gleichzeitig als Oberkommandant den höchsten militärischen Rang bekleidet. Organisiert sind die Streitkräfte in vier Zweigen: Einerseits die klassischen Sparten des Ägyptischen Heeres, der Luftwaffe und der Ägyptischen Marine; zusätzlich fungiert das Luftverteidigungskommando als eigene Teilstreitkraft des Militärs. In Ägypten herrscht eine dreijährige Wehrpflicht für Männer ab achtzehn Jahren. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums werden allerdings nicht mehr sämtliche Rekruten eingezogen, da einer Jahrgangsstärke von über 800.000 Dienstpflichtigen 450.000 aktive Soldaten gegenüberstehen. Allerdings verfügt der Staat noch zusätzlich über circa 250.000 paramilitärische Kräfte, die dem Innenministerium unterstehen und zur Inneren Sicherheit herangezogen werden. Mit der außenpolitischen Annäherung unter Anwar as-Sadat eröffnete sich Ägypten auch den Zugang zu US-amerikanischen Waffenlieferungen, die seit den achtziger Jahren zu einer bedeutenden Modernisierung der Streitkräfte beigetragen haben.

Ägypten ist in 27 Gouvernements (arabisch محافظات, DMG muhāfaẓāt, Singular محافظة / muhāfaẓa) unterteilt, an deren Spitze jeweils ein Gouverneur im Ministerrang steht. Der ausgeprägte Zentralismus Ägyptens soll allmählich zugunsten einer größeren Selbstverwaltung auf regionaler Ebene abgebaut werden. Die größten Städte sind (Mio. Einwohner, Stand: 2006) Kairo (7,8), Alexandria (4,1) und Gizeh (3,1), Schubra al-Chaima (1,0), Port Said (0,6), Suez (0,5) und Luxor (0,5).

Allgemein

Wohnunterkunft in einer ägyptischen Stadt

Alle Arbeitnehmer sind sozialversichert; es gibt eine Kranken-, Alters- und Invalidenversicherung, die jedoch nur geringe Grundabsicherungen übernehmen. Geleistet werden auch Hinterbliebenenrenten, Krankengeld und Arbeitslosenunterstützung. Durch geringe Löhne und die Arbeitslosigkeit (Arbeitslosenquote 2017 bei 11,9 % mit einer hohen verdeckten Arbeitslosigkeit) müssen rund 20 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag leben. Unabhängige Gewerkschaften werden unterdrückt, konnten aber nach mehreren Protesten 2010 ihr Recht zu einer offiziellen Gründung durchsetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass von den einst drei Millionen ägyptischen Gastarbeitern im Ausland sehr viele wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind – vor allem aus Kuwait und aus dem Irak. Generell lässt sich sagen, dass auf dem Land eine saisonale Arbeitslosigkeit typisch ist; in den Städten herrscht dagegen eher permanente Unterbeschäftigung. Die Inflation lag im gleichen Zeitraum bei 4,5 % im Durchschnitt.

Stand 2020 leben mehr als 30 Millionen Ägypter laut Regierungsangaben unterhalb der Armutsgrenze (von weniger als 45 Dollar im Monat).

Das Gesundheitssystem ist in den Städten für afrikanische Verhältnisse relativ gut entwickelt, auf dem Lande gibt es noch gravierende Lücken. Einseitige Ernährung und mangelnde Hygiene sind Ursachen für endemische Krankheiten (etwa Bilharziose); ein weiteres Problem stellen die verschiedenen Arten von Hepatitis, insbesondere Hepatitis A und C, dar. Zugleich bilden fortgeschrittene Hepatitis-Erkrankungen eine der Haupt-Todesursachen für die einheimische Bevölkerung Ägyptens. Zu den weiteren wichtigen Krankheiten im Land zählt Diphtherie; Malaria tritt dagegen eher selten auf.

Entwicklung der Lebenserwartung in Ägypten

Jahr Lebenserwartung
in Jahren
Jahr Lebenserwartung in
Jahren
1960 48,0 1990 64,5
1965 50,5 1995 66,8
1970 52,1 2000 68,6
1975 54,7 2005 69,4
1980 58,3 2010 70,3
1985 61,8 2015 71,3

Quelle: UN

Bildung

Umfassende Reformen und Investitionen, strategische Konzepte und Modernisierungen im Bildungswesen sind dringend erforderlich. Jahrzehntelange Versäumnisse haben zu einer Stagnation im staatlichen Schulwesen geführt. Das starke Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende ständig steigende Bedarf an Bildungseinrichtungen stellt die ägyptische Regierung vor eine enorme Herausforderung.

Allgemeine Schulpflicht bei kostenlosem Unterricht besteht für 6- bis 12-Jährige. Das derzeitige Schulsystem wurde 1952 eingeführt; ihm zufolge schließen sich an die Grundschule eine dreijährige Vorbereitungs- und eine dreijährige Sekundarschule an, darauf folgt die Hochschulausbildung. In Ägypten stieg die mittlere Schulbesuchsdauer über 25-Jähriger von 3,5 Jahren im Jahr 1990 auf 7,1 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Schulbesuchserwartung beträgt bereits 13,1 Jahre. Die Analphabetenrate betrug im Jahr 2015 etwa 26 %. Ein Grund dafür liegt darin, dass auf einen Lehrer rund 50 Schüler kommen und weniger Mädchen als Jungen die Schule besuchen. Ägypten ist zwar um die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung bemüht – konkret lässt sich dieser Versuch aber nicht mit Zahlen belegen. Viele der eingeschulten Mädchen verlassen die Schulen frühzeitig, um im Haushalt zu helfen oder verheiratet zu werden. Aufgrund der geringen öffentlichen Bildungsausgaben hat sich in Ägypten ein wesentlicher privater Bildungssektor herausgebildet, der aufgrund der Armut und der Gebühren aber nur einem kleinen Teil zur Verfügung steht. Von den zwölf Universitäten Ägyptens befinden sich fünf in Kairo. Eine Besonderheit stellt die Kairoer al-Azhar-Universität dar; sie ist seit 983 Zentrum islamischer Gelehrsamkeit.

Flüchtlinge

Bei der gewaltsamen Räumung eines von rund 2500 sudanesischen Flüchtlingen in einem Park in der Kairoer Innenstadt errichteten Zeltlagers durch Sicherheitskräfte am 30. Dezember 2005 kamen 26 Sudanesen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Bei den Sudanesen handelte es sich um abgewiesene Asylbewerber, die mit ihrem drei Monate dauernden friedlichen Sitzstreik die Wiederaufnahme ihrer Asylverfahren hatten erwirken wollen. Nach Prüfung jedes einzelnen Falles durch die Behörden in Zusammenarbeit mit dem UNHCR wurden bis zum 30. Januar 2006 alle 462 bei der Räumung Festgenommenen wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Regierung erklärte, die Flüchtlinge, darunter viele aus der Krisenregion Darfur, würden nicht abgeschoben.

Allgemeines

Suq/Basar in der Altstadt von Kairo

Ägypten hat die nach Südafrika stärkste Industrie Afrikas. Die Landwirtschaft spielt dennoch weiterhin eine erhebliche Rolle. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes betrug im Jahr 2014 ca. 286 Mrd. EUR. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 3.250 EUR. Die Wirtschaft Ägyptens wuchs 2016 um 4,3 Prozent.

Die zuvor eher sozialistische Planwirtschaft Ägyptens wurde ab den 1970er Jahren unter Präsident Anwar as-Sadat liberalisiert und nach außen geöffnet. Insbesondere in den 1990ern wurden mehrere staatliche Unternehmen privatisiert. Ägypten ist nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land Afrikas, allerdings ist die Landwirtschaft nach wie vor eine wichtige Grundlage der Wirtschaft und ein großer Teil der Erwerbsbevölkerung ist in ihr beschäftigt. Der große informelle Sektor (v. a. Dienstleistungen; Schätzungen gehen von 30 % des BIP aus) nimmt zudem einen Großteil der Arbeitskräfte auf. Bei einem Netto-Bevölkerungswachstum von jährlich rund 2 Millionen Menschen ist die Arbeitslosigkeit und insbesondere Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch (offiziell wird die Jugendarbeitslosigkeit mit 28 % angegeben, Schätzungen gehen von höheren Zahlen aus). Ägypten hat ein großes Interesse an ausländischen Direktinvestitionen und fördert diese gezielt. Zahlreiche Handelshemmnisse und Bürokratie schrecken potentielle Investoren jedoch ab. Staatliche Unternehmen sowie das ägyptische Militär spielen im Wirtschaftsleben eine starke Rolle. Die Haupteinnahmequellen Ägyptens sind der Erlös aus dem Erdölexport und der Benutzung des Suezkanals sowie die Gastarbeiterüberweisungen und der Tourismus. Ein gravierendes Problem ist die hohe Auslandsverschuldung, sie betrug 2016 über 90 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Einkommensverteilung im Land ist sehr ungleich. Eine größere Rolle in der Wirtschaft kommt auch dem Militär zu, das zahlreiche Unternehmen betreibt. In den letzten Jahren zeigt sich ein Steigen von Armut, verbunden mit Devisenknappheit und stark gesunkenen Tourismus-Einnahmen. Die Zerrissenheit der politischen Landschaft scheint wirtschaftliche Reformen zu verzögern. Internationale Lebensmittelhilfen (Getreide) werden diskutiert. 2016 verlor die Währung Ägyptens fast die Hälfte ihres Werts.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Ägypten Platz 100 von 138 Ländern (Stand 2017–2018). Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte Ägypten 2018 Platz 139 von 180 Ländern.

Wirtschaftszahlen

Landwirtschaft in Ägypten (2006)
Wachstum des BIP (Bruttoinlandsprodukts) in % gegenüber dem Vorjahr
Jahr 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
BIP (real) 2,2 2,2 2,9 4,4 4,3 4,2 5,3
Quelle: Weltbank
Entwicklung der Inflationsrate Entwicklung des Haushaltssaldos
in % gegenüber dem Vorjahr in % des BIP
(„minus“ = Defizit im Staatshaushalt)
Jahr 2011 2012 2013 Jahr 2011 2012 2013
Inflationsrate 11,1 8,7 10,7 Haushalts-
saldo
−9,9 −11,1 −9,8
Quelle: gtai ~ = geschätzt
Entwicklung des Außenhandels (in Mrd. US-Dollar und in % gegenüber dem Vorjahr)
2016 2017 2018
Mrd. US$ % ggü. Vj. Mrd. US$ % ggü. Vj. Mrd. US$ % ggü. Vj.
Einfuhr 58,1 −21,9 66,3 +14,3 81,0 +22,1
Ausfuhr 22,5 +2,5 25,9 +15,3 29,4 +13,3
Saldo −35,5 −40,4 −51,6
Quelle: gtai
Haupthandelspartner Ägyptens (2018), GTAI
Export (in Prozent) nach Import (in Prozent) von
Italien Italien 7,0 China Volksrepublik Volksrepublik China 14,2
Turkei Türkei 6,9 Saudi-Arabien Saudi-Arabien 7,0
Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 6,8 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 6,7
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 5,9 Russland Russland 6,0
Saudi-Arabien Saudi-Arabien 4,9 Deutschland Deutschland 5,1
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 4,6 Italien Italien 4,3
Spanien Spanien 4,4 Turkei Türkei 4,1
sonstige Länder 59,5 sonstige Länder 52,6

Landwirtschaft

Ägyptische Bauern (1921)

Die landwirtschaftliche Nutzfläche (rund 3 % der Staatsfläche) ist auf das Niltal und das Nildelta sowie einige Oasen begrenzt. Die Bauern (Fellachen) bewirtschaften das Land mit teilweise jahrtausendealten Anbau- und Bewässerungsmethoden. Die Bewässerungsmethoden am Nil wurden jedoch ab Ende des 19. Jahrhunderts von Überschwemmungsbassins auf eine ganzjährige Bewässerung durch Kanalisation umgestellt. Dabei hat sich der landwirtschaftliche Anbau von einer Subsistenz- zu einer Exportorientierung gewandelt, so dass relativ betrachtet weniger landestypische Nahrungsmittel wie Hirse, Saubohnen und Kohl geerntet werden. Um die stark wachsende Bevölkerung zu ernähren, müssen große Mengen importiert werden – im Jahr 1980 wurden über 5 Mio. Tonnen Weizen aus dem Ausland eingeführt, das sind dreimal so viel, wie in Ägypten selbst angebaut wurde. Da weite Teile Ägyptens – mit Ausnahme der bereits genutzten Flächen – sehr arid sind, kaum Wasserquellen für eine künstliche Bewässerung existieren und eine landwirtschaftliche Nutzung daher nicht möglich ist, ist ein Ende der hohen Zahl an Importen nicht in Sicht. Zurzeit werden jedoch im Rahmen des Toshka-Projekts Teile der ägyptischen Wüste westlich des Nil für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Das traditionell bedeutendste Produkt ist die Baumwolle. Außerdem werden Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Hirse, Kartoffeln, Obst und Gemüse angebaut. Die Viehhaltung ist aus Mangel an Dauergrünland auf Futtermittelanbau angewiesen. Rinder und Büffel dienen als Last- und Arbeitstiere sowie neben Schafen und Ziegen der Fleisch- und Milchgewinnung.

Industrie

Bei den größeren Industriebetrieben herrscht meist eine enge Verflechtung zwischen Regierung und Wirtschaft (Regierungsmitglieder als Teilinhaber). Die Zahl privater Unternehmen, zum Teil mit ausländischer Beteiligung wie im Fahrzeugbau, hat seit den 1970er Jahren deutlich zugenommen. Die ältesten Gewerbezweige sind die Verarbeitung von Baumwolle, Zucker und anderen Agrarprodukten. Später kamen Zement-, Düngemittel-, Eisen-, Stahl- und Aluminiumerzeugung, Elektro- und chemisch-pharmazeutische Industrie, Erdölverarbeitung sowie Maschinen- und Fahrzeugbau hinzu. Eines der größten Privatunternehmen ist die Firma Asfour Crystal International (ca. 23.000 Mitarbeiter in Kairo – el Shobra), die auf dem Gebiet der Erzeugung von Bleikristall mit über 30 % Bleigehalt und damit mit der Erzeugung von Kristalllustern für den Privatgebrauch wie auch für die industrielle Nutzung Weltmarktführer sind. Seit 2001 ist das Unternehmen unter anderem auch Weltmarktführer von kristallenen Schmucksteinen und Kristallfiguren. Aufgrund der geringen Exportkraft (siehe Außenhandel) nehmen Aufträge der Regierung für die Produzenten von Baumaterial (Stahl, Zement usw.) eine wichtige Rolle ein.

Bodenschätze, Energie

Der bedeutendste Bodenschatz ist das Erdöl, das vor allem im Golf von Suez, in der Kattarasenke und auf der Sinai-Halbinsel gefördert wird. Außerdem werden Rohphosphate, Eisen- und Manganerze sowie Salz gewonnen. Meist noch unerschlossen sind die Vorkommen von Asbest, Schwefel, Buntmetallen und Uranerzen. Das seit 1975 geförderte Erdgas wird ausschließlich im Inland zur Energieerzeugung und für die Düngemittelproduktion verwendet. Der Bau mehrerer Wärmekraftwerke auf Erdgasbasis sowie einiger Kernkraftwerke ist geplant. Die zwei Wasserkraftwerke am alten Assuan-Staudamm sowie am neuen Hochdamm erzeugen etwa 15 % des ägyptischen Stroms; senkt sich der Wasserspiegel des Nassersees jedoch weiter, ist die Stromerzeugung gefährdet.

Im November 2011 wurde berichtet, dass Ägypten auf Erneuerbare Energien umzusteigen plant. Den Prognosen zufolge wird der Stromverbrauch des Landes jährlich um rund acht Prozent steigen. Eine erste Solarfarm zur Unterstützung der thermischen Stromerzeugung mit 20 MW ging 2011 in Betrieb, bis 2020 sollte der Anteil erneuerbarer Energie bei 20 Prozent liegen. Ebenfalls bis 2020 soll die Kapazität von Windkraftanlagen auf 7,2 GW erhöht werden; Mitte 2013 waren rund 550 MW in Betrieb. Die Windenergienutzung wird durch Ausschreibungen gefördert. Für PV-Solarparks mit 2000 MW installierter Leistung wurde 2015 eine Absichtserklärung unterzeichnet, Mitte 2016 gab es jedoch noch keine substantiellen Fortschritte.

Im November 2015 bzw. März 2016 wurden dagegen Kauf- und Finanzierungsverträge für die drei Gaskraftwerke Beni Suef, Burullus und New Capital abgeschlossen, die nach ihrer 2018 geplanten Fertigstellung mit einer Leistung von je 4800 MW voraussichtlich die drei größten weltweit sein werden. In der Summe werden deren jährliche CO2-Emissionen in etwa denen der größten Braunkohlekraftwerke weltweit in Bełchatów bzw. Neurath entsprechen. Gleichwohl gab es für die Finanzierung eine Garantie der Bundesrepublik Deutschland mittels Hermesbürgschaft.

Außenhandel

Die Außenhandelsbilanz ist schon seit Jahren defizitär. Die Einfuhren können bei weitem nicht durch die Exporteinnahmen finanziert werden, was zu einer enormen Auslandsverschuldung geführt hat. Importiert wurden 2004 Güter im Wert von 19,8 Mrd. US$, darunter 18 % Nahrungsmittel, 17 % Maschinen und Fahrzeuge, 13 % industrielle Vorerzeugnisse, 11 % chemische Erzeugnisse, 8 % Rohstoffe und 8 % Brennstoffe. Die Waren stammten zu 13 % aus den USA, 7 % aus Deutschland, 7 % Italien, 5 % Frankreich, 5 % VR China, 5 % Vereinigtes Königreich, 4 % Saudi-Arabien und 3 % Spanien.

Exportiert wurden im gleichen Zeitraum Güter im Wert von 10,4 Mrd. US$, darunter 40 % Brennstoffe und technische Öle, 20 % industrielle Vorerzeugnisse, 9 % Nahrungsmittel, 8 % Rohstoffe, 5 % chemische Erzeugnisse und 4 % Fertigerzeugnisse. Hauptabnehmer waren zu 13 % Italien, 12 % USA, 7 % Vereinigtes Königreich, 5 % Deutschland, 5 % Spanien, 4 % Frankreich, 3 % Niederlande, 2 % Jordanien, 2 % Türkei, 2 % Südkorea und 2 % Saudi-Arabien.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 92,37 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 60,09 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 9,7 % des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug im Jahr 2016 ca. 322 Mrd. US-Dollar oder 97 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Tourismus und Verkehr

Ein Reisender steigt auf die Cheops-Pyramide (1860/80, Pascal Sébah)

Der Tourismus ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Einnahmequellen im Land. Besonders die ägyptischen Altertümer sind ein großer Anziehungsmagnet für ausländische Besucher. Thomas Cook erfand hier 1869 die Pauschalreise, in dem er Briten und Amerikaner durch das Land der Pharaonen lotste. Neben Gizeh, Kairo und Alexandria wird auch Luxor gern besucht, von wo aus unter anderem das Tal der Könige erreicht werden kann. Luxor ist auch der Ausgangspunkt für Nilkreuzfahrten bis nach Assuan. Von dort werden Flüge und Bus-Touren nach Abu Simbel angeboten. Die meisten Reiseveranstalter bieten dann einen Inlandsflug nach Kairo und nach diesem Kairo-Aufenthalt einen Badeurlaub in Hurghada an.

Die Revolution in Ägypten 2011 wirkte sich direkt auf den Tourismussektor aus. 2010 wurden noch 14,7 Millionen Touristen gezählt, davon 1,3 Millionen aus Deutschland. 2011 waren es nur noch 9,8 Millionen Touristen, von denen rund 965.000 aus Deutschland kamen.

Die Touristenhochburg ist Hurghada am Roten Meer. Der moderne Touristenort Scharm El-Scheich an der Südspitze der Sinai-Halbinsel ist besonders bei Freunden des Tauchsports sehr beliebt, in den letzten Jahren kamen auch immer mehr Unterwasser-Sportler ins nördlich davon gelegene Dahab. Durch den allgemein weiter steigenden Tauch-Tourismus werden auch Orte südlich von Hurghada, entlang der westlichen Küste des Roten Meeres, erschlossen. Hierzu zählen al-Qusair und Marsa Alam, sowie kurz vor der sudanesischen Grenze asch-Schalatin. In absehbarer Zeit wird sich die Grenze zum Hala’ib-Dreieck öffnen. 30 km vor der Grenze zu Sudan liegt 20–25 km landeinwärts der Gebel-Elba-Nationalpark, der sich als neuer Touristenmagnet anbietet.

Wichtigster Verkehrsträger ist die Eisenbahn, das Netz der Ägyptischen Staatsbahnen (Streckenlänge rund 7700 km) ist das älteste in ganz Afrika. Es konzentriert sich wie das Straßennetz (Gesamtlänge rund 45.000 km; zwei Drittel sind befestigt) auf das Niltal und das Nildelta. Ein Straßentunnel unter dem Suezkanal verbindet das ägyptische Kernland mit der Sinai-Halbinsel. Eine wichtige Rolle spielt der 162 km lange Suezkanal zwischen dem Mittelmeerhafen Port Said und Port Taufiq bei Suez am Roten Meer. Nach mehreren Ausbaustufen kann er von Schiffen bis zu 240.000 DWT befahren werden, d. h. von der großen Mehrzahl aller Schiffe. Der größte, zeitweise stark überlastete Seehafen ist Alexandria. Außerdem sind 3.350 km Binnenwasserstraßen schiffbar, auf denen 25 % des Güterverkehrs abgewickelt werden. Kairo, Alexandria, Marsa Alam und Luxor verfügen über internationale Flughäfen.

Der Tourismus wurde und wird durch Terroranschläge beeinflusst: Diese gab es in den 1990er und 2000er Jahren. Bedeutende Ereignisse waren Luxor 1997, Sinai 2004 und 2005 und 2006 in Dahab. Unbekannte Täter zündeten am 23. Juli 2005 an drei Orten in dem von ausländischen Touristen stark frequentierten Badeort Scharm El-Scheich auf der Sinai-Halbinsel insgesamt 400 Kilo Sprengstoff, dabei wurden 64 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Zu den Anschlägen bekannten sich neben den der al-Qaida nahestehenden Abdullah-Assam-Brigaden, die auch für die Anschläge vom Oktober 2004 in Taba verantwortlich zeichneten, eine weitere bisher unbekannte Terrororganisation. Bis zum 26. Juli hatte die Polizei 140 Verdächtige festgenommen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden am 14. August die beiden Hauptschuldigen der Bombenserie dingfest gemacht. Zu weiteren blutigen Terroranschlägen kam es in Dahab. Am 24. April 2006 explodierten in dem Badeort auf der Sinai-Halbinsel drei Sprengsätze, dabei kamen mindestens 23 Menschen ums Leben und 80 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Daraufhin verlängerte das Parlament den seit 1981 geltenden Ausnahmezustand um zwei Jahre. Sicherheitskräfte nahmen bis Mitte Mai rund 40 Verdächtige fest und töteten sieben mutmaßliche Attentäter beziehungsweise Drahtzieher der Anschläge. Am 9. Mai wurde der Anführer der Terrororganisation Tauhid wal Dschihad, die für die jüngsten Anschläge verantwortlich gemacht wird, bei einem Feuergefecht im Norden des Sinai getötet. Ägypten weist im Sinai und an der Grenze zu Libyen nach mehreren Kriegen immer noch die Gefahr von Landminen auf.

Aus Sorge um das mögliche Fernbleiben der Touristen wegen verendender Tiere, Stränden voller Plastikmülls gilt in einer Provinz des Landes seit Juni 2019 ein Einwegplastikverbot. Diese Provinz Bahr Al-Ahmar erstreckt sich 800 Kilometer entlang des Roten Meers bis zur Grenze zum Sudan. Der Gouverneur droht gestuft mit einer Verwarnung, dann mit einem Bußgeld, beim dritten staatlich festgestellten Verstoß mit Betriebsschließung. Die ägyptische Nichtregierungsorganisation HEPCA setzt strategisch begleitend auf Vorträge in Schulen, Verteilen von Mehrweg-Einkaufstaschen und Aufzeigen von Alternativen. Von vielen Einheimischen wird Umweltschutz als ein Luxusproblem angesehen.

Überblick

Ägyptisches Mumienporträt aus dem zweiten Jahrhundert nach Chr.

Die Kulturgeschichte Ägyptens reicht 6000 Jahre zurück. Das alte Ägypten gehörte zu den ersten Zivilisationen und behielt über Jahrtausende hinweg eine enorm komplexe und stabile Kultur, die spätere Kulturen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika beeinflusste. Nach der pharaonischen Ära geriet Ägypten selbst unter den Einfluss des Hellenismus, des Christentums und der islamischen Kultur. Heute sind viele Aspekte der alten ägyptischen Kultur immer noch präsent und spielen mit neueren Elementen zusammen, unter anderem dem Einfluss der modernen westlichen Kultur.

Kairo ist seit Jahrhunderten eines der geistigen und kulturellen Zentren der arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der renommierten islamischen Hochschule al-Azhar und des Oberhaupts der koptisch-orthodoxen Kirche. Sie gilt als wichtigstes Zentrum des arabischen Buchmarkts und beheimatet große Bibliotheken, Museen und das erste Opernhaus der arabischen Welt. Kairo ist wichtiges Zentrum der arabischen Filmindustrie. Auch für viele ausländische Medien ist die ägyptische Hauptstadt Standort und Nachrichtenumschlagplatz für die arabischen Länder. Zu den wichtigsten kulturellen Veranstaltungen zählen die Internationale Buchmesse Kairo, das Internationale Filmfestival und das Internationale Festival für Experimentelles Theater. Darüber hinaus gibt es eine weiterhin aktive unabhängige Kulturszene. Zahlreiche Galerien, Ausstellungsflächen, Musiklabels und Veranstaltungsorte, die sich oft in leerstehenden Gebäuden in der prächtigen, aber maroden Innenstadt befinden, bieten ein abwechslungsreiches Programm und sind eng mit der internationalen Kulturszene vernetzt. Viele Künstler aus diesen Kreisen haben in den letzten Jahren den Durchbruch geschafft und stehen auf internationalen Festivals hoch im Kurs. Ihre Werke reflektieren oft die politischen Umbrüche der letzten Jahre. Seit 2015 unterlag die unabhängige Kulturszene als Treffpunkt freier Meinungsäußerung aber auch immer häufiger verstärkter staatlicher Kontrolle und Repression.

Ägypten hat zudem die höchste Anzahl von Nobelpreisträgern in Afrika und der gesamten arabischen Welt. Einige in Ägypten geborene Politiker nehmen wichtige Positionen in großen internationalen Organisationen ein, wie Boutros Boutros-Ghali in der UN und Mohammed el-Baradei in der IAEA.

Weiterhin ist Ägypten als kultureller Vorreiter und somit „Trendsetter“ der arabischsprachigen Welt bekannt, weshalb die zeitgenössische arabische Kultur sehr von ägyptischer Literatur und Musik sowie ägyptischen Filmen und Fernsehen geprägt wird. Seine regionale Dominanz gewann Ägypten zwischen 1950 und 1960.

Kulturelle Identität

Das Niltal war die Heimat einer der ältesten Kulturen der Welt, deren Geschichte über 3000 Jahre andauerte. Eine Serie verschiedener Fremdherrschaften nach 343 v. Chr. drückte der ägyptischen Kulturlandschaft ihren Stempel auf. Die ägyptische Identität entwickelte sich in dieser langen Periode der Besatzungen grundsätzlich aus der Anpassung an zwei neue Religionen, Islam und Christentum, und einer neuen Sprache, nämlich Arabisch, heraus. Aus dem Arabischen entstand daraufhin das ägyptische Arabisch.

Nach 2.000 Jahren der Besetzung bildeten sich drei Ideologien heraus, die unter den jetzt unabhängigen Ägyptern verbreitet waren: einerseits der sogenannte ethno-territoriale ägyptische Nationalismus, der auch als „Pharaonismus“ bekannt ist, andererseits der säkulare arabische Nationalismus bzw. Pan-Arabismus und der Islamismus. Dabei geht der ägyptische Nationalismus seinem arabischen Gegenstück um mehrere Dekaden voraus, weil er seine Wurzeln im 19. Jahrhundert hat, wo er Ausdrucksform der antikolonialistischen Aktivisten und Intellektuellen bis zum frühen 20. Jahrhundert war. Unter Nasser erreichte der arabische Nationalismus seinen absoluten Hochpunkt im Sinne des Nasserismus, folgend klang er unter Sadat wieder ab. Währenddessen fand der Islamismus, wie er etwa von der Muslimbruderschaft vertreten wird, Anklang in kleineren Teilen der unteren Mittelschicht.

Die Arbeiten des Gelehrten Rifa’a at-Tahtawi führten im frühen 19. Jahrhundert zur ägyptischen „Renaissance“ (Nahda), die den Übergang vom Mittelalter zum frühmodernen Ägypten darstellt. Ebendiese Arbeiten haben das Interesse an ägyptischen Antiquitäten erneuert und die ägyptische Gesellschaft mit den Prinzipien der Aufklärung in Kontakt gebracht. Tahtawi gründete zusammen mit dem Bildungsreformer Ali Pascha Mubarak eine heimische Schule der Ägyptologie, die sich an mittelalterlichen Gelehrten, wie Suyūtī und Maqrīzī, orientierte; diese studierten selbst die Geschichte, Sprache und die Antiquitäten Ägyptens.

Durch die Arbeit von Personen wie Muhammad Abduh, Ahmed Lutfi el-Sayed, Muhammad Loutfi Goumah, Taufiq al-Hakim, Louis Awad, Qasim Amin, Salama Moussa, Taha Hussein und Mahmoud Mokhta erreichte die kulturelle „Renaissance“ ihren Hochpunkt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie ebneten einen liberalen Weg für Ägypten, der sich in einem Bekenntnis zu persönlicher Freiheit, Säkularismus und Glaube an die Wissenschaft um des Fortschrittes willen äußert.

Kunst und Architektur

Ägypten war eine der ersten Zivilisationen, der es gelang Gestaltungselemente in Kunst und Architektur zu chiffrieren. Die im Dienste der Pharaonen geschaffenen Wandmalereien folgten einem rigiden Code visueller Regeln und Bedeutungen. Die ägyptische Zivilisation ist weltweit berühmt für ihre gewaltigen Pyramiden, Tempel und Gräber. Zu den bekanntesten Beispielen gehören die Pyramide von Djoser, welche von dem Architekten und Ingenieur Imhotep gestaltet wurde, der Große Sphinx von Gizeh und der Tempel von Abu Simbel. Moderne und zeitgenössische ägyptische Kunst kann sich mit der weltweiten Kunstszene messen, von der funktionalen Architektur Hassan Fathys und Ramses Wissa Wassefs über Mahmoud Mokhtars Skulpturen bis zu den charakteristischen koptischen Ikonografien von Isaac Fanous.

Die Kairoer Oper fungiert als Hauptveranstaltungsort darstellender Künste in der Hauptstadt. Seit dem 19. Jahrhundert florieren Medien- und Kunstindustrie, im heutigen Ägypten gibt es mehr als dreißig Satellitensender und es werden etwa 100 Filme im Jahr produziert. Kairo ist auch bekannt als „Hollywood des nahen Ostens“; das jährlich stattfindende Cairo International Film Festival wurde als eines von elf Festivals weltweit durch die International Federation of Film Producers’ Associations mit einer Top-Class-Bewertung beurteilt. Um die Medienindustrie weiter zu fördern, insbesondere im Hinblick auf den Wettbewerb aus den Golfstaaten und dem Libanon, wurde eine große „Media-City“ errichtet. Ein bekannter ägyptischer Schauspieler war Omar Sharif.

Ägyptische Kinospielfilmproduktion
Jahr Anzahl
1975 49
1985 75
1995 13
2005 23

Medien

Die ägyptischen Massenmedien verfügen über großen Einfluss in der arabischen Welt, vor allem durch ihr beträchtliches Publikum und die zunehmende Freiheit vor staatlichen Einschränkungen. Auch wenn die Freiheit der Medien durch die Verfassung theoretisch garantiert wird, beschneiden nach wie vor viele Gesetze dieses Recht. Nach den Präsidentschaftswahlen 2005 hat Ahmed Selim, Büroleiter des Informationsministers Anas El-Fiqqi eine Ära „freier, transparenter und unabhängiger ägyptischer Medien“ ausgerufen.

Heute erfahren die Medien größere Freiheit. Verschiedene ägyptische Talkshows wie „90 Minutes“ und „Al-Ashera Masa’an“ werden auf Privatsendern ausgestrahlt, und sogar staatliche Programme wie „El-beit beitak“ kritisieren offen die Regierung, was zuvor verboten war.

Die Egyptian Radio and Television Union (ERTU) ist die staatliche Rundfunkgesellschaft Ägyptens. Das Deutsche-Welle-TV strahlt seit dem 28. Februar 2005 täglich drei Stunden arabisches Programm über den ägyptischen Satelliten NileSat in den Nahen Osten aus.

Das Internet wurde 2016 von 30,8 Millionen Ägyptern oder 33,0 % der Bevölkerung genutzt. Soziale Medien haben eine Rolle in den Revolutionen der letzten Jahre gespielt.

Literatur

Die Literatur ist ein wichtiges Element des kulturellen Lebens in Ägypten; ägyptische Romanautoren und Poeten waren unter den ersten, die mit modernen Stilrichtungen der arabischen Literatur experimentierten. Die von ihnen entwickelten Formen wurden im ganzen nahen Osten nachgeahmt. Das erste moderne Buch in ägyptischer Umgangssprache „Zaynab“ von Muhammed Husayn Haykal wurde 1913 veröffentlicht. Salama Moussa kämpfte für die Vereinfachung der hocharabischen Literatursprache, die auch heute von vielen Menschen nicht verstanden wird. Sein Schüler, der Autor Nagib Mahfuz, war der erste arabischsprachige Autor, der den Nobelpreis für Literatur gewann. Zu den ägyptischen Schriftstellerinnen zählen Nawal El Saadawi, die für ihren feministischen Aktivismus sehr bekannt ist, und Alifa Rifaat, die unter anderem über Frauen und Tradition schreibt.

Landessprachliche Lyrik ist wahrscheinlich das unter den Ägyptern populärste Literaturgenre, die Gattung wird besonders durch Ahmed Fouad Negm (Fagumi), Salah Jaheen und Abdel Rahman el-Abnudi vertreten. In ihrem Glauben wurden Boote von den Toten verwendet um die Sonne bei ihrem Weg um die Welt zu begleiten, der Himmel wird als „obere Gewässer“ bezeichnet. In der ägyptischen Mythologie greift der schlangenförmige Gott Apophis jede Nacht das Sonnenboot an, während es die Sonne (und somit die Ordnung) am Morgen zurück zum Königreich bringt. Das Boot wird auch „Boot der Millionen genannt“, da alle Götter und Seelen der gesegneten Toten eines Tages gebraucht werden, um es zu verteidigen und zu steuern.

Musik

Siehe auch: Musik Ägyptens

Die ägyptische Musik ist eine reiche Mischung arabischer, mediterraner, afrikanischer und westlicher Elemente. Im alten Ägypten wurden vor allem Harfen, Längsflöten und Rohrblattinstrumente gespielt. Perkussion und Vokalmusik sind schon immer ein wichtiger Teil der lokalen Musiktraditionen, verbreitet sind die Flöten Nay und Schabbaba und die Laute Oud. Zu regionalen Volksmusikstilen gehören die Leiern Simsimiyya und Tanbura sowie die Spießgeige Rebab. Zeitgenössische ägyptische Musik führt ihre Wurzeln auf die Arbeiten etwa von Abdu-I Hamuli, Almaz und Mahmud Osman zurück; diese beeinflussten somit die bedeutenden Musiker Sayed Darwish, Umm Kulthum, Mohamed Abdelwahab und Abdel Halim Hafez. Um 1970 nahm die Wichtigkeit der ägyptischen Popmusik für die Kultur immer weiter zu, während Folk weiterhin auf Hochzeiten und anderen Festlichkeiten gespielt wurde. Zu den prominentesten zeitgenössischen Popmusikern zählen Amr Diab und Mohamed Mounir.

Feste

In Ägypten werden viele Festivals und religiöse Volksfeste, bekannt als „mulid“, gefeiert. Diese sind meist verbunden mit einem bestimmten koptischen oder sufistischen Heiligen, werden aber häufig von allen Ägyptern unabhängig von Glaube und Religion gefeiert. Der Ramadan in Ägypten hat eine eigene Note; er wird mit Musik, Lichtern (örtliche Laternen werden „fawannes“ genannt) und vielen Feuern begangen, was muslimische Touristen aus der Region in das Land zieht, um das Spektakel zu betrachten. Das alte Frühlingsfest Sham el Nisim (koptisch „shom en nisim“) wird seit tausenden von Jahren gefeiert, typischerweise zwischen den Monaten des ägyptischen Kalenders Paremoude (April) und Pashons (Mai), dem Ostersonntag folgend.

Sport

Fußball ist der Nationalsport Ägyptens. Die bekanntesten Teams, die den Ruf von alteingesessenen regionalen Champions besitzen, sind folgende:

Bedeutenden Spielen gelingt es, die Straßen von Ägypten zu beleben, da der Sieg eines Teams häufig Anlass für Feierlichkeiten ist. Besonders das Spiel al Ahly gegen al Zamalek, auch bekannt als Kairoer Derby, wird als eines der leidenschaftlichsten und auch kämpferischsten Spiele der Welt angesehen. Der BBC bezeichnete es als eines der härtesten Derbys der Welt. Die ägyptische Fußballgeschichte ist umfangreich, da Fußball dort seit mehr als 100 Jahren gespielt wird. Das Land war Gastgeber vieler afrikanischer Wettkämpfe, z. B. des Africa Cup of Nations. 1990 qualifizierte sich die Nationalmannschaft Ägyptens zunächst zum letzten Mal für eine Weltmeisterschaft, ehe zur Weltmeisterschaft 2018 wieder die Qualifikation gelang. Die Afrikameisterschaft hat sie unerreichte siebenmal gewonnen, zweimal in Folge (1957 und 1959) sowie dreimal in Folge (2006, 2008 und 2010), was kein Team zuvor geschafft hatte.

Eine weitere populäre Sportart in Ägypten ist Squash. Die ägyptische Squashnationalmannschaft nimmt seit den 1930er Jahren an internationalen Wettbewerben teil und wurde seitdem fünfmal Weltmeister im Mannschaftswettbewerb. Ägyptens beste Spieler sind Amr Shabana, der viermal die Weltmeisterschaft gewann und insgesamt 33 Monate die Weltrangliste anführte, sowie Ramy Ashour, der dreimal Weltmeister wurde. Bei den Damen gewann Nour El Sherbini als erste Ägypterin 2015 die Weltmeisterschaft.

Handball ist ein weiterer beliebter Mannschaftssport. Das ägyptische Handballteam zählt zu den stärksten des Kontinents und hat den dritthöchsten Medaillenstand der Handball-Afrikameisterschaft. Ägypten war 1999 und erneut 2021 Ausrichter der Handball-Weltmeisterschaft der Männer.

2007 unternahm Omar Samra zusammen mit Ben Stephens (England), Victoria James (Wales) und Greg Maud (Südafrika) eine Expedition auf den Mount Everest. Diese Expedition begann am 25. März und dauerte etwas länger als sieben Wochen. Am 17. Mai um genau 9:49 Uhr nepalesischer Zeit wurde Omar Samra der erste Ägypter, der jemals den 8848 Meter hohen Berg erklommen hat.

Ägypten nimmt seit 1912 an den Olympischen Sommerspielen teil. Die Sportverbände sind eng mit den staatlichen Autoritäten verbunden und haben hierdurch einen doppelten Einfluss: Sie kontrollieren den Zufluss staatlicher Gelder und die Lizenzvergabe an private Investoren und Medienanstalten.

Zum Alten Ägypten:

  • Umfangreiche Literaturliste zum Thema
  • Jean Bingen (Hrsg.), Roger S Bagnall: Hellenistic Egypt. Edinburgh University Press, Edinburgh 2006, ISBN 0-7486-1578-4.
  • Lucia Gahlin: Ägypten. Götter, Mythen, Religionen; ein faszinierender Führer durch Mythologie und Religion des alten Ägypten zu den grossartigen Tempeln, Grabmälern und Schätzen der ersten Hochkultur der Menschheit. EDITION XXL, Reichelsheim 2005, ISBN 3-89736-312-7.
  • Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten. (= Beck'sche Reihe 2305; C. H. Beck Wissen). Beck, München 2003, ISBN 3-406-48005-5.

Länderkunde:

  • Anne-Béatrice Clasmann: Der arabische (Alb-)Traum. Aufstand ohne Ziel. 2. Auflage. Passagen Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-7092-0217-3 (Passagen Thema), S. 119–150 (= Die ägyptische Illusion).
  • Fouad N. Ibrahim, Barbara Ibrahim: Ägypten. Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. (= WBG-Länderkunden). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-17420-8.
  • anonym: Aegypten; was es war – ist – und seyn könnte, oder Beschreibung der Städte, Einwohner, Religion, Sitten, Produkte, Flüsse [et]c. dieses Landes. Berlin 1799 ().

Fachlexika:

Wiktionary: Ägypten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Ägypten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikimedia-Atlas: Ägypten – geographische und historische Karten
Wikisource: Ägypten – Quellen und Volltexte
Wikivoyage: Ägypten – Reiseführer
Wikinews: Portal:Ägypten – in den Nachrichten
  • tagesschau.de, 24. Januar 2021 (abgerufen am 28. Januar 2020)
  1. In: World Economic Outlook Database. World Bank, 2021, abgerufen am 9. Juli 2021 (englisch).
  2. In: World Economic Outlook Database. World Bank, 2021, abgerufen am 9. Juli 2021 (englisch).
  3. In: World Economic Outlook Database. Internationaler Währungsfonds, 2021, abgerufen am 9. Juli 2021 (englisch).
  4. Table: Human Development Index and its components. In: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Human Development Report 2020. United Nations Development Programme, New York 2020, ISBN 978-92-1126442-5,S.344 (englisch, [PDF]).
  5. In: World Economic Outlook Database. World Bank, 2020, abgerufen am 7. März 2021 (englisch).
  6. Alexander Thomas, Stefan Kammhuber, Sylvia Schroll-Machl (Hrsg.): Handbuch interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 2: Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 978-3-525-46166-2,
  7. Zur Flora vgl. M. A. Zahran, Arthur John Willis: The Vegetation of Egypt. 2. Auflage. Springer 2009.
  8. (Nicht mehr online verfügbar.) In: The World Factbook. Archiviert vomOriginal am12. November 2018; abgerufen am 12. November 2018 (Die Schätzungen auf der Originalseite werden laufend aktualisiert. Die Angaben im Artikel beruhen auf der archivierten Version.).
  9. Winand von Petersdorff: In: faz.net, 6. Februar 2013, abgerufen am 25. Juni 2020.
  10. Susanne El Khafif: In: deutschlandfunk.de. 11. August 2018, abgerufen am 24. Februar 2019.
  11. Mirna Abdulaal: In: egyptianstreets.com. Abgerufen am 10. März 2019 (Die Arbeitslosigkeit lag 2018 laut inoffiziellen Berichten bei fast 78 Prozent unter den 15- bis 29-Jährigen).
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  13. (PDF; 285 kB) International Organization for Migration, 2010, abgerufen am 21. Juli 2010 (englisch).
  14. (PDF) UN, abgerufen am 30. September 2018 (englisch).
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  18. In: World Economic Outlook Database. World Bank, 2021, abgerufen am 9. Juli 2021 (englisch).
  19. Meyers Großes Länderlexikon. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 2005.
  20. Yannakakis, I. Alexandria 1860–1960. The brief life of a cosmopolitan community. Alexandria Press. Alexandria, 1997.
  21. Vgl. Johanna Pink: Neue Religionsgemeinschaften in Ägypten. Minderheiten im Spannungsfeld von Glaubensfreiheit, öffentlicher Ordnung und Islam. Ergon, Würzburg, 2003, S. 39, 72, 74–90.
  22. In: dw.com. 24. Oktober 2012, abgerufen am 17. August 2018.
  23. In: CIA World Factbook. Abgerufen am 11. Dezember 2011 (englisch).
  24. Der Fischer Weltalmanach 2011, S. 48 gibt „über 80 %“ an.
  25. Zu den Ahmadis vgl. Johanna Pink: Neue Religionsgemeinschaften in Ägypten. Minderheiten im Spannungsfeld von Glaubensfreiheit, öffentlicher Ordnung und Islam. Ergon, Würzburg, 2003, S. 39–45.
  26. Vgl. Valerie Hoffman: Sufism, mystics, and saints in modern Egypt. The Univ. of South Carolina Press, Columbia, 1995.
  27. Vgl. Rachida Chih: Le soufisme au quotidien: confréries d'Egypte au XXe siècle. Arles, Sindbad, 2000.
  28. Vgl. Brynjar Lia: The Society of the Muslim Brothers in Egypt. The Rise of an Islamic Mass Movement 1928–1942.
  29. Amira El Ahl: In: welt.de. 6. Februar 2011, abgerufen am 22. Februar 2015.
  30. John Baur, Brigitte Muth-Oelschner: Christus kommt nach Afrika: 2000 Jahre Christentum auf dem Schwarzen Kontinent (= Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte.Band6). Saint-Paul, 2006, ISBN 978-3-7278-1544-7, 1.1: Das jüdische Christentum der Apostel: der heilige Ursprung,S.19f. ( in der Google-Buchsuche [abgerufen am 27. März 2019]).
  31. Der Fischer Weltalmanach nennt in zwei Ausgaben stark voneinander abweichende Zahlen, vgl. WA Fischer 1996, S. 59 (2 Mio. oder 4,1 % der Gesamtbevölkerung) und Fischer WA 1998, S. 58 (6 Mio. oder 10,4 %). In der Ausgabe Fischer WA 2011, S. 48 werden zwischen 6 und 15 % Kopten verzeichnet.
  32. Badische Zeitung, abgerufen am 11. Februar 2012.
  33. Vgl. Johanna Pink: Neue Religionsgemeinschaften in Ägypten. Minderheiten im Spannungsfeld von Glaubensfreiheit, öffentlicher Ordnung und Islam. Ergon, Würzburg, 2003, S. 55, 67.
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Politische Gliederung Afrikas

Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen
Ägypten (auch in Asien) | Algerien | Angola | Äquatorialguinea | Äthiopien | Benin | Botswana | Burkina Faso | Burundi | Dschibuti | Elfenbeinküste | Eritrea | Eswatini | Gabun | Gambia | Ghana | Guinea | Guinea-Bissau | Kamerun | Kap Verde | Kenia | Komoren | Demokratische Republik Kongo | Republik Kongo | Lesotho | Liberia | Libyen | Madagaskar | Malawi | Mali | Marokko | Mauretanien | Mauritius | Mosambik | Namibia | Niger | Nigeria | Ruanda | Sambia | São Tomé und Príncipe | Senegal | Seychellen | Sierra Leone | Simbabwe | Somalia | Südafrika | Sudan | Südsudan | Tansania | Togo | Tschad | Tunesien | Uganda | Zentralafrikanische Republik

Abhängige Gebiete
Îles Éparses | Kanarische Inseln | Madeira | Mayotte | Plazas de soberanía (mit Ceuta und Melilla) | Réunion | St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha

Umstrittene Gebiete
Demokratische Arabische Republik Sahara | Somaliland

Politische Gliederung Asiens

Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen
Afghanistan | Ägypten1 | Armenien | Aserbaidschan | Bahrain | Bangladesch | Bhutan | Brunei | China, Volksrepublik | Georgien | Indien | Indonesien2 | Irak | Iran | Israel | Japan | Jemen | Jordanien | Kambodscha | Kasachstan3 | Katar | Kirgisistan | Kuwait | Laos | Libanon | Malaysia | Malediven | Mongolei | Myanmar | Nepal | Nordkorea | Oman | Osttimor | Pakistan | Philippinen | Russland3 | Saudi-Arabien | Singapur | Sri Lanka | Südkorea | Syrien | Tadschikistan | Thailand | Türkei3 | Turkmenistan | Usbekistan | Vereinigte Arabische Emirate | Vietnam | Zypern

Abhängige Gebiete
Akrotiri und Dekelia | Britisches Territorium im Indischen Ozean | Hongkong | Kokosinseln | Macau | Weihnachtsinsel

Umstrittene Gebiete
Abchasien | Arzach, Republik | China, Republik (Taiwan) | Südossetien | Palästina | Palästinensische Autonomiegebiete | Türkische Republik Nordzypern

1 Liegt größtenteils in Afrika. 2 Liegt zum Teil auch in Ozeanien. 3 Liegt zum Teil auch in Europa.

Teilnehmerstaaten:
Albanien | Andorra | Armenien | Aserbaidschan | Belgien | Bosnien und Herzegowina | Bulgarien | Dänemark | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich | Georgien | Griechenland | Irland | Island | Italien | Kanada | Kasachstan | Kirgisistan | Kroatien | Lettland | Liechtenstein | Litauen | Luxemburg | Malta | Moldau | Monaco | Mongolei | Montenegro | Niederlande | Nordmazedonien | Norwegen | Österreich | Polen | Portugal | Rumänien | Russland | San Marino | Schweden | Schweiz | Serbien | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tadschikistan | Tschechien | Türkei | Turkmenistan | Ukraine | Ungarn | Usbekistan | Vatikanstadt | Vereinigtes Königreich | Vereinigte Staaten | Weißrussland | Zypern

Partnerstaaten:
Afghanistan | Australien | Ägypten | Algerien | Israel | Japan | Jordanien | Marokko | Tunesien | Südkorea | Thailand

26.03333333333329.216666666667Koordinaten:26° N,29° O

Normdaten (Geografikum): GND:(, ) | LCCN: | NDL: | VIAF:

Ägypten
Ägypten, staat, nordosten, afrika, westen, asien, sprache, beobachten, bearbeiten, titel, dieses, artikels, mehrdeutig, weitere, bedeutungen, sind, unter, begriffsklärung, aufgeführt, aussprache, ɛˈɡʏptn, oder, ɛˈɡɪptn, arabisch, مصر, miṣr, offiziell, arabisch. Agypten Staat im Nordosten von Afrika und Westen von Asien Sprache Beobachten Bearbeiten Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig Weitere Bedeutungen sind unter Agypten Begriffsklarung aufgefuhrt Agypten Aussprache ɛˈɡʏptn oder ɛˈɡɪptn arabisch مصر Miṣr offiziell Arabische Republik Agypten ist ein Staat im nordostlichen Afrika mit uber 100 Millionen Einwohnern 6 und einer Flache von uber einer Million Quadratkilometern Die Megastadt Kairo ist agyptische Hauptstadt und die grosste Metropole Afrikas und Arabiens der Ballungsraum Greater Cairo ist eine der bevolkerungsreichsten Stadtregionen der Erde Weitere Millionenstadte des Landes sind Alexandria und Gizeh Hinsichtlich der Wirtschaftsleistung beim BIP pro Kopf liegt Agypten auf Platz 94 von 190 Landern 2016 PPP جمهوري ة مصر العربي ةDschumhuriyyat Misr al ʿarabiyya Aussprache i Arabische Republik AgyptenFlagge WappenAmtssprache ArabischHauptstadt KairoStaats und Regierungsform semiprasidentielle RepublikStaatsoberhaupt Prasident Abd al Fattah as SisiRegierungschef Premierminister Mustafa MadbuliFlache 1 001 449 UN 2007 1 km Einwohnerzahl 102 3 Millionen 14 2020 Schatzung 2 Bevolkerungsdichte 99 Einwohner pro km Bevolkerungs entwicklung 1 9 Schatzung fur das Jahr 2020 3 Bruttoinlandsprodukt Total nominal Total KKP BIP Einw nom BIP Einw KKP 2020 4 361 8 Milliarden USD 43 1 3 Billionen USD 22 3 587 USD 135 12 790 USD 108 Index der menschlichen Entwicklung 0 707 116 2019 5 Wahrung Agyptisches Pfund EGP Grundung 18 Juni 1953 Vereinigte Arabische Republik Unabhangigkeit 28 Februar 1922 vom Vereinigten Konigreich National hymne Biladi Biladi Biladi source source track track track track Nationalfeiertag 23 Juli Tag der Revolution Zeitzone UTC 2Kfz Kennzeichen ETISO 3166 EG EGY 818Internet TLD eg مصرTelefonvorwahl 20Vorlage Infobox Staat Wartung TRANSKRIPTIONVorlage Infobox Staat Wartung NAME DEUTSCH Kairo Marsa Matruh Alexandria Port Said Tanta Gizeh Suez Bani Suwaif Siwa al Minya Scharm El Scheich Hurghada Asyut Safaga al Charga Luxor Assuan Dschabal Katrina SUDAN LIBYEN ISRAEL JORDANIEN SAUDI ARABIEN MITTELMEER ROTES MEER Golf von Suez Sinai Halbinsel Das Alte Agypten gilt als eine der fruhen Hochkulturen der Welt Agypten wird seit der arabisch islamischen Expansion zur Maschrek Region des arabischen Raumes gezahlt Es hat als interkontinentaler Staat eine Landbrucke vom grosseren afrikanischen Teil nach Asien zur Sinai Halbinsel Durch die Revolution von 2011 anderten sich die gesellschaftlichen und politischen Verhaltnisse im Land Inhaltsverzeichnis 1 Uberblick 2 Landesname 3 Geographie 3 1 Gliederungen Flusssystem Landschaftsformen 3 2 Klima 3 3 Flora und Fauna 3 4 Nationalparks 4 Bevolkerung 4 1 Uberblick 4 2 Volksgruppen 4 3 Sprachen 4 4 Religionen 4 4 1 Muslime 4 4 2 Christen 4 4 3 Juden 4 4 4 Unglaubige und Nichtreligiose 5 Geschichte 5 1 Aufstieg einer Hochkultur 5 2 Vom Grossreich zur Provinz 5 3 Unter der Herrschaft des Islam 5 4 Aufstieg und Unabhangigkeit unter der Muhammad Ali Dynastie 5 5 Agypten als Republik 5 6 Nach der Revolution 2011 6 Politik 6 1 Politisches System 6 1 1 Prasident 6 1 2 Parlament 6 2 Religion und Staat 6 3 Politische Indizes 6 4 Menschenrechtssituation 6 5 Aussenpolitik 7 Militar 8 Verwaltungsgliederung 9 Soziale Lage 9 1 Allgemein 9 2 Bildung 9 3 Fluchtlinge 10 Wirtschaft 10 1 Allgemeines 10 2 Wirtschaftszahlen 10 3 Landwirtschaft 10 4 Industrie 10 5 Bodenschatze Energie 10 6 Aussenhandel 10 7 Staatshaushalt 10 8 Tourismus und Verkehr 11 Kultur 11 1 Uberblick 11 2 Kulturelle Identitat 11 3 Kunst und Architektur 11 4 Medien 11 5 Literatur 11 6 Musik 11 7 Feste 11 8 Sport 12 Literatur 13 Weblinks 14 EinzelnachweiseUberblickAgypten hat vor allem wegen seiner hohen Bevolkerungszahl eine enorme politische und kulturelle Ausstrahlung in der arabischen und islamischen Welt Aber auch in der Geschichte der Zivilisation der Menschheit hatte es eine grosse Bedeutung wovon viele Ausgrabungen und antike architektonische Sehenswurdigkeiten zeugen Hier entstand bereits um 3000 v Chr mit dem Alten Agypten eine der fruhen Hochkulturen der Alten Welt Das Land am Nil erlebte nach der Pharaonenzeit eine wechselvolle Geschichte von vielen Fremdherrschaften bis es 1922 wieder seine Selbststandigkeit erlangte Aber auch jetzt endeten die Machtkampfe um Agypten nicht sie gingen im Innern weiter Die Proteste des Arabischen Fruhlings erfassten 2011 auch Agypten Darauf folgte die Staatskrise 2013 14 Agyptens Nachbarlander im Suden sind der Sudan und im Westen Libyen Die nordliche naturliche Grenze ist das Levantische Meer der ostlichste Teil des Mittelmeeres Die nachste Insel ist Zypern und befindet sich etwa 380 km Luftlinie von der agyptischen Kuste entfernt Im Nordosten grenzt Agypten an Gaza und Israel Im Sudosten hat es eine ausgedehnte Kuste zum Roten Meer mit seinen beiden Meeresarmen dem Golf von Suez und dem Golf von Akaba bzw Eilat Dem letztgenannten Golf liegen Saudi Arabien und Jordanien gegenuber wohin Fahrverbindungen bestehen Der langste Strom Afrikas der Nil durchfliesst das Land von Sud nach Nord als seine wichtigste Lebensader und mundet in einem Delta in das Mittelmeer Eine weitere Lebensader ist der Suezkanal eine kunstliche Wasserstrasse mit herausragender Bedeutung fur die Weltwirtschaft die das europaische Mittelmeer mit dem Indischen Ozean verbindet Grosse Teile des Territoriums des Landes sind Wusten LandesnameDer altagyptische Landesname Km t Kemet bedeutet Schwarzes Land und bezieht sich auf die fruchtbaren Boden des Niltals im Gegensatz zum Roten Land der angrenzenden Wusten dem Dsr t Descheret Im Koptischen wurde daraus Kimi oder Kime im Altgriechischen schliesslich Kymeia Kymeia Der arabische Begriff Miṣr heute der offizielle Staatsname ist semitischen Ursprungs Er ist der ursprunglichen assyrischen Schreibweise Miṣir Muṣur sehr ahnlich aber auch mit dem hebraischen מ צ ר י ם Mitzrayim verwandt Er bedeutet schlicht Land oder Staat wobei historisch damit Unteragypten Das untere Land gemeint war und der Name Miṣr spater auf das gesamte Land Unter und Oberagypten ubertragen wurde Dies kommt auch in der spateren hebraischen Bezeichnung als Dual Begriff zum Ausdruck Im agyptischen Dialekt des Arabischen wird aus Miṣr allerdings Maṣr und schliesslich maṣri fur agyptisch der haufige Beiname al Masri bedeutet daher der Agypter In der Achamenidenzeit fuhrte Agypten als Satrapie den altpersischen Namen Mudraya Die europaischen Bezeichnungen fur Agypten englisch Egypt franzosisch Egypte italienisch Egitto etc stammen von dem lateinischen Aegyptus und damit letztlich vom altgriechischen Aἰgyptos Aigyptos ab Die Kopten beanspruchen fur sich die direkten Nachfahren der altagyptischen Bevolkerung der Pharaonenzeit zu sein 7 Aus ihrem Namen entstand das griechische aἰgyptos aigyptos das im Deutschen zu Agypten wurde Nach einer verbreiteten Theorie stellt Aigyptos eine Fortsetzung des altagyptischen Ausdrucks ḥwt k3 ptḥ Hut Ka Ptah dar was Sitz Haus der Seele des Gottes Ptah bedeutet und womit auf den grossen Ptah Tempel in Memphis angespielt wird Vom Landesnamen Agypten leitet sich daruber hinaus in verschiedenen europaischen Sprachen das Wort fur Zigeuner ab GeographieGliederungen Flusssystem Landschaftsformen Topographie Agyptens Satellitenkarte Agyptens Agyptens Territorium hat grob gesehen eine fast quadratische Form und wird vom nordlichen Wendekreis gestreift Die Landschaft wechselt zwischen der von Steppe bzw Dornensavanne gepragten nordlichen Kustenlandschaft Wusten Halbwusten vielen Oasen Meeresflachen und der Flusslandschaft des Nils ab Neben dem Suezkanal von Port Said nach Port Taufiq bei Suez ist der Nil die Hauptschlagader Agyptens Dessen von seiner Mundung dem 24 000 km grossen Nildelta am weitesten entfernter Quellfluss ist der Kagera der im Gebirgsland von Burundi und Ruanda seinen Ursprung hat Der Strom hat eine Lange von etwa 6852 km und erreicht bei Assuan nach dem Assuan Staudamm sein naturliches Flussbett in Agypten Abgesehen von einigen Oasen und kleinen Hafen an den Kusten bieten allein sein Wasser und seine fruchtbaren Uferregionen die Grundlage fur Anbau und Besiedlung Diese Flache macht etwa funf Prozent des Territoriums aus Das Staatsgebiet lasst sich in sieben naturraumliche Einheiten untergliedern Im aussersten Suden liegt der zu Nubien und Oberagypten zahlende Abschnitt des Niltals zwischen Abu Simbel und Assuan der heute vom Nassersee eingenommen wird Im weiteren Verlauf hat sich der Nil kastenformig in die Kalksteintafel der Wuste eingeschnitten Vom Austritt des Flusses aus dem Nassersee bis nach Kairo bildet das Niltal eine bis zu 25 km breite fruchtbare Fluss Oase In Unteragypten nordlich von Kairo gabelt sich der Nil in zwei Hauptmundungsarme zwischen Rosette und Damiette und bildet eine rund 23 000 km umfassende intensiv bewirtschaftete Deltalandschaft aus abgelagertem Nilschlamm durchzogen von zahllosen kleineren Mundungsarmen Kanalen und Bewasserungsanlagen Die westlich des Nils gelegene Libysche Wuste nimmt als weites flaches Schichttafelland rund zwei Drittel der agyptischen Staatsflache ein In ihrem Norden liegt das relativ niedrige Libysche Plateau das in Agypten bis zu 241 m Hohe erreicht Sudostlich davon senkt sich das Gelande in der von Salzsumpfen erfullten Qattara Senke auf bis zu 133 m unter dem Niveau des Meeresspiegels ab im Sudwesten steigt die Wuste bis auf 1098 m an Im Ubrigen unterbrechen nur einzelne Becken und Niederungen mit den Oasen von Siwa Bahariyya Farafra Dachla und Charga die von Norden nach Suden rund 1000 km lange Sand und Dunenlandschaft Rund 100 km sudwestlich von Kairo befindet sich das 1827 km grosse Fayyum Becken eine beckenartige Oasenlandschaft in deren Nordteil sich der 230 km grosse Qarun See befindet Im Gegensatz dazu wird die ostlich des Nils gelegene Arabische Wuste von einem durch Wadis stark zerfurchten Gebirgszug beherrscht der im Mittelabschnitt mehr als 2000 m Hohe erreicht Die Arabische Wuste ist der westliche Abschnitt einer Aufwolbungszone deren zentraler Teil im Tertiar eingebrochen ist und heute den uber 1000 m tiefen Graben des Roten Meeres bildet Dieser wiederum ist ein Teilstuck des Syrisch Afrikanischen Grabenbruchsystems Auf der Sinai Halbinsel findet die Aufwolbungszone ihre Fortsetzung Hier erhebt sich mit dem Dschabal Katrina Katharinenberg 2637 m der hochste Berg Agyptens Der Golf von Suez und der Golf von Akaba umfliessen die Halbinsel von Westen Suden und Osten her Durch den 162 km langen Suezkanal besteht eine Verbindung zwischen Rotem Meer und Mittelmeer Vom Nildelta abgesehen saumen meist flache Dunen die agyptische Mittelmeerkuste Dagegen sind die Kustenbereiche am Roten Meer schroffer die Gebirgszuge reichen haufig bis nahe an das Meer heran Aufgrund der hohen Wassertemperatur sind hier vielfach Korallenriffe vorgelagert Klima Klimadiagramm von Kairo Agypten liegt innerhalb des nordafrikanischen Trockengurtels mit sehr wenig Niederschlagen sowie betrachtlichen saisonalen und taglichen Temperaturschwankungen Nur der nordliche Kustenstreifen und das Nildelta sind mit Winterniederschlagen zwischen 100 und 200 mm mediterran beeinflusst sudlich von Kairo dagegen regnet es ausserst selten Die mittleren taglichen Temperaturmaxima liegen im Januar zwischen 20 C Port Said Kairo und 24 C Assuan wobei es nachts sehr stark abkuhlen kann Im Juli erreichen die Tagestemperaturen 31 C Port Said 35 C Kairo und 41 C Assuan Die Hitze ist wegen der geringen relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 30 im Sommer gut zu ertragen Von Marz bis Juni weht der heisse Chamsin ein aus Suden kommender Sand und Staubwind An der Kuste des Roten Meeres ist das Klima etwas gemassigter mit weniger heissen Sommern um 35 C und milden Wintern auch nachts nur selten unter 10 C Dank der Grosse des Landes lassen sich funf detailliertere Klimagebiete beschreiben Die etwa 700 km lange Mittelmeerkuste und das Nildelta zeichnen sich durch milde Winter und sehr warme Sommer aus Im Winter bewegen sich die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei 17 20 C wahrend sie in der Nacht auf etwa 8 11 C fallen Dazu gibt es fur agyptische Verhaltnisse mit bis zu 200 mm bedeutenden Niederschlag das entspricht rund 30 jahrlichen Regentagen in der Region um Alexandria fast alle davon im Winter Das Fruhjahr ist warm und trocken ebenso der Herbst wobei die hochsten Temperaturen im Fruhjahr und nicht im Hochsommer gemessen wurden 42 45 C Im Sommer wird es sehr warm mit Tageswerten von 28 bis 32 C beziehungsweise 19 24 C in der Nacht Es gibt demnach geringe Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und es fallt kein Niederschlag mehr Die Luftfeuchtigkeit ist das ganze Jahr uber relativ hoch 60 75 was die Luft oft heisser empfinden lasst als sie ist Das Meer ladt im Sommer mit Werten von bis zu 28 C zum Baden ein im Winter kuhlt es auf 16 18 C ab Das fruchtbare Niltal bei Luxor Das untere Niltal das sich grob als von Kairo bis Asyut reichend einteilen lasst ist ebenfalls von milden Wintern gepragt die Sommer sind allerdings heisser als im Nildelta und an der Mittelmeerkuste und es gibt ganzjahrig kaum Niederschlag 5 30 mm Die Luftfeuchtigkeit ist mit 40 60 ebenfalls merklich geringer An Wintertagen klettert die Quecksilbersaule meist auf 18 22 C um in den Nachten auf kaltere Werte als an der Kuste zu fallen 4 9 C Mit grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht ist sogar Morgenfrost moglich Fruhjahr und Herbst sind kurzer und warmer als an der Kuste die Sommer langer und heisser mit Temperaturen von 34 bis 37 C am Tag und 20 22 C in der Nacht Die Spitzenwerte belaufen sich auf bis zu 48 C Das obere Niltal teilt die klimatischen Eigenschaften mit den ostlich und vor allem westlich davon gelegenen Wustengebieten und Oasen Die Winter sind ebenfalls mild 19 22 C mit kuhlen Nachten 5 10 C Fruhjahr und Herbst sind sehr kurz und warm die Sommer lang Ende April bis Ende Oktober heiss und staubtrocken Die durchschnittlichen Tageswerte erreichen 38 42 C die Nachtwerte 22 26 C Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjahrig eher gering 15 50 begleitet von beinahe volliger Niederschlagslosigkeit In Stadten wie Assuan Luxor oder Dakhla misst man in der Regel 0 2 Regentage im Jahr Hitzewellen konnen Temperaturen von uber 50 C bewirken Die Kustengebiete am Roten Meer kennen milde bis warme Winter mit sehr moderaten Temperaturen kaum unter 20 C am Tag und 10 13 C in der Nacht Fruhjahr und Herbst sind ziemlich warm die Sommer sehr warm bis heiss und extrem trocken Tagsuber sind 34 38 C zu erwarten mit gelegentlichen Hitzeperioden von uber 40 C nachts sinken die Werte meist nicht unter 25 C Die Luftfeuchtigkeit betragt ganzjahrig 30 55 Niederschlag gibt es praktisch nicht 0 3 Tage Das Meer ladt mit rund 20 29 C ganzjahrig zum Baden ein Das Sinai Gebirge stellt klimatisch gesehen in einer Hinsicht eine Besonderheit in Agypten dar Durch seine hoheren Lagen fallen hier die Winter sehr kuhl aus 12 15 C am Tag 0 5 C in der Nacht Fruhjahr und Herbst sind dementsprechend etwas langer die Sommer trotzdem sehr warm mit tagsuber meist 32 C In den Nachten fallen die Werte aber auf kuhlere 15 18 C Im Ubrigen Niederschlag Luftfeuchtigkeit bietet sich hier dasselbe Bild wie anderenorts auch 1 3 Regentage im Jahr und 20 40 Luftfeuchtigkeit Flora und Fauna Nil bei El Minija Die naturliche Vegetation ist wegen der geringen Niederschlage wie auch der intensiven agrarischen Nutzung des Niltals stark eingeschrankt 8 Die Wuste ist fast vollig vegetationslos vereinzelt wachsen Tamarisken Akazien und Dornstraucher in der Wustensteppe auch Hartgraser entlang dem Nilufer gruppieren sich Nilakazien Dattelpalmen Maulbeerfeigen und Johannisbrotbaume sowie eingefuhrte Kasuarinen Typisch fur das Nildelta sind Lotuspflaumen Bambusrohr und Schilfgewachse die im Altertum hier kultivierten Papyrusstauden gibt es kaum noch Die Fauna Agyptens ist reich an Wasservogeln im Deltabereich und am Nil v a Reiher Kraniche und Nilganse wahrend der Wintermonate gesellen sich viele europaische Zugvogel hinzu An Raub und Aasvogeln sind Milane Bartgeier und Habichte heimisch Zu den grosseren Saugetierarten des Landes gehoren neben den domestizierten Kamelen Eseln Schafen und Ziegen Schakale Hyanen Fenneks Falbkatzen und in den Gebirgsregionen Nubische Steinbocke Die Wuste wird von Hasen Springmausen mehreren Eidechsenarten Skorpionen belebt In den landlichen Gebieten am Nil kommt die Agyptische Kobra vor am Nassersee leben noch einige Krokodile Im Nil und in den Seen an der Deltakuste gibt es mehr als 190 verschiedene Fischarten Nationalparks In Agypten gibt es drei Nationalparks Name Grundung Grosse ha Bemerkung Karte AnsichtGebel Elba Nationalpark 1986 3 560 000 im umstrittenen Hala ib Dreieck Ras Mohammed Nationalpark 1983 48 000 Wadi al Gamal Nationalpark 2003 745 000 BevolkerungUberblick Agyptens Durchschnittsalter betrug im Jahr 2016 23 8 Jahre Demografie Bevolkerungsdichte Die Agypter siedeln primar im Niltal im Nildelta am Suezkanal und an touristisch bedeutsamen Orten am Meer In den westlichen Oasen Al Fayyum Dachla Farafra Siwa und Charga leben nur wenige Menschen Die Region um den Nil ist eine der am dichtesten bevolkerten Flachen weltweit Das Bevolkerungswachstum wurde 2017 auf 2 45 pro Jahr geschatzt 9 Um 1800 hatte das Land nur etwa 2 5 Millionen Einwohner und im Jahre 1900 etwa 12 5 Millionen Einwohner 1960 waren es etwa 29 Millionen Einwohner und 2000 70 Millionen Im Juli 2017 wurde die Gesamtzahl der Einwohner Agyptens auf uber 97 Millionen geschatzt 9 Das rasante Bevolkerungswachstum wird von Beobachtern als demografische Zeitbombe gesehen 10 vgl Uberbevolkerung 11 und Youth Bulge 12 Die Lebenserwartung betrug laut Zahlen der UN im Zeitraum von 2010 bis 2015 70 8 Jahre Frauen 73 1 Manner 68 7 In der Vergangenheit etwa zu Zeiten der Pharaonen hatte das Land zwischen 4 und maximal 12 Millionen Einwohner eine Bevolkerungszahl die auch fur die Spatantike angenommen wird Rund 48 der Agypter lebten 2018 in Stadten 33 3 waren unter 15 Jahre alt 9 Die Fertilitat lag bei 3 47 Kinder pro Frau 9 Bis 2050 wird mit uber 150 Millionen Einwohnern gerechnet 13 Etwa 2 7 Millionen Agypter lebten im Jahr 2010 im Ausland Die meisten von ihnen etwa 70 lebten in arabischen Staaten 923 600 in Saudi Arabien 332 600 in Libyen 226 850 in Jordanien und 190 550 in Kuwait Die verbleibenden 30 leben zumeist in Europa beispielsweise 90 000 in Italien sowie in Nordamerika 318 000 in den Vereinigten Staaten 110 000 in Kanada 14 2017 waren in Agypten 0 5 der Bevolkerung im Ausland geboren Die grossten Gruppen davon waren Syrer und Palastinenser 15 16 Bevolkerungsentwicklung Zensusjahr Einwohnerzahl 17 1963 30 000 000 18 1976 36 626 0001986 48 205 0491996 59 276 6722006 72 798 0312017 94 798 8272020 19 102 334 000Volksgruppen Im Suden Agyptens sind noch etwa 140 000 Nubier ansassig eine grossere Zahl lebt ebenfalls in den Stadten Viele von ihnen wurden aufgrund des Baus des Nasser Staudamms vom Suden nach Kom Ombo umgesiedelt In der Libyschen Wuste lebten einst Berberstamme von denen heute allerdings nur noch wenige in der Oase Siwa wohnen Daneben gibt es etwa 70 000 arabische Beduinen welche nomadisch in den Wusten des Landes leben Ferner leben in der Wuste ostlich des Nils auch Bedscha sprachige Nomaden Im Norden Agyptens leben daruber hinaus auch Italiener Turken Abchasen und Briten 20 Die einst florierenden griechischen und judischen Gemeinden sind nahezu verschwunden nur eine kleine Zahl verblieb in Agypten jedoch besuchen viele agyptische Juden das Land fur religiose Ereignisse und fur den Tourismus noch heute finden sich in Kairo und Alexandria viele archaologische und historische judische Statten Sprachen Die Amtssprache ist Arabisch Als lokale Muttersprache wird mehrheitlich Agyptisch Arabisch ein neuarabischer Dialekt gesprochen Schriftsprache ist jedoch seit der arabischen Eroberung im 7 Jahrhundert das Hocharabische nur in der koptischen Kirche wird als Liturgiesprache noch das Koptische verwendet geschrieben in einer eigenen Schrift die von der griechischen und einige Zeichen von der demotischen Schrift abgeleitet ist Im Suden und in der Oase Charga sprechen viele Menschen Nubisch In der Oase Siwa spricht man noch eine Berbersprache das so genannte Siwi Im Sudosten gibt es auch Bedscha Sprecher Ausserdem gibt es rund 230 000 Domari Sprecher eine indoiranische Sprache Als Fremdsprache ist in der Oberschicht Franzosisch und in letzter Zeit vor allem Englisch verbreitet Die wichtigsten Sprachen der europaischen Minderheiten waren Griechisch Armenisch Westarmenisch und Italienisch Im Alexandria des spaten 19 Jahrhunderts gab es eine grosse Gemeinschaft von italienischen Agyptern so dass italienisch bis ins 20 Jahrhundert die Verkehrssprache der Stadt war 21 Religionen Staatlich anerkannt sind nur Muslime Christen und Juden Daneben gibt es noch rund 5700 Bahais etwa 150 Mormonen und verschiedene kleinere agyptische Religionsgemeinschaften 22 die zum Teil von systematischer Unterdruckung und Verfolgung betroffen sind Die Bahais deren Institutionen 1960 durch ein Gesetz aufgelost wurden kampfen um staatliche Anerkennung 23 Muslime Etwa 90 24 der Einwohner Agyptens bekennen sich zum sunnitischen Islam 25 Schiiten und Ahmadis haben zahlenmassig nur eine sehr geringe Bedeutung 26 Viele agyptische Muslime gehoren einem sufischen Orden an 27 Besonders verbreitet sind die Schadhiliya die Chalwatiya die Badawiya und die Burhaniya 28 Seit Ende der 1920er Jahre existiert in Agypten mit der Muslimbruderschaft eine islamistische Massenbewegung die zeitweise auch politisch sehr einflussreich war aber immer wieder verboten wurde 29 In den 1960er Jahren als viele Muslimbruder in den Gefangnissen einsassen kam es in ihren Kreisen zu einer Radikalisierung Der Ideologe Sayyid Qutb entwickelte seine Theorie von der Dschahiliya und erklarte alle Muslime die sich nicht an die Scharia hielten fur unglaubig In den 1970er Jahren bildeten sich mehrere militant islamistische Gruppen die sich ideologisch an Sayyid Qutb orientierten und Terroranschlage begingen so insbesondere at Takfir wa l Higra al Dschamaʿa al islamiyya und die Dschihad Organisation Einige Anhanger dieser Gruppen haben sich spater der Terrororganisation al Qaida angeschlossen so zum Beispiel Aiman az Zawahiri der heute diese Organisation anfuhrt Eine vom Sinai aus operierende militant islamistische Gruppe sind die Ansar Bait al Maqdis die sich im November 2014 dem Islamischen Staat IS angeschlossen haben Sichtbares Zeichen einer zunehmenden Islamisierung der Gesellschaft sind die immer haufiger zu sehenden tief verschleierten Frauen Dies ist unter anderem auf den starkeren Einfluss von konservativen Stromungen aus den Golfstaaten verstarkt durch die Ruckkehr von agyptischen Wirtschaftsmigranten aus der Region zuruckzufuhren Noch in den 1990er Jahren war die Mehrheit der agyptischen Frauen ganzlich unverschleiert 30 Christen Katharinenkloster Hauptartikel Christentum in Agypten Siehe auch Koptisch orthodoxe Kirche Romisch katholische Kirche in Agypten und Protestantismus in Agypten Vor der Islamischen Expansion im 7 Jahrhundert war in Agypten das Christentum die dominierende Religion der Evangelist Markus soll der Uberlieferung nach in Agypten Mitte des 1 Jahrhunderts missioniert haben 31 In Mittel und Oberagypten nicht selten in uberwiegend christlichen Dorfern aber auch in Kairo und Alexandria gibt es eine koptische Minderheit die mit anderen Christen zwischen vier und 15 Prozent der Gesamtbevolkerung Agyptens umfasst Die staatlichen und kirchlichen Zahlenangaben differieren stark nach offiziellen Angaben machen die Christen nicht mehr als sechs Prozent der Bevolkerung aus 32 Die agyptischen Christen sind von Diskriminierungen betroffen nach der Revolution 2011 haben etwa 100 000 das Land verlassen 33 Andere neben der koptischen Kirche in Agypten vertretene altorientalische Kirchen sind die Armenische Apostolische Kirche mit rund 15 000 Mitgliedern und die Syrisch Orthodoxe Kirche mit lediglich rund 500 Mitgliedern Bis heute besteht die Griechisch Orthodoxe Kirche von Alexandrien die mehr als 200 000 Glaubige in Agypten zahlt Eine weitere orthodoxe Kirche mit Sitz in Agypten ist die Orthodoxe Kirche am Sinai der im Katharinenkloster und dessen Umgebung aber nur noch rund 50 Personen angehoren Daneben gibt es noch kleinere christliche Gemeinschaften wie die Zeugen Jehovas mit 25 000 Mitgliedern und die Siebenten Tags Adventisten mit etwa 700 aktiven Mitgliedern 34 Die Zeugen Jehovas veroffentlichen seit ihrem Verbot im Jahr 1960 keine Daten mehr uber ihre Mitgliederzahlen in Agypten Juden Bereits seit der Antike gibt es judische Gemeinden im Land Heute leben in Agypten nur noch sehr wenige Juden 1947 waren es 75 000 1948 noch 66 000 Juden Infolge des Ersten Arabisch Israelischen Kriegs der Sueskrise und des Sechstagekriegs wurden beinahe alle agyptischen Einwohner judischen Glaubens ausgewiesen und vertrieben oder flohen Bis 1968 mussten fast alle agyptischen Juden auswandern oder ins Ausland fluchten 20 Von 1945 bis 1949 fanden auch die Pogrome von Kairo gegen die judische Minderheit statt Seit 1979 der Friedensvertrag zwischen Agypten und Israel abgeschlossen wurde sind die Juden in Agypten in ihrer Religionsfreiheit nicht mehr eingeschrankt sie bilden aber nur mehr eine marginale uberalterte Minderheit 35 Unglaubige und Nichtreligiose Der Anteil an Nichtreligiosen in Agypten wuchs von rund 3 im Jahr 2013 auf rund 10 im Jahr 2019 obwohl nicht weiter differenziert wurde was nicht religios fur diese Menschen bedeutet der Begriff kann alles beinhalten von Religion ist mir nicht wichtig bis ich bin uberzeugter Atheist 36 Geschichte Hauptartikel Geschichte Agyptens Siehe auch Altes Agypten Altagyptische Religion und Altagyptische Kunst Aufstieg einer Hochkultur Altagyptischer Streitwagen Vordynastische Zeit bis 3150 v Chr Pharaonenzeit Altes Agypten Fruhdynastische Zeit 3032 2707 v Chr Die Hochkultur Agyptens begann um 3000 v Chr mit der Schaffung eines Konigreiches durch die Vereinigung von Ober und Unteragypten unter dem legendaren Pharao Menes der in Memphis residiert haben soll Die Einteilung der Pharaonenzeit in 30 Dynastien geht auf den agyptischen Priester Manetho zuruck der im 3 Jahrhundert v Chr eine agyptische Geschichte geschrieben hat Altes Reich 2707 2216 v Chr Mit der 3 Dynastie entstand das Alte Reich in dem sich Staat und Gesellschaft Kunst und Religion ausformten und der als Verkorperung des Himmelsgottes verehrte Konig Pharao autokratisch uber alle 42 Gaue seines Landes herrschte Unter Pharao Djoser um 2610 2590 und den Herrschern der 4 und 5 Dynastie dehnte sich das Reichsgebiet bis sudlich von Assuan aus Die Pharaonen wurden jetzt als Sohne des Sonnengottes Re angesehen Erste Zwischenzeit 2216 2025 v Chr Mittleres Reich 2010 1793 v Chr Zweite Zwischenzeit 1648 1550 v Chr Nach dem Zerfall des Alten Reiches gelang es erst einem Gaufurstengeschlecht aus dem Suden unter Mentuhotep II 2061 2010 die Lander im Mittleren Reich 11 bis 14 Dynastie wieder zu einigen Als neue Hauptstadt wurde Theben mit den Tempelstatten Karnak und Luxor gegrundet bald lag jedoch die Residenz wieder im Norden Um 1650 rissen die aus Asien stammenden Hyksos die Herrschaft uber Agypten an sich Sie brachten Pferd und Streitwagen ins Land und damit eine neue Art der Kriegstechnik Neues Reich 1531 1075 v Chr Dritte Zwischenzeit 1075 652 v Chr Furst Kamose und seinem Nachfolger Ahmose I gelang es um 1550 v Chr wiederum in Theben das Neue Reich 18 bis 20 Dynastie zu grunden das sich unter Amenophis I und Thutmosis I bis nach Nubien und zum Euphrat erstreckte Nach der Herrschaft der Friedensfurstin Hatschepsut 1490 1468 unternahm Thutmosis III Feldzuge nach Syrien und Palastina und festigte das agyptische Grossreich das sich vom Orontes in Syrien bis zum vierten Katarakt des Nil erstreckte Unter Konig Amenophis IV 1364 1347 kam die Expansion zum Erliegen Er kummerte sich vorwiegend um religiose Fragen und loste durch die Erhebung des Sonnengottes Aton zum alleinigen Gott eine geistige Revolution aus Unter dem Namen Echnaton regierte er zusammen mit seiner Gattin Nofretete das Reich von der neu gegrundeten Residenz Achet Aton dem heutigen Tell el Amarna aus Von seinem Nachfolger Tutanchamun 1347 1338 wurde jedoch der Monotheismus zugunsten einer Dreiheit des gottlichen Prinzips wieder abgeschafft Unter Ramses II 1290 1224 erlebte das Neue Reich noch einmal eine Blutezeit Doch die Volkerbewegungen um 1200 brachten eine neue Gefahr fur Agypten das von den Hethitern den Libyern und von Seevolkern aus dem Norden bedroht wurde Nach dem Tod von Ramses III 1184 1153 setzte ein rascher Niedergang ein Agypten loste sich unter fremden Machthabern in eine Vielzahl von Einzelherrschaften auf Vom Grossreich zur Provinz Sphinx vor der Chephren Pyramide Luftaufnahme der Pyramiden von Gizeh 1929 assyrische Provinz 667 656 v Chr 26 Dynastie von Sais 664 652 v Chr Spatzeit 652 332 v Chr Griechisch romische Zeit 332 v Chr 395 n Chr Spatantik Byzantinische Zeit 395 640 n Chr 525 v Chr wurde Agypten vom Perserreich erobert und erstmals langfristig Provinz eines fremden Weltreiches in gewissen Grenzen wurde ihm die Selbstverwaltung und die Religionsfreiheit zugestanden 332 v Chr fiel das 404 wieder unabhangig gewordene Agypten kampflos in die Hande Alexanders des Grossen der das Land als Teil des Makedonischen Reiches hellenisierte Nach seinem Tod 323 v Chr ubernahm sein Feldherr Ptolemaios I die Verwaltung der agyptischen Provinz 305 nahm er als Ptolemaios I den Titel eines Konigs an und begrundete damit das Herrscherhaus der Ptolemaer das Agypten fast 300 Jahre lang regierte Sie erhoben das von Alexander gegrundete Alexandria zu ihrer Hauptstadt und orientierten sich aussenpolitisch auf den Mittelmeerraum Nach dem Tod Kleopatras VII der letzten Herrscherin des Ptolemaerhauses wurde Agypten 30 v Chr zur romischen Provinz Mit der Teilung des Romischen Reiches 395 n Chr kam das Land unter ostromisch byzantinische Herrschaft und verlor durch die Verlagerung der Fernhandelswege nach Konstantinopel einen Teil seiner bisherigen wirtschaftlichen Bedeutung blieb aber als Getreidelieferant fur die ostromische Hauptstadt wichtig und wohlhabend Andererseits blieb Agypten wie auch Syrien von der germanischen Volkerwanderung die den gesamten europaischen Teil des Reichs in eine existentielle Krise sturzte unberuhrt Die in den Hauptstadten der beiden nach wie vor reichsten Provinzen ansassigen Patriarchen stritten in der ersten Halfte des 5 Jahrhunderts um die Vorherrschaft in der Reichskirche Im Konzil von Ephesos 431 konnte Alexandria seine Positionen in der gesamten Reichskirche durchsetzen und 449 in der sogenannten Raubersynode noch einmal bekraftigen Im Konzil von Chalcedon 451 setzte sich aber Papst Leo der Grosse mit seinen theologischen Positionen durch denen sich auch die ostromische Regierung anschloss Das Patriarchat von Alexandria erkannte die Beschlusse des Konzils jedoch nicht an Es bildete sich in der Folge eine unabhangige koptische Kirche im Gegensatz zur Reichskirche welche zumeist von den Kaisern unterdruckt wurde Dies und ein hoher Steuerdruck war Ausgangspunkt einer starken Oppositionsbewegung gegenuber dem Ostromischen Reich In der Spatantike wurde Agypten Ausgangspunkt christlicher Mission in Nubien und Athiopien deren Kirchen sich eng an die koptische Kirche Agyptens anlehnten Das Land blieb reich und okonomisch bedeutsam so dass ab 619 zunachst die persischen Sassaniden und dann ab 636 die muslimischen Araber versuchten es dem Kaiser zu entreissen Unter der Herrschaft des Islam Fruhislamische Zeit 640 968 Umayyaden Abbasiden Tuluniden Ichschididen Fatimidenzeit 969 1171 Ayyubidenzeit 1171 1250 Mamlukenzeit 1250 1517 Osmanenherrschaft in Agypten 1517 1801 Hauptartikel Arabische Eroberung Agyptens Um 640 eroberten islamische Araber das Niltal Agypten wurde von nun an von wechselnden Machtzentren aus Damaskus Bagdad Kairo beherrscht Unter den Umayyaden 661 750 siedelten sich arabische Stamme in den fruchtbaren Ebenen an und bestimmten fortan das kulturelle Erscheinungsbild Agyptens Mit dem Machtantritt Saladins des Begrunders der Ayyubiden Dynastie 1171 1249 wurde Kairo zum Zentrum des muslimischen Widerstandes gegen die christlichen Kreuzzuge Um 1250 erhob sich die Palastgarde die sich aus Mamluken ursprunglich zumeist turkische Militarsklaven zusammensetzte und ubernahm die Macht Ende des 13 Jahrhunderts vernichteten die Mamluken die letzten Kreuzfahrerstaaten auf asiatischem Boden Auch nach der Eroberung Agyptens durch das Osmanische Reich 1517 blieb die Verwaltung in ihren Handen Der wirtschaftliche Niedergang als Folge der Entdeckung des Seeweges nach Indien 1498 machte Agypten zu einer der armsten Provinzen des Osmanischen Reiches Aufstieg und Unabhangigkeit unter der Muhammad Ali Dynastie Hauptartikel Dynastie des Muhammad Ali Reich der Dynastie 1880 dunkelgrun Agyptische Expedition 1798 1802 Dynastie des Muhammad Ali 1805 1882 Britische Herrschaft in Agypten 1882 15 Marz 1922 Konigreich Agypten 15 Marz 1922 18 Juni 1953 Die Landung des franzosischen Expeditionskorps unter Napoleon Bonaparte im Juli 1798 beendete die Herrschaft der Osmanen Am 1 2 August 1798 vernichtete eine Flotte der Royal Navy unter dem Kommando von Admiral Nelson die franzosische Mittelmeerflotte Als nach dem Seesieg des britischen Admirals Nelson bei Abukir im selben Jahr die Franzosen ihren Orientfeldzug abbrechen mussten nutzte der albanische Offizier Muhammad Ali Pascha die Situation zur Ergreifung der Macht 1805 1849 Er und seine Nachfolger konnten unter osmanischer Oberherrschaft eine gewisse Selbstandigkeit erringen betrieben eine expansive Politik und leiteten die Geschichte des modernen Agyptens ein Der Bau des Suezkanals 1859 1869 machte das Land derart von auslandischen Anleihen abhangig dass die von Grossbritannien und Frankreich eingerichtete Staatsschuldenverwaltung zur eigentlichen Regierung des Landes wurde Zur Sicherung des Verbindungsweges nach Indien erwarb Grossbritannien die agyptischen Kanalaktien besetzte 1882 das Land und machte es 1914 formell zu einem Protektorat 1922 wurde Agypten unter Fu ad I ein schon weitgehend selbstandiges Konigreich und erhielt nach dessen Tod 1936 die Souveranitat Im Zweiten Weltkrieg wurde der Nordwesten Agyptens zum Schlachtfeld der deutschen und italienischen Armeen unter Erwin Rommel und den Briten unter Bernard Montgomery Britische Truppen blieben bis 1946 im Land 1945 war Agypten eines der 51 Grundungsmitglieder der Vereinten Nationen Agypten als Republik Hauptartikel Geschichte der Republik Agypten 1948 beteiligten sich agyptische Armeen am arabischen Angriff auf den eben ausgerufenen Staat Israel wurden aber wie die anderen arabischen Armeen auch zuruckgeschlagen Am 23 Juli 1952 Nationalfeiertag sturzte die Bewegung der Freien Offiziere den 1936 inthronisierten Konig Faruk Die Geschichte der jungen Republik Agypten wurde zunachst von General Muhammad Nagib anschliessend von dem fuhrenden Kopf der Revolution Oberst Gamal Abdel Nasser 1954 1970 bestimmt Nassers sozialistisches Regime unterhielt enge Beziehungen zur Sowjetunion Die Verstaatlichung der Suezkanal Gesellschaft 1956 fuhrte zum militarischen Eingreifen Israels Grossbritanniens und Frankreichs Die Sueskrise wurde durch Intervention der UN beigelegt 1956 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht Fur Manner bestand Wahlpflicht fur Frauen nicht 37 Manner denen das Wahlrecht zustand waren automatisch registriert Frauen mussten einen besonderen Antrag stellen um ihre politischen Rechte ausuben zu konnen und selbst 1972 waren erst 12 Prozent der Frauen registriert 38 Erst 1979 wurde dieser Nachteil fur die Frauen abgeschafft 39 1958 schloss sich Agypten mit Syrien und Nordjemen zur Vereinigten Arabischen Republik VAR zusammen die faktisch nur bis 1961 bestand Im Sechstagekrieg mit Israel im Juni 1967 in dem israelische Truppen bis zum Suezkanal vordrangen erlitt das Land eine schwere militarische Niederlage Nach dem Tod Nassers 1970 wurde Vizeprasident Anwar as Sadat Staatsprasident Durch den teilweise erfolgreichen Jom Kippur Krieg 1973 versuchte Sadat die Niederlage von 1967 wettzumachen 1977 leitete Sadat durch eine uberraschende Friedensinitiative den Dialog mit Israel ein der 1979 zum Friedensvertrag und zum Abzug der israelischen Truppen von der Sinai Halbinsel fuhrte andererseits jedoch das Land innerhalb der arabischen Welt isolierte und den Widerstand islamischer Fundamentalisten hervorrief 1981 wurde Sadat der 1978 zusammen mit Israels Premierminister Menachem Begin den Friedensnobelpreis erhalten hatte das Opfer eines Attentats Seinem Nachfolger dem damals als Vizeprasident amtierenden Husni Mubarak ist es gelungen Agypten wieder als vollrespektiertes Mitglied in die Arabische Liga zuruckzufuhren Der Prasident wurde bis zum arabischen Fruhling vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit nominiert und anschliessend fur sechs Jahre durch Volkswahl bestatigt Zuletzt wurde Mubarak 2005 wiedergewahlt Kritiker merken jedoch an dass er seit dem Erlass der Notstandsgesetze 1982 bis zu der Revolution 2011 autoritar regierte Er herrschte demnach uber ein pseudodemokratisches System Sie sagen dass Wahlen teilweise gefalscht oder verschoben worden waren und manche Oppositionelle nach Scheinprozessen ins Gefangnis kamen In Agypten existierte nur so viel offentliche Opposition wie Mubarak zuliess Im von Mubarak am 1 Januar 2006 ernannten neuen Kabinett Nazif blieben die Schlusselpositionen unverandert Nach der Revolution 2011 Vor dem Hintergrund der tunesischen Jasminrevolution begann am 25 Januar 2011 der Arabische Fruhling in Agypten der sich vor allem auf die Forderung nach Rechtsstaatlichkeit Freiheit und Demokratie richtete Im Zuge der Revolution bei denen circa 850 Demonstranten in Agypten ums Leben kamen trat Mubarak zuruck 40 41 Aus den in drei Runden stattfindenden Wahlen zum Rat des Volkes zwischen dem 28 November 2011 und 10 Januar 2012 ging die von der Freiheits und Gerechtigkeitspartei Muslimbruder angefuhrte Demokratische Allianz fur Agypten als starkste Kraft mit rund 45 der insgesamt 498 Sitze hervor Die salafistische Partei des Lichts wurde mit ca 25 der Sitze zweitstarkste Fraktion Die Nachfolgerparteien der einst regierenden Nationaldemokratischen Partei NDP verloren stark und kamen auf nur noch 18 Sitze 2010 420 Es folgten die liberale Neue Wafd Partei mit 39 6 Sitzen und der linke Agyptische Block mit 35 Sitzen 40 Sitze 70 belegten Unabhangige und Angehorige kleinerer Parteien 2011 gab es in Agypten umfangreiche Missionen des Internationalen Komitees vom Blauen Schild Association of the National Committees of the Blue Shield ANCBS mit Sitz in Den Haag zum Schutz der von den Unruhen und Diebstahl bedrohten Kulturguter Museen Archive Ausgrabungsstatten Denkmaler etc 42 Aus den Teilwahlen zum Schura Rat dem agyptischen Oberhaus im Januar Februar 2012 gingen ebenfalls die Muslimbruder als starkste Kraft hervor gefolgt von den Salafisten der Partei des Lichts und liberalen Kraften Daraufhin kam es erstmals zu freien Prasidentschaftswahlen Der erste Wahlgang wurde am 23 und 24 Mai 2012 abgehalten die Stichwahl wurde am 16 und 17 Juni 2012 abgehalten Am 24 Juni 2012 wurde das Ergebnis bekanntgegeben Mohammed Mursi wurde demzufolge mit 51 7 der gultigen Stimmen zum Prasidenten gewahlt 43 und mit seiner Vereidigung am 30 Juni 2012 zum amtierenden Staatsoberhaupt 44 Am 15 Juni 2012 wurde das Parlament vom Obersten Militarrat formal aufgelost und in der Folge den Mitgliedern der Zugang zum Parlament verwehrt nachdem am Vortag der oberste Gerichtshof das Zustandekommen des Parlaments fur verfassungswidrig erklart hatte da eine Besetzung eines Drittels der Platze durch sogenannte Unabhangige nicht erfolgt war 45 Ab Juni 2012 erstellte die Verfassunggebende Versammlung in der Muslimbruder und Salafisten eine Mehrheit der 100 Sitze hatten eine neue Verfassung Uber 60 Prozent stimmten beim Referendum fur die neue Verfassung Im November 2012 entzog der neu gewahlte Prasident Mohammed Mursi seine Entscheidungen und Dekrete der Kontrolle durch die Justiz und erklarte sie fur unantastbar Die Gewaltenteilung setzte er damit faktisch ausser Kraft 46 Am 3 Juli 2013 gegen 21 Uhr MESZ verkundete Generaloberst Abd al Fattah as Sisi dass Mursi nach den massiven Protesten in der Bevolkerung durch das Militar abgesetzt worden sei Der Verfassungsrichter Adli Mansur wurde am 4 Juli 2013 nach diesem Militarputsch als Interimsprasident des Landes vereidigt 47 48 Am 8 Juni 2014 trat der parteilose Militar as Sisi sein Amt als Prasident an Die unter jahrzehntelanger Misswirtschaft Korruption und Unruhen leidende Wirtschaft litt durch das Ausbleiben der Touristen zunehmend auch unter Devisenknappheit Auch Meinungsverschiedenheiten mit Saudi Arabien auch aufgrund der neuen Anlehnung an Russland 49 halfen nicht angesichts der sich ohnehin schliessenden Geldhahne der Saudis wahrend die USA Hilfsgelder an andere Lander wie Tunesien umleiteten Dass Agypten weiterhin Geld bekam lag an der Angst vor einem Kollaps des Landes 50 Im Marz 2015 wurde bekanntgegeben dass eine neue Hauptstadt 45 Kilometer ostlich von Kairo gebaut werden soll Im April 2018 wurde as Sisi mit knapp 97 der Stimmen fur weitere vier Jahre zum Prasidenten des Landes gewahlt An der Freiheit und Unabhangigkeit der Wahl gab es erhebliche Zweifel 51 PolitikPolitisches System Hauptartikel Politisches System Agyptens Die bis zur Revolution 2011 geltende Verfassung von 1971 zuletzt geandert 2005 legte fest dass Agypten eine Prasidialrepublik ist nach einem Verfassungsreferendum vom 16 Januar 2014 trat eine neue Verfassung in Kraft Bei einer Stimmbeteiligung von 38 6 Prozent stimmten 98 1 Prozent fur die von der agyptischen Ubergangsregierung vorgeschlagene neue Verfassung Diese bestimmt das Land als semiprasidialen Einheitsstaat und verbietet die Grundung politischer Parteien die sich auf die Religion stutzen Die Verfassung vom Januar 2014 enthalt einen im Vergleich zu fruheren Verfassungen erweiterten Grundrechtskatalog der sowohl burgerlich politische wie auch wirtschaftliche soziale und kulturelle Rechte umfasst Gleichzeitig garantiert sie die Gleichheit von Mann und Frau und schutzt die christliche Minderheit im Land Jedoch raumt die neue Verfassung dem Militar einen Sonderstatus ein zudem konnen Zivilisten wieder vor Militartribunale gestellt werden Stellvertretender Vorsitzender des Obersten Agyptischen Verfassungsgerichts war seit 1992 Adli Mansur 52 53 Prasident Siehe auch Liste der Prasidenten von Agypten Der Prasident ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkrafte ernennt den Premierminister und die Mitglieder des Kabinetts sowie die Gouverneure die hohen Richter und Offiziere Er hat zudem ein Vetorecht bei der Gesetzgebung kann Dekrete erlassen und das Parlament auflosen Seit einer Ankundigung des ehemaligen Prasidenten Hosni Mubarak vom 26 Februar 2005 wird der Prasident durch freie Wahlen mit mehreren zugelassenen Kandidaten gewahlt Im Zuge des arabischen Fruhlings wurde im Mai Juni 2012 bei der Prasidentschaftswahl Mohammed Mursi zum Prasidenten gewahlt Am 3 Juli 2013 wurde Mursi nach tagelangen Massenprotesten gegen seine Politik durch einen Militarputsch abgesetzt Dies loste gewaltsame Auseinandersetzungen aus und fuhrte zu einer Staatskrise Seit dem 8 Juni 2014 ist As Sisi Prasident Agyptens Parlament Siehe auch Liste politischer Parteien in Agypten Das Einkammerparlament Agyptens besteht aus dem Rat des Volkes mit 596 Mitgliedern Bis 2014 hatte Agypten ein Zweikammersystem Das Volksreprasentantenhaus hatte 454 Abgeordnete von denen 444 alle funf Jahre gewahlt seit 1986 400 Abgeordnete uber Parteilisten und 44 als parteilose Direktkandidaten und zehn vom Staatsoberhaupt ernannt wurden beratendes Legislativorgan war ab 1981 der Schura Rat mit 210 Mitgliedern von denen zwei Drittel alle drei Jahre gewahlt und ein Drittel vom Staatsoberhaupt ernannt wurden Fur alle Agypter im Alter ab 18 Jahren bestand eine Wahlpflicht Gemass der nach dem Militarputsch von 2013 eingefuhrten neuen Verfassung kann der Prasident das Parlament vorzeitig auflosen Die 2010 eingefuhrte Quote von 64 zusatzlichen Parlamentssitzen fur weibliche Abgeordnete wurde abgeschafft Die letzten Parlamentswahlen fanden 2015 statt Die Freiheits und Gerechtigkeitspartei der politische Arm der Moslembruder und Wahlsieger der letzten Wahl von 2012 wurde nach dem Militarputsch el Sisis im September 2013 verboten sodass dieses Mal ein Grossteil der Abgeordneten 351 von 596 aus parteilosen und Sisi nahen Unabhangigen besteht Wahlsieger wurde die ebenfalls den Prasidenten Sisi unterstutzende Liste In Liebe zu Agypten mit 173 der 245 an Parteien vergebenen Abgeordneten Religion und Staat al Azhar Moschee Agypten ist der Verfassung nach ein islamischer Staat Das islamische Recht die Scharia ist seit 1980 die Hauptquelle der Gesetzgebung 54 Wichtigste staatliche islamische Institution Agyptens ist die Azhar die eine eigene Universitat mit 49 Fakultaten die uber das ganze Land verteilt sind sowie uber 80 Institute fur die religiose Ausbildung auf der Primar und Sekundarstufe unterhalt Sie wird von dem Scheich al Azhar angefuhrt der gleichzeitig als die oberste islamisch religiose Autoritat des Landes gilt und Ministerrang hat Eine weitere wichtige islamisch staatliche Institution ist das Ministerium fur religiose Stiftungen dem auch der Oberste Rat fur islamische Angelegenheiten unterstellt ist Das islamische Erziehungssystem in Agypten ist generell auf die Vermittlung von Werten wie Respekt und Toleranz gegenuber Andersglaubigen ausgerichtet allerdings wird in den Buchern die den Lehrplan bestimmen auch unmissverstandlich deutlich gemacht dass der Islam den anderen Religionen gegenuber uberlegen ist Terrorismus und Extremismus werden jedoch streng verurteilt und den Schulern dringend empfohlen sich davon fernzuhalten 55 Theoretisch gewahrt Artikel 18 der agyptischen Verfassung allen Burgern Religionsfreiheit aber in der Praxis ist diese eingeschrankt Lange Zeit konnte man auf staatlichen Ausweisen nur zwischen den drei offiziell anerkannten Religionen Islam Christentum und Judentum wahlen Angehorige anderer Religionen mussen ihren Glauben entweder verleugnen oder sie erhalten keine Ausweise und verzichten dadurch weitgehend auf ihre Burgerrechte Nach einem jahrelangen Rechtsstreit anderte der Staat die Praxis der Ausweisausstellung dahingehend dass bei Angehorigen anderer Religionen das entsprechende Feld durchgestrichen wird 56 Ersteres trifft auf Muslime zu die zu einer anderen Religion wie dem Christentum konvertieren fur solche Personen wird von zahlreichen Politikern und Religionsgelehrten sogar die Todesstrafe gefordert 57 Die christliche Minderheit in Agypten sieht sich heute mit immer starkeren Diskriminierungen seitens der agyptischen Behorden und der islamischen Religionsvertreter konfrontiert Politische Indizes Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene politische Indizes Name des Index Indexwert Weltweiter Rang Interpretationshilfe JahrFragile States Index 86 0 von 120 35 von 178 Stabilitat des Landes grosse Warnung 0 sehr nachhaltig 120 sehr alarmierend 2020 58 Demokratieindex 2 93 von 10 138 von 167 Autoritares Regime 0 autoritares Regime 10 vollstandige Demokratie 2020 59 Freedom in the World 21 von 100 Freiheitsstatus nicht frei 0 unfrei 100 frei 2020 60 Rangliste der Pressefreiheit 56 17 von 100 166 von 180 Sehr ernste Lage fur die Pressefreiheit 0 gute Lage 100 sehr ernste Lage 2021 61 Korruptionswahrnehmungsindex CPI 33 von 100 117 von 180 0 sehr korrupt 100 sehr sauber 2020 62 Menschenrechtssituation Religionsfreiheit Besonders in Oberagypten sind die als christliche Minderheit oft benachteiligten Kopten Ziel von Terror und Schutzgelderpressungen radikaler Muslime geworden Neue koptische Kirchen durfen zwar gebaut werden bedurfen aber wegen des zum Teil immer noch gultigen Hamayouni Dekret aus dem Jahre 1856 eine Erlaubnis des agyptischen Prasidenten Auch kleinere Reparaturen erfordern einen Prasidialerlass Auch war Agypten 1966 daran beteiligt die in der Menschenrechtsdeklaration von 1948 enthaltene Formulierung the freedom to change his religion or belief abzuschwachen sodass es nun in Artikel 18 des Internationalen Pakts uber burgerliche und politische Rechte heisst the freedom to have or adopt a religion or belief 63 Frauenrechte Agypten hat die UN Frauenrechtskonvention nur mit Vorbehalten ratifiziert und das Zusatzprotokoll zur Frauenrechtskonvention uberhaupt nicht unterzeichnet Nach USAID Angaben erlitten 2005 96 4 der damals 10 14 Jahre alten agyptischen Madchen eine Genitalverstummelung 64 eine UNICEF Statistik gibt bezogen auf das Jahr 2003 eine Inzidenz von 97 0 in der Altersgruppe der zwischen 15 und 49 Jahre alten Frauen an 65 Damit liegt das Land weltweit an der Spitze bei der Verstummelung weiblicher Genitalien Im Zuge des Verfassungsreferendums im Jahr 2012 wurde ein Absatz zur Gleichstellung der Frau aus der Verfassung gestrichen Folter In Agypten ist Folter verbreitet 66 Die am haufigsten geschilderten Foltermethoden sind Elektroschocks Schlage das Aufhangen an Hand oder Fussgelenken das Ausdrucken von Zigaretten auf dem Korper sowie verschiedene Formen der psychologischen Folter und Misshandlung darunter die Androhung der Vergewaltigung oder sexuellen Misshandlung von Gefangenen oder deren weiblichen Verwandten 67 Die Regierung der USA benutzte wie im Fall des Imams Abu Omar Agypten als Zwischenstopp fur Personen die vom CIA entfuhrt wurden und beauftragte dafur unter anderem die CIA Firma Aero Contractors 68 In Agypten wird ausserdem auch die Todesstrafe angewandt Die Meinungsfreiheit ist in Agypten schon seit Jahren eingeschrankt und hatte sich mit der Prasidentschaft von Husni Mubarak noch verschlechtert Vor dem 5 Jahrestag der Revolution im Januar 2016 wurden zahlreiche Verhaftungen von Demonstranten Journalisten und anderen bekannt offensichtlich weil die Regierung verstarkte Proteste zum Jahrestag befurchtete 69 Bei Protesten gegen die Regierung der Muslimbruder kam es 2012 zu schweren Ausschreitungen Oppositionelle Demonstranten wurden verwundet und inhaftiert viele davon brutal geschlagen 70 Die Videoplattform YouTube wurde aufgrund eines islamfeindlichen Videos Anfang 2013 fur einen Monat gesperrt 71 Unter Mursi wurden unter anderem kritische Journalisten mit Klagen wie Verleumdung Beleidigung des Prasidenten und Verunglimpfung des Islam bereits verurteilt sowie Herausgeber und Chefredakteuren von staatlichen Zeitungen wurden mit regierungstreuen Journalisten ersetzt 72 Beispielsweise wurde 2013 eine koptische Lehrerin wegen Gotteslasterung verurteilt 73 Nach der Staatskrise in Agypten 2013 verbesserte sich die Menschenrechtslage nicht Allein am 3 Juli 2013 wurden 660 Manner verhaftet Darunter prominente Anhanger des fruheren Prasidenten Mohammed Mursi und Mitglieder der Freiheits und Gerechtigkeitspartei In den Gefangnissen wurden diese geschlagen mit Elektroschocks gefoltert und mit Gewehrkolben maltratiert 74 Homosexualitat ist illegal 75 Nach einer 2013 durchgefuhrten Erhebung glauben 95 der Agypter dass Homosexualitat in Agypten nicht von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte 76 Aussenpolitik Donald Trump mit dem agyptischen Prasidenten as Sisi und dem saudischen Konig Salman in Riad Agypten ist Mitglied der Vereinten Nationen der Welthandelsorganisation WTO der Afrikanischen Union AU und der Arabischen Liga Agypten ist neben Jordanien das einzige Land im Nahen Osten das Frieden mit Israel geschlossen hat Die auf Verstandigung mit Israel ausgerichtete Politik wird von Islamisten unterstutzt von Iran Libyen und Sudan dazu genutzt gegen den Staat Agypten zu opponieren Die Islamisten wurden von Mubarak auf Grundlage der seit 1981 bestehenden Notstandsgesetze bekampft Die Vereinigten Staaten nahmen Agypten 1989 in die Liste ihrer wichtigsten Verbundeten ausserhalb der NATO auf Damit wird Agypten auf dessen Anfrage hin bei individuell festgelegten amerikanischen Rustungsprogrammen anderen Landern gegenuber bevorzugt sogar gegenuber einigen NATO Mitgliedern Bei einer funftagigen Nahost Reise bat die US amerikanische Aussenministerin Condoleezza Rice am 22 Februar 2006 ihren Amtskollegen Ahmed Aboul Gheit um Unterstutzung fur Washingtons Kurs gegenuber dem Iran und der von der Hamas gefuhrten Palastinensischen Autonomiebehorde Nach Gesprachen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem osterreichischen Prasidenten Heinz Fischer in Berlin und Wien bei denen ebenfalls der Nahost Friedensprozess und das iranische Atomprogramm Thema waren rief Mubarak am 13 Marz 2006 Israel und die Hamas zu sofortigen Friedensgesprachen und zur Beendigung der Gewalt auf Nach dem Abzug judischer Siedler aus dem Gazastreifen einigten sich Agypten Israel und Palastina Mitte September 2005 darauf dass zur Kontrolle der rund 14 km langen Grenze zwischen Agypten und dem Gaza Streifen 750 agyptische Soldaten postiert werden Nach der Revolution und der Machtubernahme der Muslimbruder verschlechterten sich die Beziehungen zu Israel Der islamistische Prasident Mohammed Mursi unterstutzte wahrend der Operation Wolkensaule die Hamas Ausserdem bezeichnete er die Zionisten in einem Video als Nachfahren von Affen und Schweinen Mursi besuchte auch Deutschland wo er sagte dass er nicht die Juden sondern lediglich die Personen die am Blutvergiessen Schuld tragen gemeint hatte 77 Mursi ist ein Unterstutzer der Aufstandischen in Syrien was Beziehungen zum Iran verschlechterte 78 Trotzdem ist er der erste agyptische Prasident der nach der Islamischen Revolution Beziehungen zum Iran wiederherstellte 79 Nach dem Sturz Mursis verbesserten sich die Beziehungen zu Russland wahrend das Verhaltnis mit den Vereinigten Staaten angespannt ist da diese nach dem Umsturz finanzielle Hilfe einfroren 80 Anfang 2018 wurde bekannt dass Agypten und Israel eng bei der Bekampfung von Terroristen im Sinai zusammenarbeiten und Prasident as Sisi seit 2015 mehr als 100 israelische Luftangriffe auf agyptisches Staatsgebiet durch israelische Flugzeuge Kampfhubschrauber und Drohnen genehmigte Gleichzeitig griff as Sisis Regierung offiziell Israel in Reden und Artikeln immer wieder an 81 Militar Hauptartikel Streitkrafte Agyptens Die Streitkrafte Agyptens werden als die starkste Militarmacht auf dem afrikanischen Kontinent angesehen und rechtfertigen den Status einer Regionalmacht im Nahen Osten Das Militarbudget 2010 betragt 2 4 Milliarden US Dollar wobei rund 1 3 Milliarden 82 durch die Militarhilfe aus den USA finanziert wurde Die Streitkrafte unterstehen dem Staatsoberhaupt der auch gleichzeitig als Oberkommandant den hochsten militarischen Rang bekleidet Organisiert sind die Streitkrafte in vier Zweigen Einerseits die klassischen Sparten des Agyptischen Heeres der Luftwaffe und der Agyptischen Marine zusatzlich fungiert das Luftverteidigungskommando als eigene Teilstreitkraft des Militars In Agypten herrscht eine dreijahrige Wehrpflicht fur Manner ab achtzehn Jahren Aufgrund des starken Bevolkerungswachstums werden allerdings nicht mehr samtliche Rekruten eingezogen da einer Jahrgangsstarke von uber 800 000 Dienstpflichtigen 450 000 aktive Soldaten gegenuberstehen Allerdings verfugt der Staat noch zusatzlich uber circa 250 000 paramilitarische Krafte die dem Innenministerium unterstehen und zur Inneren Sicherheit herangezogen werden Mit der aussenpolitischen Annaherung unter Anwar as Sadat eroffnete sich Agypten auch den Zugang zu US amerikanischen Waffenlieferungen die seit den achtziger Jahren zu einer bedeutenden Modernisierung der Streitkrafte beigetragen haben Verwaltungsgliederung Agypten ist in 27 Gouvernements arabisch محافظات DMG muhafaẓat Singular محافظة muhafaẓa unterteilt an deren Spitze jeweils ein Gouverneur im Ministerrang steht Der ausgepragte Zentralismus Agyptens soll allmahlich zugunsten einer grosseren Selbstverwaltung auf regionaler Ebene abgebaut werden Die grossten Stadte sind Mio Einwohner Stand 2006 Kairo 7 8 Alexandria 4 1 und Gizeh 3 1 Schubra al Chaima 1 0 Port Said 0 6 Suez 0 5 und Luxor 0 5 83 Soziale LageAllgemein Wohnunterkunft in einer agyptischen Stadt Alle Arbeitnehmer sind sozialversichert es gibt eine Kranken Alters und Invalidenversicherung die jedoch nur geringe Grundabsicherungen ubernehmen Geleistet werden auch Hinterbliebenenrenten Krankengeld und Arbeitslosenunterstutzung Durch geringe Lohne und die Arbeitslosigkeit Arbeitslosenquote 2017 bei 11 9 mit einer hohen verdeckten Arbeitslosigkeit mussen rund 20 der Bevolkerung unter der Armutsgrenze von zwei US Dollar pro Tag leben 84 85 Unabhangige Gewerkschaften werden unterdruckt konnten aber nach mehreren Protesten 2010 ihr Recht zu einer offiziellen Grundung durchsetzen 86 Erschwerend kommt hinzu dass von den einst drei Millionen agyptischen Gastarbeitern im Ausland sehr viele wieder in ihre Heimat zuruckgekehrt sind vor allem aus Kuwait und aus dem Irak Generell lasst sich sagen dass auf dem Land eine saisonale Arbeitslosigkeit typisch ist in den Stadten herrscht dagegen eher permanente Unterbeschaftigung Die Inflation lag im gleichen Zeitraum bei 4 5 im Durchschnitt Stand 2020 leben mehr als 30 Millionen Agypter laut Regierungsangaben unterhalb der Armutsgrenze von weniger als 45 Dollar im Monat 87 Das Gesundheitssystem ist in den Stadten fur afrikanische Verhaltnisse relativ gut entwickelt auf dem Lande gibt es noch gravierende Lucken Einseitige Ernahrung und mangelnde Hygiene sind Ursachen fur endemische Krankheiten etwa Bilharziose ein weiteres Problem stellen die verschiedenen Arten von Hepatitis insbesondere Hepatitis A und C dar Zugleich bilden fortgeschrittene Hepatitis Erkrankungen eine der Haupt Todesursachen fur die einheimische Bevolkerung Agyptens Zu den weiteren wichtigen Krankheiten im Land zahlt Diphtherie Malaria tritt dagegen eher selten auf Entwicklung der Lebenserwartung in Agypten Jahr Lebenserwartung in Jahren Jahr Lebenserwartung in Jahren1960 48 0 1990 64 51965 50 5 1995 66 81970 52 1 2000 68 61975 54 7 2005 69 41980 58 3 2010 70 31985 61 8 2015 71 3 Quelle UN 88 Bildung Siehe auch Liste der Universitaten in Agypten Umfassende Reformen und Investitionen strategische Konzepte und Modernisierungen im Bildungswesen sind dringend erforderlich Jahrzehntelange Versaumnisse haben zu einer Stagnation im staatlichen Schulwesen gefuhrt Das starke Bevolkerungswachstum und der damit einhergehende standig steigende Bedarf an Bildungseinrichtungen stellt die agyptische Regierung vor eine enorme Herausforderung 89 Allgemeine Schulpflicht bei kostenlosem Unterricht besteht fur 6 bis 12 Jahrige Das derzeitige Schulsystem wurde 1952 eingefuhrt ihm zufolge schliessen sich an die Grundschule eine dreijahrige Vorbereitungs und eine dreijahrige Sekundarschule an darauf folgt die Hochschulausbildung In Agypten stieg die mittlere Schulbesuchsdauer uber 25 Jahriger von 3 5 Jahren im Jahr 1990 auf 7 1 Jahre im Jahr 2015 an Die aktuelle Schulbesuchserwartung betragt bereits 13 1 Jahre 90 Die Analphabetenrate betrug im Jahr 2015 etwa 26 9 Ein Grund dafur liegt darin dass auf einen Lehrer rund 50 Schuler kommen und weniger Madchen als Jungen die Schule besuchen 91 Agypten ist zwar um die Forderung der Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung bemuht konkret lasst sich dieser Versuch aber nicht mit Zahlen belegen Viele der eingeschulten Madchen verlassen die Schulen fruhzeitig um im Haushalt zu helfen oder verheiratet zu werden Aufgrund der geringen offentlichen Bildungsausgaben hat sich in Agypten ein wesentlicher privater Bildungssektor herausgebildet der aufgrund der Armut und der Gebuhren aber nur einem kleinen Teil zur Verfugung steht 92 Von den zwolf Universitaten Agyptens befinden sich funf in Kairo Eine Besonderheit stellt die Kairoer al Azhar Universitat dar sie ist seit 983 Zentrum islamischer Gelehrsamkeit Fluchtlinge Bei der gewaltsamen Raumung eines von rund 2500 sudanesischen Fluchtlingen in einem Park in der Kairoer Innenstadt errichteten Zeltlagers durch Sicherheitskrafte am 30 Dezember 2005 kamen 26 Sudanesen ums Leben zahlreiche wurden verletzt Bei den Sudanesen handelte es sich um abgewiesene Asylbewerber die mit ihrem drei Monate dauernden friedlichen Sitzstreik die Wiederaufnahme ihrer Asylverfahren hatten erwirken wollen Nach Prufung jedes einzelnen Falles durch die Behorden in Zusammenarbeit mit dem UNHCR wurden bis zum 30 Januar 2006 alle 462 bei der Raumung Festgenommenen wieder auf freien Fuss gesetzt Die Regierung erklarte die Fluchtlinge darunter viele aus der Krisenregion Darfur wurden nicht abgeschoben WirtschaftAllgemeines Suq Basar in der Altstadt von Kairo Agypten hat die nach Sudafrika starkste Industrie Afrikas Die Landwirtschaft spielt dennoch weiterhin eine erhebliche Rolle Das Bruttoinlandsprodukt BIP des Landes betrug im Jahr 2014 ca 286 Mrd EUR Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 3 250 EUR Die Wirtschaft Agyptens wuchs 2016 um 4 3 Prozent 93 Die zuvor eher sozialistische Planwirtschaft Agyptens wurde ab den 1970er Jahren unter Prasident Anwar as Sadat liberalisiert und nach aussen geoffnet Insbesondere in den 1990ern wurden mehrere staatliche Unternehmen privatisiert Agypten ist nach Sudafrika das am starksten industrialisierte Land Afrikas allerdings ist die Landwirtschaft nach wie vor eine wichtige Grundlage der Wirtschaft und ein grosser Teil der Erwerbsbevolkerung ist in ihr beschaftigt Der grosse informelle Sektor v a Dienstleistungen Schatzungen gehen von 30 des BIP aus nimmt zudem einen Grossteil der Arbeitskrafte auf Bei einem Netto Bevolkerungswachstum von jahrlich rund 2 Millionen Menschen ist die Arbeitslosigkeit und insbesondere Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch offiziell wird die Jugendarbeitslosigkeit mit 28 angegeben Schatzungen gehen von hoheren Zahlen aus Agypten hat ein grosses Interesse an auslandischen Direktinvestitionen und fordert diese gezielt Zahlreiche Handelshemmnisse und Burokratie schrecken potentielle Investoren jedoch ab Staatliche Unternehmen sowie das agyptische Militar spielen im Wirtschaftsleben eine starke Rolle 94 Die Haupteinnahmequellen Agyptens sind der Erlos aus dem Erdolexport und der Benutzung des Suezkanals sowie die Gastarbeiteruberweisungen und der Tourismus Ein gravierendes Problem ist die hohe Auslandsverschuldung sie betrug 2016 uber 90 Prozent der Wirtschaftsleistung 24 Die Einkommensverteilung im Land ist sehr ungleich Eine grossere Rolle in der Wirtschaft kommt auch dem Militar zu das zahlreiche Unternehmen betreibt In den letzten Jahren zeigt sich ein Steigen von Armut verbunden mit Devisenknappheit und stark gesunkenen Tourismus Einnahmen 95 Die Zerrissenheit der politischen Landschaft scheint wirtschaftliche Reformen zu verzogern 96 Internationale Lebensmittelhilfen Getreide werden diskutiert 97 2016 verlor die Wahrung Agyptens fast die Halfte ihres Werts 98 Im Global Competitiveness Index der die Wettbewerbsfahigkeit eines Landes misst belegt Agypten Platz 100 von 138 Landern Stand 2017 2018 99 Im Index fur wirtschaftliche Freiheit belegte Agypten 2018 Platz 139 von 180 Landern 100 Wirtschaftszahlen Landwirtschaft in Agypten 2006 Wachstum des BIP Bruttoinlandsprodukts in gegenuber dem Vorjahr Jahr 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018BIP real 2 2 2 2 2 9 4 4 4 3 4 2 5 3Quelle Weltbank 101 Entwicklung der Inflationsrate Entwicklung des Haushaltssaldosin gegenuber dem Vorjahr in des BIP minus Defizit im Staatshaushalt Jahr 2011 2012 2013 Jahr 2011 2012 2013Inflationsrate 11 1 8 7 10 7 Haushalts saldo 9 9 11 1 9 8Quelle gtai 102 geschatztEntwicklung des Aussenhandels in Mrd US Dollar und in gegenuber dem Vorjahr 2016 2017 2018 Mrd US ggu Vj Mrd US ggu Vj Mrd US ggu Vj Einfuhr 58 1 21 9 66 3 14 3 81 0 22 1Ausfuhr 22 5 2 5 25 9 15 3 29 4 13 3Saldo 35 5 40 4 51 6Quelle gtai 103 Haupthandelspartner Agyptens 2018 GTAI 104 Export in Prozent nach Import in Prozent vonItalien Italien 7 0 China Volksrepublik Volksrepublik China 14 2Turkei Turkei 6 9 Saudi Arabien Saudi Arabien 7 0Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 6 8 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 6 7Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 5 9 Russland Russland 6 0Saudi Arabien Saudi Arabien 4 9 Deutschland Deutschland 5 1Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Konigreich 4 6 Italien Italien 4 3Spanien Spanien 4 4 Turkei Turkei 4 1sonstige Lander 59 5 sonstige Lander 52 6Landwirtschaft Agyptische Bauern 1921 Die landwirtschaftliche Nutzflache rund 3 der Staatsflache ist auf das Niltal und das Nildelta sowie einige Oasen begrenzt Die Bauern Fellachen bewirtschaften das Land mit teilweise jahrtausendealten Anbau und Bewasserungsmethoden Die Bewasserungsmethoden am Nil wurden jedoch ab Ende des 19 Jahrhunderts von Uberschwemmungsbassins auf eine ganzjahrige Bewasserung durch Kanalisation umgestellt Dabei hat sich der landwirtschaftliche Anbau von einer Subsistenz zu einer Exportorientierung gewandelt so dass relativ betrachtet weniger landestypische Nahrungsmittel wie Hirse Saubohnen und Kohl geerntet werden Um die stark wachsende Bevolkerung zu ernahren mussen grosse Mengen importiert werden im Jahr 1980 wurden uber 5 Mio Tonnen Weizen aus dem Ausland eingefuhrt das sind dreimal so viel wie in Agypten selbst angebaut wurde Da weite Teile Agyptens mit Ausnahme der bereits genutzten Flachen sehr arid sind kaum Wasserquellen fur eine kunstliche Bewasserung existieren und eine landwirtschaftliche Nutzung daher nicht moglich ist ist ein Ende der hohen Zahl an Importen nicht in Sicht Zurzeit werden jedoch im Rahmen des Toshka Projekts Teile der agyptischen Wuste westlich des Nil fur die Landwirtschaft nutzbar gemacht Das traditionell bedeutendste Produkt ist die Baumwolle Ausserdem werden Zuckerrohr Mais Reis Weizen Hirse Kartoffeln Obst und Gemuse angebaut Die Viehhaltung ist aus Mangel an Dauergrunland auf Futtermittelanbau angewiesen Rinder und Buffel dienen als Last und Arbeitstiere sowie neben Schafen und Ziegen der Fleisch und Milchgewinnung Industrie Bei den grosseren Industriebetrieben herrscht meist eine enge Verflechtung zwischen Regierung und Wirtschaft Regierungsmitglieder als Teilinhaber Die Zahl privater Unternehmen zum Teil mit auslandischer Beteiligung wie im Fahrzeugbau hat seit den 1970er Jahren deutlich zugenommen Die altesten Gewerbezweige sind die Verarbeitung von Baumwolle Zucker und anderen Agrarprodukten Spater kamen Zement Dungemittel Eisen Stahl und Aluminiumerzeugung Elektro und chemisch pharmazeutische Industrie Erdolverarbeitung sowie Maschinen und Fahrzeugbau hinzu Eines der grossten Privatunternehmen ist die Firma Asfour Crystal International ca 23 000 Mitarbeiter in Kairo el Shobra die auf dem Gebiet der Erzeugung von Bleikristall mit uber 30 Bleigehalt und damit mit der Erzeugung von Kristalllustern fur den Privatgebrauch wie auch fur die industrielle Nutzung Weltmarktfuhrer sind Seit 2001 ist das Unternehmen unter anderem auch Weltmarktfuhrer von kristallenen Schmucksteinen und Kristallfiguren Aufgrund der geringen Exportkraft siehe Aussenhandel nehmen Auftrage der Regierung fur die Produzenten von Baumaterial Stahl Zement usw eine wichtige Rolle ein Bodenschatze Energie Der bedeutendste Bodenschatz ist das Erdol das vor allem im Golf von Suez in der Kattarasenke und auf der Sinai Halbinsel gefordert wird Ausserdem werden Rohphosphate Eisen und Manganerze sowie Salz gewonnen Meist noch unerschlossen sind die Vorkommen von Asbest Schwefel Buntmetallen und Uranerzen Das seit 1975 geforderte Erdgas wird ausschliesslich im Inland zur Energieerzeugung und fur die Dungemittelproduktion verwendet Der Bau mehrerer Warmekraftwerke auf Erdgasbasis sowie einiger Kernkraftwerke ist geplant Die zwei Wasserkraftwerke am alten Assuan Staudamm sowie am neuen Hochdamm erzeugen etwa 15 des agyptischen Stroms senkt sich der Wasserspiegel des Nassersees jedoch weiter ist die Stromerzeugung gefahrdet Im November 2011 wurde berichtet dass Agypten auf Erneuerbare Energien umzusteigen plant Den Prognosen zufolge wird der Stromverbrauch des Landes jahrlich um rund acht Prozent steigen Eine erste Solarfarm zur Unterstutzung der thermischen Stromerzeugung mit 20 MW ging 2011 in Betrieb bis 2020 sollte der Anteil erneuerbarer Energie bei 20 Prozent liegen 105 Ebenfalls bis 2020 soll die Kapazitat von Windkraftanlagen auf 7 2 GW erhoht werden Mitte 2013 waren rund 550 MW in Betrieb Die Windenergienutzung wird durch Ausschreibungen gefordert 106 Fur PV Solarparks mit 2000 MW installierter Leistung wurde 2015 eine Absichtserklarung unterzeichnet Mitte 2016 gab es jedoch noch keine substantiellen Fortschritte 107 Im November 2015 bzw Marz 2016 wurden dagegen Kauf und Finanzierungsvertrage fur die drei Gaskraftwerke Beni Suef Burullus und New Capital abgeschlossen die nach ihrer 2018 geplanten Fertigstellung mit einer Leistung von je 4800 MW voraussichtlich die drei grossten weltweit sein werden In der Summe werden deren jahrliche CO2 Emissionen in etwa denen der grossten Braunkohlekraftwerke weltweit in Belchatow bzw Neurath entsprechen Gleichwohl gab es fur die Finanzierung eine Garantie der Bundesrepublik Deutschland mittels Hermesburgschaft 108 109 Aussenhandel Suezkanal Die Aussenhandelsbilanz ist schon seit Jahren defizitar Die Einfuhren konnen bei weitem nicht durch die Exporteinnahmen finanziert werden was zu einer enormen Auslandsverschuldung gefuhrt hat Importiert wurden 2004 Guter im Wert von 19 8 Mrd US darunter 18 Nahrungsmittel 17 Maschinen und Fahrzeuge 13 industrielle Vorerzeugnisse 11 chemische Erzeugnisse 8 Rohstoffe und 8 Brennstoffe Die Waren stammten zu 13 aus den USA 7 aus Deutschland 7 Italien 5 Frankreich 5 VR China 5 Vereinigtes Konigreich 4 Saudi Arabien und 3 Spanien Exportiert wurden im gleichen Zeitraum Guter im Wert von 10 4 Mrd US darunter 40 Brennstoffe und technische Ole 20 industrielle Vorerzeugnisse 9 Nahrungsmittel 8 Rohstoffe 5 chemische Erzeugnisse und 4 Fertigerzeugnisse Hauptabnehmer waren zu 13 Italien 12 USA 7 Vereinigtes Konigreich 5 Deutschland 5 Spanien 4 Frankreich 3 Niederlande 2 Jordanien 2 Turkei 2 Sudkorea und 2 Saudi Arabien Staatshaushalt Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 92 37 Mrd US Dollar dem standen Einnahmen von umgerechnet 60 09 Mrd US Dollar gegenuber Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Hohe von 9 7 des BIP 24 Die Staatsverschuldung betrug im Jahr 2016 ca 322 Mrd US Dollar oder 97 des BIP 110 2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben in des BIP folgender Bereiche Gesundheit 111 6 3 Bildung 24 4 2 Militar 24 3 4 2005 Tourismus und Verkehr Siehe auch Tourismus in Agypten Luxor Tempel Abu Simbel Ein Reisender steigt auf die Cheops Pyramide 1860 80 Pascal Sebah Der Tourismus ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Einnahmequellen im Land Besonders die agyptischen Altertumer sind ein grosser Anziehungsmagnet fur auslandische Besucher Thomas Cook erfand hier 1869 die Pauschalreise in dem er Briten und Amerikaner durch das Land der Pharaonen lotste Neben Gizeh Kairo und Alexandria wird auch Luxor gern besucht von wo aus unter anderem das Tal der Konige erreicht werden kann Luxor ist auch der Ausgangspunkt fur Nilkreuzfahrten bis nach Assuan Von dort werden Fluge und Bus Touren nach Abu Simbel angeboten Die meisten Reiseveranstalter bieten dann einen Inlandsflug nach Kairo und nach diesem Kairo Aufenthalt einen Badeurlaub in Hurghada an Die Revolution in Agypten 2011 wirkte sich direkt auf den Tourismussektor aus 2010 wurden noch 14 7 Millionen Touristen gezahlt davon 1 3 Millionen aus Deutschland 2011 waren es nur noch 9 8 Millionen Touristen von denen rund 965 000 aus Deutschland kamen 112 Die Touristenhochburg ist Hurghada am Roten Meer Der moderne Touristenort Scharm El Scheich an der Sudspitze der Sinai Halbinsel ist besonders bei Freunden des Tauchsports sehr beliebt in den letzten Jahren kamen auch immer mehr Unterwasser Sportler ins nordlich davon gelegene Dahab Durch den allgemein weiter steigenden Tauch Tourismus werden auch Orte sudlich von Hurghada entlang der westlichen Kuste des Roten Meeres erschlossen Hierzu zahlen al Qusair und Marsa Alam sowie kurz vor der sudanesischen Grenze asch Schalatin In absehbarer Zeit wird sich die Grenze zum Hala ib Dreieck offnen 30 km vor der Grenze zu Sudan liegt 20 25 km landeinwarts der Gebel Elba Nationalpark der sich als neuer Touristenmagnet anbietet Wichtigster Verkehrstrager ist die Eisenbahn das Netz der Agyptischen Staatsbahnen Streckenlange rund 7700 km ist das alteste in ganz Afrika Es konzentriert sich wie das Strassennetz Gesamtlange rund 45 000 km zwei Drittel sind befestigt auf das Niltal und das Nildelta Ein Strassentunnel unter dem Suezkanal verbindet das agyptische Kernland mit der Sinai Halbinsel Eine wichtige Rolle spielt der 162 km lange Suezkanal zwischen dem Mittelmeerhafen Port Said und Port Taufiq bei Suez am Roten Meer Nach mehreren Ausbaustufen kann er von Schiffen bis zu 240 000 DWT befahren werden d h von der grossen Mehrzahl aller Schiffe Der grosste zeitweise stark uberlastete Seehafen ist Alexandria Ausserdem sind 3 350 km Binnenwasserstrassen schiffbar auf denen 25 des Guterverkehrs abgewickelt werden Kairo Alexandria Marsa Alam und Luxor verfugen uber internationale Flughafen Der Tourismus wurde und wird durch Terroranschlage beeinflusst Diese gab es in den 1990er und 2000er Jahren Bedeutende Ereignisse waren Luxor 1997 Sinai 2004 und 2005 und 2006 in Dahab Unbekannte Tater zundeten am 23 Juli 2005 an drei Orten in dem von auslandischen Touristen stark frequentierten Badeort Scharm El Scheich auf der Sinai Halbinsel insgesamt 400 Kilo Sprengstoff dabei wurden 64 Menschen getotet und mehr als 200 verletzt Zu den Anschlagen bekannten sich neben den der al Qaida nahestehenden Abdullah Assam Brigaden die auch fur die Anschlage vom Oktober 2004 in Taba verantwortlich zeichneten eine weitere bisher unbekannte Terrororganisation Bis zum 26 Juli hatte die Polizei 140 Verdachtige festgenommen Nach Angaben des Innenministeriums wurden am 14 August die beiden Hauptschuldigen der Bombenserie dingfest gemacht Zu weiteren blutigen Terroranschlagen kam es in Dahab Am 24 April 2006 explodierten in dem Badeort auf der Sinai Halbinsel drei Sprengsatze dabei kamen mindestens 23 Menschen ums Leben und 80 weitere wurden zum Teil schwer verletzt Daraufhin verlangerte das Parlament den seit 1981 geltenden Ausnahmezustand um zwei Jahre Sicherheitskrafte nahmen bis Mitte Mai rund 40 Verdachtige fest und toteten sieben mutmassliche Attentater beziehungsweise Drahtzieher der Anschlage Am 9 Mai wurde der Anfuhrer der Terrororganisation Tauhid wal Dschihad die fur die jungsten Anschlage verantwortlich gemacht wird bei einem Feuergefecht im Norden des Sinai getotet Agypten weist im Sinai und an der Grenze zu Libyen nach mehreren Kriegen immer noch die Gefahr von Landminen auf Aus Sorge um das mogliche Fernbleiben der Touristen wegen verendender Tiere Stranden voller Plastikmulls gilt in einer Provinz des Landes seit Juni 2019 ein Einwegplastikverbot Diese Provinz Bahr Al Ahmar erstreckt sich 800 Kilometer entlang des Roten Meers bis zur Grenze zum Sudan Der Gouverneur droht gestuft mit einer Verwarnung dann mit einem Bussgeld beim dritten staatlich festgestellten Verstoss mit Betriebsschliessung Die agyptische Nichtregierungsorganisation HEPCA setzt strategisch begleitend auf Vortrage in Schulen Verteilen von Mehrweg Einkaufstaschen und Aufzeigen von Alternativen Von vielen Einheimischen wird Umweltschutz als ein Luxusproblem angesehen 113 KulturUberblick Agyptisches Mumienportrat aus dem zweiten Jahrhundert nach Chr Die Kulturgeschichte Agyptens reicht 6000 Jahre zuruck Das alte Agypten gehorte zu den ersten Zivilisationen und behielt uber Jahrtausende hinweg eine enorm komplexe und stabile Kultur die spatere Kulturen in Europa dem Nahen Osten und Afrika beeinflusste Nach der pharaonischen Ara geriet Agypten selbst unter den Einfluss des Hellenismus des Christentums und der islamischen Kultur Heute sind viele Aspekte der alten agyptischen Kultur immer noch prasent und spielen mit neueren Elementen zusammen unter anderem dem Einfluss der modernen westlichen Kultur Kairo ist seit Jahrhunderten eines der geistigen und kulturellen Zentren der arabischen Welt Die Stadt ist Sitz der renommierten islamischen Hochschule al Azhar und des Oberhaupts der koptisch orthodoxen Kirche Sie gilt als wichtigstes Zentrum des arabischen Buchmarkts und beheimatet grosse Bibliotheken Museen und das erste Opernhaus der arabischen Welt Kairo ist wichtiges Zentrum der arabischen Filmindustrie Auch fur viele auslandische Medien ist die agyptische Hauptstadt Standort und Nachrichtenumschlagplatz fur die arabischen Lander Zu den wichtigsten kulturellen Veranstaltungen zahlen die Internationale Buchmesse Kairo das Internationale Filmfestival und das Internationale Festival fur Experimentelles Theater Daruber hinaus gibt es eine weiterhin aktive unabhangige Kulturszene Zahlreiche Galerien Ausstellungsflachen Musiklabels und Veranstaltungsorte die sich oft in leerstehenden Gebauden in der prachtigen aber maroden Innenstadt befinden bieten ein abwechslungsreiches Programm und sind eng mit der internationalen Kulturszene vernetzt Viele Kunstler aus diesen Kreisen haben in den letzten Jahren den Durchbruch geschafft und stehen auf internationalen Festivals hoch im Kurs Ihre Werke reflektieren oft die politischen Umbruche der letzten Jahre Seit 2015 unterlag die unabhangige Kulturszene als Treffpunkt freier Meinungsausserung aber auch immer haufiger verstarkter staatlicher Kontrolle und Repression 89 Agypten hat zudem die hochste Anzahl von Nobelpreistragern in Afrika und der gesamten arabischen Welt Einige in Agypten geborene Politiker nehmen wichtige Positionen in grossen internationalen Organisationen ein wie Boutros Boutros Ghali in der UN und Mohammed el Baradei in der IAEA Weiterhin ist Agypten als kultureller Vorreiter und somit Trendsetter der arabischsprachigen Welt bekannt weshalb die zeitgenossische arabische Kultur sehr von agyptischer Literatur und Musik sowie agyptischen Filmen und Fernsehen gepragt wird Seine regionale Dominanz gewann Agypten zwischen 1950 und 1960 Kulturelle Identitat Das Niltal war die Heimat einer der altesten Kulturen der Welt deren Geschichte uber 3000 Jahre andauerte Eine Serie verschiedener Fremdherrschaften nach 343 v Chr druckte der agyptischen Kulturlandschaft ihren Stempel auf Die agyptische Identitat entwickelte sich in dieser langen Periode der Besatzungen grundsatzlich aus der Anpassung an zwei neue Religionen Islam und Christentum und einer neuen Sprache namlich Arabisch heraus Aus dem Arabischen entstand daraufhin das agyptische Arabisch Nach 2 000 Jahren der Besetzung bildeten sich drei Ideologien heraus die unter den jetzt unabhangigen Agyptern verbreitet waren einerseits der sogenannte ethno territoriale agyptische Nationalismus der auch als Pharaonismus bekannt ist andererseits der sakulare arabische Nationalismus bzw Pan Arabismus und der Islamismus Dabei geht der agyptische Nationalismus seinem arabischen Gegenstuck um mehrere Dekaden voraus weil er seine Wurzeln im 19 Jahrhundert hat wo er Ausdrucksform der antikolonialistischen Aktivisten und Intellektuellen bis zum fruhen 20 Jahrhundert war Unter Nasser erreichte der arabische Nationalismus seinen absoluten Hochpunkt im Sinne des Nasserismus folgend klang er unter Sadat wieder ab Wahrenddessen fand der Islamismus wie er etwa von der Muslimbruderschaft vertreten wird Anklang in kleineren Teilen der unteren Mittelschicht Die Arbeiten des Gelehrten Rifa a at Tahtawi fuhrten im fruhen 19 Jahrhundert zur agyptischen Renaissance Nahda die den Ubergang vom Mittelalter zum fruhmodernen Agypten darstellt Ebendiese Arbeiten haben das Interesse an agyptischen Antiquitaten erneuert und die agyptische Gesellschaft mit den Prinzipien der Aufklarung in Kontakt gebracht Tahtawi grundete zusammen mit dem Bildungsreformer Ali Pascha Mubarak eine heimische Schule der Agyptologie die sich an mittelalterlichen Gelehrten wie Suyuti und Maqrizi orientierte diese studierten selbst die Geschichte Sprache und die Antiquitaten Agyptens Durch die Arbeit von Personen wie Muhammad Abduh Ahmed Lutfi el Sayed Muhammad Loutfi Goumah Taufiq al Hakim Louis Awad Qasim Amin Salama Moussa Taha Hussein und Mahmoud Mokhta erreichte die kulturelle Renaissance ihren Hochpunkt im spaten 19 und fruhen 20 Jahrhundert Sie ebneten einen liberalen Weg fur Agypten der sich in einem Bekenntnis zu personlicher Freiheit Sakularismus und Glaube an die Wissenschaft um des Fortschrittes willen aussert Kunst und Architektur Agypten war eine der ersten Zivilisationen der es gelang Gestaltungselemente in Kunst und Architektur zu chiffrieren Die im Dienste der Pharaonen geschaffenen Wandmalereien folgten einem rigiden Code visueller Regeln und Bedeutungen Die agyptische Zivilisation ist weltweit beruhmt fur ihre gewaltigen Pyramiden Tempel und Graber Zu den bekanntesten Beispielen gehoren die Pyramide von Djoser welche von dem Architekten und Ingenieur Imhotep gestaltet wurde der Grosse Sphinx von Gizeh und der Tempel von Abu Simbel Moderne und zeitgenossische agyptische Kunst kann sich mit der weltweiten Kunstszene messen von der funktionalen Architektur Hassan Fathys und Ramses Wissa Wassefs uber Mahmoud Mokhtars Skulpturen bis zu den charakteristischen koptischen Ikonografien von Isaac Fanous Die Kairoer Oper fungiert als Hauptveranstaltungsort darstellender Kunste in der Hauptstadt Seit dem 19 Jahrhundert florieren Medien und Kunstindustrie im heutigen Agypten gibt es mehr als dreissig Satellitensender und es werden etwa 100 Filme im Jahr produziert Kairo ist auch bekannt als Hollywood des nahen Ostens das jahrlich stattfindende Cairo International Film Festival wurde als eines von elf Festivals weltweit durch die International Federation of Film Producers Associations mit einer Top Class Bewertung beurteilt Um die Medienindustrie weiter zu fordern insbesondere im Hinblick auf den Wettbewerb aus den Golfstaaten und dem Libanon wurde eine grosse Media City errichtet Ein bekannter agyptischer Schauspieler war Omar Sharif Agyptische Kinospielfilmproduktion 114 Jahr Anzahl1975 491985 751995 132005 23Medien Die agyptischen Massenmedien verfugen uber grossen Einfluss in der arabischen Welt vor allem durch ihr betrachtliches Publikum und die zunehmende Freiheit vor staatlichen Einschrankungen Auch wenn die Freiheit der Medien durch die Verfassung theoretisch garantiert wird beschneiden nach wie vor viele Gesetze dieses Recht Nach den Prasidentschaftswahlen 2005 hat Ahmed Selim Buroleiter des Informationsministers Anas El Fiqqi eine Ara freier transparenter und unabhangiger agyptischer Medien ausgerufen Heute erfahren die Medien grossere Freiheit Verschiedene agyptische Talkshows wie 90 Minutes und Al Ashera Masa an werden auf Privatsendern ausgestrahlt und sogar staatliche Programme wie El beit beitak kritisieren offen die Regierung was zuvor verboten war Die Egyptian Radio and Television Union ERTU ist die staatliche Rundfunkgesellschaft Agyptens Das Deutsche Welle TV strahlt seit dem 28 Februar 2005 taglich drei Stunden arabisches Programm uber den agyptischen Satelliten NileSat in den Nahen Osten aus Das Internet wurde 2016 von 30 8 Millionen Agyptern oder 33 0 der Bevolkerung genutzt 115 Soziale Medien haben eine Rolle in den Revolutionen der letzten Jahre gespielt 116 Literatur Die Literatur ist ein wichtiges Element des kulturellen Lebens in Agypten agyptische Romanautoren und Poeten waren unter den ersten die mit modernen Stilrichtungen der arabischen Literatur experimentierten Die von ihnen entwickelten Formen wurden im ganzen nahen Osten nachgeahmt Das erste moderne Buch in agyptischer Umgangssprache Zaynab von Muhammed Husayn Haykal wurde 1913 veroffentlicht Salama Moussa kampfte fur die Vereinfachung der hocharabischen Literatursprache die auch heute von vielen Menschen nicht verstanden wird Sein Schuler der Autor Nagib Mahfuz war der erste arabischsprachige Autor der den Nobelpreis fur Literatur gewann Zu den agyptischen Schriftstellerinnen zahlen Nawal El Saadawi die fur ihren feministischen Aktivismus sehr bekannt ist und Alifa Rifaat die unter anderem uber Frauen und Tradition schreibt Landessprachliche Lyrik ist wahrscheinlich das unter den Agyptern popularste Literaturgenre die Gattung wird besonders durch Ahmed Fouad Negm Fagumi Salah Jaheen und Abdel Rahman el Abnudi vertreten In ihrem Glauben wurden Boote von den Toten verwendet um die Sonne bei ihrem Weg um die Welt zu begleiten der Himmel wird als obere Gewasser bezeichnet In der agyptischen Mythologie greift der schlangenformige Gott Apophis jede Nacht das Sonnenboot an wahrend es die Sonne und somit die Ordnung am Morgen zuruck zum Konigreich bringt Das Boot wird auch Boot der Millionen genannt da alle Gotter und Seelen der gesegneten Toten eines Tages gebraucht werden um es zu verteidigen und zu steuern Musik Siehe auch Musik Agyptens Die agyptische Musik ist eine reiche Mischung arabischer mediterraner afrikanischer und westlicher Elemente Im alten Agypten wurden vor allem Harfen Langsfloten und Rohrblattinstrumente gespielt Perkussion und Vokalmusik sind schon immer ein wichtiger Teil der lokalen Musiktraditionen verbreitet sind die Floten Nay und Schabbaba und die Laute Oud Zu regionalen Volksmusikstilen gehoren die Leiern Simsimiyya und Tanbura sowie die Spiessgeige Rebab Zeitgenossische agyptische Musik fuhrt ihre Wurzeln auf die Arbeiten etwa von Abdu I Hamuli Almaz und Mahmud Osman zuruck diese beeinflussten somit die bedeutenden Musiker Sayed Darwish Umm Kulthum Mohamed Abdelwahab und Abdel Halim Hafez Um 1970 nahm die Wichtigkeit der agyptischen Popmusik fur die Kultur immer weiter zu wahrend Folk weiterhin auf Hochzeiten und anderen Festlichkeiten gespielt wurde Zu den prominentesten zeitgenossischen Popmusikern zahlen Amr Diab und Mohamed Mounir Feste In Agypten werden viele Festivals und religiose Volksfeste bekannt als mulid gefeiert Diese sind meist verbunden mit einem bestimmten koptischen oder sufistischen Heiligen werden aber haufig von allen Agyptern unabhangig von Glaube und Religion gefeiert Der Ramadan in Agypten hat eine eigene Note er wird mit Musik Lichtern ortliche Laternen werden fawannes genannt und vielen Feuern begangen was muslimische Touristen aus der Region in das Land zieht um das Spektakel zu betrachten Das alte Fruhlingsfest Sham el Nisim koptisch shom en nisim wird seit tausenden von Jahren gefeiert typischerweise zwischen den Monaten des agyptischen Kalenders Paremoude April und Pashons Mai dem Ostersonntag folgend Sport Cairo International Stadium Fussball ist der Nationalsport Agyptens Die bekanntesten Teams die den Ruf von alteingesessenen regionalen Champions besitzen sind folgende al Ahly SC Kairo al Zamalek SC Kairo Ismaily SC Ismailia al Ittihad Alexandria al Masry Port Said Bedeutenden Spielen gelingt es die Strassen von Agypten zu beleben da der Sieg eines Teams haufig Anlass fur Feierlichkeiten ist Besonders das Spiel al Ahly gegen al Zamalek auch bekannt als Kairoer Derby wird als eines der leidenschaftlichsten und auch kampferischsten Spiele der Welt angesehen Der BBC bezeichnete es als eines der hartesten Derbys der Welt 117 Die agyptische Fussballgeschichte ist umfangreich da Fussball dort seit mehr als 100 Jahren gespielt wird Das Land war Gastgeber vieler afrikanischer Wettkampfe z B des Africa Cup of Nations 1990 qualifizierte sich die Nationalmannschaft Agyptens zunachst zum letzten Mal fur eine Weltmeisterschaft ehe zur Weltmeisterschaft 2018 wieder die Qualifikation gelang Die Afrikameisterschaft hat sie unerreichte siebenmal gewonnen zweimal in Folge 1957 und 1959 sowie dreimal in Folge 2006 2008 und 2010 was kein Team zuvor geschafft hatte Eine weitere populare Sportart in Agypten ist Squash Die agyptische Squashnationalmannschaft nimmt seit den 1930er Jahren an internationalen Wettbewerben teil und wurde seitdem funfmal Weltmeister im Mannschaftswettbewerb Agyptens beste Spieler sind Amr Shabana der viermal die Weltmeisterschaft gewann und insgesamt 33 Monate die Weltrangliste anfuhrte sowie Ramy Ashour der dreimal Weltmeister wurde Bei den Damen gewann Nour El Sherbini als erste Agypterin 2015 die Weltmeisterschaft Handball ist ein weiterer beliebter Mannschaftssport Das agyptische Handballteam zahlt zu den starksten des Kontinents und hat den dritthochsten Medaillenstand der Handball Afrikameisterschaft Agypten war 1999 und erneut 2021 Ausrichter der Handball Weltmeisterschaft der Manner 2007 unternahm Omar Samra zusammen mit Ben Stephens England Victoria James Wales und Greg Maud Sudafrika eine Expedition auf den Mount Everest Diese Expedition begann am 25 Marz und dauerte etwas langer als sieben Wochen Am 17 Mai um genau 9 49 Uhr nepalesischer Zeit wurde Omar Samra der erste Agypter der jemals den 8848 Meter hohen Berg erklommen hat Agypten nimmt seit 1912 an den Olympischen Sommerspielen teil Die Sportverbande sind eng mit den staatlichen Autoritaten verbunden und haben hierdurch einen doppelten Einfluss Sie kontrollieren den Zufluss staatlicher Gelder und die Lizenzvergabe an private Investoren und Medienanstalten 118 LiteraturZum Alten Agypten Umfangreiche Literaturliste zum Thema Jean Bingen Hrsg Roger S Bagnall Hellenistic Egypt Edinburgh University Press Edinburgh 2006 ISBN 0 7486 1578 4 Lucia Gahlin Agypten Gotter Mythen Religionen ein faszinierender Fuhrer durch Mythologie und Religion des alten Agypten zu den grossartigen Tempeln Grabmalern und Schatzen der ersten Hochkultur der Menschheit EDITION XXL Reichelsheim 2005 ISBN 3 89736 312 7 Hermann A Schlogl Das Alte Agypten Beck sche Reihe 2305 C H Beck Wissen Beck Munchen 2003 ISBN 3 406 48005 5 Landerkunde Anne Beatrice Clasmann Der arabische Alb Traum Aufstand ohne Ziel 2 Auflage Passagen Verlag Wien 2016 ISBN 978 3 7092 0217 3 Passagen Thema S 119 150 Die agyptische Illusion Fouad N Ibrahim Barbara Ibrahim Agypten Geographie Geschichte Wirtschaft Politik WBG Landerkunden Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2006 ISBN 3 534 17420 8 anonym Aegypten was es war ist und seyn konnte oder Beschreibung der Stadte Einwohner Religion Sitten Produkte Flusse et c dieses Landes Berlin 1799 Digitalisat Fachlexika Jan Bergmann Agypten I Agyptische Religion In Theologische Realenzyklopadie TRE Band 1 de Gruyter Berlin New York 1977 ISBN 3 11 006944 X S 465 492 Ronald J Williams Agypten II Agypten und Israel In Theologische Realenzyklopadie TRE Band 1 de Gruyter Berlin New York 1977 ISBN 3 11 006944 X S 492 505 Hans Friedrich Weiss Agypten III Judentum in Agypten In Theologische Realenzyklopadie TRE Band 1 de Gruyter Berlin New York 1977 ISBN 3 11 006944 X S 505 512 C Detlef G Muller Agypten IV Kirchengeschichtlich bis zum 7 Jahrhundert In Theologische Realenzyklopadie TRE Band 1 de Gruyter Berlin New York 1977 ISBN 3 11 006944 X S 512 533 Weblinks Wiktionary Agypten Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Commons Agypten Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Wikimedia Atlas Agypten geographische und historische Karten Wikisource Agypten Quellen und Volltexte Wikivoyage Agypten Reisefuhrer Wikinews Portal Agypten in den Nachrichten Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen politischen und wirtschaftlichen Situation in Agypten Egypt State Information Service Agentur des agyptischen Ministeriums fur Information englisch Landerinformationen des Auswartigen Amtes zu Agypten Egypt country profile auf BBC News englisch Egypt Dossier aus dem CIA World Factbook englisch Politikwissenschaftliche Literatur zum Thema Agypten in der Annotierten Bibliografie der PolitikwissenschaftDaniel Hechler Schlimmer als je zuvor Zehn Jahre 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Politische Gliederung Afrikas Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen Agypten auch in Asien Algerien Angola Aquatorialguinea Athiopien Benin Botswana Burkina Faso Burundi Dschibuti Elfenbeinkuste Eritrea Eswatini Gabun Gambia Ghana Guinea Guinea Bissau Kamerun Kap Verde Kenia Komoren Demokratische Republik Kongo Republik Kongo Lesotho Liberia Libyen Madagaskar Malawi Mali Marokko Mauretanien Mauritius Mosambik Namibia Niger Nigeria Ruanda Sambia Sao Tome und Principe Senegal Seychellen Sierra Leone Simbabwe Somalia Sudafrika Sudan Sudsudan Tansania Togo Tschad Tunesien Uganda Zentralafrikanische Republik Abhangige Gebiete Iles Eparses Kanarische Inseln Madeira Mayotte Plazas de soberania mit Ceuta und Melilla Reunion St Helena Ascension und Tristan da Cunha Umstrittene Gebiete Demokratische Arabische Republik Sahara SomalilandPolitische Gliederung Asiens Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen Afghanistan Agypten1 Armenien Aserbaidschan Bahrain Bangladesch Bhutan Brunei China 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